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 Kapitel 483-484

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queenie
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BeitragThema: Kapitel 483-484   Di Okt 14, 2014 6:35 pm

483. Kapitel King of Masks - Verlust der Freiheit II.


Sofort ruhten Lucius‘ Augen auf Severus‘ Gestalt. Er schien irgendetwas abzuwägen. Mein Blick sauste hektisch zwischen ihnen hin und her, um ja nichts zu verpassen, aber ich verstand nicht, was es bedeutete, als Lucius plötzlich ganz knapp mit dem Kopf nickte.

„Ja, ich sollte dir vielleicht sagen, dass du mir gratulieren solltest!“, verkündete Lucius nun sehr ernst.

Fast sofort glitt ein raubtierhaft anmutendes Lächeln auf Severus‘ Züge. Mein Bauch schlug Purzelbäume und ich verstand eigentlich nicht viel von dem, was sie sich hier wieder auf ihren wortlosen Wegen sagten, aber wenigstens war ich dabei nicht die einzige.

Eines wusste ich jedoch sofort, nämlich dass es mir nicht gefallen würde!

„Wie bitte?“, entgegnete der gebeutelte Minister ebenso verwirrt wie ich, da auch er gar nicht mehr mit Lucius‘ Stimmungs- und Themenwechseln mit kam. Selbst ich stand wenig schmeichelhaft auf dem Schlauch, gut dass es Severus anders als uns Idioten zu gehen schien, denn er wirkte irgendwie zufrieden über die bisherige Antwort.

„Nein!“

Urplötzlich schallte dieser laute, verzweifelt anmutende Ruf über die sprachlose Masse von Schülern hinweg und ich fuhr wie in wattierter Trance zu dem schreienden Draco herum.

„Nein, Nein, Nein!“, brüllte er wiederholt, bis er meinen Blick einfing. Er war während seines Ausbruches aufgesprungen und stand nun bebend am Slytherintisch und wurde von Blaise daran gehindert, zu uns zu kommen.

„Hab ich es nicht immer gesagt? Aber auf mich hört ja keiner!“, wütete er dann und ich konnte Verzweiflung in seinem Blick erkennen, wie ich sie nie zuvor gesehen hatte.

Seine Worte waren, wenn zwar nicht leise, aber auch nicht übermäßig laut gesprochen, nur aufgrund der permanenten Stille, selbst in der Entfernung zum Slytherintisch so gut zu vernehmen. Unterdessen versuchte Blaise weiterhin vehement, Draco zurück auf die Bank zu ziehen, was mehr oder weniger in eine Rangelei ausartete, da Draco sich partout nicht setzen wollte.

Da Blaise nun erkannt zu haben schien, dass er Draco nicht zurück auf die Bank zerren konnte, hängte er sich nun an ihn und hinderte Draco daran, zu uns zu kommen. Anscheinend hatte Draco, ebenso wie Severus, mehr verstanden als ich bisher. Ich war gefesselt und auch leicht überfahren von der Situation. Dieses Szenario, wie meine Verhaftung aussehen könnte, war mir bei meinen Erwägungen der Möglichkeiten nie in den Sinn gekommen, weswegen ich langsam, aber sicher wirklich mit der Situation überfordert war. Diese Tatsache konnte ich zu meinem Leidwesen nun nicht mehr leugnen!

Für mich stand die Tarnung an erster Stelle, derart brüskiert und düpiert zu werden, das auch noch von meiner eigenen Familie, erschütterte mich in einer nie da gewesenen und nie von mir erwarteten Dimension.

Jetzt erst, zu meinem Verdruss recht spät, bemerkte ich, dass Lucius wieder betont nah an mich herangetreten war. Ich war sichtlich durch seine Aussage und Dracos Reaktion aus dem Konzept gebracht, sodass ich es gar nicht wahrgenommen hatte. Lucius schien noch nicht fertig zu sein, denn schon fasste er nach meiner rechten Hand, an deren Arm der Ärmel noch intakt war und führte sie galant an die Lippen, um unter dem entrüsteten Keuchen der Versammelten einen formvollendeten Handkuss auf meinen Handrücken zu hauchen.

Ich tat nichts, stand nur wie erschlagen da, indes meine Augen misstrauisch zu ihm zuckten. Dies erwiderte er mit einem intensiven und eindringlichen Blick. Ich runzelte widerwillig die Stirn und erwiderte argwöhnisch diesen dunkelgrauen, mich musternden Ausdruck, der mir durch und durch ging, aber in dem ich gerade absolut nicht lesen konnte. Wobei mir die Tatsache, dass ich im Dunkeln tappte, was nun passieren würde, einen unguten Klumpen im Magen bescherte.

„Lucius?“, wisperte ich ihm daher irritiert zu und leckte mir nervös über meine trockenen Lippen. Es war selten, dass ich derart aus dem Konzept kam und leider schaffte meist nur er es, mich derart zu verunsichern.

Dass er das zustande brachte, was der Minister mit seinen Auroren und der Androhung, mich nach Askaban zu bringen, nicht hinbekam, schaffte Lucius spielend leicht, nämlich mir schreckliche Angst und Furcht einzujagen, da ich absolut nicht wusste, was nun auf mich zukam.

Ich konnte ihn nicht einschätzen und ich hasste es jetzt schon abartig!

„Lucius, was soll dieser vollkommen unangebrachte Zirkus, den Sie hier veranstalten?“, meinte nun der Minister reichlich ungeduldig und ungehalten wegen dieses recht ungehörigen Schauspiels und ich gab ihm zum ersten Mal in seiner Amtszeit uneingeschränkt recht.

„Oh, verzeihen Sie mir, Rufus, ich verliere mich ab und an in ihr“, richtete er sich wieder geschmeidig auf, wobei er meine Hand nicht freigab, sondern mir nur weiterhin einen sehr tiefen Blick sandte, „darf ich Ihnen meine Verlobte vorstellen?“, verkündete er und von einer Sekunde zur Nächsten wurde mir der Boden sprichwörtlich unter den Füßen weggezogen. Meine Hände verkrampften, ich kämpfte darum, nicht hinzufallen, aber Lucius bot mir mit seiner Hand festen Halt und Stärke und hielt mich eisern fest. Man könnte fast sagen, genau so eisern wie er in den letzten Minuten die Schlinge um mich gelegt und jetzt fest zugezogen hatte.

„Sie sind gerade dabei, die zukünftige Mrs. Malfoy nach Askaban zu überführen“, kam es unerträglich jovial von Lucius, ein fast schon süffisantes und schrecklich überhebliches Lächeln zupfte an seinen Mundwinkeln.

Umgehend brandeten geschockte, empörte und fassungslose Kommentare aller Art auf, nur ich bemerkte sie gar nicht, da ich schlicht einen Blutsturz erlitt. Ich konnte an sich nur noch das laute Rauschen meines Blutes in meinen Ohren wahrnehmen. Sogar Dracos empörtes Ankämpfen gegen Blaise und sein Lamentieren, dass keiner auf ihn hatte hören wollen, vernahm ich nur wie in Watte gepackt aus der Ferne. Das war nicht sein Ernst, oder? Das war ein sehr schlechter, ein sehr miserabler Witz!

Das konnte, nein, das durfte Lucius nicht tun, das ging nicht!

Ich sah nicht mal mehr was, außer rot!

„Ihre was?“, „Wassss?“, „Wie bitte?“, „Das kann nicht wahr sein!“, „Das darf nicht wahr sein!“

„Sie vernehmen gar richtig, wir haben uns am Ende der Sommerferien verlobt und wollten Halloween den Verlobungsball abhalten. Sie, Rufus, verderben uns gerade gefährlich die Überraschung, mein Guter!“, schlugen seine gespielt freundlichen Worte nicht wie eine Bombe, eher wie eine Atombombe ein.

So salopp überging er die geschockten Reaktionen und wirkte sehr zufrieden mit sich. Ich bekam einen Tunnelblick und fühlte mich wie eine marmorne Statue, die sich nie mehr würde rühren können, während ich darum kämpfte, Luft zu bekommen.

Kälte, nichts als Kälte fühlte ich, weil mein Innerstes wie erfroren schien!

Jetzt verstand ich Dracos Zwischenruf. Er hatte Severus‘ Frage verstanden, „ob Lucius uns etwas zu sagen hätte“ und dessen Reaktion, „dass man ihm gratulieren sollte“, richtig gedeutet.

Doch ich war immer noch wie gelähmt, wie paralysiert, als ich miterlebte, wie Lucius nun nach meiner anderen Hand griff und ich zu meiner inneren Pein erfühlte, wie Lucius mit dem Ring spielte, den er mir vorher versteckt unter den Umhängen angesteckt hatte. Das hatte er also getan und ich hatte dies wegen der Ungeheuerlichkeit, dass er meine Zugehörigkeit offenbaren würde, schon fast wieder vergessen gehabt.

Jetzt sah und registrierte ich das Schmuckstück zum ersten Mal, denn er hielt es und meine Hand Rufus Scrimgeour mehr als ostentativ unter die Nase.

Damit bekräftigte er seine Behauptung, wir wären verlobt und ich versuchte sprachlos, aber äußerlich sichtbar unberührt, an seiner Seite zu verharren. Ich kämpfte vehement darum, die Panik in mir gering zu halten und nicht einfach wie ein Feigling zu flüchten. Tränen der Wut wollten in mir aufsteigen. Das alles war so unnötig wie ein Kropf, was hier passierte. Ich verfluchte mal wieder mein Glück und wünschte meine neue Familie zum Teufel!

Dabei bemerkte ich am Rande, dass Harry und Ron zwar geschockt wirkten, aber sich trotz der Ungeheuerlichkeit, die hier verkündet wurde, sehr ruhig verhielten. Das war ein Wunder, wenn man bedachte, was sie sonst für ein Temperament hatten und wie betäubt ich mich selbst fühlte. Dabei wagte ich es keine Sekunde, zu Draco zu blicken.

„Bitte?“, kam es akzentuiert vom entgeisterten Minister. „Das kann nicht Ihr Ernst sein! Sie ist nicht älter als Ihr Sohn!“, zuckten die Augen des Mannes zu Draco. Was für ein Heuchler, ging mir spontan durch meinen benebelten Geist, weswegen ich abfällig schnaubte.

Aber der Minister hätte in mir fast einen Leidensgenossen sehen können, schließlich manipulierte Lucius uns gerade beide. Ich konnte es immer noch nicht fassen, dass Lucius das tatsächlich gewagt hatte und ich starrte blicklos auf meinen linken Ringfinger.

„Ein Skandal!“, wisperte McGonagall empört, ihr zwischen Ekel, Ablehnung und Verachtung tendierender Blick huschte über uns.

Ich wusste nicht, was sie widernatürlicher fand, ich und Lucius allgemein, oder unseren Altersunterschied, oder dass wir nicht wirklich auf derselben Ebene verkehrten. Fast schon irrwitzig zynisch fragte ich mich, was sie dann über mich und Severus denken würde?

„Nun, das sei dahingestellt, wie auch immer, es ist nicht zu ändern. Ja, Rufus, Sie vernehmen recht! Ich bitte Sie, Sie wissen, ich würde es nie dulden, dass eine Frau meines Hauses und gerade auch noch meine eigene, zukünftige Gemahlin irgendjemand anderem dient als mir!“, äußerte Lucius absolut selbstherrlich in seiner geschäftigen Art. „Sie wissen selbst, dass auch Narcissa nie mit irgendetwas nicht Standesgemäßem zu schaffen hatte und für ihre irre Schwester konnte sie nichts! Ich hoffe, Rufus, Sie erkennen, dass ich Sie nur davor bewahren wollte, auf einen Denunzianten zu hören, der anscheinend die Ehre der Familie Malfoy in den Dreck ziehen wollte. Minister, Sie wissen um die Boshaftigkeit der Menschen!“

„Sie? Sie soll wahrhaftig Ihre Frau werden?“, stieß Rufus keuchend hervor und auch Kingsley sah mehr als bleich aus. An sich hätte ich nun beleidigt sein sollen, wenn ich ihnen nicht so völlig zugestimmt hätte. Das hier war ein makaberer Witz. „Sie meinen das ernst?“

„Ja, absolut! Haben Sie etwas gegen meine Wahl? Oder gegen Miss Granger persönlich?“, klang es so, als wollte ihm Lucius unterstellen, dass ich in den Augen des amtierenden Ministers nicht gut genug für Lucius wäre.

„Ich… äh, nein, aber ist sie nicht zu jung? Und Narcissa war ja ein ganz anderes Kaliber!“, wehrte Scrimgeour eilig ab, unterdessen er mich anscheinend mit neuen Augen maß und seine Blicke taxierend über meine Person wanderten. Darüber ärgerte ich mich gleich wieder, da ich mir erneut wie ein Vieh auf einem Markt vorkam, dessen Wert gerade bemessen wurde.

„Oh nein, keine Sorge, Miss Granger ist reifer als ihr Alter vermuten lässt und Narcissa, jaja, dass damals unsere Eltern die Ehe arrangiert haben, sollte kein Geheimnis sein. Diesmal wähle ich meine zukünftige Ehefrau selbst!“, bestimmte Lucius maliziös, da er sich genötigt sah, seine Wahl zu erklären. Wie es aussah, mochte er es nicht, dass der Minister Narcissa als die bessere und passendere Wahl sah als mich.

Indessen stierte ich weiterhin nur noch auf den Ring, um nicht doch noch etwas Unkluges zu tun. Für Rebellion gegen Lucius war gerade nicht der rechte Zeitpunkt, aber innerlich brodelte es in mir.

„Äh… das… unerwartet… das…“, stotterte der Minister leicht sprachlos, bis er überraschenderweise ganz plötzlich unterbrochen wurde.

„Meinen Glückwunsch, Lucius! Wahrlich unerwartet… aber umso erfreuter bin ich über deine Wahl! Miss Granger!“, vernahmen wir auf einmal Severus‘ dunkle, seidige Stimme und dies jagte mir einen Schauer über den Rücken.

Meinte er das ernst?

An sich war ich sprachlos aufgrund seiner gelassenen Reaktion und so hob ich den Kopf, um ihn anzusehen, dabei erkannte ich in den Tiefen seiner schwarzen Augen sein Amüsement über die Situation. Er schien sich köstlich zu vergnügen, dass wir es aber auch immer schafften, ihn bei Laune zu halten. Offenbar bemerkte keiner, dass Severus fast vor einem Lachkrampf stand.

Wie schön für ihn, dass er es lustig fand und schon wieder beutelte mich innerlich die Wut über diese Männer, denen ich in ihrem Despotismus fast hilflos ausgeliefert war!

„Severus, es freut mich unsäglich, dass du uns Glück wünschst!“, gab Lucius eine perfide und mehr als doppeldeutige Antwort auf das versteckte Amüsement seines Freundes, das auch ihm nicht verborgen blieb.

Für mich hörte es sich an, als wäre er erleichtert über Severus‘ Reaktion, da er bestimmt, trotz ihrer Verbundenheit und dessen wie gut sie sich kannten, nicht sicher gewesen war, wie Severus auf dergleichen reagieren würde! So eine Situation hatte es ja auch noch nie gegeben und ich war mir sicher, dass Lucius wusste, wie wichtig ich für Severus war, auch wenn dieser es nie zugeben würde.

„Was machen wir nun, Minister?“, fragte Gawain Robards unsicher.

„Ja, nehmen wir sie trotzdem mit?“, wagte der erstaunlich blasse Shackelbolt vorsichtig zu fragen, eine Leistung, wenn man bedachte, wie schwarz er eigentlich war.

„Ich, ich… äh, ja… keine Ahnung!“, meinte der überforderte Minister sichtlich mitgenommen.

„Ich bitte Sie, Minister, Sie sagten selbst gerade, dass jedes Mitglied der Familie Malfoy gegen Vorwürfe erhaben ist. Gilt dies nicht für meine Verlobte?“, begehrte Lucius entschieden auf und erst hier zuckte mein Haupt wieder hoch. Jetzt erst verstand ich ihn wirklich. War diese Zusage des Ministers Lucius‘ mickriger Versuch, mich vor Askaban zu retten?

Das konnte nicht sein Ernst sein. Er setzte mich diesem Fait accompli erbarmungslos aus, weil er mir auf zwielichtige Art und Weise helfen wollte?

Meiner Ansicht nach versuchte er eher, die Chance, die sich ihm bot, am Schopfe zu packen und sich so etwas wie Unschuld zu erkaufen. Das gelang ihm in meinen von Misstrauen durchzogenen Gedanken nicht wirklich. Er hatte gesehen, dass sich ihm hier eine Möglichkeit bot mich zu übervorteilen und das versuchte er gerade eiskalt auszunützen. Hierfür ging er über Leichen und dabei war er wenig subtil in seinem brachialen Vorgehen.

„Ist dies kein abgekartetes Spiel?“, trat der ehemalige Aurorenleiter bei Scrimgeour zutage und Lucius stöhnte affektiert getroffen, aufgrund derartig gezeigter Skepsis. Ich war gewillt, tragisch berührt mein Haupt zu schütteln, leider nein, guter Mann, leider nein, er meinte das todernst.

Beziehungsweise, natürlich war es ein abgekartetes Spiel, nur anders als sich Rufus dies ausmalen konnte. Es war dafür da, um mich zu überlisten und meinen Willen zu übergehen, nicht ihn!

„Sie verletzen mich mit diesem Vorwurf, aber was meinen Sie genau?“, fasste Lucius betont hilfsbereit nach.

„Vielleicht lösen Sie die Verlobung, sobald wir die Halle verlassen!“, stellte der Minister seine argwöhnische Vermutung und erntete von Severus als auch von Lucius ein sehr leises, abfälliges Schnauben, als ob dies je passieren würde. Und was würde dies noch ändern? Lucius hatte mich trotzdem enttarnt.

Und ganz plötzlich schlug meine Stimmung um, denn die Idee, Lucius könnte seine Verkündung unserer Verlobung zurücknehmen, war etwas, was mich zuerst leiser und dann immer lauter auflachen ließ. Es klang schrecklich spöttisch und brachte mir so einige verwirrte Blicke ein, aber ich dachte nur, wenn Lucius eins zu verhindern wüsste, dann dies. Es war bestimmt nicht seine Intention, mich wieder in die Freiheit zu entlassen, schließlich hatte er mich nun dort, wo er mich seit einiger Zeit haben wollte, fest in seinem Griff!

Das war so witzig, dass ich nicht mehr an mich halten konnte und fast schon hysterisch lachte, denn er hatte mich nun endgültig in diesem Netz gefangen, und würde mich nicht mehr freiwillig entwischen lassen!

Ich steigerte mich immer mehr in meine Hysterie hinein und lachte immer unkontrollierter, selbst Severus schien schwer mit dieser an Lächerlichkeit grenzenden Aussage zu kämpfen, wie ich es selten bei ihm gesehen hatte, woraufhin er mir und meinem Lachkrampf einen langen, sehr langen Blick schenkte.

„Was ist daran so lustig, Miss Granger?“, fauchte mich Kingsley wütend an und ich riss mich eilig zusammen und holte zitternd Atem, bevor ich gänzlich die Bescherung verlieren konnte.

„Oh, Verzeihung… ich… ich habe etwas die Fassung verloren, allein die Vorstellung, dass Lucius Sachen halbherzig macht, ist unglaublich!“, ließ ich meine kryptischen Worte vernehmen, die dafür sorgten, dass einige laute Quietscher in der Halle ertönten, da ich zum ersten Mal so laut, dass sie es alle hören konnten, offenbarte, dass ich Lucius mit Vornamen ansprach und dass alles, was er bisher hier so hatte verlauten lassen, sehr wohl auf Tatsachen beruhte.

Zum Beispiel, dass wir uns kannten, oder dass wir uns wirklich nahestanden, all dies wurde nun von mir bestätigt.

„Tja, Minister, da sehen Sie es, meine zukünftige Frau kennt mich wahrlich zu gut! Liebes, zeige dem Minister erneut deinen Ring!“, forderte Lucius autoritär und das war ich zu meinem Leidwesen von ihm gewohnt, damit konnte ich umgehen, wenngleich ich diesen Befehl unter einem mordlüsternen Blick von mir nachkam. Ich hob die Hand, die mich band, lustlos an, um meinen Ring zu präsentieren, den Lucius dem Minister zuvor schon unter die Nase gehalten hatte und den ich nun ohne den Nebel, der mich zuvor umwabert hatte, betrachtete.

Ich hatte vorher auf die Hand gestarrt, aber den Ring noch nicht bewusst aufgenommen. Ich hätte nicht sagen können, wie das Ding aussah. Es war mir schlicht egal und ich hasste ihn schon jetzt.

„Das ist…!“, „Heftig“, „Chic!“, „Sehr edel“, waren dies die Kommentare des Ministers und der Auroren, die einen Blick auf das Kleinod warfen, aber Severus‘ Aussage war der Hit.

„Einzigartig, Lucius, dass du das alte Teil wirklich wiedergefunden hast in deinem Meer an altem Schmuck, Hut ab!“, gab Severus nun spottend seinen Kommentar dazu ab.

Außerdem lag eine gehässige Boshaftigkeit in den Worten, die mich fest auf meine Lippe beißen ließ und selbst Lucius schien über Severus‘ trockene Aussage schrecklich erheitert, wenngleich ich noch nicht verstand, was Severus sagen wollte. Ohne Grund gab dieser Mann nie etwas von sich und deshalb lauschte ich genau. Es war essentiell, dass ich nichts verpasste, was diese Männer hier miteinander und untereinander austauschten.

„Tja, Severus, ich verlege nie etwas!“, entgegnete Lucius jovial und sichtbar zufrieden mit sich.

„Hätte mich auch gewundert, wenn du nicht versuchst, es wirklich richtig zu machen!“, bewegten sich Severus‘ Lippen fast nicht, als er eine Feststellung traf, die mich tief berührte und meine schlimmsten Vermutungen in mir zutage treten ließ.

„Du schmeichelst mir!“, war Lucius‘ Antwort, bei der er Severus leicht und huldvoll zunickte.

„Entschuldigung, könnten mir die Herren verständlich machen, worum es in dieser Unterhaltung geht?“, kam es genervt von Scrimgeour, der anscheinend genau so viel verstand wie ich. Es war so leise in der Halle, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. „Natürlich, Minister, das obliegt dann dem Verlobten zu erklären!“, schnarrte Severus unerträglich süffisant.

„Verzeihen Sie, Minister! Natürlich, dies ist einer der Familien-Verlobungsringe, die von Generation zu Generation weitergegeben werden und nun, das, was Sie mir unterstellen, ist mit diesem magischen Artefakt nicht wirklich möglich. Es ist ein magisches Versprechen, welches einmal gegeben nicht mehr gelöst werden kann“, klang seine samtige Stimme in meinen Ohren wie ewige Verdammnis, „und deshalb wird die Verlobung sehr bewusst eingegangen“, erklärte Lucius sichtbar genüsslich und gerne und mir zog es schon wieder den Boden unter den Füßen weg.

Ich hörte in meinem Rücken, wie ein Kelch umfiel und dachte mir schon, dass dies Draco war, was mich nervös schlucken ließ. Das hatte Lucius nicht wirklich getan, oder?

Band er mich derart endgültig, ohne meine Einwilligung, mit Hilfe der Magie an sich?

Das konnte er nicht tun, das durfte er nicht tun.

Aber nun erschloss sich mir auch Severus‘ Reaktion, der anscheinend den Ring sofort als das erkannt hatte, was er war, ein Gefängnis der besonderen Art.

„Aber Ihre Frau trug niemals diesen Ring!“, ging der Minister argwöhnisch in die Offensive.

„Oh ja, Narcissa… aber es stimmt, sie hatte nie diesen Ring, da ich ihr zur Verlobung nicht diesen Ring reichte, wie gesagt, die Ehe war arrangiert!“, gab Lucius bereitwillig Auskunft und wedelte wegwerfend wieder durch die Luft.

„Ah… ich verstehe!“, zeigte sich der Minister konfus, aber es verstand wohl wirklich jeder, was Lucius damit zu implizieren versuchte.

Ich war gewillt, ihn zu schlagen, wohingegen ich mich jedoch nicht rührte, denn ich wusste nicht, ob ich dann jemals wieder damit würde aufhören können, auf ihn einzuprügeln.

„Minister, da dies nun geklärt ist, würde ich Ihnen raten, den Denunzianten ausfindig zu machen. Diese Person wollte Ihnen übel mitspielen!“, erklärte Lucius dem Minister knapp und beendete damit aus seiner Sicht wohl auch dieses Zusammentreffen.

„Jaja, das glaube ich auch fast, Shacklebolt, leiten Sie umgehend eine Untersuchung ein!“, befahl der mitgenommen wirkende Scrimgeour energisch. „Ich denke, wir gehen!“, zog er sich nicht sehr souverän zurück, während Lucius nachsichtig lächelte, schließlich reagierte der Minister auf den durch die Blume erklärten Rausschmiss genau wie von Lucius beabsichtigt.

„Natürlich, Sir!“, rauschten die Eindringlinge derart schnell ab, dass es schon erstaunlich war und zurück blieben viele geschockte, erschütterte und entsetzte Schüler und Lehrer, die nicht fassen konnten, was hier gerade vor ihren Augen passiert war.

„Sir, ihren Zauberstab“, wandte Severus weitsichtig ein, woraufhin Dawlish sich noch einmal rasch umwandte und mir in einer ungeduldigen Geste meinem Stab zuwarf.

Ich fing ihn gekonnt aus der Luft, selbst überrascht, dass ich dazu überhaupt noch in der Lage war, aber den Instinkt, meinen Stab zu fangen, konnte ich anscheinend doch noch nicht ablegen.

Erstaunlich, wie es schien war ich mal wieder härter im Nehmen als gedacht!

Als die Türen zuknallten stand ich immer noch neben Lucius, mit Severus vor uns und versuchte gerade, die Neuigkeit zu verdauen, dass ich nun verlobt war!

Mit Lucius!

Das war heftig. Langsam wagte ich es, mir fast zitternd den Ring vor die Augen zu halten, um mir die Ungeheuerlichkeit zu vergegenwärtigen, gegen meinen Willen mit einem Mann verlobt worden zu sein, den ich nicht heiraten wollte!

Den ich nicht ehelichen konnte, da ich mit seinem Sohn liiert war!

Ich besah mir den Ring, der mir unter dem Mantel angesteckt worden war, ganz genau.

Was ich wahrnahm ließ meinen Atem stocken. Es war ein unbeschreiblich schönes und wertvolles Stück, das mir meinen freien Willen raubte. Es war unsäglich, aber ich beherrschte mich, dem Impuls nicht nachzugeben, ihn mir vom Finger zu reißen. Diese Blöße wollte ich mir nicht geben, doch je länger ich den grünen Stein ansah, desto beengender fühlte sich der Ring an meinem Finger an.

Plötzlich war mir so, als würde ich keine Luft mehr bekommen, als würde mir das Atmen immer schwerer fallen, der Anblick des Rings an meinem Finger immer realer werden. So hielt ich es einfach nicht mehr aus und warf meine Contenance dann doch über Bord.

Wild fing ich an, an dem Ring zu ziehen und zu zerren, die Blicke aller Anwesenden und die Stille lasteten schwer auf mir. Aber das Stück ging zu meiner Verzweiflung nicht ab. Es gelang mir nicht, es von meinem Finger zu ziehen, dabei war es mir nun zum ersten Mal völlig gleich, dass alle hier Anwesenden Zeugen davon wurden, wie ich die so mühsam aufrecht erhaltene Beherrschung verlor.

„Scheiß Ding, geh endlich ab!“, fluchte ich inbrünstig, während ich leidlich versuchte, den Ring von meinem Finger zu zerren.

Hermiones Sicht Ende

Lucius Sicht

„Scheiß Ding, geh endlich ab!“, schrie sie frustriert und es hallte laut von den Wänden wider, dabei riss sie rabiat an dem Ring an ihrem Finger.

Ihre Züge verzogen sich zu einer Fratze, sie kämpfte mit dem unvergleichlich wertvollen Erbstück und ich stand weiterhin mit einer gewissen, unbeteiligten Nonchalance neben ihr und ließ sie herumzappeln.

Ich selbst konnte meine Zufriedenheit über meinen gelungenen Coup kaum verhehlen, aber ich hielt mich bewusst zurück, um nicht einen Aufstand zu riskieren. Mir war sehr wohl gegenwärtig, dass sie alles andere als begeistert von meiner Aktion war und sein würde.

Gleichzeitig hoffte ich, dass wir alle weiteren Diskussionen in einem privateren Umfeld würden abhalten können. Die permanente Musterung durch McGonagall ging mir gefährlich auf die zarten Nerven.

„Miss Granger… Miss Granger!“, insistierte Severus plötzlich sehr intensiv und ihr irgendwie hektischer und unsicherer Blick zuckte zu ihm, während sie an ihrem Verlobungsring hantierte.

Beide tauschten kurz einen inbrünstigen Blick. Das kannte ich so nicht von Severus, aber er schien in ihr etwas zu erkennen, was mir entging, denn plötzlich begann er, ganz sachte sein pechschwarzes Haupt zu schütteln.

„Lassen Sie das! Das ist keine Option und völlig irrwitzig, was Sie sich gerade zusammen spinnen!“, warnte er sie eindringlich und sehr offen, wie er es selten tat und dies ließ mich aufhorchen.

„Nicht?“, hauchte sie sichtlich verärgert und stieß ihre Hand wütend und anklagend in die Luft.

„Ich weiß, dass Sie es tun könnten und würden, es würde aber an den Fakten nichts ändern!“, drang er weiter in sie und ich runzelte unwillig die Stirn, da ich zu erraten versuchte, was sie da redeten, bis es mir wie Schuppen von den Augen fiel.

In dem Moment schrie sie wütend auf und ließ, ungewöhnlich für sie, sehr tief blicken, da sie haltlos außer sich wirkte.

Ja, jetzt wusste ich, was ihr in den Sinn gekommen war, denn ich kannte sie ebenfalls gut genug, um zu ahnen, dass ihre makaberen Gedanken in Richtung Finger, oder gar Hand ab gingen. Ich traute ihr schließlich alles zu, aber Severus hatte schon völlig recht, es würde nichts daran ändern, dass wir nun verlobt und uns damit gegenseitig versprochen waren.

Was man eben, als ich ihr versteckt unter dem Mantel den Ring angesteckt hatte, nicht mitbekommen konnte, war sein magisches Leuchten gewesen, welches den Bund auf mannigfaltige Weise besiegelt hatte.

Der Stein im Ring offenbarte das Siegel der Familie und erst nach dem Tode würde man den Ring wieder vom Finger der zu ehelichen Dame lösen können. Aber es oblag nicht mir, ihr dies in diesem doch allzu öffentlichen Rahmen zu offenbaren, wenngleich Severus es auf seine ganz eigene Art sehr wohl tat.

„Wenn er meint, dass ich… weil er mein Mann sein will… oder sich einbildet, dass dies etwas ändert“, flüsterte sie konfus zu Severus, „wenn er denkt, dass das Draco aus meinem Bett oder Leben verbannt, dann kann er darauf lange warten!“, murrte sie so leise, dass sie wirklich nicht jeder verstehen konnte und ich lüpfte ob dieser Provokation konsterniert eine helle Braue.

Wir sollten langsam, aber sicher von hier verschwinden, denn meine Aktion hatte genug Geheimnisse offenbart, da mussten jetzt nicht noch mehr Interna vor aller Ohren und Augen diskutiert werden.

Sie klang absolut unversöhnlich und nachtragend!

Das Folgende geschah rasant, denn sie wirbelte zu mir herum, dabei agierte ich eher aus einem Instinkt heraus denn überlegt. Sie holte kraftvoll aus und ich fing ihre Hand gerade noch so im Flug am Handgelenk ab, bevor sie meine Wange treffen konnte. Darauffolgend fixierten wir uns kalt und unbewegt, weil ich wenig erfreut über ihre öffentliche Attacke war, die offenbarte, dass sie die Kontrolle über sich und ihre Emotionen verloren hatte.

Das war unwürdig!

„In meiner unendlichen Großmut werde ich über diese Handgreiflichkeit hinwegsehen… aber du solltest mich nicht zu sehr reizen, du weißt, wo das enden könnte!“, drohte ich ihr seidig, denn alles würde ich ihr selbst jetzt nicht durchgehen lassen, ganz gleich wie erregt sie durch meine Tat war, aber schlagen lassen würde ich mich nicht von ihr und schon gar nicht vor Publikum!

Die große Halle schien zu einem Schmelztiegel der Stille geworden zu sein, da wir ein interessantes und durchaus sehenswertes Schauspiel abgaben.

„Pfff… siehst du mich schon vor Angst schlottern?“, raunzte sie mich nicht wirklich eingeschüchtert an und versuchte, ihre Hand ruckartig aus meinem stahlharten Griff zu befreien, was ihr nicht gelang.

„Siehst du… das solltest du wirklich! Ich bin gerade nicht zu Späßen aufgelegt!“, erwiderte ich absolut ernst und kalt.

„Pah, was du unter Spaß verstehst, mich fertig zu machen, mich zu übervorteilen, das ist Spaß für dich“, flüsterte sie mit eisiger Stimme, was die anderen sich bestimmt auf die Frage brachte, woher sie den Mut nahm, mir derart forsch gegenüberzutreten.

„Willst du wirklich wissen, was mir Spaß macht, Liebes?“, gab ich mit rauer Stimme zurück und war dabei an Doppeldeutigkeit nicht zu überbieten.

In dem Moment wirkte sie, als würde sie gleich explodieren, währenddessen hielt ich sie mit meinem intensiven Blick gefangen und genoss es, dass ihre sonst so gut sitzende Maske nur wegen mir verrutschte.

„Nein“, flüsterte sie heiser in einem mickrigen Versuch, die aufgeladene Stimmung zwischen uns wieder aufzulösen.

„Doch“, widersprach ich lapidar, da ihr sehr gegenwärtig war, auf was ich anspielte.

Schlussendlich hatten wir beide schon genügend kompromittierende Situationen hinter uns, die unterstrichen, was ich alles mit ihr anstellen würde, wenn sie mich nur lassen würde. Wir beide hätten dabei unseren Spaß, das stand außer Frage.

„Und vor allem wäre es angebracht, dieses Gespräch in privatere Räumlichkeiten zu verlegen“, hisste ich betont freundlich zu ihr und bohrte meinen Stock ungeduldig in den Hallenboden, erntete aber nur einen unheimlich arroganten Gesichtsausdruck von ihr.

„Weißt du was, Lucius, das habe ich schon die ganze Zeit gesagt, dass ich gehen wollte, aber auf mich hört ja keiner. Weißt du was? Ich bin auch nicht zu Späßen aufgelegt, somit erkennst du vielleicht, dass mir deine Drohung dramatisch gleich ist!“, bot sie mir verbohrt die Stirn und das Tragische war, ich glaubte ihr sogar, dass sie keine Furcht vor den Kerkern hatte. Sie schien regelrecht außer Kontrolle zu geraten. Bisher hatte sie relativ unbewegt gewirkt, jetzt schien sie eher wie losgelöst und als ob ihr alles egal wäre.

„Nachdem du alles in deiner beschissenen Arroganz kaputt gemacht hast, ist doch schon alles einerlei!“, brüllte sie mich nun sichtbar zornig an, darüber verengten sich meine Augen widerwillig zu missbilligenden Schlitzen. „Du willst Krieg, den kriegst du, verlass dich drauf!“, schob sie eiskalt und auf einmal sehr beherrscht hinterher und ich glaubte ihr jedes Wort, dafür hätte ich nicht mal ihren Blick sehen müssen. Dennoch, ich mochte es nicht, wenn man sich derart gehen ließ und so ausfallend wie davor, schon gar nicht vor so vielen Zuschauern.

„Reiß dich am Riemen!“, forderte ich daher eisern, ging nicht weiter auf ihre Drohung ein, worauf sie verächtlich auflachte.

„Warum?“, provozierte sie kalkulierend. „Weißt du, ich kann es nicht ausstehen, was du hier getan hast“, wedelte sie mit ihrer Hand vor meinen Augen rum. „Ich würde dich nie heiraten, wenn du mich fragen würdest! Aber nein, warum jemanden fragen? Ich kann dir noch was sagen, nichts hasse ich mehr als wenn man mir meinen Willen nimmt. Ich treffe immer meine eigenen Entscheidungen! Verstanden? Aber eines kann ich dir schon jetzt mitteilen“, musterte sie mich kühl, „vergeben… vergeben werde ich dir das hier niemals!“, schwor sie mit einer Inbrunst, die mir sachte Sorge bereitete, viel mehr als ihre Androhung des Krieges zuvor, denn damit hatte ich gerechnet und konnte damit leben.

Wie schon unsere Auseinandersetzungen zu Beginn des Jahres hätten wir auch diese Eiszeit überwunden, aber ihre Ankündigung, mir nie zu vergeben, wog schwer und lag jenseits dessen, was sie mir je zuvor im Streit angedroht hatte, weswegen sich eine steile Falte auf meiner Stirn bildete. Das hier drohte zu entgleisen.

„Du übertreibst, es war nötig!“, beharrte ich bestimmt, denn ich würde nicht zulassen, dass ein Malfoy in Askaban landete. „Und nun beherrsche dich, das ist unwürdig, ich würde es begrüßen, wenn wir diese Diskussionen woanders fortsetzen!“, ging ich einen Schritt auf sie zu und sie wich sofort einen weiteren Schritt vor mir zurück. Sie wich mir wie bei einem Tanz aus, aber ihr Handgelenk gab ich immer noch nicht frei.

„Das war es nicht!“, rief sie sich echauffierend. „Es war sogar schrecklich unnötig!“, war die aufrichtige Verzweiflung in ihrem Ton nicht zu überhören.

„Nicht?“, fragte ich süffisant, mit einer gewissen Überheblichkeit, dabei fiel mir sehr wohl auf, dass McGonagall misstrauisch zwischen uns allen hin und her sah.

„Du bist nicht der Nabel der Welt, ich hätte das auch ohne dich lösen können. Ich brauche dich nicht!“, funkelte sie mich unnachgiebig an. „ Ich brauche niemanden!“, behauptete sie dann stur und unversöhnlich.

Es war ersichtlich, dass viele und auch die Professorin überrascht waren, wie Hermione und ich miteinander sprachen, oder uns eher anschrien!

Ich hätte nie gedacht, jemals derart in der Öffentlichkeit einen Disput auszutragen. Wie schön, dass mir Hermione auch hier neue Horizonte bescherte. Ich quetschte ihr Handgelenk, es war wie ein Kampf, den wir hier ausfochten. Wer von uns gewinnen würde, war nie klar, genau so wenig wie die Frage, wo dies bei uns enden könnte.

„Das reicht!“, mischte sich nun Severus geschäftig ein, da er erkannte, dass es gefährlich wurde, wenn man uns weiter machen ließe. Denn jetzt stand ich kurz davor, sie aufgrund ihrer verbohrten Art zu würgen!

„Ja, das denke ich auch!“, merkte ich hörbar erzwungen ruhig an.

Dabei richtete ich mich noch ein Stückchen höher auf, denn leicht fiel es mir nicht und ich erzwang diese Kontrolle über mich mit eiserner Beherrschung, worauf ich meinen Griff lockerte und sie mir sofort ihre Hand entriss.

„Sehe ich ähnlich, du willst eine Ehefrau, dann solltest du wissen, dass ich lieber Harakiri begehe als diesen bescheuerten Eheschwur zu sprechen, sei dir dessen bewusst!“, zischte sie drohend, dabei konnte sie ihre Stimme vor Wut nicht mehr zügeln und ich erinnerte mich an die Szene, als ich ihr aus dem Familienbuch den Schwur vorgelesen hatte.

Daraufhin schüttelte ich sachte mein hoheitliches Haupt und mein langes, fast weißes Haar umwehte meine Schultern.

„Und wenn ich diesen gar nicht verlangen würde?“, flüsterte ich leise zu ihr zurück und blickte ihr aufrichtig in die Augen, aber erkannte, dass sich ihre nur noch weiter vor Wut verdunkelten.

„Lucius, du kannst mich mal!“, rief sie dreist, um nicht schon zu sagen empörend und rauschte dann unnachahmlich von dannen, indem sie geschwind aus der Halle lief, als wäre sie auf der Flucht.

„Aber immer wieder gerne!“, raunte ich laut und auch nachtragend in nicht weniger zweideutiger Provokation ihrem Rücken zu und verfluchte die Tatsache, dass sie lieber vor mir davonlief als sich mir zu stellen.

Zu meiner Überraschung war ich selbst etwas durch den Wind und fühlte mich nicht im Ansatz so souverän wie ich vorgab zu sein. Doch dann ließ mich sachter Applaus herumfahren und ich bemerkte mit einer gewissen Konsternation, dass Draco nun zu uns gekommen war und jetzt neben Severus, mir und McGonagall stand.

„Ich gratuliere, Vater, eine einmalige Leistung!“, klang mein Sohn in meinen Ohren irgendwie doppeldeutig und ich wandte mich ihm vollständig zu. Von einem Schlag auf den Nächsten fühlte ich mich nach diesem Drama erschöpft und das Schlimmste war, nicht gewürdigt in meinem Handeln.

„Wie meinen?“, fragte ich daher recht knapp und ungeduldig. Ich hatte keine Lust, jetzt Spielchen mit meinem Sohn zu spielen.

„Alles was du in den Sommerferien erreicht hast ist dahin… das vergibt sie dir nie!“, antwortete mein Sohn mit einem durchaus süffisanten und schadenfrohen Grinsen, das mir mehr als sauer aufstieß, denn ich ahnte, dass er recht haben könnte und das setzte meiner Geduld extrem enge Grenzen.

„Mr. Malfoy!“, mahnte Severus meinen Sohn sofort zur Zurückhaltung.

„Draco!“, drohte nun auch noch ich ungehalten, da ich nicht darüber zu sprechen wünschte.

Ich beging keine Fehler und selbst wenn, war es nicht an meinem Sohn, mir diese vorzuhalten!

„Ich benenne nur Tatsachen“, fuhr Draco ohne Scheu fort, „aber wie auch immer, Vater, ich gratuliere dir zu deiner Wahl, aber noch mehr dazu, wie du es umgesetzt hast, eines Malfoys würdig und das meine ich ernst… ich bewundere die Umsetzung… viel Glück, das wirst du ab nun brauchen!“, knirschte ich bei seinen irgendwie überheblich klingenden Worten schmerzhaft mit den Zähnen.

„Wo er recht hat, Mr. Malfoy, passen Sie auf, dass nicht auf einmal etwas vergiftet ist!“, wirbelte ich bei dem Satz wieder herum und blinzelte.

Wie kam es, dads diese rothaarige Pest sich bemüßigt sah, sich einzumischen? Als mir erst langsam seine Aussage ins Bewusstsein drang, musterte ich ihn mit einem Hauch Neugierde. Meinte er das ernst?

Wenn ich mir ihre Gegner, die ihr bisher zum Opfer gefallen waren, ins Gedächtnis rief, hatte dieser Weasley vielleicht nicht mal unrecht. Ich registrierte, dass auch Severus in meinen Augen zu amüsiert aussah.

„Unfug!“, schaltete sich jetzt jemand ganz anderes rigoros ein und das überrumpelte mich dann doch tatsächlich.

„Mr. Potter?“, hauchte auch schon Severus ölig, aber Potter winkte ab und ließ sich nicht stören.

„Mr. Malfoy, ich möchte Ihnen meine Glückwünsche überbringen“, trat Potter entschlossen vor, auf mich zu und sprach mich laut und selbstsicher an, aber das hatte Potter ja schon immer gekonnt, wenn ich bedachte, wie er mir als kleiner Junge entgegengetreten war, als er mir diesen nervigen Hauself hatte abspenstig machen wollen, dessen Verlust ich wohl verkraften konnte, wenn ich auch zugeben musste, ich hatte damals nicht mit einer so verschlagenen Reaktion des Potterjungen gerechnet.

Schon damals, wohl angetrieben von seiner Rage, hatte er sich sehr selbstsicher gezeigt, doch jetzt wirkte er gänzlich erwachsen und ich hatte das Gefühl, er hatte gelernt, nicht in sich blicken zu lassen. Er war gut geworden und das musste man Hermione lassen, denn Potter hielt meinem harten Blick ohne mit der Wimper zu zucken stand.

„Ich hoffe wirklich sehr, dass Sie wissen, was Sie da tun, da ich nur das Beste für Hermione will“, gab er nun gespielt freundlich von sich und behielt mich eisern im Blick.

Die Reaktionen auf Potters Glückwünsche erfolgten prompt und waren nicht gerade positiv, da ihre Kameraden bodenlos entsetzt und sehr fassungslos wirkten, dass Potter anerkannte, was ich getan hatte und anscheinend sogar auch noch guthieß, dass wir uns verlobt hatten.

„Das ehrt Sie, Mr. Potter, ich habe ebenfalls nur ihr Bestes im Blick!“, entschloss ich mich arrogant, meine Umgebung mit Nichtachtung zu strafen und wandte somit mein Augenmerk auf den jungen Mann vor mir.

Sein Handeln irritierte mich, aber es zeigte mir andererseits auch, dass er sich wirklich unter Kontrolle zu haben schien, nicht mehr der impulsive Junge war, den ich im Ministerium angetroffen hatte, sondern gelernt hatte, eine Maske zu tragen, hinter der er seine wirklichen Absichten verbarg, denn dass er mein Handeln wirklich gut hieß, bezweifelte ich ehrlich. Es blieb die Frage, was Potter bezwecken wollte.

„Mag sein… mag sein… welche… wie heißt das Wort? Ich kenne mich in diesem Brauchtumszeugs nicht aus… Mitgift! Welche Mitgift möchten Sie?“, fragte dieser Bengel ganz plötzlich wie aus heiterem Himmel und kurz war meine Maske am rutschen, da mich Potter damit eiskalt erwischte, denn an sich wusste er doch schon lange, dass Hermione ein Mitglieder meiner Familie war, wodurch sein Angebot unnötig war. Sein Handeln war abstrus. Wusste er nicht um die Traditionen, was angesichts seiner Kindheit kein Wunder gewesen wäre, aber andererseits hatte ich angenommen, dass Hermione, mein Sohn und auch die kleine Greengrass diese Bildungslücke behoben hatten.

„Das wird nicht nötig sein!“, gab ich leicht herablassend von mir.

„Nicht? Doch das wird es. Hermione ist meine Familie!“, betonte er sehr eindringlich und ich hatte Hermione blasses Antlitz vor mir, als sie mir auf dem Boot gestanden hatte, dass Potters Frau von uns gegangen war und verstand, was Potter hier aussagen wollte. Es war eine dezente Warnung, dass Hermione auch zu ihm gehörte und somit war mir nun endlich klar, worauf Potter hinaus wollte. Er spielte gut, ja, aber mir war er lange nicht ebenbürtig. „Und ich möchte nicht, dass sie nicht den Stand hat, den sie verdient… was ist Geld? Schließlich haben wir davon alle zur Genüge!“, meinte Potter unerwartet herablassend und ich musste mich zwingen, mich daran zu erinnern, was mir Hermione über den Verlust erzählt hatte, den Potter gerade erst erlitten hatte und mir endgültig eingestehen, dass dieser Mann hier kein Kind mehr war. Der kleine Junge von damals war wirklich erwachsen geworden.

„Sie verstehen nicht, Mr. Potter, das ist nicht nötig, Miss Granger ist fast schon so etwas wie Familie!“, wollte ich trotzdem nicht, dass er das tat, aber ein sehr störrischer Zug legte sich auf seine Miene und er wirkte unnachgiebig, wie mich seine stechend grünen Augen hinter der runden Brille mit so etwas wie Hohn musterten.

„Doch! Sie verstehen nicht, Mr. Malfoy, Hermione ist meine Familie und wird es immer bleiben“, legte er so eine große Ernsthaftigkeit in seine Aussage, dass ich mir jetzt absolut sicher war, dass er mich auch noch so ganz dezent und nebenbei warnen wollte. „1 Million Galleonen?“, fragte der junge Mann auf einmal resolut, aber über die angemessene Höhe hörbar unsicher.

Jetzt ließ er zum ersten Mal durchblicken, dass er sich seiner Handlungen auf dem für ihn neuen, gesellschaftlichen Parkett nicht so sicher war, wie er bisher zu implizieren versucht hatte. Mein Blick zuckte zu Severus und alles an ihm sagte mir, dass ich annehmen musste, wenn ich keinen Aufstand wollte und so seufzte ich geschlagen.

„Wenn es denn sein muss, aber seien Sie sich sicher, dass sie auch hassen wird, was Sie gerade hier tun!“, gab ich zu bedenken.

„Ich bin mir dessen bewusst und doch wird es mich davon nicht abhalten, genau wie Sie zuvor. Ich werde umgehend Gringotts informieren!“, zeigte er sich sehr geschäftig und erstaunlich dumm oder mutig, angesichts seines Seitenhiebes gegen mich, und das hätte ich nie und nimmer von Potter erwartet.

„Tun Sie, was Sie nicht lassen können!“, fauchte ich genervt und wollte nur noch weg.

Ich musste mir selbst eingestehen, langsam lagen meine Nerven blank. Ich hatte mir dies alles wirklich anders vorgestellt und auch wenn ich gewusst hatte, dass Hermione alles andere als begeistert sein würde, hatte ich doch erwartet, ihrerseits genug Anstand anzutreffen, auf dass sie erkannte, warum ich es tat und nicht einen öffentlichen Aufstand hinlegen, wie sie es leider getan hatte. Mir waren schlicht und einfach die Fäden entglitten, was mir wahrlich selten passierte, eigentlich nie, und wenn ich darüber nachdachte, in den letzten Jahren nur im Bezug auf sie, Hermione.

„Oh, immer doch!“, grinste mich Potter regelrecht hinterhältig an, als nun Severus neben mich trat und Potter eindringlich musterte.

„Lucius, komm mit, dieser geglückte Clou muss genau besprochen werden!“, erlebte man Severus mitteilsamer als gewöhnlich, gleichzeitig geleitete er mich geschickt aus der totenstillen Halle, fast als wollte er dafür sorgen, dass nicht auch noch dieses Gespräch ausartete.

Ich konnte es selbst immer noch nicht fassen, was hier passiert war. Hatte ich das wirklich getan?

Nun, nachdem ich den Brief erhalten hatte, dass sich etwas über Hermione zusammenbraute, hatte ich mir meine Gedanken gemacht und natürlich hätte es andere Wege gegeben, aber dieser war mir zupass gekommen und als dann noch Severus‘ Ruf erfolgt war, dass Rufus Hogwarts erstürmte, hatte für mich fest gestanden, dass ich eingreifen würde. Sofort hatte ich kurzentschlossen einen spontanen Plan gefasst und ihn nun rücksichtslos in die Tat umgesetzt.

Niemand von uns ging nach Askaban, das stand nicht zur Debatte!

Doch ich grübelte über die Worte meines Sohnes. Würde sie derart nachtragend sein, weil ich sie gezwungen hatte? Auf der anderen Seite, wie hätte sie dem Ganzen entgehen wollen? Und trotzdem, ich hatte erlebt, wie konsequent sie in allem war, was sie tat und auch darin, mich mit Verachtung zu strafen, würde sie konsequent sein. Ihre Kriegsandrohung war keine leere Drohung gewesen und dennoch war es mir gleich.

Ich war überzeugt davon, ihr mein Ziel in den Ferien klargemacht zu haben und weder sie noch Draco hatten gehandelt, also hatte ich es getan. Die Gelegenheit war passend gewesen und wenn ich etwas wollte, bekam ich es auch, auf die eine oder andere Weise. Sie war gewarnt gewesen und hatte es nicht für nötig gehalten, zu handeln, doch das war nicht mein Problem.

Wenn sie keine Tatsachen schuf, ich tat es! Ich wollte sie und nun war ich dem Ziel näher, auch wenn mir klar war, erst mal würde sie rebellieren.

Ich wollte sie und jetzt hatte ich sie, ob sie wollte oder nicht!

Lucius Sicht Ende

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BeitragThema: 484. „Eine Frau ohne Bedeutung“   Di Okt 21, 2014 6:53 pm

484. Kapitel „Eine Frau ohne Bedeutung“

Dracos Sicht

„Dieses Arschloch!“

„Beruhige dich!“, mahnte ich erwachsen, aber innerlich etwas zu betäubt.

Ich hatte auch einen Schock, das konnte ich nicht wegdiskutieren. Auch wenn ich ruhig wirkte, so war ich doch sehr aufgewühlt.

Nach dem Abgang der Hauptprotagonisten hatten sich sofort alle verteilt, um miteinander zu Tuscheln und zu Tratschen, während ich wie ein Schlafwandler in meine Räume getorkelt war. Dort hatte ich zu meiner Verwunderung Hermione vorgefunden.

Ich freute mich diebisch, dass sie ihr erster Weg direkt zu mir geführt hatte, aber ihre Laune war brandgefährlich. Sie schien mir unberechenbar, wie noch nie in ihrem Leben!

„Beruhigen? Ich mich? Ja, wie denn?“, fuhr sie mich ungehalten an und wirbelte in meinen Räumen auf und ab. Sie wirkt wie ein eingesperrtes Raubtier. Gerade war sie mit großer Vorsicht zu genießen!

„Es ist nicht mehr zu ändern!“, gab ich widerwillig zu bedenken und verfluchte Vater soeben bis ins Grab!

Was hatte er sich dabei gedacht? Dachte Vater wirklich, dass er damit Hermione erobern konnte? Kannte er sie so schlecht? Oder war ihm auf die Schnelle wirklich nichts Dümmeres eingefallen um sie vor Askaban zu retten?

Meine ganzen Sorgen, dass sie sich in den Ferien auf der Gefühlsebene zu sehr angenähert hatten, lösten sich in Luft auf, denn Vater hatte es tatsächlich geschafft, sie mit seinem Handeln so weit von sich weg zu stoßen, wie es mir selbst nie möglich gewesen wäre, sie voneinander zu trennen.

„Dann töten wir ihn!“, meinte sie plötzlich kalt und drehte sich mir wieder zu. Ihre Miene zeigte keine große Emotion und ich erschrak darüber, wie wütend sie auf Lucius war.

„Hermione!“, rief ich irgendwie dann doch überfahren aus und sie stoppte kurz. „Das ist nicht dein Ernst!“ Ich musste sofort an die Worte ihres rothaarigen Freundes denken. Er kannte sie zu gut und gab sich anscheinend schon lange keinen Illusionen mehr hin, wie Hermione tickte.

Aber was auch immer sie sich vormachen wollte, ich wusste, dass sie Lucius nicht würde töten können, ebenso wenig wie ich!

Das war für mich, aber auch für sie keine Option und wenn sie nicht so wütend gewesen wäre, hätte sie es auch genauso gesehen. Wir würden niemanden aus der Familie umbringen!

Schließlich hielt sie an und sah erschlagen zu mir auf.

„Nein… leider!“, hauchte sie erschüttert.

Es war, als würde man die Luft aus ihr raus lassen und sie der Tatsache ins hässliche Antlitz sehen müssen, dass ihre Rache an Vater subtiler sein müsste als derart brachial. Denn wenn sie ehrlich zu sich selbst war, dann wusste sie, dass auch sie nicht in der Lage war, ihn eiskalt zu ermorden, vor allem unter Anbetracht, dass er es an sich nur getan hatte, um sie vor Askaban zu schützen. Diese Aktion hatte er nicht von langer Hand geplant.

Man konnte Vater viel, sehr viel in diesem Leben vorwerfen und natürlich tat er nichts, solange er dabei nicht auch gut wegkam, aber seine Intention, helfen zu wollen, war zum ersten Mal in meinem Leben klar und deutlich auszumachen, selbst wenn ich nicht so blind war, zu glauben, dass dies sein einziger Antrieb gewesen war.

„Aber das ist sooo unfair, es war sooooo schrecklich unnötig!“, jammerte sie geradezu. Plötzlich öffnete sich ganz abrupt meine Tür und Hermione stoppte in ihrem Protest.

„Was war unnötig?“, fragte Severus hörbar neugierig und schloss die Tür hinter sich, während sie einfach verstummte und ich weiter machte, als hätte er sie nie unterbrochen.

„Unnötig? Wirklich? Mir ist fast das Herz stehen geblieben, als diese bescheuerten Typen aufgetaucht sind und dieser schwarze Auror konnte sein Glück fast nicht fassen, dich in Händen zu haben, mein Mudblood!“, zeigte ich mich eindringlich, da ich fand, dass Hermine dies zu leicht sah.

Wie hätte sie sich herausreden wollen?

Wobei, wenn ich mich an sie in der Großen Halle erinnerte, dann sah ich eine abgeklärt, kühl und ruhig wirkende Hermione, welche die ganze Zeit sehr souverän gewirkt hatte, während ein Sturm nach dem anderen die Schule erschüttert hatte.

„Ja, Kingsley ist kein Fan von mir. Aber ja, ihr zwei, ob ihr es glauben wollt oder nicht, ich hätte genügend gegen Rufus Scrimgeour in der Hand gehabt, um ohne Hilfe da rauszukommen!“, erklärte sie nun wieder anklagend und ballte die Hände zu Fäusten, während sie uns wütend anfunkelte.

„Und was?“, fasste Severus meine Frage in leicht gehässig klingende Worte, während er seine Arme unter seinem Umhang verschränkte.

„Spielt es jetzt noch eine Rolle?“, fragte sie hörbar aggressiv durch zusammengebissene Zähne.

„Ja!“, „Ja!“, kam es von uns beiden einstimmig und sie seufzte übertrieben laut auf.

„Na gut, ich weiß aus guten Quellen, was für Dreck er am Stecken hat, um derart im Ministerium aufzusteigen. Jede Person, die so rasant Karriere macht, hat ihre dunklen Geheimnisse, aber das sind fast schon Lappalien gegen die Peinlichkeit, die ich bei Fudge über ihn rausgefunden habe. Er hatte doch etwas mit der verheirateten Mrs. Edgcombe am Laufen…“, begann sie aufzuzählen und lief dabei noch immer in meinem Zimmer auf und ab. Unterdessen schwieg ich und wartete gespannt.

„Die unerträgliche Person, welche sich Lucius geschnappt hat, indem er sie erpressen konnte. Tja, er mag es gar nicht, abgewiesen zu werden, das hat er ihr lange nachgetragen…“, resümierte Severus trocken und gab mal wieder mehr aus der Vergangenheit meines Vaters bekannt als ich bisher wusste.

„Genau die. Warum es zum Bruch kam zwischen Rufus und ihr? Interessiert mich nicht, aber ihre Nachfolgerin umso mehr“, erklärte Hermione selbstgefällig und wirkte schrecklich gehässig in ihrer Bosheit.

„Die da wäre?“, wandte ich aufgrund ihres Gebarens sehr neugierig ein.

„Marietta!“, ließ sie mit einem Wort die Bombe platzen und schien sehr zufrieden mit dem, was sie alles gewusst hätte.

„Ihre Tochter?“, stieß Severus hörbar überrascht aus, aber seine Maske saß wie immer perfekt und ich ärgerte mich, warum dies mein Informant, Percy Weasley, nicht hatte in Erfahrung bringen können.

„Touché!“, kam es süffisant von Hermione.

Würde so ein pikantes Detail an die Öffentlichkeit kommen, wäre dies ein Skandal, wie ihn kein Minister in unserer Gesellschaft überleben konnte! Vor allem nicht in unserer Welt und auch unter Anbetracht seines gesunkenen Ansehens in letzter Zeit.

„Deshalb hattest du weder Sorge noch Angst!“, murmelte ich verstehend und traurig, da es wirklich unnötig war, was Vater getan hatte, eine unschöne Erkenntnis. Dass sie detailliert von den Umständen im Ministerium wusste und gegen Scrimgeour etwas in der Hand gehabt hatte, hatte niemand von uns ahnen können.

„Okay, du hättest seine Hilfe wahrlich nicht benötigt, wenn du deine Karten gut ausgespielt hättest“, rang sich zu meiner Verwunderung, entgegen seines sonstigen Verhaltens, Severus zu einer Entgegnung durch.

„Sag ich doch, Severus, und deshalb ärgert es mich auch dramatisch, dass er publik gemacht hat, zu welcher Familie ich gehöre. Das ist gefährlich!“, fuhr sie sich fahrig durch ihr Haar. „Und vor allen Dingen unnötig!“

„Gleichzeitig hat er dich geschützt und deinen Stand hier gefestigt!“, warf ich kühl kalkulierend ein, während ich mein Haupt hin und her wiegte, denn bei diesem Schritt konnte ich Vater sogar verstehen. Er hatte für mich aus einem Impuls heraus gehandelt, aber sicher nicht kopflos!

Er war zwar entschlossen in seinem Handeln aufgetreten und bereit, alles für sich zu seinem Vorteil zu gestalten und aus seiner Sicht das Richtige zu tun, aber dabei nahm er keinerlei Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer. Er hatte sein Ziel im Blick gehabt und um es zu erreichen diesmal gleich noch einen weiteren, positiven Effekt erzielt, Hermione zu schützen, was er sich auf die Fahnen schreiben konnte!

„Wie meinst du das, Draco? Du bist auf seiner Seite?“, fragte sie vorwurfsvoll und blinzelte konsterniert und sichtbar getroffen zu mir.

„Nein, das bin ich nicht und das weißt du, aber es hilft dir sehr wohl den Carrows gegenüber! Betrachte es kühl und emotionslos, dann siehst du es selbst!“, gab ich weitsichtig, wenn auch widerwillig, zu bedenken, während sie ihre Miene schmerzlich verzog.

Denn emotionslos betrachtet mussten die Carrows sie nun in Ruhe lassen, wenn sie nicht in Teufels Küche kommen wollten.

„Ich will das nicht!“, jammerte sie untypisch leidlich für ihre Verhältnisse und dabei wirkte sie sehr verloren, bevor sie regelrecht einen Satz von uns allen wegsprang. „Ich muss hier raus!“, stieß sie geradezu panisch aus.

„Wohin?“, fragte ich perplex aufgrund ihres eindringlichen Wunsches.

„Ich weiß nicht, weg… Bewegung!“ Sie wirkte total durch den Wind, während sie unruhig vor uns herumlief.

„Wo?“, fragte nun Severus bedenklich ruhig, worauf sie ihn unstet ansah.

„Fenrir? In einen Wald? Ist mir gleich! Nur raus!“, ruderte sie mit den Händen nervös durch die Luft und mein Blick fiel fast von selbst auf den Ring, der auf ihrem Finger saß. Ich ballte meine Hände zu Fäusten.

Sie war ganz offensichtlich nicht so souverän wie sonst, sondern vollkommen aus dem Gleichgewicht gebracht.

„Dann geh!“, meinte Severus abrupt, eine Aussage, die ich so nicht erwartet hatte, die sie aber sofort handeln ließ, denn schon war sie verschwunden und die Tür knallte hinter ihr zu.

„Du lässt sie gehen?“, fragte ich sprachlos erstaunt und starrte noch immer auf die geschlossene Tür.

„Willst du die Löwin einsperren?“, fragte er mit großem Bedacht und zeigte sich mir von einer völlig neuen Seite, die ich an ihm noch nicht kannte und noch am allerwenigsten bei ihm erwartet hatte.

Er präsentierte eine verständnisvolle Facette, die er bisher sehr gekonnt versteckt gehalten hatte. Es war erstaunlich, was Hermione in der Lage war aus uns Männern heraus zu kitzeln.

„Nein, das könnte in die Hose gehen, sie wirkt unentspannt!“, stimmte ich sehr widerwillig zu und fuhr mir aufseufzend durch mein Haar.

„Ich denke auch, dass sie den Abstand braucht! Lucius hat sie in eine Ecke gedrängt“, gab Severus erstaunlich einfühlsam zu bedenken.

„Und sie faucht und kratzt nun in alle Richtungen. Ist es das was du sagen willst?“, fragte ich daher nachdrücklich und nahm nun, wie zuvor Hermione, die Wanderung in meinem Zimmer auf.

„Ich sage nur, dass wir ihr eine gewisse Zeit zugestehen sollten um sich zu fangen“, blickte mich Severus mit regloser Miene an.

„Du bist zu großzügig!“, ätzte ich süffisant.

„Und du zu ruhig!“, gab Severus absolut tiefschürfend zu bedenken.

Daraufhin schenkte ich ihm ein sehr sarkastisches Lächeln, denn was blieb mir anderes übrig, wenn ich nicht wie ein weinerliches Kleinkind erscheinen wollte?

„Was machst du überhaupt hier? Hast du Vater derart schnell aus deinen Fängen entlassen? Oder wie konnte er dir entwischen?“, wollte ich gehässig erfahren, erhielt aber ein sehr wölfisches Grinsen.

„Oh, zu meinem Leidwesen rief ihn zu diesem ungünstigen Zeitpunkt der Lord! Die Ausrottung der Familie Warrington bereitet UNS große Sorge, du verstehst, und auch ich ziehe mich nun zurück. Ich habe eine Schule zu leiten!“, verkündete er und drehte mit wehenden Roben ab. Damit überließ er mich meinen tristen Gedanken.

Dracos Sicht Ende

Severus Sicht

„Was?“, hauchte ich überrumpelt und stand schon halb, als ich wahrnahm, dass sie, das Biest, es war, welche meine geheiligte Ruhe störte, indem sie einfach unerwartet in meine Räume kam.

„Bin ich unerwünscht?“, kam es auch schon aggressiv von ihr.

Über ihren harschen Ton runzelte ich die Stirn und versuchte, zu ergründen, wie ihre Stimmungslage nach vorhin war. Schlussendlich hatte sie den ganzen Tag gehabt, sich zu finden, während sie den Unterricht verpasst hatte, fern von Hogwarts.

Dies hatte sie sich nur erlauben können, da ich es ihr gestattet hatte, aufgrund meiner neuen Stellung!

Wobei, mir gegenüber konnte ich ehrlich sein, wen wollte es wundern, dass, nach diesem turbulenten Morgen, sie zum Unterricht zu bewegen ein fast unmögliches Unterfangen gewesen wäre.

„Nein!“, murmelte ich daher versöhnlicher, bevor ich mich wieder in meinen Sessel setzte und nach meinem Weinglas griff.

Stumm musterte ich sie und erkannte, sie sah grässlich aus, während ich zu ergründen versuchte, was sie getan hatte um sich abzureagieren. Wobei der Dreck, das Blut und ihre gesamte derangierte Erscheinung eine ganz eigene Sprache für sich sprachen.

„Ich gehe duschen“, verkündete sie und setzte damit voraus, dass sie mein Reich für sich annektieren konnte.

Wie selbstverständlich rauschte sie an mir vorbei, zu meinen Privaträumen, während ich ihr betont unterhalten hinterher sah.

Ihre Stimmung schien immer noch miserabel zu sein, trotz all ihrer Bemühungen auf andere Gedanken zu kommen, aber was mich tatsächlich noch mehr verwunderte war, dass sie nicht bei Draco war, sondern bei mir, hier!

Gedankenverloren nippte ich an meinem herben Rotwein und vernahm durch die offenen Türen, die sie nicht geschlossen hatte, das Rauschen des Wassers und fragte mich die ganze Zeit, was sie zu mir trieb.

Ich hätte gewettet, dass sie nach ihrem Trip zu Draco gehen würde!

Beziehungsweise, ich in ihrer Situation würde eher zu Draco gehen denn zu mir!

Als ich mit einem ergebenen Seufzen erkannte, dass mir dies keine Ruhe ließ, stand ich auf und trat in das von Dunstschwaden erfüllte Bad. Sie versuchte sich augenscheinlich zu verbrühen.

Ich schlich leise heran, nur um zu sehen, dass sie mir ihren Rücken zugekehrt hatte und mit abgestützten Armen und gesenktem Haupt an der schwarzen Wand stand, als hätte sie aufgegeben, während das kochend heiße und dampfende Wasser auf sie einprasselte.

Sie wirkte meilenweit entfernt, da sie nicht reagierte. Eigentlich hätte sie spüren müssen, dass ich mich anschlich, aber nichts deutete daraufhin. Schließlich konnte ich trotz des Dampfes, der in der Luft hing, sehr wohl die blauen Flecken auf ihrem Rücken und an der Hüfte ausmachen, die immer mehr in allen erdenklichen Farben erblühen würden. Sofort scannte mein Blick, ob sie irgendwelche offenen Verletzungen hatte, die geheilt werden müssten, aber bis auf einige Abschürfungen an den Beinen konnte ich von hinten nichts ausmachen, was meiner delikaten Aufmerksamkeit bedurft hätte.

Ich bewegte mich minimal und ihr Blick zuckte zu mir. Offenbar hatte sie mich nun doch bemerkt und drehte mir ihr Gesicht zu. Das nasse Haar lag eng um ihren Kopf und die Strähnen hingen ihr tief ins Antlitz, was sie sehr wild erscheinen ließ.

Langsam aber sicher erahnte ich ein Veilchen, das sich unterhalb ihres linken Auges herauskristallisierte und ich erlaubte mir die ironische Frage, ob derjenige noch lebte, der für diese Verunzierung verantwortlich war.

„Fick mich!“, hallten ihre Worte hart, aber auch kalt in dem überhitzten Raum wider und ich lüpfte eine Braue. Sollte ich diskutieren?

Alles an ihrer Haltung bezeugte, dass sie es ernst meinte, auch ihr Blick war derart auffordernd, dass man es nicht falsch verstehen konnte. Die Aufforderung stand. Sie bemerkte, dass ich überlegte, denn fast gelangweilt wandte sie ihren Kopf wieder zur Wand. Es wirkte, als wäre es ihr egal und das ärgerte mich doch gleich wieder. Was war ich? Ihr Kummerkasten?

So überlegte ich gar nicht lange, sondern schnipste mir mit einem Fingerzeig die Kleidung vom Leib, stieg zu ihr in dieses viel zu warme Wasser und unterdrückte den Wunsch, die Temperatur zu ändern. Als ich sie sachte am Rückgrat berührte, erschauerte sie trotz der Hitze und stöhnte leise auf, als täte selbst diese leichte Berührung weh.

„Warum sollte ich?“, fragte ich nach einiger Zeit abwägend und strich mir eine wassertriefende, klebrige, lange, schwarze Strähne aus dem Gesicht.

„Weil ich es brauche und wehe du bist sanft…“, wisperte sie zur Wand. Daraufhin verengten sich meine Augen zu misstrauischen Schlitzen und ich packte sie recht grob im Nacken.

„Arrgg!“, entschlüpfte ihr, als ich sie rabiat zu mir zog, bis ihr Ohr an meinem Mund war.

„Was soll das? Denkst du ich bin deine Puppe, die springt, wie du es haben willst?“, hauchte ich drohend, während sie zappelte und versuchte, sich aus meinem Griff zu befreien, was ihr aber nicht gelang, obwohl sie glitschig und wendig wie ein Aal war.

„Nein, Severus… ich… du…“, stotterte sie rum und ich unterbrach sie unwirsch.

„Warum bist du dann hier bei mir und nicht bei ihm?“, stellte ich unnachgiebig die bohrende Frage, die mich die ganze Zeit nicht in Ruhe ließ.

„Bei wem?“, gab sie ihre Gegenwehr abrupt auf und erstarrte.

„Musst du da überlegen?“, wollte ich gehässig erfahren, denn dass sie gerade nicht freiwillig zu Lucius ging, stand meiner Ansicht nach außer Frage.

„Du meinst Draco?“, fragte sie trotzdem noch immer unsicher, ob ich nicht jemand anderen meinte und so rollte ich verächtlich mit den Augen, auch wenn sie es nicht sah.

„Natürlich meine ich Draco!“, unterstrich ich meine aufkeimende Wut, indem ich sie mit einem unsanften Stoß entließ und sie Richtung Wand flog. Daraufhin schaffte sie es gerade noch so, ihre Arme hochzureißen, sodass sie sich schützend abfangen konnte.

Es ärgerte mich, dass sie sich dumm stellte und nicht auf den Punkt kam. Noch stand sie mit dem Rücken zu mir, doch jetzt konnte ich beobachten, wie ihre Muskeln am Rücken arbeiteten, als sie sich straffte, bevor sie sich zu mir umdrehte und sich mir ohne Scheu präsentierte. Das Wasser perlte in Strömen an ihrem Körper hinab, somit konnte ich jetzt auch ihre Vorderfront untersuchen und stellte fest, dass ein roter Striemen quer über ihre Brust verlief und ihr Oberschenkel vorne eindeutig eine Delle davongetragen hatte. Alles war also nicht weltbewegend, aber ein Zeichen, dass sie sich in ein hartes Gefecht geworfen hatte und das mit vollem schmerzhaftem Einsatz.

„Willst du nicht, dass er dich so sieht?“, forschte ich daher auch noch selektierend weiter und sie blinzelte mit verhaltenem Zorn zu mir. Bestimmt fand sie mich zu neugierig. Aber warum sollte ich es ihr einfach machen?

„Ich wollte zu ihm. Ich stand schon vor Slytherin, aber ich… ich… konnte nicht, nicht mit all dem Dreck an mir und dann… nein, das ist es nicht, was ich gerade will!“

Interessant, was sie gerade wollte. Ging es darum ihren getretenen Stolz aufzurichten? Irgendwie fühlte ich mich gerade wie die zweite Wahl! „Wollen? Oder das was du brauchst?“, klang ich irgendwie anklagend und verstand selbst nicht so genau, warum es mich derart tangierte, was sie suchte, oder zu finden hoffte. Anscheinend klang ich sehr ablehnend, denn sie sah sich genötigt, sich zu rechtfertigen.

„Ahhh, das verstehst du falsch, Severus. Nur wenn ich ihn gerade ansehe, sehe ich Lucius!“, bekannte sie widerwillig und misshandelte ihre Unterlippe mit ihren Zähnen. „Ich sehe die ganze Zeit Lucius und er sieht ihm auch noch so verdammt ähnlich, das macht mich rasend vor Wut und ich will das Draco nicht antun!“, erklärte sie angewidert von sich selbst, woraufhin ich ihr kühl entgegenblickte.

So trat ich abrupt zurück. Mir konnte sie das schon antun? Irgendwie schmeckte mir das nicht. Ich wurde nicht gerne benützt.

„Trockne dich ab, du schrumpelst schon!“, meinte ich daher hart und verließ übergangslos die Dusche.

Im Gehen riss ich mir ein Handtuch herunter und wischte mir während ich ging über das Gesicht. Als ich soeben das Bad hinter mir gelassen hatte, passierte das für mich Unerwartete.

„Ufff“, stürzte ich blind nach vorne, aber ich erholte mich schnell von dem plötzlichen Angriff und reagierte flott. Noch im Fall streckte ich meine Hände aus und federte meinen Sturz auf den harten Steinboden meines Schlafzimmers gekonnt ab.

„Was fällt dir ein?“, hisste ich knurrend auf, während ich mich hochstemmte, aus der Hüfte drehte und einen Teil ihres klatschnassen Haares mit einer Hand zu fassen bekam. Sie hatte mich recht stillos angesprungen, saß nun halb auf meinen Beinen und war mit mir zu Boden gegangen.

„Was fällt dir ein, mich so stehen zu lassen? Ahhh…“, gab sie mir wutschnaubend Kontra, ohne auch nur einen Funken eines schlechten Gewissens zu offenbaren, dass sie mich zu Boden geworfen hatte.

Während ich sie seelenruhig mit brutaler Gewalt an ihrem Haar von mir weg zog, machte sie keine Anstalten, meinem Bemühen, sie von mir herunter zu bekommen, nachzugeben. Sie gebärdete sich wild und schlug unvorstellbarer Weise sogar nach mir. Ich wich noch gerade so ihrem Kinnhaken aus, schaffte es mich zu drehen und gleichzeitig mit meiner anderen Hand ihre schlüpfrig nasse Hüfte zu fassen zu bekommen, um sie von mir zu stoßen. Während ihr Körper wegflog, kreischte sie vor Schmerzen auf, da ihr Haar noch immer mit meinen Fingern verwoben war.

„Du Biest!“, meinte ich nachtragend und konnte es nicht fassen, dass ich mich nun mit ihr auf meinem Badezimmerboden wie auf den Trainingsmatten rangelte.

„Du Bastard!“, keuchte sie giftig, da ich ihr langes Haar immer noch nicht aus meinem Klammergriff entließ und sie wenig freundlich schüttelte.

„Wer wirft mich um?“, grollte ich nachtragend.

„Wer lässt mich stehen?“, gab sie gemeingefährlich zurück.

Ihr bekamen die arroganten Malfoys wirklich nicht!

In dem Moment brachte ich meinen Unterleib gerade noch in Sicherheit, bevor mich ihr Fuß treffen konnte und da reichte es mir wirklich. Jetzt wurde ich wütend. Ich packte zu, hob sie leicht hoch und knallte sie mit ihrem ganzen Körper hart auf den kalten Boden und trieb ihr damit die Luft aus den Lungen.

„Ufff!“, keuchte sie schmerzhaft auf und ich war mir sicher, jetzt würden noch ein paar mehr sie verschandelnde blaue Flecken dazukommen.

Ich musste mir eingestehen, dass mich der Anblick in der Dusche, aber auch ihre Worte vorhin und jetzt die körperliche Nähe nicht kalt ließen und auch nicht spurlos an mir vorbeigegangen waren.

Was für einen verräterischen Körper ich gerade mein eigen nennen durfte war tragisch!

„Du willst deinen Willen, du bekommst ihn!“, schnarrte ich gefährlich und brachte mich über ihr in Position.

So drängte ich recht grob ihre Beine auseinander und drang umgehend und ohne zu warten oder zu zögern in sie ein. Sie wollte gefickt werden und nun würde sie ihren Willen bekommen, wobei sie mich mit großen Augen anstarrte.

„Ahhhh!“, stöhnte sie kurz schmerzhaft auf, als ich sie endgültig und mit Vehemenz unter mir begrub.

Dass ihr geschundener Körper ihr Schmerz bereitete, darauf wollte ich alles verwetten, aber ich hielt mich und meine Laune auch nicht zurück, denn meine Finger waren noch immer in ihren Locken und meine andere Hand wehrte ihre Hände ab, die sie durchaus weiterhin gegen mich einsetzte.

Sie war wie entfesselt und verpasste mir den einen oder anderen Kratzer bei unserer wenig freundlichen, dafür umso stürmischeren Vereinigung, in der ich meine körperliche Überlegenheit eiskalt ausspielte.

Ein kaltes Grinsen zierte meine Züge, während ich in sie stieß. Sie schien es wirklich nötig zu haben und es erinnerte mich an unser erstes Mal. An unser erstes Mal nachdem sie mir meinen unverzeihlichen Aussetzer vergeben hatte und wir nach einem Auftrag auf meinem Schreibtisch übereinander hergefallen waren. Genauso ähnlich wie damals war es nun gerade. Sie kratzte, biss und schrie unter mir ihren Frust über Lucius hinaus und ich konnte nicht behaupten, dass es mir nicht gefiel, während ich sie mit Feuereifer nahm!

Wobei heute auch bei mir in Erinnerung bleiben würde, da es wahrlich das erste Mal war, dass wir es regelrecht triebgesteuert auf dem Boden trieben. Das eine Mal auf den Trainingsmatten zählte nicht, denn hier war es der blanke Boden, außerdem war es damals von ihr berechnend gewesen, um mich davon abzuhalten, Greengrass zu testen und ihre Schwangerschaft zu entdecken.

Aber sie war heute tief getroffen worden und innerlich total aufgewühlt. Lucius‘ Aktion, sie derart ungefragt in die Enge zu treiben, schien ihr arg zuzusetzen. Sie wollte ihn nicht ehelichen und ich konnte sie verstehen, wenn aber die Konsequenz war, dass sie sich mir derart leidenschaftlich hingab, konnte ich damit leben und so versuchte ich es mit Galgenhumor zu nehmen, während sie mir soeben einen blutigen Cut verpasste, der mich grollen ließ.

Was für ein Bild mussten wir abgeben? Es war nicht schön, was wir hier taten und trotz allem genoss ich es aufrichtig, sie zu spüren, weshalb ich mich immer wieder mit Freude in sie trieb.

„Verbohrtes Biest“, stöhnte ich ergeben und wandte mich wieder ihr zu, zog und bog ihren Kopf zurück, entblößte ihre Kehle, auf die ich mich dann stürzte und sie mit Zähnen und Lippen bearbeitete.

„Bastard“, keuchte sie, woraufhin sie mir gerade mit einem befreienden Schrei, der ihren Orgasmus untermalte, ihre Nägel rücksichtslos tief in meine Schulter rammte. Ich ließ mich ebenfalls gehen, keuchte erleichtert auf, als ich mich mit einem heiseren Laut auf den Lippen in ihr ergoss.

Wenn wir nicht noch nass von der Dusche gewesen wären, hätte ich gesagt, was für ein schweißtreibender Ritt, aber so versuchte ich kontrollierter Luft zu holen und kam etwas atemlos über ihr zur Ruhe, während auch sie abgekämpft wirkte und unter mir nach Luft japste.

Leicht hob ich mich an und betrachtete ihre nun viel entspannter wirkenden Züge. Der verbitterte Ausdruck war verschwunden. Und wem war es zu verdanken?

Genau, mir, so prallte mein Zynismus an meiner Ironie ab, denn ich tat mir fast leid wegen dem, was nun kommen würde. Mir war vollkommen bewusst, dass ich mir ihren unversöhnlichen Zorn zuziehen würde, bei den folgenden Ereignissen. Aber es war nötig, in mehrfacher Hinsicht und so rief ich mit einem nonverbalen Zauber eine Phiole zu mir, die ich geschickt mit einer Hand aus der Luft fing und sie mit meinem Mund öffnete, dabei lag ich noch immer zwischen ihren Schenkeln und war auch noch mit ihr verbunden.

„Was?“, meinte sie irritiert, nachdem sie mehrfach geblinzelt hatte, als wollte sie ihr Hirn wieder freibekommen. Soeben wollte sie ihren Kopf heben, was ihr nicht gelangt, da meine Finger der anderen Hand noch immer mit ihrem Haar verwoben waren. Woraufhin sie mich sofort sichtbar überrumpelt ansah, während ich nun unter ihren verstörten Blicken den Glaskolben ostentativ an meinen Mund nahm und ihn entschlossen leerte.

Danach ging es rasant. In einer geschmeidigen Bewegung lehnte ich mich vor und legte meinen Mund an ihre Lippen. Zuerst schien sie noch nicht zu ahnen, was gleich passieren würde.

„Nicht!“, rief sie plötzlich, was natürlich genau falsch war. „Wuuuu“, begehrte sie weiter auf, während ich mit der Hand ihren Kiefer aufzwang und ihr den Trank verabreichte.

Als ich ihr alles von der Flüssigkeit gegeben hatte, verschloss ich ihr den Mund mit meiner Hand und hielt ihr auch noch wenig freundlich die Nase zu. Sie zappelte wild, aber wirkungslos unter mir.

Ihre Augen funkelten aggressiv zu mir, doch lange konnte sie sich nicht wehren, da die Wirkung einschlug und ihr die Augen wie von selbst zufielen und ihr Körper erschlaffte.

„Na bitte!“, murmelte ich nun plötzlich auch sehr müde, wenngleich sehr zufrieden über meinen gelungen Coup. Also begann ich mich von ihr zu lösen und raffte mich mit schweren Gliedern auf.

Kurz danach stand ich in einen schwarzen Morgenrock gehüllt vor der nackt am Boden Liegenden und nach einem leisen Seufzen bückte ich mich und hob sie fürsorglich in mein Bett.

„Wie lange brauchst du denn noch?“, stand ein dunkler Schatten in meinem Türrahmen und beobachtete, wie ich gerade die Bettdecke über das noch immer unbekleidete Biest schlug. „Ich habe euch genug Zeit gelassen!“

„Ja, das hast du, Lucius, unter Anbetracht, dass du uneingeladen in meine geheiligten Räume vordringst!“, murrte ich düster, bevor ich zu meinem Nachttisch ging und den Gegentrank schluckte, der die lichten Nebel aus meinem Geist vertreiben sollte, der sich durch den Schlaftrunk auch auf mich gelegt hatte.

„Als ob du das nicht mitbekommen hättest!“, entgegnete Lucius lapidar, denn es stimmte, natürlich wusste ich, wenn jemand zu mir vordrang.

Schlussendlich hatte ich sie nicht ohne Grund betäubt. Lucius wandte sich ab und verließ meine Schlafräume und ich folgte ihm auf dem Fuße. Ich wagte mich kurz zu fragen, ob ich recht gehandelt hatte, indem ich sie übervorteilt und ihr einfach den Trank hineingeschüttet hatte.

Auf der anderen Seite wäre sie ausgetickt, in der labilen Verfassung, in der sie sich befand. Lucius sehen oder gar ertragen zu müssen, wäre unweigerlich in einer Katastrophe geendet.

Ich hatte schlicht das in meinen Augen kleinere Übel gewählt, ihren heiligen Zorn auf mich!

„Hat dir die Vorstellung gefallen?“, fragte ich deshalb bösartig und lebte meine Gehässigkeit an meiner Nervensäge, vor der es kein Entkommen gab, aus. Dass ich ihn nie los werden würde hatte ich schon vor viel zu langer Zeit akzeptiert.

„Wie kommst du darauf, dass ich hingesehen hätte?“, kam es regelrecht pikiert von ihm, während ich hinter meine Bar trat und ihm einen verächtlichen Blick sandte.

„Als ob das so abwegig wäre!“, stieß ich abwertend aus, dabei erinnerte ich mich an die eine oder andere Begebenheit während der Ferien, bei der er uns sehr wohl, sehr intensiv beobachtet hatte. Aber wie immer er wollte und so schenkte ich uns beiden den dringend benötigten Drink ein.

„Ich habe schließlich gerade deine Verlobte flachgelegt!“, kam ich schonungslos zu dem Punkt, der sich seit heute Morgen grundlegend geändert hatte.

„Wundert mich, dass du es warst und nicht mein Sohn!“, entgegnete Lucius in meinen Ohren irgendwie beleidigt und hob die Hand, als würde es ihm mit dem Drink nicht schnell genug gehen.

Hatte es ihm nun gefallen zuzusehen, oder eher nicht?

„Bitte, du hast dir das ausgesucht! Von ihnen hat dich niemand darum gebeten, das zu tun, was du getan hast!“, rügte ich sachte, ging langsam auf ihn zu und drückte ihm das Glas in die Hand.

Dass es ihm nicht gefallen würde, seine „Frau“ in den Armen seines Sohnes zu sehen, glaubte ich ihm, aber er wusste, was er getan hatte. Er hatte sie herausgefordert und da wurde das Biest unberechenbar!

„Spar dir deine schlauen Worte, Severus“, nippte er eilig an dem Whiskey und verzog nach einem großen Schluck die Lippen. „Aber es hörte sich nicht schön an? Hat sie es wirklich genossen?“, fragte er erstaunlich involviert und meine dunkle Braue zuckte in die Höhe.

Ein besorgter Lucius? Mir war mein Herzinfarkt garantiert, ging mein Sarkasmus mit mir durch, als ich selbst erst mal einen tiefen Schluck nahm.

„Nun, hörte es sich nur nicht schön an? Oder sah es auch nicht schön aus?“, provozierte ich aus purer Bosheit, denn dass er keinen Blick riskiert hatte, konnte er mir nicht erzählen.

Als sein Mund empört aufklappte, winkte ich nur wegwerfend ab und fuhr fort:

„Nur zu deiner Information, sie wollte es so! Sie mag das, davon abgesehen hat sie sich nur wirklich gegen den Schlaftrank gesträubt!“ Ich rechtfertigte mich zu meinem eigenen Schaudern vor diesem Despoten. Es ging ihn eigentlich gar nichts an, wie ich mit ihr umging, aber im Bezug auf das Biest beliebte es ihm ja immer wieder, sich einzumischen.

„Und diesen Trank hast du ihr derart abwegig und unerwünscht verabreicht weil?“, hakte er sofort interessiert nach, dabei drehte sich der Schlangenknauf seines Gehstocks spielerisch in seinen Fingern.

„Du hast doch geschaut!“, überführte ich ihn geschmeidig, dabei zuckten meine Mundwinkel zynisch. Er war für mich so leicht zu lesen, was dazu führte, dass er mir einen recht eisigen Blick zusandte, der mich recht wenig tangierte. Aber bevor er aufbrausen konnte, fuhr ich eilig fort: „Nun, Lucius, warum habe ich sie ausgeschaltet? Ganz ehrlich, du bist schuld…“

„Bitte?“, unterbrach er mich empört, woraufhin ich ein höhnendes Lächeln zurückhalten musste.

„Ja, es wäre ganz und gar nicht gut, wenn ihr euch jetzt über den Weg lauft. Sie ist nicht gut drauf und auf dich gut zu sprechen schon gar nicht!“, erklärte ich denn somit auch eilfertig, da er kurz vor einer Implosion zu stehen schien.

„So schlimm?“, murmelte er abschätzig, dabei schwenkte er seinen Drink hin und her, bevor er leise seufzte. „Da könntest du recht haben. Du hast bestimmt das Richtige getan. Sie schläft und sie hatte ihren Spaß, lassen wir es gut sein“, verkündete er lapidar.

Ich dachte, dass ich mich mit meinen gar zarten Ohren verhört hatte. War das da wirklich Lucius?

Anscheinend hatte diese rasante Verlobung nicht nur sie durcheinandergebracht, sondern auch ihn!

„Heute derart nachgiebig?“, fasste ich dann auch sofort nach, nicht bereit, ihn derart schnell von der Angel zu lassen.

„Tja, ich bin verlobt, das muss fast gefeiert werden“, höhnte er sarkastisch und stieß sein halb geleertes Glas wenig freudig in die Höhe.

„Überanstrenge dich nur nicht“, ging meine Ironie mit mir durch, während mein Gegenüber ein wenig verloren wirkte.

„Sei nicht so unerträglich gehässig, Severus.“

„Warum hast du es getan, Lucius, wenn du gerade selbst nicht wirklich überzeugt wirkst?“, drängte ich ihn. Es war ungewohnt, dass gerade ein Mann wie Lucius Malfoy irgendwie und nicht zu benennen unsicher erschien.

„Ha!“, stieß Lucius plötzlich amüsiert aus und nippte an seinem Drink. „Du denkst, ich hadere mit mir? Nein, verkenne nicht die Sachlage, Severus. Ich bedauere es weder, noch möchte ich es rückgängig machen. Es war mein erklärtes Ziel, Hermione zu meiner Frau zu machen… das zu schaffen…“

„Oh Wunder“, unterbrach ich ihn und rollte mit den Augen, was ihn affektiert mit der Zunge schnalzen ließ.

„Nur kein Zynismus“, wiegelte er daher versnobt ab. „Eines Tages hätte ich es so oder so geschafft! Sie wäre mir nie entkommen“, verkündete er absolut von sich selbst überzeugt in einer gebieterischen Haltung, dass man niemals an seiner Meinung zweifeln konnte.

„Du bist gerade arg besitzergreifend“, warf ich abwertend ein.

„Sag mir lieber, ob du weißt, warum sie so überzeugt war, mich nicht zu brauchen!“, fragte Lucius nun ehrlich interessiert wirkend. Sofort ruckte mein Haupt hoch, denn endlich verstand ich, was Lucius bedrückte.

Es war nicht, dass Hermione sich gegen ihre Verlobung mit ihm sträubte, denn damit hatte er gerechnet. Er ärgerte sich, dass sie ihm keine Dankbarkeit offerierte, nachdem er sie gerettet hatte, was er als kühler Stratege und Manipulator mit einkalkuliert hatte.

Leider war er hier auf die schöne und aristokratische Nase gefallen, denn den Gefallen, so etwas wie Dank zu empfinden, den tat sie ihm nicht und das wurmte ihn gar sehr.

Was für eine Drama-Komödie und ich durfte Zeuge davon werden. Gute Unterhaltung war mir für lange Zeit garantiert. Was wollte ich mehr?

„Oh ja, das kann ich sogar wirklich“, begann ich und hier fasste ich genüsslich zusammen, was ich vom Biest erfahren hatte, während Lucius immer größere Augen machte. Als ich schließlich endete, prostete ich ihm exaltiert zu und trank genießerisch.

Man erlebte es nicht jeden Tag, dass man Lucius mundtot machen konnte. Es war denkwürdig!

„Erstaunlich, dass Rufus die Kleine rum bekommen hat!“, meinte Lucius sichtlich erstaunt und schüttelte sein fast weißes Haupt.

„Ja, bei deiner Kleinen tust du dir bekanntlich schwer!“, schüttete ich meine gelebte Gehässigkeit über ihm aus und erntete einen extrem mürrischen Gesichtsausdruck.

„Sie ist selbst schuld, wenn sie ihre ganzen Geheimnisse hortet und uns nicht teilhaben lässt!“, schob er ihr gekonnt leichtfüßig den schwarzen Salazar zu.

„Hahaha… jetzt schiebst du ihr in die Schuhe, dass sie selbst schuld ist, nun verlobt zu sein? Du bist einmalig!“, lachte ich dunkel auf. Seine Reaktion war so was von Lucius, um bei seiner Wortwahl zu bleiben, das war köstlich zu erleben.

„Danke!“

„Ernsthaft, hast du dir das gründlich überlegt?“, fragte ich nochmals dezent involviert nach.

„Ich gestehe, diese Tat war spontan, aber ich begehe einen derart weitreichenden Schritt nie unüberlegt, keine Sorge! Sie weiß es noch nicht, aber eines Tages hätte sie mir so oder so gehört und jetzt wird sie mir ein wenig früher gehören!“, bekannte er selbstsicher, dabei wollte ich seinen ungebrochenen Optimismus auch mal haben, worüber ich die Oberlippe zweifelnd zurückzog.

„Und was ist mit Draco? Er hat nicht unrecht, sie wird dir nicht vergeben“, warnte ich leise, aber aufrichtig.

„Das lass meine Sorge sein, ich werde das schon hinbekommen. Ich bekenne, es mag dauern, aber ich kann sehr geduldig sein!“, beschied er endgültig klingend und absolut von sich überzeugt.

„Dann auf deine Geduld!“, prostete ich ihm sarkastisch zu.

Severus Sicht Ende

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BeitragThema: Re: Kapitel 483-484   Mi Okt 22, 2014 11:21 pm

484. Kapitel „Eine Frau ohne Bedeutung“

Dracos Sicht

„Dieses Arschloch!“

„Beruhige dich!“, mahnte ich erwachsen, aber innerlich etwas zu betäubt.

Ich hatte auch einen Schock, das konnte ich nicht wegdiskutieren. Auch wenn ich ruhig wirkte, so war ich doch sehr aufgewühlt.

Nach dem Abgang der Hauptprotagonisten hatten sich sofort alle verteilt, um miteinander zu Tuscheln und zu Tratschen, während ich wie ein Schlafwandler in meine Räume getorkelt war. Dort hatte ich zu meiner Verwunderung Hermione vorgefunden.

Ich freute mich diebisch, dass sie ihr erster Weg direkt zu mir geführt hatte, aber ihre Laune war brandgefährlich. Sie schien mir unberechenbar, wie noch nie in ihrem Leben!

„Beruhigen? Ich mich? Ja, wie denn?“, fuhr sie mich ungehalten an und wirbelte in meinen Räumen auf und ab. Sie wirkt wie ein eingesperrtes Raubtier. Gerade war sie mit großer Vorsicht zu genießen!

„Es ist nicht mehr zu ändern!“, gab ich widerwillig zu bedenken und verfluchte Vater soeben bis ins Grab!

Was hatte er sich dabei gedacht? Dachte Vater wirklich, dass er damit Hermione erobern konnte? Kannte er sie so schlecht? Oder war ihm auf die Schnelle wirklich nichts Dümmeres eingefallen um sie vor Askaban zu retten?

Meine ganzen Sorgen, dass sie sich in den Ferien auf der Gefühlsebene zu sehr angenähert hatten, lösten sich in Luft auf, denn Vater hatte es tatsächlich geschafft, sie mit seinem Handeln so weit von sich weg zu stoßen, wie es mir selbst nie möglich gewesen wäre, sie voneinander zu trennen.

„Dann töten wir ihn!“, meinte sie plötzlich kalt und drehte sich mir wieder zu. Ihre Miene zeigte keine große Emotion und ich erschrak darüber, wie wütend sie auf Lucius war.

„Hermione!“, rief ich irgendwie dann doch überfahren aus und sie stoppte kurz. „Das ist nicht dein Ernst!“ Ich musste sofort an die Worte ihres rothaarigen Freundes denken. Er kannte sie zu gut und gab sich anscheinend schon lange keinen Illusionen mehr hin, wie Hermione tickte.

Aber was auch immer sie sich vormachen wollte, ich wusste, dass sie Lucius nicht würde töten können, ebenso wenig wie ich!

Das war für mich, aber auch für sie keine Option und wenn sie nicht so wütend gewesen wäre, hätte sie es auch genauso gesehen. Wir würden niemanden aus der Familie umbringen!

Schließlich hielt sie an und sah erschlagen zu mir auf.

„Nein… leider!“, hauchte sie erschüttert.

Es war, als würde man die Luft aus ihr raus lassen und sie der Tatsache ins hässliche Antlitz sehen müssen, dass ihre Rache an Vater subtiler sein müsste als derart brachial. Denn wenn sie ehrlich zu sich selbst war, dann wusste sie, dass auch sie nicht in der Lage war, ihn eiskalt zu ermorden, vor allem unter Anbetracht, dass er es an sich nur getan hatte, um sie vor Askaban zu schützen. Diese Aktion hatte er nicht von langer Hand geplant.

Man konnte Vater viel, sehr viel in diesem Leben vorwerfen und natürlich tat er nichts, solange er dabei nicht auch gut wegkam, aber seine Intention, helfen zu wollen, war zum ersten Mal in meinem Leben klar und deutlich auszumachen, selbst wenn ich nicht so blind war, zu glauben, dass dies sein einziger Antrieb gewesen war.

„Aber das ist sooo unfair, es war sooooo schrecklich unnötig!“, jammerte sie geradezu. Plötzlich öffnete sich ganz abrupt meine Tür und Hermione stoppte in ihrem Protest.

„Was war unnötig?“, fragte Severus hörbar neugierig und schloss die Tür hinter sich, während sie einfach verstummte und ich weiter machte, als hätte er sie nie unterbrochen.

„Unnötig? Wirklich? Mir ist fast das Herz stehen geblieben, als diese bescheuerten Typen aufgetaucht sind und dieser schwarze Auror konnte sein Glück fast nicht fassen, dich in Händen zu haben, mein Mudblood!“, zeigte ich mich eindringlich, da ich fand, dass Hermine dies zu leicht sah.

Wie hätte sie sich herausreden wollen?

Wobei, wenn ich mich an sie in der Großen Halle erinnerte, dann sah ich eine abgeklärt, kühl und ruhig wirkende Hermione, welche die ganze Zeit sehr souverän gewirkt hatte, während ein Sturm nach dem anderen die Schule erschüttert hatte.

„Ja, Kingsley ist kein Fan von mir. Aber ja, ihr zwei, ob ihr es glauben wollt oder nicht, ich hätte genügend gegen Rufus Scrimgeour in der Hand gehabt, um ohne Hilfe da rauszukommen!“, erklärte sie nun wieder anklagend und ballte die Hände zu Fäusten, während sie uns wütend anfunkelte.

„Und was?“, fasste Severus meine Frage in leicht gehässig klingende Worte, während er seine Arme unter seinem Umhang verschränkte.

„Spielt es jetzt noch eine Rolle?“, wollte sie hörbar aggressiv durch zusammengebissene Zähne erfahren.

„Ja!“, „Ja!“, kam es von uns beiden einstimmig und sie seufzte übertrieben laut auf.

„Na gut, ich weiß aus guten Quellen, was für Dreck er am Stecken hat, um derart im Ministerium aufzusteigen. Jede Person, die so rasant Karriere macht, hat ihre dunklen Geheimnisse, aber das sind fast schon Lappalien gegen die Peinlichkeit, die ich bei Fudge über ihn rausgefunden habe. Er hatte doch etwas mit der verheirateten Mrs. Edgcombe am Laufen…“, begann sie aufzuzählen und lief dabei noch immer in meinem Zimmer auf und ab. Unterdessen schwieg ich und wartete gespannt.

„Die unerträgliche Person, welche sich Lucius geschnappt hat, indem er sie erpressen konnte. Tja, er mag es gar nicht, abgewiesen zu werden, das hat er ihr lange nachgetragen…“, resümierte Severus trocken und gab mal wieder mehr aus der Vergangenheit meines Vaters bekannt als ich bisher wusste.

„Genau die. Warum es zum Bruch kam zwischen Rufus und ihr? Interessiert mich nicht, aber ihre Nachfolgerin umso mehr“, erklärte Hermione selbstgefällig und wirkte schrecklich gehässig in ihrer Bosheit.

„Die da wäre?“, wandte ich aufgrund ihres Gebarens sehr neugierig ein.

„Marietta!“, ließ sie mit einem Wort die Bombe platzen und schien sehr zufrieden mit dem, was sie alles gewusst hätte.

„Ihre Tochter?“, stieß Severus hörbar überrascht aus, aber seine Maske saß wie immer perfekt und ich ärgerte mich, warum dies mein Informant, Percy Weasley, nicht hatte in Erfahrung bringen können.

„Touché!“, kam es süffisant von Hermione.

Würde so ein pikantes Detail an die Öffentlichkeit kommen, wäre dies ein Skandal, wie ihn kein Minister in unserer Gesellschaft überleben konnte! Vor allem nicht in unserer Welt und auch unter Anbetracht seines gesunkenen Ansehens in letzter Zeit.

„Deshalb hattest du weder Sorge noch Angst!“, murmelte ich verstehend und traurig, da es wirklich unnötig war, was Vater getan hatte, eine unschöne Erkenntnis. Dass sie detailliert von den Umständen im Ministerium wusste und gegen Scrimgeour etwas in der Hand gehabt hatte, hatte niemand von uns ahnen können.

„Okay, du hättest seine Hilfe wahrlich nicht benötigt, wenn du deine Karten gut ausgespielt hättest“, rang sich zu meiner Verwunderung, entgegen seines sonstigen Verhaltens, Severus zu einer Entgegnung durch.

„Sag ich doch, Severus, und deshalb ärgert es mich auch dramatisch, dass er publik gemacht hat, zu welcher Familie ich gehöre. Das ist gefährlich!“, fuhr sie sich fahrig durch ihr Haar. „Und vor allen Dingen unnötig!“

„Gleichzeitig hat er dich geschützt und deinen Stand hier gefestigt!“, warf ich kühl kalkulierend ein, während ich mein Haupt hin und her wiegte, denn bei diesem Schritt konnte ich Vater sogar verstehen. Er hatte für mich aus einem Impuls heraus gehandelt, aber sicher nicht kopflos!

Er war zwar entschlossen in seinem Handeln aufgetreten und bereit, alles für sich zu seinem Vorteil zu gestalten und aus seiner Sicht das Richtige zu tun, aber dabei nahm er keinerlei Rücksicht auf die Befindlichkeiten anderer. Er hatte sein Ziel im Blick gehabt und um es zu erreichen diesmal gleich noch einen weiteren, positiven Effekt erzielt, Hermione zu schützen, was er sich auf die Fahnen schreiben konnte!

„Wie meinst du das, Draco? Du bist auf seiner Seite?“, entgegnete sie vorwurfsvoll und blinzelte konsterniert und sichtbar getroffen zu mir.

„Nein, das bin ich nicht und das weißt du, aber es hilft dir sehr wohl den Carrows gegenüber! Betrachte es kühl und emotionslos, dann siehst du es selbst!“, gab ich weitsichtig, wenn auch widerwillig, zu bedenken, während sie ihre Miene schmerzlich verzog.

Denn emotionslos betrachtet mussten die Carrows sie nun in Ruhe lassen, wenn sie nicht in Teufels Küche kommen wollten.

„Ich will das nicht!“, jammerte sie untypisch leidlich für ihre Verhältnisse und dabei wirkte sie sehr verloren, bevor sie regelrecht einen Satz von uns allen wegsprang. „Ich muss hier raus!“, stieß sie geradezu panisch aus.

„Wohin?“, kam es reichlich perplex von mir, aufgrund ihres eindringlichen Wunsches.

„Ich weiß nicht, weg… Bewegung!“ Sie wirkte total durch den Wind, während sie unruhig vor uns herumlief.

„Wo?“, fragte nun Severus bedenklich ruhig, worauf sie ihn unstet ansah.

„Fenrir? In einen Wald? Ist mir gleich! Nur raus!“, ruderte sie mit den Händen nervös durch die Luft und mein Blick fiel fast von selbst auf den Ring, der auf ihrem Finger saß. Ich ballte meine Hände zu Fäusten.

Sie war ganz offensichtlich nicht so souverän wie sonst, sondern vollkommen aus dem Gleichgewicht gebracht.

„Dann geh!“, meinte Severus abrupt, eine Aussage, die ich so nicht erwartet hatte, die sie aber sofort handeln ließ, denn schon war sie verschwunden und die Tür knallte hinter ihr zu.

„Du lässt sie gehen?“, zeigte ich mich sprachlos erstaunt und starrte noch immer auf die geschlossene Tür.

„Willst du die Löwin einsperren?“, entgegnete er mit großem Bedacht und zeigte sich mir von einer völlig neuen Seite, die ich an ihm noch nicht kannte und noch am allerwenigsten bei ihm erwartet hatte.

Er präsentierte eine verständnisvolle Facette, die er bisher sehr gekonnt versteckt gehalten hatte. Es war erstaunlich, was Hermione in der Lage war aus uns Männern heraus zu kitzeln.

„Nein, das könnte in die Hose gehen, sie wirkt unentspannt!“, stimmte ich sehr widerwillig zu und fuhr mir aufseufzend durch mein Haar.

„Ich denke auch, dass sie den Abstand braucht! Lucius hat sie in eine Ecke gedrängt“, gab Severus erstaunlich einfühlsam zu bedenken.

„Und sie faucht und kratzt nun in alle Richtungen. Ist es das was du sagen willst?“, fragte ich daher nachdrücklich und nahm nun, wie zuvor Hermione, die Wanderung in meinem Zimmer auf.

„Ich sage nur, dass wir ihr eine gewisse Zeit zugestehen sollten um sich zu fangen“, blickte mich Severus mit regloser Miene an.

„Du bist zu großzügig!“, ätzte ich süffisant.

„Und du zu ruhig!“, gab Severus absolut tiefschürfend zu bedenken.

Daraufhin schenkte ich ihm ein sehr sarkastisches Lächeln, denn was blieb mir anderes übrig, wenn ich nicht wie ein weinerliches Kleinkind erscheinen wollte?

„Was machst du überhaupt hier? Hast du Vater derart schnell aus deinen Fängen entlassen? Oder wie konnte er dir entwischen?“, wollte ich gehässig erfahren, erhielt aber ein sehr wölfisches Grinsen.

„Oh, zu meinem Leidwesen rief ihn zu diesem ungünstigen Zeitpunkt der Lord! Die Ausrottung der Familie Warrington bereitet UNS große Sorge, du verstehst, und auch ich ziehe mich nun zurück. Ich habe eine Schule zu leiten!“, verkündete er und drehte mit wehenden Roben ab. Damit überließ er mich meinen tristen Gedanken.

Dracos Sicht Ende

Severus Sicht

„Was?“, hauchte ich überrumpelt und stand schon halb, als ich wahrnahm, dass sie, das Biest, es war, welche meine geheiligte Ruhe störte, indem sie einfach unerwartet in meine Räume kam.

„Bin ich unerwünscht?“, kam es auch schon aggressiv von ihr.

Über ihren harschen Ton runzelte ich die Stirn und versuchte, zu ergründen, wie ihre Stimmungslage nach vorhin war. Schlussendlich hatte sie den ganzen Tag gehabt, sich zu finden, während sie den Unterricht verpasst hatte, fern von Hogwarts.

Dies hatte sie sich nur erlauben können, da ich es ihr gestattet hatte, aufgrund meiner neuen Stellung!

Wobei, mir gegenüber konnte ich ehrlich sein, wen wollte es wundern, dass, nach diesem turbulenten Morgen, sie zum Unterricht zu bewegen ein fast unmögliches Unterfangen gewesen wäre.

„Nein!“, murmelte ich daher versöhnlicher, bevor ich mich wieder in meinen Sessel setzte und nach meinem Weinglas griff.

Stumm musterte ich sie und erkannte, sie sah grässlich aus, während ich zu ergründen versuchte, was sie getan hatte um sich abzureagieren. Wobei der Dreck, das Blut und ihre gesamte derangierte Erscheinung eine ganz eigene Sprache für sich sprachen.

„Ich gehe duschen“, verkündete sie und setzte damit voraus, dass sie mein Reich für sich annektieren konnte.

Wie selbstverständlich rauschte sie an mir vorbei, zu meinen Privaträumen, während ich ihr betont unterhalten hinterher sah.

Ihre Stimmung schien immer noch miserabel zu sein, trotz all ihrer Bemühungen auf andere Gedanken zu kommen, aber was mich tatsächlich noch mehr verwunderte war, dass sie nicht bei Draco war, sondern bei mir, hier!

Gedankenverloren nippte ich an meinem herben Rotwein und vernahm durch die offenen Türen, die sie nicht geschlossen hatte, das Rauschen des Wassers und fragte mich die ganze Zeit, was sie zu mir trieb.

Ich hätte gewettet, dass sie nach ihrem Trip zu Draco gehen würde!

Beziehungsweise, ich in ihrer Situation würde eher zu Draco gehen denn zu mir!

Als ich mit einem ergebenen Seufzen erkannte, dass mir dies keine Ruhe ließ, stand ich auf und trat in das von Dunstschwaden erfüllte Bad. Sie versuchte sich augenscheinlich zu verbrühen.

Ich schlich leise heran, nur um zu sehen, dass sie mir ihren Rücken zugekehrt hatte und mit abgestützten Armen und gesenktem Haupt an der schwarzen Wand stand, als hätte sie aufgegeben, während das kochend heiße und dampfende Wasser auf sie einprasselte.

Sie wirkte meilenweit entfernt, da sie nicht reagierte. Eigentlich hätte sie spüren müssen, dass ich mich anschlich, aber nichts deutete daraufhin. Schließlich konnte ich trotz des Dampfes, der in der Luft hing, sehr wohl die blauen Flecken auf ihrem Rücken und an der Hüfte ausmachen, die immer mehr in allen erdenklichen Farben erblühen würden. Sofort scannte mein Blick, ob sie irgendwelche offenen Verletzungen hatte, die geheilt werden müssten, aber bis auf einige Abschürfungen an den Beinen konnte ich von hinten nichts ausmachen, was meiner delikaten Aufmerksamkeit bedurft hätte.

Ich bewegte mich minimal und ihr Blick zuckte zu mir. Offenbar hatte sie mich nun doch bemerkt und drehte mir ihr Gesicht zu. Das nasse Haar lag eng um ihren Kopf und die Strähnen hingen ihr tief ins Antlitz, was sie sehr wild erscheinen ließ.

Langsam aber sicher erahnte ich ein Veilchen, das sich unterhalb ihres linken Auges herauskristallisierte und ich erlaubte mir die ironische Frage, ob derjenige noch lebte, der für diese Verunzierung verantwortlich war.

„Fick mich!“, hallten ihre Worte hart, aber auch kalt in dem überhitzten Raum wider und ich lüpfte eine Braue. Sollte ich diskutieren?

Alles an ihrer Haltung bezeugte, dass sie es ernst meinte, auch ihr Blick war derart auffordernd, dass man es nicht falsch verstehen konnte. Die Aufforderung stand. Sie bemerkte, dass ich überlegte, denn fast gelangweilt wandte sie ihren Kopf wieder zur Wand. Es wirkte, als wäre es ihr egal und das ärgerte mich doch gleich wieder. Was war ich? Ihr Kummerkasten?

So überlegte ich gar nicht lange, sondern schnipste mir mit einem Fingerzeig die Kleidung vom Leib, stieg zu ihr in dieses viel zu warme Wasser und unterdrückte den Wunsch, die Temperatur zu ändern. Als ich sie sachte am Rückgrat berührte, erschauerte sie trotz der Hitze und stöhnte leise auf, als täte selbst diese leichte Berührung weh.

„Warum sollte ich?“, wollte ich nach einiger Zeit abwägend erfahren und strich mir eine wassertriefende, klebrige, lange, schwarze Strähne aus dem Gesicht.

„Weil ich es brauche und wehe du bist sanft…“, wisperte sie zur Wand. Daraufhin verengten sich meine Augen zu misstrauischen Schlitzen und ich packte sie recht grob im Nacken.

„Arrgg!“, entschlüpfte ihr, als ich sie rabiat zu mir zog, bis ihr Ohr an meinem Mund war.

„Was soll das? Denkst du ich bin deine Puppe, die springt, wie du es haben willst?“, hauchte ich drohend, während sie zappelte und versuchte, sich aus meinem Griff zu befreien, was ihr aber nicht gelang, obwohl sie glitschig und wendig wie ein Aal war.

„Nein, Severus… ich… du…“, stotterte sie rum und ich unterbrach sie unwirsch.

„Warum bist du dann hier bei mir und nicht bei ihm?“, stellte ich unnachgiebig die bohrende Frage, die mich die ganze Zeit nicht in Ruhe ließ.

„Bei wem?“, gab sie ihre Gegenwehr abrupt auf und erstarrte.

„Musst du da überlegen?“, wollte ich gehässig erfahren, denn dass sie gerade nicht freiwillig zu Lucius ging, stand meiner Ansicht nach außer Frage.

„Du meinst Draco?“, fasste sie trotzdem noch immer unsicher nach, ob ich nicht jemand anderen meinte und so rollte ich verächtlich mit den Augen, auch wenn sie es nicht sah.

„Natürlich meine ich Draco!“, unterstrich ich meine aufkeimende Wut, indem ich sie mit einem unsanften Stoß entließ und sie Richtung Wand flog. Daraufhin schaffte sie es gerade noch so, ihre Arme hochzureißen, sodass sie sich schützend abfangen konnte.

Es ärgerte mich, dass sie sich dumm stellte und nicht auf den Punkt kam. Noch stand sie mit dem Rücken zu mir, doch jetzt konnte ich beobachten, wie ihre Muskeln am Rücken arbeiteten, als sie sich straffte, bevor sie sich zu mir umdrehte und sich mir ohne Scheu präsentierte. Das Wasser perlte in Strömen an ihrem Körper hinab, somit konnte ich jetzt auch ihre Vorderfront untersuchen und stellte fest, dass ein roter Striemen quer über ihre Brust verlief und ihr Oberschenkel vorne eindeutig eine Delle davongetragen hatte. Alles war also nicht weltbewegend, aber ein Zeichen, dass sie sich in ein hartes Gefecht geworfen hatte und das mit vollem schmerzhaftem Einsatz.

„Willst du nicht, dass er dich so sieht?“, forschte ich daher auch noch selektierend weiter und sie blinzelte mit verhaltenem Zorn zu mir. Bestimmt fand sie mich zu neugierig. Aber warum sollte ich es ihr einfach machen?

„Ich wollte zu ihm. Ich stand schon vor Slytherin, aber ich… ich… konnte nicht, nicht mit all dem Dreck an mir und dann… nein, das ist es nicht, was ich gerade will!“

Interessant, was sie gerade wollte. Ging es darum ihren getretenen Stolz aufzurichten? Irgendwie fühlte ich mich gerade wie die zweite Wahl! „Wollen? Oder das was du brauchst?“, klang ich irgendwie anklagend und verstand selbst nicht so genau, warum es mich derart tangierte, was sie suchte, oder zu finden hoffte. Anscheinend klang ich sehr ablehnend, denn sie sah sich genötigt, sich zu rechtfertigen.

„Ahhh, das verstehst du falsch, Severus. Nur wenn ich ihn gerade ansehe, sehe ich Lucius!“, bekannte sie widerwillig und misshandelte ihre Unterlippe mit ihren Zähnen. „Ich sehe die ganze Zeit Lucius und er sieht ihm auch noch so verdammt ähnlich, das macht mich rasend vor Wut und ich will das Draco nicht antun!“, erklärte sie angewidert von sich selbst, woraufhin ich ihr kühl entgegenblickte.

So trat ich abrupt zurück. Mir konnte sie das schon antun? Irgendwie schmeckte mir das nicht. Ich wurde nicht gerne benützt.

„Trockne dich ab, du schrumpelst schon!“, meinte ich daher hart und verließ übergangslos die Dusche.

Im Gehen riss ich mir ein Handtuch herunter und wischte mir während ich ging über das Gesicht. Als ich soeben das Bad hinter mir gelassen hatte, passierte das für mich Unerwartete.

„Ufff“, stürzte ich blind nach vorne, aber ich erholte mich schnell von dem plötzlichen Angriff und reagierte flott. Noch im Fall streckte ich meine Hände aus und federte meinen Sturz auf den harten Steinboden meines Schlafzimmers gekonnt ab.

„Was fällt dir ein?“, hisste ich knurrend auf, während ich mich hochstemmte, aus der Hüfte drehte und einen Teil ihres klatschnassen Haares mit einer Hand zu fassen bekam. Sie hatte mich recht stillos angesprungen, saß nun halb auf meinen Beinen und war mit mir zu Boden gegangen.

„Was fällt dir ein, mich so stehen zu lassen? Ahhh…“, gab sie mir wutschnaubend Kontra, ohne auch nur einen Funken eines schlechten Gewissens zu offenbaren, dass sie mich zu Boden geworfen hatte.

Während ich sie seelenruhig mit brutaler Gewalt an ihrem Haar von mir weg zog, machte sie keine Anstalten, meinem Bemühen, sie von mir herunter zu bekommen, nachzugeben. Sie gebärdete sich wild und schlug unvorstellbarer Weise sogar nach mir. Ich wich noch gerade so ihrem Kinnhaken aus, schaffte es mich zu drehen und gleichzeitig mit meiner anderen Hand ihre schlüpfrig nasse Hüfte zu fassen zu bekommen, um sie von mir zu stoßen. Während ihr Körper wegflog, kreischte sie vor Schmerzen auf, da ihr Haar noch immer mit meinen Fingern verwoben war.

„Du Biest!“, meinte ich nachtragend und konnte es nicht fassen, dass ich mich nun mit ihr auf meinem Badezimmerboden wie auf den Trainingsmatten rangelte.

„Du Bastard!“, keuchte sie giftig, da ich ihr langes Haar immer noch nicht aus meinem Klammergriff entließ und sie wenig freundlich schüttelte.

„Wer wirft mich um?“, grollte ich nachtragend.

„Wer lässt mich stehen?“, gab sie gemeingefährlich zurück.

Ihr bekamen die arroganten Malfoys wirklich nicht!

In dem Moment brachte ich meinen Unterleib gerade noch in Sicherheit, bevor mich ihr Fuß treffen konnte und da reichte es mir wirklich. Jetzt wurde ich wütend. Ich packte zu, hob sie leicht hoch und knallte sie mit ihrem ganzen Körper hart auf den kalten Boden und trieb ihr damit die Luft aus den Lungen.

„Ufff!“, keuchte sie schmerzhaft auf und ich war mir sicher, jetzt würden noch ein paar mehr sie verschandelnde blaue Flecken dazukommen.

Ich musste mir eingestehen, dass mich der Anblick in der Dusche, aber auch ihre Worte vorhin und jetzt die körperliche Nähe nicht kalt ließen und auch nicht spurlos an mir vorbeigegangen waren.

Was für einen verräterischen Körper ich gerade mein eigen nennen durfte war tragisch!

„Du willst deinen Willen, du bekommst ihn!“, schnarrte ich gefährlich und brachte mich über ihr in Position.

So drängte ich recht grob ihre Beine auseinander und drang umgehend und ohne zu warten oder zu zögern in sie ein. Sie wollte gefickt werden und nun würde sie ihren Willen bekommen, wobei sie mich mit großen Augen anstarrte.

„Ahhhh!“, stöhnte sie kurz schmerzhaft auf, als ich sie endgültig und mit Vehemenz unter mir begrub.

Dass ihr geschundener Körper ihr Schmerz bereitete, darauf wollte ich alles verwetten, aber ich hielt mich und meine Laune auch nicht zurück, denn meine Finger waren noch immer in ihren Locken und meine andere Hand wehrte ihre Hände ab, die sie durchaus weiterhin gegen mich einsetzte.

Sie war wie entfesselt und verpasste mir den einen oder anderen Kratzer bei unserer wenig freundlichen, dafür umso stürmischeren Vereinigung, in der ich meine körperliche Überlegenheit eiskalt ausspielte.

Ein kaltes Grinsen zierte meine Züge, während ich in sie stieß. Sie schien es wirklich nötig zu haben und es erinnerte mich an unser erstes Mal. An unser erstes Mal nachdem sie mir meinen unverzeihlichen Aussetzer vergeben hatte und wir nach einem Auftrag auf meinem Schreibtisch übereinander hergefallen waren. Genauso ähnlich wie damals war es nun gerade. Sie kratzte, biss und schrie unter mir ihren Frust über Lucius hinaus und ich konnte nicht behaupten, dass es mir nicht gefiel, während ich sie mit Feuereifer nahm!

Wobei heute auch bei mir in Erinnerung bleiben würde, da es wahrlich das erste Mal war, dass wir es regelrecht triebgesteuert auf dem Boden trieben. Das eine Mal auf den Trainingsmatten zählte nicht, denn hier war es der blanke Boden, außerdem war es damals von ihr berechnend gewesen, um mich davon abzuhalten, Greengrass zu testen und ihre Schwangerschaft zu entdecken.

Aber sie war heute tief getroffen worden und innerlich total aufgewühlt. Lucius‘ Aktion, sie derart ungefragt in die Enge zu treiben, schien ihr arg zuzusetzen. Sie wollte ihn nicht ehelichen und ich konnte sie verstehen, wenn aber die Konsequenz war, dass sie sich mir derart leidenschaftlich hingab, konnte ich damit leben und so versuchte ich es mit Galgenhumor zu nehmen, während sie mir soeben einen blutigen Cut verpasste, der mich grollen ließ.

Was für ein Bild mussten wir abgeben? Es war nicht schön, was wir hier taten und trotz allem genoss ich es aufrichtig, sie zu spüren, weshalb ich mich immer wieder mit Freude in sie trieb.

„Verbohrtes Biest“, stöhnte ich ergeben und wandte mich wieder ihr zu, zog und bog ihren Kopf zurück, entblößte ihre Kehle, auf die ich mich dann stürzte und sie mit Zähnen und Lippen bearbeitete.

„Bastard“, keuchte sie, woraufhin sie mir gerade mit einem befreienden Schrei, der ihren Orgasmus untermalte, ihre Nägel rücksichtslos tief in meine Schulter rammte. Ich ließ mich ebenfalls gehen, keuchte erleichtert auf, als ich mich mit einem heiseren Laut auf den Lippen in ihr ergoss.

Wenn wir nicht noch nass von der Dusche gewesen wären, hätte ich gesagt, was für ein schweißtreibender Ritt, aber so versuchte ich kontrollierter Luft zu holen und kam etwas atemlos über ihr zur Ruhe, während auch sie abgekämpft wirkte und unter mir nach Luft japste.

Leicht hob ich mich an und betrachtete ihre nun viel entspannter wirkenden Züge. Der verbitterte Ausdruck war verschwunden. Und wem war es zu verdanken?

Genau, mir, so prallte mein Zynismus an meiner Ironie ab, denn ich tat mir fast leid wegen dem, was nun kommen würde. Mir war vollkommen bewusst, dass ich mir ihren unversöhnlichen Zorn zuziehen würde, bei den folgenden Ereignissen. Aber es war nötig, in mehrfacher Hinsicht und so rief ich mit einem nonverbalen Zauber eine Phiole zu mir, die ich geschickt mit einer Hand aus der Luft fing und sie mit meinem Mund öffnete, dabei lag ich noch immer zwischen ihren Schenkeln und war auch noch mit ihr verbunden.

„Was?“, meinte sie irritiert, nachdem sie mehrfach geblinzelt hatte, als wollte sie ihr Hirn wieder freibekommen. Soeben wollte sie ihren Kopf heben, was ihr nicht gelangt, da meine Finger der anderen Hand noch immer mit ihrem Haar verwoben waren. Woraufhin sie mich sofort sichtbar überrumpelt ansah, während ich nun unter ihren verstörten Blicken den Glaskolben ostentativ an meinen Mund nahm und ihn entschlossen leerte.

Danach ging es rasant. In einer geschmeidigen Bewegung lehnte ich mich vor und legte meinen Mund an ihre Lippen. Zuerst schien sie noch nicht zu ahnen, was gleich passieren würde.

„Nicht!“, rief sie plötzlich, was natürlich genau falsch war. „Wuuuu“, begehrte sie weiter auf, während ich mit der Hand ihren Kiefer aufzwang und ihr den Trank verabreichte.

Als ich ihr alles von der Flüssigkeit gegeben hatte, verschloss ich ihr den Mund mit meiner Hand und hielt ihr auch noch wenig freundlich die Nase zu. Sie zappelte wild, aber wirkungslos unter mir.

Ihre Augen funkelten aggressiv zu mir, doch lange konnte sie sich nicht wehren, da die Wirkung einschlug und ihr die Augen wie von selbst zufielen und ihr Körper erschlaffte.

„Na bitte!“, murmelte ich nun plötzlich auch sehr müde, wenngleich sehr zufrieden über meinen gelungen Coup. Also begann ich mich von ihr zu lösen und raffte mich mit schweren Gliedern auf.

Kurz danach stand ich in einen schwarzen Morgenrock gehüllt vor der nackt am Boden Liegenden und nach einem leisen Seufzen bückte ich mich und hob sie fürsorglich in mein Bett.

„Wie lange brauchst du denn noch?“, stand ein dunkler Schatten in meinem Türrahmen und beobachtete, wie ich gerade die Bettdecke über das noch immer unbekleidete Biest schlug. „Ich habe euch genug Zeit gelassen!“

„Ja, das hast du, Lucius, unter Anbetracht, dass du uneingeladen in meine geheiligten Räume vordringst!“, murrte ich düster, bevor ich zu meinem Nachttisch ging und den Gegentrank schluckte, der die lichten Nebel aus meinem Geist vertreiben sollte, der sich durch den Schlaftrunk auch auf mich gelegt hatte.

„Als ob du das nicht mitbekommen hättest!“, entgegnete Lucius lapidar, denn es stimmte, natürlich wusste ich, wenn jemand zu mir vordrang.

Schlussendlich hatte ich sie nicht ohne Grund betäubt. Lucius wandte sich ab und verließ meine Schlafräume und ich folgte ihm auf dem Fuße. Ich wagte mich kurz zu fragen, ob ich recht gehandelt hatte, indem ich sie übervorteilt und ihr einfach den Trank hineingeschüttet hatte.

Auf der anderen Seite wäre sie ausgetickt, in der labilen Verfassung, in der sie sich befand. Lucius sehen oder gar ertragen zu müssen, wäre unweigerlich in einer Katastrophe geendet.

Ich hatte schlicht das in meinen Augen kleinere Übel gewählt, ihren heiligen Zorn auf mich!

„Hat dir die Vorstellung gefallen?“, fragte ich deshalb bösartig und lebte meine Gehässigkeit an meiner Nervensäge, vor der es kein Entkommen gab, aus. Dass ich ihn nie los werden würde hatte ich schon vor viel zu langer Zeit akzeptiert.

„Wie kommst du darauf, dass ich hingesehen hätte?“, kam es regelrecht pikiert von ihm, während ich hinter meine Bar trat und ihm einen verächtlichen Blick sandte.

„Als ob das so abwegig wäre!“, stieß ich abwertend aus, dabei erinnerte ich mich an die eine oder andere Begebenheit während der Ferien, bei der er uns sehr wohl, sehr intensiv beobachtet hatte. Aber wie immer er wollte und so schenkte ich uns beiden den dringend benötigten Drink ein.

„Ich habe schließlich gerade deine Verlobte flachgelegt!“, kam ich schonungslos zu dem Punkt, der sich seit heute Morgen grundlegend geändert hatte.

„Wundert mich, dass du es warst und nicht mein Sohn!“, entgegnete Lucius in meinen Ohren irgendwie beleidigt und hob die Hand, als würde es ihm mit dem Drink nicht schnell genug gehen.

Hatte es ihm nun gefallen zuzusehen, oder eher nicht?

„Bitte, du hast dir das ausgesucht! Von ihnen hat dich niemand darum gebeten, das zu tun, was du getan hast!“, rügte ich sachte, ging langsam auf ihn zu und drückte ihm das Glas in die Hand.

Dass es ihm nicht gefallen würde, seine „Frau“ in den Armen seines Sohnes zu sehen, glaubte ich ihm, aber er wusste, was er getan hatte. Er hatte sie herausgefordert und da wurde das Biest unberechenbar!

„Spar dir deine schlauen Worte, Severus“, nippte er eilig an dem Whiskey und verzog nach einem großen Schluck die Lippen. „Aber es hörte sich nicht schön an? Hat sie es wirklich genossen?“, fasste er erstaunlich involviert nach und meine dunkle Braue zuckte in die Höhe.

Ein besorgter Lucius? Mir war mein Herzinfarkt garantiert, ging mein Sarkasmus mit mir durch, als ich selbst erst mal einen tiefen Schluck nahm.

„Nun, hörte es sich nur nicht schön an? Oder sah es auch nicht schön aus?“, provozierte ich aus purer Bosheit, denn dass er keinen Blick riskiert hatte, konnte er mir nicht erzählen.

Als sein Mund empört aufklappte, winkte ich nur wegwerfend ab und fuhr fort:

„Nur zu deiner Information, sie wollte es so! Sie mag das, davon abgesehen hat sie sich nur wirklich gegen den Schlaftrank gesträubt!“ Ich rechtfertigte mich zu meinem eigenen Schaudern vor diesem Despoten. Es ging ihn eigentlich gar nichts an, wie ich mit ihr umging, aber im Bezug auf das Biest beliebte es ihm ja immer wieder, sich einzumischen.

„Und diesen Trank hast du ihr derart abwegig und unerwünscht verabreicht weil?“, hakte er sofort interessiert nach, dabei drehte sich der Schlangenknauf seines Gehstocks spielerisch in seinen Fingern.

„Du hast doch geschaut!“, überführte ich ihn geschmeidig, dabei zuckten meine Mundwinkel zynisch. Er war für mich so leicht zu lesen, was dazu führte, dass er mir einen recht eisigen Blick zusandte, der mich recht wenig tangierte. Aber bevor er aufbrausen konnte, fuhr ich eilig fort: „Nun, Lucius, warum habe ich sie ausgeschaltet? Ganz ehrlich, du bist schuld…“

„Bitte?“, unterbrach er mich empört, woraufhin ich ein höhnendes Lächeln zurückhalten musste.

„Ja, es wäre ganz und gar nicht gut, wenn ihr euch jetzt über den Weg lauft. Sie ist nicht gut drauf und auf dich gut zu sprechen schon gar nicht!“, erklärte ich denn somit auch eilfertig, da er kurz vor einer Implosion zu stehen schien.

„So schlimm?“, murmelte er abschätzig, dabei schwenkte er seinen Drink hin und her, bevor er leise seufzte. „Da könntest du recht haben. Du hast bestimmt das Richtige getan. Sie schläft und sie hatte ihren Spaß, lassen wir es gut sein“, verkündete er lapidar.

Ich dachte, dass ich mich mit meinen gar zarten Ohren verhört hatte. War das da wirklich Lucius?

Anscheinend hatte diese rasante Verlobung nicht nur sie durcheinandergebracht, sondern auch ihn!

„Heute derart nachgiebig?“, fasste ich dann auch sofort nach, nicht bereit, ihn derart schnell von der Angel zu lassen.

„Tja, ich bin verlobt, das muss fast gefeiert werden“, höhnte er sarkastisch und stieß sein halb geleertes Glas wenig freudig in die Höhe.

„Überanstrenge dich nur nicht“, ging meine Ironie mit mir durch, während mein Gegenüber ein wenig verloren wirkte.

„Sei nicht so unerträglich gehässig, Severus.“

„Warum hast du es getan, Lucius, wenn du gerade selbst nicht wirklich überzeugt wirkst?“, drängte ich ihn. Es war ungewohnt, dass gerade ein Mann wie Lucius Malfoy irgendwie und nicht zu benennen unsicher erschien.

„Ha!“, stieß Lucius plötzlich amüsiert aus und nippte an seinem Drink. „Du denkst, ich hadere mit mir? Nein, verkenne nicht die Sachlage, Severus. Ich bedauere es weder, noch möchte ich es rückgängig machen. Es war mein erklärtes Ziel, Hermione zu meiner Frau zu machen… das zu schaffen…“

„Oh Wunder“, unterbrach ich ihn und rollte mit den Augen, was ihn affektiert mit der Zunge schnalzen ließ.

„Nur kein Zynismus“, wiegelte er daher versnobt ab. „Eines Tages hätte ich es so oder so geschafft! Sie wäre mir nie entkommen“, verkündete er absolut von sich selbst überzeugt in einer gebieterischen Haltung, dass man niemals an seiner Meinung zweifeln konnte.

„Du bist gerade arg besitzergreifend“, warf ich abwertend ein.

„Sag mir lieber, ob du weißt, warum sie so überzeugt war, mich nicht zu brauchen!“, verlangte Lucius nun ehrlich interessiert wirkend, zu erfahren. Sofort ruckte mein Haupt hoch, denn endlich verstand ich, was Lucius bedrückte.

Es war nicht, dass Hermione sich gegen ihre Verlobung mit ihm sträubte, denn damit hatte er gerechnet. Er ärgerte sich, dass sie ihm keine Dankbarkeit offerierte, nachdem er sie gerettet hatte, was er als kühler Stratege und Manipulator mit einkalkuliert hatte.

Leider war er hier auf die schöne und aristokratische Nase gefallen, denn den Gefallen, so etwas wie Dank zu empfinden, den tat sie ihm nicht und das wurmte ihn gar sehr.

Was für eine Drama-Komödie und ich durfte Zeuge davon werden. Gute Unterhaltung war mir für lange Zeit garantiert. Was wollte ich mehr?

„Oh ja, das kann ich sogar wirklich“, begann ich und hier fasste ich genüsslich zusammen, was ich vom Biest erfahren hatte, während Lucius immer größere Augen machte. Als ich schließlich endete, prostete ich ihm exaltiert zu und trank genießerisch.

Man erlebte es nicht jeden Tag, dass man Lucius mundtot machen konnte. Es war denkwürdig!

„Erstaunlich, dass Rufus die Kleine rum bekommen hat!“, meinte Lucius sichtlich erstaunt und schüttelte sein fast weißes Haupt.

„Ja, bei deiner Kleinen tust du dir bekanntlich schwer!“, schüttete ich meine gelebte Gehässigkeit über ihm aus und erntete einen extrem mürrischen Gesichtsausdruck.

„Sie ist selbst schuld, wenn sie ihre ganzen Geheimnisse hortet und uns nicht teilhaben lässt!“, schob er ihr gekonnt leichtfüßig den schwarzen Salazar zu.

„Hahaha… jetzt schiebst du ihr in die Schuhe, dass sie selbst schuld ist, nun verlobt zu sein? Du bist einmalig!“, lachte ich dunkel auf. Seine Reaktion war so was von Lucius, um bei seiner Wortwahl zu bleiben, das war köstlich zu erleben.

„Danke!“

„Ernsthaft, hast du dir das gründlich überlegt?“, fragte ich nochmals dezent involviert nach.

„Ich gestehe, diese Tat war spontan, aber ich begehe einen derart weitreichenden Schritt nie unüberlegt, keine Sorge! Sie weiß es noch nicht, aber eines Tages hätte sie mir so oder so gehört und jetzt wird sie mir ein wenig früher gehören!“, bekannte er selbstsicher, dabei wollte ich seinen ungebrochenen Optimismus auch mal haben, worüber ich die Oberlippe zweifelnd zurückzog.

„Und was ist mit Draco? Er hat nicht unrecht, sie wird dir nicht vergeben“, warnte ich leise, aber aufrichtig.

„Das lass meine Sorge sein, ich werde das schon hinbekommen. Ich bekenne, es mag dauern, aber ich kann sehr geduldig sein!“, beschied er endgültig klingend und absolut von sich überzeugt.

„Dann auf deine Geduld!“, prostete ich ihm sarkastisch zu.

Severus Sicht Ende

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Kapitel 483-484
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