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 Kapitel 481-482

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queenie
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BeitragThema: Kapitel 481-482   Di Sep 30, 2014 6:38 pm

480. Kapitel Ausgeschlossen


„Willkommen!“, rief Severus mit dieser berühmt berüchtigten Stimme, die mir einen Schauer über den Rücken sandte und andere zu Tode ängstigte über die Halle hinweg.

„Willkommen zu einem neuen Jahr in Hogwarts!“, übernahm er bisher die Worte von Albus. „Bevor wir mit unserem Bankett beginnen, möchte ich noch ein paar mahnende Worte an sie, meine Herrschaften, richten: Wie immer ist es ihnen strengstens verboten, als Schüler den Wald zu betreten!“, legte er eine eindringliche Kunstpause ein und musterte jeden Haustisch kritisch und niemand wagte es, ihn anzusehen, bevor er zufrieden fortfuhr. „Das Zaubern in den Gängen ist untersagt!“, erzählte er uns jetzt nicht wirklich etwas Neues, aber an einem gewissen Funkeln in seinen so düsteren Augen machte ich aus, dass da durchaus noch etwas kommen sollte.

„Muggelkunde ist nun ein Pflichtfach…“, hauchte er eindringlich und ich verkrampfte, denn diese Information war gar nicht gut.

Ich hatte dieses Fach als unnötig abgewählt und mich vorhin noch in Sicherheit gewogen, dass ich einen der Carrows umgehen und gut meiden konnte.

Die Tatsache, dass sowohl ich als auch Harry ihr nicht entkommen konnten, löste ein Magengrimmen in mir aus. Diese Aussage traf allgemeinhin auf wenig Gegenliebe und ein leises, aber doch sehr vorsichtiges Murren des Unwillens setzte ein, von dem sich Severus nicht wirklich aus der Ruhe bringen ließ.

„Nun möchte ich ihnen die neue Professorin dieses Faches, Alecto Carrow, vorstellen sowie den Professor für Verteidigung gegen die Dunklen Künste, Amycus Carrow!“, deutete er in einer fast wegwerfenden Geste hinter sich, dabei drehte er sich aber nicht um, ein Zeichen, dass sie auf ihre Plätze verwies, während die Erwähnten huldvoll das Haupt neigten, wobei ihnen wenig Enthusiasmus von Seiten der Schüler entgegengebracht wurde.

„Dazu übernimmt Professor Carrow auch den Posten meines Stellvertreters!“, verpasste er uns mit einer schnarrenden Öligkeit den nächsten Tiefschlag. Erschrockene und schockierte Reaktionen folgten.

Sofort huschten die Augen aller zu McGonagall, die mit mehr als verkniffenen Lippen dasaß und versuchte, die zum Teil mitleidigen Blicke stoisch zu übersehen, während die Geschwister Carrow nicht im Ansatz ihre gehässige Bosheit verbargen.

Und erst als sich wieder eine lastende, sehr bedrückende Stille über die Halle legte, die es bei Dumbledore noch nie so gegeben hatte, erhob Severus nochmals seine Stimme. Hierbei spielte er gekonnt sein düsteres Gebaren aus, das er auch bisher in seinem Unterricht an den Tag gelegt hatte, auf dass es niemand wagte, auch nur im Ansatz aufzumucken.

„Der Termin für die Quidditch-Auswahl ist in 14 Tagen, Anmeldungen bei Madame Hooch“, beendete er auch dies resolut, nur war sein Gesichtsausdruck brandgefährlich, während er uns musterte.

Unter diesem Blick duckte sich der ein oder andere unwohl. An sich müsste seine Rede beendet sein, aber es wirkte nicht so, als wollte er uns entlassen, denn nun kräuselten sich seine Lippen zu einem diabolischen Lächeln, das martialisch anmutete.

„Oh, und noch eines, meine werten Schüler“, raunte er düster, „ich denke, es überrascht sie nun nicht wirklich, dass ich der neue Direktor von Hogwarts bin und ich denke, sie kennen mich gut genug um zu wissen, ich erwarte strikte Disziplin und Ordnung!“, schnarrte es ölig daher und es überlief die Schüler eine Gänsehaut, die sie sichtbar schüttelte.

„Es gelten nun neue… MEINE… Maßstäbe für Hogwarts!“, dröhnte seine erhobene Stimme von den ehrwürdigen Hallen von Hogwarts wider und es klang so sanft und eindringlich, wie eine seidige Drohung, die uns allen in ihrer Ernsthaftigkeit durch und durch ging.

Es würden gar sehr düstere und schwere Zeiten auf die Schüler von Hogwarts zukommen!

Hermiones Sicht Ende

Severus Sicht

„Soll ich dir applaudieren?“, wollte sie abfällig erfahren.

Mein Augenmerk lag derweil auf ihrer Gestalt, wie sie lässig in ihrer braven Schulkleidung mit einem angezogenen Fuß an der Wand lehnte und mich aus unleserlichen Augen mit verhaltenem Amüsement anfunkelte.

„Was hast du hier zu suchen?“, meinte ich recht barsch.

Ich wollte nicht wissen, was passierte, wenn sie gleich zur Ausgangssperre den Carrows in die Arme lief, die sich um diese erste Patrouille fast schon auf beschämende Art und Weise gerissen hatten.

„Dich?“, stellte sie eine sehr theoretisch klingende Frage, derer es keiner Antwort bedurfte.

„Komm!“, verkündete ich daraufhin mürrisch und drehte auf dem Absatz ab.

„Wohin? Du hast mir nicht verraten, wo du nun lebst. Muss ich immer ins Büro, um in dein Reich vorzudringen?“, fragte sie plappernd und ich stockte gedanklich kurz. Wenn ich mir die tadelnden Blicke der Portraits vorstellte, graute es mir, und daher schüttelte ich in Widerwillen das schwarze Haupt.

„Wäre ja noch schöner!“, gab ich somit mit einem Schnauben von mir und eilte durch den Geheimgang, der den sechsten Stock mit dem Kerker verband und sie folgte mir, während ich den Weg zu meinen alten Räumen einschlug.

„Wie geht das?“, fragte sie auch schon neugierig, als wir hineingingen. Sie krabbelte heimelig auf die Couch und ich hob sachte wegen ihrer relaxten Art sich zu geben eine Braue.

„Wie wohl? Magie, es gibt zwei Zugänge, hier, wo er immer war und über das Büro…“, verkündete ich wenig enthusiastisch auf ihre Frage hin.

Meine Laune war nach dem unguten Start im Lehrerzimmer nicht wirklich gestiegen. Die ängstlichen und furchtsamen Blicke der Schüler und die misstrauischen und abwägenden der Professoren trugen nicht zu einer Stimmungsaufhellung bei. Mir selbst gefiel die neue Atmosphäre gar nicht. Hogwarts hatte sich sofort gewandelt und ich wusste selbst nicht, ob es mir gefiel, wie sich die Schule nun gab!

Sie hatte einen Teil ihres wohligen Charmes als Heim eingebüßt und dafür umgehend den Hauch einer Drillanstalt angenommen.

„Deine Stimmung ist gigantisch“, riss sie mich aus meinen trüben Gedanken, da ich im Satz abgebrochen hatte, um uns beiden einen herben Rotwein einzuschenken und mit dem großen Glas auf sie zuging.

„Was erwartest du? Die Laune aller ist mies“, gab ich knapp zurück.

„Mhm… da hast du nicht Unrecht“, schimmerte durch ihren heiseren Ton mit durch, dass es ihr aufrichtig nicht gut ging und ich wurde sofort hellhörig. „Andere Frage, wo war dann Dumbledores zweiter Zutritt?“, fragte sie wissbegierig, als sie sich augenscheinlich gefangen hatte. „Wo hatte er seine Räume?“

„Woher soll ich das wissen?“, hob ich fragend eine Braue.

„Du hörst dich grummelig an!“, kommentierte sie salopp, während ich mein Glas anhob, um den tiefroten, herben Rebensaft zu trinken. Missmutig schluckte ich und überlegte, ob ein Drink nicht die bessere Wahl gewesen wäre und da ich nicht reagierte, redete sie munter weiter:

„Ich verstehe dich nicht, lief doch alles bestens.“ Von meiner Seite aus unerwünscht kommentierte sie meine Stimmung und ich schüttelte aufgrund ihrer Kaltschnäuzigkeit nur das Haupt.

Wie konnte sie behaupten, dass alles bestens lief? Früher war Hogwarts ein Zuhause für die Schüler gewesen, augenblicklich verglich ich es eher mit einem Gefängnis. Als ich mich setzte, um meinen wohlverdienten Schluck zu mir zu nehmen, kam ich ins Schlingern, denn schon war sie in einer fließenden Bewegung auf meinem Schoß und schnappte nach dem Wein, um selbst an meinem Glas zu nippen.

„Hey!“, rief ich wenig begeistert aus, umfasste aber wie selbstverständlich ihre Hüfte und zog sie bequemer auf meinem Schoß zurecht. „Was fällt dir ein?“, beschwerte ich mich mürrisch.

„Du hast mir nichts eigenes mitgebracht und ich brauch einen Schluck!“, begehrte sie eingeschnappt auf und ich verengte die Augen zu Schlitzen wegen ihrer Dreistigkeit, dabei konnte ich mich aber nicht dazu aufraffen, sie zur Strafe auf den Boden zu schubsen.

„Die Schüler von Hogwarts haben einfach keinen Respekt vor Autoritätspersonen!“, verkündete ich sofort und sie schnaubte wenig manierlich in mein Glas, während sie gierig den ausgesuchten Wein in sich schüttete.

„Als ob du eine astreine und unantastbare Autoritätsperson bist!“, meinte sie dann auch schon ohne zu zögern viel zu spöttisch in meinen zarten Ohren, dabei spielte sie wenig subtil auf unsere, an sich verbotene, Liaison an, was mich missmutig die Zähne fletschen ließ. Unterdessen wanderte meine Braue in die Höhe. Warum Worte oder Gedanken verschwenden, wenn eine hochgezogene Augenbraue als Statement genügte? Plötzlich rutschte sie nervös auf meinen Schoß herum.

„Okay, sag mir lieber, warum es Amycus sein musste?“, jammerte sie plötzlich viel zu quietschig und riss mich aus meiner Selbstvergessenheit.

„Weil kein Depp den Posten des Lehrers für die Verteidigung machen wollte, unter dem Aspekt, dass es immer sehr fraglich ist, welches Ende der Person am Ende eines Jahres droht“, entgegnete ich rüde und riss ihr nun das halbgeleerte Weinglas aus der Hand.

„Du weißt, wie das enden wird“, warnte sie betrübt und schielte schon wieder zu meinem wertvollen Wein, den es zu verteidigen galt.

„Du, mein Biest, wirst dich am Riemen reißen. Es gilt die Form zu wahren“, drohte ich seidig, bevor ich das Glas genüsslich an meinen Mund führte und das Bouquet des herben Saftes genoss.

Wobei ich ihr gegenüber gerecht genug war, zu wissen, dass sie die Wahrheit und nichts als die Wahrheit sprach. Natürlich bemerkte ich ihr Hadern, denn nun spielte sie überlegend mit den Spitzen meiner langen Haare, bevor sie sich mit ihrer vorwitzigen Zungenspitze über die Lippen leckte.

„Warum die Geschwister als Doppelpack? Du hast Alecto in deiner Erklärung nicht erwähnt“, versuchte sie, in einem mehr als schwachen Versuch, abzulenken.

„Weil du immer unterbrichst und ganz einfach, Amycus wollte nicht alleine gehen, seine Bedingung war die Begleitung durch seine Schwester!“, schüttelte ich mich und damit auch mein Haar, sodass ihre Finger von meiner Strähne glitten.

„Wow, wie tapfer dieser Mann doch ist!“, echote sie mit gespielter Betroffenheit. „Er ist in meinen Augen gerade in ungeahnte Tiefen gestürzt!“, schüttete sie ihren gehässigen Sarkasmus über dem Geschwisterpaar aus und ich wusste, dass das nur dramatisch ausgehen konnte und doch zuckten meine Mundwinkel in süffisantem Gefallen, denn ich gab ihr absolut recht. Die beiden waren nicht die hellsten Kerzen auf der Geburtstagstorte des Lords. „Wie konntest du, Severus?“, eroberte sie sich meinen Wein zurück und knurrte leise auf.

„Eben, ich wähle mit Bedacht!“, gab ich widerwillig zu, während ich zusah, wie sie ohne jedes Gefühl den edlen Tropfen vernichtete und schließlich einschritt. Ich nahm ihr nun resolut mein Glas ab und nippte selbst wieder an meinem Wein, wobei sich kurz eine lastende Stille über uns legte und Hermione schwer mit sich zu ringen schien.

Was sollte nun als Nächstes kommen? „Du weißt das von Daphne?“, stieß sie dann rasch aus und ich hob nur eine Braue, da ich nun verstand, was ihr anhaftete.

„Ja!“, bekannte ich rundherum, dabei schien sie nicht wirklich überrascht über die Tatsache, dass ich vollkommen im Bilde war.

„Fragen?“, bot sie zu meinem Erstaunen sofort bereitwilliger als gewöhnlich an.

„Nicht wirklich!“, murrte ich widerstrebend und verstand nun ihren Wunsch nach einem Drink inbrünstig.

Der Gedanke, dass wieder viel zu junge Menschen von uns gegangen waren schlug mir aufs zu zarte Gemüt und so rief ich per Magie Nachschub herbei, aber sie ließ sich trotz meiner Ablehnung mehr zu erfahren insoweit nicht stoppen, dass sie die Geschehnisse in ihren eigenen Worten mehr als knapp umriss. Anscheinend hatte sie das tiefe Bedürfnis, mir davon zu erzählen, oder aber mir ihr Herz auszuschütten. Wie auch immer man es eben wollte, es war ihr wichtig und bis sie endete unterbrach ich sie nicht einmal, sondern trank nur immer wieder.

„Und Potter?“, fragte ich daher brummig, als sie schließlich verstummte.

Denn dass ihm der gewaltsame Tod seiner Frau nicht nahe ging, das konnte mir keiner weismachen. Ich hatte ihn bei der Zeremonie genau beobachtet und einen gereiften und unendlich erwachsen wirkenden jungen Mann wahrgenommen, der viel zu alt wirkte für seine jungen Jahre. Wie mochte es ihm nun innerlich gehen?

Während der Zeremonie hatte ich ihn ebenfalls nicht aus den Augen gelassen, aber er war maskenhaft, reglos und unbewegt erschienen. Dies war für Harry Potter mehr als ungewöhnlich, aber nach dem Erlebten mehr als verständlich.

Das war es, was Krieg aus Kindern machte, alte Erwachsene und nichts anderes! Zu meinem eigenen Entsetzen tat es mir aufrichtig leid für ihn. Dass dieser Mann schon wieder alles und jeden verlor, der ihm etwas bedeutete, war tragisch. Das hätte sich Lily nie für ihren Sohn erträumen können. Entweder zerbrach man an diesem Unbill des Schicksals oder man erkaltete. Es würde interessant werden, mitzuerleben, wie Potter werden würde!

„Trägt… erträgt… es…“, kommentierte sie stockend und bestätigte damit meine Vermutung, dass er in seinen Gefühlen erstarrt war.

„Solange er es leise tut“, gab ich vorsichtig zu bedenken, denn sein loderndes Temperament kannte ich trotz allem zu gut.

„Er ist stoisch und ich verstehe, was du andeuten willst…“, murmelte sie besorgt. Sie verkannte ihren Freund zum Glück nicht.

Schließlich beugte sie sich abrupt vor und gab mir einen sachten Kuss auf die Wange, was mich perplex zurückließ. Als nächstes sprang sie urplötzlich wie von einer Acromantula gebissen auf, dabei verließ sie sehr zu meinem Missfallen meinen Schoß.

„Was hast du vor?“, beschwerte ich mich, denn das musste noch nicht das Ende des Abends sein.

„Gehen!“, meinte sie recht überrumpelt und drehte sich verständnislos blickend zu mir um, während ich ratlos zu ihr sah.

„Und warum?“, fragte ich daher reichlich pikiert, denn mir erschloss sich ihr Verhalten nicht gerade.

„Mhm… zum Beispiel, weil ich schon ein Schlafdate habe?“, meinte sie auf einmal provokant mit einem lasziven Lächeln.

Dabei leckte sie sich verführerisch über die Lippen, somit lag meine Musterung auf ihrem sinnlichen Gebaren, aber das was sie sagte ließ mich doch hellhörig werden. „Moment… mit wem…?“, wollte ich daher sofort sehr misstrauisch erfahren und verengte skeptisch die Augenbrauen.

„Du bist einfach zu gut, Severus! Aber du könntest genau dreimal raten“, raunte sie verlockend und glitt weiter zur Bücherwand, währenddessen musste mein mürrischer Ausdruck Bände sprechen, denn als sie die Hand an das Buch legte, stöhnte sie leise auf. „Mit Harry und Ron, wir müssen ein paar dringende Gespräche führen!“

„Im Bett?“

„Ja, stell dir vor, da lässt es sich vorzüglich reden!“, ging der Spott mit ihr durch, was mich die Mundwinkel verziehen ließ. Die Vorstellung von den dreien in einem Bett behagte mir ganz und gar nicht.

„Hermione, strapaziere nicht meine Geduld!“, drohte ich daher wenig subtil. „Ihr hattet an sich genug Zeit zum Reden.“

„Ja, aber da haben wir geschwiegen… sei nicht so! Harry braucht mich!“, wedelte sie wegwerfend mit ihrer Hand

„Potter sollte zusehen, erwachsen zu werden!“, gab ich grummelnd von mir.

„Ganz wie du wünschst, ich werde es ihm ausrichten“, öffnete sie die Tür, aber noch wagte sie es nicht, sich zu entfernen. „Hinzu kommt, dass du doch jetzt der Direktor bist und ein Vorbild zu sein hast!“, kokettierte sie unerträglich, woraufhin ich sie mit einem knappen Nicken entließen.

Was für ein Biest!

Severus Sicht Ende

Dracos Sicht

„Nicht dein Ernst, oder Draco?“, fuhr Blaise sich über seine kurzen Haare und schien zwischen Unglauben und Fassungslosigkeit zu schwanken.

„Hast du derart wenig Vertrauen in deine Freundin, Blaise?“, tadelte ich gespielt überzogen und erntete einen vernichtenden Blick.

„Ich? Vertrauen? Doch, klar, natürlich, ABER du verlangst da Großes von ihr und wenn musst du bedenken, wir wären eben nicht mehr da um sie zu unterstützen, um ihr zu helfen! Das ist… wow, glaubst du wirklich, dass sie das kann?“, gab er sich seinen Bedenken hin und schien noch immer zu schwanken, ob er es gut finden sollte oder eben nicht. Ich schenkte ihm einen sparsamen Blick, dem er eilig auswich. „Hey, selbst ich würde daran zweifeln, ob ich das durchziehen könnte!“, rubbelte sich Blaise erneut fahrig durch sein kurzes Haar und wirkte alles andere als glücklich, während er in meinem Zimmer hektisch auf und ab rannte.

„Setz dich und beruhig dich erst mal!“, hob ich die Hände und deutete dann auf den Sessel mir gegenüber.

„Leichter gesagt, als getan!“, ließ sich Blaise trotz allem sehr elegant in den Sessel fallen und starrte mich mit großen Augen an. „Was hat sie gesagt?“

„Noch nicht viel und bevor du weitermachst und dich unnötig aufregst, ich habe nicht vor, es aus ihr rauszupressen. Ich werde geduldig warten, bis sie auf mich zukommt und es selbst will“, bot ich generös an. „Und Blaise, wenn sich dir die Möglichkeit bieten würde, dann würdest du sie auch am Schopfe packen!“, erinnerte ich ihn daran, dass wir alle Schlangen waren.

„Mumpf!“, murrte er düster wegen meiner durchwegs zutreffenden Einschätzung.

„Du hast ja recht, aber ich hatte nicht gedacht, dass du so ernst machst. Du denkst echt, dass sie es machen wird?“, wisperte er nach einem großen Schluck heiser, da der Feuerwhiskey richtig schön brannte.

„Ja, und ehrlich, wer soll ihr gefährlich werden?“, fragte ich exaltiert. „Die Kinder der wirklich involvierten und mächtigen Familien sind fürs erste durch. Niemand von den Neuen würde es wagen, sie anzugehen, wenn wir nun beginnen, sie sachte aufzubauen, zu protegieren und das weißt du. Hier sind doch alle nur kleine Schisser!“, hob ich mein Glas und blickte durch die goldgelbe Flüssigkeit hinein in das flackernde Feuer.

„Einige könnten sich sehr wohl noch entwickeln“, gab Blaise weitsichtig zu bedenken und schüttete wieder einen großen Schluck in sich hinein.

„Nicht, wenn wir jetzt schon entgegensteuern und sie weitsichtig klein halten! Außerdem hat Astoria schon eine gewisse Position“, entgegnete ich sehr bestimmt und nippte an dem brennenden Whiskey.

„Sie werden erst jetzt anfangen, einen Nachfolger für mich zu suchen und wenn wir hier schnell handeln und ihnen gleich Astoria vor die Nase setzen, machen wir jeden Konkurrenten von vornherein mundtot.“

„Verdammt, Draco! Das ist so hinterhältig und vollkommen durchtrieben, dass es mir kalt wird. Du planst das offenbar schon länger so detailliert“, stellte Blaise misstrauisch fest.

„Blaise, das ist Slytherin! Durch und durch und nein, ich zeige mich flexibel!“, musterte ich meinen Stellvertreter abwägend. „Kann ich mit dir rechnen?“

„Mann! Du machst es mir echt nicht leicht… wie soll ich zwischen euch wählen?“, fauchte er nachtragend, fuhr sich unglücklich durch sein kurzes Haar.

Ich zuckte daraufhin mit den Schultern und antwortete nicht, sondern blickte ostentativ in die Flammen und spielte mit dem Glas in meiner Hand. Dann vernahm ich, wie ihm ein sehr tiefes Stöhnen entwich.

„Und ja, ich werde dir helfen!“, sackten bei dieser Zusage seine Schultern herab und ich konnte es nicht verhindern, dass sich bei diesen Worten ein sehr selbstgefälliges Lächeln auf meine Lippen schleichen wollte, was Blaise umgehend schnauben ließ.

„Draco, ABER sei nicht zu selbstzufrieden, denn ich mache es nur, wenn sie es selbst will und es freiwillig entschieden hat, diese Verantwortung, wenn wir weg sind, alleine schultern zu wollen!“, schränkte er vehement als Warnung ein, wobei trotz allem ein zufriedener Zug auf meinen Zügen lag.

„Dann auf die zukünftige Chefin des Hauses Slytherin!“, meinte ich sehr gewichtig und prostete Blaise provokant zu. Es war zu befriedigend, wenn sich alles nach meinen Wünschen richtete. Ich wusste, ich traf die richtige Entscheidung mit ihr.

„Auf Astoria!“

Dracos Sicht Ende

Hermiones Sicht

„Wo warst du denn nun, Harry?“, fragte Ron eindringlich und stützte seinen Kopf in seiner Hand ab, während ich es mir gerade neben Harry im Bett bequem machte, dabei lag Harry zwischen uns, mit geschlossenen Augen. Es war, als wollte er alles und jeden immer noch ausblenden.

„Wo ich war? Mhm…“, murmelte er nach einiger Zeit leise und regte sich unter der dünnen Sommerdecke. „Zuerst in irgendwelchen Wäldern. Ich weiß nicht wo, ein Wunder, dass ich mich nicht zersplintert habe!“, bekannte er gleichgültig und weder Ron noch ich sagten dazu etwas, sondern warfen uns nur besorgte Blicke zu.

„Egal! Danach ging ich ins Blackhaus und habe meine Familie aus dem Stammbaum raus gebrannt“, stieß er hörbar bewegt aus, dabei erstarrte er und wir gleich mit.

„Was? Mood-“, wollte ich heftig aufbegehren, aber seine Hand legte sich sofort schwer auf meine, wenngleich er sich sonst nicht wirklich bewegte.

„Schsch… Kreacher war sehr dienlich und Moody hat meine Anwesenheit nicht bemerkt!“, zeigte sich Harry erschreckend beherrscht, ruhig und besonnen und bescherte uns damit große Ungläubigkeit, da er es schaffte, noch immer mit geschlossenen Augen zu überzeugen.

„Das einzig Gute, aber war das nicht unnötig? Ich habe Lucien raus gebrannt!“, murmelte ich widerstrebend.

„Daphne stand neben mir, unter uns war ein Loch“, biss sich Harry auf die Lippen und ich schloss über meine Vergesslichkeit verärgert die Augen.

„Die Heirat.“

„Mhm…“, stieß Harry aus und zu meinem Widerwillen war diese Aktion gar nicht dumm gewesen und wenn er wirklich unbemerkt geblieben war, konnte man nichts dagegen sagen.

„Und dann?“, drang Ron weiter ungeduldig in Harry, als ich mir sein Profil besah und mir nervös auf die Lippe biss.

„Pfff… dann bin ich nach Irland, zu Gellert!“

„Was?“, hauchte ich überrascht und wollte hoch rucken, aber das ließ Harrys Hand nicht zu.

Sprachlos fragte ich mich, was für Wege Harry beschritten hatte, während seiner Trauerbewältigung. Auch Ron wirkte vollständig überrumpelt aufgrund dieser ungeahnten Offenbarung.

„Ja, zu Gellert. Er versteht es, jemanden aufzubauen!“, kam es recht knapp mit einem sehr ironischen Unterton von Harry.

„Nun, mit Verlusten kennt sich der alte Knabe aus. Hat es geholfen?“, wollte Ron recht abgeklärt erfahren, dabei lag sein trauriger Blick auf seinem Freund.

„Keine Ahnung!“, zeigte sich Harry wenig kooperativ und Ron und ich warfen uns über den Körper von Harry leidende Blicke zu. Er war in einer sehr eigenen Stimmung. „Jetzt ist sowieso alles egal!“, bestätigte er mit einem Stöhnen unsere Vermutung, dass es ihm ganz und gar nicht gut ging.

„Hey, Kumpel, sag so was nicht, du hast immer noch Lucien!“, fiel Ron gleich mit Vehemenz ein und legte eine Hand auf Harrys Schulter, als ob er ihm mit dieser körperlichen Geste zeigen wollte, dass er eben auch nicht allein war, da er uns hatte.

„Und der ist ohne mich fast besser dran!“, reagierte Harry abfällig und nicht sonderlich auf die Berührung.

„Harry, hör sofort auf mit dem Shit! Du wirst deinen Sohn nicht von vornherein zu einem zweiten Harry mutieren lassen und so tun, als hätte er keine Familie mehr! Du bist sein Vater und wirst es bleiben!“, herrschte ich ihn ungehalten an. Sein aufkommendes Selbstmitleid nervte mich.

Auf mich wirkte es, als würde er versuchen, alles und jeden von sich zu schieben, ein Zustand, den man nicht zulassen konnte, während Harry seine Miene zu einer schmerzlichen Grimasse verzog.

„Mit den Twins, Astoria, euch und Malfoy wohl kaum! Und wahrscheinlich auch den Weasleys. Er wird immer mehr haben als ich hatte…“, flüsterte Harry leidend, was mich ergeben seufzen ließ und Ron einen mitleidigen Laut entlockte.

„Harry, du weißt selbst, sie hat völlig recht. Mit der Einstellung gewinnst du keinen Quaffel!“, tadelte Ron sofort und richtete sich ein wenig auf. „Ich werde nicht zulassen, dass du ihr Andenken beschmutzt, indem du dich jetzt von Lucien abwendest, das kannst du vergessen, Harry!“, trat ein mehr als störrischer Ausdruck auf Rons Züge.

Ich selbst war erstaunt, wie resolut sich Ron gab, dabei beobachtete ich die beiden genau und verfolgte, wie Harry bei dem entschlossenen Ton seines Freundes mit einem halb geöffneten Augen zu Ron schielte. Hierbei konnte ich in dessen Antlitz auszumachen, wie ernst es Ron meinte, denn plötzlich zog Harry seinen Arm geschlagen über seine Augen, als wollte er alles und jeden ausschließen und ausblenden.

„Okay, okay, ist schon gut, ich bin zu dramatisch“, murrte Harry aufgebend mit gebrochener Stimme.

„Kann man so sagen!“, gaben Ron und ich gleichzeitig zurück.

„Aber alle um mich herum sterben!“, jammerte Harry sehr leidend los, worauf ich ihm einen Klaps auf seinen Brustkorb gab.

„Wir leben noch!“, kam es schrecklich trocken von mir. „Und wir sind seit Jahren mit dir zusammen. Der Vergleich hinkt!“, offenbarte ich mal wieder meine schonungslose Seite.

„Sorry, Harry, aber du weißt, die Schönste hat recht, wenn jemand schon längst unter der Erde liegen müsste, dann einer von uns. Das ist Schicksal, daran werden wir alle nichts ändern können“, gab Ron wieder ein beeindruckendes Statement von seiner wunderbaren, neuen Seite. „Wir werden nur akzeptieren und versuchen können, daraus das Beste zu machen, für alle!“, mahnte er zum Schluss bedächtig und er musste nicht Luciens Namen nennen, denn dass er darauf anspielte war nicht zu überhören.

Kurz legte sich Stille über unser Bett, in der wir Harrys leicht abgehackt wirkenden Atem lauschten, bis er tief Luft holte um zu antworten:

„Ach Leute, was würde ich ohne euch beide tun? Da hätte ich schon nach Sirius aufgegeben und nun, ihr habt Recht, aber keine Sorge, ich komme zurecht, irgendwie, glaubt mir!“ Er riss seinen Arm von seinen Augen und blickte uns aus entschlossenen, grünen Augen an.

Sein Wille, nicht aufzugeben, war wirklich aus ihnen herauszulesen, woraufhin ich sachte nickte.

„Ich hoffe es für uns!“, murmelte ich leise und Ron setzte an. „Ich glaube an dich, Harry, also ja, ich glaube dir! Außerdem hätte sie gewollt, dass du kämpfst und dich nie geschlagen gibst, denk immer daran!“

„Bedeutet mir echt viel, sehr viel…“, wisperte Harry berührt und stockte zum Schluss, als seine Stimme brach.

„Einer für alle“, meinte Ron plötzlich inbrünstig.

Daraufhin lüpfte ich die Braue und fragte mich dezent, ob er wirklich wusste, was er da gerade sagte und auf was er anspielte? Beziehungsweise glaubte ich nicht, dass er ein Muggelbuch a la Dumas anfassen würde, aber dass die Red Devils ihn vor den Fernseher verfrachtet hatten, glaubte ich nur zu gerne und umgehend tat es mir fast leid, mit was für einem Schwachsinn die Twins die Connection infizierten.

Ich richtete mich leicht auf und bei dem treudoofen Lächeln von Ron wurde meine Vermutung bestätigt, hier war er ganz der Sohn seines Vaters und liebte das Muggellastige.

„Und alle für einen!“, beendete ich somit recht trocken seinen Satz.

Dieses Entgegenkommen wurde mit einem so ehrlichen, offenen und aufrichtigen Strahlen belohnt, dass ich nur schnaubend das Haupt schütteln konnte, wobei ihn zu freuen schien, dass ich wusste was er meinte!

Nur Harry, als in einem Muggelhaushalt aufgewachsenes Kind, kannte das Sprichwort auch.

„Ach, neee ich bring die Twins um!“, stöhnte er auch da schon leidlich darüber, was für einen Schrott sie ihrem Bruder beibrachten und das ließ mich abrupt kichern, denn es tat schon weh, was diese Teufel uns immer einbrockten.

Aber es löste zum ersten Mal die lastende Atmosphäre auf.

Wir drei lagen hier im Bett und kicherten dämlich dahin, aber wir hatten irgendwie uns. Es war komisch, denn auch wenn wir Verluste erlitten und hier sprach ich nun nicht nur von Harry, sondern auch von mir, so fing uns die Verantwortung, die wir uns drei gegenüber hatten, wieder auf. Natürlich war Harry zum Heulen zumute, aber es bedurfte keiner großen Worte zwischen uns dreien.

Als Harry nach meiner Hand grabschte, sie hielt und drückte, war ich mir sicher, dass er dasselbe bei Ron auf der anderen Seite auch tat!

Und das war beruhigend zu wissen und so schliefen wir tatsächlich irgendwann atemlos ein und spendeten uns gemeinsam Trost, um das Erlebte zu verarbeiten. Dabei spielte auch eine Rolle, was wir bei den Warringtons angerichtet hatten, auch wenn wir mit keinem Wort darüber gesprochen hatten, tat es gut, dass wir es zusammen getan hatten.

Der Morgen nach unserem gemeinsamen Schlaf kam gewohnt unerbittlich und trieb uns früh aus den Federn. Wir hatten trotz aller Widrigkeiten den Vorsatz, alles wie bisher zu halten und dazu gehörte eben auch der frühe Lauf auf den Ländereien.

Ich erfuhr dabei, dass Neville, Padma und Hannah dies ebenfalls in der Burg beibehalten hatten und so schloss sich uns die BL enthusiastisch an. Es tat gut, das Gemeinsamkeitsgefühl zu erleben, wenngleich die Stimmung irgendwie eine andere als früher war.

War es aufgrund der Geschehnisse, dass wir uns alle derart verändert hatten, oder aber anderer Einflüsse, nach den ganzen Dramen, welche die Sommerferien für uns bereitgehalten hatten?

Wie auch immer, es ließ sich nicht verleugnen, dass sich vieles verändert hatte!

Die Bestätigung, wie anders es jetzt im Schloss war, zeigte sich gleich wieder in der großen Halle. Sofort bemerkte man, dass etwas von der Leichtigkeit von früher fehlte!

Zwar hatte Severus noch nicht seinen neuen Platz mittig zwischen den anderen Professoren eingenommen, aber trotz allem bemerkte man, dass es nun anders in diesen heiligen Hallen zuging!

Es war immer wieder beeindruckend, wie es Severus schaffte, in all seiner vollumfänglichen Schwärze die Halle gestern Abend als alleiniger Herr und Meister von Hogwarts zu beherrschen, auf dass heute auch alles gleich einen Tick dunkler und düsterer erschien.

Das war durchaus als inspirierend zu bezeichnen, wie er schon allem seinen Stempel aufdrückte. Umso spannender fand ich es, dass er, obwohl wir etwas später zum Frühstück ankamen, noch nicht anwesend war und dennoch dieser unheimliche Touch im Saal vorherrschte, der seit neuestem im Schloss beheimatet und von mir nicht mehr wegzudenken war.

Es war der erste Tag nach den Sommerferien und die Eingewöhnung war schwieriger als angenommen, aber nicht nur für mich, für uns alle, wie diese eigentümliche Atmosphäre vergegenwärtigte.

Ich nahm mir die Zeit und musterte nachdenklich meine Kameraden und beobachtete, wie sie sich nach diesen mehr als ungewöhnlichen Ferien mit der Wiedereingliederung in die Schule schlugen.

Es fiel uns allen nicht leicht!

Ron wirkte abwesend und sehr, sehr wortkarg, aber auch erstaunlich wenig hungrig, da er nun lustlos in einem Muffin herumpulte und gar nicht wirklich etwas aß, nicht nur weil er mit um Daphne trauerte. Vielleicht vermisste auch er Apolline?

Wer wusste das schon?

Lavender versuchte vehement, ihre Lust nach dem rohen, roten Roastbeef zu bekämpfen und dies beanspruchte augenscheinlich gerade ihre ganze Konzentration. Aber sie schien es nach einem schweren inneren Kampf zu schaffen, zu widerstehen, somit rang mir wieder diese neue Lavender Hochachtung ab. Das Mädchen war auf dem richtigen Weg!

Ginny war nur noch mit einem wehmütigen Gesichtsausdruck anzutreffen, da sie Oliver in Irland zurückgelassen hatte und nun wieder eine Beziehung auf Distanz führte, was sichtbar an ihren Nerven zehrte. Aber auch sie trug es mit einem gewissen Gleichmut und unterhielt sich leise mit Dean und Seamus.

Dean und Seamus, die ebenfalls an Lughnasadh anwesend gewesen waren und mehr wussten, als so einige andere, schlugen sich recht gut. Es wirkte, als würden sie sich in ihrer Freundschaft Halt geben, wobei auch sie vor der Zeit erwachsen und gereift wirkten.

Mein abwägender Blick schweifte weiter und blieb auf Luna am Ravenclawtisch liegen.

Luna!

Luna, die mir quer im Magen lag, da sie eben auch eine der Eingeweihten war. Ich wusste sie nicht einzuschätzen, oder gar ihre Gabe zu benennen, soeben war sie wie meist damit beschäftigt, mit einem verklärten Blick durch die Gegend zu sehen. Dabei wirkte sie als einzige gewohnt unbefangen und frei von Sorgen. Wobei ich kurz stutzte, denn in diesem Moment legte sich ganz kurz ein ungewohnt kryptisch lächelnder Zug um ihren Mund, da sie sich mir plötzlich zuwandte, um mich anzustarren, bevor sie mir freundlich zuzwinkerte.

Sie war komisch und seit sie den jungen Mann in Irland kennengelernt hatte, verstärkte sich zusehends ihre Eigentümlichkeit. Vor allem ihre Andeutungen und doppeldeutigen Anspielungen verunsicherten mich. Aber man konnte denken was man wollte, Scarmander tat ihr gut und förderte augenscheinlich sie und ihre Gaben ganz persönlich und nahm sie so, wie sie war, dabei blühte sie regelrecht auf. Ich war gespannt, wie sie mit dieser Trennung zurecht kommen würde und so wie sie gerade blicklos vor sich hinstarrte, war ich mir sicher, dass sie ihn in ihrem Tagträumen vor sich sah. Dieses seltsame Mädchen war immer wieder ein Mysterium an sich, während mein Blick weiter schweifte.

Oh, was bemerkte ich da? Der schrecklich erwachsen erscheinende Neville stierte wenig subtil zu Hannah und wünschte sich inbrünstig an den Tisch der Hufflepuffs. Erst da fiel mir auf, dass mir entgangen war, wie sich das Verhältnis eben dieser beiden in Irland zueinander gestaltet hatte.

Seiner Körpersprache nach zu urteilen hatten sie zueinander gefunden, somit war wenigstens seine Angebetete in seiner Nähe, während das verhärmte und erschreckend alt wirkende Mädchen ihm plötzlich ein unglaublich zärtliches Lächeln schenkte, das sie gleich wieder um Jahre verjüngte. Diese Erkenntnis schmerzte mich zu meinem Missfallen, aber der Umstand, dass nun auch ihre Mutter tot war, machte es Hannah im Leben nicht leichter, wobei auch sie sich mit ihrem Verlust arrangiert zu haben schien und Trost bei ihrem Freund finden konnte.

Erst jetzt bemerkte ich, dass sich viele „Grüppchen“ gebildet hatten und viele Blicke hin und her gingen, die etwas Verschworenes an sich hatten. Ich erkannte, wie sehr ich mich von ihnen allen entfremdet hatte, während sie in Irland zu einer Einheit zusammen gewachsen waren, driftete ich in Isolation und Einsamkeit hinab, der nicht mal Draco, Harry oder Ron ausgesetzt waren.

Es machte mich kurz sehr betroffen, als ich die verschworenen Blicke der Schüler an den verschiedenen Haustischen untereinander registrierte. Diese wiesen auf eine intakte Gemeinschaft hin, die bisher nie zu meiner Zeit in Hogwarts geherrscht hatte und selbst Slytherin war hiervon nicht ausgenommen, was Padmas heimliche Blicke zu Greg am Slytherintisch zu deutlich zeigten.

Es hatte sich ein Zusammenhalt gebildet, bei dem ich außen vor stand, weit mehr als mir bisher zu Bewusstsein gekommen war, aber es war so!

Selbst Ron warf gerade Pansy einen sehr eindringlichen Blick zu, den diese mit Gefühl erwiderte und für mich wenig subtil Harrys Gemütsverfassung erfragte und woraufhin Ron ihr bedeutete, dass alles relativ gut war!

Plötzlich verstanden sich Schlangen und Löwen, aber auch Raben und Dachse untereinander. An sich hatten wir großes vollbracht, etwas was noch nicht mal Albus Dumbledore gelungen war, die Vereinigung der Häuser in Hogwarts! Und Dracos Leistung bei dieser Häuservereinigung war nicht zu verachten, musste ich mir eingestehen, wenn ich an Irland dachte und daran, was er alles geschaffen hatte.

Vorsichtig warf ich einen Blick zu Astoria. Sie sah übermüdet aus und erschien erschreckend dünn, doch der ruhige Blaise neben ihr wirkte wie ihr Stein in der Brandung, als er ihr den Arm sachte um die Schulter legte und sie sich vertrauensvoll an ihn schmiegte. Es beruhigte mich, denn sie war stark und würde über den Verlust im Kreise ihrer Freunde und Familie hinwegkommen.

Aber wenn sie, Daphnes Schwester, schon so mitgenommen wirkte, wagte ich es gar nicht, einen Blick auf Harry zu werfen, der neben mir versuchte toter Mann zu spielen. So ruhig, still und unbewegt, wie er sich gerade gab, könnte er genauso gut unter seinem Tarnumhang stecken.

Wie es aussah, wollte er sich verkriechen und verdenken konnte ich es ihm wahrlich nicht!

Das Frühstück verlief bisher sehr leise. Die ganze Stimmung in der Großen Halle war somit als vorsichtig und nicht im Ansatz so ausgelassen wie früher zu beschreiben. Ich nippte immer wieder an meinem Kaffee und wagte erst jetzt an eine Person zu denken, die ich bisher vehement aus meinem Geist gehalten hatte.

Na gut, ich musste mir gegenüber ehrlich sein, denn nach dem Aufwachen hatte ich sehr wohl wieder an ihn und seine bescheuerte Feder denken müssen. Darüber und über diese offensichtliche Schwäche ärgerte ich mich noch immer maßlos, aber die Genugtuung, mehr als nötig einen Gedanken daran zu verschwenden, die würde ich ihm nicht gönnen.

Wobei ich gerade in die dunkle Brühe meines Morgengetränks schnaubte, denn er und der goldene Käfig, in dem ich von ihm seit den Ferien gehalten wurde, trugen eine große Mitschuld daran, dass ich den Anschluss an meine Kameraden verlor.

Das erkannte ich sehr wohl, aber war dies das was er bezweckte, oder ein Nebeneffekt, der ihm absolut egal war?

Meine Augen richteten sich auf Draco, der mir gerade einen langen Blick sandte, als wüsste er, dass ich bemerkte, dass ich in Wahrheit nicht mehr hierher gehörte. Oder bildete ich mir das Verständnis in seiner Miene nur ein?

Ein lautes Flattern und Flügelschlagen riss mich schließlich aus meinen Gedanken, denn soeben flogen die Eulen in einem riesigen Schwarm herein und überbrachten lautstark die seit langem gefürchtete Zeitung und Briefe an uns Schüler. Wir alle hatten gelernt, diese Post zu fürchten, denn seit letztem Jahr kamen meist nur noch schlechte Nachrichten für die Schüler und so brach keine wirkliche Begeisterung, oder gar Freude über das gewohnte Chaos aus.

„Willst du lesen, Ron?“, fragte Ginny lustlos und hielt ihm wenig begeistert einen Propheten hin, aber dieser murmelte in seinen nicht vorhandenen Bart.

Ich hingegen kam nicht gegen mich an und grabscht gewohnheitsmäßig gierig nach der Zeitung, als ich zusammenzuckte, da die Türen zur Großen Halle urplötzlich mit einem machtvoll lauten Knall aufschlugen.

„Wammm!“



Ein Special das hier anschließt:
Potter´s Pilgrimage
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BeitragThema: 482. King of masks - Verlust der Freiheit   Di Okt 07, 2014 7:08 pm

Meiner ersten Beta, der mein ganzer Dank gilt, Nira26 ! Vielen Dank für deine Mühen, deine Kreativität und deine Hilfe!

Und unserer über alles geliebten, Liselotte, die ab nun, jedes Kapitel gegenliest bevor es gepostet wird, so wollen wir ihr ewig dankbar sein!



So vielleicht erinnern sich noch einige, dass sich 14 eifrige Leser im August zu einer „Lesung“ in einer kleinen Mühle bei Bad Kissingen getroffen haben. Dort wurde von Liselotte, Nira und mir ein sehr langes Kapitel vorgelesen und alle erhielten, das vollständige Kapitel als Taschenbuchdruck und heute ist es soweit, dass alle in den Genuss dieses ersten Lesungskapitels kommen!

Ich hoffe, wir konnten den Erwartungen mit dem Kapitel gerecht werden.

Glg
queenie ♛
ps. zugleich haben wir das dritte Cover präsentiert

http://whfff.forumieren.net/t621-whf-bucher





482. Kapitel King of masks - Verlust der Freiheit


Hermiones Sicht

Wammm!

Die Türen schlugen mit Wucht gegen die steinernen Wände, die sie geräuschvoll bremsten, und dieser Lärm sorgte dafür, dass alle, wirklich alle, aufschreckten.

Die Blicke der überrumpelten Schüler und Lehrer lagen auf den jetzt Aufmerksamkeit heischend einmarschierenden Menschen, welche die Halle im Stechschritt erstürmten.

„Wow, was will der denn hier?“, wisperte Harry perplex und machte sichtbar große Augen hinter seinen Brillengläsern, während ich selbst die Schultern in Unwissenheit hob.

„Zu Snape will er wohl nicht, der ist noch gar nicht hier“, murmelte Ron missgelaunt zurück, zupfte weiter lustlos Stückchen von seinem Brötchen ab und ließ sie auf den Teller fallen. Drei Auroren, in ihren roten Umhängen, darunter Kingsley Shacklebolt, Dawlish und Gawain Robards, sowie als Krönung der schwer in der Kritik stehende Rufus Scrimgeour betraten derart übertrieben die Große Halle.

Ja, tatsächlich, unser allseits verehrter Minister, dessen Ableben von Lucius bereits mit großen, raschen Schritten vorangetrieben und vorbereitet wurde, rauschte zu uns herein. Dabei umwehten die Mäntel der Männer eindrucksvoll und dynamisch ihre Gestalten und unterstrichen die Ernsthaftigkeit ihrer Mienen und die Gewichtigkeit ihres Grundes, aus dem sie weshalb auch immer hier aufliefen.

„Was wollen die nur hier?“, „Und dann mit so einem Auftreten?“, „Schon komisch“, brandete leises Wispern in unseren Reihen auf.

„Minister“, kam es plötzlich laut von der überrumpelten McGonagall, die man trotz des Flügelschlagens der Eulen als auch der hallenden Schritte der vier Männer gut vernehmen konnte.

Bisher, am frühen Morgen des ersten Tages, war die Belegschaft der Lehrer noch nicht vollzählig zum Frühstück erschienen, was durchaus als normal zu bezeichnen war. Eher unnormal mutete jedoch an, dass die Schüler mehr oder weniger vollzählig versammelt waren. Ein Grund war, dass die DA- und BL-Mitglieder eben gelaufen waren und die Erstklässler erfahrungsgemäß am ersten Abend immer nicht einschlafen konnten und somit durch die älteren Schüler aufgescheucht worden waren.

Dies führte jetzt zu einem großen Publikum. Die Lehrer, vor allen Dingen unsere neuen Lehrer, ließen sich noch Zeit, wohingegen McGonagall, Hagrid und Sprout Frühaufsteher und schon anwesend waren. Nun erhob sich McGonagall sofort und ragte wie ein Bollwerk hinter dem Lehrertisch auf. Sie übernahm umgehend die Führung, da sowohl Severus als auch sein neuer Stellvertreter Carrow noch fehlten. Vielleicht war es gut so, dass das Geschwisterpaar noch fehlte und ich wagte mich zaghaft zu fragen, was den Minister heute hierher trieb.

„Minister was kann ich…“, setzte unsere ehemalige stellvertretende Schulleiterin gerade geschäftig an, doch da hob Scrimgeour schon abwehrend die Hand und stoppte sie.

Er selbst hielt nun auch an und blieb hinter uns, also hinter Harry, Ron und mir, stehen und ich hatte sofort ein ungutes Gefühl. Ich war umgehend auf der Lauer, was er nun schon wieder von Harry wollen könnte.

„Bleiben sie bitte alle sitzen!“, forderte Scrimgeour bedeutsam und sein Ton ließ keinen Spielraum, dabei blinzelten ihn die Schüler ähnlich schlau an wie die Eulen.

„Aber...!“, wagte die alte Dame doch, ihre kräftige Stimme im Protest zu erheben.

„Sie auch, Professor McGonagall!“, forderte er kompromisslos und sie gefror in ihrer Bewegung. Wenig begeistert über diesen rüden Befehl funkelte sie den Minister irritiert an.

Er beachtete sie nicht weiter, da er sich schon im Kreis drehte, als wollte er eine Zirkusvorstellung eröffnen. Unterdessen wir über unsere Schultern nach hinten linsten, wirkte der Minister, als wollte er die größtmögliche Aufmerksamkeit seiner Zuhörer erlangen.

„Wir sind heute hier, weil wir einen enttarnten DeathEater nach Askaban überstellen wollen!“, begann er akzentuiert und sehr bedeutungsschwer.

Seine äußerst hochtrabenden Worte, die er absichtlich betont tragend von sich gegeben hatte, schlugen wie eine Bombe ein.

Kurz herrschte eine gespenstische Stille, doch dann setzte ein entsetztes, aufbrausendes Wispern der Schüler ein und alle restlichen Geräusche traten in den Hintergrund. Wegen dieser Ankündigung kreischten und schrien tatsächlich einige Jüngere ängstlich auf. Aufgrund dieser Reaktionen zuckte ein  zufriedener Zug über die überheblich wirkende Miene des Ministers. Er genoss es sichtlich, vor allem einige der jüngeren Schüler der ersten bis dritten Klasse zu beunruhigen. Diese furchtsamen Kinder waren einer Panikattacke nahe und sprangen total hektisch auf.

Das war lachhaft und indes der Slytherintisch komplett erstarrte und auch die Mitglieder der DA und BL vorsichtig, fast schon ertappt umhersahen, huschten ihre Blicke immer wieder zu uns, da sie zu ergründen versuchten, ob wir mehr wussten.

Aber das taten wir nicht, mir selbst rutschte mein Herz kurzzeitig in die Hose.

Warum mussten die Menschen, sobald sie Minister wurden, derart unausstehlich, impertinent und penetrant werden? Aber vielleicht war dies ja eine Wesensvoraussetzung für einen solchen Politiker. Wer wusste das schon? Auf jeden Fall hatten wir bisher nur derartige Idioten erlebt.

„Hogwarts ist sicher“, schaltete sich nun wieder McGonagall entschieden ein und wegen ihrer resoluten Antwort wäre mir fast ein Hüsteln entwichen, denn dass das absolut nicht stimmte, brauchte ich wohl eigentlich niemandem sagen.

„Keine Sorge, Hogwarts wird gleich wieder sicher sein! Wir haben alles im Griff, deshalb sind wir schließlich hier!“, gingen die salbungsvollen Worte von Scrimgeour in dem Getöse unter und in mir ratterte es. Wer von uns war enttarnt worden? Im Prinzip gab es ja nur Draco oder mich hier in der Halle, also wen von uns beiden wollte der Minister abführen?

„Wir, das Ministerium, würden sie nie gefährden! Vertrauen sie uns!“, rief er nun mit einem Sonorus verstärkt über die aufkeimende Kakophonie hinweg und die Auroren wirkten fast schon einschüchternd für die anderen Schüler an seiner Seite, wobei sie mit verschränkten Armen an seiner Seite Stellung bezogen.

Wer war aufgeflogen? Severus, oder die Carrows, die aber alle nicht anwesend waren? In mir arbeitete es immer weiter. Oder unwahrscheinlicher, aber möglich Draco, oder gar ich? Mehr Möglichkeiten gab es nicht!

Sonst tummelten sich keine DeathEater in Hogwarts! Wir fünf waren die einzigen Möglichkeiten, die es gab!

„Ruhe, so hören sie doch auf, sinnlos zu schreien!“, übertönte nun McGonagall autoritär die verängstigten Kinder, die sich bei der Aussicht, dass sich tatsächlich böse, mordende DeathEater unter ihnen befanden, immer mehr rein steigerten. „Beruhigen sie sich!“

Bei der Ungeduld in McGonagalls Ton verklangen die aufgebrachten Rufe und als nur noch vereinzelte Schluchzer zu vernehmen waren, hob sie erneut ihre Stimme. „Niemandem wird etwas geschehen“, beruhigte sie resolut die Masse, „sie sind hier in Hogwarts und Hogwarts wird sie schützen!“

„Das ist vollkommen korrekt, Professor, aber um für Ordnung zu sorgen, sind wir hier! Wir, das Ministerium und die Auroren, sind hier, um die Ordnung in unserer Gesellschaft aufrecht zu erhalten“, dröhnte die nasale Stimme des Ministers unerträglich wichtigtuerisch durch die Große Halle und Harry warf mir besorgte Blicke zu, woraufhin ich in Unwissenheit meine Schultern wieder anhob.

„Könnten Sie mir dann bitte sagen, was dieser Auftritt hier soll? Sollte nicht zumindest der Direktor anwesend sein?“, fragte McGonagall schneidend, doch Rufus wedelte abfällig mit seiner Hand und fischte eine Pergamentrolle aus seiner Weste.

„Unnötig, denn ich fordere Sie, Hermione Jean Granger, auf, sich sofort zu erheben und uns Ihren Zauberstab zu übergeben!“, ließ er die Bombe sehr prahlerisch platzen.

Seine Worte dröhnten in meinen Ohren. Dieser schicksalhafte Befehl wehte zu mir und das Knistern des Pergaments in meinem Rücken hörte sich unheilverkündend an. Jetzt verstand ich, wieso er bei uns stehen geblieben war und so ganz nebenbei lösten sich meine vielen Fragen gerade effektiv in Luft auf!

Ich war enttarnt worden.

Was war passiert? War mir ein Fehler unterlaufen? Was hatte ich übersehen? Kurz im Schock rollte eine kleine Welle der Panik über mich.

Das absolut erschrockene Keuchen sowohl der Lehrer als auch meiner Mitschüler war ohrenbetäubend gut zu vernehmen. Selbst in meinen tauben Ohren registrierte ich dann jedoch, dass die Große Halle fast komplett still geworden war. Der Schrecken war allen in die Glieder gefahren. Neben, vor und hinter mir versteifte sich wirklich jeder.

Viele der DA und selbst die meisten Mitglieder der BL traf es unvorbereitet, dass man mir diese Ungeheuerlichkeit unterstellen, beziehungsweise vorwerfen konnte, dieser zwielichtigen, bösen Gruppierung anzugehören, schließlich war ich Harrys beste Freundin. Ihre geschockte und empörte Reaktion war mehr als natürlich und vor allem verständlich.

„Waaaas?“, „Wie bitte?“, „Das kann nicht sein!“, „Granger?“, „Ich glaub, ich spinn!“, äußerten sich die ersten ungläubig.

Wohingegen die, die wussten, dass es stimmte, was hier behauptet wurde, furchtsam, fast schon zu auffällig zu mir linsten, da sie sichtbar um meine Sicherheit besorgt waren. Mein bisher gesenkter Blick zuckte hart zu Draco und bedeutete ihm, bloß still zu bleiben und unauffällig zu verharren.

Ich wusste, was ich zu tun hatte, denn jetzt aufbrausend zu reagieren, wäre fatal. Es galt, unsere Tarnung unter allen Umständen aufrecht zu erhalten und ich hoffte, dass er darauf vertraute, dass ich wusste, was ich tat.

Denn, ob man es glauben wollte oder nicht, nach dem ersten Schrecken wusste ich wirklich was ich tat und tun würde. In dieser sehr kurzen Zeit der nonverbalen Verständigung zwischen Draco und mir legte ich Harry vorsorglich meine Hand auf den angespannten Oberschenkel, um ihn davon abzuhalten, Dummheiten zu begehen. Gleichzeitig erhielt ich Dracos Zusage, durch das sofortige Neigen seines hellblonden Schopfes, abzuwarten, was ich als mein Startsignal nahm.

Nun konnte die Show beginnen.

Mein Haupt ruckte nur nach Sekunden, entschlossen hoch und ich warf es selbstgefällig in den Nacken, bevor ich betont rasant mit meinem Oberkörper herumfuhr, dabei zierte ein breiter, ungläubiger Ausdruck meine Züge, der blankes Erstaunen heuchelte.

„Bitte?“, hauchte ich daher gespielt und vor allem betroffen, wegen dieser infamen Anschuldigung und presste meine Hand theatralisch an meine Brust, als wäre ich hart getroffen.

Aus den Augenwinkeln nahm ich wahr, wie Ron seine Hand zur Faust ballte und Harry schon ungeduldig herumrutschte, um sich ebenfalls umzudrehen. Sie schienen langsam, aber sicher aus ihrer Schockstarre zu erwachen und zu realisieren, was gerade passierte.

„Bitte, Sir?“, wisperte ich erneut tonlos und schüttelte unterstrichen hilflos mein Haupt.

Innerlich war ich aber erschreckend ruhig bei der Offenbarung, verpfiffen worden zu sein. Nur von wem?

Wenngleich es mich innerlich nicht überraschte, denn ich hatte mir des Öfteren im Geiste beim Joggen ausgemalt, wie dergleichen ablaufen könnte. Es kam zwar ziemlich plötzlich, aber ich war wie gewöhnlich nicht unvorbereitet und deshalb musste ich schnell sein, bevor die Jungs große, unüberlegte Dummheiten begingen, die an sich unnötig waren, da ich alles im Griff hatte.

„Erheben Sie sich, Miss Granger!“, kam es drohend von dem löwenartigen Minister, der mich mit durchbohrendem Blick anvisierte. „Das war keine Bitte, Sie sind in Gewahrsam!“

„Sie wollen mich festnehmen? Wirklich? Mich?“, fragte ich hörbar gefasst, dabei entging mir nicht, dass die ganze Halle uns genauestens beobachtete, schließlich sah man nicht jeden Tag die Festnahme einer Schülerin. Ich glaubte, dass dies bisher nur Hagrid widerfahren war, als er unschuldiger weise schon zweimal nach Askaban überführt worden war, damals als Schüler, als Riddle ihn beschuldigt hatte, Myrte ermordet zu haben, und dann in unserem zweiten Jahr als Lehrer und damit war das Ganze noch mal etwas anderes. Außerdem war er nicht so Öffentlichkeitswirksam abgeführt worden, sondern eher ohne viel Aufmerksamkeit aus seiner Hütte.

„Aufgrund welcher Beweise?“, wollte ich daher aalglatt erfahren und musste an Sirius denken, der auch ohne Prozess sofort nach Askaban gebracht worden war.

Aber ich musste nachfragen, denn das beschäftigte mich schon. Wer sollte es wissen und es dann noch wagen, mich zu verraten?

Ich legte meinen Kopf provokant schief, dabei geriet Kingsley in mein Blickfeld und ich konnte sein misstrauisches Gesicht ausmachen. Die Zufriedenheit darüber, dass er seinen Verdacht bestätigt sah, dass ich eine Verräterin war, konnte er nicht hinter einer emotionslosen Maske verbergen. In diesem Moment erinnerte ich mich an das Verhör, als man mich und Harry nach Umbridges Ableben abgeführt und wie auch dies für viel Aufruhr gesorgt hatte, aber diese neue Anschuldigung war natürlich wesentlich schlimmer in ihrer Tragweite.

„Wie kannst du da so ruhig bleiben?“, wisperte Lavender erregt und Ginny nickte ganz blass, bevor sie sich weiter über den Tisch beugte: „Hermione, du brauchst Hilfe!“, erkannte ich, dass dies hier vielleicht nicht der richtige Ort war, um dieses heikle Thema zu bereden, denn vielleicht würden doch noch einige unbedachte Aktionen starten. Innerlich war ich die Ruhe selbst und das aufgrund mehrerer, aber sehr entscheidender Faktoren.

„Minister, ich muss doch sehr bitten, das ist eine Schülerin, die unserer Obhut untersteht!“, protestierte nun McGonagall entschieden. Sie wirkte jetzt doch sehr resolut und stand noch immer vor ihrem Stuhl. „Wie kommen Sie dazu, derartige Ungeheuerlichkeiten zu unterstellen?“, kamen eindeutig die Krallen bei McGonagall zum Vorschein und man mochte von ihr denken was man wollte, aber sie verteidigte uns mit Leib und Leben.

Selbst mich!

Unwirsch wandte sich Scrimgeour um und funkelte aufgebracht zu unserer Hauslehrerin.

„Eine Schülerin, die beschuldigt wurde, ein DeathEater zu sein! Sie ist überführt!“, trumpfte er in seiner Arroganz auf, dabei schien er regelrecht zu wachsen und ich war gewillt, mit den Augen zu rollen, derart wie er sich gerade präsentierte.

„Machen Sie sich nicht lächerlich!“, ätzte die alte Dame vehement und ich dachte nur, wie freundlich sie sich für mich einsetzte, wo sie doch genau wusste, dass ich nicht ohne war, aber ich war ein Schäf… äh nein, ein Löwenjunges und damit unantastbar. An sich war sie eine treue, loyale Seele und so blickte ich mit einem nachsichtigen Lächeln zu ihr hinauf, um sie zu beruhigen, obschon ich bemerkte, dass mich Kingsley keine Sekunde aus den Augen ließ.

Dann jedoch fuhr mir der Schreck in die Glieder, weil ich bemerkte, dass Harry aktiv werden wollte und so zögerte ich keine Sekunde.

„Hier, Sir“, stand ich jetzt eilig auf und unterbrach damit die hitzige Diskussion, indem ich Kingsley großmütig und auffordernd meinen unschuldigen Schulzauberstab hinhielt, damit ich dies alles immer noch lenken konnte, denn auch wenn es niemand ahnte, noch hielt ich die Fäden in Händen.

Ich wollte hier weg und das flott. Es galt immer noch, die Tarnung aufrecht zu erhalten und das unter allen Umständen. Je schneller sie mich hier abführten und wegbrachten, desto besser!

„Vorsicht!“, rief der dunkelhäutige Auror übertrieben und so musste ich erleben, wie dieser mir schon rasch mit einem Zauber meinen Stab aus der Hand riss und ich rollte wegen dieser Dummheit offenkundig mit den Augen. Als hätte ich angreifen wollen, Himmel.

„Hey…“, meinte ich bedröppelt, als wenn ich unter diesen delikaten Umständen mit einem Angriff hätte agieren wollen!

Das hatte ich gar nicht nötig, während ich nun dem lachhaften Schauspiel zusehen durfte, wie Dawlish meinen Zauberstab wie etwas extrem Gefährliches übernahm, das es nicht zu beschädigen galt. Ich seufzte ob ihrer Furcht genervt, stellte mich aber in dieser Zeit ungeniert vor den Herren auf.

Na gut, so lässig wäre ich nicht gewesen, wenn sie meinen echten Stab in Händen gehalten hätten, aber der war noch sicher an meinem Körper verwahrt.

„Hören Sie mit dem Scheiß auf!“, zerplatzte meine Hoffnung, schnell und vor allem geschmeidig von hier zu schwinden.

„Harryyyy!“, zischte ich genervt, aber die Augen Scrimgeours richteten sich sofort auf Harry.

„Das hier ist meine Freundin, Sir! Was fällt Ihnen ein? Das ist eine Frechheit!“, wandte sich Harry laut und deutlich an den Minister. Ich fuhr zu der dunklen und rauen Stimme herum, zu der Harrys Tonlage nun tendierte.

Er hatte sich verändert, denn auch an ihm waren die Schicksalsschläge der letzten Jahre nicht spurlos vorübergegangen. Er wandte sich provokant, aber doch sehr langsam im Sitzen herum und stützte leger die Arme hinter sich auf der Tischbank ab. Ich blinzelte wegen Harrys ostentativ gezeigter Nonchalance. Gerade vollzog Ron an sich eine ähnliche Bewegung wie Harry und so saßen beide jungen Männer Schulter an Schulter da und auch Ron warf den Eindringlingen einen mörderischen Blick zu.

„Mr. Potter, Sie verkennen die Tatsachen, aber das macht nichts, dafür gibt es das Ministerium!“, versuchte sich der Minister hervorzuheben und es war, als wollte er Harry das wirre Haar wie bei einem minderbemittelten Kleinkind tätscheln.

„Bitte? Ich hoffe, Sie wissen, dass Sie Unsinn reden!“, kam es sehr abwertend von Harry.

„Mr. Potter!“, stieß McGonagall erzürnt aus und kämpfte sich nun doch vom Lehrertisch herab.

„Harryyyyy! Halt dich da raus!“, zischte ich ungehalten zu ihm. Das alles war nicht für all diese Augen und Ohren bestimmt, die keine Sekunde ihre Aufmerksamkeit von uns ließen.

„Mr. Potter. gerade Sie sollten mir und dem Ministerium dankbar sein, dass ich Sie von dieser „Schlange“, die sich bei ihnen eingenistet hat, befreie!“, meinte der Minister unglaublich selbstherrlich in seiner hochtrabenden Arroganz, auch wenn Harry ihn derart verächtlich musterte, dass mir ganz unwohl wurde.

Wenn das so weiterging, würde es wirklich nicht gut für mich, für uns ausgehen!

„Oh, dann sollte ich Sie vielleicht darauf hinweisen, dass ich dank dieser „Schlange“ noch lebe, denn sonst wäre ich schon in meinem ersten Jahr draufgegangen, zerquetscht von einer Teufelsschlinge!“, ätzte Harry verächtlich und Ironie perlte von seinen angeekelt verzogenen Lippen. „Oder um ein aktuelles Beispiel aufzuzählen, die grandiose Idee des Ministeriums, mir alle sicheren Transportwege zu versperren um sicher aus meinem Zuhause fortgehen zu können, hat Ihnen nicht gerade mein Vertrauen eingebraucht. Hermiones Beteiligung an meiner Rettung jedoch schon!“, wandte Harry seine Anklage mehr an Kingsley denn an den Minister, denn schließlich dachte der Orden immer noch, dass wir dabei Moody verloren hatten.

„Mr. Potter! Sie können mir und meinen Erkenntnissen durchaus trauen! Dieses Mädchen hier hat sich mit dubiosen Menschen eingelassen. Es gibt Beweise“, verteidigte der Minister seinen Standpunkt und klang noch immer, als wolle er ein aufmüpfiges Kleinkind belehren. Ich lüpfte bei diesen Worten jedoch taxierend eine Braue. Das war spannend. Woher nahm er diese absolute Sicherheit?

„Wenn ich dem Ministerium jemals vertraut hätte, wäre ich heute schon längst tot!“, erklärte Harry schrecklich nüchtern und trocken. Kaum hatte Harry dies gesagt, klappte nicht nur dem Minister, sondern auch fast allen Anwesenden der Mund weit auf und die ungläubigen Blicke der Schüler lagen auf Harry.

„Minister, wir sollten zum Direktor gehen!“, kam nun McGonagall mit gerafftem Mantel hektisch auf uns zu, aber schon ging es in dem Disput weiter, denn Harry schüttelte, verbohrt wie er war, sein Haupt.

„Ich wäre grundsätzlich fürs Gehen!“, murmelte ich geschlagen, da man beliebte, mich gerade gar nicht mehr zu beachten.

„Denken Sie nicht, dass Sie sich gerade erneut gefährlich lächerlich machen, Minister?“, wandte nun Harry erstaunlich selbstsicher ein und ich seufzte, da Rufus mir wirklich gar keine Aufmerksamkeit mehr schenkte, weil Harry seine wichtigste Bezugsperson war und immer bleiben würde.

„Was wagen Sie sich?“, hauchte Scrimgeour entsetzt über Harrys lapidare Art ihn bloßzustellen. Sofort pochte eine Ader bedenklich an der Stirn des Ministers und offenbarte, wie aufgebracht er war.

„Was? Was ich mich wage? Fudge, Ihr Vorgänger, hat es auch wunderbar hinbekommen, als er stur behauptet hat, dass der Lord nicht zurückgekehrt ist! Oder wollen Sie das abstreiten?“, gab Harry süffisant von sich und blieb entspannt, zurückgelehnt sitzen. Scrimgeour schnappte empört nach Luft, wenngleich sich Harry nicht stören ließ. „Aber wie auch immer. Sie wollen also tatsächlich bei der makaberen Behauptung bleiben, dass Hermione ein DeathEater ist?“, fragte Harry wie bei einem Kleinkind nach, dabei klang jedes Wort so akzentuiert, dass seine Frage Scrimgeours Behauptung noch abstruser und absolut unsinnig machte.

„Wir bitten Sie, sie ist eine Muggelgebürtige“, schaltete sich jetzt Ron auch noch mit trockener Logik ein und aufkommendes Murren unserer Beobachter zeigte, dass sich die Mehrheit auf Rons und Harrys Seite schlug und diesen mich entlastenden Argumenten gegenüber durchaus offen war.

„Wir… wir haben Beweise, damit tut diese Tatsache trotzdem nichts zur Sache! Sie wurde erkannt und enttarnt und das von einem hochangesehenen Mitglieder der Gesellschaft und sie wird nun zur Befragung nach Askaban überstellt!“, reckte der Minister sein Haupt entschlossen in die Höhe und tadelte Harry mit einem strafenden Blick, in all der Zeit stand ich immer noch da und tat nichts und hoffte, dass wir endlich aufbrechen konnten.

Ich wollte hier nur noch weg. Hilflos und leider unbeachtet bedeutete ich Harry die ganze Zeit, doch endlich Ruhe zu geben, denn das würde ich mit dem Minister mit Vergnügen unter vier Augen klären. Was uns noch bevorstand, würde amüsant werden, da war ich mir ziemlich sicher, aber diese Diskussion in der Öffentlichkeit war nicht gut, gar nicht gut!

Uns musterten einfach zu viele Menschen!

„Damit sind Sie ja immer ganz schnell!“, kam es sehr zynisch von Harry und Ron nickte finster bei seiner Anspielung auf Sirius und ich wollte meine Hände verzweifelt über meinem Kopf zusammenschlagen.

„Wie meinen?“, wollte der Minister noch erfahren, aber Harry winkte nonchalant ab und zeigte ostentativ, wie wenig Scrimgeour doch in Wirklichkeit wusste.

„Nichts, vergessen Sie es…“

„Sie sind verblendet, Mr. Potter!“, zog Scrimgeour sein vernichtendes Resümee, wobei die Antipathie beider füreinander sehr sichtbar Zutage trat.

„Rufus, sind Sie noch bei Trost? Eine Schülerin? Nach Askaban?“, krächzte McGonagall entsetzt und fasste sich an die Kehle, dabei wirkte sie durchwegs aufgekratzt.

Aber so einige der nun doch immer mehr werdenden Professoren wirkten nicht mehr ganz gegenwärtig. Flitwick war hinten bei der Empore erschienen und ließ sich von der grün angelaufenen Sprout darüber informieren was passiert war, während Hooch, die ganz rot aussah, aufgeregt mit Hagrid flüsterte, wobei dieser ganz blass wirkte und wild durch seinen buschigen Bart zu uns starrte. Wegen der Aussicht, dass mir ähnliches wie ihm passieren sollte, wirkte er kurz vorm Ausrasten.

„Sind die noch bei Sinnen? Das können sie nicht machen“, dröhnte auch schon Hagrids tiefer Tenor durch die Halle.

Dies sorgte dafür, dass Gawain Robards, der die Leitung der Aurorenzentrale von Scrimgeour übernommen hatte, mit gezücktem Stab drohte, was die Stimmung gleich wieder mehr anheizte.

„Halten Sie sich zurück“, donnerte Kingsley und bedeutete seinem Ordenskollegen, sich zu setzen.

„Professor McGonagall, die Zeiten sind rau und die Kinder sind schon lange keine Kinder mehr!“, verteidigte sich der Minister beherzt vor der entrüsteten Lehrerin, die sich drohend vor ihm aufbaute.

„Minister…“, wollte sie loslegen, als ihr jemand sichtbar zitternd vor Wut über den Mund fuhr:

„Wie bitte, jetzt sind wir dran schuld?“

Derart ungezügelt empörte sich Harry lautstark und so einige wütende Blicke von den Mitgliedern der BL und DA trafen die Gruppe um den Minister, die ihrer Empörung sehr wohl laut Luft machten. Ein Sturm der Entrüstung brach in der Halle aus. Denn dass wir keine Kinder mehr waren, das wussten wir, aber mal ehrlich, wer war denn schuld daran, dass wir Kinder das hatten werden müssen, was wir heute nun mal waren?

Die Erwachsenen und nur sie, da sie nicht in der Lage gewesen waren, uns, die Kinder, zu schützen! So hatten wir selbst lernen müssen, für uns einzutreten und für uns zu kämpfen!

Es stimmte durchaus, wir waren wirklich keine Kinder mehr, aber auch keine richtigen Erwachsenen, eher kleine Soldaten, Krieger und Kämpfer, die für vieles zu jung waren, aber nicht dafür, um ihr Leben, oder gar Überleben zu kämpfen.

„Das ist doch völlig gleich, Harry, halt dich endlich raus!“, schaltete ich mich jetzt dann doch offen und entschieden ein, denn ich wollte das hier beenden. Ich hatte meine Angst vor Askaban verloren, schon vor langer Zeit.

„Wir können in diesen Zeiten kein Risiko eingehen!“, beharrte der Minister stur und wenn er denn endlich weniger diskutieren und einfach gehen würde, dann wären wir einen entscheidenden Schritt weiter.

Das war nicht auszuhalten!

Was mich wirklich ärgerte war die Erkenntnis, dass er es wagte, mich gleich nach Askaban zu verfrachten, ähnlich wie Sirius, ohne Befragung oder Verhör im Ministerium und das traute er sich bestimmt nur, weil ich offiziell keine Familie hatte. Dann kam noch hinzu, dass ich nur eine Muggelgebürtige war und somit als ein Nichts in der Zauberwelt galt. Anscheinend dachte er, er hätte leichtes Spiel mich wegzuschließen und könnte endlich mal wieder gute Presse für sein rigoroses, entschlossenes Handeln bekommen, indem er zeigte, wie strikt er vorging, um den „Jungen der lebt“ zu schützen.

Mit mir, Hermione Granger, konnte man es ja machen, wenn er sich da mal nicht täuschte!

Wenn ich ehrlich war, würde ich es nach den Erkenntnissen in der Höhle Irlands fast begrüßen, Dementoren gegenüberzustehen, ohne den Lord im Nacken, schließlich waren sie Seelensauger und ich ein Seelensammler, das würde spannend werden. Nachdem ich mich meinem Sein gestellt hatte, wäre es interessant, zu ergründen, inwieweit wir ähnliche Interessen hatten.

Ich erinnerte mich ganz kurz an Gellerts enttäuschte Aussage, dass selbst im Book of Kells nichts darüber gestanden hatte, wie es um uns Seelenwesen stand, nur dass man „verwandt“ in seinem Bestreben war, was auch immer das hieß. Also schreckte mich Askaban nicht wirklich, eher interessierte es mich brennend.

Und während ich den Minister vor mir maß, entwischte mir fast ein vorfreudiges Schmunzeln, denn ich wusste, ich hatte Scrimgeour in der Hand, nicht nur durch die Inhalte von Ritas Enthüllungsbuch und aufgrund meines Wissens um seine langjährige Liaison mit Mrs. Edgecombe, sondern es kam noch hinzu, was ich letztens in den Unterlagen von Fudge entdeckt hatte. Als ich damals in sein Büro Zuhause eingebrochen war, hatte ich das gut gehütete Geheimnis, wer die neue Geliebte unseres Minister war, entdeckt!

Gerade bei dieser Erinnerung beschlich mich eine unsägliche Heiterkeit, denn es war noch brisanter als man es sich jemals ausdenken könnte.

„Jetzt kommen Sie, Miss Granger. Fesseln sie Sie, Shacklebolt!“, befahl er dem Auror, der auch dem Orden angehörte, herrisch und ich verkrampfte mich.

„Kingsley!“, begehrte Minerva intervenierend auf und erntete einen stoischen Blick des schwarzen Mannes, der mich nicht mochte.

Aber diese Forderung ging zu weit, schlussendlich wollte ich selbst weg von hier, damit wir es klären konnten, aber fesseln? Nicht mit mir, da reichte es mir, weswegen ich zum ersten Mal den Minister entschlossen fixierte und ihn hart ins Auge fasste. Sofort trat ich einen Schritt weg, als sich mir der Auror näherte. Es gab Dinge, die gingen entschieden zu weit.

„Minister, weder wehre ich mich noch weigere ich mich, mit Ihnen zu kommen, also tun Sie nichts, was Ihnen nachher leidtun könnte!“, wisperte ich betont leise, dass nur sehr wenige meine Drohung wahrnehmen konnten, aber es sorgte trotzdem für große Ruhe in der bewegten Unruhe der sehr aufmerksamen Großen Halle.

„Sie drohen mir?“, echote Scrimgeour fast begierig, aber auch ungläubig wegen meiner Unverfrorenheit und rieb sich bestätigt die Hände.

„Nein, würde ich nie tun! Ich weise Sie nur freundlichst darauf hin, dass ich sogar bereit bin, freiwillig mit Ihnen zu gehen, also sollten Sie meine Güte nicht überstrapazieren. Wenn Sie mich, die ich unbewaffnet bin, fesseln oder anders weiter versuchen zu demütigen, könnte es Ihnen später noch leidtun!“, erklärte ich daher samtig und zählte schlicht die Fakten auf.

Vor allem jedoch log ich wie gedruckt, da ich die volle Kampfmontur trug und mit Sicherheit nicht unbewaffnet war. Aber das ging mir zu weit, ich wollte nicht unter den Augen der Schüler wie ein überführter und verurteilter Schuldiger abgeführt werden, das ging unter den Umständen eindeutig zu weit, weshalb ich aufbegehrte.

„Sie drohen mir!“, meinte er fast verzückt und schien den Inhalt meiner Aussage überhaupt nicht wahrgenommen zu haben.

„Subtilität scheint nicht Ihre Stärke zu sein, Minister!“, kam es sichtlich trocken und sarkastisch von Ron und ich biss mir erheitert auf die Lippe, um nicht laut zu lachen.

Dieser feine Humor war bei so einem Mann schlicht Verschwendung. Mein Blick glitt kurz zu Draco, der besorgt und stirnrunzelnd alles im Auge behielt, sich aber bisher geduldig zurückhielt und auch zusammen mit Blaise, die DA und BL zu steuern schien, weshalb noch immer kein allzu großer Tumult ausgebrochen war.

Wobei natürlich trotz allem die Halle vor Unruhe bewegt war, schließlich wurde nicht jeden Tag ein denunzierter DeathEater verhaftet, um nach Askaban überführt zu werden. Die Geräuschkulisse war gigantisch und steigerte sich von Sekunde zu Sekunde.

„Das ist ja wohl die Höhe!“, entfuhr es ihm entrüstet über Ron, bevor er zu mir deutete: „Shacklebolt, führen Sie sie ab!“, befahl er immer noch irritiert wegen dieser offenen Beleidigung und wirbelte auf dem Absatz herum.

Dabei registrierte ich den kurzen Blick, den die beiden Männer, der Minister und der Auror, austauschten. Sie würden mir die Hände fesseln, sobald wir die Halle verlassen hatten, aber nicht eher, da sie sich nicht nachsagen lassen wollten, vor einer unbewaffneten Schülerin Angst zu haben und anscheinend wollte er einen Aufstand verhindern.

Also fasste mich die harte Hand des dunkelhäutigen Aurors an meinem Oberarm. Seine Finger legten sich fest darum und drückten entschlossen zu, um mich hinaus zu komplimentieren und ich wehrte mich nicht. Wir mussten hier raus!

„Hermione!“, „Halt, Stopp!“, „Das geht so nicht!“, „Ich hole den Direktor!“, erhoben sich unzählige Stimmen in einem unübersichtlichen Wirrwarr. „Nein!“, „Boah, ich fass es nicht!“, „Unglaublich!“, „Was für eine Willkür!“, begehrten Professoren als auch Schüler gleichermaßen auf, stoppten aber unseren Weg durch den Gang nicht.

Doch dann wurden die zugefallenen Doppeltüren wieder mit Wucht aufgestoßen und dröhnten nicht weniger donnernd gegen die Steinmauern als kurz zuvor schon, als der Minister hereingestürmt war.

Somit donnerten die Türen nun schon zum zweiten Mal an diesem Morgen lautstark gegen die alt ehrwürdigen Wände der Großen Halle und ließen gefühlt das ganze Schloss erzittern, so hart wie sie anstießen.

Doch was ich jetzt erblickte, sorgte dafür, dass ich meine Augen gepeinigt und gequält schloss. Es war so klar gewesen, klarer ging es gar nicht mehr. Die Dramaqueen hatte ihren fulminanten Auftritt par excellence.

Und das Tragische war, irgendwie ahnte ich, dass er mir die Suppe gefährlich versalzen würde. Schon alleine wie er selbstherrlich, herrschsüchtig und autoritär auftrat verriet mir dies unheilverkündend!

Er schritt weit ausholend, hochherrschaftlich einher und wirkte dabei viel aufmerksamkeitsheischender, eleganter und souveräner als der Minister vorhin. Sein langes, weißblondes Haar wallte um ihn wie ein Heiligenschein, sein leichter, seidiger, dunkelblauer Sommerumhang untermalte flatternd seinen Auftritt in seiner Geschmeidigkeit und die smaragdenen Augen des Schlangenstocks glänzten im Licht der magischen Decke drohend. Er erschien wie der Racheengel in Person. Aber dieses Bild wurde noch getoppt, da ihm ein schwarzer Schatten folgte, der nicht weniger bedrohlich daherkam. Zusammen wirkten sie mehr als gefährlich in ihrer Einheit!

Das passierte also, wenn man eine Familie sein eigen nannte!

Na super, das konnte ich gar nicht leiden. Ich konnte meine Kämpfe alleine ausfechten. Warum verstanden sie das nicht?

Wenigstens wusste ich nun, warum Severus, obwohl er nun Schulleiter war, nicht aufgetaucht war. Anscheinend war er petzen gegangen und hatte Lucius geholt, das war nicht auszuhalten. Es hätte mich gewundert, wenn er verschwunden geblieben wäre, wusste doch ein Schulleiter von Hogwarts fast immer, was in seiner Schule und vor allem an öffentlichen Orten vor sich ging.

Wie es aussah, hatte er aufgrund seiner gut informierten Position Lucius geholt. Wer war nun die schlimmere Dramaqueen? Severus oder Lucius? Sah ich so aus, als würde ich Hilfe brauchen? Es war unsäglich, was sich diese zwei Despoten herausnahmen und sich einfach so in meine Angelegenheiten einmischten.

Was bezweckten sie? Was hofften sie, mit ihrem Erscheinen zu erreichen? An sich nichts, außer Gerüchte und Aufmerksamkeit, beides konnten wir nicht gebrauchen!

Ich wollte laut schreien: „Nein! Geh, verschwinde, was hast du hier zu suchen? Ich brauch dich nicht!“ Ich wusste und konnte nicht vorhersehen, was Lucius plante, aber es konnte nur entgegen meinen eigenen Plänen gehen! Kurz blinzelte ich zu Draco und auch wenn ich seinen Blick nicht einfangen konnte, erkannte ich, dass ihm die Ankunft seines Vaters ganz und gar nicht gefiel, so wie er seine Lippen zu einem schmalen Strich zusammengepresst hatte.

Die Furcht, die ich bisher nicht verspürt hatte, umklammerte nun wegen dieses unerwarteten und vor allem sehr unerwünschten Auftrittes doch mein Herz. Bisher war ich immer alleine für mich eingestanden. Wirklich nie hatten sie es gewagt, sich öffentlich zu bekennen, warum also jetzt?

Plötzlich wurde ich recht grob gestoppt, da dieser überraschende Besuch nicht nur mich und Shacklebolt, sondern auch den Minister an seinem Abgang hinderte. Somit lief ich fast in Scrimgeour rein, da dieser sich etwas zurückbeugte, weil Lucius seinen Gehstock hob und fast schon ostentativ drohend mit dem Ende auf den Minister deutete, während er sich in einem raschen Tempo näherte. Als nächstes vernahm ich eine krächzende Stimme in meinem Rücken.

„Mr. Malfoy!“, hauchte McGonagall hörbar überfordert und atemlos, nur um gleich im Anschluss ein überfordertes „Snape…“ auszustoßen.

Ja, gerade wurde es wahrhaftig makaber, wie sich dieses Theater entwickelte. Es wurde zu einer unglaublich tragischen Komödie. Inbrünstig wünschte ich mich weg, weit weg!

So lenkte McGonagall die Aufmerksamkeit auf die schwarzgewandete Person von Severus Snape, seines Zeichens neuer Direktor von Hogwarts, wohlverborgen in Lucius‘ Rücken.

Die Mienen beider Männer waren beängstigend maskenhaft und ich wünschte mich schon wieder mit aller Macht weit weg, indes sich nun, nach dem Aufruhr, wieder eine gespannte Stille über die Schüler und Lehrer legte und ich unter gesenkten Lidern zu meinen Männern hinauf linste und mich fragte, ob beten helfen könnte.

„Was?“, hisste Kingsley auf und sein unversöhnlicher Blick lag auf Severus.

„Rufus, lassen Sie mich helfen, indem ich Sie aufhalte. Sie begehen einen großen Fehler!“, klirrte nun schon Lucius‘ blasierte, kalte Stimme durch die Halle. Dabei schaffte er es wirklich, ihr einen aufrichtigen Klang zu verpassen. Sein Ton war perfekt und über jeden Zweifel an seiner Aufrichtigkeit, nur dem Minister helfen zu wollen, erhaben. Was für ein geborener Schauspieler.

„Wie, was, Lucius? Sie hier?“, zeigte sich Rufus, der etwas verwirrt auf den Stock blickte, der ihn eindeutig in seiner Haltung bedrohte, irritiert.

In dieser Zeit wurde der Griff um meinen Oberarm immer fester und ich schielte zu dem sichtbar angespannten Kingsley, der meinen Arm zu zerquetschen versuchte. Aber mein Stolz würde es nicht zulassen, dass ich auch nur einen Ton von mir gab und so schluckte ich meinen Protest hinunter.

„Ja, ich bin hier, mein lieber Rufus und dies, wie mir scheint, gerade noch rechtzeitig!“, verkündete meine Nemesis überheblich, selbstzufrieden in seinem ganzen souveränen Gebaren, das eines Herrschers würdig wäre und mich trocken würgen ließ.

„Wie meinen Sie das, Lucius?“, fragte Scrimgeour konsterniert und auch etwas ungehalten, woraufhin nun Lucius doch noch seinen Stock senkte, bevor er damit die Brust des Mannes berührte.

„Bringen Sie mich weg!“, wisperte ich eilig zu Kingsley und dieser blickte entgeistert zwischen seinem Chef, Lucius, Severus und mir hin und her, aber er rührte sich nicht und nachdem nun die Männer da waren, spielte ich mal wieder keine Rolle. Ich wollte brechen.

„Was ich meine? Diese Aktion hier. Sie haben doch nicht wirklich vor, diese junge Dame hier zu verhaften, oder Rufus?“, stellte er eine in meinen Ohren eher rhetorische Frage und legte ein sehr falsches, extrem nachsichtiges Lächeln auf seine aristokratischen Züge.

„Oh doch, ich habe sogar vor, sie nach Askaban zu überstellen!“, wuchs der Minister bei seiner Antwort regelrecht über sich hinaus und wirkte mehr als entschlossen. Ich wünschte mir von Herzen, dass er es endlich tun würde. „Aber noch immer habe ich nicht verstanden, was Sie hertreibt, Lucius.“

„Oh, Rufus, da wo Cornelius immer zu langsam war, sind Sie immer zu ungestüm!“, tadelte daraufhin mein Despot affektiert und schnalzte übertrieben mit der Zunge, wobei ich kurz meine Lippen vor Schmerz verzog, da sich Kingsleys Finger brutal fest in meinen Arm bohrten. Ich registrierte nur, wie sich Lucius‘ Augen zu Schlitzen verengten, da sein Blick auf die Hand des Aurors fiel.

„Wie meinen?“, fragte der Minister wenig geschmeichelt und wirkte vollkommen bestürzt wegen Lucius öffentlichem Tadel.

Ab jetzt ging es rasant, so schnell konnte man gar nicht schauen wie der Gehstock wieder oben war und Lucius das spitze Ende des Gehstocks Shacklebolt in einer sehr raschen, sehr gezielten Bewegung einmal kurz in die Brust stieß.

Der Auror keuchte atemlos, sofort ließ er kraftlos von meinem Arm ab, da er getroffen zurücktaumelte. In der gleichen Zeit vollführte Lucius eine kunstvolle Drehung mit einem Schritt nach vorne, um neben mir zum Stehen zu kommen.

Das war verdammt flott von statten gegangen und erinnerte mich an unser Training, aber vor allem fiel mir erst jetzt auf, dass Kingsley mir beinah die Blutzufuhr in meinem Arm abgedrückt hatte. Es schien Lucius eher als mir aufgefallen zu sein, wie rabiat mich der Auror festgehalten hatte und das konnte ein Malfoy natürlich nicht einfach so unbeantwortet lassen. Was für ein Macho!

„Hey, was soll das?“, fauchte Dawlish überrumpelt und wollte nach vorne eilen und auch Rufus schien sprachlos wegen dieser Attacke von Lucius.

„Das geht so nicht, sie greifen einen meiner Auroren an?“, schaltete sich nun deren Boss Robards sichtbar empört ein, da sich Kingsley immer wieder über die Brust fuhr und leicht in die Knie ging, um wieder Luft zu bekommen.

„Kingsley!“, eilte Minerva besorgt auf das Ordensmitglied zu und legte ihm eine Hand auf den Rücken. „Musste das sein, Mr. Malfoy?“, fauchte sie Lucius an, was dieser galant überging.

„Keine Sorge, es passiert nichts… nicht wahr?“, wahrte Lucius das Gesicht und hob beschwichtigend seine Hände, als hätte er nichts gemacht und er würde auch nicht weiter insistieren, nachdem Kingsley nun seine Finger von mir ließ.

„Sie können doch nicht einfach einen Auroren angreifen!“, „Was fällt Ihnen ein?“, begehrten die Auroren weiter aufgebracht auf. „Das geht so nicht, Minister!“

„Natürlich! Natürlich, das versteht sich von selbst, ich möchte sie alle doch nur vor einer unbedachten Aktion bewahren, die sehr peinlich für sie alle ausgehen könnte!“, wehrte Lucius weiterhin autoritär ab.

„Woher wissen Sie überhaupt, dass ich hier bin, Lucius? Das war geheim“, fragte nun Scrimgeour perplex, als Severus gerade neben ihm hielt und sich nun mit seiner neuen gebieterischen Erscheinung einschaltete.

„Minister!“, unterbrach Severus und erreichte, dass sich Rufus für eine kurze Zeit konfus ihm zuwandte.

„Direktor!“, begrüßten die beiden einander steif und ich fragte mich wirklich, womit ich das verdient hatte!

Ich seufzte, wenn diese Aktion bedeutete, Familie zu haben, konnte ich getrost darauf verzichten. Das war grotesk. Unterdessen ergriff nun Lucius wieder herrschsüchtig das Wort.

„Rufus, es ist meine Aufgabe, stets allseits informiert zu sein und gerade werde ich Ihnen einen großen Gefallen tun und unter uns, Sie wissen doch genau, wie sehr das Augenmerk der Öffentlichkeit seit einiger Zeit auf Ihnen liegt!“, flüsterte er zum Schluss vertraulich, daraufhin riss der Minister die Augen weit auf und ich fragte mich mit einem gewissen Sarkasmus, wo hier irgendwo noch etwas „unter uns“ war.

Hunderte Augenpaare lagen auf uns und sogen alles was wir sagten und taten mit Argusaugen in sich auf und würden diese denkwürdigen Szenen nie vergessen!

„Vielleicht sollten wir gehen?“, warf ich nun schon lauter ein, aber wieder war niemand gewillt, mir auch nur ein Mindestmaß an Aufmerksamkeit zu schenken. Es war zum Heulen.

„Drohen Sie mir, Lucius?“, hauchte der Minister mit einem verärgerten Unterton in seiner Stimme.

Zuerst Harry, dann ich und nun Lucius, das war offenbar zu viel für den gebeutelten Politiker, dessen Souveränität immer mehr ins Wanken geriet und das schien ihn mehr zu beschäftigen als die Notwendigkeit, aus der Aufmerksamkeit der Bevölkerung zu verschwinden.

„Nein, nein, auf keinen Fall, mein Freund, wo denken Sie hin? Welchen Grund hätte ich? Ich will nur Ihr Bestes und sie vor Ihren übereifrigen Auroren bewahren!“, kam es eindringlich von Lucius und eins musste man ihm lassen, er war wirklich überzeugend in seiner Überheblichkeit.

Die Empörung der anwesenden Auroren war ihm sicher!

Ich verstand ihn gerade nicht und war restlos erstaunt, weil Lucius gewillt schien, derart die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich, auf uns zu ziehen.

Warum sollte er mir, einem Mudblood und noch dazu Harrys bester Freundin, helfen wollen? Das war mehr als dubios, mysteriös und absurd. Mir erschloss sich nicht der Zweck und der Sinn seines Handelns, denn warum sollte er uns, beziehungsweise mich auffliegen lassen wollen, indem er sich zu mir bekannte?

Warum sollte er verkünden, dass ich zur Familie gehörte?

Das wäre Irrsinn! Aber mittlerweile war seine Anwesenheit und warum er hier so einen Aufstand veranstaltete, fast nicht mehr anders zu erklären.

Sie hatten sich selbst beim Lord, bei den DeathEatern, nie sonderlich zu mir bekannt, das war auch nicht nötig. Bis auf ihre Aktion, als sie mich vom Rudel abgeholt hatten, als ich verletzt gewesen war, war es bisher noch nie vorgekommen, dass sie konkret für mich hatten einstehen müssen, bis auf Severus‘ Bürgschaft, die aber auch nicht erwünscht gewesen war und gerade war auch nicht der rechte Zeitpunkt, um damit zu beginnen!

Vor allem da es auch absolut unnötig war, diese Scharade hier war abwegig und kontraproduktiv. Innerlich war ich ganz durcheinander, wie er uns alle aus diesem Schlammassel heraus komplimentieren wollte, in das er uns gerade hinein manövrierte. Unterdessen schien niemand der direkt Beteiligten zu bemerken, dass Lucius mir immer näher kam.

Versteckt warf ich einen Blick zu Draco, der noch immer mit verkniffenen Lippen, aber sichtbar beherrscht zu uns stierte. Erst da fühlte ich, dass sich auf einmal Lucius und meine Schultern fast berührten. Lucius stand seit seiner Drehung an meiner linken Seite und war mir beständig näher gekommen.

Ganz plötzlich nahm ich wahr, wie er verborgen unter seinem Umhang nach meiner linken Hand griff und sie zu sich unter den Stoff seines Umhangs zog. Ich war perplex und wehrte mich nicht. Diese Aktion von ihm irritierte mich doch sehr. Dies passierte, als er mit Rufus sprach und unbemerkt von den verbliebenen Anwesenden. Was hatte er vor?

Ich erstarrte kurz, da Lucius mir plötzlich, zu meinem Erstaunen, etwas auf einen meiner Finger schob. Fast sofort entließ er meine Hand wieder und ich war darauf bedacht, unbedarft zu erscheinen.

Lucius tat nie etwas ohne Grund und schon gar nicht heimlich vor den anderen! Ich war zutiefst beunruhigt, aber all dies geschah derart geschwind und geschickt, dass es niemandem auffiel. Und auch ich war mehr als verwirrt und überrumpelt von seinem verborgenen Tun, sodass ich mir nicht sicher war, was ich hier eigentlich gespürt hatte. Ich hätte sehr gerne einen Blick riskiert, um mich zu überzeugen, ob ich mir das alles nur eingebildet hatte, aber ich ließ es und zügelte meine Neugier, wissend, dass es sicher nicht vorteilhaft wäre, andere auf Lucius‘ versteckte Aktion aufmerksam zu machen, wenn er sich schon so um Heimlichkeit bemühte.

„Übereifrig?“, polterte der Minister laut los. „Es ist ein Fehler, mich aufhalten zu wollen, Lucius!“, kam es sichtlich empört von Rufus. „Glauben Sie mir, Lucius, Sie haben keine Ahnung, was hier aufgedeckt wurde. Man hat es geschafft, dass Harry Potter einer untergeschobenen Freundin vertraut!“, fauchte der Minister mit hochrotem Kopf sichtlich erregt und die unter Schock stehenden Schüler und Lehrer brausten nun wieder auf.

Einige Schüler wirkten, als wäre ihnen schlecht und auch die Lehrer schienen wegen dieser vehementen Anschuldigung immer mehr verunsichert zu sein. Ich wagte erneut einen kurzen Blick zu Draco und diesmal begegnete er meinem und ich konnte sehen, wie er trotz verbissener Miene fragend eine Braue hob, doch ich wusste ja selbst nicht mal was hier lief, was Lucius hier wollte und genau das versuchte ich Draco auch zu signalisieren, bevor ich meinen Blick kurz über die Schüler schweifend wieder auf den Minister, Severus, Lucius und die versammelten Auroren konzentrierte.

Hier traf das Sprichwort, war der Ruf erst ruiniert… wohl zu, da mich sehr kritische und auch argwöhnische Musterungen trafen. Anscheinend war man langsam, aber sicher bereit, dem Minister, der seine Meinung derart vehement vertrat, zu glauben, vor allem da in vergangener Zeit genug geschehen war, um an mir und meiner Person zu zweifeln!

„Oh, wie meinen Sie das, Rufus?“, fragte Lucius geflissentlich und legte sein Haupt pretiös schief.

Ich musste leidlich erkennen, dass mir die Fäden sichtbar entglitten. Der Minister hörte nur auf Lucius und mir hörte man schon lange nicht mehr zu. Ich war kurz vorm Verzweifeln, da dies alles in Richtungen driftete, die ich nicht mehr beeinflussen konnte. Innerlich war ich aufgewühlt, äußerlich war ich unbewegt und stand relativ gefasst da und lauschte sprachlos.

„Wie ich es Ihnen sage! Miss Granger ist ein DeathEater“, sprach der Minister die Worte hart, fest und überzeugt aus, worauf, obwohl allen diese Anschuldigung doch schon bekannt war, eine geisterhafte Stille eintrat, die erst unterbrochen wurde, als Lucius affektiert laut auflachte und eine behandschuhte Hand amüsiert an seinen Mund hielt.

„Das finden Sie lustig?“, echauffierte sich der Minister umgehend und lief über und über ganz rot an.

„Nein“, fing sich Lucius eilig und wedelte entschuldigend mit seiner Hand durch die Luft, „aber diese Unterstellung, sie entbehrt nicht gerade einer gewissen Komik! Ich denke, Sie sind einem Betrüger aufgesessen!“

„Das behaupten Sie, Malfoy! Wie kommt es, dass gerade Sie sich zum Fürsprecher von Miss Granger aufschwingen?“, mischte sich nun Kingsley wütend aussehend und argwöhnisch ein. Er rieb sich noch immer seinen Brustkorb und gaffte feindselig auf den Stock, der ihn effektiv mit einem kleinen, aber gezielten Stoß außer Gefecht gesetzt hatte.

Sofort lagen Lucius‘ eiskalte, graue Augen selektierend auf ihm und musterten ihn derart abwägend und kalt, dass einem Angst und Bange werden konnte. Kingsley hatte keine Ahnung, was dieser sturmgraue Blick implizierte, zu seinem Glück, denn wenn wir im Manor gewesen wären, wäre Kingsley spätestens jetzt im Kerker gelandet. So aber wusste der Auror nichts davon und Lucius hatte sich einfach zu sehr im Griff, als auf diese Attacke mehr zu reagieren als nur betont lasziv eine seiner hellen Brauen zu heben, bevor er sich brüsk wieder dem Minister zu wandte.

„Ich wäre dafür, das alles woanders zu besprechen!“, startete ich einen neuen Versuch aus der Halle zu kommen, aber Lucius hob in einer unheimlich arroganten Art seine Hand und bedeutete mir, zu schweigen.

Ich blinzelte und kam mir wie bestellt und nicht abgeholt vor!

„Wie auch immer, Rufus, diese Angelegenheit sollte innerhalb von Sekunden geklärt sein, wenn Sie denn von diesem haltlosen Umstand derart überzeugt sind. Denken Sie nach, erstens ist sie eine Muggelgebürtige, also für den Lord minderwertiges Material“, verschluckten sich gar einige an seinen diskriminierenden und abfälligen Worten und Minerva wollte gerade zu einem Protest ansetzen, als ihr jemand zuvorkam.

„Das heißt gar nichts!“, begehrte nun Dawlish auf, aber Lucius ließ sich nicht stoppen bei seinen unbeschreiblich schmeichelnden Komplimenten mir gegenüber.

„Ich bin noch nicht fertig und zweitens, Liebes“, drehte er sich nun ostentativ zu mir und ich vernahm, wie einige mehr als scharf Luft holten, da mich Lucius derart charmant betitelte und ich presste meine Zähne so fest zusammen, dass sie fast splitterten. „Liebes, hörst du?“, rief er mich zur Ordnung und ich hob nicht wirklich den Blick. „Offenbare unserem Zaubereiminister doch bitte deinen linken Arm!“

Lucius forderte dies sehr entschlossen von mir und es klang nicht wirklich, als würde er mich bitten und das tat er auch nicht. Es war ein schlichter Befehl, dem ich zu gehorchen hatte. Hier sprach die Rechte Hand zu mir und sonst niemand und das wusste ich und meine Halsstränge traten stark hervor, da mein Kiefer schwer malte. Natürlich war mir auch schon eingefallen, diesen sichtbaren Beweis zu liefern, aber mein Bestreben war es gewesen, die Schule zu verlassen!

In Askaban, oder wo auch immer, hätte ich dem Minister in aller Ruhe meinen Arm unter die Nase halten können. Aber nein, meine Intention, meine Tarnung aufrecht zu erhalten und mich von diesen zu vielen Menschen zu entfernen, wurde effektiv und erfolgreich torpediert und so strafte mein Blick Lucius, aber er sah mir nur stoisch entgegen.

„Was?“, wollte sich McGonagall nun jetzt doch wieder einmischen, aber Severus bedeutete ihr mit einer eilig erhobenen Hand sehr bestimmt, zu schweigen und zu meiner Verwunderung kam sie diesem Befehl ebenfalls nach.

„Warum? Ich denke, dass das hier nicht nötig ist!“, wandte ich bockig ein, denn es ärgerte mich noch immer, dass sie meine Pläne dermaßen fulminant störten.

Als mich aber ein derart brandgefährlicher Blick von Lucius traf, der mir unwohle Schauer über den Rücken jagte und mir zeigte, dass mit ihm nicht zu spaßen war, überlegte ich mir wenig heldenhaft, nicht weiter zu protestieren und mein nicht vorhandenes Glück zu sehr zu strapazieren. Gerade Lucius war eben für mich absolut nicht einzuschätzen und sein Blick erzählte mir von knallenden Peitschen, feuchten Kerkern und schmerzhaften Stunden.

Über Lucius und sein Sein hatte ich mir noch nie etwas vorgemacht und er war und blieb ein gefährlicher Mann, selbst für die Familie und auch für mich!

Während ich nun genervt aufstöhnte und meinen Arm widerwillig unter meinem Schulumhang hervorzog, um mich Lucius‘ Wünschen zu fügen, war ich augenscheinlich für ihn doch zu langsam, denn meine Strafe von ihm, dass ich nicht sofort gehorcht hatte, ereilte mich mehr oder weniger sofort und umgehend.

Plötzlich lag Lucius‘ Hand in meinem Nacken, eine Berührung, die mich aufgrund ihrer Doppeldeutigkeit erstarren ließ. Diese Aktion blieb natürlich nicht unbemerkt und ich machte aus, dass der Minister als auch alle übrigen sichtlich irritiert auf diese intime Geste glotzten.

Diese Intimität vor den anderen erschütterte mich mehr als ich mir im ersten Moment eingestehen wollte, da es mir wie ein Eingeständnis vorkam, wie ich zur Familie stand!

Wobei das nicht der einzige Grund war. Die Berührung an dieser delikaten und exponierten Stelle bedeutete aufgrund meiner Zeichnung im Nacken so viel mehr als die Unwissenden hier ahnen konnten. Soeben schlüpften seine Finger unter mein offenes Haar, um dann federleicht über mein verräterisches Dark Mark an dieser ungewöhnlichen Stelle zu streichen.

Lucius verstand es wie kein anderer, manipulativ zu sein, einerseits „rettete“ er mich, indem er offenbarte, dass ich kein Mal am Arm trug, andererseits erinnerte er mich sehr wohl daran, dass ich gezeichnet war!

Ich versuchte, meine aufziehende Gänsehaut zu unterdrücken, wobei ich glücklich war, dass meine Haare wieder ihre alte Länge erreicht hatten und aufgrund dessen verbargen, was er da tatsächlich tat.

Schlussendlich schüttelte ich meine Überraschung ab und gab mich genervt geschlagen. Ich packte mit der rechten Hand den weißen Stoff meiner Bluse und kürzte diese Scharade ab, indem ich ungeduldig daran zog. Mit einem festen Ratsch riss der Hemdsärmel und ich zog den Fetzen nun von meinem Arm und warf ihn auf den Boden.

„Na bitte!“, kommentierte Lucius sofort zufrieden. „Was sehen wir? Einen wunderschönen, makellosen Arm, in seiner allumfassenden, unschuldigen Schönheit!“, trug er ölig auf und man wollte bei seinen Worten brechen, aber ich streckte brav meinen Arm auffordernd zum Minister und guckte stur geradeaus. Lucius liebkoste inzwischen weiter ausdauernd meinen Nacken und schien es zu genießen, dass alle mehr als verwirrt waren.

„Zufrieden?“, stieß ich nach einiger Zeit brüsk aus und versuchte, einen Schritt von Lucius wegzukommen, aber er glitt, wie bei einem Tanz, geschmeidig mit mir mit und ließ mir keinen Platz zum Atmen.

„Perfekt!“, kam es lobend in seidigem Timbre von Lucius, während seine andere Hand unter meinen linken, ausgestreckten Arm fuhr und diesen weiter anhob, um ihn im Lichte der Öffentlichkeit den begierigen und neugierigen Blicken der Zuschauer zu präsentieren, sodass jeder sehen konnte, dass ich eben nicht gezeichnet war.

Ich hasste das und er liebte das einfach zu sehr, dieses sich zur Show stellen und sich vor allen zu produzieren und zu inszenieren. Gleichzeitig hoffte ich immer noch so sehr, dass wir damit alles beenden konnten, um von hier zu verschwinden. All das hier ging gerade entschieden zu weit!

Die Auroren und der Minister starrten bar entsetzt und sichtbar sprachlos auf meine unversehrte Haut, aber auch McGonagall konnte ihren konsternierten Blick nicht abwenden, genauso wenig wie meine Kameraden, die sensationslüstern die Hälse reckten. Wobei die Connection eher den Blick darauf hielt, in was für einem Klammergriff ich von Lucius gefangen gehalten wurde. Eine Hand in meinem Nacken, die andere an meinem Arm, fühlte ich mich wie ein feilgebotenes Schlachtvieh.

„Wie die Herrschaften sehen können, ist sie unberührt!“, klang diese Aussage selbst in meine Ohren unerträglich zweideutig. „Sie könnte auch noch den zweiten Arm freimachen!“, bot Lucius gerade unglaublich generös an, denn ich könnte mich auch gleich ganz ausziehen, zeigte ich mich zumindest in Gedanken gehässig. Unterdessen fixierte ich hilfesuchend Severus, der aber nicht wirklich in sich lesen ließ und unbewegt alles in seiner stoischen Ruhe erfasste und geflissentlich über meinen stummen Hilferuf hinwegsah.

„Das… das… das ist unmöglich…!“, stotterte Scrimgeour. „Wir nehmen sie trotzdem mit!“, kam es bockig von dem löwenartigen Mann, der sich sein öffentliches Scheitern nicht sofort eingestehen wollte.

„Rufus, das können Sie nicht machen, eine Schülerin von Hogwarts nach Askaban bringen, die unschuldig ist! Überlegen Sie, das wäre politischer Selbstmord, die Presse wird Sie zerreißen“, brachten Lucius‘ eindringliche Worte den unglücklichen Minister dazu, nach Luft zu schnappen, aber Lucius wäre nicht Lucius, wenn er nicht noch einen draufsetzen könnte.

„Außerdem, ich bürge für diese Dame hier“, verklangen Lucius‘ schicksalhafte Worte, woraufhin ich vergaß zu Atem. Das konnte er nicht wirklich tun. Warum tat er das?

Es passierte selten, aber gerade geschah es, meine Maske verrutschte und ich blickte ihn entgeistert an. Ein bisher noch nicht da gewesenes Aufbrausen der Anwesenden in der Großen Halle setzte ein und ich riss sofort meinen immer noch ausgestreckten Arm zurück, als hätte ich mich verbrannt. Innerlich mehr als brodelnd fuhr ich zu Lucius‘ aristokratischer Gestalt herum, aber auch alle anderen schienen von dieser Aussage überrumpelt, als ihnen die wahre Tragweite dieser Aktion gegenwärtig wurde.

Die Tatsache, was ein Malfoy gerade gesagt hatte. Hinzu kam über wen, nämlich über mich, ein Mudblood. Gut, diejenigen, die in Irland gewesen waren, wussten, wie Draco und ich zueinander standen, aber das, was Lucius jetzt tat, ging doch weit über alles hinaus, was sie sich hätten vorstellen können und ehrlich gesagt auch über alles, was ich je für möglich gehalten hatte.

Er hatte es tatsächlich getan, er hatte sich zu mir bekannt! War er verrückt? Was sollte das?

War er so verrückt wie Severus? Als dieser sich vor den Dark Lord gestellt und ebenfalls für mich gebürgt hatte? Wollte Lucius hier nicht hintenan stehen? Das war zu viel, einfach zu viel und mir blieb schlicht die Spucke weg!

„Wieso?“, meinte der Minister misstrauisch, auch schon hörbar atemlos und schien absolut sprachlos wegen dieser Entwicklung. Minerva hingegen stand nun mit verkniffenen Lippen neben dem Minister und wirkte stocksteif.

„Die Gründe?“, zeigte ich Lucius exaltiert. „Denken Sie wirklich, ich würde jemanden in Schutz nehmen, der schuldig ist? Nach allem was ich in letzter Zeit an Verlusten erlitten habe? Unter Anbetracht dessen, dass DeathEater meine geschätzte Gemahlin Narcissa bestialisch ermordet haben, denken Sie wirklich, dass ich mich für ein Mitglied dieser gesetzlosen Gruppe einsetzen und starkmachen würde? Denken Sie das ernsthaft?“, gab Lucius rhetorisch und provokant von sich und strafte den Minister mit einem eiskalten Blick.

Ich überlegte unterdessen wegen dieser schrecklich überzeugenden Worte von Lucius wirklich, mich schlicht und einfach zu übergeben. Das war so schlecht, dass sich mir der Magen umdrehte, aber es wirkte, da der Minister in einer kapitulierenden Geste seine Hände erhob.

„Nein, nein… das denke ich nicht, aber ich erkenne immer noch nicht Ihre Intention, Lucius!“, gab er wenig sicher, zurückweichend zu bedenken.

Daraufhin stieß Lucius ein betont gespieltes, theatralisches Stöhnen aus und ich wollte die Hände heben, um ihn aufzuhalten, denn es lief für mich noch schlechter als ich bisher in meinen kühnsten Überlegungen angenommen hatte. Lucius würde mich endgültig enttarnen und ich sah mich dem hilflos ausgeliefert.

„Eine Frage Rufus: Es wird doch keiner behaupten wollen, dass die Familie Malfoy zu dieser Meute Gesetzloser gehört, oder?“, fragte er eindringlich und maß den unsicheren Politiker, der vorsichtig zu taktieren versuchte, kalt und unerbittlich.

„Nein, die Zugehörigkeit der Familie Malfoy steht nicht zur Disposition!“, kam es dann doch sehr hochtrabend von dem Minister und augenblicklich zauberte dies ein fast gemeingefährliches Lächeln auf Lucius‘ Züge, das mir unwohle Schauder über den Rücken jagte und es sogar schaffte, Severus‘ bisher unbewegte Miene zu erweichen, indem sich eine seiner schwarzen Brauen in schwindelerregende Höhen schraubte. Mein gehetzter Blick ging zu Draco und ich erkannte, er war noch bleicher als er sonst schon unter seiner vornehmen Blässe war, aber er hielt sich eisern davon ab, einzuschreiten.

Hektisch überlegte ich, was ich tun könnte, um das Schlimmste doch noch von mir abzuwenden. Mir erschloss sich noch immer nicht, warum Lucius so ein Risiko einging und uns öffentlich so familiär präsentierte. Mir war schleierhaft, was Lucius mit dieser ganzen Schauspielerei bezweckte und ich ärgerte mich schlicht schwarz, dass er sich derart in meine Angelegenheiten einmischte und ja, auch Severus schien diese neue Diskussion spanisch vorzukommen. Wir drehten uns im Kreis.

Die Frage war, warum Lucius gerade jetzt wieder so sehr auf dieser Tatsache, dass die Familie Malfoy über jeden Zweifel erhaben war, pochte.

Denn eines war klar, er konnte nicht sagen, dass mich Draco gezeichnet und damit in die Familie aufgenommen hatte, denn dies war ein an sich verbotenes, schwarzmagisches Ritual!

Wenn Lucius dies preisgab, würde die gesamte Familie nach Askaban wandern. Also was plante er?

Wie gesagt, Severus schien dies ähnlich zu sehen, denn bisher hatte er sich sehr vornehm zurückgehalten, aber gerade schien Leben in seine bisher unbewegte Person zu kommen. Hieran erkannte man sein Leben als Spion. Die Schlange, die sich konstant zurückhielt, um erst zu einem perfekten Zeitpunkt hervorzuschießen, nämlich genau dann, wenn man ihn längst vergessen hatte.

„Hast du uns etwas zu sagen?“, raunte Severus nun in seiner ihm eigenen, tiefen Tonlage zu Lucius und erlangte damit sofortige Aufmerksamkeit, vor allen entging mir die Vertraulichkeit nicht, mit der er Lucius trotz allem in dieser allgegenwärtigen Öffentlichkeit ansprach.

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Kapitel 481-482
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