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 Kapitel 394-395

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BeitragThema: Kapitel 394-395   Fr Jul 26, 2013 2:54 am

394. Kapitel Traditionsreiches Duell


Hermiones Sicht

Nachdem mir Lucius nach unserem heiklen Besuch beim Lord und dem Zusammentreffen mit Barty einen Tag Auszeit gewährt hatte, verlangte er nun, am Samstag, wieder gewohnt freimütig nach mir.

Am Tag unserer Rückkehr aus Syon, an dem wir auch beim Lord gewesen waren, war ich früh zu Bett gegangen, denn ich hatte mich sehr ausgelaugt gefühlt. Lucius hatte am Freitag nach dem Frühstück das Manor verlassen, um sich erneut zum Lord zu begeben, was mir die Gelegenheit gegeben hatte mich zu erholen, etwas zu lesen und den weitläufigen Park zu erkunden, sowie das was in Syon passiert war und Lucius mir offenbart hatte Revue passieren zu lassen.

Er hatte sich mir enorm geöffnet und ich fragte mich, was er damit bezwecken wollte, doch eine wirkliche Antwort fand ich nicht. Ich war sehr gespannt, wie sein Verhalten in den nächsten Tagen sein würde und nahm mir vor, weiter auf der Hut zu sein. Ich würde mich nicht von Lucius einwickeln lassen, auch wenn mir eine leise Stimme tief drin sagte, dass dieses Vorhaben schwer umzusetzen sein würde, wenn Lucius sich so gab wie in den letzten Tagen, denn ich hatte diese Tage wahrhaft genossen.

Ein anderer Punkt, der mich beschäftigte und beunruhigte, war, dass Barty nun den Dementoren, ähnlich wie ich dem Rudel, vorstand, denn mal wieder wusste ich nichts mit diesen neuen Gegebenheiten anzufangen!

Auf der anderen Seite, wer hätte es sonst tun sollen?

Ich erinnerte mich an die frühere, so entschlossene Hermione, die es irgendwie nicht mehr gab! Ich stöhnte auf, denn gleichzeitig wurde mir auch bewusst, dass es die fast gar nicht mehr geben konnte, da ich nur noch reagieren, aber so gut wie nicht mehr agieren konnte! Ein Teil dessen was mein Ziel gewesen war, nämlich mich freizukämpfen, um so selbstständig in diesem Krieg agieren zu können, hatte ich durch zu viele Verpflichtungen aufgeben müssen.

Leider musste ich mir eingestehen, dass ich in die Defensive gedrängt worden war. Das war ein unguter Umstand, der mir so gar nicht passte und an dem ich etwas verändern wollte und auch musste.

Das versprach ich mir und spätestens nach dem Ritual im August würde ich wiedererstarkt aus dieser ganzen Misere herausgehen, davon war ich überzeugt.

Severus war sowohl am Freitag, wie Lucius, als auch heute unterwegs. Er war recht früh aufgebrochen und ich hatte ihn nicht gesehen, leider. Nach Lucius‘ und meinem recht ruhigen und unspektakulären Frühstück, bei dem wir wenig gesprochen und uns hinter unseren Zeitungen versteckt hatten, ging es los. Lucius‘ Blick gefiel mir gar nicht, denn ich erkannte deutlich, er plante etwas und mir schwante nichts Gutes.

Schon wieder musste ich erkennen, dass nicht ich der aktive Part war, sondern mich nur schlicht überraschen lassen konnte, was er plante, denn es kam mir vor, als wolle er mich von dem Zusammentreffen mit Barty und dem Lord ablenken und mir wieder das Gefühl geben, dass ich in Syon verspürt hatte.

Diese Leichtigkeit, die bei Bartys Anblick sofort verpufft war!

Ich selbst schob Barty nun entschlossen von mir, da ich mich erst nach dem Ritual damit beschäftigen konnte und wenn Gellert sagte, dass das Ritual erst zu dem Zeitpunkt im August stattfinden konnte, dann glaubte ich ihm und würde mich in Geduld üben müssen. Ich musste halt einen großen Bogen um alle machen, sprich den Lord, Dementoren und Barty und Geister und Untote und… ach… zu viele, auf alle Fälle!

„Du wirst hochgehen und anziehen, was dort bereitgelegt wurde. Heute wirst du etwas sicher für dich völlig Neues lernen. Beeil dich und komm dann in die Halle!“, hatte Lucius irgendwie vorfreudig verhalten, aber auch knapp angewiesen und so sowohl das Schweigen sowie auch unser Frühstück beendet.

Er ließ mich perplex zurück, denn ich hatte angenommen, auch heute wieder über Geschichte und Magie belehrt zu werden und mich eventuell wieder auf eine schmerzhafte Lektion gefasst machen zu müssen, denn wir waren eben wieder daheim und die Stimmung hier war eine ganz andere als in Syon, sehr viel härter, unnachgiebiger und irgendwie realer!

Als ich meine Räume betrat und in mein Schlafzimmer eilte, fand ich dort eine enge, dunkle Hose, ein langärmliges, gleichfarbiges Hemd und eine schmale Weste sowie weitere Utensilien vor, die mich leidlich aufstöhnen ließen, weil sich mir erschloss, was Lucius vorhatte.

Nach einem unglücklichen Augenrollen entschied ich, dass ich es nicht ändern konnte und so schlüpfte ich schnell in die mittlerweile, vor allem in Lucius‘ Gegenwart, so völlig ungewohnte Hose und die hohen, engen Stiefel, die mir Halt, aber auch Bewegungsfreiheit boten.

Kurzentschlossen band ich noch meine Haare zu einem festen, strengen Zopf zurück und flocht die Haare hoch, um dann zurück in die Eingangshalle zu eilen, wo Lucius irgendwie ungeduldig auf mich wartete und mit seinem Gehstock herumspielte.

Er hatte sich ebenfalls umgezogen und trug eine schwarze Hose, ein schwarzes, langärmliges Hemd und eine enge Lederweste, dazu hatte er seine Haare, ebenso wie ich, zu einem festen französischen Zopf im Nacken zusammengenommen. Seine Augen musterten mich genau, nahmen meine ganze Erscheinung genussvoll, wie es mir erschien, in sich auf, bevor er zufrieden mit mir das Haupt neigte. Er schaffte es, nur mit einem einzigen Blick, dass ich reglos verharrte und tatsächlich gespannt auf sein Urteil wartete.

Er schaffte es, nur durch seinen intensiven Blick, das Gefühl zu erzeugen, als würde seine Meinung, wenn sie denn vernichtend wäre, in mir das Bedürfnis erzeugen, am liebsten hoch zu rennen und mir die Kleider vom Leib zu reißen, um in etwas zu erscheinen was in seinen hochgestochenen Augen gut, schön und angemessen wäre.

„Komm!“, kommentierte Lucius meine Ankunft und hielt mir auffordernd seinen Arm hin, sodass ich meine Hand auf seinen Unterarm legen und er mich führen konnte, offenbar wurde mir Absolution erteilt. Sogar so etwas wie Hunger dachte ich kurz in seinem Blick aufflackern zu sehen, aber derart bekleidet sah er mich schließlich nicht oft.

Er führte mich schweigend wieder die Treppen hinauf, in den 2. Stock und in einen Flügel, den ich bisher nicht wirklich betreten oder groß beachtet hatte. Schließlich entzog er mir seinen Arm und öffnete mit ausladenden Bewegungen eine doppelflügelige Tür zu einem Saal, denn anders konnte man den langen und weiten Raum nicht nennen.

Überrascht trat ich ein, noch ein Saal? Ich blickte mich interessiert um, irgendwie wurde das Manor täglich größer und das konnte ich nach Syon, das doch relativ übersichtlich gewesen war, erst recht behaupten.

Der Raum war riesig, na gut, so groß wie der Hauptballsaal im Erdgeschoss war er nicht, aber immer noch groß genug für eine mittelgroße Gesellschaft, doch war offensichtlich, dass dieser Raum für einen Ball oder einen Empfang schon lange nicht mehr genutzt worden war. Seine Bestimmung war eine andere.

Auch hier waren die Wände geschmückt mit dekadentem Stuck, Gold und mannigfaltigen Spiegeln. Doch an den Fenstern hingen schwere, dunkelgrüne Vorhangschals, die jedoch aufgezogen waren, sodass viel Licht in den Raum fiel.

Der Saal war nicht zu vergleichen mit dem düsteren, mit dunklen Holzpanelen verkleideten, recht überschaubaren Raum, in dem meine Magiestunden abgehalten worden waren.
Vor den bodentiefen, doppeltürigen Sprossenfenstern, die eine komplette Seite des Saales einnahmen, befanden sich außen etwa hüfthohe Gitter, sodass man die Fenstertüren des Saales öffnen konnte ohne Gefahr zu laufen, dass jemand hinausfiel.

Der Saal war mit edlem Fischgrätparkett ausgelegt, auf dem jedoch fast über die komplette Länge des Saales eine etwa zwei Meter breite Bahn, ebenfalls in dunklem Moosgrün, ausgelegt war. Auf der rechten Seite des Saales befanden sich halbhohe Schränke aus dunklem Holz, auf denen sich Vitrinenkästen befanden, in welchen auf dunklem Samt etwas aufmerksamkeitsheischend präsentiert wurde.

„So, hier werden wir heute unseren Tag verbringen!“, verkündete Lucius nun mit eigentümlicher, beinahe bedeutungsschwangerer Tonlage, die mich aufhorchen ließ. Unterdessen schloss er hinter sich die Türen, dann steuerte er direkt die Vitrinen an.

„Ich nehme an, du hast schon herausgefunden, was wir heute tun werden!“, erklärte er salopp, während er mich gebieterisch zu sich winkte und ich mich sachte in Bewegung setzte. Ich wusste nicht, was ich von der Aktion hier halten sollte.

„Wir fechten!“, antwortete ich vorsichtig, denn ob mir meine Schlussfolgerung gefallen sollte, davon war ich noch nicht überzeugt.

Lucius kommentierte dies nur mit einem leichten, zustimmenden Senken des aristokratischen Hauptes, dann wandte er sich den Vitrinenkästen zu und öffnete den ersten. Dabei fragte ich mich, warum er kein einziges Mal das Treffen mit dem Lord erwähnte, oder auch Barty. Er überging dies einfach ganz selbstverständlich.

„Hier…“, begann er seidig, während er eine der Waffen ehrfürchtig herausnahm, „… haben wir einen Säbel. Eine in meinen Augen zwar präzise, aber im Vergleich zu Florett oder Degen weniger elegante Variante der Fechtwaffen!“, erklärte er schrecklich blasiert, aber auch irgendwie sehr involviert.

Er hob den Säbel an, griff an die reich verzierte, sehr künstlerisch gestaltete Scheide und zog ihn schwungvoll hinaus, sodass sich das Sonnenlicht in der silbrigen Klinge fing. Die leicht gebogene Klinge war ganz eindeutig nur an einer Seite geschliffen. Sie endete an einer die Hand schützenden Glocke aus Metall, die langgezogen in einem Bügel auch die Finger schützte und den Griff bedeckte. Vor mir lagen in der Vitrine eine Reihe unterschiedlicher Säbel, die zum Teil am Griff schlicht, verziert oder aber sogar mit Edelsteinen geschmückt und üppig verziert und in edlen Scheiden, die ebenfalls abwechselnd aufwendig gestaltet waren.

Lucius bewegte die lange, biegsame Klinge langsam durch die Luft und ließ diese geräuschvoll sausen, dann jedoch schob er ihn entschlossen zurück in die mit goldenen Ornamenten und schwarzen Steinen verzierte Scheide und bettete ihn zurück auf den Samt.

„Mit dem Säbel wird sehr schnell gefochten, doch ich bevorzuge den eleganteren Degen oder das Florett, da beide leichter sind!“, forcierte er seinen Vortrag weiter, während er einen höheren Schrank öffnete.

Hier hingen, penibel aufgereiht, deutlich graziler wirkende Waffen und Lucius begann, sofort auszuführen:

„Dies hier sind die Degen und Florette! Wir werden zunächst mit dem Degen beginnen. Der Degen ist sozusagen die Ausgangsform des Florettes, etwas schwerer als dieses und beim sportlichen Kampf mit dem Degen sind weit mehr Treffer erlaubt als mit dem Florett. Mit dem Degen gelten Rumpf und Arme als Ziel, mit dem Florett nur der Rumpf. Das Florett ist die stumpfe Variante des Degens. Es ist leichter als der Degen und sicher die eleganteste Variante dieser drei Waffentypen. Früher nahm man einfach einen Degen und machte diesen Stumpf, indem man die Klinge einwickelte und die Spitze mit einer Knospe, was auf Französisch fleuret bedeutet und woher das Florett seinen Namen hat, abdeckte. Das stumpfe Florett zählt zu den Stoßwaffen, der Degen oder ein scharfes Florett zu den Stichwaffen!“

Lucius nahm einen der Degen heraus und bot ihn mir an, sodass ich ihn mit diesem eigentümlichen, blechernen Geräusch, das dabei einherging, aus der Scheide ziehen konnte.

Wenn ich alles in allem richtig verstanden hatte, bedeutete es, wir würden kämpfen bis aufs Blut, wenn alles gut ging! Denn dass er mich schonte zog ich keine Sekunde in Betracht.

Probeweise ließ ich den Degen langsam durch die Luft gleiten und gewöhnte mich an das Gefühl dieser leichten, aber sehr langen Waffe in meiner Hand und bemerkte die geschärfte, im Licht glänzende Schneide, die mit Sicherheit nicht abgestumpft worden war. Es war schon etwas anderes, diese Waffe in Händen zu halten, als mit meinen kleinen, handlichen Dolchen umzugehen und doch war ich gespannt zu erfahren, wie es war damit zu kämpfen.

Gerade deutete er auf den grünen Teppich.

„Dies ist die Planche, auf dieser wird gekämpft und diese darf auch während des Kampfes nicht verlassen werden!“, zeigte Lucius sich gewichtig und ernst.

Sofort gingen wir auf die lange, dünne Matte zu, die sich in der Mitte des Saales über fast die gesamte Länge dessen erstreckte.

Ich folgte ihm irritiert, weil er heute offenbar ausschweifend lange erklären wollte, bevor es losging. Das war beängstigend, denn das war nicht seine Art, wenn ich an unsere erste Stunde im Kampf, Magie gegen Magie, dachte und wie er dort einfach losgelegt hatte. Daher kam mir dies hier schlicht und ergreifend beunruhigend vor, aber vielleicht irrte ich mich ja auch und dies wäre alles was es an Erklärung geben würde.

Wir erreichten die Planche und Lucius stellte sich gekonnt an einem Ende an der Seite auf und beherrschte mal wieder in einer unnachahmlichen Manier die Bildfläche, dabei fuhr er lehrmeisterlich fort.

„Ich werde dir nun zuerst zeigen, wie die Fußstellung aussieht, dann erkläre ich dir die grundlegenden Bewegungsabläufe und die Klingenschläge, die du für den Anfang kennen solltest!“, dabei bedeutete er mir, neben sich zu treten und ich blinzelte, als ich einsah, dass dies anscheinend erst der Anfang der ausführlichen Erklärung gewesen war.

Lucius war wahrlich ein facettenreicher Mann!

„Heute so erklärungswütig? Wie kommt’s?“, kommentierte ich seine weitschweifigen Ausführungen zynisch.

Schließlich war ich es von ihm gewohnt, ins kalte Wasser geschubst zu werden, ganz egal ob es ums Foltern ging, das ich vor Remus auch noch nie getan hatte, oder es um die Magie gegangen war, als er mich brutal und rücksichtslos angegriffen hatte, um dann gnädiger Weise, nachdem er mich besiegt hatte, zu erklären, wie alles ablaufen sollte.

Jetzt aber warf er mir erst mal wegen meiner ironischen Worte einen tadelnden Blick zu.

„Du hast eine solche Waffe noch nie in Händen gehalten, aber davon, dass du weißt, wie man einen Zauberstab führt, bin ich einfach mal ausgegangen!“, kommentierte er meine Provokation schrecklich süßlich und von oben herab und ich rollte mit den Augen. Gegen so viel Überheblichkeit kam man nicht an.

„Aha, na dann. Was soll ich also hiermit tun?“, fragte ich betont lässig über seine Süffisanz hinweg und hob den schmalen Degen an, vor mein Gesicht, während ich zu Lucius blinzelte.

Wenn ich ihn mir so ansah, erinnerte er mich echt an einen Darsteller aus einem dieser alten Mantel- und Degenfilme. Die drei Musketiere und so was… oh, ich musste mir doch glatt ein böses Schmunzeln verkneifen. Wem hätte ich welche Rolle gegeben? Aber dann glitten meine Gedanken weiter und mir kam in den Sinn, dass meine fast vergessene Mutter diese uralten Filme geliebt hatte und somit verbannte ich wehmütig und ganz eilig diesen Gedanken.

„Nicht so schnell, erst mal musst du richtig stehen!“, bremste er mich und trat nun näher an mich heran. Er legte mir seine Hand auf meine und delegierte den Degen bestimmt nach unten, dabei hielt ich kurz die Luft an, als er mich mal wieder berührte.

Es war nie leicht für mich, seine stetigen Berührungen über mich ergehen zu lassen. Ich mochte es an sich von Niemandem, zu häufig berührt zu werden, aber bei Lucius kam zusätzlich noch ein unbestimmtes Gefühl hinzu, das ein ungutes Bauchgrummeln in meinem Inneren auslöste.

„Du bist Rechtshänder, also nimmst du nun den rechten Fuß nach vorne und stellst den linken, locker einen Schritt dahinter, aber setz die Füße im rechten Winkel zueinander!“, wies er kompromisslos an.

Während ich somit rasch nach seiner Ausführung Aufstellung annahm, umrundete er mich lauernd, wie ein Raubtier, das auf Fehlersuche war und trat nun viel zu nahe von hinten seitlich zu mir, sodass er seine Füße neben meine Stellen konnte. Sein Duft stieg mir in die Nase und ich spürte die Wärme, die von seinem Körper ausging, an meinem Rücken und seinen heißen Atem in meinem Haar, da er um einiges größer war als ich und ich unterdrückte den leichten Schauer, der mir über den Rücken laufen wollte.

Das hier war so unwirklich, als wären wir in einem anderen Jahrhundert!

Das Bild, das wir abgaben, musste göttlich sein, beide in unserer Fechtkleidung, in diesem Raum, wie surreal!

„Nun…!“, begann er leise und dabei beugte er sich weiter vor, sodass ich spüren konnte, wie sein heißer Atem erst meinen Nacken und dann mein Ohr streifte und ich erstarrte, während er nach meiner Hand griff, die den Degen hielt und die andere gleichzeitig leicht auf meiner Taille landete, „… musst du den Degen so anheben!“, hauchte er seidig und ich rief mich resolut zur Ordnung.

Für wie blöd hielt er mich eigentlich?

Mir war schlagartig bewusst, er wollte doch die Situation nur nutzen, um mir ungestraft näherzukommen, denn bitte, wie ich zu laufen hatte oder den Degen halten sollte, hätte er mir auch einfach vormachen können, er war hier gerade viel forscher und aufdringlicher als in Syon.

Doch Lucius ließ es sich nicht nehmen, mir jeden Schritt, den er für nötig hielt, derart körperbetont und detailliert zu demonstrieren und ich schwankte zwischen Beherrschung, um seinen Lektionen zu folgen, und dem flauen Gefühl hin und her, das seine Nähe in meinen Eingeweiden verursachte und ich so gar nicht haben wollte und außerdem vehement zu verdrängen versuchte.

Aber es war nicht leicht, er spielte gekonnt, das musste man ihm lassen und brachte mich ganz schön durcheinander.

Nach vorgestern, nach dem Erlebnis mit dem Lord, konnte ich Lucius‘ Verhalten überhaupt nicht einschätzen, noch nachvollziehen! Was wollte er von mir? Ich, das monströse Mysterium, was wollte er von mir, außer nur sich selbst zu bestätigen, dass er alles bekam, was er wollte?

Aber ich selbst würde mich nicht mit der Kneifzange anfassen wollen! Warum sollte er es tun wollen? Das ergab für mich immer noch keinen Sinn und ich fand es leicht überflüssig von ihm, sich derart wegen mir ins Zeug zu legen.

Ich verstand seine Intention nicht, außer dass er eben gewinnen und zeigen wollte, dass er alles besitzen konnte was er sich eben mal einbildete. Ich jedenfalls würde keinesfalls wieder mit mir spielen lassen.

Lucius legte nun gerade seine sehr viel größere Hand, die zuvor auf meiner am Degen gelegen hatte, auf meinen rechten Oberschenkel, kam mir noch näher und ich hielt gespannt die Luft an.

„Du gehst jetzt mit diesem Fuß einen Schritt vor, lässt aber den hinteren Fuß stehen und streckst nur das Bein durch!“, erklärte er leise und im nächsten Augenblick spürte ich auch schon, wie er mich wieder an der Taille fasste und sanft nach vorne delegierte, somit musste ich geradezu seinen Anweisungen folgeleisten. Ich schob den rechten Fuß also brav nach vorne und streckte das linke Bein durch, dabei glitt Lucius‘ Hand lasziv zurück zu meiner und er delegierte den Degen nach oben, sodass er nach vorne, wie zum Angriff, geführt wurde.

„Dies ist die einfachste Angriffsofferte, man nennt sie auch schlicht Ausfallschritt!“, raunte er neben meinem Ohr und ich konnte nicht verhindern, dass mir ein Schauer über den Rücken lief, während ich ihn so nahe an meiner Seite vernahm und seinen Atem über meine Haut streichen spürte. Okay, das lief gerade ganz falsch, rief ich mich zur Ordnung und fand meine starke Seite, denn ich entwand mich geschickt aus diesem aufdringlichen Griff, drehte mich genervt um und blickte Lucius tadelnd an. Völlig unberührt sah er mir entgegen und hob fragend eine Braue, als könnte ihn kein Wässerchen trüben.

„Missfällt dir irgendwas? Verstehst du etwas nicht? Soll ich es noch mal erklären?“, fragte er leicht spöttisch.

„Meinst du, ich weiß nicht, was du tust? Lass uns doch zu deinen alten Trainingsmethoden zurückkehren, die haben mir mehr zugesagt!“, erwiderte ich reichlich barsch und erhob meine doppeldeutige Anklage.

„Ach ja, willst du wieder in Ohnmacht fallen? Oder willst du vielleicht auch schon wieder von mir getragen werden?“, spottete er sofort und fuhr unbeeindruckt fort: „Ich denke nicht, dass du dies hier auf die harte Tour lernen wirst!“, blieb er hart und zeigte auf einmal einen undurchdringlichen Blick.

„Und, warum bitte nicht? Ich lerne alles auf die harte Tour, das sollte dir doch mittlerweile klar sein!“, entgegnete ich stur, aber auch desillusioniert und der Degen vibrierte unstet und instabil in der Luft, als ich meine Hand anhob.

„Weil ich will, dass du Spaß an diesem Sport hast!“, kam es nun unerwartet ernst und progressiv von ihm, dabei wirkte es, als würde er zunehmend mehr zeigen, wie wichtig es ihm war.

„Wie hat es Draco gelernt?“, frage ich einer plötzlichen Eingebung folgend und ging nicht auf seine Aussage ein.

Ich nahm einfach mal an, dass Lucius Draco diesen Sport auch näherzubringen versucht hatte, wenn er schon so einen Aufwand betrieb und einen eigenen Saal für diesen Sport besaß, der somit nur zum Fechten diente, musste er ihm wichtig sein.

„Auf die harte Tour und er hasst das Fechten!“, bekannte Lucius widerwillig und irgendwie hatte ich das Gefühl, ihn ärgerte es, dass Draco diesen Sport nicht mochte, aber auch, dass er es damals vielleicht falsch angegangen war. Plötzlich kam mir aber ein Gedanke!

„Lass mich raten, auch Severus hasst das Fechten abgrundtief!“, war diesmal meine Antwort von Zynismus begleitet.

„Ja!“, brummte er übellaunig und ich glaubte, Missmut in seiner Stimme auszumachen. „Wir machen weiter, so wie ich das will!“, befahl er dann so typisch malfoyhaft, dass ich gewillt war, die Augen zu verdrehen, aber da packte er mich abrupt an den Schultern und drehte mich wieder mit Blick auf die Planche.

Hermiones Sicht ende

Lucius Sicht

Dass sie aufbegehrte, als ich sie derart bedrängte, war natürlich aber auch beabsichtigt gewesen. Sie wusste nicht einzuschätzen, was ich vorhatte, aber das würde mich nicht davon abhalten, ihr nach und nach immer näherzukommen.

Gerade nach meinem Gespräch mit Severus und seiner Anspielung, was er haben konnte und ich nicht, spannte sich mein Geduldsfaden immer mehr! Er verstand es, mich unendlich zu reizen!

Natürlich ging ich nicht zu weit, als ich mich ihr näherte, außerdem war es mir wirklich wichtig, dass sie Vergnügen an diesem Sport entwickelte, denn ich war mir sicher, mit ihrem kämpferischen Talent, gepaart mit ihrem Können sich geschwind und flink zu bewegen, würde sie eine herrliche und vor allem ebenbürtige Gegnerin werden und an Kontrahenten mangelte es mir beim Fechten leider fulminant.

Wie sie ganz richtig erkannt hatte, Severus und Draco hassten diesen Sport! Ignoranten, anders konnte man sie nicht betiteln!

Sie wagte es sogar, sich noch darüber lustig zu machen und bitte, dies war ein absolutes Unding!

Aber wer sollte sonst mein Fechtpartner sein?

Narcissa war es ganz sicher nicht gewesen, dafür wäre sie sich viel zu fein gewesen, außerdem hatte sie keinerlei Talent für körperliche Betätigungen gehabt. Sport war ihr zuwider gewesen, nicht mal zum Reiten auf den Abraxanern war sie zu motivieren gewesen, diese Frau war an sich für nichts gut gewesen, außer dazu als unbewegliche Statue rumzustehen und sich anhimmeln zu lassen.

„Also, wir machen weiter mit der Flèche, einem Sturzangriff, dem am besten ein Schritt, oder auch mehrere folgen, mit denen du besonders schnell vorankommst!“, wies ich gebieterisch an, wie es nun vor sich zu gehen hatte. Währenddessen stellte ich mich wieder genauso hinter sie, wie schon bei der ersten Demonstration.

Ich legte ihr wieder eine Hand provokant an die Taille und griff mit der anderen wieder bestimmend zu ihrer Degenhand.

„Nach vorne fallenlassen, über den rechten Fuß abrollen und den linken nach vorne schwingen!“, brachte ich mehr Schwung in die Lehrstunde.

Ich ließ ihr nach dem Befehl keine Zeit zu reagieren oder zu protestieren, sondern sorgte umgehend dafür, dass sie diesen Schritt ausführen musste, indem ich mein Bein mit Schwung vorschob, mit dem Knie in ihre rechte Kniekehle stieß und sie rücksichtslos nach vorne schob, gleichzeitig hielt ich den Degen erhoben, wie zum Angriff, und ließ nicht zu, dass sie die Hand senken oder sich ausbalancieren konnte.

Natürlich kam sie ins Stolpern, genau wie von mir beabsichtigt, sie fiel ungehindert nach vorne, in diesem rasanten Angriffsschritt und ich ließ, da ich darauf vorbereitet gewesen war, meinen Arm nun komplett um ihre Taille gleiten und fing ihren Sturz schon fast genüsslich ab.

„Ahhh…“, entschlüpfte ihr ein empörter, protestierender Schrei über diese grobe Behandlung und Bevormundung, während mir ein zufriedenes Lächeln über die Züge glitt.

Sie hatte die linke Hand schon instinktiv ausgestreckt gehabt, um sich vor dem Fall auf den Boden abzufangen, aber mit dem Degen in der Hand wäre das ganz sicher nicht so leicht gewesen, wie sie gedacht hatte und nicht so glimpflich vonstattengegangen, weshalb ich ihr half.

Langsam, lasziv und sehr genießerisch richtete ich mich wieder mehr auf und sie kam mit, konnte gar nicht anders und lehnte somit mit ihrem Rücken an meiner Brust. Ich konnte unter meiner Hand fühlen, dass ihr Herz heftig schlug, auch wenn sie sich offenbar zu zeigen verbot, dass ich sie aus dem Tritt gebracht hatte und das nicht zu wenig, eine Tatsache, die mir ein maliziöses, aber auch diabolisches Lächeln auf die aristokratischen Züge zauberte.

„Siehst du, deswegen lernst du das hier, so wie ich es will und nicht anders!“, flüsterte ich ihr verführerisch, aber auch leicht infam ins Ohr und ließ meinen Atem sinnlich über ihren Nacken streichen, als ich meine Nase an ihren lockigen Haaren entlang gleiten ließ und ihren süperben Duft genüsslich inhalierte. Zufrieden nahm ich ihr unterdrücktes Erschaudern wahr und ließ mich selbst zu einem etwas lauteren Atmen hinreißen.

Dann jedoch stand sie wieder sicher und ich nahm die Hand wehmütig und mit einem bedauernden Timbre, das in meinem Inneren widerhallte, von ihrer Taille, ließ meine Finger aber absichtlich über ihren Arm nach oben gleiten und fuhr schließlich mit den Fingerspitzen provozierend zu ihrem freiliegenden Nacken, wo ich dann vertraulich, bedächtig die Konturen ihres winzigen Dark Marks nachfuhr.

„Wir machen weiter!“, wisperte ich ihr zu und trat entschlossen einen Schritt zurück, unterbrach unsere Verbindung.

„Ausgangsposition!“, wies ich sie somit harsch an, um dann nach einem tiefen Atemzug, um mich zu fassen, wieder hinter sie zu treten.

Diesmal murrte sie nicht, dass ich ihr Hilfestellung gab und sagte auch nichts. Sie sagte generell gerade sehr wenig, was mich schon wunderte, denn ich hatte mit vehementem Protest gerechnet, nach meinem Überfall. Ich fragte mich, ob ich sie doch so aus dem Konzept gebracht hatte, dass sie ihrer Stimme nicht traute, oder nur ihr berühmter Ehrgeiz geweckt war und sie sich nun voll konzentrierte und sich auch nicht mehr von mir belästigen ließ.

„Du darfst beim Fechten mit dem Degen auf jeglichen Körperteil deines Gegners zielen, anders als beim Fechten mit dem Florett, was ein weiterer Grund ist, warum mir der Degen mehr zusagt als Säbel oder Florett. Man kann ihn beliebiger einsetzen!“, begann ich weiter auszuführen und legte wieder meine Hand zu ihrer um den graden Degengriff, der eigentlich einfach nur ein Stab war, der unter der Glocke hervorragte.

„Eher rücksichtsloser!“, murmelte sie düster und ich grinste verhalten, so wartete ich noch eine Sekunde, aber da sie kein weiteres Widerstreben bei meiner wiederholten Berührung zeigte, sondern nur abwartend und ruhig verharrte, legte ich weiter los. Ich hatte einen Degen mit traditionellem, französischem Griff gewählt und keinen, der einen an die Hand angepassten, in meinen Augen viel zu modernen, belgischen Griff hatte.

„Bei der Degenführung gibt es, außer dass du bei wenigen Stößen deinen Arm bewegst, zwei ganz grundlegende Unterscheidungen in der Ausführung deiner Streiche!“, bewegte ich in kleinen, kreisenden Bewegungen den Degen und versetzte ihn somit in Schwingungen.

„Du kannst eine Bewegung aus dem Handgelenk heraus führen!“, demonstrierte ich ihr, indem ich meine Hand geschmeidig vorbewegte und sie mitgehen musste, „oder du führst einen Streich aus den Fingern!“, auch dieses führte ich geduldig vor ihr aus. Sie schwieg beharrlich, passte aber genau auf.

„Wenn du einen Angriff führst, darfst du nicht zurückweichen, sonst ist dieser unterbrochen und der Gegner am Zug, daher solltest du dich auf Schläge aus dem Handgelenk oder aus den Fingern beschränken. Dieser Stoß…“, ich führte ihre Hand plötzlich nach oben und stieß mit dem Degen gegen einen imaginären Gegnerdegen, „… wird Coupé genannt und erfolgt nur aus dem Handgelenk. Er ist eine typische Bewegung zum Angriff oder zur Abwehr, bei dem du den Degen des Gegners über dessen Spitze hinweg triffst, ihn also an der Klinge stoppst, oder vor dir hertreibst!“, sprach ich eindringlich.

Erneut nickte sie und ich fühlte, wie sie ihre Hand bewegte und noch mal wiederholte, was ich ihr gerade gezeigt hatte.

Augenscheinlich war sie eine wahrlich gelehrige, aber auch schweigsame Schülerin, wie Barty es vorgestern kundgetan hatte, es war eine Freude, einen an sich derart interessierten Schüler vor sich zu haben. Es wirkte fast, als höre sie nicht zu, so versunken schien sie. Als sie diese Ausführungen dann aber alle alleine ausprobiert hatte, musste ich mir eingestehen, dass sie sehr rasch in ihrer Auffassungsgabe war, also hob ich mit ihr zusammen den Degen wieder an und ging etwas zurück. Sie hob ihren Arm an und folgte meinen Bewegungen mehr als willig.

„Dies nennt man Riposte, es ist eine Abwehr des gegnerischen Angriffes mit folgendem Rückschlag!“, ging ich immer weiter und eröffnete ihr das tiefergehende Feld des Fechtens.

„Um dann weiter voranzukommen, kannst du einen solchen Schlag führen!“, fuhr ich gewichtig fort, deutete mit dem erhobenen Degen einen Schlag an. „Dabei musst du darauf achten, dass du diesen Streich nur aus den Fingern führst und mit dem Mittelteil deines Degens das obere Drittel des Degens deines Gegners triffst, denn dieser Teil ist instabiler als die Mitte, darauf kannst du dann einen Angriffsstoß führen, wie ich ihn dir als erstes gezeigt habe!“, beendete ich diesen Part und löste mich schlussendlich widerwillig von ihr, trennte mich schweren Herzens von ihrer Wärme, die ihr Körper bot.

Worauf sie sogleich begann, die Bewegungen, die ich ihr gezeigt hatte, zu wiederholen. Sie war sehr eifrig. Ich wandte mich um, damit ich einen Degen für mich holen konnte.

„Die Flèche, die ich dir gezeigt habe, lässt sich erweitern, indem du dann einige, schnelle Schritte nach vorne machst und so deinen Angriff beginnst. Ich denke, wir können an dieser Stelle einen ersten Versuch wagen!“, entschied ich zufrieden darüber, wie gefügig sie sein konnte, wenn sie denn einmal wollte und ging mit meinem Degen erwartungsfroh zurück zur Planche.

Lucius Sicht ende

Hermiones Sicht

Es ärgerte mich unwahrscheinlich, dass Lucius es wirklich geschafft hatte, mich zu überrumpeln und mich so fast zu Fall gebracht hätte, wenn er mich nicht aufgefangen hätte.

Verdammt, ich war keine Puppe, ich war ich! Hermione, die mittlerweile gelernt hatte, jedem die Stirn zu bieten, da sollte es ihm nicht derart leichtfallen, mich aus dem Tritt zu bringen, das saß wie ein Stachel in meinem Fleisch.

Auf der anderen Seite verstand Lucius es exzellent, den Lord, die Dementoren, Barty und jeden Gedanken vollständig auszuradieren, sodass es jetzt für mich nur noch Lucius gab und die Aufgabe, die er mir stellte!

Ich wollte ihm nun erst recht demonstrieren, dass ich dies hier genauso gut meistern würde wie alle anderen Kampfsportarten, die ich bisher angegangen war und so schwieg ich stur, war konzentriert und führte ehrgeizig jede Bewegung aus, die er vorgab. Ich verbot mir rigoros, mich von seiner Nähe irritieren zu lassen, auch wenn mich dies sehr viel Kraft kostete und nicht so erfolgreich war, wie ich es mir wünschte.

Ich verwünschte Lucius und seine Kunst der sinnlichen Verführung und permanenten Anmache soeben inbrünstig und mich wankelmütiges Weib gleich mit, aber es war so schrecklich latent enervierend, dass ich es zum Großteil nicht ignorieren konnte. Dennoch würde ich nicht nachgeben und mich nicht unterkriegen lassen, auch wenn Lucius noch so viel versuchte und wenn es mich umbrachte.

Seine Berührungen an meiner Taille, sein Atem in meinem Nacken, dann seine Finger, wie er hauchzart über mein Dark Mark strich, dies alles hatten mich schon schwer schlucken lassen und er schaffte es durchaus, mich sehr aus dem Takt zu bringen, doch ich versuchte alles, ihn dies nicht allzu sehr sehen zu lassen.

Aber endlich beliebte er, sich von mir zu entfernen und Lucius baute sich am anderen Ende der Planche mir gegenüber auf.

„Diesen Abstand, von Gegner zu Gegner, nennt man Mensur!“, kommentierte er gewichtig und hob seinen Degen, dabei stand er in einer professionellen und souveränen Haltung vor mir und das Schreckliche war, er sah noch nicht mal lächerlich aus, sondern eher wie einer dieser verdammt gutaussehenden Schauspieler, die dachten, sie müssten einen König schützen.

Oh nein, es wirkte ganz und gar nicht lächerlich, so wie Lucius vor mir stand, mit dem erhobenen Degen.

„Nun, zeig mir, was ich dir für den Angriff gezeigt habe, ich werde diesmal nur abwehren!“, befahl er und ich atmete einmal durch, denn einer direkten Herausforderung konnte ich nie widerstehen und rief mir schnell die Bewegungen in den Kopf und legte einfach los.

Ich hob den Degen, machte einen Ausfallschritt auf ihn zu, streckte dabei, wie von ihm vorgegeben, das hintere Bein und fuhr mit dem Degen nach vorne. Lucius wich gekonnt, sehr geschmeidig zurück und parierte meinen Schlag laut klirrend mit seiner Klinge.

Darauf nickte Lucius mit leicht geschürzten Lippen, ein Ausdruck, der mich fast knurren ließ, da er mich derart locker, flockig und leicht ausgestochen hatte.

„Naja… nochmal!“, war seine harsche Anweisung und ich ging zurück in die Ausgangsstellung und versuchte es erneut sehr verbissen.

Der Degen lag so ganz anders in meiner Hand als meine Dolche, mit denen ich sonst kämpfte und die ich warf oder auf alles und jeden einstach oder auch schnitt. Aber hier musste ich lange Streiche führen und das war mehr als ungewohnt.

Als das Metall der Klingen wieder laut klirrend aufeinandertraf, durchfuhr meinen Degen ein leichtes Vibrieren, das sich durch meine Hand auf meinen Arm und von dort auf meinen Körper übertrug. Ich spürte sehr deutlich die Vibration des Metalls unter meiner Hand und war froh, dass mir niemand vorwerfen konnte, zu zaghaft oder zu zimperlich gewesen zu sein, als ich wie von ihm gefordert mit ganzer Kraft angegriffen hatte.

Lediglich, dass ich immer noch zu sehr wie mit einem Schwert draufhieb war eigentlich eher hinderlich in dieser nicht von Kraft und Stärke sondern von Geschick, Ausdauer und Kondition dominierten Sportart. Lucius nickte auch nach dem zweiten Versuch nur wenig begeistert und bedeutete mir, das Ganze erneut zu wiederholten. Ich machte den Ausfallschritt noch einige Male und versuchte, nicht mehr mit roher Gewalt zuzuhauen, sondern mehr mit Gefühl.

Aber das war so eine Sache… dieses Gefühl zu finden, gerade kam ich mir eher wie ein wilder Berserker vor.

„Und nun eine Flèche mit ein paar Schritten und einem Coupé!“, wies er mich herrisch an, diesmal einen schnellen Angriff weit nach vorne, mit mehreren Schritten voranzutreiben und den Degen genauso flink gegen seinen zu führen. Auch diesen Part ließ er mich mehrfach, mehr als dumpf wiederholen, dabei blockte er mich nur sehr gekonnt ab, bevor er dann zum ersten Mal zum Gegenangriff überging und dabei hart befahl:

„Wehr mich ab und lerne!“. Sogleich war er wieder derart flott unterwegs und ich fast zu überrumpelt um reagieren zu können.

Das war eher der Lucius den ich kannte, nun gingen wir also zum wirklichen, zum echten Lernen über, wie er es auch bei der Magie praktiziert hatte. Ich sollte aus dem Duell meine Erfahrungen ziehen und aus dem Erlebten verstehen, was ich zu tun hatte.

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BeitragThema: 395. Knights of Walpurgis   So Jul 28, 2013 11:58 pm

395. Kapitel Knights of Walpurgis

Ich hatte Mühe, Lucius schnell kommende, präzise Streiche und Schläge wirkungsvoll abzuwehren, von einem eigenen Angriff ganz zu schweigen, aber ich hielt mich wacker. Immer deutlicher erkannte ich, wie elegant, anstrengend und kompliziert dieser Sport doch war. Hier drosch man nicht mit dumpfer Gewalt aufeinander ein, sondern es ging darum, gezielt die Schwachpunkte des anderen auszunutzen, Schwächen in der Schritt- oder Degenführung des anderen zu finden und diese dann geschickt und sehr gezielt für den eigenen Sieg zu nutzen.

Dies war ein Sport mit Köpfchen und Schnelligkeit, das gefiel mir!

Lucius‘ akkurat und mit einer bestechenden Leichtfüßigkeit geführte Hiebe trieben mich mehr in Bedrängnis und ließen mich immer mehr in die Defensive abdriften. Schritt um Schritt kam er weiter vor, traf meinen Degen gezielt ein Stück unterhalb der Spitze mit seinem im stabilen Mittelteil und ließ mich weiter zurückweichen.

Über seine Züge huschte ein sehr zufriedener Ausdruck und seine grauen Augen funkelten belustigt, während er absolut wenig tangiert wirkte und meinen Ehrgeiz doppelt antrieb, aber leider stieß ich gerade ins Leere.

Das nützte er sofort aus und folgte mir gewissenhaft, wie ein Raubtier auf Beutezug. Ich stand kurz davor, rückwärts die Planche zu verlassen, was zwangsläufig bedeutet hätte, dass ich verloren hatte, als Lucius plötzlich in einer schnellen, kreisförmigen Bewegung mit seinem Degen an meinem entlang glitt, dabei machte das Metall ein schrecklich klirrendes Geräusch.

Es wirkte, als würde Lucius sich überhaupt nicht anstrengen und alles mit einer dramatischen Leichtigkeit vollführen, die mich neidisch machte. Durch meinen Degen ging, durch die Reibung verursacht, ein heftiger Ruck, den ich so gar nicht erwartet hatte. Der Degen wurde mir förmlich mit unerwarteter Kraft aus der Hand gerissen und flog dann wirbelnd durch die Luft, bis er laut klirrend auf dem Parkett aufschlug.

Verdammt, das nannte man Schachmatt und ich ärgerte mich kolossal. Dass Lucius mich in allem schlagen musste, was wir unternahmen, grenzte schon an Anmaßung!

War ich so schlecht? Oder war er so gut? Ich war atemlos und vollständig erhitzt und das aus mehreren Gründen.

„Dies, Hermione, nennt man eine Ligade, aber selbst ohne die hättest du beim nächsten Schritt dieses Duell verloren gehabt!“, erklärte Lucius blasiert und ließ seinen Degen sinken und ich war kurz davor, sehr kindisch mit dem Fuß aufzustampfen. Das war aber auch zu ärgerlich.

„Es ist ein sehr effektiver Zug und zeigt besonders deutlich, was hier mit minimaler bis hin zu sehr wenig Kraft bewirkt werden kann. Man hebelt dem Gegner die Waffe regelrecht abrupt, ohne sich zu verausgaben, aus der Hand. Genau zu zielen und zu treffen ist in diesem Sport von enormer Wichtigkeit, genau wie präzise Bewegungen. Ein Duell zwischen zwei Zauberern hat erstaunliche Parallelen zu einem Fechtkampf! Heb deinen Degen auf!“, forderte er dann herrisch und ich folgte, ohne etwas zu erwidern und musste mir nur zu meinem Ärgernis eingestehen, dass er durchaus recht hatte mit der Parallele, umso mehr wurmte mich seine Überlegenheit.

„Es ist eine Schande, dass so viele Zauberer nicht nur ihre körperliche Fitness vernachlässigen, sondern sich auch in keiner Weise um ihre Hand-Augenkoordination kümmern, oder diese explizit trainieren sowie sie es vernachlässigen, wahrzunehmen, wie wichtig exakte Bewegungen und Zielgenauigkeit auch für einen Zauberer sind! Ausgangsstellung!“, fuhr er belehrend fort und befahl mir wie nebenbei, wieder kampfbereit zu sein.

Er selbst nahm seine Position, mit der nach hinten erhobenen Hand und dem in die Höhe gereckten Degen, mit geschmeidiger Eleganz ein und so standen wir uns erneut zum Duell gegenüber.

Leicht atemlos, nach mehreren erfolglosen Versuchen meinerseits, seinen Ansprüchen zu genügen, stand ich ihm mit gelösten Haarsträhnen, die mir wirr ins Gesicht hingen, gegenüber, während Lucius völlig unbeeindruckt und nicht im Mindesten außer Atem wirkte.

Er zeigte deutlich, er hatte die Technik drauf und mich mit Leichtigkeit immer wieder zurückgetrieben, was jedoch meinen Ehrgeiz nur angestachelt hatte und anders als Draco, oder Severus, erkannte ich, was diesen Sport ausmachte und war mir sicher, mir würde er zu meiner Schande Spaß machen.

Nur durch absolute Perfektion der Technik und das disziplinierte erlernen der Kniffe würde ich es schaffen, mit weniger körperlichem Einsatz und weniger atemlos aus den Duellen hervorzugehen, daher war ich bestrebt, jede Finesse aufzunehmen und zu verinnerlichen.

Ja, Lucius hatte meinen Ehrgeiz geweckt und wohl tatsächlich einen neuen Duellpartner in mir gefunden.

Hermiones Sicht ende

Lucius Sicht

Es lief perfekt!

Sie war süperb und erfüllte meine Erwartungen zur vollsten Zufriedenheit!

Ich wusste genau, wann ich sie an der Angel hatte und lobte mein schlaues Vorgehen, während ich unsere Stunde beendete und sie entließ. Ich wollte sie nicht überfordern, aber niemand konnte behaupten, dass ich sie nicht ablenkte.

Am nächsten Tag ließ ich ihr wieder etwas Ruhe angedeihen, weswegen ich sie nur in die Bibliothek bestellte.

Auf diese war ich recht stolz, denn sie konnte sich was Größe, Vielfältigkeit und Einmaligkeit betraf durchaus sehen lassen und ohne Probleme mit der Hogwartsbibliothek konkurrieren, mithalten und sie übertreffen. Ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht, Hermione ein perfektes Grundgerüst zu geben, damit sie sich in dem Umfeld, in dem sie sich nun bewegen würde, behaupten konnte und von wem sollte sie das alles lernen, wenn nicht von mir?

Sie hatte so oder so noch große Lücken und auch wenn Severus auf dergleichen keinen Wert legte, ich tat es. Draco war mit vielem was ich ihr auch in Syon erzählt hatte, nachdem wir über die Vergangenheit gesprochen hatten, aufgewachsen, aber für Hermione war es Neuland. Mittelmäßigkeit konnte ich bei einer Malfoy nicht dulden und je besser sie für den Kampf ausgebildet war, desto größer waren ihre Überlebenschancen, auch das sollte man nicht aus den Augen verlieren, schließlich befanden wir uns im Krieg, aber jetzt ging es erst mal wieder um Wissen.

Erfreulich fand ich, dass sie sich an unsere Vereinbarung hielt und mir wirklich in diesen Ferien zur Verfügung stand.

Nun vernahm ich ihre klackernden Schritte auf dem Steinboden und Hermione trat zu mir. Ich musterte sie genau, das luftige, grüne Sommerkleid, welches sie heute trug, stand ihr vorzüglich.

„Na, was lerne ich heute?“, wollte sie gutgelaunt und wissbegierig erfahren und das spielte sie nicht mal, denn ihre braunen Augen leuchteten begeistert auf, als sie an den Bücherreihen entlang glitten.

„Heute will ich wissen, ob du weißt, warum wir heißen, wie wir heißen!“, stellte ich eine umständliche Frage und sie runzelte sehr wohl darüber die Stirn und wog ab, während sie sich schwungvoll zu mir drehte.

„Malfoy?“, fragte sie irritiert und als ich mein Haupt sachte schüttelte, blitzte es in ihrem Blick verstehend auf.

„DeathEater?“, lag eine Frage in ihrer Antwort.

„Gut, ja, was weißt du darüber?“, neigte ich das Haupt und schenkte ihr ein zufriedenes Lächeln.

„Die Diener des Dark Lords?“, fragte sie sehr vorsichtig und ich bemerkte sehr wohl, dass sie Respekt vor mir hatte und sie gerade die Sorge umtrieb, nicht genau einschätzen zu können, wen sie vor sich hatte, die Rechte Hand des Lords, oder das Oberhaupt ihrer Familie Malfoy.

„Nein…“, bekannte ich generös und ließ mich in einem der bequemen Sessel nieder, deutete einladend auf den Sitz neben mir. „Eigentlich heißen die Diener der Dark Lords, da es immer mal wieder welche in der Jahrhunderte langen Geschichte gab, Knights of Walpurgis...“, legte ich eine geschmeidige Kunstpause ein.

„Wow, das war mir nicht bekannt. Walpurgis… ernsthaft?“, blinzelte sie mich perplex an. „Wo ist dazu ein Buch?“, hauchte sie sprachlos und das war so typisch sie, dass ich doch glatt überheblich schmunzeln musste.

„Selbst der Dark Lord, unser jetziger Lord, legte sehr viel Wert auf eine Parallele dazu, deswegen wurden die DeathEater in der Walpurgisnacht gegründet!“, verkündete ich und sie blinzelte.

„Verdammt, darüber gibt es keine Aufzeichnungen, dabei ist das hochinteressant und du weißt so was… das ist…“, lag wahre und aufrichtige Begeisterung in ihrem Blick. „Es gibt wahrlich eine Geschichte hinter dem Ganzen!“, wedelte sie aufgeregt mit ihren Händen.

„Natürlich gibt es die und mein Vater war einer, wenn nicht gar der erste, der das Dark Mark erhielt! Sag mal, hast du dich nie gefragt, warum wir DeathEater, also Death = Tod, Eater = Esser heißen?“, fragte ich nun eindringlich, maß sie interessiert und konfrontierte sie mit delikaten Fragen.

„Ich hab es hingenommen!“, bekannte sie offen und stand zu ihren Defiziten.

„Und assoziiert, dass ich ein blutiges Menschenherz esse, wie diese Werwölfe, wenn sie gut drauf sind, oder was? Wir essen nicht den Tod, weder zum Nachtisch noch sonst wann… wir… naja, zumindest die Familie, wir sind keine Kannibalen!“, wandte ich pikiert ein und sie zuckte entschuldigend mit den Schultern und ich rollte mit den Augen, aber sie verteidigte sich nicht, sondern wartete ab.

„Wo war ich? Ah ja, wir, die DeathEater, leiten uns von der realhistorischen Bezeichnung als die Diener und Günstlinge des englischen Königs ab, den sogenannten Beefeatern, was ja bekanntlich Fleischfresser bedeutet, aber auch diese fressen nicht etwas, denn so hießen schlicht die Leibgardisten, die früher den englischen König beschützten, umgaben und bedienten. Wegen dieser wichtigen Aufgabe bekamen sie öfter Fleisch zu essen als der Rest des Volkes! Somit entstand dieser heute befremdliche Name!“, sprach ich gekünstelt und klopfte einen Takt mit meinem Gehstock, während nun ein sarkastisches Grinsen über ihre Miene huschte.

„Oh, dann war der Lord sehr einfallsreich, kein Beef… sondern ein Death… sehr beeindruckend!“, kam es ein wenig zynisch von ihr, als ich nickend fortfuhr:

„Ja, es geht noch weiter, das "Eater" bedeutet ursprünglich einfach dasselbe wie "Servant", also „Diener“! Damit entstanden die DeathEater!“, fasste ich mich kurz und sah sie eindringlich an.

„Also gar nicht Todesser, sondern eigentlich Todesdiener?“, fragte sie taxierend.

„Könnte man sagen… aber unsere Grausamkeit scheint uns die andere Bedeutung eingebracht zu haben!“

„Und du bist einer, von Anfang an… störte dich die Zeichnung nie?“, wisperte sie vorsichtig, wobei wir uns nicht ansahen.

„Ich lernte, damit zu leben…“, bekannte ich leise, während meine Augen über die Masse an Buchrücken entlang huschten.

„Findest du, ich bin ein schlechter DeathEater?“, überrumpelte sie mich mit dem abrupten Wechsel von mir zu sich, aber ich war versucht, spontan zu sagen: „Fast ein zu Guter!“, aber diese Regung bekämpfte ich erfolgreich. „Hinlänglich! Besser als die meisten…“, schränkte ich somit überheblich ein.

„Das ist doch gut, oder?“, fragte sie besorgt über mein kurzes Zögern und damit näherten wir uns dem heiklen Thema, weshalb wir letztens beim Lord in einer delikaten Situation gewesen waren.

„Ja, aber du solltest aufpassen, der Lord mag es nicht, auch nur in einem Gebiet öffentlich übertrumpft zu werden, sei vorsichtig! Er mag keine Gegner, schon gar nicht in den eigenen Reihen!“, warnte ich sie und beugte mich zu ihr, wobei sie mir hart ins Antlitz blickte.

Es hatte sich etwas zwischen uns verändert. Es war leichter geworden, offener zu sprechen, auch über diese besonders gefährlichen Themen und ihre nächsten Worte bestätigten mir dieses Gefühl.

„Ich weiß… Lucius… ich, ich habe Sorge, dass ich einer Bestrafung nicht mehr lange werde entgehen können… schon alleine um mir meinen Platz zu zeigen!“, bekannte sie nun fest, wenngleich ihre Halsschlagader gegen ihre Haut pochte. Dieses Eingeständnis fiel ihr offenbar nicht leicht.

„Dass du realitätsfern bist, kann man nicht behaupten!“, kam es rau von mir, da mich ihre ungewohnte Offenheit bewegte.

„Das würde mir wohl nichts nützen!“, setzte sie leise nach, wenngleich sie mir ein wehmütiges, leicht melancholisches Lächeln gab.

„Wohl wahr, wenn es soweit ist, trag es demütig und mit Würde!“, riet ich ihr gut gemeint, denn jeder von uns war zu irgendeiner Zeit seines Lebens schon vom Lord bestraft worden, wobei meine unglückseligen Erfahrungen lange zurücklagen, aber zum Anfang meiner Laufbahn hatte es mich sehr wohl erwischt, wie auch Draco letztens.

„Das ist das Aufmunterndste, was du jemals zu mir hättest sagen können!“, lachte sie trotz meiner wenig aufbauenden Worte schallend auf und grinste mich süffisant an.

Das war eine Reaktion, die mich perplex machte, denn ich bot ihr keine Hilfe an, da das so gut wie unmöglich war, aber sie wusste es. Und anders als andere rechnete sie mit dem Schlimmsten und war über das Beste im schlimmsten Fall froh. Doch nun erhob ich mich abrupt und schlenderte mit ihr zusammen durch die Bibliothek, um ihr noch einige Besonderheiten zu zeigen. So verbrachten wir einen gemeinsamen, aber entspannten Tag.

Dracos Sicht

Am nächsten Morgen brachte man mir Frühstück ins Zelt.

Auch dieses war ähnlich gewöhnungsbedürftig fad wie das Abendessen und bestand aus irgendwelchen geschmacksneutralen Getreideflocken und das ohne Zucker oder Honig und dazu Beeren, bei denen es offenbar ein Glücksspiel war ob sie zuckersüß oder sauer waren.

Das war echt wie eine Strafexpedition der besonderen Art.

Aber das Schlimmste war, es gab keinen Kaffee, nur einen Tee, der sich als ein Aufguss aus Kräutern erwies und kein britischer, schwarzer Tee war. Es war scheußlich. Ich aß nur wenig davon und wünschte mich inbrünstig zurück. Ging es Severus bei den Vampiren ähnlich, wenn er dort war?

Wobei, Blut aus Flaschen? Der Gedanke heiterte mich doch glatt auf und ich kicherte boshaft.

Schon kurze Zeit danach erschien Brana in meinem Zelt. Sie machte sich nicht bemerkbar, sondern schlug einfach die Stoffbahn am Eingang zur Seite und trat ungefragt ein.

„Es ist Zeit, dein Anliegen zu besprechen, folg mir!“, verkündete sie knapp, bevor sie wieder das Zelt verließ und ich ihr schnell hinterher eilte.

Bah, was war der denn für eine Laus über die Leber gelaufen?

Ich überlegte leicht genervt, ob ich die nächsten Tage wohl nur mit einer Führerin unterwegs sein durfte, oder es mir erlaubt war, auch allein herumzustreifen, andererseits war ich mir nicht sicher, ob es klug wäre, dies zu tun. Noch immer war mir nicht ganz klar, ob ich meine Resistenz gegen den Veelacharme wirklich austesten wollte oder ob das nicht grob fahrlässig wäre.

Brana hielt den Zelteingang des Hauptzeltes wortlos für mich auf. Drinnen war es dämmrig, durch das nur schwach hereinfallende Sonnenlicht. Zorica erwartete mich schon, saß an der langen Tafel, an der wir am Abend zuvor gespeist hatten und hatte einige Pergamente vor sich liegen.

„Setz dich zu mir, junger Malfoy und erhelle mich, warum du den weiten Weg zu uns auf dich genommen hast!“, bedeutete sie mir recht erhaben, an ihrer Seite Platz zu nehmen, was ich mit einem selbstbewussten Auftreten dann auch tat.

„Nun, du kannst beginnen!“, befahl sie eindringlicher, lehnte sich entspannt zurück und musterte mich durchdringend.

„Wie Euch sicher bekannt sein dürfte, Zorica, gewinnt mein Lord in Großbritannien immer mehr an Macht, sowohl die Zahl der Zauberer wie auch die der magischen Wesen, die sich ihm anschließen, steigt beständig. Ich habe um diese Audienz bei Euch ersucht, um auch Euch im Namen meines Lords anzubieten, dass Ihr Euch unserer Sache anschließen könnt!“, kam ich unumwunden auf den Punkt und versuchte, so schmeichelnd wie möglich zu umschreiben, dass ich anbot, sie sollten doch mit uns Seite an Seite in den Krieg ziehen.

„Das kommt nicht unerwartet!“, nickte sie langsam, sehr bedächtig und hob ihre bisher auf den Armlehnen abgelegten Hände an, setzte präzise ihre Fingerspitzen gegeneinander und tippte mit diesen dann besonnen nickend gegen ihre Lippen, dabei glitt ihr eine lange, silberblonde Strähne ihres schönes Haares über die Schultern und wehte verspielt im nicht vorhandenen Wind.

„Dann seid Ihr bereit darüber nachzudenken, Euch mit uns zu verbinden?“, fragte ich gespannt und mich vorsichtig vortastend.

„Noch hast du mir kein Angebot unterbreitet, junger Malfoy! Also, was bietest du mir?“, behielt sie mich nun sehr starr mit ihren blautürkisen, tief vordringenden Augen im skeptischen Blick, während ihre sehr schön geschwungenen Lippen an ihren Fingerspitzen ruhten.

„Wir bieten Euch an, Teil einer großen Gemeinschaft zu werden, die einander schützt und hilft, die sich für die Interessen ihrer Mitglieder einsetzt, auch für die von der magischen, britannischen Regierung unterdrückten, magischen Wesen…!“, wollte ich anfangen, ihr auseinanderzusetzen, doch Zorica schien kein Freund langer Worte, oder von ausschweifenden Erklärungen zu sein, denn sie unterbrach mich mit einer harschen Geste.

„Das Ministerium… hat eine verwerfliche Einstellung zu anderen Wesen, wohl wahr!“, stöhnte sie bedauernd, bevor sie hart fortfuhr:

„Sei ehrlich, junger Malfoy, Schmeicheleien oder langes Herumreden standen deiner Familie noch nie gut zu Gesicht. Dein Lord wünscht, dass wir in euren Krieg eintreten und er lässt uns nur die Wahl, ob wir es als seine Verbündete oder seine Feinde tun!“, schnitt sie mir herrisch das Wort ab und gab abrupt ihre entspannte Haltung auf. Sie erhob sich unruhig und blickte tadelnd auf mich hinab.

„Als ob wir das Kanonenfutter seines Krieges wären!“, stieß sie verächtlich aus und ich schüttelte entrüstet meinen Kopf, denn das stimmte nicht, für den Lord waren auch seine DeathEater nichts Besseres als gerade erwähntes Kanonenfutter. Er machte da wahrlich keinen Unterschied, denn jeder war entbehrlich für ihn.

„Streite es nicht ab!“, herrschte sie mich ungehalten an.

„Das tue ich nicht, versteht mich nicht falsch, aber der Lord behandelt ALLE, wirklich alle gleich!“, entgegnete ich ehrlich und ihre schönen Gesichtszüge verzogen sich zu einer Grimasse.

„Ich weiß nicht, ob ich deine Aussage positiv oder negativ bewerten soll! Wie auch immer, du hast mir sonst nichts anzubieten?“, fragte sie genervt und es klang wenig danach, als rechne sie wirklich mit einem akzeptablen Angebot von mir.

„Es wäre nicht zu Eurem…!“, begann ich, doch sie wedelte nur energisch mit einer filigranen Hand durch die Luft und fuhr brüsk dazwischen:

„… Nachteil? Wolltest du das sagen, junger Malfoy? Dann überdenke, was du sagen wolltest. Glaube nicht, wir Veela würden fernab der Geschehnisse in der magischen Welt leben, nur weil wir uns so abschotten! Wir wissen durchaus, dass deinem Lord die Riesen folgen, dass er seine gierigen Finger auch nach den Vampiren und sogar nach den Kobolden und Zentauren ausgestreckt hat, aber du wirst mir mehr bieten müssen, damit ich mit dir verhandeln werde, junger Malfoy! Denn wir selbst sehen uns nicht auf einer Stufe mit diesen anderen Kreaturen…“, entschied sie kompromisslos.

Auch ich erhob mich nun, um mit ihr wieder auf Augenhöhe zu reden, denn das nervte, dass alle dachten, sie wären etwas Besonderes und besser als andere. Diese Kreaturen waren schlimmer als alle anderen und rassistischer untereinander als es jeder andere sein konnte. Das war krank und paranoid.

„Dann wisst Ihr ja, wer sich uns schon alles angeschlossen hat. Gerade deshalb solltet Ihr es in Erwägung ziehen, zu Eurem eigenen Wohl! Wir stehen für Gleichberechtigung und vergesst nicht, den letzten beißt der Mantikor, nicht dass Ihr am Schluss alleine da steht“, schlug ich recht forsch und vielleicht nicht ganz diplomatisch vor und bediente mich populistischer Phrasen, worauf Zorica langsam den Kopf schüttelte.

„Bedaure, junger Malfoy, das liegt nicht in meinem Interesse…“, verkündete sie schroff und man konnte ihr Sturheit nur loben.

„Wie? Ihr wollt nicht mehr Ansehen und mehr Rechte für die Veela?“, forschte ich indigniert nach, denn das glaubte sie doch bitte selbst nicht, hier ging es um etwas anderes, das waren nur Spielchen um in den Verhandlungen gegenseitig mehr Profit zu erzielen, mehr nicht.

Natürlich war mir gegenwärtig, dass der Lord keine magische Welt friedlicher Gleichberechtigung anstrebte. Sondern eine Diktatur, der er vorstand und bei der nur diejenigen Freiheit und Macht genossen, die zu seinen obersten Rängen dazugehörten und das waren ganz sicher nicht magische Wesen wie die Veela, sondern rein- oder halbblütige Zauberer, aber ich brauchte eine Verhandlungsbasis, damit wir überhaupt zu einem Anfang kamen.

Nun glitt doch tatsächlich ein fast tückisches Grinsen über ihre Züge, das so viel besser zu ihrer Geiermaske passte als zu dem strahlenden Antlitz, das sie mir gerade präsentierte.

„Ich bin verhandlungsbereit!“, schmunzelte sie verführerisch schön und ich selbst musste mir das verstehende Grinsen verkneifen.

„Somit gewähre ich eure Seite morgen eine weitere Audienz und hoffe, ihr nutz die Zeit, eure Position zu überdenken!“, warf sie mich geradezu abrupt raus und beendete damit meinen ersten Versuch, sie für die Seite des Lords zu gewinnen, doch recht schnell und schob mir den schwarzen Merlin zu, was für eine Frechheit.

Ich antwortete nur mit einem betont sehr gleichgültigen Nicken und verließ das Zelt. So lief das leider manchmal bei Verhandlungen. Ein ewiges Geschachere und nach gestern war ich mir sicher, dass es verdammt zäh werden würde. Ich konnte und durfte nicht nachgeben, nicht heute und nicht morgen, ich musste zumindest eine Zeitlang auf meinem Anliegen beharren und den Anschein erwecken, dass mir viel an meiner Position lag.

Als ich diesmal beschattet von dieser Jela den Weg zu meinem Zelt beschritt, stöhnte ich frustriert auf, denn ich wollte heim!

Den restlichen Tag verbrachte ich damit, meine Strategie für den nächsten Tag zu überdenken und etwas zu lesen, um mich noch mehr mit der Natur der Veela vertraut zu machen. Man nahm wohl an, dass ich dem Charme der Veela aus dem Weg zu gehen versuchte, jedenfalls wurde mir kommentarlos das Essen auf mein Zelt gebracht und man ließ mich in Ruhe.

Am nächsten Morgen holte mich erneut Brana nach dem Frühstück ab und eskortierte mich wie gewohnt.

„Tritt ein, junger Malfoy!“, bat mich Zorica mit gespielter Liebenswürdigkeit hinein.

„Ich hoffe, deine Unterkunft sagt dir zu und du hast gut geschlafen?“, eröffnete sie das Gespräch zwar interessiert, klang aber nicht wirklich so erpicht auf eine Antwort. Es waren nur Floskeln der Höflichkeit, sonst nichts.

„Ja, vielen Dank!“, antwortete ich dennoch aufmerksam auf die platten Attitüden des taktvollen Umschleichens.

„Gut, dann kommen wir zum Wesentlichen!“, beschied sie knapp und kehrte nun schon eher den Verhandlungspartner heraus.

Heute hatte sie mich nicht mal zu sich an den Tisch geladen, sondern mich nur hereingebeten, weswegen ich ein Stück entfernt, zwischen Eingang und Tisch, leicht verloren rumstand und zu ihr herüberblickte, wie sie entspannt zurückgelehnt in ihrem hohen Lehnstuhl am Kopf des Tisches saß und die Arme auf den Lehnen ruhen ließ.

„Du hattest viel Zeit, dein Anliegen zu überdenken und um uns nun ein neues Angebot zu unterbreiten. Was haben deine Überlegungen ergeben?“, kam sie direkt zum Punkt, was ich erwartet hatte.

„Nun, ich bin mir bewusst, dass für Euch auf den ersten Blick mein Angebot gestern nicht sehr erstrebenswert erschien, aber Ihr seid durchaus isoliert und der Lord kann Euch vieles bieten, beginnend bei…!“, doch in diesem Moment hob sie herrisch durch die Luft wischend eine Hand.

„Verschwende nicht meine Zeit, Junge!“, zischte sie plötzlich sehr harsch und ihre Züge ließen kurz erkennen, was hinter der so überirdisch betörenden Fassade stecken mochte, aber auch meine Züge verhärteten sich und ich war dankbar, dass ich mich nicht auch noch groß gegen sie wappnen musste, aber ihr zu viel zugestehen wollte ich auch nicht.

„Dein Angebot!“, forderte sie hart.

„Wenn Ihr mir nicht entgegenkommt, es ist dasselbe wie gestern!“, gab ich souverän zu, aber hielt meine Stimme wohlweislich neutral.

„Dann geh! Ich erwarte dich morgen!“, entschied sie sehr kompromisslos und ich zeigte ihr mit meinem stummen Abgang, dass auch ich Durchhaltevermögen besaß.

Das war ja noch besser gelaufen als gestern, resümierte ich missgelaunt und irgendwie ironisch, als ich aus dem Zelt trat und mir kurz seufzend über den Nasenrücken strich, weil mir langsam schwante, dass dies hier wirklich ein harter Brocken werden würde und so schön war es hier nicht, dass ich meinen Aufenthalt genießen könnte. An sich starb ich vor allumfassender Langeweile.

Diesmal holte mich Wena ab, aber ich achtete kaum darauf, was sie mir fröhlich plappernd erzählte, noch tangierte mich wirklich, dass sie mich mit ihrem Charme zu bezirzen versuchte, denn durch meine Gedanken und den Trank drang sie nicht hindurch. Ich war viel zu abgelenkt und in mich gekehrt.

Die nächsten Tage wurden nicht besser, fast schien es zum Ritual zu werden, dass ich morgens nach dem Frühstück von Brana abgeholt wurde, um dann von Zorica von Tag zu Tag wortkarger empfangen zu werden, indem sie nur noch nach meinem Angebot fragte, was ich weder groß verändern konnte noch wollte.

Ein Vorschlag musste wenn von Zorica kommen, denn der Lord wollte, dass ich so lange darauf beharrte, dass sie auf unserer Seite in den Krieg eintraten, bis sie sich gezwungen sah, mir entgegenzukommen.

Am fünften Verhandlungstag entließ mich Zorica nicht bis zum nächsten Tag, sondern verkündete geschwollen:

„Wir werden heute Abend ein kleines Fest feiern, vielleicht lassen sich unsere Verhandlungen damit auflockern! Man wird dich zu gegebener Zeit abholen!“, und lächelte mich huldvoll an, bevor sie mich hoheitsvoll entließ.

Na bravo, ich wollte mich überraschen lassen, aber da ich kurz davor stand, vor Langeweile umzukommen, war mir alles recht, was Ablenkung versprach!

Dracos Sicht ende

Lucius Sicht

Auch heute hatte ich eine neue Lehrstunde für Hermione geplant, aber wenn man es genau nahm, war es wohl eher ein Ausflug und da ich erkannt hatte, dass mir die zu kurzen Tage in Syon gut getan hatten, hatte ich beschlossen, dass es während meiner Ferien mehr solcher Tage geben musste.

Ich würde die Gelegenheit nutzen, etwas zu tun, was ich schon seit sicher 20 Jahren nicht mehr getan hatte, aber wenn ich es genau betrachtete, war nun die richtige Zeit es mal wieder zu versuchen.

Wir waren bereits draußen auf den malfoyischen Ländereien und auf dem Weg zu den weitläufigen Stallungen. Diesmal hatte ich dafür gesorgt, dass Hermione bereits vor dem Frühstück von einem der Hauselfen instruiert worden war, dass sie sich besonders zu kleiden hatte.

Sie trug, genau wie ich, bequeme, aber enge Hosen und bis kurz unter die Knie reichende Lederstiefel, dazu hatte ich ihr eine weiße, luftige Bluse reichen lassen, die sie in den Hosenbund gesteckt hatte. Ein Gürtel komplettierte das Outfit und sehr ähnlich war auch ich gekleidet, lediglich mit einem langarmigen Hemd, doch hatte ich es vorgezogen, darüber noch ein leichteres Sakko anzuziehen.

„Und wirst du mir erzählen, was wir heute machen?“, fragte Hermione vorsichtig, während ich ihre Hand auf meinem Unterarm haltend in die angestrebte Richtung führte. Ich genoss es, ihr stets nahe zu sein und sie begann, sich an meine Berührungen zu gewöhnen.

„Ich nehme an, das hast du sicher schon in deiner bestechenden Beobachtungsgabe erraten!“, erwiderte ich provokant und registrierte, dass sie nickte.

„Siehst du, warum also solche unnötigen Fragen?“, warf ich brüsk ein, denn Geschwätz um des Redens willen war etwas, das ich so gar nicht schätzte.

„Ich dachte, vielleicht verrätst du mir Details! Wir werden reiten, so weit bin ich im Bilde. Lass mich raten, auch dies ist etwas, das weder Draco noch Severus mögen?“, preschte sie wacker, aber auch mutig vor, worauf ich überrascht die Brauen nach oben zog, mich aber schnell wieder fing. Es gelang ihr nun schon erstaunlich leicht, mich zu durchschauen.

„Korrekt!“, antwortete ich einsilbig.

„Ich denke, Severus hält es für überflüssig, aber warum hat Draco an euren Abraxanern etwas auszusetzten? Er liebt das Fliegen! Das ist eigenartig…“, sinnierte sie sehr weitsichtig und als ich zu ihr herabblickte, erkannte ich die offene Neugierde in ihrem Blick, wie sie diese selten offenbarte.

Ich war versucht, geplagt zu seufzen und mir über den Nasenrücken zu reiben, denn sie schaffte es mal wieder punktgenau, die Themen anzusprechen, die ich eigentlich hatte meiden wollen. Der Grund für Dracos Abneigung den fliegenden Pferden gegenüber war eigentlich keiner, den ich ihr offenbaren sollte, andererseits betraf es auch mich.

„Draco hat seit Jahren, ich würde sagen seitdem er 9 Jahre alt war, nicht mehr auf einem Abraxaner gesessen!“, bekannte ich knapp und doch wusste ich, so würde ich nicht davonkommen.

„Aha, was für eine detaillierte Erklärung, das erklärt alles. Also, warum will er auf diesen Tieren nicht fliegen?“, fragte sie mit ironischem Unterton und ließ noch immer durchblicken, dass sie neugierig war.

„Nun, er hat dir nie erzählt, woher seine Narbe auf der Rückseite seines Oberschenkels stammt?“, warf ich süffisant lächelnd ein.

Es war ersichtlich, Draco hatte ihr sicher nicht von diesem Versagen berichtet, aber die Narbe auf seinem Oberschenkel war lang und selbst heute noch gut zu erkennen, auch wenn er mittlerweile noch mehr Narben auf seinem Körper trug, so wie wir alle.

„Nein, ich frage ihn nicht nach solchen Dingen und sollte er es für nötig halten, erzählt er es mir!“, schoss sie spitz zurück.

„Wenn das so ist, wirst du es wohl nie erfahren!“, stichelte ich böse und beschleunigte unseren Schritt, da wir die Stallungen schon fast erreicht hatten.

„Lucius, du wolltest reden, also erzähl es mir. Erst machst du Andeutungen und dann willst du wegen Draco plötzlich so nobel schweigen? Das ist mal wieder so typisch!“, schimpfte sie drauflos und hatte keine Schwierigkeiten, mit mir Schritt zu halten.

Wie gut, dass sie in gewissen Situationen auch nur eine Frau und schrecklich neugierig sein konnte!

Wir erreichten derweil die Stallungen und mit einer gezielten Handbewegung öffneten sich die großen, doppelflügeligen Tore, die den Weg in die breite Stallgasse freigaben, die deutlich größere Dimensionen hatte als ein normaler Stall.

Schließlich waren die Abraxaner auch keine einfachen oder gar normalen Pferde, sondern magische, geflügelte, Pferden ähnelnde Tiere. Sie konnten am Boden sowie in der Luft geritten werden und unsere Zucht, die der ganze Stolz meines Vaters gewesen war, war besonders edel.

„Ich bin nie fair!“, erwiderte ich nun blasiert auf Hermiones Geschimpfe und schenkte ihr einen arroganten Blick von oben auf sie herab, dabei verzogen sich ihre Mundwinkel widerwillig. Ihre Größe schien ihr mal wieder gar nicht zu passen.

Ich hingegen fand sie nur anziehend, wie sie aufgebracht aussah und wie eine Megäre wirkte, die kurz davor war Feuer zu spucken. Ihr Temperament war inspirierend.

„Hmpf…!“, bockte sie nun, entzog mir rasch ihre Hand und verschränkte die Arme vor der Brust. Sie ließ mich ihre Missbilligung spüren.

Mein Blick ging kurz zu dem Abraxanerhengst, der bereits gesattelt und startbereit in der Gasse stand und von den Stallburschen vorbereitet worden war. Der heutige Tag war zumindest in Grundzügen von mir geplant worden, alles andere würde sich entwickeln und wir würden sehen, wohin dieser Tag führte, jedenfalls hatte ich vor, unsere Annäherung und unser Kennenlernen der letzten Tage zu vertiefen.

„Darauf soll ich reiten?“, fragte Hermione nun sichtlich pikiert und ich lachte zynisch auf.

„Was hast du denn gedacht? Ein ordinäres Pferd?“, fast angewidert verzog ich das Gesicht bei der Vorstellung.

„Gut, gut, wenn’s denn sein muss…“, stöhnte sie wehleidig und warf einen abschätzenden Blick auf das große, weiße, sehr beeindruckende Tier „Aber jetzt sag mir, warum Draco nicht auf den Abraxanern reitet!“, forderte sie noch mal eindringlich und sie blickte immer skeptischer auf das unruhig tänzelnde Reittier.

Offenbar wollte sie unbedingt wissen, was Draco damals passiert war, da musste es doch möglich sein, diese Tatsache für mich zu nutzen. Wobei ich gar nicht wirklich etwas fordern wollte, denn von ihr verlangte ich schon lange keine ernsthafte Gegenleistung mehr, aber wenn ich es zu offensichtlich tat, würde sie darauf aufmerksam werden, dass sich in dieser Beziehung etwas zwischen uns verändert hatte, zumindest von meiner Seite. Dies zu offenbaren war noch zu früh, sonst würde sie eventuell zurückschrecken und dichtmachen und das wollte ich nicht, daher meine gar nicht ernstgemeinte, nun kommende, Frage.

„Du willst das wirklich wissen? Gut, was kriege ich dafür?“, lenkte ich süffisant, aber auch generös lächelnd ein und verschränkte abwartend die Arme vor der Brust. Sie legte abwägend den Kopf schief, während sie genauso, mich imitierend, mit verschränkten Armen dastand.

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Kapitel 394-395
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