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 Kapitel 635-636

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queenie
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BeitragThema: Kapitel 635-636   Di Mai 29, 2018 7:15 pm

https://www.youtube.com/watch?v=kxVr-rzi2ew&index=21&list=PLVuPCRwQLR-MEGrXMH62K97rfkxSzSfU7&t=72s


635. Kapitel Eine bittere Pille

Dracos Sicht

„Wieder wie die letzten Tage?“, fragte Astoria und nahm mir gegenüber auf der Matte Aufstellung.

Wir hatten in den letzten Tagen jeden Morgen vor dem Unterricht Zeit im Raum der Wünsche verbracht. Wir hatten hier Kampfsport und auch Magietraining betrieben. Außerdem waren wir jeden Abend laufen gewesen. Routine, die guttat, es hätte fast wie früher im Cottage sein können, wären wir nicht nur zu zweit gewesen. So oft ich auch gemeckert hatte, ich hatte diese Zeit genauso genossen wie die anderen und ich vermisste sie schmerzlich. Zu der Zeit war alles noch nicht so düster gewesen, nicht gut, aber auch nicht so schlecht wie heute. Wir waren getrieben gewesen von dem, was am Horizont aufzog, aber auch beseelt und voller Enthusiasmus davon angetrieben, uns vorzubereiten. Irgendwie hatte eine sehr anregende Aufbruchstimmung geherrscht. Nun jedoch fanden wir uns mitten in dem, auf das wir uns vorbereitet hatten. Es war noch dunkler geworden als erwartet und das Schlimmste war, es war einsam um uns herum geworden. Und an sich war die Connection, die wir damals gebildet hatten, zerbrochen und doch hoffte ich, dass wenigstens Blaise wieder zu uns stoßen würde.

„Ja, wie immer, fang an“, winkte ich ihr auffordernd zu, mit den leichten Übungen zu beginnen und genoss es, wenn auch im kleinen Stil, wieder mit dem hier zu beginnen.

Wir tänzelten leichtfüßig umeinander und begannen mit leichten Punches und Kicks, die noch nicht richtig trafen und gingen dabei auch über zu Ausweichübungen. Wir waren gerade dabei, richtig anzufangen, als sich die großen Türen zum Saal übergangslos öffneten. Astoria war in dem Moment dabei, einen schwungvollen Tritt auszuführen, unter dem ich mich eigentlich hinweg ducken wollte, doch stattdessen wirbelte ich herum zur Tür, sodass mich Astorias Fuß ungebremst ins Rückgrat traf. Ich wurde zu Boden gestoßen und landete auf den Knien und konnte meinen Fall im letzten Moment noch mit meinen Händen abfangen. Trotzdem kam ich unsanft auf dem Boden auf und als ich mich hochrappeln wollte, war schon Astoria bei mir.

„Sorry, das wollte ich nicht, aber ich konnte nicht mehr bremsen.“ Sie wollte mir aufhelfen, doch ich zog mich alleine auf die Beine. „Was willst du hier?“, wandte Astoria ihre Aufmerksamkeit äußerst kalt unserem Störenfried zu.

„Argh, schon okay…“, versuchte ich abzuwiegeln und ließ meine Schultern kreisen und begrüßte den Eindringling mit einem schmalen Lächeln.

„Ähm…ich habe gesehen, ihr trainiert die letzten Tage und da dachte ich…“, brach Blaise bei dem Hallo unwohl ab und rieb sich ziemlich überfordert den Nacken. Seit dem Vorfall mit Wena zeigte Astoria Blaise absolut die kalte Schulter, was ich nachvollziehen, aber nicht gutheißen konnte.

„Und du dachtest, du könntest mitmachen? Falsch gedacht!“, giftete sie absolut böse und ihr Blick sprühte geradezu vor Abscheu.

„Sei nicht so, Astoria“, fuhr ich sie entnervt an, aber legte ihr gleichzeitig eine Hand begütigend auf die Schulter. Ich fand Blaises Courage, als erster den Schritt zu wagen, gut und würde ihm nicht die Hand verwehren.

„Was? Ist doch wahr…“, beharrte sie störrisch wie ein Gnom, schüttelte meine Hand ab und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Du kannst dich dahinten warm machen“, entschied ich mit harter Stimme, die keine Diskussion zuließ und deutete auf die zweite Matte, woraufhin sich Blaise merklich entspannte, knapp nickte und Richtung der Matte davonstrebte.

„Gut… dann gehe ich“, wollte Astoria beleidigt abziehen, doch ich war schneller, ergriff ihre Hand und zog sie zurück und das mit viel Schwung.

Sie landete in meinen Armen, fest an meiner Brust und starrte ziemlich irritiert zu mir hoch.

„Du musst ertragen können, ihn zu sehen. Er gehört zu mir, ich vertraue ihm und er ist mein Freund… versuch es, dir zu liebe“, mahnte ich so leise und neben ihrem Ohr, dass nur sie es hören konnte. Unterdessen begann Blaise mit leichten Aufwärmübungen, aber ich spürte durchaus, dass er uns genau beobachtete.

„Und wenn nicht?“, wisperte sie atemlos und sie biss sich auf einmal ganz unpassend auf ihre Unterlippe und ich hatte das Gefühl, der kleine Teufel plante schon wieder etwas.

Noch bevor ich reagieren konnte, lagen urplötzlich und sehr energisch ihre Lippen auf meinen, ihre Hände in meinem Nacken und sie zog mich sehr bestimmt zu sich. Das war ja so klar, sie war sich noch nie zu schade gewesen, wenn es darum ging, denen, die sie geärgert hatten, eins auszuwischen. Dazu kam nun noch der sicher nicht gute Einfluss meiner Familie und sie begann, mit den gleichen manipulativen Spielchen wie wir alle. Und das gefiel mir so gar nicht, weshalb ich meinem Mund von ihr losriss.

„Hey“, protestierte sie sogleich, als ich den Kuss abrupt unterbrach.

Aus den Augenwinkeln sah ich, dass Blaise völlig erstarrt dastand und bemüht gleichgültig zu uns blickte.

„Nicht so“, erwiderte ich ziemlich sauer und eindringlich, woraufhin sich Astoria ruckartig von mir löste und herumwirbelte.

„Na, gefällt dir nicht, was du siehst?“, fragte sie zuckersüß und ich konnte ihr Grinsen fast hören, denn sehen konnte ich es nicht, da sie Blaise ansah und mich dabei total überging, was mich mehr als nur wurmte.

„Pech“, wirbelte sie herum und strebte der Tür zu.

„Astoria“, kam es von Blaise und mir fast zeitgleich, doch sie wandte sich nicht mehr um.

„Fickt euch“, rief sie nur wenig passend über die Schulter hinweg und zeigte uns den Mittelfinger über der Schulter, dann verschwand sie durch die Tür und knallte diese hinter sich mit Wucht zu.

„Sie ist echt sauer“, kommentierte Blaise trocken, aber damit sagte er weder mir noch ihm was Neues.

„Hm“, war deswegen meine schulterzuckende Reaktion, während ich noch überlegte, ob ich ihr folgen wollte.

„Du solltest ihr nachgehen…“, meinte Blaise dann sehr unerwartet, aber aufrichtig, wie mir sein Gesichtsausdruck verdeutlichte.

„Ich weiß nicht“, gestand ich untypisch für mich mein Zögern.

„Doch, weißt du… sie ist jung, gekränkt und verletzt… und ich kann es wohl kaum“, bekannte er sichtlich betrübt.

„Stimmt“, nickte ich nur und verließ dann ohne weitere Worte den Raum.

Warum auch immer, draußen auf dem Gang begann ich, zu rennen, doch ich holte Astoria erst vor dem Zugang zu Slytherin ein und wir sahen uns nur lange an. Schweigend, ohne dass ich etwas sagen musste, folgte sie mir in meine Räume.

„Was sollte das?“, begannen wir fast gleichzeitig, als ich die Tür hinter uns geschlossen hatte und bedeutete dann Astoria, anzufangen. Ich konnte warten.

„Was wohl? Ich hasse alles! Ich hasse, zu was mein Leben momentan verkümmert ist. Ich hasse dieses Gefängnis, das sich Schule schimpft. Diese Gruft, das Manor und wenn es so weitergeht, hasse ich dich auch noch“, begann sie völlig aufgebracht.

„So viel Hass, viel zu viel, für eine so kleine Person“, trat ich traurig kopfschüttelnd auf sie zu. „Das ist nicht gut“, legte ich ihr sanft die Hände auf die Schultern und blickte ihr in die Augen.

„Und ich vermisse so viel“, bekannte sie dann schniefend. „Lucien, Harry, die Twins… mich kotzt einfach nur alles an. Früher hatten Daphne und ich zwar Angst, dass unsere Stiefmutter unser Leben kaputt macht und uns an so ein Ekel verschachert, aber jetzt sitze ich hier im goldenen Käfig und kann noch weniger entscheiden als früher. Draco, ich kann mich damit nicht abfinden. Ich habe es wirklich ernsthaft versucht, aber wenn ich es tue, schäme ich mich vor mir selber. Ich bin das nicht… Hermione, wie sie das mit deinem Vater akzeptiert… das… das… nein… es tut mir leid…“, klang sie ehrlich verzweifelt und ich verstand sie sogar und holte erstmal sehr tief Luft.

„Du weißt, dass du nicht die einzige bist, die viel vermisst und noch mehr verloren hat… leg das ab, Astoria!“, bat ich seufzend. „Vertraust du mir?“, fragte ich schließlich und schluckte meine Wut über ihren Abgang herunter. Indes zog sie überlegend die Schultern hoch und sah mich abwartend an.

„Deine Art, das geht so nicht weiter, Astoria. Ich bin nicht dein Spielzeug und ich hatte jetzt lange Geduld“, begann ich bemüht leise und erinnerte mich daran, dass sie sogar den einen oder anderen Morgen an mich gekuschelt aufgewacht war und ich auch da Geduld bewiesen hatte und ihr nicht weiter nähergekommen war.

„Ähm…“, wollte sie einwenden, doch ich hob die Hand, um sie zu unterbrechen.

„Ich bin noch nicht fertig. Du hast verlangt, dass diese Beziehung zwischen uns exklusiv ist und ich halte mich daran. Nur langsam solltest du dir darüber im Klaren sein, dass dies auch heißt, den nächsten Schritt zu tun, vor allen Dingen, wenn du mich küsst. Entscheide dich, denn ich werde nicht mehr lange warten. Ich habe es satt, dass du vieles als selbstverständlich von mir nimmst, aber nicht gibst. Ich erwarte nicht, dass du dich jetzt sofort entscheidest, aber bald…“, mahnte ich eindringlich. Und es ging ja nicht nur um heute, als sie mich geküsst hatte, um Blaise zu kränken, nein, es ging um Küsse wie am Valentinstag, oder zu anderen Gelegenheiten in den Ferien.

„Du meinst das ernst, oder?“, fragte sie etwas fassungslos und ich trat langsam auf sie zu und legte die Hände auf ihre Schultern und drückte fest zu.

„Absolut“, erklärte ich völlig ernst, während ich sie intensiv musterte.

Sie blickte mir fast schon suchend entgegen. Ihre Augen huschten hin und her und es schien so, als versuchte sie, in meinem Blick und meiner Mimik etwas zu finden. Schließlich seufzte sie.

„Bald?“, fragte sie unsicher und ich nickte fest.

„Ich bin später noch weg, aber wir sehen uns. Du weißt genau so gut wie ich, dass wir nicht weiter so auf der Stelle treten können und ein Zurück gibt es nicht mehr“, machte ich noch mal deutlich.

„Bis dann“, entwand sie sich mir und ging und ich ließ sie.

Dracos Sicht Ende

Hermiones Sicht

An einem der nächsten Tage saßen wir wieder in der Küche des Shell Cottages und beratschlagten, als wir von der scheppernden Eingangstür unterbrochen wurden.

„Mum und Dad lassen euch alle ganz herzlich Grüßen und dir soll ich von Mum ganz besonders liebe Grüße ausrichten, Hermione… auch der Kuchen ist für dich!“, rief Bill fröhlich in die Runde, dabei nickte er Griphook neutral zu und schwenkte einen Kuchen durch die Luft.

„Was?“, „Hermione extra?“ „Warum das?“, echoten die Jungs ziemlich rüde und auch ich war skeptisch darüber, dass ich besonders hervorgehoben wurde und so verengten sich auch meine Augen zu Schlitzen. Genau, ich wurde von Molly explizit gegrüßt und bebackt? Was ging da vor sich?

„Ja…“, offenbarte nun auch Bill, dass er darüber erstaunt war und durchquerte den Raum in Richtung Küche mit seiner Gabe. „Keine Ahnung, aber Mum ist total durch den Wind, gefangen zwischen Jubel und Trauer… und sie meint ständig, Hermione wäre ein tolles Mädchen… ich frag mich echt, was da passiert ist“, murrte der älteste ihrer Söhne ein wenig überfordert und ich dachte mit Grauen an die Geburt und wurde mehr als hellhörig.

Und die Jungs waren auch nicht doof und warfen mir nun eindeutige Blicke zu. Ja, die Twins und die Bande in meinem Haus schien ein Geheimnis zu hüten. Sie hatten uns was verschwiegen und waren deshalb zum Teil so komisch gewesen. Jetzt fielen mir auch ihre Blicke untereinander ein. Im Nachhinein war es noch sonderbarer, dass die Twins uns in mein Haus gerufen hatten und dann schon fort gewesen waren als wir ankamen und eben niemand Hilfe bei der Geburt gebraucht hatte. Warum sagte mir mein Instinkt, dass Mollys Verhalten gar wunderbar in diese offenen Fragen passte?

„Hat sie nüchts gesagt?“, fragte Fleur freundlich und nahm Bill den frischen Blechkuchen ab.

„Nein, sie sagt, sie kann nicht sagen was sie bewegt, aber es wäre zu schön, um wahr zu sein… Dad kommt mit ihren Schwankungen auch gerade nur schwer zurecht und sie kocht und backt wie eine Verrückte… Muriel, die tut sich auch leid“, erzählte Bill rasch, als er zu seiner Frau sah und ich sah meine Vermutungen bestätigt. Sie hatten Molly um Hilfe ersucht und mit Dracos Hilfe hatten sie sie auch einschleusen können und jetzt hatten alle Angst davor, uns die Wahrheit zu erzählen.

Ganz super, ich rollte mit den Augen und die Jungs seufzten im Chor, das bedeutete, Molly wusste von allen. Von Draco, von meinem Haus, von Sirius, Remus und Tonks, den gar munteren Toten, und nun dem nächsten Baby und von Lucien ganz zu schweigen und sie wusste, dass ich meine Finger mit im Spiel hatte und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen dichtete sie mir nun auch noch an, gut zu sein. Ganz toll, bravo!

Sie war bestimmt ganz wuschig wegen dem Haus der lebenden Toten, in dem sich die angeblich verstorbenen Ordensmitglieder tummelten.

„Ach und Fleur, Muriel lässt dich besonders nett grüßen. Sie hat sich darüber gefreut, dass wir das Diadem zurückgegeben haben. Sie dachte, wir hätten es gestohlen.“, serviert Bill mit bissigem Zynismus, woraufhin Fleur empört quietschte und meine Kombinationsgabe unterbrach.

War es wichtig, dass Molly es wusste? Keinen Dunst! War es gefährlich? Auf alle Fälle, auch wenn sie anscheinend unter den Zaubern stand! Konnte ich was ändern? Nein! Deshalb schob ich das Thema erstmal weit von mir.

„Mais oui, wie unge’euer charmant ta tante Muriel doch ist“, erwiderte Fleur sichtbar beleidigt und machte es mir leicht, das andere Drama zu vergessen.

Plötzlich rumpelte sie resolut in die Höhe und schwang energisch ihren Zauberstab. Sofort flog das benutzte Geschirr in die Küche, um sich selbst abzuwaschen. Nur geschah dies ohne Rücksicht auf Verluste, denn Ron war noch nicht fertig und sah ein wenig traurig seinem halb aufgegessenen Spiegelei hinterher, das auf Nimmerwiedersehen verschwand und ihn mit dem Besteck in den Händen zurückließ. Dabei war zu erwähnen, dass es sein drittes gewesen wäre, weshalb ich mir ein Kichern verbot, aber Harry bemerkte es sehr wohl und grinste verstohlen zwinkernd zu mir. Mir kam der Gedanke, dass er auch schon zu viel Zeit bei Gellert verbracht hatte, da mich dieses Zwinkern eindeutig an eben jenen erinnerte.

„Was für ein Diadem?“, fragte der Kobold misstrauisch und schon deutete Fleur zu ihrem Hochzeitsbild auf der Kommode unter dem Fenster und Griphook angelte fast schon gierig danach „Aha… Mondsteine und Diamanten“, meinte er mit einem grimmigen Ton. „Koboldhergestellt, schätze ich?“, dabei lag eine verächtliche Note, die schon beleidigend war, in seinem Ton.

„Und von Zauberern bezahlt“, erwiderte Bill leise, aber bestimmt, während Griphook ihm einen erbosten Blick zuwarf.

„Könnten wir zum Thema zurückkommen?“, fragte ich geschäftig in die Runde, um einem Streit vorzubeugen und beugte mich über das alte Buch vor mir, das ich aus Lucius‘ Bibliothek hatte mitgehen lassen und schon zogen sich Fleur und Bill leise miteinander redend in den ersten Stock zurück, um uns allein zu lassen.

„Hat man Ihnen schon gesagt, Miss Malfoy, dass Sie schrecklich pedantisch sind?“, kam es anzüglich von dem Kobold und ich schnaubte und warf ihm von unten einen taxierenden Blick zu.

„Eine Gabe, die Rangok immer sehr an mir zu schätzen wusste“, gab ich seelenruhig, aber auch ziemlich spitz zurück, was den Kobold veranlasste, die kleinen Zähnchen zu fletschen. Eine Geste, die ich erwiderte, sodass er nun über seine abgetragene Weste strich und sich aufrichtete, um erneut das Wort zu erheben, nachdem sicher war, dass wir ganz alleine waren.

„Das Verlies, in das sie eindringen wollen, ist eins der ältesten in ganz Gringotts“, erklärte Griphook geschäftig. „Es ist tief unter der Bank, viel tiefer als Ihr Verlies, Mr. Potter“, spiegelte sich eine gewisse unverhohlene Verachtung und Schadenfreude in seiner Stimme wider. „Beinahe so tief wie die Staatskasse des Ministeriums“, meinte er und jetzt warf ich diesem Wesen einen schneidend scharfen Blick zu, den er regelrecht dreist erwiderte. „Wobei das Hauptverlies der Malfoys auch tiefer liegt als das der Lestranges, eher beim Ministerium“, verkündete er zu stolz in meinen Ohren und ich lauschte gespannt, aber auch ein wenig peinlich berührt, da Lucius mal wieder alles schlug und genau deshalb hatte es dieses Mistvieh da vor uns mit voller Absicht erwähnt, weswegen auch jeder nun zu mir blickte.

„Das Ministerium hat ein Verlies?“, fragte Ron jedoch irritiert und überging die Spitze gegen meine Familie.

Indes bemerkte ich sehr wohl die Augenpaare, die mich musterten. Aber nur weil ich für die Gattung der Kobolde Malfoy hieß, bedeutete es nicht, dass ich jemals dort unten gewesen war. Ich hatte mein eigenes Verlies, das natürlich weit oben angesiedelt war, weshalb ich mit den Augen rollte.

„Natürlich! Was denken Sie denn, wie die ganzen Leute bezahlt werden?“, kam es eher rhetorisch von Griphook und er sah Ron an als ob dieser ein Idiot wäre, woraufhin Ron eine malerisch beleidigte Schnute zog. „Was meinen Sie, was jeden Monatsanfang dort unten los ist, wenn die ganzen Karren mit dem Gold über die Schienen fahren?“, jammerte der Kobold, bevor er plötzlich fies zu grinsen begann. „Das ist ein logistisches Meisterwerk“, verkündete er sichtbar stolz und reckte die magere Brust.

„Okay, alles schön und gut, das bringt uns nur nicht näher an das Verlies. Am besten zeichnen Sie uns eine Karte, damit wir uns wenigstens ein bisschen orientieren können, wenn wir dort unten sind“, forderte Harry und schob ihm die Utensilien hin.

„Wie Sie so schön sagen: Alles schön und gut“, kam es abwägend von Griphook, während er mit der Feder rumspielte. „Aber die größte Frage ist, wie wollen sie dort überhaupt hineinkommen? Wir müssen am Schalter vorbei, um überhaupt in die Minen zu gelangen“, gab er zu bedenken.

„Puh, gute Frage.“, „Mhm, Ideen?“, fragten die Jungs abwechselnd und ich lehnte mich zurück, verschränkte die Arme vor der Brust und seufzte tief und schwer. Das fiel mir gar nicht leicht.

„Ich hätte da eine Idee“, bekannte ich murrend und sofort lagen alle Augen auf mir, woraufhin ich mir eine Strähne aus der Stirn pustete. Die Idee trug ich schon länger mit mir rum, aber sie gefiel mir nicht, hätte sie doch für mich Konsequenzen.

„Vielsafttrank“, verkündete ich entschlossen knapp und schaute Harry und Ron mit verzogener Miene an. Ich hasste dieses Gebräu, als wir Gepolter wahrnahmen und ich verstummte.

„Wo wollt ihr denn Vielsafttrank herbekommen?“, schoss es zweifelnd aus Bill heraus, der in den Raum sprang und offenbarte, dass er die letzten Sätze sehr wohl wahrgenommen hatte. „Es dauert einen Monat, ihn zu brauen und die Zeit habt ihr nicht“, meinte er oberschlau und ich war versucht, ihm die Zunge rauszustecken. Und doch erinnerte er mich gerade schmerzlich an mich in der Schule und diesen Spiegel vorgehalten zu bekommen war gerade gar nicht schön.

„Selbst wenn ich meine Tasche nicht verloren hätte… ich habe Möglichkeiten, an das Zeug zu kommen“, meinte ich wegwerfend und in diesem Fall würde ich bei Severus anfangen.

Da schlug sich Ron laut klatschend die Hand vor den Kopf und stürmte laut polternd aus dem Zimmer. Wir alle tauschten überraschte Blicke aus, als er sich auch an Fleur vorbeidrängte, die ebenfalls wiederkam, doch Ron kam nur wenige Sekunden später zurück. In seiner Hand hielt er mit einem triumphierenden Gesichtsausdruck meine Perlenhandtasche.

„W… wie?“, hauchte ich entzückt und entriss ihm die Tasche, dabei krachte und rumpelte es laut im Inneren vor sich hin.

„Naja“, meinte Ron sichtbar zufrieden und zog die Schultern hoch. „Als Harry das Tabu gebrochen hat, habe ich die Tasche gegriffen und sie versteckt“, grinste er verschmitzt und ich konnte den neuen Ron, der an alles dachte, nur bewundern.

„Wo? Wo hast du sie versteckt?“, fragte Harry, eine Frage, die dafür sorgte, dass Ron sofort rot anlief. „Die haben uns doch von Kopf bis Fuß durchsucht“, meinte er noch überlegend und ich runzelte die Stirn. Da ich bewusstlos gewesen war, hatte ich von diesen Vorkommnissen null Schimmer.

„Jaaa“, erwiderte Ron gedehnt und wandte den Blick peinlich berührt ab, woraufhin Harry die Augen zusammenkniff.

„Sag mir bitte nicht, dass du die Tasche in deiner Unterhose versteckt hast“, flüsterte Harry mit einem unterdrückten Lachen in der Stimme und sofort wurde Ron noch röter, was sich schrecklich mit seinen Haaren biss und sofort hielt ich die Tasche nur noch mit den Fingerspitzen fest.

Okay, das war eklig, wenngleich sehr effektiv und ich war nicht nur wegen der Vorräte froh, wieder im Besitz der Tasche zu sein, sondern auch wegen Dumbledores zum Teil unersetzbaren Büchern.

„Hört mal, also… das war am besten, so genau waren sie nämlich nicht“, verteidigte sich Ron nuschelnd und Fleur kicherte glucksend.

Indes legte ich die Tasche mit spitzen Fingern auf den Tisch, was Fleur mit irgendeinem französischen Protest begleitete. Harry wiederum grinste fies und ich rief mit einem Accio den Trank zu mir.

„Tja, toll, jetzt habt ihr den Trank, aber das hilft euch noch nicht… ihr braucht ein Haar… wessen?“, meinte Bill wenig hilfreich und ich seufzte sehr tief. Seine destruktive Art ging mir echt gegen den Strich.

„Ich versteh nur noch nicht, was das bringt… ist es egal, von wem wir das Haar nehmen?“, „Wäre Malfoy dann eine Option?“, „Da würdest du ja leicht rankommen“, „Griphook meinte ja, dass dieses Verlies auch tief liegt“, kam es von den Jungs abwechselnd.

„Ich habe sogar eine noch bessere Idee“, warf ich unheilschwanger ein und blickte entschlossen zu Harry.

„Nicht dein Ernst“, erkannte Harry sofort meinen Plan und ich lächelte verhalten, denn besonders schmecken tat er mir nicht, aber er erschien mir erstrebenswert, selbst wenn es für mich bedeutete, eine sehr bittere Pille zu schlucken.

„Genau so wird es gemacht“, erklärte ich mit sichtbarem Widerwillen und schüttelte mich, während ich auf die schlammartige Pampe in der Flasche starrte und ich wusste, wessen Haar ich brauchte und sogar wie ich das Haar besorgen könnte und würde.

„Verdammt, das ist echt gut“, sprach nun Ron bewundernd zu mir hin. Er hatte etwas länger gebraucht, um zu verstehen, was ich plante, dafür starrte nun auch er mit neuem Mut gesegnet in die Brühe.

„Was habt ihr vor?“, „Das würde mich auch interessieren, werte Herrschaften.“, „Mon Dieu“, kam es von unseren Dreien, die wahrlich keinen Dunst hatten, was ich plante, aber die auch niemals eingeweiht werden würden, wie ich an das bescheuerte Haar herankommen würde.

Wir hatten einen Weg, hineinzukommen und das beschäftigte uns mehr als wir zugeben wollten, oder auch besonders mich, denn rein war das Eine und manchmal noch mit das Leichteste. Das Wichtigste danach war eigentlich das Raus und das sah ich hier noch nicht. Rein ja, aber nicht raus. Wir würden in der Falle sitzen, aber keiner hatte mehr brillante Ideen, wodurch dieses Planungsgespräch im Sande verlief.

Danach musste Harry zusammen mit Bill dem noch immer hinkenden Kobold wieder in sein Bett helfen und ich vertiefte mich in meinem Buch, bis ich unterbrochen wurde.

„Hey, wo warst du so lange?“, rief Ron Harry jetzt zu, als sich dieser uns wieder näherte.

„Was wollte Bill denn von dir?“, fragte ich mit einem nachsichtigen Lächeln, da mir irgendwie klar war, dass nicht der Kobold Harry aufgehalten hatte, sondern unser Gastgeber und dass ich richtig lag zeigte mir das Zwinkern, das mir Harry schon wieder schenkte.

„Er hat mich vor Griphook gewarnt. Er meinte, dass die Kobolde eine andere Auffassung von Eigentum, Bezahlung und Rückerstattung haben als wir“, erzählte er sofort und ließ sich neben uns nieder und griff nach einer Flasche Butterbier.

„Du meinst, dass für sie der eigentliche Eigentümer eines Gegenstandes nicht der Käufer ist, sondern der Hersteller?“, wollte ich völlig irritiert erfahren, da ich diese Denkart als ziemlichen Bockmist empfand. Ehrlich, wenn sie solche Geier waren, dann sollten sie ihre Sachen nicht verkaufen, so einfach lief das in meinen Augen.

„Jupp, laut Bill denken sie, dass von Kobolden hergestellte Wertstücke immer in deren Eigentum verbleiben, auch wenn ein Zauberer es ihm abgekauft hat. Wer einen koboldgefertigten Wertgegenstand erbt oder verschenkt, ohne die Kobolde dafür erneut zu bezahlen, sei in ihren Augen ein Dieb“, führte Harry aus und seine Miene zeigte deutlich, dass auch er nichts davon hielt.

„Wow, krass, das hört sich voll abgedreht an“, warf Ron irritiert ein und steckte sich eine Bohne in den Mund.

„Jedes Mal!? Was für ein Geschäftsmodel, das ist totaler Schwachsinn… pfff!“, ätzte ich angesäuert. Bisher hatte ich dank Rangok angenommen, dass Kobolde vernunftbegabte Wesen wären, mit denen man knallhart verhandeln konnte, aber diese Einstellung war so hirnrissig, dass mir die Argumente glatt ausgingen.

„Genau, Bill hat mich davor gewarnt und es wortwörtlich so wiedergegeben: Dass es gefährlicher ist, einen Kobold zu betrügen, als in Gringotts einzubrechen… genau, das war sein Wortlaut“, wisperte Harry nun eindringlich und wir drei wechselten eindeutige Blicke.

„Meinst du, er weiß es?“, fragte Ron besorgt und meinte, ob sein Bruder wusste, dass wir das Schwert dem Kobold versprochen hatten, aber erstmal nicht daran dachten, es ihm zu geben. Daraufhin nickte Harry.

„Ich glaube, er hat es sich zusammengereimt. Sagen wird er natürlich nichts, nicht zu Griphook…“, gab Harry zu, wirkte aber alles andere als begeistert. Es schien ihn etwas megamäßig zu bedrücken. „Du bist immer noch nicht glücklich, dass ich ihm das Schwert geben will?“, fragte Harry leise und hörbar zerrissen in meinen aufmerksamen Ohren.

„Ich fürchte die Probleme, die kommen, wenn wir es ihm nicht sofort geben… und du scheinst auch zu zweifeln, mehr als früher…“, gab ich meine Bedenken offen zu.

„Ach, denkt ihr, dass wir das jetzt vorplanen können? Erst mal rein und dann sehen wir weiter…“, erklärte Ron leicht genervt, während ich eine Hand auf Harrys Schulter legte und zudrückte.

„Weih uns ein“, bat ich leise und erhielt einen traurigen Blick.

„Bill hat mir noch was anvertraut, den Grund… warum Griphook zum „Verräter“ geworden ist und seitdem auf der Flucht ist, denn eigentlich wird er mehr von seinesgleichen gejagt als von den DeathEatern… Aber der Reihe nach, die Kobolde beugen sich dem Dark Lord nicht… völlig… aber Griphook fühlte sich zu sehr eingeengt durch die DeathEater und gab Dinge raus, die er nicht sollte, ans Ministerium… du erinnerst dich an meine Akte, die du mir zu Weihnachten gegeben hast?“, fragte Harry und natürlich erinnerte ich mich an Lucius‘ Geschenk an mich.

„Ja, die Akte, die Lucius aus dem Ministerium direkt von Scrimgeours Schreibtisch hat mitgehen lassen, als dieser getötet worden ist…“, fasste ich zusammen und erinnerte mich an das Grauen, das mich überfallen hatte, dass ohne Lucius‘ aktive Mithilfe beinahe herausgekommen wäre, dass Harry Vater eines Sohnes und dass Daphne seine Frau gewesen war. Es war damals ganz knapp gewesen und ich war Lucius unendlich dankbar, dass er uns gedeckt hatte.

Aber der aufwallende Zorn auf diesen selbstgerechten Kobold fräste sich in mir fest, als ich endlich erfuhr, wie das hatte passieren können.

„Genau die…“, meinte jetzt Harry freudlos und blickte grimmig durch seine Brillengläser.

„Fuck, der kleine Scheißer hier hat die Infos herausgegeben?“, wisperte Ron aufgebracht und pulsierte regelrecht vor Wut, während wir alle verstummten und vor uns hinbrüteten.

Es wäre sinnlos, ihn jetzt für seine Tat anzumachen. Wir brauchten ihn und diese Erkenntnis war für uns drei nicht leicht zu schlucken. Ebenso wie die Offenbarung, dass wirklich nicht alles und jeder gerettet werden sollte. Doch grollen brachte nichts, weswegen ich mich aufraffte und die Wut tief in mir vergrub und in die Hände klatschte.

„Noch mal von vorne, Jungs“, wollte ich nochmal beginnen, alles auszuarbeiten, als die Jungs, wie früher in der Schule, aufbegehrten.

„Halt.“, „Stopp.“, Warte.“, „Ja, bitte.“, „Ablenkung tut gut.“, „Genau, ich war viel kreativer nach der Geburt von unserem bunten Teddybären. Das war mal echt eine nette Ablenkung“, gluckste Ron und kicherte, darum bemüht, Griphook aus unseren Gedanken zu vertreiben.

„Ron“, ermahnten Harry und ich ihn wegen seiner Veralberung des Kindes, aber auch wir waren mit einem Schmunzeln gesegnet.

„Was denn?“, beschwerte er sich lachend. „Ich mag den kleinen Fratz, Lucien, der Parsel spricht und Teddy, der bunt ist, das wird mal eine Truppe… Leute… Hogwarts wird unter ihnen erzittern!“, brachte uns Rons Einwurf weg von den unguten Gefühlen den Kobold betreffend und so lachten wir drei bei den Bildern, die er gekonnt in uns assoziierte, los und es tat gut, kurz zu lachen.

„Aber jetzt ist unser Vorhaben wieder aktuell. Das wird schwieriger als die Sache im Ministerium, viel schwieriger, Leute“, war es auch Ron, der uns überzeugt auf den Boden der Tatsachen zurückbrachte und ich schluckte schwer, da ich diesmal auf einen Kobold angewiesen war, dem ich nicht vertraute.

„Denke ich auch“, sagte Harry mit trockenem Mund. „Aber wir schaffen das und wenn wir damit fertig sind, sind wir die Ersten, die einen erfolgreichen Raubzug in Gringotts durchgeführt haben!“, verkündete Harry aufmunternd und ich schüttelte den Kopf.

„Selbst wenn wir es wieder rausschaffen, werden die Kobolde uns dafür hassen… auf ewig“, murrte ich düster. Mir war gegenwärtig, dass diese Rasse Vergebung ebenso wenig kannte wie Spaß.

„Sie sind ein rachsüchtiges und nachtragendes Volk“, meinte auch Ron überzeugt, als ich seufzte.

„Hoffentlich lohnt es sich“, flüsterte ich sorgenvoll. „Hoffentlich ist der Horkrux da!“, sprach ich die größte unserer Sorgen zum ersten Mal offen aus.

„Es muss da sein“, kam es eindringlich von Harry.

„Da fällt mir die spannendste Frage überhaupt ein, wie hoffst du, Bellatrix ein Haar abzuluchsen?“, wollte Ron ablenken, woraufhin ich die Zähne bleckte.

„Das wollt ihr gar nicht wissen, aber sagen wir es so, bald tobt das Gewölbe“, verkündete ich mit düsterer Stimme.

Indes schwante mir, dass dies nichts Gutes für mich bereithalten würde. Woraufhin die Jungs die Güte hatten, bei dieser Eröffnung unheilvoll zu schweigen und sich mit Grabesmienen zurückzulehnen auf dass jeder von uns seinen schwerfälligen Gedanken nachhängen konnte. Es gab so unendlich viel zu planen, zu bedenken und zu recherchieren.

Schließlich kam die unheilvolle Nacht der Nächte und ich hatte mich auf diesen besonderen Abend mit großer Spannung vorbereitet. Ich trug ein langes, schwarzes Kleid mit Netzstoff darüber, der zum Teil große Löcher aufzuweisen hatte und darunter ein asymmetrisches Design mit langen Ärmeln und einer Schnürung an einer Schulter, die meine Haut durchblitzen ließ und das einen zweckmäßigen Reißverschluss am Rücken hatte. Darüber trug ich den langen schwarzen Mantel der DeathEater.

Meine Dolche waren an meinen Beinen sicher verwahrt und letztendlich band ich mir noch die langen, lockigen Haare zu einem tiefsitzenden Pferdeschwanz zusammen und betrachtete mein Spiegelbild. Mir sah ein entschlossenes, an sich schon regloses Antlitz entgegen und meine Augen wirkten seltsam dumpf, weswegen ich seufzte.

Natürlich war dies der Moment meiner Rache, aber die Aussicht auf den labilen Lord jagte mir einen Schauder der Angst über den Rücken und ich biss mir besorgt auf die Lippen. Gerade wollte ich die Kapuze aufziehen, als urplötzlich die Tür aufging und die Jungs frohgemut hereinpolterten.

„Wow…“, „Du willst los?“, „Ist es soweit?“, kombinierten sie erschreckend flott, nachdem sie meinen düsteren Aufzug registriert hatten und sofort verschwand ihre gute Laune und sie wurde durch ernste Mienen ersetzt, die dem Ernst der Lage angemessen waren.

„Ja, ich muss los. Ist unten alles weg?“, fragte ich daher nur schlicht und nestelte an der Schließe meines Mantels herum.

„Ja, wir haben uns gerade alle für die Nacht verabschiedet“, meinte Ron sofort hilfsbereit und musterte mich mit schief gelegtem Kopf.

„Schaffst du das?“, fragte Harry und ich blinzelte überrascht zu ihm, als ich bemerkte, dass ihm diese Frage ernst war.

„Hahaha“, lachte ich freudlos auf. „Ob ich das schaffe? Das ist doch nicht dein Ernst, oder Harry?“, meinte ich selbstredend, da ich seit Wochen darauf brannte, mich zu rächen und heute auf meinen großen Tag hoffte.

Natürlich wusste ich nicht, was der Lord, oder Lucius sonst noch so ersonnen hatten, aber ich war mehr oder weniger für die Grässlichkeiten des Gewölbes breit, aber den Weg ging ich nie gerne. Das Gewölbe war noch immer ein Ort, den ich liebend gerne mied. Doch ich wurde überrumpelt, da sich plötzlich von vorne und von hinten Arme um mich schlangen. Harry und Ron nahmen mich regelrecht in den Schwitzkasten und klammerten sich an mir fest.

„Jungs“, rief ich leicht erstickt. „Ich passe auf, es wird mir nichts passieren“, murmelte ich dumpf an einen Pullover, der mich zu ersticken drohte.

„Ja, aber letztens ist genug passiert.“, „Genau“, sprachen sie, je einer in meine Ohren und drückten nochmal richtig fest zu und ja, der Abschied fiel richtig schwer.

Sie konnten mir nicht helfen. Ich würde das alleine meistern müssen und manchmal war es schwerer jemanden ziehen zu lassen als selbst in die Schlacht zu ziehen. Ja, ich verstand sie, aber irgendwann musste ich gehen.

Wenig später schlich ich durch das Haus. Noch hatte ich nicht die Kapuze aufgezogen, nicht dass mich Bill angriff, sollte er mich doch überraschen. Als ich auf leisen Sohlen die in Schwärze getauchte Treppe hinunterschlich, fühlte ich die Freude darüber, Rache zu nehmen, in mir hochkommen. Doch gleich zügelte ich mich. Es war erst der Beginn der Nacht, denn Sorge vor dem Auftritt des Lords hatte ich allemal und auch Sorge, dass er mich zu sich rufen könnte, für ein Gespräch unter uns. Das war nichts was ich ersehnte, aber etwas, dem ich nicht würde entkommen können, sollte es denn so sein, daher entschloss ich mich, nur noch an Bellatrix zu denken.

Als ich bei den Höhlen ankam und das schummrige Tunnelsystem betrat, bemerkte ich die Grüppchen an allen Ecken und Enden und wie alle erregt miteinander wisperten und die Höhle in einen summenden Bienenstock verwandelten. Es war eine unruhige Stimmung. Jeder von ihnen hatte Angst vor dem, was heute passieren könnte, und zeigte sich besorgt über seine Ahnungslosigkeit, was in Malfoy Manor genau vorgefallen war. Jeder wusste nur, es gab Opfer, Opfer unter den DeathEatern und die Spekulationen trugen bunte Blüten. Selbst beim Vorbeigehen schnappte ich den größtmöglichen Unsinn auf und staunte über die blühende Phantasie der Menschen, die getrieben nach Antworten suchten und doch nur Lügen fanden.

Schließlich stoppte mich eine Wand!

Kurz taumelte ich zurück, aber schon schloss sich eine Hand um meine Schulter, um mir Halt zu geben, denn es war keine Wand, sondern nur eine sehr breite, sehr behaarte Brust.

„Ist dir nicht kalt?“, fragte ich mit Blick auf das nur halb zugeknöpfte Hemd und entriss mich Fenrir, weil ich mich zurückhalten musste, ihm nicht um den Hals zu fallen, nachdem ich ihn mit eiligen Blicken gescannt und erkannt hatte, dass er anscheinend noch ganz war.

„Schön, dass du auch schon da bist, Püppchen“, erwiderte er seelenruhig und ließ seine spitzen Zähne im diffusen Fackellicht aufblitzen.

„Als würde ich mich drücken!“, ätzte ich mit einer guten Portion Hochmut, um mir nicht nachsagen zu lassen, ich würde weich werden. Und schlussendlich sah ich Fenrir zum ersten Mal nach der Katastrophe. Ich packte ihn am Arm und brachte mein wohlverborgenes Gesicht nah zu ihm. „Und hast du Lucius gut überstanden? Alles noch dran?“, wisperte ich fragend und er hatte die Güte, sich ein wenig zu mir runter zu beugen, dabei war es mir, als würde er in meinen Augen nachsehen wollen, ob ich es aufrichtig meinte.

„OHH“, wisperte er dann grinsend. „Deine Sorge um mich tut mir wahrlich gut, das ist fast süß… aber, wenn ich jetzt darauf eingehe, bekomme ich wieder Ärger und lande auf der Streckbank“, meinte er gutgelaunt und lachte plötzlich rau auf und warf sein mächtiges Haupt in den feisten Nacken.

Eine zu lockere Reaktion, die ich ein wenig morbide fand, wusste ich doch aus leidvoller Erfahrung, dass Lucius sein Handwerk verstand wie kein Zweiter und so rollte ich hinter der eisernen Maske mit den Augen.

„Es tut mir aufrichtig leid, dass er dir das angetan hat“, meinte ich dann mit belegter Stimme.

Ich war immer noch völlig sauer darüber, dass Lucius dachte, das als Dank mit Fenrir tun zu können. Deshalb war es mir wichtig und ein Bedürfnis, ihm zu zeigen, dass es mir nicht gleichgültig war, oder noch schlimmer, dass ich es als selbstverständlich ansah, dass er sich um mich kümmerte und mich beschützte, wenn ich es nicht konnte. Ich gestand mir die Schande ein, dass ich ohne ihn ziemlich am Arsch gewesen wäre. Mit Grauen dachte ich an meine Hilflosigkeit, als ich seinen Blick bemerkte, sodass ich weitersprach: „Ja, dabei verdienst du meinen Dank… von uns allen!“

„Tja… der Dank deines Verlobten war… einmalig“, spottete Fenrir lässig, dabei blitzte es in seinen Augen schalkhaft auf und ich verstand nicht, wie er so gleichgültig auftreten konnte, nachdem er in Lucius‘ Fängen gewesen war. Spielte er das? Oder empfand er wirklich so? Das kaufte ich ihm nicht ab. Aber ich verstand, wenn er in dieser Umgebung keine Schwäche zeigen würde, das würde ich auch nicht.

„Es war falsch und ich verstehe es nicht und daher danke ich dir…“, entgegnete ich deswegen leise und es fiel mir absolut nicht leicht, da es wieder einen Punkt markierte, an dem ich schwach gewesen war und ich hasste es, in seiner Schuld zu stehen, aber ich stand dazu. „Danke, dass du auf mich aufgepasst hast als ich es nicht konnte“, wisperte ich so hauchend, dass man es fast nicht hörte und krallte meine Fingernägel in seinen kräftigen und sehnig starken Arm.

„Da du dir dessen bewusst bist… lass es gut sein“, erwiderte er auch flüsternd, jedoch zum Ende hin lauter mit einer zu großen, wegwerfenden Leichtigkeit und sofort verengten sich meine Augen zu Schlitzen.

„Ich werde Lucius so nicht davonkommen lassen… ich… ich verstehe nicht, was ihn da getrieben hat und ich heiße es nicht…“, sprach ich eilig weiter, als er sich aus meinem Griff befreite und nun mich im Gegenzug fest umfasste.

„Aber ich!“, unterbrach Fenrir mich knurrig und drückte meine Hände nach unten. „Es ist alles gut, Püppchen, du musst nicht eingreifen. Die Rechte Hand und ich, wir verstehen uns…“, raunte er eindringlich, dabei wurde ich noch misstrauischer.

„Wirklich?“, echote ich ungläubig, wegen so viel gespielter Einigkeit.

Lucius kam und folterte und daraus entwickelte sich eine Basis des Vertrauens, der Freundschaft? Ja, genau… als ich stoppte und mir in Erinnerung rief, dass ich durch ihn auch durchaus das Verlies kennengelernt hatte und jetzt mit ihm zusammen war. Das war doch unfassbar schrecklich.

„Ja, sei dir gewiss, dein Malfoy ist dir wohl wahrlich gar nicht verfallen“, lag ein Spott in seinem Timbre, der mir durch und durch ging und mich leicht unter seinem Griff erzittern ließ.

„Wie meinen?“, presste ich atemlos hervor.

„So wie ich es sage“, meinte er schlicht, dabei lag ein durchwegs anzüglicher Zug in seinem hartkantigen Gesicht. „Der ist ganz scharf auf dich und will dich nicht teilen… mit nichts und niemandem“, raunte er mir nun noch versprechend zu und ich riss die Augen unter der Maske weit auf.

Er teilte mich und zwar mit Severus. Aber was zur Hölle hatte er getan, dass Fenrir derart überzeugt von Lucius‘ Absichten war, eben mich vereinnahmen zu wollen? Wir näherten uns einem Thema, das mir selbst Sorgen bereitete. Würde es irgendwann Ärger zwischen Lucius und Severus geben?

Nicht auszumalen, wenn es so wäre, das wäre nämlich doppelt fatal!

„Etwas ganz anderes…“, meinte Fenrir plötzlich mit einem lauernden Ton und riss mich aus meinen Überlegungen. Entweder er schien zu bemerken, wie abgelenkt ich war, oder aber… ich stoppte, da ich das gemeine Blitzen in seinen Augen zu auffällig fand, weshalb ich mich schlauer Weise vor seinen kommenden Worten wappnete. „Ja, das sich aufbauschende Zelt war ja echt nett, so als Effekt…“, zwinkerte er auch noch aufdringlich. „Aber du kamst mit Potter aus dem Zelt, Püppchen“, tadelte er mit dem erhobenen Zeigefinger, als er sich eine kurze Locke schnappte und an ihr zu schnuppern begann. „… und dein Geruch überall an ihnen, von oben bis unten, bei allen beiden…“, tadelte er knurrig und ich verspannte mich augenblicklich.

Gefahr, ich spürte die brodelnde Gefahr, aufzufliegen, wie brennende Säure durch meine Adern sausen. Danach beugte ich mich ein wenig zurück, sodass meine kurze Locke entkam und ich die Zähne fest aufeinanderpresste. Was hatte ich erwartet?

„An seiner Flucht bin ich nicht schuld…“, ging ich sofort in die Defensive. „Das waren Wormtail und Bellatrix“, hielt ich ihm entschieden vor und reckte mein Kinn nach vorne, woraufhin er bellend auflachte.

„Wie günstig… nicht wahr?“, erwiderte er mit glitzernden Augen, aus denen ich lesen konnte, dass er mir kein Wort glaubte.

Ich verbot mir, nervös über meine Lippe zu lecken. Zum Glück kam ich um eine Antwort herum, da ein weiterer Teil meines Trupps zu uns gestürmt kam und ich deshalb Fenrir den Rücken zuwandte.

„Da bist du ja.“, „Du hast gar nicht nach uns gesehen.“, „Ja, weißt du, was uns durch die Lappen gegangen ist?“, „All die Kohle.“, „Ist das zu fassen?“, jammerten sie los.

„Wenn du keine anderen Sorgen hast, Strähnchen“, höhnte ich mitleidlos, schlussendlich hatten Bellatrix‘ Leute ihr Leben gelassen und wenn Draco und Fenrir meine Leute nicht hinausgetragen hätten, bevor der Lord gekommen war, wären sie auch hinüber. Aber war klar, dass Scabior nicht so weit dachte. Daraufhin zog er einen malerischen Flunsch und Fenrirs Hand krachte auf meine Schulter.

„Püppchen, nicht jeder kann im Gold schwimmen“, erklärte Fenrir ungerührt in seiner Verstimmtheit. Ob wegen der Unterbrechung oder weil auch er sauer war, dass kein Gold geflossen war, wer konnte das schon sagen? Aber so schüttelte ich seine Hand eiskalt ab.

„Eben, du hast ja genug!“, jammerte Scabior sofort los und alles an ihm sprach davon, wie sauer er war, dass ihm der große Fisch Harry Potter durch die Lappen gegangen war.

„Sei froh, dass du mit deinem Leben davongekommen bist“, fauchte ich nun Scabior an, „und dass Fenrir und Draco dich und die anderen rausgebracht haben!“

„Ach…“, tat das Strähnchen in meinen Augen allzu lässig ab.

„Was ach?“, äffte ich ihn bitterböse nach. „Wir können alle froh sein, dass wir noch leben. Reiz es nicht aus“, riet ich ihm scharf und bohrte ihm meinen Finger in die Brust, während sich Yaxley und Runcorn raushielten, aber ihre Blicke sprachen Bände.

„Verzieht euch“, fuhr ich die beiden entnervt an und sie trollten sich wenigstens, was bedeutete, dass ich noch nicht völlig meine Autorität eingebüßt hatte. Das war doch auch mal was.

„Was hast du eigentlich bei Potter gemacht?“, fragte nun auch Scabior mit diesem höhnischen Grinsen, das ich ihm am liebsten aus dem Gesicht geschlagen hätte.

„Ich weiß nicht, was du meinst“, erwiderte ich umgehend.

„Wirklich nicht?“, fragte er erneut und mir war sein berechnender Gesichtsausdruck extrem unangenehm.

„Was willst du?“, fuhr ich ihn jetzt rüde an, was seine Augenbraue ziemlich dreist in die Höhe beförderte.

„Ich weiß es nicht? Will ich was?“, lehnte er sich jetzt aufdringlich zu mir und zeigte seine Zähnchen, dabei spielte er extrem aufdringlich mit meinem roten Schal.

Erpressung?!

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BeitragThema: 363. Scratches   Di Jun 05, 2018 10:40 pm

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636. Kapitel Scratches

Wagte er es? Drohte mir dieser aufgeblasene Fatzke wirklich? Was bildete sich Scabior ein, wer er war? Er war bei King und vor allem beim Ballochbuie Forest dabei gewesen, konnte er das vergessen? Wo waren seine Angst und sein Respekt vor mir? Wobei für ihn augenscheinlich das Geld, das ihm durch die Finger geronnen war, mehr zählte und ihn alles was ich konnte vergessen ließ.

Aber ja, ich gab es zu, ich war sprachlos und selbst Fenrir amüsierte sich still vor sich hin, lächelnd über den mittlerweile rot angelaufenen Scabior und ich ahnte, dass ich zu härteren Maßnahmen würde greifen, oder ihm schlicht Geld zustecken müssen.

Schwerer Weg? Leichter Weg?

Noch dachte ich darüber nach, sah mit stechendem Blick zu Scabior, der unter meiner unbewegten Musterung deutlich sichtbar schrumpfte und erkannte, das er anscheinend dachte, das ihn die Beiden Hände, als deren Spitzel er fungiert, vor meinem Zorn schützen würden.

„Hallo, mein Licht…“, trat da Barty aus der Dunkelheit auf uns zu und Scabior hatte die Güte, vor ihm und seinem leicht irren Grinsen zurückzuzucken.

Anscheinend erinnerte er sich doch an die Szenen mit den Dementoren und ich lächelte süßlich, was nur keiner sah, aufgrund meiner Maske. Aber vielleicht war das Auftauchen von Barty genau das, was ich brauchte, um mich unheimlich charmant aus der Affäre zu ziehen.

„Barty, na wie läuft es für dich bei den Snatchern?“, fragte ich heilfroh, so davongekommen zu sein und um eine Antwort, die in einer Konfrontation geendet hätte, herum gekommen zu sein.

„Jämmerlich… die Moral lässt zu wünschen übrig“, zischte er aggressiv und schlängelte seine Zunge zum Strähnchen hin, dabei funkelten seine Augen vor Bösartigkeit.

„Das ist bedauerlich… wahrlich…“, erwiderte ich mit einer hörbaren Prise Gemeinheit, aber nach Strähnchens Auftritt wohl auch nicht verwunderlich. „Umso schöner, dass du diese Moral nun hebst… was ist?“, fragte ich sofort, nachdem ich sein schuldbewusstes Aussehen registrierte.

„Ich muss dir etwas sagen, mein Licht… sssss…“, züngelte Barty unglücklich und blinzelte mich entschuldigend an. „Der Lord hat mich angefragt… er wünscht, dass ich Wormtails Platz bei Nagini übernehme“, verkündete er stolz, aber auch sichtbar unwohl.

Dabei war nicht zu übersehen, dass Fenrir, Scabior und ich von dieser unerwarteten Nachricht ziemlich überrumpelt waren. Der Lord wollte seine Schlange anscheinend nicht unbeaufsichtigt lassen und ich konnte nachvollziehen, warum das so war, und schalt mich selbst, daran nicht auch nur einen Gedanken verschwendet zu haben. Aber dass er Barty als Ersatz wählte, kam nicht unerwartet, aber soweit hatte ich nicht gedacht.

„Oh, das ist… unerwartet“, behauptete ich dann widerwillig.

Natürlich ärgerte ich mich. Er war in meinem Trupp wie eine Versicherung für mich gewesen, nun nachdem sie mir vorwarfen, aus Harrys Zelt gekommen zu sein, aber auf der anderen Seite könnte es mir gelegen kommen, weil ich dadurch einen Grund hatte. Nagini nahezukommen, weshalb ich Barty umgehend gönnerhaft den Rücken tätschelte. „Und natürlich musst du dem Lord gehorchen… es ist eine Ehre!“, meinte ich dann lobend und drückte gutmütig seine Schulter.

„Aber was passiert mit meinen Dementoren?“, jammerte er tatsächlich los und das Schnauben der anderen beiden war nicht zu überhören, aber Barty beliebte es, es nicht wahrzunehmen.

„Nimm sie mit ins Dark Manor“, riet ich ihm umgehend einer Eingebung folgend und hoffte, dass damit Severus weniger Probleme in Hogwarts hätte.

Und vielleicht hatte ich damit mal etwas Glück und alles würde sich in Wohlgefallen auflösen.

Hermiones Sicht Ende

Lucius Sicht

Ich ging entschlossenen Schrittes aus dem abgetrennten Bereich, hinter dem sich die Gemächer des Lords verbargen, nur dass diese leer und verlassen waren.

Der Lord war bisher nicht erschienen!

Was mir recht war, da ich keinen gesteigerten Wert darauf legte, ihn in Persona wiederzusehen. Nicht nach seiner Zügellosigkeit in meinem Heim!

Dass er auf meinen Vorschlag eingegangen war, war sonderbar und ungewöhnlich. Ihn schien einiges umzutreiben. Wie auch immer, ich führte das Regime, wenn er nicht anwesend war und mittlerweile waren alle versammelt und damit oblag es wohl mir, dieser Versammlung vor Augen zu führen, was Versagen in unseren ehernen Reihen bedeutete.

So trat ich unter den ausladenden Steinbaldachin und sah mit finsteren Blicken auf die versammelte Mannschaft hinab.

„Wie ihr wisst ist der Dark Lord unzufrieden…“, erhob ich mit trügerisch sanftem Ton meine Stimme und legte dann eine drohende Kunstpause ein. „Unzufrieden mit einigen von euch!“, dabei hingen diese Subjekte ehrfürchtig an meinen Lippen, die wohl verborgen von meiner Maske nicht sichtbar waren.

„Die Ereignisse in Malfoy Manor lassen sich nicht beschönigen. Sie zollen von absolutem Versagen und unvorstellbarer Blödheit!“, schnarrte ich in bester Severus-Manier daher und bewegte mich mit raschelndem Mantel, der meine Beine umwehte, auf der Plattform und selbst die letzte Beleidigung überbrachte ich mit einer beinah schmerzhaften Freundlichkeit, während ich gespielt theatralisch mein Haupt schüttelte.

„Der Lord ist so unvorstellbar enttäuscht, dass er es vorzieht, heute nicht in Person vor euch zu erscheinen. Da die Sorge berechtigt ist, dass sich das Massaker wiederholen könnte, das sich kürzlich zugetragen hat…“, verkündete ich hintersinnig, dabei trieb ich mit meiner gleichbleibenden, neutralen Stimme das unterschwellig ängstliche Unbehagen in den Augen der Umstehenden in die höchsten ängstlichen Regionen. Ich verzichtete in dieser Rede auf jede Form von gesteigerter Emotion. Kein wirklicher Sarkasmus, kein großer Zynismus, keine sichtbare Wut, kein gezeigtes Amüsement, nur nüchterne Fakten und so erzitterten die DeathEater vor meinen sanften, aber doch so schneidend scharfen Aussagen.

„Ihr seht, wie dankbar ihr unserem Dark Lord sein könnt, dass er so sehr um euer aller Wohlergehen besorgt ist… wenngleich ihr ihn derart enttäuscht…“, seufzte ich übertrieben am Schluss und dabei log ich wie gedruckt, in gespielter Freundlichkeit.

Denn eines war mir allgegenwärtig, dem Lord lag an niemandem etwas und erst recht nicht an seinem Gefolge, vor allem seitdem er davorstand, völlig instabil zu werden. In Wahrheit machte ich drei Kreuzzeichen zu Merlin und Morgana, dass wir ihm nicht vis-à-vis gegenüberstanden, da mir hier die starke Familienmagie nicht zur Verfügung stand und wir alle damit den Launen des Lords mehr oder minder schutzlos ausgeliefert wären. Das mussten die Kretins zu meinen Füßen nur nicht erfahren, die gerade ob meiner Worte ihre Dankbarkeit zum Ausdruck brachten, indem sie laut den Lord anriefen und seiner großen Gnade dankten, ihnen so gewogen zu sein. Was für ein Schmierentheater.

Letztendlich fiel mein Blick auf sie. Auf sie, die unbewegt in der ersten Reihe stand. Ihre dunkelbraunen Augen lagen unverwandt auf mir und ich dachte, einen Hauch verächtlichen Humors darin lesen zu können.

„Aber besonders“, unterbrach ich die untertänige Heuchelei mit erhobenem Gehstock und sofort erstarben die Rufe, „unzufrieden ist er mit einer einzigen Person!“

Und erst nach einer kurzen Pause, in der die Spannung mit Händen zu greifen war, erhob ich wieder meine Stimme. „Einer Person, deren Loyalität und Treue er damit ehrt, indem er sich selbst zurückhält und ihre Bestrafung in die Hände anderer legt!“

Sofort stieß Severus, wie auf ein Stichwort hin, Bellatrix von hinten auf die Empore und sie landete strauchelnd auf ihren Knien. Sie kniete in ihrem schwarzen Kleid, demselben wie in Malfoy Manor und mit dem langen wirren Haar vor mir, alles in allem wirkte sie ungepflegt und nicht zurechtgemacht und sah mich mit einem Ausdruck tiefster Verachtung an, während ich sie mit hartem Blick musterte.

„Oh ja, Bellatrix Lestrange hat kläglich versagt!“, verkündete ich der angespannten Menge genüsslich mit Blick zu meiner Verlobten und meinem Sohn hin, die ganz vorne in der Menge standen und verborgen durch ihre Kapuzen zu mir sahen.

„My Lord, ich will den Lord“, kreischte Bellatrix mit einer Prise Panik im krächzenden Ton daher.

„Was du willst… tut absolut nichts zur Sache“, erwiderte ich kühl, als sie die Zähne bleckte.

„Komm“, überging ich Bellatrix‘ weiteres Gekreische nach ihrem Herrn und Meister und streckte Hermione meine behandschuhte Hand entgegen und diese zögerte keine Sekunde, als hätte sie auf diese Aufforderung die ganze Zeit gewartet und sprang auf die Empore hoch und ihr noch immer kniendes Opfer hatte die Güte, zurückzuweichen.

„Na, was hast du vor… du hässliches Mudblood?“, spuckte Bellatrix los und krabbelte auf allen vieren vor dem Biest davon, sodass sie meine Hand eilig losließ und sich an Bellatrix heranpirschte.

Das Biest hielt ihr Antlitz weiterhin verborgen, nur ab und an blitzte das Metall ihrer Maske unter der Schwärze ihrer Kapuze hervor. Unterdessen reagierte sie nicht auf die gehässigen Aussagen und blieb stumm. Sie schritt Bellatrix nur langsam ohne Eile hinterher, was den Moment umso spannungsgeladener machte.

Dieses ganze unaufgeregte Verhalten des Biestes schürte die Angst ihres Opfers, aber auch die Anspannung der Zuschauer. Sie fragten sich alle, was hier noch alles geschehen würde und auch meine Neugier stieg unweigerlich an, wie ich nur zu gerne bereit war, zuzugeben. Ich wusste, wie kreativ und unvorstellbar eigenwillig Hermione agieren konnte. Das hier versprach ein Hochgenuss der exquisiten Art zu werden.

„Du willst mir was tun? Das wagst du nicht! Ich bin jahrzehntelang treu! Ich bin rein und ein Pureblood… was bist du? Ich bin eine Black und eine Lestrange, das wagst du nicht! Du traust dich nicht… hahaha!“, kicherte Bellatrix am Ende ihrer wirren Rede.

Bellatrix bemerkte es nicht, aber ich verfolgte sehr wohl, wie Hermiones Hände arbeiteten, indem sie sich immer wieder zu Fäusten schlossen und sie sich zwang, sie gleich wieder zu öffnen. Sie zeigte damit ungewohnt viel Gefühl und ich runzelte verwundert die wohlverborgene Stirn, was ging in ihr vor?

Bewegten sie die Beschimpfungen?

Wohl eher nicht, denn sie ließ sich Zeit und das unsägliche Weib weiter zetern. Bis Hermione schließlich einen abrupten Satz nach vorne tat und ihre Faust in das Gesicht ihrer Widersacherin donnerte, wobei es laut knirschte und Bellatrix vor Schmerzen aufkreischte. Sie krachte mit dem Kopf hinten hart auf dem Steinboden auf. Ihre Hände fuhren zu ihrer platten Nase, während das Blut spritzte und wimmerte benommen, als sich Hermione in einer einzig geschmeidigen Bewegung mit gespreizten Beinen auf dem Bauch ihrer Gegnerin niederließ und ihre linke Hand auf die Brust von Bellatrix drückte, um sie nach unten zu pressen. Bellatrix versuchte, sich zappelnd zu wehren und dies führte zu einigem Gemurmel unter den Zuschauern. Indes schob Hermione ihre rechte Hand unter ihren Mantel und entblößte dabei ihr nacktes Bein, während die DeathEater gebannt auf das Bild starrten, das sich ihnen hier bot. Mit erstaunlich langer Geduld zog sie ihren gebogenen Dolch hervor.

„Uhh, denkst du, ich weine jetzt vor Angst? Vor dir? Du bist nichts weiter als ein dreckiges Mudblood!“, spuckte Bellatrix ihr blutig entgegen und starrte gebannt auf das Metall des Dolches.

Dabei bäumte sie sich vergeblich unter dem Biest auf, das sich nicht die Mühe machte, etwas zu erwidern, sondern nun ihre Linke um den Hals der sich windenden Frau legte und fest zudrückte. Sofort schossen Bellatrix‘ Hände zu Hermiones Handgelenk und rissen an ihr herum. Man sah, wie Hermiones Fingerknochen weiß unter ihrer Haut wurden, da sich das Biest mit erstaunlich eisernem Griff an Bellatrix‘ Kehle festhielt. Daraufhin japste Bellatrix schon nach kurzer Zeit nach Luft. Hermione hingegen ließ das Messer noch immer in aller Seelenruhe in Richtung ihres Opfers wandern.

Regelrecht gebannt verfolgten wirklich alle, was sich vor ihnen auf der Plattform ereignete. Vor allem weil es so absolut langsam und ohne große Gesten geschah, fesselte es einen umso mehr, dabei erinnerte es ein wenig an meinen Auftritt, der auch in absoluter Ruhe und mit leisen Worten so viel mehr unter den Zuhörern und Zuschauern anrichtete als ein aufbrausender Schreihals. Und das hier war kein banaler Kampf, es war eher wie eine Art langsames Vorspiel und ich hoffte inbrünstig auf erlesene Einfälle ihrerseits, um ihr Opfer zu demütigen, zu verletzen und um ihre Macht und Überlegenheit zu demonstrieren.

Es legte sich eine für diese Meute ungewohnte Stille über uns, sodass die nun aufplatzenden Nähte von Bellatrix‘ Mieder fast peitschend laut daherkamen, da das Biest die einzelnen Maschen vorne mit beinah schon schmerzhaft langsamem Genuss zerschnitt und sich die Augen der Frau unter ihr weiteten, die noch immer nach Luft schnappte. Indes vollführte Hermione ihr Tun mit einer schon für mich berauschenden, jedoch für Bellatrix beängstigenden Ruhe. Masche für Masche trennte sie das Band auf, fuhr mit der rasiermesserscharfen Klinge unter die Laschen und hob es dann an, bis der Stoff mit einem Plopp durchtrennt wurde. Schließlich kam sie ganz oben an und dann klappte das Mieder von Bellatrix‘ Kleid auf und ihre Brüste lagen frei. Ihre dunkleren Spitzen hoben sich verhärtend ab, getroffen von der kalten Luft in den Höhlen. Unterdessen sah man, wie sie den Bauch einzog und versuchte, sich tiefer in den Stein zu drücken, wenn ihr die Scheide des Messers erneut nahekam.

Aber da erstarrte das Biest über ihr und auch ihr Griff um den Hals meiner Schwägerin lockerte sich, was diese als Einladung ansah, loszulachen.

„Hahaha… man kennt mich nackt, ich habe damit kein Problem, Schlampe“, keifte sie unter Hermione atemlos und gepresst, da diese sofort wieder zudrückte.

Aber sie versuchte alles, um nicht geschlagen zu wirken, als ich mir sicher war, dass Hermione nichts als ein kaltes Lächeln für diese Aussage hatte.

„Schsch“, hallte nun Hermiones Reaktion durch die Reihen und das ansonsten so unbelehrbare Weib unter ihr hatte die Güte, zu verstummen.

Und erst hier bemerkte ich, wie gefesselt Bellatrix in Hermiones Augen starrte. Sie wirkte regelrecht hypnotisiert, aber dank der gesenkten Maske konnte ich nichts sehen. Was sah Bellatrix in Hermiones Augen, in ihrem Blick?

Waren sie weiß?

Plötzlich begann Bellatrix, wie losgelöst zu schreien, wo an sich noch gar nichts passiert war und Severus und ich warfen uns rasch taxierende und sondierende Blicke zu und er verstand meine Frage.

Waren sie weiß?

Aber schon schüttelte Severus den Kopf, der einen besseren, da anderen Blickwinkel auf Hermiones Augen hatte und der meine stumme Frage, wie so oft, sofort richtig interpretiert hatte. Was war es dann, das Bellatrix plötzlich Angst einjagte?

„Nnnneeeiiinnnn“, dröhnte es eindringlich, einem Echo gleich, durch den gut gefüllten Saal.

Aber Hermione ließ sich nicht beirren, als sie die Klinge an Bellatrix‘ rechtem oberen Brustansatz anlegte und ihr mit einem entschlossenen Ruck ins Fleisch schnitt, was einen gellenden Aufschrei zur Folge hatte.

„Du verfluchtes Mudblood“, schrie Bellatrix zornig und wand sich bockig unter dem auf ihr sitzenden Biest.

Dann wurde mir bewusst, was Bellatrix Angst eingejagt hatte. Die Einsicht, dass Hermines Gleiches mit Gleichem vergelten würde und ich selbst lächelte wohlgefällig ob dieser superben Idee unter meiner eisernen Maske.

Das Biest warf sich ins Zeug, um ihr Werk zu vervollkommnen. Sie schnitt fröhlich drauf los, als gäbe es eine Passion zu erfüllen. Das rote Blut rann über die weiße Haut meiner Schwägerin und leises Getuschel zeigte, dass die Zuschauer unter uns durchaus gebannt von dem waren, was uns geboten wurde. Ein Blick zu Greyback und Scabior bestätigte mir, dass sie regelrecht fasziniert davon waren, wie Hermione sich rächte. Und dass Rodolphus seinen Bruder davon abhalten musste, Bellatrix zur Hilfe zu eilen, was selten idiotisch, aber durchaus passend für Rabastan wäre. Aber auch ich war hinsichtlich ihres weiteren Vorgehens und was sie ersonnen hatte erwartungsvoll.

„Wenn du dich weiter so wehrst, wird es nicht schön“, flötete das Biest zum ersten Mal für alle laut vernehmlich.

Dabei konnte man aus jeder Silbe vernehmen, wie sehr sie es genoss, ihre Gegnerin zu malträtieren. Sie war brutal, sie war mitleidlos und völlig auf ihr Kunstwerk konzentriert, als sie wieder ansetzte, um das nächste Zeichen in die empfindsame Stelle des Dekolletés zu ritzen und erntete als Belohnung ein kreischendes Jaulen des Schmerzes, als die Haut unter dem Schnitt des Messers aufklaffte.

„Was tust du? Was wagst du… was?“, schrie Bellatrix immer wieder wie von Sinnen, aber sie kam nicht hoch, da Hermione sie mit einer Hand an der Kehle auf den Boden pinnte, auf ihrem Brustkorb saß und nur mit einer Hand herumschnitt.

Auf einmal steckte Hermione den Dolch wieder weg und beugte sich rasant wie ein Schakal über ihr Opfer. Sie krallte sich mit ihrer Hand in dem wilden Haar fest und überstreckte den Kopf, indem sie ihn brutal zurückriss.

„Vergiss eines nie… alles was du mir antust, tue ich dir doppelt an“, meinte sie klirrend kalt, aber laut und deutlich.

Da schnitt ein spitzer Schrei durch ihre Worte und hallte von der Decke wider und auch mir kam eine Vermutung, was dort auf der Brust geschrieben stehen könnte und mein Augenmerk zuckte zu dem verborgenen Schriftzug, der den Arm meiner Verlobten zierte. Schon glitt mein Biest in einer einzig geschmeidigen Bewegung von ihrem Opfer, dabei zog sie das zitternde und bibbernde Weib mit sich in die Höhe, um dann allen genau zu präsentieren, was sie getan hatte.

Et voilà, ich sah mich bestätigt und blickte bewundernd auf die aufklaffenden und blutenden Wunden, die sie ihr verpasst hatte. Sie zogen sich quer über ihre Brust und verschandelten ihr Dekolleté und diese Striche bildeten das für Bellatrix so passende Wort Pureblood!

Indes legte sich eine Grabesstille über die Versammelten, als sie lasen, was dort geschrieben stand. Denn das Bild, das Bellatrix abgab, war ein ziemlich derangiertes und ich wollte wetten, dass der Dolch genauso präpariert war, wie der, der Hermione ihre Narben beigebracht hatte. Jetzt hoffte ich inbrünstig auf die weitere Folter, um allen die Schwere ihres Vergehens und Versagens zu präsentieren.

Als Nächstes schleuderte das Biest die Frau, die sie bisher hart an ihrem Haar gepackt hatte, von sich und diese begann, laut zu kreischen, als sie das erste Mal sehen konnte, was sie auf ewig zeichnete. Indigniert blinzelte ich zu meiner Verlobten, da ich zu meiner großen Empörung mit verfolgen musste, wie sie das Podest mit erhobenem Haupt hinter sich ließ und der Delinquentin den Rücken kehrte.

Das war’s?

Ich meine, so mir nichts, dir nichts? Das sollte es gewesen sein? Wo war die Finesse?

Das war nicht ihr Ernst, man überließ ihr die Strafe und dann das? Ich war ungehalten und perplex, natürlich steigerte sich Bellatrix gerade hinein und wischte über ihre blutige Brust. Aber wo war das die verdiente Strafe? Ich hätte ein ganzes Repertoire an möglichen und unmöglichen Folterungen, die mehr Befriedigung boten und ein sehr viel bleibenderes Ergebnis liefern würden… als das… das konnte nicht alles sein!

Das durfte nicht alles sein!

Das, das… das würde ich nicht zulassen, dass… das alles war!

Ich konnte es nicht fassen. Sie hatte mir versprochen, kreativ zu sein und nicht milde!

Dieses dreiste Wesen hatte mit Nichten Milde verdient und ich kämpfte noch mit mir und meiner Contenance, als plötzlich Severus neben mir erschien und über meine Empörung hinweg spielte, indem er als die Linke Hand des Dark Lord das Wort an die Versammelten richtete.

„Das Gewölbe würde nun ausgerufen werden und ich würde euch viel Vergnügen wünschen…“, meinte er mit dieser typisch schnarrenden Stimme, die einem vor Augen hielt, für wie grenzdebil er die ganze Welt hielt.

Auf einen Wink seinerseits nahmen die versklavten Mädchen des Gewölbes hinter uns Aufstellung und wanden sich ziemlich unsicher unter den lüsternen und vorfreudigen Blicken der Meute, die gar nicht wirklich wahrnahm, was Severus andeutete, sondern nur im Auge hatten, was die Frauen für Freuden bieten würden. Da erhob Severus mahnend seinen Zeigefinger, um zu bedeuten, dass er noch nicht fertig war.

„Aber der Lord ist gar sehr unzufrieden… um nicht zu sagen enttäuscht… und das fällt auf alle zurück… die Vergnügungen des Gewölbes sind erstmal gestrichen!“, erhob er die Stimme und Gehässigkeit lag in seinem Ton, woraufhin er empörte Rufe erntete und einige murrten tatsächlich auf. „Oh, aber noch ist das Fest nicht zu Ende“, verkündete er mit trügerisch sanfter Stimme. „Ihr geht hinab ins Gewölbe und ihr werdet reden und überlegen, was ihr an eurem miserablen Verhalten verändern könnt. Der Lord erwartet Besserung und bessere Leistungen und dabei werden euch die Mädchen bedienen…“, sprach er weiterhin freundlich, als sofort hoffnungsvolle Töne aufkamen, woraufhin Severus einen Schritt zur Menge hin vortrat. „Aber… wagt es, sie anzurühren…“, drohte er wenig subtil und deutete auf die am Boden kauernde, so mickrige Gestalt von Bellatrix.

Dann donnerte ich mit meinem Gehstock auf den Boden auf. Wut, immer ätzendere Wut pulsierte langsam, aber sicher durch meine aristokratischen Adern, da ich realisierte, dass das wirklich alles sein sollte und da trat ich auf Bellatrix zu, packte ihre wilde Mähne mit einer Hand und riss ihren Kopf nach hinten.

„Die Linke Hand hat gesprochen, ihr solltet euch daran halten, wenn ihr nicht erleben wollt, wie einfallsreich ich bin… wobei ich weiß, dass nicht jeder gleich viel Schuld trägt…“, erklärte ich trügerisch emotionslos und zog Bellatrix immer höher zu mir hinauf und da der Schmerz an ihrem Haar zu groß wurde, kam sie mir entgegen und langsam, aber sicher auf die nackten Füße.

„So soll sie… Madame Lestrange… euch zur Verfügung stehen?“, fragte ich aufreizend in die brodelnde Runde.

Mein Angebot machte kurz sprachlos. Einige waren sich sichtbar unsicher, ob sie es ernst nehmen sollten, was ich gerade von mir gab. Andere wiederum, wie die Lestrange-Brüder, erkannten sofort die absolute Wahrheit dahinter, andere hatten augenscheinlich Sorgen vor einer Falle, sodass die Reaktionen gespalten ausfielen.

„Das wagst du nicht, Lucius!“, brüllte das Miststück los, da sie sehr wohl wusste, dass ich es todernst meinte.

Sie zappelte aufgeregt, aber nutzlos herum. Ich war viel größer als sie, sodass es eher wirkte als wäre sie meine Marionette und das war sie schlussendlich auch, da ich nach meinem Belieben über ihr weiteres Schicksal urteilte.

„Und… warum nicht, meine Teuerste?“, fragte ich höhnend, dabei war ich mir der Blicke aller nur zu sicher, als ihre Gegenwehr erstarb und sie mich empört, mit verdrehtem Kopf ansah, da ich ihr Haar nicht losließ.

„So nicht…“, stieß sie gepresst, aber sinnlos hervor und warf mir einen wütend blitzenden Blick aus ihren Augen zu und schon flog sie.

Sie fiel, weil ich sie mit Schwung von der Empore stieß, und landete in der gierigen Meute, die zu einer geballten brodelnden Ansammlung niederster Kretins zusammengeschmolzen war. Die gerade Blut witterten, da sie laut und deutlich vernommen hatten, dass sie heute um ihr Vergnügen gebracht worden waren und zwar wegen ihr und so würden sie es sich nicht nehmen lassen, sich ungestraft an ihr auszutoben. Ich fühlte mich minimal besser, als ich diesen spontanen Geistesblitz umgesetzt hatte, nachdem mich Hermione derart enttäuscht hatte.

Meine Augen leuchteten genüsslich unter der Maske auf, als Bellatrix hilflos in der wogenden Masse unterging und diese geballte Meute krakeelend mit ihrer Beute ins Gewölbe wogte, weg aus dem Saal. Sie trugen, zogen und zerrten, in diesem delikaten Fall, Bellatrix ohne Rücksicht mit sich. Indes schrie Bellatrix auf und kämpfte gegen ihre Häscher an, aber ihr zierlicher Körper wurde unter all den gierigen Händen regelrecht verschluckt.

Sie waren wirklich nichts weiter als ein Haufen verachtenswerter Tiere!

„Das kannst du nicht tun!“, sprang da auch schon Rabastan aufgebracht auf die Empore und ich musterte ihn kalt.

Wie, ich konnte nicht? Ich tat doch schon!

Er kam abrupt vor mir zum Stehen, da sein Bruder seinen Mantel zu fassen bekam und ihn mit einem Ruck zurückriss und festhielt.

„Willst du mir wirklich sagen, was ich tun kann… oder eben nicht?“, fragte ich gespielt freundlich und zuvorkommend, aber der Schlangenkopf meines Gehstocks wurde hart unter meinen behandschuhten Fingern zusammengequetscht.

„Er meint es nicht so“, schob sich Rodolphus weit weniger enthusiastisch als sein Bruder es war an ihm vorbei und versuchte, zu schlichten.

„Spinnst du…“, fauchte Rabastan daraufhin aufgeregt und packte nun seinerseits den Mantel seines Bruders. „Rodolphus! Sie ist dein Weib, sie wird entehrt… für was? Wegen dem Mudblood?“, sprudelte es wie aus einem Geysir, ohne Verstand, und ich lüpfte exaltiert eine Braue.

Es war schön, dass er sich erregte, aber noch lange kein Grund, zu vergessen, vor wem er hier stand. Ich war die Rechte Hand und mein Wort war Gesetz und das ärgerte mich doch sehr. Anscheinend wurde meine Autorität in Frage gestellt, sodass ich nun meinen Gehstock schwang und ihm mit dem Ende auf die Schulter klopfte, dabei überging ich Severus‘ lachende Augen, den die Situation ungemein zu erheitern schien. Wie gut, dass unsere Masken unsere Gesichtszüge verbargen.

„Erstes, Rabastan, du kannst froh sein, dass sie Gnade erfährt und lebt!“, servierte ich souverän, während er sich zusammenzuckend umwandte, da sich der Gehstock nun in seine Brust bohrte.

„Zweitens, wage es nicht, so von meiner Verlobten zu sprechen, die sich nichts hat zuschulden kommen lassen…“, drohte ich mit schneidend scharfer Stimme, woraufhin er die Anmaßung unternahm und seinen Mund öffnete, weshalb sich nun das Ende meines Stabes wieder mit Schwung in seinen Brustkorb stieß, was ihn aufjaulen ließ.

„Und Drittens, es steht dir frei, die Strafe mit ihr zu teilen… Bitteschön“, zischte bei meinen letzten Worten das Ende des Gehstocks in Richtung Gewölbe und als ihm die Bedeutung dessen aufging, was ich meinte, wurden seine Augen vor sprachloser Empörung groß.

„Die Strafe ist durchaus eine Gnade, wir sind erfreut!“, sprang jetzt Rodolphus seinem noch immer sprachlosen Bruder bei und er verneigte sich anbiedernd. „Und lasst uns ehrlich sein, es ist nicht so, als würde sie nicht gewöhnlich hierbei fröhlich mitmachen!“, verkündete ihr Gatte zum Ende hin überaus gehässig.

„Wie schön, dass wir uns einig sind“, murmelte ich selbstvergessen und verdrängte diese Störung durch die Brüder, da ich eindeutig Interessantes hatte, dem ich mich widmen müsste.

„Oh, und… Rodolphus“, schaltete sich Severus ein und ich blickte sofort über meine Schulter, zu meiner helfenden Hand. „Kümmere dich danach um dein kümmerliches Weib. Sie hat bis auf weiteres Hausarrest“, verkündete er befehlend und das ließ sich Rodolphus nicht zweimal sagen, so flott wie er Rabastan packte, ihn von der Empore hinunterzog und mit sich zerrte, um mit ihm auf Nimmerwiedersehen zu verduften.

„Alles gut?“, fragte mich zu meiner Verblüffung Severus vorsichtig, nachdem wir tatsächlich alleine in dem steinernen Saal standen und er nah neben mich getreten war. Mit einer ruckhaften Bewegung wandte ich mich ihm zu.

„Nein… was sollte das?“, fragte ich mit einer hörbaren Anspannung im Ton.

Ich fühlte noch immer diese Unverständigkeit über das sonderbare Geschehen von eben. Warum hatte sie das getan und ich selbst wusste, dass auch ich mit meinem Urteilsspruch über Bellatrix noch viel zu milde gewesen war. Gab es für all das einen Grund? Und wenn, warum beschäftigte mich das überhaupt so sehr?

„Woher soll ich dir das sagen können? Ich weiß eh nie was. Und wenn… auf mich hört eh keiner…“, servierte Severus in der ihm untrüglich zynischen Art.

„Aber es verwundert dich auch?“, offenbarte ich ihm meine Neugie und wie sehr mich ihre Schritte und auch Gründe bewegten.

„Natürlich…“, gab er aufrichtig zu und verschränkte seine Arme unter seinem weit flatternden Mantel. „Gnade… ist nichts, was zu ihr passt, wenngleich der Schriftzug durchaus böse ist…“, lag eine unüberhörbare Ironie in seiner Aussage, aber das, was er nicht aussprach, hallte in mir nach.

„Aber auch du vermutest mehr dahinter“, stellte ich fest und blickte ihn nun direkt an.

„Du nicht?“, gab er schnarrend zurück, woraufhin ich schnaubte.

„Bring sie ins Séparée“, befahl ich ungeduldig und er nickte zuvorkommend und schon rauschte ich von dannen.

Lucius Sicht Ende

Hermiones Sicht

„Was sollte das?“, fuhr mich Draco aufgebracht an.

Dabei zog er mich in eine der zahlreichen Nischen, nachdem ich die Plattform und damit auch den Saal, ohne mich noch einmal umzudrehen, verlassen hatte.

Ich hatte das verdammte Haar!

Ach was, ich hatte ein ganzes Büschel Haare, das ich in die tiefen Taschen meines Umhangs gestopft hatte. Auftrag erledigt und ich sollte froh sein, aber ich ärgerte mich abgrundtief über mich selbst. Verdammt, ich wollte das Miststück so gerne töten, indem ich sie langsam, aber sicher filetierte und was durfte ich tun?

Ein Minimum zu dessen ich fähig gewesen wäre. Es hatte mir so schrecklich viel abverlangt, nichts zu tun und ich wusste, dass ich Lucius‘ Zorn auf mich gezogen hatte, nachdem ich so schrecklich unkreativ gewesen war. Aber hey, ich hatte mehr, oder weniger Gleiches mit Gleichem vergolten und das war doch etwas. So jedenfalls versuchte ich, mich selbst aufzumuntern, ein unsagbar klägliches Unterfangen, da ich mich null befriedigt, oder gar gerächt fühlte. Verfluchte Scheiße. Ich trauerte noch immer dem Gefühl nach, sie unter mir gehabt und ihr nicht unendliche Qualen bereitet zu haben. Das tat weh, mehr als ich eigentlich wollte, es schmerzte. Ich versuchte, mich zu trösten, dass das, was noch nicht war, ja noch werden konnte, oder könnte. Irgendwann würde ich sie mir ungestraft schnappen können.

Doch dann schüttelte ich betrübt den Kopf. Wem machte ich etwas vor? Wann sollte sich wieder so eine einmalig gute Gelegenheit bieten, ihr ungestraft den dürren Hals umdrehen können?

Bellatrix würde alles dafür tun, um dem Lord in den Hintern zu kriechen, oder sich zumindest vor ihm im Dreck zu wälzen. Irgendwann würde sie es wieder in seine Gunst schaffen, nur bemitleiden durfte ich mich ja wohl, wenn mir schon keine andere Wahl blieb, weil ich unseren Plan nicht gefährden wollte.

Und der Zuckerguss der ganzen Aktion waren die Blicke von Fenrir, Scabior, Rodolphus und Barty, die vor Unglauben und Unverständnis nur so strotzten, weshalb ich derart milde gewesen war. Vor allem wenn man der einfallsreichen Strafaktionen gegen King und meinen Trupp im Ballbouchie Forest gedachte, absolut verständlich. Sie verstanden es nicht und genau so eine unverständige Miene starrte mich auch gerade vorwurfsvoll an. Draco versteckte nicht, wie irritiert er war.

Aber wie sollte eine tote Bellatrix nach Gringotts gehen können, um ihr Verlies zu besuchen? Und was würde es uns helfen, wenn sie tot, oder schwer verletzt irgendwo rumliegen würde?

Eben, gar nicht!

Wir brauchten ihr Haar, ich musste sie sein!

„Hallo?“, schnippte Draco ungeduldig vor meinen Augen und ich blinzelte. „Was sollte das? Was ist mit dir? Geht es dir nicht gut?“, schoss er Frage um Frage hervor und ich sah ihn durch meine Maske hindurch an.

„Ich habe ihr gerade mit dem Messer Buchstabe um Buchstabe in die Brust geritzt… meinst du deine Frage ernst?“, erwiderte ich bissig.

„Vater ist kurz vor der Explosion!“, warnte er eindringlich und ich seufzte wehleidig, wenn Draco es so offensichtlich sah, sah es nicht gut aus und ich wusste, dass er Recht hatte. Ich hatte Lucius nicht nur verärgert, ich hatte ihn stinkwütend gemacht. Wem machte ich etwas vor?

„Du hättest sie töten können, mit der Erlaubnis aller“, meinte Draco jetzt tonlos und auch irgendwie unzufrieden darüber, dass ich es nicht getan hatte. So kannte ich Draco gar nicht. „Aber… das war nichts… das, was du mit King und Co. gemacht hast, war schlimmer als das und das Weib hat sich zu viel herausgenommen… so darf sie nicht davonkommen!“, versuchte er, leicht wirr hervorzubringen und wirkte völlig aufgebracht und wenn Draco schon so reagierte, wollte ich mir gar nicht vorstellen, was Links und Rechts von meinem Vorgehen hielten.

„Mir scheint so, als wäre nicht nur Lucius über meine Mildtätigkeit wütend“, sprach ich das für mich Offensichtliche aus, musterte ihn unverwandt und wollte am liebsten schreien.

„Natürlich“, erwiderte er schroff. „Ich habe mehr erhofft und erwartet… also… was sollte das?“, zeigte Draco, dass er eben doch durch und durch ein Malfoy war, in seinem anklagenden Vorwurf.

„Da ist Severus…“, murmelte ich, froh darüber, mich so plötzlich aus der Affäre ziehen zu können, da Draco seinen Kopf sofort drehte, um nachzusehen, denn ich stand mit dem Rücken zur Wand und hatte den Blick frei.

„Vater… will dich bestimmt willkommen heißen“, murrte er daraufhin nur brummig und dachte damit das Gleiche wie ich, dass mir ein Donnerwetter bevorstand. „Du sollst zu Gellert“, schoss es Draco völlig aus dem Zusammenhang gerissen heraus, bevor uns Severus in unserer Nische ausmachen konnte und jetzt sah Draco auch mich wieder an.

„Ehrlich? Warum?“

„Er möchte dir etwas mitteilen. Ich komm mir vor wie eine Eule“, lag eine hörbare Beschwerde in seinem Ton. „Pfff, mir bleibt aber auch nichts erspart, vor allem möchte ich immer noch wissen, was dich treibt… komm, lassen wir Vater nicht warten“, meinte Draco plötzlich völlig entnervt und ich verstand, dass er mir nicht mehr zu Gellert sagen würde und auch ich drängte die wichtigsten Fragen, über Tonks, die Geburt und Molly, zurück. Es war weder der rechte Zeitpunkt noch wirklich wichtig, alles zu wissen.

Jetzt zählte erstmal, was mich im Séparée erwarten würde, denn die Wahrscheinlichkeit, dass Severus sich in Luft auflösen würde tendierte gegen Null und so packte Draco meine Hand und zog mich mit sich. Wir glitten durch die Barriere und schon stoppte er abrupt, sodass ich fast in Draco lief. Nur um dann meine Maske von meinem Gesicht zu reißen und entsetzt auf das… auf das… das sehr unerwartete Bild vor mir zu starren.

„Verflucht, was ist das… wo sind wir hier?“, fragte Draco für mich völlig geschockt und stockte dann sichtbar perplex aufgrund unserer ungewohnten Umgebung und drehte sich fassungslos im Kreis.

Wenigstens ging es mir nicht alleine so! Was hier passiert war, war nämlich eine super gute Frage! In Lucius‘ Welt des Gewölbes konnte, durfte es nicht die Möglichkeit geben, dies aus dem Séparée zu zaubern.

Aber das war Magie!

Denn das, was sich hier vor mir auftat, war eine andere Welt. Jetzt brannten Tränen in meinen Augen. Ich war tief bewegt und berührt und versuchte, diese Regung zu überspielen und tief in mir zu vergraben.

Himmel, was hatte er vorgehabt? Sollte das eine Art von Belohnung werden?

Ich würgte einen dicken Kloß im Hals hinab, denn plötzlich hatte ich Sorge, dass ich ihn vielleicht nicht mehr einschätzen könnte. Dass er das absichtlich tat, um mich zu verwirren. Er hätte es rückgängig machen können, bis ich hier ankam. Oder hatte er es jetzt erst getan, um zu zeigen, wie wenig er mit mir zufrieden war?

Ich war verwirrt und studierte nun meine mir unbekannte Umgebung. Nichts erinnerte an das ansonsten so anrüchige Umfeld. Der Raum war zwar abgedunkelt, aber einige wenige Kerzen schufen ein so seltsam diffuses Halbdunkel, dass das Séparée unwirklich erschien. Ein wenig erinnerte es an die Anderswelt hinter dem Schleier. Durch das Bogenfenster des Séparées, durch das man sonst die Schandtaten des Gewölbes verfolgen konnte, konnte man eben nicht mehr das aktuelle Geschehen sehen, sondern eine Illusion.

Ein wunderschön bewegtes Idyll. Ich konnte dort das Mondlicht auf den sich sanft bewegenden Wellen des Sees glitzern sehen. Mit einem Schlag fühlte ich mich in den Sommer zurückversetzt, den Lucius und ich gemeinsam verbracht hatten. Dort der See, da der Ausritt, die Wiese, ich erinnerte mich, als ich tief Luft holte, um mich zu beruhigen und es sofort bereute, da ich den Geruch wahrnahm, den sommerlich betörenden Duft einer Blumenwiese.

Etwas betreten sah ich auf meine Füße und registrierte mit einer Spur hysterischen Entsetzens, dass der ansonsten steinerne Boden jetzt aus grünem, durchsichtigem Glas war, durch das man auf einen blühenden, bunten Garten hinabblicken konnte. Da waren Blumen, nicht sein Ernst. Schließlich glitt mein Blick an die Decke und ich schalt mich, dass meine Maske nicht mehr meine entgleisenden Gesichtszüge verbergen konnte, denn über uns sprießte eine grüne Laube aus sich rankendem Efeu. Dieser überdachte den steinernen Himmel und verstärkte die Wahrnehmung, ganz woanders zu sein als sonst. Zur Krönung plätscherte im Hintergrund sogar ein kleiner Wasserlauf. Das Wasser lief die Wand hinab und schaffte es, dass selbst jetzt, als niemand sprach, keine lastende Stille aufkam.

„Vater?“, hauchte Draco erschlagen. „Wo… was soll das hier?“, fragte er stockend nach und fand damit als erster wieder zu Worten zurück, während ich versuchte, tief Luft zu holen, da ich Angst hatte, zu ersticken.

Und somit blickte ich erst jetzt zu dem Mann, der lässig auf einer grünen, völlig deplatziert wirkenden, samtenen Couch thronte wie ein König. Er trug dunkelgrau und schwarz, eine mit Abnähten verzierte Weste und sein so weißblondes Haar stand im krassen Gegensatz dazu. Er sah uns mit einer unbewegten und markanten Miene entgegen und hielt seinen Cognacschwenker lässig in der Hand. Alles an ihm wirkte hoheitsvoll und unnahbar. Okay, eindeutig, in seinen silbergrauen Augen wogte ein Sturm. Er war sauer und zwar auf mich und das sichtbar, seine gebieterische Attitüde überspielte er nicht im Ansatz.

Was erhoffte er sich von mir? Dachte er, ich würde nun vor ihm kuschen? Das hatte ich nie und das würde ich nie. Verstand er nicht, dass es mich eine übermenschliche Anstrengung gekostet hatte, eben nichts Schlimmes zu tun? Dachte er etwa, dass mir das leichtgefallen war? Es ärgerte mich, dass er dachte, dass ich… ja, was? Angst hatte, es zu tun? Wie lächerlich, der Wunsch und der Wille war da, aber nicht der rechte Zeitpunkt.

Unterdessen stellte Lucius den Schwenker, den er bisher gehalten hatte, mit einer offensichtlichen Vorsicht auf die Seite, die deutlich machte, mit welcher Übermacht er ihn eigentlich an der Wand zerschmettern wollte, aber er sagte bisher nichts.

„Geh, Draco“, kam es befehlend von Severus und wir beide fuhren herum.

Super, dachte ich gemein, der auch noch und auch seine Stimmung schien bombe zu sein und sein Ton zeigte es sogar, indes fand ich es furchtbar, dass er sich so lautlos anschleichen musste.

„Aber… ich möchte auch wissen, was ihre Gründe waren, so milde zu sein… das ist…“, sprach Draco entschieden und ließ sich nicht einschüchtern.

Währenddessen behielt ich Lucius im Blick, dessen Lippen sich zu einem sehr dünnen Strich zusammendrückten.

„Geh“, kam es erneut von Severus, in derselben befehlenden Tonlage wie zuvor und da offenbarte Draco seine vor Wut verzerrte Miene.

„Nein“, erwiderte er stur und ich fragte mich, ob er es nur tat, weil er wirklich einbezogen werden wollte, oder weil er mich nicht mit ihnen allein lassen wollte.

„Draco…“, entfuhr es Severus so schneidend scharf, dass ich ein Zusammenfahren unterdrückte, aber Draco stapfte wütend auf.

„Vater!“, wandte Draco sich aufgebracht um. „Das verbitte ich mir, behandelt mich doch nicht immer wie ein Kind! Ich bin erwachsen, dafür habt ihr beide schon vor Jahren gesorgt!“, begehrte Draco auf und stellte sich so aufrecht hin, dass es wehtun musste.

Aber er zeigte Rückgrat und tat das Richtige in meinen Augen. Die beiden mussten lernen, dass er dazu gehörte, auch wenn es mir selbst gar nicht schmeckte, dass dieser Machtkampf gerade auf meinen Geheimnissen ausgetragen wurde. Indes weigerte Draco sich weiterhin, Severus zu beachten. Er sprach nur mit seinem Vater, der seinen Blick nun langsam von mir abwandte und seinen Sohn gerade intensiv musterte. Die Spannung in dieser unwirklichen, Blumen lastigen, idyllischen Scheinwelt war zum Schneiden dick, als Lucius sich regte, indem er langsam seinen Kopf neigte.

„Du hast Recht“, meinte er nach einer Weile sehr leise und überraschte mich mit seiner Einschätzung. „Das Wissen steht dir ebenso zu… wie uns“, gab er seine autoritäre Absolution mit kühler Stimme, was Severus hinter mir ein Schnauben entlockte. „Also… Hermione, weihe uns ein… was war deine Intention, so lieb zu Bellatrix zu sein?“, fragte Lucius nun so trügerisch sanft, dass sich mir der Magen umdrehte und ich ballte instinktiv meine Hände zu Fäusten.

„Puh, ich… kann es euch nicht sagen“, meinte ich dann relativ schnippisch, was gar nicht zu meiner ängstlichen Bewegung passte, da ich mich mit einer unglaublichen Vorsicht auf dem durchsichtigen Glasfußboden vorwärtskämpfte, als hätte ich Angst, jederzeit zu fallen und zwar ganz schrecklich tief.

„Und warum nicht?“, fragte wieder Lucius mit diesem blasierten Unterton und diesmal blieb dafür Severus völlig still in meinem Rücken.

Wir waren wohl bei dem Spiel „böser und noch viel böserer Auror“ angekommen. Zumindest wähnte ich mich in einem Verhör und das machte einen wirklich fertig. Wenn sie sich einig waren, einen in die Mangel zu nehmen, dann musste man schon sehr stark sein, weswegen ich überlegte, inwieweit ich die Wahrheit sagen konnte, oder sollte.

„Weil es nicht gut wäre…“, hob ich an, mich zu rechtfertigen, ein Unterfangen, was ich wahrlich aus tiefstem Herzen hasste. „Es ist gewagt, ich… wir könnten scheitern…“, gab ich aufrichtig zu und zog entschuldigend die Schultern hoch und leckte mir, nervös aufgrund ihrer eindringlichen Blicke, über die Lippen. „Und da ist es besser, ihr wisst es erstmal gar nicht…“, meinte ich inbrünstig und verschloss dann meinen Mund ziemlich stur.

Jeder von ihnen reagierte anders. Draco schnaubte mit einem verächtlichen Ton neben mir auf und ich spürte seinen irgendwie nicht schmeichelhaften Seitenblick auf mir, während Severus noch immer den Schattenmann mimte, dessen finstere Augen missbilligend meinen Rücken durchbohrten. Doch was mich wirklich fesselte war Lucius‘ Anblick, vor mir sitzend, und doch bekam er es hin, dass ich mich klein fühlte, das war echt unfair. Er legte seinen Kopf schief und dabei fielen ihm seine weißen langen Haare über die Brust und ich ahnte, dass er alle ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten eiskalt in seinem Hirn durchspielte.

„Ich könnte dich zwingen“, meinte er dann bestechend arrogant und hob seine schwarz gewandeten Schultern an, als wäre es eine Option, als wäre es gleich, da er es eben könnte und ich atmete tief ein.

„Natürlich… könntest du das… Lucius…“, erwiderte ich ansonsten gespielt ungerührt, aber auch mit einem sanften Tadel, dabei sprach ich seinen Namen zum Ende hin mit viel Gefühl, da uns beiden klar war, dass es tatsächlich so war.

Und was noch viel schlimmer war, wenn es so wäre und er dazu übergehen würde, mich zu zwingen, dann würde ich mich wohl gar nicht gegen ihn wehren, sondern akzeptieren, dass er seine Wut an mir abreagieren müsste. Aber uns war beiden gegenwärtig, sagen würde ich ihm trotzdem nichts, genauso wie früher und das wusste er zu gut, so scharf und markant wie sich sein Kinn gerade abzeichnete. Gerade wirkte Lucius trotz des unpassenden Rahmens wie der Lucius von früher. Den Lucius, von dem ich gehofft hatte, dass wir beide ihn hinter uns gelassen hatten. Aber von dem ich immer gewusst hatte, dass er noch da war und immer ein Teil von ihm sein würde. Schlussendlich war ich kein blind verliebtes Schulmädchen, das dachte, es könnte einen Menschen völlig umwandeln. Das war utopisch und das auch noch bei einem Mann wie Lucius, weshalb ein fast spöttisches Lächeln in meinen Mundwinkeln tanzte und Draco neben mir dazu veranlasste, selbst zu einer Salzsäule zu erstarren, da er erkannte, dass es nun ein Kampf zwischen uns beiden war.

Und es war ganz und gar nicht sicher, welchen Ausgang dieses Kräftemessen hier nehmen würde.

„Keine Sorge, dass du Angst vor mir bekommen könntest?“, fragte er dann plötzlich mit einer trügerischen Sanftheit, die mir eine Gänsehaut bescherte und ich legte den Kopf taxierend schief. „Denn die Angst, von der ich sehr wohl weiß, dass ich sie… bei jedem auslösen kann, bringt Gehorsam hervor. Gehorsam, den ich erwarte und der mir zusteht…“, beschied er unheimlich arrogant.

„Keine Angst, dass ich dir Angst machen könnte, weil ich keine bekomme und… jederzeit die Chance hätte, abzuhauen?“, reizte ich ihn mit Vorsatz und spielte auf meine Gaben an.

Dabei durfte ich erleben, wie er sich leicht vorbeugte, um mich noch genauer zu mustern, dabei fielen ihm seine langen Haare wie ein Vorhang über die Brust.

„Abhauen?“, fragte er mit snobistischer Süffisanz, die wehtat. „In diese andere Welt? So feige für eine Gryffindor?“, hielt er sich nicht zurück mit seinem Spott und trieb nun mich mit voller Absicht an meine Grenzen. Er wusste, wie er mich maßlos reizen konnte und appellierte an meine gryffindorischen Eigenschaften, die nicht unbedingt die Besten von mir waren und so ballte ich verbissen die Fäuste.

„Ahrrr“, stieß ich daraufhin ziemlich aufgebracht aus und schritt weit aus, um irgendwie Herr meiner Sinne zu bleiben.

Warum gelang es ihm immer, mich maßlos zu reizen? Wenn er es so ins Lächerliche zog, würde ich niemals meine Kräfte nützen, um vor ihm zu entfliehen, da es dann wäre, als würde er einfach so gewinnen. Das war gemein und alles an seiner süffisanten Miene erregte mich noch mehr.

„Willst du andeuten…, dass du mir deinen Gehorsam verwehren willst… mein Herz?“, fragte er nun so aufgeblasen, dass ich ihm am liebsten die Augen ausgekratzt hätte, die so wild flackerten, dass es mir ein unwohles Kribbeln im Bauch bescherte.

„Ja, ich will ungehorsam sein…“, schrie ich ihn auf einmal fauchend an, „weil ich denke, dass es besser für uns alle ist!“, zeigte ich mich sichtbar erregt.

Ich fuchtelte anklagend mit meinen Händen durch den Raum, als alles plötzlich so still wurde, dass ich stockte und stehen blieb. Dann sah ich die drei nacheinander an. Draco, Severus und Lucius, die mich sichtbar unzufrieden musterten. Jeder auf seine zutiefst verletzende und verletzte Weise.

Warum war das so schwer?

Schließlich seufzte ich schwer und senkte den Kopf, den ich bisher hoch erhoben gehalten hatte. Ich wollte sie nicht mehr ansehen.

„Ihr… ihr alle… könntet natürlich bei mir die richtigen Knöpfe drücken… und dann… dann würde ich dir… euch… wohl sagen… was wir planen…“, gestand ich dann reichlich unglücklich und ich stockte und spürte ein Zittern, das durch mich ging.

Denn mir war plötzlich eine zutiefst widerwillige Erkenntnis offenbart worden. Nämlich die, dass ich es ihnen nicht vorenthalten würde, da ich ihnen vertraute und das raubte mir fast die Luft zum Atem.

„Hätte… würde… wäre…“, durchschnitt eine schnarrende Stimme hinter mir genervt die vor Anspannung dicke Luft. „Was für einen Unsinn planen Potter, Weasley und du?“, höhnte Severus mit der ihm so eigenen abfälligen Art.

Anscheinend übernahm nun er wieder die Befragung und Lucius schien damit zufrieden, so wie er sich gerade wieder zurücklehnte und ich bezwang den Wunsch, zu Severus herumzufahren und ihm eine runterzuhauen.

„Sagen wir es so, wenn es getan ist, werdet ihr es erfahren… denn abhalten lassen wir uns nicht!“, hob ich nun wieder meinen Kopf und zeigte ihnen eine entschlossene Maske.


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