Inhaltsangabe
 
StartseiteStartseite  FAQFAQ  SuchenSuchen  AnmeldenAnmelden  LoginLogin  

Austausch | 
 

 Kapitel 473-474

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
AutorNachricht
queenie
Königin
Königin
avatar

Anzahl der Beiträge : 1408
Anmeldedatum : 08.02.12
Alter : 36
Ort : München

BeitragThema: Kapitel 473-474   Mi Aug 06, 2014 1:39 am

473. Kapitel Einen Kater in Ehren, den kann niemand verwehren

Lucius Sicht

„Vater? Störe ich?“, fragte mein Sohn vorsichtig, nachdem er sachte an meine Bürotür geklopft hatte und nun seinen Kopf herein streckte.

„Nein, komm rein! Wie geht es ihr?“, antwortete ich ihm einladend.

„Deshalb bin ich da…“, begann er und schloss die Tür hinter sich nicht gänzlich. „Könnte es sein, dass der Biss des Vampirs dazu führt, dass es ihr so schlecht geht? Sie übergibt sich soeben!“, wollte er erfahren, dabei sah er uns sehr aufmerksam an.

„Keine Sorge, Draco, das ist normal, sie hat zweimal den Trank genommen und sich zweimal total betrunken, das kann eine der Nebenwirkungen sein!“, gab Severus sorgfältig Auskunft.

„Ich verstehe nur nicht, warum sie so etwas tun sollte? Das passt so überhaupt nicht zu ihr!“, zeigte mein Sohn Nerven und fuhr sich nervös durch seine kurzen, so hellblonden Strähnen.

„Tja, auch ich tue Sachen, die sich nicht immer erklären lassen!“, klirrte es kalt und Draco wirbelte herum, denn ganz plötzlich stand sie hinter Draco in der Tür. Sie war etwas blass um die Nase, aber auch sehr selbstsicher gekleidet in einem schlichten, grünen Kleid, das ihre Figur umschmeichelte.

„Sag mir nicht, dass ein Vampirbiss normal ist!“, konterte Draco verbissen und ihre Hand zuckte automatisch zu ihrem Hals, der diese Zeichnung nun für immer trug.

„Ganz ehrlich? Eine mehr als unschöne Erfahrung, auf die ich getrost verzichten könnte! Der Stich in deine Haut tut nicht weh, es tut auch nicht weh, wenn sie trinken, aber das Gefühl, dass sie dich essen ist… beunruhigend… Draco, sag allen, dass sie aufpassen sollen, dass…“, setzte sie mit bewegter Miene an, dabei ließ mich ihr Ton aufhorchen. Es schien wahrlich keine schöne Erfahrung gewesen zu sein.

„Was meinst du?“

„Dass die Vampire nie wissen dürfen, dass ich zu Harry gehöre… das wäre gar nicht gut!“, bekannte sie vor meinen vornehmen Ohren und ich verbiss mir exaltiert das maliziöse Lächeln, das auf meinen Lippen lag.

„Was?“, rief mein Sohn ungläubig.

„Ja, sie hassen mich aufrichtig, inbrünstig und abgrundtief!“, bekannte sie erstaunlich ehrlich.

„Severus?“, fuhr Draco aufgeregt zu unserem Fachmann herum und dieser drehte sich in ergreifender Genervtheit nun mehr zu meinem Sohn.

„Wo sie recht hat, Draco! Jede Allianz zerbricht sofort, sobald die Vampire denken, Hermione könnte daran beteiligt sein! Das muss der Orden zwar nicht wissen, aber diese unerträglichen Weasley-Twins zum Beispiel schon und auch Potter, wenn sie sich den Vampiren als Bündnispartner annähern wollen!“, erklärte Severus doch recht mitteilsam die Sachlage.

„Warum mögen sie dich nicht?“, drehte sich damit Draco wieder zu ihr herum und ich besah mir dieses Schauspiel aus der Distanz.

„Weil ich ein Nekromant bin und sie sich als die einzigen Herren über Leben und Tod ansehen!“, knurrte das Biest regelrecht gefährlich und ich konnte mir bildlich ausmalen, wie diese zwei Wesen um die Oberherrschaft auf diesem ganz speziellen Gebiet rangelten.

Hermione war keine Frau, die gerne ein Gebiet teilte!

„Oh, das ist natürlich vertrackt!“, nickte Draco verstehend und überlegend.

„Eben und deshalb mögen wir uns nicht!“, gab sie knapp hinzu.

„Aber, warum beißt er dich dann?“, stellte mein Sohn eine sehr delikate Frage, die ich nur zu gerne selbst von ihr beantwortet hätte, sodass mein Augenmerk nun auf ihrer widerwilligen Gestalt lag.

„Machtspielchen, nicht weiter von Bedeutung und keine Sorge, es hat keine Neben- oder gar Nachwirkungen!“, wich sie geschickt aus und weckte damit natürlich doppelt mein Misstrauen.

„Aha…“, reagierte als einziger Draco recht zynisch auf ihre unbeschreibliche Art, nichts Genaues offenbaren zu wollen, wenngleich ich die Tatsachen schon von Severus‘ Besuch bei Sanguini kannte, war es angenehm zu bemerken, dass Hermione selbst uns gegenüber ebenfalls bei der Wahrheit blieb. „Nur kleine Narben, die nicht weggehen!“, perlte Dracos feine Ironie durch den Raum.

„Es hätte aber auch ganz anders ausgehen können. Vampire sind nicht kalkulierbar, wenn sie Blut trinken!“, fauchte nun zu meiner Überraschung Severus recht vorwurfsvoll los und sie verzog leidlich die Miene, während ich an Severus‘ Worte zurückdachte, dass Sanguini sie, als die Anomalie, die sie war, niemals zu einem Vampir machen würde, selbst wenn er es könnte, was Severus bezweifelte.

Aber ich wollte mal nicht so sein und einfach beobachten.

„Oh, Severus, ich habe ihm nicht geschmeckt, keine Sorge! Nur frage ich mich, wie du sagen kannst, dass ich aufpassen soll, wenn du in ihrer Gegenwart sogar fickst“, fauchte sie ungehalten und ich schaffte es gerade noch so, eine völlig unleserliche Maske aufrecht zu erhalten, kurz bevor mich eine Lachsalve überfallen wollte. Dieser Disput war köstlich, während Draco die Augen bei dieser Anschuldigung übergingen und sich Severus‘ Blick noch mehr verdüsterte.

„Das tut hier nichts zur Sache!“, murrte Severus sehr kühl und alles an seiner Haltung war eine Warnung, worauf sie abfällig schnaubte. „Außerdem haben wir gestern darüber gesprochen!“, mahnte er hörbar drohend.

„Ja klar, soll ja schließlich keiner wissen!“, ätzte sie unbeeindruckt, wobei sie versuchte, zu überspielen, dass sie sich augenscheinlich an „gestern“ eben nicht mehr erinnern konnte. „Aber Radu ist eine Schlampe, die schlicht eifersüchtig ist, dass ich dich habe und er dir nur dabei zusehen durfte, während er sein Mahl abhielt!“, knurrte sie aggressiv. „So genau gleich!“, giftete Severus wenig begeistert zurück und selbst ich hob interessiert eine Braue, das war mal was Neues, eine süperbe Vorstellung; Severus vögelte vor allen und seine Partnerin wurde dabei ausgesaugt, das war fabulös.

Vielleicht, nur ganz vielleicht sollte ich ihn um diese delikate Erinnerung bitten?

„Und ganz ehrlich, gestern ist für mich sehr in Nebel gehüllt!“, verkündete sie beißend, bis Severus eine unwirsche Geste kundtat und sie unterbrach.

„Stört es dich?“, fragte er plötzlich sehr leise und sehr eindringlich, was jedes Geräusch im Raum verstummen ließ.

Sie erstarrte und das war für mich ein Signal, weswegen ich Draco ein eindeutiges Zeichen gab, sich dezent zurückzuziehen.

Dies ließ ihn verständnislos zu mir starren. Sichtlich lesbar für mich, war sein Widerwille mir zu gehorchen, unter dem Umstand, dass er als einziger ausgeschlossen sein sollte, so als ob er daran zweifelte, dass auch ich vor hatte zu gehen. Aber ich zog mich soeben von meinem Schreibtisch zurück und ging zu der hinter mir gelegenen Tür, die in ein anderes Zimmer führte und nachdem Draco bemerkt hatte, dass auch ich diese beiden für ihren Disput allein lassen würde, gab er nach. Dabei blieben wir und unser Rückzug relativ unbemerkt, da sich die anderen beiden in Grund und Boden starrten. Draco folgte meinem Wunsch und ging selbst unauffällig aus der Tür.

Ich hatte noch nicht lange die Tür geschlossen und wollte gerade aus dem Salon gehen, als mein Sohn bereits wie eine Eins vor mir stand.

„Warum sollten wir uns zurückziehen?“, fragte er übergangslos.

„Weil uns das nichts angeht!“, gab ich knapp eine Antwort, daraufhin klappte Draco erstaunt der Mund auf. Es war selten, dass ich es noch schaffte, meinen Sohn zu überraschen, aber ich genoss seine Miene in vollen Zügen.

„Seit wann derart taktvoll, Vater?“, fragte er dann auch schon sprachlos.

„Draco, die Vampire sind ein sehr heikles Thema für Severus, genau wie für Hermione die Nekromantie… oder für dich die Veela…“, zeigte ich mich rücksichtsvoll und auch wenn man es nicht glauben wollte, ich hatte ein sehr feines Gespür in solchen Dingen.

„Das sagt der Mann, der immer alles wissen will!“, hielt er mir dann anklagend vor, während eine gewisse Blässe in seinem Gesicht Einzug gehalten hatte, als ich die Veela erwähnt hatte. Ich schnalzte daraufhin exaltiert mit der Zunge.

„Tse… tse und ich werde auch alles erfahren, spätestens von Severus, also halte du dich an Hermione!“, speiste ich ihn tadelnd ab. Daraufhin spiegelte sich Unglaube in seinen Augen, bevor er sein Haupt schüttelte und ein raues Lachen ausstieß.

„Du bist dir sehr sicher!“, gab er kritisch von sich.

„Das bin ich!“, meinte ich sehr ernst und spielte mit dem Knauf meines Gehstocks.

„Das freut mich sehr für dich!“, ätzte Draco so böse, dass er seine unechte Bekundung in seiner Aussage gar nicht zurücknehmen brauchte und ich schenkte ihm ein generöses Lächeln.

„Du zweifelst, dass sie dir alles sagen wird?“, fragte ich somit provokant und schenkte ihm ein mitleidiges Runzeln meiner hohen Stirn.

„Unwichtig!“, tat er rasch ab. „Hättest du das von Severus gedacht?“, stieß Draco plötzlich irgendwie betroffen aus.

„Dass er DAS getan hat?“, fragte ich akzentuiert nach, ob er meinte, dass Severus sich dazu herab ließ, eine andere Frau im Kreis der Vampire zu beglücken, während diese Dame das Futter war.

„Ja!“, bestätigte somit mein Sohn eindeutig und ich neigte mein Haupt.

„Nun, du hast bei den Veela nichts anderes getan!“, gab ich wenig taktvoll zu bedenken und er kniff sichtbar getroffen die Augen zusammen, als ich schon wieder auf diesen wunden Punkt zurückkam.

„Danke, dass du mich daran erinnerst! Aber das meinte ich nicht! Severus… dass er das tut, also, das kam unerwartet!“, zeigte mein Sohn Nerven und begann im Raum auf und ab zu laufen, während ich überlegte, dass Hermione Draco schon dabei zugesehen hatte, wie er die kleine Smudgeley flachgelegt hatte und sie hatte dies auch hingenommen. Warum sollte sie nun bei Severus anders reagieren?

„Draco, man schlägt im Heim der Vampire nichts, aber auch gar nichts von ihnen ab! Das ist Gesetz… und auch dem hat er sich zu beugen“, setzte ich an zu erklären, dabei hoffte ich darauf, dass Draco erkennen konnte, dass alles was wir taten Reaktionen auf Unwägbarkeiten waren, denen wir ausgesetzt wurden.

„Und das entschuldigt alles?“, hauchte er zweifelnd.

„Kommt immer darauf an, wie du es auslegen willst. Ich bin nicht sie, du aber auch nicht!“, gab ich sachte zu bedenken, wobei ich die Devise vertrat, dass jedes Mittel recht war um zu gewinnen.

„Du willst mir damit sagen, Severus hatte keine Wahl, ich aber schon? Dass man bei den Vampiren nicht ablehnen kann, ich aber den Veela hätte widerstehen sollen?“, gab er mit leicht aggressivem Unterton zurück.

„Das habe ich nicht gesagt! Draco, ich verstehe beides und kann beides nachvollziehen, ich würde mir nie anmaßen, darüber zu urteilen, soweit müsstest du mich kennen!“, wandte ich leicht versnobt ein und schritt gemessenen Schrittes zum Fenster.

„Warum mussten wir dann gehen?“, hakte er erneut nach.

„Severus ist es nicht gewöhnt, Rechenschaft ablegen zu müssen, egal wem gegenüber und egal worüber. Das dort drinnen im Salon, ihr gegenüber, fällt ihm gerade nicht leicht!“, gab ich zu bedenken und blickte überlegend aus dem Fenster auf die Weiten des Parks.

„Sie sagt immer, wenn etwas passiert, ist es egal, da es bei einem Auftrag geschieht!“, meinte Draco plötzlich, hielt aber in seiner unruhigen Flucht nicht ein.

„Sie wird es meinen, wie sie es sagt, dafür ist sie schon durch zu viele Unwägbarkeiten gegangen, um nicht zu wissen, was passieren könnte! ABER hier geht es gerade um wesentlich und bedeutend mehr. An sich stimme ich überein, dass sie dergleichen nicht zur Sprache bringen sollte, aber das größte Problem ist wohl dieser Radu… du musst differenzieren!“, erklärte ich hoheitsvoll, während ich diese Beleidigung fürs Auge, die diese gefleckten Pfauen für mich bedeuteten, dabei beobachtete, wie sie über die Parkanlage stolzierten.

„Du meinst, weil Radu nun hier aufgetaucht ist und Unruhe stiftet? Sonst wäre es egal?“, stoppte Draco und sah mich aufmerksam an.

„Korrekt, etwas zu ahnen, aber nicht zu wissen, ist etwas anderes, als es zu wissen, es zu hören und damit konfrontiert zu werden!“, zeigte ich mich Weise und ließ meinen Sohn an meinen Erfahrungen teilhaben, während er meinen Rücken taxierte und ich seinen Blick durchaus spürte.

„Sie hat mich sogar dabei gesehen!“, kam es dann recht scharf von Draco.

„Hältst du mir das Gewölbe vor?“, wusste ich natürlich sofort, worauf er anspielte und war versucht, mit den Augen zu rollen.

„Nie, Vater, ich doch nicht!“, gab er böse spottend von sich.

„Spar dir deinen Zynismus, Draco, der ist bei mir verschwendet“, entgegnete ich recht scharf und mein Gehstock stieß hart auf den Boden.

„Das werde ich mir merken, Vater! Vor allem das mit dem Ahnen, Wissen und Hören… Denkst du, sie bekommen sich wieder ein?“, wechselte er geschickt das Thema.

„Ich denke! Und nun komm… wir haben anderes zu tun, die Gamotsitzung beginnt bald!“, wandte ich mich vom Park ab und schnipste, damit mir der Elf meinen Mantel brachte.

„Nicht schon wieder dieser doofe Avada!“, jammerte Draco sofort los. „Vater, das ist öde, warum muss ich da auch hin?“

„Weil es mich ebenso langweilt!“, gab ich gehässig zurück und schenkte meinem Sohn ein leicht ironisches Lächeln.

„Das ist nicht nett, reicht doch echt, wenn sich nur einer von uns langweilt!“, jammerte Draco geradezu leidend weiter.

„Das hab ich jetzt nicht gehört! Dies ist eine öffentliche Sitzung und es steht dir durchaus zu Gesicht, endlich auch mal in Erscheinung zu treten!“, bestimmte ich rigoros und überging sein Gemosere, während er mir folgte.

Lucius Sicht Ende

Hermiones Sicht

„Ich ficke wen ich will, Hermione!“, drohte er seidig, alles an seiner Haltung erzählte davon, wie abgeneigt er diesem Gespräch war. „Mich würde interessieren, was dich wirklich stört?“, traf er den Nagel auf den Kopf.

„Du hast völlig recht, du kannst vögeln wen du willst, aber anders als ihr mir, schreibe ich euch dergleichen nicht vor“, hielt ich ihm anklagend vor, denn das nervte mich abgrundtief und seine Arroganz gerade noch mehr.

„Ist es das?“, fragte er sichtlich erstaunt, aber es hörte sich in meinen zarten Ohren nicht so an, als wollte er anbieten, dass ich machen dürfte was ich wollte, denn sein Kiefer trat gerade etwas stark hervor. „Besoffen warst du erträglicher“, schmeichelte er mir unheimlich und ich schnaubte einem Pferd ähnlich auf.

„Klar ärgert mich das, wo bleibt da die Gleichberechtigung? Aber hier im Speziellen geht es mir nicht um die Frau, die tut mir eher leid, schließlich ist sie tot, eher dieser bescheuerte Radu bildet sich zu viel ein und ich mag ihn absolut nicht!“, grollte ich nachtragend.

„Beruht auf Gegenseitigkeit, du Biest! Er mag dich wirklich nicht, aber jetzt mal Tacheles, du bist nicht sauer auf diese verblendete Frau, die tot ist, wie wir eigentlich schon gestern festgestellt haben? Sondern auf Radu?“, drang er noch mal nach, ob er meine Aussage richtig verstanden hatte.

„Ja, so könnte man es sagen, diese Vampire wirken auf alle nebulös und verwirrend, sie haben einen fast tranceartigen Charme, dem auch du dich nicht völlig wirst entziehen können“, bemerkte ich, wie er die Ohren spitzte und mich mit verengten Augen maß.

„Du aber schon?“, lag so viel mehr als nur diese eine Intention in seiner Frage.

„Ich schon!“, stimmte ich verhalten lächelnd zu und trat näher zu Severus.

„Interessant! Ein Grund mehr, warum sie dich nicht mögen!“, resümierte er, dabei kam er mir weiter entgegen.

„Ja, das sehe ich ähnlich und wie gesagt, es war ein Auftrag!“, wandte ich nun ein und diese Aussage fiel mir dann doch erstaunlich leicht.

„So einfach siehst du das?“, gab Severus von sich und ich spürte deutlich, dass er mir dies nicht ganz abnahm.

„Wenn ich mit dir und Draco eine Zukunft haben will, werde ich es so sehen müssen! Aber ganz ehrlich, Severus, solltest du dir eine andere Hexe suchen, dann…“, drohte ich nun ernsthaft mit erhobenem Zeigefinger, denn sie konnten mich nicht mit Vorschriften ketten und selbst machen, tun und lassen was sie wollten. Dann vollendete ich meine Drohung, indem ich meine Faust aggressiv in meine Handfläche klatschte.

„Malerisch, aber dieses Gespräch läuft ad absurdum!“, unterbrach er mich lapidar, als wäre meine Warnung völlig unnötig.

Er wirkte vollkommen zufrieden, irgendwie schien es ihm zu gefallen, wie ich reagierte und ich schnaubte, bevor ich auf seinen Wunsch einging und das Thema wechselte.

„Pffff, sag mir lieber, was ich dir gestern erzählt und offenbart habe“, kam ich recht forsch auf den unangenehmen Punkt, dass ich einen Blackout hatte und erntete eine hochgezogene Braue.

„Du weißt es nicht mehr?“, war der erhoffte Zweifel, dass ich nur spielte, in seiner Tonlage zu vernehmen, als ich wenig erfreut mein Haupt schüttelte.

„Leider!“, bekannte ich offen und ehrlich, mit leicht herab sackenden Schultern, aber als ich aufblickte, traf mich nicht der gewohnte und erwartete gehässige Spott, sondern ein Blick aus unleserlichen, tiefschwarzen Augen.

„Nichts! Du hast mir nichts erzählt, nur dass du einen Inferi erschaffen musstest, detaillierter wurdest du nicht“, entgegnete er absolut ernst, worauf ich skeptisch blinzelte.

„Wirklich nicht?“, wollte ich misstrauisch erfahren, aber was für einen Grund sollte er haben, mir nicht die Wahrheit zu sagen?

„Wirklich nicht!“, bestätigte er erneut und ich glaubte ihm.

„Du willst es auch nicht wissen? Wer es war?“, fragte ich daher unsicher nach, während er langsam seinen Kopf verneinend schüttelte.

„Nein, will ich nicht, muss ich denn?“

„Auf keinen Fall! Ich müsste dann…“, wollte ich eilig die Flucht ergreifen, bevor er mehr sagen könnte und auch er wirkte etwas verlegen, irgendwie war es gerade seltsam zwischen uns, da mir zum ersten Mal auffiel, dass wir alleine waren. Wann waren die beiden anderen gegangen?

„Ich muss auch, Hogwarts ruft, bald sind die Ferien vorbei!“, stimmte Severus leise zu.

„Ja, dann kannst du Lucius wieder entkommen!“, entgegnete ich spottend.

„Glaubst du das wirklich?“, kam es gewohnt sarkastisch von Severus. „Wohl eher nicht!“, erklärte er dann sichtbar amüsiert. „Wohin gehst du jetzt, Hermione?“

„In die Knockturn Alley, ich muss mich nach meiner beschämenden Strafe wieder den Leuten zeigen, du verstehst!“, erklärte ich entschlossen, denn so war es, sie durften mich nicht für schwach halten, das wäre fatal.

„Natürlich!“, raunte Severus zustimmend und ich kam nicht umhin, vollkommen erstaunt zu sein, wie leger wir unseren Disput beigelegt hatten.

Warum ärgerte es mich einfach nicht mehr, dass sein Auftrag von ihm diese Intimitäten gefordert hatte? Nun, ich wusste einfach intuitiv, dass Severus keinen Spaß daran gefunden hatte. Zumindest hoffte ich, dass dies so war, aber sein mürrischer Gesichtsausdruck bei dem Thema ließ auf nichts anderes schließen, hinzu kam, ich vertraute ihm wirklich, wie ich feststellte!

Bevor er mich mit einem sachten Lächeln hinab ins Foyer begleitete, überlegte ich weiter, wie mir entgangen sein konnte, dass Lucius als auch Draco verschwunden waren und uns alleingelassen hatten. Das war unerwartet und umso interessanter!

Was sollte mir das sagen?

Leider kam ich nicht dazu, weiter darüber nachzudenken, denn kaum hatte ich die Kneipe betreten, wurde ich schon lautstark begrüßt.

„Unfassbar, das ging aber schnell!“, „Schon wieder ganz?“, „Das ist erstaunlich, selbst mit den Giftwässerchen von der Fledermaus“, „Das war ganz schön flott!“, „Du bist halt doch was ganz Besonderes!“, schallten mir die Begrüßungsrufe meiner Leute, aber auch die der anderen DeathEater entgegen, die sich hier versammelt hatten und gemütlich etwas tranken.

„Immer wieder schön, zu euch zu stoßen… hey, du da, ich gebe eine Runde aus, bring meinen Freunden hier was zu trinken!“, rief ich wohlverborgen unter meiner Kapuze zur Bedienung und schmiss ein Säckchen Galleonen zur Theke hin. Sofort grölte die Kneipe und niemand musste mir sagen, wie man das Herz dieser Männer erobern konnte.

„Aber nun sag schon, bist du wirklich wieder ganz?“, wollte Rabastan begierig erfahren, während er sich nah zu mir beugte, woraufhin ich die Nase rümpfte, schließlich hörte man, wie sehr er hoffte, dass ich gelitten hatte.

„Wäre ich sonst hier?“, fragte ich aufreizend.

„Was wollte unser Lord von dir?“, „Ja, erzähl…“, „Sag uns, warum er dich da behalten hat!“, kochte die Neugier der Leute über und jeder beugte sich nah zu mir.

„Bellatrix war mal wieder rasend vor Zorn!“, warf Rodolphus gemächlich ein und ich lüpfte wohlverborgen unter dem Stoff meine Braue.

„Na super, bei den komischen Bewohnern hätte ich keinen Wert darauf gelegt, länger dort zu sein!“, schränkte ich leidlich begeistert Bellatrix‘ Eifersucht ein. Mir zog fast eine Gänsehaut auf, wenn ich wieder an Barty und Wormtail an meinem Bett dachte.

„Du sprichst von unserem Lord!“, warf Dolohow rügend ein.

„Ich sagte Bewohner, nicht Besitzer!“, hisste ich zu dem ganz klugen Mann und hob meinen Humpen an, um den Leuten zuzuprosten.

„Ahhh, du meinst die Ratte und unseren Junior!“, zeigte Avery Verständnis.

„Vorwiegend die Ratte!“, knurrte ich missmutig.

„Ein widerlich schleimiger Typ!“, „Total eingebildet, weil er die bescheuerte silberne Hand hat!“, „Verlogener Verräter“, knurrten der ein oder anderen, aber eines war sicher, Verräter, egal wie oder wo, waren nie gerne gesehen, auf keiner Seite.

„Naja, er hat sich dadurch einen festen Platz an der Seite des Lords gesichert!“, gifteten alle über Peter, keiner mochte ihn und niemand traute ihm, aber dass er mir leid tat, konnte ich nicht behaupten.

Dann zuckte ich zusammen, denn plötzlich flogen Gläser und Humpen, einige Gäste stolperten durch die Gegend und alle wurden von einem hellen Licht geblendet.

„Fuck, was ist das?“, „Shit, ein Patronus!“, „Wer zur Hölle hat so ein Viech?“, „Was hat der hier zu suchen?“

Wir starrten alle auf den Patronus, der sich vor uns manifestierte.

Ich selbst versuchte, mir nicht anmerken zu lassen, dass ich die Hyäne erkannte. Sie stand hell glänzend in der Mitte des Schankraumes und rührte sich nicht, starrte uns nur drohend an, bis sie sich plötzlich zu meinem Glück auflöste, ohne einen Ton von sich gegeben zu haben und ich somit erleichtert aufatmete.

Gut, dass Harry intelligent genug war, sie nicht reden zu lassen, auf der anderen Seite, was musste schreckliches geschehen sein, dass er zu dieser allerletzten Möglichkeit griff, um mich zu rufen? Denn erst jetzt spürte ich, dass meine Münze tatsächlich unbemerkt von mir heiß geworden war.

Ich zwang mich dazu, weiterhin gespielt fröhlich bei den Leuten zu sitzen und unbekümmert zu scherzen!

Ich würde auffliegen, wenn ich jetzt sofort aufstehen und gehen würde!

Somit zwang ich mich, geduldig zu warten und während die Zeit verging, zogen mir die brutalsten Szenarien durch den besorgten Geist.

Als ich endlich verschwinden konnte, apparierte ich umgehend und stürmte ins Cottage.

„Okay, was ist jetzt schon wieder passiert?“, fragte ich atemlos, während ich rasant das Wohnzimmer erreichte.

„Endlich! Du bist wahrlich schwer zu erreichen!“, empfing mich Harry vorwurfsvoll.

„Entschuldigt, der Lord hatte lange Zeit meine Aufmerksamkeit!“, wehrte ich eilig ab und blickte mich suchend um.

„Ja, Malfoy sagte dergleichen, er hat angedeutet, dass es schwer für dich war…“, erklärte nun Harry und ich starrte ihn förmlich irritiert an.

„Aber mehr nicht?“, erinnerte ich mich an meine Bitte, alle zu warnen, sich von mir zu distanzieren, wenn es um die Vampire ging.

„Nein.“

„Die Vampire, er sollte…“

„Ohhh… das meinst du? Die Vampire? Er sagte nur, dass die Vampire nie erfahren dürfen, dass du zu uns gehörst!“, kam Harry nun auf den Punkt und ich hätte mich sehr gewundert, wenn ich mich nicht auf Draco hätte verlassen können.

„Gut und was ist nun so wichtig, dass du deinen Patronus schickst? Das war knapp, wenn du was gesagt hättest, ich war von DeathEatern umgeben“, rügte ich ihn, aber er schien nicht wirklich davon beeindruckt.

„Sorry, aber ich hab ein unglaubliches Riesenproblem…“, bekannte Harry und blickte unglücklich durch die Gegend. „Hermione, ich brauche deine Hilfe.“

Hermiones Sicht Ende

Dracos Sicht

„Draco, warte mal!“, rief mir Daphne plötzlich von der Treppe aus hinterher und ich blieb im Flur stehen, war gerade im Begriff aufzubrechen, nachdem ich die Connection von dem Vampirproblem in Kenntnis gesetzt hatte.

„Was gibt’s, Daphne?“, fragte ich etwas in Eile.

Sie schien kurz unschlüssig, als sie mich musterte, doch dann straffte sie sich sichtlich.

„Draco, nimm mich bitte heute mit. Ich halt es hier im Haus gerade nicht aus. Ich will etwas raus, mich sucht doch keiner und du… du gehst doch heute nach Irland! Ich will hier weg und dort vermutet mich niemand, bitte, ich will… ich brauche nur etwas Freiraum! BITTE! Ich bekomme keine Luft mehr!“, bat sie fest, aber auch mit einem verzweifelten Unterton, der mich hellhörig werden ließ.

Ich überlegte kurz, denn eigentlich wollte ich sie nicht mitnehmen. Was gingen mich ihre sichtbaren Eheprobleme an?

Aber ich hatte ein zu weiches Herz und ihr Blick zeigte mir deutlich, dass sie heute nicht nachgeben würde, außerdem lag in ihren Augen etwas Flehendes und so nickte ich nur knapp, was ein erleichtertes Lächeln auf ihre bisher verhärmt und verbittert wirkenden Züge zeichnete, dann rief sie eilfertig, während sie sich schon umwandte und die Treppe rauf eilte, „Bin sofort wieder da! Eine Sekunde!“.

Sie wirbelte umher und kam einige Sekunden später mit einer kleinen Tasche in der Hand und einem Umhang über dem Arm zurück.

„Lass uns gehen!“, strahlte sie dermaßen glücklich, wie ich sie seit ihrer Hochzeit nicht mehr gesehen hatte.

„Ich nehme Daphne mit!“, rief ich in den Raum zurück und es ertönte ein zweitöniges „Ja, viel Spaß!“, was aus der Küche zu vernehmen war.

Ich hatte die Twins informiert, denn ich wagte es nicht, sie einfach ganz zu „entführen“, Potter war es zuzutrauen, dass er hinterher stürmte, ohne Sinn und Verstand und sich dann noch von Vater, oder sonst wem gefangen nehmen ließ.

Wir apparierten umgehend vorm Haus unter dem Baum und materialisierten wenige Sekunden später in der Eingangshalle meiner Villa in Dublin.

„Wo sind wir hier?“, fragte Daphne sichtlich baff, da sie bisher nur die Burg gekannt hatte, aber mit dem hier hatte sie nicht gerechnet und das freut mich.

Zwar waren alle mit mir mittlerweile schon mehrfach in Irland gewesen, aber diese Villa hatte bisher nur Hermione von innen gesehen und nun Daphne. Ich hoffte, dass sie diese Ehre zu schätzen wissen würde und außerdem umging ich so Potters Verbot, Daphne in die Burg zu bringen.

„Das ist mein Haus hier, ich will ungern in ein Hotel gehen. Ich habe gleich ein paar Termine in der Firma und dann… naja?“, wusste ich mit dem geflüchteten Eheweib nicht wirklich etwas anzufangen, so musterte ich sie gerade auch, während sie sich neugierig in meinem Reich umsah und nicht so wirkte, als ob ich wichtig wäre, da sie das luxuriöse Ambiente gefangen nahm.

„Gut, dann komm mit, ich zeig dir den Salon, aber du kannst auch das Haus erkunden, hier ist nichts geheim“, kam mir erst bei meinem Angebot, dass ich derartiges niemals im Manor aussprechen würde. „Du kannst gerne in die Bibliothek gehen, oder dir ansonsten irgendwie die Zeit vertreiben. Im Keller, der auch einen Zugang zum Garten hat, gibt es auch noch einen Swimmingpool, mach was du willst. Fühl dich ganz wie zu Hause!“, ich hatte hier wahrlich nichts zu verbergen.

Wir waren im Salon und sie machte große Augen über den hier herrschenden Luxus.

„Danke, Draco, ich bin schon froh, dass du mich überhaupt mitgenommen hast, das hättest du wahrlich nicht tun müssen“, drehte sie sich wirklich aufrichtig und dankbar lächelnd zu mir um.

„Ja, das hätte ich nicht“, murmelte ich mehr zu mir als zu ihr und fügte in Gedanken hinzu, dass sie eine Ablehnung wohl auch nicht zugelassen hätte.

Ich hatte das Gefühl, ausnahmsweise hätte sie sich heute sogar gegen mich durchgesetzt und ich fragte mich, ob ich wissen wollte, was sie so sehr aus dem Cottage trieb, dass sie sogar ihren Sohn dort zurückließ.

„Wie lange bist du denn weg?“, fragte sie plötzlich.

„Ich denke, zum Mittagessen bin ich wieder da. Und dann will ich wissen, was dich aus dem Cottage von deinem Mann und deinem Sohn weggetrieben hat!“, erklärte ich recht scharf und sie blickte betreten zu mir, während sie stöhnte und sie ihre Hände intensiv betrachtete.

„Natürlich, wie du wünschst!“, murmelte sie leise vor sich hin.

So eigenartig es sein mochte, aber ich wollte ihr einen Schubs geben, um sich mit Potter zu versöhnen, denn egal und ganz gleich, wie Potter und ich uns gegenüber standen, dass sie längere Zeit wegen irgendwelchen Blödsinns zerstritten waren, konnten wir uns nicht leisten. Ich fand es, zu meiner eigenen Überraschung, regelrecht nervtötend, Daphne dermaßen traurig und in sich gekehrt zu erleben.

„Es tut mir Leid, dir diese Umstände zu breiten. Bis später!“, kam es trotzdem sehr dankbar von der jungen Frau, die erschöpft wirkte. Langsam fragte ich mich schon ernsthaft, was Potter wieder verbockt hatte.

Ich nickte nur knapp und verließ die Villa, begab mich zielstrebig in das Hauptgebäude von Contino Industries und in mein Büro, wo mein erster Termin schon geduldig auf mich wartete. Es verlief alles wie geplant, außer dass mein erster Termin etwas hatte warten müssen, gab es keine weiteren Verzögerungen und so betrat ich um kurz vor eins wieder den hellen Salon der Villa.

Ich fand Daphne leicht zusammengerollt auf dem Sofa vor, eingekuschelt in eine Decke, tief und fest schlafend. Schmunzelnd trat ich zu ihr und sah ein paar Sekunden nachdenklich auf sie hinab. Sie strahlte eine unschuldige Ruhe und einen inneren Frieden aus, wie ich ihn zum Beispiel bei der schlafenden Hermione nie erlebt hatte. Sie wirkte immer, als würde sie bei zu plötzlichen Geschehnissen sofort erwachen, ihren Zauberstab, oder ihren Dolch übergangslos ziehen und die Waffen einzusetzen wissen, aber Daphne wirkte nur sehr friedlich und selig in ihrem Schlummer. Sie bemerkte meine Anwesenheit nicht mal, was meine These über die beiden Frauen eins zu eins untermauerte. Langsam ließ ich mich in die Hocke sinken und legte dann eine Hand auf ihre Schulter, rüttelte sie sachte.

„Daphne, wach auf!“

Sie erwachte nicht sofort, war nicht von einer auf die andere Sekunde wach und einsatzbereit, dergleichen erlebte ich tatsächlich selten. Bei uns wachte jeder von jetzt auf gleich auf, so ein gutgläubiger Schlaf war bemerkenswert, aber auch schrecklich naiv.

Ich wiederholte meinen Weckversuch, etwas ungeduldiger, auf den sie dieses Mal reagierte und langsam die Augen öffnete, als sie mich erkannte richtete sie sich hastig, um nicht zu sagen ruckartig auf und sah mich mit großen Augen schlaftrunken an.

„‘Tschuldige, ich bin eingeschlafen!“, nuschelte sie mehr als undeutlich und stellte doch nur das Offensichtliche fest.

Jetzt saß sie in die Decke gewickelt, mit angezogenen Beinen auf dem Sofa und musterte mich von oben herab unsicher, weil ich immer noch vor dem Sofa hockte.

„Das hab ich gesehen!“ Ein abfälliges Grinsen stahl sich auf dabei auf meine Züge, während ich mich langsam erhob um neben ihr auf das Sofa zu sinken, wobei ich darüber hinwegsah, dass sie leicht derangiert wirkte.

„Verstehe ich das richtig, du bist hierher geflohen um zu schlafen?!“, fasste ich meinen sarkastischen Unglauben in Worte, denn dass Potter derart fordernd war, sah ich nicht. Was konnte ich dafür, wenn meine Gedanken sofort in die Gosse wanderten?

„Naja, eigentlich nicht, aber ich konnte in der Nacht neben Harry kein Auge zutun und dann bin ich wohl hier beim Nachdenken eingeschlafen. Bist du fertig mit deinen Terminen?“, lenkte sie, wie die brave Ehefrau, die sie sein sollte, von sich und ihrer offensichtlichen Ehekrise ab und wandte sich meinen Interessen zu.

Ich nickte wegwerfend, sagte aber nichts weiter und sie begann, sich etwas umständlich aus der Decke zu schälen, dann schlüpfte sie in ihre Ballerinas, erhob sich und strich sich gebührend über das verknitterte Kleid.

„Können wir dann jetzt was essen? Irgendwie hab ich richtig Hunger!“, klang sie ungewohnt fordernd.

„Klar, wie könnte ich eine holde, kurz vorm Verhungern stehende Maid leiden lassen!“, gab ich ihr leicht spöttelnd nach.

„Sehr witzig…!“, nuschelte sie und schlug sich verschreckt die Hand vor den Mund, weil sie ganz intuitiv mal ihren Respekt hatte fahren lassen und so mit mir redete, wie die anderen es taten. Mich störte das hier, wo wir alleine waren, nicht.

„Schlafen macht hungrig, eindeutig. Lass mich raten, du könntest eine ganze Schüssel Nudeln essen“, erwiderte ich nur grinsend.

„Oh ja, gute Idee. Woher…?“, nickte sie eifrig.

„Du weißt doch, ich bin ein guter Beobachter und mein Gedächtnis ist auch nicht zu verachten!“ Und es stimmte, nachdem ich sie in ihrer Schwangerschaft richtig nah kennengelernt hatte, wusste ich so einiges von ihr und ihren Vorlieben.

Daphne lachte befreit auf und ich stimmte mit ein, irgendwie war es doch schön, mal wieder einfach so Zeit mit jemandem zu verbringen und nicht immer allein unterwegs zu sein.

Während ihrer Schwangerschaft hatten wir wirklich viel Zeit miteinander verbracht, aber mehr gezwungener Maßen, dennoch hatte ich gelernt, ihre Gesellschaft zu schätzen, da sie angenehm war und mittlerweile sogar den Mund aufmachte, wenn es angebracht war, somit war ihre Gesellschaft mehr als erträglich.

Auch wenn ich nicht zu ihr gehen würde, um ihr mein Leid zu klagen, das wäre zu viel der Vertraulichkeit, so war ich doch bereit, für sie da zu sein, wenn sie mich brauchte, ihr eine Schulter zum Anlehnen zu bieten, oder wenn es mir möglich war, ihr auch wie heute zu helfen.

Natürlich tat ich dies nicht aus einer samariterähnlichen Laune heraus, oder um meinen netten Malfoy in mir zu finden, ich tat nichts ohne Hintergedanken, somit war mein planendes und taktierendes Selbst auch froh, dass sie, als Mrs. Potter, mir derart nahe stand und ich nun auch noch der Patenonkel ihres und Potters Sohnes war, denn wenn es darauf ankam, würde mir das einen riesengroßen Vorteil verschaffen. Über diesen Coup war ich immer noch ganz begeistert, wenn ich so bedachte, wie sich alles zu meiner vollsten Zufriedenheit gefügt hatte.

Wirklich gut für mich. Wirklich schlecht für Potter, dachte ich zynisch.

_________________
Nach oben Nach unten
queenie
Königin
Königin
avatar

Anzahl der Beiträge : 1408
Anmeldedatum : 08.02.12
Alter : 36
Ort : München

BeitragThema: 474. On the run   Di Aug 12, 2014 7:04 pm

474. Kapitel On the run


Erneut hakte sich Daphne einfach bei mir ein. Es war so natürlich und normal für uns, dass sich keiner von uns beiden darüber mehr Gedanken machte, wie es wirken könnte, oder was andere denken könnten. Sogar in Hogwarts dachten wir nicht darüber nach, meistens jedenfalls, doch seit ihr Sohn auf der Welt war, hatten wir in Hogwarts daran gearbeitet, zu zeigen, dass wir uns voneinander entfernten und entfremdeten, dass unsere „Beziehung“ langsam aber sicher in die Brüche ging.

Es war nicht mehr nötig, das Paar zu spielen und so taten wir es auch nicht mehr, schließlich hatte mich dieses Theater zu viel Nerven gekostet, als dass es mir Vergnügen bereitet hätte, aber gerade wollte ich ihr eine Freude machen und ihr mehr von Dublin zeigen.

„Wohin gehen wir?“

„Raus, es ist zu schön, um heute daheim zu bleiben und du kommst eh nicht oft aus dem Haus!“, gab ich ihr bereitwillig eine Antwort und sie schien wirklich überrumpelt, weil ich sie nicht kategorisch einsperren wollte.

Ich führte sie somit in ein kleines, gemütliches Restaurant, wo wir sehr entspannt zu Mittag aßen, oder eher ich, denn ich kannte das von Hermione, sie schob ebenfalls oft, wenn ihr etwas im Kopf rumging, das Essen geschickt von einer Seite ihres Tellers zur nächsten und verweigerte somit jede Nahrungsaufnahme.

„Dürfte ich nun erfahren, was Potter angestellt hat?“, fragte ich schließlich eindringlich, als mir ihr Schweigen wirklich reichte, außerdem war ich neugierig, was denn nun vorgefallen war, dass Daphne sogar flüchten wollte. Entweder hatten sie und Potter sich noch nie richtig gestritten und dies war der erste Ehestreit, oder er hatte wirklich großen Mist gebaut.

„Harry… er… er wusste und er… er hat es mir nicht erzählt!“, stockte sie unsicher, leckte sich nervös über die Lippen und ließ ihre Gabel fallen.

„Bitte, was?“, hakte ich irritiert nach, denn ihre Worte waren wenig aufschlussreich.

„Naja, es gibt Tagebücher und aus denen geht klar hervor, dass meine Stiefmutter, diese Warringtonschlampe, meine Mutter, die bei der Geburt meines Bruders starb, umgebracht hat!“, stieß sie nachtragend hervor und ließ ihr Gesicht in ihre Hände fallen.

„Ich weiß!“, erwiderte ich nur schlicht, denn warum sollte ich sie anlügen? Ich wusste sofort, wovon sie sprach, von den Tagebüchern, die ich Potter gegeben hatte.

„Du? Du weißt?“, schien sie geschockt. „Das wird ja immer besser!“, meinte sie nun empört, nach meinem Geständnis. „Woher?“

„Deine Mutter ist nun lange tot!“, rügte ich sie und hob mein Glas an und nippte an meinem Merlot.

„Darum geht es doch gar nicht, sondern darum, dass Harry es mir nicht gesagt hat! Dieser Vertrauensbruch… er hat mich im Ungewissen gelassen und auch Astoria!“, schimpfte sie los, dabei wirkte sie tief getroffen.

„Nun, er hat in einer turbulenten Zeit davon erfahren!“, verkündete ich nun ungewohnt Potter helfend, dabei betrachtete ich das tiefe dunkle Rot meines Weines versonnen im Licht der Kerzen.

„Bitte?“, hauchte sie überrumpelt, wohl weil ich Potter zu meinem Leidwesen weiter verteidigte.

„Vor der Geburt von Lucien. Er meinte, du würdest dich zu sehr erregen und er scheint recht gehabt zu haben, so widerwillig ich das auch zugebe!“, prostete ich ihr sachte zu.

„Nicht dein Ernst, Draco, ich bin erwachsen und ich erwarte, dass mein Mann mir so was mitteilt! Egal wann…“, knurrte sie und massakrierte danach ihr Fleisch.

„Dann benimm dich nicht so!“, maßregelte ich sie, während ich ihr nun ein charmantes Lächeln schenkte und sie es zögerlich erwiderte.

Es war fast schon eine unterhaltsame Zeit, nachdem das delikate Thema nun abgehakt war und Daphne erkannt hatte, ich würde ihr in ihrer Wut nicht zustimmen. Wir redeten über alles was uns gerade in den Sinn kam, scherzten über den Blödsinn, den die Twins zusammen mit Astoria wieder angestellt hatten und sprachen schließlich auch über Hermione und mich, was ich sonst selten tat, aber mit ihr erschien es mir nicht unpassend, nur ein Thema mied sie sehr strikt in dieser Zeit: Potter!

Ich wollte nicht, dass die Stimmung wieder umschlug, dafür war ich heute zu gut gelaunt, außerdem war aus meiner Sicht alles Nötige gesagt worden.

Sie würde über ihren Mann und die Situation nach dem Essen noch genug nachdenken müssen, vor allem stand ja nicht zu Debatte, dass ich es nicht auch gewusst hatte, schließlich hatte ich Potter die Informationen gegeben, auch wenn ich es ihr gegenüber noch nicht zugegeben hatte. Wir verließen nach über einer Stunde gemeinsam und gut gelaunt das Restaurant. Sie schien sich wirklich von ihren trüben Gedanken ablenken zu können, aber ich wollte eigentlich, dass sie sich mit ihrer Situation auseinandersetzte und diesen unseligen und unnötigen Streit beilegte und nicht verdrängte.

„Und, wo gehen wir jetzt hin?“, fragte sie interessiert.

„Warts ab!“, meinte ich jovial, während ich ihr einen Mantel umlegte und ihr die Kapuze weit über das Gesicht zog.

Zielstrebig führte ich sie Richtung des Wohnblocks. Wir liefen nur wenige Minuten, dann erreichten wir schon den Häuserblock, den ich gekauft hatte, und ich steuerte auf eines der Hochhäuser zu, in dem die großzügig geschnittenen Wohnungen für meine höheren Führungsetagen untergebracht waren.

Mit einem neugierigen Blick und sich gespannt umsehend folgte mir Daphne, fragte jedoch nicht weiter, dafür war sie einfach zu gut erzogen. Ich war gespannt, was sie sagen würde und wartete schweigend mit ihr, während wir mit dem Aufzug hinauffuhren.

Mir war gegenwärtig, sie war absolut unwissend über das was jetzt kommen würde, doch sie hielt sich wacker und fragte nicht nach. Wir traten im 4. Stock aus dem Aufzug und ich führte Daphne zielsicher den linken Flur entlang, bis zur entsprechenden Tür, dann zog ich den Schlüssel aus meinem Umhang und reichte ihn Daphne mit einer übertriebenen Verbeugung.

„Was soll ich damit?“, wollte sie sichtbar überrumpelt erfahren.

„Na, was soll man wohl mit einem Schlüssel machen?“, gab ich leicht spottend zurück.

Sie wollte gerade den Schlüssel ins Schloss stecken und aufschließen, doch ich legte bestimmt meine Hand auf ihre, hielt sie auf.

„Warte, bevor wir da rein gehen. Erinnerst du dich, dass du zu mir gesagt hast, ich würde mich nicht wie ein Freund verhalten?“ Sie schenkte mir einen verständnislosen Blick, aber wartete gespannt auf das was ich zu sagen hätte:

„Gut. Ich weiß, du siehst Freundschaft oft anders als ich, aber du weißt doch auch am besten, dass oft die Dinge nicht so sind wie sie aussehen, oder?“

Somit ließ ich ihre Hand los und sie steckte irritiert über meine kryptischen Worte und etwas in Gedanken versunken den Schlüssel ins Schloss und öffnete sehr vorsichtig die Wohnungstür. Wir traten in einen kleinen, offenen Wohnraum, der sehr modern, aber gemütlich eingerichtet war, wenngleich man bemerkte, dass alles verlassen und unbewohnt war.

„Was soll das hier, Draco?“, blickte sie sich irritiert in der Wohnung um.

Ich antwortete nicht auf diese Frage, sondern lehnte mich lässig an den Türstock und wedelte mit der Hand in den Raum.

„Schau dich weiter um!“

Sie runzelte verwundert die Stirn, kam meiner Aufforderung aber nach, trat wieder in den Flur und öffnete die nächste Tür, die in ein helles und freundliches Kinderzimmer führte. Ein sehr überraschter Ausdruck trat auf ihr Gesicht und sie blickte mich aus großen Augen an.

„Wofür ist das hier?“, fragte sie wenig eloquent.

„Das hier ist theoretisch deine Wohnung. Als wir an Weihnachten erfahren haben, dass du schwanger bist habe ich angefangen, für alle Eventualitäten vorzusorgen, auch dafür, dass Potter dich verlässt, oder dass es andere Gründe geben könnte… dass ihr, oder auch nur du wirklich untertauchen, oder fliehen müsst. Ich habe in der ersten Januarwoche angewiesen, hier eine Wohnung für eine kleine Familie einzurichten. Du siehst also, es ist nicht immer alles wie es scheint und auch wenn ich nicht wie der fürsorgliche Typ wirke, so bin ich doch immer für die Slytherins da. Ich habe es damals nicht nur so dahin gesagt, dass ich dir immer helfe. Das hier war für dich bestimmt, ist für euch bestimmt, wenn nötig auch für Potter!“, erklärte ich ihr großmütig und musterte sie dabei aufmerksam, denn ihr Mienenspiel von überrascht, nach gefasst, gerührt und verwirrt war herrlich zu beobachten.

„Und warum zeigst du mir das heute?“, fragte sie leicht verdutzt, aber auch sichtbar überwältigt.

„Ich will, dass du über deine Situation nachdenkst! Daphne, schau, wir haben alle unsere Geheimnisse und gute Gründe dafür, sogar Hermione hat Geheimnisse vor mir und ich bin auch nicht ohne. Potter hatte die Wahl, dir alles über deine Stiefmutter zu sagen und auch ich hätte es tun können, doch ich fand, es war seine Entscheidung, es dir von sich aus irgendwann zu erzählen…“,
endete ich unbestimmt in meiner Ausführung, denn ich hatte schon vor langer Zeit erkannt, dass man Daphne besser für sich gewinnen konnte, wenn man ihr die Dinge darlegte, gerade wenn es um mich oder Potter ging. Sie war nicht dumm, nur im Moment behinderten ihre Gefühle sie dabei, eine klare Sicht auf Potters Entscheidungen zu erlangen.

„Du wusstest also wirklich davon?“

„Daphne, ist das nicht gleich? Schließlich warst du gerade schwanger und seine Verlobte und wahrlich nicht einfach. Ich kann verstehen, dass er warten wollte… ich glaube es zwar nicht, dass ich mich tatsächlich dazu herablasse und Potter verteidige, aber er liebt dich unvorstellbarer Weise wirklich, sonst hätte er dich nicht in dieser schrecklich kitschigen Zeremonie geheiratet. Er ist dein Mann und er wollte weder dich noch euer Baby gefährden, weil du dich aufregst“, fuhr ich doch etwas genervt fort und sie starrte mich mit großen Augen an. Ich konnte selbst nicht fassen, was ich hier von mir gab.

Diese Lobhudelei für Potter stieß mir mehr als sauer auf, aber was tat man nicht alles um seinen Pflichten gerecht zu werden.

„Ich weiß, dass eure Beziehung seit dem Kind nicht einfach ist“, wollte ich fortfahren, als sie mich rüde unterbrach.

„Was ist schon leicht!“

„Eben, Potter war noch nie einfach, er macht vieles mit sich aus und jetzt kommt das was dich stört, er geht mit vielem zu Hermione!“, legte ich zielstrebig den Finger auf die offene Wunde und bekam meinen Verdacht bestätigt.

„Hermione!“, stieß sie leicht anklagend aus und ich schüttelte betrübt das Haupt, selbst ich hatte gelernt, mich nie zwischen Hermione und die Nervensäge zu stellen, das endete nur in Dramen. Warum war sie hier so blind?

„Ja, Hermione! Aber denk mal drüber nach, du bist heute auch eher zu mir gekommen, als zu einem der anderen? Die beiden sind seit dem ersten Schuljahr sehr eng miteinander und wir sind erst seit einem Jahr wirklich miteinander bekannt und trotzdem ziehst du manchmal mich Potter vor! Die beiden haben Sachen zusammen erlebt, die sie prägten und dafür erlebst du Dinge mit ihm, die sie nicht mit ihm teilen kann! Aber selbst dieser Rotschopf gehört dazu und wenn Hermione es sich eingestehen würde, wäre sie ohne ihn nicht komplett!“, erklärte ich geschäftig, wenngleich es mir ganz und gar nicht leicht fiel, diese Weisheiten zu akzeptieren.

„Du meinst das Trio?“, fragte sie sprachlos verblüfft.

„Ja, zusammen sind sie mächtig, zu zweit nur halb so stark und einzeln schwach!“, verkündete ich gegen meinen Willen offen und ehrlich, wie ich die Situation sah und wahrnahm.

Mir selbst schmeckte diese Erkenntnis in ihrer Wahrheit so gar nicht!

„Schätzt du das ehrlich so sein? Wirklich, Draco? Ist das nicht etwas beschönigt?“, blieb sie skeptisch, was ich sehr gut verstehen konnte.

„Ich wünschte, es wäre so… aber nein, hier wird von mir nichts beschönigt, denn jeder von ihnen kann etwas, weiß etwas oder ist geschickt in etwas. Sie ergänzen sich auf vielfältige Art und Weise und jetzt der entscheidende Aspekt, sie vertrauen sich bedingungslos! Sie sind eine Einheit! Sie sind aneinander und miteinander gewachsen, das ist das Besondere an ihnen!“, verschlossen sich meine Lippen zu einem dünnen Strich, denn natürlich erinnerte ich mich an die Zeit zurück, als es nicht klar war, ob das Trio als solches überleben würde.

Die Zeit, in der ausstand, ob Weasley es ins Cottage schaffen würde, ob er den Sprung aus seinem doch gut gestellten, behütenden und liebenden Elternhaus schaffen und dieses Geschenk hinter sich lassen würde, um sich dem rauen Wind zu stellen, der den anderen beiden beständig ins Gesicht blies.

Zu meiner großen Verwunderung hatte er es getan!

Das war das erste Mal gewesen, dass ich einen gewissen Respekt für Ronald Bilius Weasley empfunden hatte!

Diese objektive Entscheidung gegen seine Familie und für seine Freunde war wahrlich unerwartet, aber umso wertvoller gewesen.

Hermione und Potter hatten nichts außer sich, während Weasley alles hatte, seine Verwandten, seine Familie, reich an Personen, und er hatte sie absichtlich zurück gelassen! Das bezeichnete man dann wohl als wahre und aufrichtige Freundschaft, was man sehr selten fand!

Erstaunlich war, dass innerhalb des Trios nichts untereinander lief. Ich konnte mir vorstellen, dass es für Daphne schwer zu akzeptieren war, dass jeder von den dreien eine wichtige Rolle im Leben der anderen spielte. Auch für mich war es schwer.

„Sie hatten einige Differenzen“, gab sie zu bedenken, während sie unsicher auf ihrer Lippe kaute.

„Oh, ich habe ab und an mit Hermione auch einige Probleme, aber ich vertraue ihr trotzdem und die Jungs tun das auch, wenn es hart auf hart kommt, wird das Trio unzertrennlich sein, das kannst du glauben, Daphne! Sie sind eine Einheit, mehr als die BL und DA“, stockte ich, denn in Gedanken dachte ich mir: „Mehr als Hermione und ich“

Ich selbst hatte es lange nicht sehen wollen, einfach weil mir der Gedanke nicht behagte, dass Hermione mit jemand anderem ein besseres Team bildete als mit mir, aber wenn ich ehrlich war, war mir klar, Hermione und ich waren zusammen, wir waren in einer Beziehung, aber kein Team mehr, leider.

„Eine Dreifaltigkeit? Ernsthaft?“, sprach Unglaube aus Daphne.

„Ja, alle drei, es mag sein, dass man oft nur Hermione und Potter sieht. Weasley erscheint oft nur wie ein Anhängsel der beiden anderen, aber man sollte ihn heute nicht mehr unterschätzen. Und ich werde nie vergessen, dass Potter erst richtig zufrieden war, als Hermione den Roten nachträglich ins Cottage mitgebracht hat!“, gab ich zu bedenken und sie nickte auf meine Worte, denn das war nicht zu leugnen und ich sprach meine Gedanken laut aus. „Ja, auch Hermione hat schnell eingesehen, dass die Anwesenheit von Weasley wichtig ist, auch wenn sie davor an ihm gezweifelt hat.“

„Stimmt, Ron ist Harry sehr wichtig und ein guter Freund“, legte sich ein mitfühlendes und aufrichtiges Lächeln auf ihre Züge.

„Es fällt mir noch stärker auf, da ich nicht immer da bin, aber erst seitdem ist Potter wirklich angekommen und auch Hermione ist beruhigt, sie verlässt sich unbewusst vollkommen auf Weasley!“

„Denkst du?“

„Klar, sonst wäre sie viel öfter im Cottage, sie weiß, dass Weasley auf Potter Acht gibt! Sie weiß, dass er Potter von Dummheiten abhalten kann, dass er Potters Temperament zügeln kann. Nur würde sie das nie zugeben! Weasley hilft Potter, aber er hilft auch Hermione, sie vertraut ihm und ich muss gestehen, er macht sich wirklich, er hat eine große Weitsicht und Ruhe erreicht. Die drei sind als Trio unzertrennlich. Ich zweifele manchmal selbst, dass Hermione dies schon in ihrer gesamten Tragweite registriert hat“, legte ich ihr meine Gedankengänge dar, von denen ich überzeugt war. Meine Aussagen regten sie sichtbar zum Nachdenken an, da es hinter ihrer Stirn arbeitete.

„Puhhh… du bist erstaunlich, Draco! Aber du hast recht, bemerkenswert, du denkst an Dinge, die mir nie kommen würden und ich schimpfe mich eine Schlange? Was bin ich nur für eine Schande für das edle Haus“, gab Daphne leicht betrübt zurück und blies sich eine Strähne aus ihrem Gesicht.

„Unfug“, wischte ich ihre Bedenken energisch mit einer Handbewegung weg.

„Doch, doch und das weißt du! Der Hut hat mich damals nur reingesteckt, weil ich gebettelt habe wie eine Verrückte, damit Vater glücklich ist“, bekannte sie mir gegenüber ein neues Geheimnis, welches mich hellhörig werden ließ.

„Meiner Ansicht nach hat sich der Hut überlebt, er ist senil, sie sollten den alten Fetzen verbrennen“, grollte ich böse.

„Nett, wirklich nett! Aber ernsthaft, es ist sooo unendlich schwer, in diesen verschworenen Kreis, den die drei bilden, aufgenommen zu werden“, jammerte sie aufrichtig bekümmert, denn dass sie sich in Konkurrenz sah, war nicht zu übersehen.

„Ich hab es auch nicht geschafft, wenn du so willst“, gab ich schulterzuckend zu, denn ich hatte mich damit abgefunden, dass es dieses Trio für Hermione immer geben würde, egal wie sehr sie zu meiner Familie und mir gehörte.

„Draco?“, hauchte sie entsetzt.

„Bitte, ich kann Potter nicht ausstehen und Weasley ist nur in Maßen erträglich, was erwartest du?“, zog ich fragend eine Braue hoch bei diesen gespielt lapidaren Worten.

„Keine Ahnung, wirklich nicht, es ist nur nicht einfach, zu erkennen, dass man als Partner nicht mit den Freunden mithalten kann!“, zeigte sie sich mit mir im Geiste vereint und legte mir ihre zarte Hand auf die Schulter, in einer tröstenden Geste, die ich wahrlich nicht brauchte, schließlich war mir dies alles nicht neu.

„Tja, da stimme ich sogar mit dir überein“, seufzte ich leise. „Aber du gibst Potter die Familie, die er will. Ich denke nicht, dass man das mit Freunden vergleichen kann.“

„Ich hoffe es, aber warum behandelt er mich dann nicht gleichwertig?“, fragte sie schließlich aufrichtig böse klingend, dabei legte sich ein sturer Ausdruck auf ihre bisher so weichen Züge.

„Daphne, er wollte dir weder etwas verschweigen, noch dir wehtun, er hat eine wie er fand richtige Entscheidung für seine Familie getroffen und dir nicht sofort die Tagebücher gezeigt. Wenn dieser Krieg vorbei ist, wirst du ein gutes Leben führen, nur mit Potter, deiner Familie, kein Cottage, das immer voll ist, und keine Kämpfe, die an Potter zehren. Und schau, Potter steht zu dir, egal was passiert… du bist seine Frau“, unterstrich ich diese Feststellung mit einer Geste, bevor ich meine Hand in meiner Jackentasche versenkte.

„Pfff… unser Leben besteht nur aus Verstecken, Lug und Trug. Siehst du das denn nicht? Da könnte man doch Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit von seinem Partner erwarten“, grollte sie. Toll, gar nicht toll, ihre Worte trafen einen recht wunden Punkt bei mir, denn in welchem Punkt waren Hermione und ich zueinander noch ehrlich?

„Weiß es deine Schwester? Was sagt Astoria?“, wollte ich daher eilig ablenken und blickte mit meinen Augen über ihre Schulter, um ihr nicht ins Antlitz zu sehen.

„Findest du, ich habe übertrieben? Astoria, oh ja die, die hat sich nicht aufgeregt, sie meinte nur, es ist Vergangenheit und die Warringtonschlampe hat bekommen was sie verdient. Ich kann nur nicht so leicht darüber hinwegsehen, mir geht es ja um Harry und wie er mich behandelt“, gab sie aufgebracht zu und seufzte leise.

„Siehst du, Astorias Einstellung ist doch ganz gesund“, wandte ich schulterzuckend ein, denn Astorias Einstellung zu dem Ganzen fand ich wirklich passend. „Und keine Ahnung, vielleicht musstest du nur auch mal aus dem Cottage raus?“

Wir verstummten, eventuell hatte sie wirklich einen Lager- bzw. einen Cottagekoller und bevor wir gingen ließ ich sie sich noch etwas auf dem Gelände umsehen.

Später in der Villa verbrachten wir einen ruhigen Abend, um am nächsten Morgen am Frühstückstisch erneut miteinander darüber zu reden, was sie über Nacht anscheinend beschäftigt hatte.

„Weißt du, Draco, ich finde es toll, was du mir bietest und allen anderen auch… und ich arbeite auch hart an mir, dich und alle anderen zufriedenzustellen, aber ich wüsste kein anderes Haus was zu mir passen sollte, zu Hufflepuff pass ich nicht, mutig bin ich erst recht nicht, so schlau auch nicht, also bleibt mir nur mein Haus und ich bin auch eine Schlange, die durchaus ihren eigenen Willen hat!“, kam Daphne schließlich noch mal auf das Thema vom Vortag, die Wahl des Hutes, zurück und darauf, wie slytherin sie war, oder halt auch eben nicht, während sie ihre kleinen Hände zu Fäusten ballte. „Ich werde verschlagen genug sein, um zu erreichen, dass Harry so offen und ehrlich zu mir ist, wie er es zu Hermione ist“, gab sie kämpferisch von sich. Ahhh, daher wehte also mal wieder der Wind.

Hermione, ihre stille Konkurrenz!

„Denkst du, die haben keine Geheimnisse voreinander?“, fragte ich sachte, denn wenn ich nun noch herausfand, dass sie ihnen gegenüber ehrlicher war als zu mir, würde ich wütend werden, das fühlte ich, während Daphne sachte ihr Haupt schüttelte.

„Das weiß ich nicht“, gestand sie leise. „Denkst du, ich muss mehr wie Ron und Hermione werden?“

„Nein! Bloß nicht“, schreckte ich hoch. „Wir sollten uns nie verleugnen!“, stellte ich eindeutig klar. „Potter wollte dich, weil du bist, wie du bist“, schüttelte ich mein Haupt, bevor ich von meinem Kaffee trank.

„Ich weiß… ich weiß aber… mhm… Harry hat sich sehr verändert…“, gestand sie widerwillig und sehr leise.

„Wie meinst du das?“, horchte ich sofort besorgt auf und legte mein Augenmerk auf sie. Das war ihr sehr unangenehm, weswegen sie sich sichtbar unter meinem Blick wand.

„Ich… ich, also ich habe über das, was du gestern über das Trio gesagt hast… sehr, sehr lange… nachgedacht“, leckte sie sich nervös über die Lippen und spielte sichtbar unruhig mit dem Teelöffel. „Und nun, es ist sehr schwer zu erklären…“

„Daphne, rede nicht so lange um den heißen Brei“, fuhr ich sie recht barsch an, weil mich ihr Gestammel nervte.

„Sorry, aber nun gut, also Harry, er war noch nie leicht!“, erklärte sie daher beherzt, dabei hob ich sachte eine Braue.

Als ob ich das nicht wüsste. Ich würde Potter nicht geschenkt wollen und ich zweifelte sowohl an Hermiones als an Daphnes Geschmack, aber ich wollte gerecht sein. Ich sprang über meinen unendlich langen Schatten und gestand Potter zu, dass er kein schönes Leben gehabt hatte und dies ließ einen mit Sicherheit eigenwillig werden, daher überraschte es mich nicht, dass dieser junge Mann nicht leicht zu ertragen war.

„Weißt du, Draco, Harry war schon immer ein sehr zurückgezogener Mensch, der niemanden wirklich an sich ranlässt, außer Hermione und Ron natürlich…“, legte sie eine kurze Pause ein und schüttelte den Kopf.

„Ich weiß.“

„Ja eben, diese beiden, aber sonst eigentlich niemanden… es ist… als seien sie ihm bisher mehr als genug gewesen“, lachte sie bitter auf. „Tja… und nachdem er, also als Harry meinen Va… Vater ermordet hat, hat er sich verändert!“, hauchte sie zum Schluss hin flüsternd, sichtbar betroffen von dem Erlebten, denn was auch immer in der Familie passiert war, es war nie gut, wenn der Ehemann den Vater seiner Frau ermordete, egal ob in einem Kampf, in Notwehr, noch sonst wie. Es war eine beschissene Zeit, in der wir lebten.

„Wie meinen?“, schob ich mein Gedeck freudlos von mir, um ihr meine ganze Aufmerksamkeit zu schenken.

„Wie ich es sage, er wurde danach anders!“

„Bitte, das ist einschneidend, selbst ich wurde anders, als ich ES mein erstes Mal tat“, verkündete ich ausweichend, während ich an Askaban und meinen ersten Todesfluch dachte.

Ja, es war selten leicht, irgendwas zum ersten Mal zu tun! Welches erste Mal war leicht, aber dieses erste Mal wünschte ich keinem, weder Hermione, noch Potter, noch Weasley, noch mir!

Und doch hatten wir es alle erlebt!

Diese Kälte, die durch einen strömte, wenn man dabei zusah, wie die Augen des Sterbenden dumpf und leblos wurden. Für mich war es ernüchternd gewesen. Aber einige wie Bellatrix wurden süchtig danach und fanden daran gefallen, andere wurden Söldner, die es als Beruf ansahen und taten was getan werden musste und ganz andere zerbrachen daran, ein Leben genommen zu haben und wieder andere kamen in den Genuss, ein Leben zu leben, ohne jemals ein Leben zu nehmen und diese Menschen beneidete ich heiß und innig um ihre Unschuld.

„Wie anders?“, wollte ich daher genauer erfahren. Es war wichtig, zu wissen, in welche Gruppe Potter fiel.

„Anders einfach, anders als früher! Stiller, zurückgezogener und plötzlich doch aufbrausend und böse…“, rieb sie sich bei der Erinnerung über die Oberarme als wäre ihr kalt.

„Wie böse?“

„Nicht im Sinne von böse… eher dass ich ihn so zynisch bisher gar nicht kannte. Ich habe ihn gefragt, woran das liegt! Versteckte Schuldgefühle, oder die Sorge vor Vorwürfen von mir oder Astoria, oder dergleichen, aber er meinte: nein, sondern…“, stockte sie in ihrer Ausführung und ich verengte meine Augen zu Schlitzen.

„Sondern?“, drängte ich und sie biss sich auf die Lippe. „Schuldgefühle wären Unsinn, es war Notwehr und nötig!“, setzte ich verächtlich hinterher und hoffte, dass Potter nicht so ein Mädchen war.

„Ja, das weiß er auch und nein, er meinte, ES wäre aufgebrochen!“, schluchzte sie plötzlich verzweifelt und schlug sich die Hände vor den Mund, als hätte sie gerade ein wohlgehütetes Geheimnis offenbart, während ich sie geschockt anstarrte.

Ich überlegte, was könnte aufgebrochen sein? Ich persönlich stand völlig auf dem Zauberstab und verstand nur Kings Cross.

Dann beruhigte sie sich langsam und tupfte sich die Augen und ich schluckte unwohl, denn das, was auch immer sie mir hier sagen wollte, hörte sich überhaupt nicht gut an.

„Was?“, fragte ich deshalb insistierend nach, als sie sich in einer erinnernden Geste an ihre makellose Stirn tippte und sie mit dem Zeigefinger vorsichtig entlangfuhr, wo Potter seine Blitznarbe hatte, während ich hauchte: „Wie aufgebrochen?“

„Ja, ist nicht ganz einfach zu verstehen, Draco. Hier, seine Narbe, er hat nicht geblutet oder so, das nicht, aber er meinte, es fühlte sich innerlich so an, als wäre die Narbe bei dem Fluch aufgerissen, aufgebrochen.“

„WAS?“, konnte ich meinen Schock, den ich gerade verspürte, nicht unterdrücken, das ließ die schlimmsten, aber die allerschlimmsten Albträume Realität werden.

„Rege dich bitte nicht so auf, lass mich ausreden, er ist keine Gefahr“, versuchte sie es sofort runter zu spielen und redete fast schon hektisch auf mich ein.

„Das behauptest du!“, hielt ich ihr zweifelnd vor.

„Unfug, wenn mein Mann eine Gefahr wäre, würde ich nicht unseren Sohn bei ihm lassen“, tat sie unheimlich rigoros meine Sorge ab und nahm mir damit tatsächlich meine Argumente, weswegen ich verstummte.

„Harry erklärte es mir so, irgendwie hätte sein Geist ganz unbewusst und von alleine etwas Komisches in ihm jahrelang in Schach gehalten und damit permanent unterdrückt. Er hätte eine Menge Kraft verwendet, um dieses Etwas regelrecht in sich gefangen zu halten“, führte Daphne nun erklärend aus.

„Etwas?“, wisperte ich. „Was?“, fragte ich, obwohl ich es ahnte.

„Nun, laut Harry war es so, dass diese Blockade nach dem Avada nun regelrecht aufgebrochen wäre!“, führte sie mit gedrückter Stimme und traurig aus. „So als wäre ES nun frei“, wisperte sie sehr leise und fügte noch leiser hinzu: „Sein Horkrux!“

Damit bestätigte sie meine schlimmste Vermutung, die ich durch dieses Gespräch hatte.

Mir verschlug es die Sprache, das war besorgniserregend, das war furchterregend!

Warum musste alles nur so scheiße laufen?

„Erklär mir genauer, was du damit meinst. Wie äußert sich das?“, hakte ich nach, denn dass das Seelenteil des Lords in Potter eventuell nicht mehr ruhend verschlossen war, war ein Umstand, der mir Sorge bereitete, vor allem war mir noch nie derart voll gegenwärtig gewesen, dass Potter ein Horkrux war. „Nun, er meinte, dass sie sich irgendwie öffnete… um mit ihm zu verschmelzen? Diese beiden Seiten… Bisher hätte sein Geist alles versucht, um das fremde Seelenstück in ihm zu blocken, aber nun…“, machte sie eine unsichere Handgeste und wirkte zutiefst beunruhigt, eine Regung, die ich verstehen konnte, denn in mir kochte diese Unruhe auch hoch, während ich diese unglaubliche Nachricht vernahm.

Potter war mit der Seele Voldemorts verschmolzen?

Wollte die mich verarschen? Das sollte ein Witz sein, aber irgendwie sagte mir mein Instinkt, dass niemand damit Scherze machen würde! Konnte diese wandelnde Katastrophe nicht einmal normal sein?

„Und das sagst du erst jetzt?“, brauste ich ungehalten auf, als ich mir die Risiken, die damit einhergingen, vergegenwärtigte. „Das ist gefährlich! Wenn der Lord das bemerkt, dass sich seine Verbindung zu Potter ändert, oder… oder was ist, wenn Potter verrückt wird?“, fasste ich mir an die ganz plötzlich schrecklich schmerzenden Schläfen.

„Moment, Draco, bleib bitte ruhig!“, bat sie plötzlich sehr energisch, während ich hart um meine Beherrschung kämpfte, um nicht meiner Wut freien Lauf zu lassen, bevor sie eilig weitermachte: „Beruhige dich, es gibt keinen Grund für deine Sorgen.“

„Das sagst du jetzt.“

„Nein, ehrlich nicht, denn der Lord bemerkt es nicht“, meinte sie inbrünstig, aber ich schnalzte verächtlich mit der Zunge.

„Das hoffst du!“, hielt ich ihr zornig vor, aber sie schüttelte vehement das Haupt.

„Nein, das wissen wir“, behauptete sie überzeugt, sodass ich kurz innehielt, um sie fortfahren zu lassen: „Harry sagte, kurz nach seiner Flucht aus dem Privet Drive, da hätte er einige geistige Attacken wie in seinem fünften Jahr gehabt, aber der Lord bemerkt ihn hierbei nicht in seinem Geist. Anscheinend ignoriert der Lord diese Verbindung zu Harry, oder er hat sie von seiner Seite aus vollständig verschlossen, offenbar hatte er zu viele Schmerzen, als er damals in Harry war… Harry meint aber, er könnte ihn fühlen, aber der Lord ihn anscheinend nicht, eben weil durch sein Seelenstück Harry ihm hier zu ähnlich ist! Ist verwirrend, aber verstehst du?“, führte sie weiter engagiert aus und versuchte, mich zu überzeugen.

Ich hatte Daphne in den letzten Monaten wirklich zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt, ansonsten hätte ich solche Entwicklungen schon viel eher gesehen und davon erfahren. Das war nicht gut und ich erkannte, dass ich da wirklich eine wichtige Informationsquelle vernachlässigt hatte.

„Wie? Warum sollte nur Potter ihn erspüren?“, fragte ich vollkommen irritiert nach.

„Weil Harry einen Teil des Lords in sich hat, aber der Lord keinen von Harry in sich trägt…“, erklärte sie regelrecht mit Händen und Füßen, das Thema schien sie verständlicherweise sehr zu erregen.

„Allein die Vorstellung ist abartig“, meinte ich wenig schmeichelhaft und verzog meine Mundwinkel.

„Naja, sie ist gewöhnungsbedürftig und deshalb ist er der Auserwählte und er hat das Sagen“, verkündete Daphne, als ich sie hart ins Visier nahm.

„Auserwählt?“, fauchte ich somit los. „Verdammt, den Lord in seinem Kopf zu haben ist vermutlich der ERSTE, der BESTE und auch der EINZIGE Grund, den jemand braucht, warum Potter NICHT das Sagen haben sollte!“, herrschte ich entschlossen und sie zuckte leicht zusammen.

„Draco.“

„Nichts, Draco, ich habe recht, er ist eine wandelnde Katastrophe, vielleicht wird er verrückt?“ Sie schüttelte wie wild ihr Haupt.

„Nein, Draco, das wird er nicht, auch wenn du sonst durchaus recht hast. Harry, nun er ist nicht leicht und vor allem hat er es nicht leicht… nie gehabt! Zuerst hatte ich auch diese Sorge, dass seine Attacken mit ein Grund sind, dass er sich verändert, aber ich denke nicht, dass Harry verrückt wird. Harry und ich haben lange überlegt, wie das mit seiner Narbe sein könnte…“, versuchte sie mir verständlich zu machen.

„Das interessiert mich“, gestand ich ihr zu, blieb aber skeptisch.

„Ja, … soll ich dir das wirklich… es ist kompliziert“, wehrte sie unsicher ab, aber ein Blick von mir ließ sie stocken.

„Wir haben Zeit“, ließ ich sie nicht vom Haken.

„Na gut, um das verständlich zu machen haben Harry und ich einige Zeit nachgedacht und aufgrund unserer Sorge mal eine Zeichnungen entworfen, sonst hätten wir immer wieder den Faden verloren. Hast du mal bitte ein Blatt?“, fragte sie geschäftig und als Pergament und Feder sowie Tinte vor ihr lagen begann sie mit fliegenden Fingern zu skizzieren.


Daphne fing an einen Kreis zu zeichnen, diesen Kreis halbierte sie wie eine Torte. Auf die rechte Seite schrieb sie Tagebuch und ich runzelte die Stirn.

„Was wird es, wenn es fertig ist?“, fragte ich vorsichtig und sie zwinkerte mir verschwörerisch zu.

„Du musst wissen, Harry und ich, wir wollten visualisieren, wie die Seelenteile verteilt sind“, erklärte sie und ich starrte sie an. Die Vorstellung, dass man das mit der Seele des Lords tatsächlich so handhaben konnte, war grauenhaft. „So, der Kreis stellt den Lord und seine Seele dar und jetzt sieh, er begeht den Mord an der Maulenden Myrte, sein erstes Mal. Er spaltete seine Seele, teilte sie!“, dabei sah sie mich an, bis ich sachte nickte.

„Er bannte die Hälfte seiner Seele und verwahrte den Teil im Tagebuch.“

„Du meinst, die Seelenteile sind nicht gleich? Nicht gleichwertig?“

„Hör weiter zu! Laut Harry war das Tagebuch der bisher kräftigste Horkrux und das eigenständigste Stück und wenn man Harry aus seinem zweiten Jahr erzählen hört, dann wollte sich diese Seelenhälfte zurückholen, ins Leben bringen. Dieser Horkrux wurde von Harry vernichtet, bis zu diesem Zeitpunkt war der Lord noch immer „ganz“, wenn du so willst. Alle Seelenteile haben bis dahin existiert. Seitdem dieser junge Riddle in unserem zweiten Jahr vernichtet wurde, existiert die Seele des Lords somit nur noch zur Hälfte… und selbst hier mit Einschränkungen!“

„Warum Einschränkungen?“

„Lass dich überraschen, aber hast du den Ansatz verstanden?“

„Ja, habe ich, aber worauf wollt ihr… willst du hinaus?“, fragte ich irritiert, denn noch erschloss sich mir dies alles in seinem Umfang nicht.

„Warte ab. Danach ging es ja noch weiter, wir wissen von dem Ring, bei dem er die Hälfte der linken Seite nochmals teilte“, sie zeichnete eine weitere Trennlinie ein. „Bei dem Medaillon und bei einem fehlenden Gegenstand verfuhr er auf dieselbe Weise und spaltete seinen eigenen, immer kleiner werdenden Seelenanteil erneut jeweils in dessen Hälfte“, verkündete sie nüchtern und für jedes dieser Objekte fügte sie einen Trennstrich hinzu.
„Der Gegenstand, den wir nicht kennen, war der Nächste und dann Harry und die Schlange, somit bleibt nur noch der letzte Teil für den Lord.“

„Das… das…“, stotterte ich schockiert und schluckte trocken, diese bildliche Darstellung war bodenlos furchtbar. Während ich auf das Bild starrte, nickte Daphne nur mitleidig.

„Ja, erschreckend nicht? Der Lord hat nur noch lediglich einen verschwindend geringen Anteil seiner Seele in sich selbst behalten. Jeder vorhergehende Gegenstand, mit Ausnahme von Nagini, die schließlich die andere Hälfte vom Rest seiner Seele in sich trägt, hat mehr Seele des Lords als der Lord selbst… es war nicht mehr viel da…“

https://dl.dropboxusercontent.com/u/59240814/Seelenanteile.jpeg

„Wow“, hauchte ich wahrlich sprachlos und starrte auf das Bild, von dieser Seite hatte ich das noch nie betrachtet, das war wahrhaftig besorgniserregend. Diese Sezierung des Offensichtlichen war sehr hilfreich.

Potter war mehr Lord als der Lord selbst!

War sich Hermione dieser Tatsache bewusst?

War sich Dumbledore dessen bewusst gewesen?

Auf der anderen Seite, der Lord war wahrlich verrückt, sich derart zu zerstückeln, das war irre! Wer wagte derart viel? Ich hätte Angst, mich auf diesem Wege selbst zu verlieren.

„Ich mache mir wirklich Sorgen“, murmelte Daphne traurig und strich gedankenverloren über das Papier.

„Das solltest du auch“, flüsterte ich sorgenvoll. „Sie sind verschmolzen!“, wisperte ich leise und dann immer lauter. „Sie sind verschmolzen! Und du zeigst mir, dass Potter mehr Lord ist als dieser in seiner augenblicklichen Gestalt?“, hauchte ich so abgrundtief entsetzt, dass mir die Luft ausging.

„Doch nicht so… Harry meint nur, es ist so, als hätte er nun mehr Kraft, mehr Stärke eben, weil sich seine Energie nicht mehr gegen das Ding in seiner Narbe richtet.“

„Spinnt ihr? Das ist doch verflucht schlecht, wenn sich der Lord und Potters Geist nun verbinden!“ Ich traf ihren wunden Punkt, denn die Unsicherheit trat in ihre Augen. „Was für ein Sicherheitsleck!“, brauste ich auf.

„Harry würde uns nie so gefährden“, wandte sie bemüht sicher ein.

„Sicher?“

„Ja, er ist überzeugt, dass er die Fäden zieht.“

„Moment, warum kann Lucien dann Parsel?“

„Harry trägt dieses Seelenstück Zeit seines Lebens mit sich herum, irgendwas muss hängenbleiben… Harry ist sehr vorsichtig“, sprach sie hoffend und das bestätigte mir, dass sie trotz allem unsicher war.

„Schön, dass du erkennst, dass dein Mann gefährlich ist! Ich hoffe, dass er sich allzeit unter Kontrolle hat. Weiß es Hermione?“, fragte ich wirklich besorgt.

Das war wirklich eine neue Sichtweise für mich. Einerseits war es gut, dass Potter als Gefäß nur so wenig Seele des Lords in sich selbst hielt, auf der anderen Seite war es erschreckend zu verdauen, dass der Lord weniger Seele von sich selbst in sich trug als Potter von ihm! Verwirrend, aber nicht weniger beängstigend!

„Ich glaube nicht, er hat es niemandem gesagt, es nimmt ihn sehr mit, er redet nicht gerne darüber und ganz ehrlich… sie, SIE ist doch schuld daran, dass das passiert ist!“, echauffierte sich Daphne wütend und ich blickte sie kühl an.

_________________
Nach oben Nach unten
 
Kapitel 473-474
Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 1 von 1
 Ähnliche Themen
-
» Ludwig Revolution: Kapitel 15 & 16
» Das letzte Einhorn - Kapitel 09 - 11
» Tsubasa: Kapitel 026 - 030
» Seelen: Kapitel 26 - 28
» Seelen: Kapitel 47 - 49

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
When Hermione Fights :: When Hermione Fights :: Kapitel 451-500-
Gehe zu: