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 Kapitel 401-402

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queenie
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BeitragThema: Kapitel 401-402   So Aug 18, 2013 7:14 pm

401. Kapitel Only Person of interest

Lucius Sicht

Schallend laut hallte es wider als meine Hand hart auf ihr zierliches Gesicht traf.

Es war ein erhebendes, ein gutes Gefühl, als meine flache Hand auf ihre Wange traf und ihr Kopf getroffen herumwirbelte. Ruckartig wurde er herumgerissen und zog ihren ganzen Körper mit, sodass sie wankend vor mir in die Knie ging.

Ihren spitzen, furchtsamen Aufschrei sowie das folgende schmerzhafte Wimmern, während sie gepeinigt am Boden saß und bettelte, ignorierte ich völlig gleichgültig.

Sofort hatte ich meinen Zauberstab gezogen und beschwor eine harte, dünne, sehr biegsame Gerte.

Dieses Züchtigungsinstrument war aus einer Haselnussrute gefertigt und mit Leder überzogen. Sofort schlüpfte ich in die Schlaufe für mein Handgelenk, bevor ich mit der gut 120 Zentimeter  langen Rute, deren Spitze in einem Schlag aus Leder endete . Mir war es gleichgültig, dass wir uns hier mitten in einem feinen Salon befanden, oder dass sie vor Angst und mit ungläubig weit aufgerissenen Augen schon rückwärts vor mir wegzukrabbeln begann.

Mit einem Ruck riss ich sie an ihrem Kleid zu mir herum, sodass sie nun auf allen vieren weiter von mir wegzukriechen versuchte, aber ich genoss es, als es den teuren Stoff entzweiriss und ihr Schrei vor Panik spitz wurde. Ohne Zögern ließ ich wieder und wieder harte Hiebe auf ihr Gesäß und ihren Rücken hinabsausen und zerfetzte somit das Gewand, bis ich mich endlich zur Haut vorkämpfte, wo es für sie wirklich schmerzhaft wurde.

Es berührte mich wenig, dass sie aus Leibeskräften schrie, dass sie brüllte wie von Sinnen, dass sich ihre langen Haare aus der Frisur lösten, als sie entkräftet auf den Bauch fiel und ich ungerührt weitermachte und sie durch Sonne und Mond prügelte, bis ihre ehemals makellose Haut von rotem Blut getränkt war. Es tangierte mich nicht, dass sie nur noch ein Häufchen Elend war, das am Boden kauerte und schluchzte.

Was kümmerte es mich, dass sie litt? Mein Mitleid erregte sie damit nicht, daher schlug ich einfach nur methodisch und sehr präzise zu, ohne Emotion für sie. Ich fühlte wieder alles wie damals, doch bevor ich dieses Bild richtig greifen konnte, wechselte die Szene abrupt. Die Bilder flackerten hin und her und ich sah nicht mehr Narcissas geschundene Rückseite vor mir, hörte nicht mehr ihre Schreie, sondern blickte auf Hermiones schmale, blutende, zerrissene und zerstörte Rückansicht, die einer einzigen großen, schwärenden Wunde glich und wurde mit eisigem Schweigen gestraft.

Ich schnappte nach Luft, denn bei diesem Anblick überfielen mich ganz andere Gefühle. Für beides war ich verantwortlich. Doch um zu realisieren was in mir vorging, rauschten die Bilder zu schnell an mir vorbei.

Unaufhörlich flackerten die Bilder immer schneller hin und her und machten mich regelrecht schwindlig.

Bis ich schließlich nur noch Hermione vor Augen hatte, wie sie gepeinigt und stumm vor mir kniete und um ihre Beherrschung rang, dabei spürte ich den Unwillen in mir, wie wenig mir dieser Anblick gefiel und das was ich dort tat oder auch verbrochen hatte. Das zufriedene Gefühl, welches ich bei dem anderen Erlebnis mit Narcissa verspürt hatte, als ich mit ihr fertig gewesen war, wollte sich nicht einstellen.

Kaum konnte ich diese Szene in den Kerkern des Manors erfassen, da wurde ich schon von der nächsten mitgerissen. Ich fand mich urplötzlich in Dracos Kinderzimmer wieder. Vor mir, auf dem kleinen Sofa, saß Narcissa in sich zusammengesunken und heulte Rotz und Wasser, doch es hätte mich nicht unbeteiligter lassen können.

„Wirklich, Lucius?“, schluchzte sie nervend weinerlich auf und mein kühler Blick lag auf ihrer Gestalt.

„Du hast deine Pflicht erfüllt! Mein Erbe ist geboren, natürlich bist du Mrs. Malfoy, was willst du noch?“, erklärte ich harsch und eiskalt, während ich sehr zufrieden in die Wiege blickte, in der mein perfekt geratener Sohn friedlich schlummerte.

Sie hatte mich an eben diesem Tag mit einer anderen Frau im Salon erwischt und weinte sich seitdem die Augen aus dem Kopf.

Na gut, es war das erste Mal im Manor gewesen und das erste Mal, dass mein nerviges Weib mich dabei erwischt hatte und dass sie sah, wie ich die Frau über dem Schreibtisch vögelte und vor allem hielt ich nicht ein, als sie uns überrasche, sondern fragte nur, was ihr so dringendes Begehr sei, dass sie es wagte mich zu stören und als sie mich nur einer Kuh ähnlich doof ansah, befriedigte ich mich weiter an der Dame unter mir, die selbst wie erstarrt wirkte, bevor Narcissa eilig das Weite suchte.

Das gab ich zu, aber bitte, die Gelegenheit war günstig und die Dame eine durchaus prächtige Erscheinung gewesen, warum sollte ich auf jemanden wie Narcissa Rücksicht nehmen?.

„Was ich will? Was ich will? Ich will Anerkennung, Achtung und Ansehen… ich will, dass du das Rumhuren lässt! Ich bin deine Frau! Ich will mehr… jetzt nachdem Draco da ist… ich will…“, schniefte sie wenig attraktiv.

„Was du nicht alles willst!“, wandte ich arrogant ein, da mich „ich will“ unsäglich nervte.

„Ich will einen Mann… ich will mit jemandem die Freuden eines Bettes teilen, egal mit wen…“, brauste sie auf und da richtete ich mich zu meiner vollen Größe auf und mein Gehstock schlug hart auf.

„Der Schwur wirkt, also denk nicht mal an einen anderen Mann!“, fuhr ich sie daher noch eisig an und erinnerte sie sehr gehässig an unseren Trauspruch.

Ich verließ stolzierend den Raum, doch anstatt zufrieden in den Flur hinauszutreten, wie damals, stand ich plötzlich im Séparée, in den Höhlen des Lords und geriet mächtig wegen des abrupten Wechsels ins Taumeln.

Eine einzelne, dicke und so schrecklich verlorene Träne lief über Hermiones bleiche Wange und glitzerte im Schein der Fackeln.

Hermione, die nackt und benützt vor mir auf dem runden Futon lag. Ich war bis ins Mark erschüttert von dieser einzelnen, lautlos vergossenen Träne und geriet so sehr ins Trudeln. Anders als Narcissas Tränenflut ging mir diese eine von Hermione ungewohnt nahe. Mir wurde schwindlig und schwarz vor Augen, doch anstatt in erlösendes Nichts zu sinken, fand ich mich in blendender Helligkeit wieder.

Um mich herum applaudierten die Leute verhalten und sehr distinguiert, während mich zu süßer Rosenduft umfing und ich realisierte, dass ich gerade Narcissa sachte auf beide blassen Wangen küsste und kurz ihre Lippen streifte. Die strahlende Sonne schien mir ins Gesicht und blendete mich. Langsam löste ich mich von ihr, als Narcissa die Nähe zu intensivieren versuchte und so wandte ich mich entschlossen den Gästen zu, während ich Narcissas Hand geschickt auf meinem Arm platzierte und den Priester hinter mir feierlich verkünden hörte:

„Ich präsentiere, Mr. und Mrs. Lucius Malfoy!“

Mit einem künstlichen, aufgesetzten, aber sehr höflichen Lächeln schritt ich mit meinem frisch gebackenen Eheweib an den Gästen vorbei. Unser erster und einziger Kuss, wenn man ihn denn als solchen bezeichnen wollte, in dieser desaströsen Ehe.

Doch dann spürte ich eine zarte, fast nicht fühlbare Berührung an meinen Lippen, während der schwere Rosenduft sich in den von Gras und Wiesenblumen verwandelte. Ich fühlte, wie mein ganzer Körper in Flammen stand und ich mit tiefer Hingabe Hermiones sanften Kuss innig und leidenschaftlich erwiderte.

Der erste, wirkliche Kuss, den ich mir gestattete, hatte mit ihr stattgefunden. Denn ich küsste sonst nie, nur sie und das von Anfang an. Dann überkam mich ein Gefühl wie davon zu fliegen, bis ich mich plötzlich wie ein Geist schwebend in einer anderen Umgebung wiederfand.

Mein Blick fiel hinab auf mich und Draco. Wir standen mit ernsten Mienen am Klinikbett von Narcissa, die leichenblass in weißen, sterilen Laken lag und sich nicht mehr rührte. Gerade schloss sich die Tür hinter dem Arzt, der uns mitfühlend mitgeteilt hatte, dass Narcissa verstorben war.

Ich fühlte absolut nichts, nicht weil ich von der Leere des Verlustes erfüllt war, die einen angeblich nach dem Tod eines nahestehenden Menschen ereilte, sondern weil es mich nicht tangierte was mit Narcissa geschehen war.

Eher fühlte ich mich erleichtert, dieses lästige Wesen los zu sein, wobei einzig die Sorge, wie ich dem Lord dieses Desaster erklären sollte und trotzdem meine Familie schützen konnte, mich wirklich beschäftigte.

Schon begann Narcissas Anblick zu flackern und ich befand mich nicht mehr schwebend über der Szene, sondern kniete aufgelöst mit laut klopfendem Herzen auf dem Boden, barg Hermiones blutenden und bewusstlosen Kopf in meinen Händen. Ich beobachtete mit alles erfüllender Panik, wie das Blut langsam aus ihren Ohren sickerte.

Reglos und blass, wie tot lag sie in meinen Armen, doch ich fühlte noch ihren Puls, einzig das konnte mich beruhigen, doch trotzdem schien meine tatsächlich empfundene Angst mich zu überwältigen, erst recht als auch diesmal die Bilder hin und her zu flimmern begannen. Während ich nun Narcissas blonde Locken anstatt Hermiones dunkelbrauner Haare wahrnahm, dann wieder Hermiones markante Gesichtszüge, gefolgt von Narcissas makellosen.

Immer schneller wechselten die Bilder einander ab, machten mich schier schwindelig und als ich schließlich an Narcissas Totenbett zum Halten kam aber ich schlussendlich Hermiones leblose Gestalt in den weißen Laken erkannte, entkam mir ein panischer, unartikulierter Ton, der mich schweißgebadet aufschrecken und hochfahren ließ.

Wie von Sinnen erwachte ich aus diesem wahrlich unwillkommenen Albtraum und ich schluckte.

Hektisch atmend saß ich da und fuhr mir stöhnend mit den Händen übers verschwitzte Gesicht und lauschte meinem ungewohnt schnell schlagenden Herzen.

Das gab es doch nicht, das war nicht ich, strich ich mir erregt die langen Haare aus dem Gesicht, als es mich schüttelte und somit stand ich entschlossen auf, warf meine Decke angewiderte beiseite und stieg rasch aus dem Bett. Mit wenigen, großen Schritten war ich in meinem großen, luxuriösen Bad und stützte mich schwer und mitgenommen auf dem Rand des marmornen Waschbeckens ab, während ich mir intensiv im Spiegel entgegenblickte.

Meine Züge wirkten müde und abgespannt, meine Augen zeigten ein Unverständnis, welches sonst nicht in ihnen stand und das mir nicht gefiel. Kurzentschlossen drehte ich den Wasserhahn auf und schöpfte mir dann kaltes Wasser ins Gesicht, dabei genoss ich das kühle Prickeln auf meiner Haut, danach griff zu einem weichen Handtuch, um mein Gesicht wenig rücksichtsvoll abzutrocknen.

Schon besser, stellte ich bei einem erneuten Blick in den Spiel zufrieden fest. Jetzt war ich wach, doch als ich das Bad wieder verließ, war mir gegenwärtig, dass ich in einem so ungewöhnlichen, unruhigen Zustand war, dass ich nicht würde weiter schlafen können.

Dieses Befinden war von Grund auf außergewöhnlich.

Ich hatte sonst weder Träume noch Albträume, noch litt ich an Unruhe oder Schlaflosigkeit, denn ich besaß so etwas wie ein lästiges Gewissen, das mich plagen könnte, nicht, doch gerade jetzt war mir bewusst, ich würde nicht mehr schlafen können, ohne wieder diesen absoluten Unsinn zu erleben.

Im Vorbeigehen griff ich im Schlafzimmer nach meinem seidenen Morgenmantel, warf ihn über und band ihn locker zu, während ich weiter in mein Wohnzimmer ging, wo ich mit einem Wink dafür sorgte, dass das Feuer im Kamin wieder aufflammte, um mir danach einen dringend benötigten Whiskey an der Bar einzugießen. Es war zwar eigentlich sogar für mich zu früh um Alkohol zu trinken, denn die Sonne war ja noch nicht mal aufgegangen, aber das war definitiv eine Ausnahmesituation.

Seufzend sank ich auf mein Sofa und ließ meinen verworrenen Gedanken freien Lauf. Ich setzte mich mit der nervigen Vergangenheit auseinander, denn anscheinend beschäftigte sie mich und ich war niemand, der davor davonrannte!

Ich hatte, als meine und Narcissas Verlobung ausgehandelt worden war, nicht vorgehabt, Narcissa derart hart zu behandeln, wie ich es später getan hatte, aber es hatte sich bei ihr in meinen Augen als nötig erwiesen.

Natürlich, ich bekam die schönste der drei Blackschwestern, aber gleichzeitig auch nicht die hellste, denn das Köpfchen hatte eindeutig Andromeda geerbt. Andromeda hatte noch andere Vorzüge, denn sie war vorzüglich im Bett gewesen, bevor sie ihre große Liebe geheiratet hatte, aber mir war es gleich gewesen, ich hatte meinen Spaß gehabt.

Solange ich nicht die viel ältere Bellatrix abbekam, die schon immer verrückte Züge gezeigt hatte, war es mir egal gewesen. Ich hatte gehofft und war davon ausgegangen, dass Narcissa gut auf einen Ehemann wie mich vorbereitet war und gelernt hatte zu gehorchen, wenn sie schon nicht meinem Geschmack entsprach.

Schließlich war sie als Braut von ihrem Vater dazu erzogen worden, eine perfekte Mutter und Ehefrau zu sein, aber vielleicht hatte hier doch ihre eigene Mutter gefehlt, die bei Narcissas Geburt verstorben war.

Wie auch immer, ich hatte angenommen, dass ihr Mangel an Wissbegierigkeit in der Schule einfach am Desinteresse an den Themen dort gelegen hatte, dabei war ich hingegen sicher gewesen, würde es dann um ihre eigene Familie, ihr Ansehen und um all das gehen, wozu sie geboren worden war, würde sie schon beginnen, sich gelehrig zu zeigen.

Ich hatte sie nie belogen, auch nicht darüber, dass ich sie nicht lieben würde, noch nicht mal dass ich sie groß leiden konnte, aber ich hatte auch nie dasselbe von ihr erwartet, denn dass sie mir auch nicht verfallen war, stand für mich außer Frage. Ich, der ein Jahr ältere, war ihr schon in der Schule suspekt gewesen und als Führer des Hauses Slytherin hatte sie dort großen Respekt vor mir gehabt.

Hinzu kam, sie hatte auch nicht aus anderen Gründen als den dynastischen erwartet zu heiraten. Wie gesagt, sie war dazu erzogen worden und Gefühle spielten in einer solchen Ehe keine Rolle.

Ich hatte ihr noch vor unserer offiziellen Verlobung in einem klärenden Gespräch klar gemacht, dass wenn sie mir gegenüber loyal, treu und gehorsam war und sich dem fügte, was ich anordnete, den nötigen Respekt zeigte, sie sich sicher sein konnte, einen für die Familie kämpfenden Ehemann zu bekommen.

Doch in ihrer Naivität schien sie davon ausgegangen zu sein, dass ich mich schon irgendwann in ihrem blendenden Aussehen und ihrer reinen Herkunft verlieren und sie doch noch anbeten, achten und verehren würde.

Mir war als junger Mann nicht gegenwärtig gewesen, dass sie dies trotz meiner klaren Worte und Taten inständig hoffte.

Sie schien mich damals nicht ernst genommen zu haben, aber wie stupid, dumm und rassistisch verblendet sie wirklich gewesen war, hatte sie zu Beginn auch gut versteckt.

Sie hatte es genossen, in eine noch angesehenere, reichere und einflussreichere Familie einzuheiraten als ihre eigene es war und als es ihr Schwester Bellatrix getan hatte. Oberflächlich war Narcissa schon immer gewesen, doch was sich wirklich unter dieser schönen, glatten und polierten Oberflächlichkeit verbarg, hatte ich erst später erkannt, nämlich nichts was mich fesselte, nichts was ich begehrte und noch weniger nach dem ich verlangte.

Spätestens als sie selbst nach der Hochzeitszeremonie nie wieder meine Lippen von Nahem gesehen hatte, musste ihr langsam klar geworden sein, wie ernst ich meine ersten Worte zu ihr gemeint hatte.

Ich war ihr nicht verfallen und würde es nie!

Ich hatte sie an meiner Seite zum Repräsentieren dabei. Außerdem hatte ich ihr alle Möglichkeiten eröffnet, ihr Wissen zu erweitern, sich weiterzubilden um mir folgen zu können, um an den Herausforderungen zu wachsen. Schließlich war sie rein äußerlich wahrlich schön gewesen und man zollte mir Anerkennung, eine derart aparte Frau an meiner Seite zu haben, wir hatten ein perfektes, sehr wünschenswertes Bild für die Öffentlichkeit abgegeben, aber Narcissa hatte keine Möglichkeit genutzt.

Schon sehr schnell hatte sie mich mit ihrem ewigen Schönheits-und Einkaufswahn genervt und bestenfalls gelangweilt. Narcissa und ich hatten einfach nichts gemeinsam gehabt, aber mit alldem hätte ich mich abfinden können.

Ich hatte akzeptiert, dass meine Frau einfach nur ein sehr dekoratives, aber auch dummes Beiwerk bleiben würde und hätte mich damit arrangieren können, solange sie mir einen Erben schenkte und weiter loyal und treu an meiner Seite blieb, sowie ihren Respekt vor mir nicht verlor, bis sie doch tatsächlich dachte, sie könnte aufmüpfig werden.

Was den Erben, einen Sohn, betraf, hatte ich Narcissa trotz des immer größer werdenden Schweigens zwischen uns nie drängen müssen. Ich hatte entschieden, erst mein Unternehmen auf stabile Beine zu stellen, bevor ich wirklich eine Familie gründete und Narcissa hatte dem zugestimmt, wohl auch weil sie, obwohl sie wusste, dass es ihre oberste zu erfüllende Pflicht war und man es von ihr erwartete, immer davor zurückgeschreckt war schwanger zu werden und eventuell ihre perfekte Figur zu ruinieren. Vielleich hatte sie sich aber auch an ihren eigenen Start in diese Welt erinnert gefühlt, bei dem ihre Mutter verstorben war. Ganz offensichtlich hatte sie eine Geburt gescheut.

Druck war in dieser Hinsicht nie von mir gekommen, dafür war schon genug Druck von ihrem Vater  Cygnus und meinen Eltern, Abraxas und Aenòr, aufgebaut worden, schließlich warteten diese sehnsüchtig auf ein Enkelkind. Denn das Kind der Blutsverräterin Andromeda galt eher als Schande, als dass man sich darüber gefreut hätte und Bellatrix und Rodolphus schienen auch nicht gewillt, oder in der Lage gewesen zu sein, einen Erben in die Welt zu setzen. Jedenfalls brachte Bellatrix offenbar nur Totgeburten zur Welt, also galt das Augenmerk aller alleine Narcissa, auf der die Hoffnung lag und das hatte ihr gar nicht gepasst.

Schließlich waren wir fünf Jahre verheiratet gewesen, als letztendlich Draco gekommen war.

Es war schrecklich gewesen, Narcissa schwanger zu erleben, ein Drama ohne Ende.

Keine Fotos, bloß keine offiziellen Anlässe, damit sie ja niemand mit diesem angeblich unansehnlichen Bauch sah. Wobei sie tatsächlich in dieser Zeit sehr an Schönheit einbüßte. Sie war keine strahlende Schwangere gewesen, eher das Gegenteil. Ihre seidigen Haare neigten während der Schwangerschaft zum Fetten und ihre vormals selbst in der Pubertät so reine und ebenmäßige Haut war pickelig geworden.

Ob dies ein Grund gewesen war, für diese so eitle Frau, es Draco übelzunehmen?

Vielleicht, denn sie hatte sich mehr denn sonst versteckt und mir so wenigstens ihren wenig ansprechenden Anblick, der wahrlich litt, erspart.

Sie war sogar kurzzeitig auf die hirnrissige Idee gekommen, sich den Bauch mittels eines Korsetts flach zu schnüren, doch das hatte ich rigoros verboten, denn ich hatte nicht vor, irgendetwas zuzulassen was meinem Erben schaden konnte.

Die Verkündung ihrer Schwangerschaft war der perfekte Zeitpunkt gewesen ihr mitzuteilen, dass ich nicht plante, sie weiter in ihrem Bett aufzusuchen.

Ich mied ihre Suite, wie der Teufel das Weihwasser!

Nun, als Draco auf die Welt gekommen war, hatte auch Narcissa endlich ihre Naivität was mich betraf abgelegt.

Mit Dracos Geburt war Narcissa mit Aufmerksamkeit und Komplimenten von meinen Eltern und von ihrem Vater überhäuft worden, selbst von Rodolphus, und ich hatte kurzzeitig die Hoffnung gehegt, dass ich wenigstens als Mutter auf sie stolz sein könnte. Sie hatte alles bekommen, was sich eine Dame ihres Ranges wünschen konnte.

Als ich registriert hatte, wie sie sich um Draco in den ersten Tagen seines Lebens gekümmert hatte, wie sie sich in der Bewunderung sonnte, so ein schönes Kind geboren zu haben, nachdem auch ihre eigene Makellosigkeit wieder zurück gekommen war, hatte ich gehofft, dass sich unter ihren unterkühlten Zügen doch mütterliche Gefühle verbargen, doch ich hatte mich gewaltig geirrt.

Draco war keinen Monat alt gewesen und war dann doch von ihr unsagbar vernachlässigt worden, nachdem die erste Euphorie verflogen war. Ich war außer mir vor Wut gewesen, weil sie einen kleinen, hilflosen Säugling, meinen Erben, derart schäbig behandelte, als wäre er der Bastard von irgendwem und kein Malfoy!

Sie hatte mir erklärt, dass sie ihren Schönheitsschlaf gebraucht hätte und dass sich um „DAS BABY“ auch die Hauselfen kümmern könnten. Dass sie es selbst den Elfen erst mal sagen musste, darauf war diese strohblonde und dumme Frau nicht gekommen, nur gut, dass meine Hauselfen klüger gewesen waren als sie.

An diesem Abend war ich zum ersten Mal Narcissa gegenüber handgreiflich geworden.

Ich hatte ihr rechts und links eine geknallt und war dann abgerauscht mit der Drohung, dass ihr dieses Verhalten noch sehr leidtun würde. Sie hatte über dieser Tätlichkeit Rotz und Wasser geheult, wohl zuerst wegen des Schocks, dass ich sie geschlagen hatte und später um ihr schönes Gesicht, das blau und gelb angeschwollen war und in Heilsprüchen kannte sie sich nicht aus, also hatte sie wohl oder übel in ihren Gemächern abwarten müssen, bis es von selbst abgeheilt war. Es hatte mir um sie nicht wirklich leidgetan, nur um Draco, den sie vernachlässigt hatte!

Aber ich war zu dieser Zeit die Linke Hand des Lords, nach meinem Vater, der Rechten Hand, der wichtigste Mann gewesen. Ich war es gewohnt, dass man tat was ich wollte und wer es nicht tat, wurde bestraft und Narcissa hatte es nicht anders verdient, schließlich ging es hier um mein eigen Fleisch und Blut!

Mich hatte es wenig tangiert, dass ich zum ersten Mal meine Ehefrau geschlagen hatte, denn ich sah mich auch noch heute im recht.

Bis zu diesem Zeitpunkt war ich meiner Frau, man höre und staune, in meinen Augen sehr treu und verbindlich gewesen, was natürlich das Gewölbe und die ein oder andere unwichtige Begegnung ausschloss .

Doch mit ihrer eklatanten Vernachlässigung von Draco und der Tatsache, dass ich ihr Bett seit gut neun Monaten mied, hatte ich begonnen mir eine feste Mätresse zu suchen und als Narcissa diese und mich kurz danach in meinem Salon bei dem Têt-à-têt überraschte e, heulte sie über diese Demütigung Rotz und Wasser und das war die Szene, die ich im Traum wieder erlebt hatte.

Aber sie hatte mir gegenüber mit einem der grundsätzlichsten Dinge gebrochen, die ich ihr zu Beginn unserer Ehe auferlegt hatte, nämlich dass die Familie das höchste, schätzenswerteste Gut war.

Sie hatte nicht nur verantwortungslos unserem Kind gegenüber gehandelt, sondern ihrer ansonsten schon gezeigten Dummheit und Oberflächlichkeit die Krone aufgesetzt. Es hatte einfach gereicht. Sie hatte damit das Fass zum Überlaufen gebracht und ich fühlte mich ihr nicht weiter verpflichtet.

Als sie nach dieser visuellen Vorführung, als auch dem folgenden Gespräch erkannte, dass sie mich nie wieder in ihrem Bett haben würde, war dies anscheinend ein großer Schlag für sie gewesen, bedeutete das doch auch gleichzeitig, dass sie nie wieder Sex haben würde.

Damals hatte ich diese Schmach und Demütigung, die ich ihr damit verpasste, bis ins Letzte genossen.

Obwohl ich von Anfang an die Treue sehr weit auslegte, denn alles was ich im Gewölbe des Lords getan und zum Teil auch hatte tun müssen, betrachtete ich nicht als Treuebruch, sondern einfach als einen lästigen Pflichtteil meiner Geschäfte, war Narcissa bis dahin insoweit treu gewesen, schließlich hatte ich mir keine ständige Geliebte ins Haus oder gar ins Bett geholt

Die Kluft zwischen uns war immer offensichtlicher geworden. Wir passten in allem nicht zusammen. Von ihren doch sehr engen, rassistischen Ansichten hatte ich seit langem gewusst, doch ich hatte angenommen, solange es ums Geld ging, waren ihr diese Dinge egal, denn da hielt ich es großzügig wie die Kobolde, Gold blieb Gold!

Eigentlich hätte sie von meinen Geschäften mit den Muggeln gar nicht zu erfahren brauchen, schließlich tätigte ich diese sehr diskret, aber leider hatte sie durch einen dummen Zufall doch davon erfahren und was darauf folgte hätte ich nie für möglich gehalten.

Meine eigene Frau verriet mich!

Oder versuchte es zumindest, denn schließlich traute ich niemandem und hatte wohlweislich vorgesorgt, aber dieser Versuch reichte schon aus, meine ewige Wut auf sich zu ziehen. Ich hatte schon immer alles genau kontrolliert und somit auch ein sehr aufmerksames Auge auf alles gehabt was sie tat und so auch den Brief, den sie einem meiner reinblütigen Geschäftspartner der Zauberwelt hatte schicken wollen, abgefangen, denn ich hatte ihren Postverkehr von Anfang an überwacht.

Und bitte, hier erkannte man auch klar, wie weitsichtig ich war! Ich gratulierte mir selbst zu meiner Voraussicht!

Dumpf erinnerte ich mich an den Beginn des Albtraumes, aus dem ich vorhin erwacht war und meinte mich zu erinnern, dass ich zuerst die Szene gesehen hatte, in der ich Narcissa nach dem Abfangen des Briefes bestraft hatte. Dies war das erste Mal gewesen, dass ich sie wirklich gezüchtigt hatte, aber nicht das letzte Mal.

Nachdem die ersten Hürden gefallen waren war es immer einfacher geworden, ihr ihre Grenzen aufzuzeigen.

Fortan hatte ich Narcissa noch genauer kontrolliert und hatte ihren Auslauf, solange sie nicht in meiner Begleitung war, auf das Manor beschränkt. Doch sie war dumm genug gewesen, einen Versuch zu wagen, sogar dann noch weiter gegen mich zu rebellieren und uns in Verruf zu bringen.

Sie hatte es wirklich gewagt auf einem Empfang ausländischer Gäste, zum größten Teil angesehene DeathEater und nicht wirklich mir freundlich gesinnter Persönlichkeiten, mit einem der Männer anzubandeln.

Zu ihrem Glück hatte sie dies sehr verborgen getan, ansonsten hätte ich mich wohl kaum noch zurückhalten könnten, sie bei der folgenden Strafe nicht zu Tode zu foltern.

Ich hatte sie irgendwann aus dem Saal verschwinden sehen und war ihr instinktiv, bis zu einem meiner Lieblingssalons gefolgt, in den sie dann schnell und verstohlen gehuscht war. Ich hatte seelenruhig bis 50 gezählt, um dann ruckartig die Tür aufzureißen und was hatten meine aristokratischen Augen sehen können?

Narcissa, meine Frau, die in den Armen von einem Schwachkopf wie Igor Karkaroff hing und der gerade im Begriff war sie leidenschaftlich zu küssen.

Einfach ekelhaft!

Das war es dann gewesen, ab diesem Zeitpunkt hatte ich Narcissa nur noch Verachtung, Hass und bestenfalls Desinteresse entgegenbringen können. Sie verriet mich, ihren Ehemann, indem sie sich mit einem meiner Feinde einließ.

Verrat, Illoyalität und Treuebruch!

Es war gar nicht so schlimm, dass es ein anderer Mann war, das Schlimme war, dass es dieser Mann war! Ein Konkurrent, ein DeathEater. Was dachte sich diese Frau? Was erhoffte sie sich?

Gut, ich hatte die ein oder andere Liaison, schön und gut, aber nie eine Frau, die auch nur im Entferntesten mit Narcissa Kontakt zu halten pflegte. Niemand, der ihr dies je würde unter die arrogante Nase reiben können.

Ich war diskret, sie nicht.

Außerdem hatte ich sie eindringlich gewarnt, was geschehen würde, sollte sie derartiges auch nur denken geschweige denn versuchen. Nach all dem was sie in den Monaten zuvor aufgeführt hatte, war mir an diesem Punkt endgültig der zu lange und zu gütige Geduldsfaden gerissen und ich hatte eine Linie überschritten, die ich nie hatte überschreiten wollen.

Karkaroff hatte ich ohne großen Aufwand oder Zögern mit einem ausgiebigen, aber sehr einfallslosen Cruciatus gefoltert, bevor ich ihn rausgeschmissen und vom Gelände des Manors gejagt hatte und der alte Angsthase war gerannt was das Zeug hielt, denn er kannte mich als Linke Hand des Lords dann doch zu gut.

Dann hatte ich mir Narcissa vorgeknöpft, die noch flennend im Salon auf dem Sofa gesessen hatte und sich unglücklich im Selbstmitleid über ihr ach so schreckliches und grausames Schicksal beklagt und getrauert hatte.

Nur sie wusste bis dahin noch gar nicht, wie rau es wirklich zugehen konnte, da sie eben die Schrecken des Krieges, die gerade in England herrschten, nicht im Entferntesten zu spüren bekam, aber ab diesem Zeitpunkt hatte sie es erfahren und auch, wie es war, mich, den DeathEater, kennenzulernen, richtig zu erkennen!

Und es war mir ein Vergnügen gewesen, sie in diese exorbitanten Gefilde einzuführen.

Zum Nachdenken hatte sie danach wohl angekettet in den Kerkern genug Zeit gehabt, bis der Empfang vorbei war.

Erbärmlich gewimmert und gebettelt hatte sie, als ich schließlich zu ihr gegangen war, aber es hatte mich unberührt gelassen, während ich meine engen, schwarzen Lederhandschuhe langsam überzog, welche die DeathEater zu fürchten gelernt hatten. Selbst mein Vater überlegte es sich, ab den 1980er Jahren mir noch Vorhaltungen zu machen, da er erkannte, dass ich eine Ebene erreicht hatte, die ihm selbst immer fremd geblieben war.

Die folgenden Peitschenhiebe hatte ich in einem wahren Freudenrausch genossen, bis ihr das rohe Fleisch von ihren Knochen hing. Diese Züchtigung hatte mir zu meiner eigenen Überraschung genauso sadistische Freude bereitet, wie wenn ich meine Folterkünste im Dienste des Lords eingesetzt hatte.

Diabolisch hatte ich mich darauf gefreut, wenn sie ihre Wunden sehen würde und ihre Sorgen über Narben ihren Geist beherrschen würden, doch ich hatte mich beherrscht sie nicht zu töten, denn noch hatte mein Vater als Familienoberhaupt und Rechte Hand gelebt und auf eine erneute Heirat legte ich keinen gesteigerten Wert.

Und ja, zu dieser Zeit hatte ich es noch etwas fraglich gefunden, der Mörder der Mutter meines Sohnes zu sein und diesen Makel hatte ich mir nicht anheften wollen. An diesem Punkt war unsere Ehe endgültig aus dem Ruder gelaufen. Ich hatte nicht vorgehabt, so mit ihr umzugehen, aber ihr Verrat der schwersten Sorte hatte mich alle Vorhaben über Bord werfen lassen und eigentlich stand auf Hochverrat, als das betrachtete ich ihr Handeln, doch gemeinhin der Tod.

Seit diesem Abend hatte Narcissa nur noch zu den gemeinsamen Mahlzeiten ihre Räume verlassen dürfen, aber selbst das hatte sie selten in Anspruch genommen, genau so selten wie ich sie seitdem noch irgendwohin mitgenommen hatte. Nur die großen Auftritte waren ihr sicher gewesen. Und jedes Mal wenn ich mich entschlossen hatte, dass ihre Anwesenheit nötig war, hatte ich es im Nachhinein bereut, denn sie strapazierte meine Nerven immer unsäglich!

Kalt und arrogant zu sein war das Eine. Wir Malfoys waren im Allgemeinen etwas Besseres, aber Narcissa hatte es nie verstanden, wann es besser war ein aufgesetztes Lächeln zu zeigen und diplomatisch zu sein, gerade mir gegenüber. Vor allen Dingen im Bezug auf meine politischen Ambitionen, im Hintergrund die Fäden zu ziehen, hatte sie in ihrer Arroganz nie begriffen, dass sie die Leute nicht vor den Kopf stoßen sollte, aber auch das war ihrer Dummheit geschuldet.

Nun, von dieser Bürde hatte mich Hermione ja zum Glück recht elegant befreit.

Hermione, oh ja, wie sie die Dinge anging war erfrischend, ebenso ihr herausragender Intellekt und ihr eherner Wille. Nach allem was Narcissa schon verbrochen hatte und angesichts dessen, wie gleichgültig sie mir geworden war, war es mir leicht gefallen, Hermione freie Hand zu gewähren in Narcissas Bestrafung, wissend, dass Hermione sicher nicht scheitern würde, schon gar nicht gegen die ihr nie und nimmer gewachsene Narcissa.

Mir war sehr bewusst gewesen, Hermione würde Narcissa wahrscheinlich töten und es war mir gleich gewesen.

Und nun heute, dieser Traum, oder eher Albtraum.

Ja, der Tag war genau das gewesen, was ich erwartet hatte, oder?

Nein, wohl eher nicht. Trotz aller eingestandener Kapitulation vor dem was zwischen Hermione und mir vor sich ging, hatte ich das heute sicherlich nicht erwartet. Mich hatten sowohl mein einfühlsames Verhalten als auch meine aufkeimenden Gefühle total überrascht und gebremst.

Wenn ich das, was ich diese Nacht so untypisch für mich geträumt hatte, betrachtete, dann konnte ich nur einen Schluss ziehen, ich musste diesen langsamen Kurs beibehalten, schon allein, weil ich das, was da auf mich zu kam, nicht kannte und genießen wollte. Auf der anderen Seite musste ich es vorantreiben, eben weil sie von sich aus nicht die Initiative ergreifen würde. Das richtige Tempo zu finden würde nicht leicht für mich werden.

Die Führung würde ich übernehmen müssen, sie leiten und ihr zeigen, wo wir hinsteuerten, denn sie war mal wieder zu stur um nachgiebig zu sein!

Ich war erwachsen genug, dass ich meine früheren Fehler durchaus erkannte und mir diese Fehler eigestehen konnte.

Der Fehler war, ich hatte Hermione von Anfang an behandelt, wie ich Narcissa zum Schluss behandelt hatte. Ich hatte bedingungslosen Gehorsam gefordert und jederzeit respektvolles Verhalten verlangt und war damit fulminant bei Hermione gescheitert.

Sie war nicht wie Narcissa, die ich zum Schluss gebrochen und die sich sehr willig benommen hatte, wenngleich sie beim Anblick eines Mudbloods in diesen heiligen Hallen des Manors einen Tobsuchtsanfall erlitten hatte, der einer Black würdig war, aber ansonsten war Narcissa zu einem braven, willigen Etwas verkümmert.

Aber Hermione war von Beginn an ein anderes Kaliber als Narcissa!

Hermione war klug, ja, sie hatte ihre Geheimnisse, aber sie schadete der Familie nicht, nein, im Gegenteil!

Sie stand völlig hinter uns und im Endeffekt damit auch hinter mir. Ich hatte versucht, sie ähnlich zu kontrollieren, wie ich Narcissa kontrolliert hatte und die Grenzen, die ich bei Narcissa schon überschritten hatte, hatten bei Hermione nicht mehr bestanden. Bei ihr hatte ich gar nicht erst daran gezweifelt, sie zu züchtigen, obwohl sie ein Familienmitglied war, denn dieses Tabu hatte ich mit Narcissa schon gebrochen gehabt und selbst Severus als auch Draco waren es gewöhnt von mir.

Ich musste davon loskommen, in alten Verhaltensweisen auf Hermione zu reagieren und würde nicht länger dabei bleiben können alles nach meinem Willen voranzutreiben, sondern darauf achten müssen, was Hermione wollte, so ungewohnt dies auch sein würde.

Fakt war, dieser Tag war bei weitem wohl der Verworrenste seit langem für mich gewesen, beziehungsweise derart aufgewühlt hatte ich mich noch nie in meinem Leben gefühlt.

Doch ich durfte mich nicht derart aus der Contenance bringen lassen, Gefühle hin oder her. Ich hatte mir eingestanden, dass ich es nicht weiter leugnen oder dagegen ankämpfen durfte, denn das hätte nur weitere Verletzungen auf beiden Seiten zur Folge gehabt, aber trotzdem würde ich nicht kopflos in irgendetwas hineinrennen.

Ich hatte nie Träume und nachdem ich mir nun darüber klar geworden war, was mich so aufgewühlt hatte, würde ich auch keine mehr haben. Es regte mich gelinde gesagt auf, dass es überhaupt so weit gekommen war.

Verdammt noch mal!

Ich war unruhig aufgestanden und lief leicht erregt vor dem trotz des Sommers prasselnden Kamin auf und ab. Ich hatte akzeptiert, was Hermione in mir auslöste und begonnen, meine alten Verhaltensmuster, die ich Narcissa gegenüber gehabt hatte, kontinuierlich abzulegen. Ich hatte angefangen, Hermione wirklich zu vertrauen, nun musste ich auch akzeptieren, was daraus folgte und spätestens seit heute war mir bewusst, dass ich sie wirklich nicht so behandelt sehen wollte, wie ich mit Narcissa verfahren war.

Denn das hätte ihr gedroht, wenn ich ihr etwas wegen dieser bescheuerten Zwillinge nachtragen würde, was ich nicht tat!

Auch das überraschte mich sehr. Wenn ich in mich lauschte, trug ich ihr wirklich nicht nach, dass diese Idioten hier erschienen waren, lediglich beim Gedanken an die beiden verspürte ich den Wunsch, ihnen den Hals umzudrehen, weil sie so unvorstellbar unvorsichtig und dumm gehandelt hatten.

Die Erkenntnis, dass zumindest einer der beiden stockschwul zu sein schien, beruhigte mich, auch was ihr Verhältnis zueinander anging.

Ich musste nur noch von dieser unleidlichen Emotionalität runter kommen. Mit einem tiefen, aufgebrachten und frustrierten Schrei wirbelte ich herum und donnerte mit Wucht mein halb geleertes Glas in den Kamin, wo die Flüssigkeit zischend verdampfte und das Glas scheppernd und klirrend in Tausende kleine Scherben zerbarst.

Ich richtete mich entschlossen auf und fuhr mir durch die langen, seidigen Haare, während ich tief durchatmete. Das hatte gut getan und ich fühlte, wie mich die Ruhe erfüllte, die ich ersehnt hatte.

Ich wollte sie und ich würde sie bekommen!

Aber bei ihr bedurfte es der Logik, des Pragmatismus, man musste ihr mit Argumenten kommen und nicht mit wildem Gefühl. Ich musste nur versuchen, meinen neuen Gegner anders zu lesen, um ihn zu schlagen, oder in diesem Fall zu gewinnen.

Meine Ehefrau war tot, Geschichte und so würde ich mich nun auch nicht mehr von dem leiten lassen, was ich so lange erfolgreich praktiziert hatte.

Diese Erkenntnis war eine Chance für mich und ich würde sie ergreifen.

Ich hatte meine innere Ruhe und Balance gefunden und wollte nun gerade durch mein Schlafzimmer ins Bad gehen, um mich für den Tag fertig zu machen, denn wenn ich schon mal wach war, konnte ich auch gleich etwas Nützliches tun, als es leise klopfte.

Lucius Sicht ende

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BeitragThema: Re: Kapitel 401-402   Do Aug 22, 2013 7:01 pm

402. Kapitel Inglorious Bastard

Hermiones Sicht

Das hatte gut getan.

Erschöpft, ausgelaugt, aber sehr zufrieden sprintete ich gerade die letzten Stufen der Treppe hinauf und erreichte atemlos den Korridor im ersten Stock, in dem sowohl meine als auch Lucius‘ Räume lagen.

Dass ich mich schon wieder gekonnt davor drückte, mich mit dem wirklich auseinanderzusetzen, was mir die Schlaflosigkeit beschert hatte, schob ich weit von mir und wollte gerade auf meine Suite zueilen, als ich verwundert stoppte.

Unter Lucius‘ Zimmertür konnte ich flackerndes Licht hervorschimmern sehen. War er etwa auch schon wach? Und wenn ja, was hielt ihn wach?

Ich wollte schon schulterzuckend weitergehen, denn mir stand eigentlich nicht der Sinn danach, mich jetzt schon wieder mit ihm zu befassen und eventuell doch über den letzten Tag nachdenken zu müssen, als ich plötzlich in der Stille einen gedämpften, tiefen, irgendwie frustriert klingenden Aufschrei vernahm und dann das Klirren von zersplitterndem Glas, welches eindeutig aus Lucius‘ Räumen kam.

Jetzt war ich doch neugierig was er darin veranstaltete und warum er sich so ungewohnt wild gebärdete.

Einem Impuls folgend ging ich entschlossen auf seine Tür zu und klopfte wacker an. Es dauerte einige Augenblicke, in denen ich mich fragte, ob das so klug war, aber auf der anderen Seite war ich schlicht neugierig.

Kurz darauf vernahm ich ganz gedämpft Geräusche, dann wurde auch schon die Tür ruckartig geöffnet und vor mir erschien Lucius in einem langen, dunkelgrünen Morgenmantel. Seine weißblonden Haare fielen offen über seine Schultern und ein paar Strähnen wirkten, als wäre er mit einer Hand fahrig durch sie hindurch gefahren.

„Hermione!“, stellte er betont gefasst fest, zeigte aber keine größere Regung in seiner Mimik und widersprach damit vollständig den Geräuschen, die ich zu vernehmen gedacht hatte. Er war wahrlich geschickt darin, in Sekundenschnelle seine Maske wieder aufzusetzen.

So recht wusste ich nicht, wie ich beginnen sollte, denn seine unbeteiligte Erscheinung war etwas, was es mir schwer machte und was so gar nicht typisch für mich war, doch Lucius fuhr zu meinem Glück fort: „Du warst laufen?“, fragte er mich musternd und zog skeptisch eine seiner hellen Brauen hoch.

„Ja, war ich “, antwortete ich schlicht und war froh, dass ich damit meine Neugierde überspielen konnte. Die Stimmung war im Moment sehr komisch zwischen uns und nicht genau zu benennen.

„Um die Zeit? Warum so früh? Schlafprobleme?“, fragte er nun seidig, um nicht zu sagen provokant nach und ein süßliches Lächeln zierte plötzlich seine aristokratischen, aber auch markant männlichen Züge.

„Die Frage könnte ich dir auch stellen!“, gab ich sofort kühl zurück, denn ich wollte nicht mit Lucius darüber reden, was mich aus dem Schlaf gerissen hatte, eher darüber, was ihn dazu trieb mal wieder Gläser zu zerschmettern.

„Du wirst dich erkälten!“, ließ er zu meiner großen Verwunderung das Thema einfach fallen und ging ganz lapidar in unserem Gespräch weiter, als wollte er mir nicht antworten.

„Ach, sicher nicht!“, wiegelte ich ab.

Ich versuchte kurz, an Lucius vorbei zu sehen, ob ich ausmachen konnte was er getan hatte, als er was auch immer zerschmettert hatte, doch er stand so breit in der Tür, die nicht ganz geöffnet war, dass ich nichts außer dem Muster seines aufwendigen Morgenrocks erkennen konnte und er lud mich auch nicht ein einzutreten. Verdammt!

Direkt fragen wollte ich auch nicht.

Plötzlich spürte ich Lucius‘ Hand auf meiner erhitzten, nassgeschwitzten Schulter und als ich nun sein Gesicht wieder fokussierte, bemerkte ich einen erstaunlich offenen und freundlichen Blick von ihm.

„Geh duschen, zieh dich um, Hermione, und dann komm her, wir frühstücken heute gemeinsam hier!“

Er klang so bestimmend, aber gleichzeitig auch erstaunlich sanft, fast freundlich, weswegen sich eine steile Falte zwischen meinen Augenbrauen bildete. Ich war völlig verwirrt von seiner Art sich salopp zu geben und wollte eigentlich nicht darüber nachdenken, warum er jetzt so war. Dieser Mann verwirrte mich ganz dramatisch. Ich wollte auch nicht mit ihm alleine Frühstücken, hier in seinen Räumen, das war noch nie vorgekommen, doch er erstaunte mich gerade total mit seinem Wunsch und zu allem Überfluss schenkte er mir nun auch noch ein leichtes Lächeln. Das verwirrte mich dann völlig.

Wie mechanisch nickte ich daraufhin und folgte Lucius‘ Hand auf meiner Schulter, als er mich mit sanftem Druck zum Umdrehen und Gehen bewegte.

Ich tat wirklich, was er von mir verlangt hatte, denn ich wusste, ein Gespräch zwischen uns stand immer noch aus und es wäre besser, es zu klären, als es aufzuschieben.

Kurze Zeit später kehrte ich frisch geduscht und für einen sommerlichen Tag gekleidet zurück. Die Tür zu Lucius‘ Suite stand einladend weit offen.

„Schließ die Tür hinter dir!“, vernahm ich Lucius zuerst, als er in dem Moment, in welchem ich eintrat, gerade aus seiner Bibliothek kam.

„Nimm Platz!“, wies er mich mit einer lässigen Handbewegung an und deutete auf das Sofa, vor dem auf dem Tischchen schon ein reichhaltiges Frühstück aus Croissants, Marmelade, Obst, Butter, Toast und Kaffee stand.

Wobei ich es gar nicht mochte, dass er mich bisher nur befehlend angewiesen hatte, das und jenes zu tun, aber als ich die dampfende Tasse des schwarzen Gebräus erblickte konnte ich nicht widerstehen. Dies war meine heimliche, aber auch allzu offensichtliche Sucht, die mich einknicken ließ.

Gierig griff ich nach der Tasse und sank dann zurück auf das Sofa, in die weichen Kissen, während Lucius in dem Sessel zu meiner linken elegant platznahm und ebenfalls nach seinem Kaffee griff.

„Also, du konntest nicht schlafen“, begann er das Gespräch gemächlich und regelrecht jovial, während ich seine noch legere Aufmachung wahrnahm, nur eine graue Stoffhose und ein weißes schmuckloses Hemd. Ich nickte daraufhin nur unbestimmt.

„Du auch nicht“, fügte ich an aber er unterbrach mich.

„Wir müssen über gestern reden, Hermione!“, wurde er plötzlich sehr ernst.

Sein Ton passte nicht zu seinem Gebaren, da er entspannt zurückgelehnt dasaß und die Beine lässig überschlagen hatte und mich mit seinen eisgrauen Augen eindringlich fixierte. Ich blinzelte, denn ich hatte nicht erwartet, dass er dies derart offen ansprechen würde.

Ich hatte irgendwie total irrational gehofft, dass er nach dem Debakel im Wald und dem folgenden, noch größeren mit den Twins nicht wirklich mit mir würde darüber reden wollen. Ich schwieg unwohl, musterte ihn nur abwartend und war gespannt was nun kommen würde und biss mir auf die Lippe.

Denn wenn ich an unseren Kuss dachte, war ich gewillt, leidend aufzustöhnen, noch war ich nicht bereit für ein klärendes Gespräch.

„Dass deine Freunde hier einfallen, wird nie wieder geschehen!“, begann er trügerisch sanft und ich verzog leicht die Mundwinkel, als er gewichtig fortfuhr:

„Das war dumm und gefährlich, das ist dir sicher bewusst!“, beschied er kalt und trotz allem musste ich ihm hier leider zustimmen. Sie hatten es für mich getan, aber trotz allem war es unvorsichtig gewesen.

„Sicher, Lucius, es wird so nie wieder vorkommen, das ist sicher!“, erwiderte ich knapp, denn ganz ausschließen konnte ich es nicht, aber ich hoffte, dass sie nächstes Mal mehr Feingefühl an den Tag legen würden.

„Gut, kommen wir zum nächsten Punkt!“, blieb er sehr direkt und geschäftig wirkend, während sein Blick keine Sekunde von mir wich und dieser sehr intensive Blick ging mir wahrlich durch Mark und Bein.

„Du wirst mich nie wieder, verstehst du, … nie wieder wie einen Schuljungen stehen lassen, so wie du es gestern zu tun gewagt hast!“, befahl er mir unmissverständlich und maß mich hart, was mich fast veranlasste, mich auf dem Sofa unwillig zu winden, aber ich erkannte, dass ich seinen Stolz verletzt hatte.

War ja aber klar, dass es Lucius nicht gepasst hatte, dass ich so vollkommen ohne Erklärung abgehauen war und er mich deswegen noch rügen würde, obgleich er meiner Ansicht nach selbst schuld war, wenn er mich dermaßen bedrängte. Was erwartete er von mir?

„Sicher, Lucius!“, erwiderte ich deshalb nur brüsk, mit einer Prise Ironie im Ton.

Denn mir war leider nur zu bewusst, ihm erklären zu wollen, warum ich vor ihm geflohen war, würde Lucius sowieso nicht zulassen, also versuchte ich mich gar nicht erst zu rechtfertigen, außerdem hasste ich es und würde jetzt nicht damit anfangen.

Aber Lucius überraschte mich, denn er ließ mich nicht so leicht entkommen, doch sein neues Herangehen an die Sache bescherte mir eine Gänsehaut.

„Hermione, was ist eigentlich los mit dir? Du bist gestern total außer dir gewesen, das hab ich doch gesehen und wage nicht mir aufzutischen, dass es an der Sache mit den Dementoren liegt. Denkst du wirklich, das würde einen von uns davon abhalten dich zu küssen? Das ist lächerlich und das haben wir gestern wohl auch zur Genüge geklärt!“, zeigte er sich sehr überheblich und dass er unsere Küsse derart offen kommentierte, trieb mir beinahe die gleichgültige Maske aus meinem Antlitz, doch letztendlich saß ich nur stumm da und so legte er fröhlich nach:

„Du hast dich sowohl auf den Tag als auch auf den Kuss eingelassen, das kannst du nicht leugnen und dann was? Was hat dich gehemmt? Was hat dich in die Flucht geschlagen? Doch nicht etwa Draco? Ich bitte dich, du solltest das endlich überwinden!“, erklärte er am Ende schrecklich blasiert, aber auch rigoros und von sich selbst unglaublich überzeugt.

Ich blickte konsterniert auf und blinzelte, hatte ich das gerade richtig verstanden? Was sollte ich überwinden?

„Draco ist mein Freund. Ich bin keine so große Schlampe und ich bin keine, die sich Sohn und Vater an den Hals wirft!“ Oder, gedanklich von mir eingeschoben, nicht mehr als nötig, wenn ich den Ball mit dem Baum oder die Kerkerepisode mit einrechnete, aber ich wollte hart bleiben und so erwiderte ich dies erstaunlich offen und direkt.

Auf der anderen Seite hatte ich dies gestern schon gesagt und etwas anderes konnte ich auf Lucius‘ Fragen wirklich nicht sagen, denn meine Entscheidung stand.

„Das will ich wirklich nicht und glaub mir, das wird nicht passieren!“, reckte ich ihm mein Kinn angriffslustig entgegen, während er mir einen gelassenen, fast schon nachsichtigen Blick sandte.

„Ach… Hermione. Das behauptet auch niemand, … Hermione“, tadelte er mich mit samtweicher Stimme und dazu diese durchdringende Musterung, das ließ mich regelrecht erschauern.

„Unser Gespräch gestern hat sehr deutlich gemacht, dass du ganz sicher kein leichtes Mädchen bist. Das will ich und erwartete ich auch von dir! Aber wir beide wissen, dass du die letzten Tage genossen hast“, zeigte er sich erstaunlich einfühlsam, bevor er sich aufrichtete und mich hart ins Visier nahm:

„Sieh es zumindest ein und gib endlich nach! Ein Mudblood in der Familie kann ich verantworten, aber selbst ich kann in diesen Zeiten nicht zulassen, dass du dein Blut an den zukünftigen Erben dieser Familie weitergibst!“, forderte er nun eindringlicher und kurz klappte mir der Mund vor Empörung auf, als ich diese Diskriminierung vernahm. Wobei sollte ich nachgegeben? Ihm? Oder was?

„Erben? Familie? Nachgeben? Bitte?“, fragte ich reichlich perplex nach und strich mir eine Haarsträhne hinter mein Ohr.

„Was konsterniert dich?“, behielt er seine Überheblichkeit bei und ich entschloss mich, in die Offensive zu gehen.

„Wobei soll ich nachgeben? Dir? NEIN, danke. Das wird nicht passieren!“, blieb ich hart und verschränkte die Arme entschlossen vor meiner Brust. Nun flackerte ein verärgerter Zug um seine aristokratische Miene, den er nicht mehr unterdrücken konnte oder wollte.

„Dir und Draco muss endlich bewusst werden, dass ihr beide keine Zukunft habt, Hermione!“, drang er eindringlich in mich, dabei beugte er sich sogar etwas vor und schenkte mir einen sehr intensiven, sturmgrauen Blick.

„Du musst verstehen, die Traditionen fordern es, Draco hat nur noch wenig Zeit, er wird sich eine Verlobte suchen müssen, ansonsten werde ich das übernehmen müssen. Das wäre eine Umstand, den wir doch wohl alle vermeiden wollen, oder?“, sprach er seidig und ich würgte bei seiner Drohung und meine Augen wurden groß. Als er das registrierte, nickte er erfreut und lehnte sich wieder zurück. Dass er nicht der sein wollte, der Dracos Frau aussuchte, leuchtete mir nach dem was er mir in Syon erzählt hatte, trotz meines Schocks wegen seiner Worte, ein.

„Und warum wollen wir das nicht?“, fühlte ich mich bemüßigt zu antworten und wenn nur um ihm zu zeigen, dass es mich nicht tangierte, selbst wenn ich wusste, worauf er anspielte.

„Warum? Na, schließlich wollen wir nicht, dass es wieder läuft wie mit Narcissa, nicht wahr?“, führte er leise irgendwie herablassend, aber auf der anderen Seite involviert aus, dabei blickte er mich intensiv an und anscheinend, nach Syon, konnte ich sagen, dass er für Draco wirklich etwas anderes anstrebte als eine solche Ehe, wie er sie erlebt hatte.

„Du musst ihn loslassen, Hermione, damit er seine Pflicht erfüllen kann. Wenn er nicht loslassen kann, dann du. Dann musst du diejenige von euch sein, die diese Entscheidung trifft. Einen Erben zu zeugen ist immens wichtig für uns, das weißt du. Die Familie Malfoy muss fortbestehen und er wird sich seiner Aufgabe nicht so widmen, wie ich es von ihm erwarte, wenn du im Weg stehst! Wenn du nicht freiwillig zur Seite trittst…“, blieb er sehr distinguiert und nüchtern. Es war, als wollte er mir völlig rational die Tatsachen offenbaren, aber gleichzeitig hörte sich seine Tonlage für mich durchaus beschwörend an und ich schluckte eindeutig schwer, während ich mir das anhörte und einige Fakten nicht von der Hand weisen konnte.

„Aber…!“, wollte ich schwach einwenden, doch Lucius hob graziös die Hand und unterbrach mich mit einem stechend scharfen Blick.

„Willst du Kinder?“, war Lucius erstaunlich offensiv, aber auch plötzlich weniger kühl bei dieser sehr intimen Frage.

Diese überrumpelte mich und ich blinzelte, da mich Schauder des Grauens überliefen, mir vorzustellen, dass ich am besten was, einen kleinen Dementor ausbrütete? Ja, ging es noch, mein Kopfkino schaffte es, dass ich fast würgte.

„Ähm, nein!“, bekannte ich perplex, aber auch sehr vehement und ohne Zögern, was Lucius ein Funkeln in den Augen bescherte.

„Ja, das habe ich mir schon gedacht!“, nickte er langsam und nahm einen gemächlichen Schluck seines Kaffees, wobei ich mir das auch dachte, dass diese Frage unnötig gewesen war.

„Siehst du, dann ist es ganz einfach. Draco wird sich eine Frau suchen, eine Frau suchen müssen! Eine, die diese wichtige Pflicht erfüllen wird und du wirst zurücktreten müssen. Das ist ganz einfach… Hermione, ich werde nicht zulassen, dass er seine Aufgabe nicht erfüllt!“, klang seine Stimme unbeugsam und er setzte seine Argumentation unbarmherzig fort, während ich ihm fast schon verbittert, stoisch in die Augen blickte. Was versuchte er hier? Mir auf die pragmatische Art Draco auszureden?

Oder, wenn ich auf einmal sagte Kinder wären in Ordnung, ob er dann doch einlenken würde? Nie und nimmer! Dafür war mein Blut nicht rein genug! Aber auf diese Provokation konnte ich es nicht ankommen lassen, denn ich hasste es, hintergrundlos zu drohen, aber das hier könnte ich keine Sekunde aufrechterhalten, da es mir unmöglich war, irgend ein unschuldiges Wesen von vorne herein zu dem zu verdammen, was ich nun war!

Weiter kam ich in meinen Gedanken gar nicht, denn nun legte er erst recht los und ich dachte, mich zu verhören:

„Bist du wirklich so selbstsüchtig und willst ihn nur um deiner selbst willen festhalten? Willst du seiner zukünftigen Frau das antun, dass sie in dieser Ménage-à-trois immer die zweite sein wird, nach dir?“, gab er mir wenig behutsam einige Fragen zum Nachdenken.

Dabei legte er nun eine gewichtige Kunstpause ein und ich betrachtete das kühle, aber auch so markante Antlitz des Mannes mir gegenüber, der es süperb verstand, sein Gegenüber zu manipulieren.

Ich wollte gerade etwas erwidern, es war ungewohnt, Lucius derart offen von der Gegenwart sprechen zu hören, aber bevor es dazu kam erhob sich Lucius abrupt, stellte seine Tasse ab und entschwand wortlos in sein Studienzimmer. Irritiert blickte ich ihm hinterher, doch schon einige Augenblicke später kam er geschwind zurück und ließ sich diesmal geschmeidig neben mir auf der Couch nieder und ich erstarrte umgehend, als ich mir seiner Nähe bewusst wurde.

Er reichte mir plötzlich einen kleinen Stapel bewegter Bilder, drückte sie mir regelrecht in die Finger.

Auf dem ersten war ein sehr viel jüngerer Lucius in feinster, nobelster Festrobe zu sehen. Er strahlte auf diesem Bild schon diese unantastbare Macht aus, die ihm heute zu Eigen war, aber es zeigte auch Narcissa, die ein weißes, opulentes aber auch wunderschönes Hochzeitskleid trug. Offenbar war es ein Bild ihres Hochzeitstages.

Lucius blickte überheblich, kühl und wie immer recht gleichgültig und emotionslos in die Kamera. Auch Narcissa wirkte unterkühlt, lächelte nicht wirklich, strahlte an sich nur reiche Distinguiertheit aus, mehr nicht. Keine Freude, keine Fröhlichkeit, nichts! Es war ein Horrorhochzeitbild, das mehr als offenbarte, dass zwei Menschen heirateten, die sich im Grunde ihres Herzens verabscheuten und nicht mochten.

Dann besah ich mir durchaus mit Neugierde das zweite Bild. Narcissa und Lucius waren hier anders arrangiert und präsentierten sich als frisch gebackenes Elternpaar, doch diesmal lächelte Narcissa, wenngleich nicht warm und lieblich, sondern eher selbstsicher und selbstzufrieden. Sie strahlte eiskalte Berechnung aus. Narcissa saß vor Lucius auf einem Sessel und hielt den kleinen Draco stolz im Arm, während Lucius hoch aufragend hinter ihr stand, so hatte er auf ewig gebannt den Versuch unternommen, eine Hand auf ihre Schulter zu legen, aber in letzter Sekunde war er dann doch vor der Berührung zurückgezuckt und hatte sie auf die Rückenlehne des Sessels gelegt. Dabei blickte er einfach nur blasiert und arrogant in die Kamera, schließlich hatte er mit dem Stammhalter alle Ansprüche erfüllt, die an ihn gestellt wurden.

„Warum zeigst du mir die?“, fragte ich irritiert und war noch verwunderter, dass Lucius diese Bilder behalten hatte, obwohl er doch die Ehe mit Narcissa sichtlich nicht genossen hatte.

„Zeitzeugnisse sollte man immer bewahren…“, räumte er leise ein, bevor sein Blick wieder zu den Bildern ruckte. „Sieh sie dir an. Ich möchte nicht, dass Draco eine solche Ehe führt!“, erschreckten mich seine erstaunlich ernst gemeinten Worte und ich fragte mich, ob dies das erste Mal war, dass er wirklich nur etwas für Draco wollte, oder doch am Ende für sich?

Das war hier die Frage! Und ich unterdrückte das Zittern meiner Hände, da sein taxierender Blick auf ihnen lag, während ich schon wieder unter den nächsten Worten von Lucius zu Eis gefror.

„Du wirst dich aus Dracos zukünftiger Ehe heraushalten und du wirst zulassen, dass er frei seine Pflicht erfüllen kann!“, forderte er sehr brüsk und ich runzelte die Stirn. Er ließ ungewohnt tief blicken, denn es musste ihm wahrlich ein Graus gewesen sein mit Narcissa, wenn er Draco dergleichen so inbrünstig nicht wünschte.

Oder manipulierte er mich hier nur formvollendet und versuchte, an meine Menschlichkeit zu appellieren um Draco geschickt von mir wegzutreiben, damit er dann leichteres Spiel mit mir hatte, indem er meine Skrupel minimierte?

Ich traute ihm keinen Meter!

„Sieh weiter…“, befahl er nun und ich lenkte meinen Blick wieder auf die Fotos.

Die Personen auf den nächsten Bildern kamen mir nur zu bekannt vor, aber besonders die Frau.

„Aenòr“, wisperte ich gedanklich in Syon gefangen.

Obwohl ich mir bei dem Mann unsicher war, nahm ich einfach an, dass es Abraxas war, schon aufgrund der Form des Gesichtes, des Ausdrucks und der Haare war klar ersichtlich, dass mir wieder ein Malfoy sehr arrogant entgegenblickte. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dieses Gesicht schon einmal auf einem der unzähligen Portraits hier gesehen zu haben.

„Vater und Mutter“, erklärte er brüsk und sein Ton holte mich aus meiner Versunkenheit.

„Also Abraxas und Aenòr…“, stellte ich fest.

„Korrekt“, stimmte er knapp zu.

„Und?“, fragte ich provokant nach, doch er versank nur in Schweigen und ich richtete mein Augenmerk wieder zurück auf diese zwei Personen.

Weder Abraxas noch seine Frau Aenòr lächelten, oder zeigten eine Regung auf den Bildern. Sie saß schrecklich steif und gerade auf einem Stuhl, trug ein hochgeschlossenes, weißes Kleid mit hohem, engem Kragen und langen Ärmeln. Es wirkte sehr gestellt, wirklich künstlich und fürchterlich unecht. Dagegen erschienen ja noch Lucius und Narcissa regelrecht bewegt, diese beiden hier waren Skulpturen.

Abraxas stand hinter der leicht schräg sitzenden Aenòr und hatte nicht mal eine Hand auf ihre Stuhllehne gelegt, als Zeichen der Zusammengehörigkeit, sondern stand steif und gerade hinter ihr und blickte kalt und absolut unbewegt in die Kamera. Das Bild hätte auch ein Muggelbild sein können, denn keiner von ihnen zeigte eine bewegte Regung.

Sie wirkten eingefroren, absolut distanziert und genau diese Distanz war auch bei dem Bild von Lucius und Narcissa spürbar, obwohl die beiden gestellt lächelten. Ganz ehrlich, die Bilder weckten eine Beklemmung in mir, das war einfach nur schrecklich, was sich diese Menschen hier gegenseitig antaten, indem sie einander heirateten ohne sich wirklich zu mögen oder auch nur zu respektieren!

„Wie verschieden und doch gleich die Bilder sind, obwohl du und Narcissa zumindest bewegter wirkt“, warf ich überlegend mit einer Spur Wehmut ein, denn dieses emotionslose Leben hatte niemand verdient.

„Genau“, erwiderte er nur leise und ging nicht weiter darauf ein.

Was wollte er mir damit sagen? Dass Dracos Ehefrau sich verhalten würde wie Narcissa auf dem ersten Bild oder wie Aenòr, wenn ich weiter an Draco hängenblieb?

Lucius war manipulativ, das wusste ich aus Erfahrung, aber mir war nicht ganz klar, was er mir damit sagen wollte?

Gut, seine Einwände, dass ich Draco gehen lassen musste und nicht so selbstsüchtig sein sollte, verstand ich, waren zumindest so wie er es gerade darstellte nachzuvollziehen, aber was wollte er mit den Fotos erreichen?

„Warum zeigst du mir diese Fotos, Lucius?“, fragte ich daher verwirrt, aber betonte, dass es mir recht gleichgültig war, während ich sie immer noch ansah. Doch dann blickte ich abrupt auf und fordernd zu Lucius, der sich auf der anderen Seite der Couch zurücklehnte und entspannt beide Arme über die Lehnen ausstreckte und mich unverwandt im Fokus behielt. Das ließ mich minimal frösteln.

„Visuelle Untermalung ist immer sehr wirksam!“, beschied er überheblich und ich schnaubte sarkastisch auf bei der Feststellung. Wollte er mein Mitleid, dass er in seiner Ehe unglücklich gewesen war?

„Meine Ehe arrangierte mein Vater, seine Ehe arrangierte ebenfalls sein Vater. Vergiss das nicht, wenn du die Bilder siehst und darüber nachdenkst, ob ich Draco eine Ehefrau suchen sollte, oder du dafür sorgen solltest, dass er selbst wählt“, legte er mir den Zauberstab wortwörtlich auf die Brust,
indem er mir suggerierte, dass ich bei Dracos zukünftigem Glück oder Unglück das Zünglein an der Waage war!

Ob man es glaubte oder nicht, es traf mich sehr wohl und berührte mich unangenehm, was Lucius hier andeutete! Wenngleich ich versuchte, nicht aus dem Blick zu verlieren, dass dieser Mann vor mir nur ein Ziel verfolgte, nämlich zu gewinnen und auch wenn ich es nicht nachvollziehen konnte, oder gar verstand, aufgrund sehr abstruser Umstände, sollte wohl ich diese Trophäe für ihn sein, ein Fakt, der mir schleierhaft und absolut nicht nachvollziehbar für mich war.

Ich verstand nicht, was er in mir sah, das er unbedingt haben musste, um all diesen Aufstand zu rechtfertigen!

„Und stell dir vor, Liebes… anders als bei mir und Vater hätte Dracos zukünftige Frau dich immer und stets wie ein Mahnmal vor Augen! Seine Geliebte, die Frau, die ihm immer mehr bedeutet als sie. Meinst du, das ist fair, oder förderlich für eine Ehe? Die arme Frau würde ein unglückliches Leben hier führen, ab dem ersten Tag, sogar auf ihrer Hochzeit wärst du überall präsent, als Malfoy. Draco würde dich immer vorziehen, wenn du bei ihm bleibst, das ist mir bewusst! Aber die Frage ist die… willst du das seiner zukünftigen Ehefrau wirklich antun?“, gab er mitleidlos zu bedenken und ich war gewillt, ihn mit offenem Mund anzustarren, weil er dieses erschreckende Zukunftsszenario skizzierte.

„Denn bedenke eines, es ist schon ein Unterschied, ob ihr eine richtige Beziehung zueinander führt, oder eben nicht! Leicht wird es für keine Frau, egal welche, so oder so, aber der Start ist dann doch das Entscheidende!“, parlierte er beeinflussend und beugte sich vertraulich zu mir.

„Willst du, dass er ein Kind in die Welt setzt, das Eltern hat, die so distanziert zueinander stehen, dass man sieht, dass sie sich abgrundtief hassen? Willst du, dass es eine so unglückliche Mutter hat? Verdient ein Kind nicht zumindest zufriedene Eltern, wenn die Eltern sich schon vielleicht nicht lieben? Willst du Draco, seiner Frau und seinem Kind das antun? Bist du so selbstsüchtig?“, führte Lucius sehr beschwörend aus, während er eindringlich auf die Bilder deutete und in meinem Kopf begann es zu schwirren und ich biss mir auf die Unterlippe, um keine Regung zuzulassen. Lucius war einfach schrecklich!

„Willst du, dass Dracos Sohn ein genauso unterkühltes Verhältnis zu seiner Mutter hat, wie Draco zu Narcissa? Sie wollte ihn nicht mal sehen, weil sie mich in ihm sah. Eifersucht ist gefährlich, Hermione! Meinst du, ich will eine zweite Narcissa hier haben und das wegen dir? Willst du all das Dracos Frau antun?“, lamentierte er indoktrinierend mit samtiger Stimme und schaffte es eher mich damit zu nerven, denn ich glaubte dem manipulativen Bastard kein Wort. Was scherte es ihn?

Er hatte Narcissa als ich hierherkam gekonnt von sich ferngehalten, seinen Vater Jahrzehnte lang davor auch. Er konnte jedes Wesen, das ihn enervierte, auf diesem riesigen Grund und Boden effektiv aus seinem Umfeld verbannen, von Syon ganz zu schweigen. Ich musste mir stur vor Augen halten, dass diese Argumente hier nicht die wahren Gründe für Lucius waren, warum er mir dies gerade eindringlich erzählte.

Wobei das Körnchen Wahrheit in den Aussagen an mir fraß, nur zeigen würde ich das nicht!

Ich blickte wieder auf die gruseligen Bilder, nur um ihn nicht ansehen zu müssen.

Wie wir schon im Cottage besprochen hatten, würden wir eine Frau suchen, die wusste, worauf sie sich einließ und die sich auf den Handel sehenden Auges einließ und bitte, sie würde ihre Pflicht erfüllen und einem Kind das Leben schenken und damit das Leben einer glücklichen Frau führen können, das war´s dann, alles andere war mir egal, redete ich mir gut ein.

Bitte, Draco lebte damit, dass er mich mit Severus teilen musste, warum sollte seine Frau nicht damit klar kommen, dass sie ihn teilen musste? Ihn nie richtig gehabt hatte? Dass Draco manchmal ganz und gar nicht damit klargekommen war, dass er mich teilen musste, schob ich in diesen Überlegungen weit von mir und doch erkannte ich fast die Unmöglichkeit des Ganzen.

Aber ich würde Draco nicht aufgeben, denn ich brauchte ihn, seine Gefühle und Emotionen, er erdete mich und brachte mich den Empfindungen näher, die ich nicht mehr hatte. Er hatte noch diese Regungen, die ich auf meinem kurvenreichen Weg verloren hatte, die mir aber deutlich machten, dass ich aufpassen musste, mich nicht selbst zu verlieren.

Draco war anders als Severus, der ebenfalls nur sehr spärlicher Regungen fähig war, so zeigte Draco eine unglaubliche facettenreiche Palette und Bandbreite von Gefühlen, derer er noch fähig war und diese banden mich unwiederbringlich an ihn.

War ich selbstsüchtig?

Ich hatte so viel aufgegeben, ihn würde ich nicht auch noch aufgeben, das verbot ich mir und presste die Lippen zu einem dünnen Strich zusammen.

„Bitte, Lucius, das ist nicht dein Ernst, oder? Du versuchst mich zu manipulieren, das funktioniert nicht, ich bin nicht so dumm, wie ich vielleicht aussehe!“, ätzte ich los und hob nun meinen Kopf.

„Draco teilt mich genauso mit Severus und glaub mir, Draco und ich werden schon eine Frau finden, die sich darauf einlässt und Draco genug ergeben ist, um sich mit den Gegenseiten gekonnt zu arrangieren! Es gibt genug willige Frauen… dort draußen!“, beschied ich betont kühl und sah Lucius nun unverwandt an, während es in seinen sturmgrauen Augen flackerte.

Ich konnte nicht sagen was es war, aber es war nicht nur Unwille, der in ihnen geschrieben stand, vielleicht eine Spur von Amüsement und irgendwie schien Lucius zu ruhig und zu beherrscht. Es war, als hätte er etwas vor und das Verhalten was er gerade zeigte, diese Erhabenheit über allem jagte mir durchaus Angst ein, da ich nicht wusste was er nun vorhaben könnte.

„Komm her!“, wies Lucius dann urplötzlich erstaunlich sanft an, fast mit so etwas wie Nachsicht im Blick und in der Stimme.

Dann klopfte er auch schon einladend auf das Polster neben sich. Er ging zu meiner Verwirrung gar nicht auf meinen Einwurf und meine versuchte Provokation ein, hatte nicht mal eine Miene verzogen, sondern blickte nur abwartend, mit nun wieder unleserlichem Blick zu mir. Ich schluckte trocken, denn er schaffte es nur durch einen Blick, eine Geste, dass sich die Atmosphäre mit einem Schlag änderte und ich nervöser wurde.

„Na komm schon!“, forderte er mich, weil ich nicht reagierte, noch mal unnachgiebig, aber in der gleichen, sanften Stimmlage auf, die ich nicht einzuschätzen wusste.

Doch alles an seiner Haltung sagte aus, dass er nicht nachgeben würde. Also überwand ich mich schließlich, warf mein Haar zurück, rückte schließlich zu ihm herüber und legte dabei die Bilder auf dem Tisch vor mir ab. Nun saß ich direkt neben ihm, unsere Oberschenkel und Knie berührten einander, während er relativ unbewegt blieb, nur den Arm wieder auf die Rückenlehne des Sofas legte und somit diesmal hinter mich.

„War das so schlimm?“, spottete er gutmütig „Entspann dich, Hermione“, beschied er seidig, während ich mich langsam und abwägend zurücklehnte.

Das nervöse Kitzeln in meiner Bauchgegend war fast nicht zu bezwingen, irgendwie waren meine Nerven von einer Sekunde zur Nächsten zum Zerreißen gespannt, bis ich seinen Arm in meinem Nacken und dann auf meinen Schultern fühlen konnte und ich mich wieder etwas verspannte.

„Tsetsetse…“, tadelte er gespielt affektiert meine ablehnende Art, aber machte einfach weiter.

Denn im nächsten Augenblick spürte ich, dass er seine Hand bewegte und dann fühlte ich seine langen, eleganten Finger sanft unter meine Locken, in meinen Nacken fahren und ich sog scharf die Luft ein. Ich riss mich zusammen nicht zu zucken und wandte meinen gespielt unbeteiligten Blick stattdessen Lucius zu.

„Was wird das?“, fragte ich dann doch leicht abgelenkt, als seine Fingerspitzen zärtlich über mein winziges Dark Mark strichen.

„Etwas Entspannung, während wir miteinander reden, Hermione. Du bist eindeutig zu involviert…“, entgegnete Lucius blasiert und fuhr seelenruhig fort, nun seine Fingerspitzen weiter hinauf in meine Locken gleiten zu lassen und kleine, kreisende Bewegungen in meinem Nacken auszuführen.

Bitte, das konnte nicht sein Ernst sein! Entspannung, während er mich berührte? Was träumte der des Nachts?

Dieses sanfte Streicheln sorgte eher dafür, dass mein Körper langsam, aber sicher in Brand gesetzt wurde. Erst gestern dieser Kuss, bei dem er mir schon viel zu nah gewesen war und nun dies! Dass es mir nicht gefiel, konnte man nicht behaupten, denn Lucius‘ Finger waren geschickt und sehr kundig, doch wollen tat ich dies nicht.

Ich rief mir einem Mantra gleich in Erinnerung, ich musste immer wachsam bleiben und wollte mir nichts gefallen lassen. Dies dachte ich stur, während eine verräterische Gänsehaut meinen Rücken überzog und Lucius‘ sanfte Berührungen mich beinahe hätten erzittern lassen, hätte ich mich nicht heftig zusammengerissen.

„Erzähl mir, Hermione, sind dir eigentlich alle Weasleysprösslinge so ergeben, wie die beiden Chaoten gestern? Muss ich damit rechnen, erneut belästigt zu werden? Der dümmliche, der immer an Potters Rockzipfel hängt, hängt doch auch an dir, soweit ich dies beobachten konnte. Und was ist mit dem Weasley, der als Anhängsel des Ministers arbeitet? Ihr habt auf dem Weihnachtsball miteinander getanzt, nicht wahr?“, warf Lucius nun überlegend ein und ich wunderte mich, dass er das Thema abrupt wechselte und zu meinen Freunden zurückkehrte.

Ich war sofort auf der Hut, wenn er jetzt auf meine Freunde zu sprechen kam, könnte es gefährlich werden, entweder für sie oder für mich, wobei ich mir eingestehen musste, dass das Blut in meinen Ohren sehr laut rauschte. Resolut ballte ich meine Hände zu Fäusten und rammte mir meine Nägel tief in die Haut, um mich zur Raison zu rufen.

„Ähm… Fred und George sind meine Freunde, genau wie Ron ein guter Freund ist, aber warum fragst du?“, klang ich heiser und atemlos.

Ich erblickte aus den Augenwinkeln ein recht überhebliches, fast maliziöses Lächeln, das seine Mundwinkel umspielte.

„Ich möchte nur wissen, mit wem du dich abgibst“, erklärte er schrecklich überheblich.

„Du magst die Weasleys nicht!“, stellte ich schmunzelnd fest und bemerkte, ohne es wirklich zu wollen hatte Lucius‘ beständiges, sanftes Kraulen in meinem Nacken wirklich dazu geführt, dass ich mich entspannte, denn über die Weasleys und meiner Sorge, was er wirklich erfahren wollte, hatte ich es fast vergessen und verdrängt.

„Erscheint dir das so?“, spottete er reichlich, als ich dachte, es vor Spannung nicht mehr aushalten zu können.

Ich wollte gerade aufstehen, war schon dabei mich zu erheben, um Lucius und der knisternden Spannung, die sich um uns aufbaute, zu entkommen, als ich plötzlich den Boden unter den Füßen verlor.

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Kapitel 401-402
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