Inhaltsangabe
 
StartseiteStartseite  FAQFAQ  SuchenSuchen  AnmeldenAnmelden  LoginLogin  

Austausch | 
 

 Kapitel 451-452

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
AutorNachricht
queenie
Königin
Königin
avatar

Anzahl der Beiträge : 1423
Anmeldedatum : 08.02.12
Alter : 36
Ort : München

BeitragThema: Kapitel 451-452   Di März 04, 2014 7:39 pm

451. Kapitel Schuld und Sühne


Lucius Sicht

Ich stand mit Severus im Thronsaal des Lords und wir konnten oder durften miterleben, wie Draco auf Geheiß des Lords sowohl Rowle als auch Dolohov folterte.

Dabei ließ ich die Szenerie auf mich wirken. Mein so blonder Sohn in diesem finsteren Marmorsaal stellte sich erstaunlich geschickt an. Er blieb souverän, gelassen und absolut gleichgültig, während er sie mit den unterschiedlichsten Folterflüchen, zu meinem minimalen Verdruss, wenig kreativ folterte. Hierbei war bisher noch der Imperius am Spaßigsten gewesen, den er abwechselnd an ihnen verwendet hatte, sodass sich Antonin und Rowle gegenseitig schnitten, was wiederum, ganz anders als bei Barty letztens, eher lahm erschien.

„Noch nicht fertig?“, fragte der Lord, der grade hoheitlich herein schritt, begleitet von seiner zischelnden, viel zu großen Schlange, die ähnlich arrogant auftrat wir ihr Herr und Meister.

„My Lord?“, fragte Draco unterwürfig, beendete aber die Brandflüche nicht, die gerade abstrakte Muster auf die Delinquenten malten und ihr Gestöhne und Gekreische nur noch gequälter in dem hohen Raum widerhallen ließ.

„Oh, ich sehe, du bist gerade kreativ! Lucius, Gratulation, dein Sohn scheint dein Talent geerbt zu haben, das Vergnügen gekonnt in die Länge zu ziehen!“, servierte der schmallippige Lord und innerlich schnaubte ich verächtlich auf. Der Lord griff auch meist nur auf seinen Cruciatus zurück, ein Fluch, der vielleicht ganz nett war, aber bei weitem nicht das beinhaltete, was Folter für mich wirklich bedeutete.

„Was für ein Lob, My Lord!“, offenbarte ich aufrichtigen Genuss in seiner Anerkennung, während der Lord auf seinen Thron zuhielt und sich durch die Schreie nicht stören ließ.

„Aber nun sollten wir ein Ende finden… Draco zeige mir, dass dir der Cruciatus leicht von der Hand geht!“, forderte der Lord.

„Crucio!“, rief Draco darauf umgehend und ließ zuerst den einen und dann den anderen laut kreischen, dabei zeigte sich mein Sohn erstaunlich geschickt darin, ihnen die Tonleiter zu entlocken, bevor er den Fluch abbrach und sie erschöpft zusammensackten.

„Goyle, schaff sie raus… und ihr anderen verschwindet auch… ihr drei bleibt!“, befahl der Lord autoritär und alle sahen zu, dass sie nach der Standpauke, die der Lord uns zuvor gehalten hatte, davonkamen.

„Natürlich, My Lord“, kommentierte ich souverän, während Severus und Draco neben mir Stellung bezogen, wobei sich Draco eine Strähne aus dem glänzenden Gesicht wischte, denn trotz allem waren die Flüche nicht ohne und sehr wohl anstrengend.

„Wissen wir, was diese neuen Prämissen für uns bedeuten?“, fragte er genauer nach, nachdem ihm zuvor berichtet worden war, dass wir Cassius Warrington bei diesem nicht autorisierten Angriff verloren hatten.

„Potter, wenn er denn auf dem Fest war“, wollte Severus durchstarten, als ich ihn wenig manierlich unterbrach.

„Egal was dieser Warrington sagt und behauptet, niemand hat Potter dort gesehen. Er war nicht dort“, warf ich rigoros geschäftig ein, worauf mein Sohn etwas vortrat.

„Vielsaftrank vielleicht?“, brachte er bedächtig mit ein, während der Lord unseren Vermutungen lauschte und dabei sachte sein kahles Haupt hin und her wiegte.

„Woher sollte er den haben? Ich kenne niemand von denen, der ihn brauen könnte“, zeigte sich Severus gewohnt gehässig.

„Sie mussten den Trank haben, sie hatten auch sieben Potters bei der Flucht!“, entgegnete Draco, was den Lord seine hohe Stirn runzeln ließ, dabei flackerten seine roten Augen unheilverkündend auf, denn diese Erinnerung schien ihn noch immer zu ärgern.

„Da müsste aber alles was sie hatten draufgegangen sein! Draco, du unterstellst ihnen eine regelrechte Brauwut“, warf ich leicht verächtlich ein.

„Und wie gesagt, Potter, der Vielsafttrank braut, sehe ich nicht vor mir!“, fletschte Severus seine Zähne. Man sah ihm seine nicht mal so sehr gespielte Abneigung gegen den Jungen deutlich an.

„Hermione?“, bot Draco daraufhin schlau an.

„Nein, sie hätte es mir gesagt, da sie die Zutaten gebraucht hätte. Sie hat nicht gebraut!“, bestimmte Severus endgültig.

„Woher willst du das wissen? Sie hätte die Zutaten auch teuer kaufen können“, ging Draco ungewohnt scharf auf Severus los, was diesen veranlasste, eine seiner tiefschwarzen Brauen sehr hoch zu ziehen.

„Wir können sie jederzeit fragen, sollen wir?“, bot ich sofort an, denn es schien, dass diese Kommunikation bei Draco und Severus etwas anderes beinhaltete, nämlich, wer ein besseres Verhältnis zu ihr hatte und mehr wusste.

„Ich sehe es nach reiflicher Überlegung ähnlich. Der Orden hat keinen Braumeister und alle Vorräte, die sie je hatten, wurden für den Stunt bei der Flucht gebraucht! Niemand kann diesen besonderen Trank in großem Stil auf Vorrat anlegen und bei der Menge hätten mindestens zwei Leute brauen müssen, die exzellent auf diesem Gebiet sind“, gab er zu bedenken und streichelte bedächtig das schuppige Haupt seines Haustieres.

„My Lord sind wie immer sehr weitsichtig und wissend auf diesem Gebiet. Ich könnte es auch alleine“, verkündete Severus reichlich arrogant, „aber der Orden ist eher weniger gut besetzt, was ihre Mitglieder betrifft, als Ihr es seid.“

„Wohl an, wohl an, dass ich die Creme der Gesellschaft um mich schare ist mir gegenwärtig!“, verkündete der Lord unnachahmlich exaltiert. „Draco, ich schätze deinen jugendlichen Optimismus und vor allem, was du ihr bereit bist zuzutrauen, aber ich stimme meinen Händen zu. Die Verwendung des Trankes sowie dass sich Potter aus seinem Erdloch raus traut ist unwahrscheinlich… Warrington ist blind vor Wut und Hass, zwei schlecht einschätzende Begleiter, die ihm die Objektivität nehmen!“, legte er mit eiskalter Stimme dar.

„Eben, der Orden ist erstarrt vor Angst. Sie würden Potter nicht raus lassen, wo auch immer er sich versteckt und dort wird er bleiben, bis die Schule beginnt!“, verkündete ich hochtrabend, dabei spielte ich mit meinen behandschuhten Händen mit meinem Gehstock.

„Und mal ehrlich, Potter soll jemanden ermordet haben? Glaubt ihr das?“, zweifelte Severus offen. „Wirklich? Er, unser Auserwählter, den das Gewissen plagt?“

„Ich… das glauben? Dumbledores Goldjunge? Nie und nimmer… nein, das passt nicht zum heiligen Potter!“, hisste Draco auf, dabei spielte er seine Abneigung nicht einmal, wie mir seine grauen Augen erzählten.

„Ich sehe es ähnlich wie ihr beiden, aber sag mir, Draco, mein Sohn, was denkst du bezüglich Potter, warum traust du ihm diese Tat nicht zu?“, forschte ich intensiver nach und drehte mein aristokratisches Haupt zu meinem Sohn, der mich mit einem süffisanten Gesichtsausdruck musterte.

„Zutrauen, dem? Er ist ein Weichei, er würde sogar mir alles verzeihen, wenn ich überzeugend den reuigen Sünder mime! Er ist gutgläubig, er ist schlicht ein Idiot!“, zierte ein abfälliges Grinsen Dracos Lippen.

„Pfff!“, kam es verächtlich vom Lord. „Er warf auf seiner Flucht auch nur mit dem Expelliarmus um sich. Als wäre diese Plage zu einer anderen Art der Magie fähig… wie Warrington behauptet…“, offenbarte der Lord in diesen Worten seine Zweifel.

„Also sind wir uns einig; Potter war es nicht! Aber das Mudblood ist mit dem Weasley abgehauen“, entgegnete Draco, daran erinnernd, was wir vorhin von den Männern erfahren hatten.

„Korrekt, was sollte sie als Gast auch sonst tun, ohne dass ihre Tarnung fällt?“, warf Severus ungehalten ein und rollte mit den finsteren Augen. „Das wäre alles gar nicht nötig gewesen, wenn diese Idioten nicht einfach so diese Hochzeit gestürmt hatten.“

„Alles Idioten!“, murrte der Lord zustimmend, dabei ballte er seine klauenartigen Hände zu angespannten Fäusten.

„Sie hat wieder einen Mann aus ihrem Trupp verloren“, stöhnte ich leise, leidlich geplagt auf.

„Der Todestrupp der DeathEater“, verkündete Severus mit tödlicher Ruhe. „Passt irgendwie!“

„Was?“, hisste der Lord argwöhnisch auf und hob eine haarlose Braue an.

„Ja, ihr Trupp hat schon einen Spitznamen, weil immer Leute von ihr draufgehen“, erklärte Draco geschwind.

„Moment! Meist kann sie gar nichts dafür!“, sprang Severus ungewohnt offen für sie in die Bresche, woraufhin unser aller Augen reichlich skeptisch auf ihm lagen. „Bitte, oder sehe nur ich das falsch? Bisher kann man nicht behaupten, dass sie ihre Männer absichtlich ermordet hat.“

„Sie lassen sich halt nur zu leicht umbringen… was für Trottel!“, nahm ich den Ball geflissentlich auf und spielte ihn mit einem maliziösen Lächeln auf den Lippen, während ich unter gesenkten Lidern den Lord taxierte.

„Ich sehe hierfür die Verantwortung nicht bei ihr!“, stieß der Lord knapp aus und wirkte alles andere als erfreut. „Ich kann niemandem beibringen, für andere zu denken, dann wäre ich bald ohne Leute… die dort draußen sind zu dumm zum Atmen“, offenbarte er seine spitzen kleinen Zähne; alles an ihm wirkte bedrohlich.

„Wohl wahr, My Lord haben es nicht leicht!“, bekundete ich geschmeidig. „Wollt Ihr sie rufen?“

„Damit Potter das mitbekommt? Sicher nicht!“, wehrte er brüsk ab, während mich seine roten Augen empört anfunkelten.

„Haben My Lord schon das neue Buch „Das Leben und die Lügen des Albus Dumbledore“, gelesen?“, sprang Severus galant ein, um von meinem Patzer abzulenken, woraufhin sofort der Kopf des Lords zu Severus herumfuhr.

„Mir war nicht mal bewusst, dass ein Buch von ihm im Umlauf ist.“

„Eine Biographie“, erklärte Severus und fischte ein Buch aus den Untiefen seines Gehrocks heraus.

„Und spannend?“, fragte der Lord interessiert und Severus eilte zu ihm, um es ihm zu überreichen.

„Nun, durchaus… es wird gar viel Vergangenes enthüllt, über seine Familie… und über seinen Werdegang vor Hogwarts.“ So ging Severus kurz auf Ariana Dumbledore ein und umriss, dass Dumbledore anscheinend Gellert Grindelwald etwas besser gekannt hatte.

„Ahahaha“, lachte plötzlich der Lord schallend auf.

Der Ton war derart durchdringend und blechern, dass es wehtat, während er sich langsam fing.

„Hahaha… das ist köstlich, Dumbledore stand hinter Grindelwalds größerem Wohl? Wollte er etwa auch die Muggel unterwerfen? Wenn ja, wäre das fast tragisch komisch. Ich denke, ich werde mir die Mühe machen und es lesen“, amüsierte er sich noch immer etwas außer Atem und die glutroten Augen glühten auf.

„Entzückend, My Lord! Wir wünschen Euch viel Genuss beim Lesen!“, sprach ich ehrerbietig unsere Verabschiedung. Als er uns entließ, eilten wir gemeinsam rasch von dannen.

Lucius Sicht Ende

Hermiones Sicht

„Arrr…“, stöhnte ich schmerzerfüllt, mit stark pochendem Schädel, als ich die schweren Lider aufschlug. Wow, was war das?

Mir war richtiggehend schwindelig und schlecht, während ich mich zu orientieren versuchte.

„Sie kommt zu sich!“, vernahm ich eine mir nur zu wohl bekannte Stimme. Wie sehr deren Besitzer sich gewünscht hätte, dass ich nie mehr die Augen aufschlagen würde, konnte man bei dem Unterton nicht verhehlen. Gehässiger, alter Giftzahn.

„Das sehe ich! Ich bin nicht blind!“, knurrte Gellert.

„Oh, ich dachte nur, du bist nicht mehr der Jüngste!“, kam es schnippisch von Albus.

„Halts Maul… hey Sonnenschein, aufgewacht!“, schob sich Gellerts totenkopfähnliches Antlitz in meine Wahrnehmung. Ich war noch immer irritiert, was passiert war und wo zur Höhle ich mich gerade befand.

„Bedanke dich bei dem Geist hier“, erklärte Gellert aufgrund meines sichtlich überforderten Gesichtsausdrucks, während ich noch immer auf dem Zauberstab stand.

„Was ist passiert?“, runzelte ich benebelt die Stirn und erinnerte mich an das Drama rund um Viktor und Gellert, Irland und den Streit um Albus‘ Biographie und danach ward alles sehr, sehr dunkel um mich.

„Also ich nehme mal an, dass dich das Wispern wieder verrückt gemacht hat?“, fragte er, worauf ich leicht abgelenkt nickte und er gewichtig fortfuhr. „Dazu der Stress und die Aufregung und dass heute Abend die Zeit ist, das Ritual zu vollziehen… dann könnte man annehmen, dass Albus‘ Stunt, durch dich hindurch zu gleiten, vielleicht etwas viel gewesen ist“, zählte er schon fast gut unterhalten auf und nahm stetig einen Finger dazu, den er mahnend in die Luft hielt.

„Ohhh“, murrte ich widerwillig, dann schüttelte es mich am ganzen Körper, denn ich erinnerte mich plötzlich wieder an das Gefühl, als mich Albus durchstürmt und mir brutal schmerzhaft die Luft aus den Lungen gepresst hatte.

Es war nicht nur wie bei den Geistern in Hogwarts, dass es bloß eiskalt wurde und man sich unbehaglich fühlte. Bei weitem nicht, es war eher so gewesen, als wäre mir von jetzt auf gleich keine Atemluft mehr in den Lungen verblieben, als wäre ich erstickt, dazu die abrupte Kälte und das enervierende Klingen in meinen Ohren, als hätte eine Sirene angefangen, in den höchsten Tönen zu heulen. Das war alles, was mir wieder gegenwärtig wurde, danach erinnerte ich mich an nichts mehr.

Ich stöhnte wegen dieser Erkenntnis auf, weil ich anscheinend schlicht vor allen ohnmächtig geworden war.

„Ja, Sonnenschein, das siehst du richtig, dein strahlender Held, Harry, kam gelaufen und hat dich sehr malerisch aufgefangen und ich muss ganz ehrlich sein… ich war froh, dass du deine Äugelein geschlossen hattest!“, raunte Gellert eifrig, als ich ihn wieder fokussierte.

„Häää, wie bitte?“

„Ja, du… beziehungsweise deine Augen haben geflackert… wie gut, dass es keiner bemerkt hat!“, tänzelte Gellert hinweg in die Küche. Er schien sich rundum wohl zu fühlen, während Albus wie ein Zerberus dastand und mir mörderische Blicke sandte.

„Shit!“, wütete ich, denn die Tatsache, dass ich es nicht unter Kontrolle gehabt hatte, behagte mir genauso wenig, wie die Tatsache, dass ich mich nicht mal daran erinnern konnte.

Indes hievte ich mich wenig galant von der Couch hoch und stöhnte. Meine Glieder waren steif und schmerzten. Ich rieb mir über das kalte Gesicht und wuschelte durch meine, immer noch nicht vollständig wieder nachgewachsenen, Haare.

„Ganz ruhig, komm nicht zu schnell hoch, nicht dass du wieder umkippst!“, mahnte Gellert etwas lauter, da er gefährlich mit dem Geschirr in der Küche rumklapperte.

„Genau, der da lässt Sie fallen und fängt Sie bestimmt nicht auf!“, ätzte Albus giftig.

„Hör nicht auf den Griesgram!“, rief er zurück. „Sonnenschein, du gehst nun ins Bad und machst dich hübsch, während ich dir ein verspätetes Frühstück zaubere… und wundere dich nicht, warum du bei mir bist, denn ich konnte alle davon überzeugen, dass du bei mir besser aufgehoben bist als in der Burg. Ach… du hättest den Aufstand von diesem halben Troll erleben sollen, der wollte dich ja partout in der Burg behalten“, schüttelte er betrübt das stachelige Haupt. „Wir wissen alle, was das für eine Katastrophe gewesen wäre, aber deine beiden Freunde haben sich zur Verwunderung aller entschieden durchgesetzt!“, plapperte er fröhlich vor sich hin, während mir Albus starr in die Augen sah und mich stur fokussierte und ich versuchte, ihn und seinen stummen Vorwurf stoisch auszublenden.

„Er hat recht, ich geh erst mal ins Bad“, raunte ich heiser, als ich vorsichtig aufstand. „Und Gellert, Kaffee, aber ganz stark!“, verkündete ich ihm zurufend und wankte auf das Bad zu.

Doch während ich die Tür schließen wollte, war zu meinem Erstaunen schon Albus hinter mir und ich verengte die Augen.

„Okay, Sie wollen mit ins Bad? Wollen Sie mich nackt sehen?“, grinste ich anzüglich und durfte erleben, wie er leidlich die Züge verzog.

Das ließ mich leise, aber auch sehr spöttisch kichern, woraufhin ich die Tür mit Schwung zuwarf. Anscheinend hatte es geholfen, denn er wagte es dann doch nicht, mir zu folgen, während ich mich nun herrichtete. Wieder bedeutend klarer im Geiste kam ich aus dem Bad und folgte gierig dem verlockenden Duft meiner Droge, die mich schon empfing.

„Hier, Sonnenschein“, schob er mir schon meine Tasse zu. „Gratulation zu deinem Meisterwerk. Er ist seitdem stinksauer!“, empfing er mich mit gelebtem Spott, den er augenscheinlich genüsslich über Albus ausschüttete.

„Stinksauer?“, schaltete sich nun der herbei schwebende Albus ein. „Ich bin bodenlos von Ihnen enttäuscht… das waren SIE, oder?“, fasste er weiter anklagend nach.

„Wie kommt er darauf? Rita“, wandte ich mich an Gellert, der entschuldigend die Schultern hob, als Albus sichtlich abfällig auftrumpfte:

„Gellert hat sich verplappert. Sie unsäglich böser Mensch haben diese arme Frau getötet, um ihn rauszuholen!“, lamentierte er gewohnt selbstherrlich und ich nippte an meinem heißen Kaffee und verzog innerlich die Mundwinkel. Was bildete er sich ein? Rita war alles gewesen, ein durchtriebenes, verleumderisches Weib, aber bestimmt nicht übermäßig zu bemitleiden. War Albus derart blind in seiner Einschätzung Menschen gegenüber?

„Gellert, Sie sind ein Tratschweib!“, schnaubte ich und er zuckte mit den mageren Schultern, dabei überging ich Albus‘ Aussage vollständig.

„Sorry, er treibt einen in den Wahnsinn!“, stieß Gellert einen tiefen, sehr inbrünstigen Seufzer aus.

„Was?“, schaltete sich das halbe Gespenst ein „Der Wahnsinn war dir schon immer anheim!“, rollte Gellert wegen Albus‘ Gehässigkeit mit den Augen und hantierte mit seinen Pfannen herum.

„Ach, und Ihnen nicht, Albus?“, schmetterte ich diesem böse entgegen und schüttete den Kaffee wie ein Heilmittel in mich, auf dass die Kälte endlich aus mir verschwand.

„Das überhöre ich“, verkündete er verschnupft, konnte es aber nicht lassen und plapperte unvermindert weiter. Ich konnte Gellert ja so gut verstehen. Er war wirklich gestraft mit diesem Begleiter. „Aber mal ernsthaft, was fällt Ihnen überhaupt ein, Sie… Sie… SIE… Canaille!“, beschimpfte er mich wieder fröhlich.

„Was? Dass ich den Leuten die Augen öffne, wie Sie wirklich sind, Albus? Damit endlich ein paar von ihnen aufwachen und erkennen mögen, dass es eben nicht nur Schwarz und Weiß gibt, dass selbst das größte Licht eher als grau zu bezeichnen ist?“

„Grundsatz, darum soll es gehen und Sie legen alles aus, wie Sie es wollen!“, murrte er, indes sich Gellert bis jetzt raushielt und in einer Schüssel Ei, Milch und Gewürze verrührte.

„Nicht nur… ich wollte Ihr sooo prächtiges Andenken beschmutzen!“, fletschte ich die Zähne und offenbarte ein mehr als gemeines Grinsen.

„Kleingeistig?“, warf Gellert abrupt ein und hielt seinen Rührstab in der Hand, während er mich musterte.

„Rachsüchtig!“, gab ich sofort, ohne groß nachzudenken zurück und gab einen Teil meiner Gründe preis.

„Unangemessen einmischend!“, kommentierte Albus, dabei verschränkte er seine Arme vor der Brust und starrte mich vernichtend an.

„Ohhhh, unangemessen? Weil ich Ihr unechtes Andenken beflecke? Oder was meinen Sie? Tut mir irgendwie gar nicht leid!“, resümierte ich ohne schlechtes Gewissen, denn auch Albus hatte es mal verdient, dass man erkannte, wer er wirklich war, nämlich ein manipulativer Bastard.

„Tja, Albus, ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich reichlich ungeniert!“, kicherte Gellert bösartig, dafür kassierte er einen wütenden Blick, aber er rührte fleißig und unbekümmert weiter in seiner Schüssel.

„Pfff“, raffte er sich dann auf und strafte Gellert mit ostentativer Nichtbeachtung, indem er seine Aussage schlicht überging. „Sie dummes Mädchen wissen gar nicht, was Sie mit dergleichen anrichten! Sie lenken Aufmerksamkeiten auf Dinge, die besser vergessen werden!“

„Tja, Sie sind augenblicklich aus dem Spiel!“, schielte ich zu seiner durchsichtigen Erscheinung und verbiss mir heroisch ein gehässiges Grinsen.

„Und daran sind nur SIE schuld!“, spuckte er mir wütend vor die Füße und ich stöhnte leise auf und nickte dann wehmütig.

„Das stimmt, ich muss zugeben, dass es so nicht geplant war!“

„Sie sind halt doch nicht so schlau wie Sie denken. Hochmut kommt vor dem Fall!“, verkündete Albus hochtrabend und streichelte seinen langen, grauen Bart, als würde er es genießen, dass ich meinen Fehler eingestand.

„Oh, Albus, Sie machen sich keine Vorstellung davon, wie oft ich schon gefährlich hart aufgeschlagen bin!“, gestand ich nach kurzer Stille, nachdem ich mich daran erinnert hatte, was mir schon alles widerfahren war.

Es stimmte, nur weil ich immer wieder aufstand und dabei hartherzig, oder auch arrogant erscheinen mochte, war dies doch, wie so oft, eher ein Schutzschild, das ich trug, denn ich war mir nicht sicher, ob ich wieder aufstehen würde können, wenn ich mir mein Scheitern eingestehen würde. Eines war mir gegenwärtig; ich hatte schon sehr viele Fehler in meinem Leben begangen!

Fehler mir als auch anderen gegenüber, die zum Teil nicht wiedergutzumachen waren. Ich hatte Schuld auf mich geladen, die nicht zu tilgen war. Dies waren alles Tatsachen, die ich zu akzeptieren hatte, wenn ich denn weiter kämpfen wollte. Sollte ich mich eines Tages dazu entscheiden, sie zu bereuen, stand nicht außer Frage, ob ich nicht daran zerbrechen würde.

„Wollen Sie nun mein Mitleid?“, ätzte er mir wenig gewogen und ich verzog sarkastisch grinsend die Mundwinkel. Darauf wollte ich gar nicht antworten, weswegen ich nur sachte das Haupt schüttelte.

„Warum haben Sie uns etwas hinterlassen?“, lenkte ich deshalb von diesem leidigen Thema ab. „Wir haben gestern unser Erbe erhalten.“

„Endlich!“, klatschte Albus erfreut in die Hände. „Hat das Ministerium die Dinge wirklich überbracht?“, zweifelte er dann aber sofort besorgt, lehnte sich interessiert zu mir vor, wobei sein altes Ich aufflackerte und ich nickte sachte.

„Nun Scrimgeour hat uns Ihr Testament vorgelesen und ich denke, ja“, wollte ich ansetzen, als er mich recht rüde unterbrach.

„Warum ich Ihnen etwas hinterlassen habe… ich muss umnachtet gewesen sein!“, hisste Albus düster, richtete sich wieder auf und wich vor mir zurück.

„Oder senil?“, warf Gellert, der gerade einen Löffel Butter in die Pfanne gab, die zischend zerschmolz, wenig hilfreich ein.

„Pffff!“

„Tja, okay, da stimme ich Ihnen sogar zu. Sie hätten mal meine Reaktion sehen sollen. Ich bin fast vom Glauben abgefallen, als der Minister loslegte. Sie schaffen es immer wieder, einen zu überraschen, Albus!“, erklärte ich leise, während Gellert geschäftig brutzelte und Albus nervös im Raum auf und ab wanderte. Da niemand Anstalten machte, das Wort zu ergreifen, fuhr ich fort.

„Wobei ich Ihnen DANKE, Albus. Ich habe mich bisher noch nicht wirklich mit diesen Märchen befasst… wenngleich ich schon längst von den Heiligtümern weiß… wie Sie wissen.“ Er knirschte mit seinen Zähnen. „Und zu Ron, er hat keinen Schimmer, was er mit dem Deluminator machen soll! Hingegen Harry hat sofort geschaltet, dass der Schnatz durch seine Lippen zu öffnen ist… eine schöne Aufgabe, die Sie uns hier aufbürden“, murrte ich freudlos, da ich nicht zeigen wollte, dass wir den Stein hatten, schließlich war er schon zu skeptisch, was damals passiert war, als ich ihn gerettet und bei Severus abgeliefert hatte.

„Völlig unnötig, da Sie selbst zugegeben haben, dass Sie den Ring besitzen und den Stab!“, insistierte er vehement, dabei schielte ich zu Gellert, denn dem alten Kauz traute ich betreffend der Heiligtümer nicht über den Weg, hier war Vorsicht geboten.

„Das habe ich nicht!“, wehrte ich vehement mit Händen und Füßen ab.

„Sie haben den Ring der Auferstehung!“, beharrte er stur und ich winkte ab. „Und den Stab!“, beharrte er weiter.

„Wissen Sie was? Glauben Sie doch was Sie wollen! Aber ich erinnere mich noch gut an unseren letzten Streit; dieser war der Auslöser, dass ich mich entschlossen habe, das Buch rauszubringen, also hören Sie nun auf, mich zu ärgern!“, hisste ich genervt, da der Kopfschmerz langsam, aber sicher wieder aufzog.

„Ärgern! Ich habe versucht, Sie auf Ihre eklatanten Defizite hinzuweisen, indem ich Ihnen sagte, sie sollen nicht zulassen, dass Harry mordet und nun das!“, brüllte er so laut, dass ich versucht war, mir die Ohren zuzuhalten.

„Ich bin nicht für alles Böse dieser Welt verantwortlich!“, wies ich das von mir. Diesen bescheuerten Fluch hatte ich Harry nicht beigebracht, dafür war Gellert verantwortlich.

„Natürlich sind Sie schuld! Wenn sie DEN da“, deutete er erdolchend zu dem pfannenschwingenden Gellert, „nicht auf die Menschheit losgelassen hätten, wäre dieser zweite Mord nicht passiert! Harry sollte rein bleiben! Das war elementar!“, kreischte er nun schon fast. „Und dank euch beiden ist er nun zum doppelten Mörder mutiert!“, brüllte Albus anklagend und ich hatte nun schlicht meine Hände an die Ohren gelegt. War mir doch egal, wie dämlich ich gerade aussah.

„ALBUS jetzt reg dich doch mal ab… wenn du nicht schon tot wärst, würdest du an einem Herzkasper verrecken!“ Wegen dieser schlichten und sehr nüchtern vorgebrachten Worte von Gellert rang der Geist erregt und schier verzweifelt die Hände.

„Papperlapapp, Miss Grang… Miss… ach, auch egal, Sie müssen Harry den Ring geben… verstehen Sie, Sie müssen die Horkruxe zerstören!“, drang Albus nun fast schon beschwörend in mich und fuhr jetzt eine ganz andere Schiene, sodass ich erst mal wieder einen Schluck trank.

„Oh, wollen Sie auf einmal mit mir wie mit einem normalen Menschen reden? Ich bin fassungslos!“, raffte ich mich dann doch auf, dabei spürte ich die drängenden Blicke von Gellert auf mir. „Aber wie ich schon sagte, ich habe weder das eine noch das andere!“ Ich würde nicht so blöd sein, einem lebenden Teil der Jäger der Heiligtümer gegenüber zuzugeben, dass ich das besaß, was er begehrte.

Ich wollte Gellert nicht das seit Jahrzehnten gesuchte Kleinod vor die Nase halten und dann mit den Konsequenzen leben.

„Ich glaube Ihnen kein Wort!“, murrte Albus nachtragend.

„Sie glauben mir grad gar nicht, wie gleichgültig mir das ist!“, biss ich in den Pancake, den Gellert mir zubereitet hatte, und aß ihn genüsslich auf, ohne weiter auf Albus einzugehen. Ich brauchte Ruhe und die holte ich mir gerade.

Schweigend nahmen Gellert und ich unser Lunch zu uns und ignorierten Albus gekonnt und während Gellert summend das Geschirr säuberte, blickte er so inbrünstig zu mir, dass ich wusste, er war nun bereit und meine Schonfrist abgelaufen.

„Da wir nun gesättigt sind, machen wir weiter. Heute ist ein bedeutender Tag für die Nekromantie, aber auch insbesondere für die SoulGatherer“, kam es vielsagend von ihm. Die Gewichtigkeit lag in seinem Gebaren und ich schluckte unwohl und schüttelte gerade meinen Kopf.

„Weil wir uns da so gut auskennen“, murmelte ich düster, wenig über Gellerts Begeisterung erfreut, die in seinem Ton mitschwang. Für meinen Geschmack machte ihm das Ganze gerade viel zu viel Spaß.

„Immer positiv, Sonnenschein, wenn du fertig bist, gehen wir in einen Wald!“, verkündete er fast verzückt und meine Augen verengten sich zu Schlitzen.

„Ich bin das Versuchskaninchen! Um was zu tun?“

„Was wohl? Tse, leider müssen wir den da mitnehmen“, zeigte er sich selbst irgendwie nicht besonders begeistert über die Aussicht, Albus dabei zu haben, und ich schnaubte.

Tja, wie gesagt, es war nicht zu ändern, da Albus halt nun mal an Gellert gebunden war und so gingen wir zu dritt in den Wald, um mein Ritual zu begehen. Ich musste die Inferi zufriedenstellen, damit sie gesättigt in Ruhe der Dinge harrten, die da heute an diesem besonderen Tage für mich noch kommen sollten.

Ich fröstelte, denn ich war mir hier im Wald der beobachtenden, taxierenden und bewertenden Blicke der zwei alten Männer bewusst, aber mittlerweile pragmatisch und kaltschnäuzig genug, es zu ignorieren.

Ich fräste also mal wieder das Pentagramm in den harten Boden, um alle Vorbereitungen für das schwarzmagische Ritual abzuschließen, dabei gingen mir diese Handgriffe ganz routiniert von der Hand.

„Woher hast du noch mal den Hahn bekommen?“, wisperte Albus zu Gellert, denn auch wenn ich sie nicht weiter beachtete, so war ich mir ihrer Gegenwart doch sehr bewusst.

„Na diese Trollbraut will sich ja immer einmischen und mir Gutes tun und glaub mir, Albus, ich habe sie davon überzeugt, dass nur ein Gockel mich glücklich machen kann“ Ich biss mir bei seinen so sarkastischen Worten brutal auf die Lippe. „Dann soll sie halt mal das tun, was man ihr aufträgt und hey, das ist ein Prachtexemplar!“, lobte er das gackernde Vieh.

Sobald ich das Innere des Pentagramms betrat, lauerten meine Inferi auf mich, da sich der Kontakt zu ihnen mittlerweile sofort aufbaute und es wie am Schnürchen lief. Ich war bei ihnen und sie bei mir.

Meine Augen leuchteten schon strahlend weiß auf und ich konnte Albus wegen meines eigenwilligen Anblickes keuchen hören, während Gellert frohlockte. Ihm schien das alles durchwegs zu gefallen. Wie nebenbei betete ich die lateinische Formel aus dem „Grimoire“ herunter, die ich auswendig beherrschte.

Gellert war noch nie live dabei gewesen, wenn ich dieses uralte Ritual wirkte und er schien begeistert zu sein, wie ich seine Lehren über dieses Thema angenommen hatte. Schließlich ging ich auf die Knie und zückte meinen prächtigen Dolch, den Ritualdolch, den mir Lucius geschenkt hatte.

„Gellert, bist du irre? Sie vollzieht eine „Rote Blutmesse“!“, ereiferte sich der Geist, der wahrlich nicht doof war und erntete nur meinen innerlichen Spott.

„Sehr gut, Albus, ich dachte schon, deine geheuchelte und vorgespielte Ehrbarkeit hätte dir alles ausgetrieben!“, kabbelten sie sich fröhlich, aber sie störten mich nicht, da ich dieses Ritual schon im Schlaf vollziehen konnte.

„Urrrhh!“, würgte Albus theatralisch, als ich dem Hahn gekonnt an die Gurgel ging.

„Sei froh, dass es kein Mensch ist!“, kam es eiskalt von Gellert und Albus knurrte als Erwiderung auf diese Provokation hin.

Wie ein altes Ehepaar. Ich arbeitete in absoluter Ruhe, schnitt mich und vermischte das Blut, was Albus nur noch mehr aufzuregen schien.

„Ohh, ich traue ihr auch die Anthropophagie zu!“, motzte Albus und er wusste gar nicht, wie nah er an den Tatsachen dran war, da ich die „Menschenfresserei“, wie er so schön formulierte, schlussendlich in den Höhlen, mit dem Lord, schon praktiziert hatte, als ich das Blut meines Opfers zu mir genommen hatte.

Mein Blutcocktail war fertig. Als ich den Kelch anhob und zum Trinken ansetzte, erkannte ich mal wieder sehr deutlich, dass mir der metallische Geschmack schon gar nichts mehr ausmachte, dafür trank ich das hier zu oft und man sage mal nicht, dass der Mensch kein Gewohnheitstier war. Selbst an die Verschiebung meiner Wahrnehmung, aufgrund der weißen Augen, hatte ich mich schon vollständig gewöhnt und fand es nicht mehr störend.

Bestimmt war ich ein unheimlicher Anblick. Ich wollte nicht wissen, wie ich auf die beiden Alten wirkte!

Es war mir aber gleich, denn ich fühlte die selige Zufriedenheit der Inferi und schluckte das zähe Gebräu entschlossen hinunter. Mittlerweile würgte ich gar nicht mehr, nicht dass mir dieser ganz eigenwillige Geschmack jetzt zusagte, aber der Würgereiz blieb zum Glück aus, sonst hätte mein Auftritt auch empfindlich gelitten.

„Himmel, eine Blutmesse, das hast selbst du nie getan, Gellert!“, hauchte Albus betroffen und erschien aufrichtig erschüttert.

„Nein, für mich war es nie nötig!“, meinte dieser zweideutig, denn dass er in der Lage oder auch Willens gewesen wäre es zu tun, stand für mich außer Frage.

„Ohhhh, um aller Magier willen!“, rief Albus aufgebracht, da ich in diesem Moment die Augen aufschlug, den Pokal weglegte und zu ihnen rüber sah.

„Sieht sie nicht wunderschön aus!“, „Pervers!“, „Bezaubernd!“, „Zum Abgewöhnen!“

„Hör auf, so zu schwärmen, man könnte annehmen, du wärst verliebt!“, grollte Albus zu dem schwärmerisch zu mir blickenden Gellert.

„Vielleicht bin ich es ja!“, provozierte Gellert und ich bemerkte regelrecht, wie er um Albus‘ Aufmerksamkeit buhlte.

„Unfug, in ihre Macht vielleicht… diese Augen, die pure dunkle Magie“, passte diese Zustimmung Albus anscheinend auch nicht, da er sofort eine andere Möglichkeit zu finden versuchte.

„Unfug, wie ein Licht!“, wehrte Gellert entschieden ab.

„Diese Augen, in denen ich mich verloren habe. Sie saugen einen regelrecht ein, mir graust dieser Anblick!“, schüttelte es den Geist und ich verstand, was er sagen wollte. Den Sog würde auch ich nie vergessen.

„Ich unterbreche nur ungerne euren Disput, aber ich wäre hier fertig!“, erhob ich mich nun und trat aus dem Pentagramm, dabei flackerte mein Blick und ich sah sie wieder mit normalen Augen an.

„Oh ja, natürlich… wollen wir von hier gleich aufbrechen?“

„Ja, bitte!“, entgegnete ich sehr entschlossen, da ich wusste, ich musste mich dem heute stellen, ob ich wollte oder nicht. Mein Schicksal würde sich am heutigen Tage für immer entscheiden und keiner würde mir großartig helfen können.

An Lughnasadh würde sich alles entscheiden!

_________________
Nach oben Nach unten
queenie
Königin
Königin
avatar

Anzahl der Beiträge : 1423
Anmeldedatum : 08.02.12
Alter : 36
Ort : München

BeitragThema: 452. Lughnasadh    Di März 11, 2014 7:19 pm

452. Kapitel Lughnasadh

Uns empfing in der Burg ein riesengroßer Trubel, doch sehr unerwartet. Dieses Chaos hatte ich so nie und nimmer vorausgesehen. Alle rannten gehetzt durch die Gegend und wir drei schauten uns durchaus irritiert an.

Sofort keimte die Sorge in mir auf, dass etwas passiert war und die VenTes einen Einsatz hatten.

„Was geht hier vor?“, wisperte ich leicht panisch.

„Hey, du!“, befahl Gellert mit einem Schnips zu Adrian hin, welcher ihn stoppte. Sofort musterte uns der Slytherin mit einer gewissen Arroganz. „Was geht hier vor?“

„Was machen sie hier? Wir können sie gerade hier nicht gebrauchen!“, fauchte Adrian uns sichtlich erregt an, aber die rüden Worte schienen Gellert nicht wirklich zu beeindrucken.

„Das sehe ich anders und jetzt sprich!“, forderte Gellert ganz souverän und ruhig, während ich beobachtete, dass Albus ein wenig herumwanderte und sich den Aufruhr interessiert besah. Ich konnte Adrians Hadern deutlich erkennen und wusste, dass mein Begleiter nicht locker lassen würde und ganz ehrlich, ich wollte weiter, ich wollte das hinter mich bringen.

„ADRIAN!“, warf ich deshalb beinahe befehlend ein und nach einem widerwilligen Blick zu mir stöhnte er leise, wegen seiner unfreiwilligen Aufgabe.

„Wir wissen nicht, was gerade passiert. Der Teufel ist los. Die Zauber spielen verrückt, es ist wie verhext! Der Alarm schlägt an, aber es gibt keinen Grund!“, stieß Adrian aufgelöst hervor und blickte irritiert auf die umher huschenden Personen.

„Was heißt das?“

„Eigentlich? Dass wir angegriffen werden, tatsächlich passiert aber gar nichts. Wir zaubern schon wie verrückt, aber es wird immer schlimmer!“, erklärte er auf meine Frage hin weiter und daraufhin verengte ich die Augen zu Schlitzen, denn in Intervallen nahm ich das laute Wispern der Stimmen wahr, obgleich ich erst vorhin mein Ritual abgehalten hatte. Das war sonderbar und beunruhigte mich.

„Oh, Mist, das ist ärgerlich!“, warf Gellert sparsam ein, sprach aber eher mit sich selbst und anscheinend reagierte niemand mehr auf seine Spleenigkeit, während er gedanklich meilenweit weg war.

„Was habt ihr nun vor?“, drang ich weiter vor.

„Marcus überlegt, zu evakuieren!“, bekannte er hektisch, da sich die unsichere Stimmung, weil jeder Furcht hatte, gegen einen Feind zu kämpfen, den man weder sah noch hörte, verbreitete.

„Unnötig!“, bescheinigte Gellert absolut forsch.

„Was, wie bitte?“, hisste Adrian ungläubig und blickte aufgebracht zu Gellert.

„Wie ich es sage, das wird nicht nötig sein! Dieser Teil der Burg ist absolut sicher, sehr sicher… davon abgesehen, dass es Schwankungen bezüglich der Banne und Schutzflüche gibt, hat hier niemand etwas zu befürchten! Seid also ganz ruhig und schaltet den Alarm ab“, kommandierte er befehlsgewohnt.

„Sie sind senil!“, fauchte Adrian ungehalten, weil er sichtlich an Gellerts Geistes- und Gemütszustand zweifelte. Ich selbst mischte mich nicht ein. Stattdessen ballte ich meine Hände zu Fäusten und versuchte, mich nicht so von den ganzen Geräuschen, die auf mich einströmten, ablenken zu lassen.

„Die Schleier werden dünner“, murmelte Luna plötzlich, während sie verträumt an uns vorbei tänzelte und mir nett zu winkte.

„Rolf, wir sollten gehen“, zierte ihre Miene ein absolut liebliches Lächeln. Dann wurden wir alle überrascht, weil sich Gellert erstaunlich agil für sein Alter bewegte und die erschrockene Luna packte.

„Ohhh“, stieß sie überrumpelt aus, da er sie fest am Oberarm packte.

„Hey, lass sie los!“, „Pfoten weg von ihr!“, brüllten Adrian und Rolf sofort los.

„Oh, nichts da… Sie, junge Dame, genau Sie habe ich gesucht! Sie werden nicht gehen“, beschied Gellert allen, dabei blickte er Luna tief in die Augen, während sie ihn genau musterte.

„Wassss? Warum wollen Sie mich?“, versank Luna fast in Gellerts Blick, dabei zog sie die Stirn kraus.

„Ja, Sie wären genau die Richtige… Sie und Ihr zweites Gesicht!“, murmelte er leise, während wir anderen uns recht überrumpelt anstarrten. Ich meine, was wollte er mit Luna?

„Spinnen Sie Gellert, sie wird nicht mit Ihnen gehen… mit EUCH!“, fasste sich Adrian dann recht schnell und fuchtelte mit einer Geste durch die Luft, aber Gellert hatte es sich zur Aufgabe gemacht, niemanden außer Luna zu beachten, selbst Albus hielt sich bis jetzt erstaunlich zurück, oder aber er war auch zu gefesselt von dem, was den Alarm auslöste, als dass er uns Aufmerksamkeit schenken konnte.

„Miss Lovegood, also… würden Sie mir die Ehre erweisen und uns helfen?“, fragte Gellert erstaunlich höflich und Luna gingen regelrecht die Augen über, weil er plötzlich ihren Namen kannte und auch noch schrecklich charmant sein konnte, wenn er denn wollte.

Mich machten seine Worte geradezu sprachlos. Er wollte sie wirklich mit uns nehmen? Als Hilfe! Aber ich wollte keine Zeugen, das war für mich selbstredend. Was sollte das? Ich wollte einschreiten, aber man kam mir zuvor.

„Warum sollten wir sie brauchen?“, fragte Albus recht irritiert und ich nickte in seltener Eintracht hektisch mit meinem Haupt, denn ich gab Albus recht, auch wenn ich eher meine Zunge verschlucken würde als es laut auszusprechen. Sogleich fuhr Gellert zu uns herum und musterte uns beide mit so etwas wie Verachtung, wegen unserer Inkompetenz, im Blick.

„Weil wir sie brauchen könnten. Sie bemerkt mehr als ihr denkt, denn sie hat eine gar seltene Gabe! Sie wäre uns eine Hilfe!“, erklärte er, während uns Adrian, Rolf, Luna und noch der ein oder andere erstaunt musterten. Diese Aussage von dem ehemaligen Dark Lord zu hören, war überraschend und fast so was wie eine Adelung ihres Könnens, das oft als Spleen abgetan wurde.

„Nein, sie sollte nicht dort sein“, wollte ich vehement verhindern, dass sie mitbekam, was für eine Prüfung mit persönlich bevorstand. Ich wusste nicht, was passieren würde, denn man konnte nicht absehen, was alles offenbart werden würde. Ihre Anwesenheit würde ein unkalkulierbares Risiko sein.

„Doch, Sonnenschein.“

„Nein, das wäre ein Risiko“, meinte ich entschieden und neben mir nickte Albus in seiner durchscheinenden Gestalt aufregt. Wie schön, dass auch wir mal einer Meinung waren. Dieser Tag sollte in die Geschichte eingehen.

„Ein kalkulierbares Risiko“, entgegnete Gellert sehr überzeugt, während so etwas wie ein sturer, verbohrter Blick in seine so blauen Augen Einzug hielt.

„Moment! Stopp! Was habt ihr zwei vor?“, schaltete sich Adrian misstrauisch ein, während Luna nachdenklich den Kopf hin und her wiegte.

„Nichts Gutes!“, wisperte Albus gehässig.

„Ein Experiment“, servierte Gellert durchwegs charmant.

„NEIN, das kommt gar nicht in Frage!“, rief Rolf, Lunas Freund, erregt und wollte sich vor Luna schieben, aber sie berührte sachte seinen Arm und kuschelte sich liebevoll an ihn, sodass er irritiert zu seiner Freundin hinuntersah.

„Sorge dich nicht, Rolf, denn ich denke, das könnte spannend sein“, murmelte sie leise. „Außerdem glaube ich, dass sie mich brauchen könnten… bei ihrem Experiment? Oder?“

„Sie erkennen, wann es an der Zeit ist, zu neuen Ufern aufzubrechen“, schmeichelte ihr der alte Tropf gekonnt und sie lächelte ihn versonnen sanft an. „Hermione braucht mich, dann helfe ich ihr“, schränkte das Mädchen dann plötzlich doch sehr hellsichtig ein und ich machte große Augen.

„Luna…“, brach meine Stimme, als sie mich offen mit ihren verklärten blauen Augen anblickte. Aber nicht nur ich schien wegen ihrer Kooperationsbereitschaft sprachlos zu sein.

„Nicht ohne mich!“, ereiferte sich Rolf, der nun seine Freundin unterstützend an sich presste. „Ich will dich beschützen, wenn du dich schon immer in Gefahr begibst.“

„Für meine Freunde tue ich das gerne!“, bekannte Luna, während Albus ein wenig theatralisch die Hände über dem Kopf zusammenschlug.

„Wenn die liebe Miss Lovegood wüsste, wie Sie wirklich sind! Sie und ein Freund… wie abwegig“, giftete Albus fröhlich vor sich hin. Wie gut, dass ihn niemand hörte.

„Ich würde dich nie aufhalten, aber alleine lass ich dich nicht!“, blieb Rolf unnachgiebig.

„Das geht nicht!“, schob nun Gellert dazwischen.

„Entweder mit ihm, oder gar nicht!“, säuselte Luna hinterhältig und hier zeigte sich, warum sie eine schlaue Ravenclaw war.

Ich wusste bis jetzt nicht, was er von ihr wollte, das Problem war nur, dass mir die Stimmen wieder zusetzten. Obgleich das Ritual dies bisher gekonnt zurückgedrängt hatte, wirkte es heute, an diesem besonderen Tag, irgendwie nur wie ein Tropfen auf heißem Stein und trieb meine Geduld an den Rand des Belastbaren.

Gellert trug den stursten Gesichtsausdruck, den man sich vorstellen konnte, daher wusste ich, ich konnte mir die Spucke sparen.

„Aber er hat sich zurückzuhalten!“, beschied Gellert eisig, als er sich zu der Tür wandte, die mir in meinen Albträumen begegnete.

Die Kellertür! Ich wollte da nicht runter!

„Luna? Warum wolltest du gerade noch gehen, aber nun bist du bereit, zu bleiben?“, flüsterte Rolf besorgt zu Luna hin und sie lächelte hintersinnig.

„Mhmhm… weil es etwas zu entdecken gibt. Und wir können Zeugen von etwas Besonderem werden, das spüre ich.“ Ich blinzelte wegen ihrer wirren Erklärung. Das Mädchen machte mir Kopfschmerzen.

„Gellert, wir brauchen Luna nicht, das ist zu…“, begann ich eilig und fuhr mir mit zitternder Hand durch mein Haar.

„Gefährlich“, schaltete sich Albus hilfreich ein.

„Wie schön, dass ihr euch einig seid, aber ich denke, zwei Augenpaare sehen mehr als eines, also seid jetzt leise und folgt mir“, bestimmte Gellert, der sich nicht bremsen ließ.

„Wohin gehen wir überhaupt?“, murmelte ich düster, da ich durch das Gewisper fast nichts mehr mitbekam und mich kurz an der kalten, moosüberwucherten Wand abstützen musste.

„Das siehst du gleich!“, meinte Gellert unbekümmert, bevor er bemerkte, dass wir verfolgt wurden.

„Jüngelchen, was soll denn das?“, wandte er sich geschäftig an Adrian. „Vertrauen Sie mir doch, mein guter Junge. Der Burg passiert nichts. Der Grund oder besser die Ursache für all ihre Probleme mit den Zaubern liegt tief in den Höhlen verborgen… dort ist es unsicher, für alle und für jeden, aber hier oben nicht und das wird sich nicht ändern. Es ist, wie schon die vielen anderen Jahrhunderte davor, sehr sicher.“

„Wasss… was? Sie meinen, der Grund, warum dort alles verlassen ist, klärt sich nun?“, stolperte Adrian mehr als nervös hinterher und ich verstand nur Bahnhof, wobei mich Lunas Hand am Arm berührte.

„Geht es?“, fragte sie besorgt und ich biss mir auf die Lippe, während ich abgelenkt nickte.

„Schlaues Kerlchen“, verkündete Gellert irgendwie verächtlich. „Wir sind dann mal weg… komm, Sonnenschein!“, ging er frohgemut pfeifend die nassen, düsteren Gänge des Keller entlang, doch ich stoppte sofort, noch immer von Luna gehalten.

„Nein, keine zehn Pferde bringen mich da weiter… runter!“, stieß ich rau aus. Mir stand der Schweiß auf der Stirn, denn mir kam es vor, als hätte ich nicht erst vor ein paar Minuten mein Ritual abgehalten, sondern es monatelang vergessen. Ein Tropfen löste sich aus meinem Haaransatz und rann mir über die Schläfe und die Wange hinab, bevor ich ihn mir fahrig von der Haut wischte.

„Führe dich nicht wie ein Kleinkind auf!“, fuhr mich Gellert so rüde an, dass sowohl Luna als auch ich zusammenzuckten. Doch nun bemerkte er zum ersten Mal, wie fertig ich wohl schon aussah, da sich seine Augen verengten.

„Wenn du dich nicht zusammenreißt, muss ich dich ausschalten. Du wirst dich deinem Schicksal stellen und du wirst deinen Hintern da runter bewegen! Vorwärts!“, schalt er mich wirklich wie ein Kind. Ich bemerkte, dass immer mehr hinter uns stoppten. Anscheinend war Adrian nicht der einzige, der uns folgte, somit biss ich die Zähne zusammen und eilte entschlossen weiter, denn ich wollte nicht, dass Harry oder sonst wer mitbekam, was Gellert und ich vorhatten.

Nur leicht war es nicht. An meinem Hals schlug meine Schlagader so fest, dass ich sie unangenehm wahrnahm. Dies ließ mich hart schlucken. Meine Handflächen waren ganz feucht. Schließlich erreichte ich endlich den verborgenen Durchgang und Gellert stoppte um mich hindurch zu schicken.

Ich registrierte gar nicht mehr, wohin ich gesteckt wurde. Es war eine Nische, oder so was Ähnliches. Als Gellert meinen Finger packte, spürte ich nur noch eine kleinen Stich, bevor es mich wegriss und ich dann keuchend aufschlug.

Es hatte mir den Boden regelrecht unter den Füßen weggezogen. Als ich in diesen unterirdischen Katakomben ankam, schlug mir ein Schwall von Schreien entgegen. Ich presste die Hände auf die Ohren und rollte auf dem Boden weg von der Stelle, an der ich aufgekommen war.

Im Nachhinein betrachtet war es genau das Richtige, was ich tat, da ich von den anderen, verfolgt wurde, die über den gleichen Weg kamen wie ich. Zuerst erschien Gellert, dann Luna und Rolf.

„Hermione, geht es dir gut?“, eilte Luna auf mich zu und fasste mich besorgt an der Schulter, während ich den Kopf gesenkt hielt und damit kämpfte, meine Augen und meine Wahrnehmung unter Kontrolle zu halten, dabei presste ich noch immer meine Hände kindlich an meine Ohren.

Ich zitterte und rang mit mir, raffte mich mit ihrer Hilfe aber langsam wieder auf. Unter Albus‘ skeptischen Blicken stemmte ich mich wie eine alte Frau hoch. Sofort packte mich nun Rolf am Arm und hielt mich eisern fest, gab mir Halt, während ich noch leicht schwankte.

„Da… danke“, stieß ich atemlos aus und fragte mich, wie das enden sollte, wenn ich jetzt schon derart hilflos war. Unterdessen schauten mich die Unwissenden an, wie mit großen Eulenaugen. Für sie war es unverständlich, was ich hatte, da für sie die Umgebung absolut, oder auch relativ normal war.

„Mhm… Hermione… wenn dir das so wehtut, warum gehen wir hier her? Ich weiß selbst, hier ist es immer so beklemmend, aber anders als sonst, Mr. Grindelwald, es ist heute ziemlich unsicher hier. Als würden Grenzen verschwinden und Schleier fallen!“, ging Luna, nachdem sie mich in den Händen ihres Freundes wusste, auf Gellert zu.

„Wohl gesprochen, Miss Lovegood! Wir sind an einem Punkt, an dem sich entscheidet, wie es für den Sonnenschein hier, aber auch für so viele andere, weitergeht. Folgen sie mir alle!“

„Und wie geht es Ihnen jetzt?“, wirkte Albus hingegen rundum zufrieden. Er schien regelrecht gehässig erfreut, dass es mir so richtig schlecht ging, dabei schenkte ich meiner Umgebung überhaupt keine Aufmerksamkeit.

Ich hatte genügend mit mir zu kämpfen, da ich fast durchgängig damit beschäftigt war, an dieser Wahrnehmung festzuhalten. Obgleich ich noch durch meine normalen Augen sah, herrschte in mir das Gefühl vor, wie durch einen Nebel zu sehen, deshalb blinzelte ich auch wie eine blinde Eule und stolperte stur, mit der Unterstützung von Luna und Rolf, vorwärts, meinem ungewissen Schicksal entgegen.

Hermiones Sicht Ende

Dracos Sicht

„Endlich!“, stieß ein sichtlich mitgenommener junger Mann aus, dem sichtbar das Jaulen der Sirenen zusetzte.

„Was passiert hier, Marcus?“, fragte ich betont ruhig, aber auch sichtbar alarmiert wegen des Aufstandes, der hier herrschte.

Gerade zu den Kellerräumen war ein wahrer Auflauf auszumachen, während ich mir müde durch mein Haar fuhr. Diese Aktion im Dark Manor, mit der Bestrafung der Idioten, war nicht ohne für mich gewesen. Mich jetzt gleich wieder einer neuen Aufregung gegenüber zu sehen, war nicht wirklich erbaulich, aber nicht zu ändern, somit unterdrückte ich heldenhaft mein Stöhnen.

„Draco, gut dass du kommst! Adrian! Hier will jemand hören, was du zu sagen hast!“, brüllte Marcus und der blässlich und leicht überfordert aussehende Adrian stolperte auf mich zu.

„Moment, warum seid ihr alle derart konfus?“, wollte ich erfahren. Meine Männer brachte schon lange nichts mehr derart aus dem Konzept.

„Merkst du es nicht? Die Zauber flackern und verschwinden“, begann Marcus sofort zu antworten.

„Doch, natürlich, es ist wahrlich nicht zu überhören! Und ich wäre sehr dankbar, wenn jemand diesen Krach abschalten könnte. Wollt ihr evakuieren?“, gab ich geschlagen zurück und rieb mir über die pochenden Schläfen.

„Nun, Grindelwald behauptet, dass die Burg sicher ist!“, zweifelte Adrian in misstrauischem Ton. „Er behauptet, dass die Gefahr in den unterirdischen Bereichen liegt, dass wir aber ansonsten unbesorgt sein sollen.“

„Echt, sagt er das? Wo ist er?“, surrte mein suchender Blick über die versammelte Meute, bestehend aus DA, BL und VenTes.

„Hallo, wo ist sie?“, hechtete Potter nervös aussehend zu uns und drängte durch die dichte Masse, worauf Adrian sofort auf die Keller deutete.

„Wo ist wer?“, wollte ich mit einem tiefen Seufzen erfahren. Irgendwie kam es mir vor, als würde ich gerade einiges verpassen.

„Hermione! Wo ist sie?“, wollte Potter atemlos erfahren.

„Sagte ich doch, dort unten… sie haben das Portal benützt!“, bekannte Adrian und ich riss die Augen weit auf. Bitte?

„WAS? Warum? Selbst Gellert hat gesagt, dass sie es dort nicht mag“, hauchte Potter sprachlos und ich verzog die Miene. Ich wusste das auch, deshalb war es umso merkwürdiger, dass er sie dort unten haben wollte und sie wirklich mitging.

„Und woher weißt du das so genau, Potter?“

„Weil er dort unten mit mir trainiert“, antwortete er sofort und ich stöhnte auf, das verdrängte ich immer sehr gut und gekonnt, da es mir nicht gefiel. „Aber wenn er selbst sagt, es ist nicht gut für sie… was ist hier überhaupt los?“, wollte nun auch Potter wissen.

„Wo warst du eigentlich?“, wollte Marcus wissen.

„Pansy hat mich geholt! Ich war oben“, deutete er auf die Zimmerdecke.

„Ach und der Krach stört dich nicht?“, ätzte ich böse, worauf er das Gesicht verzog.

„Doch aber ich dachte nicht, dass es wichtig ist“, gab er abwehrend zurück.

„Du bist so hohl, Potter“, murrte ich leise, bevor mir Marcus ins Wort fiel.

„Es ist wichtig, auch wenn Gellert behauptet, wir sollen die Zauber einfach ausschalten, weil keine Gefahr für uns droht. Die Zauber, es ist komisch, die Stimmung ist anders!“, versuchte dieser alles zu erklären. Daraufhin schlug sich Potter wenig zärtlich, ziemlich laut gegen die Stirn.

„Lughnasadh!“, stieß Potter plötzlich ziemlich weiß im Gesicht aus.

„Häää?“, wandte dann auch sofort sein erschreckend schlauer Freund an seiner Seite ein. „Was soll das sein?“

„Und was soll dieses Fest damit zu tun haben?“, fragte ich deshalb gelassen. Natürlich sagte mir dieses heidnische Fest etwas, aber es hatte schon lange keine große Bedeutung mehr für uns Magier.

„Keine Ahnung, aber wenn wir dort unten waren, hat Gellert die ganze Zeit nur dieses Wort gesagt und als ich nachgefragt habe gemeint, dass sich dort alles entscheiden würde… an diesem einen besonderen Tag!“, erklärte Potter nun rasch.

„Und jetzt ist Hermione mit ihm dort?“, hauchte ich bestürzt. „Himmel, Potter, du bist so derart hohl, dass es schon wehtut!“, kam Leben in mich, denn Gellerts Wortwahl gefiel mir gar nicht.

„Ja, was ist denn das genau? Gellert sagte, ein heidnisches Fest!“, begehrte Potter auf, während die Menge um uns herum nicht weniger wurde.

„Ach!“, kam es wütend von mir und ich stürmte vorwärts, weg von dieser Versammlung von Neugierigen, hin zu Hermione, um zu ergründen, was das alles sollte.

„Warte verdammt, Draco!“, brüllte Marcus mir ungehalten hinterher, aber mir war es gleich. Ich würde diese einsame Zusammenkunft stören. Laut polterte es hinter mir, weil nicht nur ich in die unteren Tiefen stürmte. Ich vernahm noch: „Alicia, Angelina, ihr lasst niemanden runter!“, bevor mich die Kerker verschluckten.

Aber mich hielt nichts mehr, denn ich musste ergründen, was die dort trieben. Vor allem beschlich mich von jetzt auf gleich eine innere Unruhe, so als würde sehr bald etwas passieren und meine Müdigkeit verpuffte rasant.

Schnell erreichte und aktivierte ich das Durchgangstor, dabei bemerkte ich am Rande, dass sowohl Marcus, Adrian, Blaise aber auch Potter und Weasley mit heruntergekommen waren.

Ich ließ mehr als rasant die erste Höhle hinter mir und gelangte schlitternd in die Höhle mit dem Altar, an dem Gellert sein Ritual durchgeführt hatte. Ich stoppte so abrupt es mir möglich war, wobei ich mit den Armen ruderte, da die Atmosphäre mehr als spannungsgeladen war und mir fast wie eine Barriere erschien.

„Ufff!“, keuchte ich. Es war, als würde man in einen dichten Nebel laufen, derart war die Atmosphäre hier aufgeladen. Ich wischte mir übers Gesicht, denn es kam mir vor, als läge ein hauchdünner Schleier wie eine Schicht auf meiner Haut. Fast war es, als wäre ich durch ein hauchfeines Spinnennetz gelaufen und dieses hätte sich über mein komplettes Gesicht gelegt.

„Shit, was ist das?“, „Fuck!“, „Was geht hier ab?“, „Himmel, Harry, so unheimlich war das noch nie hier!“, folgten die anderen sichtbar genauso schockiert wie ich, wegen dem, was sich hier unten zusammenbraute.

„Merlin!“, „Morgana!“, „Verfickte Scheiße!“, „Wie gruselig!“, polterten meine Begleiter, aber selbst ich stoppte erneut.

Hermione stand vor dem Altar, gekleidet in eine sackartige, schwarze Tunika, die von zu vielen grauen Schlieren umwickelt war, aber das Schockierende an ihrem Anblick waren die weißen Augen, die einem unheilvoll und wie zu helle Sterne aus dieser Düsternis aus ihrem schmalen Gesicht entgegen leuchteten. Es war ein irrer, unheimlicher Anblick.

Dann erklang ein hoher, kreischender Schrei, der uns allen durch Mark und Bein fuhr!

„AHHHHH!“ Ich wollte vorstürzen, zu ihr, als sie auch schon leblos fiel und ungehindert, hart auf dem Boden aufschlug, wo sie reglos liegen blieb.

Aber da riss es mich überraschenderweise zurück, weil mich jemand an den Schultern festhielt. Ich warf demjenigen einen bitterbösen Blick über die Schulter zu und zu meinem Erstaunen war es Rolf Scamander, der mich derart entschlossen, fest zurückhielt und davon abhielt, zu ihr zu eilen.

„Lass los!“, knurrte ich wütend auf, kurz fragte ich mich, wo der Typ herkam.

„Nein, keiner darf den Kreis überschreiten!“, presste er selbst recht atemlos und blass aufgrund des Geschehens hervor.

Erstaunlich war, dass das Sprechen hier in diesem schleierhaften Nebel auch mir echt schwer fiel und so blinzelte ich, wegen der Aussage, dass ich nicht zu ihr durfte. Deshalb war sie anscheinend auch ohne Hilfe gefallen, weil es niemandem gestattet war, zu ihr durchzudringen. Aber warum?

„Bleibt alle zurück!“, rief er nun noch bestimmter zu allen und schaute meine Begleitung finster an. „Wirklich, ihr könnt da nicht durch!“, verkündete er eindringlich, dabei schaute er Potter, dem sein Temperament wie so oft ins Antlitz geschrieben stand, ernst an. Alle anderen wirkten eher gelähmt vor Schock. Nach Scamanders Warnung nahm ich zum ersten Mal die ganze Szenerie genauer in Augenschein und erkannte, dass Hermione und den Altar nicht nur ein hell leuchtender Kreis umgaben, sondern drei, die förmlich mit ihren Augen um die Wette glühten. Die Kreise schienen sich tief in den weichen Boden gegraben zu haben, der den Altar umgab.

Im ersten Kreis konnte ich nun zu meinem großen Unverständnis Luna Lovegood ausmachen, die aufgeregt und sorgenvoll, aber auch sehr konzentriert die Luft anstarrte und uns gar nicht wahrzunehmen schien. Dann Gellert, der hinter dem Altar im zweiten Kreis stand und absolut ernst wirkte und dann Hermione, die im engsten, dem dritten Kreis lag.

Es war ein surrealer Anblick, dem etwas Mystisches, Magisches aber auch Brandgefährliches anhaftete.

„Gellert… der Schleier… er bekommt Risse!“, rief Luna Lovegood plötzlich erstaunlich kräftig durch den Nebel und sofort zuckte all unsere Aufmerksamkeit dorthin.

Dracos Sicht Ende

Hermiones Sicht

Ganz entfernt nahm ich wahr, dass Gellert das Ritual zu vollziehen begann.

Ich registrierte, wie nebenbei, dass er mich in einem Kreis einsperrte, aber ich war so mit der Aufgabe beschäftigt, unter allen Umständen stehen zu bleiben, dass es mehr an mir vorbeiging, was Gellert hier tat. Ich bemerkte nur entfernt, wie mich plötzlich das heiße Feuer hochlodernd umschloss und immer wieder um mich herum hoch züngelte. Ich war zwar körperlich anwesend, doch geistig war ich weit weg, wobei meine Sicht hier bei ihnen ganz schlecht und getrübt war. Es war, als hätte sich ein schwarzes Tuch über uns gelegt und verhinderte eine klare Sicht.

„So möge es sein!“, vernahm ich gerade noch seine tiefe, tragende Stimme, als das Ritual endete und auch wenn ich das stechende Pochen meiner Schläfen fühlte und wie die andere Wahrnehmung des anderen Seins an meinen Rändern kratzte, so schaffte ich es nach einiger Anstrengung, mich an meinen Part des Rituals zu erinnern und begann umgehend, wie einstudiert, mit meinem Text.

„Orbis alius“, rief ich immer wieder. Dies war der lateinische Begriff für eine andere, eine jenseitige Welt, die sich mir öffnen und offenbaren sollte.

„Vobis auctoribus umbrae non tacitas Erebi sedes Ditisque profundi, pallida regna petunt: regit idem spiritus artus, orbe alio!“

(„Nach eurem Zeugnis gehen die Schatten nicht zum schweigsamen Wohnsitz des Erebus und in das bleiche Reich des Dis: Derselbe Atem regiert die Glieder in einer anderen Welt.“)

http://de.wikipedia.org/wiki/Keltische_Anderswelt

Ich rezitierte den lateinischen Spruch, den mir Gellert eingebläut hatte, nachdem er ihn in einem alten, nekromantischen Buch gefunden hatte. Plötzlich, nach meinen letzten Silben, erhoben sich neblige, graue Schwesternschlangen und ragten bedrohlich vor mir auf. Sie erschreckten mich und ich schnappte hektisch nach Atem. Auf mich prasselten derartig viele Empfindungen ein, dass mir schwindelte, denn das Wispern verstummte zu keinem Zeitpunkt.

Diese Schlangen vor mir zu sehen, war beunruhigend, da ich mir nicht sicher war, ob sie auch die anderen sahen. Während sie sich drohend vor mir aufbauten und mit zischelnder Zunge zu mir hissten, wechselte ich in meine andere Wahrnehmung. Meine Augen wurden schlagartig weiß, der White-Eye-Effect kam abrupt über mich. Sofort wirkten diese Schlangen sehr viel plastischer in ihrer Bedrohlichkeit und es war, als glitten sie über schwarze, sich aufbauschende Seide. An sich waren sie wunderschön geschmeidig und dramatisch in ihrer Angriffslust, die ihnen ins tierische Antlitz geschrieben stand.

Ich sah mich ihnen hilflos gegenüber, nun, da sie nicht mehr nur schattenhafte, neblige Gestalten waren, sondern durchaus wirklich in ihrer Körperlichkeit. Gellert hatte mir meinen Zauberstab und meine Dolche abgenommen, mit den durchwegs beruhigenden Worten, dass ich „rein“ sein müsste, wenn ich mich dieser anderen Seite stellte. So konnte ich nichts tun, als nur wie erstarrt dazustehen und abzuwartend, während sich diese beiden Viecher so leicht wie Rauch um meinen Körper wandten und mein Atem schneller wurde, da sie mich regelrecht mit ihren langen Leibern fesselten und meine Bewegungsfreiheit sehr einschränkten.

Es war beengend und beklemmend. Mir brach der Schweiß auf der Stirn aus und dann passierte es, es war wie ein Schlag auf meine Brust, als sich die Schlangen zusammenzogen und ich schrie.

„AHHHHH!“, presste es mir die dringend benötigte Atemluft aus den Lungen, worauf ich fiel und fiel, immer weiter ins Nichts!

Ich schlug ungehindert auf dem harten Boden auf, fiel ihm mit weit aufgerissenen Augen, unfähig etwas zu tun, entgegen, bis ich hart aufschlug und leblos liegenblieb. Aber das Spannende war, was ich während des Fallens erlebte, denn es war, als würde sich für mich der Schleier zum ersten Mal vollständig lüften. Als würde mir ein Tor geöffnet werden und alle verschwommene, oder ungenaue Wahrnehmung veränderte sich und wurde scharf, markant und plastisch.

Auch fiel ich hier, in dieser anderen Ebene, nicht auf den Boden, sondern stand plötzlich in dieser unwirklichen Umgebung, die so gar nichts mit der Höhle auf sich hatte, in der ich bisher gewesen war.

Ich war ganz wo anders!

_________________
Nach oben Nach unten
 
Kapitel 451-452
Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 1 von 1
 Ähnliche Themen
-
» Ludwig Revolution: Kapitel 15 & 16
» Das letzte Einhorn - Kapitel 09 - 11
» Tsubasa: Kapitel 026 - 030
» Seelen: Kapitel 26 - 28
» Seelen: Kapitel 47 - 49

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
When Hermione Fights :: When Hermione Fights :: Kapitel 451-500-
Gehe zu: