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 Kapitel 459-460

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queenie
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BeitragThema: Kapitel 459-460   Di Apr 29, 2014 6:32 pm

459. Kapitel Prince House


Hermiones Sicht

Ich war angekommen und auch wenn ich noch immer keine Ahnung hatte, in welchem Landesteil von Britannien dieses Anwesen lag, so machte es großen Eindruck auf mich. Es wirkte edel, aber ganz anders als erwartet, das hier war nicht das heruntergekommene Spinners End, das hier war ein unerwartet großes Anwesen, das von Geschmack aber auch von Geschichte erzählte.

Ich fühlte mich noch immer überfahren von den ganzen Eindrücken. Zuerst Draco mit Irland, dann Lucius mit Syon und nun Severus mit Prince House, hatten die in der magischen Welt alle zu viel Geld? Dass Severus ein solches Anwesen besaß, war mir nicht gegenwärtig gewesen, aber es passte zu ihm, wie die Faust aufs Auge.

Es war ein starker Kontrast zum Manor, aber es gefiel mir. Dieser Mann neben mir in dem großen, gemütlichen Bett hatte mehr Wohnsitze als andere Unterhosen, aber wer sagte, dass er nicht immer für eine Überraschung gut war?

Wow, das war gigantisch und ich fühlte mich wie die Prinzessin auf der Erbse, vor allem nachdem mir Severus offenbart hatte, wo genau er mich hier haben wollte, neben sich, bei sich, in seinem Bett.

Soeben hatten wir sein Bett in seinem Haus mehr als gründlich eingeweiht und ich hatte unfassbar genossen, ihn derart getrieben zu erleben, nachdem er mir mal wieder das Leben gerettet hatte. Seine Blicke waren mir durchaus aufgefallen, um genau zu sein waren sie mir beim Sex durch und durch gegangen und hatten für eine ständige Gänsehaut bei mir gesorgt. Es bedeutete ihm anscheinend viel, dass ich hier war.

Und das glaubte ich unbesehen, was war es doch für ein Vertrauensbeweis, dass er mich mit hier her nahm, ich kannte den sehr privaten Mann Severus Snape und daher wusste ich, dass er sich niemandem ganz öffnete. Er als Mensch fühlte sich als Eremit sehr wohl, dass ich hier war, oder eher lag, war ein großer, fast einzigartiger Vertrauensbeweis, den ich stets in Ehren halten würde.

Es war wie Syon, das mir Lucius nahegebracht hatte, oder Draco sein Irland.

Jeder meiner Männer hatte eine ganz private Seite und sie alle hatten sie mir enthüllt. Ich fühlte mich geehrt, aber bis vor kurzem hätte ich mich damit auch leicht überfordert gefühlt, aber soeben fühlte ich mich einfach nur glücklich darüber, dass sie mir vertrauten!

Ich kuschelte mich befriedigt in Severus‘ Arme, während er leicht schlummerte, nachdem er mit mir die körperliche Befriedigung gefunden hatte. Dies war eine selten erlebte Gegebenheit, die er sich in Hogwarts nie erlauben würde und damit war es ein rarer Moment, den ich nicht brechen würde, deshalb blieb ich stumm und verarbeitete das Erlebte.

„Ich fasse es nicht, dass du Gellert Grindelwald befreit hast!“, fing er urplötzlich aus heiterem Himmel an und ich versteifte mich an seiner Seite, denn dass er nun mit dem Verhör beginnen würde kam unerwartet.

„Oh.“

„Ja. Ich weiß ja nicht, ob Draco es dir gesagt hat, denn mitbekommen wirst du es nicht haben, er hat mich geholt und ich habe mit dem Alten geredet, während ich dich geheilt habe“, erklärte er ruhig, während wir nebeneinanderlagen.

„Oh… das wusste ich so noch nicht!“ Natürlich wusste ich um die Umstände, dass Severus aber wusste, um wen es sich bei Gellert handelte, hatte ich mir noch nicht eingestehen wollen.

„Ich fasse es nicht, dass du in Nurmengard eingestiegen bist!“, entließ er mich anklagend aus seinen Armen und zog sich am Kopfteil des Bettes hoch, um mir einen missbilligenden Blick zu senden.

„Es war sträflich einfach!“, ruckte ich hoch und fuhr mir durch mein Haar.

„In ein Gefängnis einzubrechen?“, wollte er recht pikiert erfahren und ich war versucht, ihm die Zunge rauszustrecken.

„Naja, das Ausbrechen war auch recht einfach“, ging mein Zynismus mit mir durch, was bei Severus augenscheinlich nicht gut ankam, da er mürrisch seine Mundwinkel senkte.

„Du bist unglaublich, aber warum Grindelwald?“

„Er konnte mit dem neuen Sein helfen und naja… wegen Albus… die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit und ich dachte… ich meine…“, versuchte ich mich zu rechtfertigen, ein Umstand, den ich abgrundtief hasste, aber ich schuldete es Severus. Währenddessen kämpfte ich mit den Laken, um meine nackten Brüste zu bedecken.

„Ich denke“, sprach auf einmal Severus in die einsetzende Stille, „dass es genial war.“ Mir klappte der Mund auf, woraufhin er fortfuhr. „Ohne den Alten hättest du es wahrscheinlich nicht geschafft, das Dasein als SoulGatherer zu meistern!“, verstand es Severus, mich absolut zu überraschen.

„Du siehst es auch so?“, stieß ich vollständig überrumpelt aus.

„Natürlich!“

„Puhhh“, plumpste ich mit einer unerwartet großen Erleichterung wieder zurück ins Kissen und erlaubte es mir, dass ein sachtes Lächeln an meinen Lippen zupfte.

„Warum war Albus dort?“, fragte Severus auf einmal erneut in die Stille hinein. Ich riss die Augen wieder auf, wobei ich mich fragte, was er noch alles wusste und zog die Bettdecke zurück über meine nackte Brust.

„Muss das jetzt sein?“

„Wir können uns auch anziehen… aber ja!“, blieb er kompromisslos hart, jetzt war er wieder der gefürchtete Professor und ich stöhnte.

„Du scheinst zu viel Kraft zu haben!“, grinste ich anzüglich, als mich ein tadelnder Blick aus pechschwarzen Augen traf, der seine Ungeduld unterstrich und so zuckte ich dann aber die Schultern, es war schon egal. „Als Albus starb, gingen meine neuen Kräfte mit mir durch und ich hab Mist gebaut… großen Mist… irgendwie hab ich Albus so halb… halb eingesammelt und dabei unabsichtlich an Gellert gebunden, war recht verworren und hat die beiden fast in den Wahnsinn getrieben!“, versuchte ich die Geschehnisse zusammenzufassen und Severus nickte, als würde er es verstehen und ihm glaubte ich das sogar.

„Dann war Gellert Grindelwald damals auch auf dem Turm? Ehrlich?“, zeigte sich, wie weitsichtig Severus doch immer war.

„Du hast bemerkt, dass noch jemand dort gewesen ist?“, fragte ich vorsichtig nach.

„Ja!“

„Du bist gut! Und es stimmt, ich hatte Gellert bei mir und ab dann ging sehr viel ganz schrecklich schief“, gestand ich widerwillig mit einem tiefen Seufzer ein, ich ruckte hoch, setzte mich auf und zog meine Beine unter der Decke an, nah an meinen Körper um dann mein Kinn auf meinen Knien zu positionieren.

„Deshalb schläft sein Bild die ganze Zeit!“, hörte sich Severus‘ Stimme in meinem Ohr irgendwie erfreut an, als hätte er ein Rätsel gelöst und freue sich nun über die Tatsache, dass ihm das gelungen war.

„Bitte?“, wollte ich irritiert erfahren und als ich ihm mein Gesicht zuwandte, legte ich meine Wange auf meine Knie.

„Du weißt es nicht? Die Gemälde im Büro der Schulleiter, alle Portraits machen sich Sorgen“, strahlten mich seine obsidianfarbenen Augen an, was mich eine Braue heben ließ.

„Tja, also jetzt dürfte er wieder dort drinnen sein“, verdüsterte sich sein Blick bei dieser Aussage sofort.

„Wie gut, dass niemand das Büro betreten kann, während ich weg bin!“, wirkte er umgehend angespannter als auch überlegter und ich lachte kurz auf.

„Du solltest dir Ohrenstöpsel mitnehmen, wenn du das nächste Mal dort reingehst!“, warnte ich vorausschauend. „Albus wird dich mit einer wahren Litanei an Vorwürfen überhäufen und mich in den düstersten Farben malen… er mag mich sehr!“, seufzte ich aufrichtig mitleidig, denn diese erste Begegnung malte ich mir in den buntesten und schillerndsten Farben aus.

„Albus?“, überging er den Rest meiner Ausführung dezent und erkannte, das ich unseren ehemaligen Schulleiter die ganze Zeit sehr vertraulich ansprach.

„Ja, weißt du, wenn man sich auf vielfältigen Ebenen so nah ist, fällt es schwer, beim Nachnamen zu bleiben und außerdem wollte ich ihn ärgern… für ihn bin ich die Schlampe, das Miststück, die Canaille und vieles mehr… ich habe ihn einmal mit einem Muffin beworfen“, wollte ich Severus in einige lustige Begebenheiten einweihen.

„Hahaha… nicht dein Ernst!“, lachte Severus tief und volltönend, dabei betrachtete ich interessiert, wie sich seine Gesichtszüge veränderten und lächelte selbst nachsichtig.

„Doch, er ist grau gewesen und es flog durch ihn durch aber er wirkte dramatisch pikiert… er hasst mich inbrünstig!“, strichen meine Finger über den seidigen Stoff der Decke.

„Oh ja, das glaube ich dir sogar aufs Wort. Albus Dumbledore ist kein ungefährlicher Gegner, selbst im Tode nicht!“, war Severus sofort wieder todernst und verschränkte seine Arme vor seiner nackten Brust.

„Ich weiß, ich würde ihn nie unterschätzen… und ich mache mir Sorgen, da er jetzt nicht mehr an mich gebunden ist! Er kann nun sagen und machen was er will!“, gestand ich unwohl und seufzte leise.

„Nein, das kann er nicht, weil er an seinen Eid, dem neuen Schulleiter gegenüber, gebunden ist… ich werde ihm befehlen, zu schweigen!“, verkündete Severus düster und ich blinzelte, da mir augenblicklich eine riesengroße Last von den Schultern fiel.

„Das kannst du?“, forschte ich hoffnungsvoll nach, was mir ein sehr abfälliges Schnauben von ihm einbrachte.

„Das kann ich und das werde ich!“, verkündete er gewichtig und es war überwältigend, zu spüren, dass er es ernst meinte, er meinte es aufrichtig, dass er sich darum kümmern würde, dass Albus schwieg. In mir brodelte es und so schnell konnte er gar nicht schauen, wie ich mich gegen ihn warf und ihn meinen wirren lockigen Haarschopf ins Gesicht drückte.

„Da fällt mir ein Stein vom Herzen!“, wisperte ich an seiner Halsbeuge und atmete seinen Duft ein, so kicherte ich dann vergnügt, da ich mir vorstellte, wie Severus Albus jedes weitere Wort verbot.

„Was ist so lustig?“, fragte er, während er mich, zu meiner Verwunderung, nicht wegdrückte, sondern mich eher näher zu sich zog.

„Dass er es hassen wird!“, wisperte ich.

„Nun ja, es ist nicht so, als würde noch die Gefahr bestehen, dass er an seiner Wut erstickt“, überschüttete nun auch Severus Albus mit seiner Ironie.

„Severus, das wird er, wirklich… aber dieser Stunt in Irland, der war nicht ohne und ohne Albus als Überbringer von Gellerts Worten wäre ich aufgeschmissen gewesen“, wandte ich dann doch widerwillig ein, aber ich wollte nicht lügen, nur Albus hatte mir helfen können und er hatte es trotz aller Ressentiments getan.

Nun legte sich wieder eine Stille über uns, die ich nicht zu brechen gewillt war und ich musste es auch nicht, da er sich aufraffte.

„Findest du es schlimm, dass du geben musstest was du gabst?“, fragte Severus umständlich, woraufhin ich mich aufrichtete um ihm ins Antlitz zu blicken.

„Nein!“, verkündete ich aufrichtig. „Es stand für mich fest, seitdem ich in die Nekromantie eingetaucht bin… und… ich weiß nicht, ob du dich daran erinnerst… als ich Daphne war, während des Trainings… der Vielsafttrank…“, rief ich ihm stockend ins Gedächtnis, wie er mich in den Bauch getreten hatte und damals alles über mich hereingebrochen war, er schien sich zu erinnern, da er unter mir erstarrte.

Als er nicht sprach machte ich weiter:

„Ich hatte damals in Dracos Armen eine „falsche“ Fehlgeburt“, musste ich über meine wirre Aussage lachen, „und dies hat mich doppelt und dreifach darin bestärkt, dass ich das nicht will und nach der katastrophalen Geburt von Lucien und dem toten Zwilling empfinde ich es fast als Erleichterung, dass ich das nicht tun muss und nicht tun werde… aber wie gesagt, jeder Nekromant trifft diese tiefgreifende Entscheidung sehr bewusst und eigentlich bereits bevor er den entscheidenden Schritt macht.“ Ich blickte zu ihm auf. „Du weißt über dergleichen Bescheid.“

„Natürlich, jeder Nekromant ist sich sehr bewusst, auf was er sich einlässt“, war kein Mitleid in seiner Tonlage noch in seiner ausdruckslosen Mimik zu erkennen und das freute mich indirekt sehr, denn es waren alles meine Entscheidungen gewesen, die ich doch sehr überlegt getroffen hatte und mit den Konsequenzen hatte ich zu leben lernen müssen, was er zu respektieren schien.

„Aber du bist keiner“, wagte ich festzustellen, dabei kratzte ich ihm leicht über seine vernarbte Brust. „Nicht wirklich zumindest!“

„Fast wäre ich einer geworden und ich treffe meine Entscheidungen nie leichtfertig“, gestand er mir ungewohnt freizügig. Heute schaffte Severus es, mich zutiefst zu erstaunen, während ich mich an ihm presste.

„Es ändert trotzdem nichts daran, dass du keiner bist!“, beharrte ich darauf, denn zwischen Sein und nicht Sein lag ein gewaltiger Unterschied. Ich löste mich mit einer gewissen Wehmut aus seinen Armen, drehte mich jedoch nicht zu ihm um, da ich ihn dabei nicht ansehen wollte.

„Severus… warum suchst du für all dies hier keine normale Frau? Was willst du mit mir?“, verlangte ich zu erfahren, denn ich war schon lange keine einwandfreie Ware mehr und dass ich als SoulGatherer noch normal war, konnte keiner behaupten. „Was willst du mit einer Person wie mir?“

Es war ungewöhnlich, dass ich diese offenen und ehrlichen Worte aussprach, aber seitdem wir nach Prince House gekommen waren hatte sich etwas verändert, es war durchwegs beunruhigend, weil ich nicht benennen konnte, was sich getan hatte, aber sein Wunsch, sein Bett mit mir zu teilen, war durchaus unter anderem als besorgniserregend zu bezeichnen.

„Wie bitte?“, fragte er vernehmbar in seiner Ruhe gestört nach und ruckte am Kopfstück des Bettes weiter nach oben, dabei warf er mir einen langen Blick zu. „Was willst du damit andeuten?“

„Ich will wissen, was du mit einer Frau wie mir willst?“, beharrte ich entschlossen und war hierbei sehr wohl auf Konfrontation aus. Seine Stirn runzelte sich in selten gezeigtem Unwillen.

„Leider ist es mir gerade nicht möglich, dir und deinen verwirrten und verschlungenen Gedankenwegen zu folgen!“, schnarrte er gewohnt hämisch in seiner Gehässigkeit und ich rollte geschlagen mit den Augen.

„Severus, das ist doch nicht so schwer! Du bist ein zweiter Lucius… ein Herrenhaus, ein Name, müsstest du nicht heiraten? Eine echte Frau?“, fragte ich beharrlich, wenngleich auch wenig schmeichelhaft für mich nach, dabei versuchte sein sengender Blick aus rabenschwarzen Edelsteinen, mich zu verbrennen.

„Wirst du jetzt eitel und erwartest einen Heiratsantrag?“, fragte er gedehnt und drehte mir wenig charmant die Worte im Munde herum.

„Göttin bewahre, NEIN!“, quiekte ich erschrocken auf und legte eilig meine Hand auf seine nackte Brust. „Nein, nein, ich will nichts dergleichen! Aber ich frage mich, was du mit mir willst, wirklich!? Brauchst du nicht eine Frau, die dir Kinder schenkt? Du wirst auch deiner Familie gegenüber eine Verantwortung haben… selbst wenn du kein reiner Prince bist!“

„Lass das mal meine Sorge sein“, amüsierte er sich plötzlich in selten derart krass gezeigter Überheblichkeit mir gegenüber, die mich skeptisch machte.

„Severus, das ist nicht lustig! Es ist nicht leicht für mich, nicht zu wissen, wo du… ich… wo wir stehen!“, wedelte ich erregt mit meinen Händen vor seinem Gesicht herum, wobei ich bemerkte, wie sich sein Blick verdunkelte, deshalb preschte ich voran. „Oh nein, werde nicht wütend! Versteh mich nicht falsch, ich will nichts an unserer Beziehung ändern! Ich bin zufrieden wie es ist… ich bin nicht alles vereinnahmend… aber ich will wissen, wo ich stehe! Was du erwartest.“ An seinem ausgedehnten Schweigen erkannte ich, dass er meine Worte abwog und meiner Bitte nachgab.

Nach langer, langer Zeit begann er, mit Bedacht zu sprechen:

„Gut! Es stimmt, du hast das Recht, zu wissen, wo du stehst! Bei Draco weißt du es schließlich auch“, gestand er mir großzügiger Weise dann doch zu, denn es stimmte, ich wusste, dass Draco eine Frau und einen Erben brauchte und dass ich dies mittlerweile in absolut keiner Weise mehr zu geben in der Lage war; somit war unser Schicksal doppelt besiegelt worden.

Severus war verstummt, weswegen ich geduldig wartete, bis er sich aufraffte:

„Ich wünsche keine Unterbrechungen!“, forderte er in mehr als harschem Ton und ich legte meine gefalteten Hände in den Schoß und blickte ihn nur auffordernd an.

„Natürlich bin ich in einer ähnlichen Situation wie Lucius und doch ist es völlig anders geartet… mir stellt sich nicht diese Verantwortung, die er trägt! Und darüber bin ich wahrlich nicht traurig! Und ich möchte betonten, dass ich diese Freiheit durchaus zu schätzen weiß und sie genieße!“, erklärte er zum Schluss leicht anzüglich, aber ich schwieg, wie von ihm verlangt, denn natürlich brannte es mir auf der Zunge, zu fragen, was der Unterschied zwischen ihnen beiden war.

„Ich benötige keine Frau! Zeige mir das Wesen, das es freiwillig länger in meiner stets gut gelaunten Gegenwart, mit meinem leichten Gemüt, oder meinem gar einfachen Charakter aushält… STOPP, außer Lucius und dir!“, verstummte er, nachdem er seinen Zynismus versprüht hatte aber ich war nicht so dumm, ihn zu unterbrechen.

„Ich mag keine Kinder…“

„Aber Hogwarts?“, rutschte es mir raus und ein harter Blick traf mich vernichtend.

„Hermione, keine Unterbrechungen!“, herrschte er ungehalten. „Willst du mir sagen, ich wirke in Hogwarts wie ein freundlicher Kindermensch?“ Da ich nichts sagen durfte schüttelte ich nur bedröppelt den Kopf.

„Siehst du, ich wäre nicht dort, wenn ich nicht vor langer, langer Zeit dort gestrandet wäre! Aber Hogwarts ist Hogwarts und hat mit meinen privaten Entscheidungen nichts zu tun… Ich war ungerne Kind und finde Kinder einfach nur nervig! Draco und du, ihr seid die einzigen, die ich auch nur im Ansatz ertragen konnte!“ Mir kam nur langsam so richtig ins Bewusstsein, dass er mir gerade ein Kompliment gemacht hatte, das trotz allem zweifelhafter Natur war.

„Aber entbindet dich dies von deinen Pflichten?“, hauchte ich jetzt doch leise und er murrte nur auf, sichtbar genervt davon, dass ich es wagte, etwas zu fragen, bevor er fortfuhr:

„Sagen wir es so… Kinder stehen bei mir nicht an erster Stelle und bei einem Kampf im ersten Krieg traf mich ein Zauber, der diese Frage ad absurdum führt!“, gestand er ungewohnt offen und ehrlich, sodass ich hoch ruckte.

„Du bist unfruchtbar?“, hauchte ich aufrichtig überrascht, denn nichts deutete darauf hin, in keiner Weise.

„Ja“, meinte er recht nüchtern, es schien ihm absolut gleichgültig zu sein.

„Wow… das ist überraschend… es macht dir wirklich nichts aus?“, wisperte ich vollständig überrumpelt.

„Es hält mir ein nerviges Eheweib und die Pflicht, unerträgliche Kinder zeugen zu müssen, vom Hals… was sollte ich mehr wollen?“, gab er nicht weniger gehässig als sonst zurück.

„Du bist schrecklich profan“, tadelte ich ihn, wobei ich mir vergegenwärtigte, dass es hier nichts zu diskutieren gab, es war, wie es war, niemand würde etwas daran ändern können und so wollte ich Severus‘ Aufrichtigkeit mir gegenüber belohnen, indem ich ihm zeigte, dass ich seine Offenbarung als das nahm, was es war; eine gegebene Tatsache.

„Severus? Da fällt mir was Lustiges ein… auf der Soiree, vor der du dich derart schmählich gedrückt hast, haben unter anderem Parkinson und Co. darüber philosophiert, dass es tragisch ist, dass ein erfolgreicher Mann wie du noch solo ist“, kicherte ich gemein, aber an sich war es zu komisch.

„Das hat dir gefallen!“, meinte er reichlich böse, da er eine genervte Grimasse zog.

„Ja, ich habe mich köstlich darüber amüsiert, dass sie dir eine Ehefrau suchen wollen!“

„Das ist nicht komisch, aber ich sehe die Sippe der Prince als untergehende Art und das Geschlecht der Snapes muss nicht weiterleben… sie sind alle so schrecklich anmaßend.“

„Ja, die Grangers sind auch ausgestorben… aber was passiert dann mit all dem hier?“, wollte ich mit einer alles umschließenden Geste erfahren.

„Draco.“

„Ohhh okay, verstehe“, und ich verstand wirklich „… das ist gut und wie gesagt, selbst wenn ich gekonnt hätte, ich hätte ebenfalls nie wollen… ich kann dich also mehr als gut verstehen.“, erinnerte ich mich wieder daran, das mir keine Wahl mehr blieb, aber wirklich bereuen konnte ich es nicht.

„Tja und ich hätte dich auch nie gelassen“, drohte Severus seidig, umfasste zärtlich meine nackte Brust und drückte etwas fester zu. Erst da fiel mir auf, dass mir das Laken schon lange herab gerutscht war.

„Hättest du nicht?“, hauchte ich rau, von der einen zur anderen Sekunde hoch erregt und konnte nicht dagegen an, dass sich meine Brustwarzen versteiften.

„Nein, ich hätte Draco nie mit dir Kinder haben lassen… das macht man nicht, nicht als Nekromant!“, hauchte er rauchig, dabei legte sich ein diabolisches Grinsen auf seine Züge und er kniff mich unnachgiebig fest, was mich leicht aufstöhnen ließ. „Das ist Wider die Natur!“

„Gut zu wissen, dass du mein Gewissen bist!“, stieß ich atemlos hervor.

„Das vielleicht nicht, aber ich bin es gewohnt, Kinder von Dummheiten abzuhalten!“ Ich schlug ihn sofort auf die Brust, das war unverschämt, aber er kniff mich nur fester in die Brust, bevor er mit fast so etwas wie Bedauern von mir abließ und sich erhob.

„Was hast du vor?“

„Ich muss noch kurz weg“, verkündete er zu meinem Erstaunen.

„Aber es wird gleich dunkel!“

„Dir stehen das Haus, die Bücher und alles andere offen“, schaffte er es, dass ich ihn wegen dieses mehr als unerwarteten Abgangs kurz sprachlos anstarrte.

„Du hast nicht vor, mir zu sagen, wo du hingehst?“, stellte ich eine eher rein rhetorische Frage, bei der ich keine Hoffnung auf Antwort hatte.

„Nein“, knurrte er und man spürte fast, wie er sich anspannte und ich lachte plötzlich los. Wir würden nie normal sein.

„Hey, es macht Spaß, dich zu ärgern! Aber du weißt schon, dass man jetzt eigentlich gemeinsam zu Abendessen und den Tag würdevoll ausklingen lassen würde?“, stellte ich mal etwas vorwitzig in dem Raum, woraufhin er mir einen ganz langen Blick sandte und ich kurz vor einem Lachanfall stand. „Viel Spaß, bei was auch immer“, winkte ich erheitert, aber auch gelassen ab. „Oh, du sag mal, gibt es hier eine Badewanne?“

„Natürlich! Viel Spaß beim Plantschen!“, verkündete er gehässig, während er sich ohne Hast wieder ankleidete und ich fragte mich, was ihn noch nach draußen treiben könnte, aber ich wusste, ich würde es nicht erfahren, also wollte ich mich nicht damit aufhalten.

So hatte ich vor, das Anwesen zu erkunden. Auf der einen Seite verstand ich, dass er vielleicht Abstand brauchte, auf der anderen Seite erkannte ich, dass ich es aber vielleicht auch nötig hatte, denn diese neue, unbekannte Seite an Severus war wahrlich eine Offenbarung.

„Was gibt es so Wichtiges?“, fragte ich erstaunlich kurze Zeit darauf genervt.

Als mich Severus verlassen hatte, war ich ins wirklich luxuriöse Bad getapst und von einer mehr als nervigen Eule dabei gestört worden, meine Badewanne zu genießen. Tropfnass war ich ans Fenster getreten und hatte die sehr eigenwillige Orange eingelassen. Sie hatte mich schrecklich gepiesackt, mich sogar an den Haaren gezogen, dieses fedrige Biest und nachdem ich den dringlichen Brief gelesen hatte, der mich nach Irland in die Burg rief, verstand ich ihr Drängen und machte mich geschlagen auf den Weg.

Vorsichtshalber legte ich sogar noch ein Pergament aufs Bett, falls Severus vor mir wieder zuhause wäre, denn ich wollte nicht, dass er dachte, dass ich vor ihm floh, auf der anderen Seite hoffte ich schlicht, schneller als er zu sein.

„Du bist da, sehr gut, Schönste!“, begrüßte mich Harry zurückhaltend, aber erfreut und ich fragte mich, was so wichtig war, dass es mich von meiner schönen Wanne fern halten musste.

„Warum so mürrisch? Soviel ich weiß, sitzt du bei unserem griesgrämigen Professor fest? Solltest du dich da nicht mehr freuen, dass wir dich von ihm weglocken konnten?“, kam es kaum erbaulich von Ron und ich wäre gewillt gewesen, ihm die Zunge wahrlich wenig erwachsen hinauszustrecken.

„Sehr witzig, aber wenn ihr mir so kommt, kann ich ebenso gut wieder gehen“, wiegelte ich schnippisch ab, doch Ron ergriff schnell meine Hand.

„Komm, für zwei alte Freunde wirst du doch noch kurz Zeit haben? Ich… wir sehen dich kaum noch!“, bat Ron inständig besorgt und blickte mich ungewohnt ernst und eindringlich an.

„Nicht nur meine Schuld!“, wies ich entschieden von mir und spielte damit darauf an, dass er dauernd an Apolline hing und deswegen generell für alle weniger Zeit hatte.

„Wir haben alle unsere kleinen, aber feinen Anhängsel! Und doch ist es wichtig, dass wir zusammen sind… irgendwie“, zeigte Ron Weitsicht, während Harry inbrünstig mit seinem wirren Schopf wippte.

„Du meinst als hochgelobtes Trio?“, kommentierte ich zynisch, während er mich vor sich her dirigierte.

„Schönste, bitte!“, hauchte Harry, als er uns eine Tür aufhielt.

„Na gut!“, seufzte ich schließlich ergeben auf die bettelnden Blicke meiner besten Freunde hin und gab wohl oder übel nach. „Aber nur kurz!“, setzte ich einschränkend hinten an.

„Versprochen“, „Auf die Magie, dauert nicht lang“, stimmten sie beide nickend zu und Ron zog mich sofort mit sich, in den Raum, der sich als kleiner Aufenthaltsraum mit Sofas, Stühlen, Tischchen, Borden mit Büchern und einem Kamin erwies. Diesen Raum kannte ich nicht mal, meine Begleiter anscheinend schon, sollte mir das zu denken geben?

Ich wusste von der Burg und ihren Geheimnissen eindeutig zu wenig!

„Setz dich, Schönste!“, forderte Harry mich recht bestimmt, aber auch erstaunlich sorgsam auf und legte mir eine Hand auf die Schulter, um mich auf das Sofa zuzuführen, so als hätte er Angst, dass ich sonst doch noch versuchen könnte, zu flüchten.

Ron schloss gerade sehr gewissenhaft die Tür hinter sich und stockte kurz, bevor er sich umdrehte, kurz wirkte es auf mich, als würde er sich Mut machen, daraufhin stieg meine Sorge, dass das hier kein schnelles Gespräch werden könnte, exorbitant an.

„Was wird das, Harry?“, fragte ich mehr als skeptisch und mit einem mehr als unwohlen Gefühl im Bauch und ich hörte auf meine Intuitionen, mehr als jemals zuvor, irgendetwas war im Busch.

Ron und Harry verhielten sich zu eigenartig und sonderbar, um normal zu sein. Die Stimmung konnte ich irgendwie nicht benennen, die Signale, die die Jungs aussandten, waren zu ungenau, aber auf alle Fälle schlugen meine Instinkte an, dass ich verschwinden sollte. Aber genau das schienen sie nicht zulassen zu wollen, vor allem, da sie mich regelrecht in die Zange nahmen.

Harry neben mir auf der Couch schien die ganze Zeit bemüht leutselig wirken zu wollen, während Ron sich nun in einem der Sessel niederließ, die Arme vor der Brust verschränkte und sich mit einem sehr Arthur ähnlichen Ausdruck im Gesicht zurücklehnte, der Milde aber auch Geduld ausdrückte, dabei wirkte er, warum auch immer, überlegen in seiner ruhigen Haltung.

Ich war sofort auf der Hut, denn ihre Musterungen gefielen mir gar nicht, und ich fing einen Blick von Harry aus den Augenwinkeln auf, der mir sein Misstrauen noch offenkundiger aufzeigte.

Schnell überlegte ich, was sie von mir wollen könnten. Mir fiel nichts ein!

Daher verschränkte ich abwehrend die Arme vor der Brust und blickte äußerst souverän von einem zum anderen.

„Ich wiederhole mich nur ungerne, was wird das?“

„Schön…“, seufzte Harry weniger zufrieden und hörte sich an, als würde die Last der Welt auf seinen Schultern liegen. Ich bremste mich selbst in meiner Ironie, denn schließlich war das wirklich so, alle Hoffnungen, uns zu retten, lagen wirklich auf seinen immer stärker werdenden Schultern.

„Also, was soll das hier?“, hakte ich erneut, langsam genervt, nach, denn Severus würde nicht ewig auf mich warten.

„Immer mit der Ruhe, Schönste!“, ertönte Rons Stimme tief und beruhigend, mit einer ungewohnten, mich bremsenden Nachsicht im Ton.

„Was wollt ihr von mir? Ich komme mir vor, als würde ich vor dem Gamot Rede und Antwort stehen müssen!“, fuhr ich sie an, da mich ihr Schweigen und nicht auf den Punkt kommen unglaublich unruhig werden ließ, woraufhin Harry in zuvorkommender Kapitulation die Hände hob.

„Das wird nicht leicht.“

„Dann lass es“, schoss ich sofort zurück, aber er verzog seine Mundwinkel.

„Wollte ich, aber Ron hat mich überzeugt, dass das uns als Freunden nicht hilft.“

„Häää?“

„Schweigen ist nicht immer hilfreich.“

„Ihr wollt mich ausfragen?“, meinte ich zweifelnd und hoffte darauf, dass sie das nicht tun würden.

Wobei ich ahnte, dass es nach den Geschehnissen ziemlich viel verlangt war und ich nach Harrys Angebot im Tropfenden Kessel wirklich zu naiv und vertrauensselig gehofft hatte, dass das Thema Lughnasadh für mich erledigt wäre, aber wie war das noch gleich mit meinem beschissenen Glück?

Ach ja, eben, ich hatte keines! Was für ein Drama, warum ging es nie leicht? Warum mussten sie es mir immer so schwer machen?

„Wollen wir sie ausfragen, Ron?“, fragte Harry provozierend, nun mit einem für mich recht spöttisch klingenden Unterton, während er sich zu seinem Freund umdrehte, hierbei vernahm man ganz klar, dass er unsicher war, wie weit sie es mit mir treiben sollten und ich biss die Kiefer schmerzhaft hart zusammen.

„Nein, nie und nimmer… wir kennen sie doch, das mag sie nicht!“, erwiderte Ron völlig ernst und winkte lapidar mit einer Hand ab, wobei ich mir veräppelt vorkam und meine Stirn runzelte. Es war, als wollten sie mir vorhalten, dass ich einen großen Fehler beging, weil ich ihnen eben nicht immer alles sagte.

„Du siehst, keine Fragen“, richtete sich Harry wieder mit nachdenklichem Blick an mich, der mir Unwohlsein bescherte. Doch plötzlich veränderte sich der Ausdruck in seinen so grünen Augen, weswegen ich sofort auf der Hut war.

„Jupp, keine Fragen, hat bei dir eh keinen Sinn, Schönste“, verkündete Ron traurig und schüttelte sein rotes Haupt unglücklich. „Wobei ich finde, dass das ein Fehler ist… wie sollen wir helfen, wenn wir nicht alles wissen?“, gab er durchaus erwachsenen und weitsichtig zu bedenken.

Was sollte ich darauf antworten? Freut euch darüber, dass ihr wenigstens noch ein wenig ruhig schlafen könnt? Es war schon schlimm genug, wenn ich mir all meine Schandtaten vor Augen halten musste, da musste ich sie nicht noch an die große Glocke hängen.

„Ron, nicht so… Weißt du, Hermione, wir werden dir deine Geheimnisse lassen“, schaltete sich Harry ein, woraufhin Ron widerwillig nickte.

„Ja, natürlich und keine Sorge, wir haben ja auch welche!“, verkündete Ron nun sehr jovial und tat dabei so, als interessiere ihn meine Reaktion gar nicht, sondern blickte äußerst konzertiert auf seine Fingernägel, als mich dieser dezente Hinweis aufhorchen ließ.

Hatten sie Geheimnisse vor mir? Was hielten sie geheim? Das könnte gefährlich werden, wenn ich nicht im Bilde war! Das… Ich brach gedanklich ab, denn das war es, was sie mir sagen wollten? Oder?

„Was soll das?“, forderte ich noch mal energischer, aber nur damit sie auf den Punkt kamen und ich guten Gewissens wieder gehen konnte. „Was verheimlicht ihr?“

Am liebsten hätte ich meine Hände gerungen, während ich ungläubig zu Ron starrte, bis er schließlich zu mir aufblickte und schief grinste, dabei erinnerte er brutal an die Twins. Das war schon eher Ron, aber bei seinem vorsichtigen Grinsen leuchtete etwas Verschlagenes in seinen Augen auf, was selten bei einem guten Gryffindor zu finden war.

„Harry, sie will wissen, was das soll. Meinst du, wir sollten es ihr sagen?“, warf er Harry offensichtlich gespielt überlegend zu.

„Es stellt sich eher die Frage, was verheimlichst du alles vor uns? Und warum?“, antwortete nun Harry ernsthaft.

Sie waren sehr beherrscht und zeigten kaum ihr berühmt, berüchtigtes Temperament, sodass ich mich fragte, was sollte das hier werden? Ein Verhör? Hatten sie zu viele Krimis im Fernsehen im Cottage gesehen und spielten jetzt guter Bulle, böser Bulle? Ihr unberechenbares Verhalten verunsicherte mich in Maßen und ließ mich vorsichtig werden. Was hatte ich übersehen?

Erst jetzt musterte ich sie gründlich und das was ich nun sah, erkannte und ausmachte, öffnete mir die Augen, denn erst jetzt akzeptierte ich, was ich bisher recht großzügig übersehen hatte! Eben wie sehr sie sich gewandelt hatten und jetzt ihren Mann standen und das halt auch vor mir!

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BeitragThema: 460. Bei diesen Freunden, braucht man keine Feinde   Di Mai 06, 2014 7:00 pm

460. Kapitel Bei diesen Freunden, braucht man keine Feinde



„Seid doch froh, dass ich nicht alles erzähle! Wenigstens könnt ihr dann ruhig schlafen.“

„Pfff, glaubst du das grad wirklich, was du da sagst?“, fragte Ron sprachlos.

„Das ist unsagbar dumm“, während Harry brachial zuschlug.

„Bitte?“, meinte ich empört über ihre Beleidigung.

„Ja, wegen meiner Fantasie, die mir die derbsten und grausamsten Bilder vorgaukelt, die du dir vorstellen kannst, schlafe ich schlechter als wenn ich wüsste, was wirklich abgeht!“, wurde mir nun vorgehalten, was mich den Mund aufklappen ließ, aber Ron hob die Hand, denn Harry fuhr unbeirrt fort:

„Hm, ich denke, wir sind mal nicht so und erzählen dir, was wir wissen… weil du uns dazu zwingst, uns selbst unsere Antworten zu suchen“, zeigte sich Harry gespielt wohlwollend.

„Oder auch zusammenzureimen“, warf Ron wenig hilfreich ein und ich war versucht, die Zähne zu fletschen. „Weißt du, Hermione, du bist da draußen und kämpfst deine Schlachten, aber wir, wir sind tagtäglich in Irland, bei den anderen, bei unseren Freunden. Sie vertrauen uns“, deutete Ron gewichtig auf sich und Harry, „selbst Gellert öffnet sich einigen wenigen gegenüber. Er mag Harry, mehr als deinen Malfoy! Und weißt du noch was? Sie reden alle, über alles und jeden. Mit dem Auserwählten reden sie alle gerne… und mit mir, seinem besten Freund und Vertrauten“, begann Ron geflissentlich und tat sehr bedeutungsschwer, wobei mir seine Worte durchaus einen Stich verpassten, offenbarten sie doch, wie abgeschnitten ich von allen anderen war.

Er maß mich eindringlich, während er verstummte und nun seine Hände hob, die Finger präzise aneinander legte und sich dann in der Kunstpause, die er gerade machte, mit den Zeigefingern an die Lippen tippte und dabei den Kopf leicht senkte. Genauso sah Ron aus, wenn er Schach spielte und gerade am gewinnen war, ein beunruhigender Gedanke.

Ich blieb gespielt ruhig und reglos und fragte mich, was sie erreichen wollten. Sollte ich nun Angst haben? Vor was? Vor ihnen und dem, was man über mich tratschte?

Harry behielt mich unterdessen deutlich und vor allem sehr aufmerksam im Blick und ich fühlte mich unter diesem stoischen Blick immer unwohler. Es fiel mir gerade sehr schwer, sie einzuschätzen.

„Na und? Was willst du mir damit sagen, Ron? Außerdem, Harry, hast du nicht gesagt, dass das Thema für dich abgeschlossen sei?“, fragte ich zögerlich nach, wandte mich dann aber verschnupft an Harry, der mir im Tropfenden Kessel doch zu verstehen gegeben hatte, dass alles geklärt sei. Also, was sollte das hier?

„Du denkst, wir spielen auf Lughnasadh an?“, fragte er langgezogen und ich schnalzte mit der Zunge.

„Tse… tse… Bin ich dumm?“

„Nein, das habe ich auch nie erwartet, meine Schönste“, entgegnete Harry zuvorkommend. „Aber ja… wir sorgen uns.“

„Das ist erledigt“, begehrte ich auf. „Du hast das selbst gesagt“, hielt ich ihm anklagend vor.

„Ich habe gelernt, auf den richtigen Moment zu warten!“, gab Harry nur lapidar von sich und ließ mich doppelt schlucken, das war vielleicht hinterlistig.

„Und der soll jetzt sein?“, hauchte ich sprachlos über so viel Tücke. „Harry, das ist erledigt.“

„Verkauf uns nicht für dumm!“, fuhr mich plötzlich Ron jetzt doch unerwartet temperamentvoll und scharf an.

Sofort ruckte mein Haupt hoch, aber was nun kam war spannend zu erleben, denn umgehend riss er sich wieder zusammen, ballte nur kurz die Hände zu Fäusten, während Harrys Augenmerk, nach einem tadelnden Blick zu seinem Freund, wieder auf mir zum Liegen kam.

„Du weißt, Schönste, wenn ich eins nie war, dann dumm und wenn ich eines jetzt nicht mehr bin, dann blind oder gar naiv…“, begann Harry seufzend und ging gar nicht auf Rons kurzes Aufbrausen ein.

Dann zeigte er auf einmal erstaunlich viel ehrliches Gefühl, indem er sich kurz, als hätte er Kopfschmerzen, an die Nasenwurzel fasste, dann wieder unglücklich aufblickte und mich ernst und irgendwie traurig musterte. Ich hatte bei seinen ersten Worten schon meinen Blick von Ron zu Harry gewandt und nickte nur zustimmend, ja, Harry war nie dumm gewesen und blind war er nun auch nicht mehr, aber um mich mussten sie sich nicht sorgen, sie sollten sich freuen, dass ich diese Herausforderungen hinter mir lassen konnte, da ich sie bestanden und überlebt hatte.

„Lass es uns auf den Punkt bringen!“, bot Harry schließlich resignierend an und die Stimmung schien umzuschlagen, wenngleich ich stumm blieb.

„Ich habe mit vielen hier geredet, Hermione, hier hatte ich endlich mal die Zeit dafür und weißt du, ich kann mittlerweile sehr gut Dinge miteinander verbinden, wobei… Ron ist darin noch besser als ich!“, gab er mit Bedacht ihre Erkenntnisse zu und wandte sich kurz seinem ältesten Freund zu, der ihm ein verhaltenes Lächeln schenkte, das offenbarte, wie gut sie zusammenarbeiteten.

Hier trat zu Tage, wie gut es gewesen war, dass ich Ron doch ins Cottage geholt hatte. Die beiden waren von Anfang an Freunde gewesen, sie ergänzten sich und bildeten ein gutes Team. Vielleicht könnten sie eines Tages denselben Level wie Lucius und Severus erreichen, sodass sie einander stumm verstanden. Offenbar waren sie auf dem besten Weg dorthin, doch seine nächsten Worte rissen mich unsanft aus meinen Gedanken.

„Schönste, ich weiß, dass du dir schon lange nicht mehr allein gehörst…“, gestand er mit einem Seufzer, der mir in die Glieder fuhr.

Hier raubte er mir mit diesen nachdrücklichen Worten die Luft zum Atem und ich war mir sicher, kurz verrutschte mir meine Maske, da ich der hässlichen Wahrheit ins Antlitz sah, dass ich zwar mein Dasein als SoulGatherer akzeptiert hatte und nun wieder die Macht über meine Gaben hatte, aber trotz allem eine Gefangene der Umstände bleiben würde. Gekettet und gezeichnet als Malfoy und DeathEater!

Dies rief einen bitteren Nachgeschmack in meinem Mund hervor, während ich wegen dieser unschönen Einsicht sprachlos stumm blieb.

„Nicht schön, oder?“, wisperte Ron mitfühlend leise, während ich versuchte, wieder mein gleichgültiges Selbst in mir ausfindig zu machen.

„Was wollt ihr?“, presste ich schlussendlich heiser und getroffen hervor.

„Herausfinden, was dich treibt, was du noch getan hast… für Verrücktheiten, wir wollen dich verstehen lernen aber vor allem wollen wir dir helfen“, zeigte Harrys Stimme Bewegtheit, die durchaus in mir eine Saite zum Klingen brachte.

„Ich brauche eure Hilfe nicht“, stieß ich rau hervor.

„Aber wir immer die deine?“, machte mich seine Vorhaltung sprachlos.

„Hör uns einfach zu, das bist du uns schuldig!“, verkündete Ron unwirsch und ich winkte mit einer wegwerfenden Geste meine Einwände hinfort. Irgendwie fühlte ich mich gerade schwach.

„Also, um dir mal einen Überblick von unserem Handeln zu geben… ich habe mit Hannah gesprochen, da gab es einen Vorfall mit einer Schülerin aus ihrem Haus, die mit einer Gedächtnislücke in einem Flur bei den Kerkern in Hogwarts gefunden wurde, als wir dich verzweifelt gesucht haben und du vermisst warst… das war damals schon ein Hammer und hat mich misstrauisch gemacht… sag nichts!“, hob Harry abwehrend die Hand, als ich mich verteidigen wollte, und schnitt mir meinen Protest im Halse ab.

„Bitte, das weißt du doch selbst, dass uns so was auffällt und wir haben bisher nur geschwiegen, weil wir dir vertrauen und dachten, irgendwann kommst du von selbst zu uns, aber offenbar willst du das nicht… warum auch immer“, vernahm ich tiefe Trauer in seinem Ton, der mir tief ins Fleisch schnitt, während ich mit unbeweglicher Maske dasaß und getroffen vernahm, was sie sich über die Jahre hinweg zusammengesponnen hatten.

„Nun gut, weiter. Ob du es glaubst oder nicht, Luna sieht viel und sei dir sicher, sie war schon immer eine gute Freundin von mir. Dass ich immer freundlich zu ihr war, vergisst sie nicht, mir erzählt sie gerne was“, offenbarte Harry einen gewissen Humor, der an mich verschwendet war, denn ich konnte nicht verhindern, dass ich meine Mundwinkel ablehnend verzog. „Deine Aura, sie ist wie Gellerts, sagte sie schon vor langer Zeit, und gleichzeitig auch nicht. Ihr seid euch ähnlich, doch sie sagt, es gibt auch große Unterschiede. Gellert ist ein Nekromant, das weiß ich, das weiß inzwischen fast jeder…“

Ich seufzte leise, da ich wusste, dass er recht hatte. Die Höhle war proppenvoll gewesen, wie ich mich finster erinnerte.

Bedeutungsvoll sah mich Harry an und wartete wohl auf eine Reaktion, doch ich blickte nur störrisch zurück. Ich würde den Teufel tun und ihn auch noch bestätigen, ich wollte es nicht aussprechen, ich hatte Lughnasadh abgehakt. So wie Harry mich beobachtete, wusste er noch mehr oder wollte auf noch mehr hinaus, aber ich würde ihm keinen Hinweis darauf geben, wie seine Worte bei mir ankamen, nachher sah er es noch als Bestätigung an.

„Du schweigst weiter?“, fragte Ron nun zaghaft und zog eine seiner roten Brauen in die Höhe, dadurch erinnerte er an Draco, Severus oder Lucius, was durch seine abwehrende Haltung noch verstärkt wurde und mich fast schnauben ließ. Mussten die alle abfärben?

„Gut, bleiben wir also dabei, zu den Fakten: Du verbirgst schon lange etwas vor uns und da rede ich jetzt nicht mal von deinen Männern, womit haben wir dieses Misstrauen verdient?“, fragte Harry zutiefst bewegt.

„Wir sind deine Freunde. Woher diese Zweifel?“, flüsterte Ron mit blassem Gesicht.

„Vertraust du uns nicht? Was schade wäre, da du uns hast immer vertrauen können.“

„Harry.“

„Schsch… ich habe oft über dich nachgedacht, tagelang, nächtelang“, behagte mir diese Offenbarung gar nicht, „und wenn man so lange nachdenkt, kommen einem Ideen und wenn ich recht überlege, ist das, worüber du wirklich und wahrhaftig nie geredet hast, was mit deinen Eltern passiert ist!“

„Stopp!“, rief ich abrupt, was fast so etwas wie Stolz über Harrys Züge gleiten ließ, es war, als hätte er die Bestätigung erhalten, die er gesucht hatte und ich bis mir wütend auf die Zunge.

Aber autsch, das tat unerwartet weh, denn er stach sehr gezielt in die Wunde, die ich schon längst verwunden zu haben gedacht hatte und ich konnte gerade noch verhindern, meine Lippen hart aufeinander zu pressen, um nicht noch mehr zu offenbaren.

„Hermione, ich kenne dich zu gut, um nicht zu wissen, dass es dich mehr treffen müsste, wenn du sie wirklich durch einen Unfall verloren hättest. Ich habe gesehen, wie es dich auch getroffen hat als Sirius starb“, erklärte er nun gewichtig und ich schloss kurz die Augen, als mich die Erinnerung überschwemmte.

„Hermione?“, wollte Ron zaghaft wissen und ich winkte ab, während sich Harry räusperte, offensichtlich viel das hier keinem von uns leicht.

„Wir… wir haben alle viel verloren, vergiss das nicht. Du wirst es weder zeigen noch wahrscheinlich dir eingestehen wollen, aber nachdem ich erfahren habe, was zwischen euch war, habe ich mir die Nacht im Raum der Wünsche nach unserem Ausflug ins Ministerium wieder vor Augen geführt und mir ist klar geworden, ich habe den Schmerz in deinen Augen gesehen, du hast etwas gefühlt…“

„Uhhh… Unsinn!“, stieß ich atemlos aus, denn mein Herz raste, das war noch schlimmer als die Vorwürfe im Tropfenden Kessel von Harry, dass ich Lucius verfallen wäre und mich in ihn verliebt hätte. Innerlich brodelte ich und wollte vor Unruhe aufspringen, auf der anderen Seite war es, als wäre jede Kraft aus mir gewichen.

„Du bist eine mehr als gute Schauspielerin und ich verspreche dir, dass jeder… wirklich jeder auf dich hereinfällt… aber wir beide hier, wir nicht! Wir haben beobachtet, dass wenn es um deine Eltern ging, du nie auch nur annähernd so etwas wie Schmerz gezeigt hast“, endete er leise, ich saß da und war erstarrt, aber ich musste reagieren und einschreiten.

„Harry, was wollt ihr von mir? Was wollt ihr hören?“

„Wir wollen nichts von dir hören, lass sein, denn manches sollte man besser nicht aussprechen, nicht wahr? Aber wir wollen wissen, ob wir auf dem richtigen Weg sind“, bot Harry geradezu nobel an.

Dabei blieb sein Blick die ganze Zeit sehr ernst, während ich wahrnahm, wie Ron traurig sein rotes Haupt schüttelte. Es schnürte mir die Kehle zu, aber sie ließen mir nicht lange Zeit, da es nun schon wieder weiterging.

„Es ist noch mehr, Hermione“, wandte Ron somit leise ein. „So naiv, zu glauben, du hättest Gellert Grindelwald, einen Dark Lord, nur befreit um Albus Dumbledore mit mehr Dreck bewerfen zu können, oder um Harry ausbilden lassen zu können, wäre Unfug. Du tust die Dinge immer auch ein Stück weit für dich, selbst wenn du es nicht zugeben würdest“, gab Ron zum Schluss hin flüsternd zu bedenken.

Wirklich schmeichelhaft war seine Feststellung für mich nicht!

„Weißt du, auch wenn du es nach unserem letzten Gespräch nicht hören willst, aber da bist du Malfoy senior wirklich sehr ähnlich in deiner Ich-Bezogenheit!“, fuhr jetzt Harry unbeeindruckt fort und behielt mich genau im sezierenden Blick.

„Nein, Lucius und ich… wir… nein“, stolperte ich zu einer ungenügenden Antwort, aber beide Jungs schnaubten nur sehr abfällig.

„Das musst du nicht leugnen, wir wissen alle, dass du egoistisch sein kannst, aber das ist nicht schlimm!“

„Halt Harry, sie ist auch Selbstlos“, rief ihm Ron in Erinnerung.

„Gut, stimmt, für einige, wenige bist du bereit dich hinten an zu stellen, aber das hat uns auf etwas anders gebracht, da es uns schwer beschäftigt hat, also, warum Gellert? Einen sehr gefährlichen, alten Mann… denn was auch immer er zu sein scheint… ungefährlich ist er auf alle Fälle nicht“, konnte man Harry wenigstens nicht vorhalten noch immer naiv zu sein, er schätzte den Alten schon sehr richtig ein.

„Ohhh, nein, viele haben große Angst vor ihm und das hatten sie bereits vor seiner Enttarnung“, zeigte sich Ron involviert.

„Ron und ich sind uns einig, vor allem nach dem Ritual. Es ist ganz einfach, er ist ein Nekromant und du wusstest es von Anfang an. Du hast Hilfe gebraucht und da kam dir Gellert bestimmt wie ein Geschenk des Himmels vor… wahrscheinlich wusstest du nicht mal, dass Snape auch in diese Richtung Erfahrungen hatte, oder hättest ihn wahrscheinlich nie und nimmer fragen wollen!“, macht er eine Kunstpause, die mir keine wirkliche Entspannung brachte.

„Was ich verstehen kann, ich finde es immer noch gruselig, dass du Snape sooooo nahe stehst, das ist… bähhh!“, schaltete sich Ron plötzlich ein und rieb sich über seine vernarbten Arme, während ich leicht überfahren war. Mir war nicht bewusst gewesen, dass man derart gut aus meinen Handlungen lesen konnte.

Ich war manchmal wirklich zu arrogant und eingebildet!

Harry suchte meinen Blick, bis er ihn gefunden hatte. Was auch immer er suchte schien er darin zu finden, denn er nickte nur knapp, dabei dachte ich, ich würde ihm keinerlei relevante Antworten über mein Gebaren liefern, anscheinend täuschte ich mich fulminant. Wenn ich so leicht zu lesen war, war das wirklich nicht gut für mich, andererseits waren dies hier Harry und Ron. Wer kannte mich schon so gut, wie sie beide zusammen?

Während Harry mich noch weiter schweigend musterte, räusperte sich nun Ron.

„Chrm… wusstest du, dass Blaise eine ganz schöne Tratschtante wird, wenn er nur ordentlich getrunken und auch noch Krach mit Astoria hat?“

Dieser abrupte Themenwechsel überraschte mich total und ich sah fragend zu Ron, denn was er mir damit nun sagen wollte, war mir schleierhaft.

„Bitte?“

„Was ich zu sagen versuche? Dass du zwar verdammt gut bist im Verwischen deiner Spuren und eine exzellente Schauspielerin, aber dass doch immer Spuren bleiben, die man verfolgen kann.“

„Den Unsinn tu ich mir nicht länger an“, kam es endgültig verärgert von mir und ich wollte mich erheben, doch Harry legte sehr rasch und sehr fest seine Hände auf mein Knie, während ich ihm einen schneidenden Blick sandte.

„Nein, du bleibst!“, forderte er erstaunlich herrisch.

Harry und ich lieferten uns ein stummes Blickduell, bis er sein Haupt schieflegte.

„Bitte“, gab er nach, sodass ich schließlich seufzend einlenkte und wieder zurück aufs Sofa sank, denn ich hatte erkannt, auch wenn ich jetzt förmlich vor ihnen fliehen würde, sie würden mich doch nicht entkommen lassen, sondern es nur auf unser nächstes Zusammentreffen verschieben.

Sie wollten eine Aussprache und sie würden jedes Mittel nützen, um diese zu bekommen, ich sollte es nicht auf die Spitze treiben.

„Gut!“, nickte Harry mit sich sichtlich zufrieden, weil er meine Resignation erkannte und so richtete sich Ron auf, um dort weiter zu machen, wo er gerade von mir unterbrochen worden war.

„Also, zurück zu Blaise, der redet wie gesagt recht gerne, wenn er unter Freunden ist und ein wenig im Tee hat und dann besonders über Frauen, was bei ihm nicht überraschend ist, oder?“, lächelte Ron gutmütig, wobei er bei seinen letzten Worten recht dreckig grinste.

„Und? Was habe ich damit zu schaffen?“, murrte ich finster.

„Gute Frage, also einige Tage nachdem wir alle von eurem flotten Vierer erfahren haben, hat er sich mal wieder episch mit Astoria gestritten und wir konnten gar nicht überhören, dass es um dich ging.“

„Um mich?“, blinzelte ich irritiert, sie machten mich schon wieder sprachlos und ich deutete erstaunt auf mich selbst, da ich nicht fassen konnte, warum ich ein Streitgrund für diese beiden Personen sein sollte.

„Ja, unglaublich, aber wahr und es ging darum, dass er dich vor eurem Abenteuer schon mal geküsst hatte!“

„WAS?“, wisperte ich tonlos, denn im ersten Moment erinnerte ich mich gar nicht daran, was sie genau meinen könnten.

„Tja, wir waren ähnlich ratlos wie du gerade, aber nachdem er später mit mir und den Twins so einiges getrunken hatte, begann Blaise, leutselig vor sich hin zu schimpfen, dass sich Astoria nicht so haben solle, nur weil er dich einmal… ein einziges Mal richtig geküsst habe. Die Twins haben geschickt alles aus Blaise heraus gekitzelt, versteht sich von selbst“, erklärte Ron die ganze Zeit recht selbstzufrieden und ich war gewillt, Fred und George den Kopf abzureißen.

„Hör zu, Schönste, glaub mir, wir alle waren beeindruckt, dass dein Malfoy Blaise nicht gleich einen Kopf kürzer gemacht hat, aber ich fand viel spannender, warum dich Blaise überhaupt hat küssen dürfen und vor allen Dingen… WO!“, betonte Ron zum Schluss besonders eindringlich und sah mich vielsagend an.

„Nun, Ron ist mit dieser delikaten Information des Wie, Wo und Warums natürlich sofort vertrauensvoll zu mir gekommen!“, fuhr Harry leicht gehässig fort, woraufhin mein Blick ruckartig zu ihm schnellte. „Schließlich sind wir beste Freunde. Und was soll ich sagen? Die Tatsache, dass Blaise dich völlig verstört in den Kellern der Burg gefunden hat, ließ uns beide aufhorchen.“

„Gut? Und was wollt ihr mir hier jetzt andichten? Ich will Blaise nicht“, versuchte ich mich zu verteidigen, indem ich in die Offensive ging.

„Klar, das wissen wir doch, Blaise hat dir geholfen, als es am Nötigsten war“, winkte Ron eilig ab und zeigte sich souverän, als wüssten sie schon alles.

„Eben, aber alle Fäden, die wir gesponnen haben um zu verstehen was dich treibt, liefen immer mehr auf die Burg, auf Gellert und so hinaus… du musst nämlich wissen, Schönste, unten in der Höhle, im Altarraum, fühlen sich einige wenige nicht wohl, aber ich und auch Gellert spüren mehr!“, dabei tippte er sich bedeutungsvoll an seine Stirnnarbe.

„Wird es schlimmer?“, wisperte ich besorgt und eilig schüttelte er sein wirres, schwarzes Haupt.

„Es hat mich immer ein wenig abgelenkt, wenn wir trainierten. An sich spüre ich nichts Wirkliches, aber je näher ich der Höhle mit dem Altar komme, desto… na, wie soll ich es sagen…eisiger… oder nein, wie ein kalter Schauer fühlt es sich an, einmal sogar wie ein Wispern, letzte Woche, kurz vor deinem Ritual! Und ich weiß, du spürst es noch viel stärker, nicht wahr?“, fragte er rhetorisch und blickte mich sehr wissend an.

„Deshalb willst du auch immer weg aus der Burg, hier wirkst du immer so abgelenkt und in dich gekehrt, als müsstest du dich schwer am Riemen reißen, nicht die Beherrschung zu verlieren… warum hast du es nie jemandem gesagt?“, könnte man Rons Beobachtungen fast schon hochachtungsvoll als Spionage bezeichnen, aber innerlich verzogen sich meine Züge zu einer Fratze, da seine letzte Frage so unglücklich klang.

„Eure Vermutungen sind schön und gut, tun aber nichts zur Sache“, wiegelte ich insoweit ab, weil ich ihnen zu wenig Kontra geben konnte, augenscheinlich fühlten sie sich von mir verletzt.

„Ohhh, nicht so schnell, es gibt noch mehr, irgendwie findet jeder für dich einen schönen Spitznamen, der dich umschreibt, dabei fand ich Sonnenschein bis letztens wenig passend!“, warf nun Ron wieder sehr unschuldig klingend ein, doch ich lag sofort auf der Lauer. „Wobei, nachdem ich es gesehen habe, finde ich es passender, aber ich denke hierbei eher an zwei Sterne!“, blickte er mich betont unschuldig fragend an und ich knirschte leise mit den Zähnen, denn es war zu ärgerlich, dass sie Zeugen meines Effektes geworden waren.

„Es war unheimlich, aber auch fesselnd… Hermione, das war… ich dachte, ich sehe nicht recht! So etwas habe ich noch nie gesehen! So etwas habe ich mir nicht mal vorstellen können!“, richtete er sein Augenmerk auf Harry. „Du, Harry?“

„Nein, Ron, so noch nicht, nur Rot, beim Dark Lord!“

Ich schluckte schwer, denn dass der Lord und ich jeweils andere Augenfarben haben konnten, hatte ich bisher großzügig übersehen, bevor Harry weitersprach und wieder meine Aufmerksamkeit fesselte.

„Gellert hat dich auch als sein Licht in finsterer Nacht bezeichnet, was dann wohl noch passender ist“, starrte mir Harry gerade ins Antlitz.

„Du warst damals in der Höhle der Inferi, als Dumbledore und ich dort waren“, verkündete er anklagend, dabei lag ein undeutbarer Zug in seiner Miene, der mir sofort Sorge bereitete.

„Wie kommst du darauf, Harry?“, presste ich betont neutral hervor.

„Wie? Ohhh, auf die Entfernung sehen deine Augen wie ein Lichtball aus, wie eine Sonne eben und die leuchteten aus der Finsternis dieser verdammten Höhle zu mir… du hast uns damals gerettet, oder?“, hauchte er leise, während ich ihm nur unverwandt in die Augen starrte, reglos, emotionslos, fast schon leblos, bis er leise seufzte.

Ja, ich hatte ihm damals geholfen, aber er hätte es auch ohne mich geschafft. Ich wollte ihm nicht bestätigen, dass ich zu jener Zeit dort gewesen war, ich schaffte es einfach nicht, über meinen Schatten zu springen.

„Du weißt, dass wir dir nichts Böses wollen? Wir wollen dich nicht mal verurteilen“, warf Ron so leise ein, dass ich ihn fast nicht hörte, bevor Harry fortfuhr:

„Ahhh, dann weiter, kommen wir zu Lughnasadh!“, legte Harry ungerührt nach. „Die Vorgänge in den Höhlen haben uns wirklich die Augen geöffnet!“, nickte Harry nachdenklich wirkend.

„Ja, haben sie! Sie waren brutal, brachial! Hermione, wie konntest du nur?“, bestätigte Ron eifrig und zeigte Nerven. Als ich nicht reagierte, fuhr er sich durch sein feuerrotes Haar und setzte an: „Da waren Gellert, Luna, du und…“

„Albus Dumbledore!“, beendete Harry Rons Satz bedeutungsvoll und ich zuckte mit den Schultern, um gleichgültig zu wirken. Doch es war zu ärgerlich, dass sie so viel wussten. Es war schon tragisch komisch, wie sollte ich das mit Albus gestehen?

„Weißt du, wie dumm ich mir vorkomme, dass es mir nicht eher aufgefallen ist? Ich hätte mich in den Hintern treten können, echt, Gellert hat dauernd mit sich selbst geredet, dabei war es Dumbledore, der bei ihm war!“, führte Harry nun doch erregt und sich die Haare raufend aus, dann erhob er sich und begann, im Zimmer unruhig auf und ab zu laufen.

„Sag doch was?“, bat Ron, aber ich hob wieder nur die Schultern.

„Ich fass es nicht, Hermione. Okay, ich muss fair sein, ich kann mir denken, warum du nichts gesagt hast… aber was mich wirklich betrübt ist, was ich noch herausfinden musste.“

„Was?“, wollte ich fragen, aber Ron kam mir zuvor.

„Du hast es vergessen, oder?“

„Ja“, bekannte ich nur sehr verwirrt.

„Ich bin schrecklich traurig darüber, was du mit Daphne gemacht hast!“, stieß er nun wirklich anklagend hervor und ich war wie überfahren, denn mit diesem erneuten Themenwechsel hatte ich ein weiteres Mal überhaupt nicht gerechnet und diese Regung musste mir auch deutlich anzusehen sein.

„Keine Sorge, deine Zauber wirken!“, winkte Harry lapidar ab und deutete meinen Gesichtsausdruck wohl falsch. „Aber als ich ihr abends etwas über die weißen Augen erzählt habe… da wirkte sie gar nicht überrascht.“ Ich erinnerte mich an den Vorfall, als ich Daphne verfluchte, auf dass sie über mein Geheimnis schweigen musste, nachdem sie mich überrascht hatte, während ich weiße Augen gehabt hatte.

„Ja spinnst du?“, fuhr ich ihn an.

„Was? Sie kann doch nicht mal darauf was sagen, dafür hast du gesorgt.“

„Wohlweislich, ja, dafür werde ich mich nicht entschuldigen.“

„Solltest du aber, das macht man nicht mit Freunden“, fauchte mich Harry an und ich schnappte nach Luft. „Aber keine Sorge, das sind deine Geheimnisse, sie sind sicher bei mir, bei uns!“

„Da bin ich aber beruhigt“, fletschte ich leicht die Zähne. „Auch hoffe ich, dass die anderen untereinander nicht derart fröhlich miteinander reden können wie ihr zwei das anscheinend könnt!“

„Keine Sorge, wurde alles von Gellert, Draco und uns gesichert“, beschwichtigte Ron.

„Gut.“

„Doch  du kannst dir vorstellen, wie perplex ich war, dass deine leuchtenden Augen nichts Neues für sie waren?“, erklärte Harry weiter und ich hob auf die implizierte Frage schon wieder meine Schultern.

„Sie meinte nur, sie kann nichts dazu sagen, aber das brauchte sie auch nicht!“, erklärte Harry hastig und lief dabei weiterhin auf und ab und wedelte mit den Händen aufgeregt durch die Luft, bis er sich schließlich zur Ruhe zwang, stehen blieb, tief durch atmete und sich mit den Händen übers Gesicht fuhr. Dann drehte er sich um und blickte mich durchdringend an.

„Ich habe nur eine Frage, Hermione, und ich verlange, dass du sie mir beantwortest. Warum hast du es mir nicht gesagt? Angst? Sorge? Vor was?“

Zum Schluss war er bedrohlich leise geworden und ich erkannte deutlich das wütende Funkeln in seinen grünen Augen, die er dann wieder schloss, um erneut noch einige Male tief durchzuatmen.

Was mich zurückhielt? Die Sorge, dass sie mich wegen dem, was ich zu tun bereit war, verurteilen würden! Und zum Teil, weil ich mich selbst dafür geißelte!

„Du hast uns Dinge verschwiegen… und wir hätten dich deswegen fast verloren“, warf er mir nachdrücklich vor. „Das kann ich dir nicht vergeben.“

„Ich wollte euch nicht beunruhigen“, gab ich dann doch recht ruhig zu, nachdem mich seine Worte sehr tief trafen.

„Oh, keine Sorge, wir sind beinahe vor Sorge gestorben, als du in dem Kreis fast verblutet bist“, kam es nahezu bissig von Ron, darauf verzog ich meine Mundwinkel.

„Ja, was erwartest du? Du bist uns sehr wichtig, wir brauchten, um dich zu retten, ein Buch mit dunkelster Totenmagie, aber sei es drum, irgendwie kann mich das nicht mehr schocken.“ Dabei klang Harry nun wirklich matt in seiner Anklage. Alle Wut schien plötzlich aus ihm gewichen zu sein.

„Mir ist es ehrlich gesagt egal, was du bist, oder auch nicht! Ich bin auch nicht normal. Ich will gar nicht genau wissen, was da los war, solange du mir versprechen kannst, dass wir dich nicht wegen dieser Sache verlieren!“, beharrte er schließlich entschieden und ließ sich nun geradezu erschöpft in den zweiten Sessel plumpsen.

Mein Blick glitt kurz zu Ron, doch er nickte nur langsam und zustimmend zu Harrys Ausführungen, blieb ansonsten aber mit verschränkten Armen sitzen und warf mir einen unmissverständlich fordernden Blick zu.

„Was soll ich euch antworten? Ich habe nicht viel zu sagen… außer dass ich euch mein Kompliment aussprechen möchte, unter Anbetracht, was ihr alles kombiniert habt, wenngleich einiges an den Haaren herbeigezogen wirkt!“, riss ich mich zusammen und versuchte, die Fassung zu wahren. „Es tut mir Leid, dass ihr euch Sorgen machen musstet, aber das, denke ich, wird in Zukunft unnötig sein, dieses Thema ist beendet und alles ist gut ausgegangen, seid also bitte unbesorgt.“

„Und das sollen wir glauben?“, „Fällt mir echt schwer“, „Etwas unglaubwürdig, nach dem Stunt!“, kam es abwechselnd von den Jungs.

„Es ist aber so… ich habe gewonnen.“

„Okayyyyy“, entgegnete Harry zweifelnd.

„Keine Sorge, wirklich, noch mal passiert so was nicht! Und um nochmal auf Daphne zurückzukommen; Ich habe nicht nur mich geschützt, sondern auch Daphne. Indem sie nicht reden kann, ist sie wertlos und so soll es sein, das habe ich auch für dich getan“, behauptete ich listig.

„Das soll ich glauben?“

„Glaub es oder glaub es nicht, es ist so“, beharrte ich stur, als ich mich erhob um zu gehen, alles war gesagt und ich musste zurück ins Prince House.

„Du willst jetzt doch nicht einfach so gehen?“, protestierte Ron aufgebracht und irgendwie auch verletzt klingend.

„Doch, was denkst du denn? Ihr habt doch gesagt, ihr kennt mich, ich beantworte keine Fragen!“, wiegelte ich entschieden ab und verließ umgehend den Raum, bevor sie noch etwas erwidern konnten.

Das Gespräch war nicht schön gewesen und ich war nicht froh darüber, sie so abkanzeln zu müssen, aber ich würde mich nicht rechtfertigen und ich wollte über das, was sie wissen wollten, nicht reden, so würde es bleiben.

Hermiones Sicht Ende

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