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 Kapitel 443-444

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BeitragThema: Kapitel 443-444   Mo Feb 03, 2014 4:16 am

443. Kapitel Düstere Aussichten


„Da gib mir bitte noch Zeit“, bat ich, doch der durchaus ungeduldige Zug fiel mir in seiner Miene sehr wohl auf, als mir wieder die Zeit gegenwärtig wurde. „Wobei, Zeit, ich habe keine mehr!“, blickte ich überrascht zur Wanduhr und erschrak darüber, wie sehr die Zeit vergangen war und sprang auf.

„Ich zahle, du warst eingeladen und pass auf dich auf!“, schien Harry zu verstehen, dass ich andere, wichtige Termine hatte und so hielt er mich auch nicht mit Unnötigem auf.

„Du auf dich auch, Harry, und vergiss nicht, man darf dich nicht sehen!“, warnte ich noch rasch, während er lässig mit der Hand abwinkte.

„Ich werde mich schon noch tarnen! Ich hoffe nur, ich konnte dir zeigen, dass das mit Daphne nicht schlimm ist“, begann er, bis ich ihm meine Hand auf die Schulter legte.

„Oh Harry“, stoppte ich in meinem Abgang. „Du musst doch nicht mich überzeugen“, beugte ich mich zu ihm hinunter, nah an sein Ohr, denn es war mir so vorgekommen, als würde er sich selbst überzeugen wollen.

„Mach´s gut und achte auf dich, Harry, und grüß Pansy schön von mir“, flüsterte ich Blaises Geheimnis mit doppeldeutigem Ton in sein Ohr, worauf Harry erstarrte und als ich von ihm ließ, um auf den Ausgang zuzustreben, ruckte er leichenblass zu mir herum.

„Waaaas? Was? Wie? Woher?“, stieß er schockiert hervor, aber ich wandte mich ab und nicht mehr um, als ich ging.

Hermiones Sicht Ende

Severus Sicht

„Na, mein Sahneschnittchen, wie kommt es, dass sie noch leben?“, zog ich mein Gegenüber schamlos auf.

Diese Steilvorlage konnte ich mir nicht guten Gewissens und beim besten Willen einfach nicht entgehen lassen, dabei unterdrückte ich das gehässige Grinsen, das sich auf meine Lippen schleichen wollte, stoisch.

„Severus, wenn du mich noch einmal so nennst, dann…“, zeigte Lucius leicht Nerven und ballte seine Hände zu Fäusten.

„Was? Kommt ein Glas geflogen?“, höhnte ich süffisant, dabei hob ich meine Hand, um mein Grinsen zu kaschieren.

„Mhm…“, schenkte er mir einen mörderischen Blick.

„Es wundert mich gar sehr, dass die Erzeuger dieses Wortes noch leben!“, kam ich auf meine anfängliche Frage zurück.

„Oh, diese Pest und Plage… erinnere mich nicht zu sehr daran… warum musstest du nur das Ohr treffen und sie damit hierher locken?“, fragte er genervt und schob mir mal wieder alles unnachahmlich galant in die Schuhe.

„Mhm, deine Worte erinnern mich mit quälender Intensität an meine Lehrerzeit!“, meinte ich versöhnlich in meinem Spott. „Aber wie schön, dass du mein Leiden nun besser nachvollziehen kannst!“

„Verzeih, ich vergaß, dass du diese Brut sieben Jahre ertragen musstest! Mein aufrichtiges Beileid!“, rang sich Lucius doch tatsächlich ab, wenngleich er eher süffisant in seiner Bekundung wirkte und so verzogen sich meine Züge unleidlich.

„Oh, jeder der Weasleys hatte so seine Höhen und Tiefen. Du vergisst leider die brutal hohe Anzahl der Nachkommenschaft!“, ergötzte ich mich an meiner Ironie.

„Sag mir nicht, dass die anderen noch schlimmer sind!“, echote Lucius tatsächlich pikiert und legte eine Hand affektiert an seine Brust.

„Nein, die Twins waren von Molly wahrlich die Krönung!“, murrte ich despektierlich, aber ehrlich.

Grauenvoll erinnerte ich mich an so manchen ihrer Späße zurück, wobei einige tatsächlich nicht an Boshaftigkeit zu überbieten gewesen waren und selbst die Marauder tragisch in den Schatten stellten.

„Wahrlich, dass diese Molly Prewett eines Tages diese unsäglichen Bälger gebären würde, eines Obliviate würdig, mein Bester.  Aber dass sich diese beiden Plagen wenigstens nicht fortpflanzen werden ist fast eine Wohltat für die Gemeinschaft!“, kam es absolut ernsthaft von Lucius, hierbei lag kein Spott in seiner Stimme. Er meinte es schlicht ehrlich.

„Gesucht und gefunden!“, stimmte ich schnarrend zu und dankte ebenfalls allen vorhandenen oder eben nicht vorhandenen Göttern und Magiern, dass man mich vor eventuellen Nachkommen auf dieser Seite verschonte. Es reichte schon Potter mit seinem Balg.

„Nein, Severus, eher geschaffen und gemacht!“, servierte er in unnachahmlich versnobter Versiertheit, während ich zum alles vernichtenden Schlag ausholte und es regelrecht genoss.

„Noch schrecklicher, aber woher kanntest du die zwei Unholde? Ihr habt einige Andeutungen fallen lassen, dass dies nicht der erste Besuch war!“

„Korrekt! Sie dachten, mich schon einmal dreist belästigen zu müssen!“, verkündete er gewohnt hochtrabend und strich sich eine seiner langen, blonden Strähnen zurück.

„Oh und ich nehme an, dass du nicht das Ziel warst! Somit weiß ich aber immer noch nicht, warum du nachgegeben hast, nur weil sie fragte, oder eher bat?“, fasste ich interessiert nach, da ich es zu vergnüglich, aber auch spannend fand, wie das Biest und er hier interagierten.

„Hast du mir nicht noch etwas anderes zu berichten, Severus?“, grätschte Lucius wenig elegant ein und fing von etwas ganz anderem an zu reden. Dass dies für mich ein noch größerer Hinweis war, stand wohl außer Frage und ich versuchte gar nicht, meinen sardonischen Sarkasmus im Rest unseres Gespräches zu zügeln. So verging die Zeit, bis wir in die Höhle aufbrachen, zügig und für mich durchaus amüsant.

Jetzt kam der anstrengende Teil. Wie so oft versammelten wir uns alle zusammen wie zu einem Masken- oder Kostümball, der Dumbledore oder auch Lucius auf ihren Festen hätte zur Ehre gereichen können. Wie sehr ich diese Eisendinger vor meinem Gesicht hasste. Während ich also dastand und mein Leid gedanklich beklagte, wurde ich auch des Biestes ansichtig, das umgeben von ihrer Truppe auftauchte, ebenfalls mit Maske und Mantel bestückt. Eilig kam sie auf uns zu und nahm ihren Platz ein.

„Na endlich, ich habe gedacht, du kommst noch zu mir…“, beschwerte sich mein Patensohn neben mir, indem er sie mit diesen Worten begrüßte. „Ich habe erst von so etwas Lästigem und zu Rotem erfahren, dass alles schon über die Bühne gegangen ist!“, wisperte er sehr leise zu ihr.

„Du bist mit einer heißbegehrten Frau zusammen!“, kokettierte das Biest flüsternd, doch sowohl ich als auch Lucius waren sehr aufmerksam, denn sie konnte eine gewisse Müdigkeit nicht aus ihrem Ton heraushalten, der offenbarte, dass sie Schlaf nötig hatte.

„Sehr witzig!“

„Was soll ich dir sagen? Natürlich wäre ich lieber zu dir gekommen, aber kann ich mich fünfteilen? Ich hätte auch gerne geschlafen, oder etwas gegessen, aber daraus wurde auch nichts!“, ätzte sie nun ungehalten, woran man ihre allgemeine Verfassung ausmachen konnte, während wir alle darauf warteten, dass das große Donnerwetter durch unseren unzufriedenen Lord einsetzte.

„Ist ja schon gut!“, versuchte noch Draco zu beschwichtigen, bis er verstummte, da der Lord den Raum gewohnt hochtrabend betrat.

Sofort verstummten alle Geräusche furchtsam. Der Lord glitt in aller Ruhe mit seinem langen, wallenden Gewand herein. Sein weißes, so kahles Haupt trug er hoch erhoben und die spinnengleichen Hände wie im Gebet vor sich gefaltet, hielt dabei aber den Zauberstab drohend zwischen den knochigen Fingern.

Schließlich hielt er unter dem steinernen Baldachin an, um auf die Versammlung mit rot funkelnden Augen nieder zu starren.

Er steigerte die Anspannung und ängstliche Unruhe entstand während seiner folgenden Ansprache im Raum, da er zielsicher Kunstpausen setzte, die seine Worte unterstrichen und das was er zu sagen hatte. Er zog es in die Länge, bis sich die schwarzgewandete Masse zu seinen Füßen vor Unwohlsein zu winden schien. Mit erhobenen Händen und bedrohlich gezücktem Zauberstab sprach er in diesem einschüchternden, aber so gewichtigen Gebaren zu uns.

„Meine treuen, loyalen Anhänger! Nach dem gestrigen Tag hätte heute ein unsäglich großer Jubeltag für uns werden sollen!“ Dann hielt er kurz inne, dadurch durchdrang die kalte Verachtung seiner Worte jeden Winkel der Versammlung und man war wahrlich versucht, sich ihm vor die Füße zu werfen und seinen Saum zu küssen, wie es diese elendigen Bücklinge zu oft taten.

„Heute hätte der Tag der Tage sein sollen, an dem mein Feind endgültig vernichtet worden wäre! Heute hätte sich alles entscheiden und die Nemesis auf ewig in der Bedeutungslosigkeit des Todes verschwinden sollen…“, verkündete der Lord betont ruhig, aber schrecklich kühl, dadurch wirkte er noch bedrohlicher in seinem sparsamen Auftreten, als wenn er vor Wut getobt hätte.

So aber strahlte er unkalkulierbare Gefahr und eine unvorstellbare Ruhe aus, die uns alle verunsicherte, weil erst recht nicht mehr einzuschätzen war, wie er handeln würde.

„Ihr habt mich in eurer bewiesenen Inkompetenz unvorstellbar tief enttäuscht, denn heute habt ihr elendig versagt!“, tat er allen zum Ende hin sehr vorwurfsvoll kund, wodurch den meisten ganz anders wegen ihres Versagens wurde und sie auf den Boden sanken. Über ihnen glühten die roten Augen des Lords nun unheilverkündend und dessen Wut manifestierte sich in einer dunklen Wolke um ihn herum, die ihn malerisch drohend umgab.

Die Masse zu seinen Füßen bewegte sich ängstlich und einigen schienen schon jetzt die Knie zu schlottern, obwohl sie wirklich auf dem Boden rumrutschten. Schließlich zog der Lord seine schmalen Lippen zurück, um seine Zähne zu fletschen, dabei sah er abenteuerlich hässlich aus.

„Harry Potter entkam erneut“, perlte seine Wut über seine Lippen. „ Und dies ist mit nichts anderem als mit seinem unverschämten Glück zu erklären! Anders ist es mir nicht erklärbar, außer noch mit eurer absoluten Unfähigkeit, ihn zu fangen und seiner Habhaft zu werden!“, klagte er seine Anhänger an und einige hielt nichts mehr, sie krabbelten auf allen vieren und flehten und bettelten um Gnade, viele panisch wegen seiner spürbaren Macht, aber auch von seinem fühlbaren Zorn.

„Ist es zu viel verlangt, dass ihr eine einzige Person gefangen nehmt?“, fragte der Lord gespielt sanft, während er seinen nackten Schädel sachte hin und her wiegte.

Keine Reaktion kam, denn niemand war derart töricht, auch nur einen Mucks von sich zu geben. Auch wir verharrten klugerweise unauffällig und übten neue Wege, die Unsichtbarkeit zu vervollkommnen.

Es gab Moment, in denen es elementar wichtig war, unsichtbar zu sein und so einer war gerade gekommen, denn nun gab es kein Halten mehr.

Der Lord wütete und schrie nun Zeter und Mordio. Er legte jegliche Contenance ab, seine Wut schwappte über uns hinweg wie ein tobender Orkan. Dabei konnte er an sich niemandem außer sich selbst einen Vorwurf machen, da schlussendlich niemand hatte Potter etwas antun dürfen. Aber weder Lucius noch ich wären so dumm, dies auch nur im Ansatz anzumerken.

Unkreativ in dieser Phase seiner Predigt, fiel der ein oder andere seinem unheiligen Zorn zum Opfer, weil derjenige nicht schnell genug in der Masse verschwinden konnte, aber er blieb stets sehr beherrscht, sodass es keine Todesopfer unter uns zu vermelden gab.

„Ich habe es so unsäglich schwer. Habe ich das verdient? Ich bin euch ein guter und gerechter Lord“, lamentierte er weiter und erst jetzt lauschte ich wieder aufmerksamer, „kümmere ich mich nicht um euch? Könnt ihr euch nicht meiner Dankbarkeit gewiss sein? Ich schenkte euch in meiner Großzügigkeit das Gewölbe und viele andere Spielwiesen und wie dankt ihr es mir? Indem ihr versagt! Findet ihr das gerecht?“, fragte der Lord mit eiskalter Theatralik im Ton und unterbrach immer wieder seinen Monolog, wobei noch immer niemand bereit war, dazu Stellung zu beziehen.

„Man kennt mich als gerechten Lord!“, fabulierte er weiter. Pahhh ja, er war gerecht in seinen Augen, oder was auch immer er darunter verstand.

In Wahrheit erinnerte er mich nicht wirklich an Mutter Theresa, aber wenn sich der Lord das gerade einreden wollte, bitte, hier würde ihm sicherlich gar niemand widersprechen.

„Wer versagt, wird bestraft, aber derjenige, der besteht, wird auch von mir belohnt. Oder will einer von euch etwas anderes behaupten?“, wisperte der Lord brandgefährlich, während sein Gewand drohend um ihn wehte. Seine negative, magische Aura war ebenfalls bewegt und schien regelrecht ein Eigenleben entwickelt zu haben, während sie um ihn waberte.

„My Lord sind immer zu gütig!“, „Ihr seid viel zu gut zu uns!“, „Ihr seid der beste Lord!“, kam das Wispern der eingeschüchterten Menge und ich rollte angewidert die Augen über die schleimige Masse.

Gebieterisch und arrogant nahm er die geheuchelten Bezeugungen seiner Anhänger wie ein Herrscher entgegen.

„Meine Hände…“, sprach er nun uns an und sofort waren Lucius und ich auf der Lauer. „Mag es mir nur so scheinen, oder hört sich diese Masse nicht wahrlich überzeugt an?“, fragte er betont lasziv und tippte sich übertrieben mit seinem Zeigefinger auf seine Unterlippe. Ich hielt mich dezent zurück, aber Lucius hatte für dergleichen nie groß Ansporn gebraucht, und so reckte er sich noch ein wenig höher, denn eines musste man ihm lassen, er hatte schon immer eine Menge Schneid besessen.

„Wohl wahr, my Lord, eine Demonstration Eurer unendlichen Mildtätigkeit wäre angebracht, um jeden Zweifel an Eurem Großmut auszumerzen!“, verkündete Lucius unerträglich souverän, aber nichts an seinem Gebaren hätte darauf deuten können, ob er eingeschüchtert war, wie die Masse, oder eben nicht!

„Ich mag es, wie du es schaffst, eine ganz einfache Aussage zu präzisieren!“, triefte die Ironie aus den Worten des Lord, der sich nun zu seinen Gemächern wandte.

„Ich werde euch jemanden präsentieren“, regte sich das absolute Interesse unter der Masse, da sie sich nicht im Ansatz ausmalen konnten, was ihnen gleich dargeboten werden würde. Dabei fiel mir ein, dass Draco ebenfalls, genauso wie die Menge, nichts von Barty wissen dürfte. Oder hatte sie ihn eingeweiht?

„Komm herein… beehre uns mit deiner Anwesenheit!“, rief der Lord pathetisch, bevor sich eine einzelne Gestalt durch die versetzten Steine zwängte und in einer schwarzen, engen Uniform mit einem gewissen Stolz herein marschierte. Er trug keinen Umhang oder eine Maske, sondern nur sein längeres Haar lässig aus dem frech in die Gegend blickenden Gesicht herausgestrichen und eine anzüglich grinsende Mimik zur Show.

Sein Erscheinen hätte nicht überwältigender und einschlagender sein können. Viele schnappten bei seinem Anblick nach Luft und dachten, nicht richtig zu sehen, weil er wieder der Alte war, während er uns nur von oben unverschämt zublinzelte.

„Wie ich sehe, erkennen einige von euch unseren loyalen Mitstreiter Barty Crouch Junior“, verkündete der Lord würdevoll, dabei schien er jede Reaktion in sich aufzusaugen.

„Aber, aber wie ist das möglich?“, „Ja, er wurde ausgesaugt!“, „Genau, die Dementoren raubten seine Seele!“, „Unfassbar…“, „Unmöglich!“, „Das ist ein Wunder!“

„Nein, das ist Magie und ich bin der Dark Lord!“, dröhnte er feierlich über die Masse, die sofort ehrfürchtig verstummte. „Für mich ist nichts unmöglich!“, hauchte der Lord in so eisiger Kälte, dass alle erstarrten.

Sie schienen den Lord nun regelrecht anzuhimmeln und ihn zu verehren wie einen Gott, während dieser sich die Huldigungen nur zu gerne gefallen ließ.

„Jaaaaaaa, Barty hatte sich mehr als verdient gemacht und so tat ich alles was nötig war, um ihm seine Seele wieder zu geben, denn ich vergesse mir erwiesene Dienste nie… Barty…“

„My Lord!“, hauchte Barty ergriffen, wollte ehrerbietig auf die Knie sinken, aber der Lord hielt ihn huldvoll auf, indem er ihn an den Schultern packte.

„Barty, du wirst nun wieder deinen alten Platz im Inneren Kreise einnehmen… gleichzeitig habe ich zu verkünden, dass Barty unser Vertreter bei den Dementoren sein wird“, löste seine Ansage große und bodenlose Überraschung aus.

„Wow…“, „Unglaublich!“, „Krass!“, „Schschsch!“, hissten die DeathEater furchtsam auf. Niemand beneidete ihn anscheinend um diesen Job.

Diese Despektierlichkeit schien den Lord schon wieder zu ärgern, da seine rotglühenden Augen aufglommen.

„Ihr unseliges Pack, verschwindet endlich, bevor ich euch mit meinem Zauberstab zermalme und pulverisiere!“, stieß er so rachsüchtig aus, dass allen der Atem stockte und schon stoben die niederen DeathEater wie von der Tarantel gestochen davon.

Nur der Innere Kreis blieb sichtlich ergriffen von der Barmherzigkeit des Lords, dass er Barty errettet hatte, zurück, wobei ich hier sarkastisch sein wollte. Es war eher so, dass sie wirklich perplex waren, ihren alten Weggefährten in alter Frische wieder unter uns zu haben, nachdem sie ihn leicht verblödet und vor allem seelenlos aus Askaban geholt hatten.

„Barty?“, kam es zögerlich von Dolohow, der es jetzt erst wagte, sich vorsichtig der Empore zu nähern.

„Hey, Antonin, wie geht es dir, altes, russisches Haus? Gefällt es dir immer noch bei uns besser als Daheim?“, grinste Barty anzüglich, währenddessen ging er lässig die Stufen hinab, wodurch die anderen erkannten, dass Barty wirklich wieder der Alte und Herr über seinen Geist war.

„Wow, aber wie?“, „Wie ist das möglich?“, „Ja, so was gab es noch nie!“, „Wie kommt’s, dass dich die Dementoren wieder ausgespuckt haben?“, begrüßten sie ihn stürmisch und schnell umringten sie ihn in einem Kreis, fassten ihn an, als müssten sie sich davon überzeugen, dass Barty echt war und schienen es gar nicht glauben zu können.

„Der Lord ist gar mächtig!“, gab Barty salbungsvoll zu bedenken, doch bei diesen Worten schielte er zu uns und blickte sie, das Biest, an, welches bisher unbewegt keine Regung offenbart hatte. An sich konnte sie den Schwindel, der hier gerade aufgeführt wurde, ad absurdum führen, denn der Lord hatte mit Bartys Genesung nicht wirklich etwas am Hut.

„Eben und ein derart verdienter Mann darf unter keinen Umständen geopfert werden!“, wisperte der Lord und zeigte eine zufriedene Fratze.

„My Lord sind zu gütig!“, hauchte Bellatrix ergriffen und blinzelte den Lord verliebt an.

Der Innere Kreis lobte sich nun, wie toll sie doch waren, eine abartige und wenig erbauliche Unterhaltung.

„M-My Lord…“, stotterte Rabastan schließlich unsicher und sehr vorsichtig, während er vortrat.

„WASSS?“, funkelten ihn die rotglühenden, durchdringenden Augen des Lords, irritiert über diese Störung, an.

„Ver… verzeiht!“, „Ja, verzeiht, aber wir haben doch einen Erfolg zu verbuchen!“, überwand sich Avery nun auch.

„Der da wäre?“, wollte der Lord unduldsam erfahren.

„Der Orden wurde durch Euch geschwächt! Alastor Moody ist tot!“, verkündete nun Rabastan inbrünstig, während er vor Stolz zu platzen schien.

„Ach, den hab ich ganz vergessen! Wo ist die Leiche?“, kam es harsch vom Lord.

„Alastor Moody?“, „Mad-Eye ist tot?”, riefen Goyle als auch Crabbe überrascht, aber sie wurden übergangen.

„Und hier ist der Beweis… sein Auge!”, offenbarte Rabastan den magischen Gegenstand, der als Beweisstück diente und den er unserem Lord gerade artig in der offenen Handfläche darbot.

„WO ist seine Leiche?“, kreischte Bellatrix ihren Schwager eifrig an.

„Die konnten wir nicht finden!“, bekannte er mit furchtsamem Blick zum Lord.

„Der Orden!“, knurrte Avery böse „Er war anscheinend schneller im Bergen der Leiche als wir!“

„Solange er fiel, brauchen wir keine Leiche, so geht und feiert diesen Sieg über den Orden. Wenigstens haben sie einen großen Verlust erlitten!“, bestimmte der Lord, bevor er sich knapp abwandte.

„Mudblood, folge mir!", befahl der Lord jetzt geschäftig.

Sein Gewand wallte um ihn, während er eilig davon schritt und in seinen Räumen verschwand, woraufhin sie zusah, dass sie eilig hinterher kam.

Severus Sicht Ende

Hermiones Sicht

Der Sturm des wütenden Lords war über uns wie schwarze Materie hinweggefegt und Bartys Einführung war zum Glück auch schon vorbei, dabei war ich froh, dass ich nicht mal im Ansatz im Mittelpunkt stand.

Nur Bartys durchdringender Blick hatte mir gar nicht gefallen, aber noch weniger gefiel mir, dass der Lord nun anscheinend Zeit für mich gefunden hatte, das war wieder dieses wankelmütige Glück.

Aber was sollte man machen? Also folgte ich seinem Befehl, warf keinen Blick zurück zu meinen Männern, denn niemand erwartete etwas anderes von mir, als dem Lord zu folgen.

Sofort versank ich in meinen demütigen Knicks, nachdem wir in seinen Räumen waren und löste noch rasch meine Maske auf. Diesmal saß er nicht, sondern ging vor dem Kamin auf und ab.

„Wie konnte das passieren?“, fauchte er nun mich noch immer ungehalten an und ich war sofort auf der Hut. Ich musste sehr genau abwägen, um nicht bestraft zu werden.

„Was meint ihr, My Lord?“, fragte ich vorsichtig und absolut unterwürfig, während ich es nicht wagte, mich aus meinem Knicks zu erheben.

„Was wohl, wie es passieren konnte, dass Potter entkam?“, fragte er gefährlich sanft und zu meinem Schreck kam er auf mich zu, näherte sich mir nun, was mich erstarren ließ.

„Woher soll ich... ich habe keine Ahnung!“, riss ich mich noch in letzter Sekunde zusammen und überdachte meine provokanten Worte, die mir fast entschlüpft waren. „Ich war zu dem Zeitpunkt ganz woanders, My Lord!“

„Bin ich wahrlich nur von den größten Vollidioten umgeben, die es geben kann?“, wisperte er eindringlich nah und sein eisiger Atem strich mir übers Haar und mein Gesicht. Dies bescherte mir umgehend eine Gänsehaut. „Sag mir, mein Mudblood, was hält mich davon ab, dir zu demonstrieren, dass ich nicht zufrieden bin?“, fragte er anzüglich und ich konnte dabei nur an Barty und seine Lüge denken, dass er dafür zuständig gewesen war. Wobei, wenn ich damals nicht mit ihm in der Höhle das Ritual durchgezogen hätte, wäre ich wohl auch kein SoulGatherer geworden. Er hatte also recht, ohne ihn gäbe es keinen Barty, aber so sah er das ganz bestimmt nicht und jetzt wollte er mir vergegenwärtigen, dass ich mir absolut nichts darauf einzubilden hatte.

Wie auch immer, seine labile Stimmung machte meine Überlegungen akut, dass ich dem Lord nicht ewig würde entgehen können in seiner Rachsucht, und so legte sich über mich eine gewisse Resignation, die mich nun recht forsch zu ihm aufsehen ließ.

„Nichts... absolut nichts...“, hauchte ich ergeben das Offensichtliche. Ich war ihm auf Gedeih und Verderb ausgeliefert und das wusste er und das genoss er in all seinen Zügen.

Während er sich nun wieder in Bewegung setzte und sein Gewand beständig über den Stein schleifte, legte sich eine lastende Stille über uns und ich musste geduldig die Entscheidung abwarten.

„Wie gut, dass du dir dessen bewusst bist“, räumte der Lord plötzlich recht lakonisch ein und ließ mich sprachlos nach Luft schnappen. Ich hatte mit einem Zauber gerechnet, der mich gleich zu Boden geworfen hätte.

„Wenigstens hat die andere Seite einen Verlust zu beklagen“, flüchtete ich mich in die einzige Lüge, die mir gerade am verhängnislosesten erschien und die auch nur im Ansatz in der Lage war, ihn zu begüten.

„Wohl wahr, wohl wahr… aber um Worte warst du noch nie verlegen“, gab er nonchalant zu bedenken, hierbei war die Drohung in seiner Aussage nicht zu überhören.

Danach verstummte er wieder unheilverkündend und lief weiter unruhig auf und ab und ich verharrte wartend. In mir stieg ein mulmiges Gefühl auf. Wiederholt huschte sein stechender Blick zu mir und ich zitterte immer mehr, schon alleine da meine Knie unter mir nachzugeben drohten, aber nichts deutete darauf hin, dass er mir erlauben würde aufzustehen.

„Wie geht es dir nach den Dementoren?“, fragte er unvermittelt, als ich aus den Augenwinkeln eine ungeduldige Geste wahrnahm, die mir bedeutete, dass ich mich jetzt doch erheben sollte. Wahrlich dankbar schloss ich kurz die Augen, während ich mich unter Schmerzen auf die Beine zog.

„Mir... gut, gut, My Lord!“, stotterte ich fast zu unsicher. „Zu gütig von Euch!“, stieß ich noch eilig hervor und biss mir auf die Zunge.

„Wie fühlst du dich… nun?“, wollte er für meinen zarten Geschmack zu interessiert erfahren, was mich unheimlich auf der Hut sein ließ.

„Anders, ich bin unsicher, My Lord, … aber ich weiß nicht... mir scheint, als hat diese Zeit des Jahres eine gewisse Ausstrahlung auf mein Befinden... wenngleich ich nicht weiß, warum“, blieb ich bewusst nah an der Wahrheit, um mich nicht in Fallstricke zu verwirren, die nicht sein mussten, aber gleichzeitig zu vage, um zu viel zu offenbaren.

„Du spürst Lughnasadh?“, kam es daher knapp vom Lord, der nun wieder abrupt vor mir stoppte und dessen Blick versuchte, mich zu durchdringen, während ich mich bemühte, keinen Deut vor seiner gefährlichen Person zurückzuweichen.

„Wenn My Lord dies vermuten“, wollte ich ungenau mein Wissen, das ich durch Gellert um diesen alten, keltischen Feiertag erlangte hatte, verschleiern.

„Wenn dies so ist, werden wir unser Training verschieben“, erklärte er auf einmal nach einiger Zeit rigoros, dabei gingen mir die Augen über. Anscheinend schätzte er mich als zu labil ein. Ein Umstand, dem ich nicht mal guten Gewissens widersprechen konnte. „Ich werde dich rufen, wenn ich es an der Zeit befinde, deine Gaben zu überprüfen und zu nützen!“, teilte er mir autoritär mit und ich nickte nur wie ferngesteuert.

„Natürlich, ganz wie Ihr befehlt!“, versuchte ich, mir meine Überraschung aber auch meine Erleichterung nicht anmerken zu lassen.

„Nun… zu etwas ganz anderem, dein letzter Auftrag ging nicht wirklich makellos zu Ende!“, spielte der Lord auf die Feuersbrunst an und der Tadel war ihm anzuhören. Sofort war ich noch mehr auf der Hut als vorher und zog den Kopf demütig ein.

„Verzeiht mein Versagen“, wisperte ichleise und legte aufrichtige Trauer darüber in meinen Ton.

„Ja, zu ärgerlich, zieh deine Kapuze ab!“, befahl er auf einmal und ich eilte mich, seinem Wunsch nachzukommen, dabei präsentierte sich mein nun ohrlanges Haar. „Du gingst wirklich nicht ohne Verletzungen aus dem Feuer“, kommentierte er mein verändertes Aussehen.

„Nein, My Lord, ich war froh, dass ich mich, oder auch man mich, vor den Flammen retten konnte!“

„Ja, es wäre unverzeihlich, wenn meinem… MEINEM Nekromanten etwas zustoßen sollte, haben wir uns verstanden? Mich juckt es in den Fingern, dir zu zeigen, was ich vom Versagen halte… aber deine Erscheinung zeugt davon, dass du schon gestraft wurdest… sagt man nicht, dass Frauen gemeinhin eitel sind?“, schüttete er seinen böswilligen Spott wie Säure über mich und seine unmenschliche Stimme drang mir in jede Pore.

„My Lord wären zu gütig, den Verlust meiner wieder wachsenden Haare als gar ausreichend zu würdigen, aber ich füge mich jeder Entscheidung, wie Ihr wünscht!“

„Wie immer herrlich gewandt im Gespräch“, zierte ein süffisantes Grinsen seine hässlichen Züge. Kurz versanken wir in unangenehmem Schweigen, während der Lord seinen lodernden Blick von mir abwandte. „Nun zum Wesentlichen“, raffte er sich anscheinend auf, seinen Zorn hinunterzuschlucken und hielt plötzlich ein angesengtes und welliges Buch in Händen, das ich als das von Deans Vater identifizierte. Es sah mehr als mitgenommen aus.

„Ja, du siehst richtig, hier ist die Akte. Es war sehr informativ, doch leider, leider verbrannte es zum Teil und erlitt einen Wasserschaden… tragisch und ärgerlich zugleich“, loderte wieder die Wut in seinem Ton auf und die Magie, die sich um ihn ballte, ließ mich respektvoll zurückweichen, daher versank ich aus einem Instinkt heraus in einem tiefen Knicks.

Unterdessen stellte ich fast schon das Atmen ein. Nicht mal im Traum hätte ich gewagt, mich nun zu rühren, als er betont laut aufseufzte.

„Wie es auch sei, hier steht, dass das Ministerium, oder besser eine Abteilung der Unsäglichen, sich nicht nur mit der Nekromantie, sondern auch mit Nekromanten an sich beschäftigte und dass auch die Dementoren aufgrund ihrer seelenlosen Beschaffenheit involviert sind. Sie sprechen hier von einem Bogen“, informierte er mich nüchtern. Ich verbot mir jede Regung, obgleich ich sofort wieder an Sirius denken musste, aber dem Lord schien der Bogen nichts Weiteres zu sagen, was nicht verwunderlich war. Er war nie in der Mysteriumsabteilung gewesen. Woher sollte er diesen kennen?

Auf der anderen Seite musste ich nun sehr vorsichtig sein, denn auch wenn Bellatrix und Co. null Schimmer hatten, was die Halle des Todes war, waren sie dort gewesen, das würde ein Balanceakt der besonderen Art für mich werden, wenn ich dem Lord nicht offenbaren wollte, was ich wusste.

„My Lord, was bedeutet das? Die Dementoren kommen aus diesem Bogen?“, stellte ich eine überflüssige Frage, denn durch Deans Bilder und den Eintrag seines Vaters, dass „sie eben aus dem Schleier kamen“ erübrigte sich diese Frage für mich, aber das musste der Lord nicht wissen.

„Tja, wenn ich das wüsste, das ist dank deiner Unfähigkeit für immer vernichtet!“, fauchte er mich anklagend an und schon passierte es, wieder traf mich dieser lilafarbene Fluch wie eine Ohrfeige.

„Ahhh…“, entschlüpfte mir ein leiser Ton, als es mir die Wange aufriss und das Blut hinab tropfte, ansonsten verbot ich mir jeden Ton, schon gar kein Schrei sollte über meine Lippen kommen, deshalb biss ich mir auf die Zunge.

Während ich mit mir kämpfte, kehrte er mir den Rücken zu und sank in seinen Sessel. Er wirkte nun etwas befriedigter, nachdem er mich verletzt hatte, denn sein genehmer Blick lag auf dem Blut, das langsam von meiner Wange hinab rann.

„Zu meinen Erkenntnissen; es gibt nicht so schrecklich viele Dementoren, anscheinend hat das Ministerium ihre Masse an sich reglementiert. Ich vermute, dass dieser Bogen als ihr Durchgang, oder auch Entstehungsort dient. Das ist nicht genau zu verstehen, oder gar zu entziffern und somit ist es spekulativ und ich hasse Spekulationen!“, meinte er noch immer wütend und ich hütete mich, ihm zu widersprechen.

Wie bitte? Etwas anderes konnte ich nicht denken. Was danach noch auf mich einprasselte war eher weit weg von mir, denn in mir tobte ein Sturm, nach dieser neuen Erkenntnis, die er mir mitteilte. Der Bogen, eine Verbindung, ein Durchgang oder ein Entstehungsort!

Die Bestätigung unserer Vermutung aber auch mal wieder diese Erkenntnis, dass das Ministerium mehr Dreck am Stecken hatte als man sich vorstellen mochte, machten mich ganz krank.

Da wurde diese „schwarze Magie“ derart volltönend vom Ministerium verpönt und jetzt kam raus, dass sie sogar Nekromanten beschäftigt haben mussten, wenn sie den Bogen so nützten, anders hätten sie nie Macht über die Dementoren haben können. Aber nach meinem Wissen, wäre kein Nekromant dazu fähig, das zu tun, was ich mit den Dementoren getan hatte.

Gellert hatte mir erzählt, dass er auch mal den Kontakt zu diesen Wesen gesucht, er es aber nicht geschafft hatte, die „Herrschaft“ über sie zu erlangen. Daher war mein Wirken in seinen Augen umso großartiger.

Auf der anderen Seite bedeutete dies, dass das Ministerium wohl mit SoulGatherern gearbeitet haben musste. Das hatte vielleicht in dem Buch gestanden und ich war soeben gewillt, Bellatrix den Hals umzudrehen. Bedeutete dies tatsächlich, dass das Ministerium etwas mit SoulGatherern zu tun hatte?

Das wäre ungeheuerlich, aber auch ein Ansatz für mich, um zu erfahren, was ich war! Was wussten sie? Könnten sie, die Unsäglichen, mir helfen?

Aber wenn ich ehrlich war, war diese Überlegung zweitrangig, denn Sirius‘ Schicksal lag mir mehr im Magen. Was bedeutete es dann für ihn, durch diesen mysteriösen Schleier gefallen zu sein?

Wie gesagt, ich war abgelenkt und bekam nun nur mit, wie der Lord mit seiner weißen Hand wedelte und mich endlich entließ.

„Gut, dann geh!“, kam es sehr brüsk von ihm.

Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Ich wirbelte noch in meinem Knicks herum, um eilig das Weite zu suchen. Leider übersah ich dieses bodennahe Wesen, Nagini, die sich an mich herangepirscht hatte und stolperte in dem Versuch, nicht auf sie zu treten, ungeschickt über sie und verlor den Boden unter den Füßen.

Es war mehr als peinlich und schmerzhaft, als ich unprätentiös hinfiel.

Während wahrlich nun das Schlimmste passierte, was einem DeathEater überhaupt passieren konnte, denn der Lord begann mit einem unmenschlichen, durchdringenden Ton über mich zu lachen.

Nagini kam mit ihrem zu großen Schlangenmaul auf mich zu und lispelte etwas auf Parsel, was den Lord noch dröhnender und noch gehässiger lachen ließ.

Als ich mich mehr oder weniger auf allen vieren davonschlich, war ich leicht durch den Wind wegen dieser Offenbarungen und verfluchte die Magie im Allgemeinen und mein Unglück über diesen verpatzten Abgang im Besonderen gerade dezent und wischte mir mit dem Handrücken über mein blutiges Gesicht. Das war doch alles verdammte Scheiße.

Hier ergaben sich für mich neue Dimensionen. So eilte ich durch die nun so verlassen daliegenden Gänge der Höhle und versuchte, noch immer die Tragweite zu erfassen, die sich mir gerade offenbart hatte.

Doch bevor ich weiterkam, vernahm ich mich bremsende Geräusche. Geräusche, die mich hellhörig werden ließen. Meine Augen zuckten zu einer Höhlenabzweigung und irgendein Gefühl sagte mir, dass ich nachsehen sollte, aber bevor ich mich umsehen konnte, riss mich etwas, oder eher jemand, grob am Arm zurück und ich landete mit dem Rücken an einem Stein.

„Ufff“, trieb es mir die Luft aus den Lungen und trotz aller Gedankenlosigkeit hatte ich, anders als bei meinen drei Männern, sofort meinen Dolch gezückt und drückte meinem Angreifer die Klinge an die Kehle, während ich nach Atem japste.

Gerade fiel es mir erschreckend leicht, die starke Hermione zu sein, die alle an die Wand spielen konnte und der ein Menschenleben nicht wirklich etwas bedeutete. Aber Daheim passierte es noch immer, dass mir die Männer zu sehr unter die Haut gingen und es schafften, mich schwach aussehen zu lassen.

Doch wenn ich eines nicht war, dann schwach!

So funkelten mich aber die irrwitzig glänzenden Augen von meinem unerwarteten Angreifer an und mein Gegenüber verhielt sich total ruhig, unter Anbetracht, dass die Klinge meines Messers drohend über seinen Adamsapfel rieb.

„DU hast mich nicht zurückgeholt, um mich nun einfach abzustechen?“, wisperte er mit einem leisen Kichern in der Stimme und ich lüpfte nur eine Braue, da ich außer den Augen nur das Silbrige seiner mattierten Maske ausmachen konnte.

„Warum trägst du die Maske?“, fragte ich somit rüde. „Und warum wagst du es, mich zu berühren?“, rührte sich mein Dolch kein Stück, während ich meinen linken Arm aus seinem Griff losriss und er ihn eilig freigab.

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BeitragThema: 444. Mit gehangen, mit gefangen   Do Feb 06, 2014 7:46 pm

444. Kapitel Mit gehangen, mit gefangen



„Der Reihe nach. Damit niemand außerhalb des Inneren Kreises erfährt, dass ich wieder… ich bin! Wunsch des Lords“, erklärte er zuvorkommend und ich nickte sachte wegen Bartys logisch klingender Eröffnung. „Und ich will nur helfen, denn da, wo du hinschauen wolltest, geht es gerade gut ab und du scheinst vergessen zu haben, dass du eben keine Maske trägst!“, gab er kichernd zu bedenken und meine jetzt freie linke Hand zuckte zu meinem unbedeckten, aber noch immer blutigen Gesicht.

„Fuck!“, kam mir erst jetzt zu Bewusstsein, dass ich tatsächlich vergessen hatte, diesen elementaren Schutz wieder aufzusetzen.

Das Stolpern über das doofe Vieh hatte mich total aus dem Konzept gebracht. Plötzlich lag ein Finger von ihm an meiner Wange und fuhr unerwartet zärtlich meine Haut hinab und ich erstarrte unter dieser irgendwie intim erscheinenden Berührung, bevor ich unterdrückt aufhisste, da er über den noch offenen und blutenden Cut, den der Lord mir zugefügt hatte, fuhr.

„Ohhhh, ja… der Lord versteht es, einen zu fesseln!“, hauchte er mir rauchig entgegen und hob seine rotgefärbte, blutige Fingerspitze an, um sie im fahlen Licht der Höhle zu betrachten. „War er böse auf dich?“, fragte er sanft.

Das Dramatische an der Situation war, dass ich wirklich eine gewisse Verbundenheit und Vertrautheit fühlte, wenn ich in seine bescheuerten Augen blickte, weswegen sich meine Augen zu Schlitzen verengten.

„Nimmst du das jetzt weg?“, fragte er in einem fast freundschaftlichen Ton und ich war mir sicher, dass er hinter der bescheuerten Maske dümmlich grinste.

„Arrr… aber nur unter Vorbehalt, denn wenn du noch mal denkst, mich anfassen zu müssen, steche ich zu!“, drohte ich ernsthaft und der Ausdruck, mit dem er mich betrachtete, zeigte mir, dass er es nicht in Zweifel zog. Daraufhin nahm ich mit einem bedauernden Seufzen meinen Dolch von seiner Kehle und trotz all seiner gespielten Leichtigkeit schluckte er dann doch hektisch, als er von der Klinge befreit war.

„Klar!“ Seine Augen blitzten auf, während ich meine Waffe verschwinden ließ, indem ich sie zurück an ihren Platz steckte.

Mit der anderen Hand zückte ich meinen Stab und versuchte mit einem Reinigungsspruch, die unappetitlichen Spuren zu beseitigen, bevor ich meine Maske anlegte. Den Cut ließ ich bewusst unangetastet, da ich wusste, dass es ein nutzloses Unterfangen wäre. Der musste so heilen, half ja alles nichts.

„Weißt du, ich freu mich, endlich aus dem Manor rauszukommen… ich war immer ein geselliger Typ… dort ist echt wenig los und wird auf Dauer ganz schön langweilig, wenn man kein Parsel spricht“, plapperte er eifrig los und abrupt erinnerte ich mich daran, dass ich in Regulus‘ Zimmer viele Hinweise darauf gefunden hatte, dass Barty und Regulus Freunde gewesen waren.

„Sag mal, hast du hier nicht ein paar Kumpel, die dir schrecklich gefehlt haben?“, fragte ich daher genervt und wollte dieses penetrante Klammeräffchen ganz schnell loswerden.

„Was? Ohhh… naja, die meisten sind echte Dumpfbacken. Rodolphus war immer recht in Ordnung aber sonst… nein…“, brach seine Stimme offenbar von Erinnerungen durchtränkt. Dies bestätigte jedoch meine Vermutung, dass Regulus sein Freund gewesen war, sein einziger, nur urkomisch, dass der eine versuchte, den Lord zu vernichten, indem er dessen Seelenteil zerstören wollte, und der andere alles dafür tat, dass der Lord wiederkehrte. Was war dies doch für eine verkehrte Welt, in der wir lebten.

„Sag mir nicht, dass da sonst keiner ist… oder war?“, fasste ich somit meinen gespielten Unglauben in Worte, während er meine Maske studierte.

„Ich denke nicht, dass dich das etwas angeht“, murmelte er leise.

„Nicht? Du sagst nein zu mir?“, fragte ich zynisch pikiert und war froh, dass mein Gesicht wohl verborgen wurde.

„Mhpfff“, kam es verächtlich von ihm. „Du spürst es auch, oder?“, fragte er unvermittelt, was mich eiskalt erwischte, doch ich antwortete aus mehreren Gründen nicht darauf.

Nicht nur da diese Frage von ihm auch mein Gefühl bestätigte, dass uns irgendetwas noch immer verband, sondern auch weil ich aus den Augenwinkeln in einer Nebenhöhle nicht richtig zu sehen dachte, denn plötzlich war Barty zweitrangig und ich zu misstrauisch. Zudem erschollen noch immer die so verdächtig wirkenden Geräusche, die mich zuvor dazu gebracht hatten, in diese Richtung zu gehen, wovon Barty mich erfolgreich abgehalten hatte.

„Hey, was hast du?“, fragte er, aber ich überhörte ihn mit voller Absicht, da ich nicht gewillt war, dieses Thema der Verbundenheit mit Barty zu besprechen, zu diskutieren oder auch nur im Ansatz zu erörtern, dafür vertraute ich ihm nicht genug.

Ganz plötzlich wurde es still, denn auf einmal drangen keine Laute mehr aus der abseits gelegenen Einlassung, da nun anscheinend ein Zauber darauf lag. Ich näherte mich langsam, Barty in meinem Rücken.

„Hallo? Was ist?“, wisperte Barty leise, aber ich überhörte ihn, während ich mehr zu erkennen versuchte.

Und dann sah ich es, ich konnte rotblondes Haar aufblitzen sehen und machte es zwischen vielen schwarzen Umhängen aus. Viele Fragen strömten sofort auf mich ein, eine davon war; was tat sie hier?

Auch war es, als würde etwas in mir hervorbrechen, was mich mit einem Satz die Zauber durchschreiten ließ, woraufhin ich jäh mitten im Geschehen stand- Augenblicklich schlug mir die Kakophonie des Grauens entgegen, die ich für meinen Geschmack schon zu oft in meinem bisher recht kurzen Leben vernommen hatte.

Die Geräusche, die ich vernahm, waren widerlich und so dermaßen barbarisch, dass ich deren Verursacher nur verachten konnte, während ich bemerkte, dass Barty hinter mir her gestolpert war und nun neben mir zum Stehen kam.

Ich musste mal wieder sehen, wie sich diese ekelhaften Typen über einen Frauenkörper hermachten, der in seiner zierlichen Zerbrechlichkeit unter ihnen fast unterging.

Dass sie nicht in Stücke gerissen wurde war ein Wunder, wenn man bedachte, wie viele Kerle sich über sie hermachten. Ich konnte, zu meinem Leidwesen, zu genau erkennen, wie sie sich in allen möglichen und unmöglichen Öffnungen, die sie als Mensch zu bieten hatte, in ihr versenkten. Ihre Gegenwehr war nicht existent, sie erschien wie eine Puppe, stieß nur noch röchelnde Laute aus, was nicht verwunderte, da der Schwanz zwischen ihren Lippen schon fast verhindern musste, dass sie überhaupt Luft bekam, so tief wie Crabbe sich gerade in sie trieb.

Trotz all meiner Erlebnisse, fand ich das noch immer absolut widerwärtig und ich blinzelte vor Wut, als mir abrupt etwas durch den Kopf ging. Was fiel diesen Kretins überhaupt ein, sich zu amüsieren, nachdem der Lord nicht zufriedengestellt war? Es war nach dem missglückten Versuch, Harry zu fangen, verdientermaßen kein Fest im Gewölbe angekündigt worden, da es nichts zu feiern gab.

„Was fällt euch ein?“, hauchte ich deshalb entschieden, in eisigem, beherrschtem und absolut tödlichen Tonfall.

Kurz schien es, als würde alles wie in Zeitlupe einfrieren, denn die rhythmischen Bewegungen endeten. Sofort zuckte Crabbe zurück und flutschte aus ihrem Mund, was mich die Augen verdrehen ließ. Es gab Dinge, die wollte ich echt nicht sehen und sein von Spucke glänzendes, hartes Glied gehörte ohne Einschränkung dazu.

Kurz blitzte die irgendwie ironische Frage auf, was sein Sohn sagen würde, wenn ich ihm erzählen würde, dass ich das beste Stück seines Vaters kannte? Vincent würde peinlichst berührt im Boden versinken.

Auch Selwyn, ein Mann meines Trupps, wich, erschrocken über mein Erscheinen, zurück, dabei bohrten sich meine Augen in seine, schlussendlich war er mein Mann, gehörte zu mir, und damit hatte er sich mir gegenüber zu verantworten und das wusste er. Die Angst war in seinen Augen zu lesen.

Die mir noch unbekannten beiden Männer waren nicht ganz so schnell. Der eine lag unter dem Mädchen und hob sie erst an, um unter ihr hervorzukriechen, während der andere bisher fröhlich gewichst hatte. Sie beide blickten mich konfus an, da sie mich augenscheinlich noch nicht persönlich kannten.

„Macht doch mit!“, dröhnte einer der Typen, die mir nicht bekannt waren, auch schon jovial und sprach mich und Barty kameradschaftlich an, während mich Selwyn besser zu kennen schien, da er sich rasch richtete, auf dass ich nicht mehr auf sein entblößtes Genital sehen musste.

„Jo, ein kleiner Gangbang in Ehren… ihr versteht?“, meinte der andere.

„Ihr wagt es, mich anzusprechen, ihr Kretins?“ Ich schoss ohne zu zögern einen knappen Fluch auf den vorwitzigen Typen und nun zierte ihn ein ähnlicher Cut, wie ich ihn trug.

„Ahhh!“, schrie das Weichei viel zu weibisch auf und hielt sich die blutende Wange, während ich es vorzog, ihn nicht mehr zu beachten. „Crabbe, was denkst du dir dabei? Du, als Mitglied des Inneren Kreises, weißt ganz genau, dass es die Frauen des Gewölbes nur gibt, wenn er uns belohnen will… war ich die einzige, die bei der Ansprache des Lords anwesend war? Habe ich etwas verpasst?“, hisste ich anklagend auf, während die Frau blutend, spuckend und röchelnd am Boden lag.

„Nein“, hauchte er ertappt und ließ sein mächtiges, ungeschütztes Haupt sacken. Dass die benützte junge Frau nackt und immer noch wimmernd dalag, schien vergessen, da keiner sie mehr beachtete. „Wir… wir wollten, also es ist so… das…“

„Dumm, wie eh und je“, höhnte Barty hinter seiner Maske und ein wenig freundlicher Blick zuckte von Crabbe zu dem wiedergefundenen, hochangesehenen Mitglied, das scheinbar auch so etwas wie Verachtung für seine Kollegen empfand. Eine Wohltat, wie ich mir überrascht eingestand.

„Duuuu wirst dich um diese Idioten kümmern, bestraf sie, wie ich es tun würde“, befahl ich deshalb Barty, denn ich meinte es so, ungestraft konnte man sie nicht lassen. Wenn der Lord davon erfahren würde, wären sie ebenfalls einen Kopf kürzer.

„Du kannst mich nicht bestrafen!“, fauchte nun Crabbe doch entschlossen in meine Richtung.

„Nicht? Soll ich es der Rechten Hand sagen, oder der Linken, oder gar dem Lord? Such es dir aus!“, hisste ich wenig zurückhaltend zu der Gruppe und alle sahen nun furchtsam und ängstlich aus.

„Ich?“, fragte Barty sichtlich überfordert, woraufhin meine Augen zu ihm huschten.

„Ja, du… ich denke, dass du kreativ bist, dafür erinnere ich mich zu gut an die ein oder andere, sehr denkwürdige Unterrichtsstunde, die du uns beschert hast“, kam es recht forsch von mir, da ich hier raus wollte. Wenn ich selbst diese Vollidioten bestrafen würde, hätte der Lord vier Anhänger weniger, die ihm dienen konnten.

Ich hoffte sehr, dass Barty meine Anspielung und auf was ich hinaus wollte verstand, als er leise zu kichern begann.

„Ohhh, jaaaaa… ich erinnere mich, du warst schon damals eine ganz besondere kleine Schülerin!“, raunte mir Barty gerade zu und hörte sich in meinen zarten Ohren zu zweideutig an, aber ich hatte ihn offensichtlich richtig eingeschätzt. Er wusste, was ich von ihm wollte.

„Wie gut, dass wir uns verstehen!“, meinte ich zustimmend. Es war zwischen uns irgendwie intuitiv, er wusste, dass ich von den Stunden sprach, in denen er uns die Unverzeihlichen lehrte. „Es soll ihnen als Strafe unvergesslich bleiben!“

Es war selbstredend, dass er nicht den Avada an den DeathEatern ausführen sollte, ebenso fiel der Cruciatus weg, da er mir für dieses Vergehen schlicht zu lasch erschien, aber der Imperius sprach für sich. Vor allem, da ich diesen hier gewählt hätte und Barty schien die Andeutung verstanden zu haben, was aber auch bedeutete, dass es für diese Männer hier sehr unangenehm werden würde. Barty brach in ein hohes, böses Gackern aus, das meine Vermutung bestätigte.

Eilig griff ich nach dem nackten Arm der jungen Frau und zog sie mit einem Ruck entschlossen zu mir hoch. Ihr unsteter, fast lebloser Blick zuckte zu mir.

„Hey, was können wir dafür, wenn die hier draußen frei rumläuft?“, „Ja, die wollte es doch!“, machten mich ihre Worte sprachlos. „Sie hat nur bekommen, was sie gesucht hat!“, „Jooo, Spaß!“

„Nein, nicht… bitte!“, hauchte die erschöpfte und zu dünne Frau, während ich ihren geschundenen, in allen Farben schillernden und verdreckten Körper betrachten konnte.

Was machte Mulciber eigentlich? Er sollte auf die Mädels aufpassen, war das zu viel verlangt? Dass diese Frauen nicht freiwillig bei uns blieben, sollte nicht wirklich überraschen. Sie hatte, wie auch immer, aus dem Trakt der Sklaven fliehen können und war in ihr Verderben gerannt, indem sie diesen Typen in die Arme lief.

„Tja, das ist nicht mein Problem! Aber ich weiß, dass einige nicht erfreut sein werden, wenn ihr die Ware nicht besser behandelt“, raunte ich daher absolut unberührt zu den Männern.

Während Barty und ich uns gegenseitig ansahen, war es wieder, als würden wir uns auch auf anderem Wege verstehen, denn ich spürte instinktiv, dass Barty es genießen würde, diese Bagage zu bestrafen.

So rauschte ich durch die Zauber, ließ die Gruppe zurück und zog die Nackte erbarmungslos hinter mir her.

„Uhh…“, wimmerte sie, indes sie taumelnd mit mir Schritt zu halten versuchte. Sie sah schrecklich aus, die Haare wirr, der Körper gezeichnet und ich war selbst versucht, ihr den Ausgang zu offenbaren, aber mir war klar, dass ich sie nicht hier wegschaffen konnte und sie nun mal im abgetrennten Bereich sicherer war als hier draußen, so war die Sachlage, so schwer es auch nachzuvollziehen war.

Somit stürmte ich ins leere und verlassene Gewölbe und suchte mit meinen Augen den Zugang zu den Quartieren der Mädels, dabei war es mir unverständlich, wie sie es raus geschafft hatte. Ich selbst war schließlich noch nie hier, in diesem Bereich, gewesen und ich kannte auch den Grund, ich hasste das Gewölbe abgrundtief und nichts brachte mich freiwillig dort hin.

Nur musste ich nicht lange nach dem Eingang zu dem Gefangenenquartier suchen, denn schon rauschte die schwarzhäutige Gazelle auf mich zu, wobei ihr wütendes Augenmerk auf dem verletzten Mädchen lag.

„Was hast du dir dabei gedacht, abzuhauen?“, bestätigte sie meine Annahme, dass die kleine Smudgeley auf der Flucht gewesen war. „Das ist gefährlich! Niemand kann gehen!“

„Wie kann so was passieren?“, fragte ich deshalb kalt und erst jetzt schien sie meiner gewahr zu werden und blickte durchaus furchtsam auf meine Maske.

„Herr… Herrin… ich… das weiß ich nicht“, stotterte sie selbst nun ängstlich und sichtlich vor Angst schlotternd.

„Wo ist eure Unterkunft?“, wollte ich genervt erfahren, denn Smudgeley konnte sich fast nicht mehr auf den Beinen halten und drohte immer wieder, in eine Ohnmacht abzudriften.

„Hier“, zeigte sie mir eilig und sehr unterwürfig den Weg und ich zog das Mädel hinter mir her, trat durch die Zauber, die mich an sich nur durchließen, weil ich das Zeichen mit dem Blut des Lords trug und aufgrund dessen zum Inneren Kreis gehörte. „Aber dürft Ihr hierher?“, wagte die kleine Anführerin wacker zu fragen.

„Rede nicht mit mir über dergleichen!“, fuhr ich sie ungehalten an.

Ich mochte sie nicht, denn noch immer sah ich sie, wie sie zwischen meinen Beinen lag. Ich wusste nicht, ob sie ahnte, wer ich war, da sie mich bisher nur ohne Maske kannte, aber es war egal.

„Verzeiht, ich dachte nur… ich gebe mein Bestes, überall gleichzeitig zu sein, es ist nicht leicht, auf die Mädchen aufzupassen… aber ich kann nicht immer überall sein, wenn die hohen Herrschaften kommen, muss ich zu ihnen“, erübrigte sich mein abwägen, ob sie mich erkannte oder nicht, denn soeben spielte sie mit einer gewissen boshaften Gemeinheit auf Lucius, Severus und Draco an.

Ich unterdrückte ein abfälliges Schnauben, diese Muggelfrau war an diesem Ort hart geworden, wer mochte es ihr verübeln? Es war an sich spannend, zu beobachten, wie sich immer sofort in allen Lebenslagen der Menschen Hierarchien bildeten. Augenscheinlich benötigten wir so etwas, um uns in der Gesellschaft anderer zurechtzufinden.

Ich reagierte nicht auf ihre Provokation, sondern sah mich um, denn nun bekam ich zum ersten Mal die Unterkünfte der Sklavinnen zu Gesicht und es handelte sich dabei eher um große Gemeinschaftsräume, in denen sie sich alle zusammen aufhielten. Die meisten lagen auf Matratzen und pflegten ihre Blessuren, wenn also mal eine Frau verloren ging, fiel es bestimmt nicht sofort ins Auge. Luxus, wie Privatsphäre, schien hier etwas Elementares zu sein, das es eindeutig nicht gab.

„Tja, dann pass das nächste Mal einfach besser auf!“

„Sag du mir nicht, was ich zu tun habe!“, brauste die deutlich ältere Gefangene aggressiv zu mir hin auf und zeigte mal wieder die Stutenbissigkeit unter Frauen. Ein fast boshaftes Lächeln lag auf meinen Lippen, schade nur, dass es niemand sehen konnte.

Hermiones Sicht Ende

Severus Sicht

„Pass auf, Süße, nur weil du mich geleckt hast, bedeutet das nicht, dass ich nicht noch viel schlimmer bin, als all diese Männer da draußen“, drohte sie seidig. „Vor allem könntest auch du für ihr Verschwinden bestraft werden.“

Oh Mann, wenn man einmal nicht aufpasste. Das Biest verstand es, der Familie würdig, Angst und Schrecken zu verbreiten, das musste man ihr lassen. Lucius und ich hatten Barty soeben dabei überrascht, wie er sich an einigen DeathEatern äußerst kreativ austobte. Es war amüsant, zu sehen, was er sie alles per Imperius gegen ihren Willen tun ließ, dabei machte es ihm absonderlich viel Spaß, sie einen sehr eindeutigen Kreis bilden zu lassen, was, bei der Erinnerung daran, meine Mundwinkel unter der schwarzen Maske zucken ließ.

Lucius war nach einigen verständigen und erklärenden Worten mit Barty dazu übergegangen, sich an der ausgefallenen Folter unserer eigenen Männer zu laben. Lucius war in der Hinsicht schon immer nicht normal gewesen. Er genoss es, zu beobachten, wie weit man den Menschen und seinen Verstand an sich treiben konnte, er fand dergleichen durchwegs spannend und erheiternd.

Daher auch sein Faible für seine Kerker, er betrachtete dies fast als Kunst und huldigte dem menschlichen Leib, war fasziniert davon, was eben jener in Extremsituationen aushalten, oder wie weit man auch den menschlichen Geist treiben konnte, bis ein Mensch zerbrach.

Und gut, selbst ich war amüsiert darüber gewesen, was Barty da veranstaltete, das war einfach köstlich in seiner abgrundtiefen Bösartigkeit. Er ließ sie alles miterleben, während sie willig im Kreis miteinander taten, was er ihnen befahl. Es war beeindruckend, Barty zuzusehen, wie er diese vier Männer zu beherrschen vermochte, aber nach seiner seelenlosen Erfahrung schien er an Kraft gewonnen zu haben und als die geistig Stärksten hätte ich die Typen dort nicht bezeichnet.

Als ich zusammen mit Lucius vernahm, was sich diese Unverfrorenen erlaubt hatten und dass Hermione die Frau zurückbrachte, war ich nach einem eindeutigen Blick von Lucius den Frauen gefolgt. Er selbst bevorzugte es, wie schon gesagt, sich zusammen mit Barty diesem Spaß hinzugeben und ich durfte, wie gewohnt, der Arbeit nachgehen.

Ich hingegen war somit in der Lage, nun ihre gehässigen Worte zu vernehmen und konnte beobachten, wie der Führerin der Gefangenen wegen derart viel Dreistigkeit die Kinnlade herunterfiel, denn alles an Hermione zeigte Angriffsbereitschaft.

Die Schwarze schien Hermione aufgrund ihres Zustandes in den Gewölben wirklich unterschätzt zu haben, ein großer Fehler ihrerseits, denn auch wenn Bellatrix die Frauen hier immer mit am schlimmsten im Gewölbe zurichtete, so war doch das Biest die Gefährlichste unter den weiblichen Anhängern des Lords.

„Was?“, hauchte die Frau perplex.

„Du hast mich schon richtig verstanden!“, entgegnete das Biest ungerührt, in kältester Manier und durch ihre Maske und den Mantel wirkte es doppelt bedeutsam, während sich die anderen Frauen furchtsam auf den Matratzen zusammenrotteten. „Was tust du hier?“, drehte sie sich nicht mal im Ansatz zu mir um, aber ich wusste, dass sie erkannt hatte, dass ich es war. Sie war wirklich gut, aber das war sie schon immer gewesen.

Ich antwortete nicht, sondern fühlte die Blicke der verängstigten Frauen auf mir, während ich nun regelrecht in den großen Raum schwebte und einige Tränke auf einer Kommode ablegte.

„Die Frage sollte eher sein, was du hier tust?“, fragte ich sofort in schnarrendem Ton.

Denn eigentlich waren wenn nur ich und Mulciber hier, sonst niemand und wenn ich ehrlich war, mochte ich es nicht, dass sie hier war und das hörte man auch, wenn man mich kannte.

„Ganz ehrlich, das frage ich mich selbst auch!“, kommentierte sie, drehte auf dem Absatz um und sauste aus dem Raum.

Ich wollte ihr sofort folgen aber da hing diese schwarzhäutige Klette an meinem langen Mantel und ich starrte durch meine Maske unleserlich auf sie hinab.

„Was?“, fragte ich genervt.

„Herr, habt Dank, aber ich weiß nicht, wie die Kleine entkommen konnte, es gelang noch keiner!“ Wegen ihrer hektischen Worte runzelte ich die Stirn und wandte meinen Blick zu der kleinen Rotblonden, die Draco damals von Lucius geschenkt bekommen hatte und bemerkte, wie arg sie zugerichtet worden war.

Ich löste mich ruckartig von der Frau und sie sah zu, dass sie mich eilig losließ, woraufhin ich zu der verletzten Frau ging, meinen Zauberstab zückte und ihn mit einigen Bewegungen über sie führte.

Die Furcht und Angst der Anwesenden waren fast mit Händen zu greifen, da all diese Muggel mit großem Horror auf den Zauberstab starrten und ich selbst verengte meine Augen wegen der Meldungen, die ich erhielt.

Diese Kleine schien nicht so sehr Squib zu sein, wie Hogwarts oder ihre Eltern immer angenommen hatten, oder aber die Extreme hatten einen kleinen Teil ihrer magischen Abstammung hervorgelockt, denn anscheinend hatte sie tatsächlich ein klitzekleines Bisschen Magie wirken können, um die Barrieren zu überwinden. Das hatte sie auf ihrer Flucht jedoch zusätzlich geschwächt.

Aber gut oder gar beruhigend war diese Offenbarung auf gar keinen Fall.

„Mhm!“, murrte ich wenig begeistert.

„Was, was ist?“, fragte die selbsternannte Anführerin der Gefangenen sorgenvoll.

„Sag Mulciber, dass diese Kleine eine geringe Menge Magie wirken kann, er soll die Zauber und Banne für sie anpassen.“

„Das bedeutet… sie ist gar keine von uns?“, hauchte sie entsetzt, während die Frauen um uns herum in Bewegung zu kommen schienen. „Sie ist mehr so wie Ihr seid?“

„Das würde ich so nicht sagen! Sie ist zu wenig, um eine Hexe zu sein, sie ist eine Squib!“, knurrte ich. Sie erinnerte mich an Filch, der auch nicht magisch war, aber dem ich zutraute, dass er mit viel Motivation und Anstrengung doch in der Lage wäre, einen Alohomora zustande zu bringen.

Eine sehr beunruhigende Nachricht.

Diese krasse Situation, in der sich das Mädchen befand, schien dafür zu sorgen, dass sie in sich alles an Kräften aufbot, was sie finden konnte, da musste man aufpassen, dass sie nicht vollständig ausbrannte. In diesem Moment konnte ich jedoch nicht mehr für sie tun, deshalb wandte ich mich resolut ab und rauschte dem Biest hinterher.

Als ich sie fast eingeholt hatte, musste ich ausmachen, dass sie dem Nächsten in die Arme gelaufen war und ich verzog die Mundwinkel, denn es war niemand anderes als dieses nervige Strähnchen, das gerade anzüglich auf ihre Maske hinab grinste.

Sofort stoppte ich und verschwand, einem Schatten gleich, in einer Nische. Immer erlangte hier mein Reflex, andere zu beobachten, einfach zu spionieren und mich bewusst im Hintergrund zu halten, die Oberhand.

„Hey… du machst dich zu rar, wir vermissen dich“, raunte er leise und meiner bescheidenen Ansicht nach ihr viel zu nah, weshalb ich leider ihre Antwort nicht vernehmen konnte, da sie leiser sprach als er. „Es ist fast langweilig ohne dich… wie geht es dir?“, fragte er interessiert.

„Jaja… das kommt davon, wenn man zu begehrt ist, aber du solltest unseren pelzigen Freund nicht vergessen, der Gute erwartet schon, dass du persönlich aufkreuzt, nachdem Patrick dich todesmutig aus den Flammen gezogen hat!“

„Shit!“, kam es lauter von ihr, nur dass sie dann eilig etwas zu ihm wisperte und aufgeregt mit ihrer Hand durch die Luft wedelte.

„Hahaha, wird ihm gar nicht gefallen, dass er soooo unwichtig ist“, wurde Scabior wieder lauter.

„Halt dein Schandmaul!“, fuhr sie ihn jetzt rüde an. „Ich gehe“, wandte sie sich entschieden ab und als er ebenfalls einen Schritt in ihre Richtung machte, wirbelte sie herum. „Allein!“

„Hey, Püppchen!“, rief er ihr noch nach, aber sie eilte bereits hinfort und ich überlegte gar nicht lange, denn als er seinen Weg fortsetzte und meinen kreuzte, packte ich entschlossen zu und zog ihn in die Nische zu mir, wobei er sich aufstöhnend den Hinterkopf an einem tieferhängenden Gestein anstieß.

„Hey, autsch! Wer… was? Oh, Ihr!“, stotterte er überrascht, als er mich erkannte und hielt sich seinen sicherlich schmerzenden Schädel.

„Ja, ich“, raunte ich bedrohlich durch meine schwarzgrüne Maske und ein unsicherer Zug huschte über sein Gesicht, während er mir befangen zublinzelte.

„Ich… ich habe keine Informationen!“, fing er wenig intelligent an, woraufhin ich mit den schwarzen Augen rollte.

„Ich will auch keine von dir“, wehrte ich ab, war ich Lucius? „Ich beschaffe mir meine Informationen selbst“, meinte ich verächtlich, anders als Lucius mit seiner Taktik, sich selbige zu erkaufen, vertraute ich nur mir, denn schlussendlich war dieses Wesen vor mir nichts anderes als eine käufliche Schlampe.

„Ohhh“, hauchte er sprachlos. „Was wollt Ihr dann?“

„Ganz ehrlich, mir gefällt der Ausdruck nicht, den du im Gesicht hast, wenn du ihr hinterher siehst“, schnarrte ich gefährlich leise.

„Eifersüchtig? Weil wir uns gut verstehen?“, spielte er doppeldeutig an, aber das hatte ich gar nicht gemeint. Mir erschien sein Ausdruck als zu berechnend und zu heimtückisch, als dass er mir gefallen könnte.

„Das glaubst du doch selbst nicht… es ist nur eine gutgemeinte Warnung!“, konnte er leider mein wölfisches Grinsen hinter der Maske nicht wahrnehmen.

„Vor wem?“, fragte er sofort auf der Hut und eines musste man ihm lassen, er war wahrlich schnell getaktet.

„Du bist zu schlau, Strähnchen, sagen wir es so… du könntest deinen größten Gönner verlieren“, versprach ich hintersinnig und löste mich abrupt von ihm. „Denk an meine Worte, immer schön Abstand halten… verstanden?“, ließ ich den mehr als verstörten und perplexen Wichtigtuer hinter mir zurück und als ich die Höhlen verließ, tat ich es in dem Wissen, dass das Biest bei den Werwölfen zu finden sein würde.

Severus Sicht Ende

Hermiones Sicht

Toll, ganz super toll, warum musste ich dem Strähnchen in die Arme laufen?

Ich hatte mich nach dem Anblick der zusammengerotteten und trostlosen, da hoffnungslosen, Mädels so sehr auf eine Badewanne und einen dicken, fetten Traumlosschlaftrank gefreut.

Aber nein, ich doch nicht, ein Aufputschtrank wäre jetzt genau das Richtige, wer brauchte Schlaf?

Ich anscheinend nicht, denn ich kam gar nicht dazu!

Unfassbar, aber wahr, ich war seit gestern am frühen Morgenwach, hatte die vorherige Nacht im Grimmauld Place schon keinen sonderlich erholsamen Schlaf gehabt, hatte die Flucht mitgemacht, Moodys Überleben, den Fuchsbau, mein Ritual, den Besuch der Twins, der Gang ins Cottage, dann die Konfrontation mit Remus und Tonks, dicht gefolgt vom Gespräch mit Harry im Café, anschließend der Lord, jetzt die Höhle und nun das Rudel.

Ich war kurz davor, Amok zu laufen und doch wusste ich, dass mein Erscheinen bei Fenrir unabdingbar war, an sich hatte ich es sogar schon zu lange hinausgezögert, deshalb riss ich mich mit all meiner Willenskraft zusammen und stapfte regelrecht frohgemut durch das dichte Dickicht des Waldes.

Ich vernahm ein sehr leises Rascheln zu meiner Rechten, kam aber allem zuvor, da meine Laune heute wahrlich nicht die beste war und ich keine Lust auf Spiele hatte.

„Ich bin´s und ich geh zu ihm, also stört mich bloß nicht!“, murrte ich mehr als düster, ja, meine Stimmung war prächtig und ich fauchte es so böse in die Dunkelheit, dass das Winseln fast zu vernehmen war, als diese Omegas den Schwanz einzogen und es nicht wagten, mich zu stören, während ich meinen Weg unbeirrt fortsetzte.

Warum zum Geier lag das dämliche Lager so weit im Wald, das war eine scheiß Idee, grummelte ich wütend vor mich hin.

Ich stoppte jäh, denn ganz plötzlich sickerte die Erkenntnis in mich, dass morgen der 31.07. wäre, was bedeutete, dass Harry Geburtstag hätte und endlich volljährig wäre!

Aber vor allem wäre die Hochzeit von Fleur und Bill im Fuchsbau und die Weasleys erwarteten uns, was hieß, dass ich zum Cottage gehen müsste, um mit den anderen aufzubrechen, was wiederum bedeutete, dass ich wirklich fast keinen Schlaf bekommen würde. Da wandte ich fast schon schicksalsergeben den Kopf hinauf zum tiefhängenden Mond und hätte am liebsten laut geheult, denn das war es wirklich, zum Heulen!

„Willst du deine Maske nicht abnehmen?“, erklang die leise Frage ganz nah bei mir.

„Mhm“, riss mich Fenrirs Begrüßung aus meiner Versunkenheit und ich blinzelte im Schein des Mondes zu ihm.

„Verräter… sie haben gepetzt, oder?“, seufzte ich gespielt berührt, wegen der plappernden Wölfe.

„Tja, sind halt meine Männer!“, meinte er lapidar und ich löste langsam die Maske auf.

Ich sagte sonst nichts weiter, sondern starrte ihn nur an, nahm seine Erscheinung in mich auf und versuchte, die neuen Informationen, die ich von Moody und Remus über ihn erhalten hatte, in Einklang mit dem Mann vor mir zu bringen.

„Wie geht’s?“, wollte er eindringlich erfahren und musterte mich genau.

„Gut.“

„Wirklich? Du blutest!“, gab er recht lässig zu bedenken, was mich wieder seufzen ließ und ich angelte in meiner Tasche nach einem Tuch.

„Ach… das, das ist nichts weiter… nur ein Cut!“, tat ich ab und würde mich hüten, ihm zu sagen, dass der Lord derart gütig gewesen war.

„Na, wenn´s weiter nichts ist… du warst ganz schön angekohlt… das Strähnchen hätte fast geheult“, wechselte er gekonnt das Thema, dabei schüttete er seinen bösartigen Spott reichlich über Scabior aus und ich verzog die Züge, als ich mir ins Gedächtnis rief, wie ich nach dem Erwachen ausgesehen hatte. Die Glatze würde ich Zeit meines Lebens nicht mehr vergessen.

Sie hatte mir ein mehr als groteskes und makaberes Aussehen verliehen!

„Er hatte wohl eher Angst davor, was andere mit ihm machen, wenn ich verrecke“, stieß ich ein Schnauben aus, denn ehrlich, ich konnte mir nicht vorstellen, dass Scabior noch an jemand anderen als an sich selbst dachte, er stand sich selbst schon sehr nahe.

„Könnte sein, du kennst ihn sehr gut und weißt, wie er ist“, warf er salopp ein, als er sich vom Stamm, an dem er bisher sehr entspannt gelehnt hatte, abstieß und mich aufmerksam musterte. „Aber ernsthaft, du unterschätzt ihn doch, er hat sich durchaus Sorgen gemacht und ich mir auch…“

„Oh, werden wir nun eine große, kuschelige Familie, in der sich jeder um jeden kümmert? Was würde nur Bellatrix sagen, wenn sie das hören könnte?“, ätzte ich, gedanklich bei der Tatsache, dass sie mich fast auf dem Gewissen gehabt hätte. Wie sehr wünschte ich mir, ihr endlich ungestraft an die Kehle gehen zu können.

„Was ist passiert? Ich habe noch immer keine genaue Kenntnis von den Vorkommnissen.“ Er ging Richtung Lager, ich folgte und maulte vor mich hin. So weit käme es noch, dass ich erzählen würde, was ich nicht gerade als meine Ruhmestat in East End bezeichnen würde.

Es legte sich eine kameradschaftliche Stille zwischen uns, während wir durch die Meute gingen und schlussendlich am Lagerfeuer Platz nahmen.

„Ich will dich sehen“, lag eine gewisse Forderung in seinem Ton, als wolle er sich vollständig vergewissern, dass mir das Feuer nichts Permanentes angetan hatte. Ich zog seufzend meine Kapuze hinab und er kommentierte meine neue Erscheinung mit einem Pfiff.

„Okay, ich sehe zwar keine Brandnarben… aber einen hübschen Schnitt hast du da“, unterstrich er seine Aussage mit einem weiteren knappen Pfiff. „Aber der Cut kommt noch stärker raus… kannst du den nicht heilen?“

„Fuck! NEIN!“, rief ich erzürnt aus und meine Hand zuckte instinktiv zu meinen Schnitt, der zwar noch immer brannte, den ich aber dezent vergessen hatte.

„Ja, der Lord, nehme ich an, diese lilafarbenen Flüche sind biestig… aber lass mich dir sagen, dass diese kurzen Haare frech aussehen“, zierte ein sehr wölfisches Grinsen seine leicht verdreckten Züge.

„Hahaha… Zum Glück wachsen sie schnell!“, strubbelte ich mir durch das mehr als kurze Haar und unterdrückte ein Gähnen.

„Dank der Linken Hand, würde ich vermuten!“, wurde er schlagartig sehr ernst.

„Ja, DANK ihm!“

„Du weißt, dass du Links und Rechts ganz schön an den Eiern hast?“, lachte er dunkel auf. Es klang mehr wie ein Bellen, das durch das Lager hallte.

„BITTE?“, stieß ich überrascht aus. „Wie kommst du auf sowas? Sehr abwegig.“

„Sag mir nicht, dass du dir was anderes einredest!“, kicherte er nun ganz schrecklich erheitert und meine Augen wurden groß. „Du hättest erleben sollen, wie sie das Lager erstürmt haben, hahaha… Das war erinnerungswürdig! Sie hätten bestimmt ganz alleine das Lager zerlegt, wenn sie sauer geworden wären… zu meinem Leidwesen muss ich gestehen, dass sie in ihrer Macht, aber auch Dominanz durchaus mit dem Lord mithalten können, das ist deprimierend! Wenn sie es ernst meinen, ist mit ihnen nicht gut Butterbier trinken!“

„Wow“, hauchte ich sprachlos, sowohl wegen dieses unerwarteten Eingeständnisses, dass Fenrir gehörigen Respekt vor Lucius und Severus hatte, als auch wegen der Tatsache, dass er mir als Außenstehender offenbarte, dass ich beiden angeblich etwas mehr bedeutete.

Das war so unvorstellbar, als würde Harry plötzlich Draco liebevoll um den Hals fallen, oder noch besser dem Dark Lord!

Okay, in Ordnung, ich wusste, dass ich ihnen nicht gleichgültig war!

Das war allerdings ein Unterschied, aber so wie Fenrir es darstellte, konnte es nicht sein, selbst wenn es so wäre, würden sie es sich nie anmerken lassen. Wenn ich auf der anderen Seite einen von ihnen aus so einer Situation rausholen würde, wäre ich auch nicht zu halten und rücksichtslos… ich sollte mir eindeutig Gedanken über diese verschobenen Prioritäten machen.

„Du wirkst überrascht.“

„Das hatte ich nicht erwartet“, bekannte ich ehrlich und zweifelte noch immer.

„Ich auch nicht, nicht so.“ Er schob mir einen Humpen zu. „Aber keine Sorge, es war nicht offensichtlich, nicht bei denen! Ich bin nur recht intuitiv… muss man als Alpha wohl sein anderen fällt es nicht auf“, räumte er ein, während ich den Humpen anhob und eilig einen tiefen Schluck daraus trank.

„Rede dir nur nichts ein, du darfst die beiden nie verkennen, oder unterschätzen“, gab ich ihm einen ernstgemeinten Rat, der ihn argwöhnisch die leuchtendblauen Augen zu Schlitzen zusammenziehen ließ.

„Was willst du damit sagen?“

„Dass ich nur eine Variable bin, keine Konstante“, meinte ich meine Aussage sehr ernst und knabberte recht unwohl an meiner Unterlippe.

„Stellst du dein Licht nicht unter den Scheffel?“, zweifelte er sehr stark und wischte sich den Bierschaum aus dem Gesicht.

„Nein, alles andere wäre vermessen und dazu noch realitätsfern.“

„Du bist zu hart“, wandte er entschieden ein und nahm einen erneuten Schluck.

„Sehr witzig!“, blickte ich ihn eindringlich an. „Kann schließlich niemand behaupten, dass du nicht hart bist“, nutzte ich die Gelegenheit, um ein anderes Thema anzuschneiden, schließlich stand ich in seiner Schuld.

„Wie meinst du das?“, fragte er lauernd, da er nicht wusste, auf was ich hinaus wollte.

„Na, sagen wir so… ich hatte in letzter Zeit die Möglichkeit, ein wenig mehr von früher zu erfahren, Mr. Grey…“, zog ich meine Stimme nachdrücklich in die Länge und schon ruckte er wie ertappt hoch.

Polternd fielen die Humpen um und das Bier ergoss sich auf den Waldboden.

„Wow!“, entfuhr es mir, als ich mich auf dem Boden wiederfand. Er war schneller über mir als ich schauen konnte, natürlich kam meine Müdigkeit hinzu, aber ich hatte mit dergleichen gerechnet und selbstredend lag mein Zauberstab in meiner Hand. Seine schmutzige Hand mit den dreckigen Fingernägeln schloss sich um meine Kehle und bohrte sich schmerzhaft in meine Haut, dabei knurrte er düster.

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