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 Kapitel 441-442

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BeitragThema: Kapitel 441-442   Mo Jan 27, 2014 3:52 am

441. Kapitel Man erntet was man sät


„Boah, du bist echt schlimm, Harry! Tenebrus hat Moody aufgefangen und sie haben mich zu ihm gebracht!“, gestand ich dann brüsk, während ich die wissenden Blicke der Connection unerträglich fand, als ob sie sich gegenseitig bestätigten, dass ich ihnen noch immer nicht alles sagte.

„Warum wundert es mich nicht, dass die Tierchen dich mögen?“, fragte Fred frech. Sofort warf ich ihm einen tadelnden Blick über meine Schulter zu. Das war nicht lustig.

„Der Leithengst!“, wisperte Ron beeindruckt und erinnerte sich wohl ebenfalls daran, wie uns damals Hagrid die Tiere nach dem Ministerium gezeigt hatte.

„Und was haben sie mit Moody getan?“, wollte George sichtlich neugierig erfahren, dabei tupfte er vorsichtig an seinem nicht mehr existenten Ohr rum und verzog schmerzlich das Gesicht.

„Nichts… auf den Boden haben sie ihn abgelegt und als ich kam, tauchten kurz danach Rabastan und Avery auf, deshalb bin ich schnell abgehauen“, gab ich widerwillig zu Protokoll, dabei kam ich mir schrecklich gegängelt vor.

„Wohin?“, schoss Ron wie aus dem Zauberstab nach.

„Grimmauld Place… Kreacher kümmert sich um ihn…“, murmelte ich und nahm nun selbst eine Wanderung im Wohnzimmer auf.

„Kreacher?“, hauchte Harry über Luciens Köpfchen hinweg, wobei er sich ungläubig und sehr zweifelnd anhörte, ob der Elf seine Aufgabe gut erfüllen würde.

An sich verständlich, wenn man die neuen Umstände um den alten Hauself nicht kannte. Aber gerade würde ich für Kreacher mehr meine Hände ins Feuer legen, was seine Loyalität uns gegenüber betraf, als für Dooby, da Kreacher all seine Hoffnungen, dass wir Regulus‘ letzten Willen erfüllen würden, auf Harry und uns projizierte. Nur von diesen elementaren, neuen Umständen wusste noch keiner und damit gab es ein dezentes Verständigungsproblem. Also zog ich unter den musternden Blicken nur meine Schultern hoch.

„Tja… wie gesagt, du, Ron und ich, wir haben einiges zu besprechen. Hast du mit Ron wegen der Sache gesprochen?“, traf mich ein leicht perplexer Gesichtsausdruck von Harry und ich wurde deutlicher, „Naja, du weißt schon, Dean… das Ministerium und so? Die Sache, die wir mit den Bildern rausgefunden haben?“, fragte ich eigentlich Harry ziemlich umständlich, ob er mit Ron über die Sirius Sache und den Bogen des Todes gesprochen hatte. Denn ich wollte das Wort Dementoren nicht in den Mund nehmen.

Natürlich lauschte man uns gespannt und selbstverständlich verstanden die anderen auch nicht was wir hier redeten. Doch Harry warf nun Daphne einen sehr langen Blick zu, da sie es immer noch nicht lustig fand, dass wir sie nicht einweihten.

„Jupp, das hat er, als wir im Fuchsbau gewartet haben… aber was hat das mit Kreacher zu tun?“, überging Ron rasch dieses für Harry ebenfalls sehr heikle Thema und antwortete an seiner statt.

„Einiges, vieles und gar nichts…“, kam es recht nebulös von mir. „Kreacher gehört nun uns…“, schafften es meine energischen Worte, dass mich wirklich alle ungläubig anstarrten. Sie konnten und wollten es nicht glauben, vor allem die, welche die Ehre hatten Kreacher persönlich zu kennen.

„Wie hast du es geschafft, diesen Widerling umzudrehen?“, fragte George eifrig.

„Mein Charme, mein unendlicher, schlammblütiger Charme!“, meinte ich nicht sehr ernsthaft.

„Haha, Schönste, erzähl es uns!“, „Du schaffst immer das Unmögliche!“, „Voll krass!“

„Das… tut hier erst mal nichts zur Sache…“, wollte ich nicht vor allen über Regulus sprechen, dafür gab es zu viel zu tun und zu viel, was die anderen nicht wussten. Ich meinte hier speziell die Höhle der Inferi. „Wie auch immer, er kümmert sich um Moody. Ihm geht es nicht so gut“, stieß ich mit meiner wenig ausgereiften Erklärung auf wenig Nächstenliebe.

„Moment, das ist doch nicht in Ordnung! Es ist doch toll, wenn Moody lebt!“, „Warum halten wir es geheim?“, „Ja, der Orden trauert!“, „Das müssten wir ihnen sagen!“, „Warum nichts sagen?“, bestürmten sie mich energisch und ich hob eilig die Hand.

„Die DeathEater denken, er ist tot! Sie sahen ihn fallen, der Lord selbst tat dies! Und nun haben sie auch noch sein Auge als Beweis… wenn wir ihn einfach so frei rumlaufen lassen, haben wir ein Problem und wenn wir uns eines nicht erlauben können, dann Misstrauen… mir gegenüber!“, erklärte ich rasch, denn verdammt noch mal, ich war mir sicher, dass der Lord recht schnell den Schritt von den Dementoren zu den Thestralen gehen und mich schlussendlich als Schuldige ausmachen würde.

Das hier könnte mich auf lange Sicht enttarnen, denn wenn der Lord eines nicht war, dann dumm. Ich wollte ihn nicht derart provokant herausfordern. Der Dark Lord war sehr viel aber nicht minderbemittelt. Er war dabei gewesen und hatte gesehen, dass der Orden niemanden gehabt hatte, der seine fallenden Leute auffing, anders als die DeathEater. Also wer sollte dann Moody bitte sanft aus der Luft auf den Boden transportiert und ihn zuvor noch vor dem tödlichen Fluch gerettet haben?

Eben!

Ich konnte kein derartiges Risiko eingehen!

„Wie meinst du das?“, fragte Astoria vorsichtig.

„So wie ich es sage. Der Lord würde die richtigen Schlüsse ziehen, wenn Moody plötzlich lebend auftaucht und er würde irgendwann bei mir landen und dann hätten wir ein riesengroßes Problem!“, ging ich noch mal ins Detail, auch wenn es mir langsam wirklich reichte.

Betretene Stille legte sich mal wieder über uns, denn sie hatten es nun alle vollumfänglich begriffen. Jeder sah jeden irgendwie leicht überfordert an.

„Chrmm… Wird sich Moody danach richten?“, zweifelte Fred schließlich reichlich.

„Ja, er hat es mir versprochen… aber sollte er sich rühren, würde auch Kreacher kommen und Hilfe von uns holen!“, erklärte ich meine Sicherheitsvorkehrungen.

„Und du traust ihm echt? Also Kreacher… nicht Moody…“, argwöhnte Harry offen, dabei lag große Trauer in seinem Blick, aber wir umgingen das Thema Eule, den einzigen, aber tragischen Verlust, den es nun nach Harrys Flucht zu beklagen galt.

An sich hatten wir damit keine großen Verluste zu verzeichnen aber leider war es mal wieder ein sehr persönlicher Trauerfall für Harry und deshalb umso schlimmer! Alles in allem hatten wir dennoch Glück gehabt, denn theoretisch hätte es heute jeden treffen können, der bei der Flucht mitgewirkt hatte.

„Ja, das tue ich!“, bekannte ich somit leise, aber auch entschieden und hoffte, dass wir das Thema Verluste damit abschließen könnten, denn über Hedwig wollte ich um Harrys willen vor der versammelten Gruppe nicht sprechen. Das Thema musste nicht noch hoch kochen.

„Dann tu ich es auch…“, wisperte Harry vertrauensvoll zurück.

Dies hier war gerade wieder ein bedeutender Hinweis dafür, wie wir zueinander standen und wirklich jedem hier war das bewusst. Auch der leise vor sich hin weinenden Daphne war gegenwärtig, dass Harry mir sein vollumfängliches Vertrauen zu jeder Zeit aussprach. In der einkehrenden Stille war Daphnes hicksender Schluckauf unangenehm auffällig. Es wirkte, als würde es ihr sauer aufstoßen, dass Harry meiner Meinung derart willenlos folgte.

„Und was nun?“, fragte George schließlich um abzulenken und fasste sich an sein nicht mehr vorhandenes Ohr.

„Tut es noch weh?“, wollte ich zusammenhangslos wissen.

„Neee, Mum und Co. haben mich mit Zaubersprüchen und Tränken vollgepumpt und die Salbe wird ihr übriges tun“, murrte er düster, „mehr ist nicht drin!“

„Dann ruh dich aus, George… und das nächste Mal legt euch nicht mehr mit Severus und Lucius an… nächstes Mal macht Severus ernst und Fred verliert auch noch sein Ohr!“, warnte ich mit einem sanften Lächeln nachsichtig.

„Ihr habt nicht wirklich Snape angegangen, seid ihr irre?“, hauchte Ron erschrocken und auch Blaise sah sie an, als wären sie verrückt geworden.

„Na, man darf sich doch noch ein bisschen aufregen, oder?“, begehrte Fred eingeschnappt auf. „Er ist schuld!“

„Ohhh, dürfen schon, nur ob´s gesund ist, das ist so eine Frage!“, wagte Blaise altklug einzuwerfen, dafür erntete er bitterböse Blicke der Red Devils.

„Hermione, das ist vielleicht unpassend, aber willst du dich nicht umziehen?“, warf nun Astoria schlichtend ein und deutete dabei auf meine mitgenommene Erscheinung.

„Wie?“, blickte ich irritiert zu ihr.

„Naja, selbst die Jungs und auch die Twins haben es in aller Eile geschafft sich umzuziehen, willst du nicht?“, fragte sie umsichtig und ich blickte an meinen zerrissenen und durch das Ritual richtig dreckigen Harryimitationskleidungsstücken hinab.

„Ohhh… ja, das sollte ich wohl…“, überlegte ich angestrengt, was noch alles für mich bis morgen auf dem Plan stand und ich blinzelte, da mir gegenwärtig war, dass morgen für mich der Lord angesagt war und die Erkenntnis, dass der Lord mit mir noch so einiges zu klären hätte, war eine weniger schön Aussicht.

Ich war noch etwas abgelenkt und fragte mich, wann ich zu Atem kommen sollte, als während meiner Gedanken Pig hinein rauschte. Sie flog todesmutig durch die offene Terrassentür und krachte voll in das Gesicht von Blaise. Dieser Anblick war episch, einfach zum Schreien komisch, zu erleben, wie das flatterige kleine Wesen in dem dunkelhäutigen Gesicht von Blaise aufgeregt rum schuhute und Blaise mehr als geschlagen wirkte, während er Pig mit stoischer Ruhe aus seinem Antlitz pflückte.

Dieses Bild war einfach zum Totlachen und selbst ich konnte mich dieser Komik nicht entziehen. Alle, wirklich alle brüllten vor Lachen, auch wenn es sich wie der Ruf der Verzweifelten anhörte, selbst Daphne hickste schneller.

„Von wem… von wem kommt er?“, prustete Ron atemlos hervor und mit Todesverachtung grabschte Blaise den Brief von der mehr als unruhigen Eule, um dann mit großen Augen darauf zu starren.

„Wow, da scheint wer neugierig zu sein, ob Harry lebt oder nicht…“, flüsterte er leise.

„Wie, was, von wem redest du?“, wollte Fred ungeduldig erfahren, während George in einen Sessel sank und sachte von seinem Partner im Nacken gekrault wurde und nachdem Blaise den Namen sagte, verengten sich meine Augen vor unausgelebten Aggressionen meinerseits, da nun wieder die aufgestaute Wut wie eine Flutwelle über mich kam.

Tja, da ging er dahin, mein gemütlicher Abend unter einer warmen Dusche, weil ich mir genau zwei Leute schnappte und mit ihnen, ob sie wollten oder nicht, verschwand!

„Ähm, Schönste, dürften wir fragen, warum wir mitkommen mussten?“, kam es vorsichtig und etwas unsicher von Ron.

„Ja, weil wir ein Problem haben…“, knurrte ich missmutig.

„Noch eines?“, „Irgendwie hören die Problem nicht auf!“, „Nicht dein Ernst, noch eines?“, kam es von den Jungs. „Und diese ominösen, anderen Probleme sollten die anderen im Cottage nicht hören? Seit wann haben wir vor ihnen Geheimnisse?“, fragte Ron wacker und ich warf ihm einen langen Blick zu.

„Seit…“, wollte ich beginnen, als man mir recht rüde über den Mund fuhr.

„Findest du nicht, du übertreibst es?“, kam es ungewohnt vorwurfsvoll von Harry.

„Mit was?“, wollte ich ungeduldig erfahren und drehte mich zu ihm um.

„Zum Bespiel mit der Geheimnistuerei? Malfoy ist auch schon völlig planlos, da er auch nur noch die Hälfte vom Ganzen weiß und wir, die Connection, nur noch ein Drittel von allem. Ich selbst blick schon gar nicht mehr durch… was ich weiß, geschweige denn was ich nicht weiß…“, kam es leicht wirr von Harry, aber sein Vorwurf schaffte es, dass ich leidlich die Miene verzog.

„Du weißt, dass Harry recht hat! Oder Schönste?“, setzte Ron sachte, aber nicht weniger eindringlich nach und ich seufzte schwer.

„Okay, okay, ihr habt ja recht, aber vieles von dem was wir verschweigen ist zu delikat… und das wisst ihr nur selbst zu gut, aber wenn du willst, dass sich Daphne aufregt aber soooo richtig, dann, ja dann sollten wir zurückgehen und ich werde allen ausführlich erörtern, was wir bisher verschweigen!“, bot ich irgendwie leicht giftig an und darauf wurden die Jungs dann doch blass, denn alles wollten auch sie nicht offen ausgesprochen haben, vor allem unsere Sorgen bezüglich Sirius waren so abwegig, dass wir es nicht in Worte fassen wollten.

Sofort zeigte sich in Harrys Miene, dass wenn man Daphnes Namen nannte, sein Widerspruch sofort im Keim erstickte. Darüber auch sichtlich unglücklich legte nun Ron aufmunternd seine Hand auf Harrys Schulter, um ihm seine Unterstützung zu zeigen.

„Was, was ist es?“, schluckte Harry sichtlich schwer. „Also das Neue!“

„Eben, Harry, wieder nichts Schönes oder gar Erbauliches und das werde ich gleich dort drinnen verkünden!“, versprach ich gewichtig und die Jungs verzogen unglücklich ihre Mienen.

Somit betraten wir zu dritt das Haus und die beiden Jungs sahen sich rege interessiert um, denn schlussendlich waren sie noch nie hier gewesen und hatten von außen auch nichts sehen können, schließlich stand das Haus unter einem Fidelius und Blutschutz.

„Wow…“, „Echt schicke Bude!“, „Hast du nie erwähnt!“, „Echt nicht, hätte ich nicht erwartet!“, „Da können sich die Dursleys echt verstecken!“, „Wo verstecken wir uns dann? In einem Bau?“, warfen sich Harry und Ron zu, während sie die unterste Etage eroberten.

Bevor wir durch das Wohnzimmer gingen schoss aber auch schon ein Kopf in leuchtendem neongelb um die Ecke.

„Jungs!“, kreischte es laut. „Wie geht es euch? Ihr seid in Ordnung? Wie freu ich mich! Harry!“, quietschte die Frau überschwänglich und warf sich freudig in die Arme der Jungs, während ich hinter ihnen nicht wirklich begrüßt verharrte.

„Dora… was ist?“, kam ihr Mitbewohner frohgemut und besser aussehend als jemals sonst in seinem Leben um die Ecke.

Die Ruhe, die Liebe und die gute Verpflegung, zusammen mit einer verliebten Frau schienen Remus zu bekommen. Plötzlich stoppte er abrupt im Gehen, um dann, nach einem kurzen Moment, in dem er sich von seiner Überraschung fangen musste, dem überrumpelten Harry ebenfalls um den Hals zu fallen.

„Was macht ihr hier? Verdammt… tut es gut, dich zusehen, Harry! Du lebst, sie konnten dich wirklich sicher rausholen!“, sprach der Mann sichtbar aufgelöst, seine Freude schien echt und aufrichtig zu sein. „Warum kommt ihr überhaupt?“, fasste er sich langsam und löste sich von dem recht steifen Harry, der etwas überfordert aussah.

Währenddessen bemerkte ich, dass mich Tonks ganz genau musterte, daraufhin sah ich sie an und hob fragend eine Braue.

„Wie siehst du denn wieder aus, Hermione?“, wollte Tonks mitleidig erfahren. „Diese kurzen Haare? Warum?“

„Och, mal was Neues, bald ist es wieder so lang wie früher“, tat ich rasch ab und blickte sie dann hart an. „Mich würde eher interessieren, wie es kommt, dass ihr eine Eule schickt?“

„Oh, sorry, das war dann ich. Die Twins haben mir in einem ihrer Kehrpakete geschrieben, dass ich nur nach Pig rufen muss, um eine Nachricht zu ihnen zu senden und dass die Eule so gepolt ist, dass sie niemals wo anders als ins Cottage fliegt, wenn sie von uns kommt!“, erklärte Tonks leutselig.

So verstand ich es nun, aber gut, ich kannte den Zauber, den die Twins anscheinend auf Pig gelegt hatten. Wie schön, dass ihre eigene Eule für den Zauber zu schade war. Unterdessen setzte ich mich und machte dabei einen riesengroßen Bogen um das Sofa.

„Warum kommt ihr gleich persönlich vorbei? Ist etwas passiert?“, fragten nun die beiden Gefangenen, die ich missmutig betrachtete, woraufhin sich die Jungs auf eben jenes Sofa setzen wollten, das in mir Erinnerungen über kopulierende Personen wachrief, die ich nicht so im Geiste vor mir sehen wollte.

„Das würde ich lassen!“, murrte ich daher düster und die Jungs sahen sofort zu mir, bevor ihr irgendwie wissender Blick zu Remus und Tonks huschte, die rosarot anliefen. Bei Tonks traf dies sogar wortwörtlich zu, denn ihr Haar war nun schlicht pink.

„Äh, ja nun…“, eilten Tonks und Remus somit zum Sofa und nahmen darauf Platz „Was ist denn nun passiert?“, fragte Tonks, derweil wichen Harry und Ron auf die Sessel aus.

„Wir haben keinen Schimmer, da werdet ihr Hermione fragen müssen!“, visierten mich alle Augen gespannt an.

„Also, dann mal auf und da wir uns nun alle so schön versammelt haben, werde ich eine Geschichte erzählen… die im Grimmauld Place beginnt…“, begann ich trügerisch sanft, bis ich abbrach, da Ron mich derart furchtsam ansah, als hätte er Angst, dass ich gleich jemanden anfallen würde. „Was schaut ihr so?“

„Du hörst dich grad echt gruselig an!“, würgte Ron an seinen Worten und ich schenkte ihm ein durch und durch maliziöses Lächeln, das wohl an einen Haifisch erinnerte.

„Tja, was da gleich noch kommt, dürfte das sogar noch in den Schatten stellen… Wie auch immer, ich bin mir sicher, bei euch ist es ähnlich und ihr werdet euch gruseln, wenn ich es fertig erzählt habe. Also, ich stehe da gemütlich mit Moody im Stammbaumzimmer der Blacks und was sehen meine zarten Augen da?“, fragte ich eher theoretisch. „Eine Ahnung? Auch nur eine klitzekleine?“, fasste ich provokant nach und meine Finger deuteten diese Geste mit Daumen und Zeigefinger an, während mich alle mit großen Augen beobachteten und ich stöhnte wegen ihrer ideenlosen Mienen.

„Pfff… also was sah ich? Genau, einen Zweig, der meinen Namen bei den Malfoys hinaus in die Welt brüllt“, begann ich erst mal bei mir. Sofort blitzte so etwas wie Hoffnung in Remus‘ bisher starrem Blick auf und ich grinste ihn gehässig an und genoss es, seine aufkeimende Hoffnung sofort zunichte zu machen.

„Nicht zu voreilig, mein Lieber, Moody riet mir, mit dem Stammbaum zu tun was auch immer mir beliebte“, bekannte ich süßlich und genoss es, das sprachlose Entsetzen in Remus‘ Miene einziehen zu sehen.

„Er? Wie? Was? Warum? Wieso?“, stieß er vollkommen verständnislos aus, da er bodenlos getroffen war, weil Moody zu wissen schien, wer ich war.

„Ohhh… er war natürlich absolut entsetzt, dass ich Malfoy heiße“, schüttete ich meinen Spott über der Versammlung aus, „wobei dieser Haudegen erstaunlich gelassen blieb, wenn man bedenkt, dass er es schon länger weiß“, führte ich sie absichtlich in die Irre und wurde mit ziemlich doofen Gesichtsausdrücken belohnt.

„Alastor weiß es?“, hauchte nur noch Tonks sichtbar überfordert, während es Remus anscheinend die Sprache verschlagen hatte.

„Tja, schockierend, aber ja, er weiß es schon länger und er fand es besser, nichts zu sagen…. Er ging und das war auch gut so, denn ich weiß nicht, wie ich es sagen soll, das war nicht alles“, legte ich eine gewichtige Kunstpause ein und erlangte damit wieder die Aufmerksamkeit aller. „Dieser unsägliche Baum an der Wand macht mir echt Gedanken, denn das war nicht das Einzige, das er anzeigte“, fuhr ich fort, worauf mich ein lauter Schrei unterbrach:

„LUCIEN!“, kam es schlau von Harry. Mit dieser neuen Weitsicht, die beeindruckend war, machte er mich dann doch etwas stolz.

„Harry, ich bin so unsäglich stolz auf dich!“, zeigte ich mich bewegt.

„Wow, das macht es aber nicht besser, Schönste!“, wisperte Ron betroffen zurück und ich nickte.

„Vielleicht versteht ihr jetzt mein Problem!“

„Was hast du getan?“, wollte Harry nun energisch erfahren.

„Nachdem Moody weg war und nein, er hat deinen Sohn nicht entdeckt, habe ich uns, dich, mich und Lucien ausgebrannt, denn mehr ist leider bei dem blöden Teil nicht möglich. Spätestens wenn du heiratest wird Daphne entstehen“, grollte ich und schnalzte abwertend mit der Zunge.

„Moment, Moment, aber warum erzählst du uns das ebenfalls?“, wagte sich nun Tonks hervor und hob sachte die Hand.

„Tja, dazu kommen wir nun“, drückte schon mein Ton mein absolutes Missfallen aus und ich erntete gespannte Mienen, „ als ich gehen wollte, sprang mir der Familienzweig der Tonks ins Auge. Natürlich war Andromeda mit Ted ausgebrannt, aber unter ihr war Nymphadora als Halbblut durchaus noch da und jetzt kommt´s, da bildete sich doch tatsächlich ein kleines, vorwitziges Ästlein von ihrem Namen weg. Ich habe selten dämlicher geschaut!“, bekannte ich nun gehässig und rollte mit den Augen.

„Sie ist schwanger!“, brüllte Ron erschrocken, während Tonks‘ Haar hellgrau in sich zusammenfiel und Remus einer Ohnmacht nahe schien, so blass wie er wurde.

„Ich bin was?“, flüsterte sie entsetzt und fächelte sich Luft zu.

„Tja, wenn dieser Baum recht hat und zu meinem Leidwesen hat er das anscheinend immer, dann bist du so was von schwanger!“, durchzog Ironie meine Tonlage.

„Das… das…“, stotterte Remus, der grünlich im Gesicht angelaufen war. „Das kann nicht sein…“

„Das war selten dämlich von euch!“, ätzte ich gemein.

„Das ist unmöglich, ich kann nicht schwanger sein!“, begehrte Tonks entschlossen auf und legte sich vorsichtig die Hand auf den flachen Bauch.

„Tja, ich sag aber, du bist es!“, kam es recht nüchtern von mir.

„Nein, du irrst dich, sie kann nicht schwanger sein, denn ich bin ein Werwolf!“, warf Remus nun sehr energisch ein, als würde er diese Tatsache damit ausmerzen können. „Wir können keine Kinder zeugen!“

„Auch ein sehr interessanter Aspekt, ich habe mal mit Fenrir darüber gesprochen“, bekannte ich und erinnerte mich zurück, dass es stimmte, auch Fenrir hatte ähnliches gesagt, aber wie hatte mich mein Leben so schön gelehrt, Ausnahmen bestätigten die Regel.

Nichts war unmöglich und alles war möglich!

„Was für abstrakte Themen ihr doch habt“, ätzte Harry zynisch, mit grünlichem Gesicht. Auch ihm schien es in Wahrheit nicht zu passen, dass ich derart eng mit Fenrir verkehrte. Kurz war ich versucht ihm die Zunge rauszustrecken, aber ich konnte mich dann doch noch zurückhalten.

„Hochinteressante“, blieb ich schrecklich trocken.

„Du triffst dich nicht wirklich mit ihm?“, fragt Tonks irgendwie bleich. „Also mit Greyback?“

„Doch, regelmäßig, es würde mir schwerfallen, Fenrir zu meiden und Remus… ich hatte echt Glück, dass du mir nie im Lager begegnet bist… aber sollte Fenrir Tonks in die Hände bekommen, wird er sie nicht mehr hergeben!“, gab ich sachte zu bedenken und schon zuckte Remus‘ furchtsamer Blick mit unbeschreiblichem Horror in seinen Augen zu mir.

„Wie meinst du das?“, hauchte Tonks bodenlos überfordert, während sie bis eben furchtsam ihren flachen Bauch gestreichelt hatte.

„Wie gesagt, Kinder scheinen fast unmöglich unter Werwölfen zu sein und daher nicht normal. Ich denke, er würde sich freuen, dich als Versuchskaninchen in seinem Reich willkommen zu heißen!“

Wegen meiner Aussage würgte Tonks. Es war verständlich. Bestimmt sah sie Fenrir in der Gasse vor sich, als er das kleine Kind angefallen hatte und sie als Aurorin gekommen war, um ihn erfolglos daran zu hindern. Das warf kein gutes Licht auf ihn.

„Werwölfe können keine Kinder bekommen!“, beharrte Remus stur und starrte an die Wand. „Das was du sagst, kann nicht stimmen. Es ist unmöglich!“

„Tja, du widersprichst gerade beeindruckend der Regel, sorry! Dass Tonks es hier nicht mit einem anderen getrieben hat, wirst du nicht abstreiten können!“, entgegnete ich provokant und erreichte, dass mich Remus mordlüstern musterte. „Sie ist schwanger!“

„Was heißt das?“, „Ja, was heißt das?“, kam es etwas konfus von den Jungs.

„DAS MUSS WEG!“, bestimmte Remus urplötzlich und sprang erregt von der Couch auf, während Tonks zusammenzuckte und ihre Hand schützend über ihren Bauch hielt.

Sofort lehnte ich mich zurück, um das Drama aus erster Hand zu erleben. Es versprach amüsant zu werden und mit Erstaunen bemerkte ich, wie sehr ich soeben Severus ähnelte, da ich mich als Beobachter zurückzog und nur noch zusehen wollte, während sich Remus gerade den schwarzen Peter mit seiner energischen Forderung einhandelte.

„Spinnst du?“, fauchte Ron sofort empört los.

„Was geht es dich an?“, kam es knurrig und sehr aggressiv von Remus, der nun mal wieder mehr dem Wolf in sich ähnelte als sonst wem.

„Alles! Wenn du so doof bist ein Kind zu zeugen! Harry? Kumpel? Sag was…“, zeigte sich Ron sehr involviert.

„Häää“, kam es reichlich perplex von Harry, der irgendwie nicht wirklich begeistert wirkte.

„Sagst du dazu nichts?“, forderte Ron weiterhin.

„Ich…“, sah Harry irgendwie betrübt zwischen Remus und Ron hin und her, bevor sein trauriger Blick auf der leichenblassen Tonks liegenblieb. „Schwerlich, ich weiß, wie es ist ein totes… aber auch ein lebendes Kind zu haben… keine leichte Entscheidung“

„Tot? Was war tot?“, „Ja, wie ein totes Kind?“, wisperten Tonks als auch Remus betroffen.

„Ist es nicht gleich? Fragen wir uns eher, vor was Remus genau Angst hat?“, zeigte sich Harry sehr erwachsen, aber auch vom Leben gezeichnet in seinem ruhigen Gebaren die Sache anzugehen.

„Ich? Wenn dieses Kind wie ich wird, ist es von Beginn an verflucht!“, begehrte Remus auf.

„Das schaffen wir!“, wagte sich Tonks vor und Remus fuhr herum und funkelte sie ungehalten an.

„Wir schaffen das? Wir schaffen das? Weißt du überhaupt, wie schwer es für Lyall und Hope war?“, warf Remus anklangend ein, dabei wirkte er sehr angegriffen und sichtlich überfordert, fast schon panisch.

„Wer sind Lyall und Hope?“, fragten wir alle nach.

„Meine Eltern! Verdammt, meine Eltern!“, hauchte Remus, der nun seine Hände vors Gesicht schlug.

„Tja, vielleicht würden wir es verstehen, wenn du es uns erzählen könntest?“, wagte sich Tonks schniefend vor, während sich Remus langsam fing und dann sachte nickte, uns aber allen den Rücken zudrehte.

„Was wollt ihr hören? Mein Dad war ein Zauberer und ein Experte auf dem Gebiet der nicht-menschlichen, geisterhaften Erscheinungen, wie Poltergeistern, Irrwichten und anderen geisterhaften Wesen. Solche Wesen, die selbst in der Zauberwelt ein Rätsel sind...“, begann Remus zu erzählen und ich schluckte schwer, als ich dies vernahm. Ob mir Remus‘ Vater hätte helfen können, zu erfahren, warum mich die Geister auf Hogwarts derart permanent mieden?

„Als ich vier Jahre alt war, beging mein Vater den größten Fehler seines und damit auch meines Lebens“, resümierte der sichtlich mitgenommene Remus, dessen Stimme hier brach.

„Und das trägst du ihm heute noch nach?“, fragte Harry vorsichtig, der die Bitterkeit in Remus‘ Stimme genauso gut vernahm und wahrnahm wie ich.

„Nein…“, kam es zu schnell von Remus, als dass er es ernst meinen könnte.

„Lüg dir nicht in die Tasche!“, raunte ich aus meiner Ecke und ein stahlharter Blick traf mich vorwurfsvoll, woraufhin ich mit den Schultern zuckte.

Mit der Selbstlüge kannte ich mich zu gut aus, praktizierte sie leider zu oft, deshalb enttarnte ich die, die sich selbst belogen auch zu rasch.

„Naja, sei’s drum.“ Als er sich von mir abwandte, fing er sich und fuhr fort: „Der erste Aufstieg des Dunklen stand bevor. Vater wurde fürs Ministerium rekrutiert, eben weil er ein Experte war. Er sollte helfen, das Ausmaß der Bedrohung zu verstehen und einzudämmen. Er sollte in der Abteilung zur Führung und Aufsicht der magischen Geschöpfe mithelfen…“, verklang seine Stimme mit einer gewissen Wehmut.

„Wow, das nennt man scheiße gelaufen“, ging meine Gehässigkeit mit mir durch, aber als ich das vernahm konnte ich mal wieder über die Launenhaftigkeit des Schicksals nur den Kopf schütteln, während uns die anderen verständnislos musterten. „Dein Vater hat echt mitgeholfen, dass du dich registrieren musstest?“, spottete ich bitterböse und meine Aussage richtete sich nicht mal direkt gegen Remus, sondern allgemein gegen die verschlungenen Wege, die unser Leben manchmal ging.

„Könntest du mich reden lassen?“, brauste Remus nun ungehalten wegen meiner Unterbrechung auf und ich beschloss, großmütig zu sein.

„Ja!“, gab ich nach und schwieg.

„Also, wo war ich? Genau, damals traf Vater auf Greyback… Fenrir Greyback!“, hauchte er zum Schluss mitgenommen, bevor er sich sichtlich schüttelte. „Greyback wurde damals ins Ministerium gebracht, aber das Register war mehr als schlampig geführt worden, da die Werwölfe die Gemeinschaft dermaßen mieden, dass sie schlicht untergingen. Stattdessen lebten sie in selbsternannten Rudeln und unternahmen alles in ihrer Macht stehende, um nicht ins Werwolf-Register aufgenommen zu werden. Verständlich… wenn man sich die Repressalien, die einem drohen, vor Augen führt…“

„Das Ministerium war schon immer eine Schande!“, grollte Harry böse, worauf Remus ihm ein nachsichtiges Lächeln zukommen ließ.

„Oh, es kommt noch schlimmer… Greyback, von dem das Ministerium natürlich nicht wusste, dass er ein Werwolf war, hat ihn mit Samthandschuhen angefasst… er gab sich als Muggel-Vagabund aus und ich mein, wie blind konnten die damals sein?“, fragte Remus fassungslos und ich verstand ihn, als er fortfuhr: „Greyback täuschte das Gremium. Er tat sehr erstaunt, dass er sich in einem Zimmer voll mit Zauberern befand und schien entsetzt beim Gedanken an die armen, toten Kinder zu sein“, kam es stockend von Remus und ich erinnerte mich an ein Gespräch mit Moody im Grimmauld Place, als er von Fenrir Greys Entführung erzählt hatte und dass das Ministerium lange Zeit nicht gewusst hatte, dass aus diesem Grey eben Greyback geworden war.

„Wow, das ist Fenrir. Er ist ein exzellenter Schauspieler. Nur frage ich mich, waren die schon immer so doof? Sein Blick alleine zeigt seine Mordlust“, warf ich nun selbstvergessen in meinen Gedanken ein, da ich mich über das Ministerium schon sehr wundern musste, denn Fenrirs Augen sagten mir selten etwas anderes, als dass er schlicht ein gefährliches Raubtier war.

„Na, gegen den Einwurf hattest du jetzt nichts, Remus?“, wollte Ron spitz erfahren, da mich Remus mit hartem Blick durchbohrte, wenig begeistert davon, sich daran zu erinnern, wie nah ich dem Rudel stand.

„Nun, diese Aussage entspricht der Wahrheit, man sieht es in den Augen“, gab Remus wenig begeistert zu, während er sich schüttelte. „Dieser Befragungsausschuss war wahrlich hohl und dumm. Sie legten seine schmutzige Kleidung und die Tatsache, dass er keinen Zauberstab bei sich trug, als ausreichenden Beweis dafür aus, dass er die Wahrheit sagte.“ Währenddessen fuhr er sich fahrig über das blasse Gesicht und wir alle gaben ihm die Zeit, die er anscheinend brauchte, um sich zu fassen.

„Und nun… Vater, der war anders… ihn konnte Greyback nicht so einfach täuschen. Er erkannte bestimmte Anzeichen in Greybacks Erscheinung und Verhalten und erklärte dem Ausschuss, dass man Greyback bis zum nächsten Vollmond, bloße 24 Stunden später, einsperren sollte, um es zu widerlegen. Man nahm Vater nicht ernst, eben weil er sich mit dem übernatürlichen in der Magie beschäftigte… in dieser Zeit saß Greyback stumm da und hörte nur zu“, murmelte Remus geistig gefangen in der Vergangenheit und mir kam es so vor, als hätte ihm sein Vater öfters davon erzählt als ihm lieb sein konnte und nun gab er es wie eine monotone Tonbandaufnahme wieder.

Ich konnte mir den noch jüngeren Fenrir exzellent in dieser abwartenden, fast schon lauernden Rolle vorstellen. Seine Contenance musste man wahrlich bewundern, aber er war nicht umsonst das Alphamännchen.

„Dann machten sie sich lustig, wie sagte Vater immer, er wurde von seinen Kollegen ausgelacht, die ihm großkotzig erklärten: „Lyall, konzentriere dich lieber auf walisische Irrwichte. Mit denen kennst du dich besser aus!“, da wurde Vater wütend. Und ich glaube, erst hier fing es an, erst hier beging er nun den größten Fehler, den er begehen konnte“, flüsterte Remus leichenblass und schüttelte betrübt das Haupt, „denn… denn er beschrieb Werwölfe als „seelenlose, teuflische Wesen, die nicht mehr als den Tod verdienen.“ Seine Stimme brach, verständlich bei dieser so barschen Meinung seines Vaters und unter Anbetracht dessen, was Remus heute war.

„Autsch, wenngleich ich es verstehen kann, dass dir der Zauberstab durchgeht, wenn dich deine Kollegen beginnen auszulachen!“, murmelte Ron, während wir anderen betroffen im Schweigen verharrten, bis Remus tief Luft holte um weiterzumachen:

„...Tja, nach dem Schlagabtausch forderte ihn der Ausschuss auf, den Raum zu verlassen. Der Vorstand des Ausschusses entschuldigte sich sogar bei dem angeblichen Muggel-Vagabunden und Greyback wurde freigelassen!“, stieß er nachtragend wütend aus und ballte die Hände zu aggressiven Fäusten.

„Wow, das ist ein hartes Stück. Das Ministerium war anscheinend schon immer ein Haufen von Wichsern und Vollidioten!“, „Kann echt niemand behaupten, dass sie nicht wenigstens immer Fehler machen“, „Das tut echt weh… autsch…“, meinten Harry und Ron einfühlsam, während Remus ein Loch in den Teppich rannte.

„Ach, es wird noch besser… als man Greyback gehen ließ, haute dieser natürlich ab und das Rudel blies zur Rache“, meinte Remus verbittert, dabei wirkte er durchwegs aufgebracht über das Versagen des Ministeriums und wenn man das so hörte, war es mehr als nachvollziehbar.

„Oh Remus…“, presste Tonks ihre Hände auf den Mund als würde ihr übel sein, während sie verzweifelt, mit Mitleid in den Augen zu ihrem Freund blickte.

„Nicht, Dora… nicht jetzt!“, fuhr er sie scharf an und sie zuckte getroffen zurück. „Dann passierte es… kurz bevor ich fünf wurde, war es soweit… das werde ich nie vergessen“, überlief ihn sichtbar eine Gänsehaut, dabei rieb er sich unbeholfen über die Arme, als wäre ihm kalt. Und wir gaben ihm erneut die Minuten, die er brauchte, um sich zu fangen.

„Äh… ja genau… ich… ich…“, versuchte er es, aber er brach ab und wandte sich fahrig zum Fenster, um keinen mehr von uns ansehen zu müssen. Dass das nicht leicht war, glaubte ich unbesehen. Wer war gerne Futter für Werwölfe?

„Chrmm… ja, ich schlief, als Greyback gewaltsam durch mein Fenster kam, … er attackierte mich“, bekannte er rau, bevor er weitermachte, mit sehr geradem Rücken zu uns stehend. „Mein Vater dachte, Greyback wollte mich umbringen, aber das stimmte nicht. Er wollte mich nur beißen. Er wollte mich nicht vollständig zerfleischen! Oh nein… das war nie seine Absicht!“, ätzte Remus unversöhnlich, aber ich gab ihm recht, sein Tod war nicht die ersehnte Rache gewesen, das wäre zu leicht gewesen bei einem Mann, der für Werwölfe den Tod als angemessen ansah.

„Oh nein, er wollte mich nicht tot, dafür geht diese Bestie viel zu kalkuliert vor. Er biss, kratzte und schlug mich… er richtete mich gefährlich zu, aber er brachte mir nicht den Tod!“, verklang seine Stimme leise, durchtränkt von Emotionen, dabei biss sich Tonks auf die Lippen, um sich jeden Ton zu versagen. „Vater kämpfte vehement und fluchte die Meute aus dem Haus. Er war ein guter Zauberer“, hauchte er betroffen, bevor er sich uns wieder zuwandte.

„Nun, und seitdem… seitdem bin ich, was ich bin!“, klangen seine schicksalhaften Worte so ähnlich resigniert in meinen Ohren, da auch ich war, was ich nun war, eine seltene Ähnlichkeit und Übereinstimmung mit Remus.

Wobei ich selbst gewählt hatte, er nicht, das sollte man nicht außer Acht lassen. Er hatte mein aufrichtiges Mitleid dafür, dass die unbedachten Worte seines Vaters seine Zukunft entschieden hatten.

„Wow, das ist hart… so hart!“, wisperte Ron ehrfürchtig und sichtbar mitfühlend.

„Das ist schrecklich, Remus, das tut mir leid!“, kam es auch leise von Harry, aber Remus wischte ihre anteilnehmenden Worte beiseite, während Tonks nur still vor sich hin schluchzte. „Du hast nie was gesagt!“

„Man kann nichts dran ändern… gar nichts… ich habe mich abgefunden!“, heuchelte Remus Gleichgültigkeit und meine Augen sprachen meine Zweifel auch aus, als ich ihn durchdringend maß, aber da er mich weiterhin nicht beachtete, blieb es wirkungslos.

„Aber mein Vater hat sich seine Worte nie verziehen!“, stieß Remus irgendwie anklagend aus und ich schnaubte auf, was ihn zu mir herum schnellen ließ.

„Dein Vater hat es sich bestimmt nie verziehen, denn jetzt warst du, Remus, ein „seelenloses, teuflisches Wesen, das nicht mehr als den Tod verdiente“, nicht wahr? Ja, manchmal sollte man lieber nichts sagen!“, resümierte ich leise, aber auch schonungslos und traf anscheinend sehr tief ins Schwarze, denn Remus schloss gequält die Augen.

„Ja, ja, Hermione, das ist leider richtig, es waren diese von Vater ausgesprochenen Worte, die uns ab nun verfolgten, die unser Schicksal wurden, denn Vater erlebte nun hautnah, was es bedeutete ein Werwolf zu sein. Er musste erkennen, dass ich mich nicht wirklich viel veränderte, außer an Vollmond, aber da war es schrecklich und qualvoll für mich!“, gab Remus geschlagen zu und rieb sich nun seine Stirn, als hätte er Kopfweh

„Oh, Remus!“, flüsterte Tonks einfühlsam und schenkte ihm einen von Liebe durchtränkten Blick, aber das schien er gar nicht zu registrieren, derart versunken in seinen Erinnerungen war er.

„Und natürlich wollte dein Vater nichts mehr davon wissen, dass Werwölfe tot zu sein hätten?“, schlug mein Zynismus über ihm ein, was mir dann doch wieder seine Aufmerksamkeit einbrachte, aber er brauste nicht auf, eher nickte er nur knapp, selbst über die Doppelmoral seines Vaters sichtbar unglücklich.

„Ja, wenn es die eigenen Leute trifft, ist es immer etwas anderes… ab nun begann das Versteckspiel, das war schrecklich für mich als Kind. Das ständige Umziehen, sobald Nachbarn misstrauisch wurden, das war eine Zumutung und setzte allen zu. Mutter erkrankte wegen dem Stress und dem Kummer, lange hielt sie das nicht durch, sie… sie starb… es war keine schöne Zeit“, bekannte er nun, bevor er zu Tonks herumfuhr und näher auf sie zutrat.

„Tonks… ich will das einem Kind niemals antun… wenn es so wird wie ich… verstehst du das? Deshalb muss es weg!“, beharrte er daher stur und auch wenn es mich selbst schockierte; ich verstand ihn bis zum tiefsten Herzen meiner Seele, denn dasselbe galt für mich, warum ich von vornherein ausschloss, Draco einen Erben zu schenken. Ich würde kein Kind zu einem Leben als Nekromant oder als SoulGatherer verurteilen, das war inakzeptabel. Dumm war von Remus nur, dass er nicht vorgesorgt hatte und anscheinend selbst als Werwolf doch noch Kinder zeugen konnte. Ansonsten verstand ich seine Bedenken aber durchwegs!

„Feigling!“, flüsterte Harry plötzlich anklagend und Remus zuckte wie geschlagen zusammen, doch dann schluckte er schwer, richtete sich langsam wieder auf und starrte nun Harry hart an.

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BeitragThema: 442. Misperception    Do Jan 30, 2014 9:47 pm

442. Kapitel Misperception


„Bitte, du müsstest es besser wissen, Harry!“, begehrte Remus hörbar getroffen auf.

Wenngleich ich mir dachte, dass Harry mittlerweile wahrlich hart sein konnte, so verstand ich auch Harrys Meinung.

„Ja, aber ich habe mich meinem Schicksal gestellt“, gab Harry sofort, ohne zu zögern Kontra.

„Das tu ich auch. Ich will ES vor Unbill bewahren. Vater hatte auch immer Sorge, dass ich ihn verantwortlich mache für mein Schicksal!“, rief Remus nun empört laut aus und wirkte sehr angestrengt. Eine Ader pochte sichtbar an seiner Schläfe. Tonks biss sich in ihre Hand, um nichts zu sagen, denn das alles traf sie sichtbar.

„Und hast du?“, gab Harry nicht auf, insistierte weiter und schenkte Remus einen eindringlichen Blick über seine Brille.

„Nein!“

„Lügner!“, rief Harry erbost, als Remus in seiner Antwort stockte.

„Nein, nein, nein! Aber ich würde es mir vorwerfen, wenn mein Kind von Beginn an ein Werwolf wäre!“, schrie er nun herzerweichend aufrichtig und zerrte wie verrückt an seinem Hemd, als wäre es ihm zu eng.

„Und wenn nicht? Wenn Tonks‘ Gene stärker sind?“, warf Ron nun doch energisch ein, während Tonks da saß wie ein geprügelter Hund. Ich blieb relativ entspannt, wartete ab und beobachtete das Drama. „Ein Metamorphmagus-Baby?“, flüsterte Ron fragend. Sofort warf ich ihm einen langen Blick zu, denn auch Ron hatte nicht unrecht, es war an sich schon ein Wunder, dass Tonks überhaupt schwanger war.

Nach diesem Einwurf legte sich erst mal Schweigen über alle. Remus, der hektisch und abgehackt atmete, wie nach einem zu langen Lauf, Tonks, die schniefte und versuchte, einen Heulkrampf zu unterdrücken und Ron und Harry, die sprachlos in ihrer Empörung waren.

Unterdessen behielt ich nur noch Remus im Blick, da mir seine selbstgerechte Mitleidstour auf die Nerven ging, denn zum Baby machen gehörten immer noch zwei!

„Das ist doch egal, Tonks ist schwanger, Punktum! Ich frage mich, wie man nur so bescheuert sein kann!“, erhob ich schließlich richtig meine Stimme. Meine Wut, wegen der Dummheit der beiden, war mir anzuhören.

„Jetzt werde nicht beleidigend!“, wehrte Harry sofort ab, daraufhin zuckte mein durchaus anklagender Blick zu ihm.

„Tja, Harry und Daphne waren auch so bescheuert!“, zierte ein gehässiges Grinsen meine Züge.

„Schönste!“, rief Ron beruhigend und legte Harry seine Hand auf die Schulter, da er gefährlich rot anlief.

„Es mag ein Fehler sein, es ist passiert… es war keine Absicht!“, verteidigte sich Tonks soeben mit leiser Stimme.

„Es hätte nie passieren dürfen! Und du bist schuld!“, geißelte Remus sich selbst, während er Tonks für alles verantwortlich machte, auch nicht die nette Art. Schließlich rächte es Tonks sichtbar, denn sie funkelte ihn nun sehr böse an.

„Warum bin ich denn bitte schuld?“, fauchte sie bodenlos sauer und lief lila-blass-blau an.

„Weil du mich ins Bett gezerrt hast!“, brauste Remus auf und verzog seine Züge zu einer Grimasse, während ich sie wieder auf dem Sofa vor mir sah und ganz ehrlich nicht behaupten konnte, dass es so ausgesehen hatte, als ob Tonks Remus vergewaltigt hätte, aber wenn er sich das einreden wollte, bitte!

„Das ist ja wohl die Höhe!“, kreischte jetzt Tonks, bevor ihr die Stimme wegbrach.

„REMUS!“, kam es aufgebracht von Harry. „Es reicht, es gehören immer zwei dazu!“, legte er nach und Remus blickte sichtlich peinlich berührt weg.

„Remus, das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Wenn du nicht immer damit beschäftigt wärest, dich selbst zu bemitleiden, dann hättest du schon längst bemerkt, dass ich dich aufrichtig liebe“, zeigte Tonks mehr als nur Emotionen und kam farblich an einen Regenbogen ran, derart rasant wie sich die Farbe ihrer Haare am Kopf als auch an den Augenbrauen und Wimpern änderte. „Da kann dergleichen dazugehören!“, ätzte sie giftig und bevor Remus zu viel kaputt machen konnte, grätschte ich ein.

„Wird höchstwahrscheinlich eh nichts werden!“, meinte ich somit lapidar und es war, als würde ich mit meinen nüchternen Worten die Luft aus allen raus lassen.

„Wie meinen?“, hauchte Tonks tonlos, während sie mit grünen Wimpern zu mir blinzelte.

„Wie ich sage, Fenrir sagte…“, wollte ich beginnen, als ich unterbrochen wurde:

„Fenrir? Du nennst das Untier… Fenrir!“, kreischte Remus und da konnte ich es nicht lassen, unter Anbetracht was Fenrir und ich manchmal am Feuer taten zuckten meine Mundwinkel vor Amüsement darüber, dass er sich über den Umstand, dass ich ihn mit Vornamen ansprach, aufregen konnte.

„Oh, ich mache noch ganz anderes mit ihm!“, gab ich erheitert zu, dabei fiel mir auf, dass es Remus zu Anfang des Gespräches gar nicht aufgefallen war, dass ich dort auch schon Fenrir erwähnt hatte, bestimmt war das auf den Schock zurückzuführen.

„Oh, das hört sich widerlich an!“, „Ja, echt eklig, Schönste, was du da suggerierst!“

„Dass du das Wort überhaupt kennst!“, ätzte ich zu Ron, der rot wie eine Tomate anlief, aber recht stur sein Kinn in die Höhe hob.

„Hermione, was meinst du? Was soll nichts werden?“, riss sich nun Tonks zusammen und nahm mich hart ins Visier, dabei war ihr ihre Sorge ins Antlitz geschrieben.

„Nun, ich habe, wie bereits erwähnt, mal mit Fenrir über das Thema der Vermehrung gesprochen und er meinte, dass ihm noch nie Kinder geboren wurden… wobei er es immer mit Werwolffrauen versucht hat, ob Muggel oder Magierin, ganz gleich.“

„Wirklich?“, „Stimmt das?“, „Ist das wahr?“, prasselten die Fragen auf Remus ein und er starrte mich mit unleserlichem Blick an.

„Was schaust du so, Remus?“, wollte ich deshalb genau wissen.

„Wundert mich, dass der große Schweiger im Rudel bei dir zu einem Plappermaul mutiert“, ätzte er böse, was mir ein Zucken meiner Mundwinkel bescherte.

„Oh, Fenrir und ich… wir haben eine Basis gefunden“, erklärte ich und machte eine vage Handgeste, die Remus leidlich das Gesicht verziehen ließ.

„Weißt du was…? Das glaub ich dir sogar aufs Wort!“, stieß er verächtlich hervor und es klang nicht wie ein Kompliment.

„Du denkst, ich werde das Kind verlieren?“, durchbrach nun die furchtsame Stimme von Tonks unser so nettes Gespräch, dabei waren ihr der Kummer und die Sorge anzuhören.

„Keine Ahnung, soweit ich es verstanden habe, ja! Aber so wie sich das anhörte, kam es gar nicht groß zu Schwangerschaften, deshalb war sich Remus wohl auch so sicher, dass es unmöglich sei, aber sooo genau weiß ich es auch nicht… sorry!“, meinte ich zu der offenkundig besorgten Frau, deren Bedenken verständlich waren.

„Okay, okay, das heißt abwarten…“, wandte sich Harry beruhigend zu Tonks, dabei schenkte er ihr ein sanftes Lächeln.

„ABWARTEN? Nein, wegmachen!“, rief Remus sofort.

„Remus John Lupin! Nie und nimmer!“, fauchte sie ihn derart bewegt an, dass man sehr genau raushörte, dass darüber mit ihr keine Diskussion möglich war. Sie maßen sich lange, bis Remus nachgab und den Blickkontakt brach.

„Nein…“, wisperte Remus geschlagen und starrte verbohrt auf ihren Bauch, als könnte er es nur durch seinen Willen wegmachen.

„Remus, es ist passiert… nun lebe mit den Konsequenzen“, sprang Harry Tonks vehement zur Hilfe und Ron nickte nur sehr eindringlich, während Remus‘ Augen unerwartet zu mir huschten.

„Was?“, meinte ich provokant. „Auf einmal bin ich dir gut genug?“, ging meine Augenbraue taxierend hoch und Remus schluckte sichtlich schwer, aber er überwand sich.

„Hermione… ich… bitte…“, schockte er mich fast mit dieser Annäherung, aber nachdem ich ihn maß und feststellte, dass es ihm ernst war, nickte ich sachte.

„Was soll ich ihnen sagen? Wie es bei den Werwölfen ist? Was genau willst du von mir?“, fragte ich nach, dabei ahnte ich, dass die Jungs darauf brannten, gerade darüber mehr zu erfahren.

„Ja, sag es ihnen… denkst du nicht ähnlich wie ich? Denkst du nicht, dass das weg muss?“, forderte Remus eindringlich, dabei legte sich gespannte Erwartung über den Raum und jeder musterte mich, der eine hoffend, der andere bittend, der nächste ablehnend. Es war immer wieder schön, zwischen den Stühlen zu stehen.

Ich wusste genau, wenn ich nicht aufpasste, wäre das Geschrei groß und so stöhnte ich leise, bevor ich mich erhob, um nun neben Remus als einziger im Raum zu stehen.

„Pffff… also Jungs und Mädels… ich kann Remus‘ Argumente verstehen, auch wenn ich fast daran ersticke ihm zuzustimmen… wenn das Kind ein „gebürtiger“ Werwolf wäre, wäre es verflucht, für sein Leben… so wie Remus. Ausgegrenzt ist es für einen Werwolf nie leicht, da er ein Rudeltier ist! Oder Remus? Man vermisst es sehr wohl, die Gemeinschaft… aber im Rudel zu leben ist auch kein Spaß… es sei denn du bist der Alpha, aber dann ist es auch nicht lustig, da die anderen nur darauf warten, dass du einen Fehler begehst… es ist ein ewiger Kampf dort! Leben oder sterben, da gibt es nicht viel dazwischen!“, lösten meine Worte Betroffenheit aus, aber ich versuchte, ehrlich zu sein. „Ich persönlich halte nichts davon, Babys von vornherein zu einem unabänderlichen Schicksal zu verdammen“, rasselte ich betont neutral die Fakten herunter und unterband geschickt unwillkommene Unterbrechungen, indem ich einfach stur fortfuhr:

„Ich könnte es wegmachen“, bot ich an und erntete einen empörten, spitzen Schrei.

„Komm mir nicht zu nah!“, brauste Tonks mit einer beeindruckenden Löwenmähne gesegnet auf und ich winkte eilig ab, denn ich war in meinem Vortrag noch nicht fertig gewesen:

„Aber es besteht die Möglichkeit, dass es ein normales Kind wird, weil es so was noch nie gab! Wir wissen es nicht und jetzt kommt es… es ist mir an sich scheißegal was ihr macht, denn wie man sich bettet so liegt man!“, hisste ich genervt auf, bevor ich mich zu ihm wandte. „Selbst schuld, Remus, ich hab genügend eigenen Kram, um den ich mich kümmern muss. Ich wollte nur euer blödes Gesicht sehen, wenn ihr erfahrt, dass ihr zu dumm wart!“, giftete ich gehässig und wurde mit einem wunderbar doofen Gesichtsausdruck belohnt, der mir durch und durch ging.

„Und jetzt zum Mitschreiben für jeden hier… ich hab mit der Sache BABY nichts am Hut, deshalb hab ich Harry und Ron mitgebracht, ich bin fertig!“, unterstrich ich meine endgültigen Worte mit einer entschlossenen Geste.

„Wow, das ist mal eine Ansage!“, „Deftig, heftig!“, „Unnachahmlich, Schönste!“, kommentierten die Jungs, die erkannten, dass ich es mehr als ernst meinte.

„Das hilft jetzt nicht!“, begehrte Remus sprachlos auf.

„Warum? Wenn Tonks sagt, ich soll es wegmachen, dann tu ich das sogar noch… aber wenn sie nicht will, werde ich sie nicht zwingen“, erklärte ich, woraufhin sich Tonks sichtbar entspannte und ihre Haare einen satten, zufriedenen Lilaton annahmen.

„DOCH, gerade dir sollte es leichtfallen!“, schrie mich Remus eifrig an, wobei ich die Doppeldeutigkeit seiner Aussage nicht zu schätzen wusste, woraufhin sich meine Augen zu Schlitzen verengten.

„REMUS!“, kreischte nun Tonks empört auf.

„Hey, pass auf, was du sagst!“, „Ja, pass gut auf!“, grollten ebenfalls Harry und Ron.

Während ich Remus kalt anblickte, erkannte ich einen von Reue, Zweifeln und Schuldgefühlen gebeutelten Mann vor mir, dem es sichtlich schwer fiel, Herr seiner Sinne zu bleiben, gefangen in seinen widersprüchlichen Emotionen.

„Ich tue uns beiden einen großen Gefallen und werde nun gehen“, verkündete ich leise, da ich es nicht eskalieren lassen wollte.

So drehte ich eilig ab und verließ unter den Unkenrufen der anderen den Raum.

„Halt, warte… warte… so warte doch!“, lief mir Harry rasch hinterher. Erst an den Stufen schaffte er es und hielt mich auf. Ron war ihm dicht auf den Fersen.

„Lass mich nicht so stehen. Ich muss mit dir reden“, bremste mich Harry effektiv aus, da er meinen Arm einem Affen ähnlich umklammerte.

„Harry, müsst ihr nicht mit den beiden reden?“, wandte ich fast mildtätig ein und erntete zweifaches, energisches Kopfschütteln.

„Mhm… neee, ich denke, die sollen erst mal selber klarkommen“, wagte sich Harry entschieden vor, dabei schielte er wenig begeistert zurück zum Haus.

„Sehe ich ähnlich, Kumpel. Die müssen erst mal mit sich selbst ins Reine kommen. Da stören wir nur!“, wandte auch Ron eindringlich ein.

„So einfühlsam, Jungs?“, wagte ich skeptisch zu fragen und blieb brav stehen, woraufhin Harry meinen Arm losließ.

„Sehr witzig!“, „Urkomisch!“, „Die zwei haben genug Probleme… sollen sie die vorerst alleine ausdiskutieren!“, „Eben!“, kam es recht locker von Ron und Harry.

„Das ist dann wohl auch mein Stichwort! Denn so wie ihr beide ausseht wollt auch ihr alleine sein… ich hau nach Irland ab!“, kam es für meinen Geschmack ein wenig zu flott von Ron, um vollständig selbstlos zu erscheinen, deswegen legte sich auch ein recht zynisches Lächeln auf meine Lippen.

„Gut, mach das und grüß Apolline“, meinte Harry dann auch wenig überrascht und erntete ein entschuldigendes Schulterzucken von seinem Freund. Nachdem wir Ron zugesehen hatten, wie er eilig apparierte, wandte ich mich Harry vollends zu.

„Was willst du, Harry?“, fragte ich lauernd.

„Reden!“, zeigte er sich schon sehr kompromisslos und klang durchwegs ernst, was eine Braue von mir in die Höhe beförderte.

„Okay und wo?“, wandte ich zaghaft ein, da ich mich schon wieder von meinem Bett verabschiedete. Dann würde ich halt durch machen, auch egal, wie so oft. Wer brauchte Schlaf? Wurde vollkommen überbewertet! Da ging eindeutig mein Zynismus mit mir durch.

„Was hältst du davon, wenn ich dich auf einen Kaffee einlade? Wir machen auf Muggel?“, fragte er vorsichtig und sein Vorschlag kam für mich überraschend.

Aber die Vorstellung, nach all dem so etwas Normales zu tun, wie in eine Muggeleinrichtung zu gehen, war regelrecht wohltuend, also warum nicht?

Kurze Zeit später waren wir schon da und so saßen wir in dieser völlig anderen, da normalen, Umgebung beisammen und erst hier fiel mir so richtig auf, dass Harry und ich so etwas noch nie gemacht hatten.

Das war eine irgendwie traurige Erkenntnis.

„Du wirkst nicht so, als würde es dich ins Cottage ziehen?“, begann ich somit recht freimütig, wenn man bedachte, warum die Twins unter anderem zu mir ins Manor gekommen waren, musste ich auf den Tod von Hedwig zu sprechen kommen und implizierte gerade auch Daphnes Beteiligung an dem Drama, durch meinen zweideutigen Tonfall. Harry verzog seine Mundwinkel, da er die Anspielung verstand.

„Naja, so kann man das nicht sagen. Wie kommst du darauf?“, wiegelte er in meinen Augen zu schnell ab und er hob seine Tasse mit heißem Cappuccino an und versteckte sich dahinter.

„Nicht? Naja, ich dachte, es zieht dich da gerade nicht so hin. Nicht wenn man die eisige Stimmung bedenkt, die herrschte, als ich kam“, wandte ich geflissentlich ein, dabei legte ich mein Haupt schief.

„Oh ja, naja…“, nuschelte er unwohl, während er sich den Schaum von der Lippe leckte.

„Harry, ich weiß von Hedwig!“, bekannte ich nun relativ hart, dabei fuhr sein Blick sofort zu mir hoch.

„Oh, echt, hätte ich erwarten sollen, oder? Die Twins haben bestimmt geredet“, murrte er leise, alles andere als begeistert.

„Hätten sie nicht sollen?“, fragte ich daher leicht erstaunt nach. „Warum hätten sie es mir nicht sagen sollen?“

„Sie war nur eine Eule“, hauchte er betroffen, aber bemüht gleichgültig, doch er konnte mich nicht täuschen und so schnaubte ich recht abwertend auf.

„Aber sie war deine Eule“, zeigte ich mich ungewohnt einfühlsam.

„Ja, das war sie… und das Schreckliche ist, sie hat sich einem Zauber in den Weg gestellt, der für mich bestimmt war… aber, wenn Menschen sterben, sollte ich nicht um ein Tier so trauern!“, stockte er bei seinem Versuch gleichgültig zu sein.

„Sie war loyal, damit verdient sie deine Aufmerksamkeit, Harry“, wandte ich deshalb auch aufrichtig ein.

„Du würdest auch wegen Orange trauern?“, fragte mich Harry somit eindringlich und kurz überlegte ich, runzelte meine Stirn, bevor ich sachte nickte.

„Äh… natürlich würde ich ihrer Gedenken, sie ist mir ein treues Tier!“

„Aha, aber warum sollte ich deshalb nicht ins Cottage zurückgehen wollen?“, fragte jetzt Harry erneut und lenkte das Thema in eine andere Richtung.

„Wegen Daphne?“, warf ich nun auch aufrichtig ein und blinzelte ihn betont unschuldig an, bevor ich an meinem Irish Coffee nippte.

„Hermione, ich werde immer ins Cottage gehen, denn dort ist meine Familie! Immer!“, stellte Harry nun sehr eindeutig klar, dies unterstrich er auch noch, indem er seine flache Hand auf den Tisch schlug.

„Ist das so?“, wollte ich abwägend erfahren und leckte mir über die Lippe.

„Himmel! Wie kommst du auf diesen Gedanken?“, brauste Harry auf.

„Was? Sie hat indirekt schuld an Hedwigs…“, klagte ich nachtragend an, da ich die fulminante Dummheit nicht fassen konnte, von der ich umgeben war, dort Daphne, hier Tonks und Remus, war alles gerade ein bisschen viel, wie ich fand.

„Hermione, sprich das nicht aus… bitte, okay?“, bat er mit leidlich verzogener Miene.

„Warum nicht?“, forderte ich provokant, dabei lehnte ich mich zu ihm vor.

„Weil das wehtut!“, bekannte er aufrichtig traurig, weshalb ich mit der Zunge schnalzte.

„Ich verstehe das nicht, kannst du das einfach so akzeptieren?“, bohrte ich weiter, während ich ihn die ganze Zeit über intensiv musterte.

„Hermione… ich habe ihr meine Meinung gesagt, das muss reichen und sie vergeht vor Kummer und Selbstvorwürfen… wobei sie es nicht ahnen konnte… Hedwig hatte immer ihre Phasen, wo sie im Käfig unruhig wurde. Sie hat es nie gemocht, in diesem Ding gefangen zu sein, schon bei den Dursleys nicht“, zeigte er für meinen Geschmack zu viel Verständnis.

„Bewundernswürdig, dass du das vergeben kannst. War sie früher auch so? Ich frage mich, ob ich mich so sehr in ihr getäuscht habe?“, hisste ich bösartig auf und fragte mich wahrlich, ob ich so blind hatte sein können und meine Einschätzung so falsch war.

„Nein, Daphne ist eine tolle Frau, du hast dich nicht getäuscht“, fing er an, bis ich ihn unterbrach.

„Du bist verblendet, da verliebt?“, fragte ich gehässig und er stöhnte leise auf, während er seinen wirren Schopf schüttelte.

„Du bist zu giftig, aber nein, ich sehe Daphne schon sehr klar vor mir! Sie ist etwas ganz Besonderes und nein, du hast dich nicht getäuscht, nur anders als Daphne verändern wir uns schneller… während sie relativ geschützt im Cottage ist. Sie bleibt wie sie war und das ist es, was dich stört!“, kam es sichtlich verärgert von Harry, der zu ergründen versuchte, was falsch lief.

„Sicher? Ich frage mich, wie du sie aushältst!“, ätzte ich wenig nett und schob meinen Unterkiefer vor. Irgendwie trug ich ihr so einiges nach, meine Fehlgeburt in ihrem Körper, die Geburt und vieles mehr und jetzt auch noch Hedwig. Unser Verhältnis war durchaus als belastet zu bezeichnen, auch wenn sie, sofern ich das Ganze hätte objektiv betrachten können, nicht mal an allem schuld war, was ich ihr anlastete..

„Mann, das nervt! Warum denkt jeder, dass ich Daphne nicht mag, dass sie mich nervt, oder ich ihr gegenüber Groll hege? Himmel! Also noch einmal, ich liebe Daphne!“, stieß er sehr unwirsch aus und starrte mich finster an, dabei standen Zweifel in meinem Blick.

„Punktum! Hermione, ich liebe diese Frau!“, beharrte er eindringlich, während eine meiner Brauen in die Höhe ging.

„Tust du das?“, hielt ich seinem Blick stoisch stand, lehnte mich nun langsam zurück und überschlug die Beine.

„Jaaaa, nur weil sie euch nervt, ist das bei mir nicht der Fall“, wehrte er zur Untermalung mit Händen und Füßen ab und fuhr sich danach durch sein wildes Haar.

„Sicher?“, zweifelte ich offen, dabei legte ich mein Haupt schief und meine zweite Braue ruckte in die Höhe.

„Dass sie mich nicht nervt?“, fragte er perplex nach.

„Ja!“

„Ach, Hermione, weißt du…“, setzte er sichtlich ergriffen an, bevor seine Hände unruhig mit der Tasse spielten. Ich wartete geduldig, bis er den rechten Ansatz fand und fortfuhr: „Jaaaa, ich weiß gegen euch... nein, okay, gegen uns erscheint sie zu moralisch, zu rechtschaffend, sie hat ein Gewissen…“

„Da hast du nicht Unrecht!“, stimmte ich ihm sofort zu.

„Lass mich ausreden!“, forderte er ungewohnt barsch und ich schwieg wie gewünscht. „Aber vielleicht schon mal daran gedacht, dass das nur so ist, weil wir alle DAS eben nicht mehr sind und nicht mehr haben?“, resümierte er desillusioniert.

„Ein Argument“, gab ich widerwillig zu, dabei tippte ich mit einem Nagel auf die Tischplatte.

„Das Aber hängt regelrecht in der Luft nach deinen Worten!“, klagte er leise an, was ich nur mit gezuckten Schultern abwiegelte, denn es stimmte, ich hätte gerne ein ABER angehängt, dass dies keine Ausrede war, doch bei seiner delikaten Stimmung wollte ich wohlweislich besser schweigen und so fuhr er fort:

„Du verstehst sie nicht… und wirst sie nie verstehen können, dafür seid ihr viel zu unterschiedlich! Sie hat Angst! Sie fühlt sich allein und isoliert unter uns, eben weil sich jeder von uns derart rasant verändert und entwickelt und das in einem extremen Tempo! Und du weißt, dass sie recht hat... dass das bei allen so ist, selbst bei Astoria... Die Kleine ist pfiffig, war sie immer, aber die Twins und Blaise beeinflussen sie stark und Malfoy und du auch… das bleibt nicht ohne Folgen.“

„Willst du mir ein schlechtes Gewissen machen?“, unterbrach ich ihn und fragte angespannt, denn ich dachte, aus seinen Worten einen Vorwurf betreffend unseres Duscherlebnisses oder wegen der Animagussache herauszuhören, woraufhin sein Zeigefinger auf seine eigene Brust deutete.

„Ich?“, fragte er bezüglich meiner Anschuldigung betroffen. „Merlin bewahre... du meinst die Dusche? Bitte, das würde ich mir nie anmaßen, solange es ihr, beziehungsweise euch Spaß macht! Aber Daphne fällt das nicht leicht. Erstens; Astoria ist ihre Schwester und zweitens; sie kommt nicht so rum wie wir anderen und drittens hat sie sich seit dem Tod ihrer leiblichen Mutter immer um Astoria gekümmert, sie beschützt, jetzt merkt sie langsam, dass Astoria diesen Schutz und auch ihre Hilfe immer weniger braucht. Damit klar zu kommen fällt ihr auch schwer, vor allen Dingen weil sie sieht, dass Astoria schneller erwachsen werden muss und wird, als sie es sich für ihre kleine Schwester wünschen würde“, verteidigte er schon wieder vehement die Frau, die er „liebte“ und ich verzog ein wenig verächtlich die Mundwinkel.

„Selbst du!“, hielt ich zweideutig fest.

„Ja, selbst ich komme mehr rum als sie, dabei sehe ich Daphne als meinen Anker! Sie ist wichtig für mich, für mein inneres Gleichgewicht. Sie ist nicht nur eine fantastische Frau, sondern auch eine tolle Mutter und sie hat immer einen anderen Blickwinkel auf alles! Sie sieht alles anders als wir! Auch wenn mir manchmal nicht gefällt, was sie sieht, oder wie sie es einschätzt, aber es hilft mir, die Sachen anders zu betrachten!“, begehrte er regelrecht auf und ich sprach eilig einen nonverbalen Zauberspruch auf uns, sodass wir die Muggel mit unserer Debatte nicht störten.

„Auf eine negative Art und Weise!“, brauste ich dann auch nicht leise auf und er schüttelte nur sachte sein Haupt, als hätte ich ihn falsch verstanden.

„Auf eine moralische Art und Weise!“, zeigte er sich überzeugt. „Und… weißt du was, Schönste? Sie ist die einzige von uns, die noch wirklich rein und gut ist“, verkündete er inbrünstig und ich verschluckte mich fast an meinem Kaffee. „Und deshalb höre ich auf sie und nehme mir ihre Worte durchaus zu Herzen, damit ich mich nicht verliere!“

„Wie meinst du das, Harry?“, fragte ich perplex.

„Wie? Was, wie? Wie ich es meine, dass sie die einzig noch Gute von uns ist?“, legte er eine Kunstpause ein, um Luft zu holen. „Wenn ich ein guter Harry wäre, hätte ich ihren Vater geschockt und gefesselt... aber ich bin nicht gut“, verkündete er wehmütig, dabei umging er es, offen auszusprechen, dass er seinen Schwiegervater, der ein DeathEater gewesen war, vom Angesicht dieser Erde getilgt hatte.

„Das war Notwehr!“, wehrte ich sofort rigoros ab, um für ihn Partei zu ergreifen, denn ich wollte nicht, dass er an sich und seiner Tat zweifelte, aber seine harten, grünen Augen offenbarten keinen Selbsthass, eine Tatsache, die mich enorm beruhigte, da es mir einen gefestigten Harry offenbarte. Einen, der akzeptierte, getan zu haben, was in dieser Ausnahmesituation notwendig gewesen war.

Harry hob seine Hand, um meine Aufmerksamkeit zu erlangen.

„Schönste, das streite ich nicht ab, noch bereue ich es, verkenne das nicht, Hermione, es war nötig, dies zu tun, aber ein anderer Harry, ein guter, ein besserer Harry, hätte es nicht getan. Es hätte andere Wege und Möglichkeiten gegeben! Die gibt es immer“, erklärte er seine Meinung detailliert und ich verstand langsam, was er zu sagen versuchte, als seine Wort mit einer gewissen Wehmut im Ton leise verklangen.

„Du brauchst also sie und ihre andere Meinung über uns?“, setzte ich unsicher an und strich mir über das kurze Haar.

„Ja, ich brauche sie! Und ich möchte sie nicht anders haben! Kritisch und durchaus unangenehm. Sie soll mir nicht nach dem Mund reden, sonst wäre ich ein zweiter Lord, der nur hören will, was ihm genehm ist!“, entgegnete er scharf und dem konnte ich nichts entgegensetzen, also sackte ich an meiner Lehne zurück.

„Du verstehst mich nicht. Ich sehe es in deinen Augen, aber Daphne, sie… sie…“, fing er unsicher an, bevor er atemlos abbrach und sein Haupt kurz in seiner Hand barg. Sofort war ich besorgt und lauernd wegen dem was er mir offenbaren wollte.

„Was, Harry? Sei ehrlich zu mir, bitte!“, drängte ich ihn inbrünstig. Was erwarteten mich nun für Offenbarungen?

„Sie… sie ist so vieles für mich. Sie lässt mich auch das unterdrücken, was nach dem Avada aufbrach“, gestand er zögerlich, dabei erinnerte ich mich an unser Gespräch im Bett, bei dem mir Harry erzählt hatte, dass er sich nun nach seinem ersten Mord anders fühlte, gerade auch in Bezug auf seine Narbe. Meine Augen zuckten sofort unruhig zu seiner gezackten Narbe, die unheilverkündend auf seiner Stirn hervortrat.

„So schlimm?“, flüsterte ich leise.

„Nein, nein!“, wehrte er ab und grabschte nach meiner Hand.

„HARRYYYY!“, rief ich und umschloss meine Finger mit seinen.

„Ernsthaft, Hermione, sorge dich nicht, bitte! Darum erzähle ich dir das nicht, um dich nicht zu beunruhigen! Ich habe meine Okklumentik im Griff“, sagte er, aber dafür blickten mich seine Augen einfach zu schuldbewusst an, als dass ich ihm Glauben schenken konnte.

„Stimmt das wirklich? Du hattest erst gerade beim Fuchsbau eine Vision des Lords!“, hielt ich ihm plakativ vor, worauf er empört die angehaltene Luft ausstieß.

„Meine erste seit ewiger Zeit!“, kam es säuerlich von ihm. „Das war eine Ausnahme, weil der Lord so sauer und ich so durcheinander war, aber Gellert arbeitet mit mir intensiv daran!“, schoss es nun regelrecht rasant aus ihm heraus und ich verengte die Augen zu misstrauischen Schlitzen.

Dass Gellert ihm zusammen mit Albus dabei helfen konnte, glaubte ich unbesehen, auf der anderen Seite war es gefährlich, wenn zu viele von diesen delikaten Problemen wussten.

„Moment, er weiß von deinem Mord?“, echote ich, denn damit wüsste es auch Albus.

„Bist du irre? Mit Sicherheit nicht Gellert! Das geht niemanden etwas an!“, zeigte sich Harry entrüstet und ich atmete erleichtert auf, während er seine Finger aus meinen löste.

„Puh, ich hatte schon Sorge!“

„Dass ich meinen Verstand verloren habe? Oder plötzlich vertrauensselig werde, gegenüber einem an sich Fremden, einem ehemaligen dunklen Lord? Echt jetzt?“, echauffierte er sich eben reichlich und blickte mich vorwurfsvoll an, während ich eilig abwinkte.

„Sorry, und eben, vertrau ihm nicht zu sehr“, bat ich deshalb schlicht, denn ich kannte Gellerts Charisma nur zu gut. „Er ist einfach Gellert!“

„Denkst du, ich bin blöd? Aber er ist schlau und das bin ich bereit zu nutzen“, ließ Harry den Slytherin, der in ihm wohnte, durchblitzen und ich schenkte ihm daraufhin ein hinterlistiges und sehr zufriedenes Lächeln.

„Er ist ein altes Schlitzohr“, meinte ich gutmütig.

„Das ist dasselbe, was er auch von dir behauptet, Sonnenschein!“, betonte Harry in Anspielung auf Gellerts Gehabe, wenn er mir meinen Spitznamen um die Ohren haute, eine Tatsache, die mich leidlich die Mundwinkel verziehen ließ.

„Ohhh, tut er das?“, kokettierte ich dann aber gutgelaunt zurück.

„Oh ja.“ Wir lächelten uns verschwörerisch an und dann entstand eine gewisse, verständnisvolle Pause zwischen uns, die erst durch die Kellnerin unterbrochen wurde, da sie höflich an unseren Tisch trat.

„Möchtet ihr noch was?“, fragte das junge Muggelmädchen nett.

„Ähm…“, wollte ich gerade ablehnen, da ich heim wollte, als ich unterbrochen wurde.

„Ja, noch einmal dasselbe für uns beide!“, bat Harry und ich blinzelte überrumpelt.

„Okay!“, eilte sie schon davon und meine Augenbraue wanderte in die Höhe.

„Sind wir nicht fertig?“

„Nein, ich möchte noch mal auf Daphne zu sprechen kommen!“, fing er an und ich seufzte leicht gepeinigt auf.

„Ja, Hermione, vielleicht könntest du versuchen, sie ein wenig zu verstehen. Sie hat es nicht leicht! Sie hockt verlassen im Cottage und wir kämpfen dort draußen und sie hütet Lucien!“, begann er von vorne und meine Züge verhärteten sich augenblicklich gänzlich, wegen dieser um Verständnis heischenden Erklärung.

„Da kann ich sie nicht bedauern“, kam es hart von mir, „sie ist selbst schuld, dass sie Lucien bekommen hat!“

„Nein, das hast du jetzt falsch aufgefasst, du sollst sie auch nicht bedauern! Das würde sie nicht wollen und ich auch nicht! Du redest hier immerhin von meinem Sohn! Ich mein nur, sie bleibt normal und wir nicht… und sie soll normal bleiben! Das wünsche ich mir!“, zeigte er sich sehr energisch in seinem Wunsch. „Aber aufgrund dessen kannst du auch nicht erwarten, dass sie alles versteht, was für uns selbstverständlich ist.“

„Der einfühlsame Harry James Potter!“, spottete ich gehässig und erntete einen zweifelnden Blick, während mir ein verächtliches Schnauben entwischte.

„Tu nicht immer derart kalt und unbeteiligt!“, forderte er recht forsch und sah mich sehr tadelnd an.

„Ich bin kalt und unbeteiligt!“, gab ich sofort wenig kooperativ Kontra.

„Wenn das stimmt, ist es grausam und gruselig und… einfach scheiße… für dich!“, schoss er nicht weniger gemein zurück und ich schüttelte mein Haupt mit gespielter Überlegenheit. Es war nicht schön, dass wir uns gerade derart böse angingen.

„Und trotz allem ist es nötig! Auch dass man uns und unsere Taten in unserem engen Umkreis akzeptiert… mich nervt es, dass ich mich vor ihr ständig rechtfertigen muss. Das ist indiskutabel, das fordern weder Severus noch Draco und selbst Lucius nicht von mir, denn sonst säße ich nun nicht hier bei dir!“, brauste ich ungehalten auf. „Und Lucius ist der größte Despot von allen!“

„Du stellst Daphne auf eine Ebene mit ihm? Ist das nicht etwas sehr gewagt?“, zierte Harrys Miene großer Unwillen wegen dieses doch sehr böswilligen Vergleiches.

„Das weiß ich nicht. Sag du es mir!“, provozierte ich kalkulierend.

Dann breitete sich wieder das Schweigen zwischen uns aus, vor allem, da die Bedienung uns unsere zweite Bestellung lieferte. Als sie ging, beugte sich Harry vertraulich zu mir vor.

„Was hat es genau mit den Thestralen auf sich?“, fragte er nun sehr eindringlich und wechselte mal wieder sehr geschmeidig das Thema. „Erzähl mir nicht, dass sie plötzlich größtes Vertrauen zu dir gefasst haben und dich nicht mehr gehen lassen wollten.“

Die Lüge lag mir sprichwörtlich auf der Zunge, als ich ein warnendes Blitzen in Harrys so grünen Augen wahrnahm und erst mal den Schaum auf meinem zweiten Irish Coffee verrührte. Irgendetwas sagte mir, dass Harry gerade zu lauernd war, weswegen ich meinen Kopf hochriss und wieder in sein bebrilltes Gesicht stierte, denn ich hatte einen Verdacht, aber unwohl fühlte ich mich trotz allem. Doch wenn ich nicht genau nachfragte, würde ich nicht schlauer werden.

„Gellert?“

„Nun, sagen wir es so, er interessiert sich für komische Schriftstücke. Er lebt in den Katakomben der Burg und seitdem er diese „Schizophrenie“ hat, kommt es mir vor, als sähe er ständig Albus um sich rum… dazu dein Auftritt in der Höhle, dass du dorthin zurückgingst um das Medaillon wieder zu verstecken… ja, es gibt so einiges, was mich hellhörig werden lässt“, offenbarte Harry mal wieder, dass er mehr bemerkte und sah als man vermuten mochte.

„So einiges, auf das ich jetzt nicht antworten werde!“, wehrte ich eilig ab.

„Geheimnisse! Wundert mich so gar nicht. Erfahre ich dann wenigstens, was wegen Kreacher abgelaufen ist?“, versuchte er sich seinen Missmut über mein Schweigen nicht zu sehr anmerken zu lassen. Die Stimmung zwischen uns war sonderbar.

„Oh ja, natürlich, gut dass du in diesem Zusammenhang auf das Medaillon kommst, es ist so…“, fing ich an genau zu erzählen, wie ich Regulus‘ Zimmer entdeckte und Kreacher endgültig auf unsere Seite gezogen hatte, aber auch Harrys Verpflichtung nun diesem Gegenüber.

Er lauschte gespannt, wenngleich er zum Schluss sehr große Augen hatte.

„Puh, armer Kreacher und armer Regulus, das Schicksal kann so grausam sein, aber auch so erschreckend einfach! Krass, dann werde ich, bevor ich zurückgehe, in den Forrest of Dean apparieren und kurz Kreacher rufen, um ihm persönlich zu versichern, dass ich dein Versprechen, dass wir das Medaillon zerstören, sehr ernst nehme und deine verpflichtenden Worte auch die meinen sind!“, ruckte Harry sichtlich ernsthaft höher. Anscheinend war es ihm ein Anliegen, zu zeigen, wie wichtig ihm die Blacks waren.

„Das wäre fantastisch, Harry!“, meinte ich aufrichtig und freute mich, dass wir hier einer Meinung waren, bis ich seinen durchdringenden Blick bemerkte und danach sofort auf der Hut war.

„Und was machen wir wegen Sirius?“, kam die Frage aller Fragen, die ich gar nicht hören wollte.

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