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 Kapitel 479-480

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queenie
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BeitragThema: Kapitel 479-480   Mi Sep 17, 2014 3:15 am

479. Kapitel Die Geschichte meines Lebens und Leidens

Dracos Sicht

Ich fühlte mich wie gerädert und ausgekotzt!

Was für ein Drama!

Ich hatte es nicht geschafft, sie zu beschützen! Ich hatte auf voller Linie versagt! Für mein Versagen verachtete ich mich zutiefst. Ich hatte mein Versprechen gegeben und hatte es nicht halten können!

Jetzt hieß es nur noch Schadensbegrenzung, so gut es ging, aber da half alles nichts, da mich dieser Verlust selbst sehr mitnahm, unter anderem auch, weil es mir eben wie persönliches Versagen vorkam!

Dann noch der Rachezug des Trios, der nicht wirklich unbemerkt geblieben war, da schließlich Marcus‘ Trupp mit dabei gewesen war und dazu alles andere, was in diesen turbulenten Ferien rund um das Trio in der Burg passiert war. Fast könnte man die Ferien vom Beginn an, mit meinem verunglückten Geburtstag und der Strafe des Lords, bis hin zum Ende als ein einziges Fiasko bezeichnen.

Schrecklich viele Geheimnisse waren zwar noch immer unausgesprochen, aber nun wussten viel zu viele davon!

Wie ich Daphnes Verschwinden erklären sollte, war mir schleierhaft. Ich musste schrecklich aussehen, als ich mir übermüdet durch mein wirres Haar fuhr. Abbott, Patil, Longbottom und Blaise, die Führer der BL, waren gestern Nacht, nach unserer Rückkehr in die Burg, mehr als blass vor mir gestanden, nachdem ich sie zu mir beordert hatte, um ihnen zu offenbaren, was vorgefallen war. Wenngleich bis auf Blaise und eventuell Longbottom keiner von ihnen das wahre Ausmaß meiner Nachricht einsortieren konnte, zeigten sich auch die anderen entsetzt von meinen Neuigkeiten.

Hinzu kam, dass der Abtransport aller Schüler nach Kings Cross vollendet werden und natürlich die VenTes instruiert werden mussten. Ich kam mir reichlich eingespannt vor.

Gerade schleppte ich mich todmüde die Treppe des Manors hoch, da auch ich meine eigene Abreise vorbereiten musste und schüttelte seufzend den Kopf und machte mich weiter auf den Weg zu Hermiones Räumen, in der Hoffnung, sie vorzufinden.

Ich hatte keine Ahnung, was das Trio noch verbrochen hatte und die ganze Zeit über fein säuberlich verdrängt, mich zu fragen, was noch passiert war!

Als ich die Treppen hoch eilte, kam mir am Ende mein Vater mit schnellen Schritten entgegen.

„Vater“, begrüßte ich ihn flüchtig und neigte leicht den Kopf.

„Ah, der verlorene Sohn kehrt heim. Ich nehme an, du warst schwer beschäftigt!“, gab er für mich verwirrend zur Antwort, da ich nicht erkannte, worauf er anspielte, während ich die letzte Stufe erklomm und neben ihm zum Stehen kam.

„Immer doch!“, antwortete ich daher nur skeptisch und war auf der Hut. Was wusste Vater schon wieder alles, von dem er noch nichts wissen konnte, oder hatte ihm Hermione von dem Massaker bei den Warringtons erzählt?

„Gut, dass ich dich noch antreffe, Draco, so ersparst du mir, dich per Eule daran zu erinnern, was in diesem Jahr deine Pflicht sein wird. Du weißt, nun gilt es, dir eine passende Frau zu suchen. Bis Weihnachten lasse ich dir freie Hand, hast du bis dahin nicht gewählt, übernehme ich dies!“, gab er kompromisslos drohend, aber auch schrecklich jovial von sich, als würde er mir einen riesigen Gefallen erweisen, indem er mir erst mal selbst die Initiative überließ.

„Natürlich… Vater“, nickte ich nur sprachlos über derart viel Arroganz.

Was sollte ich schon erwidern? Ich hatte gewusst, dass dies nun anstand, dafür brauchte ich seine Ermahnung nicht. Nun gut, dass er mir jetzt eine Frist setzte war weniger schön, aber Hermione und ich würden eine Lösung finden, um dem Ganzen zu entgehen, davon war ich überzeugt.

„Sehr gut! Du weißt, was ich erwarte, wähle klug. Ein schönes, letztes Jahr in Hogwarts!“, verabschiedete sich mein Vater ohne meine Antwort abzuwarten, doch sandte er mir einen warnenden Blick, als würde es ihm nicht behagen, dass ich kein Konter gab.

Doch er schien es eilig zu haben, denn er hastete nun wortlos an mir vorbei und die Treppe hinab.

Ich drehte mich nicht um oder sah ihm nach, sondern seufzte tief.

Die letzten Tage waren einfach zu anstrengend gewesen und ich sah nicht, dass die nächsten angenehmer werden würden. Doch da musste ich nun wohl oder übel durch, doch Vaters Ermahnung und Ultimatum hatten mir gerade noch gefehlt. Erschöpft machte ich mich also auf die Suche nach Hermione und steuerte ihre Räume an.

Doch ich fand sie nicht vor. Ihre Räume waren verlassen, ihr Bett fein säuberlich gemacht und unberührt. Es wirkte, als hätte sie auch nicht darin geschlafen. Das war eigenartig. Ich wusste von einem Elfen, bei meiner Ankunft, dass Vater zumindest schon gegangen war. Severus war nach Hogwarts appariert, um sich auf seine Pflichten zu konzentrieren, wo also war sie?

Bei Severus hatte sie nicht übernachtet, bei mir auch nicht, wo dann?

War sie noch mit Potter unterwegs? Kurzerhand entschloss ich mich, hier auf sie zu warten, denn irgendwann würde sie zurückkommen müssen, schließlich waren noch all ihre Sachen hier, wie mir ein kurzer Blick in ihr Ankleidezimmer und auf ihren Schreibtisch im Arbeitszimmer verraten hatte.

Auf der anderen Seite, vielleicht hatte auch sie keinen Schlaf finden können und Ablenkung gesucht? Oder aber sie jagte dem irren Potter hinterher, der bereit war, alles in Schutt und Asche zu legen.

In meiner Fantasie begannen gar grausame Bilder Einzug zu halten, die mich unruhig werden ließen. Zur Beruhigung ließ ich mir von einer Hauselfe einen Kaffee bringen und machte es mir auf dem Sofa in ihrem Salon bequem. Wenn ich wollte, konnte ich geduldig sein und diesmal würde ich duldsam warten. Ich lehnte mich zurück und versuchte, zu vergessen, was ich alles erlebt hatte, kurz zuckten albtraumhafte Bilder durch meinen Geist. Ich sah Potter, Weasley und sie voll mit Blut, wie sie entfesselt wüteten. Sie hatten verzogene Fratzen, während sie Warrington zerstückelten, ihre Augen sahen abwechselnd zu mir, die kalten, gefühllosen so grünen Augen von Potter, die reglosen und dumpfen, blau leuchtenden Augen von Weasley und dann ihre braunen, ehemals so lebendigen Augen, die mich in meiner Erinnerung aber nur noch finster in ihrer brutalen Entschlossenheit anfunkelten.

Leider forderten meine Erschöpfung und damit mein Körper seinen Tribut und mir wurde die Entscheidung, wie ich warten sollte, abgenommen, da ich nach der durchwachten Nacht wegschlummerte.

Schlagartig wurde ich wach, als sich die Tür zu Hermiones Suite langsam öffnete. Ich war sofort da und beobachtete misstrauisch, wie sie fast lautlos hereinschlich.

Sie wollte schon weiter eilen, als ich mich bemerkbar machte.

„Chrmm!“, räusperte ich mich und sie fuhr sichtbar erschrocken und unerwartet zu mir herum.

„Draco!“, hauchte sie irgendwie ertappt und darüber betroffen, dass ich da war.

Wiedersehensfreude sah für mich eindeutig anders als, was mir beinah ein Seufzen entlockte, dabei bemerkte ich, dass ein Brief raschelnd in den blutroten Falten ihres Morgenrocks verschwand. Ein Umstand, der meine Aufmerksamkeit fast magisch dorthin lenkte.

Aber auch ich behielt sie als Ganzes genau im Blick und musterte ihre Erscheinung. Ihr Aufzug war sehr aufschlussreich. Sie trug einen langen, exquisiten Morgenrock aus tiefdunkelroter Seide. Es wirkte nicht so, als würde sie von einem auswärtigen Termin kommen, also schied Potter gerade fulminant aus.

Was wiederum meine anderen Sorgen und Nöte sehr plastisch werden ließ, denn die Frage blieb, woher kam sie, noch dazu in diesen Aufzug? Dafür gab es fast nur eine Antwort, wobei mir ihre erhitzten, geröteten Wangen, ihre Augen, die einen gewissen befriedigten Glanz hatten und ihre mehr als out of bed Frisur, die für mich eine eindeutige Sprache sprachen und schon Antwort genug waren.

„Du bist etwas spät…“, erhob ich mich betont gelassen und ging überheblich schmunzelnd auf sie zu.

Sie harrte meiner angespannt, als ich vor ihr stehen blieb und meine Hand ausstreckte, um eine kleine Daunenfeder von einem Kissen aus ihren Haaren zu fischen und darauf gleich in ihre Locken zu greifen und diese nach hinten zu schieben, sodass ihr Gesicht besser zu sehen war. Sie blickte zu mir herauf und versuchte, mir nicht auszuweichen.

„Es ist nicht so…“, begann sie unsicher.

„Wie ich denke?“, unterbrach ich nüchtern. „Was denke ich?“, fragte ich sehr provokant.

Für mich stand fest, sie war bei Vater gewesen und das offenbar die ganze Nacht!

Dies kam mir wie ein bittersüßes Déjà-vu von letztem Jahr vor, denn da hatte sie die letzte Nacht der Ferien auch bei Vater verbracht, aber im Gegensatz zu diesem Jahr hatte ich damals großen Mist gebaut und die Nacht gebraucht um meinen Rausch loszuwerden.

Dieses Jahr hatte ich mich aufgearbeitet, für nichts und wieder nichts. Ich fuhr mir in einer übermüdeten Geste durch mein seidiges Haar und ließ von ihr ab.

Nun, welches Verhalten wäre am klügsten?

Was sollte ich tun?

Ihr augenscheinliches Abenteuer mit Lucius zu ignorieren wäre sicher keine so gute Idee, totschweigen taten wir schon genug und das hatte uns noch nie gut getan. Sich aufregen brachte noch weniger, denn das endete immer sofort im Streit zwischen Hermione und mir, also blieb mir nur noch das, was sich beim letzten Mal als recht positiv erwiesen hatte, ich musste gelassen bleiben.

Auf der anderen Seite fiel mir gerade noch rechtzeitig ein, dass ich Vater ja getroffen und er schon vor einiger Zeit das Haus verlassen hatte, als ich angekommen war, also woher kamen dann ihre geröteten Wangen? Ich würde es mit Humor nehmen und ihr so hoffentlich jeglichen Wind aus den Segeln nehmen. Entspannt lehnte ich mich zurück und wartete ab.

„Weißt du, was ich denke?“, überging ich ihr ertapptes Schweigen. „Dass es erstaunlich ist, dass du derart derangiert aussiehst, obwohl Vater nicht hier ist!“

„Woher…“, setzte sie an. „Wie kommst du darauf?“

„Schön, richtig zu liegen in meiner Vermutung, wo du warst“, hatte sie mir meine Vorahnung nun endgültig bestätigt.

„Draco, es ist nicht so…“

„Bitte, keine Plattitüden“, rollte sie über meine überhebliche Aussage mit den Augen. „Jetzt die Frage, die ich mir stelle, konntest du nicht warten, bis ich wieder da bin, oder bist du so einsam, mein Mudblood, dass du nicht alleine sein wolltest?“

„Genau, ich wollte nicht alleine sein… er ist schon lange fort…“, gab sie nun bockig zurück, was mich schmunzeln ließ.

„Eben, er ist schon lange fort… also meine Frage, woher dein sichtbar mitgenommenes Aussehen rührt. Musst du es dir nun schon selbst machen? Hast du es derart nötig?“, hauchte ich provokant an ihrem Ohr und beugte mich vor, ließ meine Hände aufreizend über ihre Schultern runter zum Gurt ihres Morgenmantels gleiten und löste den um die Taille geschlungen Gürtel. Ihr Mantel öffnete sich und offenbarte das verführerische Negligee.

„Woher willst du wissen, dass wirklich nichts passiert ist?“, fragte sie gepresst, wehrte mich aber nicht ab, als ich ihr lange ins Antlitz blickte, bevor ich sachte das Haupt schüttelte.

„Ist etwas passiert?“, fragte ich daher rein rhetorisch, da ich fühlte, es war wie letztes Jahr gewesen, worauf sie, meine Vermutung bestätigend, auch schon sehr langsam mit einem Kopfschütteln verneinte.

„Eben, also warum daraus was Größeres machen? Die Realität dort draußen ist grausam genug… Lass mich dir helfen, diese Einsamkeit zu vertreiben!“, wisperte ich daher eindringlich und unterstrich damit selbst mein Bedürfnis, sie zu spüren und ihr nah zu sein, um zu vergessen, was Schreckliches die letzte Zeit über passiert war.

So zog ich sie dann ruckartig an mich und sie klammerte sich ebenfalls an mir Halt suchend fest, bevor wir aufs Sofa fielen.

Dracos Sicht Ende

Severus Sicht

Diesen Tag hätte ich nie in meinem Leben erleben müssen, wenn es nach mir gegangen wäre! Aber wie so häufig ging es eben nicht nach mir, sondern nach anderen und so rauschte ich missgestimmt die langen, weiten und verlassenen Flure entlang, die ab heute Abend wieder von jungen, penetranten und lauten Schülern belagert sein würden.

Noch war alles wunderbar ruhig, aber damit würde es in wenigen Minuten vorbei sein. Meine Schritte verhallten lautlos, während sich mein Mantel malerisch hinter mir bauschte und mir den rechten Auftritt gewähren würde, denn gleich würde ich den Käfig der Löwen, Dachse und Raben betreten. Eine Tatsache, die meine Laune noch weiter in die Tiefe riss.

Warum musste ich noch mal diese Scharade spielen?

Ja genau, weil es eben Personen wie den Lord oder Lucius gab, die dies hier für eine blendende Idee hielten, schließlich mussten sie sich nicht die vorwurfsvollen und verachtenden Blicke ihrer ehemaligen Kollegen antun.

Ich stoppte vor der Tür, ein sehr wehleidiges Seufzen auf den Lippen, das ich mir natürlich mit Todesverachtung verbot, aber sich vorzustellen, wie ich es ausstoßen könnte, war zu schön. So blickte ich nur kalt auf die beiden davor Stehenden und schenkte ihnen dann ein mehr als knappes Nicken, um die Tür danach mit einem Ruck zu öffnen.

Das würde entweder ein Drama oder eine Komödie werden. Die Darbietung begann!

Wie erwartet wurde ich nicht wirklich mit einem Tusch begrüßt, sondern mir schallte absolute Totenstille entgegen, während ich übergangslos den Raum als neuer Herrscher dieser heiligen Hallen betrat.

Sofort schnellten zwölf Augenpaare zu mir herum und blickten mir sehr feindselig gesinnt entgegen. Ich rauschte ohne zu zögern herein. Ähnlich wenn ich einen Raum mit Schülern betrat, trug ich mein Haupt sehr hoch oben und blickte mit einer verächtlichen und widerwilligen Miene auf meine Richter.

Wie der Richtplatz einer Verhandlung wirkte das hier, denn alle Lehrer von Hogwarts waren versammelt!

Natürlich mussten sie eine Aussage treffen, denn ich nahm den ostentativ leeren Stuhl sehr wohl wahr, an dessen Platz am Tisch plakativ eine einzelne, rote Rose wie eine Mahnung lag. Es wirkte wie ein Mahnmal, um an Charity Burbage zu erinnern, unsere immer noch spurlos verschwundene Muggelkundelehrerin.

Unter Anbetracht, dass sie Schlangenfutter geworden war, nicht sonderlich erstaunlich!

Ein fast obszönes Schnauben wollte mir entwischen, als ich diese für mich lächerlich kitschig anmutende Geste zur Kenntnis nahm, aber meine Meinung sahen sie mir bestimmt an. Wobei ich gewillt war, es zu übergehen, andere wollten diesen Takt aber nicht besitzen, so zum Beispiel die hinter mir herkommende neue Muggelkundelehrerin.

„Was ist das denn da? Ein Willkommensgeschenk?“, hallte die leicht hysterisch klingende Stimme von ihr in dem alt ehrwürdigen Lehrerzimmer wider.

Die Augen des Kollegiums huschten sofort unangenehmen berührt zu ihr und beobachteten sichtbar erschrocken, wie sie sich pietätlos auf den Stuhl plumpsen ließ.

Ein Stöhnen lag mir schon wieder auf den Lippen. Warum immer diese Provokation? Sofort grabschte sie grob nach der Blume, die sie sich mit einer gespielt gekünstelten Miene der Überraschung besah, nur um sie dann genüsslich ganz langsam zu zerrupfen. Die Geschmacklosigkeit der Situation war fast nicht zu übertreffen.

„Miss Carrow, unterlassen Sie das!“, brauste auch schon sofort Minerva ungehalten auf, die diese leider unmögliche Person natürlich als eine ehemalige Schülerin erkannte.

„Unerhört dieses Benehmen!“, „Wir trauern!“, „Zeigen Sie mehr Respekt!“, „Unglaublich so was!“, ereiferten sich die Professoren. „Wir haben mehrere Andenken zu ehren…“, ermahnte Slughorn mit bedeutungsschwerem Blick auf den noch leeren Stuhl an der Stirnseite. Damit erinnerte er ungewohnt gefühlvoll an Dumbledore, während er mir einen langen Blick sandte, der einen stummen Tadel enthielt.

„Professor, wenn schon, bitte!“, kicherte da aber Alecto hämisch in ihrer unheimlich minderbemittelten Art und stellte richtig, wie sie anzusprechen war. „Professor Carrow.“

Während sie vorhin noch von Minerva schlicht als Miss Carrow bezeichnet worden war, erntete sie nun sofort einige entsetzte Keucher.

Während Amycus, ihr Bruder, gemächlich neben mich trat und die nächsten, wenig schmeichelhaften Blicke einheimste und über sich ergehen lassen musste. Da er, ähnlich mir, wie auch seine Schwester einen sehr dunklen Aufzug gewählt hatte, wirkten wir nicht gerade wie eine Erleuchtung der positiven Seite. Beide Geschwister trugen tiefschwarze Zauberumhänge und wirkten in ihrer Erscheinung alles andere als freundlich, oder gar sympathisch.

Und dass meine Wahl eigenwillig, um nicht zu sagen verwirrend war, konnte nicht mal ich abstreiten, aber wie so oft hätte alles schlimmer kommen können. Diese beiden bedeuteten ein relativ kleines Übel, da sie lenkbar waren und darauf kam es an.

„Sna… Schulleiter Snape, was hat das zu bedeuten?“, schaffte es Minerva, sich zu überwinden und meinem neuen Posten den gebührenden Respekt vor den anderen Professoren zu zollen.

Leicht fiel ihr das wahrlich nicht. Es war eine Überwindung, mich anzuerkennen, aber ich gestand mir ein, dass ich es genoss, diese neue Macht über meine alten Lehrer zu haben. Irgendwie konnte ich meine wenig erbauliche Schulzeit, als die Marauder die Helden in diesen Gemäuern gewesen waren, nicht ganz abschütteln und eine gewisse, nachträgliche Rachsucht den damals untätigen Lehren gegenüber ließ sich in mir nicht verhehlen. Auf der einen Seite hatte Slughorn einfach zu wenig getan, während Minerva schlicht zu viel getan hatte, um ihre Hausschüler zu verteidigen.

Gerade zeigte sich auf ihrer Miene ihre widerwillige Unterwerfung und ich neigte leicht mein Haupt in meinem schnöden Sieg über sie.

„Das bedeutet, dass ich ihnen jetzt ihre neuen Kollegen vorstellen möchte: Alecto Carrow, als Professorin für Muggelkunde, und Amycus Carrow, als Professor für Verteidigung gegen die Dunklen Künste“, verkündete ich reichlich schnarrend.

Dass der Beginn meiner Herrschaft über meine ehemaligen Kollegen nicht leicht war, das stand außer Frage, aber ich war gewillt, diese Herausforderung anzugehen und schritt bedeutungsvoll langsam auf den Platz von Dumbledore zu. Jeder sollte sehen, dass ich mit den Vorwürfen als auch mit den Anfeindungen leben konnte, während ich gleichzeitig auf meinen ehemaligen, ebenfalls noch leeren Platz deutete, den Amycus mit einer übertrieben spöttischen Verbeugung zu seinen neuen Kollegen hin einnahm.

Meine Vorstellung sorgte für Stille.

Natürlich kannten die meisten diese beiden magischen Sprösslinge. Sie waren Schüler hier gewesen und von einigen der anwesenden Lehrer unterrichtet worden, so wie ich. Aber die beiden ließen sich keine etwaige Unsicherheit anmerken. Es wäre auch vermessen gewesen, ihnen diese zu unterstellen, denn sie schauten verächtlich und abwertend durch das Lehrerzimmer. Sie kehrten heraus, dass sie beide etwas Besseres waren als der Rest der Lehrerschaft.

Amycus und Alecto waren älter als ich. Amycus war in dem Jahr zur Schule gekommen, an dem ich geboren worden war, ebenso wie seine drei Jahre jüngere Schwester deutlich vor meiner Zeit Hogwarts besucht hatte. Ich wusste nichts über ihre Schulvergangenheit, sie interessierte mich aber auch höchstens peripher. Außer, dass sie DeathEater durch und durch waren und schon im ersten Krieg gedient hatten, aber nach dem spurlosen Verschwinden des Lords, wie so viele, Abstand von ihrer Überzeugung gesucht und ihre Haut geschickt vor Repressalien hatten retten können, wusste ich nicht viel über sie.

Aber bei der Wiederkehr des Lords waren sie wie die Kretins, die sie waren, angekrochen gekommen und sie hatten es insoweit wieder hinbekommen, aufzusteigen, dass sie zum Beispiel am Tisch von Malfoy Manor hatten mit dabeisitzen können, als Charity ermordet worden war, aber bis in den Inneren Kreis hatten sie es noch nicht geschafft.

Und ab hier waren sie interessant für mich geworden. Sie waren vertrauenswürdig, soweit man diese Leute als solches bezeichnen konnte, aber nicht zu eingebunden in den Reihen der Oberen und da ich als Linke Hand weit über ihnen stand, würde ich sie leiten und führen können und sie auch gehorchen.

„Eine eigenwillige Wahl!“, presste Flitwick gerade alles andere als erfreut heraus, vor allem da die Zugehörigkeit der beiden Geschwister außer Frage stand, wie auch ihr eben gezeigtes gemeingefährliches Grinsen über diese Aussage unterstrich. Sie provozierten absichtlich.

„Eine gute Wahl!“, konterte Amycus selbstgefällig, während Alecto eifrig nickte, mit ihrer straff gebunden Frisur unterstrich sie immer ihre Ähnlichkeit zu ihrem plump aussehenden Bruder. Beide waren mit farblosen, teigigen Gesichtern und schiefen Mündern gesegnet.

Inkompetent wie Quirrell, selbstverliebt wie Lockhart, verrückt wie Crouch, wichtigtuerisch wie Umbridge, nur Lupin fiel aus der wenig rühmlichen Reihe, wobei man hier die Naivität und die Armseligkeit nennen könnte und so reihten sie sich nahtlos in die Pfeifen ein, die bisher diese Jobs gehabt hatten. Schließlich blieb nie jemand länger als ein Jahr im Amt des Verteidigungslehrers und Burbage, so nett sie als Kollegin gewesen war, hatte aus dem Fach Muggelkunde nie auch nur annähernd das Maximum herausgeholt.

Wobei meine Auswahl an neuen Lehrern erquickend mager gewesen war. Ich durfte aus dem doch sehr spärlichen holden Kreis der DeathEater wählen, am besten noch aus denen, die am Tisch im Malfoy Manor saßen, da sie das Vertrauen des Lords besaßen. Auch, oder gerade weil die Carrows fast die einzigen waren, die damals im Manor gewesen waren und nicht zum Inneren Kreis gehörten und diese genug mit ihren Aufgaben und Trupps eingespannt waren, war mir meine Wahl relativ leicht gefallen.

„Ich habe es in meiner Kugel kommen sehen…“, murmelte Sybille dramatisch und Minerva warf ihr einen mörderischen Blick zu. Wie gerne hätte ich die Schnapsdrossel ausgetauscht, aber einen DeathEater mehr in diesem Gemäuer würde ich nicht vertragen. Es reichte dieses herzallerliebste Geschwisterpaar. Ich hielt sie zwar für bösartige, degenerierte Typen, aber für mich relativ leicht zu steuern. Sie hatten Angst vor mir. Sie standen in allen Belangen weit unter mir und waren auch unter der Fuchtel von Flitwick und McGonagall gestanden und würden zwar die Schüler terrorisieren, aber es nicht wagen, meine Autorität zu untergraben und das war wichtig.

Mit den anderen Lehrern würde ich zu ringen haben, aber dass sie immer das Wohl der Schüler im Blick haben würden stand außer Frage, daher war ich zufrieden, in den Carrows zwei DeathEater als Lehrer zu haben, die ich würde lenken und somit den Schaden, den sie sicher anrichten würden, begrenzen können.

„Es war noch nie leicht, Posten neu zu besetzen“, lächelte ich daher künstlich, kühl in die mir feindlich gesinnte Runde, während ich meine Hände bedächtig faltete, um zum nächsten Schlag auszuholen.

„Kein Wort zu unserer verschwundenen Kollegin, die einfach so ersetzt wird, Snape?“, wagte sich Septima Vektor frech vor und meine düsteren Augen lagen hart auf ihr. Ab nun würde ein neuer Ton hier herrschen und es wäre unabdingbar, dass jeder darauf achtete, was er von sich gab, gerade in Anwesenheit der Carrows.

„Sie vergessen meinen Titel!“, erinnerte ich Septima mit Bedacht. Ich würde über vieles nicht hinwegsehen können. Als sie meinen Tadel vernahm, zuckte ihr unsicherer Blick über die Versammlung.

„Also kein Wort zu Charity? Sir?“, wagte sie es erneut dann doch recht vorsichtig und es wirkte, als würde sie sich die Lippe blutig beißen.

„Natürlich…“, kicherte Alecto bescheuert hinter vorgehaltener Hand und gab sich affektiert. Sie spielte mit den gerupften, roten Blütenblättern, als sie mir zuvorkam. „Ich freue mich, die Aufgabe anzunehmen, unserem wertvollen Nachwuchs die Welt der MUGGEL nahezubringen!“ Infolge dieser Worte legte sich eisiges Schweigen über uns, da es mehr als unangebracht war, wie die Doppeldeutigkeit ihrer Worte unterstrich, dass sie die Muggel eher verachtete denn über sie unterrichten wollte.

Aber ich mischte mich hier nicht ein, das war nicht mein Kampf und die Carrows waren mir treu ergeben und ich würde nichts tun, um ihr Misstrauen zu erregen.

„Charity zu beerben wird nicht leicht sein, sie war bei den Schülern sehr beliebt!“, schaltete sich soeben Sprout kummervoll ein. Sie war immer eine Schlichterin und gab sich von ihrer rührseligen Seite.

„Es war nicht leicht, für unsere werte Kollegin adäquaten Ersatz zu finden“, warf ich jetzt dann doch ein, denn Pietät konnte man von Alecto nicht erwarten, „aber ich bin mir sehr sicher, das Miss Carrow hier ihre Aufgabe pflichtschuldigst erfüllen wird!“, sprach ich derart dunkel, dass es einigen kalt den Rücken hinab lief und sie sich offen schüttelten, während mir die DeathEaterin einen glutvollen Augenaufschlag sandte, da sie sich geschmeichelt fühlte.

Wie geistig minderbemittelt, oder gar beschränkt konnte man sein?

„Ebenso leicht wie es nicht war, für Dumbledore Ersatz zu finden?“, ertönte es fast schon zu provokant von Aurora Sinistra.

Was sollte man von meiner ehemaligen Klassenkameradin auch anderes erwarten? Sie war schon immer vorlaut wie ein Rabe gewesen. Ihr war das Schweigen sehr fremd, kurz war ich versucht, meine Zähne zu fletschen, aber bei der Nennung des Namens des vorhergehenden Direktors schniefte der Halbriese Hagrid laut in sein Taschentuch. Er sagte aber sonst zum Glück nichts und hielt sich wohlweislich zurück, so dass ich sein kurzzeitig auferstandenes Gehirn lobpreiste, während ich mir mein Haar aus dem Gesicht strich und betont blasiert auf die versammelte Mannschaft blickte. Ich versuchte zu ergründen, was sie zum Schweigen bringen könnte.

„Hogwarts hat gewählt!“, hielt ich die Meute geflissentlich im Zaum, denn was die Portraits verstummen ließ, sollte auch hier wirken, vor allem da jeder von uns noch gute die rosa Kröte, Dolores Umbridge, in seinen Albträumen vor sich sehen konnte und wie sie um Einlass ins Schulleiterbüro bettelte, den sie aber nicht erhalten hatte. Dadurch, dass ich alle daran erinnerte, unterband ich recht geschickt weitere Proteste dieser Art. Jedem wurde wieder bewusst, wie Hogwarts agierte, auch wenn sie mit der Wahl eben nicht einverstanden waren.

Der Widerwillen über die Tatsache, dass sich Hogwarts mir geöffnet hatte, stand vielen ins Antlitz geschrieben. Unterdessen schweiften meine Gedanken zu dem unerwarteten Ritual, das ich hinter mich gebracht hatte, um der Herrscher dieser heiligen Hallen zu werden. Nie würde ich jemandem davon erzählen, selbst dem Lord, Lucius oder dem Biest nicht, denn mein Wort band mich an Hogwarts und dies war unumstößlich. Die Erkenntnis meiner Akzeptanz schien meinen Untergebenen nicht wirklich zu schmecken, aber da mussten sie durch. Mir gefiel auch oft vieles nicht, aber selbst ich biss die Zähne zusammen und kämpfte mich durch und würde nun auf ewig die schnatternden Bilder ertragen müssen!

„Da das nun geklärt ist, möchte ich sie bitten, die Carrows“, zu meiden und sie nicht zu reizen, das dachte ich mir und ich hätte es am liebsten laut geäußert, so aber sprach ich anders weiter, „ gebührend in ihrer Tätigkeit zu unterstützen!“, äußerte ich andächtig und hoffte auf die zum Teil tief verborgene Intelligenz der hier Versammelten.

Wobei ich bei dem ein oder anderen kurzes Verstehen wahrzunehmen schien, denn einige hielten ihre Nachbarn zurück, etwas zu erwidern. Hierbei zeigte sich vor allem Flitwick schlau und durchtrieben, als ich auch schon geschäftig fortfuhr.

„Weiter…. bevor die Schüler eintreffen… es muss erwähnt werden, dass die neue Schulpflicht greift!“

Ich wurde natürlich sofort wieder unterbrochen, dabei wusste jeder, dass ich dies nicht zu schätzen wissen würde.

„Die, die schon im Propheten verkündet wurde?“, meinte Sinistra reichlich spitz und zustimmendes Gemurmel ertönte.

„Genau die, es ist eine Schande, dass nicht alle unsere Schäfchen bisher zu uns kommen mussten! Ein Missstand und nun wird dies geändert!“, konterte ich scharf, als ich auf Alecto deutete. „Auch eine Neuerung ist, dass Professor Carrow hier, Muggelkunde als Pflicht- und Propagandafach unterrichten wird!“

„Propaganda?“, warf Flitwick wacker ein und ein misstrauischer Ausdruck hielt in seine koboldhaften Züge Einzug, während Minerva einen empörten Pfiff ausstieß.

„Ja, was soll das bedeuten?“, verlangte auch Sprout argwöhnisch zu erfahren, während sich Minerva jede weitere Reaktion wacker verbot, unter meinem sengenden Blick, den ich ihr schenkte. Das lief doch gerade faszinierend schlecht.

„Wenn ich das übernehmen dürfte, Schulleiter Snape?“, fragte mich Alecto mit fast unterwürfiger Demut, welche die anderen zum Teil schockierte, denn es hatte fast schon nichts mehr mit dem Respekt mir gegenüber als Direktor zu tun, sondern nur mit meinem Stand als Linke Hand, vor der Alecto wie ein Kriechtier buckelte und so wedelte ich mit einer lässigen Geste zu ihr, auf dass sie fortfahren möge. „Danke, Sir, dass ich meine Kollegen über mein Fach informieren darf!“, plusterte sich diese Schnepfe gekünstelt auf, die mich in diesem Moment an die Kröte erinnerte, die mich vor zwei Jahren terrorisiert hatte. Ich nickte nur knapp, damit diese Scharade endete. „Nun, ich übernehme ein Fach, das bisher sträflich vernachlässigt wurde. Wir müssen unserem magischen Nachwuchs früh genug vermitteln, was die Muggel für sie bedeuten und dass diese Personen minderwertig und nach ihrer Natur nach animalisch und zurückgeblieben sind!“ Einige holten erschrocken Luft bei dieser pathetischen Rede, die wahrlich sprachlos machend war. „Die Kinder müssen lernen, dass dies ein elementarer Unterschied unserer Rassen zueinander ist, der immerdar bestehen wird! Wir sind nicht gleich!“, beendete sie flötend ihren selbstgefälligen Vortrag.

„Das kann nicht genehmigt sein!“, stotterte Hooch sprachlos.

„Vom Schulbeirat und dem Ministerium“, verkündete ich eisig, denn es stimmte, Lucius hatte dies in einem geschickten Coup inszeniert, als alle im Ministerium mit Fudges Anklage beschäftigt gewesen waren.

So hatte er den Gamot auf diese Idee gebracht und das neue Gesetz durchgebracht, um sich lieb Kind beim Lord zu machen. Ich gestand mir ein, dass ich dachte, dass keiner der Idioten im Ministerium sein schwachsinniges Dossier gelesen hatte, bevor sie es im Beirat durchgewunken hatten.

„Unglaublich!“, „Ich bin sprachlos!“, „Schlimm!“, hauchten die Lehrer betroffen. „Das kann nicht ihr Ernst sein…“

„Wollen sie sagen, sie sind gegen das Ministerium?“, fasste Amycus hämisch nach, dabei lag die Drohung offen im Raum und sorgte wieder dafür, dass alle mit unwohler Miene verstummten.

Minerva strafte diesen ehemaligen Schüler mit einem bitterbösen Blick, obgleich sie erstaunlich stumm blieb und wirkte, als hätte sie einen Stock verschluckt.

„Entschuldigung, Prof… äh, Sir!“

„Bitte, Professor Babbling!“

„Danke, ich hätte eine Frage, verändert sich inhaltlich etwas in den anderen Fächern?“, fasste die besonnene Bathsheda Babbling sehr weitsichtig nach und ich gestand ihr diese Intelligenz zu. Sie unterrichtete nicht ohne Grund Alte Runen und schien hierbei etwas hinter die Fassade sehen zu können.

„Nein, es bleibt alles beim Alten!“, meinte ich durchaus eindringlich und schenkte jedem im Kollegium nacheinander einen langen Blick, da konnte selbst Hagrid nicht verhehlen, dass er sichtbar erleichtert die Luft ausstieß.

Aber ich hatte sehr wohl mit Bedacht gewählt, auch dass eben Hagrid weiterhin lehren würde. Ich würde die Schüler nicht mit einem DeathEater zu den wilden Tieren lassen und wir brauchten Hagrid hier, also dachte ich nicht im Traum daran, ihn auszutauschen und jemand anderen zum Hüter der Schlüssel von Hogwarts zu ernennen.

„Wobei, da fällt mir etwas ein, natürlich gibt es noch etwas zu verkünden!“, wollte ich genüsslich zum Todesstoß ansetzen, wie hieß es so schön, das Beste hob man sich für den Schluss auf. Darüber erntete ich betretene Gesichter. „Mein Stellvertretender Schulleiter ist Amycus Carrow!“, applaudierte seine Schwester frenetisch und ich fletschte leicht die Zähne, aber ich könnte niemandem Minerva als meine Stellvertreterin erklären und so war Carrow die logische Wahl.

Selbstredend kam diese Verkündung in der Belegschaft gar nicht gut an, wie ihre empörten und entsetzen Mienen verrieten. Zum Spion taugte wirklich keiner von ihnen, das musste man festhalten.

„Gratulation!“, würgte Slughorn schlussendlich als erster hervor und Amycus neigte zu ihm huldvoll sein dickes Haupt, mehr würde nicht kommen.

Vor allem Minerva war mehr als blässlich um die Nase geworden.

„Dann entlasse ich das Kollegium für heute und wünsche sie in der Großen Halle heute Abend wiederzusehen… die Hauslehrer sollten noch kurz zurückbleiben…“

„Sie wünschen?“, fragte nun McGonagall schnarrend.

Widerwillig setzten sich Pat & Patachon, wie ich ab nun die Carrows nennen wollte, mit den anderen in Bewegung. Es gefiel ihnen gar nicht, dass sie kein Haus lenkten, aber wie sagte ich so gerne, das Leben konnte ganz dramatisch unfair sein und erst nachdem die Tür hinter allen anderen zugefallen war, sahen mich vier sehr vorwurfsvolle Augenpaare an.

Ich erwiderte ihre Blicke stoisch. Was erwarteten sie von mir?

„Ich wünsche, dass sie mit ihren Häusern heute Abend reden, dass ab nun ein anderer Wind in Hogwarts wehen wird! Mit uns“, dabei meinte ich eigentlich mehr die Carrows, aber schloss mich großzügiger Weise gleich in diese Warnung mit ein, „mit uns ist, anders als mit Albus Dumbledore, nicht zu spaßen. Wirklich sicher ist man abends nur in seinem Haus!“, ging ich wenig subtil vor, aber ich meinte es sehr ernst. Jedem nächtlichen Herumwanderer drohte Schlimmeres als zu früheren Zeiten. „Sind sie sich dessen bitte immer gegenwärtig und bewusst. Sie tragen eine große Verantwortung, also sorgen sie dafür, dass sich die Schüler benehmen, dann sollte es zu keinen nennenswerten Zwischenfällen kommen“, woraufhin betretenes Schweigen das Zimmer erfüllte und ich meinen Stuhl quietschend zurücksetzte um die sichtlich mitgenommenen Professoren zu verlassen.

„Sir, ich müsste Sie noch etwas fragen“, stoppte mich Minervas Frage und ich drehte mich mit Schwung zu ihr.

„Ja.“

„Er redet nicht mit mir“, überrumpelte sie mich mit diesem sichtbar hervor gewürgten Eingeständnis und natürlich war mir gegenwärtig, auf wen sie anspielte, während Slughorn, Flitwick und Sprout versuchten, sich in Luft aufzulösen.

„Was soll ich daran ändern?“, wollte ich dann auch schon recht schneidend erfahren. Was tangierte es mich?

„Haben Sie etwas damit zu tun?“, nahm sie mich sehr fest ins Visier und starrte mich zweifelnd an, woraufhin ich konsterniert mein Haupt schüttelte.

„Sie denken, ich könnte dem großen, allmächtigen Albus Dumbledore den Mund verbieten und er würde keinen Weg finden, doch mit Ihnen zu reden, wenn er möchte?“, schleuderte ich ihr meinen Sarkasmus entgegen und bevor jemand der vier Personen regieren konnte, rauschte ich mit wehenden Roben von dannen.

Severus Sicht Ende

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BeitragThema: 480. Wiedersehen in „Hogwarts“   Di Sep 23, 2014 7:26 pm

480. Kapitel Wiedersehen in „Hogwarts“

Hermiones Sicht

Nachdem mich Draco in meinen Gemächern überrascht hatte, musste ich mir eingestehen, dass wir dieses Manko gekonnt umschifft hatten, groß zu klären, was vorgefallen war.

Meine Göttin war mir das peinlich, was Lucius mit mir und der Feder abgezogen hatte.

Soeben hielt ich das Corpus Delicti in meinen Händen, starrte den Brief mit dieser sündigen Feder an. Ich war zerrissen und brachte es zu meiner Bestürzung nicht über mich, ihn wegzuschmeißen, so schob ich dieses Erinnerungsstück in meinen Schreibtisch und klappte das Türchen gerade sehr entschlossen zu, als Draco hinter mir auftauchte.

„Fertig?“, drehte ich mich langsam, um nicht zu ertappt zu wirken, zu ihm um, dabei versuchte ich souveräner zu erscheinen als ich war.

„Nachdem du mich auf der Couch vernascht hast?“, entgegnete ich kokett und löste meine Hand von dem Holz, hinter dem sich der Brief verbarg.

„Es war nicht so als hättest du es nicht nötig gehabt!“, kam es leichthin von ihm.

„Haha“, meinte ich wenig schmeichelhaft, als ich mich eilig zu ihm begab, um mich an seine Brust zu kuscheln, „ich will nicht zurück!“, gestand ich ehrlich und er schien kurz verblüfft von meiner Aktion, da er mir unsicher über den Rücken strich.

„Warum? Weil Severus nun das Heft in Händen hält?“, fragte er zaghaft.

„Nein, nicht deshalb, sondern weil es nicht mehr dasselbe sein wird!“, bekannte ich aufrichtig unglücklich, denn es stimmte, dieses Jahr würde anders als alle anderen werden. Aber war je ein Jahr in Hogwarts für uns gewesen wie das zuvor? Eigentlich nicht.

„Das sagst du nur, weil du jetzt nicht ins Cottage willst!“, zweifelte er an mir und ich schnaubte auf.

„Oder das!“, gab ich zerknirscht zu.

„Nun komm, es wird nicht besser wenn wir warten!“, bestimmte Draco entschieden und schob mich leicht von sich, bevor er meine Stirn küsste.

„Ich weiß!“, stöhnte ich leidlich, als ich ihm schicksalsergeben folgte und mich in einen leichten Reisemantel hüllte, bevor wir meine Suite verließen und hinuntergingen um zu apparieren und die Ferien sowie das Malfoy Manor hinter uns zu lassen.

Jetzt waren wie hier und ich starrte mit einem mehr als mulmigen Gefühl auf das wunderschöne, so blumenreiche Cottage. Alles in mir sträubte sich dagegen, dort hineinzugehen, das bemerkte mein Begleiter natürlich sofort.

„Na los, komm, du haderst doch sonst nie!“, raunte mir Draco leise zu und ich seufzte, straffte mich aber, als wir hineingingen, denn es brachte nichts, den Schrecken hinauszuzögern. Leicht fiel es mir aber trotz allem nicht.

Ungeachtet all der schrecklichen Ereignisse, welche die letzten Tage über uns hereingebrochen waren, schien uns gewohnter chaotischer Trubel zu empfangen und wir stoppten verwundert am Eingang des Wohnzimmers. Lucien spürte offenbar die Anspannung und Nervosität. Oder aber dass Daphne weg war? Wer wusste es schon genau, aber gerade legte er einen ausgesuchten Tobsuchtsanfall hin und Astoria wirkte leicht überfordert. Sie drückte das Baby an ihre Brust und schluchzte laut mit.

„Astoria?“, fragte nun zu meinem Erstaunen Draco relativ sanft. Augenblicklich ruckte sie herum und blickte uns sprachlos mit tränendem Blick an.

„Ihr… ihr… ja?“, stotterte sie recht konfus.

„Dir geht es gut?“, hakte Draco nach und legte Astoria eine Hand auf die Schulter, während er sie aufmerksam musterte.

„Haha…“, lachte sie freudlos und schniefte. „Es ist alles in Ordnung!“, stieß sie dann dumpf aus.

„Sicher?“, fragte nun Ron, der bisher an der Gartentür gestanden hatte und sich erst jetzt von dem blühenden Blumenmeer wegdrehte, wo wir vor nicht mal zwei Wochen groß Hochzeit gefeiert hatten und selbst mir das Herz schwer wurde, als ich daran zurückdachte.

Unser Leben, diese Zeit war verdammt beschissen! Kurz fragte ich mich unsicher, ob all diese Opfer es wert waren.

„Nein, natürlich nicht, aber was soll ich tun?“, presste Astoria den immer leiser wimmernden Lucien an ihre Brust, womit sie mich aus meinen tristen Gedanken riss.

Sie erschien mir in meinen Augen noch kleiner als sonst und wirkte rundherum untröstlich, bedrückt, aber auch erstaunlich aufgeräumt, zu meiner Verwunderung. Sie musterte uns nun bemüht beherrscht, obgleich die ungeweinten Tränen weiter verdächtig in ihren Augen schimmerten.

„Was könnte ich tun?“, trat nun Blaise sichtbar mitgenommen auf sie zu und Draco zurück. Blaise umfasste ihre Wangen zärtlich, worauf sie seufzte und gerade antworten wollte, doch sie wurde unterbrochen: „Nichts!“ Sekundenschnell ließ uns diese unerwartet kühle Stimme herumwirbeln.

Mir blieben die Worte im Halse stecken, denn hinter uns stand Harry!

Aber ich, nein, wir mussten zu dem unter einem schwarzen Umhang steckenden Harry sehen, der jedem DeathEater arge Konkurrenz bereitete, wie er wie ein tiefschwarzer Fleck im Flur stand und unbewegt zu uns blickte. Anscheinend hatte es nicht nur mir die Sprache verschlagen, denn niemand sagte etwas.

„Wir können nichts tun und nichts ändern!“, fuhr er somit schlussendlich mit sehr endgültiger und monotoner Stimme fort, dabei wirkte er schrecklich nüchtern und desillusioniert.

Schließlich hatte dieser Krieg ihm mal wieder mehr oder minder alles genommen was er besessen hatte. Nicht nur die Eltern und das viel zu früh, auch noch die Frau und das ebenfalls nach zu kurzer Zeit!

„Harry!“, „Mann, Alter!“, „Geht’s?“, „Schön, dass du da bist, Kumpel!“, „Harry!“, wurde er erst nach dem Schock von allen erleichtert empfangen.

Niemand von uns hatte erwartet, Harry vor dem Betreten des Bahnhofes zu sehen. Gerade deswegen überfiel mich große Erleichterung, dass ihm nichts auf seinem Alleingang passiert war und er noch ganz war, während die Twins erstaunlich sprachlos am Esstisch saßen und nicht wirklich anwesend wirkten, da sie nichts zur Begrüßung sagten und einfach nur blass aussahen. „Harry, du bist doch hier?“, fasste nun auch schon Ron meine Verwunderung zusammen und stellte diese rhetorische Frage offen, da mir anscheinend noch immer die Worte fehlten.

„Ich bin auch froh, euch zu sehen!“, murmelte Harry stockend, bevor er sich überwand und auf seine junge Schwägerin zuhielt, um Lucien, den sie noch immer auf dem Arm hielt, vorsichtig über den Kopf zu streichen. So zart und übervorsichtig, als hätte er Sorge, seinen Sohn richtig zu berühren.

„Wirklich?“, wisperte Ron leise, aber hörbar zweifelnd.

„Ich bin wegen ihm hier!“, bekannt daraufhin Harry fest.

Bei der bekannten Stimme wandte sich das Köpfchen des Kleinen zu seinem Vater und er zischelte vergnügt vor sich hin, da er ihn anscheinend erkannte. Leider verstanden wir nichts von dem was sein Sohn erzählte, aber Harry schon, wenngleich wir nichts in Harrys Antlitz lesen konnten, als er kurzentschlossen seinen Sohn packte, um mit ihm zur Couch zu gehen.

Die ganze Stimmung war nicht zu benennen, aber sie war sehr lastend. Harrys finstere Aura, sein düsteres Auftreten, sein zurückhaltendes Gebaren waren ungewohnt und ließen mich erwartungsvoll zurück. Er wirkte um Jahre, oder auch Jahrzehnte gealtert.

Draco selbst hielt sich manierlich zurück und ging nun zu den Twins, mit denen er sich mehr mit Blickkontakt unterhielt als mit Worten und ich verharrte recht verloren an der Tür. Keiner wusste wirklich was wir tun sollten. Schließlich wollten wir Harry nicht stören, wenn er sich von seinem Sohn verabschiedete.

„Und was nun?“, trat der unwohl aussehende Blaise vor und legte den Arm um seine blässliche Freundin.

„Wie ich sagte: NICHTS!“, verkündete Harry sehr akzentuiert, aber auch sehr bestimmt, während er Lucien beruhigend in seinen Armen hielt und seine Augen nur auf diesem lagen.

„Nicht dein Ernst? Du sagst gar nichts dazu?“, wisperte George sehr betroffen, woraufhin Harry ihn hart anblickte, aber nichts darauf äußerte.

Die Stimmung schlug bedenklich um, so kalt wie es gerade im Raum wurde.

„Das ist so schrecklich, ich kann es nicht fassen!“, schniefte Astoria und schluchzte auf, aber weinte nicht, während sie es schaffte, mit ihrer Einmischung die gespannte Atmosphäre zu entschärfen.

„Das ist unfassbar tragisch! Ich… sie… Harry?“, murmelte Fred betrübt stotternd und war dabei sichtbar überfordert.

Als ich eilig einen Schritt vortrat, richteten sich sofort Harrys so grüne Augen stechend auf mich und enthielten, wie ich fand, einen Vorwurf an mich, der mir seit gestern schwer im Magen lag. Machte er mir auch Vorwürfe, so wie ich es mir permanent machte, weil ich nicht eingegriffen hatte?

„Harry, ich… ich hätte gerade mit meinem neuen Sein versuchen müssen… sie… also, Daphne… ich hätte…“, versuchte ich wenig geschmeidig eine Rechtfertigung, warum ich nichts getan hatte und wedelte unglücklich mit meinen Händen durch die Luft.

Trotz Lucius‘ Spielchen, Dracos Ablenkung und der Tage im Manor machte ich mir große Vorwürfe, dass gerade ich als SoulGatherer mehr hätte tun müssen, um Daphne zu retten.

„Halt! Nein, Stopp! Hermione, hör sofort auf! Das hättest du nicht“, unterbrach mich Harry unwirsch und funkelte mich durchdringend an. Sofort zuckte mein Blick zu Draco, der sich zurückhielt, aber alles mit großen Augen beobachtete.

„Und warum nicht?“, begehrte Astoria sofort auf und musterte ihren Schwager ziemlich aufgebracht.

Daraufhin legte sich drückende Stille über uns, in der Harry wegen seiner unerwarteten Aussage, aber auch ich, dass ich vielleicht etwas hätte tun können, von den anderen sehr genau gemustert wurden.

„Weil man nicht rumpfuschen soll!“

Diese Einstellung bekannte dann Harry leise, aber auch sehr entschieden und strich sich mit einer Hand durch das Haar, während er seinen Sohn mit der anderen weiterhin gekonnt festhielt und mir damit die Luft zum Atmen raubte.

„Aber… aber Daphne! Alles wäre recht!“, schrie plötzlich Astoria laut und wir alle zuckten zusammen.

„Nein, schau, Astoria, betrachte den Lord, oder auch… mich!“, fuhr er mit einer unvorstellbar traurigen Stimme fort, dabei blickte er uns weiterhin unendlich abgeklärt an und löste so etwas wie bodenloses Unbehagen in uns aus.

„Was, was willst du damit sagen, Harry?“, hauchte Ron betroffen.

„Dass das, was tot ist, tot bleiben soll! Daphne wäre nie mehr sie selbst gewesen, egal was man mir erzählen will!“, meinte Harry entschieden.

Astoria schlug sich ihre Hand vor den Mund, um einen Schrei zu unterdrücken, weil alles an Harrys Haltung tiefe Überzeugung ausdrückte. Ich bewunderte ihn in diesem Moment für diese tiefgreifende Gewissheit und fragte mich dezent, unangenehm berührt, ob ich dann nicht auch hinter dem Schleier hätte verbleiben müssen.

„Aber wäre das nicht egal?“, forderte Astoria kompromisslos und sofort fasste sie Blaise fester, hielt sie eindeutig zurück, da Harrys Fokus sich nun auf sein Mündel richtete. „Es geht immerhin um meine Schwester!“

„Nein, das wäre nicht egal und es geht auch um meine Frau, Astoria!“, schüttelte Harry sichtbar betrübt sein Haupt, bevor er sich ostentativ mir zuwandte. „Sag mir, Hermione, alles hat seinen Preis, nicht wahr? Gerade auf dieser Ebene, oder? Sie wäre nie mehr meine, unsere Daphne gewesen, richtig?“, klang er zum Ende fast bettelnd, weil ich ihn bestätigen sollte. Als ich daraufhin an meine Zeit hinter dem Schleier zurückdachte, konnte ich mich nur schütteln, denn dort war nichts normal gewesen, selbst die Sonne nicht. Daphne hätte sich nie mehr selbst gehört, sondern auch mir und anderen. Ach, ich wollte mir gar nicht vorstellen, was für ein zerfetztes Wesen sie gewesen wäre, wenn es denn noch einen Körper gegeben hätte.

„Das stimmt“, flüsterte ich recht atemlos, eine Aussage, die Astoria zu mir herumwirbeln ließ.

„Du hättest sie nicht retten können?“, forderte sie inbrünstig und ich leckte mir unsicher über die Lippen. Irgendetwas tun hätte ich mit Sicherheit immer gekonnt, die Frage war nur, wollte man mit dem Endprodukt wirklich leben?

„Daphne ist auch kein Geist geworden!“, gab Blaise sehr sachte zu bedenken, da er anscheinend meine verzwickte Lage bemerkte und mir helfen wollte, was wiederum Astoria zu ihm sehen ließ. Sie funkelte ihn aufgebracht an.

„Daphne war eine starke Frau, die wusste, was richtig ist!“, kam es daraufhin heiser von Ron, der sichtlich bewegt war.

„Kein aufrechter Slytherin wird freiwillig ein Geist!“, warf Draco bestimmend ein und selbst Harry nickte dazu und ich dachte zaghaft an den vor mir flüchtenden, blutigen Baron und fragte mich dezent, warum er dann der Hausgeist der Schlangen war.

„Vielleicht konnte sie keiner werden?“, warf Astoria sehr hoffnungsvoll ein.

„Jeder kann ein Geist sein und werden, wenn er an der Schwelle ist“, informierte ich mit monotoner Stimmlage.

„Daphne hätte so etwas nie sein wollen“, brachte Harry entschieden hervor, „und deshalb, Hermione, musst du dich nicht entschuldigen. Vor allem: Was hättest du tun können? Die Explosion hat alles vernichtet, pulverisiert!“, stieß Harry sichtbar gefesselt von seinen Erinnerungen aus und wegen dieser recht plastischen Aussage keuchte Astoria getroffen auf und vergrub ihr Gesicht an Blaises Brust.

Anscheinend hatte sie keine Ahnung gehabt, dass von ihrer Schwester nichts mehr übrig war. Unterdessen war Harry noch in seinen Erinnerungen gefangen.

„Mit dem Tod sollte man nicht spielen. Wisst ihr, als mich damals der Lord aus Quirrells Kopf fragte, ob ich meine Eltern wiederhaben wollen würde, war ich zwiegespalten, aber jetzt, mit dem Wissen um die Heiligtümer des Todes, denke ich nicht, dass man mit dieser Materie spielen sollte“, ließ er seine Aussage sachte ausklingen, dabei war mir sehr wohl bewusst, dass alle Augen auf mir, dem SoulGatherer, lagen. „Das ist wider der Natur“, wiederholte er Severus‘ Worte, die er zu mir in Prince House gesprochen hatte, als er mir gesagt hatte, dass er mich niemals hätte Kinder bekommen lassen.

Wenn die beiden wüssten, wie einig sie sich in ihrer Ansicht waren.

Sofort legte sich betretene Stille über alle, erst Ron brach sie, als er sich räusperte:

„Chrm“, schenkte ihm sein Freund eine lange Musterung „Wo warst du überhaupt, Harry?“

„Später, Ron!“, maßregelte Harry Ron sehr gefasst. „Wir müssen aufbrechen, Hogwarts ruft!“, gab der sehr bedrückt wirkende Harry weiter zu bedenken und betrachtete das Kind auf seinem Schoß versonnen. Die Trennung schien ihm nicht leicht zu fallen.

In eigentümlicher Stimmung brachen wir schließlich auf, damit Draco vor der Zugfahrt noch seine Schützlinge sehen konnte und gaben Harry und den Twins und Lucien die Zeit, sich gebührend voneinander zu verabschieden.

Wir gingen also schon vor. Unterdessen kämpfte Astoria damit, die Tatsache zu akzeptieren, dass ich auch nichts am Schicksal ihrer Schwester hatte ändern können. Wobei ich hoffte, dass sie mir keine Vorwürfe machen würde, aber ich war mir nicht sicher, was ich von ihrer Seite erwarten musste.

Also warteten wir unter der Eiche.

„Schönste, sie haben es gefasst aufgenommen“, wisperte Ron in mein Ohr, „selbst Astoria ist erst in Blaises Armen in ihrem Zimmer zusammengebrochen. Sie bemühen sich alle sehr“, versuchte er leise, während er sich zu mir beugte, die anderen zu verteidigen.

„Du dich auch!“, versuchte ich Rons innerliche neue Ruhe nachzuvollziehen.

„Sie war eine enge Freundin, die Frau meines besten Freundes, ich mich auch, ja!“, gab er unumwunden zu, dass ihn ebenfalls der Verlust tief traf.

„Denkst du, Harry wird das überstehen?“, wisperte ich sehr besorgt, woraufhin mir Ron lange mit seinen so blauen Augen entgegensah.

„Nein, es ist wie bei Sirius, es wird ihn immer begleiten!“, schüttelte er unendlich traurig sein rotes Haupt. „Er musste schon so viel in seinem Leben hinter sich lassen, seine Eltern, seinen Paten, nun seine Frau, denkst du, er wird es aushalten?“

„Er muss es aushalten… solange…“, setzte ich an und wurde dann doch unterbrochen.

„Solange er uns hat?“, fasste Ron sinnig nach.

„Ja, solange er uns hat, wird er es aushalten“, nickte ich überzeugt.

„Aber stärker wird er dadurch nicht“, räumte er sichtbar besorgt ein.

„Aber es wird ihn nicht schwächer machen!“, kam es vehement von mir und ich ballte die Hände zu Fäusten.

„Nein, eher härter, Schönste, so wie du auch immer!“, murmelte der sichtbar wenig begeisterte Ron.

„Ach, Ron“, wollte ich bekümmert antworten, als man mich unterbrach.

„Da kommt er!“, rief Blaise und damit richtete sich unsere Aufmerksamkeit auf den mit festen Schritten auf uns zu haltenden Harry.

„Okay, Liebling, ich gehe mit Blaise und Astoria zuerst, denn ich muss schauen, dass der Transport einwandfrei funktioniert!“, wandte sich Draco mir gefasst wirkend zu und ich nickte eilig.

„Natürlich!“, lehnte ich mich zu ihm und er küsste mich sachte auf die Stirn, bevor er mit den anderen beiden verschwand.

„Und Kumpel, wie geht’s?“, versuchte Ron eine gespielte Lockerheit zu zeigen, aber er erntete verdrießlich verzogene Mundwinkel.

„Doofe Frage, Ron!“

„Du weißt, was er meinte, Harry!“, mahnte ich sachte, da Ron sichtbar unter dem Rüffel zusammengezuckt war.

„Ach, das weiß ich doch, aber die Twins derart unnormal ernst zu sehen, ist nicht leicht!“, bekannte Harry missmutig und strubbelte sich genervt durch sein Haar. „Das macht alles noch realer!“, versuchte er sich zu verteidigen und machte uns damit sprachlos.

„Kommt!“, forderte er dann übergangslos und wir sprangen ihm hinterher.

Hermiones Sicht Ende

Dracos Sicht

Ich fühlte mich mies. Da war die Person von uns gegangen, die mit am besten geschützt und aus der Öffentlichkeit verbannt worden war. Dies war ein Versagen, ein ultimatives Versagen, das mir persönlich erstaunlich nah ging.

Auch wenn ich versuchte, es niemandem zu zeigen, schließlich saß meine recht kühle Maske perfekt, denn es widerstrebte mir, offen zuzugeben, dass ich das Gefühl hatte, mein Wort gebrochen und Daphne nicht genug beschützt zu haben, um sie vor diesem viel zu frühen Ende zu bewahren. Wie auch immer, es half alles nichts, also lenkte ich meinen Blick auf das was nun anstand. Während ich das Gewusel vor unserem Abteil wahrnahm, dankte ich allen Magiern, dass wir alleine hier drinnen waren. Blaise war unterwegs und so saßen nur Astoria und ich hier und schwiegen uns gegenseitig an.

Ich betrachtete, das junge Mädchen, nein, ab nun junge Frau nachdenklich und bemerkte, dass sie sehr blass, dünn und mitgenommen aussah, aber sie versuchte krampfhaft, die Fassade zu wahren. Ein Umstand, den ich ihr hoch anrechnete, denn keine Träne war in ihren grünbraunen Augen auszumachen.

Während ich also die bemüht tapfere Frau vor mir musterte, ratterte es in meinem kalkulierenden Hirn, das ich sehr wohl von meiner Familie vererbt bekommen hatte, und ich wusste, dass ich mit Daphne einen großen Teil meiner Versicherung in die Zukunft verloren hatte.

An sich war es zu ärgerlich, dass wir sie verloren hatten!

Natürlich blieb ich weiterhin Luciens Pate und rückte hier sogar, zu meinem Leidwesen, mehr in die Pflicht, aber trotz allem fehlte eine entscheidende Komponente der Dankbarkeit, die stets ein Gehör bei Potter sicher gehabt hatte. Ich visierte immer fester Astoria an.

Potters Schwägerin, die Tante von Lucien und auch jetzt noch, bis auf weiteres, da sie keine Eltern mehr hatte und ihre Schwester tot war, Harry Potters persönliches Mündel!

Sie war eine adäquate Lösung für mein nun auftretendes Problem und das Bindeglied, das es einzufangen galt.

„Astoria, wir müssen reden“, fing ich kurzentschlossen meine so gewichtige Rede an und erntete große überraschte Augen, in denen bei jedem weiteren Wort meines Monologes immer mehr der Unglaube Einzug hielt.

„Draco! Das ist doch bitte nicht dein Ernst? Oder?“, hauchte sie sichtbar entsetzt, nachdem ich geendet hatte.

Sie schnappte hektisch nach Luft, während sie sich gerade erschrocken eine Hand vor den Mund schlug, wie um jede weitere Aussage zu unterdrücken.

„Warum nicht? Und warum bist du derart überrascht? Wir haben darüber schon gesprochen“, fragte ich leicht indigniert.

„Warum? Das fragst du gerade nicht wirklich! Ich meine, ich bin ich, ich bin nur Astoria…“, stotterte sie wenig eloquent und kaute unruhig auf ihren Lippen herum, während ich bedächtig mein Haupt schüttelte.

„Du - nur - Astoria“, zog ich sie milde auf, was mir einen unwirschen Blick einbrachte. „Schau nicht so, du bist Astoria, ein Mitglieder der Connection, ein Mitglieder der DA und BL, eine Vertraute von mir und auch noch vieles mehr“, bei meiner Aufzählung stand ihr der Mund plötzlich weit offen.

„Ja, aber, aber das sind andere auch… fast…“, quiekte sie recht leise zum Schluss hin, denn dass sonst niemand außer Blaise aus dem Haus der Schlangen mehr in der Connection war, konnte sie nicht bestreiten.

„Wie schön, dass es dir selbst auffällt. Du bist prädestiniert!“, stellte ich recht überheblich fest und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Ich bin zu jung!“, gab sie leise zu bedenken.

„Finde dich damit ab und so jung auch nicht mehr, du gehst ab nun in die fünfte Klasse!“, schmetterte ich ihren Einwand geschickt ab, gleichzeitig wollte ich nicht erwähnen, dass sie gereifter war durch ihre Erlebnisse.

„Draco, bleib realistisch, sie werden mich nicht akzeptieren!“, begehrte sie entschieden auf und vergaß darüber ihren Kummer um ihre ältere Schwester, denn nun wirkte sie sehr energisch.

„Dann sorge dafür, dass sie es tun werden!“, entgegnete ich recht mitleidlos und zeigte mich entschieden.

Ich ließ mich keine Sekunde aus meiner Ruhe bringen, meine Entscheidung war gefallen und damit nicht mehr umzukehren.

„Draco, das ist Irrsinn, ich bin nicht wie DU!“, rief sie erregt.

Daraufhin schenkte ich ihr nur ein maliziöses Lächeln und sie schnaubte mehr als abwertend bei meiner überheblichen Haltung.

„Ich bin auch nicht wie dein Vater, Snape, oder der Lord, geschweige denn Lestrange!“, stieß sie regelrecht hektisch hervor in ihrer Aufzählung.

„Damals war sie eine Black!“, warf ich generös ein, worauf sie abfällig schnaubte und hilflos mit ihren Händen in der Luft rum wedelte.

„Ich bin aber auch nicht Hermione!“, warf sie zum Schluss vorwurfsvoll, aber auch hoffnungsvoll ein und wirkte alles andere als erfreut wegen der Erwartungen, die ich in sie setzte.

„Astoria…“, lächelte ich milde, „das bist du wahrlich nicht, das ist niemand! Und das sollst du auch nicht sein, das könntest du gar nicht!“, wirkte sie wegen meiner Feststellung nicht wirklich getroffen, eher so als würde sie hoffen, dass ich jetzt einsah, dass ich unmögliches von ihr forderte.

„Aber sie könnte es!“, beharrte sie daher stur und schob dabei ihre Unterlippe störrisch vor.

„Natürlich könnte sie es, aber es hilft uns nicht, da sie auch nicht da sein wird. Du wirst die einzige, die letzte von uns sein, damit wirst du dich abfinden müssen!“, wirkte sie von Minute zu Minute blasser, während ihr die Erkenntnis dämmerte, dass sie irgendwann wirklich ganz alleine sein würde.

„Draco, das… das kann ich nicht!“, stotterte sie bestürzt. Ich zweifelte, dass sich dies allein auf meine Forderung bezog. „Diese Verantwortung!“, rief sie erregt und als sie diesen letzten Einwurf brachte, der so klang, als würde ihr dämmern, dass diese Verantwortung auch eben die Einsamkeit vertreiben würde, wusste ich, dass ich sie fast hatte.

Niemand, der nicht wirklich wollte, würde sich über derartige Dinge wie „die große Verantwortung“ Gedanken machen. Plötzlich runzelte sie die Stirn, um danach zu ihrem letzten Schlag auszuholen. „Und hinzu kommt, Daphne hätte dies nie gewollt und auch nie unterstützt!“

„Denkst du, dass mich das interessiert hätte? Außerdem wusste sie sehr gut, wozu du fähig bist und dass du anders bist als sie. Also, warum nicht?“, fragte ich sehr von oben herab und schnalzte bei diesem mehr als armseligen Versuch, sich hinter ihrer toten Schwester zu verstecken, verächtlich mit der Zunge, währenddessen schlang sie ihre Arme um sich als wäre ihr kalt.

Nach diesem Schlagabtausch wirkte sie sprachlos und schwieg lange Zeit, dabei musterte sie mich nachdenklich, bevor sie erneut ansetzte, sich nervös über die Lippen leckte.

„Es hätte dich interessieren sollen…“, gab sie gehaucht leise, mit großem Bedauern zu bedenken und ich runzelte widerwillig die hohe Stirn und wog genau ab.

„Hätte ja, aber ich bin nicht derart veranlagt, Astoria, dafür werde ich mich nicht entschuldigen und auf der anderen Seite hat sie dich immer zu sehr behüten und beschützen wollen. Ich tue dies nicht. Ich erkenne das Potential, das in dir schlummert, und sehe nicht ein, dies verkümmern zu lassen. Wir müssen das für uns nutzen“, schmeichelte ich ihr ungeniert, was ihr eine leichte Röte in die bisher doch recht blassen Wangen trieb. „Und jetzt unterbrich mich bitte nicht, denn es stimmt und das weißt du, wenn du ehrlich bist! Du möchtest nicht das werden, was Daphnes Ziel in ihrem Leben war… Mutter und Ehefrau…“

Diese Feststellung wog gar schwer, denn es stimmte, in Daphnes zu kurzem Leben hatte diese all jenes erreicht, was sie sich gewünscht hatte, so schnöde wie es sich anhörte, so richtig war es jedoch. Letztendlich hatte ihr aber die Freiheit gefehlt, denn der Krieg hatte sie auf besondere Weise eingesperrt und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ein regelrecht bedrückendes, aber auch gewichtiges Schweigen legte sich über uns und begleitete uns selbst noch in den Kutschen, die uns ratternd zum Schloss fuhren.

Ich blickte selbstvergessen auf das leuchtende und strahlende Schloss, das sich trotz allen Unbills würdevoll und stolz aus der Dunkelheit der Nacht erhob und auf uns herab strahlte. Nichts schien auch nur einen dunklen Schatten auf das alte Gemäuer zu werfen und ich fragte mich, was diese Trutzburg schon alles in ihrer 1000-jährigen Geschichte erlebt hatte.

Ich stöhnte leise und strich mir eine vorwitzige Strähne aus der Stirn, als wir ruckelnd anhielten und ich ganz der Gentleman Astoria den Arm reichte und ihr hinaus half, bevor wir uns der schnatternden Schar unserer Kameraden anschlossen.

Jetzt gesellte sich auch sichtlich mitgenommen, geschafft und gestresst Blaise zu uns, der gewissenhaft als meine Rechte Hand alles erledigt hatte. Es war schön, zu sehen, dass er uns alles vom Hals hielt, während wir beide auf ganz unterschiedliche Art und Weise und aus unterschiedlichen Gründen trauerten.

Selbst als wir nun das Portal durchschritten, konnten wir uns nicht aufraffen, etwas zu sagen. Astoria seufzte nur immer wieder, als läge die Last der Welt auf ihren Schultern, was mir einen fragenden Blick von Blaise, der besorgt war, einhandelte, doch ich rollte nur theatralisch mit den Augen.

„Was ist los?“, wisperte er mir beunruhigt zu, während wir uns in dem unübersichtlichen Getümmel der Schüler auf unsere Plätze am Haustisch setzten.

„Frauen“, nuschelte ich wenig begeistert zurück und zog die Schultern hoch. Ich wollte Blaise in meine handfester gewordenen Pläne noch nicht einweihen, da ich mir absolut nicht sicher war, was für einen Standpunkt er in dieser Hinsicht mittlerweile vertreten würde.

Wobei ich bemerkte, dass ich ihn nicht wirklich überzeugen konnte, deshalb bedeutete ich ihm, dass ich es später in meinen Räumen erläutern würde und so wandte er sich zufrieden ab.

Sofort richtete ich meinen Blick der Empore zu und registrierte Severus‘ schwarze, alles vereinnahmende Persönlichkeit an seinem neuen Platz in der Mitte.

Dort saß er nun, als neuer Herrscher!

Es war durchaus als beeindruckend zu bezeichnen, wie er es schaffte, mit seinem kühlen, unbewegten Blick absolute Angst und Schrecken zu verbreiten und das sowohl bei den mit recht blassen und verbiesterten Mienen dasitzenden Lehrern, als auch bei den furchtsam zu ihm aufblickenden Schülern.

Plötzlich visierten mich diese tiefschwarzen Augen an und ich lüpfte ob dieser ungewöhnlichen Besetzung der neuen Lehrerposten eine Braue. Darauf erntete ich ein fast nicht zu erkennendes, amüsiertes Schmunzeln und neigte leicht meinen Kopf.

Seine Wahl war eigenwillig, aber durchaus nachzuvollziehen, wenngleich er niemanden von uns eingeweiht hatte, das erkannte ich soeben an Hermiones Reaktion, die in diesem Moment auf dem Weg zum Gryffindortisch stoppte und kurz mit sichtlichem Widerwillen zu den Erwählten schielte und ihr Glück oder auch Unglück gar nicht fassen konnte.

Ich verstand sie, denn unter den Frauen der DeathEater war Hermione nach ihrer Aktion mit der alten Greengrass wahrlich nicht gut angesehen und ihre anhaltende Fehde mit Bellatrix trug auch nicht zu ihrer Beliebtheit bei. Und letztendlich nannte man die Leute in ihrem Team schon Todestrupp, aufgrund seines natürlichen aber vor allem stetigen Schwundes. Kurz gesagt, sie hatte nicht den besten Ruf. Ja, eine Frau aus diesem erlesenen Kreis war Hermiones natürlicher Feind und nicht ihr Freund.

Gewöhnlich herrschten dort unter den Frauen ein gewisser Zusammenhalt und eine Kameradschaft, die man Hermione von vorn bis hinten absprechen konnte!

Natürlich fing sie sich schnell, fast sofort ließ sie sich nichts mehr anmerken und setzte sich auf die Bank. Ich beobachtete alles genau, während ich mich des Gefühls nicht erwehren konnte, dass nichts mehr so war, wie es sein sollte. Irgendwie strahlte Hogwarts nicht mehr die beschützende, wohlige Atmosphäre wie früher aus.

Ein fast schaler Geschmack der Wehmut überrollte mich, es war unglaublich, aber wahr, ich vermisste den alten, verwirrten und verrückt wirkenden Dumbledore dort oben und ich schien nicht der einzige zu sein, der so fühlte. Auch unsere Kameraden wirkten unsicherer und schienen sich unwohl zu fühlen, die frühere Leichtigkeit fehlte.

Soeben schlugen die Flügeltüren auf und McGonagall führte nun die verschüchterten und schrecklich klein wirkenden Erstklässler herein. Ich vernahm nur oberflächlich die Einteilung der Neuen auf die Häuser, da es mich nicht wirklich interessierte.

Nach dem letzten Schüler ruhte der Hut auf dem Schemel und plötzlich, als McGongall ihn gerade wegbringen wollte, riss er seine Krempe auf und stimmte sein eigentlich übliches, aber jedes Jahr neues Lied an, das mich dann doch aufhorchen ließ:

Nebel ziehen düster auf,
Im Schatten lauern Schrecken.
Das Böse wartet schon darauf
Sich nicht mehr zu verstecken.

Gryffindor und Slytherin,
Im lang geführten Krieg,
Sind verfeindet ohne Sinn.
keinem gebührt der Sieg.

Verbündet im Geheimen,
Gegen wohlbekannten Feind
Sich miteinander einen. 
Nichts ist, wie es scheint!

Schüler, die nicht tatenlos,
Führer, Krieger, Denker,
Sie lernen, kämpfen pausenlos
Des Schicksals stille Lenker.

Schlangen herrschen ohne Reue
Sind fortan an der Macht
Wer nicht versichert seine Treue
Versinkt in dunkler Nacht.

Das lang verhasste größ’re Wohl
Schon ewig folgen sie ihm nach
Doch klingen diese Worte hohl
Für jeden, der schon d’ran zerbrach.


Doch selbst wenn Mauern brechen
Und Böses dringt herein,
Hält Hogwarts sein Versprechen,
Der Schüler Hort zu sein.

Wenn in düst’rer Zeit,
Das Schicksal sich erfüllt
Und neue Einigkeit
Die Zukunft dann enthüllt

Schicksal erfüllt... Zukunft enthüllt

Die letzten Töne des sprechenden Hutes verklangen gewichtig und bei völliger Stille der Anwesenden Schüler und Lehrer!

Ich schluckte unwohl aufgrund des bedeutungsschweren Textes und suchte ihren Blick über die Tische hinweg. Unsere Blicke verbanden sich in stummem Verstehen. Wenn das mal keine Ansage war, was dann?

Dracos Sicht Ende

Hermiones Sicht

Das war die schrecklichste Anreise, die ich je erlebt hatte!

Wir hatten uns nicht aufraffen können zu reden, sondern nur aus dem Fenster gestarrt. Schweigen konnte schrecklich schwermütig machen.

Selbst die gewohnte Brigade des Ordens, die uns am Bahnsteig empfing, änderte nichts an unserem Schweigen. Die ganzen offenen Fragen blieben unbeantwortet, da sich keiner dazu bringen konnte, sie zu stellen.

Als wir gemeinsam das nun „neue“ Hogwarts betraten, nahmen wir die langen Reihen der sitzenden Schüler wahr, die alle recht stumm und verschüchtert an den langen Tischen saßen und mit mulmigem Gefühl zur Empore hoch starrten.

Zu vernehmen war das beständige, sehr leise und sehr vorsichtige Wispern, das wie ein Summen durch die Halle raschelte. Es war nicht mehr wie früher laut und lebhaft und jeder musste erkennen, dass dies eben nichts mehr mit dem charmanten, unbelasteten Flair des „alten“ Hogwarts gemein hatte.

Selbst ich konnte nichts gegen meine Überraschung tun und stoppte abrupt, blieb urplötzlich im Gang stehen und starrte mit Widerwillen auf Alecto und Amycus Carrow. Das war eine gelungene und wenig angenehme Überraschung und ich schluckte widerwillig. Wie nett, dass Severus uns diese Konsorten präsentierte.

Er hatte mir nicht sagen wollen, wer die zwei offenen Posten belegen würde, aber mit diesen beiden hatte ich nicht gerechnet und jetzt verstand ich auch, warum er es bevorzugt hatte, zu schweigen. Man musste Severus kennen, um zu wissen, dass er es sich schlicht hatte ersparen wollen, von mir genervt zu werden.

Na toll, Alecto mochte mich nicht, sie war mit der Warringtonschlampe und Greengrass‘ Frau befreundet gewesen und verstand sich auch mit Bellatrix gut, oh Wunder, und folglich schlecht mit mir und mit Amycus hatte ich bisher so gut wie nichts zu tun gehabt, aber ich fühlte ihrer beiden Augenmerk beständig auf mir liegen und abwägen.

Ich schüttelte dieses Gefühl, beobachtet zu werden, ab. Sie waren ab nun Professoren, die hier das Sagen hatten und ich nur eine Schülerin, die auf sie zu hören hatte, während ich hingegen in den Rängen der DeathEater mehr als diese beiden zu sagen hatte.

Das war eine prekäre Situation, die bestimmt noch zu Widrigkeiten und Konflikten führen würde.

Als mein freudloser Blick auf den Platz des Schulleiters fiel, konnte ich Severus in seiner schwarzen Pracht ausmachen, alles vereinnahmend hinter dem üppigen, goldenen Eulenständer, mit seinen dramatisch weit ausgebreiteten Schwingen und den halbabgebrannten Kerzen. Es war ein fremdes Bild, denn anders als sein Vorgänger, der mit einem gütigen Lächeln und Rauschebart in einem bunten Gewand vor den Kindern dagestanden hatte, hielt Severus mit verschränkten Armen und mürrischem Blick dahinter Hof und verbreitete gekonnt Angst und Schrecken unter den Schülern.

Die Lehrer an der langen Tafel dahinter selbst versprühten auch nicht den gewohnten, gute Laune Esprit, sondern eher die Atmosphäre als würden sie gezwungen werden, zu unterrichten. Die Stimmung war kurzgesagt als mehr als mies zu bezeichnen.

„Du kennst die Typen?“, wisperten Ron und Harry zum ersten Mal, seit wir den Zug bestiegen hatten, mir neugierig zu und ich wäre nicht zynisch gewesen, wenn mir ein verächtliches Schnauben entwichen wäre. Anscheinend hatten selbst Ron und Harry bemerkt, wie freundlich und erfreut wir uns maßen.

Wir nahmen Platz und zwar ganz am Ende der langen Bank, um später ganz rasch aus der Halle verschwinden zu können, wenn die Zeremonie vorbei war. Das nannte man Weitsicht, oder auch schlicht den Trieb zur Flucht!

„Ja!“

„Freunde von dir?“, wagte Ron ein zaghaftes Grinsen, das ihm schrecklich misslang.

„Tja, wenn du wissen willst, ob sie ein gewisses, sie schmückendes Mal haben, dann JA!“, meinte ich auch schon recht nüchtern und beide Jungs verzogen ihre Mundwinkel.

„Warum diese?“, fragte Harry mit großem Bedacht, warum Severus dieses Geschwisterpaar berufen hatte, während er den Blick von der Empore nahm, um mich unglücklich anzusehen.

„Das überlege ich auch gerade. Ich wusste nicht, wen er wählt, aber unter der Auswahl, die er hatte, ist es keine allzu schlechte Wahl…“, murrte ich widerwillig.

„Sie stehen nicht so hoch?“, hakte Ron leise kalkulierend nach.

„Hoch… aber nicht hoch genug!“, gab ich ihm nickend recht.

„Also hat er sie im Griff?“, fragte Harry hoffnungsvoll, woraufhin ich die Schultern hochzog.

„In Maßen. Erhofft euch nicht zu viel, er muss das Gesicht wahren“, dämmte ich die Erwartungen in Severus‘ Wohltätigkeit eilig ein und erntete leise Seufzer, denn was immer man hoffte, Severus würde niemals zu viel für andere tun, dafür stand er sich selbst zu sehr am nächsten.

„Was für Aussichten“, „Deprimierend“, „Ich bin mir sicher, die provozieren, wo sie können“, „Mit Sicherheit, das Weib sieht degeneriert aus!“

„Solange man nicht auffällt, sollte man Untertauchen können“, gab Harry nicht wirklich überzeugt von sich.

„Du meinst, das gelingt, Harry?“, zweifelte Ron daher auch wahrlich nicht aufmunternd.

„Jaaaaaaa… es wird kein Kinderspiel…“, gab ich wehleidig zu.

Die Erinnerungen an Umbridge und wie fabulös es Harry ihr gegenüber gelungen war, sich im Hintergrund zu halten, überschwemmten mich, somit verfielen wir wieder in brütendes Schweigen. Harry, Ron und mir stand die Sorge ins Gesicht geschrieben, weil Harry die Gabe hatte, immer ungewollt im Mittelpunkt zu stehen und das seit geschlagenen sechs Jahren.

Missmutig und nachdenklich besah ich mir die Reihen meiner Mitschüler und konnte sagen, dass gut die Hälfte, wenn nicht sogar mehr, sich bisher in Irland getummelt hatten, aber die Lockerheit und Lässigkeit, die sonst in der Burg vorgeherrscht hatte, war hier nicht mehr zu bemerken.

Alle wirkten starr und verschüchtert. Niemand wagte es, sich groß an- oder gar umzusehen. Dabei bemerkte ich erst jetzt, dass Ginny, Neville, Padma, Hannah und alle anderen Harry, Ron und mich sehr wohl wie die Pest mieden.

Warum? Sonst hielten sich unsere Kameraden nie derart taktvoll zurück!

Doch plötzlich verstand ich einer Eingebung folgend, was das nur bedeuteten konnte und so sandte ich Draco über die Reihen der anderen hinweg einen dankbaren Blick. Natürlich bemerkte er ihn und nahm ihn sehr wohlwollend zur Kenntnis, dabei bestätigte er meine Annahme, dass er dafür gesorgt hatte, dass uns niemand störte, denn anscheinend hatte er alle angewiesen, uns in Ruhe zu lassen.

In dieser Zeit lief die Auswahl und da fiel mir auf einmal ein, dass ich Severus bisher nicht offenbart hatte, was mit Daphne geschehen war.

Müsste er diese Schülerin nicht schon bald vermissen? Aber dann dachte ich mir ganz wagemutig, nachdem ich einen kalkulierenden Blick von ihm auffing, wie er Astoria maß, dass Lucius das anscheinend schon erledigt und ihn informiert hatte.

Diese beiden waren einfach unschlagbar, wenn sie zusammenhielten.

Das Einsortieren des Hutes ging getrost an mir vorbei und erst das aussagekräftige und doppeldeutige Lied holte mich aus meiner Versunkenheit. Ich blinzelte berührt zu Draco und tauschte wieder einen langen Blick mit ihm. Gespannte, fast schon unheimliche Stille legte sich über uns.

Dieser doofe Hut!

Am liebsten würde ich ihn entzünden, aber das schien noch einer ähnlich zu sehen, denn Severus, der, anders als Dumbledore, die Zeremonie stehend hinter seinem beeindruckenden Pult verbracht hatte, versuchte nun, von dem Hut abzulenken.

Er hob seine bisher verschränkten Arme aufmerksamkeitsheischend und legte mit wehender Robe seine Hände an das Gold der Eule. Sofort verstummten alle.

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Kapitel 479-480
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