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 Kapitel 386-387

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BeitragThema: Kapitel 386-387   Do Jun 27, 2013 8:05 pm

Meiner ersten Beta, der mein ganzer Dank gilt, Nira26 ! Vielen Dank für deine Mühen, deine Kreativität und deine Hilfe!

Und unserer über alles geliebten Liselotte, die ab nun jedes Kapitel gegenliest, bevor es gepostet wird, so wollen wir ihr ewig dankbar sein!


386. Kapitel Lektionen


Während ich dieser spannenden Entwicklung lauschte, formte sich in meinem Hirn ein Plan.

Dieser Plan gefiel mir von Sekunde zu Sekunde besser, während sich der Lord eindringlich mit Ollivander beschäftigte und mir seinen Rücken zudrehte, zögerte ich nicht länger, geschickt wechselte ich meinen zweiten Stab, den ich immer bei mir trug, mit dem jahrhundertealten Stab meines Gehstockes aus.

Ich hatte zusammen mit Severus vor langer Zeit für meinen Stock einen Mechanismus entwickelt, der es erlaubte, beide Zauberstäbe nur mit einer kleinen Handbewegung wechseln zu können. Schließlich war der Zauberstab bei Gericht eine wichtige Vorlage, sogar ein Beweisstück und daher bevorzugte ich es, wenn ich meinen weißmagischen, unschuldigen Stab vorlegen konnte und nicht meinen uralten. Schließlich waren beide Stäbe aus Ulmenholz und im Herzen mit einer Drachenherzfaser versehen, aber doch unterschiedlich wertvoll für mich, denn der eine war ein Erbstück. Der über tausend Jahre alte Familienstab war 18 Zoll lang, während der andere nur magere 13 Zoll maß und von Ollivander war. Diesen alten und sehr langen Stab hatte schon mein Vater Abraxas besessen, aber nach dem ersten Tod, beziehungsweise Verschwinden des Lords hatte ich Abraxas sprichwörtlich entmachtet und entwaffnet, danach hatte er mit einem Behelfsstab vorlieb nehmen müssen und ich war der neue Besitzer des Zauberstabes meiner Ahnen geworden.

Unter Anbetracht dessen, dass er sich kooperationsbereit von allen Geschäften auf sein Gestüt zurück gezogen hatte, hatte ich ihn großmütig am Leben gelassen, bis er vor 2 Jahren sein Lebenslicht aufgrund der Drachenpocken ausgehaucht hatte.

Ich wusste, dass Draco von Armand Malfoys Stab erwählt worden war, dies war der erste Malfoy auf englischem Boden und ich war positiv überrascht gewesen, dass er eine Affinität für diesen gezeigt hatte. Dagegen reichte die Geschichte meines Stabes sogar noch weiter zurück und zwar bis zu dem malfoyischen, französischen Stammvater, dem Vater von Armand, Hypérion Malfoy !

Also war mein Stab noch älter als der von Draco und war bisher nur durch die Hände von Brutus aus dem 16. Jahrhundert, meinem Vater Abraxas und mir gegangen, daher würde ich diesen Zauberstab auf ewig wie ein Heiligtum schützen.

Aber wie gesagt, ich erkannte Chancen, wenn sie sich vor mir auftaten und so wollte ich sie ergreifen. Ich tat in dieser heruntergekommenen Gefängniszelle etwas, was ich sonst nie machen würde. In einer dramatischen Zurschaustellung meiner Unterwerfung ging ich eindrucksvoll vor dem durchaus überrumpelten Lord in die Knie.

Er betrachtete mich perplex, während ich, hoch wirkungsvoll, weiterhin sehr gerade vor ihm kniend meinen Gehstock hob, den Zauberstabhalter mit dem Schlangenkopf langsam heraus zog, um nun den Zauberstab meinem Lord untertänigst und aufmerksamkeitswirksam zu offerieren.

„Lucius?“, meinte der durchaus konsternierte Lord, schließlich war der Zauberstab eines Magiers wie ein verlängerter Arm, für immer zugehörig zu einem und ich bot ihm hier gerade freiwillig mein Allerheiligstes unterwürfig an, ohne dass er etwas hatte sagen müssen.

„Wem, außer mir, My Lord, sollte die Ehre gebühren, Euch seinen Zauberstab zu überlassen?“, flötete ich in devoter Manier und erntete ein verächtliches Schnauben aus der Ecke des Gefangenen, das ich, ebenso wie der Lord, überging.

Ich spürte den abwägenden Blick des Lords, dem ich stoisch und sehr souverän standhielt. Er schien zu überlegen, wie er meine Ehrerbietung einschätzen sollte, denn natürlich war ihm bewusst, mich trieben mehrere Motive zu dieser Tat.

Severus‘ Ansehen war nach der erfolgreichen Beseitigung von Dumbledore sehr gestiegen und somit durfte ich nicht hintenanstehen, da kam ein derartig freiwilliger Verzicht noch besser.

Außerdem gab ich es ungerne zu, aber dieser Stab, den ich vor langer Zeit bei Mr. Ollivander in der Diagon Alley erworben hatte, bereitete mir Kopfschmerzen, denn er funktionierte schon seit einiger Zeit nicht mehr richtig!

In Ordnung, ich gestand mir sehr widerstrebend und widerwillig ein, dass er seit dem Debakel mit IHR nicht mehr wirklich funktionierte und ich fragte mich schon unwohl, warum?

Hatte es mit meiner inneren Kapitulation vor ihr zu tun?

Aber umso leichter fiel es mir nun, mich von diesem „Zusatzzauberstab“ zu trennen!

„Lucius…“, wisperte der Lord sehr seidig, nachdem er seine Überraschung überwunden hatte.

„Du überrascht mich durchaus mit deinem soooo großzügigen und dienlichen Angebot…“, sprach er gewichtig, dabei suchten seine Augen in meinem Gesicht nach Anzeichen von Hinterlist. Er war sogar so wacker, dass er Legilimentik einsetzte, denn leicht fühlte ich seine Bemühungen, wie sie streifend durch meinen Geist nach einer Bestätigung für sein Misstrauen umherwanderten und unermüdlich suchten.

Dann trat plötzlich ein zufriedener Ausdruck auf seine fratzenartigen Züge, weil er nur meine Aufrichtigkeit gefunden hatte, dass ich ihm tatsächlich gerne den Stab überlassen wollte und so griff er einer Klapperschlange gleich urplötzlich beherzt zu.

„… eine Gabe…, die wir anzunehmen gedenken !“, bestimmte er entschlossen und klang recht gierig, als er den hellen Stab vorsichtig in Händen hielt, ihn abwog, den filigranen, silbernen Schlangenkopf betrachtete und nun dafür sorgte, dass ich schwer schluckte.

Denn er hob nun seine zweite Hand und mit einem knackenden Geräusch, das mir persönlich unangenehm in den Ohren widerhallte, brach er das obere Ende des Stabes an der Stelle ab , wo das Holz in den Schlangenkopf überging. Als nächstes warf er mir den Schlangenkopf mit einer lässigen Bewegung zu, sodass er nur noch das pure Holz in den blassen Händen hielt.

„Der Gehstock gehörte schon Hyperion, ein schönes Andenken…“, begleitete diese Geste seine Worte, als er an meinen Großvater erinnerte, den er auch noch gekannt hatte, obwohl dieser kein DeathEater gewesen war, denn er gehörte einer anderen Generation an als der Lord und war schon deutlich älter gewesen, als sich die DeathEater aus den Reihen der jungen Zauberer formierten. Er hatte sie finanziell unterstützt, da sein Sohn, Abraxas, ein glühender Anhänger der ersten Stunde gewesen war und der Lord ihre Überzeugungen vertrat. Wenn man es recht bedachte, kannte der Lord meinen Großvater, Vater, mich und Draco.

Wir waren über Generationen an ihn gebunden und hatte ihm zumindest aus seiner Sicht treu gedient, sinnierte ich, während ich den abgebrochenen Schlangenkopf lässig auffing.

Sofort wandte sich der Lord mit geschmeidiger Bewegung ab, um aus den Kellergewölben hinauszuschreiten.

„Bewahre Ollivander gut, vielleicht könnte er noch nützlich sein!“, wisperte er fordernd, während er ansonsten geräuschlos entschwand und ich besah mir noch den mich verächtlich musternden Ollivander, bevor sich in meinem Rücken die Gefängniszelle schloss und ich selbst erfreut dem zufriedenen Lord folgte.

Da ich nach der Kerkerepisode dringend einen Zweitstab benötigte, eilte ich in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages in die Bibliothek des Manors, nachdem ich kontrolliert hatte, dass ich nun unbehelligt bleiben würde.

https://www.dropbox.com/s/8tuggqbz5g6yor6/Schatzkammer.jpg

Ich trat entschlossen an die linke Wand und legte meine Hand auf und nach einem kleinen Pieks, der mich durch mein Blut als Hausherr identifizierte, glitt die Bücherwand zurück und offenbarte eine recht schmale, kleine Tür. Nach einer von mir vor 16 Jahren festgelegten Zauberstabbewegung, öffnete sich die Tür und ich konnte eilig hindurch schreiten, während die Schiebetür, getarnt als Bücherwand, hinter mir wieder zu glitt.

Hier war ich im mit ältesten Teil des Hauses, der zentral geschützt in der Mitte des Anwesens lag. Durch die Magie war schließlich alles möglich. Es war nur ein sehr kleiner, mittelalterlicher Raum mit gotischer Kreuzgewölbedecke, die ausladend mit gelben und blauen Schnörkeln bemalt war.

An den drei Wänden, in denen sich keine Tür befand, waren je gläserne Schaukästen angebracht, die mit Licht ausgestattet waren. Ich stand in der Mitte dieser Schatzkammer und besah mir die Auswahl an Zauberstäben, die hier feinsäuberlich lagerten, während ich gedankenverloren auf dem kleinen runden Tisch vor mir meinen leeren Gehstock ablegte und daneben den Kopf der Schlange. Ich zog den Stab des Hypérion Malfoy  aus den Tiefen meiner Weste und setzte ihn akribisch und akkurat wieder ein, um damit meinen Gehstock wieder zu komplettieren.

Dieser Stab passte perfekt zu mir! Hingegen mein anderer Stab, den ich wie gesagt von Ollivander zu Schulzeiten erworben hatte, hatte nicht mehr wirklich gut in meinen Händen gelegen, aber Lust in die Knockturn Alley zu den anderen Zauberstabladen zu gehen, hatte ich auch nicht gehabt und wofür horteten wir seit über 1000 Jahren diese Auswahl an Stäben, die mit jeder Generation größer wurde?

Die Auswahl eines neuen Stabes begann also, daher öffnete ich die erste Vitrine und begann jeden Stab geduldig in die Hand zu nehmen, bis ich den einen in Händen hielt, der sich mehr als passend in meinen Händen anfühlte. Fast war es, als schien meine Magie dunkel um mich aufzuleuchten, als ich diesen Stab fester umschloss und ein magisches Kribbeln in den Fingerspitzen fühlte.

Er war von Lucius I., meinem Namensvetter.

Dieser, mein Namensvorgänger Lucius I., war ein erfolgloser Werber um die Hand der Königin Elisabeth I. gewesen, eine passende   Verbindung zwischen uns, die fast schon komödiantisch anmutete. So hatte mein verschmähter Urahn die Muggelkönigin verflucht, sodass sie auf ewig alleine geblieben war und nie geheiratet hatte, weil sie ihn ablehnte, ob ich auch so weit gehen sollte?

Die Leidens- und Lebensgeschichte von Lucius I. war nicht die glänzendste gewesen und in Punkto Frauen hatte er wenig Glück gehabt, die Angebetete, die Muggelkönigin Elisabeth I., zu erobern, daher blickte ich stöhnend und auch verunsichert auf den Stab hinab und fragte mich kurz, warum das Schicksal derart sarkastisch zu mir war und mich gerade dieser Stab erwählt hatte.

Anders als mein Schulstab, der aus Ulme und Drachenherzfaser bestand und 13 Zolllang war, war der neue Stab aus Weißdornholz und hatte einen Kern aus Thestralschweif und mit einer Länge von 18 Zoll war er ebenfalls sehr lang, so lang wie der althergebrachte, den ich im Duell gegen meinen Vater errungen hatte. Er lag ungewöhnlich gut in meiner Hand, nur seine noch hellere Farbe könnte auffallen im Vergleich zu vorher. Bemerkenswert fand ich hingegen den Kern, Thestralschweif, was wirklich eine ungewöhnliche Substanz war und zu den selteneren Zauberstabkernen zählte, anders als die Drachenherzfaser, die meine anderen Stäbe gehabt hatten. Soweit ich wusste verwendeten viele Zauberstabmacher diese Kernsubstanz nicht mal, da Thestralschweif als Kern widerspenstig war. Eine eigenwillige Wahl.

Ob sich mein Innenleben so verändert hatte!?

Das geschah nicht ohne Grund! Nur ob mir dieser Grund gefallen würde, wollte ich gar sehr bezweifeln!

Ich wusste, von Severus, dass er zwei vollständig bipolare Stäbe besaß,  bei denen sich Inhalt und Holz nicht ähnelten, hingegen bei Draco, mir und meinem Vater waren die Stäbe immer identisch gewesen, das hier war neu und ließ mich leicht verzweifelt, während ich auf den neuen Stab in meinen Händen blickte!

Dabei fasste ich nach meinem Alten, dem 1000-jährigen und dieser fühlte sie wie eh und je richtig bei mir an, das war ungewöhnlich, wie es schien würde ich ab nun, ebenso wie Severus, gespalten durch die Welt gehen.

Das gefiel mir gar nicht und mit einem widerwilligen Stöhnen steckte ich den irgendwie so falschen Stab in die dafür extra gefertigte Westentasche.

Wobei ich jetzt schon wusste, wann ich diesen neuen Stab einsetzen würde und zwar, wenn ich das Biest in der schwarzen Magie schulte. Dies wären die Grundzüge, mit denen Draco aufgewachsen war und sie war gut, nur noch nicht so gut wie Severus und ich.

Lucius Sicht ende

Hermiones Sicht

„Was sollte das? Das war voll gefährlich! Sind dir die Nerven durchgegangen?“, brauste Draco auf und schüttelte mich brüsk an den Schultern, da er anscheinend auch bemerkte hatte, dass mich Lucius sowie Severus an den Beinen festgehalten hatten, bevor ich aufgesprungen war.


„Draco! Gerade von dir hätte ich erwartet, dass du etwas wegen Burbage sagst! Mich vorwarnst…“,  rief ich empört aus und überspielte, dass ich mich noch immer unwohl fühlte, denn es war schwer gewesen, keine Regungen zu zeigen, während eine mir bekannte Professorin im Raum, dem Tode geweiht, rumschwebte.

„Vorwarnen? Warum? Es war kein schöner Anblick aber wir hätten nichts tun können!“, giftete Draco zurück.

Zu meinem Leidwesen hatte er leider recht und ich wusste, an sich hatte ich eine Dummheit begangen, als ich eine Gemütsregung offenbart hatte, aber ich hatte die Vermutung, dass wenn ich dem Lord gegenüber geständig wäre, er mir meinen Fauxpas glatt verzeihen würde.

Aber das konnte ich Draco nicht erzählen, das ging nicht!

Seit dieser unglückseligen Geschichte mit Dumbledore war es schwer für mich, den Geistern zu widerstehen, oder auch den sterbenden Seelen. Dann so nah zu erleben, wie ein Mensch starb, genau in ihre Augen zu blicken und zu beobachten, wie ihr Lebenslicht erlosch, das war ein Moment, der mir fast wieder meine Gabe hatte entgleiten lassen.

Natürlich waren nach Dumbledore noch weitere Menschen in meiner Umgebung gestorben aber nicht so nah, nicht so ähnlich wie Dumbledore, dass ich dabei Blickkontakt hatte halten können. Leider hatte sie mich erwählt, mich angesehen, direkt auf Höhe ihrer Augen hielt sie zu mir den Blickkontakt. Nachdem sie erfolglos zu Severus gesprochen hatte, war ihr Blick zu mir geglitten und ab da war es brenzlig geworden.

Was sie gesagt und ich geantwortet hatte, war mir regelrecht entfallen, als sie der Avada getroffen hatte, denn da war sie gestorben und meine Gabe hatte mich übernehmen wollen!

Dann war es zu viel geworden. Als der Lord eine Leiche, die eine meiner Inferi hätte werden können, einfach an Nagini verfütterte, sie ihr regelrecht zum Fraß vorwarf, war es vorbei mit meiner Geduld, auch wenn ich schon so viel gesehen und erlebt hatte, selbst Fenrirs widerwärtige Tat, ein noch schlagendes Herz zu verspeisen, so nahm mich dies doch mehr mit, da ich ganz schrecklich mit dem White-Eye-Effect zu kämpfen hatte. Dies wurde mir noch zusätzlich erschwert, da Nagini so nah bei mir war, denn schließlich und endlich war sie immer noch ein Horkrux und hatte auf mich einen völlig anderen und vor allen neuen Einfluss als auf all jene, die sich nicht zum erlauchten Kreis der SoulGatherer zählen durften und das galt auch für diese bescheuerten Heiligtümer, es wurde immer verworrener, das war doch zu,  ärgerlich, was ich da wieder angerichtet hatte, ich war halt doch eine wandelnde Katastrophe, ging es mir ironisch durch den Kopf . Und so würde auch auf ewig die offizielle Version lauten…

Die inoffizielle wäre eine andere. Ich war angewidert und bodenlos entsetzt gewesen und war es noch jetzt, dass ich seelenruhig dabei zusah, wie Charity Burbage, eine mir bekannte Professorin, vor mir hingerichtet worden war und das Schlimmste war, ich ahnte, warum sie diese ausgesucht hatten. Ihr Fach bot sich schlicht und einfach an, aber solange ich Ausreden für mein Verhalten fand, gönnte ich mir den Luxus des Angeekelt seins, es war widerlich, wie die Schlange immer fetter wurde, während die Leiche mit Haut, Haaren und Kleidung von ihr, mit obszön weit verrenktem Maul, vertilgt wurde und mein White-Eye-Effect hatte sich tatsächlich gemeldet, das war nicht mal gelogen.

„Eine Warnung wäre nett gewesen!“, knurrte ich und erntete einen düsteren Blick.

„OH und von Severus nicht? Auch er hätte dich warnen können, wenn er gewollt hätte…“, ätzte Draco vorwurfsvoll.

„Nein, von ihm nicht, da bin ich es gewohnt! Von ihm erwarte ich NICHTS anderes! Aber du… du… ach… was soll das Neuerdings zwischen uns? Diese Vorwürfe?“, fuhr ich ihn unwirsch an.

„Tja, WIR waren uns einig, dass WIR dich nicht reizen wollten, damit du nicht auf dumme Gedanken kommst… irgendjemand sollte heute Abend sterben und wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht!“, reizte er nun mich in seiner blasierten Art mit mir zu sprechen und diese Bevormundung, die hierbei durchklang, die kannte ich von den beiden Despoten, aber bisher nicht von Draco!

Dachte er nun seit neuestem, er müsste in ihre Fußspuren treten? So warf ich ihm einen verärgerten, sehr kühlen Blick zu.

„Man sollte sich nicht derart zum Richter aufschwingen!“, beschied ich ihm hochmütig und wandte ihm den Rücken zu.

„Das sagt die Richtige!“, höhnte er eilfertig.

„Was willst du damit sagen?“, wirbelte ich herum und sah meinem Ankläger ins selbstgerechte Antlitz.

„Wenn DU das nicht weißt…“, kam es doppeldeutig von ihm und dann knallte er die Tür im Abgang laut hinter sich zu und ließ mich in meinen Räumen alleine zurück.

Natürlich wusste ich, dass er beginnend bei meinen Eltern, bis hin zu Rita und Abbot, oder auch auf Dumbledores geplanten Tod anspielte, aber im Gegenzug wollte ich ihn anschreien, dass ICH eben aufgrund dieser mannigfaltigen Entscheidungen nur zu gut wusste, dass es eben nicht gut war zu planen und sich zum RICHTER über Leben und Tod aufzuspielen!

„Verdammt! Verflucht!“, fluchte ich laut vor mich hin und stieß blind vor Wut gegen den Sockel einer Büste, die im Zimmer stand. Sie begann zu kippen, fiel hinab und schlug krachend und in abertausende von Scherben zerspringend auf dem Boden auf.

„Na, super!“, schimpfte ich weiter als ich mir die Bescherung besah und begab mich schlecht gelaunt in mein Bad. So gleichgültig wurde man, wenn man wusste, dass die Hauselfen nichts Eifrigeres zu tun haben würden, als die Büste wieder zu reparieren.

Am nächsten Morgen, dem 03.07. erschien endlich das von mir gestellte und gefälschte Interview in der Zeitung, das die „Leben und Lügen des Albus Dumbledore“ lobpries und auf das am 31.07. erscheinende Buch über Dumbledore hinwies und dieses bewarb.

Natürlich hatten wir versucht, es dramatisch aufzuziehen, daher stand auf der unteren Hälfte der Titelseite eine kleinere Schlagzeile, darunter ein Bild von Dumbledore mit gequältem Gesichtsausdruck:

„DUMBLEDORE – ENDLICH DIE WAHRHEIT?

Nächste Woche bringen wir die schockierende Geschichte des makelbehafteten Genius, den viele für den größten Zauberer seiner Generation halten. Rita Skeeter demontiert das weit verbreitete Image der ehrwürdigen, silberbärtigen Weisheit und enthüllt die gestörte Kindheit, die gesetzlose Jugend, die lebenslangen Fehden und die bedrückenden Geheimnisse, die Dumbledore mit ins Grab nahm. WARUM war der Mann, der schon als Zaubereiminister gehandelt wurde, damit zufrieden, ein bloßer Schulleiter zu bleiben? WAS war der wirkliche Zweck der geheimen Organisation mit dem Namen Orden des Phönix? WIE ist Dumbledore tatsächlich ums Leben gekommen?

Die Antworten auf diese und viele weitere Fragen ergründet die sensationelle neue Biographie „Leben und Lügen des Albus Dumbledore“ von Rita Skeeter, im Exklusivinterview mit Betty Braithwaite im Innenteil auf Seite 13.“

Rasch blätterte ich auf besagte Seite und hier sprang mir ein Bild entgegen, das mir kurz das Herz stocken ließ, es zeigte ein weiteres vertrautes Gesicht: eine Frau mit breiter juwelenbesetzter Brille und kunstvoll gelocktem blondem Haar, die ihre Zähne gewohnt aggressiv bleckte, was offenbar ein gewinnendes Lächeln darstellen sollte und mit den Fingern immer wieder zum Betrachter hochschnippte. Ich hatte sie lange nicht mehr gesehen, unsere gute Rita:

„In natura ist Rita Skeeter viel herzlicher und sanfter, als die berüchtigten bösen Porträts aus ihrer Feder vielleicht vermuten lassen. Sie begrüßt mich im Flur ihrer gemütlichen Wohnung und führt mich direkt in die Küche zu einer Tasse Tee, einem Stück Früchtekuchen und selbstverständlich zu einem dampfenden Bottich mit neuestem Klatsch.

„Nun, Dumbledore ist natürlich ein Traum für jeden Biographen“, sagt Skeeter. „Ein so langes, prall gefülltes Leben. Ich bin sicher, mein Buch wird das erste von sehr, sehr vielen sein.“

Skeeter hat zweifellos schnell geschaltet. Ihr neunhundertseitiges Buch war bereits vier Wochen nach Dumbledores mysteriösem Tod im Juni abgeschlossen. Ich frage sie, wie sie diesen superschnellen Kraftakt geschafft hat.

„Oh, wenn man so lange Journalistin ist wie ich, geht es einem in Fleisch und Blut über, unter Termindruck zu arbeiten. Ich wusste, dass die magische Welt darauf brannte, die ganze Geschichte zu erfahren, und ich wollte die Erste sein, die dieses Bedürfnis befriedigt.“

Ich erwähne die jüngsten, überall publizierten Bemerkungen von Elphias Doge, dem Sonderberater des Zaubergamots und langjährigen Freund von Albus Dumbledore, wonach „Skeeters Buch weniger Fakten enthält als eine Schokofroschkarte“.

Skeeter wirft den Kopf zurück und lacht.

„Unser lieber Dodgy! Ich weiß noch, wie ich ihn vor ein paar Jahren zu den Rechten der Wassermenschen interviewt habe, den Guten. Völlig plemplem, schien zu glauben, wir würden auf dem Grund von Lake Windermere sitzen, sagte andauernd zu mir, ich solle mich vor den Forellen in Acht nehmen.“

Und doch fanden Elphias Doges Vorwürfe, das Buch sei voller Fehler, vielerorts Unterstützung. Meint Skeeter wirklich, dass vier kurze Wochen ausreichend waren, um ein umfassendes Bild von Dumbledores langem und außergewöhnlichem Leben zu erstellen?

„Ach, meine Liebe«, strahlt Skeeter und klopft mir liebevoll auf die Finger, „Sie wissen genauso gut wie ich, wie viele Informationen ein dicker Sack Galleonen, die Weigerung, ein Nein hinzunehmen, und eine hübsche scharfe Flotte-Schreibe-Feder hervorbringen können! Die Leute standen ohnehin Schlange, um Dumbledore mit Dreck zu bewerfen. Wissen Sie, nicht alle hielten ihn für so wunderbar – er ist auf furchtbar viele wichtige Zehen getreten. Aber der alte Dussel Doge kann von seinem hohen Hippogreif runterkommen, denn ich hatte Zugang zu einer Quelle, für die die meisten Journalisten ihre Zauberstäbe eintauschen würden, sie hat sich nie zuvor in der Öffentlichkeit geäußert und stand Dumbledore in der turbulentesten und beunruhigendsten Phase seiner Jugend nahe.“

Die Wellen, die Skeeters Biographie schon vor der Veröffentlichung schlägt, lassen zweifellos vermuten, dass diejenigen ihr blaues Wunder erleben werden, die glauben, dass Dumbledore ein untadeliges Leben geführt hat. Was waren die größten Überraschungen, die sie aufgedeckt hat, frage ich.

„Nun mal langsam, Betty, ich werde doch nicht alle Highlights verraten, ehe jemand das Buch gekauft hat!“, lacht Skeeter. „Aber ich kann versprechen, dass all denen, die immer noch denken, Dumbledore war so unschuldig weiß wie sein Bart, ein böses Erwachen blüht! Ich sage nur so viel, dass niemand, der ihn gegen Du-weißt-schon-wen wüten gehört hat, sich hätte träumen lassen, dass er selbst sich in seiner Jugend an den dunklen Künsten versucht hat! Und für einen Zauberer, der sich in seinen späteren Jahren kontinuierlich für Toleranz einsetzte, verhielt er sich, als er noch jünger war, nicht gerade aufgeschlossen. Ja, Albus Dumbledore hatte eine äußerst düstere Vergangenheit, ganz zu schweigen von dieser mehr als zweifelhaften Familie, über die er mit großer Anstrengung den Mantel des Schweigens breiten wollte.“

Ich frage Skeeter, ob sie Dumbledores Bruder Aberforth meint, dessen Verurteilung durch den Zaubergamot wegen Missbrauchs von Magie vor fünfzehn Jahren einen kleinen Skandal ausgelöst hat.

„Oh, Aberforth ist nur die Spitze des Misthaufens“, lacht Skeeter.

„Nein, nein, ich rede über viel Schlimmeres als einen Bruder, der eine Schwäche dafür hat, mit Ziegen herumzuspielen, sogar über noch Schlimmeres als den Muggel verstümmelnden Vater – Dumbledore konnte sowieso keinem von beiden den Mund verbieten, sie wurden alle zwei vom Zaubergamot angeklagt. Nein, es sind die Mutter und die Schwester, die meine Neugierde weckten, und als ich ein wenig nachschürfte, stieß ich auf ein ausgemachtes Nest an Niedertracht – aber, wie gesagt, um Genaueres zu erfahren, werden Sie auf Kapitel neun bis zwölf warten müssen. Im Augenblick kann ich nur verraten, dass es kein Wunder ist, dass Dumbledore nie darüber sprach, wie er sich die Nase gebrochen hat.“

Selbst wenn die Familie Leichen im Keller hat, will Skeeter etwa den genialen Geist in Abrede stellen, der zu Dumbledores vielen magischen Entdeckungen geführt hat?

„Er hatte Köpfchen“, räumt sie ein, „obwohl viele inzwischen bezweifeln, dass er wirklich das gesamte Verdienst für all seine angeblichen Erfolge beanspruchen konnte. Wie ich in Kapitel sechzehn zeige, behauptet Ivor Dillonsby, dass er bereits acht Anwendungen von Drachenblut entdeckt hatte, als Dumbledore sich seine Unterlagen „auslieh“!“

Aber die Bedeutung einiger der Leistungen Dumbledores lässt sich doch nicht bestreiten, werfe ich ein. Was ist mit seinem berühmten Sieg über Grindelwald?

„Oh, nun, ich bin froh, dass Sie Grindelwald erwähnen“, sagt Skeeter mit einem unwiderstehlichen Lächeln. „Ich fürchte, wer wegen Dumbledores spektakulärem Sieg feuchte Augen bekommt, muss sich auf eine Bombe gefasst machen -besser gesagt auf eine Stinkbombe. Wirklich eine sehr schmutzige Angelegenheit. Ich will nur eins sagen, seien Sie nicht so sicher, dass es das große und legendäre Duell wirklich gab. Wenn man mein Buch gelesen hat, wird man vielleicht den Schluss ziehen müssen, dass Grindelwald einfach ein weißes Taschentuch aus der Spitze seines Zauberstabs heraufbeschwor und sich widerstandslos abführen ließ.“

Skeeter will nichts weiter zu diesem spannenden Thema preisgeben, daher wenden wir uns stattdessen der Beziehung zu, die ihre Leser zweifellos mehr als jede andere fasziniert.

„O ja“, sagt Skeeter lebhaft nickend. „Ich widme der ganzen Potter-Dumbledore-Beziehung ein komplettes Kapitel. Man hat sie als ungesund bezeichnet, sogar als unheilvoll. Auch hier werden Ihre Leser mein Buch kaufen müssen, um die ganze Geschichte zu erfahren, aber es steht außer Frage, dass Dumbledore von Anfang an ein unnatürliches Interesse an Potter zeigte. Ob das wirklich im besten Interesse des Jungen lag – nun, wir werden sehen. Es ist natürlich ein offenes Geheimnis, dass Potter eine überaus schwierige Jugend hatte.“

Ich frage, ob Skeeter immer noch mit Harry Potter Kontakt hat, mit dem sie letztes Jahr ein so berühmtes Interview geführt hat: ein bahnbrechender Beitrag, in dem Potter exklusiv von seiner Überzeugung sprach, dass Du-weißt-schon-wer zurückgekehrt sei.

„O ja, wir haben einen guten Draht zueinander“, sagt Skeeter. „Der arme Potter hat kaum echte Freunde, und wir haben uns zu einem Zeitpunkt kennen gelernt, als ihn das Leben auf eine harte Probe stellte – beim Trimagischen Turnier. Ich gehöre wahrscheinlich zu den ganz wenigen Personen auf der Welt, die sagen können, dass sie den echten Harry Potter kennen.“

Was uns elegant zu den vielen Gerüchten führt, die nach wie vor über Dumbledores letzte Stunden kursieren. Glaubt Skeeter, dass Potter dabei war, als Dumbledore starb?

„Nun, ich will nicht zu viel sagen – es steht alles im Buch –, aber Augenzeugen auf Schloss Hogwarts sahen Potter von dem Ort des Geschehens wegrennen, kurz nachdem Dumbledore stürzte, sprang oder gestoßen wurde. Ist alles so, wie es scheint?“

„Das muss die magische Gemeinschaft entscheiden – sobald sie mein Buch gelesen hat.“

Nach dieser interessanten Bemerkung verabschiede ich mich. Ohne jeden Zweifel ist aus Skeeters Feder ein Buch geflossen, das augenblicklich zum Bestseller werden wird. Das Heer von Dumbledores Bewunderern kann unterdessen durchaus zittern vor dem, was bald über ihren Helden ans Licht kommen wird.

Betty Braithwaite”

Quelle: http://litrus.net/book/read/85955/Harry_Potter_und_die_Heiligtumer_des_Todes?p=3

„Du schmunzelst?“, kam der Einwurf von Lucius und ich lächelte, da ich fertig gelesen hatte.

„Naja… ich bin nur gespannt, was Rita für böse, böse Geheimnisse von unserem guten, ehemaligen Direktor ausgegraben hat!“, deutete ich erklärend auf den Artikel, den die beiden Männer anscheinend schon gelesen hatten, denn sie wussten augenscheinlich, wovon ich sprach.

Wobei ich es zu schätzen wusste, dass sie mir wegen der Geschichte um Burbage, anders als Draco, keine Vorwürfe machten. Sie sagten gar nichts, was auch gefährlich sein konnte, aber ich nahm es mal wieder wie es kam und freute mich einfach über diese Stille Akzeptanz.

„Wahrscheinlich ein Bestseller der Belletristik!“, ätzte Severus gehässig und senkte die Zeitung nicht, während er von Lucius ein Augenrollen geschenkt bekam und dies somit gar nicht honorierte, weil er es gar nicht bemerkte.

„Eloquent, wie eh und je!“, kommentierte Lucius nüchtern, woraufhin ich amüsiert kicherte, denn die beiden waren zusammen herrlich in ihrem Sarkasmus.

„Naja, Sarkasmus ist die Kunst, Idioten zu verarschen, ohne dass sie es merken!“, warf ich lässig ein, während Draco eintrat und den letzten Satz noch mitbekam.

„Wen verarscht Severus?“, fragte Draco interessiert, als er sich neben mich setzte.

„Kinder, bitte, der Ton !“, zierte Lucius‘ schönes, markantes und sehr männliches Gesicht einen tadelnder Ausdruck.

„Moment, wie kommst du darauf, zu unterstellen, dass sie mich meinte?“, unterbrach nun doch der hinter seiner Zeitung auftauchende Severus pikiert, dessen obsidianfarbene Augen so gar nichts aussagten, ob er amüsiert war, oder verärgert, während er uns musterte.

„Wer ist der König des beißenden Sarkasmus? Oh, verzeih, der Prinz des bitteren Spotts und Hohns?“, zeigte sich Draco nicht weniger zynisch und erntete ein prächtiges Zähnefletschen von Severus.

„Da die Ferien nun auch offiziell begonnen haben, habe ich mir ab dem morgigen Tag extra viel Zeit für dich eingeräumt, Hermione!“, kam es irgendwie vorfreudig von Lucius und es hörte sich in meinen Ohren wie eine Drohung an, als er mir dies sagte und damit ein neues Thema ansprach. Ich war erleichtert, dass mir noch ein Tag Galgenfrist zur Verfügung stand, denn ich wollte heute noch entspannend, da ab morgen nur noch er für mich zuständig sein und sich alleinig mit mir beschäftigen würde, wie er mir in den letzten Tagen schon zu deutlich gemacht hatte.

Ein wenig erfreulicher Ausblick und die Zeit raste unaufhaltsam dahin, während ich mir diesen ganzen Tag tatsächlich frei nahm und nutzte, um wieder herunterzukommen. Ich ging früh schlafen und verbrachte eine erholsame Nacht mit traumlosem Schlaf.

Der nächste Tag kam viel zu schnell und nun waren wir, um die Mittagszeit, in einem Trainingsraum im 2. Stock. Das Licht fiel warm herein und wir standen uns abwägend, in einem an sich leeren Raum, gegenüber.

Es war ungewohnt, Lucius alleine mit der Absicht etwas zu lernen gegenüberzustehen. Eine gewisse latente Nervosität machte sich in mir breit.

Lucius war nur mit einem Hemd und Hosen sehr leger bekleidet. Das war ein ungewohnt lässiger Anblick, während ich selbst in einem schlichten, knielangen Sommerkleid vor ihm stand.

Er musterte mich genau, mit einem unleserlichen Ausdruck in den dunkelgrauen Augen, bevor er urplötzlich loslegte. Ich wusste nicht, was nun auf mich zukommen würde und betrachtete ihn misstrauisch. Was wollte er mir beibringen, was ich noch nicht kannte? Mir war nicht klar, warum er so viel Wert auf diese Termine legte.

„Ein Schwarzmagier ist etwas ganz Besonderes! Er lässt sich die Wahl, welche Magie er anwendet! Er ist frei in seinen Entscheidungen, nicht gebunden an Konventionen, die ihn einengen! Ein Schwarzmagier hat damit auch ganz besondere Verantwortung! Das ist etwas, was die sogenannten Weißmagier nicht erkennen wollen! Die Verantwortung kommt mit der Macht, egal welchen Ursprungs… aber diese unterschiedlichen Ansichten trennt unsere magische Welt nun schon seit Jahrtausenden!“, lamentierte er in gewohnt selbstsicherer Manier und ich lauschte seiner beeindruckenden, wohltönenden Stimme, bis ich es wagte, eine Hand zu heben um ihn zu unterbrechen, denn ich war sehr wohl überrascht, dass mit mir eine weitschweifige Theorie begann.

„Lucius, das ist unerwartet von dir, dass du mir dies erklären willst, aber das hab ich schon geles…“, wurde ich durch eine überhebliche Geste zum Verstummen gebracht.

„Und hast du es auch verstanden? Es auch verinnerlicht?“, fragte er knapp.

„Ja, ich denke schon!“, nickte ich zu meinen vorsichtigen Worten.

„Du bist unsicher! Ein Schwarzmagier gesteht nie, dass er unsicher ist. Aber noch wichtiger ist, dass man seine Grenzen kennenlernt, sonst wird man von dem innigen Gefühl von Unbesiegbarkeit und Macht von innen aufgefressen und zerstört. Ich weiß, du bist vorsichtig, aber viele verlieren das rechte Maß der Dinge! Man glaubt, man kann alles tun! Man sei unbesiegbar! Das kann fatal enden…“, erklärte er inbrünstig, dabei beobachtete ich ihn abwägend blinzelnd, versuchte, hinter den tieferen Sinn seiner Aussagen zu blicken.

War ihm das passiert? Im nächsten Augenblick kam ich nicht mehr hinterher.

„Zück den Stab und dann auf…!“, war die letzte und einzige Warnung, die mir von ihm zuteilwurde.

Dann kam Lucius über mich, anders konnte ich es nicht ausdrücken. Ich wollte Lucius NIEMALS in einem Kampf begegnen, zumindest nicht auf der falschen Seite und ihn dabei als Gegner zu haben.

Gleichzeitig rief ich mir den Kampf in der Mysteriumsabteilung ins Gedächtnis und erkannte, dass Lucius zu keiner Zeit wirklich an diesem Kampf teilgenommen hatte!

Er hatte sogar, im Nachhinein betrachtet, die DeathEater zurückgehalten und EINGETEILT, während sie uns hatten jagen sollten!

Aber ganz ehrlich, wenn Lucius gekämpft hätte, wären wir chancenlos gewesen, erst in Sirius‘ Todesraum war Lucius in Erscheinung getreten, zusammen mit Bellatrix, die er bis dahin augenscheinlich von der Jagd auf uns abgelenkt hatte und selbst da schien er sich mehr als nur zurückgehalten zu haben und ich war mir sicher, er hatte nie vorgehabt, dass an diesem Abend jemand starb!

Selbst Sirius nicht!

Wie ich zu dieser sehr glorreichen Eingebung kam?

Lucius machte mich im folgenden Trainingskampf so was von fertig, denn ihm schien die Vorgehensweise und Methode „Erst erklären, dann üben und schließlich reden wir über die Fehler!“ sehr, sehr fremd zu sein, um nicht zu sagen, er kannte sie offensichtlich nicht!

Nach seiner mehr als kurzen Aufforderung, den Stab zu zücken, ging es unbarmherzig los.

Ich war gut ausgebildet und reagierte instinktiv aber doch irgendwie zu langsam und viel zu einfallslos gegen ihn. Als er mich mit einer lasziven Geste aufforderte, ich sollte ihn angreifen, reagierte ich seiner Ansicht nach zu langsam und er ergriff, wie selbstverständlich, die Initiative.

Mir blieb gar nichts anderes übrig, als mich unter seinem Beschuss einfallslos zu ducken und mit einem hektisch gesprochenen Fluch zurückzuschlagen. Er bewegte sich wie ein geschmeidiges Raubtier, blitzschnell, präzise und zielorientiert.

Lucius sprach fast nie im Kampf. Er agierte absolut lautlos, in seinen Bewegungen als auch in seinen Zaubern, kein Ton kam über seine Lippen.

Flüche peitschten einer Salve gleich aus seiner Richtung , schlugen wie bunte Blitze aus heiterem Himmel bei mir ein und zusätzlich apparierte er alle paar Sekunden geschwind hin und her, sodass er urplötzlich hinter mir, oder direkt vor mir aus dem Nichts auftauchte und mich in Bedrängnis brachte und mich zusätzlich verwirrte. Dies alles geschah in absoluter Stille, nur der Krach, den die Flüche beim Einschlag mit sich brachten, erfüllte den Raum.

Das hier war für mich eine ganz fremde Art des Duellierens, die ich so noch nicht gelernt hatte, weder von Severus, der uns mehr für den Nahkampf schulte, noch in der BL oder DA, oder der Connection.

Nicht dass wir schlecht gewesen wären oder nicht zu sagen vorzüglich im Kampf, aber Lucius‘ Niveau ließ mich die Luft anhalten. Ab einem gewissen Zeitpunkt sah ich ihn gar nicht mehr, nahm nur noch verschwommene Schlieren von ihm wahr, die rasant an mir vorbeirasten. Ich glaubte nicht, dass er mich schonte, das passte nicht zu seiner ausgeprägten, sadistischen Ader und daher hielt ich mir mein Durchhalten bis hierher zugute, denn zu einer Attacke kam ich unter diesem Beschuss gar nicht.

Diese unendlich rasche Art des Apparierens war unglaublich anstrengend für den Zauberer, trotzdem vollführte Lucius auch diese nahezu geräuschlos. In dieser schnellen Abfolge war es fast unmöglich, dass man noch als Ganzes irgendwo auftauchte. Die Gefahr zu zersplintern war riesig und die Tatsache, dass Lucius nicht zersplinterte, zeigte sowohl sein enormes Können als auch große magische Kraft und Stärke.

Es ließ mich leicht schwindeln, denn währenddessen setzte das Bombardement zu keiner Sekunde aus oder wurde schwächer. Ich war vollkommen in der Defensive.

Lange dauerte es leider nicht, sodass mein Stolz durchaus litt, denn obwohl er ständig agierte und in Bewegung war, schien er meine Bewegungsabläufe zu studieren und seine schnellen Schlüsse daraus zu ziehen. Zielsicher fand er einen Schwachpunkt und griff mich erst jetzt richtig gnadenlos an.

Dabei fing er mich mit einem schwarzglühenden Lasso ein, das sich auf einmal um meine Oberarme schlang und mir das Atmen schwermachte. Er übte solchen Druck aus, dass mir mein Zauberstab aus den tauben Händen fiel und davonrollte, dann brachte er mich mit einem Ruck aus dem Gleichgewicht und ich ging hart und stöhnend auf die Knie.

Urplötzlich wurde mein Dasein in Frage gestellt, denn ich war nicht mehr hier in einem Raum mit Lucius, ich war verwirrt, da er noch einen anderen Fluch wirkte, der mir vorgaukelte, ein Nichts zu sein!

Mir wurde suggeriert, ein wertloser Muggel zu sein. Dass es so etwas Abstraktes wie Zauberei gar nicht gab schwirrte mir durch den Kopf und meine ganze Existenz wurde in Frage gestellt und das verunsicherte mich zutiefst.

Dieser Zustand hielt an, bis ich die Illusion und den Fluch durchschaute, da er einen Teil in meinem Inneren absolut nicht täuschen konnte. Tief in mir war dieser glühend heiße, grellweiße Kern, der beständig in mir pulsierte, der mir deutlich sagte, dass ich immer noch das war, was ich nun mal war!
Ich war eine Hexe und eine SoulGatherer!

Danach schaffte ich es unter großen Anstrengungen, den Fluch abzuwerfen, was mir eine sachte erhobene Augenbraue einbrachte, mehr aber auch nicht. Ich fühlte mich so ausgelaugt, als hätte man mich brutal auseinander genommen und dann nur teilweise wieder zusammengesetzt. Auch wenn ich den bleischwer auf mir lastenden, meine Realität verwirrenden Zauber abgeschüttelt hatte, war ich trotzdem noch mit dem glühenden Lasso gefangen. Das Lasso grub sich mir beständig in die Haut und erschwerte meine Atmung. Es erinnerte mich, von der Struktur her, an meine Peitsche.

Dies alles war schockierend, da bisher kein einziges Wort gefallen war, während ich noch immer schnaufend auf dem Boden lag. Lucius baute sich nun vor mir betont unaufgeregt und unberührt von dem Kampf auf, wirkte als würde er gerade von einem netten Gespräch kommen und nicht, dass man gerade mit ihm gekämpft hatte, das ärgerte mich unsäglich.

„Ich hoffe, du erkennst die Art und die Struktur des Fluches? Was ist der Cruciatus ? Eine Illusion, aber es gibt noch ganz andere wie diesen, die mit den Urängsten der Menschen spielen und ihre Existenz in Frage stellen und auch wenn man sich noch so sehr einredet, dagegen immun zu sein, die wenigsten schaffen es! Den wenigstens gelingt es, ihre Ängste und Unsicherheiten zu verdrängen und über sich hinauszuwachsen, es überwiegen ihre Schwäche, die Verunsicherung und die Zweifel. Man kann ihnen nur trotzen, wenn man sich dies bewusst macht! Diese psychologischen Flüche, die zwar keine „sichtbaren“ Schäden anrichten, sind wohl die schlimmsten von allen! Denn wo nichts ist, kann man trotzdem dramatische Höllenquallen durchleiden. An diesem Punkt beginnt man, sich Fragen zu stellen, die einen irgendwann letztendlich an den Rand des Wahnsinns treiben und einen zerstören können ohne einen zu töten. Das wahre, unfassbare Entsetzen existiert nur in den Menschen selbst! Der Verstand ist die Quelle von Genialität, aber auch der Abgrund in der Angst vor dem Unbekannten, die Sorge vor dem Schmerz, die Furcht vor dem Leid und die panische Furcht vor dem Tod! Aber du musst erkennen, das alles ist Unfug, es ist nur hier…“, dabei klopfte er sich auf das silbrig blonde Haupt, „… es existiert nur hier!“

„Also muss ich mich nur beherrschen, meine Emotionen unterdrücken?“, warf ich atemlos ein und dachte an meine Inferi, die mir dies seit einiger Zeit beibrachten.

Doch er unterbrach mich mit einer unwirschen Geste. Ich selbst schnappte schwer nach Luft, aber ich hatte schon bemerkt, je  mehr ich mich gegen die Fesseln wehrte, desto schlimmer spannten sie sich um mich und verhinderten, dass ich Luft bekam.

Es war demütigend, so vor ihm am Boden zu kriechen, während er selbstherrlich vor mir aufragte und eine Lehrstunde abhielt.

„Hör zu! Jemand, der vor nichts und niemandem Angst hat, jemand, der nichts zu verlieren hat, ist ein gefährlicher Gegner… er hat aber auch nichts, wofür es sich zu kämpfen lohnt!“ Das war so ziemlich das letzte was ich hörte, bevor ich mehr oder minder zusammenbrach und atemlos in einer Ohnmacht versank. Mit dieser ganzen Kämpferei hatte ich so jetzt nicht gerechnet. Er hatte mich eiskalt überrascht.

Hermiones Sicht ende

Lucius Sicht

Ich trug sie, auf den Armen, ein Stockwerk tiefer in ihre Gemächer. Sie war nicht darauf vorbereitet gewesen, heute mit mir kämpfen zu müssen, aber das hatte ich absichtlich so arrangiert und sie über meine Pläne mit ihr im Dunkeln gelassen.

Dass sie es überhaupt geschafft hatte, diesen Illusionszauber abzuschütteln war unfassbar, denn bisher hatten dies nur Severus und ich überhaupt geschafft. Dass sie es beim ersten Mal bewerkstelligt hatte, war überraschend.

Dem glühenden Lasso zu entkommen hatte ich nicht von ihr erwartet und war somit auch nicht überrascht oder darüber verstimmt, weil sie es nicht geschafft hatte. Ihre Ohnmacht, da die Schlinge einem das Leben, oder auch den Atem raubte, war abzusehen gewesen. Alles in allem war ich mehr als zufrieden mit dem Verlauf unserer ersten Lektion. Ich hatte mehr von ihren Fähigkeiten sehen können und konnte nun besser einschätzen, wo ich bei ihr ansetzen musste um sie voran zu treiben. Sie war gut, aber sie musste noch viel lernen. Ihr fehlte Praxis, Wissen und natürlich, wie auch Draco, jahrelange Erfahrung, die Severus und ich vorweisen konnten.

Dass sie den Illusionszauber gebrochen hatte, ließ mich jedoch nicht los. Es verwunderte mich und ich fragte mich, was ihr Anker war, der ihr gezeigt hatte, dass mein Zauber eben nur ein Zauber war? Hatte es etwas mit der nekromantischen Angelegenheit zu tun, die ihr hier Sicherheit und Stabilität lieferte, die normale Menschen sonst nicht hatten?

Ich legte sie fürsorglich in ihrem großen Bett ab, in dem sie fast verschwand und betrachtete sie versonnen. Für die kommenden Tage und Wochen plante ich so viel mit ihr und war gespannt, wie es ihr gefallen würde.

Sie wusste es noch nicht, aber ich hatte vor, zum ersten Mal so etwas wie Ferien zu machen! Natürlich würde sie viel lernen müssen, aber ich hatte durchaus auch erholsame Phasen vorgesehen, in denen ich ihr einfach Dinge zeigen wollte, die ihr sicher gefallen würden.

Nur meine allerwichtigsten und notwendigsten Pflichten würden mich ab und an fordern, aber ich hatte versucht, meine normalen, beruflichen Verpflichtungen in der Firma weitestgehend auf meine Vertretungen abzuwälzen, nur als Rechte Hand würde ich mich nicht derart freimachen können, doch dafür hatte ich Severus und war ihm durchaus zu Dank verpflichtet, weil er in dieser Zeit mehr in Erscheinung treten und mich entlasten würde!

Nur noch ein großer Auftrag stand für mich an und das würde eine sehr große Sache werden und noch einmal die ganz Familie morgen zusammen ins Dark Manor führen, dann würde es erst mal ruhiger für mich und das Biest werden, was den Lord betraf.

Ich warf noch einen letzten Blick auf ihre schlafende Gestalt und entschied mich dazu, ihrem Zorn zu entgehen, da sie sich bestimmt über ihre „Schwäche“ schwarzärgern würde. Bevor ich mich zurückzog ließ ihr noch schnell eine Notiz da, die ich ihr auf die leere, unbenützte Seite ihres Bettes legte.

Lucius Sicht ende

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BeitragThema: 387. Lesungskapitel I. The Descent, Abgrund des Grauens Teil 1   So Jun 30, 2013 8:07 pm

387. Kapitel Lesungskapitel The Descent, Abgrund des Grauens Teil 1


Hermiones Sicht

Mitten in der Nacht hatte ich die Augen urplötzlich aufgerissen und relativ perplex festgestellt, dass ich vollbekleidet in meinem Bett lag. Ach… ich stöhnte leidend, denn das ging ja gar nicht. Schon wieder hatte er mich bewusstlos in mein Bett getragen, sollte dies nun ein Dauerzustand werden?

Soeben kamen die Erinnerungen wieder und die Erfahrung, mit Lucius zu kämpfen, war nicht schön gewesen, anders als mit Severus, der, wenn er in die Offensive ging, auch offensiv blieb, Lucius dagegen war wie eine listige, unkalkulierbare Schlange. Er verließ die Deckung nie wirklich und schlug immer aus dem Hinterhalt zu, oder kam es mir nur so vor?

Ich hatte nur eine sehr schemenhafte Vorstellung von dem Geschehen. Er hatte mich absolut schwindelig gemacht. Lucius versuchte, einen zu verwirren, einen durcheinanderzubringen und einen zu verunsichern. Severus hingegen war ein Kämpfer, der klar zum Ziel hatte, einen unschädlich zu machen. Die beiden hatten völlig unterschiedliche Herangehensweisen an einen Kampf.

Als ich mich unruhig umherwälzte, hörte ich es auf einmal unter mir knistern, also setzte ich mich überrascht auf. Ich musste mir sehr widerwillig eingestehen, dass Lucius mir in dieser kurzen Zeit unglaublich viel beigebracht hatte. Nun erkannte ich, dass ich offenbar auf einem Stück Pergament gelegen hatte. Ich entfaltete das Schriftstück und wurde von den handgeschriebenen Zeilen wirklich geschockt.

Komm heute Abend ins Dark Manor!

Nachdem ich letztens hier im Malfoy Manor, quasi in meinem zu Hause, bei der Ermordung von Burbage derart negativ aufgefallen war, konnte ich nur hoffen, dass der Lord nicht, wie von ihm angekündigt, die Chance nützen würde um nach den damaligen Gründen zu fragen. So stöhnte ich schon wieder leidend auf.

Verdammt!

Ich kämpfte mich entschlossen mit meinem blaugehauenen und geschundenen Körper in die Höhe und verließ rasch, ohne mich weiter zurechtzumachen, die Räumlichkeiten des Manors. Ebenso flott apparierte ich aus der Halle auf die Lichtung des Verbotenen Waldes, um mein Ritual für die Inferi abzuhalten.

Ich wollte wohlweislich vorsorgen, wenn ich mich in die Fänge des Dark Lords begab und folgte hier einfach einem spontanen Impuls. Sobald es getan war, kehrte ich sehr derangiert im beginnenden Morgengrauen ins Manor zurück. Ichverbrachte den Rest des Tages im Bad und in meinen Räumen und genoss die Ruhe, innerlich von dem Gefühl begleitet, dass mir ein Sturm bevorstand. Leider wusste ich nicht genau, was Lucius an diesem Tag plante und sein Verschwinden lag mir schwer im Magen.

Erst als ich zu später Stunde, mit meiner Kampfmontur bekleidet, pünktlich im Foyer auf den wartenden Severus traf, hatte ich die Möglichkeit mehr zu erfahren, denn bis dahin hatte ich keinen von meinen drei Männern gesehen.

„Was für eine Mission leitet Lucius? So was macht er doch sonst nie!“, fragte ich interessiert, dabei wurde mir ein langer, unleserlicher Blick durch viel zu dunkle Augen zuteil.

„Ich habe erfahren, dass du dich bei den Illusionszaubern gut geschlagen hast!“, entgegnete Severus ausweichend als Antwort mit einer Gegenfrage, was bedeutete, dass er mir nichts sagen würde, wobei ich aus seiner reservierten Haltung entnahm, dass er, wie eigentlich immer, alles wusste. War es nicht eine reine Freude, wenn die beiden sich einig waren und alle anderen außen vor hielten?

„Geht so…“, murrte ich aufgrund der Erinnerung, dass ich Lucius wenig bis gar nichts entgegenzusetzen gehabt hatte. Das war ein Zustand, der mir leidvolle Pein bereitete, denn ich war meiner bescheidenen Ansicht nach mittlerweile so gut geworden und doch war ich weit davon entfernt, sowohl Severus als auch Lucius zu schlagen.

„Stell dein Licht nicht unter den Scheffel! Lucius ist in vielen Angelegenheiten ein Meister…“, räumte Severus ungewohnt freundlich und zuvorkommend ein, dabei wirkte das seltene Kompliment ernsthaft und ließ mich irritiert blinzeln.

„Oh… das sagt der Richtige. Ich dachte, du wärst in allem der Meister und unschlagbar!“, troff mein Hohn, dabei handelte ich mir eine anklagende Miene ein, da ich sein Lob nicht genügend würdigte, aber mich ärgerte ihr Verhalten, mir nichts zu sagen, somit konnte ich mich über diese seltenen anerkennenden Worte aus seinem Mund gar nicht gebührend freuen.

„Ich bin wahrlich in vielem brillant, aber leider nicht in allem! Dafür versteht es dann Lucius, diese Lücken mehr als gekonnt zu füllen!“, entgegnete er schnarrend, hierbei war er absolut von sich selbst überzeugt und ließ ungewohnt tief blicken, dass sie sich ergänzten und als Ganzes eine fast unschlagbare Macht darstellten, auch gegen mich. Das hatten sie mir zu meinem Leidwesen schon zur Genüge bewiesen und demonstriert.

„Bescheidenheit ist eine Zier!“, gab ich sofort zurück, aber ich erntete nur ein abfälliges Schnauben und zu meinem Unwillen, erkannte ich sehr wohl, dass Severus sie soeben als eingespieltes Team enttarnt hatte. Aber dass sie ein solches waren, hatte ich ja eh schon oft genug ahnen und erkennen können.

„Eine Gabe, die unserer Familie gänzlich fehlt und nun komm, der Lord wartet nicht gerne!“, bestimmte er in ruhiger Tonlage und winkte mich beherrscht zu sich.

Und so kamen wir wieder mal unter den letzten an, wobei ich vor Ort weder die drei Lestranges noch Lucius im Thronsaal ausmachen konnte. Ich selbst hielt mich wohlweislich im Schatten von Severus und später auch von Draco, der kurz vor uns im windumtosten Innenhof erschienen war und sich uns nach einem kurzen Nicken angeschlossen hatte.

Jetzt standen wir hier und die kühlen und doch so glutvollen und heute so ungeduldigen Augen des Lords lagen fast fixierend auf mir, während ich nicht die Erlaubnis erhalten hatte, mich aus meinem beschissenen Knicks zu erheben. Meine Knie ächzten schon protestierend unter der Last meines Körpers und als ich dachte, er würde nun etwas zu mir sagen und mich vielleicht erlösen, glitt urplötzlich ein zufriedenes Grinsen über die hässliche Fratze des Lords, wie ich erkennen konnte, da ich versuchte, trotz meiner demütigen Haltung nach oben zu schielen um zu erkennen, was vor sich ging. Es wirkte so als würden ihn seine Zauber darüber informieren, dass eingetroffen war, auf was alle Versammelten so geduldig warteten.

In dem Moment überkam mich etwas völlig Unerwartetes. Fast sofort begann ich unsicher zu wanken. Abrupt durchfuhr mich eine eisige Kälte, die in meinen Körper eindrang und mich schlottern ließ. Gleichzeitig zog klammer, dichter Nebel über den Marmorboden, waberte wie eine dickliche Suppe umher und legte sich wie ein undurchdringlicher Schleier über uns alle, sodass unsere Füße gar nicht mehr auszumachen waren. Auch unter den anderen Death Eatern des Inneren Kreises brach unwohle Nervosität aus, als der Nebel immer mehr Raum in dem Thronsaal eroberte.

Ich konnte die unruhigen Tendenzen unter ihnen geradezu fühlen und nahm auch den einen oder anderen furchtsamen Blick von ihnen aus den Augenwinkeln wahr, denn noch immer kniete ich unterwürfig und konnte mich nicht frei umsehen. Schließlich legte sich der Nebel auch malerisch auf die Treppenstufen der Empore des Lords, auf dem dieser in seinem Thron Hof hielt und die Stufen wurden durch die grauschwarzen Nebelschwaden vollständig verschluckt.

Es war ein einprägsames Bild, der Lord umgeben von dichtem Nebel zu seinen Füßen.

Der wabernde Nebel drang in jede Ritze und schien sich im gesamten Dark Manor auszubreiten, legte sich wie ein Tuch auch über die Geräusche, die ab sofort gedämpft wirkten. Überall herrschte nun eine noch schlimmere und unangenehmere, feuchtere und klammere Kälte, wie sowieso schon im Dark Manor.

Ein sehr beklommenes Gefühl überfiel uns alle und ich kämpfte mit einer aufziehenden Gänsehaut. Mir reichte der Nebel bis zu den geneigten Knien, aber ich wagte es nicht, mich zu erheben.

Ich dachte, sofort zu erkennen, was dieses so bezeichnende und prägnante Vorzeichen bedeutete und schluckte schwer, fast panisch, gegen die aufsteigende, ätzende Säure in meiner Speiseröhre an. Weiterhin verharrte ich in meinem strafenden Knicks, aber meine Hände ballten sich zu schweißnassen Fäusten. Das was hier passierte, erinnerte mich eindeutig zu sehr an mein 3. Schuljahr in Hogwarts!

Im nächsten Augenblick wurden auch schon die Türen schwungvoll aufgeschlagen und setzten den dicken Nebel in Bewegung, sodass er herum wirbelte. Er wand sich wabernd durch die Luft und stieg aufbauschend in grauschwarzen Schlieren in die Höhe. Durch diese beeindruckende Kulisse stolzierte Lucius selbstherrlich mit erhobenem Haupt und sich aufbauschenden schwarzen Mantel herein.

Im Gehen ließ er lässig seine verschmutzte und bespritzte goldene Fleur-de-lis Maske verschwinden und offenbarte sein wahrlich schönes, aristokratisches Antlitz, das unbewegt zum angespannt wirkenden Lord blickte. Verfolgt wurde er von den drei Lestranges, die ein bisschen weniger selbstsicher daherkamen und etwas blass um die Nasen wirkten, während sie geradezu brav hinter Lucius her trotteten und sich sofort, als es ihnen möglich war, etwas abseits an die Mauer drängten.

Lucius verneigte sich galant und graziös vor dem Lord, dabei wirkte er die ganze Zeit sehr souverän und strahlend in seinem herrschaftlichen Auftreten. Selbst das dunkelrot glänzende Blut, das seine Erscheinung zierte, tat seinem Auftreten keinen Abbruch.

Wirklich zu erkennen war das Rot nur in seinem hellsilbrigen Haar, auf dem es in wilden Sprenkeln ein abstraktes Muster zeichnete!

Stolz wies er mit einer ausholenden Geste nach hinten und da bewahrheitete sich nun, was ich befürchtet hatte. Jetzt schwebten drei Dementoren gemächlich in ihren großen, fetzenhaften, schwarzen Kapuzenmänteln, die ihre gesamte Gestalt formschön umhüllten, herein. Sie glitten sanft in der Luft schwebend dahin und verbreiteten bitterste Kälte. Es wurde noch düsterer in ihrer unmittelbaren Umgebung, als es überhaupt möglich sein sollte.

Die bedachten, schwingenden, hauchenden Luftbewegungen, die sie begleiteten, ließen ab und an ihre extrem langen, dünnen, fahlen und unnatürlich grauen Hände zum Vorschein kommen. Ich biss mir auf die Lippe, um das aufziehende Schaudern zu unterdrücken.

Als ich verstohlen einen Blick zur Gruppe der Death Eater warf, erkannte ich, dass auch sie nicht wirklich begeistert wirkten und sich schutzsuchend, einem Instinkt folgend zusammendrängten, aber anders als Harry nicht schreiend zusammenbrachen.

Das Erstaunliche an sich war, dass viele Death Eater gar nicht in der Lage waren Patroni zu erzeugen, die sie effektiv vor den Wesen und ihrer unfassbar grausamen Macht, jemandem das Glück zu entziehen, schützen konnten, aber das brauchten diese Menschen auch nicht.

Selbst die Patroni von Severus, Lucius, Draco und auch meiner waren nicht so plastisch und kräftig wie zum Beispiel die von Luna, Padma, Neville und anderen Schülern, aber wir waren wenigstens noch immer in der Lage, sie zu beschwören und genügend positive Gedanken in uns zu finden, die uns dies ermöglichten.

Somit wirkten auf uns diese Wesen anders, wenngleich sie uns lethargischer werden ließen, entzogen sie uns doch nicht unser ganzes „Glück“, dafür waren die meisten hier zu verdorben, als dass dies passieren könnte!

So viele glückliche Erinnerungen hatten die hier Anwesenden nicht und die meisten von den Death Eatern waren nicht glücklich aber sie waren sadistisch und grausam und gingen eher in ihren quälenden Erinnerungen und peinigenden Gedanken auf, als dass sie darunter litten, sodass sie den hungrigen Dementoren nichts zu bieten hatten. Selbst wenn man meinen könnte, dass sie Glücksgefühle empfanden, wenn sie ihre grausame Natur ausleben konnten, so wie Bellatrix es tat, so war dies doch nicht zu vergleichen mit den reinen, guten Glücksmomenten und Gefühlen, die dazu nötig waren einen Patronus zu erschaffen und wirklich nichts damit zu tun hatten, sich an seinen grausamen Taten zu ergötzen.

„My Lord, Askaban ist nun so gut wie leer!“, drang Lucius‘ volltönende Stimme spöttisch, aber doch gedämpft durch den nebeligen Raum und fast sofort setzte hohles, gehässiges Lachen den Saal in Brand, denn der Lord hatte gerade sein kahles Haupt in den Nacken geworfen und lachte schallend mit dieser blechernen, menschenunähnlichen Stimme und verursachte mir zusätzliche Gänsehaut.

Als ich einen vorsichtigen Blick unter meinen Wimpern zu den Dementoren wagte, dabei meinen Kopf ein wenig weiter drehte, erblickte ich zu meinem Schrecken eine Schar von verhärmten, abgemagerten und verdreckten Häftlingen, die in Fetzen und Lumpen gekleidet hereindrängten und den grauzähen Nebel aufwirbelten. Darunter konnte ich sowohl Derrick als auch einen stumpfsinnig daher wankenden Mann ausmachen.

Dieser zeigte ständig einen eigentümlichen Tick, ein Zischeln mit der Zunge. Dieses Schnappen mit den Lippen und die strähnigen, ungewaschenen, blondbrünetten Haare um ein schmales Gesicht, waren ein erbärmlicher, aber auch irritierender Anblick. Dazu kam der starrende, seelenlose Ausdruck seiner Augen. Untermalt wurde meine Betrachtung von den rasselnden Atemgeräuschen der Dementoren, die gierig saugend die Luft einsogen.

Ich musste ein erschrockenes Keuchen unterdrücken, als es dieser Verrückte schaffte, urplötzlich meinen Blick zu halten und er mich mit seinem seelenlosen, verloren Blick fixierte. Er war anders als die anderen Gefangenen, selbst anders als Derrick. Irgendetwas stimmte nicht mit dem Mann, er war mir unheimlich aber sein Blick so stechend scharf und intensiv und doch auch so schrecklich leer.

„Meine Dementoren, ich bin erfreut, dass ihr eingesehen habt, dass wir euch das Beste bieten können…“, begann der Lord gebieterisch von seinem Thron aus zu lamentieren, aber ich hörte ihm nicht mehr wirklich zu, denn ich war zu sehr gefesselt von diesen schwebenden Wesen und von dem, zu was dieser mitgenommen wirkende Mann verkümmert war. Ich bemerkte nicht mal wirklich, dass ich nun nicht mehr verstohlen Aufblickte, unter gesenkten Lidern, sondern meinen Blick und Kopf wirklich gehoben hatte.

Im nächsten Augenblick fiel auch einem der Dementoren auf, dass ich einen ehemaligen Gefangenen starr fokussierte und wandte sich gleitend in der Luft mit einer wallenden Bewegung zu mir und schaffte es damit, dass ich den Blickkontakt mit den menschenleeren Augen des Gefangenen brach und nun dem entgegen starrte was sich unter dieser schwarzen Kapuze verbarg.

Das war ein Augenblick, der mir durch Mark und Bein ging, denn als sich unsere Aufmerksamkeit einander zuwandte, saugte er mit seinem Schlund nicht nur die Luft ein, sondern schien auch die Emotionen in der Luft zu schmecken, woraufhin etwas vollkommen Unerwartetes geschah, denn das Wesen zuckte in einer ungewohnt ungeschmeidigen Geste vor mir zurück.

Währenddessen legte ich fast wie in Trance mein Haupt ungerührt schief, aufgrund der irrigen Erkenntnis, dass es eben nicht wie in meinem dritten Jahr war, sondern völlig anders, unerwartet.

Damals, während des ganzen Schuljahres oder am dramatischen Ende dieses Jahres, hatten die Dementoren bei allen, auch bei mir, eine tiefe Beklemmung hervorgerufen und uns in Angst und Schrecken versetzt. Und schließlich, als ich den Kampf von Harry und Sirius um ihr Leben am See miterlebt hatte, wie sie beinahe ihre Seelen an die Dementoren verloren, war ich ständig am Rand einer Depression gestanden und von Hoffnungslosigkeit erfüllt gewesen, dieser beständige Sog, der einen schwächte, war stets gegenwärtig gewesen, doch nun fehlte er gänzlich.

Jetzt fühlte ich keinerlei Macht der Dementoren über mich! Ich spürte nicht diese Verzweiflung, den Schrecken und die Qual, sie in meiner Nähe zu haben. Verwundert blinzelte ich, denn in diesem Moment nahm ich gar nichts mehr wahr, außer die Gegenwart der Dementoren, aber diese Gegenwart hatte nichts mit der Art zu tun wie sie auf Menschen wirken sollten, wie sie auf jeden wirkten, der noch Glück in sich hatte.

Bei all meinen Betrachtungen und Entdeckungen bemerkte ich gar nicht, wie sich um mich herum der dicke Nebel aufbauschte. Mir fiel auch nicht auf, wie ich selbstvergessen aus dem Knicks ging und fast wie in geistiger Abwesenheit langsam auf die drei schwebenden Wesen zuging. Dabei stoben die grauen Schwaden hinweg, aufgewirbelt durch meinen Mantel, während ich mich den Dementoren ohne Zögern immer weiter näherte. Unterdessen schien es, als informierte sie der, welcher mit mir „Blickkontakt“ hielt und machte seine zwei Begleiter darauf aufmerksam, dass ich auf sie zuhielt.

Die anderen beiden Dementoren fuhren zu mir herum, brachen ihre Kommunikation mit dem Lord ab und schienen nun ebenso gefesselt von mir zu sein, wie ich von ihnen.

Es war wie ein starker, innerer Zwang, ihnen nahekommen zu wollen und sie schienen sich dem ebenfalls nicht entziehen zu können, es war faszinierend, beängstigend aber auch berauschend. Dass dieser ungewöhnliche Vorgang Schuld daran war, dass der Lord seinen Vortrag oder besser seinen Monolog unterbrach und mit glutvollem Blick böse zu mir starrte, oder dass sowohl Severus als auch Draco mir erregt Befehle zuflüsterten, entging mir dabei total, denn jedes andere ablenkende Geräusch trat für mich unwiderruflich in den Hintergrund.

Das Erstaunliche war, ich wusste instinktiv irgendwoher, dass nicht der Dementor, der mit dem Lord kommunizierte, der Anführer der Gruppe war, es war der Zweite, der in der Mitte schwebte!

Woher ich das wusste?

Eine super Frage, aber ich wusste es einfach aus einer tiefen, inneren Sicherheit heraus, wie ich außerdem wusste, dass er sich von den beiden anderen elementar unterschied. Denn für mich leuchtete er schwärzer als die anderen, es war eine blöde Umschreibung, aber es war so. Er war schlicht noch dunkler als die anderen beiden. Seine Aura war kräftiger und irgendwie stärker und das war wie ein unwiderstehlicher Zwang, der mich deshalb ganz explizit zu ihm zog.

Ich wusste nicht was den Grund für diesen Unterschied zwischen ihnen ausmachte, aber für die anderen Anwesenden unterschieden sich die drei Dementoren augenscheinlich nicht voneinander. Für mich war klar ersichtlich, nicht derjenige der sprach war der Chef dieser unheimlichen Gruppe, sondern der daneben, der sich bewusst zurückhielt und einen Strohmann für sich sprechen ließ. Es konnte keiner behauten, dass diese üblen, magischen Wesen nicht doch so etwas wie Intelligenz besaßen.

„Wassss?“, waberte nun die undeutliche Sprache des düstersten der Dementoren zu mir.

Es hörte sich sehr verzerrt an, eher so wie wenn Harry im Schlaf etwas in Parsel zischte und war nicht wirklich zu fassen. Ich mochte schwören, dass es die anderen Anwesenden im Saal nicht wahrnehmen konnten, aber die Gespräche mit diesen Wesen liefen auch eher auf geistiger Ebene ab. In diesem Augenblick baute sich der Anführer auch schon bedrohlich und vollständig wie eine Wand vor mir auf.

Damit ließ er seine „Tarnung“, wenn man denn so wollte, fallen.

Dementoren kommunizierten mit Magiern auf einer telepathischen Ebene und daher hörte sie eben nicht jeder. Sie sprachen überhaupt nur mit denen, welchen sie sich unterzuordnen gedachten, eben wie zum Beispiel mit Lucius, oder aber dem Dark Lord!

In diesem Moment verfluchte ich mich inbrünstig über meinen Starrsinn, weil ich deshalb immer noch nicht genau wusste, wie ich als SoulGatherer funktionierte. Im Augenblick reagierte und agierte ich aus einem Instinkt heraus und dies war mehr als komisch und nicht wirklich nachzuvollziehen. Womit ich jetzt konfrontiert war, fühlte sich an als ob stetig etwas an mir zerrte und ich mich fast nicht dagegen wehren konnte.

Ich erkannte nun auch, dass selbst die Dementoren liebend gerne vor mir zurückgewichen wären, denn alles an ihrer schwebenden Haltung wies von mir weg, deutete auf Flucht hin, aber sie konnten sich diesem zerrenden Drang uns einander zu nähern ebenso wenig entziehen wie ich.

Furchtlos glitt ich durch den schwarzen Nebel und wollte schwören, dass wir ein sehr komisches Bild abgaben.

Das war alles ein bisschen zu viel für mich. In mir drin war ich panisch und mein Geist schrie, ich sollte schnellstmöglich diese unheimliche Anziehung abbrechen und fliehen, ganz weit weg und mich verstecken, doch gleichzeitig war da dieser andere Teil in mir, der sich fast frohlockend auf diese Dementoren stürzen wollte, weil es ihn drängte, sie zu beherrschen, zu unterwerfen und zu besiegen, da er irgendwie in ihnen die schwächere Spezies ausmachte!

Das waren wirre und makabre Gefühle, die mich beherrschten und mir den Schweiß auf die Stirn trieben, während ich mal wieder nicht mehr Herr meines eigenen Willens war und instinktgesteuert handelte.

Jetzt hob ich doch tatsächlich, fast wie ferngesteuert meine Hand an und sofort war es als zöge es den widerstrebenden Anführer auch gegen seinen Willen zu mir. Ich keuchte erschrocken auf, als meine Fingerspitzen kribbelten. Das war irgendwie schön, aber auch so schrecklich falsch, denn ich wollte nicht in die unmittelbare Nähe dieser widerlichen Kreaturen kommen.

Das hier wollte ich alles nicht. Mein Herz klopfte rasend schnell gegen meine Brust. Es schien immer enger zu werden und der Nebel alles verschlingend, wirklich beängstigend und fremd.

Je näher mir diese Kreatur kam, desto mehr Nebel umhüllte mich! Ich wollte dies so ganz und gar nicht!

Das war das letzte woran ich denken konnte, bevor ich nur noch den viel zu nahen Dementor mit seiner düsteren, kaum fassbaren Gestalt vor mir wahrnehmen konnte und meine Hand nur hätte leicht zu heben brauchen, um sein verstecktes Kapuzengesicht berühren zu können.

Somit bekam ich schon nicht mehr bewusst mit, wie der Lord auf einmal laut befehlend verkündete: „Alles verlässt den Raum… nur meine beiden Hände bleiben!“, und wie jeder zusah, dass er schleunigst durch den undurchdringlich wirkenden, schwarzgrauen Nebel aus dem Saal kam.

Hermiones Sicht ende

Dracos Sicht

Ich war wie paralysiert, jetzt waren diese Wesen schon hier im Dark Manor, gerade vernahm ich noch das rasselnde Saugen dieser Kreaturen als die Türen hinter mir zu donnerten und uns andere ausschlossen.

Was passierte hier?

Ich, jeder hatte bemerkt, wie Hermione auf die Dementoren zuhielt, wie sie das Gespräch mit dem Dark Lord und den Dementoren unterbrach!

Als der Lord uns des Raumes verwies und wir eilig durch den wabernden, dicken Nebel eilten und das Weite suchten, ärgerte ich mich schrecklich, dass ich gehen musste und meine Familie blieb.

Andererseits war ich an sich dankbar, dieser Beklemmung zu entkommen, wobei die anderen Death Eater weniger involviert erschienen als ich es war. Ich biss die Zähne entschlossen zusammen, aber als ich Abstand zwischen mich und die Dementoren gebracht hatte erkannte ich nur noch geschockter, dass ich soeben Hermione zurückgelassen hatte und kalte Furcht umklammerte mein Herz. Sie war dort mit dem Lord und diesen Wesen und natürlich, Severus und Vater, die sie hoffentlich schützen würden, wie es ihre Pflicht war, aber ich war mir sicher, sollte sich nicht Hermione dazu herablassen mir zu erzählen was im Saal vorgefallen war, würde ich es wohl nie erfahren, denn Severus und Vater waren immer verschwiegen.

Was passierte dort drin?

„Was denkt sich dieses freche Mudblood eigentlich!?“, kreischte Bellatrix und zog sich selbst vor Wut an ihrem langen Haar und war versucht, zurück zur Tür zu stürmen, doch dann wirbelte sie wieder herum und keifte in die Runde. „Lasst euch alle einfach raus schmeißen, während diese Schlampe bleiben darf, tut was!“, keifte sie herum und ließ ihre Blicke wie getrieben über alle schweifen.

„Schon seltsam, aber ich bin froh von da weg zu sein!“, „Hast du gesehen, wie fasziniert sie war?“, „Jupp, aber ich sah auch, wie gefesselt der Lord wirkte!“, ließ sich keiner von ihnen von ihrem Gekeife beeindrucken. Sie diskutieren ruhig und ließen Bella, Bella sein.

„Was denkt ihr geht da drin ab?“, fragte Avery in die Runde.

„Das ist die Frage und es war klar, dass mal wieder nur die drei im Raum sind!“, kam es vorwurfsvoll von Dolohow.

„Und Junior, selbst wütend, dass sie dich wieder ausschließen?“, fragte Rabastan provozierend und näherte sich mir aufdringlich. Sein Interesse an mir hatte ich zu meinem Leidwesen schon öfters wahrnehmen müssen. Ich antwortete nicht, denn was sollte ich sagen? Dass ich froh war, den Dementoren entwischt zu sein, da sie mich sehr schwächten?

„Ich finde sie in ihrer Arroganz unerträglich, vielleicht straft sie der Lord soeben für ihre Frechheit zu Tode?“, glitzerten Bellatrix‘ Augen erwartungsvoll.

„Sei still, Weib, schließlich hat sie dich gerettet!“, fauchte Rodolphus aufgebracht, dabei reinigte er sich gerade von dem Blut, das ihn über und über bedeckte.

„Pahhh, als würde ich deren Hilfe benötigen!“, keifte Bellatrix.

„Das sah für mich aber ganz anders aus!“, ätzte Rodolphus.

„Auf welcher Seite stehst du überhaupt?“, zischte ihn seine Frau an, während er ihr in den Weg trat und auf sie hinab starrte.

„Ach, lass mich, du bist doch so ein Feigling, Rodolphus!“, drängte sie an ihm vorbei und verkündete dann geradezu irre, wahnsinnig und schrill: „Ich gehe jetzt da rein, die Schlampe bleibt nicht alleine mit meinem Lord…!“

Ich stand neben der Tür und hob gespannt eine Braue, verschränkte die Arme vor der Brust und sah zu, wie Bella auf die Tür zueilte und ihr Mann nun in Wallung geriet.

„Bleib stehen, Bella, bist du verrückt?“, erreichte er sie und riss sie hart am Arm zurück.

„Lass mich, du verräterischer Feigling!“, keifte sie ihn an und wollte sich von ihm losreißen, wirbelte herum und hatte die Hand erhoben als ob sie ihm eine Ohrfeige geben wollte, doch Rodolphus fing ihre Hand geschickt ab und donnerte: „Wag es ja nicht, mich zu schlagen, Weib!“

„Du hast mir gar nichts zu sagen, du Weichei!“, warf sie ihm schrill, beleidigend ins Gesicht, worauf jetzt er ausholte und dann seine Hand klatschend aufprallte und das Geräusch in dem bis auf die Personen leeren Vorraum schallend widerhallte.

Sie wirbelte herum, Rodolphus ließ sie im richtigen Augenblick los und sie wurde durch die Wucht seines Schlages zu Boden geworfen.

„Du… du…!“, begann sie keifend, während sie auf dem Boden aufschlug und ein Stück über den polierten Marmor rutschte.

„Komm her, Weib, du kommst jetzt mit und halt endlich die Klappe! Wegen dir leg ich mich nicht mit dem Dark Lord an!“, donnerte Rodolphus, während er schnell über ihr war und sie an einem Arm hoch riss und dann mit sich aus dem Raum zog.

Die anderen hatten das Schauspiel schweigend und gespannt beobachtet, doch da es nun nichts mehr zu sehen gab und auch Bellatrix‘ Gezeter immer leiser wurde, begann sich die Runde aufzulösen und da beschloss auch ich, zu verschwinden. Meine Sorge galt noch immer Hermione, aber ich wusste, ich konnte im Moment nichts für sie tun und musste auf Severus und Vater vertrauen, so schwer mir das auch fiel.

Dracos Sicht ende

Severus Sicht

Kaum hatte der Dark Lord verbal kundgetan, dass seine anwesenden Gefolgsleute zu verschwinden hatten, hasteten und stolperten alle so schnell sie es vermochten zur Tür hinaus.

Selbst Draco, der merklich blasser war, seitdem die Dementoren hier waren und dem diese augenscheinlich schwer zu schaffen machten, spurtete sofort. Jeder, der durfte, floh vor den bedrückenden Nebelschwaden und den gefährlichen, schwarzen, schwebenden Wesen.

Ich selbst hätte es auch bevorzugt, weil ihre Gegenwart nicht wirklich als erquickend zu bezeichnen war, aber andererseits hatte ich lange genug mit Lucius daran gearbeitet, dass uns dergleichen weniger tangierte. Außerdem würde mich nichts dazu bringen, mir das sich anbahnende Drama zwischen dem Biest und den Dementoren entgehen zulassen.

Als die Türen zuflogen waren nur noch der Lord, das Biest, Lucius und ich sowie zwei ehemalige Askabangefangene anwesend, die verloren und vergessen in einer der Ecken des Saals rumstanden.

Diese beiden Letzteren waren auch nur hier verblieben, weil sich niemand um sie gekümmert hatte und sie selbst nicht mehr in der Lage waren, irgendwelche eigenständigen Entscheidungen zu treffen. Ihre Gehirne oder ihre Seelen waren schlicht schon zu sehr geschädigt worden, kein Wunder, bei diesen Wächtern!

Aber die fulminante Show, die das Biest hier gerade dabei war abzuziehen war durchwegs beunruhigend. Soeben hatte sie ihre kleine, zarte und filigrane Hand erhoben und reckte sie dem sich sträubenden Dementor entgegen. Dieser schien ihrem Willen absolut nichts entgegensetzen zu können. Er machte einen hilflosen und ausgelieferten Eindruck, als wollte er nicht, aber als könnte er ihr nur willenlos folgen.

Das Bild war erinnerungswürdig. Diese kleine Person stand inmitten des zähen Nebels, vor ihr der hochaufragende schwebende Dementor, den es langsam, aber sicher immer näher zu ihr zog.

Ich verbot mir jede Regung, wenngleich ich sehr wohl erkannte, dass sie in einer Art Trance gefangen zu sein schien und nichts dagegen tun konnte, was sich hier gerade abspielte. Sie war ebenso ihren Instinkten unterworfen und willenlos, wie es der Dementor ihrem Willen gegenüber zu sein schien.

SoulGatherer, verdammt!

Wie hatte ich das übersehen können, ärgerte ich mich über mich selbst bodenlos! Das Biest war aber auch eine wandelnde Katastrophe auf zwei Beinen!

Aber leider hatte ich nichts gefunden, was mich weiter gebracht hätte. Ich hatte sogar in einem unbeobachteten Moment die Bücher des Lords untersucht und nur den Hinweis auf die weißen Augen gefunden und die Bezeichnung für dieses Phänomen, welche ich schon von den Vampiren erfahren hatte:

SoulGatherer!

Das bedeutete, der Lord war ähnlich ahnungslos wie wir!

Wir alle hatten keine Ahnung, was das für das Biest bedeutete, aber trotz allem hätte es mir auffallen müssen. Dementoren waren eigenartige, widersprüchliche und sehr eigenwillige Wesen. Sie zusammen in einem Raum mit ihr, das musste unweigerlich zur Katastrophe führen.

Aber dies schien auch dem Lord gegenwärtig zu sein, deshalb hatte er auch gerade alle anderen Zeugen aus dem Raum beordert, damit sie nicht zu viel mitbekamen und erfuhren, denn es war ein surreales, ein sehr außergewöhnliches, aber auch sehr unheimliches Schauspiel, welches sich uns hier bot.

Hingegen für Unwissende und Unbeteiligte musste es gewirkt haben wie eine Auflehnung und Brüskierung des Lords durch sie. Schlicht ein Affront, als sie sich einfach ohne, erkennbaren Grund zu den Dementoren bewegte und sich unerlaubt aus ihrer Reverenz erhoben hatte. Sie hatte das Gespräch des Lords mit den Dementoren unterbrochen und die Aufmerksamkeit der Gäste völlig auf sich gezogen.

Deshalb war seine Entscheidung alle zu verbannen die einzig Richtige gewesen, denn wenn ich sein schlangengleiches Antlitz so betrachtete, dann lag nichts als Neugierde und ein abwartender Zug auf ihm, fast als hätte er gehofft, dass ein Zusammentreffen dieser beiden Parteien zu etwas führen würde.

Er war ein Manipulator, ähnlich wie Lucius und ich es waren, dies musste man ihm neidlos zugestehen!

Er hatte es bis zu einem gewissen Maß augenscheinlich geplant!

Wobei uns allen, Lucius, dem Lord und auch mir immer ersichtlicher wurde, dass sie dies alles nicht bei vollem und wachem Geist durchlebte.

Sie war urplötzlich sehr abgelenkt erschienen, ähnlich ihrer unruhigen Aktion und ihrem ungewohnt bewegten Gebaren in Malfoy Manor, als meine werte Kollegin Charity Burbage effektiv zu Schlangenfutter verarbeitet worden war. Ungewöhnlich, da das Biest sonst nicht dafür bekannt war, Gefühle oder gar Emotionen zu offenbaren, aber auch dort war der Lord erstaunlich nachsichtig mit ihr gewesen und das wohl nicht ohne Grund.

Ich war mir sicher, er betrachtete sie als Forschungsobjekt!

So war sie auch jetzt wie unter Drogen wirkend aus ihrem verharrenden Knicks entstiegen, um wie in Zeitlupe oder auch in Trance wacker und furchtlos durch den dichten, so konsistenten Nebel auf die aufgeschreckten Dementoren zuzugehen.

Es war selbst für einen Zyniker wie mich beeindruckend, zu erleben, wie diese Gruppe einer der gefährlichsten und übelsten magischen Wesen zurückschraken, als sie bemerkten, dass sie sich ihnen beständig näherte.

Dass der Lord alles weitere und kommende mit fast entrücktem und entzücktem Gesichtsausdruck beobachtete, gefiel mir gar nicht. Währenddessen verharrten Lucius und ich gespannt, was nun geschehen würde.

So erlebten wir mit, wie es den sich dagegen sträubenden Dementor unausweichlich weiter zu ihr hin zog, als sie sachte eine ihrer Hände anhob. Es war beeindruckend, wie ich zugeben musste, da es schien als würde sie ihn an unsichtbaren Fäden durch die Luft zu sich dirigieren. Dabei wirkte sie unbewegt und nicht von der kräftezehrenden und raubenden Magie dieser absonderlichen Wesen beeinflusst.

Ich hatte schon viel in meinem bisherigen Leben gesehen und noch mehr erlebt, aber das war dann nun doch grenzwertig, denn dieser flatternde Haufen schwarzer, undurchdringlicher Düsternis war ihr nun endlich ganz nah. Angesicht von Angesicht standen sie einander gegenüber, so nah, wie sonst diese Kreaturen nur Menschen kamen, denen sie ihren Dementorenkuss aufzwängen wollten.

Mein fast nicht vorhandenes Gefühl, eingreifen zu wollen und dem abwegigen Schauspiel ein Ende zu setzen, wurde durch Lucius‘ gleichbleibend ruhige Miene im Keim erstickt. Er machte sich augenscheinlich keine Sorgen, dass sie kurz davor stand ihre Seele auf ewig auszuhauchen und so verharrte auch ich beherrscht und abwartend, zusammen mit einem hoch angespannt wirkenden Dark Lord, dessen lange, weiße Finger sich in die Lehnen seines Thrones bohrten. Er schien es kaum abwarten zu können, was nun passieren würde.

Als sich auf einmal die Kapuze des Wesens lüftete, wurde ein leeres, menschenunähnliches Gesicht enthüllt. Wo eigentlich Augen hätten sein sollen, war lediglich Schorf, ansonsten hatten diese Kreaturen nur den riesigen Schlund, ein sehr großes Maul ohne Zähne oder Zunge, lediglich eine große Öffnung, die alles was sie beliebte gierig in sich hineinsog.

Es war ein durchaus abstoßendes Bild, wie diese groteske, große, magische Kreatur vor dem kleinen, schmalen Biest in ihrem Kampfanzug und dem langen wehenden Mantel schwebte und der wabernde Nebel sie beide umgab. Beständig schien das Biest den Dementor nun mit der erhobenen Hand an Ort und Stelle zu fixieren. Sie starrte tranceartig in den rasselnden Schlund und zeigte keine Emotionen auf ihrem Antlitz, dann wechselten ihre Augen abrupt ihr Aussehen und erstrahlten nun in einem durchdringenden Weiß.

Dies ließ den Lord in unserem Rücken leise die Luft einziehen, denn augenscheinlich war das passiert, was er sich erhofft hatte und so wandte ich keine Sekunde meine Augen von dem Spektakel vor mir ab.

Es war als würden sie sich zu einem Kuss treffen, einem ekligen, makabren, innigen Kuss.

An sich hätte ich wohl um das Biest besorgt sein sollen, aber dieses Gefühl wollte sich partout nicht einstellen. Lucius und dem Lord schien es ähnlich zu gehen, aber Lucius zeigte gegenüber dem Lord sowieso nie eine Regung, sondern blieb immer nur unterkühlt und emotionslos.

Der Lord hatte sich soweit auf seinem Thron vorgebeugt, dass ich besorgt war, er könnte mit seinem mageren Hintern davon herunterrutschen, was seinem Ansehen als hoheitliche Lordschaft sehr abträglich gewesen wäre. Dieser unpassende Gedanke spukte mir sehr ironisch durch den Geist, aber nur äußerst selten konnte man einen derart gefesselten Lord erleben.

Aber ihr ungewöhnlicher Anblick, diese faszinierenden weißen Augen, war fesselnd und so wurden wir Zeuge, wie nun ein äußerst ungewöhnlicher Vorgang einsetzte. Wir verfolgten, wie es eigentlich war wenn der Dementor begann die Lebensenergie und die Seele seines Opfers einzusaugen!

Es war einem eisigen, sich manifestierenden Lufthauch gleich, bis sich die kleine, glänzende und schillernde Kugel der Seele manifestierte, aber diesmal passierte eben das Unglaubliche, es war irgendwie andersherum!

Was wir beobachteten, war unfassbar, denn es wirkte als würde hier tatsächlich der entgegengesetzte Effekt eintreten und sie ihm, dem Dementor, eben dieses heißbegehrte Gut, die Seele des beraubten Menschen, entreißen.

Als würde sie ihm die Seele aussaugen, nicht andersherum!

Dabei war deutlich, dass die hilflose Kreatur vor uns nicht in der Lage war, sich diesem Vorgang oder dem Biest zu widersetzen.

Ich verkniff mir gekonnt jede Gemütsregung und auch Lucius war der perfekte Maskenspieler, während etwas Unfassbares, etwas noch nicht Erlebtes und magisch Einmaliges vor uns geschah. Das war geradezu weltbewegend, denn wenn ich es richtig einordnete, entriss sie ihm tatsächlich, langsam aber sicher, eine verschlungene und geraubte Seele.

Auch wenn ich keine näheren Informationen zu dem Begriff SoulGatherer hatte finden können, so schaffte es das einfache Zerstückeln der Wörter in Soul = Seele und Gatherer = Sammler, dass sich mir ganz unweigerlich das Seelensammeln aufdrängte und dies wurde mir gerade hier sogar wortwörtlich vorgeführt. Ich blinzelte nun doch berührt, denn selbst der Lord konnte nicht verhindern, dass ihm fasziniert und gierig seine Zunge über die schmalen Lippen glitt.

Nur Lucius schien vollständig unbewegt und unberührt, da er absolut nichts erkennen ließ!

Diese kleine, weiße, hellleuchtende Kugel, die aus dem düsteren und tiefen Schlund des Dementors hervorgekommen war, hatte sich langsam schwebend zu ihr aufgemacht und war urplötzlich in ihr verschwunden, indem die hell leuchtende Seelenperle durch ihre Lippen geschlüpft war.

Sogleich riss sie sich mehr oder weniger abrupt von dem Dementor los, indem sie ihre erhobene Hand wegzog als hätte sie sich verbrannt. Sie taumelte in den sie umgebenden Nebel zurück, während der schwarze, wallende Schatten unsicher wankend in der Luft schwebte und torkelte. Den Dementor schien der Raub dieser Seele ebenfalls sehr mitgenommen zu haben, weswegen er nun in die nichtvorhandenen Knie ging, falls diese Wesen so etwas besaßen. Es wirkte, als wäre er all seiner Kraft beraubt worden.

Unterdessen war das Biest unsicher noch weiter zurückgetaumelt und hatte nun beide Hände um ihre Kehle geschlungen, als wäre ihr schlecht. Sie wirkte, als wollte sie sich übergeben und ihr furchtsamer, flackernder Blick, wegen dem was gerade mit ihr passierte, irrte verzweifelt durch den Raum. Man sah ihr die Überforderung aufgrund ihrer aufgelösten Miene an, etwas was sie sonst niemals zulassen würde, aber die Situation war auch absolut unwirklich.

Keiner von uns hatte die Zeit einzugreifen oder zu verdauen, dass sie jetzt eine weitere, eine andere Seele in sich trug, denn das Biest richtete seinen Blick nun zielstrebig auf die anderen beiden Personen im Raum, die vergessen immer noch dort standen, wo man sie deponiert und zurückgelassen hatte.

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