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 Kapitel 495-496

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queenie
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BeitragThema: Kapitel 495-496   Di Jan 13, 2015 9:17 pm

495. Kapitel Zusammenprall


Lucius Sicht

Bisher hatten wir zusammen mit ihm in seinem Büro ausgeharrt und über die weiteren, nötigen Schritt debattiert, die von der Machtergreifung bis hin zur Machtfestigung von Nöten waren, nun nachdem uns der neu gewählte Minister ganz und gar hörig war.

„Dann sollten wir so rasch wie möglich beginnen, unsere Ideen umzusetzen, Lucius“, säuselte er gerade zischend und genoss sichtlich seine allumfassende Macht. Dabei legte er nachdenklich seine so weißen Fingerspitzen aneinander, um dann mit rot glühenden Augen zu mir zu starren.

„Wie immer Ihr wollt, My Lord“, durfte ich mitverfolgen, wie er dann hintersinnig lächelnd den Ruf absandte, während er sich danach herrschaftlich erhob, um dann mit hinter sich her schleifender Robe dahin schreitend den Raum zu verlassen.

Ich rang das Seufzen, das mir auf den aristokratischen Lippen lag, distinguiert nieder, erhob mich nun selbst und folgte ihm mit weit ausholenden Schritten in den Thronsaal.

Doch bevor ich den Saal betrat, änderte ich meine Gangart und verlegte mich aufs Schlendern. Schließlich stellte ich mich dann langsam unterhalb der Stufen neben dem Thron auf und verfolgte, wie die nach und nach gerufenen Leute eintrudelten. Nachdem sie den Raum betreten hatten, sanken sie sofort vor unserem Herrn und Meister auf den Boden und wagten es nicht, aufzustehen oder gar aufzusehen.

Ich rang mir eine absolut ausdruckslose Maske ab, während ich mit gelebter Verachtung auf dieses Kriechgetier starrte. Unterdessen konnte ich beobachten, wie das Strähnchen versuchte, den nackten Marmorboden mehr oder weniger zu knutschen. Das laute Krachen der sich schließenden Flügeltüren ließ die am Boden herum rutschende Masse zusammenzucken. Aber noch beliebte es dem Lord nicht, sie aus ihrer unbequemen Lage zu befreien.

Das war an sich ein schlechtes Zeichen, doch anders als die anderen hatte ich einen guten Seitenblick auf den Lord und durfte seine nasenlose Fratze begutachten. Um ehrlich zu sein, er wirkte minimal verärgert, indem er seine schmalen Lippen zu einem sehr dünnen Strich zusammenpresste.

Tja, so warteten wir und ich stützte mich auf meinen Gehstock und drehte kurz die Augen zur schwarzen Decke. Wenigstens war meine Haltung nicht derart demütig und verachtenswert und kurze Zeit danach verstand ich endlich, warum wir warteten. Es fehlte jemand, jemand, der sich verspätete und das war nie gut, schuld zu sein, dass der Lord warten musste.

Als sich die Türen knallend wieder öffneten, erkannte ich auch, wer es war, der sich verspätete und schloss aufgebend die Augen. Das war derart logisch gewesen, dass es gar nicht mehr anders ging. Sie schaffte es wirklich immer!

Meine Verlobte! Das Biest! Aber sie ließ sich nicht von der missmutigen Miene des Lords einschüchtern, sondern rauschte mit langem, wehendem Mantel, der sichtbar notdürftig und in großer Hast über ihre Schulbekleidung gezogen worden war, herein. Noch im Lauf ließ sie ihre Maske verschwinden, dabei bemerkte ich kurz, wie aschfahl und ungesund sie wirkte, bevor sie in ihrem hoheitlichen, sehr tiefen Knicks versank.

„Du bist zu spät, mein Mudblood“, hauchte es nach einer kurzen Pause eisig durch den Saal und ein Mundwinkel von mir verzog sich missbilligend, denn Bellatrix´ Gekicher war nur zu gut zu vernehmen, auch wenn diese auf dem Boden rum kroch.

Während sich meine Stirn krauste, da ich mich fragte, wo war Draco, wenn sie gerufen wurde? Das war merkwürdig, aber wer sagte, dass der Lord mir sein ganzes Herz ausschüttete?

„My Lord, die Wege Hogwarts sind einfach zu lang, mein Fehler, meine Unzulänglichkeit… verzeiht“, rührte sie keinen Muskel in ihrer demütigen Haltung und versuchte fest, ihre Entschuldigung vorzubringen, worauf sich lastende Stille über den Raum legte. Es war klar ersichtlich, dass der Dark Lord sie verunsichern wollte, während sie darum kämpfte, eine derartige Schwäche wie Angst nicht zuzulassen.

„Wenigstens erkennst du deine Defizite“, verkündete der Lord auf einmal nasal und brach die Ruhe. „Erhebt euch“, winkte er nun mit seiner Hand unduldsam und eilig kamen alle auf die Beine, auch das Biest.

Natürlich fiel mir auf, dass sie mich keines Blickes würdigte, während sie sich aus ihrem Knicks hoch kämpfte. Was für ein Wunder. Sie war auch zu stur, aber was mir nicht gefiel war, dass diese Nichtbeachtung ihrerseits meiner Person von den drei anwesenden Lestranges sehr wohl mit Argusaugen beobachtet wurde.

Ein Malfoy wurde nicht missachtet, nie und nimmer! Schon gar nicht nach meinem großmütigen Angebot, das einen Waffenstillstand einleiten sollte!

„Wie auch immer, ich erwarte zukünftig mehr Einsatz von euch ALLEN! Und da wir nun endlich vollzählig sind, möchten Lucius und meine Wenigkeit euch davon in Kenntnis setzen, dass wir mit Sorge die Flucht einiger Muggelgebürtiger im Ministerium wahrnehmen. Pius setzt, wie erhofft, neue Maßstäbe, wobei aber auffällig ist, dass einige, bisher wenige, Leute verschwinden… in den Untergrund. Ich wünsche nicht, dass sich eine Fraktion der unzufriedenen sammelt. Das muss unterbunden werden, sucht und findet sie!“, forderte der Lord mit rot blitzenden Augen.

„My Lord sind zu gütig“, flötete plötzlich Bellatrix aus dem Hintergrund und die Gier, ihm gefällig zu sein, war ihrem gespielt süßlichen Ton anzuhören. Aber er ging nicht sofort auf Bellatrix ein, sondern fokussierte das Biest, welches nun die Stirn kraus zog. „Ich kann es kaum erwarten“, klatschte meine Schwägerin aufgeregt in die Hände.

„Wie wünschen My Lord von mir hierbei Hilfe aus Hogwarts?“, erhob das Biest wagemutig ihre Stimme und erntete ein hohles Lachen des Lords, das mal wieder für sofortiges Schweigen unter den DeathEatern sorgte. „Könnte Draco hier nicht besser helfen?“

„Ich möchte erfahren, ob einige der Schüler darüber mehr wissen, von ihren Eltern, Geschwistern oder dergleichen, des Weiteren denke ich, dass Scabior hier vielleicht helfen könnte. Er hat Ahnung vom Weglaufen, nicht wahr und er gehört zu deinem Trupp“, erklärte der Lord fast zu duldsam, während ihm alle wie einem Heiland lauschten.

„My… My… My Lord…“, stotterte der bisher immer übergangene Mann sprachlos vor Freude, weil er endlich beachtet wurde, während ich an meinem Handschuh zupfte.

„Ganz recht, ich fordere und erwarte viel. Sprecht euch ab, wie ihr das regelt und Draco? Er würde nicht zu den entsprechenden Personen vordringen können, du kommst aus ihren Reihen, nicht er“, wedelte der Lord herrschaftlich mit seiner skelettartigen Hand, bevor er sich mit Grazie erhob, um wieder in seinen Räumen zu verschwinden.

Wie aussagekräftig er doch sein konnte, wenn er wollte!

Wie gut, dass ich aufgrund meiner exponierten Stellung fast alles wusste was vor sich ging, wenngleich ich nicht geahnt hatte, dass er Hermione mit einbinden wollte. Seitdem sie meine Verlobte war, fand ich dergleichen nicht mehr wirklich angemessen und innerlich verzog ich meine Miene, aber noch war nicht der rechte Zeitpunkt, meinen Standpunkt zu verkünden. Ich hatte angenommen, dass er dies Severus auferlegen würde. Anscheinend war ihm in letzter Minute noch eine andere Idee gekommen. So war ich gespannt, was mein selbsternannter Herr und Meister sich Neues in seinem einzigartigen Hirn ausgedacht hatte, während ich meine aristokratische Nase ein Stückchen höher rückte und die Masse vor mir kalkulierend besah, bevor ich ihnen mit meinem Stock mit einer souveränen Geste bedeutete, mir ausnahmslos bis zu den Höhlen zu folgen.

Meine Verlobte wagte es immer noch, mir die eiskalte Schulter zu zeigen. Dies war absolut inakzeptabel für einen gewichtigen Mann wie mich. Was dachte sie, wer ich war? Ein Schuljunge? Da sie sich so ostentativ von mir abwandte, dass es auffällig war.

Meine Beobachtung ihrer Person war konstant und ich konnte durchaus ihre Erschöpfung fast mit Händen greifen, wenngleich ich nicht erkannte, woher diese kam, da ich wusste, dass sie für keinen Auftrag eingeteilt war. Was hatte diese Frau nur wieder getrieben?

„Du siehst müde aus“, bedrängte ich sie mit meiner plötzlichen Nähe, was sie sofort ein wenig steifer gehen ließ und ihr als Antwort nur ein abfälliges Schnauben entlockte. Es wirkte, als wollte sie meine Sorge um ihr leibliches Wohl anzweifeln. Ich erdrückte unterdessen fast den Schlangenkopf meines Gehstocks.

„Ich erwarte eine Antwort“, hauchte ich eisig.

„Du erwartest immer erschreckend viel, Lucius“, konterte sie hart, dabei sah sie weder über ihre Schulter noch drehte sie sich zu mir, sondern ging nur stur weiter vor mir her.

„Mud…“, wollte ich sie mit ihrem abwertenden Titel in den Reihen der DeathEater anfahren, wurde aber von einem hohen Quietschen unterbrochen.

„Iiiiiiihhhh… Ohhh, was höre ich da, trübt etwa… etwas die Freude im Paradies unseres zukünftigen Hochzeitspaares?“, ätzte meine Schwägerin enervierend los und ich war kurz davor, ihr einen Cruciatus für ihre ausgesprochene Frechheit aufzuerlegen. Dass dieses Weib es nicht lernte, mir den gebotenen Respekt entgegenzubringen, war unerträglich, aber bevor ich reagieren konnte, nahm man mir dies aus meinen erfahrenen Händen.

„Fick dich, Bellaaaaaalein“, ärgerte Hermione sie mit voller Absicht und sang ihren Namen wie ein Kleinkind, sodass Bellatrix‘ Gesichtszüge, vor Wut aufgrund dieser Anmaßung, entglitten.

Auf der anderen Seite genoss ich diesen Moment, da meine Verlobte es anscheinend ähnlich sah wie ich, dass unsere minimalen Differenzen von niemand anderem als von uns zu kommentieren waren.

„Was wagst du dich? Du minderwertiges Stück Dreck“, hisste die Furie, rauschte auf das Biest zu und baute sich dann vor ihr auf. „Was bildest du dir ein? Nur weil Lucius, der alte, verblendete Gockel, dir einen Verlobungsring ansteckt, über mir, über uns zu stehen? Dass ich nicht lache“, spuckte Bellatrix derart wütend aus, dass sie wirklich um sich spuckte.

Kurz war ich versucht, mich einzuschalten, als meine so vornehmen Ohren den „verblendeten Gockel“ vernahmen, da ich es mir verbot, dass man derart abwertend über meine erhabene Person sprach, aber ich kam gar nicht so schnell dazu, da das Biest stehen blieb. Also hielt ich mich distinguiert zurück.

„Zieh Leine, Bellaaaaaalein“, ätzte das Biest mit absolut mieser Laune und ihre bisher so schlecht kaschierte Müdigkeit verschwand. „Du bist so völlig irre, dass es wehtut.“

„Tatsächlich, willst du mir sagen, was ich tun soll? Spinnst du? Du hast mir gar nichts zu befehlen!“, keifte Bellatrix gewohnt geifernd.

Nun zuckte meine Hand, wie von selbst bei dem Gekreische, zu meinem Zauberstab, um diesen aus seinem Gefängnis zu befreien, bis ich spürte, wie sich eine Hand zu vertraulich, aber auch zu bestimmt auf meinen Arm legte und nach einem Blick zur Seite konnte ich Rodolphus ausmachen, der mich weniger dezent davon abhielt, in diese Auseinandersetzung einzugreifen. Noch während ich überlegte, schaltete sich jemand ganz anders in die Unterhaltung mit ein.

„BELLA“, tauchte urplötzlich Greyback hinter uns auf und überholte sehr eilig alle anderen. Was hatte der hier zu suchen?

Warum war er nicht bei seinem Rudel? Der kam eindeutig unerwartet und seine Einmischung, Bellatrix in ihrer Rage aufzuhalten, noch mehr. Selbst Hermione wirkte überrascht, ihn zu sehen.

„Was?“, fragte diese entnervt, aber sie kam nicht weiter, da der Wolf beim Biest stehen blieb, während sich Bellatrix Rabastan näherte.

„Was machst du schon hier?“, fragte sie dann auch leise zu ihm hin und ich nahm den doppeldeutigen Unterton, der implizierte, dass sie sehr wohl wusste, wo er herkam, sehr wohl wahr. Ich runzelte die hohe Stirn und wusste nicht, ob mir diese Offenbarung gefallen sollte, oder eher nicht.

„Wir waren schneller fertig als erwartet“, flüsterte er sehr leise zurück, aber ich war so nah, dass ich es dennoch hörte. Ich runzelte unwillig die Augenbrauen. Was für Geheimnisse hatten diese beiden wieder?

Nein, ihre Nähe zu Fenrir Greyback gefiel mir ganz und gar nicht und in diesem Moment, als er das sagte, flackerte zu meiner Verwunderung so etwas Seltenes wie Sorge über ihr erschöpft wirkendes Antlitz, was auch dem Werwolf nicht zu entgehen schien, aber nur für uns zu sehen war, da wir nah genug standen, um unter ihre Kapuze sehen zu können. „Keine Sorge, alles lief so, wie von dir gewollt“, versuchte er sofort, ihre Skepsis zu zerstreuen und meine Augen weiteten sich minimal, aber wieder bevor ich einschreiten konnte, kam man mir zuvor.

„HALLO, wer ist hier wichtiger? Du schiebst mich einfach weg? Sag mal, was fällt dir ein, du… du widerlicher Kretin“, lenkte jetzt wieder Bellatrix mit ihrer lauten Stimme die Aufmerksamkeit aller auf sich.

Aufgrund ihrer abfälligen und mit Hass geäußerten Worten schien Greyback regelrecht über sich hinauszuwachsen und wurde sehr breit und groß.

„Widerlich? So widerlich kann ich für dich nicht sein“, grollte er mit tiefer Stimme und starrte sie mit seinen dunklen Augen in Grund und Boden.

„Und das denkst du… weil?“, keifte die Verrückte sichtbar unfassbar wütend, aber auch provokant zurück. Dass Greyback mit Hermione gesprochen hatte und nicht mit ihr, schien sie maßlos zu ärgern.

„Hör auf mit mir Streit zu suchen, ich will dich nur vor Dummheiten bewahren“, erklärte der Werwolf sichtlich beherrscht und rang mir fast so etwas wie Respekt ab. Auf der anderen Seite war er ein Alphamännchen, das ein Rudel führte. Ein wenig Hirn konnte man ihm zutrauen. Zu meiner Verwunderung bemerkte ich, dass er sauber war und das sprichwörtlich. Derart gestriegelt und gebürstet hatte ich ihn noch nie gesehen, selbst damals auf dem Silvesterball bei den Lestranges nicht.

„Darauf lege ich keinen Wert… du Mudbloodliebhaber! Ich hasse solche Typen. Ich brauche niemanden, der auf mich aufpasst!“, war sie nun so nah an Greyback herangetreten, dass sie ihm ihren langen Fingernagel in die breite Brust bohren konnte. „Anders als die da“, deutete Bellatrix mit ihrem anderen Finger anklagend auf Hermione, die empört die Hände in die Hüften stemmte.

„Was willst du dann von mir? Wenn du mich soooo sehr hasst?“, fragte Greyback gleichmütig.

„Siehst du, du streitest es nicht mal ab“, erregte sie sich fulminant. „Aber gute Frage, was will ich von dir? Das frage ich mich auch gerade… diese Hände…“, spuckte sie auf den Höhlenboden hin aus und ich blickte selbst interessiert auf seine Hände, die eher an Klauen erinnerten und diese waren nicht wirklich schön, aber sie waren sehr rein. Nicht der kleinste Schmutzrand war unter den Nägeln auszumachen. Wie gesagt, seine Erscheinung machte mich stutzig. „Diese Hände berühren dreckige Haut von einem Mudblood. Du verteidigst sie, dann geh zu ihr, wenn du ficken willst“, giftete Bellatrix weiter.

Derweil ruckte mein Haupt in die Höhe und meine Kiefer mahlten verärgert. Dieses Weib trieb es wahrlich weit, immerhin sprachen wir hier von meiner zukünftigen Frau.

„Wie peinlich“, murrte auf einmal Rodolphus vertraulich zu mir hin und rollte genervt mit den dunklen Augen, aber er schritt genau richtig ein, um mich vom Handeln abzubringen, während ich ihn mit schief gelegtem Haupt maß. Was wollte er damit erreichen? Dass Bellatrix sich um Kopf und Kragen redete?

„Bellatrix, zieh endlich Leine“, kam es fast schon gutmütig erneut von Hermione, was Bellatrix wieder mit glutvollen Augen zu ihr herumfahren ließ.

„Verzieh dich“, giftete Bellatrix nun zu Hermione und diese lachte nur trocken auf. „Keiner will dich hier haben.“

„Beweg doch du dich“, zischte sie betont freundlich zurück, während sie von Bellatrix mit einer aggressiven Grimasse angestarrt wurde, wobei es Hermione hierbei half, dass man ihr Gesicht nicht so gut ausmachen konnte, da sie ihre Kapuze sehr tief ins Gesicht gezogen hatte, ebenso wie ich.

„Mach doch, dass ich mich bewege“, provozierte das verrückte Weib weiterhin absichtlich und hüpfte aufgeregt hin und her, während Hermione ihre Hand unter ihre Kapuze wandern ließ, kurz bevor sie ihren Mantel abwarf und ihr eisernes Antlitz emporhob. „Aber das würdest du dich eh nicht trauen, da du verlieren würdest. Solche wie du sind zum Verlieren geboren.“

Woraufhin Hermione nach dieser Aufforderung wenig manierlich ihren Kopf nach beiden Seiten hin rollte und ihre Nackenwirbel knacken ließ. Dies war eine Drohgebärde, die Bellatrix nur genervt mit den Augen rollen und wiederum mit ihren Finger knacken ließ.

„Eure Stäbe“, dröhnte urplötzlich Dolohovs tiefe Stimme daher, nachdem ich ihm einen eindeutigen Befehl mit einem Fingerzeig hatte zukommen lassen, dass ich nichts gegen einen Kampf hatte, aber dieser nicht über gewisse Grenzen hinauszugehen hätte, daher die Herausgabe der Zauberstäbe.

Niemand konnte leugnen, dass das von beiden die Aufforderung zu einem Duell war und ich selbst hielt mich jetzt weiterhin im Hintergrund. Als Rechte Hand des Lords wäre mein Wort immer Gesetz und jeder würde das hier sofort beenden, wenn ich meine Stimme erheben würde, aber niemand wünschte, dass ich mich einmischte.

„Was? Was soll das für ein Kampf sein ohne Stab?“, begehrte das Ärgernis mit dem Fuß aufstampfend auf. „Dann muss die Eisenmaske weg.“

Aber ganz ehrlich, wenn ich mir Hermione und ihre müde Erscheinung besah, brauchte sie einen Vorteil und den hätte sie in einem körperlichen Kampf, denn Bellatrix war viel und vor allem eine sehr gute Hexe und das gerade auch im Duell, aber genau diesen Vorteil wollte ich ihr nicht gönnen.

„Ein Ausgeglichener“, beschied Dolohov als mein Sprachrohr und ich neigte wohlwollend mein wohlverborgenes Haupt. Dann deutete Dolohov auf Hermiones Antlitz und verwandelte die Eisenmaske in eine elastische, aber ihr Gesicht blieb weiterhin verborgen.

Umgehend bildete sich ein neugieriger und begieriger Kreis um die beiden Frauen, die ihre Antipathie nie hatten verhehlen können. Es war eine Agonie des Hasses, die sie unweigerlich zu diesem Punkt hatte bringen müssen, während sie sich damit eins zu eins, wie noch nie gegenüberstanden. Beide zückten widerwillig ihre Stäbe. Bellatrix entschied schnell und warf ihren Zauberstab zu ihrem Favoriten Rabastan.

Doch dem Biest fiel die Wahl bedeutend schwerer und so starrte Hermione nach einem langen Blick auf ihren Stab zu Scabior und Fenrir, nur um dann urplötzlich herumzuwirbeln und mich durch ihre Maske mit langem, unleserlichem Blick zu mustern.

Ich fragte mich, was sie bezweckte, was sie abwog und war mehr als gespannt, auf wen ihre Wahl fallen würde. Scabior, Fenrir oder vielleicht sogar Rodolphus, der neben mir stand? Denn es war für einen Magier eine elementare Entscheidung, wem er dieses wertvolle Gut anvertrauen würde. Nach langen Sekunden traf sie schließlich ihre Wahl. Ihre Augen verdunkelten sich und sie bewegte sich ohne Hast, dann flog ihr Stab surrend durch die Luft. Gar nicht bewusst handelnd, sondern mehr instinktiv, hob ich meine Hand und fing das so bedeutungsvolle Stück Holz aus der Luft, während ich weiter ihren Blick hielt, der so viel oder nichts weiter aussagte.

Dann erst erlaubte ich mir, kurz verwundert auf den Zauberstab zu blicken, der nun sicher in meiner behandschuhten Hand lag und ich freute mich erleichtert, dass die Maske meine Gesichtszüge verbarg. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie mich wählen würde, nicht nachdem wir verlobt waren und ich sie dazu gezwungen hatte.

Hasste sie mich vielleicht doch nicht so sehr nach der Verlobung, wie von ihr vorgegeben? Oder sah sie in mir nur eine geringere Gefahr als in Scabior, Rodolphus, oder Fenrir? Ich versuchte, ihre Gedankengänge zu verstehen. Sie hatte ihre Wahl mit Sicherheit mit Bedacht getroffen, aber aufgrund welcher Prämisse?

Vertraute sie mir als Familie doch mehr als den anderen?

Ich wollte es hoffen, aber meine Gedanken wurden wieder ins Jetzt gelenkt, weil es nun übergangslos losging, nachdem sie gleichgestellt waren. Bellatrix sprang sofort mit Enthusiasmus auf das Biest zu. Es war ein schneller, tödlicher Sprung. Ihre rechte Faust sauste wie ein Hammer durch die Luft auf Hermione zu.

Diese aber duckte sich geschickt unter dem Angriff weg, war jedoch im ersten Moment minimal zu langsam, sodass sie die Faust noch am Jochbein, unterhalb ihres linken Auges traf und sie aufgrund des Schmerzes aufstöhnte. Ihr Kopf wurde nach hinten geschleudert, selbst ihre Maske hatte ihr bei dem Schlag nicht helfen können.

„Haaaa, du mieses Stück, pass auf, gleich breche ich dir deine Nase“, schimpfte Bellatrix genüsslich, während Hermione ihren Kopf schüttelte, wie um sich zu besinnen und ich fühlte mich bestätigt, dass sie müder wirkte als sonst, doch brachte sie dieser erste Treffer der Gegenseite nicht aus der Ruhe.

Und schon ging es geschwind weiter. Bellatrix griff wieder an, indem sie vorwärts stürmte, aber diesmal drehte sich Hermione schneller weg, duckte sich unter Bellatrix und rammte ihre Schulter von unten gegen Bellatrix‘ Rippen. Damit raubte sie ihrer Angreiferin die Luft und diese rang keuchend nach Atem, während sie sich über Hermione krümmte. Unterdessen packte Hermione Bellatrix‘ Beine ein paar Zentimeter unter ihrem Hintern an und hievte sie mit Gewalt hoch. Hermiones Manöver brachte Bellatrix‘ Schwerpunkt aus dem Gleichgewicht, sodass sie sich nur noch aufwärts bewegen konnte.

„Arrrrr…“, kreischte Bellatrix unsicher und atemlos, dabei ruderte sie mit ihren Händen durch die Luft, doch ihr blieb keine Zeit, sich an ihrer Gegnerin festzuhalten.

Umgehend warf das Biest ihre Gegnerin hoch, nur um sie dann mit aller Kraft nach unten zu stoßen, wobei sie selbst mit in die Hocke ging, sodass sie Bellatrix‘ Sturz unter Kontrolle hatte. Das war eine körperliche Kraftanstrengung und eine Freude zu beobachten. Sie war bestens von uns ausgebildet worden und kämpfte mit Konzentration. Es war faszinierend, zu sehen, wie grazil und geschmeidig sie ihre Glieder unter Kontrolle hatte. Ihre brutale Hebefigur wirkte so leicht und gekonnt ausgeführt, wie bei einer lieblichen und geschmeidigen Ballettaufführung und war doch außerordentlich gefährlich in ihrer brachialen Ausführung.

„Autsch“, murmelte Rodolphus wenig einfühlsam in meinem Rücken und ich nickte schlicht.

In diesem Moment krachte Bellatrix‘ Rücken unter dem lauten Gejohle der Männer auf den harten Boden der Höhle.

„Uffff“, trieb es ihr schon wieder die Luft aus den Lungen und sie blieb kurz benommen liegen.

Sie war am Boden, bevor sie überhaupt ihre erste reelle Chance erhalten hatte, Hermione zu übervorteilen. Diese glitt mit ihrem Zeigefinger fast schon sanft über Bellatrix‘ Kehle, wie um zu demonstrieren, dass Bellatrix nun tot wäre, so sie denn wollen würde.

Die gute Laune der meisten verschwand mit einem Schlag. Bei einigen Mitgliedern des Inneren Zirkels breitete sich betretenes Schweigen aus, denn so ganz wollte sich bei ihnen keine rechte Freude über Hermiones Überlegenheit einstellen. Aber im reinen Kampf war sie besser als die nur in der Magie ausgebildete Bellatrix, das war Fakt. Um diesen Vorteil auszubauen und zu fördern, legten Severus und ich derart viel Wert darauf, unsere Fähigkeiten mannigfaltig weiter zu entwickeln.

Bellatrix ballte die Hände zu Fäusten und schüttelte sich, um den Schmerz zu bekämpfen und rang sich stur auf ihre Füße. Dabei verzogen sich verächtlich meine Mundwinkel. Sie wusste nie, wann es genug war, wann es besser war, den Rückzug anzutreten, während Hermione geschmeidig zurückwich. Alles an Bellatrix offenbarte, dass sie noch nicht genug hatte und nachdem auch ich mich weiterhin in diesem Disput zurückhielt, hielt auch niemand die beiden Frauen in ihrem Kräftemessen auf, selbst jetzt, wo Bellatrix schon einmal verloren hatte.

„Jetzt fühlst du dich ganz toll, oder? Aber ich werde dir schon noch zeigen, wo du hingehörst“, drohte sie mit hässlich verzogener Grimasse und ihre langen, lockigen Haare umwehten die bewegte Frau.

„Wohin gehöre ich denn deiner Meinung?“, reizte das Biest unerträglich lasziv.

„Auf den Boden“, konterte Bellatrix. „Und noch weiter darunter.“

„Oh la laa, Bellaaaaaalein, tja, bis jetzt lag erst einer dort“, zog sie ihre Gegnerin weiter auf und steigerte deren Wut.

„Arrrr, du arrogantes Stück, ohne Lu…. ohne ihn hier würdest du weniger solche Töne spucken“, riss sich Bellatrix noch gerade so am Riemen und ich hob angespannt die Schultern. Sie trieb es gerade sehr weit.

„Bist du dir da sicher?“, fragte das Biest aufrichtig interessiert und wirkte überlegend, bevor sie missbilligend den Kopf schüttelte.

Plötzlich grinste Bellatrix hämisch und wippte auf den Füßen vor und zurück. Sofort spannte sich das Biest an. Alles an ihr signalisierte, dass sie zum Angriff bereit war. Und doch war es wieder die andere, die mit ihrer Aktion startete.

Bellatrix trat mit dem linken Fuß vor und holte zeitgleich mit dem Rechten zu einem Roundhouse-Kick aus. Sie wollte Hermione augenscheinlich mit dem gestreckten Fuß am Brustkorb treffen. Sollte ihr das gelingen und sie würde sie treffen, könnte sie ihr damit die Rippen zertrümmern und sie kampfunfähig machen, aber Hermione hielt halt eben nicht brav still, sondern sie agierte, ging mit und kämpfte sich vorwärts.

Sie bog sich weg und riss ihren Arm abwehrend hoch und in dem Moment schaffte sie es, packte das erhobene Bein ihrer Gegnerin unter deren Knie, umwickelte es regelrecht mit ihrem linken Arm, trat dann eilig einen Schritt vor, brachte somit Bellatrix wieder aus dem Gleichgewicht, nur um ihr dann noch das andere Bein unter dem Körper wegzutreten.

Während Bellatrix nun wieder auf den Rücken fiel, hatte Hermione damit zu kämpfen, nicht auch zu Fall zu kommen und entwirrte sich so gut es ging. Sie musste aber doch mit in die Hocke und bekam das Knie von Bellatrix ans Kinn gedonnert.

„Mmmm“, entwich es dem Biest schmerzhaft und ein leichtes Rinnsal Blut lief unter der leichter Maske an ihrem Kinn und Hals hinab, während Bellatrix in dieser Zeit wieder hart aufschlug.

„FUCK“, murrte diese aufgebracht, aber auch atemlos.

Aber sie war nun so voller Wut und Adrenalin, dass sie sich sofort abrollte und wieder aufsprang. Während sich das Biest bedeutend langsamer, aber damit auch drohender erhob. Es war erhebend, diese Auseinandersetzung zu beobachten. Ihre bisher gezeigte Überlegenheit war köstlich zu erleben und ganz kalt ließ es mich nicht, während ich ihren Zauberstab selbstvergessen zwischen meinen Fingern auf und ab rollte.

Auch ihr Anblick mit dem Blut, das sie sich gerade seelenruhig abwischte, hatte etwas fast Laszives an sich, wohingegen Bellatrix mit schmerzhaft verzogener Fratze hasserfüllt zu ihrer Gegnerin starrte.

Angespannte Stille hatte sich über die Beobachter dieses Kampfes, der schon zu lange unter der Oberfläche geschwelt hatte, gelegt. Nun wurde er mit großem, aber auch leidenschaftlichem Hass ausgetragen. Die Mienen der Beobachter waren angespannt und wirkten wenig begeistert über den Lauf des Geschehens, dabei konnte ich ausmachen, dass das Strähnchen den Wolf zurückhielt, sodass er nicht versuchte, seine Gespielin in ihrem Rausch aufzuhalten.

Bellatrix‘ Lippen zitterten nur so vor Wut, da Hermione eine leicht überhebliche Haltung zur Schau trug.

„Du Schlampe, dir wische ich schon noch das Lachen aus deiner hässlichen Visage“, setzte sie voraus, dass unter der Maske von Hermione ein Lächeln lag und ich stimmte mit ihr überein. Es wirkte tatsächlich so, als würde sie lachen.

„Uhhh, jetzt zittere ich vor Angst“, kam es trotz ihrer bisher demonstrierten Übermacht unerwartet müde von Hermione und mir fiel wieder auf, dass sie tatsächlich sehr erschöpft wirkte. Ob Draco oder Severus wussten, was sie veranstaltet hatte?

Aber bevor ich weiter dazu kam, mir Gedanken zu machen, stürmte Bellatrix erneut los und da passierte es!

Hermione war eine Sekunde zu langsam, denn Bellatrix schaffte es, die Arme des Biestes gefangen zu nehmen.

„JA.“, „Zeig es ihr.“, „Endlich, zeig ihr ihren Platz.“, „Mach sie alle.“, „Mach sie fertig“, brüllten die Zuschauer begierig.

Kurz wurde ich ein Stückchen gerader, war sofort angespannt, aber dann erkannte ich den großen Fehler von meiner Schwägerin. Aufgrund der Nähe machte auch sie sich angreifbar und Hermione erkannte es ebenfalls sofort und griff nun ihrerseits nach den Unterarmen ihrer Rivalin. Sie sprang in einem Satz sehr hoch in die Luft, drückte ihren linken Fuß mitten in den Bauch von der zutiefst bestürzt dreinblickenden Bellatrix, nur um sich dann schwungvoll und ohne Rücksicht auf Verluste rückwärts abzurollen. Damit hatte wohl keiner gerechnet, dass Hermione sich selbst derart gefährden würde, wie ich an den erstaunten Ausrufen der Zuschauer vernehmen durfte.

„Uuhhhh“, kreischte Bellatrix, als sie schwungvoll zu Boden ging und einen wenig schönen Purzelbaum hinlegte.

Noch im Rollen, als sie beide zusammen eine Kugel abgaben, nützte Hermione ihren Schwung aus, um die Drehung zu vollenden, sodass sie schlussendlich mit beiden Knien auf Bellatrix´ Brustkorb thronte, dabei ließ sie die ganze Zeit einen Unterarm von Bellatrix, den sie besonders fest umklammert hatte, nicht los. Sie hielt diesen auch weiter gekonnt in einem Stahlgriff fest, als sie sich weit zurücklehnte.

„Ahhhh“, kreischte die nun Gefangene wie verrückt auf, da ihr Arm brutal gestreckt und überdehnt wurde.

Anders als die anderen kannte ich Hermione und hatte mit derartigen Überraschungen gerechnet und erwartete auch nun das Kommende, weswegen ich mit Verwunderung ein kurzes Zögern von ihr bemerkte und dass ihr fragender Blick zu mir huschte.

„Tu es“, nickte ich knapp, denn ich erkannte ihre unausgesprochene Frage.

So befahl ich es eisig und segnete das nun Folgende ab. Danach haderte sie nicht weiter und tat es schlicht und ergreifend umgehend.

„Krrrrr“, knirschte es in der atemlosen Stille und ein lautes Kreischen setzte ein, als das Ellenbogengelenk von Bellatrix trocken barst und somit ihr Arm ausgerenkt wurde und nun nutzlos durchhing.

„Ahhhhhrrrr“, gurgelte es schmerzverzerrt aus Bellatrix, die sich nun vor unsäglichen Schmerzen mit ihrem schlaffen Arm hin und her wand, während Hermione von ihr abließ und sichtbar unbeeindruckt aufstand, nur um dann verächtlich auf sie hinab zu starren.

„Das war ein wirklich schwerer Kampf“, spottete sie verächtlich und erntete damit einige verhaltene Lacher über ihren Sarkasmus, was Rabastan wütend durch die Gegend blicken ließen.

„Wie peinlich, man sollte immer wissen, wann man besser aufgibt“, flüsterte Rodolphus leise. „Sie ist sooo eine Schande“, stöhnte er mitleidig auf und tat sich selbst schrecklich leid, an sein Weib gebunden zu sein und ich erinnerte mich mit Grauen an Narcissa und stöhnte mit ihm leise mit.

„Gib mir meinen Stab“, tauchte sie abrupt neben mir auf und ich sah zweifelnd durch sie hindurch, als sie mich derart rüde ansprach. Ich blickte nun wieder auf den Stab in meiner Hand und runzelte unter meiner Maske die Stirn.

„Mein Liebes, so solltest du nicht mit mir sprechen“, erklärte ich dann bestimmt, während sie schnaubte und sich wieder Blut vom Kinn tupfte.

„Weißt du, ich brauch dich nicht, ich will dich noch nicht einmal“, konnte sie es nicht lassen, aufzubegehren und mein Blick verdüsterte sich schlagartig.

„Vorsicht“, mahnte ich im Guten und hob sachte meinen Gehstock an.

„Sonst was? Ich bin nicht Narcissa, die sich hinter vornehmem Getue versteckt hat. Ich kämpfe meine eigenen Kämpfe“, hielt sie mir trotz allem leise entgegen und starrte mich mit ihren braunen Augen so eindringlich an, dass der Vorwurf aus ihnen zu jeder Zeit herauszulesen war.

„Mir würde nie einfallen, dich in deiner Rachsucht zu bremsen“, spielte ich dezent auf Bellatrix an, die sich gerade im Kreise der DeathEater trösten ließ, was auch immer das bedeuten sollte.

„Auch dir gegenüber?“, fragte sie mit der ihr eigenen Provokation und ich stöhnte leise auf.

„Hermione, noch einmal im Guten… Vorsicht!“, warnte ich sie weiterhin betont freundlich und vor allem noch friedfertig.

„Vorsicht, Vorsicht, Vorsicht! Ich hasse es… ich hasse DAS“, fuhr sie entnervt herum und wollte mir den Stab entreißen, aber ich war schneller und fasste sie am Handgelenk, zog sie mit einem Ruck ganz nah zu mir, sodass ihr Oberkörper an meine Brust stieß.

„Und ich könnte das auch zu hassen lernen, reiß dich am Riemen! Im Guten nochmals, mich wirst du nicht derart leicht auf den Boden befördern können“, raunte ich leise, aber dabei waren meine Worte von Doppeldeutigkeit durchzogen. Sie unter mir auf dem Boden, ja, das könnte mir durchaus gefallen und meinen fabulösen Geschmack treffen.

„Meinen Stab“, hisste sie mir kühl entgegen, da sie während wir uns ansahen durchaus meine verruchten Gedanken erriet. Uns trennten nur Zentimeter, als ich wegen ihrer Sturheit nur mitleidig mit den Augen rollen konnte und sie schlussendlich aufgrund unserer Umgebung widerwillig freigab.

Lucius Sicht Ende

Hermiones Sicht

In mir brodelte es, nicht nur wegen Bellatrix, die nur im Ansatz erhalten hatte, was sie verdiente, sondern auch wegen Lucius!

Dieser arrogante Arsch. Warum hatte ich ihm meinen Stab zugeschmissen?

Warum hatte ich es getan? Es musste auf ihn wirken wie ein Waffenstillstand, der nicht wirklich existent war. Das Gespräch letztens war nicht richtig das, was ich mir erhofft hatte, noch hatte mich sein Angebot besänftigt. Was sollte die Aussage, ich hätte ein Jahr Zeit und was dann?

Alles Schwachsinn, aber was meinen Zauberstab betraf, hier war ich einfach einem Instinkt gefolgt. Die Forderung, mich von meinem Zauberstab zu trennen, war überraschend gekommen und noch unlieber hatte ich ihn hergegeben und gerade in diesem Moloch wollte ich wahrlich nicht dem „Feind“ meinen Stab geben. Das war, als würde man sich freiwillig einem Erschießungskommando stellen und ihnen dafür noch die Pistole übergeben. Das passte gar nicht zu mir.

Aber, warum dann Lucius? Hatte ich einfach das kleinstmögliche Übel gewählt? War es so einfach?

Eine Frage, die ich zu meinem Ärgernis nicht beantworten konnte oder wollte, aber als ich meinen Stab hatte, wandte ich mich rasant von Lucius ab und hastete aus der Höhle. Dabei bemerkte ich, wie Fenrir und Bellatrix im Streit auseinandergingen und der Werwolf mir nachkam, sodass ich zum Ausgang hin immer langsamer wurde.

„Sorry, dass sie nun weg ist, ich habe dir deine „Matratze“ geraubt“, sprach ich leutselig nach hinten hin und spuckte nun selbst aus, da ich immer noch Blut im Mund hatte, das mir einen ekligen, metallischen Geschmack bescherte.

Aber der Kampf hatte mir noch mehr Blessuren eingebracht, denn mein Rücken schmerzte immer noch nach der unsanften Rolle über den steinigen Boden. Von meinem bestimmt blau erstrahlenden Veilchen an meinem Jochbein wollte ich gar nicht reden. Nach der BL und meinem anderen Sein, was dort viel von mir gefordert hatte, ging es mir scheiße. Jetzt fühlte ich mich jedoch wie selbige!

„Oh, Püppchen, nur keine falsche Anteilnahme“, fletschte Fenrir manierlich die Zähne. „Es lief länger schon nicht mehr prickelnd. Sie ist einfach zu irre und voreingenommen. Sie liebt es nur, die anderen zu schocken und langsam, aber sicher schmeckt sie fade“, bekannte er knurrend und das so etwas Abstraktes wie Liebe bei den beiden keine Rolle gespielt hatte, das glaubte ich unbesehen.

„Wow, was für Worte, sie würde wieder austicken, wenn sie wüsste, dass sie fade ist!“, begann ein leichtes Lachen meine Kehle herauf zu klettern, während ich meine Schulter kreisen ließ und versuchte, den Schmerz heraus zu kneten.

„Was? Sie ist als Alpha ungeeignet, oder hast du nicht bemerkt, dass sie zu schnell zu vollkommen gerade eben von dir vernichtet wurde?“, fragte er langgezogen und ich schüttelte meinen leicht benebelten Kopf. Die Müdigkeit kehrte doppelt und dreifach stark in meine Glieder zurück, nun nachdem das Adrenalin nachließ.

„Oh, jetzt bin ich also doppelt schuld?“, wollte ich nachforschen, was er genau meinte, da meine Aufmerksamkeit leider nachließ.

„Ich will nur sagen, dass du dich als Werwolf wirklich gut machen würdest“, gab er zähnefletschend zu.

Sofort holte mich sein unerwartetes Kompliment, was durchwegs ehrlich war, wieder auf den Boden zurück, beziehungsweise ließ es mich fast straucheln. Bei Werwölfen musste man aufpassen, wenn sie mal anfingen nett zu sein, vor allem nachdem ich ihn so gepiesackt hatte, um ihn lupenrein zu waschen, und ihn bei Lavender abgeladen hatte. Momentan konnte das alles bedeuten und das war gar nicht gut.

„Dann lass mich dir sagen, wenn du mir mit diesen Hauern zu nahe kommst, werde ich Werhack aus dir machen, denn ein Alphaweibchen werde ich nie sein!“, erklärte ich rigoros und er fasste mir kurz an die Schulter und ich drängte jeden Schmerzlaut heldenhaft zurück.

„Hahaha“, lachte er tief und grollend. „Das meinte ich, genau das.“

„Dir noch eine schöne Nacht“, verkündete ich trocken, bevor ich mit einem Sprung apparierte.

„Du siehst scheiße aus“, wurde ich unnachahmlich freundlich begrüßt.

Ich wusste echt nicht, warum ich dorthin ging, aber es zog mich regelrecht zu ihm und als ich ihn vor mir sah, wie er die Tür öffnete, fühlte ich mich besser.

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BeitragThema: 496. Die Weisheit mit Löffeln gefressen   Di Jan 20, 2015 8:49 pm

496. Kapitel Die Weisheit mit Löffeln gefressen

„Sonnenschein.“

„Immer wieder ein Genuss, Sie zu sehen, Gellert.“ Bei diesen doch sehr abfällig geäußerten Worten grinste er zahnlückig über das ganze faltige Gesicht, doch musterte er mich mit einem sorgenvollen Ausdruck in den so strahlend blauen Augen.

„Kann ich nur zurückgeben. Es ist ohne dich erschreckend langweilig. Aber eine Frage, heilst du dich selbst, oder soll ich das übernehmen?“, fragte er wahrlich besorgt nach und ich fasste mir an mein linkes Auge, das immer mehr zu schwoll.

„Ohhh, ich soll zulassen, dass Sie mit Ihrem Stöckchen auf mich zielen?“, perlte unverhohlener Zynismus aus mir. „Nein, nicht wirklich, ich gehe ins Bad“, winkte ich ab und steuerte dieses wie selbstverständlich an.

„Und ich mache uns ein Tässchen Tee“, verkündete er gut gelaunt. Solange er mich mit Keksen verschonte und einen Schuss Rum reingab, konnte ich damit leben.

Im Bad blickte ich dann stöhnend in den zu offenherzigen Spiegel und hasste den Anblick, eine aufgeplatzte Lippe, von dem Riss in der Zunge nicht zu sprechen, dann mein lilablassblaues, immer dicker werdendes Veilchen, das mein Gesicht deformiert wirken ließ und als ich einen Blick auf meinen Rücken warf, eine in allen Farben erstrahlende Rückseite. Mit Mühe heilte ich mich und war selbst erstaunt, wie schwer mir die Magie von der Hand ging, als wäre ich aufgebraucht. Mein Experiment mit der BL war kraftzehrend gewesen. Ob Lucius ahnte, was er mir für einen großen Gefallen getan hatte, indem er auf einen körperlichen Kampf bestanden hatte?

Nach kurzer Zeit saß ich zwar frisch, aber immer noch weniger munter vor dem Tee und natürlich hatte ich Glück, denn selbstgebackene Kekse lagen natürlich vor mir, aber Gellert kannte mich gut genug, sodass ich die eigenwillige Note des Rums aus dem Tee schnuppern konnte.

„Hier iss, du hast es nötig, du wirkst ausgezehrt“, schob er den Teller mit Keksen weiter zu mir.

Ich runzelte die Stirn und versuchte, zu verstehen, ob er meinte, dass ich einfach müde wirkte, oder tatsächlich war. Es wäre nicht gut, wenn man in mir wie in einem offenen Buch lesen könnte.

„Ich habe Bellatrix vermöbelt“, lenkte ich rasch ab und zog die Schultern hoch, während ich in meinen Becher blies und beide Hände darum legte um mich zu wärmen.

„Sie hat aber auch getroffen“, gab er zu bedenken und blickte demonstrativ auf meine Blessuren, die größtenteils geheilt waren, aber immer noch zu sehen waren.

„Oh, Bellatrix hatte einen Schlag gut und daraufhin habe ich unsere „Freundschaft“ doppelt besiegelt“, gab ich abwertend zurück, bevor ich an dem Tee nippte.

„Wird es ihr eine Lehre sein, dir nicht noch mal blöd zu kommen? Denn ich hoffe einfach mal, dass du souverän gewonnen hast und dass sie bei weitem schlechter aussieht als du“, überschlug dieser alte Mann sich fast mit seinen Komplimenten für mich und so nahm ich erst mal noch einen tiefen Schluck von dem leicht bitteren Tee.

„Eine Lehre? Mich noch mehr zu hassen? Ja!“, bekannte ich langsam und strich mir eine Locke unwillig aus meinem Gesicht.

„Warum hast du es dann getan? Sich schlimmere Feinde zu erschaffen ist nicht besonders klug“, verkündete er altklug und ich fletschte die Zähne.

„Ich konnte nicht versagen, es war eine Herausforderung“, entgegnete ich genervt, denn bitte, hatte er früher anderes getan? Man musste sich den Herausforderungen stellen, wann sie kamen und wenn sie noch so ungelegen waren.

„Verstehe, dein Stolz“, murmelte er und ich fand, er zog falsche Schlüsse.

„Naja, sie hat mich vor den anderen gefordert. Hätte ich es abgelehnt, würden sie denken, ich hätte Angst und das darf ich mir unter ihnen nicht erlauben. Auf der anderen Seite war verlieren auch keine Option und ehrlich, ich habe es genossen, ihr wehzutun. Sie hat es verdient“, sprach ich inbrünstig und liebte noch immer das knackende Geräusch ihrer Schulter, als ich ihr den Arm brutal aus der Pfanne gehebelt hatte. Am allerliebsten hätte ich ihn ihr ganz ausgerissen, aber irgendetwas in mir sagte mir, dass das sehr unklug gewesen wäre.

„Weil man dir wehtut, lässt du deinen Schmerz an anderen aus?“, wischten seine maßregelnden Worte das zufriedene Grinsen aus meinen Zügen und ich verschluckte mich fast an meiner Spucke.

„WASSSS?“, wollte ich lauernd wissen, auf was er anspielte.

„Du hörst schon recht“, kam es irgendwie hämisch von dem alten Totenkopf und ich verzog die Mundwinkel.

„Wie kommen Sie darauf?“, gab ich keine Ruhe und stellte meine Tasse mit Bedacht ab.

„Wohl an, dich wird etwas belasten. Ohne Grund wirst du nicht zu mir kommen, beziehungsweise, dass man dich verhauen hat ist kein Grund, dass du kommst und so sage mir, was schmeckt dir sonst nicht, das dich zu mir treibt, mein Sonnenscheinchen?“, ging mir seine offensichtlich zu gute Laune gefährlich auf die müden Nerven.

„Ist das so offensichtlich?“, wollte ich unwohl erfahren und erntete doch nichts anderes als eine hoch erhobene Augenbraue.

„Draco sagt, ich spinne“, hob sich bei meinen plötzlich sehr vehement ausgestoßenen Worten seine buschige, weiße Augenbraue. „Ich meine… tue ich das? Ich habe mich heute einem Experiment der etwas anderen Art hingegeben“, gestand ich widerwillig und fuhr mir unwirsch durch mein wirres Haar.

„Aha, mit der etwas anderen Art meinst du dein neues Sein? Also ganz ehrlich, nein, ich finde nicht, dass du spinnst, Sonnenschein, warum auch? Wir sind Nekromanten, aber keine Spinner. Wir müssen forschen, da es eben noch keiner tat. Woher Wissen nehmen, wenn nicht stehlen?“, trat ein fast verträumter Glanz in seine so blau funkelnden Augen.

„Wie beruhigend“, entgegnete ich zynisch und setzte an, ihm die Vorkommnisse um den Raum der Wünsche herum zu erläutern. „Auf alle Fälle zweifelt Draco gerade an mir“, gestand ich stöhnend und legte meine Fingerspitzen an meine schmerzenden Schläfen und sprach nicht aus, dass ich auch ein wenig an meiner Aktion zweifelte. Jetzt, im Nachhinein, fand ich die Idee nicht mehr ganz so toll wie am Anfang.

„Warum hast du es getan und die Kinder dem ausgesetzt?“, fragte er sezierend nach und an der Satzstellung vernahm ich schon, dass auch er meine Tat nun doch nicht wirklich gut fand, nachdem er alles wusste.

„Reicht es, wenn ich sage, dass sie mich geärgert haben?“, antwortete ich, in Ermangelung einer besseren Entgegnung, mit einer Frage.

„Rache?“, meinte er daraufhin recht schlicht und ich wiegte mein Haupt unbestimmt hin und her.

„Erzieherische Maßnahme?“, bot ich selbst fragend an.

„Selbst wenn es so wäre, es war mehr als gewagt. Ich selbst hätte es nicht gewagt, noch wäre ich jemals auf die Idee gekommen, dergleichen zu tun. Was hat dich auf diesen abwegigen Gedanken gebracht?“, setzte er tadelnd an und schüttelte sein kahles Haupt und ich schluckte trocken.

„Ist das wichtig?“, echote ich unwohl und ärgerte mich mittlerweile über mich selbst.

„Ich weiß es nicht, aber ja, ich denke schon. Dieser Raum, den du beschreibst, scheint magisch sehr wertvoll zu sein, aber mir kommt es vor, als würde er noch mehr verbergen“, offenbarte Gellert wie gewohnt seinen scharfen Verstand, den man nie unterschätzen durfte.

„Was lässt Sie dies vermuten, Gellert?“, versuchte ich ihm auszuweichen und wich auch seinem durchbohrenden Blick aus.

„Deine Aktion, weih mich ein… irgendetwas muss sich für dich verändert haben, oder?“, bohrte er weiter in mich und ich musste mir eingestehen, dass man diesem alten Mann kein x für ein u vormachen konnte.

„Ach… ja, natürlich, Sie haben recht. Seit Lughnasahd ist vieles anders, aber seitdem ich wieder im Schloss bin, ist es für mich ganz anders als früher. Ich weiß gar nicht, wie ich es erklären soll. Das Schloss, es lebt auf seine ganz eigene Weise. Ich war zu Beginn nur zu abgelenkt, um dem meine volle Aufmerksamkeit zu schenken“, rang ich mit mir und dem wie ich es erklären sollte, dabei nahm ich auch meine Hände zu Hilfe und sprach auch mit ihnen, aber so ganz verstand ich selbst nicht, was genau ich sagen wollte.

„Wie meinst du das genau?“, musterte er mich mit skeptischer Miene.

„Tja, vorher, vor dem Ritual im August, habe ich das noch nicht so gespürt, aber jetzt richtig und nachdem ich zum ersten Mal in diesem Schuljahr den Raum betreten habe, kam es mir schlagartig zu Bewusstsein. Das Schloss ist nicht wie ein Gebäude erbaut durch Stein und Mörtel… puhhh… es atmet und es agiert… es lebt regelrecht auf seine ganz eigene Art und Weise, und ich denke, ich habe herausgefunden, wie das geht… oder nur gehen kann“, gestand ich aufgeregt und leckte mir nervös über die Lippen.

Als mir meine unglaubliche Entdeckung vollständig klar geworden war, hatte ich nichts als unendliche Nervosität gefühlt und nun mit einem verständigen Geist darüber sprechen zu können, ließ mich leicht aufgekratzt zurück.

„Blut“, spiegelte er das Vertrauen, das ich in sein Wissen gehabt hatte, wie erhofft, wider.

„Genau“, stieß ich genüsslich aus. „Die Gründer scheinen nicht so rein und lieb gewesen zu sein wie erwartet. Das Schloss lebt durch unser aller Blut. Es speist sich regelrecht durch Blut. Es wird durch das Leben in ihm zusammengehalten“, sprudelte es regelrecht überschäumend aus mir hervor, da ich mitgerissen wurde, weil ich eine derartige Magie erleben durfte.

„Klingt logisch, zumindest was man über Hogwarts so hört, ist es einzigartig in seiner Art und Blut ist etwas, was bei einem Haufen Kinder immer geliefert werden wird, sowohl durch Unfälle, Streitereien als auch alles Mögliche andere. Diese Gründer waren weit vorausdenkende Menschen!“, schien es Gellert in seiner Begeisterung ähnlich zu gehen wie mir.

„Und sie waren Menschen und vor allem mächtige Magier, die über Grenzen gegangen sind“, sprach ich meine Bewunderung aus und freute mich diebisch, dass ich eben nicht die Einzige war, die verrückt genug erschien, sich mit der verbotenen Seite der Magie zu beschäftigen.

„In einer blutigen Zeit, aber trotz allem für Leute wie uns eine wunderbare Bestätigung, mein Sonnenschein, oder nicht?“, sprang Gellert schon wieder eins zu eins auf meine Gedanken an und ganz plötzlich musste ich an eine sehr erheiternde Möglichkeit denken und kicherte leise.

„Tja, da frage ich mich doch eher, was unser guter Albus tun musste um Direktor zu werden“, grinste ich verhalten in meiner Bosheit und erntete eine hohe, gerunzelte Stirn.

„Wie kommst du darauf?“, kam Gellert nicht so schnell mit, aber anders als er wusste ich seit Stunden von meiner Entdeckung.

„Severus, er verschweigt mir bezüglich Hogwarts etwas und ich nehme stark an, dass er durch einen Zauber gebunden ist und naja, wie will man der Leiter von so einem „lebenden“ Gebäude werden, ohne einen Zoll zahlen zu müssen? Wir wissen selbst am besten, dass Magie immer ihren Preis hat und ohne Grund hätte es Albus nicht so vehement in dieses Gemälde gezogen“, erläuterte ich involviert und erntete leuchtend blaue Augen, in denen die Erkenntnis Einzug hielt.

„Guter Gedanke. Welcher der Gründer, denkst du, war hier der Rädelsführer?“, gingen seine Überlegungen in eine gänzlich andere Richtung und stoppten mich. Ich zog kurz meine Augenbrauen überlegend zusammen.

„Woher zum Teufel soll ich das wissen?“, wiegelte ich eilig ab, hob meine Tasse an und mahnte mich zur Vorsicht, da mir selbst auch hier nur Vermutungen offen standen, aber kein fundiertes Wissen.

„Deine Reaktion zeigt mir, dass du eine Vermutung hast“, nagelte mich sein durchdringender Blick fast an meinen Platz fest und ich nippte gedankenverloren an meinem heißen Tee.

„Wohl an“, lächelte ich daraufhin verhalten und stellte die Tasse langsam ab. Ich musste vor diesem Mann kein offenes Buch sein.

„Du vergisst, dass auch ich ein Nekromant bin“, mahnte er amüsiert und offenbarte seine Zahnlücken.

„Aber Sie sind kein SoulGatherer“, rief ich ihm scharf in Erinnerung und zupfte an einer Serviette herum.

„Dann war einer der Gründer einer? Erzähl“, traf er zu rasant für meinen Geschmack den Kern, dabei schenkte ich ihm nicht mehr als ein arrogantes Rümpfen der Nase, schließlich und endlich blieben einige Geheimnisse selbst unter uns bestehen.

„Psssst“, legte ich meinen Zeigefinger an meinen Mund und machte das Geräusch, woraufhin er mit einem wütenden Funkeln in seinen Augen zu mir sah. „Das ärgert dich heute noch, dass dir diese Tür auf ewig verwehrt bleiben wird“, spottete ich böse.

„Tja, leider war ich nie besonders heldenhaft, oder selbstlos veranlagt“, reckte er seinen Schädel selbstherrlich in die Höhe und streckte dabei auch das dünne Hälschen.

„Eine Schande“, grinste ich böse, woraufhin er mir die Zunge rausstreckte und ich nur den Kopf schüttelte.

„Ja, wirklich schade, dass wir das nicht teilen können“, wandte ich durchaus mit aufrichtigem Bedauern ein, bevor ich mich kurz schüttelte. Es war nicht zu ändern. „Aber ich verrate Ihnen etwas anderes, als ich im Raum der Wünsche war, hat es mich fast erdrückt, da es mich nahezu in verschiedene Welten zerrissen hätte. Einen derartigen Raum habe ich mir nicht vorstellen können. In der restlichen Schule im Schloss ist es nicht so geballt, aber in diesem Raum ist es wie in einer anderen Welt“, versuchte ich meine auflebenden Gefühle zu beschreiben.

„Ein Raum, der Wünsche erfüllt, jaaaaa, der erfordert schon so einiges an Kreativität und Energie“, stimmte er langsam zu und wirkte nachdenklich.

„Oh ja, die Gründer müssen mit ihrer Magie wie verrückt gespielt haben und ich habe schon so viel Blut in diesem Raum verloren, dass er mich regelrecht gierig begrüßt hat und das war der Moment, der mich misstrauisch gemacht hat. Ich meine, diese außergewöhnliche Magie in diesem Raum war schon immer mysteriös und was ganz Besonderes, nur dass ich jetzt zum Teil einen Grund dafür gefunden habe, dass es ihnen gelungen ist“, erklärte ich eifrig.

„Der da wäre? Jetzt bin ich gespannt, wie du das erklären willst“, reizte er mich selbstgefällig.

„Viel Können, viel Experimentiergeist; auch mit Hilfe der Nekromantie, denn hier konnten sie den geltenden Gesetzen entfliehen und wirklich das Unmögliche möglich machen“, rang ich vor Begeisterung, was alles möglich war, die Hände.

„Was für Abgründe“, grinste mich Gellert regelrecht hämisch, aber auch neidisch an.

„Ja, aber irgendwie auch logisch. So ein Raum, der so viele Wünsche wahr werden lassen kann, muss sich kraftvoll seine Energien holen, alles andere wäre Wunschdenken“, gab ich mich vollständig meinem neuen Sein hin und schon leuchteten meine Augen in strahlendem Weiß, als ich wieder aufblickte.

„Was für ein Strahlen“, lag eine große Bewunderung in seinem Blick, während er mich und meine Augen genüsslich studierte. „Was für ein Sonnenschein und ich gehe recht in der Annehme, dass du experimentiert hast? Du konntest nicht widerstehen und dann auch noch Typen, die dir lästig sind, das ist böse, das war böse, das ist dir hoffentlich klar?“, raunte er mir vertraulich zu und plötzlich musste ich blinzeln und mir blieb nichts anderes übrig, als knapp mit meinem Haupt zu nicken.

„Ja, so könnte man sagen. Aber nett war ich noch nie und auch Hogwarts ist sich nicht zu schade und nimmt gerne mein Blut und ich dachte mir, ich muss üben. Welches andere Material sollte ich sonst nehmen als die Mitglieder?“, fragte ich provokant und hasste es mal wieder abgrundtief, mich zu rechtfertigen.

„Uhhh… das ist aber wirklich nicht nett und sehr hart“, rügte er mich doch tatsachlich mit erhobenem Zeigefinger.

„Ihnen ist nichts passiert. Ich hatte sie immer in der Hand und das sagen Sie nur, weil Sie die meisten in der Burg kennengelernt haben“, schnauzte ich und kurz sorgten seinen nächsten Worte dafür, dass es mir die Sprache verschlug.

„Es war gewagt und das weißt du selbst am besten“, meinte er ernst und musterte mich abschätzig. Worauf ich immer wieder den Mund öffnete um zu beginnen, ihn dann jedoch immer wieder wortlos schloss, bis ich wütend auf die Küchentheke schlug.

„Verfluchte Scheiße! Ja, ich habe es ein wenig übertrieben…“, gestand ich dann zerknirscht und spürte die unendliche Müdigkeit, die in meinen Gliedern wieder Einzug hielt. Außerdem fühlte ich ein erregtes Flackern meiner Augen.

„Einsicht ist der erste Weg zu Besserung“, kam es unerträglich überheblich von ihm und ich streckte ihm meine Zunge raus.

„Das sagen gerade Sie, Gellert“, verkündete ich dann eingeschnappt und er schnalzte nur laut mit der Zunge.

„Tse, aber ja, das sage ich, denn die Macht und die Gier kommen auf unsichtbaren Wegen daher und wir überschätzen uns auch gerne in unserer Einmaligkeit und fühlen uns wie der Nabel der Welt“, überschüttete er mich mit seiner Weisheit und kurz würgte ich an dem Tee, der wieder meine Kehle hinaufschoss, da ich dachte, dass er fast den Dark Lord in seiner verblendeten Art beschrieb. Währenddessen schloss ich nun stöhnend meine Augen und massierte meine Schläfen.

„Ich bin ein schlimmer Mensch“, bekannte ich auf einmal mit stockender Stimme, als mir aufging, was Draco an meiner Tat so erregt hatte, weil ich ohne das Wissen aller und selbstherrlich ohne ihre Erlaubnis über ihre Köpfe hinweg entschieden hatte.

„Du bist ein wagemutiger Mensch. Du hast ihnen zu neuen Horizonten verholfen“, riss mich Gellerts nun mitfühlende Stimme aus meinen tristen Überlegungen und ich öffnete die Augen weit, da er völlig anders sprach als davor. Ich wollte schon nachfragen, doch in der letzten Sekunde sah ich noch das Zwinkern seines Auges und lachte nun los.

„Hahaha… nicht nur dazu, ich habe ihnen auch zu neuen Narben verholfen“, konnte man mein Lachen als leicht hysterisch beschreiben und kurz fragte ich mich selbst, ob ich noch ganz bei Sinnen war.

„Wie meinen?“, fragte er nun sichtbar irritiert und verwirrt, dabei beugte er sich weit über die Platte näher zu mir.

„Oh, ja, ich bin wohl etwas über das Ziel hinausgeschossen“, gestand ich dann aufrichtig beschämt. „Ihre Tode bleiben nicht ohne Zeichen, zwar sind die Wunden nicht im Ansatz so schlimm, oder so groß, wie es ihnen im Raum der Wünsche angetan wurde, aber sehr kleine Narben bleiben, das war ihr Tribut“, flüsterte ich sehr leise.

„Ihr Tribut?“, war seine Frage keine wirkliche und er verzog die dünnen Lippen zu einem schmalen Strich.

„Ja, um wiederzukehren, nichts ist umsonst“, würgte ich noch leiser als zuvor hervor und tippte unwohl mit meinen Fingerspitzen auf der Platte rum.

„Das war schon sehr gewagt, aber wie ich dich kenne, musstest auch du einen Preis bezahlen“, murmelte er nach einiger Zeit wenig begeistert und musterte mich unverhohlen.

„Lassen wir das, nichts im Leben ist umsonst“, wischte ich seinen Einwand beiseite. Die Preise, die ich zu zahlen hatte, waren gegenstandslos und ich wollte mich nicht weiter damit belasten, denn irgendwie war ich einfach froh, dass ich die anderen wieder derart leicht zurückerhalten hatte.

„Okay, dann was anderes. Was haben deine beiden Freunde gesagt?“, loderte sichtbare Neugierde über sein verlebtes und faltiges Antlitz.

„Harry und Ron“, sprach ich versonnen, bevor ich mich zur Ordnung rief. „Sie waren toll. Sie haben mich bedingungslos unterstützt“, erklärte ich gerührt.

„Und das hätten sie früher nicht getan?“, schlussfolgerte Gellert schonungslos und ich stockte.

„Ich weiß es nicht“, erklärte ich zum Schluss hin offen und zerbröselte selbstvergessen einen Keks.

„Potter hat sich gar sehr verändert, denn die Gefahr, dass dir deine Schützlinge abhandenkommen bestand doch durchaus“, wandte er analysierend ein und ich vernahm natürlich den Hinweis, den er mir bezüglich Harrys geben wollte.

Auf der anderen Seite wusste ich, dass niemand außer der Connection von Harry und Daphne wusste und deshalb ging ich absichtlich auf den zweiten Teil seines Satzes ein.

„Ja und nein, sie waren immer bei mir und ich bei ihnen. Der Raum ist etwas ganz Besonderes! In ihm ist nur begrenzt die Realität vorhanden, die Gesetze der normalen Welt gelten dort nicht. Ich stimme Ihnen zu, Gellert, dass ich unter gewöhnlichen Umständen nicht alle von ihnen hätte retten können, aber so war es möglich“, setzte ich an, mit ihm über Dinge zu diskutieren, über die ich mit niemandem sonst sprechen konnte, selbst nicht mit Severus, da er nie ein Nekromant gewesen war.

„Die Vampire und ihre Seelen wären für immer verloren gewesen, wenn es dumm gelaufen wäre?“, hakte Gellert wissbegierig nach.

„Das stimmt…“, gab ich mit leidlich verzogener Miene zu und schlug drei Kreuzeichen, dass das niemand erfahren würde, denn nichts auf der Welt würde mich dazu bringen, dieses Eingeständnis den anderen gegenüber zu wiederholen. „Unter anderem, aber so lief es erstaunlich gut.“

„Dafür, dass du versuchst, es als leicht zu verkaufen, siehst du total fertig aus. Dein Preis war wohl doch höher als von dir gedacht“, grinste er so teuflisch böse, dass es mir sauer aufstieß. Aber was hatte ich erwartet? Dass Gellert wirklich das Thema wechseln würde?

„Wie schmeichelhaft“, versuchte ich zu überspielen, wie unangenehm mir das Ganze war.

„Ich spreche die Wahrheit und das weißt du, Sonnenschein. Du hast mit dem Feuer gespielt und hast das Steuer noch gerade so herumreißen können. Warum hast du das getan? Nenn mir deine Gründe. Warum du derart deine Grenzen ausgetestet hast?“, blieb Gellert äußerst unerträglich hartnäckig.

Ich ballte kurz meine Hände zu Fäusten. Warum war das für ihn so offensichtlich?

Aber unter seinem Blick wusste ich, dass ich ihm nicht entkommen würde und auf der anderen Seite suchte mein unruhiger Geist selbst nach einer Erklärung. Als mir die Erkenntnis fast ins Gesicht sprang, schlug ich eine Hand vor meinen Mund.

„Ich… ich…“, begann ich unsicher, bis ich die Hand wegzog und tief einatmete. „Wegen Daphne. Ich überlege immer noch, ob ich sie nicht hätte retten können, retten müssen“, stieß ich dann atemlos hervor und blickte weg, um nicht Gellerts Miene ausmachen zu müssen.

„Daphne?“, klang Gellert so doppeldeutig, dass mir mein Fauxpas sofort zu Bewusstsein kam.

„Ups“, ärgerte ich mich über mich schwarz. So doof konnte man gar nicht sein, schon gar nicht bei einem derart mit Vorsicht zu genießenden Gegenüber.

„Wunderbar, so heißt, oder besser hieß, also Potters Freundin!“, wirkte er mehr als zufrieden mit sich, der alte Schurke. „Ich fragte mich schon die ganze verdammte Zeit, was mit dem jungen Mann passiert ist, dass er so wurde wie er nun ist“, klatschte er regelrecht euphorisch in die Hände.

„Wie ist? Wie ist Harry? Was hat er getan?“, fragte ich fordernd und lauerte auf eine Antwort.

„Habe ich recht?“, grinste er nur frech zurück und pfiff durch seine Zahnlücken.

„Kein Kommentar“, hisste ich böse und schlug mal wieder mit der flachen Hand auf die Theke.

„Das reicht mir völlig! Ihr habt einen Verlust zu verarbeiten, der jeden von euch auf andere Art berührt. Potter hat seine Liebe verloren… und du… du konntest sie nicht retten“, fabulierte er zu meinem Ärgernis korrekt und ich pustete mir genervt eine Locke aus der Stirn, als ich plötzlich erstarrte, da er mich so ernst musterte. „Aber ich warne dich im Guten, mein Sonnenschein, pass auf dich auf, überschätze dich nicht und spiele dabei nicht mit dem Leben von Unschuldigen.“

„Autsch, ist das die Altersweisheit?“, trat mein Zynismus zutage, wenn ich mir vorstellte, wer mir hier solch eherne Ratschläge erteilen wollte.

„Nein“, erklang er mehr als trabend. „Aber die Erfahrung, die mit dem Alter gar kommen mag… ja…“, traf er einen wunden Punkt, denn während ich die anderen aus dem Nirgendwo und Nichts zurückgeholt hatte, wo auch immer sie der Raum der Wünsche auf die andere Seite des Seins hin transportiert hatte, war es mir kurz so vorgekommen, als hätte ich mich übernommen und dass es sein könnte, dass ich es doch nicht schaffte. Der Moment hatte nur kurz angehalten, aber er war da gewesen, mit der unschönen Panik, die hierbei über mich hinweg geflutet war.

„Du weißt, dass ich Recht habe“, murmelte er nur flüsternd, während ich weiter schwieg und er uns umständlich nachschenkte.

„Albus schon getroffen?“, unterbrach er meine Gedanken mit einer völlig anderen Offerte und ich starrte ihn kurz verwirrt an.

„Wie? Ach so, in seinem Gemälde? Äh, nein, zieht mich auch nicht wirklich in das Büro“, erklärte ich kurz sichtlich durcheinander, aber sehr dankbar aufgrund des Themenwechsels.

„Hahaha… dazu enthalte ich mich, denn ich denke, er würde sich bestimmt freuen, dich zu sehen“, kam es hämisch grinsend von Gellert.

„Sie hoffen doch nur, dass ich ihn für Sie grüße“, giftete ich, worauf er generös mit seiner knochigen Hand abwinkte.

„Ich wollte dir noch sagen, dass du auf Potter aufpassen sollst. Er hat sich verändert“, verkündete er nun eindringlich und machte mich mit seiner Rückkehr zu Harry ganz konfus. Das war bösartige Absicht von ihm und deswegen blickte ich ihn auch grimmig an.

„Oh, welch Wunder, natürlich hat sich Harry verändert…“, gab ich leise zu bedenken.

„Ja, das mag klar sein, ABER Albus hatte durchwegs recht als er sagte, Potter müsste anders sein als der Dark Lord!“, kam es derart vehement von Gellert, dass ich sofort die Stirn runzelte. Was beunruhigte ihn so?

„Wie meinen Sie das, Gellert? Dass ich verhindern soll, dass Harry nun ist, wie er ist? Woher wissen Sie überhaupt, wie er ist?“, verwirrte ich mich gerade selbst, während er soeben mit seiner Hand über seinen stoppeligen Schädel fuhr.

„Ich war nicht umsonst ein Lord“, ertönte nun durchdringend seine Stimme und löste in mir ein Magengrimmen aus. „Ich liebe die dunkle Magie und ich wäre kein Nekromant, wenn mir nicht die schwärzeste Magie nahestehen würde und tja, was auch immer Albus denken will, ich bin nicht doof und war es nie und ich mache mir Gedanken und es wundert mich natürlich, dass der Lord nach seinem Angriff auf Potter nicht starb. Etwas hielt ihn im Hier und Jetzt zurück und nun, ich bin zu versiert auf vielen Gebieten, um nicht zu wissen, was das bedeutet“, klangen seine Worte wie eine Drohung, die mir eine Gänsehaut bescherte.

„Was?“, hauchte ich betrübt darüber, wie schrecklich schlau doch Gellert war. Man durfte ihn nie unterschätzen, das könnte eines Tages tödlich enden, auch wenn er den netten Opa mimte, er war ein gefährlicher Mann.

„Horkruxe“, bestätigte er umgehend meine Meinung und ich spitzte die Lippen, bevor ich die bisher angehaltene Luft ausstieß.

„Oh Mann, Göttin hilf“, verbarg ich meinen Kopf frustriert in meinen Händen und stützte die Ellenbogen an der Theke ab, da er zu platzen drohte. Das konnte doch nicht wahr sein. War es so schwer, Geheimnisse zu hüten?

„Tja, mein Sonnenschein, wir üben und trainieren und Potter mag viel sein, aber ein großes Geheimnis war er noch nie, was mir auffiel und was seltsam anmutet, dass er, Harry Potter, stark und schwach zugleich erscheint“, legte er mir seine Sichtweise dar und ich schwieg betroffen. „Mir war es, als würde er zwei Seelen in einem verbinden“, zeigte sich Gellert weiterhin nachdrücklich.

Dabei schielte ich zutiefst betroffen durch meine Arme zu ihm und er zeichnete gerade die Blitznarbe von Harry an seiner eigenen, von Altersflecken übersäten Stirn nach.

„Ich brauche keine Bestätigung. Albus hat genügend Andeutungen fallen lassen, sag es ihm nicht, aber er ist für mich durchsichtig wie Wasser in der Hand. Hinzu kommt mein Wissen, mein umfangreiches, eigenes Wissen in dieser Art der Magie“, lag durchaus eine gewisse Arroganz in Gellerts Aussage.

„Warum haben Sie diesen Weg nicht gewählt?“, wollte ich aufrichtig interessiert erfahren und leckte mir unruhig über meine Lippen.

„Mhm… nein, ich strebte nach Macht, aber nicht nach der Unendlichkeit. Das reizt mich nicht“, erklärte er rundum entschieden und ich starrte ihn von unten an, um zu erkennen, ob er log, oder nicht.

„Was nützt Macht, wenn sie vergänglich ist und Sie der Herrscher über alles gewesen wären? Geht der Dark Lord nicht einen für einen Lord durchaus nachvollziehbaren Weg?“, fragte ich sehr gespannt und spannte mich an, während Gellert einen Finger an seine Lippe hob und darauf herum tippte. Er wog meine Frage anscheinend sehr überlegend ab.

„Wohl an, natürlich würde man lügen, wenn man behaupten würde, dass dies nicht reizvoll wäre, aber der Preis einer unvollständigen Seele wäre mir zu hoch, ebenso wie die ständigen Machtkämpfe. Irgendwann kann man auch des Lebens überdrüssig werden, man werfe einen scheelen Blick zu den Vampiren“, gab Gellert ernst zu bedenken.

„Weise Worte. Haben Sie in Ihrer Jugend auch so gedacht?“, fragte ich mit Zynismus durchzogen.

„Ja, es gibt Ziele und es gibt anderes, was man erreichen will. Die Informationen über Horkruxe haben mich nie in Flammen setzen können“, erklärte er rundherum überzeugt und wackelte mit den buschigen, weißen Brauen.

„Und dass man die Macht über die Nekromantie verliert, spielte da keine Rolle?“, versuchte ich mit meiner Frage, diesen Mann, der mal ein Dark Lord gewesen war, besser zu verstehen und seine Beweggründe zu ergründen.

„Vielleicht auch, ich bin gerne, was ich bin, was man von eurem Lord nicht behaupten kann“, gestand Gellert freiheraus und es war erfrischend, jemand zu sehen, der mit sich vollkommen im Reinen war, denn ich glaubte ihm jedes Wort unbesehen. „Weißt du, was dieser sogenannte Lord gemacht hat, ist Selbstverstümmelung. Die Seele ist ein hohes Gut, sie macht uns aus. Man sollte sie nicht zerstören und zerstückeln. Das grenzt an Wahnsinn und ist irgendwann unkontrollierbar, was immer man sich einredet und das ist für mich eine andere Art des Todes“, machte er mich mit seiner Weisheit fast sprachlos.

„Wahre Worte. Der Lord scheint in gewissen Zeiten instabil in seiner Wut zu sein“, murmelte ich leise vor mich hin und grübelte, ob Gellert ahnte, wie oft der Lord seine Seele geschändet hatte. Nein, wohl nicht, sonst hätte Gellert wohl nichts mehr auf seinem Stuhl gehalten.

„Die größte Stärke eures Lords ist zugleich seine größte Schwäche“, mahnte er plötzlich mit erhobenem Finger und ich sah ihn interessiert an.

„WOW, Sie meinen, seine Unsterblichkeit, beziehungsweise der Preis, den er dafür zu zahlen hatte. Ist dies sein Schwachpunkt?“, präzisierte ich umgehend mit der mir innewohnenden, kalten Geschäftigkeit.

„Ja, alles im Leben hat einen Haken“, winkte ich leidgeplagt ab und starrte auf den Ring an meinen Finger, welcher der neueste Haken in meinem Leben war.

„Ja, und ein Haken ist auch Potter! Er war kurz vor der Rückkehr nach Hogwarts bei mir und hat sich von einer neuen, sehr gefährlichen Seite gezeigt. Ich meine, ich fand es gut und er macht sich, aber, und jetzt nimm das bitte ernst, Sonnenschein, er darf nicht verlieren, was ihn besonders macht“, erklärte der alte Mann nun dermaßen überzeugt, dass ich trocken schluckte, da mir der eiskalte Harry in Erinnerung kam, wie er Warrington ohne Gewissensbisse, aus purer Wut und Rache zerstückelt und in seine Einzelteile zerlegt hatte.

„Pfff, das ist ja wohl leichter gesagt als getan“, wehrte ich ab und fuhr mir in einer verzweifelt anmutenden Geste über meine brennenden und müden Augen.

„Aber deine Aufgabe“, schafften es Gellerts so hart gesprochene Worte, dass mir fast die Spucke wegblieb. Meinte er das ernst? Jetzt hörte er sich fast wie Albus an, kein Wunder, dass die beiden einst ein Paar gewesen waren. Einfach furchtbar, wie sollte ich das schaffen?

Zuerst war es gut, dass Harry alle ihn belastenden Bedenken über Bord warf und wurde, wie er sein musste um kämpfen zu können und nun sollte ich diese Entwicklung stoppen?

„Als hätte ich nicht genug zu tun“, schüttelte ich erschöpft meinen Kopf und versuchte, Fassung zu wahren.

„Aber es ist elementar! Der Junge darf kein zweiter Lord werden, sonst ist alles umsonst, was ihr, was du hier tust. Dann würdest du eine Plage gegen die Nächste tauschen“, warnte der Alte mit großem Ernst und ich biss mir auf meine gerade geheilte Unterlippe.

„Das würde Harry nie tun“, wiegelte ich innerlich verzweifelt ab.

„Jetzt noch nicht, das ist Fakt, aber du musst dafür sorgen, dass es so bleibt“, drang er unerbittlich in mich und ich spürte nur noch das Pochen meines blauen Auges und stöhnte.

„Dein Jochbein ist immer noch geschwollen“, lenkte er wieder in eine andere Richtung.

„Ja, danke, das weiß ich selbst“, betastete ich die schmerzende Stelle.

„Wie kam es, dass deine Freundin überhaupt so weit kam?“, fragte er absichtlich in seiner Bosheit, woraufhin ich nur gehässig grinste, aber mich weiterhin ausschwieg, da ich gerade wieder Bellatrix am Boden vor mir liegen sah und das Gefühl auskostete, trotz gewisser Handicaps gewonnen zu haben.

„Hast du dasselbe mit deinem Verlobten getan?“, deutete er auf meine Blessur und zwinkerte mal wieder übermütig, während er seelenruhig erneut zuschlug.

„Sie wissen davon?“, machte ich große Augen und rang mit mir. Das Thema war eigentlich zu heikel, um es weiter zu verfolgen, aber auf der anderen Seite ein wesentlicher Grund, warum ich gekommen war.

„Dieser so Aufsehen erregenden Neuigkeit ist gar sehr schwer zu entkommen! Jeder weiß es, jeder hört es, jeder spricht darüber. Darf ich gratulieren?“, fragte er gedehnt, nur um nach einem langen, pfeifenden Atemholen noch nachzulegen. „Oder soll ich dem jungen Malfoy eher mein Beileid aussprechen?“, ging eindeutig seine Gemeinheit mit ihm durch.

„Das amüsiert Sie?“, durchbrach ich seine Gehässigkeit und rieb mir über den verspannten Nacken.

„Nun, es ist eine gar griechisch anmutende Tragödie, deren Verwicklungen und Verwirrungen gar dramatisch sind“, genoss er es sichtlich, was er alles erleben durfte, dafür fühlte ich nur bleierne Müdigkeit und legte mit Todesverachtung meine Hand vor mir ab und blickte auf den wertvollen Ring. „Aber was mich wirklich interessiert, wie geht es dir damit?“, deutete er soeben auf den Ring.

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Kapitel 495-496
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