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 Kapitel 455-456

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queenie
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BeitragThema: Kapitel 455-456   Di Apr 01, 2014 6:50 pm

455. Kapitel SoulGatherer


Severus Sicht

Ich saß in meinem neuen Reich, das ich gar nicht haben wollte, und arbeitete mich durch eine neue lästige Aufgabe hindurch.

Diese war an Stupidität nicht zu unterbieten. Ich musste Pläne für die Schulstunden erstellen. Es war unvorstellbar banal und langweilig. Ich sehnte mich bereits nach meinem Bett, denn es war spät, aber ich wollte meine Arbeit zuerst beenden.

Ich stöhnte mitleidig, als ganz plötzlich all meine Sinne anschlugen, da meine Tür in Spinners End betätigt wurde. Sofort war ich angespannt und auf der Hut, denn nur wenige kannten dieses Haus.

Ich fackelte nicht lange und los ging´s, sofort ließ ich meine öde Aufgabe fahren und stürzte mich ins Ungewisse. Ich nützte schlicht und ergreifend meine neue Macht und apparierte direkt aus meinem Büro aus Hogwarts heraus.

Und schon landete ich in meinem verhassten Elternhaus. Umgehend riss ich die Tür auf, doch bevor ich eine Tirade loslassen konnte, musste ich diese ungewöhnliche Kombination in mir aufnehmen und fand mich mit dem furchtbar aussehenden Draco konfrontiert, erschreckend blass im Antlitz, eskortiert von diesem Ronald Weasley, der gewöhnlich an Potter klebte, aber gerade ebenfalls grünlich anzusehen war, so lüpfte ich nur eine Braue.

„Wa…?“, kam ich nicht mal dazu, auszusprechen, da sie mich sofort überfielen.

„Komm sofort!“, forderte Draco eindringlich und alles an seiner Stimme, seiner Tonlage, seiner Haltung spiegelte den Horror in ihrer beider Augen wider und das ließ mich keine Sekunde zögern.

„Wohin?“, fragte ich daher schlicht.

„Halt dich fest!“, packte Draco auch schon meine Hand und sprang.

Die Apparition war hart und wir landeten unsanft auf einem alten ausgetretenen Steinboden. In einer alten Burg, wie ich mit einem raschen Blick erkannte, dabei runzelte ich die Stirn, viele Menschen schienen hier zu sein. Sie liefen aufgeregt durch die Gegend und ich dachte sogar, Longbottom ausmachen zu können.

Aber man schien diesen Bereich zu räumen, da ich erkannte, dass sich alles mehr und mehr leerte.

„Wo…?“

„Nicht jetzt… nicht jetzt… keine Fragen jetzt… wenn später!“, „Sir… kommen Sie“, riefen die beiden Jungen und Draco zog wie ein kleines Kind an dem Ärmel meines Gehrocks.

„In Ordnung!“, sprach ich sachte auf ihn ein, zeigte mich kooperativ.

Draco wirkte nicht, als wäre er noch Herr seiner Sinne, als er mich schon wieder vorwärts zog und die Kerker dieses Anwesens erstürmte. Wir wurden dicht verfolgt von dem jungen Weasley.

Ich konnte gar nicht so schnell schauen, wie ich einen Stich an meinem Finger spürte und durch einen Strudel gezogen in einer Höhle landete. An sich waren diese ganzen neuen Eindrücke inspirierend, nur kam ich nicht dazu, mich zu wundern, wo ich gerade gelandet war, da mich ein unmenschliches Brüllen ablenkte, das durch diese Hallen zog.

„Was zum Henker?“, wollte ich besorgt erfahren, als ich von den bodenlos entsetzten Jungen durch eine große Höhle und einen Gang in eine kleinere gezogen wurde, in der zu viele Leute standen und absolut überfordert wirkten.

Über mich legte sich eine eisige Ruhe, während ich mich gewohnt schnell umsah, um mich zu orientieren, dabei registrierte ich einen sehr alten Altar, aber auch einen alten Mann davor, der mich kurz stutzen ließ.

Er zauberte da er an jemandem rum, dann erkannte ich noch Potter, der so bleich war, wie noch nie in seinem Leben, während die Masse an Zuschauern, die ich alle als ehemalige oder noch aktuelle Schüler von Hogwarts identifizierte, vor uns zurückwich und ich nun die Bescherung selbst sehen konnte, die sich vor meinen mehr als geplagten Augen abspielte.

Sie!

Sie lag in einem rituellen Kreis und starb?

Sie blutete, ihr Arm war irgendwie zerfetzt, aber das war nicht der Grund, der ihr Leben gefährdete. Sie krümmte sich wimmernd und presste ihre Hände in ihren Schoß, obgleich sie nicht bei Bewusstsein war, verfärbte sich der Stoff an ihren Beinen immer weiter rot. Es war, als würde das Leben aus ihr raus laufen, sofort setzte mein Herz aus.

Es verschaffte mir ein Déjà-vu, als ich damals Draco im Klo der Maulenden Myrte blutend zu meinen Füßen gefunden hatte und es war ein ganz und gar ungutes Gefühl.

„Fuck“, warf ich jede kalte, kühle und unberührbare Contenance von mir und ging rasant auf die Knie, neben ihr.

„Junger Mann ich habe…“, begann der alte Zauberer, der bis dahin die Heilzauber gewebt hatte, geschäftig mit der Aufzählung, was er bisher unternommen hatte um ihr Leben zu retten.

In dieser Zeit lauschte ich ihm interessiert, dabei gestand ich mir ein, dass ich es mochte, wie er es verstand, soeben nur das Wesentliche zu repetieren, während er weiterhin die Zauber aufrecht erhielt, ein sichtbar mehr als guter Zauberer war hier am Werke.

„In Ordnung“, begann ich gefasst, als er mit seinem Bericht geendet hatte. „Sie können die Blutung also nicht stoppen… woran liegt es?“, fasste ich nach und er sah mir fest ins Antlitz. „Sie sollten durchaus in der Lage sein, eine derartige Verletzung zu heilen.“

„Sie musste einen Preis zahlen“, gestand er widerwillig, während ich mich wunderte, dass die Meute in unserem Rücken schwieg und brav abwartete, ohne zu nerven. Das waren neue Dimensionen für Potter, Draco und Co.

„An wen? Mit was? Was für Preise?“, wollte ich zu meinem Missfallen überfordert erfahren.

Da flackerte etwas Unbestimmtes in seinen blauen Augen auf, dabei zuckte sein Blick in die Runde der Kinder und ich schnaubte auf, wenn das seine Sorge war.

„Die werden alle ihre Klappe halten, wenn sie nicht wollen, dass ich sie häute!“, drohte ich derart seidig, dass jeder Ton von den Anwesenden geschluckt wurde und sie regelrecht erstarrten, denn ich meinte es sehr ernst.

Ich brauchte alle Informationen, ohne Spielchen und ohne beschönigendes Beiwerk und die Leute hier zu schonen war vergebene Liebesmüh, das war die Generation eines Krieges, sie würden darüber hinwegkommen müssen, oder damit untergehen.

„Ihr Entscheidung!“, warnte der Alte, aber ich nickte nur bekräftigend. „Sie wurde innerer Organe beraubt… Eierstöcke oder die Gebärmutter, oder gar beides… ich weiß es nicht genau…“, gestand er rasch. Sofort keuchten alle in dem Raum erschrocken auf, Potter und Weasley dachte ich sogar, wegen dieser unschönen Offenbarung, wimmern zu hören.

„Hysterektomie?“, fragte ich fassungslos, blieb ansonsten aber ruhig, während ich mich dezent fragte, wie dergleichen ein Preis sein konnte?

Ich war schockiert, was sie hier erlebte und warf ihrer Person einen langen Blick zu.

„Ja und es war der Preis, den sie zu zahlen hatte, um zurückzukehren!“, rückte sich der Alte wieder in meine Gedanken, worauf ich die Augen zu Schlitzen verengte, denn Sinn ergab es in meinen misstrauischen Augen noch immer nicht.

„Warum tut sie so was?“, fauchte ich ungehalten, auch reichlich böse darüber, dass sie mal wieder derart viel riskierte und unvorsichtig war.

„Sie hatte keine Wahl!“, wehrte er entschieden ab, dabei entstand eine steile Falte auf meiner Stirn, da alles was und wie er es sagte, seine Integrität und Ernsthaftigkeit suggerierte. Es war fast so, als wollte er mir unter allen Umständen vergegenwärtigen, dass es wahrhaftig so gewesen war.

Natürlich fiel es mir alles andere als leicht, genau das zu glauben. Wer würde dergleichen freiwillig tun und sich vorsätzlich verstümmeln lassen?

„Sie hatte keine Wahl?“, stieß ich anklagend aus, dabei lag mein düsterer Blick vorwurfsvoll auf ihrer derangierten Person. „Dann habe ich auch keine!“, murrte ich düster, da die Würfel gefallen waren.

Resignierend zückte ich meinen „schwarzen Trank“. Er war der letzte Ausweg und der Mann vor mir wusste, was er tat, somit zog ich sein Können nicht in Frage, als ich mich nun tief über sie beugte, um ihr die Phiole an die Lippen zu führen.

Sie blinzelte mich blind an, während ich ihr half, die Flüssigkeit mehr schlecht als recht zu schlucken. Der Trank rann ihre Kehle hinunter, einiges ging daneben und verfärbte ihr Kinn, aber die Wirkung ließ nicht lange auf sich warten, denn sofort wurde sie ruhiger und stöhnte nur noch leise.

„Machen Sie weiter!“, befahl ich rüde und hielt ihren Kopf, da sie erschlaffte, nachdem der größte Schmerz nachließ. Der Alte tat, wie ihm geheißen, während ich mithalf und nun jede Blessur an ihrem Körper mit meinem Zauberstab heilte.

Es war anstrengend, die Atmosphäre an diesem unwirklichen Ort nervte und unsere Beobachter waren enervierend in ihrer Sorge. Mir stand der Schweiß auf der Stirn und meine Augen brannten. Nach gefühlten Stunden sank ich etwas atemlos zusammen mit dem Mann an meiner Seite zurück und landete erschöpft und ausgelaugt auf meinem Hintern.

Kurz schloss ich die Augen und versuchte, zu mir zu finden. Innerhalb von Sekunden stolperte man in eine Situation, die über Leben und Tod entschied. Als ich mich wieder gefangen hatte, blickte ich mit unleserlichem Blick auf sie nieder und wusste, wie knapp es tatsächlich gewesen war.

Ich wusste auch, dass sie weitere Narben, egal ob äußere oder innere, auf ewig davontragen würde. Sie hatte es geschafft, mal wieder fulminant die Grenzen auszuloten und zu überschreiten. Dieser Einschnitt ihrer Verletzungen war enorm und würde sie mannigfaltig zeichnen. Was das für längerfristige Auswirkungen haben würde, wagte ich nicht mal im Ansatz zu überblicken.

Langsam richteten sich meine finsteren Augen auf den hageren Mann vor mir und zum ersten Mal seit meiner Ankunft gestattete ich mir nachzudenken, fast sogleich kam mir die Erkenntnis und ein bitteres Lächeln legte sich auf meine Lippen.

„Gellert Grindelwald!“, zierte meine Züge eine abschätzige Miene, als ich erkannte, was ich, oder besser wir, alles gar nicht wussten. Sie war immer wieder für dramatische Überraschungen gut. „Sie hat Sie vor einem Jahr aus dem Knast geholt, deshalb war sie damals dort in Nurmengard gewesen!“, meinte ich freudlos wegen meiner Erkenntnis, dass sie seit Jahren einen Dark Lord erfolgreich vor uns geheim hielt.

„Sie sind schnell getaktet!“, schnarrte der Alte ölig, auch ihn hatte dies hier mehr als erschöpft, da er sich über seinen stoppeligen Schädel strich. Er stieß ein kurzes Lachen aus, dabei waren wir uns der uns beobachtenden Menschen bewusst.

„Ich kenne SIE“, spielte ich auf das Biest an, behielt aber mein Gegenüber im Blick.

„Ja, das glaube ich Ihnen“, grinste er mich zahnlückig an, als ich sachte mein Haupt schüttelte und mein Haar mein Kinn streichelte.

„Sagen Sie mir, wer ihr das angetan hat?“ Meine Augen huschten durch den Raum und blieben zum Schluss an meinem Patensohn hängen, wobei dieser zu geschockt wirkte, um etwas damit zu tun zu haben.

„Das waren Sie, oder?“, schlussfolgerte ich dann nüchtern und neutral im Ton, nahm den Alten aber danach wieder kalt ins Visier.

„Nein, das war ich nicht“, wehrte Gellert entschieden ab, dabei fiel seine aschfahle Hautfarbe ins Auge. „Das war die „Anderswelt““, bekannte er leiser, während meine Braue in die Höhe wanderte. „Ja, Sie vernehmen richtig und wenn Sie mehr wissen wollen, alles weiß ich nicht, nur sie war auf der anderen Seite… ich bin nur Nekromant, kein SoulGatherer!“

„Was wissen Sie darüber?“, fragte ich hart und entschlossen, langsam glitt die Müdigkeit von mir, als er seinen Kopf schüttelte.

„Das Gebiet ist weit und ich müsste ausholen… ich!“, versuchte er sich zu rechtfertigen, bis ich ihn mit einer unwirschen Geste unterbrach.

„Überspringen Sie alles was mit Nekromanten zu tun hat und nehmen Sie an, ich weiß darüber alles“, leuchteten die blauen Augen funkelnd auf, in dem trüben Licht, das hier unten herrschte.

„Sie sind einer?“, hauchte Gellert fragend und Draco holte hörbar tief Luft.

„Nicht ganz“, entgegnete ich eilig, behielt den Alten aber stetig im Blick, da er nun kurz die Augen schloss und sehr abgelenkt wirkte.

„Oh, ich spüre es… es haftet Ihnen an, Sie haben es versucht… nur der letzte Schritt fehlte… Sie haben eine Affinität dafür… wagen Sie den Schritt“, riss er jetzt wieder die Augen auf, die fast irrsinnig aufblitzten.

„Weiter“, meinte ich etwas gewichtig und ging nicht auf seine Spinnerei ein.

„Ohhhh, eine Frage, nehmen Sie das Wispern und Flüstern wahr? Es hat mich, bevor ich das Ritual durchzog, und erst recht den Sonnenschein fast verrückt gemacht!“

„Sonnenschein?“, blinzelte ich ob dieses Kosenamens irritiert, bevor ich mir seine Frage vergegenwärtigte und mich konzentrierte.

Ich lauschte auf Geräusche, während ich nun mein Haupt schief legte und auf alles achtete was sonderbar war.

„Mhm… es ist ganz schwach… fast nicht wahrzunehmen. Ich muss mich sehr konzentrieren, aber dann kann ich es vernehmen… was ist das?“, offenbarte ich meine Erkenntnisse.

„Interessant… und uhh… was? Die Schleier sind hier besonders dünn, zum anderen Reich hinter dem Schleier, deshalb“, wedelte er mit seiner dürren Hand aufgeregt durch die Luft, während das Biest am Boden erschöpft schlief und ihrer Erholung frönte.

„Ein gefährlicher Ort!“, resümierte ich düster, während ich mir durch den Kopf gehen ließ, was das alles bedeuten könnte.

„Du wolltest ein Nekromant werden?“, wisperte Draco leise zu mir und ich wedelte ihn mit einer Handbewegung weg.

„Warum so abfällig, junger Malfoy? Das gehört zur Magie dazu“, raunte Gellert sichtbar erschöpft und empört zu Draco. „Immer diese voreiligen Ressentiments gegen alles und jeden.“

„Aber, aber… Inferi…“, „Tote?“, „Verfluchte Magie!“, hauchten die anderen, bis auf Potter, der nur mit sehr nachdenklicher Miene dastand und vollkommen fertig aussah.

„Unfug, dass diese Rechtschaffenden immer derart gewichtig daherkommen müssen und alles mit ihrer ehernen Moral verderben. Haben alle keine Ahnung. Alles hat seine Berechtigung auf dieser Erde, wirklich alles… höret und versteht, was uns die alten Magier an Wissen hinterließen:

„Der Tod sei die Mitte eines langen Lebens,
es herrsche weiterhin der gleiche Geist,
nur in einem anderen Körper
und in einer anderen Welt, zu einer anderen Zeit.

Die Seelen und die Welt sind unvergänglich,
dereinst werden aber Feuer und Wasser die Oberhand gewinnen
so, dass sich abwechselnd alles umschmelze und erneuere, in einem stetigen Fluss des Seins.

Alle Magier rühmen sich,
vom Reich der Toten abzustammen, sie kommen und sie gehen…“, rezitierte Gellert gewichtig, eine anscheinend verloren gegangene Weisheit.

Ich nickte leicht, dabei konnte ich ausmachen, wie Potter und Weasley noch weißer wurden und sich verständige Blicke zuwarfen und ich fragte mich sofort unwohl, was sie nun schon wieder ausheckten. Was hatten sie verstanden, was uns anderen noch verborgen war, denn selbst ich erkannte nun nichts, was mir offenbart werden sollte.

Was wusste das Trio wieder, was uns anderen noch unbekannt war?

„Sir… wird Hermione wieder?“, raffte Potter sich sorgenvoll auf und richtete sowohl die Frage an mich als auch an Gellert.

„Ja, Potter, deine Freundin wird wieder“, gab Gellert sofort Auskunft und auch ich nickte, wenngleich es nicht ganz stimmte, denn sie war nun niemals mehr vor die Wahl gestellt, ob sie Nachkommen bekommen möchte, denn dazu war sie nicht mehr fähig.

„Wie früher wird sie nicht mehr sein… aber sie wird hier bei uns sein“, schränkte ich ein, als wir zu ihr sahen, da sie sich plötzlich zu regen begann.

„Er… er ist weg, Gellert, plötzlich war Albus weg… Severus…“, ruckte Hermione aus ihrer Ohnmacht hoch und ihr irrer Blick surrte aufgeregt umher, bevor sie mit einem Stöhnen auf den Lippen zurückfiel.

„Schsch… ja, ich weiß, das ist aber nicht schlimm. Er ist nun da, wo er sein sollte… du hast ihn losgelassen!“, sprach dieser alte Mann zu meinem Erstaunen mit ihr ganz anders als mit den anderen und während ich in mir aufnahm, was sie sagten, gingen mir die Augen über. Was redeten sie über Albus?

Über meinen verschwundenen Albus aus dem Portrait?

„Wirklich?“, hauchte sie müde und leckte sich über die kaputt gebissenen Lippen.

„Ich bin stolz auf dich, das hast du gut gemacht, Sonnenschein!“, war es, als würden diese aufrichtigen Worte des Lobes ihr den Boden unter den Füßen wegziehen, denn sie sackte wieder ohnmächtig zusammen.

„Ich bringe sie ins Manor!“

„Lassen Sie sie hier!“, polterte Potter los.

„Nein, wir wissen nicht, ob wirklich jeder Einfluss dieses Ortes auf sie verschwunden ist… sie muss weg… kommst du mit, Draco, oder bleibst du hier?“, entschied ich und bekam beklommene Blicke geschenkt, wobei Draco sichtlich wirkte, als stünde er unter Schock.

Severus Sicht Ende


Lucius Sicht

„Lucius, komm mit!“, platzte Severus in mein Arbeitszimmer, in dem ich noch zu später Stunde über wichtigen Unterlagen saß, und wirkte ungewohnt ernst, um nicht zu sagen, dramatisch bitter und ich richtete mich sofort auf.

„Ist etwas mit Draco?“, fragte ich aufgrund seines harschen Auftretens alarmiert.

„Nein, nicht mit Draco… aber…“, begann er widerwillig und ich kam ihm zuvor.

„Mir IHR?“

„Komm mit… bitte!“, schockte mich sein letztes Wort mehr als hätte er tausende verwendet.

„Natürlich“, wisperte ich ungewohnt aufgewühlt, denn Severus‘ Verhalten löste selten versprühte Nervosität in mir aus, da mir seine wortkarge Art und die ungewöhnliche Bitte so gar nicht gefallen wollten. Also erhob ich mich eilig, um dem schon davon strebenden Mann zu folgen.

„Severus?“, rief ich ihm hinterher, aber da war es mir, als würde er absichtlich noch einen Gang zulegen, um nicht schon jetzt mit mir reden oder sich gar mit mir auseinandersetzen zu müssen, was mich den Kiefer fest aufeinander beißen ließ. Das war gar nicht gut.

Ich war verwundert, als ich bemerkte, wohin Severus verschwand, denn nachdem ich an meiner Flügeltür ankam, konnte ich sowohl meinen werten Sohn als auch Severus in meinem Salon ausmachen. Wobei Severus vor dem Kamin eine stille Wanderschaft aufgenommen hatte und Draco blass wie der Tod persönlich auf dem Sofa saß und sich an einem Drink festklammerte.

„Die Tür zu Hermiones…“, begann ich, da es mich überraschte, denn die Tür zu ihren Räumen war sonst immer geschlossen.

„Zu ihrer Suite ist offen, das ist korrekt, das soll auch so bleiben!“, beschied mir Severus gewichtig, da ich ihn auf den ungewöhnlichen Umstand aufmerksam machen wollte.

Irgendwie gefiel es mir gar nicht, dass ich nicht wusste, warum diese beiden gerade derart sonderbar, für ihre sonstigen Verhältnisse, drauf waren.

„Könnte sich nun jemand genehmen, mich darüber zu informieren, was hier gerade passiert?“, fragte ich somit trügerisch sanft nach und durchschritt exaltiert meine Gemächer.

„Sie passiert, was sonst?“, brauste Severus harsch auf, wirkte aber unerklärlicherweise müde, während Draco bewegt auf der Couch zusammenzuckte, ein Umstand, der mich noch mehr beunruhigte, langsam, aber sicher mochte ich das Wort „ungewohnt“ nicht mehr.

„Sehr aufschlussreich, erklärt nur leider nicht euer „ungewohntes“ Verhalten, noch euer sonderbares Auftreten!“, fasste ich überheblich zusammen und wartete spannungsgeladen ab.

„Lughnasadh.“

„Ein Fest?“, runzelte ich bei dem einen, von Draco ausgestoßenen, Wort die hohe, so aristokratische Stirn.

„Ach Lucius, hättest du dich doch nur jemals so intensiv mit der Nekromantie beschäftigt wie ich, dann wüsstest du, dass das ein ganz besonderes Datum ist“, verkündete Severus enerviert, dabei wirkte er aufrichtig erschöpft.

„Wofür hab ich dich?“, gab ich ohne zu zögern Kontra, worauf er zu mir herumfuhr und mich mit einem sehr langen Blick aus rabenschwarzen Augen maß.

„Auch wahr, aber egal! So höre und lausche“, begann Severus seine Geschichte der Unglaublichkeiten, die mir die Augen weit aufgehen ließ.

Ich lauschte wirklich und glaubte mich in einem Märchen, nur dass ich wusste, dass Severus kein Geschichtenerzähler war und es niemals werden würde. So unglaublich sich das alles anhörte, es musste wahr sein. Natürlich bemerkte ich, dass er in seiner Darstellung geschickt überging, wo er sie tatsächlich gefunden hatte, daher warf ich meinem noch immer kränklich aussehenden Sohn den ein oder anderen taxierenden Blick zu.

Ich unterbrach die Masse an Erklärungen und Erzählungen kurz:

„Dass sie in dieser anderen Welt war, darf der Lord nicht erfahren, dann wäre sie nicht mehr sicher!“, gab ich wohlüberlegt zu bedenken und fuhr mir fahrig durch mein langes, seidiges Haar.

„Schön, dass wir uns darüber einig sind!“, höhnte Severus. Seine Laune schien superb schlecht zu sein. „Ich würde dies auch als sehr brenzlig einschätzen, sollte diese Tatsache dem Dark Lord zu Ohren kommen… hörst du das, Draco?“

„Oh, was? Ähhh, ja natürlich, ich bin das größte schweigende Grab, das ihr euch vorstellen könnt…“, stieß Draco gehetzt hervor, bevor er seine Lippen aufeinander presste, als wäre ihm schlecht.

„Das war noch nicht alles, Lucius!“, bekannte Severus nun gedehnt. „Du glaubst doch selbst nicht, dass mich diese unsäglichen Kinder sonst geholt hätten… wenn das alles wäre…“, schnaubte er abfällig und lief weiterhin mit großen Schritten ein Loch in meinen sehr teuren und alten Perserteppich.

„Sie ist verletzt?“, fragte ich mit einer gewissen Sicherheit im Ton, denn das war mir das Naheliegendste, wieso sie Severus zu Rate gezogen hatten.

„Kann man das so sagen?“, stoppte er nach meiner Aussage abrupt, wobei er sich selbst anscheinend eher philosophisch fragte.

Unterdessen blickte er abschätzig zu Draco, dabei sah ihn mein Sohn fast schon hilflos und sichtlich überfordert an, was mir Sorge bereitete, während Severus leise aufstöhnte.

„Du weißt… beziehungsweise, wem sage ich das… du weißt selbst am besten, dass die Magie für alles einen Preis fordert… und so hat auch sie gerade für die Nekromantie ihren bezahlen müssen… um wiederzukehren!“

„Mach es doch bitte nicht so unsäglich spannend, Severus!“, brauste ich ungehalten auf und hämmerte meinen Stock hart auf den Boden, um meine Ungeduld zu untermalen.

„Dann kurz und schmerzlos, sie ist sterilisiert. Sie musste dieser anderen Welt ihre Fruchtbarkeit geben!“, schleuderte er mir in seiner schonungslosen Art offen entgegen und ich verharrte kurz reglos, während ich die Information aufnahm, verwertete und eine Entscheidung traf.

„Aber ansonsten ist sie gesund?“

„Nachdem ich ihr meinen Trank gab? Ja, sie wird ansonsten wieder vollständig genesen“, räumte Severus nüchtern ein, dabei versuchte ich, in seiner maskenhaften Mimik zu lesen, was ihn aufbrachte; diese Tatsache, oder eher dass es derart knapp gewesen war, sie an diese andere Welt zu verlieren.

Ein delikater, aber durchaus interessanter Aspekt!

„Na, dann sind das doch gute Neuigkeiten!“, gab ich lapidar kund, doch sofort wurde ich rüde unterbrochen.

„Das nennst du GUT, Vater?“, fuhr mein Sohn auf und meine Augenbraue wanderte tadelnd in die Höhe.

„Draco, nicht in dem Ton!“, fuhr ich ihn mahnend an.

„Nicht in dem Ton?“, äffte er mich despektierlich nach. „Sie ist fast verreckt und nun… nun das? Und das nennst du… gut?“, zeigte er, wie angespannt seine Nerven waren und stellte sein Glas klirrend laut auf dem Couchtisch ab.

„Nein, du missverstehst mich! Ich finde es weder gut noch schön, dass sie verletzt wurde und noch immer krank ist! Aber ich bin durchaus in der Lage, sehr schnell zu erfassen, dass sie nie eine andere Wahl hatte“, fasste ich die Erzählungen für mich in einer einfachen Aussage zusammen. Mein Sohn mochte mich gerade für hart halten, aber ich hielt mich für einen Realisten. „Und das andere ist, Draco, dass ich weiß, dass es nicht ihr Begehr war, sich fortzupflanzen… deshalb weiß ich, dass sie der Verlust nur peripher treffen wird!“, urteilte ich herzlos über diese Banalität.

Noch immer hatte ich ihren Wunsch im Ohr, somit wusste ich, dass ihr hier nichts genommen worden war, was ihr groß etwas bedeutet hatte. Dass viele dies anders sahen, glaubte ich gerne, aber ich kannte sie dafür nach diesen Ferien gut genug, um zu wissen, dass es bei ihr nicht der Fall sein würde.

Sie hatte mir gegenüber geäußert, dass sie keine Kinder wolle, also glaubte ich ihr und respektierte diesen Wunsch. Wenn ihr diese Entscheidung jetzt als Tatsache auch noch abgenommen wurde, war es ein überwindbarer Verlust.

„Anderes würde sie um Welten schlimmer treffen und du willst mir sagen, du kennst sie!“, ätzte ich zum Schluss verächtlich, während Severus uns stumm beobachtete.

„Aber… aber…“, begann Draco recht sprachlos.

„Was aber? Sie hat gewählt und sich für das Beste entschieden. Warum darüber trauern? Wenn ich jetzt schon weiß, dass sie das nicht tun wird!“, durchbohrte mein fordernder Blick meinen Sohn. Natürlich ging es hier um mehr, wobei ich zweifelte, ob Draco gerade zurechnungsfähig war, derart mitgenommen wie er aussah.

„Und woher willst du das so genau wissen, Vater?“, erhob sich Draco ruckartig von der Couch. Er fühlte sich bedroht und angegriffen, während Severus souverän am Kamin verharrte.

„Weil sie es immer sagt, sowohl zu mir als auch zu Severus, aber wenn du es genau wissen willst, erst letztens, als du nicht da warst, saß sie dort auf dem Platz, wo du gerade warst, und hat mir gegenüber Stein und Bein geschworen, dass sie keine Kinder haben will und du dir deswegen eine andere Frau wirst suchen müssen… ich habe sie explizit gefragt, um zu erfahren, wie es mit euch weitergehen soll und das war ihre charmante Antwort“, warf ich ihm diese Offenbarung entgegen und ich log noch nicht mal bei allem, denn ich behielt einige delikate Einzelheiten zurück, aber der Kern der Aussage war vollkommen wahr.

„Bitte?“ Dieses Wort hörte ich heute auch zu oft für meinen Geschmack, dabei wurde Draco bleich.

„Ja, wie ich es sage, ich habe ihr geglaubt, sie kann sehr überzeugend sein, wie du vielleicht weißt!“, verstand ich ihn absichtlich nicht richtig.

„Das glaub ich jetzt nicht. Das hat sie nicht gesagt“, stotterte mein Sohn hörbar verletzt.

„Was?“

„Dass ich mir eine andere suchen muss“, erkämpfte sich Draco eine feste und sichere Stimme zurück, dafür ballte er seine Hände zu Fäusten und schien sich förmlich zu zwingen, ruhig zu bleiben.

„Naja“, gestand ich nach einem langen Blick auf meinen Erben ein, „das habe ich gesagt, nachdem sie sagte, dass sie nicht bereit ist, Nachkommen in die Welt zu setzen und sie meinte, dass das in Ordnung ginge!“, zog auf diese Worte hin Stille in meinem Salon ein, unterdessen kämpfte Draco sichtlich darum, seine Maske aufrecht zu erhalten.

„Ich verstehe… ich denke, ich möchte mich zurückziehen, Vater, Severus!“, presste er mühevoll beherrscht hervor. Also neigte ich zustimmend mein Haupt und mein Sohn stakste recht ungelenk hinaus und wir blieben stumm, bis schon lange nichts mehr von ihm zu sehen war, denn selbst jetzt blieb meine Tür genauso offen wie ihre.

„War das gerade nötig?“, durchbrach Severus nach langem Schweigen die Stille und ich drehte mich auf den Fersen zu ihm um.

„Was? Seit wann derart zartbesaitet, Severus?“, gab ich süffisant zurück und lachte freudlos auf.

„Du weißt nicht, was er und ich gerade gesehen haben, es war grenzwertig, wirklich… da hättest du ihn nicht noch derart treffen müssen“, gab Severus ungewohnt einfühlsam zu bedenken.

„Willst du mir nun ein schlechtes Gewissen machen?“, wandte ich überheblich ein. „Oder mir offenbaren, dass du derjenige bist, der zartbesaitet ist?“

„Als ob das nicht nutzlos wäre“, schnarrte Severus böse, während er sich zum Fenster wandte und in den Garten hinausblickte.

„War es so schlimm?“, fragte ich schließlich gefasst nach, denn wenn selbst Severus es als grenzwertig bezeichnete, musste schon viel passiert sein.

„Es war sehr, sehr knapp… sie ist als SoulGatherer sehr nah mit dem Totenreich verbunden. Sich davon zu lösen fällt nicht leicht, wahrlich nicht“, drang Severus‘ tiefe Stimme durch den Raum, als er sich langsam zu mir umdrehte. „Und solange die Hoffnung bestand, hat Draco bestimmt tief in seinem Inneren gehofft, er wollte ihre Meinung bestimmt nicht akzeptieren, er ist noch jung… ihn trifft der Verlust doppelt!“

„Damit wird er leben müssen, so ist das Leben!“, entgegnete ich hart.

„Lucius!“, stöhnte Severus leise und schüttelte sein Haupt.

„Severus!“, stöhnte ich ihn imitierend zurück. „Zu etwas anderem, kann ich sie sehen?“

„Es ist dein Heim!“, servierte er gewohnt gehässig und ich hüstelte affektiert auf, da ich doppeldeutig gefragt hatte, ob ich sie wirklich so sehen wollte.

„Du weißt, was ich meine?“ Severus hob nur seine Hand und wies mir den Weg. Sofort drehte ich ab und betrat ohne zu zögern ihre Suite, ging zu ihrem Schlafzimmer und fand sie bleich, aber ruhig liegend in ihrem Bett vor. Sie schlief.

Während ich dastand näherte er sich mir von hinten auf leisen Sohlen.

„Sie sieht gut aus“, bemerkte ich wie nebenbei.

„Sie wollten sie auch nicht töten, da sie ihren Preis gezahlt hat!“, hielt er nun neben mir an und blickte auch auf sie nieder.

„Aber sie sollte es spüren, um zu wissen, dass sie zahlte?“, fragte ich unnützerweise, da ich mir die Antwort selbst gab.

„Ja!“

„Bleibst du? Bleibe ich? Oder kann man sie alleine lassen?“, forschte ich weiter nach.

„Ich denke, sie wird alleine sein wollen, wenn sie erwacht, das wird nicht spurlos an ihr vorbeigehen“, gab Severus zu bedenken. „Egal was du Draco gesagt hast und ganz gleich, dass ich dir in deinen Einschätzungen recht gebe, sie wird diese Erfahrung verarbeiten müssen.“

„Dann sorge dafür, dass Draco auch nicht herkommt! Dann soll sie ihre Ruhe haben und wenn sie bereit ist…“, entschied ich und beschloss, sie auch meinerseits wirklich in Frieden zu lassen, bis sie Gesellschaft suchen würde.

„Werden wir da sein!“, verstanden wir uns wie immer blind.

Lucius Sicht Ende

Dracos Sicht

Ich hatte kurzzeitig das Gefühl gehabt, als würde es mir den Boden unter den Füßen wegziehen, als Vater mir so maliziös, nicht nur schlicht, präsentiert hatte, dass er derart intime Gespräche mit Hermione führte. Aber auch, dass sie ernsthaft ausgerechnet vor ihm geäußert haben sollte, dass ich mir eine andere suchen sollte, um meinen Pflichten gerecht zu werden.

Vater schränkte diese Aussage nicht ein, aber was hätte ich auch anderes von ihm erwarten sollen?

Es kostete mich viel Beherrschung, nicht die Fassung vor ihm zu verlieren, aber ich hätte mir eher eine Hand abgehackt als vor diesen beiden meine Maske zu verlieren, obwohl sie regelrecht darauf gierten, mich bloßzustellen.

Ich wollte ihnen aber keinesfalls noch mehr Angriffspotential bieten, denn ihnen beiden war sowieso schon klar genug, dass ich tiefere Gefühle für Hermione hatte als gut für mich war, während Severus meisterlich verbarg, was er wirklich empfand, oder welche Ziele er verfolgte.

Im Bezug auf ihn wusste ich nur, dass er sich sorgte und sein Verhalten ihr gegenüber als außergewöhnlich innig zu bezeichnen war. Was Vater anging tappte ich nahezu im Dunkeln. Lediglich, dass er sich völlig atypisch verhielt, das konnte sogar ich unterschreiben.

Natürlich hatte ich Befürchtungen, die sich bei jedem neuen Zusammentreffen von Vater und Hermione verstärkten, aber ich wusste nicht genau, was er wirklich vorhatte, oder ob er, was für mich fast undenkbar war, wirklich emotional involviert war.

Ich war fast schon erleichtert, als Vater mich ohne große Umstände entließ und somit eilte ich so schnell aus dem Zimmer wie möglich, ohne zu wirken, als wäre ich auf der Flucht.

Da Vaters Tür weiterhin offen stand, gönnte ich mir nicht den Luxus, vor der Tür durchzuatmen, sondern blickte noch mal kurz zurück, wo ich Vater und Severus in Gedanken versunken erlebte, daher nutzte ich den unbeobachteten Augenblick und schlüpfte kurzentschlossen in Hermiones Räume. Ich musste sie einfach sehen.

Sie war so knapp dem Tode entkommen und egal was Vater gerade gesagt hatte, ich würde das nicht glauben, solange ich es nicht aus ihrem Mund gehört hatte. Außerdem, ich atmete tief durch um die wiederaufkeimende, leichte Panik, dass sie meiner wirklich überdrüssig sein könnte, zu bekämpfen.

Ich rief mir vehement wieder ins Gedächtnis, wie sie im Cottage vor versammelter Mannschaft verkündet hatte, dass sie und ich eine Frau für mich suchen würden, sodass ich meine Pflichten erfüllen konnte und dass wir diese Frau so wählen würden, dass sie tat was wir wollten. Im Klartext, eine Ehefrau zur Pflichterfüllung, und Hermione als meine Partnerin, meine Geliebte, womit ich schon damals hatte leben können. Dass sie keine Kinder wollte, hatte ich gewusst, nur dass es auch Vater so sicher wusste, hatte mich kalt erwischt, zeigte es doch, wie nahe die beiden sich gekommen waren. Sie sprach mit ihm über sehr private Dinge, wobei erst jetzt meine Hoffnung wirklich vollständig zerschlagen wurde. In mir hatte immer noch ein Funken der Hoffnung gelebt, dass, wenn dieser Krieg vorbei wäre, sich vielleicht doch alles anders entwickeln könnte als es bisher schien, dass sie diejenige hätte sein können, die nicht nur meine Geliebte, sondern auch meine Frau wurde und meinen Erben bekam.

Nur diese Gedanken konnte ich nun wirklich begraben!

Jetzt betrat ich Hermiones Schlafzimmer und mein Blick lag auf der schmalen, bleichen Frau, die schlafend in dem sehr großen Bett lag.

Sie wirkte so verloren, so schwach und mitgenommen, andererseits sah sie nicht aus, als wäre sie gerade dem Tod von der Schippe gesprungen. Was Severus‘ Tränke doch immer wieder für eine durchschlagende Wirkung hatten. Ihre mittlerweile zum Großteil nachgewachsenen Locken lagen wie ein Fächer ausgebreitet um ihr schmales Gesicht und rahmten es ein.

Ich warf noch mal einen Blick über meine Schulter und lauschte, doch aus Vaters Räumen konnte ich nichts vernehmen und sie schienen mir auch nicht zu folgen. Flink, aber mit leisen Schritten eilte ich an Hermiones Bett und überlegte kurz, ob ich mich auf die Bettkante setzen sollte, doch dann entschied ich mich intuitiv dagegen. Ich war mir sicher, ihrem Bett hatte sich Vater besonders gewidmet und daher blieb ich diesem lieber fern, schließlich wollte ich ihn nicht auf den Plan rufen, denn dass er wusste, dass ich hier war, daran zweifelte ich nicht. Ich hoffte nur, solange ich nicht in ihrem Bett war, ließ er mich gewähren.

Langsam ging ich neben ihrem Bett auf die Knie und griff vorsichtig nach ihrer über der Decke liegenden Hand. Sie war so feingliedrig, blass und lag schlaff in meiner Hand, dass sich mein Magen sofort verkrampfte, doch ich erkannte erleichtert, dass ihre Hand angenehm warm war und sich Hermione weder anfühlte noch aussah, als würde sie fiebern. Wäre ihre Haut nicht so durchscheinend, ja, im Gesicht geradezu aschfahl gewesen, und hätte sie dazu nicht die tiefen, dunklen Ringe unter den Augen gehabt, hätte sie geradezu gesund gewirkt.

Langsam hob ich ihre Hand hoch und führte sie sanft an meine Lippen, um sie zärtlich zu küssen.

„Lass dich nicht von ihm einwickeln, wir sind ein Team!“, wisperte ich gegen ihre Hand und berührte dabei immer wieder leicht mit meinen Lippen ihre Haut. Langsam bettete ich ihre Hand zurück auf die Decke und erhob mich wieder, da sie wirklich noch immer tief und fest schlief.

Vater versuchte, uns zu manipulieren und ich erkannte jetzt sehr deutlich, seit Beginn der Ferien hatten diese Manipulationsversuche eine neue Dimension angenommen. Ich durfte mich von ihm nicht aus der Fassung bringen lassen, nicht überraschen lassen und musste gewappnet sein. Meine Maske musste sitzen und ich durfte nicht zulassen, dass mich meine Gefühle übermannten oder mir gar anzusehen waren. Ich war nicht der Ansicht, dass meine Gefühle an sich mich schwach machten, aber ich durfte nicht zulassen, dass sie mich kontrollierten. Ich hatte ausgelöst, aber nicht vorrangig motiviert, durch meine Gefühle schon sehr gute und richtige Entscheidungen getroffen, sie waren ein Teil von mir und meine Instinkte, die ich als Teil dieser Gefühle ansah, hatten mir schon so manchen Vorteil gebracht. Ich verließ mich nicht darauf, die letzte Entscheidung traf ich immer kalkulierend und durch meinen Verstand gesteuert, aber meine Emotionen waren ein Teil von mir und ich ließ sie nicht außen vor.

Vater war da ganz anders, das wusste sogar ich. Fast wirkte er, als ob er keine Regungen hätte, oder diese Empfindungen waren so tief vergraben, dass es aussah, als wären dort keine. Gerade deswegen erregte sein Verhalten, seitdem Hermione bei uns war, mein Misstrauen, denn es war so völlig ungewohnt und war geradezu bedrohlich.

Langsam beugte ich mich vor und küsste Hermione sanft auf die Stirn.

„Erhol dich gut, mein Mudblood!“, wisperte ich ihr noch sanft zu, bevor ich nach einem letzten, kurzen Blick auf sie herum wirbelte und leise, aber schnell und ungesehen, aber sicher nicht unbemerkt ihre Räume verließ.

Meine Kampfansage gegen Vater stand, aber wie ich schon nach meinem Besuch bei den Veela beschlossen hatte, würde ich nicht wieder offen auf Konfrontation mit ihm gehen, denn das war immer nur nach hinten losgegangen, nein, ich würde stattdessen dafür sorgen, dass Hermione und ich enger zusammen wuchsen. Ich würde ihr Verständnis entgegenbringen, auch wenn ich vor allem das was heute geschehen war so gar nicht verstand.

Ich würde uns als Team stärken, denn Vertrauen war die beste Abwehr gegen Vaters ausgedachte Intrigen. Ich hatte das Gefühl, mit meiner entspannten und jovialen Reaktion, nach meiner Rückkehr von den Veela, war ich auf dem richtigen Weg bei ihr.

Ja, meine Wut auf Vater schwelte weiter in mir und ich fühlte mich auch zu einem gewissen Grad ohnmächtig seinen Spielchen gegenüber, aber ich würde nicht zulassen, dass aus dem, was zwischen ihm und Hermione entstanden war, mehr wurde als sie und ich hatten.

Mein Plan stand und ich hatte gelernt, meine Empathie als Warnung zu nutzen, um kalkuliert zu handeln. Vater würde mich nie wieder so mit seinen Spielchen überfahren, auch wenn ich mir sicher war, dass es wieder eine Situation geben würde, die ich so gar nicht erwartet hatte, aber ich würde ihn nicht die Kontrolle über Hermione und mich übernehmen lassen.

Mit den Gedanken daran, was ich als Nächstes in die Wege leiten musste und wie ich in Irland weiter vorgehen würde, betrat ich meine Räume und machte mich an die Arbeit. Für Hermione konnte ich gerade nichts tun und wachend an ihrem Bett sitzen, das würde mir Vater nicht gestatten, daher ließ ich ihm gar nicht erst die Möglichkeit, es mir zu verbieten, sondern widmete mich meinen Aufgaben, um die Zeit sinnvoll zu nützen.

Dracos Sicht Ende

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BeitragThema: 456. Wie neu geboren   Di Apr 08, 2014 6:21 pm

456. Kapitel Wie neu geboren


Hermiones Sicht

„Shit!“, riss es mich aus dem tiefen Schlaf. Sofort saß ich schnaubend, wie ein Walross, in meinem Bett, hielt mir meine rasende Brust und versuchte, zu Atem zu kommen.

Meine Augen verengten sich misstrauisch, während ich den Raum vor mir hektisch scannte. Erst langsam beruhigte sich meine Atmung und ich ließ zu, dass eine gewisse ruhige Entspannung über mich kam, da ich registrierte, dass ich Daheim war.

Ich hatte es geschafft, so oder so, legte sich ein überhebliches Grinsen auf meine Züge!

„Ha!“, stieß ich aus und ballte meine Hände zu Fäusten.

Ich hatte es wirklich geschafft!

Wenn ich nicht zu vornehm dafür gewesen wäre, hätte ich nun die Faust in den Himmel gestreckt. Verfuckte Túatha dé Danann, ihr könnt mir auf ewig gestohlen bleiben. Mit einem fast seligen Lächeln landete ich wieder in meinen weichen Kissen und inhalierte die reine, frische Luft wie etwas Lebensnotwendiges, was ich neu zu schätzen gelernt hatte. Es war zu schön hier zu sein.

Glücklich schloss ich die Augen, während ich die Sonnenstrahlen der normalen, so schönen Sonne fühlte, nur um sie dann in ihrer hellen Pracht zu beobachten und ihre Natürlichkeit zu genießen.

Immer wieder schüttelte ich meinen Kopf. Hier, in Sicherheit, kam es mir sehr suspekt vor, was ich hinter dem Schleier erlebt hatte, so völlig verrückt, so vollkommen surreal, dass ich wirklich gegen Monster gekämpft hatte und dann stockte mein Atem, als ich wieder hochschoss und meine Hände auf meinen Bauch presste.

Shit, das war wirklich passiert! Ich hatte mich mehr, oder weniger entweidet! Verdammt, das war echt eklig!

Doch schließlich kicherte ich leicht irre, da mir wieder Albus‘ Worte über meine Selbstlosigkeit einfielen, denn trotz meines Verlustes fühlte ich mich leicht wie lange nicht mehr. Es war ein Wunder. Anstatt Schuld, Schmerz oder gar Selbstmitleid zu fühlen, spürte ich eine Seligkeit in mir, da mir alles spielend leicht von der Hand ging, denn als ich meine Augen schloss und mich nur kurz konzentrierte, glitt ich regelrecht fließend in meine andere Wahrnehmung, wie in eine zweite Haut, die mir innewohnte, aber es tangierte mich nicht weiter.

Ich blinzelte, wusste aber schon vorher, dass ich meine anderen, meine weißen Augen hatte und es war ein völlig neues, völlig berauschendes Erlebnis, die absolute Herrin über diese besondere Gabe zu sein. Denn zum ersten Mal fühlte es sich richtig an, es fühlte sich super gut an, vor allem spürte ich, dass ich wirklich die Kontrolle hatte und mich überspülte eine lang vermisste Leichtigkeit des Seins, die mich fast vor Glückseligkeit taumeln ließ.

Ich streifte zu meinen Inferi in der Höhle und es war ganz einfach, fast war es mir, als könnten meine Fingerspitzen über ihre nassen Leiber gleiten. Dabei genoss ich einfach das Gefühl, zu wissen, dass ich ihre vollkommene Chefin war. Ich wusste, ich würde nie mehr für sie mein Blutritual abhalten müssen, dafür beherrschte ich sie nun zu sehr. Ich war auf der anderen Seite gewesen und wiedergekommen, oder auch wieder geboren worden, denn ich fühlte mich wie auferstanden.

Diese übernommenen Inferi waren eine unbewegliche rohe Kraft, aber nun waren sie wirklich meine eigenen Inferi. Es fühlte sich nun an, als hätte ich sie erschaffen und musste sie ab nun nicht mehr füttern.

Fast schnurrte ich wie eine Katze, als ich wieder übergangslos in meinem Zimmer landete und dachte, an den Rändern des Schleiers strahlend hellblaue Augen aufblitzen zu sehen, die mich an Lugh erinnerten. Geradezu neckisch, mit einem breiten Grinsen auf meinen Zügen verabschiedete ich mich von ihm, gesegnet mit meinen weißen Augen. Ich glaubte, fast so etwas wie Verärgerung über seine markanten Züge huschen zu sehen, weil er für immer hinter dem Schleier gefangen war, während es mir vergönnt war, zwischen den Welten zu wandeln. Der Arme, er tat mir nur so gar nicht leid!

„Das Leben ist schön!“, hauchte ich freudig und reckte mich genüsslich in meinem Bett, entspannt wie schon lange nicht mehr, bevor ich wieder mit normalen braunen Augen durch die Gegend sah und voller Elan aufsprang.

Sogleich eilte ich in die Dusche, mit einem neuen, lockeren Lebensgefühl und so wollte ich mich auch kleiden.

Als ich mich in dem bodentiefen Spiegel bewunderte und über meine Seite fuhr, fühlte ich mich ganz und war froh, noch in einem hier zu stehen und das fand ich doch erstaunlich, wenngleich einen meiner Arme eine lange, weiße Narbe zierte. Aber an sich sah der ehemals zerfleischte Arm wieder richtig ansehnlich aus und ansonsten war zumindest äußerlich nicht ausmachen, dass mir etwas fehlte, eher fand ich, sah ich lebendiger, energiegeladener und fröhlicher aus als seit Monaten.

Plötzlich blitzten meine Augen verschmitzt in meinem Spiegelbild auf, denn nun war es mir völlig gegenwärtig, was es bedeutete, ein SoulGatherer zu sein. Ja, ich war eine Seelensammlerin. Das Wissen über mein Sein war nun wie selbstverständlich vorhanden und ich konnte akzeptieren, zu sein was ich war.

Es war ein metaphorisches Sammeln, indem ich mir die Seelen der Toten aneignete. Was das genau im Kontext bedeutete, würde sich zeigen, wenn ich es einmal richtig tun würde. Instinktiv ahnte ich aber, dass ich damit würde umgehen können, denn es lag mir sprichwörtlich im Blut.

Etwas, was ich nun wusste, war, dass ich alle Seelen sammeln konnte, egal ob Muggel, Zauberer oder magisches Wesen, selbst die verstorbenen Seelen waren für mich nicht auf ewig verloren, aber ich konnte keinem Menschen seine Seele aussaugen, da ich kein Dementor war, aber ich konnte, sobald er tot war, mich dessen Seele bemächtigen.

Auch wusste ich nun, warum mich die Geister mieden! Sie hatten schlicht Angst, dass ich den Abdruck ihrer Geisterseelen von der Erde löschen könnte und sie somit ihrer Existenz berauben würde! Sie hatten Furcht vor der Erlösung durch mich, weil ich sie in diese andere Welt führen konnte.

Und ganz ehrlich, wie erlöst fühlte ich mich, wobei ich die Monate des Haderns gebraucht hatte und auch die Zeit der Lehre sowohl unter Gellert, als auch unter den DeathEatern, sonst hätte ich die Schlachten in dieser Anderswelt nicht schlagen können, sowohl die körperlichen als auch die geistigen. Hinzu kam, ohne Albus, der mir Gellerts Informationen überbracht hatte, hätte ich alt ausgesehen. Das war eine weniger schöne Erkenntnis.

Als mir mit Wucht die Offenbarung dämmerte, dass ich ein bisher mir stets offen stehendes Gut verloren hatte, überschwemmte mich unerwartet ein Hauch Wehmut, die mich kurz straucheln ließ. Irgendwie war es etwas völlig anderes, zu sagen, man wolle aus eigenen, freien Stücken keine Kinder in diese Welt setzen, als mit der Tatsache konfrontiert zu sein, dass es ab nun wirklich nicht mehr möglich war!

Und das unter keinen Umständen. Die Aussage, dass ich nie Nachwuchs haben wollen würde, war aufrichtig und ernst von mir gemeint gewesen, aber gerade für eine Person wie mich war es immer schön, jede Tür offen zu haben, im Zweifelsfall jede Möglichkeit nutzen zu können. Kurz befiel mich die Trauer darüber, etwas verloren zu haben, was mich als Frau vielleicht einmal hätte ausmachen können.

Ich schüttelte mich entschlossen, wie auch immer, mit meiner neugewonnenen Gleichgültigkeit akzeptierte ich es einfach als gegeben, denn jetzt fühlte ich mich schlicht und ergreifend gut und machte mich auf den Weg, die anderen zu finden.

Ich lief recht frohgemut die Treppen hinab und kollidierte im Foyer fast mit Lucius.

„Vorsicht!“, meinte er noch hilfsbereit und griff nach meinem Arm, worauf ich fröhlich lächelnd zu ihm aufsah.

„Lucius, was für ein schöner Tag, wie geht es dir?“, bot ich mit meiner neuerwachten Leichtigkeit an und er blinzelte blasiert wegen dieser überschwänglichen Begrüßung.

„Geht es dir gut?“, fragte er eher perplex.

„Ging mir nie besser!“, strahlte ich förmlich übermütig aufgrund seiner unsicheren Nachfrage.

„Sicher? Darf ich an deine Hysterektomie erinnern?“, bekannte er dann recht freiherzig, dass er vollkommen im Bilde war und da ich mich noch finster an Severus erinnerte, bevor ich vollständig das Bewusstsein verloren hatte, war es somit kein Wunder, dass der Oberdespot von allem wusste.

„Natürlich darfst du, aber wieso sollte es mir nicht gut gehen?“, fragte ich ernsthaft irritiert nach und legte leicht den Kopf schief.

„Du trägst es mehr mit Fassung als erhofft, oder erwartet“, machte ich nun große Augen. „Oder auch als Draco“, fügte er noch hinzu und behielt mich genau im Blick.

„Ehrlich?“, murmelte ich überrascht. Es ging Draco schlecht? Wegen mir? „Ich… nun, ich habe nicht gelogen, als wir beide unser Gespräch geführt haben, Lucius. Ich meinte, was ich sagte, dazu stehe ich. Warum sollte ich etwas hinterher weinen, was ich nie wollte? Ich musste ein Gut hergeben, bei dem es mir leicht fiel, es zu opfern!“, bemerkte ich seine genaue Musterung und deshalb sah ich mich in der Not, ihm detailliert Auskunft zu erteilen.

Natürlich bemerkte ich, dass er von Wort zu Wort zufriedener wirkte, fast schien ein stolzer Funke in seinen Augen aufzuleuchten, während er meine Gestalt streifte.

„Das ist meine Frau!“, verkündete er erhaben und ich dachte, mich verhört zu haben.

„Bitte?“, fragte ich fassungslos wegen des unleserlichen, mir bisher unbekannten Ausdrucks in seinen sturmgrauen Augen und wegen dem, was ich zu hören geglaubt hatte.

„Nichts“, tat er fast zu rasch ab. „Ich würde sagen, du verdienst dir etwas Amüsement, wir gehen shoppen!“, erklärte er so unvermittelt und von meiner Seite so unerwartet, dass mir der Mund aufklappte.

„Was? Wie? Ich?“

„Ja, wenn du als Frau so reagierst, dann läuft was mächtig falsch“, amüsierte er sich königlich über mein Entsetzen, bevor er tadelnd das Haupt schüttelte. „Weißt du, Hermione, wenn du jetzt schon diese eine Weiblichkeit abgelegt hast, musst du nicht noch mehr wegwerfen, gönn es dir, dem Geld ausgeben zu frönen. Wir haben davon mehr als genug!“, ließ ich seine Worte sacken und war über den Vorschlag noch immer verwirrt.

„Warum nicht?“, hauchte ich leicht überwältigt, aber um mich abzulenken, nach den Vorkommnissen in Irland, sollte es mir recht sein. „Und du willst nicht mehr wissen über das Geschehen?“

„Erst mal? Nein!“, bot er generös ebenso wie seinen Arm an und ich nahm doch glatt, einem übermütigen Impuls folgend, an.

Wie auch immer, in der folgenden Zeit, während des Einkaufens war es gleich. Er begluckte mich schlimmer als jede Henne, nachdem er mir die Diagon Alley mehr oder minder in einem Anfall von Größenwahn zu Füßen gelegt hatte.

„Iss mal was anderes…“, befahl er mir gerade, um mir nun den Eintopf im Tropfenden Kessel nahezubringen, weil er der Ansicht war, dass ich ausgehungert sein müsste. Wie gut, dass es durchaus stimmte.

„Bitte, Lucius, das Essen Daheim ist doch auch gut“, murrte ich nur, da ich mir die lärmende Umgebung widerwillig besah und er mich mehr oder minder gezwungen hatte, gesellig zu sein.

„Nouvelle Cuisine? Ich denke, etwas Deftigeres bekommt dir auch mal!“, drang Lucius ungewohnt eindringlich in mich und schenkte mir einen langen Blick, in dem fast der Schalk zu sitzen schien.

„Mpfff…“ Was sollte man auch anderes darauf antworten?

Er erschien zweigeteilt, wie er mich behandeln sollte. Auf der einen Seite erkannte er meine gute Laune und dass ich prächtiger Stimmung war, auf der anderen Seite verhielt er sich, als wäre ich schwer krank. Dass ich fast gestorben wäre, tat mal nichts zur Sache, wie ich fand, denn ich lebte und hatte mich erstaunlich schnell erholt und mit den neuen Begebenheiten als SoulGatherer abgefunden. Eigentlich war ich nur froh, dass er nicht weiter nachbohrte, wobei ich annahm, es war die Ruhe vor dem Sturm, nur weigerte ich mich, mir schon jetzt wegen später Sorgen zu machen. Ich würde mich dem und Lucius‘ Neugierde einfach stellen, wenn es Zeit wurde und keine Sekunde früher.

Na gut, dank seiner Einkaufstour, die nichts zu wünschen übrig gelassen hatte, und den vorausgegangenen Prüfungen fühlte ich nun doch langsam eine gewisse Mattheit in mir aufsteigen. Auch dass ich bisher keine Nahrung zu mir genommen hatte, spielte hier mit rein, aber ansonsten fühlte ich mich immer noch wie neugeboren.

Das wankende und verschwundene Selbstvertrauen war wieder da und ich konnte mit hundertprozentiger Sicherheit behaupten, wieder die alte, entschlossene Hermione zu sein, die keine Sekunde in ihren Entscheidungen zögerte. Also löffelte ich gezwungener Maßen mit einem nachsichtigen und spöttischen Lächeln meinen Eintopf, der mir erstaunlicher Weise richtig gut schmeckte.

Ich würde nicht mit ihm diskutieren, wenn ihm so schrecklich viel daran lag, dann aß ich es halt, denn es spielte absolut keine Rolle. Ich strich mir eine lange, blonde Strähne aus dem Gesicht und aß unter den Argusaugen von Lucius, in Gestalt von Abraxina, mit Appetit weiter.

„Gefallen dir die neuen Sachen?“, forschte er gar nicht neugierig nach und ich schmunzelte weiter nachgiebig.

„Dekadenz, Lucius, schlussendlich sind schon alle Schränke im Manor gefüllt!“, wiegelte ich leise kichernd ab.

„Du bist zu selbstlos“, bescheinigte er mir nonchalant und nahm ein Stück vom Brot.

„Hahahaha, das passt wohl nicht wirklich auf mich als Beschreibung, aber natürlich gefallen mir die Sachen. Über deinen Geschmack kann man sich nicht beklagen!“, schmeichelte ich leichthin und hob mein Butterbier an.

„Endlich hast du eingesehen, dass ich einen vorzüglichen Geschmack mein Eigen nennen kann!“, gab er jovial zu und stieß mit mir an, bevor er trank.

„Du bist schrecklich überheblich!“, grinste ich erheitert und strahlte regelrecht.

„Möchtest du es anders haben?“, fragte er mit diesem gewissen Timbre in der Tonlage, das einem eine Gänsehaut bescheren konnte.

„Nein, dann wärest du nicht du!“, amüsierte ich mich köstlich über ihn und seine honorige Art sich zu geben. Gerade gab er mir das Gefühl, als würde ihm doch aufrichtig etwas an mir liegen und das war ein sehr schönes Gefühl, vor allem nach der Kälte, die ich auf der anderen Ebene, auf der anderen Seite des Schleiers, erlebt hatte.

„Touché!“, prostete er mir gewohnt umgänglich zu und schenkte mir ein maliziöses Lächeln.

„Was macht ihr hier?“, wirbelten unsere beiden Häupter zu der vorwurfsvoll klingenden Stimme herum, die hinter unserem Tisch stand.

„Draco…“, hauchte ich gehemmt, weil ich ihn immer noch vor mir sah, wie er mit schreckensbleicher Miene auf mich hinab gestarrt hatte, bevor die vollkommene Agonie über mir zusammengeschlagen war.

„Dasselbe könnte ich dich fragen. Was machst du hier?“, konterte sein Vater, wie auch sonst, souverän.

„Ich habe einen Termin bei Gringotts… und ihr?“, ließ aber auch sein Sohn nicht locker und trat nun entschlossen durch unsere Zauber, zog sich den Stuhl heran, um sich neben mir hinzusetzen.

„Nach was sieht es denn aus?“, wollte Lucius provokant erfahren, dabei warf er Draco einen pikierten Blick zu und danach einen auf den Tisch, auf dem unser Essen stand, als wäre dieses Bild selbstredend.

„Das meine ich nicht. Was habt ihr davor gemacht?“, überging Draco lässig den tadelnden Einwurfs seines Vaters.

„Shoppen…“, wisperte ich atemlos und nippte wieder an meinem Butterbier.

„Shoppen? Seit wann das?“, runzelte Draco mehr als irritiert die Stirn. „Und vor allem nach letztens… geht es dir dafür gut genug? Warum bist du überhaupt schon auf? Du musst ruhen“, warf er seinem Vater einen anklagenden Blick zu und fasste gleichzeitig besorgt nach meiner Hand.

„Du kannst mir glauben, Draco, dass ich auf sie Acht gebe, besser als JEDER andere“, klang dies selbst in meinen Ohren wie ein großer Vorwurf an Draco, weil ihm das an Lughnasadh nicht gelungen war. Es hörte sich an, als wäre er schuld gewesen, dass er es so weit hatte kommen lassen und ich durch die Schleier geschritten war. Dies war großer Unsinn und so blickte ich Draco auch sofort begütigend an.

„LUCIUS!“, murmelte ich dann auch umgehend mit einem Vorwurf in meiner Stimme und stoppte damit, zu meiner Verwunderung, diesen doch so einschüchternden Mann, da er sofort verstummte.

„Oh, hörst du… Lucius…“, ätzte sein Sohn sehr leise, woraufhin sich Lucius‘ Augen zu gefährlichen Schlitzen verengten, aber ich schaffte es, seinen Blick einzufangen und hielt ihn. Dadurch schien er sich zu beruhigen. Ich atmete erleichtert auf, als der Sturm sichtbar aus seinem Blick verschwand und er über Dracos Provokation stand.

„Es war eine nette Abwechslung, nur hat es mich ermüdet“, ergriff ich nun eilig das Wort, damit die Stimmung nicht völlig kippte.

„War es doch zu viel?“, wollte nun aber sofort Lucius besorgt erfahren und ich rollte ostentativ mit den Augen.

„Das habe ich gerade gemeint, sie muss sich schonen!“, brauste Draco sogleich auf, worauf ich mit der flachen Hand entschlossen auf den Tisch haute. Das Verhalten der beiden war ja nicht auszuhalten.

„Schluss!“, rief ich hart und empört über diese Bevormundung, woraufhin beide endlich den Mund hielten. „Lucius, es war nicht zu viel, nur das Essen bekommt mir nicht wirklich“, fasste ich Lucius fest ins Visier, bis er nur knapp nickte und so wandte ich mich der anderen Glucke zu. „Und zu dir, Draco, ich muss mich nicht schonen. Mir geht es erstaunlich gut, blendend um genau zu sein und dein Vater hatte recht, die Abwechslung hat mir sehr viel mehr geholfen, als jedes dahinvegetieren im Manor! Könnten wir nun bitte dieses Thema fallen lassen?“

Beide sahen sich nach meiner Standpauke um, wobei Lucius sich schneller zu fangen schien als Draco.

„Da das nun geklärt ist, musst du nicht gehen, Draco?“, konterte Lucius absolut überheblich und sorgte dafür, dass Draco abwertend schnaubte. Die Stimmung zwischen den beiden war denkbar schlecht.

„Lucius, wann hast du das letzte Mal Draco nach Gringotts begleitet? Es wäre doch nett, wenn ihr mal wieder etwas zusammen machen würdet“, schlug ich spontan vor und erntete derart perplexe Mienen, dass es zum Lachen hätte sein können, wenn es nicht so traurig gewesen wäre. „Schaut nicht so, ihr habt mich schon richtig gehört! Mit den Kobolden über Geld reden, was könnte es für einen Malfoy schöneres geben?“

„Nicht dein Ernst!“, hauchte Lucius tatsächlich einmal in Leben relativ atemlos und ich schenkte ihm mein süßestes Lächeln.

„Er hat recht, BITTE?“, jammerte Draco nicht wirklich männlich, aber ich schnalzte nur abfällig mit der Zunge.

„Tut nicht so und ein Nein akzeptiere ich nicht! Ich werde hier austrinken und danach ins Manor zurückkehren. Ich bin schon groß, stellt euch vor, und bitte tut mir den Gefallen, macht das zusammen!“, bat ich zum Schluss hin ernsthaft. Ich hasste es, wenn sie wegen mir stritten, denn sie sollten eine Einheit sein und nicht Konkurrenten um nichts und niemanden.

Sie schienen ernsthaft mit sich zu ringen, aber sich derart entblößen wollten sie sich auch nicht, deshalb konnte man so gut wie nicht hinter ihren maskenhaften Mienen lesen. Sie schienen nonverbal zu kommunizieren und sich zu einigen, da sie plötzlich gleichzeitig aufstanden.
„Ganz wie die Dame wünscht!“, entgegnete Lucius zuvorkommend und küsste mir beiläufig erscheinend die Hand, aber mir zog trotzdem eine Gänsehaut auf, als seine Lippen nicht konform meine Haut streiften.

Draco hingegen beugte sich zu mir und hauchte mir einen sanften Kuss auf die Wange, bevor beide Männer durchaus aufmerksamkeitsheischend entschwanden und mich mit einem sachten Seufzen auf den Lippen zurückließen.

Sie legten einen passenden Abgang für einen Malfoy hin. Mit wehenden, sommerlich leichten Mänteln eilten sie davon, dabei waren sich beide der Aufmerksamkeit der Personen im Gastraum mehr als bewusst. Es war ein beeindruckendes Schauspiel, das ich mir durchaus genüsslich ansah und selbstvergessen ein Stück von meinem Brot abbiss.

„Interessant!“, wurde auf einmal wieder Dracos Stuhl verschoben und plötzlich setzte sich eine mir unbekannte Person rotzfrech neben mich und ließ mich kurz sprachlos zurück.

„Bitte?“, schrak ich aus meiner Versunkenheit. „Was fällt Ihnen ein?“, forderte ich klirrend kalt zu erfahren.

„Wow, du stehst ihnen wirklich in nichts nach!“, kam es regelrecht intim und ich erstarrte. „Sowohl gerade im Aussehen, so blond und spitz, als auch im Gehabe, das macht es noch krasser und ist extrem gewöhnungsbedürftig.“

„Wie bitte?“, blickte ich in braune Augen, wobei ich nun meine misstrauisch verengte. „Harry?“, fragte ich plötzlich zaghaft.

„Ja, ich dachte mir, dass du flott bist, aber so flott… ist die Verwandlung so schlecht?“, wollte er auf einmal unsicher erfahren und fuhr sich prüfend durch die Haare, zupfte vorsichtig an den Strähnen, die seine augenblicklich nicht vorhandene Blitznarbe überdeckten.

„Nein, nein, sie ist gut, wirklich gut… du siehst wirklich ganz anders aus!“, beeilte ich mich zu sagen und schüttelte mich wegen seinem Wagemut, sich hier alleine aufzuhalten.

„Was hat mich dann verraten?“, wollte er interessiert erfahren und neigte sein verändertes Haupt.

„Deine Art, dein Blick, dein Ton… ich kenn dich einfach!“, zuckte ich entschuldigend mit den Schultern.

„Ahhh, das muss es sein… du siehst aber auch abstrakt aus… so malfoylike! Und noch in der Aufmachung, wowhoooo!“, pfiff er durch die Zähne und ich kicherte so befreit wie schon lange nicht mehr. Dass Harry auf meinem Aussehen herumreiten musste, stand außer Frage.

„Hey, ich mime Abraxina! Mehr Achtung bitte, vor meiner hoheitlichen Person!“, meinte ich verspielt zu ihm und gab ihm einen Klaps auf die Schulter; bisher war alles erschreckend normal zwischen uns.

„Ich sag´s ja, sie bekommen dir echt nicht!“, zog er einen betrübten Flunsch und schielte mich treuherzig an. „Aber mal ganz was anderes, geht es dir schon gut genug, um hier herumzutoben?“, zeigt er eine sehr ernsthafte Miene, dabei studierte er mich genau und ich verfluchte mein Glück, gerade noch gedacht zu haben, dass mein Auftritt in Irland schon vergessen war.

„Darüber solltest du dir keine Gedanken machen. Ich frage mich eher, was hast du hier zu suchen, verdammt? Ganz alleine noch dazu!“ Meine Augen surrten suchend durch den Raum, als ich abcheckte ob ich recht hatte und er wirklich und wahrhaftig so leichtsinnig war, alleine hier herumzuturnen. Außerdem lenkte das exzellent von mir und meiner Person ab.

„Hey, ich kann auf mich aufpassen!“, brauste er sofort temperamentvoll auf und seine braunen Augen funkelten unheilverkündend.

„Aha!“, meinte ich nicht wirklich überzeugt.

„Das sagst du auch immer und stimmt es nicht?“, hielt er mir anklagend vor und nach einem langen Blick zu ihm verstand ich, was er sagen wollte. Warum er dachte, dass es nicht stimmte, dass ich auf mich aufpassen konnte.

„Du warst dabei?“

„Ja, war ich“, meinte er ernst, sehr ernst.

„Du fragst nicht weiter?“, zeigte ich offen meinen Unglauben. „Was in der Burg passiert ist?“

„Wie denn? Gellert hat so viel gezaubert, dass ich, glaub ich, nicht mal mehr daran denken kann!“, offenbarte Harry einen schrecklichen Zynismus, der mich doch glatt lachen ließ, aber auch vor großer Erleichterung, dass der alte Quertreiber derart verlässlich und weitsichtig war, wenngleich ich bezweifelte, dass seine Zauber derart durchschlagend waren.

„Nicht dein Ernst?“, hauchte ich entsetzt, als ich bemerkte, dass er seine stoische Miene beibehielt und mir offenbarte, dass er diese Miene durchwegs ernst meinte.

„Oh doch, er kam richtig in Fahrt, als ihr weg wart und hat losgelegt… euer Geheimnis ist in der Masse von Leuten, die es gesehen haben, so sicher wie die Verliese von Gringotts“, ätzte er nachtragend.

„Wow, das hätte ich nicht erwartet!“, entstand auf meiner Stirn eine steile Falte.

„Ohhh bitte, über seinen Sonnenschein lässt er doch nichts kommen!“, giftete Harry ungewohnt bissig weiter, während er sichtbar angefressen war.

„Du bist sauer?“

„Etwas…“, gab er dann widerwillig zu.

„Aber ich kenn dich, ich kenne euch, hast du mit Gellert, Ron oder mit Draco geredet?“, warf ich überlegend ein.

„Nein, nicht wirklich… Dein Draco war verschlossen und Ron hat Schlafprobleme… seitdem…“, informierte er wenig schmeichelhaft und ich wandte kurz meinen Blick ab. „Aber mit Gellert habe ich kurz gesprochen. Er ist flutschig wie ein Aal“, unterstrich er mit einer wegwerfenden Geste.

„Hermione, ich habe kapiert, dass das was dort ablief extrem gruselig und sonderbar war, aber auch, dass das in einer anderen Welt stattgefunden hat und ganz, ganz ehrlich… das stresst mich. Ich habe hier schon genug zu tun“, stieß er vorwurfsvoll aus, dabei betrachtete er mich durchwegs besorgt, bis sein Blick sehr traurig wurde. „Oder besser gesagt, ich bekomm davon Bauchweh, also will ich das nur stufenweise erfahren, langsam, aber sicher… sagen wir es so“, entließ ich bei seinen Worten langsam die Luft, „was mich mehr interessieren würde ist, wie der Vorgänger von Snape, du siehst, er hat ganze Arbeit geleistet, denn in dem Zusammenhang kann ich nicht mal seinen Namen sagen“, fletschte Harry übellaunig seine Zähne. „Ich hasse es, verflucht zu werden… aber egal, zurück, warum klebte ER an Gellert? Irgendwie versteht nun jeder, warum der Alte so verrückt war. Er war es gar nicht!“

Es war verständlich, dass Harry erklärt bekommen wollte, wie es kam, dass Albus die ganze Zeit bei uns gewesen war.

„Ach… ich bin schuld!“, gestand ich kleinlaut, mit einem Seufzen auf den Lippen.

„Oho, was für Töne, seit wann das?“, fragte er provokant.

„Immer… ich bin nicht stolz darauf. Es passierte, als er starb, diese Gabe, oder eher dieser Fluch, der mein Eigen ist, hat gegriffen und Schwupps, was soll ich sagen? Gellert war alles andere als erfreut und Albus erst!“, meinte ich sehr betrübt, während Harry mich kopfschüttelnd betrachtete.

„Das glaub ich dir sogar aufs Wort, aber ist das jetzt gefährlich, dass er alles weiß?“, kam er auf das Wesentliche und zeigte eine neue Weitsicht. „Und warum hast du es uns… oder mir nicht gesagt?“

„Du denkst an die Gemälde?“

„Ja, genau…“

„Er kann nicht in sein Gemälde. Wem sollte er gefährlich werden?“, winkte ich eilig ab und spielte eine größere Selbstsicherheit vor als ich besaß.

„Dein Wort in Merlins tauben Ohren!“, gab Harry wenig zuversichtlich von sich. Da wusste ich noch nicht, wie sehr ich mich irrte. „Also, warum hast du es verschwiegen?“

„Mhm, Gellert und ich wollten nicht, dass ihr es wisst, außerdem waren wir so gefesselt von der Aufgabe, mich zu retten!“, gestand ich ein und nippte an meinem Bier.

„Es gefällt mir absolut nicht, wirklich nicht, und ich verlange und fordere, dass, wenn noch mal so was in der Art passiert, du auch zu mir kommst“, kam es mehr als entschlossen von Harry und er strahlte hierbei durchaus eine gewisse Autorität aus, die mich nur sachte nicken ließ.

„Aber nun zum absolut Wichtigsten, dir geht es gut? So richtig? Das war brutal, was da passierte“, umschrieb er blumig meine grenzwertige Erfahrung hinter dem Schleier.

„War es so schlimm?“, wollte ich vorsichtig wissen, da ich nicht wusste, was die Zuschauer hatten sehen, oder gar miterleben können, denn ich war von meiner Seite aus gesehen, vollständig auf der anderen Seite gewesen.

„Oh ja, deine Schreie waren nicht von dieser Welt… grausam, sie verfolgen einen bis in den Schlaf“, erklärte er mir wenig subtil Rons Schlafprobleme, was mich eine Grimasse schneiden ließ.

„Das… das… ja, mir geht es gut, so richtig, auch wenn ich nicht darüber reden möchte!“, stieß ich dann hervor und riss meinen Humpen zu mir, um einen Schluck zu trinken. Leicht fiel es mir nicht, das Erlebte in Worte zu fassen, dazu war es einfach zu unfassbar, was ich dort gesehen, erfahren und getan hatte.

„Sicher? Immerhin hast du dort etwas sehr, sehr Wichtiges zurückgelassen!“, murmelte Harry leise und sichtbar betrübt.

„Nicht für mich, Harry. Als ich anfing, mit dieser Art der Magie zu spielen, stand für mich von vornherein fest, dass ich keine Kinder haben würde, also ist es ein überschaubarer Verlust!“, gestand ich langsam, mit wohlgesetzten Worten.

„Hermione! Das kann nicht dein Ernst sein, oder? Du hast so knallhart kalkuliert?“, schien er aufrichtig entsetzt zu sein.

„Doch!“, erklärte ich, daraufhin verfiel er kurz in brütendes Schweigen.

„Okay… hör zu… was anderes… ich weiß, dass das verbotene Magie ist, aber ich bin Muggel! Vampire, Werwölfe, Hexen, Zauberei im Allgemeinen, das ist alles verboten, zumindest, wenn man nach Petunia und Vernon geht… verstehst du, was ich sagen will? Ich habe nicht diese Vorurteile gegen irgendeine Art von Magie, wie die Magier, ich bin anders… und erinnere dich, was ich im zweiten Jahr durchgemacht habe, als alle dachten ich wäre böse, nur weil ich ein Parselmund bin… mein Sohn ist auch einer“, rief er mir eindringlich in Erinnerung und es tat gut, mit jemandem wie Harry mal Klartext zu reden.

„Oh, Harry… das ist… das ist lieb von dir… so lieb… mach dir keine Sorge, damals standest du darüber und dein Sohn ist aufgrund absonderlicher Umstände eine Parselzunge… aber du kannst das, was ich getan habe, nicht damit vergleichen!“, schränkte ich sofort ein.

„Hermione, nimm dich nicht zu wichtig!“, tadelte er mit erhobenem Zeigefinger.

„Das tue ich nicht, Harry, aber du bist Harry und ich… bin ich!“, resümierte ich leise, worauf er abfällig schnaubte.

„Jooo und ich bin ebenfalls was ganz Besonderes!“, entgegnete er irgendwie wehmütig.

„Dir bekommt Gellert nicht, eindeutig!“, grollte ich wegen seines neuen Selbstbewusstseins, das sich mit meiner neuen Leichtigkeit fast messen konnte. Aber es stimmte, uns vereinte unser absonderliches Dasein.

„Ich lerne seit Jahren, mich zu wehren und ich bin mir mittlerweile nicht mehr zu fein, wegzulaufen, wenn es die Situation erfordert und selbst wenn diese Lestrangeschlampe plötzlich hier auftauchen würde, könnte ich mich locker zurückhalten… ich bin erwachsen!“, zierte eine fast hochmütige Miene seine veränderten Gesichtszüge.

„Dein Wort in Merlin und Morganas, aber vor allem der Göttin Ohr!“, rollte ich mit den Augen.

„Ahhh, seit ein paar Tagen höre ich immer nur noch Göttin, willst du mir was sagen?“, fragte er erneut sehr aufmerksam und ich schüttelte mich eilig.

„Um göttlichen Willen, NEIN!“

„Dachte ich mir!“, resümierte er gönnerhaft, dabei sah Harry so völlig anders aus und hörte sich so völlig anders an als der sonstige Harry, dass es fast schon verwirrend war.

„Kann ich nun erfahren, was du hier wirklich tust?“, fragte ich eindringlich und lehnte mich zu ihm. Ich wusste durchaus, wie man ein Thema wechseln konnte.

„Puh… immer gerne doch. Ich bin doch liebend gerne ein offenes Buch für dich“, hob er spöttelnd die Hand, als ich empört aufbegehren wollte. „Ich war zuerst am Grimmauld Place, habe mit Moody geplauscht, war mal nötig, damit der Alte auf dem Laufenden bleibt… vor allem, da dein lieber Snape ins Quartier kam und sich ein wenig in Sirius‘ Zimmer umgesehen hat“, warf Harry mir bedeutungsvoll vor die Füße und mir gingen bei den Informationen fast die Augen über.

„Wahhh? Warum?“, hauchte ich überrumpelt.

„Tja… da siehst du einmal, endlich weiß ich mal mehr als du“, grinste Harry verteufelt diabolisch und schien es durchwegs zu genießen, mich übervorteilen zu können.

„Halt, stopp und er hat Moody nicht entdeckt?“, fragte ich mehr als perplex.

„Nein, Kreacher nimmt seine Aufgabe sehr ernst! Er hat Mad-Eye mit seiner Magie verborgen, lief alles easy ab. Und Moody nimmt es sportlich, dass er sich verstecken muss. Ich hab ihm erzählt, wie der Lord seinen Triumph über den Orden feiert, weil er tot ist und deshalb hält er sich zurück. Er weiß, dass es ein Vorteil ist, dass die andere Seite denkt, er sei von uns gegangen. Er ist nicht dumm! Er meinte so was wie: „Ich war ein verficktes Jahr in einer Kiste, da ist das Haus richtiger Luxus“.“ Ich kicherte leise, da sich das verdammt nach dem alten Haudegen anhörte. „Das einzige worüber er jammert ist sein verlorenes Auge… ach… echt tragisch“, stöhnte Harry mitleidig.

„Das sehe ich sogar plastisch vor mir!“, murrte ich düster in Erinnerung daran, wie dieses Kleinod als Triumph beim Lord vorgeführt worden war.

„Ja, es war sehr eindringlich, wie er dem hinterher trauert… danach bin ich in das Zimmer von Regulus gegangen, was spannend war, da ich es erstaunlich finde, dass wir es immer übersehen haben… mhm… vielleicht ein Zauber? Na, egal und in Sirius‘ Zimmer hat Snape gewütet. Er hat es zerlegt, hat anscheinend was gesucht und gefunden, hier schau, das lag in Sirius‘ Zimmer auf seinem Bett“, flatterte auch schon ein gefalteter Brief vor mir auf den Tisch.

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