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 Kapitel 396-397

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BeitragThema: Kapitel 396-397   Do Aug 01, 2013 7:39 pm

396. Kapitel Hoppe, Hoppe Reiter…

Mein provokanter, aufreizender Blick glitt über ihre schlanke Gestalt und ich war wirklich zufrieden mit dem, was ich vor mir hatte. Ich hatte gar nicht erst in Erwägung gezogen, Hermione dazu anzuhalten, auch heute ein Kleid zu tragen. Denn im Damensattel wollte ich sie gar nicht sehen, das würde mich viel zu sehr an die unbeholfenen, wenig erfolgreichen und desaströsen Reitversuche der eingebildeten Narcissa erinnern, die auch daran, wie in jeder sportlichen Betätigung, fulminant gescheitert war.

Nein, wir waren alleine, ich wollte, dass sie auch diesen Zeitvertreib genoss und ungehindert ausüben konnte. Sie war ein viel zu aktiver Typ, als dass ich sie hätte in einen Damensattel zwängen können, außerdem hatte ich nicht vor, sie heute alleine eines der temperamentvollen Tiere reiten zu lassen, zu präsent waren mir dabei die Erinnerungen des abgestürzten Abraxaners, den ich hatte töten müssen.

Ein solch edles Tier derart unnötig zu verlieren war wirklich eine Schande und vor allem jetzt, wo die Abraxaner mir gehörten, würde ich, wie bei all meinem Besitz, sorgsam darauf achten, dass sie unbeschadet blieben.

„Reicht dir das hier?“, überraschte sie mich schließlich nach einigen Sekunden des Schweigens, indem sie sehr flink vorschoss, ihre Hände auf meine verschränkten Arme legte, auf die Zehenspitzen ging und mir einen doch sehr keuschen und viel zu kurzen Kuss auf den Mundwinkel hauchte.

Dieses manipulative Biest!

Severus hatte schon recht, wenn er über sie dachte, dass ihr, wenn sie etwas herausbekommen wollte, ihr viele Mittel recht waren, so auch jetzt. Ein fast amüsierter Ausdruck huschte über meine Miene, denn man durfte sie wahrlich nie unterschätzen.

Sie wollte sich genauso schnell zurückziehen, doch ich war schneller, schließlich war ich der Meister in diesem Fach und wenn sie mich reizen wollte, wer wäre ich, dem zu widerstehen. Gerade war sie im Begriff, zurück auf ihre Füße zu sinken, als ich blitzschnell zugriff, einen Arm um ihre Taille legte und sie besitzergreifend an mich zog.

Ein überraschter Laut entkam ihren Lippen und ich musste schmunzeln, da ihr keuscher Kuss mich doch sehr an ihren letzten Geburtstag und unser leider viel zu kurzes Treffen in Hogsmeade erinnerte, als wir uns wohl in ähnlicher Situation befunden hatten, denn schon damals hatte ich versucht, sie für mich zu gewinnen, auch wenn meine Gründe zu jener Zeit andere gewesen waren.

„Für den Moment reicht es…!“, raunte ich ihr provozierend sanft ins Ohr und setzte dann einen hauchzarten Kuss auf die wohlduftende, weiche, empfindliche Haut unterhalb ihres Ohres. Sie erschauerte deutlich und ich war so gnädig und entließ sie großzügig aus meinen Griff, worauf sie endgültig, offenbar leicht überrumpelt, zurück auf ihre Füße sank.

„Nun gut, dann erfülle ich auch meinen Teil!“, entgegnete ich jovial und überging ihre für mich deutlich wahrnehmbare Reaktion auf meine Nähe. Ich merkte mir jedoch für den Tag, dass ich wohl auf diese Weise heute sicher erfolgreich sein würde, sie von mir zu überzeugen.

„Draco kam zusammen mit seinem Freund Blaise Zabini auf die total verblödete Idee, einen der Abraxaner, natürlich den temperamentvollsten und teuersten Zuchthengst, den wir hatten, zu reiten. Ihm war ausdrücklich von Abraxas und mir verboten worden, alleine eines der Tiere zu reiten. Die Kinder hielten sich nicht daran... muss ich genauer werden? Natürlich hörte er nicht, was ich schon damals nicht verstand, schließlich führten Severus und ich ein straffes Regiment, was seine Erziehung betraf!“, führte ich knapp aus und wandte mich unterdessen dem gezäumten Abraxaner zu, ergriff die Zügel und begann, ihn aus dem Stall zu führen, wobei Hermione mir folgte.

„Ich denke, ich kann mir ausmalen, was passierte…“, flüsterte sie leise und ich neigte ihr mein Haupt zu und schmunzelte, während ich das Tier an seinem weißen Hals streichelte.

„Eben, es kam wie es kommen musste, Draco verlor natürlich die Kontrolle über das fliegende Tier und sie stürzten ab. Wie gesagt, daher auch Dracos Narbe am Oberschenkel. Sie stammt von einem Ast! Ich habe ihm die Narbe gelassen, als ständige Erinnerung! Nun… der Hengst hatte sich so gründlich die Knochen gebrochen, dass ich ihn noch an Ort und Stelle erlösen musste!“

„Lass mich raten, Draco und Blaise waren dabei als du es getan hast!“

„Natürlich, sie mussten lernen, dass jede Aktion auch eine Reaktion erfordert, ob sie ihnen gefällt oder nicht!“, kam es schroff von mir. „Alles hat Konsequenzen und für Abraxas, der sehr an diesem Tier hing und große Pläne mit ihm gehabt hatte, war es ein großer Verlust. Er war ein nachtragender Bastard! Zudem war damals die Abraxanerzucht das einzige was ihn noch beschäftigte, da ich ihn schon als Familienoberhaupt gestürzt hatte, wie du weißt…“

„Du mochtest ihn wahrlich!“, kommentierte sie recht trocken.

„Oh ja, ich mochte meinen Vater sehr und dank Draco durfte ich nun zu ihm, um ihm die frohe Botschaft vom Tode seines Hengstes zu überbringen!“, gab ich leidlich, ironisch zu.

„Ich sehe es regelrecht vor mir!“, erwiderte sie schmunzelnd.

„Ja, es war unschön, für alle von uns. Vater fasste Dracos Eigenmächtigkeit als Affront gegen sich auf und verzieh ihm das nicht mehr, bis dahin hatten sich Abraxas und Draco sehr gut verstanden. Auf einer Ebene, die meinem Vater und mir immer verschlossen geblieben war. Vergeben oder Verzeihen war nie Abraxas‘ Stärke, siehe Aenòr, er verstieß Draco rigoros aus seinem Umfeld und auch wenn Draco nie darüber geredet hat, weiß ich, dass es ihn traf!“, erklärte ich, während sie mir aufmerksam lauschte und an meinen Lippen hing.

„Und eben seit jenem Tag ist er nie wieder auf einen Abraxaner gestiegen, zumal Abraxas ihm das auch verboten hatte und ich hielt es aufgrund dieses Zerwürfnisses auch nicht für nötig, Draco über Abraxas‘ Tod zu informieren, schließlich war er für ihn seit diesem Tag gestorben! Das Manor ist groß genug, sie haben sich nie mehr gesehen…“, beendete ich meine Ausführungen neutral und sah in das durchaus überraschte und auch zum Teil geschockte Gesicht von Hermione.

„Daher erwähnt Draco also Abraxas nie, ich verstehe!“, nickte sie bedächtig. „Aber er wählte diesen Namen für mich… in Slytherin, du weißt?“

„Abraxina? Ja, ich weiß, ich sage nicht, dass Draco ihn nicht vermisste, aber Abraxas war ein sehr schwieriger Mann, der sehr straff seinen Ansichten folgte… sei froh, dass du ihn nie kennenlernen musstest!“, ging ich nicht weiter darauf ein, denn Vater war tot und damit Geschichte.

„Nun, Liebes, komm her!“, kommandierte ich sie auf meine Seite des Tieres.

Sie folgte dieser Anweisung ohne Widerspruch und trat umgehend neben mich, an den langen, kräftigen Hals des Tieres. Ein skeptischer Blick glitt zu den großen, angelegten Flügen, doch sie schwieg beharrlich.

Ich wollte sie an den Hüften packen, um sie auf den Rücken des Tieres zu heben, denn schließlich überragte sie der Rückenkamm des Tieres weit, ganz zu schweigen jetzt mit dem Sattel, der es noch etwas höher machte.

„Hey…!“, protestierte sie sofort, doch ich reagierte nicht darauf, hob sie nur noch höher und da sie mehr als leicht war, war dies kein Problem.

Ihr schöner, trainierter Po kam in den Hosen sehr gut zur Geltung, ausgleichende Gerechtigkeit wenn man bedachte, wie sie mir in Syon schamlos auf den nackten Hintern gestarrt hatte. So musterte nun ich ihren auf Höhe meines Gesichts. Der Anblick entschädigte mich noch mehr dafür, dass ich ihr für den Sport durchaus Hosen zu tragen erlaubte.

Sie waren praktisch und ich musste zugeben, ich kam bei dem Anblick nicht zu kurz, außerdem waren wir unter uns, da konnte ich dies erlauben. Im nächsten Augenblick jedoch merkte ich, dass sie deutlich leichter wurde und mir zu entkommen schien. Sie hatte schon ihren linken Fuß in den Steigbügel gestellt und den Knauf des Sattels ergriffen. Jetzt musste ich förmlich hastig zurücktreten, um nicht ihr rechtes Bein, das sie nun recht gekonnt aussehend über den Sattel schwang, ins Gesicht zu bekommen. Ich war gelinde gesagt überrascht.

„Du kannst reiten?“, fragte ich konsterniert, während sie aus dem Sattel geradezu triumphierend auf mich herab grinste.

„Ja, zeig mir ein Mädchen, das nicht schon mal reiten war…“, zwinkerte sie mir zweideutig und wacker zu, worauf ich versucht war, Narcissas Namen zu nennen, aber da sprach sie schon weiter:

„Nur so ein Tier nicht!“, gestand sie dann ausweichend und ließ ihren irgendwie besorgt wirkenden Blick schweifen und mit einer etwas zaghaften Geste, strich sie über den Rücken des Abraxaners.

„Das ist kein so großer Unterschied!“, am Boden, fügte ich in Gedanken hinzu.

Sie wirkte gespielt selbstsicher, aber wirklich tief ließ sie nicht blicken, ihre Maske saß sehr gut!

„Rück nach vorne und nimm die Füße aus den Steigbügeln!“, befahl ich bestimmt und erntete einen erstaunten Blick von ihr, doch dann nickte sie nachgebend und tat, wie ihr geheißen.

Schnell griff ich vor ihr zum Sattelknauf und schwang mich dann mit Schwung, aber auch präzise, gezielt in den Sattel. Ich landete hinter ihr in diesem magisch etwas vergrößerten Sattel, sodass wir beide bequem Platz hatten. Der Rücken dieser mächtigen Tiere war allemal groß genug, um zwei Erwachsenen Platz zu bieten und sie waren stark genug, diese auch zu tragen, selbst in der Luft.

Lucius Sicht ende

Hermiones Sicht

Das konnte doch nicht wahr sein, Lucius wollte wirklich mit mir auf diesen Tieren reiten und dann zu allem Übel auch noch auf einem?

Ich hasste das Fliegen… aber ich war nicht gewillt, ihn das sehen zu lassen!

Ich war so überrumpelt von der Selbstverständlichkeit, mit der er dies alles umsetzte, dass es mir die Sprache verschlug. Dieser Mann war in seiner Arroganz und Ignoranz unschlagbar, wie er selbstherrlich über mich verfügte. Seine Reaktion auf meinen kurzen, keuschen Kuss zuvor hatte auch nicht gerade dazu beigetragen, dass ich entspannt war, denn es war ein Impuls gewesen, den ich sofort bereute, denn ich war über mich selbst geschockt!

Das durfte ich nicht tun, niemand verdiente es, von meinen Lippen berührt zu werden! Weshalb ich auch nur seine Mundwinkel berührt hatte und das schon viel zu gewagt fand, in mehrfacher Hinsicht. Aber warum tat ich es?

Lucius liebte es, zu provozieren, das wusste ich und ich würde auf der Hut sein, mich nicht überrumpeln lassen, was aber auch bedeutete, dass ich ihn überrumpeln musste und das war mir gelungen, doch trotzdem schaffte er es mit erschreckender Leichtigkeit, immer wieder das Blatt zu wenden, so auch zum Beispiel, indem er mich einfach packte und auf den Abraxaner hieven wollte.

Doch in dem Moment hatte ich glücklicherweise schnell geschaltet und mein etwas eingerostetes Reitwissen ausgegraben und angewandt. Ich war keine sehr gute Reiterin, oder gar eine Virtuosin im Sattel, aber wie viele Muggelmädchen hatte auch ich vor Hogwarts und sogar noch in den ersten Ferien von Hogwarts Reitstunden gehabt.

Die Dinge, die Lucius mir über Draco und Abraxas erzählt hatte, hatte ich wirklich noch nicht gewusst und waren mal wieder eine Bestätigung dafür, wie hart die Welt schon immer gewesen war, in der Draco aufgewachsen war, doch sie hatten auch viele neue Informationen für mich enthalten. Mir war nicht bewusst gewesen, dass Draco und Blaise wirklich schon so lange befreundet waren und sie eine gemeinsame Geschichte hatten. Mir Draco als wirkliches Kind, das spielte und rumalberte, vorzustellen, fiel mir sehr schwer.

Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Lucius hinter mir aufgestiegen war, hatte ich noch gehofft, dass ich dem Fliegen würde entgehen können, aber nun war ich mir recht sicher, wenn auch nicht sofort, irgendwann an diesem Tag würde ich mich dem stellen müssen. Das Fliegen bereitete mir noch immer Unbehagen und ein ungutes Gefühl, vor allen Dingen, wenn ich, wie es aussah, nicht die Kontrolle haben würde.

„Wo geht es hin?“, fragte ich Lucius nun und war bemüht, nicht zu nahe an ihn heran zu rutschen, ein fast unmögliches Unterfangen.

In diesem Augenblick lehnte er sich hinter mir nach vorne, berührte mit seiner breiten Brust meinen Rücken und griff mit den Händen links und rechts an mir vorbei, zu den Zügeln des Pferdes, dann richtete er sich wieder auf, rückte jedoch auch gleichzeitig wieder näher an mich heran, sodass ich nun endgültig seine Knie in meinen Kniekehlen und seine Oberschenkel an der Rückseite meiner Oberschenkel fühlen konnte.

Dieser Mann war eine wandelnde Versuchung und ein schrecklicher Manipulator!

Er bedrängte mich und war mir, für mein persönliches Wohlbehagen, viel zu Nahe. Im Rücken konnte ich jetzt seine Wärme und Gegenwart permanent wahrnehmen, was dazu führte, dass ich mich verspannte. Ich wollte gerade weiter nachfragen, wann es denn endlich losging, als mir die Worte im Halse stecken blieben, denn plötzlich fuhr Lucius mit einer Hand sanft über meinen Nacken um dann meinen Zopf sachte über meine Schulter zu legen, sodass ihm meine Haare nicht mehr im Weg waren. Dies bescherte mir eine Gänsehaut und ich biss mir auf die Zunge, damit mir kein Laut entkommen konnte.

„Das wirst du sehen, lass dich überraschen und da du ja offenbar reiten kannst, kann es ja losgehen!“, antwortete Lucius endlich, doch er ließ mir gar keine Zeit zu reagieren, sondern schnalzte im nächsten Augenblick mit der Zunge und der Abraxaner preschte wie wild geworden los und ich hielt mich eilig fest.

„Uahha!“ Ein erschrockener Laut entkam meinen Lippen, denn durch das rasante Tempo, welches  das Tier vorlegte, fiel förmlich nach hinten und auf ihn, landete an Lucius‘ Brust und wurde gegen ihn gepresst. Haltsuchend grabschte ich nach dem Sattelknauf. Ich spürte Lucius‘ Brust an meinem Rücken vibrieren und erkannte verärgert, dass er doch wirklich zu lachen schien.

Ich war pikiert, aber gleichzeitig jagte es mir Schauer über den Rücken, als ich das tiefe, wohlklingende, Lachen vernahm. Lucius lachte, ich konnte es nicht glauben, denn bisher, war dies eine Seite, die er so gut wie nie offenbarte.

Ein lachender Lucius!

Leider behagte es mir gar nicht, wenn ich der Grund für diese Erheiterung war, aber ich hatte schwer damit zu kämpfen, mich auf diesem mächtigen Tier festzuhalten, da ich mich auch nicht zu sehr auf Lucius verlassen wollte.

Natürlich trieb er es auf die Spitze, indem er sich nun vorlehnte, wobei ich gezwungener Maßen mit gehen musste, um das Tier noch weiter anzutreiben und das Tempo zu erhöhen. Zum Glück flogen wir nicht, kam mir ein Stoßgebet in den Sinn, als ich in meiner abklingenden Panik bemerkte, dass wir offenbar nun in ein gleichmäßiges, aber schnelles Tempo verfielen.

Das große, weiße Pferd hatte, wie ich an einem Blick nach hinten, an Lucius vorbei erkannte, die Flügel angelegt und hätte so von der Geschwindigkeit her gut mit einem schnellen Pferd mithalten können, wobei die Hufe donnernd auf dem Boden aufschlugen. Wenn es nur so bliebe und wir weiter auf dem Boden verbleiben würden. Ich malträtierte meine Lippe und versuchte, sowohl die Flügel als auch Lucius‘ Körper an meinem Rücken zu verdrängen.

Eine Weile, ich konnte beim besten Willen nicht sagen wie lange, behielten wir dieses rasante Tempo bei und die Landschaft glitt nur so an uns vorbei.

Nach einiger Zeit dachte ich schon, wir mussten die Ländereien der Malfoys verlassen haben, als Lucius irgendwann nach und nach das Tempo drosselte und den Abraxaner in einen gemütlichen Trab verfallen ließ. Ich wagte, leise aufzustöhnen und hoffte, dass das Geschaukel bald ein Ende hätte und wollte gar nicht ans Fliegen denken.

Die warme Sommersonne schien mir ins Gesicht und ich merkte erst so richtig, wie warm es wirklich geworden war, weil der Wind, den die Geschwindigkeit verursacht hatte, nun fehlte. Es würde wirklich ein heißer Sommertag werden und ich tat mir schon leid, dass ich in langen Hosen und dicken Stiefeln auf einem Pferd sitzen musste, anstatt den Tag in einem schönen, leichten Sommerkleid, wo auch immer, aber nicht auf dem Rücken eines unbequemen Pferdes zu verbringen.

Severus färbte eindeutig ab, dachte ich mir sarkastisch, während ich mir selbst leid tat.

Ich spürte, wie Lucius hinter mir im Takt des Trabes mitging und musste mich zusammenreißen, nicht erschrocken aufzufahren, als er plötzlich eine Hand auf meinen Bauch legte und mich ruckartig an sich zog.

„Muss ich dir das noch beibringen? Oder kannst du das auch schon?“, raunte er mir aufreizend ins Ohr, dabei gingen seine Bewegungen noch deutlicher auf mich über.

Er klang zynisch, offenbar nahm er es mir etwas übel, dass ich ihm, wie mir nur zu bewusst war, beim Aufsteigen fast einen Tritt ins Gesicht verpasst hatte, aber er hatte in seiner Überheblichkeit nicht mal daran gedacht nachzufragen, ob ich alleine aufsteigen konnte.

Wenn er nicht fragte, musste er halt fühlen und hinzu kam, ich versuchte auf diesem Gaul Abstand zu ihm zu halten, so gut es ging. Natürlich war es an sich lächerlich, aber mir halt wichtig.

Auf der anderen Seite klang seine Anspielung schrecklich doppeldeutig. Gut, Lucius verhielt sich anders und er sah mich anders an als früher, als im letzten Jahr, doch nochmal würde ich nicht sehenden Auges ins Unheil rennen, nicht noch mal.

„Ich weiß, wie man Trab reitet!“, zischte ich minimal genervt von seiner Großkotzigkeit, dass er mir andauernd Sachen beibringen wollte, als wäre ich ein KIND!

Ich wollte seine Hand wegschieben, doch ich wurde von einem erneuten Schauer erschüttert, der mich überlief als Lucius‘ tiefes, aus der Brust kommendes Lachen nun an meinem Ohr ertönte und dabei sein kühler Atem über meine erhitzte Haut streifte. Es war so verwirrend, was er in der Lage war, in mir auszulösen.

Wir ritten einige Zeit in diesem gemächlichen Trab und Lucius wies hin und wieder gewichtig auf Merkmale in der Landschaft hin und erklärte, dass wir uns unsäglicher Weise noch immer auf Malfoyland befanden, eine Tatsache, die mich schockierte. Das war alles viel zu groß und weitläufig. Dann fabulierte er darüber, wie ein Abraxaner zu führen wäre, während ich lauschte.

Nach und nach tat ich aber nur noch so und versuchte eher, immer mehr innerliche Distanz aufzubauen und mich nicht davon irritieren zu lassen, dass er weder seine Hand von meinem Bauch nahm noch zuließ, dass ich etwas Abstand zwischen uns brachte.

Außerdem fiel es mir weiterhin schwer, mich zusammenzureißen und runterzukommen, da er mir immer wieder ins Ohr wisperte, oder sogar mit seinen Lippen wie zufällig meine Haut streifte. Es war verwirrend, irritierend und brachte mich aus dem Konzept, meine Nerven waren die ganze Zeit zum Zerreißen gespannt.

Gefangen in meinen eigenen Bemühungen nickte ich nur auf seine Hinweise und versuchte so gut es ging, ihn und seine Gegenwart auszublenden.

Hermiones Sicht ende

Lucius Sicht

Es war mittlerweile Mittagszeit.

Die Sonne stand strahlend hoch am Himmel und es war wirklich heiß geworden. Wir ritten nun schon seit mehr als einer Stunde im gemütlichen Trab über die Ländereien der Malfoys und ich hatte das Gefühl, dass Hermione sich immer mehr zurückzog und abwesend wirkte.

Und das ging gar nicht!

Nun, ich hatte noch mehr für heute geplant, als ihr die Abraxaner näherzubringen. Die letzten Tage hatte sie hart und intensiv lernen müssen, das waren keine Ferien für sie gewesen.

Ich fand, heute war es mal wieder an der Zeit für etwas Entspannung, außerdem wollte ich die Gelegenheit nutzen, in hoffentlich legerer Atmosphäre, das ein oder andere von ihr zu erfahren.

Gezielt lenkte ich daher das Tier auf einen kleinen Wald zu. Es war Zeit für eine Pause.

Im Halbschatten der ersten Bäume brachte ich den Abraxaner zum Stehen und stieg dann ab. Erstaunt blickte Hermione, die aus ihrer Abwesenheit aufzuschrecken schien, auf mich hinab.

„Absitzen, komm!“, kommentierte ich meine ausgestreckten Arme.

Ich wollte ihr hinab helfen, denn auch wenn sie offenbar die Grundbegriffe des Reitens kannte, war ein Abraxaner doch viel größer als ihre Muggelpferde.

„Was machen wir hier?“, fragte sie sichtlich unwillig, während ich an ihrer Miene erkennen konnte, dass sie meine Hilfe nicht wollte.

Doch nachdem sie ihr rechtes Bein über den Sattel geschwungen hatte und mit dem linken Fuß im Steigbügel hing, schwebte sie noch hoch über dem Boden, weit entfernt davon, irgendwie den selbigen zu erreichen, ohne sich einfach hinab fallen zu lassen, also ließ sie mit einem genervten Seufzer zu, dass ich an ihrer Taille zupackte und sie hinab hob, was ich auch getan hätte, wenn sie nicht gewillt gewesen wäre, meine Hilfe anzunehmen.

Sie glitt vom Pferderücken und ich behielt mein Hände noch einen Augenblick genießend an ihrem Körper, dann ließ ich sie widerstrebend los und sie wandte sich sofort um.

„Es ist Zeit für eine Pause!“, war meine herrische Antwort, um dann etwas sanfter hinzuzufügen: „Es wird dir gefallen, komm!“, ließ ich ihr gar nicht die Zeit etwas zu erwidern, sondern steuerte einen schmalen Pfad an, der sich durch den recht lichten Wald schlängelte.

Ich vernahm hinter mir am Rascheln und den dumpfen Schritten auf dem Waldboden, dass sie mir folgte und schritt rasch voran, bis sich der Wald zu einer im Durchmesser etwa 20 Meter  breiten Lichtung öffnete. Hier trat ich zur Seite und ließ sie an mir vorbeigehen.

Mein Blick war aufmerksam auf ihr Gesicht gerichtet und ich erlebte, wie das Erstaunen in ihren Augen Einzug hielt, als sie die Wiese vor uns erblickte, auf der etliche, bunte Wiesenblumen blühten und an deren Rand im Halbschatten eine große Decke lag, auf der ein Weidenkorb stand. Es war ein sehr pittoreskes Bild.

„Ein Picknick?“, fragte sie sichtlich überrascht, während sie ihren abschätzenden Blick weiter schweifen ließ, denn ihr Ton war eher ein verächtlicher denn ein erfreuter und meine Braue wanderte in die Höhe.

Die Lichtung war wirklich malerisch, genau deswegen hatte ich sie ausgesucht. Über den Blüten schwebten viele schön anzusehende Schmetterlinge. Die Blumen verströmten einen sommerlich, frischen Duft, der sich mit dem erdigen Geruch des Waldes und des Wiesenbodens mischte, dazu kam eine frische Brise, die von dem kleinen Bach herrührte, der sich leise plätschernd durch das Grün schlängelte und von hier kaum auszumachen war.

Für mich, der ich sonst nur von Gebäude zu Gebäude hetzte, war dieses ungewohnte Bild, mal friedliche Natur anzusehen, auch eine willkommene Abwechslung und selbst Severus schätzte es, wenn er durch das Gelände pilgerte um erfolgreich Jäger und Sammler zu spielen, auf der Suche nach seinen Zutaten und so verstand ich ihre Abweisung nicht ganz.

„Du hast es erfasst!“, erwiderte ich schlicht.

Danach legte ich ihr eine Hand zwischen die Schulterblätter und delegierte sie sanft in Richtung der Decke, was dazu führte, dass ihr Rücken sehr gerade wurde.

„Ich denke, diese Pause haben wir uns mehr als verdient!“, verkündete ich bestimmt, nachdem sie schwieg und so ließ ich mich dann auf die Decke sinken.

„Was soll das werden, Lucius?“, fragte sie sehr skeptisch und blickte mich kalkulierend, mit offenem Misstrauen an. Die Leichtigkeit, die in Syon zwischen uns geherrscht hatte, war hier nicht zu finden, es war eine angespannte Atmosphäre.

„Eine Pause und nun setz dich!“, wiederholte ich nun sehr viel vehementer, minimal wegen ihrer Sturheit verärgert, worauf sie sich sichtlich widerwillig neben mir auf die Decke eher plumpsen denn sinken ließ und in einem Schneidersitz neben mir hockte, mir aber einen merkwürdigen, fast würde ich sagen genervten, Blick zuwarf.

Während sie sich noch immer kontrollierend umsah und wohl überlegte, was das hier sollte, begann ich, den Korb magisch auszuräumen. Da hatten wir, wie von mir befohlen, eisgekühlten Champagner, Erdbeeren und Canapés mit den erlesensten Zutaten, die vorzüglich zum prickelnden Champagner passen würden.

Ich entkorkte mit einem leisen Plopp die Flasche, was Hermione veranlasste, zu mir herüberzusehen.

„Champagner?“, fragte sie mit irgendwie spöttisch erhobener Augenbraue.

Sie war heute seit dem kurzen Küsschen, das sie mir als Bestechung angeboten hatte, erstaunlich still und hielt sich enorm zurück und ich fragte mich, warum dies so war.

„Ja, sicher!“, war meine blasierte Antwort, als ich aus dem Korb zwei Kristallgläser fischte und das kühle, prickelnde Nass einschenkte.

Ich hielt Hermione auffordernd ein Glas hin, welches sie nur zögerlich annahm, aber ich störte mich nicht daran, sondern ließ leise klirrend die Gläser aneinanderstoßen.

„Auf einen erholsamen Tag und die bezaubernde Gesellschaft!“, wünschte ich samtig und sah ihr verführerisch tief in die Augen. Sie hielt meinem Blick einige Sekunden lang stand.

„Auf den schönen Tag!“, erwiderte sie schlicht und klang dabei etwas verhalten. Sie nahm einen kleinen Schluck, augenscheinlich wollte sie ihre zuckenden Mundwinkel vor mir verbergen.

Hermione wirkte nicht wirklich begeistert von alldem, was ich ihr bot, nicht so als ob sie es genoss. Irgendwie war sie im Moment unruhig. Ich registrierte, wie ihr Blick fast sehnsuchtsvoll nun über den Waldrand an der Lichtung glitt. Mich irritierte ihr Gebaren.

Natürlich war mir bewusst, ihr widerstrebte noch etwas, sich völlig auf mich einzulassen und mir zu vertrauen, aber dass die romantische Umgebung derart wenig auf sie zu wirken schien, überraschte mich dann doch. Jedoch würde ich mich davon nicht in meinem Bestreben behindern lassen, sondern beschloss, mich nur noch mehr zu bemühen.

„Hier, Liebes , nimm von den Erdbeeren, die du so sehr magst, sie ergänzen sich herrlich mit dem  erstklassigen Geschmack des Champagners!“, bot ich generös an und hielt ihr die Schale mit den reifen, süßen Beeren hin, aber sie wägte ab, unterdessen rückte ich näher zu ihr und blickte sie auffordernd an.

„Was stört dich?“, fragte ich schließlich direkt und musterte sie dabei abwartend, bis sie schließlich doch eine Beere nahm und vorsichtig aß und von dem Champagner trank, indem sie daran nippte.

„Hm?“, bestätigte mir ihre wie aufgeschreckt wirkende Reaktion, da sie zu mir herumfuhr, dass sie wirklich in Gedanken gewesen war.

„Was beschäftigt dich? Der Ort hier ist so schön, aber du scheinst ihn nicht zu genießen! Warum?“, forschte ich noch mal nach und sie blickte mich nun aufmerksam an.

„Ach, Lucius, das hier ist nichts für mich!“, gestand sie aufstöhnend und meine Stirn runzelte sich, da ich nicht verstand, was sie damit sagen wollte.

„Mhm… der Wald hat für mich nichts Friedliches… mehr.... Es mag schön hier sein, aber ich kann nie im Wald abschalten, denn in ihm jage, trainiere und begegne ich den Werwölfen. Das hat mir Fenrir beigebracht, somit bedeutet Wald für mich immer Gefahr, oder bestenfalls Training, aber nicht Entspannung, zumal mir das sowieso nicht liegt!“, antwortete sie schließlich sehr ernst und wich meinem Blick nicht aus.

Fenrir, sie kam mit dieser Kreatur einfach zu gut aus. Ich verstand Severus‘ miese Laune, sobald die Sprache auf diese Mischwesen kam.

Zuerst blickte ich sie perplex an, doch dann konnte ich mich nicht mehr halten und brach in Gelächter aus. An diesem Tag hatte ich schon ungewöhnlich oft wirklich ehrlich gelacht, weil sie mich erheitert hatte. Selbst das schafften nur wenige und gerade eben war sie einfach köstlich in ihrem Verhalten.

„Du schaffst es wirklich, jeden genüsslichen Moment so was von kaputt zu machen, Hermione, ein Talent! Wohlgemerkt, ein unübertroffenes von dir!“, spottete ich atemlos.

Ich genoss es tatsächlich, diese sonst so unbewegten Muskeln in meinem Gesicht zu benützen, dabei hob ich mein Glas, um ihr erneut zynisch zuzuprosten. Ich bemerkte genau, dass sie gefrustet von meinem Kommentar aber vor allem wegen meines Lachens war und am liebsten die Augen verdreht hätte, aber sie beherrschte sich und wandte sich wieder missmutig ab.

„Was? Ich mache meist, oder immer, irgendwas und naja… mein erstes Mal, dass ich jemanden wirklich und vollkommen absichtlich mit dem Avada getötet habe, war im Wald! Das prägt…“, warf sie mit wehmütigem Blick in den Wald ein und ging auf meine Aussage nur durch ihren intensiven Blick ein.

„Wer war es?“, fragte ich sofort, denn das interessierte mich brennend.

„Umbridge!“, stieß sie  verächtlich mit einem wie angewidert wirkenden Zähnefletschen aus, aber auch ohne zu zögern. Dass sie es bedauerte konnte man nicht behaupten, so wie sie sich gerade präsentierte.

„Ach… um die Schreckschraube war es nicht schade, schrecklich, dieses rosafarbene Bonbon!“, resümierte ich kalt, während Hermione nun wieder schwieg. Das Biest hatte so einige spannende Anekdoten zu erzählen.

„Na gut, dann lass uns einfach hier etwas essen und uns ein bisschen unterhalten, kein Entspannen!“, schlug ich lässig vor, wobei ich mir sicher war, sie würde schon noch abschalten.

„Meinetwegen!“, war mir ihre einsilbige Antwort genug und so fuhr ich fort, während ich die Erdbeerschale und die Platte mit den kleinen Köstlichkeiten vor uns abstellte.

„Wann bist du das erste Mal geritten? Wie hast du es gelernt?“, setzte ich zu einem unverfänglichem Thema an.

„Mit 4 Jahren, denke ich. Ich hatte ein paar Stunden auf einem Reiterhof, wie sehr viele Muggelmädchen und auch in meinen ersten Hogwartsferien war ich noch einige Male dort! War nichts Besonderes, denn meine Leidenschaft dazu ist nicht entfacht worden…“, gab sie mir bereitwillig Auskunft.

„Diese Pferde kann man nicht mit unseren Wesen vergleichen…“, wandte ich ein und kassierte einen irgendwie leicht unglücklichen Blick von ihr, worauf ich taxierend eine Braue hob und sie stöhnte.

„Das ist richtig, puh… ich hatte schon mal das Vergnügen, auf einem geflügelten Wesen zu reiten… ja, schau nicht so, auf den Thestralen, damals von Hogwarts zum Ministerium! Ehrlich, es war grauenvoll. Ich mag es auch nicht sonderlich!“, gestand sie mit einer leidlichen Grimasse ein und überraschte mich damit, dass sie wirklich aufrichtig zu mir war.

„Warum?“, war meine direkte Frage.

„Ich fliege nicht gern!“, bekannte sie unwillig und verzog dabei gequält das Gesicht, bevor sie einen Schluck ihres Champagners nahm und ich nahm an, dass sie nicht gern flog, war eine Untertreibung.

Interessant, dass auch sie etwas fürchtete. Sie, die sonst so furchtlos war.

„Nun, meiner bescheidener Ansicht nach, kann man einen Thestral nicht mit einem Abraxaner vergleichen!“, resümierte ich recht überheblich, aber diese knochigen, ledrigen Viecher waren nun wahrlich keine schönen Tiere.

„Hihihi… wahrhaftig nicht! Wenigstens konnte ich sie sehen! Ich bewundere noch heute die Weasleys, die wacker und blindwütig auf diese für sie unsichtbaren Tiere geklettert sind… brrr…“, zeigte sie Gefühl und schüttelte sich inbrünstig, bevor sie in Lachen ausbrach.

Wir verfielen nach ihrem Heiterkeitsausbruch wieder in Schweigen. Offenbar war sie wirklich nicht motiviert, ein langes Gespräch mit mir zu führen, aber ich hatte auch keine Lust, ihr dauernd etwas aus der Nase zu ziehen, also schwieg ich auch, sehr lange, bis mir das Ganze zu bunt wurde. Ich war schließlich nicht hier mit ihr, um zu schweigen, höchstens wenn sie mit mir schlafen würde, wäre das angebracht gewesen, aber so wollte ich reden und mehr erfahren und ich wusste, wie ich sie aus der Reserve locken konnte.

„Wer war dein erster Mann?“, fragte ich sie genau in dem Augenblick als sie einen Schluck trank, woraufhin sie sich auch sofort daran verschluckte.

Ich klopfte ihr schnell recht hart, aber auch irgendwie generös auf den Rücken, bis sie nicht mehr vom Husten geschüttelt wurde, dann blinzelte sie mich ungläubig an.

„Mit wem hattest du dein erstes Mal?“, wiederholte ich drängender und sah sie eindringlich an, ließ sie nicht ausweichen.

„Das ist doch egal!“, wehrte sie mir etwas zu rasch ab, somit legte ich mein Haupt kalkulierend schief.

„Wenn es nicht wichtig ist, sollte es dir nichts ausmachen, es mir zu sagen!“, beharrte ich arrogant auf einer Antwort und mein Blick bohrte sich regelrecht in sie.

„Hmpf!“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust und blickte wieder in den Wald, als ob sie nach etwas suchen würde.

„Also, wer war es?“, klang diesmal meine Frage sehr harsch und ungeduldig, wobei ich im Geiste die Männer durchging, die mir bekannt waren und doch war ich gespannt.

Ich konnte nicht sagen, was mich ritt, dass ich es genau erfahren wollte, außer dass es mich wirklich interessierte, wem sie sich hingegeben hatte!

„Meine Herrn, Lucius, du kannst enervierend sein!“

„Ich gebe mein bestes!“, war ich mir für eine Antwort nicht zu schade und schenkte ihr ein maliziöses Lächeln.

„Ohhh… es war Cedric, Cedric Diggory!“, stieß sie nörgelnd aus und ich blinzelte, denn der Name klang in meinen Ohren nach, Diggory?

„Wann? Wie?“, wollte ich wissen, während ich nachdachte und mich fragte, wie es sein konnte, dass dieser Name noch nie im Zusammenhang mit ihr gefallen war.

„Du willst es genau wissen! Wundert mich irgendwie nicht, also, ich war in der dritten Klasse und selbst… mhm… 14, fast 15, jetzt zufrieden?“, fauchte sie plötzlich aufgebracht und ich verstand nicht wirklich, warum sie mein Beharren auf einer Antwort so wütend machen sollte, zumal mir der Name nur vage bekannt vorkam und ich nicht das Bedürfnis verspürte, ihn zu töten, damit konnte ich ihre Reaktion nicht ganz nachvollziehen.

„Diggory… hm… Diggory, sagt mir was, Amos? Der arbeitet im Ministerium Aufsicht magischer Geschöpfe… aber Cedric?“, überlegte ich laut, doch dann kam mir plötzlich ein Bild vor Augen.

Amos Diggory, wie er beim Finale des Trimagischen Turniers die Elterntribüne hinabgestürzt war und dramatisch gerufen hatte:

„Mein Sohn, mein Sohn, was ist mit meinem Sohn?“ Dies war auf ewig, in sich stetig wiederholenden Bildern gedruckt im Tagespropheten erschienen, ich selbst erinnerte mich nur an mein plötzlich wieder brennendes und zum Leben erwachtes Dark Mark und jetzt verstand ich ihr Unbehagen, denn ihr erster Mann war schon tot, getötet vom Lord!

„Der Hogwartschampion des Trimagischen Turniers? Dieser Diggory?“, warf ich schließlich verblüfft ein, da sie mir nicht zur Hilfe kam, mir aber einen unleserlichen Blick schenkte.

„Ja!“, war ihre wenig eloquente Aussage.

„Mein Beileid!“, reagierte ich eher zynisch denn ernstgemeint.

„Ach, wieso? Es war nichts Ernstes! So ist das Leben…“, warf sie nun erstaunlich kratzbürstig und kaltherzig ein, doch ich hatte wirklich keine Lust, auf ihre Launen heute einzugehen oder darauf, dass sie es schaffte, meine Bemühungen, ihr hier einen schönen Tag zu bereiten, kaputtzumachen. Ich würde mir diesen Tag von ihren Launen nicht verderben lassen.

„Eben und das Leben geht weiter… wie ging es weiter?“, forschte ich somit unbewegt nach und prostete ihr zu.

„Soll ich weiter machen? Na gut, also, dann ein Jahr später beim Turnier, Viktor Krum, den zweiten Champion, ganz schön fleißig!“, provozierte ich gehässig und fuhr ungerührt fort.

„Und erzähl mir nicht, es wäre nicht so. Ich hab den jungen Mann zwei Mal mit dir gesehen, mir ist nicht entgangen, wie er dich angesehen hat und du kannst es nicht leugnen. Nur Freunde, dass ich nicht lache!“, ätzte ich gebieterisch und gefangen in der Erinnerung, wie dieser sie in Bulgarien küsste und wir das damals in der Wohnung miterlebten und sofort war ich wieder versucht, ihn zu töten.

Sie hingegen hatte die ganze Zeit mit abgewandtem Haupt dagesessen und die leichte Brise hatte mit ihrem Haar gespielt.

„Was willst du, Lucius? Willst du jetzt jeden Mann wissen, mit dem ich etwas hatte? Ist es das?“, brauste sie zu mir auf und schleuderte mir wütende Blitze aus ihren braunen Augen entgegen, als sie sich etwas vor mir aufbaute, während ich nur eine blonde, aristokratische Braue hob.

„Bitte, von Sirius weißt du ja und ja, mit Viktor hatte ich was während des Turniers und von Severus und Draco weißt du auch. Das waren alle, fünf, mehr nicht! Mehr kann ich nicht bieten…“, fuhr sie mich sehr barsch, aufgebracht an und hisste fast schon ungehalten.

„Schon gut, kein Grund sich so aufzuregen! Und nur fünf, mit denen etwas Längeres lief? Oder auch mal so was zwischendurch? Ein One Night Stand?“, forschte ich genau nach, hob aber beschwichtigend und schmunzelnd die Hände, ob ihres Ausbruches.

Sie nickte knapp aber schnaubte, eine Reaktion, die mir ein spöttisches Zucken der Mundwinkel bescherte.

„Frage ich nach deinen Frauen? Frage ich nach, wen du dir alles einverleibst?“, wisperte sie vorwurfsvoll und starrte mich mit gerunzelter Stirn an und ich studierte ihre Miene eindringlich, bis ich meine Entscheidung traf.

„Also, nein! Du bist nicht sprunghaft! Wirklich nur diese fünf?“, kommentierte ich ihre zustimmende Reaktion, da sie nickte.

„Dann hattest du, bis auf die Halbveela, jeden Teilnehmer des Trimagischen Turniers! Eine Leistung!“, warf ich dann doch noch resümierend ein, denn auch wenn sie gerade so herrisch betont hatte, dass es nur fünf waren, Diggory, Krum, Black, Severus und Draco, nahm ich ihr absolut nicht ab, dass mit Potter und vielleicht auch mit Weasley oder diesen unsäglichen Twins nichts gelaufen war, so eng wie sie mit ihnen war.

„Sehr witzig, Lucius, fast die gleichen Worte hat Sirius auch verwendet, nur er beliebte zu bemerken, dass mich mit allen männlichen Teilnehmern etwas verband!“, gab sie recht süßlich und provokant zurück.

„Ah, dann hattest du doch was mit Potter!“, stellte ich nun rasch und völlig ernst fest, denn dass sie bei ihm log, da war ich mir fast sicher.

Sie wusste, dass er mir ein Dorn im Auge war, ihre Nähe zu ihm, mehr als mir die anderen, die tot oder weit weg waren, ein Ärgernis hätten sein können.

Aber da war auch diese Szene mit diesen Weasley Twins im Tropfenden Kessel, die mich nicht losließ, da sie so unglaublich vertraut gewirkt hatten.

Aber ich versuchte, ihr zu glauben und zu vertrauen, wenngleich sie auf mich wirkte als würde sie etwas zurückhalten.

Gut, fünf Männer waren jetzt nicht so viel, andererseits war sie noch jung und wenn man bedachte, wie dehnbar ihre Moral mittlerweile war, hätte ich mehr erwartet, zumal zwei der fünf Männer heute noch aktuell waren und es somit nur drei Vorgänger und Verflossene gab.

Sie war ganz eindeutig wählerisch und warf sich nicht jedem x-beliebigen Mann an den Hals und hielt stur, loyal und treu zu ihren beiden aktuellen Partnern, zumindest hoffte ich das und ich hoffte es auch nicht, sonst würde es für mich nicht gut aussehen.

Was für eine vertrackte Situation!

Lucius Sicht ende

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BeitragThema: 397. Sense and Sensibility    So Aug 04, 2013 8:16 pm

397. Kapitel Sense and Sensibility / Sinn und Sinnlichkeit

Hermiones Sicht

Das meinte er doch jetzt nicht ernst, oder?

Er fragte mich doch tatsächlich über mein Liebesleben aus!

Und dann unterstellte er mir, dass ich mit Ron oder den Twins etwas hätte, aber wo er sich ganz sicher schien war, dass ich und Harry, dass wir… also das, das war… das war so lächerlich und dementsprechend entgeistert starrte ich ihn dann auch an.

„Nun sprich schon, Hermione! Du kannst mir nicht vormachen, dass da nie etwas gewesen ist!“, drang Lucius weiter vor und ich fand die Vorstellung und seine Überzeugung so lächerlich, dass ich mich arg zusammenreißen musste, um nicht in lautes Lachen auszubrechen.

Denn das war lächerlich. Ich wollte nicht mit Harry ins Bett, hatte ich nie wollen, aber er hatte recht, wenn er behauptete, ich verschwieg etwas, dafür war Lucius zu gewieft, um mein Zögern nicht zu bemerken, denn wie ich das unter der Dusche bezeichnen sollte, wusste ich nicht, nur eines stand außer Frage, sagen durfte ich das nicht und ich überlegte, was ich anderes vorschieben könnte, um seine Zweifel zu zerstreuen. Aber genau genommen hatte ich schließlich auch mit Blaise nicht geschlafen, daher war es nicht mal wirklich eine Lüge, wenn ich diesen Nachmittag verschwieg.

Jetzt hatte er es wirklich geschafft, mich von meinen trüben Gedanken abzubringen.

Das Reiten auf dem Abraxaner hatte mir schon viel abverlangt und dann das hier im Wald, auf der Lichtung. Ich traute Lucius nicht, er hatte etwas vor, das hier sollte ganz offenbar ein romantisches Picknick werden, aber so war Lucius nicht und so war ich nicht. Warum tat er das?

Außerdem hatte ich zuvor nicht gelogen, ich konnte mich im Wald nicht entspannen. In mir war es mittlerweile so verankert, in solch einer Umgebung wachsam zu sein, dass ich mich, selbst wenn ich gewollt hätte, nicht auf diese Entspannung hier hätte einlassen können. Aber ich wollte ja nicht mal und jetzt kamen diese Themen auf.

Davon abgesehen, was erwartete er? Im Wald traf ich immer auf Fenrir, da war ich nie nachlässig oder gar unaufmerksam, dies erforderte volle Konzentration. Für die Schönheiten des Waldes hatte ich keine Verwendung, ja, ich nahm sie wahr. Ich sah, wie friedlich und idyllisch diese Lichtung war, aber ich konnte und wollte es nicht genießen.

Lucius‘ Annäherungsversuchen zu widerstehen, ihn beständig auf Abstand zu halten und hier nicht zu sehr meine Instinkte walten zu lassen, aufgrund der Umgebung, fiel mir unglaublich schwer, da wollte ich ihm nicht noch vorspielen, dass es mir gefiel was er arrangiert hatte. Und auch meine aufflackernden Erinnerungen an meinen ersten Mord, der im Wald stattgefunden hatte, machten es nicht besser und jetzt noch über meine zum großen Teil verstorbenen Liebhaber zu sprechen machte es wahrlich nicht leichter.

„Lüg nicht!“, befahl er nun sehr eisig, in dieser ihm typischen Arroganz, was mir endgültig die Kontrolle entriss.

Selbst hier, mit der Sonne, deren Strahlen sich glänzend in den etwas gelösten Strähnen aus seinem Zopf fingen und trotz der relativ profanen Haltung, in der er auf dem Boden saß, schaffte es all dies leider nicht, ihn deplatziert wirken zu lassen, nur passte es überhaupt nicht in mein Bild von dem hochherrschaftlichen Lucius. Dies und sein Vorwurf, dass Harry mehr für mich wäre als ein Bruder, waren surreal.

Ich ließ mich nach hinten auf die Decke fallen und begann aus vollem Halse zu lachen. Das tat wirklich gut, nach diesem Vormittag und Mittag. Das Lachen war so was von befreiend und ich verschwendete keinen Gedanken daran, dass es Lucius stören könnte. Erst als plötzlich ein Schatten auf mich fiel, öffnete ich die Augen und erblickte Lucius über mir, was nicht gut war, denn bei seinem aufgebrachten, ernsten aber irgendwie auch affektierten Ausdruck musste ich nur noch mehr lachen.

„Du lachst mich doch nicht etwa aus!“, grollte er drohend, mit tiefer Stimme und ich schnappte nach Luft.

„Nein… nein… Lucius! Aber… du… das…“, versuchte ich unter neuen Lachern zu beschwichtigen, aber es war einfach zu herrlich, wie er sich aufregte und sich hineinsteigerte, aber die Idee, dass ich etwas mit Harry gehabt haben könnte, war schlicht lächerlich.

„Lüg mich nicht an und lach mich nicht aus!“, wiederholte er seine Drohung mit tiefem Timbre und ich konnte gar nicht so schnell reagieren, da war er völlig über mir, sein Gewicht drückte mich schwer hinab und er griff geschwind zu meinen Händen und pinnte sie über meinem Kopf auf den Boden, während mir diese Aktion die Luft aus den Lungen presste und ich laut aufkeuchte.

„Ich… lüge… nicht… wirklich, ich und Harry… nein… sicher nicht… er… mein Bruder!“, brachte ich unter erstickten Lachern hervor und schnappte nach Luft, denn Angst hatte ich keine, während Lucius mich niederhielt und mir keine Bewegungsfreiheit mehr ließ.

Langsam beruhigte ich mich wieder, das Lachen ebbte ab und ich konnte atemlos in seine sturmumtosten Augen blicken und erkannte nun doch langsam die pikante Situation, in die ich mich selbst hineinmanövriert hatte. Sein Blick war durchdringend und sehr fest und ich erkannte, er würde mich nicht gehen lassen, wenn ich ihm nicht aufrichtig Rede und Antwort stand.

„Mit Harry würde ich niemals etwas anfangen, glaub mir, das ist abwegig!“, beschwor ich nun doch besorgt und versuchte, zu überzeugen, dabei wich ich Lucius‘ Antlitz, das bedrohlich über mir schwebte, nicht aus.

Der Ausdruck in seinen Augen wurde noch ernster, sein Blick ging tief, als ob er in meinen Augen die Wahrheit suchte und zu erkennen versuchte, ob ich ihn nicht belog. Er schien zu ahnen, dass ich etwas zurückhielt und glaubte mir offenbar nicht, dass das alles war, weswegen ich die einzige Karte ausspielte, die mir abrupt einfiel.

Es war nicht nett, aber nun, hatte ich je behauptet, es zu sein?

„Du glaubst, ich halte etwas zurück, oder? Okay… wenn du es so aufrechnen willst, jaaaaa, ich verschweige etwas… die zwei Frauen im Gewölbe, mit denen war ich auch noch im Bett oder am Vögeln, wie immer du es nennen willst, aber das war nicht freiwillig… zählt das auch?“, fragte ich provokant und lenkte damit fulminant bösartig ab und bemerkte, wie er über mir erstarrte, als ich ihm diese Szene in Erinnerung rief, an der er schuld war und nur er.

Aber gleichzeitig gelang es mir dadurch, von dem Erlebnis in den Duschen mit Blaise und Astoria abzulenken sowie von anderen Kleinigkeiten, wie zum Beispiel, dass ich Daphne geküsst hatte. Ich fand es genial! Ein mir nicht ganz verständlicher Ausdruck huschte über seine aristokratische Miene. Ich wollte nicht sagen, dass er betroffen aussah, denn das tat er nicht, aber trotz allem schien mir, in seinen Augen loderte ein Feuer, das ihn bewegter wirken ließ als sonst.

Ich dachte, gerade jetzt würde er mich wieder freigeben, nachdem er sachte genickt hatte, denn er schaute mir so inbrünstig in die Augen, dass ich dachte, er habe gefunden, was er in meinen Augen suchte, bis er aber urplötzlich seinen Kopf senkte und bevor ich reagieren oder meinen Kopf wegdrehen konnte, seine Lippen die meinen trafen.

Im ersten Augenblick war ich wie erstarrt, unvorbereitet.

Das hatte ich jetzt nicht erwartet, nicht nachdem ich das Gewölbe angesprochen hatte. Wie ein Blitz durchzuckte es mich, denn das, was er hier tat, das ging nicht. Ich wehrte mich vehement und kämpfte verbissen dagegen an.

Ich wollte niemanden mehr küssen… nicht nach den Dementoren!

Diese Erkenntnis stürzte erneut über mich herein, denn ich hatte Draco meine Lippen verweigert, auch Severus und auch Lucius hätte ich sie in Syon verwehrt, hätte ich schnell genug reagieren können und nun eroberte sie Lucius doch richtig. Wie konnte er das tun, nach dem was damals passiert war?

Das sollte er nicht tun!

Mein Mund war ein Tabu für mich geworden!

Ganz zu schweigen davon, dass ich gerade Lucius, als den Vater meines Freundes, nicht küssen sollte, stand dem Ganzen noch gegenüber, dass ich niemanden mehr zu küssen wünschte.

Ich kämpfte, doch dann wurde ich kurz in dem hitzigen Strudel mitgerissen, den seine Lippen in mir auslösten.

Sie waren so weich, sanft, ja geradezu zärtlich, noch immer lagen seine Lippen begehrlich auf meinen und so nahm es mich dann doch eine Sekunde gefangen, bis ich wieder realisierte, dass dies Lucius war und eben nicht Severus oder Draco.

Er küsste mich!

Dass er dies freiwillig tat, ließ mich schon wieder in meiner Gegenwehr regelrecht erstarren! Er war doch dabei gewesen!

In diesem Moment ließ er meine sich gegen seinen Griff wehrenden Hände los und legte seine an mein Gesicht. Diese Gelegenheit ergreifend versuchte ich, ihn dazu zu bewegen, den Kuss zu beenden und presste meine Hände fest gegen seine Schulter, während ich ihm klarzumachen versuchte, dass ich den Kuss nicht wollte. Doch er ließ sich in seinem Tun absolut nicht stoppen, er hielt mein Gesicht zwischen seinen Händen gefangen und presste meinen Körper mit seinem auf den Boden, dabei ließ er weiter sanft seine Lippen sinnlich über meine gleiten und ich murrte in den Kuss hinein und presste meine Lippen hart aufeinander.

Einen winzigen Augenblick unterbrach er dann doch den Kuss, aber nur so weit, dass seine Lippen nicht mehr meine berührten, dabei bohrte sich sein Blick in meinen.

„Lass dich endlich gehen, Hermione!“, hauchte er verführerisch und sein Atem, der über meine Haut strich, verursachte mir eine Gänsehaut. Schon lagen seine Lippen wieder verlangend auf meinen. Das gab es doch gar nicht, dieser Mann war eine Katastrophe. Ich schaffte es, mich dem Kuss zu entwinden, aber frei kam ich nicht wirklich.

Aber ich schaffte es, etwas nach Luft zu schnappen.

„Wie kannst du nur so was küssen wollen?“, rief ich eilig und drückte weiter gegen seine Schultern, dabei traf mich ein strafender Ausdruck der grauen Augen. „Diesen Mund… nach allem… das ist… lass das!“, begehrte ich heiser auf.

„Du denkst zu viel!“, kommentierte er ungerührt und schien meinen Grund, weswegen er das hier beenden sollte, für aberwitzig zu halten, zumindest vermittelte er dieses so.

Dann begrub er mich wieder bestimmt unter sich. Ich lag nun vollständig unter ihm, spürte seinen ganzen Körper und sein volles Gewicht auf mir und fühlte mich gefangen, dabei versuchte ich, nicht aus den Augen zu verlieren, dass dies Lucius war, der anscheinend, obwohl er alles selbst gesehen und miterlebt hatte, nicht davor zurückschreckte, mich zu küssen!

Zudem war sein Kuss gerade so untypisch, so tastend, sanft und zärtlich, das konnte ich gar nicht einordnen.

Lucius küsste nicht derart selbstlos, einfühlsam, oder auch vorsichtig, denn er war immer besitzergreifend und fordernd, in allem was er tat.

Doch soeben war er unendlich sanft, das vorsichtige Gleiten seiner Zungenspitze über meine Lippen war fast bittend und ich musste hart kämpfen , um nicht seiner gefühlvollen Forderung nachzugeben. Mein Innerstes, tief drinnen, schrie förmlich danach, dem entgegenzukommen, doch ich wollte das nicht, ich konnte es nicht. Das war falsch!

Aber es war gut! Viel zu gut! Der Mann konnte küssen!

Schließlich schien alles um uns herum zu verschwinden, meine Augen flatterten und schlossen sich dann wie von selbst.

Alles um uns herum verlor an Wichtigkeit, auch die Geräusche traten immer mehr in den Hintergrund. Die nervlichen Anstrengungen des Tages waren einfach zu viel und meine Kraftreserven in der Hinsicht sehr angegriffen und so gab ich einem Begehren nach, das ich mir sonst immer strikt verboten und verleugnet hatte.

Die Angst und das Bewusstsein, dass er wahrscheinlich wieder spielte, waren so betäubt, dass diese Zweifel es nicht schafften, mich dazu zu bringen, diesen unendlich schönen Kuss wirklich zu unterbrechen.

Der Gedanke oder auch die Erkenntnis, dass er trotz allem mich spüren und fühlen wollte, war überwältigend und ich verlor mich regelrecht in dieser Offenbarung, weil er es nämlich sehr bewusst tat!

Unglaublich sanft spürte ich seine kundigen Hände, wie er sie sinnlich an meinem Hals entlang und in meine Haare schob. Schon diese ganz und gar innige Berührung ließ das Kribbeln in mir gefährlich ansteigen. Das wahnsinnige Kribbeln, das mir seine Nähe bescherte und mich berauschte und die Realität in weite Ferne rücken ließ.

Nie zuvor hatte er mich auf diese hingebungsvolle und aufopferungsvolle Art geküsst, oder ich hätte es unter normalen Umständen nie zugelassen, dass er es derart entwaffnend tat. Schon jetzt hatte ich das Gefühl, meine Beine würden unter mir nachgeben und war froh zu liegen, nicht stehen zu müssen, denn er hätte mich halten und auffangen müssen. Es war selten bis unmöglich, dass ich so selbstvergessen die Kontrolle abgab und sogar zu vergessen bereit war, dass ich in einem Wald lag, aber er schaffte es, mit erschreckender Einfachheit, mich alles vergessen zu machen.

Überall, wirklich überall am ganzen Körper spürte ich die wohltuende Schwere und Wärme seines Leibes, da er mir so nahe war, auf mir lag und es war erregend, aber auch verwirrend.

Ich hob die Hand wie von selbst an seine Wange, fühlte mich, als würde nicht ich hier handeln, sondern etwas, das mich steuerte,  gab meinen Druck auf seine Schultern auf und ließ sie zu seinem Ohr hinauf gleiten, wo ich ihm zärtlich die Strähne wieder zurück strich, die ihm bei diesem Kuss über die Schultern gerutscht war. Er schien meine Berührungen und mein williges Nachgeben zu genießen, denn sofort wurden seine Lippenbewegungen auf meinen intensiver, fordernder und lüsterner. Eins musste man zugeben, küssen konnte er wahrlich sehr gut!

Ich erwiderte den Kuss vehementer, öffnete leicht die Lippen und stöhnte leise auf, während nun tief in mir drin ein schwaches Echo widerhallte, dass das hier so schrecklich falsch war und dass ich es schleunigst und am besten sofort unterbrechen sollte. Aber eine andere Seite, eine sehr frivole und verwerfliche Seite von mir, wollte hiervon jede Sekunde auskosten, alles in mich aufsaugen und ich hatte das Gefühl, einen unglaublich kostbaren Moment zu erleben.

Diesen einfühlsamen, geduldigen und sehr behutsamen Lucius kannte ich so nicht!

Sein herber, männlicher Duft umfing mich, betörte mich zusätzlich und berührte mich auch jetzt und noch viel mehr als sonst. Es war ein magischer Moment des innigen Verlangens, welches wir soeben miteinander teilten, so ganz ohne Hetze oder Schnelligkeit.

Nun löste er ganz bedächtig und langsam diesen hingebungsvollen Kuss und ich öffnete benebelt die Augen und sah mich seinen graublauen gegenüber, die sonst so unglaublich kalt und herablassend blicken konnten, dass selbst ich es mit der Angst zu tun bekam, aber gerade eben sahen sie mich so dramatisch und so vollkommen ungewohnt gefühlvoll, eindringlich und entwaffnend an, dass ich in ihnen zu versinken drohte.

Mein Herz schlug unglaublich schnell in meiner Brust und ich atmete stoßhaft, mir wurde schrecklich warm. Versinkend in diesem surrealen Moment hob ich meine Hand zu seinem Gesicht, an seine Wange und legte sie sanft dort ab. Er überrumpelte mich mit seiner Reaktion, denn er schmiegte sich, wie selbstverständlich, in meine Berührung, was mich völlig aus dem Takt brachte, weswegen ich leicht aufkeuchte.

Das war nicht Lucius, das konnte, das durfte er nicht sein, schoss mir panisch durch den Kopf, als nun auch seine Fingerspitzen federleicht über mein Gesicht streichelten und mir ein Zittern bescherten, das meinen Körper durchlief.

Durch Lucius abgelenkt verschwand der unerwünschte Gedanke auch schon wieder in den nebligen Tiefen, die gerade mein Gehirn beherrschten. Er erkundete sanft mein Kinn und hauchte mir kleine Küsse auf die Mundwinkel, die Wangen und das Kinn, bis er schließlich wieder mit seinen Händen zärtlich mein Gesicht umfasste und mir tief in die Augen blickte .

Ich fühlte mich atemlos, atmete flach und spürte, ihm ging es genauso, denn auch er wirkte gespannt. Aber er ließ sich Zeit, denn er begann nun sehr langsam, sein Gesicht meinem wieder entgegen zu senken und ich konnte es kaum erwarten, dass seine Lippen die meinen erneut berühren würden.

Doch ich verharrte ruhig, zu gut fühlte es sich an, wie er mich behutsam hielt, als wäre ich das Kostbarste auf der Welt. Er vermittelte mir das Gefühl, wertvoll zu sein und nicht anormal und schließlich spürte ich seinen flachen, warmen Atem schon auf meinen Lippen, fühlte wie dieser leichte Hauch auf ihnen vorfreudig prickelte, so sehr, dass ich mir am liebsten in die Lippe gebissen hätte, um das Kribbeln zu vertreiben, das sich wie tausend Ameisen anfühlte und nicht ganz angenehm war, mich unruhig werden ließ.

Ich verfolgte gebannt, wie er seine Augen langsam, genießend schloss und spürte, dass er mir noch immer näher kam, sodass auch ich meine Augen aufgebend schloss, doch dann trafen seine Lippen federleicht auf meine und als seine Zunge hauchzart meine Lippen teilte, um in mich einzudringen, gab ich ihm willig nach.

Sofort setzte ein unglaubliches Feuerwerk ein, das dann bei diesem neuen, nun offensiveren, leidenschaftlicheren Kuss in mir ausbrach, das mich veranlasste, meine Augen wieder geschockt aufzureißen und ihn mit großen Augen entsetzt anzustarren.

Das hatte ich nicht erwartet!

Es fühlte sich nicht an, wie der erste, noch vergleichsweise keusche Kuss ohne Zunge, vor Sekunden, den ich abzuwehren versucht hatte, sondern war eine Sensation, mit der ich nicht gerechnet hatte. Ich fokussierte sein absolut entspanntes Gesicht und registrierte, dass seine Augen noch immer im Genuss geschlossen waren, während seine weichen Lippen sanft, in endloser Geduld, über meine strichen und seine Zunge in meinem Mund war!

In dem Mund, der so unglaublich Grausames tun konnte!

Dann setzte mein Denken vollständig aus, ich fühlte nur noch ihn, alles außer unserer Berührung verlor an Bedeutung und verschwand um mich herum, so sehr nahm mich dieses unglaublich intensive Gefühl gefangen, sodass sich schließlich meine Augen wieder gemächlich schlossen und ich nur noch genoss.

Alles geschah so behäbig und träge, dass es fast surreal war, als verlangsame sich die Zeit um uns herum. Wir ließen uns wirklich sehr viel Zeit, den anderen zu kosten, genau wie ich schien er diesen Moment bis ins kleinste Detail in sich aufnehmen, auskosten und genießen zu wollen.

Als unsere Zungenspitzen sich immer wieder vorsichtig trafen, zündete das Farbenmeer in mir erneut und entflammte ein gleißendes Lichtermeer in mir, das mit nichts zu vergleichen war, was ich bisher erlebt hatte.

Wieder toppte dieser unersättliche und sinnliche Kuss erneut alles was ich zuvor erlebt hatte. Diese Situation nahm ihn ebenso gefangen wie mich und ließ keinen von uns beiden los. Als unsere Zungen sich immer wieder berührten, stöhnte nicht nur ich sehnsüchtig in den Kuss, sondern auch er, daraufhin versank alles in der Bedeutungslosigkeit.

Schauer der Lust jagten über meinen Rücken und durch mich hindurch, als wir uns nun immer begieriger und leidenschaftlicher küssten.

Fast automatisch glitt nun auch meine andere Hand an seine Wange, hielt sein Gesicht und fuhr dann in seine so unglaublich weichen, seidigen Haare. Seine Fingerspitzen glitten noch immer streichelnd über mein Gesicht, während auch er seine Hände dabei immer weiter in meine Haare gleiten ließ, mich schließlich verlangend noch enger an sich zog.

Wir fochten ein intensives, gefühlsgeladenes und mich völlig benebelndes Duell mit unseren Zungen aus und ich fühlte so deutlich, das hier stand in keinem Vergleich zu Draco, da völlig anders und es überraschte mich, denn dass sie beide dazu in der Lage waren, mich so weltbewegend zu küssen, hätte ich nie und nimmer erwartet.

Hatte mich der erste Kuss mit Draco damals umgerissen, so war dies hier noch verstörender. Vater und Sohn waren sich zu ähnlich und doch ganz anders und dieser Gedanke, Vater und Sohn, schaffte es nun und brach durch den Nebel in meinem Hirn. Das war der Augenblick, in dem ich aus dieser himmelschreienden Umnachtung auftauchte.

Es war, als hätte mich ein Schwall kaltes Wasser getroffen und ich wäre sofort hochgeschreckt und zurückgewichen, hätte er nicht so schwer auf mir gelegen, aber ich riss, nun endlich wieder klar im Kopf, meine Augen weit auf und stemmte sogleich meine Hände wieder an seine Schultern.

Jetzt kämpfte ich nicht dagegen an, weil ich wegen der Dementoren nicht wollte, sondern weil mir mein Draco, mein Freund wieder eingefallen war!

Offenbar nahm er meine Gegenwehr diesmal genauso wenig ernst, wie zu Beginn dieses Desasters und ich war langsam gewillt, ihm die Zunge abzubeißen, aber schließlich begann er doch, sich langsam von mir zu lösen.

Auch er hatte nun die von Leidenschaft benebelten Augen geöffnet. Er blickte mir so intensiv, ganz offensichtlich überwältigt und leicht atemlos entgegen wie ich ihm, doch in mir brodelte es und ich war aufgebracht und wütend, aber nicht auf ihn, sondern auf mich, nur auf mich!

Eben weil ich doofe Nuss wie eine willige Schlampe nachgegeben und mich hatte mitreißen lassen. Das hier hatte ich nie tun wollen. Er reagierte noch immer nicht auf den Druck, den ich ausübte und wollte sich wieder über mich beugen, um mich weiter zu küssen.

„Nein, nein, nein, so bin ich nicht…!“, wehrte ich mich energisch und vehement und drehte eilig meinen Kopf weg, worauf Lucius konsterniert eine Braue hoch zog und mir schließlich mehr Freiraum gewährte und sich leicht zurückzog.

„Wie bitte?“, war seine irritierte, sehr atemlose Frage und das Erste, was er nach unserem Kuss sagte.

Ich konnte ihm ansehen, dass es ihn nicht unberührt ließ, der Kuss, meine Reaktionen, alles, aber ins Bild passen wollte es so gar nicht, denn Lucius zeigte nie Gefühl, egal bei was, ich war verwirrt und durcheinander.

Energisch und hektisch robbte ich davon, um dann schwungvoll aufzuspringen und sofort  vor der Decke empört auf und ab zu laufen.

„Nein! Nein, ich bin keine, die es mit Sohn und Vater treibt! Ehrlich nicht. Nein! SO BIN ICH NICHT, LUCIUS!“, regte ich mich anklagend auf und war wahrlich enttäuscht von mir. Von ihm erwartete ich nichts anderes.

„Ich bin nicht… so eine…!“, fügte ich fast schon verzweifelt, leiser werdend hinzu, während ich mir mit beiden Händen enttäuscht von mir übers Gesicht fuhr und zu meiner Schande fühlte, dass sich Tränen in meinen Augen sammelten.

Das wäre ja die Krönung schlechthin, ich weinte NIE, verbot ich mir rigoros.

„Okay, ich mag flexibel sein aber soooo dehnbar bin selbst ich nicht! Das mit Severus ist… nein, war schwer genug zu akzeptieren… aber das… das geht eindeutig zu weit… LUCIUS!“, murmelte ich vor mich hin, dabei wurde ich keine Sekunde wirklich laut, dafür nahm mich das alles viel zu sehr mit, dass Lucius mich dazu bringen konnte, zu vergessen, wer Draco war!

„Das können wir nicht tun… das dürfen wir nicht!“, wisperte ich aufgelöst.

Da sprang er urplötzlich sehr leichtfüßig auf und war rasch bei mir, packte mich hart an den Schultern, seine Miene wirkte ungehalten über meinen Ausbruch, aber ja, so kannte ich ihn, diese zuvor gezeigte Zärtlichkeit, das war nicht ER, das hier, das war Lucius, das war klar, als er mir einen harten, fast schmerzhaften kurzen Kuss auf die geschlossenen Lippen presste.

„Du denkst zu viel! Ich stehle mir nicht mehr als ein paar unwichtige, unbedeutende Küsse. Ich habe mich durchaus unter Kontrolle! Sorge dich nicht…“, raunte er mir ebenfalls sehr leise und rau zu.

Dabei ließ er es wirken, als würde ich zu viel in alles hineininterpretieren!

Damit spielte er auch auf unser Erlebnis am Weihnachtsball und das Fiasko unter dem Baum, wo er sich tatsächlich einmal nicht vollständig unter Kontrolle gehabt hatte oder aber letztens auf Syon an, als er mich auf den Tisch gepresst und völlig die Kontrolle gehabt hatte, wie er behauptete.

Aber ja, ich musste ihm zustimmen, er wirkte die ganze Zeit ganz anders als damals, das verunsicherte mich zusätzlich.

„Ich muss hier weg… lass mich allein!“, das rief ich harsch und verzweifelt und stieß ihn mit erstaunlicher Kraft von mir, sodass er leicht ins Straucheln kam, bevor ich meinen Stab hektisch zog und im nächsten Augenblick schon apparierte.

Währenddessen schrie ich panisch in Gedanken, dass er viel mehr von mir stahl, als nur ein paar unbedeutende oder gar unwichtige Küsse!

Hermiones Sicht ende

Dracos Sicht

Bei dem Gedanken, an einem Fest der Veela teilzunehmen, war ich gewillt, mein Gesicht mitleidig zu verziehen. Ich erinnerte mich an das Willkommensessen und stellte mich darauf ein, dass es lang gehen, beziehungsweise sich hinziehen würde, wie alles hier.

Natürlich kam schlicht ablehnen nicht in Frage und so hatte ich mich aufgrund des festlichen Abends in ein ebenso festliches Outfit mit langem dunkelblauem Umhang geworfen.

Abgeholt wurde ich von der vor Aufregung vibrierenden Wena, die sich für diesen Abend auch herausgeputzt hatte. Sie glühte regelrecht und alles an ihr schien in Bewegung zu sein, aber sie durchbrach nicht mein Schild, so gab es für mich einfach ihr hübsches Äußeres, aber nichts Magisches an sich.

Sie hatte ihre langen Haare kunstvoll geflochten, Blüten und Bänder mit eingebunden und trug dazu ein leichtes Sommerkleid, das in vielen, pastellfarbenen Lagen hauchdünnen Stoffes an ihr herabfiel, der, wenn sie sich bewegte, bei jedem Schritt die Konturen ihrs schlanken Körpers erahnen ließ.

Sie war schön anzusehen, ja, aber sie wirkte in ihrer Aufmachung, mit den Schultern, über denen nur sehr dünne Träger hingen und dem so leicht wirkenden Outfit, irgendwie abgehoben und esoterisch und erinnerte mich auf eine Weise an die abgedrehte und fern der Dinge lebende Luna Lovegood.

Auch um ihre Fuß- und Handgelenke trug sie feine, kleine, silberne Glöckchen, die bei jedem Schritt einen hell klingenden Ton verursachten und mich verächtlich innerlich schnauben ließen, wie grotesk.

Sie tänzelte barfuß, leichtfüßig und sehr übermütig vor mir her, während sie überschwänglich winkte und ein hell klingendes Lachen ausstieß  und drehte sich immer wieder verspielt zu mir um, damit ich ihr auch ja folgte.

„Du siehst gut aus!“, kicherte sie beschwingt, wurde dann jedoch gleich wieder über und über rot im Gesicht, wirbelte herum und lief weiter.

„Oh… so dumm...!“, meinte ich sie leise auf sich selbst schimpfen zu hören und musste schmunzelnd den Kopf schütteln. Sie war ein Kind.

Sie war kein Vergleich mit den 17 Jährigen, die ich aus Hogwarts kannte. Keine hatte dort noch diese Naivität und Unbeschwertheit, die sie zeigte, was wohl daran lag, dass sie hier im Hauptlager, bei ihrem Volk, wirklich behütet aufgewachsen war.

Irgendwann würde auch sie auf die harte Realität treffen, aber andererseits durfte ich nicht vergessen, Veela waren andere Wesen, keine Menschen.

Ich vermenschlichte sie gedanklich viel zu sehr, denn wer konnte mir schon sagen, was hinter ihrer so losgelösten, unverbrauchten und geradezu naiven Fassade steckte. Veela waren Geier, sie stürzten sich auf ihre Opfer und lähmten sie geradezu mit ihrem magischen, täuschenden Charme. Nicht wenige ihrer Opfer wurden verrückt davon, was der Veelacharme mit ihren Gehirnen anstellte. Es trieb sie in den Wahnsinn, was nicht nett war. Sie gaukelten einem Illusionen vor, man befände sich in einem schönen Traum und man sei in Sicherheit und wenn man sich gehen ließ, dann erlegten sie einen.

Wie gesagt, keine netten Wesen!

Meine Gedanken wandten sich wieder dem Hier und Jetzt zu, denn der Platz, den wir gerade erreichten, war schon mehr als gut bevölkert. Überall tummelten sich wunderschöne Veela in ähnlich leichten und schwebend wirkenden Gewändern. Wir steuerten nun zielstrebig den Mittelpunkt dieses Spektakels an.

Weithin sichtbar war ein luftiger, offener Baldachin aus Stoffbahnen errichtet worden, der wie ein zu allen Seiten offenes Zelt wirkte, sehr luftig und es unterstützte den Eindruck der Leichtigkeit, der hier herrschte. Der Platz war erfüllt von leisem, aufgeregtem Stimmgewirr und dem hellen Klirren der Silberglöckchen, die sie hier alle zu tragen schienen.

Die Luft war geschwängert von Erwartung, Vorfreude und dieser ganz eigentümlichen, verführerischen und sinnlichen Atmosphäre, die hier normal zu sein schien, die mich aber aufgrund des Trankes recht unberührt ließ.

Die Stoffbahnen des Baldachins vereinten sich zu einem spitzen Zeltdach und fielen von dort in lockeren, opulent wirkenden Kaskaden hinunter zum Rahmen des Zeltes. Das Arrangement darunter wirkte sehr einladend. Man hatte unter die Spitze eine reich verzierte Laterne gehängt, die auch jetzt, obwohl es noch hell war, schon ihr warmes, goldgelbes Licht verströmte. Der Boden war bedeckt mit dicken, bequemen Kissen und Decken und zwei Liegen boten weitere Möglichkeiten sich zu setzen.

„Genieß das Fest, Draco, es wird dich sicher beeindrucken!“, verkündete Wena beschwingt, freudig und ließ mich alleine unter dem Zeltdach stehen. Verwundert blickte ich ihr hinterher und schüttelte den Kopf, als sie in der Menge verschwand.

„Gut, dann können wir ja beginnen!“, sprach mich Zorica von hinten an und ich drehte mich zu ihr herum. Sie war, gefolgt von ihren zwei Wachen, aus ihrem Zelt getreten und steuerte nun selbstverständlich eine der Liegen an.

„Komm, junger Malfoy, mach es dir bequem. Du wirst ein Fest erleben, das nur wenige Außenstehende je miterleben durften, fühl dich geehrt!“, erklärte sie hoheitsvoll und deutete einladend auf die andere Liege, auf der ich mich gewohnt arrogant setzte, während ich meinen Blick schweifen ließ.

Langsam begann die Dämmerung und bald würden sie die Fackeln entzünden müssen. Auch Zorica trug ein fließend leichtes, weißes Kleid, hatte aber ihre langen, wehenden Haare komplett offen gelassen. Entspannt ließ sie sich auf ihrer Liege zurück sinken und sogleich eilten zwei eifrige Dienerinnen heran und reichten sowohl mir als auch ihr eine Auswahl an faden Speisen. Langsam sollte ich mich wirklich daran gewöhnt haben, aber ich zweifelte, dass dies mein Gaumen ähnlich sah.

„Feiert ihr oft dieses Fest?“, fragte ich betont interessiert, auch wenn ich es in Wahrheit überhaupt nicht war, während ich meinen Blick wieder etwas gelangweilt schweifen ließ.

Durch das Zwielicht, welches die Dämmerung hervor rief, das leise Gemurmel und das Klingen der feinen Glöckchen vermittelte alles einen noch surrealeren Eindruck, der ein leichtes Kopfweh bei mir hervor rief.

„Oh ja, regelmäßig, sie gehören zu unseren ureigensten Bräuchen, aber lass dich überraschen!“, bedeutete sie mir geheimnisvoll und ließ sich von einer weiteren Dienerin ein Glas reichen. „Auf einen denkwürdigen Abend!“, verkündete sie stolz und erhob das Glas.

Ich hatte das Gefühl, sie führte irgendetwas im Schilde, etwas, das nicht angenehm für mich werden würde, oder sie ahnte, dass ich diesen Abend vielleicht nicht völlig genießen würde, ihn aber nie würde vergessen können?

Es hörte sich irgendwie doppeldeutig an.

Ich prostete ihr somit verhalten zu und trank, nach meinem Test, denn ich vertraute den Leuten hier nicht. Doch dann hielt ich inne, weil ich plötzlich erkannte, dass hier nicht nur weibliche Veela feierten. Das war ja spannend, soeben beobachtete ich einen in der Nähe stehenden, sehr weiblich wirkenden, aber eindeutig männlichen Veela, der mich unentwegt geradezu unheimlich anstarrte.

Er war etwas größer als ich, hatte dieselben, langen, silberblonden Haare wie die Veelafrauen, wirkte aber in seiner Figur einem männlichen Jugendlichen unter den Zauberern näher, als einem erwachsenen Mann. Insgesamt waren seine Züge weicher und femininer als ich sie bei einem männlichen Erwachsenen erwartet hätte und seine Muskeln wenig definiert. Er wirkte insgesamt androgyn, nicht hässlich, eher sehr fraulich. Verwirrt über sein aufdringliches Starren schüttelte ich den Kopf und blickte zu Zorica, auch sie hatte ihn entdeckt und schenkte mir nun ein feines Lächeln.

„Oh, ich sehe, du hast unsere Männer entdeckt. Das ist Yakor, einer meiner Bediensteten. Ich denke, du gefällst ihm genau so sehr wie uns anderen!“, erklärte sie sinnlich lächelnd, dabei ließ sie ihre Zähne sehen.

Sofort hatte ich ein ganz ungutes Gefühl, weil ihre Zähne gerade irgendwie zu spitz wirkten, wie die eines Tieres, ganz anders als die weißen, perfekten Zähne, die sie sonst hatte sehen lassen.

Irritiert schüttelte ich den Kopf, dachte meine Sinne spielten mir einen Streich, weil ich in dem dämmrigen Licht nicht mehr alles genau erkennen konnte, aber ich hatte meinen Zauberstab wohlweislich griffbereit.

Unterdessen wurden nun überall auf dem Platz die Fackeln entzündet und tauchten alles in ein leicht gespenstisches Licht. Die Veela tranken, aßen und unterhielten sich und begannen, zu tanzen und zu singen. Es war eine Feier und bisher unterschied sich dieses Fest für mich nicht von einer Zusammenkunft von Zauberern.

Dieses Volk war so verschieden zu uns Zauberern, dass es schon an ein Wunder grenzte, dass es überhaupt möglich war, dass unsere beiden Spezies sich miteinander fortpflanzten, aber auch das war mit Sicherheit ein Dienst der Magie.

Die Tänze erschienen zum Teil wie schwebend und sie wiegten sich beständig lasziv unter den Klängen, der von ihnen erzeugten Magie. Sie waren beeindruckend losgelöst und tanzten grazil hin und her, gepaart mit dem leisen Klingen der Glöckchen erzeugte es eine sehr eigentümliche Atmosphäre. Zum Teil hatte ich sogar ab und zu das Gefühl, in den Schatten hässliche, geierähnliche Wesen auszumachen, geflügelte Figuren, das wirkliche, hässliche, böse Gesicht der Veela, doch ich war mir nicht sicher, ob mir meine Sinne nicht einen Streich spielten.

„Sieh es dir genau an!“, unterbrach Zorica heiser. Sie wies mit einem Fingerzeig an die Seite des Platzes, wo sich offenbar etwas tat.

Ich brauchte einen Augenblick, bis ich realisierte, was dort vor sich ging, doch dann beobachtete ich staunend, wie vier Veela ein Tier, etwa so groß wie ein Pferd, an Stricken auf die Lichtung führten oder eher zogen. Das Tier war nahezu ganz weiß, wirkte sehr edel und bockte immerzu gegen die Seile, die es halten sollten. Doch das hervorstechendste Merkmal dieses Tieres waren zwei lange, spitze, in sich gedrehte Hörner, die frappierend an die Hörner eines Einhornes erinnerten.

„Ein Zweihorn!“, wisperte ich beeindruckt, denn diese Tiere galten allgemeinhin als sehr selten und das Zweihorn, welches als pulverisierte Zutat für einige Zaubertränke, vor allem den Vielsafttrank verwendet wurde, war sehr selten und teuer.

„Sehr richtig!“, hörte ich Zorica über meine Verwunderung rau lachen und fügte, als ich zu ihr blickte, erwartungsfroh hinzu:

„Sieh weiter hin, es wird erhebend!“

Ich lenkte meine Aufmerksamkeit wieder zu dem Treiben mitten auf dem Platz und konnte nun miterleben, dass man das edle Tier offenbar mitten ins Getümmel leitete, wo sich ein Kreis von vielen jungen Veela formte.

„Siehst du Wena? Ist sie nicht hübsch?“, vernahm ich Zorica leise, dabei glaubte ich Stolz aus ihrer Stimme zu vernehmen, auf der anderen Seite war ich sofort misstrauisch.

Kam es mir nur so vor oder machte sie mir ihre Nichte schmackhaft?

Ich suchte die Gruppe junger Veelafauen in der Mitte der Gesellschaft ab und fand Wena schließlich wirklich, wobei ich für mich wesentlich ansprechendere Frauen unter den anderen registrierte. Aber sie schien die zu sein, die jetzt die Führung übernahm. Die Veela um uns herum, alle Anwesenden stimmten unterdessen einen sehr eigentümlichen Singsang an, der alles wirklich mysteriös und wichtig wirken ließen.

Das Zweihorn wurde von zwei älteren Veela, eindeutig Kriegerinnen, unbarmherzig mittels zweier dicker Seile an Ort und Stelle gehalten, obwohl deutlich zu verfolgen war, dass sein Temperament kaum zu zügeln war. Das sonderbare Pferdewesen tänzelte nervös und versuchte nun sogar zu steigen, als sich der Kreis der jungen Frauen bedrohlich um es schloss.

Mein Blick glitt über die Versammlung, während eine der Kriegerinnen aus einer langen, ledernen Scheide einen überlangen Dolch, fast ein kleines Schwert, zog. Singend hob sie diese Waffe in die Höhe, streckte sie in den Nachthimmel als würde sie zum Angriff aufrufen. Es war ein symbolisches, archaisches, aber sehr fesselndes Bild, wie die allesamt sehr luftig und wehend bekleideten Veelafrauen dort von gieriger Vorfreude erfüllt waren, die ihnen ganz deutlich in den Augen stand und diese den Kreis um das Tier immer enger schlossen.

Das Bild der Kriegerin mit dem erhobenen Dolch vor dem sich aufbäumenden Zweihorn brannte sich förmlich in mein Hirn.

Auf einmal ging es ganz schnell. Ich vernahm einen für meine Ohren sehr unmenschlichen Laut, ein hohes, protestierendes Gekreische und im nächsten Augenblick stieg das verängstigte Tier wiehernd in die Höhe. Seine Vorderhufe schlugen wild umher und es versuchte verzweifelt, zu entkommen, doch genau in dem Augenblick griff die Kriegerin wirklich an und stieß erstaunlich geschickt, fließend und in einer eleganten Bewegung den Dolch mitten in den Hals, durchbohrte damit die Hauptschlagader des Tieres.

Als sie ruckartig die Waffe aus dem weißen Hals zurückzog, schoss das rote Blut im hohen Bogen aus dem sich noch im Todeskampf aufbäumenden Tier heraus.

Es gab schreckliche Todeslaute von sich, während die darum herum versammelten, jungen Veela nun in Aufruhr gerieten und ich mit morbider Faszination beobachten konnte, dass sie offenbar das nun schnell und reichlich aus dem Hals des Tieres sprudelnde Blut in Holzschalen auffingen.

„Was…?“, wandte ich mich fragend zu Zorica um, die meinen Blick jedoch gar nicht erwiderte und wie gebannt auf das Ritual blickte, aber trotzdem zu sprechen begann.

„Sieh weiter zu. Dem frischen und warmen Blut des Zweihorns werden Jugend erhaltende, anregende und magische Kräfte zugeschrieben!“, seufzte sie sehnsüchtig und musterte ganz verzückt ihre Nichte.

„Aber sie sind fast ausgestorben!“, protestierte ich atemlos.

Dass einfach so ein magisches Wesen, welches einem Einhorn so nahe war, geopfert wurde um hübsche Wesen noch schöner zu machen, war sogar für mich ein Frevel. Ein erheitertes Lachen ertönte hinter mir.

„Mein Junge, ganz und gar nicht, das denkt nur ihr Zauberer in eurem beschränkten Verständnis der Natur. Sie sind vielleicht nicht mehr so viele, aber es gibt genügend, wir jagen diese Wesen und dabei nur die älteren, nicht die, die noch trächtig werden. Sieh doch, sein Blut ist rot, dunkelrot und reichhaltig!“, klang sie fast schwelgend, verzückt und mein Blick glitt über die Szenerie, die ich nur langsam erfasste.

Die jungen Veelafrauen hatten begonnen, einander sehr eifrig, aufwendig, aber auf mich sehr fremdartig wirkende Zeichen mit dem Blut auf ihre Haut zu zeichnen, andere verschwanden mit ihrer Schale voller Blut in der Menge, um sich dort „bemalen“ zu lassen. Für mich wirkte das alles sehr surreal. Natürlich wusste ich, dass es auch bei uns Blutrituale gab, die Blut forderten, aber weder hatte ich bisher welche miterlebt, bei denen mehr als ein Tropfen nötig gewesen war, noch hatte ich mit dem hier gerechnet. Das war vorsintflutlich.

Ich konnte nun beobachten, dass eine sich die Finger, die sie zuvor in das Blut getaucht und mit denen sie die anderen bemalt hatte, genüsslich in den Mund nahm und die Reste von den Fingern leckte.

Warmes Blut, bähh… mein mitleidiger Blick lag nun auf dem auf dem Boden liegenden, toten Tier, das fast vergessen dalag. Was für ein tragisches Ende. Geschlachtet, nur für sein Blut. Sie aßen ja nicht mal sein Fleisch. Was für eine elendige Verschwendung.

Erstaunt erkannte ich gerade eine Veela, die im Licht der Fackeln mit blutverschmiertem Gesicht, Körper und Kleid, fast wirkte sie als hätte sie darin gebadet, auf uns zusteuerte und erst beim zweiten Blick wurde mir bewusst, das war Wena.

Ihr Blick wirkte so anders, nicht so scheu, naiv oder kindlich wie heute am frühen Abend, sondern entschlossen, getrieben und voller Überzeugung. Ihre Haare waren noch immer kunstvoll geflochten und sie trug auch noch immer das hauchzarte Kleid, doch nun war es an vielen Stellen mit Blut bespritzt, auch in ihrem Gesicht und auf ihren Armen befanden sich kleine Blutsprenkel, diese waren aber nichts gegen die blutigen Zeichen, die ihr einige der anderen Veela schon auf die Oberarme gezeichnet hatten.

Sie trug vorsichtig vor sich her eine hölzerne Schale, gefüllt mit dem Blut. Der metallische Geruch des Blutes stieg mir sogleich dampfend in die Nase und verursachte leichte Übelkeit bei mir.

Natürlich waren auch Hermione und ich schon blutüberströmt heimgekommen, oder nach dem Training blutverschmiert gewesen, aber das Blut hatte von unseren Verletzungen gestammt und nicht davon, dass wir versucht hatten, uns in ihm zu suhlen. Das hier war verschwenderisch. Sie metzelten ein magisches, seltenes Tier nieder, um aus reinem Schönheitswahn sich mit dessen Blut einzureiben. Es war unglaublich dekadent, altertümlich und für mich unbegreiflich in seiner animalischen Brutalität.

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