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 Kapitel 390-391

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BeitragThema: Kapitel 390-391   Fr Jul 12, 2013 2:52 am

390. Kapitel Syon, a special memory


Lucius Sicht

„Endlich! Wo bleibst du nur so lange?“, begrüßte ich sie ungehalten, dabei musterte ich sie sehr genau.

Zu meinem Leidwesen stellte ich fest, dass ihr eine weitere Nacht zwar minimale Erholung gebracht hatte, aber irgendwie wirkten ihre Augen noch immer dumpf. Weiterhin schien es sie zu beschäftigen, was im Dark Manor ungewöhnliches vorgefallen war und ihr Zusammenbruch vorgestern hatte mir vollumfänglich offenbart, dass auch sie nur ein Mensch mit natürlichen Grenzen war.

Unglaublich, aber wahr, bei ihr hatte ich zwischenzeitlich gezweifelt!

Umso schöner hatte ich es empfunden, dass ich ihr aus dieser verständlichen, depressiven Lethargie hatte helfen können. Sie war erfreulich schnell zu beeinflussen, wenn man wusste, welche Knöpfe man bei ihr zu drücken hatte.

„Ich bin es nicht gewohnt, zu warten!“, setzte ich überheblich hinterher und offenbarte ihr meine eklatante Verstimmung.

„Ich war bei Draco!“, meinte sie perplex über meine Ungeduld.

„Ist der Junge nun endlich zu den Veela aufgebrochen?“, fragte ich nur brüsk, was sie nicken ließ. Als ich mir ihr absolut unpassendes Outfit besah, schüttelte ich ostentativ missbilligend das Haupt, ob der unpassenden Kleidung. Es war ein sommerliches, knappes Kleidchen, das sich wie ein Ballon um ihren Körper bauschte und viel zu viel von ihrer schmalen Figur verbarg.

„Geh hoch, du hast 10 Minuten um dich zu richten, zieh was Schönes an, wir wechseln die Lokalität!“, beschied ich ihr recht generös und erntete eine mehr als überraschte Miene von ihr.

„Was? Wir gehen?“, fragte sie irritiert, denn bisher hatte sie keine Ahnung, was ich mit ihr vorhatte.

„Ein hübsches Kleid, nicht diesen Sack, den du gerade trägst!“, verstand ich sie absichtlich falsch und wedelte mit meinem Gehstock affektiert zu ihrem hässlichen Gewand.

„ Nein, Lucius! Wohin geht es?“, präzisierte sie und wischte meine Einwände mit einer harschen Handgeste beiseite.

„Dorthin, wo sonst nie jemand ist…“, meinte ich versonnen an mein idyllisches Ziel denkend und erntete eine steile Falte auf ihrer Stirn, da ich so vollkommen ungenau blieb.

„Nun ab… Husch, husch… nur noch 8 Minuten!“, trieb ich sie vor mir her und ließ sie mich gar nicht weiter ausfragen, worauf sie aufgab und eilig die Treppen ansteuerte.

Und als sie dann kam, gefiel mir das schon viel besser, denn was ich erblickte war passend.

„Wohin geht es denn nun?“, wollte sie schon wieder, oder immer noch neugierig erfahren und ich lächelte sie nur sachte an.

„Endlich, nun komm… sei nicht zu ungeduldig!“, fasste ich bestimmt ihre Hand und apparierte uns, ohne ihr groß Zeit zu lassen.

Wir kamen gewohnt leise und unspektakulär an. Ich behielt sie dabei die ganze Zeit genauestens im Blick und ihre Reaktion entschädigte mich vollkommen dafür, dass ich auf sie hatte warten müssen, denn ihre Kinnlade fiel langsam hinab als sie sich vollständig überwältig umsah und sich schließlich mit irritierter Miene zu mir umwandte.

„Wo sind wir hier?“, fragte sie heiser.

„Dies ist Syon House, das Haus meine Mutter Aenòr, das sie als Erbe in meine Familie brachte!“, erklärte ich ihr ungewohnt ausführlich und das schien sie ebenso zu begreifen, denn ihre braunen Augen weiteten sich wegen meiner legeren, auskunftsfreudigen Art.

„Zum Manor dazu, wow! Syon nach Zion?“, wisperte sie erstickt und in ihrer wissensdurstigen Art, schoss diese Frage aus ihr und ich schmunzelte überheblich, weil ich sie damit aus dem Konzept brachte.

„Du meinst, nach dem israelischen Zion? Naja, es war ihr Ort der Erinnerung und Sehnsucht, wenn sie ihn ihrem Exil, dem Manor, weilte. Wenn du so willst… ist dieses Syon jenes Zion, aber ansonsten, nein, keine tiefere Bedeutung! Nur dass hier mal eine Abbey stand… Syon Abbey, die damals schon diesen Namen trug!“, antwortete ich auf ihre Frage und sie nickte nur, da sie gefesselt von ihrer Umgebung schien.

„Diese Eingangshalle ist einfach überwältigend, das ist wow, so ganz anders als das düst… das Manor!“, sprudelte es begeistert aus ihr heraus, wobei sie kurz stockte, aber ich schmunzelte, denn sichtlich vergaß sie gerade in ihrer Begeisterung ihre Sorgen und Nöte nach dem Drama mit den Dementoren und ihre Sorge um Dracos Auftrag und bestätigte mich damit in meinem Tun.

„Klassizistisch… schwarzer und weißer Marmor, im Schachbrettmuster verlegt, pastellfarbene Wände und weiße Skulpturen, so farbenfroh finde ich es hier jetzt auch nicht gerade!“, amüsierte ich mich über sie und zog sie auf.

„Oh doch, es ist viel höher gebaut, es vermittelt mehr Leichtigkeit, wirkt einladend und gleichzeitig klarer als die schwere, mittelalterliche Opulenz im Manor… irgendwie, warum hat das Draco nie erwähnt?“, fragte sie zielsicher und ich warf ihr einen ernsten Blick zu.

„Das werde ich dir während der Führung erzählen. Dürfte ich die Dame geleiten?“, verbeugte ich mich leicht und hauchte ihr höflich einen Kuss auf den Handrücken.

So begann die Besichtigung meines Besitzes, auf den ich sehr stolz war und den ich wie einen kostbaren Schatz hütete.

„Syon liegt am Ufer der Themse, gegenüber von Kew Gardens. Die Grundmauern sind, wie gesagt, auf ein Kloster zurückzuführen, darauf wurde später, im italienischen Renaissancestil, ein viereckiges Schloss erbaut. Nur 5 Räume wurden zum reinen Klassizismus verändert. Eingangshalle, Vorzimmer, Speisezimmer, Roter Salon und die Galerie, die anderen Räume sind im etruskischen und römischen Stil gehalten und im Speisesaal spiegeln sich die Medaillon-Ornamente der Decke mit ähnlichen Variationen im Teppich wider. Wenn ich daher deinen Blick hierauf lenken dürfte…“, erzählte ich, wie der beste Museumsführer, wenigstens durfte ich mich über eine dankbare und ehrlich interessierte Zuhörerin freuen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Syon_House
http://www.syonpark.co.uk/tour_great-hall.asp

„Was für eine Pracht…“, flüsterte Hermione ergriffen und schielte immer wieder aus den großen Fenstern und so beschloss ich, wenn ich ihr im Inneren die wichtigsten Punkte gezeigt haben würde, würde ich ihr den Park nahe bringen.

„Komm!“, bot ich ihr wieder den Arm und sie gab mir ihre Hand, welche ich unterhakte .

Ich hatte beschlossen, bei einem der weniger beeindruckenden, aber mit Erinnerungen beladenen Zimmern zu beginnen, denn für unseren Besuch hier, quasi die Eröffnung dessen, was ich mit ihr vorhatte, hatte ich mir vorgenommen, völlig ihr Vertrauen zu erlangen, indem ich mich ihr ein Stück weit öffnete und in meine Vergangenheit blicken ließ. Alleine schon, dass ich sie hier mit hergenommen hatte, war ein riesen Vertrauensbeweis, aber ich hatte erkannt, nur so würde ich bei ihr weiterkommen.

http://classconnection.s3.amazonaws.com/62/flashcards/653404/jpg/14-2.jpg

http://www.offtolondon.com/images/Syon.ante_room.jpg

Ich führte sie auf eine Tür rechts der großen Eingangshalle zu, die uns in einen opulenten Empfangssaal brachte. Unsere Schritte hallten auf dem bunten Marmor wider, der hier den Boden in ausdrucksstarken Mustern bedeckte.

Durch dieses im Etruskischen gestaltete Vestibül führte ich sie recht schnell, denn die öffentlichen Räume waren zwar beeindruckend, aber nicht das, was ich ihr vorwiegend zeigen wollte. Ich wollte ihr Einblicke in Dinge gewähren, die ich sonst sorgfältig verbarg. Hermione verdrehte trotzdem den Kopf und bewunderte die hohen, dunklen Säulen aus poliertem Stein, die an den Wänden aufgereiht waren, außerdem bestaunte sie die vergoldeten Statuen auf den Säulen und die hohe, mit vergoldetem Stuck verzierte Decke.

„Ich denke, wir beginnen unsere Führung bei den Privaträumen, nicht den Schlafgemächern, die sind oben, aber sie sind weniger groß als die im Manor und so hatten die Bewohner hier unten noch ihre persönlichen Salons, für private Zwecke…“, stieß ich die nächsten Türen auf und wir betraten den großen, offiziellen Speisesaal.

„Dieser Raum ist auch für weniger private Anlässe vorgesehen!“, erklärte ich lässig, eilte aber schon weiter, denn auch diesen Saal fand ich wenig spannend.

http://www.countrylifeimages.co.uk/ResizedImages/Large/657787.jpg

Er war deutlich klarer gehalten und schlichter als der Salon zuvor. Seine Decke war hoch und ebenfalls verziert mit goldenem Reliefstuck. Die Wände waren in schlichtem Weiß gehalten und auch hier fanden sich in Nischen römische Statuen aber sie waren weiß, nicht golden. Säulen in einfachem Weiß, mit korinthischen Kuppeln beherrschten hier das Bild. Unsere Schritte klangen nun jedoch wesentlich gedämpfter, da dieser Raum mit edlem, dunklem Parkett ausgelegt war.

Lucius Sicht ende

Hermiones Sicht

Ich war völlig überwältigt von der Pracht und dem Reichtum, den Lucius mir hier zeigte. Syon House war beeindruckend und ich gespannt, was nun kommen würde. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass er ein solche Haus in London besäße, eines das offenbar genauso vor Familiengeschichte strotzte wie das Manor und ich war sehr neugierig, was Lucius mir alles zu offenbaren bereit war.

Vielleicht würde ich jetzt endlich mehr über ihn erfahren, sodass ich einen besseren Einblick in sein Innerstes bekam und vielleicht endlich einen Zugang dazu, ihn einschätzen zu können.

Die Eingangshalle hatte mich überrascht, sie war so anders als das Manor, bis auf die schwarzen Akzente im Boden und die ein oder andere schwarze Statuen war alles hell und freundlich gehalten und außerdem in luftige Höhen gebaut und mit großzügigen Fenstern versehen, die viel Licht hinein ließen. Doch nach Lucius‘ Ankündigung, dass nur ein kleiner Teil des Anwesens im Klassizismus gestaltet war, war ich gespannt, wie der Rest aussehen mochte.

Wir betraten nun einen langen, rechteckigen Salon, der auf den ersten Blick wirklich als ein etwas privateres Gemach zu erkennen war, auch wenn es das vielleicht nicht immer gewesen war, wenn man bedachte, wie nahe die repräsentativen Räume waren. Er war recht klein, würde ich sagen, auch wenn er sicher die Größe so mancher Wohnung übertraf.

Links war eine lange Wand, die nur von einer Fenstertür unterbrochen wurde, die, wenn ich mich richtig orientierte, in den Innenhof führte, rechts befanden sich viele Fenster, die den Raum sehr hell machten. Die großen Fenster zum Park schienen extra noch erweitert worden zu sein, sodass wirklich sehr, sehr viel Licht hereinfiel und ein Teil der Fensterfront uns gegenüber dadurch fast schon wie ein Wintergarten wirkte.

Vor diesen Fenstern, im besten Licht, standen auf großzügig ausgebreitetem, weißem, dickem Stoff eine große Leinwand auf einer Staffelei und ein runder Tisch, auf dem es von Pinseln, die in Gläsern standen, und Farbtuben sowie Tiegeln mit Pigmenten und einige Mischplatten
nur so wimmelte. Hinter der Staffelei erkannte ich eine Chaiselongue aus dunklem Holz, mit dunkelgrünem Stoff bespannt und goldenen Nägeln beschlagen.

„Sieh dich ruhig um!“, bot Lucius generös an, während er den Teil der Doppeltür, die er für uns geöffnet hatte, hinter uns schloss.

Ich ließ meinen Blick über das sehr weibliche Interieur schweifen. Die Wände waren in pastelligem Gelb gehalten, bespannt mit einer Tapete, die erst auf den zweiten Blick ihr dezentes, gradliniges Muster offenbarte, welches sich nur eine Nuance von der Grundfarbe abhob. Überall auf den Tischchen befanden sich edle, alt weiße Deckchen, auf denen Kristallglasvasen mit Blumen oder goldene, wunderschöne Bilder standen, auf denen sich kleine Personen bewegten. Der Boden war bedeckt mit hellen Teppichen, auf denen in Dunkelgrün und Grau Akzente gesetzt waren.

Ich drehte mich langsam um und blieb dann stehen.

Auf der linken Seite des Salons befand sich direkt an der Wand ein kleines Sofa. Es war aus dunklem Holz gefertigt und mit dezentem, fast im gleichen Ton in Elfenbein gestreiftem Stoff bezogen, der leicht glänzte. Davor befanden sich ein kleiner Tisch und zwei Lehnstühle, die ebenso bezogen waren. Das Ganze wirkte zierlich und wirklich zu dem Salon einer Frau passend.

„Wessen Raum ist das?“, fragte ich interessiert, während ich genauer betrachtete, was mich gefesselt hatte, nämlich das große Bild, welches über dieser Sitzgruppe an der Wand hing. Es wurde von einem prunkvollen, goldenen Rahmen eingefasst und zeigte eine schöne, junge Frau, die ein Baby in Armen hielt und zufrieden, stolz und irgendwie selbstgefällig darauf hinabblickte.

„Das, mein Liebes, war der Salon meiner Mutter! Und das auf dem Gemälde ist sie!“, erklärte er mir mit einem gewissen, unleugbaren Timbre in der Stimme, während ich das Gemälde weiter betrachtete, denn es fesselte mich ungemein. Anders als die magischen Gemälde bewegte es sich nicht.
„Dann bist du das Baby?“, fragte ich weiter und konnte mir absolut nicht vorstellen, dass dieses kleine Ding dort einmal der hier vor mir sehr präsente Mann gewesen sein sollte.

Sofort begegnete ich seinem durchdringenden Blick, denn offenbar hatte er mich gemustert, während ich in der Betrachtung des Bildes versunken war.

„So ist es!“, antwortete er nur knapp und blickte mich weiter musternd an.

„Warum hängt ein so schönes Gemälde nicht im Manor? Ist es, weil es nicht magisch ist?“, war ich etwas irritiert, doch ich wandte meinen Blick von Lucius ab und wieder dem Gemälde zu. Es war wirklich schön, strahlte so viel Ruhe aus.

„Auch…!“, begann Lucius gedehnt und fuhr dann weiter, etwas nachdenklich klingend, fort: „Aber ich denke auch, dass sie nicht gewollt hätte, dass es dort hängt. Dies hier war ihr Haus, ihr Reich und ihr Rückzugsort. Du musst wissen, Hermione, auch meine Eltern heirateten aufgrund einer Vereinbarung, die ihre Väter getroffen hatten. Aenòr war eine Tochter aus einer alten, französischen, reinblütigen Zauberfamilie und ganz in den Traditionen und den Verhaltensregeln dieser erzogen, daher siezte sie ihren Mann auch Zeit ihres Lebens, wie sie dies auch von mir forderte, oder auch so bei ihren Eltern getan hatte. Sie fügte sich der Entscheidung ihres Vaters und der ihres Schwiegervaters, Hyperion. Sie heiratete Abraxas. Mein Vater hätte zwar lieber die ältere Schwester von Aenòr geehelicht, aber diese war nicht mehr verfügbar gewesen und so gab er sich mit der 2. Wahl zufrieden!“, fuhr er kühl und absolut emotionslos fort und als er kurz stoppte, warf ich rasch ein:

„Keine wirklich guten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ehe!“

„Damit hast du sehr recht!“, sinnierte Lucius seidig und fuhr in der eigenartigen Stimmung, in der er zu sein schien und die ich von ihm gar nicht kannte, so nachdenklich, fast in Erinnerungen vergraben fort:

„Dass mein Vater dann auch noch trotz allem eine langjährige Affäre mit Aenòrs älterer Schwester begann, machte die Situation nicht leichter und setzte jeder Harmonie einen Schlussstrich. Ihre Beziehung kühlte sich mehr und mehr ab. Mutter floh aus Vaters Bett, sobald sie konnte!“, legte er eine Kunstpause ein.

„Sie haben also genauso aneinander vorbeigelebt, wie du und Narcissa? Und warum tat der Ehemann von Aenòrs Schwester nichts dagegen?“, wagte ich vorsichtig zu hinterfragen und hoffte, damit nicht zu weit zu gehen.

„Kann man so sagen, ja! Nun, Aenòrs Schwager wurde großzügig von Abraxas entlohnt. Er bekam eine gewichtige Stelle in Abraxas‘ Imperium und viel Geld…“, erklärte Lucius gedehnt und es entstand danach eine eigenartige Stille.

Ich betrachtete noch immer das Bild und erkannte bei einem kurzen Seitenblick, dass auch Lucius dies nun tat. Gerade als ich die Stille brechen wollte, kam Lucius mir zuvor.

„Du solltest nicht annehmen, dass meine Mutter auf dem Bild so befriedigt aussieht, weil sie ihren heißgeliebten Sohn in Armen hält, ich denke eher, ihr zufriedener Ausdruck rührt daher, dass sie mit meiner Geburt ihre Aufgabe gegenüber der Familie erfüllt hatte und wusste, nun würde sie sowohl Abraxas als auch dem Manor mehr entfliehen können, doch Abraxas ließ das nur bedingt zu. Später, als sein Verhältnis mit Aenòrs Schwester abkühlte, wandte er sich wieder mehr seiner Frau zu. Er suchte sie immer mal wieder auf. Meine Mutter war mir gegenüber zwar nicht so abgeneigt wie Narcissa Draco gegenüber, aber sie war auch keine in Sorge und Liebe zu ihrem Sohn aufgehende Mutter“, dabei gab nichts seine Gefühle preis, als er mir dies offenbarte. Es war als würde er keine Empfindungen deswegen haben, aber ich wagte nicht, ihn zu unterbrechen.

„Als ich auf der Welt war, zog sie sich viel öfters hierher zurück, um zu tun, was immer ihr gefiel, zwar hatte sie im Manor auch ihre eigenen Räume und ihre Staffelei und alles was sie zum Malen benötigte, doch ihre liebsten Motive hätte Abraxas ihr wohl kaum durchgehen lassen. Im Manor malte sie fast nur Blumen und Landschaften, hier hingegen widmete sie sich meist der Aktmalerei!“, schmunzelte Lucius fast schon diabolisch.

Nach dieser gewichtigen Offenbarung hielt Lucius kurz inne, wandte sich nun von dem Gemälde ab und steuerte einen Tisch an, den ich bisher nicht wirklich beachtet hatte. Erst jetzt fiel mir auch auf, dass auf diesem Tisch eine Teekanne und Gedecke angerichtet waren.

„Lass uns etwas trinken!“, bot er leise an, während er nach der Kanne griff und schon einschenkte. Ich folgte ihm und wir beide ließen uns nieder, sodass wir einander ansehen konnten.

Ich nippte an dem heißen Tee und griff zu einem Butterkeks, während Lucius nun weiterzusprechen begann und dabei wirkte er sehr schnell, als versinke er in seinen Erinnerungen.

„Alle haben in dieser Familie ihre Abgründe und Geheimnisse. Nach Mutters viel zu frühem Tod erbte ich dieses Anwesen. Ich hatte immer gewusst, dass Mutter auch hier malte, aber ich hatte nie gewusst, dass sie hier anderes malte als im Manor. Gelegentlich hatte sie mich mit hierher genommen, nach Syon, wenn Vater auf Geschäftsreise war. Aenòr blieb aber im Allgemeinen immer den alten Regeln treu, hatte nie die Ansicht gehabt, sich mehr in meine Erziehung einzumischen als unbedingt nötig, da es dem Familienoberhaupt gebührte, den Erben zu erziehen und genauso hatte es Abraxas auch gesehen, deswegen oblag ihm meine Erziehung und Mutter kümmerte sich eher sporadisch um mich. Ich mochte es, hier den großen Pool zu nutzen, während sie sich in ihren Salon verkroch, den ich auch nur mit vorheriger Erlaubnis betreten durfte. Erst als sie starb, erfuhr ich genau, warum. Ich fand reihenweise Gemälde an den Wänden, die junge, nackte Männer oder Frauen zeigten!“

„Wow, das ist mutig… war da mehr?“, wollte ich wissen, ich war geschockt und mein Blick zuckte zu der Frau auf dem Gemälde.

Sie schien mehr als nur ein wenig eigen gewesen zu sein. Die Möglichkeit, dass mehr mit den Aktmodellen passiert war, lag nahe, aber auch dass sie Männer und Frauen gemalt hatte sagte schon sehr viel aus. Sie imponierte mir in diesem Moment sehr.

„Du meinst, ob sie Verhältnisse hatte? Vermutlich, ich denke ja und ich denke, auch mit beiden Geschlechtern, Mutter schien keine Kostverächterin zu sein… wenn du das meintest!“, tat er lapidar ab und nippte selbst an seinem Tee.

„Wie auch immer, ich erbte Syon und stritt mich darüber heftig mit meinem Vater, der es am liebsten abgefackelt hätte, diesen Sündenpfuhl, wie er sagte, aber wir einigten uns darauf, das Anwesen stillzulegen, was ich auch tat, bis der dunkle Lord verschwand und ich Abraxas, der völlig außer sich über das Verschwinden des Lords war, von seinem Posten als Familienoberhaupt stoßen konnte, indem ich ihn in einem Duell besiegte!“

Abwartend blickte er mich an, denn ob dieser Offenbarungen schien er gespannt zu sein, was ich davon hielt.

Es war schon erschreckend, zu erfahren, dass Lucius so skrupellos und tatsächlich so weit gegangen war, sich ernsthaft mit seinem eigenen Vater zu duellieren, aber andererseits, vielleicht war es so das Beste gewesen und was sollte mich daran überraschen, dass Lucius bereit war über Leichen zu gehen. Das war mir schließlich nicht neu.

„Was tat Abraxas, nachdem du ihn entmachtet hattest und woran starb eigentlich deine Mutter?“, fragte ich daher präzise weiter und hielt mich gut, etwas was ihm zu gefallen schien, denn ein sehr zufriedenes, arrogantes Lächeln zierte seine aristokratische Miene.

„Nun, Abraxas zog sich zu meiner Freude freiwillig auf sein Gut zurück und widmete sich nur noch der Zucht der Abraxaner. Er hatte mich dazu erzogen, die Familie anzuführen und mit starker und harter Hand immer und überall durchzugreifen. Ich übertraf seine Erwartungen um Längen und konnte so auch ihn besiegen!“, erklärte Lucius nicht frei von Stolz, als er kurz stöhnte und dann leidlich fort fort:

„Und Aenòr starb durch ihre eigene Dummheit und durch Abraxas‘ Hand. Ich weiß nicht, aber eines Tages wurde sie wohl übermütig. Sie brachte einen Mann mit ins Manor und vergnügte sich mit ihm in ihren Räumen. Vater war Unterwegs, kam jedoch früher zurück und erwischte die beiden in Flagranti. Er machte kurzen Prozess und tötete Aenòr noch an Ort und Stelle mit einem Avada. Abraxas war ein DeathEater der ersten Stunde, dass er in so einer Situation so handelte, wie er es als Rechte Hand des Lords verinnerlicht hatte, war zu erwarten gewesen und kann ihm eigentlich nicht zum Vorwurf gemacht werden. Aenòr hatte genau gewusst, wie cholerisch Abraxas war und trotzdem hatte sie dieses Risiko auf sich genommen und dann dafür zahlen müssen. Abraxas war zwar nicht treu gewesen, aber für seine Frau hatten andere Regeln gegolten als für ihn. In der Öffentlichkeit verkündeten wir, dass meine Mutter an einem bösen Fieber verstorben sei. Nach Mutters Tod zog er sich in seine eigene Welt zurück und war nie wieder derselbe!“, erklärte Lucius zum Ende recht kühl, aber ohne große Bewegtheit und lehnte sich zurück, während er von seinem Tee trank und ich darüber sinnierte, was für eine vorzügliche Familie ich nun mein eigen schimpfte. Es konnte niemand behaupten, dass es in ihr langweilig werden könnte.

Aenòrs Faible für Aktmalerei wirkte im Vergleich zu dem, was die Männer ihrer Familie taten, was Abraxas ihr kaltblütig angetan hatte eher amüsant und wie ein zwar nicht ganz schickliches, aber tolerables Hobby.

Ich stellte meine Tasse ab, da sich Schweigen über uns legte, erhob mich und schlenderte zu der Staffelei, auf der noch immer eine Leinwand mit einem halbfertigen Bild stand. Ganz offensichtlich hatte sie definitiv nicht damit gerechnet, dass sie so schnell sterben würde. Ich stand mit dem Rücken zu Lucius und betrachtete das unfertige Werk vor mir mit leicht schief gelegtem Kopf.

Dies hier hatte kein Akt werden sollen, das war offensichtlich, nein, sie hatte ein völlig anderes Motiv gewählt. Auf der Leinwand waren bisher nur grobe Bleistiftskizzen zu erkennen und in einigen, wenigen Bereichen hatte sie begonnen gehabt, das Bild schon in Öl auszuarbeiten. Aber trotz des unfertigen Charakters, war deutlich zu erkennen, sie hatte ihren jugendlichen Sohn malen wollen, der seinen Enkelsohn in Armen hielt, ein kleines Baby, Draco!

Neugierig griff ich nach den Skizzen.

Hermiones Sicht ende

Lucius Sicht

Sie schien in ihrer Betrachtung der Leinwand auf der Staffelei versunken und so trat ich langsam und lautlos zu ihr und legte ihr sanft die Hände auf die Schultern, worauf sie kurz zusammenschreckte, sich dann aber wieder fing und weiter auf die Skizzen blickte, die sie gerade entdeckt hatte. Ich wusste genau, welche Skizzen hier lagen, schließlich war ich seit Aenòrs Tod oft hier gewesen, hatte aber nichts verändert, nur Zauber lagen über allem, sodass es sich nicht änderte oder verstaubte.

Natürlich war sie versunken, wegen dem was ich ihr bisher über meine Familiengeschichte offenbart hatte aber es war erst der Anfang und ich war gewillt, ihr in den nächsten Tagen offen Antworten zu geben.

Die Frage war nur, in welche Richtung ihre Fragen gehen würden. Ich wollte eine Basis schaffen, sodass ich in den sicher zwei Wochen, denn dass Dracos Auftrag so lange dauern würde nahm ich stark an, eine Verbindung zwischen uns schaffen konnte, die es mir erlauben würde, auch wenn Draco zurück war, einfach ihre Aufmerksamkeit zu erlangen.

Ich hatte dies hier alles genauestens geplant und auch wenn es hieß, dass ich viel Intimes von mir preisgeben musste, so war ich mir sicher, das war es wert und über kurz oder lang hätte sie von vielem sowieso erfahren, schließlich gehörte sie zur Familie.

Zwar wusste Draco einiges von dem, was ich ihr erzählen wollte auch nicht, aber er hatte auch nie den Eindruck erweckt als würde es ihn interessieren. Vielleicht kam das noch. Er wusste über seine Großmutter und ihren Tod Bescheid, alles andere betraf mehr mich selber und ihm das zu eröffnen hatte er mir nie einen Grund gegeben.

Hermione jedoch wollte ich von mir überzeugen, daher war ich bereit, mich bis zu einem gewissen Grad zu öffnen, damit sie mich und mein Handeln besser verstehen konnte.

„Das sind du und Draco!“, bemerkte Hermione leise und sagte das Offensichtliche, während sie nun eine Hand ausstreckte und die Fingerspitzen über die Skizzenblätter gleiten ließ.

„Ja, als Draco geboren war, hatte Aenòr ein neues Motiv gefunden. Anders als Narcissa, die nicht wirklich Interesse an ihrem Sohn zeigte, vergötterte Aenòr ihren Enkelsohn!“, entgegnete ich versonnen bei der Erinnerung, wie zufrieden ich gewesen war, als Draco endlich da gewesen war, dabei zog ich Hermione enger an mich, bis sie an meiner Brust lehnte.

Ihr schien das leicht zu widerstreben, sie versteifte sich, doch nur kurz, dann lehnte sie sich an, als sie merkte, ich tat nicht mehr als sie zu halten.

„Hm, wie war deine Kindheit sonst so, Lucius? Du hast mir so viel von deinen Eltern erzählt, von ihrer Ehe, doch wie ging es dir mit ihnen als Eltern? Wie wurdest du zu dem, der du heute bist?“, fragte sie nun sehr involviert nach.

Denn ja, die Frage war, wie wurde ich zu dem, der ich heute war?

Dabei lehnte sie sich erstaunlich vertraulich an mich, was gut war, denn ich hätte ihr augenblicklich nicht in ihre Augen sehen wollen. Kurz überlegte ich, ob ich ihrer Frage einfach nicht nachgeben sollte, doch ich hatte mir ja vorgenommen, offen zu sein, also warum sollte ich nicht auf ihre Frage antworten?

Vor allen Dingen zeigte mir ihre Frage, dass sie mich wirklich verstehen wollte, was ja mein Ziel war. Außerdem wusste ich zumindest ein paar Dinge aus ihrer Kindheit. Sie hatte zwar nicht offen gesagt, dass sie von sich damals gesprochen hatte, aber ich war mir sicher, ihre Eltern hatten ihre Begabung nicht gerade als Segen angesehen, sondern als Fluch und sie als Anomalie betrachtet, daher konnte ihre Kindheit nicht unbelastet und schön gewesen sein. Ich war gespannt, wie sie auf das reagieren würde, was ich ihr erzählen konnte und wollte.

„Komm, ich zeige dir noch mehr von Syon und du darfst mir Fragen stellen. Und um dir mehr über meine Vergangenheit zu erzählen, sollte ich vielleicht etwas ausholen!“, ich löste mich langsam von ihr und sie drehte sich zu mir um, ergriff leicht nickend den dargebotenen Arm und gemeinsam verließen wir den kleinen, anheimelnden Salon.

„Ich würde dir jetzt gerne mehr von den repräsentativen Räumen zeigen, denn das passt sicher besser zu dem, was ich dir erzählen werde, da vieles was die Erziehung, die mein Vater mir hat angedeihen lassen, auf diese repräsentativen Aufgaben abzielte und darauf, unsere Familie gebührend zu vertreten!“, begann ich geschäftig, während ich sie aus dem Drawing Room hinaus, auf die lange Galerie führte, die sich über die gesamte Breite des Hauses erstreckte und sehr hell war, da sie von vielen Fenstern gesäumt war und diese einen Blick auf die Themse ermöglichten.

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http://www.countrylifeimages.co.uk/ResizedImages/VeryLarge/657776.jpg



Die Decke war hoch und verziert mit Malereien, die in goldenen, geometrischen Formen in Stuckrahmen eingefasst waren. Generell herrschte hier ein dunkles Blaugrau und Gold vor. Auch die graublauen Wände waren mit vergoldetem Stuck verziert. In regelmäßigen Abständen befanden sich an der Wand gegenüber der Fenster Nischen in der Wand, in die man Regale eingepasst hatte und in denen Bücher standen.

Die Long Gallery diente eher als kleine Bibliothek des Hauses. Den gesamten, langen Gang standen immer wieder goldverzierte, rot gepolsterte Lehnstühle und Bänke mit kleinen Tischchen, die zum Verweilen einluden. Ungefähr auf der Hälfte befand sich gegenüber der Fenster ein hoher, weißer Kamin. Von der Galerie konnte man in alle Bereiche der privaten Räume gelangen, weswegen sich meine Vorfahren auch dazu entschieden hatten, diese ein bisschen zu verändern und den sonst so riesigen, zum Teil quasi ungenutzten Raum einer praktischeren Nutzung zuzuführen.

Von uns aus gesehen, am anderen Ende der Galerie, etwas im letzten Drittel, befand sich ein großer, opulenter Pool mit zum Verweilen einladenden, römischen Liegen und Chaiselongues sowie einem herrlichen Blick hinaus. Diesen Bereich hatte man durch eine Wand aus Glas abgetrennt, die man durchbrochen durch Säulen in die Galerie eingezogen hatte, um den Bereich um den Pool etwas abzugrenzen, aber der Galerie gleichzeitig nicht ihre Leichtigkeit zu nehmen.

Zufrieden beobachtete ich Hermiones begeisterten Blick, wie sie alles begutachtete und sich von mir löste, um die Galerie entlang zu schreiten.

„Der Drawing Room wurde ja, wie du gesehen hast, von meiner Mutter privat genutzt, auch wenn er historisch gesehen nicht immer ein völlig privater Raum war. Diese Galerie hier hatte eigentlich eine ähnliche Funktion, aber meine Vorfahren wussten sie auch anders zu nutzen. Vielleicht passt gerade dieser Wechsel und das Verschwimmen vom Öffentlichen zum Privaten besonders, um damit zu beginnen, deine Frage zu beantworten!“, bot ich an und streckte meine Hand nach ihrer aus, um sie wieder auf meinen Arm zu legen, mir war es ein Bedürfnis, sie zu berühren.

„Es ist sehr schön hier, wirklich!“, erwiderte sie nur, legte ihre Hand in meine und ließ zu, dass ich sie wieder an meine Seite zog. Ich genoss es, hier mit ihr zu sein, selbst wenn es nicht einfach für mich war, mich so zu offenbaren.

Lucius Sicht ende

Hermiones Sicht

Die Long Gallery, auf die mich Lucius soeben geführt hatte, war wirklich beeindruckend und einmalig, so was hatte ich noch nie erlebt oder gar gesehen, das war was ganz Besonderes.

Aber irgendwie hingen meine Gedanken noch immer dem nach, was Lucius mir anvertraut hatte und an dem unfertigen Gemälde, welches Lucius und Draco hatte zeigen sollen. Als ich dieses Gemälde so betrachtet hatte und mit dem anderen, auf dem Lucius als Baby zu sehen gewesen war, in Gedanken verglich, fragte ich mich wirklich, was in seinem Leben zwischen der Entstehung dieser beiden Bilder passiert war, daher hatte ich ihn nach seiner Kindheit gefragt und hoffte nun auf eine Antwort.

„Ich sollte wohl beim Anfang beginnen, oder? Vielleicht am besten bei meiner ersten Erinnerung!“, sinnierte Lucius neben mir, während wir wirklich langsam die Galerie entlang schritten. Ich schwieg, denn was sollte ich dazu sagen?

Außerdem fürchtete ich, dass er aufhören würde, wenn ich die falsche Frage stellte und um das zu riskieren war ich viel zu begierig darauf, mehr über ihn zu wissen.

„Nun, meine erste Erinnerung, oder eher gesagt, eine meiner ersten, ist wenig schön. Ich sehe noch genau vor mir, wie mein Vater mir als kleinem Jungen einbläute, dass er es nie wieder sehen wollte, dass ich irgend eine Emotion auf meinem Gesicht zeige, dass irgendwer erkennen könne, was ich fühle und dann wurde ich umgehend und nachhaltig bestraft. Er selbst war ein Mann, der es für unumgänglich erachtete, Masken zu tragen und so auch mich dazu erziehen wollte. Bis ich dies perfekt beherrschte, lernte ich unsere Kerker sehr genau kennen. Mein Vater war sehr kreativ, grausam und unnachgiebig, was seine Strafen anging, selbst mir gegenüber…“, kam es betont gleichgültig von Lucius, es hörte sich so an, als wäre das nicht ihm passiert. Dabei schien er tief in Gedanken abzurutschen.

Ich wollte betroffen stehenbleiben, aber ich wagte es nicht, denn ich hatte ihn so noch nie erlebt und nicht geglaubt, dass er sich so gehen lassen, so viel offenbaren würde. Unterdessen hatte er seine andere Hand auf meine gelegt, die auf seinem Arm lag und begonnen, sanft aber auch gedankenverloren über meinen Handrücken zu streichen, während wir beständig weiter schlenderten.

„Bis zu meinem Schulbeginn in Hogwarts hatte er es geschafft, ganze Arbeit geleistet und mich zu einem perfekten Maskenträger erzogen, auf meiner Miene zeigten sich nicht nur keine Gefühle mehr, nein, er hatte es geschafft, sie mir völlig auszutreiben…. bitte, schau mich nicht so an, ich denke, ich möchte es nicht anders haben! Er hat mich zu dem geformt, der ich heute bin und ich mag mich… aber damals war es ein Hochgenuss, zu erleben, wie Vater an mir scheiterte, denn mir wurde damals bewusst, selbst Vater konnte nun weder erkennen noch erraten was ich dachte oder plante, auch er konnte mich nicht mehr durchschauen und so hatte er selbst den Weg dafür geebnet, dass ich ihn überflügeln und schlagen konnte!“, resümierte Lucius selbstzufrieden in gewohnter Arroganz und Überheblichkeit und hielt nun vor einem der großen Fenster an, von dem aus wir einen herrlichen Blick auf den Park hatten.

„Du sprichst von dem Duell, bei dem du ihn besiegt hast?“, warf ich eilig ein und dachte daran zurück, dass er mir vorhin erst preisgegeben hatte, dass er gegen seinen Vater einen erbitterten Kampf ausgefochten hatte, doch nun verstand ich, warum er dies überhaupt hatte tun können. Ich konnte mir sehr genau vorstellen, was Lucius in den Kerkern widerfahren sein musste, schließlich wusste ich aus eigener leidvoller Erfahrung, wie kreativ auch Lucius dort war.

„Du bist voreilig, aber ja, auch dass ich ihn in den Schatten zu stellen begann machte ihm Angst, aber das begann viel früher, doch lass mich der Reihe nach erzählen!“, bat er und sah mich erstaunlich gedankenverloren an. So ruhig und in seinen Erinnerungen gefangen kannte ich ihn wirklich nicht, so schwieg ich und gab ihm Zeit, sah ihn nur erwartungsvoll an.

„Vielleicht hast du von meiner Zeit in Hogwarts schon gehört. Ich war im 2. Jahr, da stieß ich Bellatrix von ihrem Thron als Anführerin von Slytherin. Ich führte das Haus mit harter Hand, aber ich behielt immer das Wohl meiner Slytherins im Auge und baute mir Verbindungen und Netzwerke auf, die mich später effektiv voranbrachten. Macht beruht immer darauf, dass es Leute gibt, die sich beherrschen lassen und ich fand davon in Slytherin genug Willige, die sich von dem was meine Familie darstellte nur zu gerne anziehen ließen und sich darin sonnen wollten!“

Wir standen noch immer vor dem Fenster und blickten auf streng abgezirkelte Wege, in geometrische Formen getrimmte Buchsbäume und weitläufige, streng von Hecken begrenzte Rasenflächen. Lucius strich noch immer vertieft über meine Hand, mit der ich mich bei ihm eingehakt hatte.

„Ja, Draco erwähnte so was…!“, warf ich vage ein, aber auch nur, weil Lucius schwieg und ich die Stille so nicht stehen lassen wollte.

„Mhm… Meine Schulzeit verlief also recht klar, von Anfang an. Ich schaffte klare Fronten, auch wenn ich mich zwei weitere, lästige Jahre mit Bellatrix rumschlagen musste, bis sie endlich Hogwarts verließ, so war doch bei den anderen Slytherins meine Position unumstritten, dafür saß ich einfach zu fest auf dem Thron und meine Familie verkörperte zu viel. Als ich jedoch volljährig wurde, bekam er wirklich Furcht vor mir“, resümierte er sichtlich zufrieden und grinste diabolisch, sodass mir selbst ein Schauer über den Rücken lief.

„Nun… seine eigene Erziehung war aufgegangen und ich wurde sofort zur Linken Hand des Lords . Ich hatte durch meinen Vater und die eigenen Erfahrung am eigenen Leib eine gewisse, originelle, schöpferische Ader entwickelt und damit zeigte ich einen noch größeren Einfallsreichtum in den Kerkern als mein Vater. Mein hoher Stand bei den DeathEatern erklärt sich leicht. Ich durfte, ähnlich wie Draco nun, von der hohen Position meines Vaters profitieren. Mein Vater kannte den Lord aus Schulzeiten, dieser hatte Vaters Position als Anführer der Slytherins übernommen, als Vater die Schule verließ. Der Lord war dem Geld und auch der Macht, die unsere Familie repräsentierte nie abgeneigt und mein Vater wurde einer seiner treuesten und ersten Anhänger, schließlich verkörperte der Lord genau die Ideale, die auch mein Vater glühend vertrat. Dass ich sowohl in Slytherin als auch später schon wieder mit wehenden Fahnen an Bellatrix vorbeizog nimmt sie mir bis heute übel und deshalb bin ich zusätzlich ein Dorn in ihrem Fleisch!“, fasste er jetzt deutlich gehässig zusammen, bevor er versonnen stöhnte.

„Mein Liebes, ob man es glauben will oder nicht, aber mein Leben war bis dahin ein Kampf, aber auch das was folgte war ein Kampf, doch immer ging ich gestärkt und brillierend daraus hervor, auch in den folgenden Jahren. Ich etablierte sehr wirkungsvoll meine Position innerhalb der DeathEater, baute mit Narcissas Mitgift ein florierendes Imperium auf und schaffte es, den erwartete Erben zu zeugen und dann fiel der Lord!“, machte er eine bedeutungsschwere Pause, aber ich wusste, dass dieses Ereignis keine großen, negativen Folgen für ihn gehabt hatte.

Ich wusste nicht, warum ich es tat, aber irgendwie fühlte ich mich erstaunlich friedlich, wie ich hier mit Lucius stand, in den sonnenbeschienenen Park hinaus blickte und er seine Vergangenheit vor mir ausbreitete, jedenfalls lehnte ich mich zu ihm und legte meinen Kopf an seine Schulter. Ich bemerkte durchaus seinen erstaunten Blick, auch wenn ich meinen auf den Park gerichtet hatte.

„Wie ging es dann weiter? Eine Partei weniger, die etwas von dir wollte und weniger Macht?“, fragte ich mutig drauflos, denn natürlich hatte seine Position beim Lord auch Macht für Lucius bedeutet, aber war die ausschlaggebend, wenn man die Macht betrachtete, die ihm sein Name und sein multinationaler Konzern einbrachten, sowie die Stellung seiner Familie?

Lucius löste meine Hand von seinem Arm und ich ließ zu, dass er den Arm um meine Schulter legte und mich nun sehr eng an sich zog.

„Nein, weniger Macht würde ich nicht sagen, mehr Verantwortung vielleicht, das kam auf mich zu und große Veränderungen. Es kam vieles zusammen. Mutter starb, musste beerdigt werden, der Lord war spurlos verschwunden, hatte gegen ein Baby, gegen Potter versagt und ich hatte Abraxas schon zuvor endgültig den Rang als zweiten Mann neben dem Dark Lord abgerungen, das alles zusammen war zu viel für meinen Vater. Ich fand, dass es an der Zeit war, die Führung endgültig zu übernehmen, spätestens nachdem ich aus dem ersten Krieg unbeschadet herausgekommen war und dem Ministerium glaubhaft meine reine Weste hatte verkaufen können. Ich begann also ernsthaft daran zu arbeiten, Abraxas‘ Posten zu übernehmen und schließlich besiegte ich ihn im Duell und wurde frühzeitig zum Oberhaupt der Familie. Abraxas war zum Glück nicht dumm. Er hat seinen Posten relativ kampflos geräumt, lediglich seine Entwaffnung war nötig. Normalerweise hätte mein Bestreben die Führung zu übernehmen einen harten Machtkampf auf Leben und Tod zur Folge gehabt, aber Abraxas hatte erkannt, dass es Zeit für mich war, außerdem hatte ihm offenbar der Tod des Lords den Rest gegeben und so hat er sich als verbitterter, gebrochener Mann auf sein Gut und zu seinen Pferden zurückgezogen und verbrachte seine meiste Zeit mit seinem Schwager, Cygnus Black. Hätte er sich nicht zurückgezogen, wäre mein Weg sicher schwieriger geworden, denn er hatte begonnen, mir wirklich Steine in den Weg zu werfen. Ich habe das Gefühl, er erkannte, ich wurde langsam mächtiger als er, zumal ich ein besserer Zauberer bin und war als er!“, sprach Lucius ruhig, dann zog er auf einmal seinen Arm von meiner Schulter zurück und bot ihn mir wieder zum Einhaken an.

„Komm, ich zeige dir noch die privaten Räume!“, forderte er und ich überlegte kurz, ob dahinter mehr steckte als das Angebot an sich, aber dann nahm ich vorsichtig an, denn was er wirklich hier wollte konnte ich nur so erfahren, obgleich ich nicht vergaß, dass Lucius trotz aller Offenheit ein gefährlicher Mann war. Dass er sich wirklich freiwillig so weit öffnen wollte und keine Gegenleistung fordern würde, konnte ich nicht wirklich annehmen.

„Wie ging es mit deinem Vater danach weiter? Weiß Draco jetzt eigentlich, dass er tot ist?“, fragte ich interessiert, während Lucius mich nun auf den hinteren Teil der Galerie zu führte.

Wir betraten durch ein hohes, großes, offenes, helles Treppenhaus ein Ankleidezimmer, das denen im Manor sehr ähnelte. Wir hielten uns hier nur kurz auf, aber ich bemerkte durchaus, dass hier auch Frauenkleider hingen, die verdächtig denen ähnelten, mit denen Lucius meinen Schrank im Manor ausgestattet hatte.

„Anders als im Manor gibt es hier nur wenige Schlafräume. Syon war schon immer zur Repräsentation gedacht, nicht als ein Anwesen, welches Gäste aufnimmt, es war immer ein Familiengut. Zusätzlich zu diesem Schlafzimmer gibt es noch ein zweites, welches die Mastersuite ist und an dieses sofort anschließt. Beide sind durch Türen verbunden und die Suite wurde zu diesem, weil es etwas größer ist und einen direkten Zugang zum Pool hat. Komm, ich zeige es dir!“, führte er mich weiter durch ein großes, mit glänzenden, dunklen Möbeln eingerichtetes Schafzimmer in ein weiteres.

„Es ist sehr schön hier!“, lobte ich das was er mir zeigte und blickte mich misstrauisch abwägend um, schließlich war es gefährlich und ich unsicher, Lucius und ich in einem Schlafgemach war immer delikat.

„Schön, dass es dir gefällt, Liebes!“, antwortete er jovial.

Das zweite Schlafzimmer war etwas größer und außer dem großen Bett, einem Sessel und einer Kommode gab es hier noch einen runden Tisch, an dem bequeme Stühle mit Armlehnen und heller
Polsterung standen. Auch hier waren die Möbel aus dunklem, warmem, glänzend lackiertem Holz gefertigt.

„Nun aber zu deiner anderen Frage. Ich habe keine Ahnung, denn Draco hat immer noch nicht nach seinem Großvater gefragt und ich habe nichts gesagt. Draco und Abraxas, das ist eine lange Geschichte, die ich dir ein anderes Mal erzähle. Reg dich nicht auf, ich halte mein Versprechen, hier deine Fragen zu beantworten, aber das würde den Rahmen sprengen. Ich werde dir davon erzählen, nur nicht jetzt und hier. Und Abraxas… nun, nachdem ich ihn gestürzt hatte, war er in meinen Augen nicht mehr wirklich für etwas zu gebrauchen. Er sprach nur noch über seine ach so edlen, geflügelten Pferde, die Abraxaner und die Reinheit des Blutes der Zauberwelt. Er war ein ewig gestriger, wie sein Freund Cygnus, der Narcissas Vater war. Er hielt geradezu zwanghaft an diesen Ideen und Idealen fest. Ich glaube, hätte er gewusst, dass ein Großteil meines Geldes von den Muggeln kommt, wäre er auf der Stelle an einem Herzinfarkt gestorben. Vielleicht hätte ich es ihm sagen sollen!“, sinnierte Lucius nun wenig pietätvoll, während ich mich von ihm gelöst hatte und durch das Zimmer ging.

Ich ließ meine Finger über das kunstvoll gearbeitete Fußteil des Bettes gleiten, blickte aus den Fenstern und konnte nun eine andere Seite des Parks ausmachen, wo ein Glaspavillon sichtbar wurde, während ich ihm gespannt und schweigend zuhörte.

„Als Abraxas weg war, konnte ich wirklich freier arbeiten und in gewissem Sinne sogar aufatmen und Severus und ich konnten uns völlig Draco und seiner Erziehung widmen. Es war ein Befreiungsschlag und ich sah Abraxas nur noch sehr, sehr selten wieder, während Draco eine engere Beziehung zu ihm pflegte!“, fuhr Lucius abgelenkt fort und ich wandte mich zu ihm um.

Er wirkte in Gedanken versunken. Mein Blick glitt über die Kommode, auf der einige sich bewegende Fotos standen, die unter anderem Lucius als jungen Mann zeigten und Aenòr, aber nie Abraxas. Es entstand eine irgendwie nicht ganz angenehme Stille, während Lucius nun auch hinaus in den Park blickte.

„Wie sahen deine glücklichen Momente aus, Lucius? Gab es die? Warst du je… glücklich?“, fragte ich nun meiner Neugierde folgend, sehr privat, denn alles was er bisher erzählt hatte war unschön gewesen und ich war wirklich gespannt, welche Ereignisse Lucius für sich als glücklich erachtete.

„Hm… ja… ich denke, es gab glücklichere Momente, aber Glück? Ich bin zufrieden mit meinem Leben und wenn ich es nicht bin, ändere ich es so, dass ich es bin. Ich bin kein Mann, der die Hände in den Schoß legt und Dinge auf sich zukommen lässt, die ihm nicht passen, das weißt du ja, Hermione! Besser als andere…“, begann er überlegend.

„Und besondere Momente, wenn du so willst, oder Ereignisse. Dracos Geburt war eindeutig so eines. Ich war so froh, als er auf der Welt war und ich damit auch nicht mehr abhängig von Narcissa. Und als ich mich Oberhaupt der Familie nennen konnte, alles übernahm, das war durchaus ein Moment, der mich sehr zufrieden, ja vielleicht auch glücklich machte. Mir stand ab da alles offen!“, sinnierte er.

„Das freut mich für dich, Lucius, aber gab es zu deiner Schulzeit, oder Jugend keine solchen Momente?“, forschte ich weiter nach und behielt ihn genau im Blick, aber viel sagte mir seine Haltung nicht, da er mir den Rücken zuwandte und ich sein Gesicht nicht sehen konnte.

„Als ich Bellatrix als Anführerin der Slytherins von ihrem Thron gestoßen hatte, war das sehr erhebend. Es war mein erster, großer Sieg, aber vergiss nicht, ich wollte, durfte und konnte nichts groß dabei fühlen. Ein denkwürdiger Sommer war der, in dem Severus zum ersten Mal im Manor verweilte, da wir begannen, uns selbst auszubilden, zu lernen und zu trainieren so viel wir nur konnten um die zu werden, die wir heute sind. Wir waren schon immer beide ehrgeizig und ergänzen uns somit gut. Andere würden wohl sagen, sie waren glücklich bei oder auch mit einer Frau, aber wenn überhaupt, würde ich sagen, war ich mit Andromeda zufrieden, nie mit Narcissa!“, offenbarte Lucius ganz lapidar.

Und ich erstarrte, denn vor Überraschung verschlug es mir die Sprache! Andromeda, wie Andromeda Tonks? Tonks Mutter?

Was er mir über Severus und sich offenbarte ging fast unter, weil ich nicht darüber hinwegkam, was er so derart absolut gleichgültig mitteilte.

„In meiner Schulzeit, als ich die 5. Klasse besuchte, da war sie in der 6. Klasse und versüßte mir gut ein halbes Jahr, sie war ganz anders… leider verliebte sie sich in diesen Hufflepuff, Ted Tonks und naja, dann war es vorbei…“, überging er meine Sprachlosigkeit.


„Bitte? Mit ihrer… also mit Narcissas Schwester?“, blickte ich ihn perplex an, als er für mich dieses Geheimnis lüftete. Doch dann huschte ein süffisantes Grinsen über meine Züge, als mir die Komik ins Bewusstsein drang.

„Hast du ein Faible für die Blackschwestern, Lucius? Sieh an, da schlummern Abgründe in dir. Was hat dich damals geritten? Und was ist mit Bellatrix? Warst du mit ihr auch zusammen… um sie flachzulegen? Was für ein unschöner Gedanke!“, spottete ich darüber, denn bitte, der Gedanke an Lucius mit Bellatrix bescherte mir eine waschechte Gänsehaut.

Aber seine Beichte schockierte mich nicht gänzlich, denn Lucius hatte wahrlich schlimmeres getan als wohlgemerkt lange vor seiner Ehe und bevor Narcissa als seine Verlobte überhaupt im Gespräch gewesen war, mit ihrer Schwester ins Bett zu steigen. Außerdem hatte Andromeda freiwillig mit ihm das Bett geteilt. Dass er dann später Narcissa als Frau aufgedrückt bekommen hatte, konnte man wohl als brutal schlechten Humor des Schicksals verbuchen. Ich fand es amüsant und das zeigte ich auch.

Dieses kleine, enge Schlafgemach erdrückte mich fast nach der Offenbarung, dass Lucius ebenfalls mit Schwestern das Bett geteilt hatte und mein gefesselter Blick lag demnach auch auf dem Bett und eigentlich wollte ich nur noch hier raus.

Aufgrund meines Spottes blitzte etwas Beunruhigendes in seinen grauen Augen auf, das mich überlegen ließ, ob er Andromeda bevorzugt hätte, um sie für immer zu behalten. Nur gut, dass man ihm Narcissa aufgedrückt hatte, denn wer wusste, wie es gelaufen wäre, wenn er Andromeda bekommen hätte, für die er Mal eine Schwäche gehabt hatte.

Vielleicht wäre seine Ehe dann glücklicher gewesen und ich unterdrückte ein Seufzen. Kurz glitten meine Gedanken zu Narcissa, die ich ihm entrissen und in den Tod geschickt hatte. Bereute ich es? Nein, ich bereute es nicht, denn sie hatte vorgehabt, mich zu töten, da hatte es geheißen, entweder ich oder sie und daher war mir die Entscheidung leicht gefallen und erschien mir auch im Nachhinein noch richtig.

Doch Lucius offenbarte so viel von sich. Ich fühlte mich seltsam berührt, wenn ich darüber nachdachte, wie sehr er sich öffnete. Wir hatten uns einander zugewandt. Lucius musterte mich eindringlich und ich hob, wie ferngesteuert, die Hand, wollte ihm eine seiner langen, blonden Strähnen aus dem Gesicht streichen, die über seine Schulter gefallen war während er mit unleserlichem Blick auf mich hinab blickte, doch kaum hatte ich ihn berührt, packte er fest meine Handgelenke und trat dabei mit einer bedrohlichen Geste auf mich zu..

„Was? Lucius?“, flüsterte ich überrumpelt ob seiner unerwartet harschen Handlung, aber er sah mich gewohnt kühl an.

„Spotte nicht!“, presste er aber dann doch ungewöhnlich heiser hervor.

„Was? Ich verstehe nicht? Sei doch froh, dass dir Bellatrix erspart geblieben ist… erinnere dich an den Anblick, den Fenrir und sie in der Höhle geboten haben… aber ich trau dir besseren Geschmack zu!“, bot ich weiterhin süffisant an und schon wieder blitzte etwas in ihm auf, aber ich konnte nicht anders, natürlich, er bedrängte mich, aber ich fühlte mich sicher und wollte nicht so ohne weiteres nachgeben.

„Warum denkst du, kannst du meinen Geschmack in Frage stellen? Die drei Schwestern hatte alle etwas für sich. Andromeda war humorvoll, Narcissa schön und Bellatrix…“, flüsterte Lucius rau, während er sich erklärte und mich in dem Schlafgemach gefangen hielt.

„Bellatrix war und ist unvorstellbar hohl, irre und dumm… aber ich finde es schon bedenklich, dass du an den Blacks derart viel Gefallen gefunden hast…“, insistierte ich böse und wollte ihm nicht zeigen, dass er es durchaus schaffte, dass mir Bedenken kamen.

„Und in ihrer Jugend war sie die dunkle Schönheit! … Vielleicht hatte ich ja Bellatrix auch in meinem Bett!", sagte er hart, worauf ich zurückzuckte, weil ich nicht wusste, ob er das ernst meinte. Ich konnte es nicht glauben, aber wie so oft ließ er nichts durchblicken.

„Bitte, das würde von abnorm schlechtem Geschmack sprechen! Und erschreckend viel Fluktuation…“, überzog ich ihn mit Spott, als ich konterte, „… und mit deinem Geschmack scheint es dann wahrlich nicht weit her zu sein… Mhm… denn mal ehrlich, was bin ich? Das fällt auch eigentlich unter sehr schlechten Geschmack! Ein Mudblood! Bestimmt fragen sich viele, was ihr von mir wollt und ganz ehrlich? Das frage ich mich auch manchmal selbst!“, entgegnete ich mit dieser seltsamen Melancholie, die mich seit letztens öfters ergriff.

Jetzt wirkte er noch maskenhafter als sonst schon, wie er mich eindringlich musterte, nur um dann endgültig drohend vor mir aufzuragen, dabei gruben sich seine Hände fester um mein Handgelenk, aber zeigen, dass er mir wehtat würde ich nicht und so sah ich ihm hart ins aristokratische Antlitz.

„Hör auf damit! Macht es dir Spaß, mich immer weiter zu drängen? Wann hast du jemals genug? Hinterfrage mich… und meinen Geschmack, aber auch uns, nicht immer! Akzeptiere es endlich! Akzeptiere auch endlich dich und stell dich dem, was du bist!", stieß er bitter, aber auch anklagend und tadelnd hervor.

Mein Herz pochte unwohl, denn es stimmte, es fiel mir verdammt schwer in letzter Zeit, zu akzeptieren, was ich war, eine Malfoy, ein Soulgatherer, ein DeathEater!

So schlimm es war, er hatte absolut recht, da half mein Zynismus auch nicht mehr, hinter dem ich mich zu verstecken suchte, nur dass ich es vielleicht mit einem Mann wie Lucius nicht so weit treiben sollte, wenn er seine Deckung derart weit sinken ließ, um mich an seiner Vergangenheit teilhaben zu lassen.

Aber ich fragte mich, was er von mir, einem jungen Ding, wirklich wollte, was sollte er mehr in mir sehen als einen mehr als kurzfristigen Spaß… den es zu besitzen und dann wegzuwerfen galt?

Weiter kam ich in meinen Gedanken gar nicht, denn ich wusste nicht, wie mir geschah, als ich rasant zurückgedrängt wurde, bis es nicht mehr weiter ging und fand mich nun zwischen Lucius und einem Tisch gefangen , auf dass ich mich kaum noch bewegen konnte.

Er nahm mich wie ein Raubtier gefangen.

Da lehnte er sich auch schon plötzlich über mich und starrte mich mit seinen wilden, sturmgrauen Augen ungewohnt belebt an, in denen selten gezeigte Gefühle standen. Er schien es zu hassen, dass ich in letzter Zeit mit meinem Schicksal haderte.

Wobei ich natürlich die Umstände verstand, auch für ihn war es hier nicht leicht!

Er hatte mir sein geheimes Domizil offenbart, dann auch diese ungewohnte Offenheit über seine Vergangenheit zu sprechen, das schien ihn für seine Verhältnisse in einem gewissen Maße sehr mitgenommen zu haben, er könnte als sehr involviert bezeichnet werden, soweit er dies überhaupt zuließ oder konnte. Denn er strahlte im Prinzip noch immer vollste Kontrolle aus, wirkte kalt wie ein Gletscher, bis auf dieses kleine, unheilverkündende Funkeln in seinen Augen, welches ich wohl nur wahrnahm, weil ich ihn kannte und bis zu einem gewissen Grad zu lesen wusste…

„Wie weit willst du mich noch provozieren?", fragte er in einem bedrohlichen Zischen.

Ich schüttelte sprachlos, wegen dieses heftigen, schnellen Überfalles den Kopf. Ich kannte ihn zwar reaktionsschnell, aber ich hatte noch nie diese ehrliche Bewegtheit in seinen Augen gesehen, so kannte ich ihn nicht, außerdem wirkte er mitgenommen und durchwegs aufgewühlt, für seine Verhältnisse.

„Ich...", stotterte ich unsicher, da es mir so vorkam, als würde er etwas planen und ich wurde misstrauisch.

„Ja?", fragte er lasziv über mir und seine Präsenz war nicht wegzudiskutieren und nun schluckte ich schwer.

Lucius‘ Brustkorb hob und senkte sich vor Aufregung und ich ahnte, dass er unsagbar wütend, ungehalten und aufgebracht war. Dann, ganz, ganz langsam, drückte er mich nach hinten auf die Tischplatte hinunter und beugte sich drohend über mich, ragte groß über mir auf, um seine Dominanz zu demonstrieren.

Er berührte mich nicht wirklich, presste nur meine Handgelenke, somit war es sein reiner Wille, der mich dazu bewegte, vor ihm zurückzuweichen. Als ich auf dem Holz aufkam war ich unfähig, mich zu rühren, da ich nun mehr als anrüchig vor ihm lag.

„Was hast du vor?", fragte ich irritiert und mit bemüht fester Tonlage, um zu ergründen, was wir hier nun für ein Spiel spielten.

„Ich kann alles mit dir tun, was ich nur will, Hermione!", das flüsterte er mir lasziv zu. „Verstehst du mich?"


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BeitragThema: 391. Kapitel Idyllisches Syon   Mo Jul 15, 2013 12:11 am

391. Kapitel Idyllisches Syon


Ich starrte ihn nun mit offenem Mund an, denn das hatten wir doch schon hinter uns. Warum tat er dies jetzt gerade wieder?

Er hatte gesagt, er wollte mich nicht mehr bedrängen und drängen, aber soeben tat er es. Wie in Zeitlupe presste er mich immer fester mit seinem harten Körper auf den Tisch.

Ich konnte den Blick nicht von seinen rätselhaften, grauen Augen lösen, die mich starr musterten. Erst nachdem ich voll und ganz mit fixierten Händen und flach mit dem Rücken, wie eine Opfergabe, auf dem Tisch lag und er mehr oder minder auf mir war, fühlte ich seinen schweren Atem heiß auf meinem Gesicht auftreffen. In dem Moment wurde mir so richtig bewusst, wie recht er hatte.

Denn ich hatte mich ihm absolut und vollkommen freiwillig ausgeliefert, ohne auch nur einen Gedanken an Gegenwehr oder Kampf zu verschwenden und ich schallt mich gerade als abgrundtief dumm.

Was machte dieser Mann immer mit mir?

Die Gefühle, die ich in dem Moment hatte, in dem ich ihm so hilflos ausgeliefert war, konnte ich nicht beschreiben. Ich roch ihn, seinen männlichen, herben Duft und sah in seine harten Augen, doch irgendwie schien das mein geringstes Übel zu sein, denn zu meiner eigenen Verwunderung musste ich selbst überrascht erkennen, dass ich keine wirklich Sorge davor hatte, dass er mir mehr antun wurde.

Woher diese Sicherheit kam, wusste ich nicht.

Trotz allem erweckte Lucius nicht den Eindruck, unkontrolliert zu sein. Im Gegenteil, er wusste sehr genau, was er tat.

„Was jetzt, Liebes?", fragte er mich in durchdringendem, durchwegs provokantem Ton, der mir durch und durch ging, da er mehr als doppeldeutig klang.

Einmal mehr schienen sich seine dunkelgrauen Augen tief in mein Inneres zu bohren und ich atmete schneller. Es war alles andere als leicht für mich, in einer Situation wie dieser einen klaren Kopf zu behalten. Ich wollte schon gepeinigt die Augen schließen und mich fragen, wie das nur weitergehen sollte. Nach den Dementoren, nach Irland, Gellert und Draco und nun der Trennung wusste ich nicht, wie gefestigt ich augenblicklich war, da ich mich gerade selbst gerne als leicht labil bezeichnen wollte.

Aber schon regte sich in mir mein Widerstandsgeist, weil ich mich nie als leichte Beute sehen wollte. Ich biss somit die Zähne fest zusammen, denn die Nähe dieses Mannes war eine latente Gefahr für mich, aber ich hatte keine Angst, dies verbot ich mir rigoros!

„Die Frage ist, was du tun wist…, Lucius…", hauchte ich angestrengt, aber auch kalkulierend, da mir schien als würde etwas in seinen Augen aufblitzen, nachdem er bemerkte, dass ich mich nicht auslieferte, zwar war es nur ein flüchtiger Moment, aber ich dachte, es war da, ansonsten blieb sein Gesicht die gewohnt harte und unleserliche Maske.

Ich hatte mehrere Möglichkeiten, entweder mich wehren, nur um zu sehen, dass er körperlich stärker war, oder es sehr bewusst in seine Hand zu legen und ich hatte entschieden, ihn zu reizen und zu testen.

„Richtig!", antwortete er fast schon aufreizend und ein maliziöses Lächeln legte sich auf seine Züge.

Sofortiges, mehr als gespanntes Schweigen legte sich zwischen uns und für etliche Sekunden konnte ich nichts anderes, als das Geräusch seiner Atmung zu vernehmen und dem Gefühl, auf dem Tisch zu liegen und ihn über mir zu haben nachzuspüren, während er anscheinend über seiner Entscheidung brütete.

Da schoss mir der Gedanke durch den Sinn, ob er etwas plante?

„Lass mich los…", bat ich dann doch mit letzter, entschiedener Kraft.

Denn ich wollte nicht kämpfen, nicht gegen ihn, nicht so, dafür hatte ich gerade nicht die Stärke. Er schluckte wieder sichtlich schwer. Für einen winzigen Augenblick drückte er meine Hände noch ein wenig fester auf die Tischplatte hinunter und presste sich noch näher an mich und ich keuchte überrumpelt, dass er so weit ging hätte ich nicht erwartet.

Ich spürte, dass etwas Hartes gegen meine Schenkel stieß.

Empört rang ich nach Luft und es fühlte sich an, als würde ein Blitz in mich fahren, als mir ins Bewusstsein schoss, was es war, doch noch ehe ich einen klaren Gedanken fassen konnte, lockerte er den Griff an meinen Handgelenken plötzlich, ließ dann doch entschieden von mir ab und wich nach hinten zurück.

Erinnerungen strömten auf mich ein, an den Maskenball und als wir unter der großen Trauerweide gestanden hatte und er seinen erregten Schwanz an meinen Oberschenkel gepresst hatte, aber damals hatte ich mich gewehrt, heute war ich nur passiv geblieben und hatte ihn entscheiden lassen, wie weit er es treiben wollte und er hatte sich entschieden.

Er ließ mich gehen, er zog sich zurück und einen weiteren Schritt danach richtete er sich zu seiner vollen Größe auf. Noch immer bohrten sich seine Augen tief in meine und erneut vergingen Sekunden, in denen rein gar nichts geschah, ehe ich es wagte, mich aus meiner demütigen Lage aufzurappeln.

Verärgert, aber auch etwas zittrig stand ich vor ihm und starrte ihn vorwurfsvoll an, bis er sich durchrang, die lastende Stille zu brechen.

„Verzeih“, erkannte ich durchaus die Exklusivität der Situation, da sich Lucius wahrhaftig entschuldigte. „ Aber diese Themen wurden noch nie offen angesprochen… und dein Spott war nicht hilfreich… bei Bellatrix verstehe ich keinen Spaß… dieses Weib…", rechtfertigte er sich mit absolut kühler Stimme und ich starrte ihn ob dieser mehr als ungewöhnlichen Weise der Entschuldigung ungläubig an und Zorn stieg in mir hoch, als ob es damit einfach getan war.

„Was sollte das eben? Du erzählst mir freiwillig davon! Und dann so was? Womit habe ich diese demütigende Behandlung verdient, Lucius?", fragte ich kaum hörbar, aber ich wollte das nicht einfach auf sich beruhen lassen.

Lucius hatte doch tatsächlich das Feingefühl, den Blick zu senken. Doch nur kurz. Fast schien es mir, als würde er ungewohnt sprachlos nach Worten suchen, aber dann räusperte er sich und wirkte nun arrogant, wie eh und je, als er mir einen stechenden Blick zuwarf.

„Ich versichere dir, dass ich alles unter Kontrolle hatte!", kam es schrecklich blasiert von ihm und ich starrte ihn wortlos an, dann schüttelte ich frustriert den Kopf.

„Ich habe dir vertraut, dass so etwas zwischen uns nicht mehr passiert! Ist das zu fassen? Du hattest es vielleicht bis zu dem Zeitpunkt unter Kontrolle, als du mich platt wie eine Flunder auf dem Tisch liegen hattest und dich gegen meine Schenkel gedrückt hast. Wirklich, Lucius, hast du es wirklich unter Kontrolle? Wenn nicht sollte ich zurück…“, erklärte ich rigoros und baute mich entschlossen vor ihm auf.

„Es wird nicht mehr vorkommen!", stieß er aus zusammengebissenen Zähnen hervor, sichtlich verärgert. „Vertrau mir weiter…“, forderte er eindringlich und ich erkannte, dass er sein freiwilliges zurückweichen als Kontrolle und als zu seinen Gunsten auszulegendes Indiz sah. Sofort lachte ich spöttisch auf.

„Ha! Komm mir nicht damit! Wie war das? Du kannst alles mit mir tun, was du willst? Aber ehrlich, ich habe dich nicht darum gebeten, vor mir deine Beichten abzulegen!", gab ich ihm vehement Kontra.

Langsam verschränkte er vor sich die Arme ineinander und blickte mich mit so kühlen und so unbewegten Augen an, dass einem Angst und Bang werden konnte.

„Ich kann verstehen, dass es dich beunruhigt hat, aber du kannst mir glauben. Ich weiß, was ich tue und mein Geschmack ist süperb!", zeigte er sich absolut überheblich und ich stieß einen verächtlichen Ton aus, da es ihn noch immer wurmte, dass ich über seine Wahl abwertend urteilte. Er war und blieb ein eitler Pfau.

„Den Eindruck habe ich nicht und wer sagt, dass ich beunruhigt war? Du kannst mir nichts antun, was mir nicht schon passiert ist…", entgegnete ich kaltschnäuzig und erinnerte sehr kalkuliert an meine „finsterste Nacht“, die mir Severus beschert hatte.

Aber es stimmte, ich hatte keine Angst davor, was Lucius von mir begehrte, denn dass er mich besitzen wollte, war mir sehr gegenwärtig. Es wäre auch nicht schlimm, es ihm auf der körperlichen Ebene zu geben, aber vom moralischen Aspekt aus betrachtet, war es absolut verwerflich.

Und ich hatte so viel Schuld auf meine Schultern geladen, das würde ich nicht auch noch freiwillig auf mich laden.

Hier schossen seine Augen wieder zu mir und nagelten mich fest, daran erinnerte er sich nie gerne.

„Schön. Welchen Eindruck hattest du dann? Vielleicht wärst du so freundlich, mich darüber aufzuklären, denn derart würde ich nie die Contenance verlieren…", erklärte er sichtlich indigniert über meinen indirekten Vorwurf und ich nickte.

„Stimmt! Ich glaube auch nicht, dass dir so was passieren würde, dafür bist du zu kontrolliert und beherrscht in letzter Instanz, wenn würdest du es eiskalt, kalkuliert durchziehen… aber ich denke, für deine Demonstration hatte du einen Grund! Den hast du nämlich immer!“, resümierte ich wenig schmeichelhaft, als er nicht reagierte, machte ich weiter.

„Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass du mich testen wolltest, Lucius… oder auch dich? Nur warum?“

Eigenartiger Weise wirkte Lucius weniger angespannt, nachdem ich fertig war. Als dann auch noch seine Mundwinkel zuckten, ohne dabei bedrohlich zu wirken, war ich vollkommen verwirrt, denn Lucius Malfoy verlor nie wirklich die vollkommene Kontrolle. Er tat nie etwas aus einer Laune, alles war geplant und allem lag etwas zugrunde und anscheinend hatte ich soeben ins Schwarze getroffen.

„Du solltest dich ausruhen", sprach er mit seiner tiefen Stimme, dabei wirkte er ungewohnt bewegt.

Ich öffnete empört den Mund, um etwas zu sagen, das ich seinem arroganten Antlitz entgegenwerfen konnte, doch ich brachte es nicht fertig und so schloss ich ihn wieder, schließlich hatte ich ihn mal wieder schon genug gereizt, wenngleich ich weit davon entfernt war, von ihm eingeschüchtert zu sein.

Aber ich musste mir eingestehen, dass Lucius tatsächlich so aussah, als würde er etwas, von dem was geschehen war, bereuen. Nicht alles, aber einen kleinen, sehr feinen Teil.

Hermiones Sicht ende

Lucius Sicht

Nachdem ich sie und mich ein einziges Mal zu weit getrieben hatte, hielt ich mich noch mehr zurück!

Mir war es darum gegangen, dass sie erstens honorierte, was ich ihr von mir offenbarte und nicht mit ihrem Sarkasmus konfrontiert wurde, aber vor allem auch um ihr zu zeigen, dass ich mich daran halten und sie nicht zu sehr bedrängen würde, um ihr Vertrauen zu verlieren, denn es stimmte, ich könnte alles mit ihr tun, was ich wollte, aber ich tat es nicht!

Und das hatte ich ihr gegenüber visualisiert, als ich schließlich großzügig von ihr zurücktrat und sie anwies, sich auszuruhen, denn ja, ich testete, wie weit ich gehen konnte, ohne über sie herzufallen wie ein Tier.

Aber auch, wie sie sich schlug und das tat sie ausgesprochen schlau!

Schließlich wollte ich ihr das nie bescheren, was Severus verbrochen hatte. Ihr indirekter Vorwurf stieß mir noch immer saurer auf, ihre Anspielung, ich könnte eine Kuriosität wie Bellatrix in meinem Bett dulden, war ungeheuerlich.

Wir reizten uns beide und ich war derjenige, der hier die Übersicht behalten musste, wenn ich erreichen wollte, dass sie endlich in meinen Armen landete. Denn eingeschüchtert war sie nicht, was ich gut fand. Sie ließ sich von meiner stärkeren Körperlichkeit nicht einschüchtern, aber ich musste es schaffen, unter ihre Haut zu dringen und da war es ein guter Punkt, wenn sie keine Angst vor mir hatte!

Wobei man Respekt und Furcht nicht verwechseln durfte!

Ich wollte sie in Syon nicht wirklich bedrängen, ihr viel Freiraum lassen und unsere Grenzen austesten, trotzdem war ich häufig in ihrer Nähe und berührte sie oft.

Ich hatte mir vorgenommen, sie kennenzulernen und das in allen Facetten, wofür ich mir weder bei ihr, noch bei sonst wem, außer bei Severus, je wirklich die Zeit genommen hatte. Im Prinzip war es traurig, dass ich gewöhnlich niemanden an mich heranließ, aber Macht und Reichtum machten oft einsam, ohne dass man es wirklich bemerkte und ich war immer zufrieden gewesen, mit dem was ich hatte, einem Sohn und Severus.

Sie waren bisher meine Familie und jetzt auch Hermione. Und auch wenn ich es offen nie zugeben würde, so war ich doch froh, wenn die drei in den Ferien im Manor weilten.

Dieser langsame, fast bedeutungsschwangere Start unserer gemeinsamen Zeit war sehr neu für mich, aber nichts, dem ich mich nicht stellen wollte.

Jetzt saßen wir beisammen beim Abendessen im privaten Speiseraum. Hermione hatte sich wirklich etwas ausgeruht, jedenfalls sah sie entspannter aus und sie hatte sich umgezogen, etwas aus der freizügigeren, jugendlicheren Garderobe herausgesucht, die ich speziell für Syon gewählt hatte.

Ich hatte ein sommerliches, leichtes Menü bestellt, Gurkenkaltschale mit Minze und Krebsfleisch, Fisch mit Gemüse und Reis sowie Sorbet als Nachtisch.

„Nun, Hermione, wollen wir fortfahren mit unserem Gespräch? Willst du noch mehr wissen?“, lenkte ich schließlich beim Dessert unsere Konversation wieder auf das Thema, weswegen ich sie hergebracht hatte, um einander kennenzulernen.

„Wie wäre es, wenn du entscheidest, was du mir als nächstes erzählen willst?“, bot sie lächelnd an und löffelte langsam und genüsslich das kalte Beerensorbet und genoss den perlenden, leichten Wein dazu.

Syon stand für mich für Leichtigkeit und so wollte ich es auch weiter halten und ihr nahebringen.

„Na gut, dann erzähle ich dir jetzt mal eher grundsätzliches über die Familie, beziehungsweise beende ich erst mal das Drama um meinen Vater!“, begann ich langsam und Hermione nickte nur leicht, lehnte sich zurück und nippte an ihrem kühlen Wein.

„Also, Abraxas war so lange unter Kontrolle, bis seine Schwester Honoria 1968 viel zu früh verstarb. Es ist unüblich, dass wir Malfoys mehrere Kinder bekommen, aber meine Großeltern taten dies. Honoria heiratete Richard Prince!“, begann ich richtig schön, doch Hermione unterbrach mich herrisch.

„Gut, gut, Lucius, aber ich brauche keine Geschichtsstunde über eure Verwandtschaftbeziehungen und Sterbedaten, ich kenne die Stammbäume aus der Malfoybibliothek!“, wiegelte sie rigoros ab.

„Ich sehe, du warst nicht untätig, sehr schön, wenn du nutzt, was dir geboten wird. Was willst du dann wissen?“, fragte ich leger, um mich nach ihren Interessen zu richten.

„Erzähl mir von Honoria. Wie war sie und warum starb sie so früh?“, fragte sie auch sogleich und ich ahnte, dies interessierte sie, weil sie wusste, dass sie Severus‘ Großmutter gewesen war und vielleicht wusste sie auch, dass Severus durchaus oft bei ihr gewesen war, in seinen ersten 8 Lebensjahren, bis sie starb. Aber vor allen Dingen ahnte sie bestimmt, dass Severus ihr nie groß aus seiner Vergangenheit erzählten würde, so war er einfach nicht und sie war schlau genug, nie zu versuchen, ihn zu ändern!

In dieser Beziehung war sie sehr weitsichtig, er war wahrlich kein einfacher Zeitgenosse.

„Nun gut, also Honoria. Mhm… nun, sie war sehr verwurzelt in unseren Traditionen, schließlich war sie eine Malfoy. Dass ihre Tochter Eileen einen Muggel geheiratet hat, war für sie ein harter Schlag, doch um Severus kümmerte sie sich trotzdem. Mein Vater kam nie darüber hinweg, seine Schwester so früh zu verlieren, ich denke, sie war die einzige, die ihm jemals etwas bedeutete. Sie wurde Opfer eines Raubmordes. In der Diagon Alley wurde sie von einem heruntergekommenen Mudblood überfallen und dabei getötet, was Vaters Hass auf die Muggel, die Muggelgeborenen und alles was nicht reinblütig war nur noch verschärfte und ins Unermessliche trieb. Abraxas hatte fortan noch mehr von meinem Großvater Hyperion, seinem Vater, der ein unnachgiebiger, harter und kompromissloser Mann gewesen war, nur dass Abraxas nun auch noch der Hass zerfraß!“, antwortete ich ihr und trank dann meinerseits auch von dem kühlen Wein. „Wobei zu viele Gefühle nicht gut sind… deshalb war Vater auch immer so leicht einzuschätzen, in dem was er tat!“, sprach ich meine tiefempfundene Verachtung für Abraxas aus.

„Und das Ende des ersten Krieges veränderte deinen Vater dann erneut?“, hakte sie interessiert nach und kam auf ein Thema zurück, welches wir zuvor am Tag schon angeschnitten hatten.

„Ja, das Ende des Krieges und das Verschwinden des Lords waren ein schwerwiegender Auslöser, der ihn verbittert machte und ihm die Perspektive nahm. Den Rest gab ihm wohl 1992, der plötzliche Tod meines Schwiegervaters, seines besten Freundes, Cygnus Black III, der plötzlich und unerwartet mit gerade mal 54 Jahren starb. Er hatte zu viele Flüche im ersten Krieg abbekommen, außerdem hatte er wohl seiner Frau Druella, einer geborenen Rosier, hinterher getrauert, die schon bei Narcissas Geburt verstorben war!“, kam ich gerade richtig in Fahrt, als sie mich wieder unterbrach.

„Ach, Lucius, hör auf damit, das langweilt mich, all das kenne ich größtenteils schon und sie alle starben wenig spektakulär, wenn auch früh, das interessiert mich eher wenig! Tot ist tot!“, kanzelte sie mich auf einmalige Art und Weise ab.

„Na gut, Hermione…“, beugte ich mich vor, stellte mein Glas ab und lehnte mich noch weiter zu ihr rüber, wobei ich ihr vertraulich und tief in die Augen sah: „Dann fang du mal an zu erzählen!“

Sie wirkte nicht gerade, als sei dies ein toller Vorschlag, denn sofort verschloss sich ihre Miene. Mir war bewusst, sie erzählte mir noch immer nicht gerne etwas von sich, aber vielleicht würde ich sie locken können.

„Was in Syon passiert und gesagt wird, bleibt in Syon, versprochen!“, bot ich generös, aber auch verschwörerisch an und fand diese Idee äußerst brillant.

Ich hatte kurzerhand entschlossen, dies hier würde in Zukunft nicht nur mein Zufluchtsort sein, sondern auch ihrer.

„Hier, das ist unser Refugium und was hier passiert und gesagt wird, braucht niemand zu erfahren! Außerdem hast du sicher schon bemerkt, dass auch deine Kleidung hier legerer sein darf als sonst, keine Konventionen, wenn wir hier sind!“

Ich verfolgte deutlich, wie es in Hermiones Kopf arbeitete und sie überlegte.

Lucius Sicht ende

Hermiones Sicht

„Hm, na gut! Abgemacht!“, begann ich zögerlich, denn ich wusste nicht recht, was ich davon halten sollte, was Lucius mir anbot und ich wollte wirklich nicht so viel offenbaren.

Ich konnte Lucius noch immer nicht einschätzen und war mir nicht sicher, wo er stand, mal abgesehen davon, dass er hinter der Familie stand. Aber was unser Klima an sich anging, auch Lucius gab sich lockerer. Zwar hatte er den Tag über den Gehrock und das Ensemble getragen, in dem er angekommen war, doch nun trug er lediglich eine schwarze, leichte Hose, schwarze Slipper und ein dunkelgrünes, langärmliges Hemd, bei dem er den obersten Knopf offen gelassen hatte. Außerdem fielen seine Haare offen über seine Schultern.

„Ich erzähle dir etwas von mir, aber nur unter der Bedingung, dass du akzeptierst, dass ich nur das offenbaren werde, was ich will, selbst wenn du nachhakst!“, erklärte ich dann vorsichtig und einschränkend, woraufhin er nur aufmunternd nickte, offenbar konnte er damit leben.

„Dann erleuchte mich!“, scherze er süffisant.

„Mhm… nun, so wie du die Presse kontrollierst, Cuffe dir gehört, habe ich seit zwei Jahren Rita Skeeter voll und ganz unter meiner Kontrolle. Sie tut nur noch, was ich will, oder sollte ich eher sagen tat…!“, ließ ich zufrieden eine Kunstpause, als ich kurz offenes Erstaunen in Lucius‘ Augen aufblitzen sah.

„Wie?“, fragte er nur begierig, denn schließlich wusste er nach Ritas Interview bezüglich Dumbledores Biographie, dass diese Frau eigentlich noch existieren sollte.

„Sie ist ein unregistrierter Animagus, was ich nach dem Trimagischen Turnier herausgefunden habe. Während diesem Ereignis waren erstaunlich viele Dinge im Propheten erschienen, die der Öffentlichkeit nicht bekannt waren und sie hatte ansonsten auch viel Mist über mich und Harry geschrieben. Ich bemerkte zufällig einen sehr auffälligen Käfer in der Nähe von Harrys Krankenbett. Mir fiel auf, dass ich genau diesen Käfer schon öfters gesehen hatte und handelte. Ich nahm sie gefangen, belegte sie mit einem von mir entwickelten Zauber, der ihr jede Möglichkeit nahm, auch nur im Geringsten etwas gegen mich zu unternehmen und machte ihr eindringlich klar, dass sie mir nicht entkommen konnte. Ab diesem Zeitpunkt arbeitete sie nur noch für mich!“, erklärte ich zufrieden, weil ich erlebte, wie gebannt Lucius von diesen Neuigkeiten war.

Ich lehnte mich lässig entspannt zurück, nippte an meinem Glas und behielt Lucius genau im Blick.

„Beeindruckende Leistung, wirklich, aber du sprichst in der Vergangenheit von ihr. Es ist doch gerade erst ein Buch von ihr erschienen! Ein Interview…“, forschte er nach.

„Naja, Anfang des Jahres hatte ich keine Verwendung mehr für sie, oder halt! Nein, das stimmt nicht, sie wurde sehr wichtig, denn genau in dem einen Moment brauchte ich sie… als Ablenkungsmanöver und da war sie tot mehr wert als lebendig…“, flüsterte ich leise, als ich an Nurmengard und Gellerts Flucht zurückdachte und wie ich die beiden ausgetauscht hatte.

Lucius‘ durchdringendes Funkeln ging mir durch und durch, denn er war nicht schockiert, wie es der Orden wäre, wenn ich dergleichen so erzählen würde, sondern eher hingerissen von meiner Schilderung und so fuhr ich fort:

„Ja, ich habe sie entsorgt und das Buch, tja, die Fakten stammen von Rita, aber geschrieben habe ich es. Ich ließ bisher jeden im Glauben, dass Miss Skeeter auf Reisen sei!“, verkündete ich dann doch irgendwie stolz auf meine Leistung und war wirklich gespannt, wie Lucius reagieren würde.

„Du steckst wirklich voller Überraschungen!“, lobte er sichtlich erfreut, hob sein Glas und prostete mir gebührend zu.

Jetzt war die Stimmung wieder gelöst und entspannt und aus meiner Offenbarung heraus entstand ein lockeres Gespräch über dies und das, bis wir schließlich spät abends zu Bett gingen.


Ich erwachte am nächsten Tag vom Gefühl her schon recht früh am Morgen, so wie ich es gewöhnt war.

Erstaunlich gut hatte ich in dem großen Bett geschlafen und ich war wirklich froh, dass ich alleine in diesem hatte schlafen können, vor allem danach, wie Lucius mich gestern dann doch in seinem Schlafzimmer in die Enge getrieben hatte.

Kurzentschlossen nahm ich eine schnelle Dusche, zog mich an und wollte alleine noch etwas dieses für mich noch neue Haus erkunden.

Ein Blick aus dem Fenster verriet mir, dass es wirklich noch früh war, denn die Sonne stieg gerade erst hinauf und es herrschte noch diese sommerliche, morgendliche, angenehme Kühle.

Ich verließ meinen Schlafraum und trat hinaus auf die lange Galerie, die ich erkunden wollte. Mir kribbelte es geradezu in den Fingern, die Bücher anzusehen und herauszufinden, was sich unter ihnen wohl für Schätze verbargen, denn wenn Aenòr aus einer alten Familie gekommen war, gab es hier vielleicht das ein oder andere schwarzmagische Buch, welches ich noch nicht kannte.

Auf der anderen Seite war ich wahrlich baff, wie sich mein neues Leben gestaltete, als normal konnte man es wahrlich nicht bezeichnen. Ich hatte das Glück oder das Pech, in einer dekadenten, viel zu reichen Familie gelandet zu sein.

Die Pracht, der Prunk und der Protz, die mich hier stets umgaben, konnten einen schwindelig machen und einen wirklich glauben machen, dass alle anderen Leute und Menschen einer anderen Kategorie angehörten. Man war regelrecht versucht, sich selbst immer als etwas Besseres zu betrachten und vergaß sehr leicht, wie die Realität wirklich aussah.

Ich wandelte nur noch im Luxus, wenn das Leben als DeathEater nicht wäre, wäre die Versuchung groß, sich in diesem Übermaß zu verlieren.

Nur langsam schlenderte ich die Galerie entlang und ließ meinen Blick geschwind über die Buchrücken gleiten. Leider fand ich in den ersten Regalen viel Triviales und dann eher historische und kunsthistorische Werke, bis hin zu Bildbänden, die natürlich auch Aktbände beinhaltete. Offenbar hatte Aenòr sich auch hier ausgebreitet und ihrem Hobby gefrönt.

Mein Weg führte mich auf den Bereich der Long Gallery zu, der umgebaut worden war und den Pool enthielt. Gerade diesen Luxus wollte ich mir ansehen, schon alleine aus dem Grund, da es dies nicht im Manor gab, doch zuvor sah ich noch enttäuscht, dass die anderen Regale eher Standartwerke enthielten, die ich schon lange kannte. Die Bibliothek war in meinen Augen also eher enttäuschend, auch wenn ich Aenòrs Hobby durchaus interessant fand.

Ich lenkte also meine Schritte auf die große, mit Reliefs verzierte Milchglastür zu und öffnete diese übergangslos forsch.

Sobald ich durch die Tür getreten war, blieb ich wie angewurzelt stehen.

„Oh…!“, entkam mir leise und ganz untypisch ein Hauchen.

Denn dort stand Lucius, mit dem Rücken zu mir, in all seiner Pracht und war dabei vollkommen nackt. Er war offenbar gerade dem Pool entstiegen, denn das Wasser tropfte von ihm herab und er griff in diesem Moment nach einem Handtuch, welches auf einer römisch anmutenden, weiß gepolsterten Bank neben dem Pool lag.

Als er seinen Arm beugte und das Handtuch sich entfaltete, erkannte ich deutlich das dunkle Dark Mark, welches sich klar gegen seine helle Haut abhob und sich dabei dunkel bewegte. Die Schlange entfaltete ihr Eigenleben, lebte auf unserer Haut.

„Guten Morgen!“, hörte ich förmlich das amüsierte Schmunzeln aus seiner Stimme heraus, während er mir immer noch in aller Seelenruhe den Rücken zuwandte, wobei ich mich nicht abwenden konnte. Er warf mir über die Schulter hinweg einen kurzen, aber doch sehr intensiven Blick zu, in dem ein Ausdruck lag, den ich nie bei ihm gesehen hatte. Er schien einfach und schlicht amüsiert zu sein und das frei von Hohn oder Spott. Offenbar war er sehr gut gelaunt.

Seine langen, nassen, weißblonden Haare lagen über seinen Schulterblättern auf dem Rücken. Ich konnte seine so helle Haut sehen, die mir, wenn ich genau hinsah, was ich gerade tat, weil ich mich einfach nicht abwenden konnte, zeigte, dass auch er schon viel erlebt hatte, denn es waren durchaus hier und da feine Narben zu erkennen.

Er stand nur ein paar Meter von mir entfernt. Seine Muskeln, die sich unter der Haut der breiten Schultern bewegten und arbeiteten, zogen unwillkürlich meinen Blick an, als er sich nun akribisch abzutrocknen begann. Seine scharf definierten Oberarmmuskeln boten ein schönes Spiel.

Fast schon wie ferngesteuert glitt mein Blick tiefer, zu seinem ansehnlichen, wohlgestalteten und äußerst knackigen Po.

Doch dieser Anblick verschwand in dem Augenblick auch schon, da Lucius nun das Handtuch lässig um seine Hüften schlang und sich umdrehte. Ich schluckte schwer und musste mich zusammenreißen um aufzublicken.

„Hat es dir die Sprache verschlagen, Liebes?“, spottete er ironisch und musterte mich belustigt, ebenfalls von oben bis unten. „Sonst bist du nicht so schweigsam…“

„Ähm… guten Morgen!“, erwiderte ich erstaunlich rau und leise und schrecklich wenig eloquent.

Irgendwie brachte mich die Situation gerade aus der Fassung, was ich so gar nicht verstehen konnte, denn bitte, ich hatte doch wirklich schon genug nackte Männer in meinem Leben vor mir gehabt. Auch wenn ich darum kämpfte, Lucius‘ Blick zu erwidern, konnte ich nicht verhindern, dass meiner immer wieder an seinem nackten Oberkörper hängen blieb.

Plötzlich kam er geschwind auf mich zu, aber als ich zurückweichen wollte war er schon bei mir und griff zielstrebig nach meinem Kinn. Ich war überrumpelt und unerwartet hatte er schon hauchzart, fast nicht zu spüren, mit seinen Lippen die meinen berührt und sich sofort zurückgezogen. Es war so schnell gegangen, dass ich perplex mit den Augen blinzelte, weil ich das Gefühl hatte, nur geträumt zu haben.

Lucius hingegen schmunzelte erheitert, wandte sich um und verkündete ihm Gehen erstaunlich gelassen und vergnügt wirkend:

„Ich sehe dich beim Frühstück, Liebes!“

Er hatte mich so sehr überrumpelt, dass ich nicht mal reagieren hatte können, denn eigentlich wollte ich nicht auf den Mund geküsst werden, das wollte ich niemandem antun, diese Lippen, durch welche die von dem Dementor geraubte Seele geschlüpft war, zu berühren.

Das Frühstück verlief recht ruhig und entspannt, wobei es ruhig war, weil ich mit meinen Gedanken damit beschäftigt war, was Lucius mir gestern erzählt hatte, außerdem gingen mir der Anblick des nackten Lucius und der Kuss, der sich nur wie der Hauch einer Berührung durch seine Lippen angefühlt hatte, nicht aus dem Kopf.

„Komm mit raus! Es gibt noch mehr, was ich dir zeigen will!“, bat Lucius nach Beendigung des Frühstücks.

So kamen wir zum nächsten Programmpunkt, offenbar hatte Lucius für unseren Aufenthalt in Syon viel geplant und ich fragte mich zaghaft, wie lange wir hier bleiben würden, in diesem irgendwie unwirklichen Paradies.

Lucius führte mich hinaus zu einem Anbau, der sehr viel moderner war und einer viel jüngeren Epoche entsprang als Syon. Es war eine beeindruckende Glas- und Stahlkonstruktion des letzten Jahrhunderts. Ein riesiger Prachtbau der mittig von einer großen, beeindruckenden Kuppel überdacht war, die somit das Zentrum des beeindruckenden Gewächshauses bildete.

„Hier, das große Gewächshaus ist aus Stahl und Glas, es wurde nach dem Londoner Crystal Palace erbaut. Es ist ebenfalls sehr sehenswert und lässt mich oft vergessen, in was für einer Zeit wir leben!“, konnte ich ihm nur zustimmen, es war himmlisch, Neville würde der Neid ins Gesicht stehen, da er Pflanzen liebte.

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e6/Syon_House_Conservatory,_London.JPG

„Im Park selbst ist alles recht alt hergebracht und die Pflanzen nicht wirklich magisch, aber hier im Gewächshaus wachsen einige besondere Schätze. Wenn du magst, kannst du sie gerne ansehen!“, wedelte er nonchalant mit der Hand und führte mich diesmal ganz ungewohnt nicht direkt zu besonderen Punkten und Dingen, sondern ließ mich erkunden.

Hermiones Sicht ende

Lucius Sicht

Ich führte Hermione hinaus in den großen und sehr weitläufigen Park, der durch die Themse begrenzt wurde. Während ich darüber nachdachte, wie sie heute Morgen auf mich reagiert hatte, wobei ich meine Reaktion noch immer mehr als richtig empfand!

Ich hatte sie überrascht und überrumpelt, eine Tat, die nicht oft passierte. Es war mir nicht leichtgefallen, als ich ihren mehr als taxierenden Blick auf meiner Rückansicht verspürt hatte, aber noch war es zu früh, noch musste ich mit großem Bedacht darauf achten, was ich tun durfte und was nicht!

„80 Hektar Garten gehören zum Anwesen. Wir haben über 200 verschiedene, teilweise sehr seltene Baumarten im Park. Neben einem See lockert ein Brunnen mit einer Statue des Gottes Merkur die streng angeordneten Wege und Rasenflächen auf. Ich würde gerne mit dir durch den Park gehen und, wenn du willst, weiter reden!“, begann ich unseren Spaziergang durch den Park mit einem kleinen Überblick.

http://www.syonpark.co.uk/tour_conservatory.asp

http://www.flickriver.com/groups/1380448@N22/pool/interesting/

„Und nicht zu vergessen, wenn du dort runter blickst, hast du direkte Sicht auf die Themse!“, verkündete ich, währenddessen steuerten wir auf den See zu.

„Ich kann verstehen, warum du dich gerne nach Syon zurückziehst!“, warf Hermione einfühlsam ein, während wir gemütlich als Paar dahinschlenderten.

„Möchtest du noch mehr wissen?“, fragte ich schließlich und war gespannt, wie Hermione reagieren würde.

„Warum hast du damals zugelassen, dass ich Narcissa töte? Wusstest du, als ich darum gebeten habe, freie Hand zu haben, dass ich sie töten würde, oder was hast du erwartet? Oder hast du es dir sogar gewünscht?“, fragte sie mich eiskalt und blickte mich wirklich interessiert, aber auch bar jedes anderen Gefühls an.

Ich sah kurz zu ihr hinab und blieb dann mit ihr an meiner Seite am See stehen, blickte auf diesen hinaus und überlegte kurz, bevor ich mit einer für mich ungewohnt offenen Antwort begann.

„Keine leichte Frage… ich war mir sicher, Narcissa würde gegen dich nicht bestehen können. Sie war nie eine gute Hexe, oder eine gute Tränkebrauerin, sie konnte sich auf gesellschaftlichem Parkett ausgezeichnet bewegen und sie war durchaus sehr bewanderte in Geschichte, aber in einem Duell konnte sie noch nie bestehen. Ich kannte dich noch nicht gut, deine Fähigkeiten nur wenig, aber ich war mir, nach dem was ich im Ministerium gesehen hatte, sicher, dass du als Siegerin hervorgehen würdest und es war mir ehrlich gesagt schlicht gleich, ob Narcissa dabei zu Tode kommen würde oder nicht!“, gestand ich sehr kalt ein, wie berechnend ich damals reagiert hatte und ein Blick auf Hermione sagte mir, dass sie gebannt dabei war, denn sie sah zu mir hoch und musterte mich eindringlich.

„Warum war es dir so egal, ob sie lebt? Dann hast du es dir tatsächlich gewünscht?“, fragte sie schließlich weiter und ich wandte meinen Blick wieder ab und ließ meine Gedanken schweifen, während ich weitersprach:

„Ich wollte nie das Gleiche tun wie mein Vater und meinem Sohn selbst die Mutter nehmen, egal wie alt Draco jetzt schon ist, aber wenn sie es selbst verschuldet, ist es nicht meine Schuld!“, wies ich die Schuld für Narcissas Tod von mir, denn bitte, daran war sie mit ihrer Dummheit wirklich selber schuld gewesen.

„Aber gewünscht? Ja, vielleicht! Bedauert habe ich es keine Sekunde, wenn du das meinst!“, resümierte ich weiter.

„Narcissa gefiel mir leider in vielerlei Hinsicht nicht. Sie gebärdete sich, als wäre nicht mal ich gut genug für sie, dabei hätte sie froh sein sollen, dass sie nach dem schändlichen Fall ihrer Schwester eine Partie wie mich machte. Sie war langweilig und wehleidig. Bei Dracos Geburt schrie sie das halbe Manor zusammen und Severus und ich hofften schon darauf, sie würde dabei sterben, doch den Gefallen tat sie uns nicht!“, resümierte ich und blickte dann gespannt zu Hermione, wie sie reagieren würde.

„Mhm… weiter!“, war das Einzige, was sie sagte und ich erkannte einen äußerst gespannten Blick.

„Narcissa passte schlicht im Privaten nicht zu mir. Sie war eine Zicke vor dem Herren, oberflächlich und einfach schrecklich flach. Im Bett war sie stumm wie ein Fisch und zeigte keinerlei Initiative oder Esprit. Trotz neuem Namen, sie war und blieb eine Black, wurde nie wirklich eine Malfoy. Über die Jahre hinweg hatte sich so viel angesammelt, was ich Narcissa nachtragen und vorwerfen konnte, sie war schon lange eine Last und ihre Aktionen gegen dich haben dem Ganzen die Krone aufgesetzt. Es war an der Zeit…!“, ließ ich meine Erklärung offen ausklingen und war gespannt, was Hermione darauf erwidern würde.

„Mich wundert, dass du das so lange mitgemacht hast!“, meinte sie verächtlich.

„Oh, sie war auch gut, als Schutz vor nervigen Frauen, die denken könnten, ich wäre eine gute Partie! Und glaub mir, davon gibt es unerquicklich viele!“, stöhnte ich leidlich, in Gedanken an die nervige Schar, die mir dünkelhaft hinterherlief.

„Oh ja, das hört sich schon eher nach dir an!“, kicherte sie amüsiert und es war erhebend, jemanden zu haben, der sich mit mir derart offen austauschen konnte, ohne falsche Moral oder Scheu. Denn sie wusste, wie ich wirklich war!

Sie kannte mich mit allen Abgründen und nicht nur die äußere prächtige und blendende Fassade, die der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

„Eben, du kennst mich!“, und ich wusste, nach diesen Ferien würde das sogar vollumfänglich zutreffen.

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Schließlich beendeten wir unseren Rundgang im Park und verbrachten den restlichen Tag und die nächsten damit, es uns in Syon gut gehen zu lassen. „Ich hoffe wirklich sehr, dass dir die drei Tage in Syon gefallen haben, nur heute müssen wir ins Dark Manor, danach werden wir ins Malfoy Manor zurückkehren…“, erklärte ich am letzten Morgen, vor unserer Abreise, beim Frühstück.

Die Tage waren mir erfreulich harmonisch erschienen und ich selbst hatte mich erholt. Außerdem war es angenehm, dass Severus meine Aufgaben so exzellent von mir ferngehalten hatte, während Hermione unter meinen erfahrenen Händen wieder Kräfte gesammelt hatte und ich hoffte, Severus würde weiter so erfolgreich sein, in den nächsten Wochen.

Hermione hingegen sah endlich wieder wie neugeboren aus. Die unschönen Augenränder waren verschwunden, ihre Hautfarbe sah wieder gesund und nicht mehr gelblich aus, auch etwas wohlgenährter erschien sie. Ihre Haare glänzten wieder gesund und in allem machte sie einen sehr erholten und durchwegs gesunden Eindruck.

Wir hatten den Pool ausgiebig genutzt, waren im Park spazieren gegangen und auch das Gewächshaus hatte es ihr doch noch angetan.

„Ich fühle mich entspannt, wie selten! Das hatte ich nicht erwartet!“, erwiderte sie vorsichtig und lächelte zufrieden.

„Gut und das hast du gebraucht, du sahst sehr angegriffen aus!“, sprach ich die Wahrheit aus und spürte Genugtuung, eine wieder erstarkte und gefestigte Hermione zu sehen, dabei passte ihr diese Feststellung von mir nicht, auch wenn sie es zu überspielen versuchte.

„Aber, jetzt kommt es, ich möchte dich noch ersuchen, Syon gegenüber Severus und Draco nicht zu erwähnen!“, äußerte ich meinen strikten Wunsch und es klang nicht wie eine Bitte.

„Sie kennen es nicht?“, meinte sie hörbar überrumpelt.

„Severus weiß, dass Syon existiert! Aber er war noch nie hier und Draco weiß nicht mal, dass es das hier gibt und ich wäre dir verbunden, wenn dies so bleiben könnte! Wenn du so willst, ein kleines Geheimnis zwischen uns!“, gab ich charmant von mir und schenkte ihr ein verbindliches Lächeln.

„Natürlich! Wie du wünschst, Lucius, ich werde weder Severus noch Draco gegenüber Syon House erwähnen, meine Lippen sind versiegelt!“, versprach sie sofort.

Lucius Sicht ende

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