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 Kapitel 392-393

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BeitragThema: Kapitel 392-393   Fr Jul 19, 2013 3:09 am

392. Kapitel Auf Messers Schneide

Hermiones Sicht

Ich war wie erschlagen! Das Unglaubliche passierte, Lucius und ich führten echte und ausführliche Unterhaltungen, ohne uns umzubringen!

Er erzählte mir bereitwillig von der Vergangenheit, ich fasste es nicht, denn so umfangreich und derart anstandlos sprach nicht mal Draco mit mir, von Severus, Mr. Verschwiegen, ganz zu schweigen.

Das hätte ich nie und nimmer erwartet, diese  geballten Informationen erklärten mir zu einem gewissen Grad, warum Lucius geworden war, wie er war und auch, warum Draco wurde, wie er sich nun gab!

Schlussendlich hatte Lucius nur mir aus der Familie Syon offenbart und ich hatte mich von der ersten Sekunde an heimisch gefühlt. Syon haftete nicht die Schwere an, die auf Malfoy Manor lag, wobei ich mich auch dort sehr wohl fühlte, aber Syon vermittelte eher den Eindruck eines Feriendomizils.

Wobei ich fast sofort schmerzlich die Bibliothek aus dem Manor vermisst hatte, obwohl es natürlich auch hier eine Bücherei gab, enthielt diese  fast nur seichte Literatur wie Liebesromane und Gedichte!

Und eines war klar ersichtlich, ich war nicht für die Poesie geboren, das ging an mir vorbei, vielleicht war ich dafür zu pragmatisch, als dass ich von ein paar wohlgesetzten und gestelzten Worten eingefangen werden würde.

Dass sonst nicht viel dramatisches zwischen Lucius und mir passiert war, abgesehen von der kurzen Szene im Schlafzimmer, war überraschend und ich nahm es erleichtert hin, schließlich waren wir nun Tagelang alleine gewesen, da hätte es auch ganz anders aussehen können, doch Lucius hatte sich zum Glück freiwillig sehr zurückgenommen. Ich hatte mich geradezu frei gefühlt als ich durch die Räume von Syon wandeln und den Pool sehr entspannt hatte nutzen können, ohne dass Lucius dauernd auf der Lauer gelegen hatte, obwohl er immer irgendwie präsent gewesen war.

Wobei ich auf der Hut war und dem Braten wortwörtlich nicht traute, denn ich fürchtete, dass er mich mit seinem Verhalten einzulullen versuchen könnte und mich in Sicherheit wiegen wollte!

Wir hatten geredet, waren spazieren gegangen und es war schön gewesen, selbst wenn dabei angenehmes Schweigen geherrscht hatte und so hatte ich diesen riesigen Park erkundet und jeden Tag etwas Neues entdeckt. Aber wie alles was zu schön war, musste auch dies enden, denn jetzt wurde ich schlicht informiert, dass die Ferien vorbei waren und ich vom Dark Lord erwartet wurde und das riss mich sehr unerwartet in die Realität zurück. Dass es da draußen auch noch etwas anderes geben könnte, das unangenehm werden würde, hatte ich gekonnt verdrängt.

Die Dementoren!

Die Umstände mit den Dementoren waren mir von einer Sekunde zur Nächsten wieder sehr, sehr gegenwärtig und ließen mich mit einem Knoten im Magen zurück. Ich trug ein langes, schwarzes Kleid, darüber meinen Mantel und meine Maske, als wir Syon verließen und direkt zum Dark Manor apparierten. Ich folgte Lucius flotten Schrittes und versuchte, alles was da kommen sollte gleichgültig zu tragen, beziehungsweise zu ertragen.

Die düsteren, langen Korridore des Dark Manors entlang wurden wir von dem unheimlichen Rascheln und Zischeln der Schlangenknoten begleitet, die sich hier fröhlich vermehrten. Fast sofort fiel die ganze Leichtigkeit von Syon von mir ab und machte meiner  rücksichtslos überlegten, meiner gefühlskalten Seite platz, die erstaunlich leicht über mich glitt, wie eine zweite, sehr passende Haut.

Es erstaunte mich selbst, wie rasch ich umschalten konnte!

Wir schritten durch den düsteren Thronsaal, der zu meinem Erstaunen leer war, aber Lucius schien sich nicht zu wundern, oder sich davon abhalten zu lassen, denn er ging fröhlich und entschlossen auf die linke Seite des Throns zu und rauschte durch dessen verborgene Wandpaneeltüre und ich stoppte zwar kurz, betrat dann aber ebenfalls forsch den Raum, den sonst nur Severus und Lucius präsentiert bekamen, den privaten Salon des Lords, aber heute schien er auch mir offenzustehen.

Mit Sitzecke vor dem Kamin und kleinem Schreibtisch in der hinteren Ecke, wirkte er sehr schlicht, um nicht zu sagen karg, aber sogleich versank ich in einen tiefen Knicks, da der Lord in seinem Sessel saß und uns entgegensah.

Erst aus dieser demütigen Position blinzelte ich unter meinen gesenkten Lidern hervor und registrierte, dass tatsächlich dort zu seinen Füßen wahrlich Barty Crouch jr. saß, der sich zu freuen schien, einfach dort sitzen zu können.

Barty wahrzunehmen, ihn zum ersten Mal wieder mit wachem und verständigem Geist zu erblicken, war übelkeitserregend und versetzte mir einen Schlag in die Magengrube. Wobei ich nur durch große Willensanstrengung verhindern konnte, zu wanken. Es war, wie wenn ich einen lang vermissten Bekannten wiedersah und ich ihn instinktiv erkannte, wie ein Nachhall in mir, der mir vermittelte, ihn besser zu kennen als andere.

Natürlich, ich hatte ihn ein einziges Mal als Barty gesehen und zwar als man ihn nach seiner Befragung abführte, aber damals hatte er nur irre gewirkt, nicht so ordentlich wie gerade eben.

Seine glutvollen, dunklen Augen lagen konstant auf mir, dabei ging eine seiner Augenbrauen irgendwie keck wirkend in die Höhe, denn ihm schien es ähnlich zu gehen. Er war nicht mehr in seine abgerissene Gefängniskluft gekleidet, sondern nun in schwarzes Leder mit Weste. Sein Haar war sauber aber nicht zu kurz und fiel ihm verwegen in die Stirn, trotzdem war das schlohbrünette Haar nach Askaban von einigen weißen Strähnen durchzogen.

Barty war nur zwei Jahre jünger als Severus, wirkte aber doch viel älter und vor allem seine Augen erzählten eine ganz eigene Geschichte. Ich versuchte mich zu entsinnen, dass ich diesen Mann ein Jahr lang als Lehrer gehabt hatte, er kannte mich, wenngleich an sich nichts groß darauf hindeutete, denn seine Augen zeigten eine gewisse konstante Leere, die nicht einmal mehr seine ihm zurückgegebene Seele ausfüllen konnte.


Aber das ließ mich an andere Gefangene zurückdenken und das hatte ich auch schon an Sirius und den Lestranges erlebt, Askaban hinterließ Spuren, das ja, aber man konnte wieder richtig gut aussehen, doch die Seele geraubt und wieder zu bekommen, schien noch mehr an den Kräften zu zehren als der bloße Aufenthalt in Askaban und die ständige Anwesenheit der Dementoren allein.

Es war unheimlich, wie sein unbewegter Blick auf mich gerichtet war, weswegen ich jede Regung unterdrückte, während dieses schlangengleiche Zischeln, gepaart mit seiner herausblitzenden Zunge über seine Lippen glitt. Es war irgendwie lasziv, aber auch irrsinnig und beunruhigend, denn er schien nur noch mich im Fokus zu haben.

Während meiner ausgiebigen Betrachtung hatte sich Lucius nur mehr als knapp vor dem Lord verbeugt, um dann schon schwungvoll in einem Sessel platzzunehmen.

„Lucius, herzlich willkommen! Wir haben dich vermisst…“, grinste der Lord ungewohnt mildtätig und tätschelte das Haar von Barty, der sich aber von seiner Betrachtung meiner Person nicht löste.

„Und ich habe es ebenfalls vermisst, wichtig zu sein!“, scheute sich Lucius nicht versnobt kundzutun und erntete ein kaltes Auflachen des Lords, das einem Gänsehaut bescherte und dafür sorgte, dass doch endlich die Augen von Barty kurz zum Lord zuckten.

Ich selbst verharrte weiter in meiner unterwürfigen und demütigen Haltung und freute mich im Stillen, dass es mir möglich war, Barty anzusehen, ohne das Gefühl zu haben, ihm sofort wieder die Seele entreißen zu wollen, wenngleich mich eine gewisse, nicht zu benennende Spannung befiel.

Aber so ganz ohne war sein Anblick dann doch nicht, denn irgendwie fühlte auch er sich zu mir hingezogen. Schon zuckten seine Augen wieder zu mir, wie man an seinem beharrlichen Starren bemerkte. Ich fand ihn zwar wahrlich nicht sympathisch, meiner Ansicht nach sprach der Irrsinn aus seinem Blick, aber es war schwer zu be- oder auch umschreiben, irgendwie hätte ich ähnlich dem Lord bevorzugt, ihm wie einem Hund über den Kopf zu streichen, das erklärte es recht gut.

„Du bist wahrlich amüsant, Lucius…, dass ich rief, war nicht zu… störend?“, hauchte der Lord in keiner Weise fragend und so bohrten sich auch die rotglühenden Augen eher provokant in Lucius graue, aber dieser hielt den Blick mit einer ihm ganz eigenen Nonchalance stand.

„Wie könntet Ihr je stören, My Lord!“, servierte Lucius auch gewohnt gewandt, während Barty schon wieder mit seiner hervorschießenden Zunge zischelnd über seine Lippen leckte.

„Nun denn, erhebe dich, Mudblood und tritt näher!“, forderte der Lord plötzlich und damit war meine Schonfrist leider abgelaufen.

Wenngleich ich versuchte, mich im Ansatz elegant und geschmeidig zu erheben, war das ein Unterfangen, was mir nicht recht gelingen wollte, denn während ich aus dem scheiß Knicks zu kommen versuchte, ruckte auch Bartys Oberkörper, der bisher an den Knien des Lords gekauert hatte, ebenfalls in die Höhe und ich erschreckte mich dann doch tief in mir, weil mir erneut zu Bewusstsein kam, dass ich sein tiefstes Innerstes in mir gehabt hatte. Das war eine Begebenheit, die mir nie auch nur annähernd in einem solchen Umfang passiert war und ich hoffte, dass es auch nie wieder passieren würde!

Mir wurde schon wieder übel und die Erholung, welche die Tage in Syon gebracht hatte, reduzierte sich vor mir in rasender Schnelle zu einem simplen, nicht existierenden Nichts. Ich trauerte meiner wohl verdienten Blase, in der ich die letzten Tage gelebt hatte, hinterher und auch dem inneren Frieden, der damit einhergegangen war.

Bartys fanatisch und frenetisch glänzenden, braunen Augen lagen nun fast schon belästigend intensiv auf mir und ich stockte, denn dass es noch inbrünstiger ging, hatte ich nicht erwartet.

Augenblicklich schrumpfte der Raum für mich regelrecht zu einem Mikrokosmos zusammen und es klingelte in meinen Ohren, schließlich musste ich mir eingestehen, dass ich diesem Irren seine Seele wiedergegeben hatte. Na Prost Mahlzeit, ich hatte einen Wahnsinnigen mehr auf die Menschheit losgelassen.

Aber sehr viel weiter kam ich nicht, da sich der laut gebärdende Barty vom Lord regelrecht lossagte und wegschmiss und zu mir hin.

Ich wollte seiner eiligen Bewegung ausweichen, als er recht unsanft zu meinen Füßen auf den Boden krachte, aber ich kam nicht weit, denn da packte er schon meinen langen Mantel und ich zog zwar ebenfalls sofort an dem Stoff, aber er ließ sich nicht stören und küsste ehrfürchtig den langen Saum meines Mantels.

Ich keuchte erschrocken auf, nicht nur wegen seiner unterwürfigen Geste mir gegenüber, sondern auch besorgt wegen des Lords, welcher der einzige war, dessen Saum von uns, wenn überhaupt, geküsst wurde. Besorgt zuckten meine Augen zum Lord, während ich weiterhin mein Gewand aus Bartys festem Griff zu befreien versuchte, aber der Lord sah nur mit seiner Schlangenfratze unbewegt zu uns.

„Lass los…“, presste ich leise hervor, aber er rührte sich nicht und nun stierte ich aufgebracht auf das gesenkte Haupt von Barty. Ich fürchtete, dass der Lord mehr als ungehalten werden könnte, denn es stand niemandem zu, derart hofiert zu werden, wenn nur dem Lord, der weit über uns stand.

„Hör auf…“, zischte ich ungeduldig zu Barty, aber diese knutschte weiter den Stoff, während zu meinem Glück der Lord einen unglaublichen Langmut zu haben schien, denn er legte unter meinem leicht gehetzten Blick nur langsam sein kahles Haupt schief und schien sich in aller Seelenruhe das Schauspiel anzusehen, das sich hier gerade vor ihm abspielte.

„Mein magisches… Licht… Ihr habt mich mir wieder gegeben! Ich verehre Euch…“, stieß er abgehackt wirr hervor und ich bekam richtig große Augen.

Licht, Sonnenschein, das hörte sich verdammt nach Gellert an, sofort stöhnte ich leidlich auf und versuchte, mich immer energischer von den Händen und Armen zu befreien, die mittlerweile meine Kniekehlen umschlungen hatten, wobei er sich für meinen exquisiten Geschmack viel zu vertraulich an mich schmiegte.

„Wirst du wohl mit dem Unfug aufhören! Hör auf, so einen Unsinn zu faseln!“, begehrte ich nun lauter auf.

„Ich bin Euch auf ewig verbunden… mein holdes Licht!“, legte er ergriffen nach und richtete nun seinen inbrünstigen Blick zu mir und ich starrte ihn mit tief gerunzelter Stirn widerwillig an.

„Ich will das gar nicht, was du da tust. Steh auf… mach das beim Lord… hör doch endlich auf… argghhh… verdammt!“, fauchte ich nun regelrecht ungehalten, während der Lord noch immer nur duldsam beobachtete und Lucius uns aus den Augenwinkeln vollkommen reglos musterte.

„Das ist doch unsinnig… ähm, hör mal zu, das war alles gar nicht wirklich geplant... du solltest mir für nichts danken… denn ich kann gar nichts dafür! Verstehst du?“, bekannte ich dann recht hilflos und hoffte, dass mein Argument ziehen würde.

„Mein Licht ist zu bescheiden…“, widersprach er energisch.

„Warte mal, du musst unserem Lord danken, dass er Befehl gab, Askaban zu stürmen oder Lucius, dass er seinen Auftrag erfolgreich ausgeführt hat, aber nicht mir… jetzt hör auf, lass mich los!“, ruderte ich wild mit den Armen, da mein Stand mit dieser Klette zu meinen Füßen nicht wirklich sicher war und blickte nun fast schon geschlagen zum Lord.

„Mein Licht…“, wisperte er weiterhin unterwürfig. Als ich schon dachte, mir die Haare raufen zu müssen, erlebte ich das seltene Schauspiel, dass sowohl der Lord als auch Lucius leise und verhalten anfingen zu lachen.

Das hier war gerade brandgefährlich. Ich wusste nicht, ob Barty seine Unterwürfigkeit nur spielte, aufgrund eines Befehls des Lords, um meine Reaktion zu testen, oder nicht, aber in diesem Moment entschied sich mal wieder mein weiteres Schicksal.

Die Frage war, würde mich der Lord als Bedrohung, oder als Bereicherung sehen und mich somit beseitigen oder nicht!

Es war, als würden sie uns auslachen!

„Ihr beide scheint recht behalten zu haben! Es ist ihr unangenehm, sie scheint nicht wirklich machtbesessen oder interessiert am Herrschen zu sein!“, resümierte der trotz allem samtig flüsternde Lord, dabei überfiel mich eine Gänsehaut, denn das hier war mal wieder ein Test und wenn ich das richtig interpretierte, hatten Lucius und Severus zu meinen Gunsten gesprochen.

„Wohl wahr, My Lord!“, bescheinigte Lucius ihm blasiert und bestätigte damit mehr oder weniger meine Vermutung, während ich bedenklich wackelte und wankte, da ich in meiner Standsicherheit sehr beeinträchtigt vor ihnen stand. Wir mussten aber auch ein abstruses, göttliches Bild liefern, das glaubte ich ihnen, nur mir war gar nicht zum Lachen zumute!

Wie schön, dass sie lachten, wenngleich das gar nicht erheiternd war, aber ich schien auf dem richtigen Weg zu sein, weshalb ich nun mein Kinn in die Höhe reckte, um meine nun folgenden, sehr mit Berechnung gewählten Worte zu formulieren.

Ich musste richtig reagieren, um hier lebend rauszukommen, denn der Lord sah keinen anderen neben sich, egal in welcher Weise. Wenn nun Bartys Treue mir galt oder auch nur im Entferntesten gelten könnte, gespielt oder nicht gespielt und nicht mehr nur und vollumfänglich dem Lord, dann prost Mahlzeit!

„Bartemius Crouch Junior! Im Guten, jetzt hör sofort auf, mit dieser Untertänigkeit und lass mich los! Ich nehme deinen Dank an und damit hat es sich… freu dich, dass du nun frei bist! Hör zu, du bist mir gar nichts schuldig!“, kam es damit rasch, aber sehr eindringlich von mir, während ich nun sehr grob in sein Haar griff, um ihn an seinen Strähnen, die sich um meine Finger wickelten, von mir wegzuzerren. Sein Haupt kippte zurück und sein Gesicht sah nun endlich sehr konsterniert zu mir hoch.

Ich wollte ihm meine Worte verdeutlichen. Seine Gesichtszüge verzogen sich schmerzlich, da mein Griff nicht wirklich zärtlich war, wobei ich eine gewisse, elektrisierende, knisternde Spannung, während ich ihn nun berührte, nicht leugnen konnte.

„Aber… aber!“, begann er stotternd.

„Nichts, aber! Hast du das verstanden?“, hisste ich bedrohlich und riss noch ein wenig mehr an seinem Haar und überging dieses Gefühl, das mir in den Fingerspitzen juckte, seitdem ich ihn direkt berührt hatte.

„Autsch… ja, ja, ist ja gut! Mein Dank reicht!“, stieß er recht hoch aus. Bildete ich es mir ein, oder schienen die Schultern von Lucius ein wenig von ihrer leicht steifen Haltung zu verlieren und eine innere Anspannung, die bisher in ihm geherrscht hatte, von ihm abzufallen?

Augenscheinlich fand er, dass ich das Richtige gesagt hatte, tat und den rechten Ton traf. Das war ein gutes Zeichen. Barty fuhr nun mit seinen Händen zu seinen Haaren, damit mein schmerzhafter Zug an seiner Kopfhaut aufhörte und ich nützte sein Handeln, um seinem Klammergriff zu entkommen und ihn hart von mir zu stoßen, sodass er rückwärts rudernd auf seinen Hintern fiel.

Sobald ich frei war, strich ich geschäftig über mein Gewand, um dieses Ziepen aus meinen Finger zu bekommen, richtete mich zum Lord aus und verfiel lieber selbst wieder in eine tiefe, demütige Reverenz.

Ich verharrte und wagte nicht aufzusehen.

„Das hatte ich erhofft, dass du von meinem Diener nichts forderst… es sollte die Kollegialität zum Tragen kommen, dass man einander hilft, wo es nötig ist!“, schlug der Lord ungewohnte liberale Töne an und ich blinzelte irritiert, während ich vernahm, wie er auf seine Sessellehne klopfte und dann verfolgte ich mit gesenktem Blick, wie sich Barty eilig aufraffte, um von mir wegzukriechen, da er sich gar nicht schnell genug zum Lord begeben konnte, um wieder seinen Platz an seiner Seite einzunehmen.

„My Lord sind zu gütig!“, hauchte Barty gerührt, als er wieder beim Lord war, um auch diesem jetzt eifrig den Rocksaum zu küssen.

„Ich bin noch immer sprachlos, dass ich Euch endlich von Angesicht zu Angesicht wieder sehen kann! Was ist das für eine Belohnung?“, sprach nun der wieder erstaunlich normale Barty.

Er wirkte gefasst und wacker, während er sich nun doch langsam, aber sicher aufrichtete und der Lord ihn zu einem anderen Sessel winkte, woraufhin Barty geschmeidig platznahm.

„My Lord wissen, dass ich nur Euch diene? Ich bin euer ergebenster, loyalster und verlässlichster Diener!“, schmeichelte Barty nun mit einem durchaus vorhandenen Charme weiter, dabei wirkte er jugendlich, keck und verunsicherte mich, denn war das hier nun abgesprochen zwischen den beiden gewesen, oder machte sich Barty jetzt doch Sorgen, was der Lord über sein Verhalten denken könnte?

Ich war verwirrt, nur in einem war ich mir sicher, er war eine gespaltene Persönlichkeit, denn er hatte seine vorherige, irrwitzige Art nicht gespielt. Er hatte es gelebt, anders als Bellatrix, die schlicht bösartig und einfach nur verrückt und verliebt in den Lord war, war Barty mal dramatisch normal, so wie jetzt und mal ganz schrecklich fanatisch!

Wer war der gefährlichere Kandidat? Wer könnte mir gefährlich werden? Bellatrix oder Barty?

Super Frage. Ich war mir nicht sicher, so wie ich mir auch nicht sicher war, dass ich den Lord gerade nicht nach Strich und Faden belog, wenn ich großspurig behauptete, Barty gehöre nur zum Lord. Außerdem war ich mir sicher, nicht nur ich belog ihn gerade, da etwas in Barty durchaus nach mir schrie, etwas das ihn wiedererkannte, wenn er mich ansah oder gar berührte. Das Geschehene verband uns auf mannigfaltige Art und Weise und das musste auch er fühlen.

Aber ich verstand dies mehr als nur gut hinter meinen Masken zu verstecken und Barty auch. Es war wie eine stillschweigende Übereinkunft zwischen uns, dass wir diesen besorgniserregenden Umstand zu unserem beiderseitigen Wohl nicht erwähnen würden.

„Dass du ein guter Mann bist, das weiß ich, ohne dich wäre mein Auferstehen noch länger verzögert worden!“, klirrte die drohende Stimme des Lords durch den Raum und Lucius' Gesichtszüge wurden noch scharfkantiger, denn das war kein Thema, bei dem er groß glänzen konnte.

„Schade, dass ich Euch damals nicht Potter auf dem Silbertablett servieren konnte!“, jammerte Barty und riss damit das Wort an sich und lenkte von dem unguten Thema ab, welches den Groll des Lords hervorrief, da er damals nicht froh gewesen war, derart lange ohne Unterstützung hatte auskommen müssen.

Aber mit Harrys Erwähnung schaffte es Barty, dass das Haupt des Lords rasant zu ihm herumfuhr, da er denselben Fehler beging wie Bellatrix bei Burbages Ermordung und Harry nannte.

„Das wird nicht nötig sein! Potter gehört mir, NUR MIR… verstanden?“, wisperte der Lord unerträglich süßlich und Barty erkannte seinen Fauxpas und nickte sehr eifrig mit seinem Kopf.

„Natürlich, wie My Lord wünschen, ich würde Euch nie den Spaß missgönnen, den es bedeutet, den kleinen Jungen fertig zu machen! Hihihihi…“, hisste Barty nun wieder leicht irre und seine Zunge schoss vor und leckte wieder wie gestört über seine Lippen.

„Nun zu dir, Mudblood!“, legte sich nun das Augenmerk der unnachgiebig rotglühenden Augen auf mich, weil er mit Bartys Reaktion anscheinend zufrieden war.

„Die Dementoren sind sehr „verschreckt“, seitdem du ihnen deine Macht demonstriertest…!“ Diese Aussage ließ er mit einer gewichtigen Kunstpause sacken und ich wankte leicht in meinem erneuten Knicks.

Die Erinnerung daran, dass gerade diese Kreaturen Angst vor mir hatten, beruhigte mich nicht wirklich. Er schien meine Unsicherheit regelrecht zu genießen, da ich sie diesmal absichtlich nicht verbarg und mich regelrecht hinter ihr versteckte, um den Lord zu begüten.

„Ja, somit habe ich ihnen in weiteren Verhandlungen Askaban versprochen! Das Angebot beinhaltet, dass sie dort alleinig herrschen können, aber natürlich werde ich sie für diese Großzügigkeit vielseitig einsetzen…“, sprach er düster, während ich zu beten begann, dass er nicht sagen würde, dass ich nun für die Dementoren verantwortlich sein sollte. Dann würde ich freiwillig Harakiri begehen!

Gespannt wartete ich darauf, dass er weitersprach, als er mir mit einer Geste erlaubte, mich zu erheben. Dieser Aufforderung kam ich sehr gerne nach, weil meine Knie unter meinem Gewicht schon ächzten.

„Nun meine Frage an dich, Mudblood… wen schlägst du als Mittelsmann vor…?“, dabei glühten die roten Augen, die mich sehr intensiv und starr musterten. Da ich schräg hinter Lucius' Stuhl stand, dachte ich wieder wahrzunehmen, wie Lucius sich jetzt wieder leicht anspannte, aber wirklich nur minimal, fast nicht wahrnehmbar.

„My Lord sind zu gütig, mich zu fragen, wobei ich denke, dass Ihr die beste Entscheidung selbst treffen würdet…“, riss ich mich arg zusammen und versuchte schlicht, Zeit zu schinden, als ich meine Worte ad absurdum führte, da ich mal wieder, wie von selbst gesteuert, meinen Instinkten folgte und sich mein Finger, einem unüberwindbaren Impuls nachgebend, erhob und plötzlich zu dem in einem Sessel sitzenden Barty zeigte.

Der Lord, Lucius aber auch Barty blickten mehr als überrumpelt zu mir, dass ich nun doch so wacker war und einen Vorschlag abgab.

„Aber… aber… nehmt ihn… er ist für die Dementoren etwas Einzigartiges!  Sie haben ihn besessen und nun wurde er ihnen entrissen! Gleichzeitig habe ich die Vermutung, da seine Seele einige Jahre in einem Dementor war, dass er nicht mehr so anfällig für ihre schädliche Magie sein dürfte… also wenn, sollte er der perfekte Mittelsmann sein!“, flüsterte ich und war selbst von meiner Argumentationskette erstaunt.

„Aha… und nicht DU? Warum er und nicht du?“, flüsterte der Lord provozierend seidig, worauf ich rasch mein Haupt schüttelte.

„Wenn My Lord es wahrlich wünschen, würde ich diese Mission mit Freuden angehen, aber mein wahres Begehr, diesen Wesen wieder nahezukommen… wäre es nicht wirklich!“, bekannte ich schweren Herzens die Wahrheit und wurde regelecht von den abwägenden und taxierenden Blicken nackt ausgezogen.

„Klug gesprochen!“, wisperte er schlussendlich und mir lief es kalt den Rücken runter.  „Aber bist du, als diejenige, die ihnen dieses so wertvolle Gut entrissen hat, nicht die bessere Wahl? Denn du hast die Macht zur wahren Einzigartigkeit!“, fragte er hinterlistig.

Als ich daraufhin nur die Schultern zuckte, weil ich nicht wusste, wie ich dies von mir weisen sollte und mir meine Stimme zu versagen drohte, hob Lucius in einer lehrmeisterlichen Geste seinen Zeigefinger.

„Oder eben gerade deswegen! Die Dementoren könnten es als konstante Provokation unsererseits ansehen, wenn wir sie permanent unter Druck setzen. Crouch ist eher eine latente Erinnerung, das Mudblood eher eine ständige Drohung!“, gab Lucius gewohnt nüchtern zu bedenken und der Lord neigte ihm das kahle, weiße Haupt zu und nickte sachte.

Ich selbst dankte Lucius, wie selten zuvor in meinem Leben, denn das war verdammt knapp gewesen.

„Ein guter Einwand, Lucius! Und ich gebe doch diesen Argumenten gerne nach. Dann soll es so sein! Bartemius, du hast eine neue, gar sehr wichtige Aufgabe!“, wies der Lord gewohnt herrisch an und Bartys Züge zierte ein glückseliges Lächeln, als hätte er gar keine Angst vor den düsteren Wesen, eben nur weil der Lord es wünschte.

Auf der anderen Seite hatte der Lord zu schnell nachgegeben, denn es war offenkundig, dass er mich nicht in der Nähe dieser „Verbündeten“ wissen wollte, weil ich ihm hier eventuell seine unangefochtene Position streitig machen könnte.

Wobei, es war nicht mal gelogen, ich würde freiwillig einen großen Bogen um die Dementoren machen! Ich war froh, dieser Aufgabe zu entkommen, da musste sich der Lord wahrlich nicht sorgen!

„Ich danke Euch für diese Ehre, My Lord. Ich werde mich in diese Aufgabe hineinknien!“, erwiderte Barty nun salbungsvoll.

„Auch ich danke Euch, My Lord, dass Euch mein Vorschlag zusagte!“, schmeichelte ich.

„Wohl gesprochen!“, wiederholte er seine Worte von vorhin.

„Ich bemühe mich nur, Euren hohen Ansprüchen an mich gerecht zu werden!“, versank ich wieder untertänigst in einen tiefen Knicks.

„Ich mag sie mehr als Bella!“, krähte Barty urplötzlich drauf los.

„Bellatrix ist auch anstrengend!“, warf daraufhin Lucius sehr schwermütig ein.

„Bellatrix ist eine treue Dienerin, die derweil über die Stränge schlägt. Es ist eine Freude, sie danach immer auf den rechten Weg zu führen!“, schien auch von dem bisher sehr misstrauischen und lauernden Lord ein wenig der bisher gezeigten Kühle abzufallen. Wie es aussah hatte ich ihn besänftigt, wobei anscheinend Lucius auch Vorarbeit geleistet hatte. Oder war es Severus gewesen?

Ich war mir sicher, dass sie dem Lord schon gesagt, beziehungsweise hatten durchblicken lassen, dass ich nichts, aber sowas von nichts von den Dementoren wollte!

Ich hatte genug am Hut, da brauchte ich nicht noch so wallende, unheimliche, das Glück und Seelen aufsaugende Monster! Echt nicht!

„Oh, das glaube ich Euch, My Lord, aber das Licht hier war schon immer eine sehr gelehrige und folgsame Schülerin! Schade, dass ich ihr volles Potential noch nicht erkannte, aber eine sehr gewichtige Aufgabe nahm meine ganze Konzentration ein und mein… nerviger, zum Glück nicht mehr existenter Vater!“, warf der aufgedreht wirkende Mann ein und grinste frech, während der Lord ihn nachsichtig ansah.

„Habt ihr Crouch schon präsentiert, My Lord?“, fragte nun gerade Lucius geschmeidig, während sie mich anscheinend in meinen Knicks versunken vergessen hatten.

„Nein! Dafür möchte ich noch den richtigen und einprägsamsten Moment abwarten! Es soll unvergesslich werden für meine DeathEater!“, erklärte der Lord inbrünstig.

Danach palaverten sie noch ewig weiter, vor allem über die schöne Vergangenheit, aber ich hörte nur mit halbem Ohr zu. Barty Crouchs Nähe setzte mir latent zu und auch wenn niemand mehr auf uns beide achtete, so warfen er und ich uns schweigende, durchaus eindringliche Blicke zu und wenn sich unsere Blicke zu lange verhakten, war es als würde er sich für mich öffnen, dabei zeigte er ein sehr sanftes, nachsichtiges und offenes Lächeln.

Es war so, als würde er alles für mich tun wollen. Schließlich riss mich Lucius' abruptes Erheben aus diesem Blickkontakt und sorgte dafür, dass auch ich mich noch immer buckelnd von dem Lord verabschiedete, um mit Lucius zu verschwinden!

Somit hatte uns Malfoy Manor wieder und ich dies mehr oder weniger glimpflich hinter mich gebracht.

Hermiones Sicht ende

Severus Sicht

„Endlich beliebt der Schlossherr wieder seinen Allerwertesten in sein trautes Heim zu setzen!“, grummelte ich enthusiastisch als Begrüßung zuckersüß zu dem zurückkehrenden Pfau.

„War es sooo schlimm?“, fragte Lucius sachte nach und setzte sich gleitend in seinen Sessel, wobei er sofort die Hunde streichelte, die zu ihm kamen, weil sie sich ihre Streicheleinheit nach seiner Abwesenheit abholen wollten.

„Nein!“, war ich ehrlich. Es war der Wahnsinn gewesen, wie immer, aber eben nichts Besonderes und deshalb stand es mir zu meinen Unmut offen, folgendes zu äußeren.

„Nur erwarte ich dieselbe, ruhige Ungestörtheit, wenn ich weg bin! Verstanden?“, drohte ich schnarrend und er nickte aber eilig, sehr ernst. Denn wenn ich Hermione zu mir holte, erwartete ich, dass auch Lucius mir den Rücken freihielt und wir ungestört waren.

Somit lehnte ich mich entspannt zurück und genoss den Drink, der leicht brennend  meine Kehle hinabrann, in vollen Zügen.

„Aber was wurmt dich?“, fragte Lucius mit gerunzelter Stirn.

„Ohh… das fragst du? Himmel, die Post! Die Protestbriefe nach meiner Ernennung! Die Heuler… meine Ohren! Einfach unvorstellbar grausam…“, jammerte ich selten so offen, aber ich fühlte mich auch sehr gestraft!

Einige fanden meine Ernennung gar nicht gut und daran war nur Lucius Schuld und Dumbledore und der Lord und Potter und das Biest auch noch, genau!

Ich sollte ganz dezent in den Streik treten, dann würden sie erkennen, was sie an mir hatten!

Gleichzeitig musste ich soeben Lucius' sachten Spott ertragen, da er mir ein schrecklich mildes Lächeln schenkte.

„Ich bitte dich, Severus! Diese paar Eulen mit diesen doofen Fetzen Papier. Ich kann mir nicht vorstellen, dass du ihnen nicht Herr geworden bist!“, tat Lucius großkotzig ab und ich verzog die Mundwinkel angewidert.

„Die Masse macht’s!“, grummelte ich wenig geschmeichelt.

„Warst du schon in Hogwarts?“, fragte er nun viel geschäftiger und richtete sich in seinem Sitz auf, um mich interessiert anzusehen.

„Merlin, NEIN! Ich werde in ein paar Tagen nach Hogwarts gehen, dann wollen wir mal sehen, ob sich das Büro tatsächlich für mich öffnet! Der Minister wünscht, dabei zu sein und einen Termin zu finden scheint schwer zu sein… keine Ahnung“, begehrte ich genervt auf. Das war enervierend. Das war grausam. Ich würde noch früh genug ein Gefangener dieses Büros sein, da gab ich mich keinen Illusionen hin.

„Und du wirst McGonagall treffen!“, zierte ein sardonisches Grinsen das aristokratische Antlitz von Lucius.

„Ach… musst du mich daran erinnern?“, seufzte ich leidlich auf, dabei schüttelte ich geschlagen das schwarze Haupt und erinnerte mich mit Grausen an ihre gestrenge, tadelnde Miene.

Ich sah regelrecht die Missbilligung vor mir, die in ihren Augen geschrieben stehen würde, wenn wir uns gegenüberständen. Es trieb mich nichts dazu, mich ihr zu stellen, oder dem Portrait von Dumbledore. Das war auch nicht wirklich meine Präferenz, nachdem dieses Plappermaul von Potter dem Alten offenbart hatte, dass das Biest enger mit mir verbandelt war, als Dumbledore sich je hätte vorstellen können.

„Mal zu was anderem Lucius, wie war´s beim Lord?“, fragte ich daher bedeutsam und lenkte auf ein anderes Thema, dabei erntete ich einen sehr langen Blick, bevor er das Geschehen rasch zusammenzufassen begann.

„Sie ist gut und versteht schnell!“, resümierte ich nach der Erzählung neutral.

„Wohl wahr! Sie hat gut die Kurve bekommen! Der Lord darf sie nicht als Kontrahenten oder Gegner wahrnehmen!“, zeigte Lucius sich sehr ungewohnt involviert und engagiert, eine Tatsache, die meine dunkle Braue in die Höhe beförderte.

„Ich werde dies steuern!“, versprach ich zuvorkommend und er nickte es ab, damit war es vereinbart, sogleich aber verzog er die Mundwinkel.

„Crouch hingegen beunruhigt mich etwas… weißt du mehr?“, fragte nun Lucius sichtlich widerwillig nach und ich wog genau ab.

Ich kannte Barty noch aus Schulzeiten. Er war 2 Jahre jünger als ich und hatte dem Hause Ravenclaw angehört. Ebenso wie ich ihn aus meiner Zeit bei den DeathEatern als milchgesichtigen, jungen Zauberer kannte. Leider hatte er immer hervorragende magische Fähigkeiten sein eigen genannt, auch seine überragenden Schulnoten lieferten ein Zeugnis davon, aber er war krank. Schlussendlich hatte er zusammen mit den Lestranges die Longbottoms in den Wahnsinn gefoltert.

„Barty steht hoch im Ansehen des Lords! Er mochte ihn schon immer, weil er derart unterwürfig ist. Barty suchte immer jemanden, der ihm als Ersatz für seinen Vater Aufmerksamkeit schenkte! Warum der Lord ihn nun interessant findet? Er hat seine Seele wieder aber vor allem will er ihn adeln, weil er aktiv mitgeholfen hat, ihn zurückzuholen!“, setzte ich auseinander und Lucius verzog die Mundwinkel schon wieder.

„Ja, das war tragisch. Wie gut, dass ich dem Lord unsere Strukturen nachweisen konnte und dass ich alles weiterführte, wenn auch gar sehr lose und im Verborgenen, aber doch strukturiert!“, murmelte Lucius und ich wusste, wie geschickt er es geschafft hatte, den Lord sich nach seiner Wiederkehr gewogen zu machen.

Aber nachdem der Lord festgestellt hatte, dass alles für ihn von Lucius seit Jahren hergerichtet worden war, eben für eine eventuelle Wiederkehr, hatte dieser sofort wieder in höchster Gunst gestanden und er war zur Rechten Hand aufgerückt, als Nachfolger seines Vaters!

„Er konnte nicht erwarten, dass wir alle wie kopflose Hühner nach ihm suchten!“, warf auch ich gehässig grinsend ein und Lucius nickte nur, bevor ich fortfuhr: „Das ist es eben! Der Lord ist Realist, kein Wahnsinniger, das darf man nie vergessen! Aber er schätzt die Leute, die ihm halfen, siehe diese unerträgliche Ratte! Nun, ein paar Tränke und eine  Dusche sowie regelmäßiges Essen zeigen auch schon Wirkung und lassen Barty menschlicher erscheinen! Aber Barty war geistig noch nie sonderlich fit… oder halt, das stimmt so nicht! Er war schon immer komisch, sehr eigen, auch damals in der Schule, wie als wenn er umschalten könnte. Mal ist er so, dann wieder so und dann ganz anders! Jetzt ist das natürlich noch ausgeprägter und prägnanter, aber es behauptet auch keiner, dass man normal bleibt, wenn einem die Seele geraubt wird um sie dann später wieder zurückzubekommen… gerade jetzt hängt er am Lord wie ein Hund! Aber eigen war Barty schon immer, stimmt!“, schnalzte ich zum Schluss mehr als verächtlich mit der Zunge.

Der Lord könnte gar bald einen Zoo eröffnen, zeigte ich mich gedanklich sehr gehässig. Dort Schlangen, hier eine Ratte, da einen anhänglichen Köter!

„Jaaa, nur das, was ich beobachten konnte, lässt mich zweifeln, dass er nur vor dem Lord unterwürfig ist. Severus, es sah aus, als würde Crouch auch an IHR so hängen wie am Lord! Vor allem hat er betont, was für eine brave Schülerin sie war!“, gab Lucius widerwillig zu bedenken.

„Tja, du hast miterlebt, was auch ich gesehen habe. Sie, die Dementoren und Barty, ich kann mir denken, dass so was verbindet… ähm, seine Seele war in ihr!“, versuchte ich tatsächlich mich hineinzuversetzen und umschrieb das einmalige Erlebnis, dessen Zeugen wir geworden waren.

Aber natürlich, Barty war auch ein Jahr lang der Lehrer von ihr gewesen und auch wenn sie es nicht gewusst hatte damals, er sehr wohl und zusätzlich verbanden sie nun die neuen Umstände zusätzlich und selbstverständlich hatte ich mich die letzte Zeit mit diesem Phänomen beschäftigt, während Lucius silbrig weiße Braue in die Höhe wanderte.

„Du meinst, sie gab nicht alles? Und ein Teil von ihm ist noch in ihr?“, sprach der Widerwille aus ihm, gleichzeitig war ein fasziniertes Funkeln in seinen grauen Tiefen wahrzunehmen.

„Nein, das denke ich nicht! Wenn ein Nachhall… aber es existieren mal wieder keine konkreten Aufzeichnungen, wir erleben hautnah Zeitgeschichte!“, erklärte ich durchaus gebannt, worauf die Mundwinkel vor mir zuckten.

„Das gefällt dir, oder Severus?“, offenbarte Lucius seine Blasiertheit.

„Ja, ich finde sie faszinierend in ihren Facetten!“, bekannte ich jetzt recht involviert und ärgerte mich dabei leidlich und verzog nun selbst meine Mundwinkel widerwillig bei dem Eingeständnis, dass ich dasselbe Wort wie Lucius für das Biest verwendete, wenngleich ich zugeben musste, dass sie wahrlich faszinierend war.

„Ebenso wie du!“, stieß ich noch aus.

„Gut!“, betonte mein Tyrann und plusterte sich recht pfauisch auf, indem er seinen Plastron blasiert richtete.

„Sagst du mir, wie es bei euch in deinem kleinen, viel zu großen, plauschigen Schlösslein war?“, schlug nun ich zurück und fletschte bei meinem Sarkasmus die Zähne.

„Du widersprichst dir selbst in deiner Ironie, Severus. Wie kann etwas Kleines viel zu groß sein?“, ätzte Lucius gewohnt hochmütig und zeigte sich pikiert wegen meiner Anmaßung.

„Mhm… ich weiß ja nicht, wie ich dir das sagen soll, Lucius, du bekommst das hin!“, warf ich zynisch ein und erntete ein tiefes Stöhnen.

„Du bist schlimm, aber naja, gut, ich habe ihr ein wenig von Abraxas und Aenòr erzählt…“, bekannte er nun unwillig und wandte den Blick ab.

„Wandelst du auf vergangenen Spuren?“, wollte ich sarkastisch grinsend erfahren und überschlug lässig meine Beine. Wir beide gehörten wahrlich nicht zu den Menschen, die sonst über diese schon gelebte und damit vergangene Geschichte sprachen.

„Ja, ich will, dass sie versteht, was diese Familie bedeutet, dazu gehört es auch, über andere, verstorbene Mitglieder zu erfahren!“, stelzte Lucius gewichtig daher und wirkte so, als wäre ich ihm auf den Fuß, oder eher den Pfauenschwanz getreten.

„Ohhh… willst du mir gerade sanft und einfühlsam, was gar nicht deine Art ist, beibringen, dass ich ihr selbiges bei mir daheim wiederum angedeihen lassen soll?“, kam es recht gehässig über meine Lippen und seine Braue ruckte pikiert in die Höhe.

„Mach doch was du willst!“, giftete er zurück.

„Das werde ich und lass dir gesagt sein, dass reden dabei nicht immer von Nöten sein wird!“, zog ich ihn vollständig absichtlich mit der Doppeldeutigkeit meiner Worte auf, dafür erntete ich eine Grimasse als hätte er in eine Zitrone gebissen, aber diese Miene entschädigte mich für vieles in den letzten Tagen.

Severus Sicht ende

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BeitragThema: 393. "Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen..."   Mo Jul 22, 2013 1:56 am

393. Kapitel "Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen..."

Dracos Sicht

Mehr als drei endlose Tage waren wir nun unterwegs gewesen, von Irland in die Slowakei, so wie ich es annahm, denn die Veela, die mich begleitete, machte aus unserem Zielort ein riesen Geheimnis, zu ärgerlich.

Amra, die mich abgeholt und schon damals in Irland am Tor zur Burg der Veela empfangen hatte, war meine Führerin.

Diese hatte mich in den letzten beiden Tagen mittels der verschiedensten Transportmittel hier her geführt. Ich hatte die Orientierung schon lange verloren und das Gefühl, sie machten absichtlich ein riesen Geschiss aus ihrem Standort, aber mir sollte es recht sein, Hauptsache das hier ging schnell über die Bühne, wobei ich an dem „Schnell“ zu zweifeln anfing.

Der Gedanke, Hermione länger mit Vater ganz alleine zu lassen, behagte mir nicht und auch ihr eigentümliches Verhalten in unserer letzten Nacht, dass sie nur hatte kuscheln wollen, irritierte mich, aber ich durfte mich nicht von etwaigen Gefühlen ablenken lassen, meine Mission hatte oberste Priorität.

Schließlich erreichten wir endlich auf einem Besen, am Abend des dritten Tages, das Lager. Amra hatte sich geweigert, sich von mir apparieren zu lassen. Letztendlich hatte ich auch noch wandern müssen, um das Lager zu erreichen. Ich versuchte, mir vorzustellen, wie sich Vater diesen Reisebedingungen hatte anpassen und wandern müssen, doch so recht wollte es mir nicht gelingen.

Was sollte das? Malfoys wanderten nicht! Aber ich schluckte meinen Unmut hinunter. Das fing ja schon brillant an.

Ich hasste wandern!

Ich blickte nun auf diese große Zeltstadt, jedenfalls war das alles, was ich am Fuße der mächtigen Berge, durch deren Ausläufer wir schon seit dem Mittag gewandert waren, ausmachen konnte. Ringsherum standen sehr stabil wirkende Zelte aus weißen, schweren Stoffbahnen. Sie waren so hoch, dass man bequem in ihnen stehen konnte, hatten spitze Dächer und wirkten auf mich fast wie Armeelager während einer Belagerung oder einer länger andauernder Schlacht in früheren Zeiten!

Wie abartig, was waren denn das für Hinterwäldler?

Ein großes Zelt überragte die anderen und befand sich in der Mitte, an einem größeren Platz im Zentrum. Ich hatte zwar über die naturverbundene Lebensweise der Veela gelesen, aber vieles über dieses Volk lag im dunklen. Ich kämpfte schwer, den verächtlichen Ausdruck, der sich auf mein Gesicht legen wollte, zu unterdrücken.

„Ich werde dich zuerst zu unserer Anführerin geleiten, alles andere wird sie entscheiden!“, teilte mir die bisher doch sehr schweigsame Amra mit. Ich war froh, dass sie an den letzten Tagen unserer Reise ihren Veelacharme nicht großartig angewendet hatte, anders als diese Dafina in Irland, die gedacht hatte, mich beim Abschied auf der Veelaburg küssen zu müssen. Amra jedoch hielt sich manierlich zurück.

Noch hatte ich auf Hermiones Trank verzichtet, da es sehr wenig war und ich mich an sich gut in der Burg geschlagen hatte, aber nun zückte ich rasch die Phiole und nahm vorsorglich einen einzigen, kleinen Tropfen zu mir, schließlich ging es nun in die Brutstätte des Raubvogels.

Er schien umgehend zu wirken, da diese lastende, irgendwie unwirklich erscheinende Atmosphäre, die hier herrschte, sich für mich aufzulockern schien und weniger schwer und drückend auf mir lag. Ich war erleichtert, da ich sofort freier atmen konnte, als wären diese Pheromone, die hier in der Luft lagen, nicht mehr derart beherrschend für mein Gemüt.

So würden die kommenden Tage auf jeden Fall entspannter werden und ich mit klarem Kopf verhandeln können, wobei der Lord mir nicht wirklich Verhandlungsspielraum gelassen hatte und Versagen kam für mich, als Malfoy, nicht in Frage.

Amra verschwand dahinschreitend, mit grazil wiegenden Hüften im Hauptzelt.

Ich folgte ihr noch ein Stückchen und wartete. Vor dem breiten und mehr als mannshohen Eingang befand sich ein Vordach aus leichten, lichtdurchlässigen Stoffen. Es wirkte alles sehr altertümlich.

Rechts und links dieses Baldachins standen in lederne Rüstungen gekleidete Wachen, die lange Speere mit scharfen, kunstvoll gearbeiteten Spitzen hielten und mich mit fast glutvollen, blauen Augen anstarrten, sich aber ansonsten nicht rührten. Es waren durchwegs und allesamt Frauen, wie auch nicht anders bei den Veela zu erwarten, schließlich war ihre Gesellschaft matriarchalisch organisiert. Aber ihr irgendwie stechender Blick beunruhigte mich, auch wenn sie sich selbst nicht bewegten, wehten ihre Haare trotzdem wie von einem leichten Windhauch getragen.

„Herrin, ich habe Ihnen den Sohn von Lucius gebracht!“

„… Nun, dann führe ihn herein!“, kam die Antwort der mir unbekannten Stimme deutlich lauter und befehlend von der Anführerin und schon trat im nächsten Augenblick Amra durch den offenen Eingang des Zeltes und schenkte mir zum ersten Mal Zeit der Reise ein verführerisches, betörend schönes Lächeln, das mich irritierte.

Warum schraubte sie nun gerade eben ihren Charme in die Höhe und die ganz andere Zeit nicht?

Wobei ich erfreut war zu erkennen, dass ihr Charme mir nichts ausmachte und ich nicht im Ansatz die Konzentration darauf verwenden musste bei Verstand zu bleiben, wie damals in Irland, aber ich spürte dennoch, dass sie mich zu betören versuchte, nur einen Effekt hatte es nicht auf mich.

„Komm, junger Malfoy!“, erklärte sie schlicht, aber wirkte irgendwie unsicher und selbst ganz verwirrt als sie mich herbeiwinkte und mich dabei wahrlich berühren wollte!

Das hatte sie bisher nicht mal im Ansatz versucht und das war komisch, also betrat ich eilig das Zelt der Anführerin. Die sich seltsam gebärdende Amra entschwand etwas zu rasch für meinen Geschmack in meinem Rücken, es glich einer Flucht!

Nun empfing mich die unglaublich beeindruckende Herrin der Veela. Ich trat weiter selbstbewusst und souverän hinein und sah mich trotz der fesselnden Schönheit der Anführerin mit einem allumfassenden Blick um.

Das Zelt unterstrich den eigenwilligen Auftritt dieser Wesen, denn es war durch unter der Decke schwebende Lichter erleuchtet, aber auch das Sonnenlicht konnte durch die durchlässigen Zeltbahnen scheinen und tauchte alles in ein gedämpftes, gemütliches Licht. Das Zelt war mit einem Holzboden versehen und recht groß. Ein ausladender, dunkler, alter Schreibtisch, hinter dem die herrschaftliche Anführerin gebieterisch saß, eine lange Tafel mit hochlehnigen Stühlen und so etwas wie ein Thron, ein reich verzierter, dunkler Holzsessel, hatten ebenfalls gut Platz hier drinnen.

Zorica erhob sich nun würdevoll und schwebte mehr als dass sie schritt auf diesen Thron zu, während ich noch immer wartend, kurz hinter dem Eingang höflich verharrte.

„Tritt näher, Draco, Sohn von Lucius!“, bat sie mich mit wohlklingendem Timbre und einer einladenden, sehr grazilen Geste weiter zu sich, während sie sich elegant niederließ.

„Patriarchin!“, neigte ich respektvoll mein Haupt aber nicht zu tief, sie sollte die Achtung vor ihrer Position nicht mit Unterwerfung vor ihrer Person verwechseln, dabei sprach ich sie derart gebührlich an, wie es ihr laut der Literatur gebührte.

Ein glockenhelles Lachen ertönte auf meine Ansprache und sie verkündete wohlwollend:

„Für dich, Sohn von Lucius, einem Malfoy, bin ich Zorica, nicht ganz so förmlich!“, schluckte ich schwer bei dieser intimen Feststellung und fragte mich zaghaft, was Vater mir hier für ein Erbe hinterlassen hatte.

Er hatte nichts gesagt, absolut nichts, aber das konnte bedeuten, gerade bei meinem Vater, dass es durchaus etwas gab, was erwähnenswert wäre, aber das war so was von ER und da erinnerte ich mich an die Burg der Veela in Irland, dass dort auch Vesna so eine Anspielung wegen Vater gemacht hatte. Was hatte das zu bedeuten?

Auch hier, der verlockend schönen Anführerin Zorica Aug in Aug gegenüber, verspürte ich keinen echten Zwang und keinerlei Veelacharme, der mich dazu bringen sollte ihr zu verfallen, aber das brauchte es auch fast nicht, da sie eine wunderschöne Frau war, die mich gerade mit fesselndem, bohrendem Blick anstarrte, dabei trat fast ein verklärter Ausdruck in ihre hübschen, blauen Augen.

Sie war eine starke, beeindruckende Frau, ähnelte einer Athletin und ihr fester Blick ließ erkennen, dass sie durchaus hart, aber auch sicher gerecht ihr Volk anführte. Sie hatte die typischen, langen, silberblonden Veelahaare zu einem kunstvollen Zopf geflochten, der irgendwie bewegt wirkte, wie es dem Veelahaar eigen war und trug ein langes, körperumspielendes, ärmelloses Leinengewand, welches um die Taille von einem geflochtenen Ledergürtel gehalten wurde und ihrem wohlgeformten Leib sehr schmeichelte.

Aber trotz allem rief ich mir in Erinnerung, wie vogelhaft geifernd diese Geierfrauen werden konnten, wenn es nicht so lief wie sie wollten.

Ich schätze, dass sie etwa Mitte 40 sein musste, wenn das überhaupt zu schätzen war, angesichts der Tatsache, dass Veelas deutlich langsamer alterten als wir und auch anders, aber ihr Blick aus den tiefblauen Augen wirkte erfahren und in sich ruhend. Sie strahlte Autorität, Würde und Stärke aus jeder ihrer Poren aus.

Einen Augenblick musterte mich die Anführerin immer eindringlicher, dabei hatte ich das Gefühl, doch kurz einen unbändigen Sog zu ihr zu spüren und das Verlangen, mich zu ihr zu beugen und sie zu küssen wurde sehr stark, aber auch sie blinzelte kurzzeitig irritiert und schien etwas weggetreten, genauso wie Amra, als sie mich ins Zelt komplimentiert hatte. Doch so schnell dieser gegenseitige Anflug gekommen war, so plötzlich war er auch wieder verschwunden. Vielleicht hatte der Trank seine volle Wirkung noch nicht entfaltet?

„Es ist mir eine Ehre, Zorica!“, stimmte ich erneut den Kopf neigend zu, blickte diesmal jedoch sofort wieder auf und sah zu meinem Erstaunen, wie sie sich gerade anmutig erhob und elfengleich auf mich zugeschwebt kam.

„So ein schöner Jüngling!“, wisperte sie seidig und streckte die zarten, feingliedrigen Hände aus, dann legte sie diese fast vorsichtig an meine Wangen und ich zuckte unter ihrer federleichten Berührung zusammen. Es war elektrisierend und ich sog zischend die Luft ein, als ich die Magie spürte und war mir sicher, ohne Trank wäre ich sofort zu einem dummen Trottel mutiert, der getan hätte, was sie auch immer wünschte.

„Eine Gabe deiner Familie, junger Mann!“, resümierte sie versonnen und drehte meinen Kopf verzückt, um mein Antlitz im Profil betrachten zu können. Sie überragte mich um ein paar Zentimeter und blickte leicht sinnierend auf mich hinab.

„Ein starkes Profil, du wirst meinen armen Veela schon jetzt den Kopf verdrehen!“, grinste sie verführerisch und sinnlich schön und ich schluckte unter der Berührung, als sie meinen Kopf wieder so zu sich delegierte, dass sich unsere Blicke abermals trafen.

„Wirklich hübsch! Ja, Ja… Meine Veela werden es schwer haben, dir zu widerstehen!“, stellte sie schließlich mit einem Anflug von Bedauern fest und ich hatte das Gefühl, dass sie ein wehmütiges Seufzen unterdrückte, dann tätschelte sie leicht meine Wange und wandte sich wieder um, um zurück zu ihrem Thron zu schreiten.

„Du kannst gehen! Meine Nichte Wena wird dir dein Zelt zeigen und dort kannst du dich frisch machen, eure Reise war sicher anstrengend!“, entließ sie mich hoheitsvoll, noch bevor sie mich wieder anblickte und ich nickte nur und verließ rasch das Zelt, ein komisches Gefühl hatte sich in mir breitgemacht. Die Atmosphäre in dem Raum war, seitdem sie mich berührt hatte, mehr als spannungsgeladen gewesen. Außerdem fühlte ich mich durch ihr Tätscheln und die Art wie sie mich entließ ein bisschen wie ein kleiner Junge, der von ihr begutachtet und für akzeptabel befunden worden war.

Ich war mehr als froh, aus dem Zelt zu entkommen, da mir ihre Andeutungen gar nicht gefallen hatten, aber bevor ich aufatmen konnte, erwartete mich davor eine junge Veela, die in meinem Alter zu sein schien oder sogar noch jünger als ich war. Graublaue Augen, meinen sehr ähnlich, sahen mir aufgeregt blitzend entgegen. Sie hatte lange, silberblonde Haare, die glatt bis zu ihrer Taille reichten und in die sie vereinzelt schmale Zöpfe geflochten hatte. Sie trug, ähnlich wie Zorica, ein langes, ärmelloses Leinengewand, welches ihre schlanken Oberarme gut erkennen ließ. Ihr Gewand war jedoch weiter ausgeschnitten als das der Anführerin und ließ ein schönes, üppiges Dekolleté erkennen.

Sie war hübsch, aber irgendwie fehlte ihr dieses Flair, das ich bei Zorica bemerkt hatte. War es die Macht, die Zorica inne hatte und auch ausstrahlte?

Ich wusste es nicht, aber ich fand sie einfach nur sehr normal, wenngleich sie süß war aber es berührte mich nicht und das verdankte ich bestimmt dem Trank.

„Ich bin Wena, freut mich dich kennenzulernen!“, begrüßte sie mich freundlich flötend und streckte mir ihre Hand überschwänglich entgegen, dann stockte sie abrupt und blinzelte, als würde sie mich wirklich wahrnehmen, dabei weiteten sich ihre Pupillen und ihre Augen wurden riesig groß.

„Freut mich auch!“, erwiderte ich lapidar und wollte es umgehen, sie anzufassen, denn das mit Zorica hatte mir gereicht und so winkte ich nur ab.

Ihr nun sehr eindringlicher, fast starrender Blick, der auf mir zu kleben schien, verunsicherte mich leicht und daher wollte ich lieber vorsichtig sein.

„Hihi, ich hatte gar nicht gewusst, dass Zauberer so schön sein können!“, kicherte und säuselte nun diese Wena auf einmal leicht verlegen, während sich ihre Wangen malerisch röteten. Es war, als Läge für sie eine gewisse, erotische Spannung in der Luft.

„Ähm, zeigst du mir, wo ich untergebracht bin?“, fragte ich etwas abgelenkt, aber ich versuchte, die Führung zu behalten und mich nicht von ihr durch ihr komisches Gebaren verrückt machen zu lassen.

„Oh... oh, ja, klar…!“, antwortete sie etwas konfus wirkend und schüttelte kurz ihren zierlichen Kopf, wie als wolle sie ihn freibekommen, dann wirbelte sie plötzlich flink herum und winkte aufgeregt:

„Komm, folg mir!“

Leichtfüßig, geradezu tänzelnd, lief sie barfuß vor mir her und führte mich schließlich zu einem kleinen, aber durchaus gemütlich wirkenden Zelt am Rande der Siedlung. Die Stoffbahnen vor dem Eingang wurden durch dicke Kordeln zurückgehalten und gaben den Blick ins Innere frei.

Ich bemerkte ein breites Bett, auf dem jedoch außer dem flauschig wirkenden Kissen nur dünne Laken lagen. Auf der anderen Seite stand ein kleiner Tisch mit einem Stuhl und auf dem Tisch befanden sich ein Krug sowie eine große Waschschüssel. Luxuriös war anders, auf mich wirkte es sehr spartanisch, aber es würde ausreichen für die nächsten Tage und immerhin war ich immer noch ein Zauberer und konnte es mir so angenehmer gestalten.

„Wenn etwas fehlt, scheu dich nicht, eine von uns anzusprechen. Ich hole dich dann nachher wieder ab! ... Draco…“, zwitscherte diese Wena noch charmant und irgendwie verträumt lächelnd und viel zu hoch und unsicher in meinen Ohren, als dass sie sinnlich erscheinen könnte.

Doch da war es erneut, als würde eine knisternde Spannung um uns herum entstehen, wenngleich ich keine Begierde nach Wena verspürte, anders als damals bei Dafina in der Burg, sondern eher eine sachte Anziehung zu ihr.

Aber Wena schien regelrecht gebannt und ihre Augen wurden immer größer und größer, während sie mich langsam anblinzelte. Dann reagierte sie auf einmal erschrocken, als wenn sie erwachen würde. Sie keuchte auf und sogleich fuhr sie leichtfüßig herum und ließ mich unvermittelt am Zelteingang stehen.

Was war das bitte gewesen? Kurzzeitig hatte ich das Gefühl gehabt, sie würde vor mir fliehen, ähnlich meiner irischen Begleitung Amra, aber ich schüttelte nur perplex den Kopf, denn weswegen sollte sie unbedingt wegkommen wollen?

Sie war doch diejenige, die für mich eine Gefahr sein, mich manipulieren und meine Gefühle und Emotionen steuern konnte, nicht umgekehrt.

Aber das Schöne war, der Trank schien tatsächlich zu wirken, denn ich hatte mich nicht groß konzentrieren brauchen, um ihrem Lockruf widerstehen zu können.

Ich schloss den Eingang und bezog erst mal meine vorläufigen „Räume“. Dann machte ich mich frisch und zog mich um, verstaute alles bei mir, ich würde, wie Severus es mir beigebracht hatte, immer für einen schnellen Aufbruch bereit sein. Dann legte ich mich hin, um abzuschalten, konnte ja nicht schaden!

Ich schlummerte kurz, bevor ich eine neue Dosis des Trankes einnahm und gerade als ich überlegen wollte, was ich mit meiner Zeit nun anfangen sollte, vernahm ich vor dem Zelt eine Stimme.

„Draco, bist du fertig? Darf ich reinkommen?“, hörte ich ihre sanfte, weibliche Frage, doch anstatt zu antworten, trat ich einfach hinaus und stand ihr direkt gegenüber.

„Oh…!“, war das Einzige, was sie überrascht von sich gab, während sich Wenas Wangen wieder verdächtig rot färbten, bevor sie herumwirbelte und einfach loslief.

Höflich war anders und ich war von ihrem mehr als eigenartigen und unreifen Verhalten irritiert, folgte ihr aber brav zum Hauptzelt.

Der Vorplatz des Zeltes hatte sich mittlerweile etwas verändert. Auf den Eingang zuführend hatte man mannshohe Fackeln in den Boden gerammt, die nun den Weg in der heraufziehenden Dämmerung erleuchteten und alles in ein sehr einladendes, verwunschenes Licht tauchten. Auch das Zelt war nun hell erleuchtet, erstrahlte geradezu gegen den sich im Hintergrund auftürmenden, schon im Schatten liegenden Berghang.

„Der junge Malfoy ist da, wie schön, dann können wir beginnen!“, klatschte bei unserem Eintreten Zorica auffordernd in die Hände und begab sich zum Kopf der Tafel, während sich die kleinen Gruppen der Veela zerstreuten.

Alle nahmen wie selbstverständlich ihre Plätze ein und so wurde ich von Zorica gebieterisch zu sich gewunken und nahm zu ihrer linken Platz.

„Mein Gast, dir gebührt ein Ehrenplatz!“, lud sie mich wohlwollend verkündend ein und strahlte mich verlockend schön an und ich versuchte, mit unleserlicher Miene neben ihr abzuwarten. Wobei ich froh war, dass mich die Anwesenheit dieser geballten Veeladamen nicht wirklich tangierte.

Auch vor mir stand nun eines dieser hohen, filigranen Gläser, das mit einer perlenden, hellen Flüssigkeit gefüllt war und das alle hier hatten.

„Auf neue Erfahrungen und neue sowie alte Bündnisse!“, erhob Zorica bedeutungsvoll ihr zartes Kristallglas und alle stiegen auf ihren Toast ein und nippten an ihrem Getränk, also folgte auch ich, aber erst nachdem ich nonverbal einige unauffällige Zauber gesprochen hatte, die zeigten, dass sie mir nichts in mein Essen oder Trinken gemischt hatten, aber zu meiner Erleichterung war es harmlos.

Eine leichte, süße und prickelnde Flüssigkeit rann über meine Zunge und ich konnte nicht benennen was es war, nur so viel, mein Fall war es bestimmt nicht, aber höflich verzog ich meine Lippen nicht, sondern nickte zuprostend.

„Ich werde dir vorstellen, wer heute mit uns speist, Sohn des Lucius!“, fuhr Zorica, die Anführerin, viel zu geschwollen in meinen Augen fort und deutete zuerst auf die ältere Veela mir gegenüber.

„Dies ist Brana, sie diente schon meiner Mutter!“, schenkte sie der älteren, ergrauten Veela neben ihr, die mich aus sehr wachen, misstrauischen, hellblauen Augen musterte, ein joviales Lächeln und ich neigte begrüßend mein Haupt für diese gestrenge Dame.

„Jela, sie ist für unsere Kriegerinnen zuständig. Sie ist heute hier, da sie wahrscheinlich für dein Anliegen wichtig sein könnte!“, stellte sie mir die nächsten vor.

Ich runzelte die Stirn, da ich bemerkte, dass mir Jela irgendwie feindselig entgegen blickte aus diesen doch recht kalten, eisblauen Augen, aber ihre Lippen verzogen sich bei meinem Anblick zu einem sinnlichen Lächeln, was jedoch nicht wirklich ehrlich wirkte und es schaffte, dass ich kurz überlegte, warum sie mir wohl feindlich gesonnen sein konnte, schließlich kannte ich hier niemanden.

Unsere Musterung, die während Zoricas weiteren Erklärungen zu Jela stattfand, wurde unterbrochen, als ich plötzlich ein leises Seufzen neben mir vernahm und aus den Augenwinkeln die mich anschmachtende Wena bemerkte. Ich ließ mich jedoch nicht länger von ihr ablenken, sondern lenkte meine Aufmerksamkeit wieder zu Jela.

Sie schien kleiner zu sein, hatte aber trotzdem breite, durch körperliches Training gestählte Schultern und einen sehr stechend scharfen Blick. Am auffälligsten war aber, dass ihre Haare nicht silberblond, sondern aschblond waren und außerdem zu einer kurzen, wirr aussehenden Frisur zurechtgestutzt waren. Ihr Anblick ließ mich kurz überlegen, ob eines ihrer Elternteile oder einer ihrer Vorfahren wohl keine Veela gewesen war, wo sonst kam ihr so anderes Aussehen her?

„Amra muss ich dir ja nicht mehr vorstellen. Und neben dir, Wena, meine Nichte, sie kennst du ja ebenfalls schon!“, hatte Zorica ihre Ausführungen über Jela und Brana beendet und wendete sich Wena zu, die noch immer seufzte und als ich sie nun ansah wieder verhalten und irgendwie ertappt lächelte.

Nun bemerkte ich, dass sich die Atmosphäre in dem Zelt leicht änderte, es war als ballte sich die Luft hier drinnen und ich fühlte mich eher belästigt denn tangiert.

Ich blickte verständnislos und perplex herum, nur um in das verschämt und schuldig dreinblickende Antlitz von Wena zu sehen, wobei ich nichts mit ihrer Reue anfangen konnte.

„Wena, reiß dich zusammen!“, rügte Zorica ihre Nichte gerade scharf und man konnte deutlich die Autorität in Zoricas Stimme vernehmen, unter der alle hier anwesenden Frauen etwas betreten und peinlich berührt dreinblickten.

Wirklich freundlich sah mich jetzt gerade keine der Frauen an, aber das merkte ich erst jetzt, bei einer erneuten Musterung der eigenwilligen Runde. Sie wirkten alle zurückhaltend bemüht, um nicht zu sagen angestrengt, aber da fiel mir auch auf, dass alle wesentlich älter als Wena waren, die eindeutig die Jüngste und noch Unerfahrenste unter ihnen war.

„Tut mir leid, Tante!“, kam es kleinlaut von ihr und ich beobachtete das alles fragend.

„Ich mache keine Ausnahmen, geh, wenn du es nicht kannst!“, befahl sie kalt und erst jetzt wurde mir gegenwärtig, dass sie, alle anderen Anwesenden hier, ihren Charme drosselten, sodass ich die volle Wucht nicht abbekam.

Wobei ich schmunzelte, denn aufgrund des Trankes bemerkte ich eklatante Unterschiede zu meinem damaligen Besuch in der Burg. Es fiel mir sehr leicht, mich unter ihnen zu bewegen und hatte volle Kontrolle, sowohl über meinen Geist als auch meinen Körper, dieser Umstand verlieh mir eine große Sicherheit, weil sie es einfach nicht schafften, mich mit ihrem magischen Wesen zu betören.

„Das weiß ich!“, antwortete Wena ihrer Tante schon wieder sicherer und ich fühlte mich auch wieder deutlich wohler, denn dass sie alle hier augenscheinlich ein Verbot hatten, auch noch extra ihre Magie gegen mich einzusetzen, war gut zu wissen.

„Nun, dann tragt die Speisen auf!“, befahl Zorica, während nun das Essen serviert wurde.

„Aber er ist doch sooo schön!“, lauschte ich, während des Servierens, Wenas gewisperten Worten, doch nicht nur ich schien ihre für mich etwas kryptische Äußerung mitzubekommen. Ich überlegte, ob sie dies auf mich bezogen hatte, wobei ich ja der einzige Mann hier weit und breit war.

„Sei jetzt mal still, Wena und reiß dich zusammen, ich hab es dir doch erklärt, lass dich nicht so gehen. Wo bleibt deine Gastfreundschaft?“, herrschte sie nun die alte Brana ungeduldig knurrend an und funkelte dabei ungehalten mit ihren stechend blauen Augen zu uns.

Sie war mir unheimlich und auch wenn ich hier sehr schöne Frauen um mich hatte, rief mir ihr stechender Blick vor Augen, wie diese überirdisch schönen Wesen auch noch Aussehen konnten und dass sie halt eben auch hässliche Geier waren. Unterdessen saß ich schweigend dabei und nahm alles was passierte gespannt in mich auf.

Ich sah während dieses Austausches mehr als perplex zwischen den Parteien hin und her.

„Du weißt es wirklich nicht? Sehr amüsant!“, lachte nun Zorica ein gewinnendes Lachen, das mir Schauer über den Rücken jagte und von dem ich nicht wusste, ob es mir gefiel oder ich schreiend davon laufen sollte. Offenbar hatte Zorica meine Verwirrung bemerkt.

„Nein! Was passiert hier denn?“, fragte ich reichlich irritiert, aber auch ehrlich.

„Oh, lass dich überraschen, du wirst es schon noch herausfinden. Da Wena noch so jung ist und zuvor noch nie direkt mit einem Zauberer zu tun hatte, ist sie nur etwas… ähm irritiert, würde ich sagen!“, führte Zorica recht erheitert und mit einem süffisanten Grinsen aus und schien das Ganze wirklich witzig zu finden.

Aber ich rätselte immer noch, was sie mir damit sagen wollte. Was würde ich noch herausfinden?

„Das ist sooo peinlich!“, murmelte Wena neben mir nun verzweifelt und verbarg ihr Gesicht in ihren Händen.

„Ich dachte nicht, dass… oh, das ist ja sooooooo peinlich!“, jammerte sie abermals reichlich mädchenhaft. Ihr verschämtes Verhalten veranlasste Zorica und nun auch Amra, die mich aus Irland begleitet hatte, sowie Brana und Jela erheitert, aber auch sehr spöttisch zu lachen.

„Ach, nimm`s leicht, Wena, wir waren alle mal jung und unwissend!“, tätschelte ihr Amra neben ihr die Schulter, grinste aber weiter breit und gutgelaunt, dabei zwinkerte sie mir keck zu. Unterdessen nahm ich wahr, was man mir gerade serviert hatte und erkannte nur Gemüse.

„Und unser junger Malfoy, kann schon irritierend, verwirrend und einehmend sein, nicht wahr?“, schien Amra die junge Wena, die nun die Arme vor der Brust verschränkte und wenig begeistert in die Runde starrte, besänftigen aber auch aufmuntern zu wollen. Doch die alte Brana stierte Wena weiterhin vorwurfsvoll, ob ihres vorhergehenden Verhaltens, in Grund und Boden.

„Oh ja, das haben sie so an sich!“, kommentierte Jela bitter, mit sehr leiser Stimme und klang in meinen Ohren eher verbissen und vorwurfsvoll, jedenfalls bei weitem nicht so erheitert, wie die anderen, während ich total verwirrt zwischen den Akteuren hin und her blickte. Wovon sprachen sie? Was deuteten sie an?

„Wohl wahr, das haben sie!“, fügte Zorica schmunzelnd hinzu, während sie etwas von dem Gemüse auf ihre Gabel spießte und zum Mund führte. Als auch ich davon kostete, erschien es mir erstaunlich fad und ungewürzt, aber ich ließ mir meinen Widerwillen nicht anmerken.

Während des ganzen Essens schmunzelte Zorica gönnerisch. Ich fühlte mich durch sie beobachtet, oder aber meine Sinne spielten mir mittlerweile einen Streich. Es herrschte eine eigentümliche Spannung im Zelt.

Die Frauen lächelten einander unterdessen derart verschwörerisch und verständig an, dass mir unweigerlich wieder in den Sinn kam, welch vogelhafte Fratzen sich doch hinter diesen überirdisch schönen Gesichtern verbargen, denn ihr Grinsen wirkte zum Teil nicht sehr nett, eher gekünstelt oder höhnisch.

„Wir sollten unserem Gast demonstrieren, was wir ihm für einen Gefallen tun, Zorica!“, brummte auf einmal die alte Beraterin Brana recht missgestimmt in die heitere Runde.

„Hm, mag sein!“, sinnierte Zorica und musterte mich eindringlich, dann nickte sie plötzlich knapp, als hätte sie in meinem Blick gefunden, was sie suchte und erklärte lapidar:

„So sei es!“

Ich hatte absolut keine Ahnung, über was sie sprachen, aber das was mich im nächsten Augenblick überfiel, war so überraschend, traf mich völlig unvorbereitet und schnürte mir geradezu die Luft ab. Ich ließ meine Gabel laut klappernd fallen. Krampfhaft versuchte ich, dem Verlangen zu widerstehen und dem, was mich nun ganz plötzlich an betörender Gier zu überfallen drohte, und zwar das Bedürfnis, den Veela jeden erdenklichen Wunsch zu erfüllen.

Wow, das war krass und kam nun an das heran, was ich in der Burg gefühlt hatte und das war nur eine Veela gewesen, ohne den Trank wäre ich verloren, denn dies hier war stärker!

Ich saß nun kerzengrade auf meinem Stuhl, presste meine Kiefer fest aufeinander und ballte meine Hände auf der Tischplatte krampfhaft zu Fäusten, so sehr, dass meine Knochen weiß hervortraten, während ich rasch meinen Konzentration zu finden versuchte, um mich doppelt gegen den geballten Veelacharme zu wehren.

Ich riss mich heftig zusammen und wollte mich nicht bewegen, denn ich war mir sicher, würde ich erst mal in meiner Anspannung nachlassen, würde ich mich nicht mehr zurückhalten können und ihrem verführerischen Lockruf, ihnen zu verfallen, nachgeben. Die Pheromone waberten nur so durch den Raum und machten mir das Atmen schwer.

Meine Hände begannen, unter der Anspannung zu zittern und ich spürte, wie warmes, klebriges Nass über meine Lippe lief, doch ich rührte mich nicht. Ich schaffte es nach einer gefühlten Ewigkeit, unter diesem Schleier der Sinnlichkeit aufzutauchen.

„Das reicht!“, verkündete nun Zoricas schneidende Stimme und im nächsten Augenblick war es, als falle die gesamte Anspannung ganz abrupt von mir ab und ich sackte erleichtert zusammen, als wäre alle Luft aus mir gewichen. Schwer atmend sog ich begierig frische Luft ein, öffnete vorsichtig meine verkrampften Fäuste und bewegte meine Finger, sodass sie wieder durchblutet wurden.

Erst dann fuhr ich mir mit dem Handrücken über die Lippen und erkannte das dickflüssige, rote Blut, welches mir offenbar aus der Nase tropfte. Ich versagte mir das Stöhnen, das mir in der Kehle brannte und zog betont arrogant ein Taschentuch aus meiner Hose hervor und reinigte mich. Noch immer hörte ich das Rauschen in meinen Ohren, versuchte das jedoch zu überspielen und ganz cool und unbeteiligt zu tun.

„Das geschieht ihm recht!“, knurrte nun Brana und funkelte mich herablassend an, worauf ich abrupt zu ihr blickte und die Stirn unwissend runzelte.

„Er ist unser Gast! Und er ist gut, nicht jeder hätte derart widerstehen können!“, mahnte Zorica sie wesentlich zurückhaltender, als sie mit der jungen Wena gesprochen hatte. Man bemerkte deutlich, dass sie dieser Brana einen gewissen Respekt entgegenbrachte, auch wenn Zorica die Anführerin war.

„Ja, Herrin, gewiss doch!“, war trotzdem eine Spur bitteren Spotts in Branas Antwort zu erkennen und ich blickte angespannt zwischen den beiden hin und her.

„War das ein Test?“, fragte ich angestrengt fest.

„Nun, sieh es wie du willst, eine Warnung? Ein Test… junger Mann, soeben hast du erfahren, was dich treffen würde, wären wir dir feindlich gesinnt, wärst du nicht mein Gast…!“, führte Zorica huldvoll aus, aber ich hatte das Gefühl, dass sie erwartet hatte, dass ich stärker auf ihren geballten Charme reagieren würde. Nun, Hermiones Trank war wohl doch sehr hilfreich, auch wenn er mich nicht völlig immun machte.

Ich wollte gar nicht wissen, was mit mir geschehen wäre, hätte ich nicht diesen Trank genommen. Wahrscheinlich würde ich dann am Boden liegen und wimmern und mein Gehirn wäre nur noch Matsch, doch warum hatten sie das dann riskiert?

Schließlich wussten die Veela nichts von meinem Trank!

Ich wollte zu gerne nachfragen, hatte aber nicht das Gefühl, dass Zorica es begrüßen würde, wenn ich zu neugierig wurde und so blieb ich stumm, schließlich wollte ich die anstehenden Verhandlungen nicht schwieriger gestalten als sie sowieso schon sein würden. Der Appetit auf das fade Gericht vor mir war mir jedenfalls gehörig vergangen.

Eines wusste ich nur, wohlgesonnen waren mir in dieser Runde gewiss nicht alle. Die Frage war nur, mochten sie Zauberer generell nicht, oder nur die Malfoys?

Wena war das absolute Gegenteil der anderen Veela hier im Raum. Sie schien offensichtlich angetan von mir zu sein, was ich im Auge behalten musste, das könnte von Vorteil sein, aber auch eine Gefahr, denn eine Veela, die mit allen Mitteln auf mich aus war, konnte durchaus gefährlich werden. Ich durfte nie vergessen, welch mächtige und ganz und gar nicht menschliche Wesen hinter ihrer betörend schönen Fassade steckten.

Als schließlich die Teller und Schüsseln des Essens abgeräumt wurden und wir nur noch mit einem Glas des eigenwilligen Getränkes, welches wir den ganzen Abend getrunken hatten, am Tisch saßen, erhob ich mich entschlossen.

„Zorica, ich habe ein Präsent für Euch mitgebracht, dürfte ich es Euch überreichen?“, fragte ich freundlich und blickte sie abwartend an, während ich leicht meinen Kopf neigte und das schmerzliche Pochen meiner Schläfen verfluchte, welches der Test verursacht hatte.

„Ein Präsent von euch? Oder von eurem Lord?“, fragte sie kühl und hielt abwägend den Kopf geneigt, unterdessen sie mich musterte.

„Von mir und meiner Familie, Zorica!“, antwortete ich sogleich zuvorkommend und versuchte, nicht zu zögern.

„Nun gut, dann sehr gerne. Ihr Malfoys hattet schon immer einen hervorragenden, um nicht zu sagen ausgewählt guten Geschmack!“, willigte sie huldvoll ein und mir schwante, dass die Verhandlungen schwieriger werden würden als gedacht, wenn sie einem Geschenk des Lords offenbar schon derart ablehnend gegenüber gestanden hätte.

Und so griff ich in meinen Umhang und zog die verkleinerte Schatulle aus dunklem, poliertem, edlem Holz heraus und stellte sie auf dem Tisch ab, dann zog ich meinen Zauberstab und vergrößerte sie wieder, sodass sie ihre Originalgröße wieder annahm.

„Ich hoffe, es erfreut Euch!“, öffnete ich die Schatulle und bot ihr den Inhalt dar. Auf dunklem Samt gebettet lag ein nahezu unbezahlbares, filigran gearbeitetes, wundervoll kunstvolles Fabergé-Ei.



http://www.mieks.com/eng/1906-Swan-Egg.htm

Ich hatte lange überlegt, bis ich dieses Präsent gefunden und mich schließlich aus mehreren Gründen hierfür entschieden hatte. Die Veela liebten Dinge, die so schön waren, wie diese einmaligen Eier. Sie waren wirklich eine Rarität.

Dieses mauvefarbene Emaile-Ei mit den diamantenen Schleifen, die sich über das ovale Ei zogen, war äußerst passend und hatte mir sogleich zugesagt, denn im Inneren befand sich ein silberner, prächtiger Schwan.

„Ich sagte ja, einen exquisiten Geschmack hat diese Familie!“, bekannte Zorica anerkennend und ließ die Fingerspitzen zärtlich über die filigrane Goldarbeit gleiten, die das farbige Ei umgab. Dann befreite sie verspielt den kleinen Schwan, wobei auch dieser von den Frauen bewundert wurde.

„Vielen Dank, junger Malfoy, wir nehmen dieses Geschenk gerne an!“, entschied die Anführerin endgültig, dann nickte sie Brana unauffällig zu, die sich sogleich erhob und die Holzschatulle mit dem Ei entgegennahm und wieder schloss, um sie wegzubringen.

„Der Tag war lang für unseren Gast, ich hebe die Tafel auf. Jela, führe Draco zurück zu seinem Zelt!“, wies sie gebieterisch an und erhob sich gleichzeitig. Jela nahm den Befehl schweigend, mit einem Kopfnicken auf.

„Gute Nacht!“, wünschte ich höflich und folgte Jela, die mich schweigend in mein Zelt geleitete und verschwand, sobald sie sicher sein konnte, dass ich zu Bett ging.

Dracos Sicht ende


Zum Verständnis und zur Übersicht eine Auflistung der Veela:

http://whfff.forumieren.net/t625-veela#5741

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