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 Kapitel 511-512

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BeitragThema: Kapitel 511-512   Di Mai 19, 2015 9:49 pm

511. Kapitel Tristes Grau

Ich hatte gewusst, dass es ein Fehler gewesen war, hierher zu kommen. Die Zwei warfen sich umgehend besorgte Blicke zu, da sie natürlich wahrnahmen, dass das Gespräch auf ein Thema gekommen war, welches zu heikel war, um überhaupt nur angeschnitten zu werden. Aber sie ahnten nicht mal im Ansatz, was für einen Krater dieses Thema in Harry riss.

„Habt ihr euch gestritten?“, wagte nun Remus vorsichtig zu fragen und ich verkniff mir das abfällige Schnauben.

„Ihr wisst es noch nicht… die Twins?“, fasste sich Harry hustend wieder und wischte sich mit dem Handrücken über den Mund um die Spucke abzuwischen, aber auch um Zeit zu gewinnen, während ihn die beiden recht überfahren ansahen.

„Was hätten die uns sagen sollen? Sie kommen schließlich nicht hierher“, fragte Remus misstrauisch und ließ uns zu keiner Sekunde aus seiner Beobachtung. „Sie schicken uns nur die Sachen!“

„Ich hatte erwartet… also, puhhh“, fuhr er sich fahrig über die schweißnasse Stirn und litt in meinen Augen deutlich unter der Konfrontation mit seinem Verlust.

„Leute, das ist doch jetzt nicht wichtig“, schaltete ich mich daher auch vehement ein, dabei erlebte ich, wie der Widerwille über Remus‘ gezeichnete Züge huschte.

„Lass, Schönste“, stoppte mich Harry mit einem todunglücklichen Lächeln auf den Lippen, aber ich biss mir umgehend auf meine Zunge. Es war seine Entscheidung und so schwieg ich. „Das… naja, also das… Daphne hatte einen Unfall!“, rang er sich nun schwer ab, die Umstände zu umschreiben, als ihm Tonks bei seinen letzten, mehr geflüsterten Worten, hormongesteuert, wie sie war, ins Wort fiel:

„Um der Magier willen, warum, wieso, weshalb? In der Zeitung stand nichts… wird sie wieder?“, schoss sie Frage um Frage hinaus, während Remus stocksteif wurde. Anscheinend verstand er Harrys Schwingungen besser als seine Frau.

Denn schon sprang Harry auf und lief zur offenen Tür in den Garten hinaus. Bestimmt brauchte er Luft, während sein Stuhl laut polternd auf dem Fliesenboden landete und ich seufzte.

„Was? Harry?“, rief Tonks sichtlich überfordert hinter dem Flüchtenden nach und Remus als auch Tonks wollten sofort hinterher, doch ich stoppte beide mit erhobener Hand. Während Tonks sofort auf mich hörte und auf ihrem Platz verharrte, war Remus schon auf den Beinen um Harry zu folgen.

„Remus, nicht!“, bat ich befehlend, als sein stechend scharfer Blick zu mir fuhr.

„Erkläre es“, meinte er schneidend und ich holte Luft. Warum musste mir so was immer zufallen?

Ich hatte nicht hierherkommen wollen!

„Das mit Daphne wird nicht wieder, sie ist tot“, erklärte ich dann auch in einem Zug und beobachtete, wie ihnen ihre Gesichtszüge entgleisten, während meine Zunge bei diesen schicksalsschweren Worten regelrecht schwer wurde.

„Was?“, „Nein.“, „Wie konnte das passieren?“, „Der Arme.“, „Harry“, wechselten sich die beiden in ihrer Betroffenheit und in ihrem Unglauben ab. Sie wirkten abgrundtief entsetzt und das konnte ich aufrichtig verstehen. Ich meine, ich selbst konnte es noch immer nicht fassen, dass sie so mir nichts, dir nichts, von jetzt auf gleich, für immer weg war.

„Erzähl es uns“, bat schließlich Tonks mit rauer Stimme und einem hellgrauen Haarschopf und ich nickte langsam und das tat ich dann auch und gab das Geschehen in knappen Worten wieder, während sie mich immer entsetzter, erstarrter und betroffener anstarrten. Tonks griff nun schniefend nach der Hand ihres Mannes und schluchzte laut auf, dabei wechselte ihr Haar von Regenbogenfarben in tristes Grau, was sie unheimlich alt aussehen ließ.

Als ich verstummte, weinte Tonks hemmungslos und Remus vergrub seufzend sein Antlitz in seinen Händen und ich selbst blickte nichts sehend in den Garten.

„Ich gehe raus zu ihm“, kam es bewegt von dem bisher stummen Remus, der plötzlich sehr besonnen erschien und mir einmal in seinem Leben keine Bosheiten an den Kopf warf, sondern seiner Aufgabe nachkam, Harry beizustehen und so war ich eigentlich recht froh, dass er zu Harry rausging.

„Wie hält er das aus?“, fragte nun Tonks verheult, bevor sie sich inbrünstig schnäuzte.

„Gar nicht, Tonks“, murmelte ich leise und sie hob interessiert das aschgraue Haupt. „Aber er lebt damit“, erklärte ich dann bestimmt und hob die Schultern, als sie zurückzuckte.

„Wie schrecklich, dieser arme, arme Junge… er war so glücklich, die Hochzeit… seine Eltern, Sirius… Daphne… das kann man nicht aushalten“, zählte sie nun mit einem Schluckauf gesegnet auf.

„Naja“, blickte ich sie nun leicht pikiert an. „Leicht hat er es nicht, das ist wohl wahr, aber es ist… wie es ist“, versuchte ich es leicht zu nehmen und unterdrückte den Seufzer, der mir in der Kehle brannte.

„Du wirkst aber auch durchaus betroffen, Hermione… und du musst nicht versuchen, härter zu spielen als du bist“, wollte mir Tonks mit gebrochener Stimme ins Gewissen reden und ich warf ihr taxierende Blicke zu.

„Hahaha“, lachte ich sie schlicht aus. Was dachte sie, von mir zu wissen, was mir verborgen blieb?

Ich war mir sicher, dass Remus ihr alles im Detail berichtet hatte, was er erlebt und was ich mit ihm damals bei der Folter angestellt hatte. Wie kam sie dazu, mir Absolution auszusprechen und mir derart großzügig zu vergeben? Da mochte man fast brechen, das waren Emotionen, die ich nicht brauchen konnte und die ich auch gar nicht wollte. „Tonks, du kennst mich nicht, aber ich gebe dir hier Recht, dass ich es Harry so sehr gegönnt hätte, eine Zukunft mit einer Familie zu haben, die er nie hatte“, stockte ich kurz und lauschte zur offenen Terrassentür hin und als ich nichts vernahm, sprach ich leise weiter, während sich Tonks die Nase putze.

„Und… und zu erleben, wie sie geht, das war sehr grausam für Harry“, versuchte ich nicht zu intensiv an die Straße mit dem großen Krater in Dublin zu denken und an die absolute Fassungslosigkeit, die von mir selbst Besitz ergriffen hatte, als uns das Schicksal mal wieder seine Unberechenbarkeit vor Augen geführt hatte. Dann riss mich ein Hickser von Tonks aus meinen Gedanken und ich sprach eilig weiter: „Und… und dass Harry nun allein zurückbleibt macht es nicht leicht für mich“, gestand ich zum ersten Mal wirklich mein Versagen laut ein und ballte meine Hände zu Fäusten, als ich bemerkte, wie Tonks ihre Hand ausstreckte und mich berühren wollte, aber vor dieser Geste schreckte ich zurück. „Versteh das, Tonks… ich mochte Daphne nicht so sehr, sie war anstrengend, aber genau das was Harry wollte und damit für mich zu akzeptieren, aber ich trauere nicht um sie, sondern um ihn!“, versuchte ich ihr zu erklären, wie ich war, als sie mich mit verweinten, roten und geschwollenen Augen nachsichtig musterte.

„Du bist eine gute Freundin… eine sehr gute“, verkündete sie dann rau und räusperte sich zum Schluss. Anscheinend brachte sie nichts davon ab, dies von mir zu denken und ich schüttelte meinen Kopf.

„Hahaha“, stieß ich freudlos aus. „Danke für die Blumen, das würde dein Mann nicht von mir behaupten“, schloss ich zum Schluss verächtlich und tippte mit meinem Fingernagel auf den Holztisch.

„Nein, wohl eher nicht…“, lachte sie nun selbst zynisch auf, als sie mir ein schiefes Grinsen schenkte, das wie eine verweinte Grimasse anmutete. „Aber er ist nur mein Mann, nicht mein Gewissen und meine Meinungen bilde ich mir noch immer selbst“, meinte sie entschieden, während ich sie kurz abwägend musterte und dann beschloss, dass es genug war. An allem was geschehen war, war nichts mehr zu ändern, deshalb setzte ich ebenfalls ein gespielt fröhliches Grinsen auf.

„Na, wie ich sehe, ist das Baby noch immer da“, deutete ich auf ihren Bauch und änderte resolut das Thema. „Da hatte Remus unrecht, du verlierst es nicht“, meinte ich gutmütig und ihre Hand fuhr zu ihrem leicht gewölbten Bauch.

„Ja, er hat unrecht und ehrlich, Hermione, darüber bin ich sehr glücklich“, flüsterte sie glückselig und sah dann zwinkernd zu mir und ich verkniff mir das gehässige Lachen, das mich im Hals kitzelte.

„Das freut mich“, und das war nicht mal gelogen, denn alles was Remus ärgerte, freute mich aufrichtig. „Wann ist es nochmal soweit?“, fragte ich dann mehr aus der Intention heraus, zu dieser Zeit ganz weit weg zu sein und bestimmt nicht auf etwaige Unkenrufe zu hören, die eventuell meine Hilfe erbaten. Eine Geburt in meinem verkorksten Leben reichte mir von vorn bis hinten.

„Ende März“, zwitscherte sie bemüht ernst, da sie noch immer wieder mit einem Taschentuch ihre Tränen um Harry trocknete, aber sie verstand meinen Wunsch, dieses heikle Thema zu meiden. „Remus ist schon ganz nervös, es ist nicht leicht, also… dass wir rund um die Uhr aufeinander hocken und er alles von meiner Schwangerschaft mitbekommt“, erklärte sie gerade und ich seufzte tief.

„Leider geht es nicht anders… wenigstens seid ihr hier sicher…“, erklärte ich recht schnöde, aber in Ermangelung einer besseren Antwort und so umschloss ich mit einer weit ausholenden Geste mein Haus, als wir bemerkten, dass wir nicht mehr alleine waren und meinen letzten Satz schienen die zwei Männer noch gehört zu haben, denn soeben fuhr Remus zu Harry.

„Wie meint sie das, Harry? Ich dachte, wir sind hier Gefangene und jetzt sind wir hier sicher? Was geht da draußen sonst noch vor?“, unterbrach mich jetzt Remus, der zu dem wieder sehr gefassten Harry sah und mit einem lauten Stöhnen raffte sich Harry auf, die Frage zu beantworten.

„Deswegen kommen wir eigentlich, Remus“, verkündete er bestimmt und ich schloss die Augen. Irgendwie wunderte es mich, dass mein Kopf nicht schon vor beginnenden Kopfschmerzen barst.

„Harry, du machst mir Angst“, wirbelte nun Tonks zu ihm herum und als ich durch meine halbgeschlossenen Lider linste, erlebte ich, wie ihre grauen Haare länger und länger wurden.

„Mir auch“, hauchte Remus, da er versuchte, in Harrys Miene zu lesen, dieser aber es nicht zuließ und nichts auf seinen Zügen erkennen ließ.

„Arthur hat uns informiert, dass Andromeda und Ted von DeathEatern gefoltert wur…“, entschied sich Harry schlicht für die Hammermethode, nach dem Motto einfach raushauen, und ich vermied heldenhaft ein Zusammenzucken, als die ersten Reaktionen über uns hereinbrachen.

„Ahhhh“, „WASSSS?“, kreischten Tonks und Remus Harry unterbrechend los, wobei unsere Schwangere von einer Sekunde zur nächsten erbleichte und drohte, ohnmächtig zu werden.

Sofort war Remus bei seiner Frau und schloss sie in die Arme und versuchte, sie mit nichtigen Worten, die er ihr ins Ohr flüsterte, zu beruhigen.

„Ruhe“, rief ich genervt über das schluchzende Drama hinweg, wie man nur so eine Tragödie darum machen konnte, verstand ich im ersten Moment nicht.

Tonks führte sich auf als wären ihre Eltern tot, aber mal ehrlich, wer von uns wurde nicht ab und an gefoltert?

Bevor ich jedoch meine abwertenden Gedanken vertiefen konnte, stoppte ich mich selbst und erkannte mit Grausen, wie absurd meine abwegigen Überlegungen waren und wie morbide es war, was ich dachte.

Es war ihr Recht, vor Angst, Horror und Sorge zu toben und zu weinen! Als über meinen Befehl hinweg alle etwas verwirrt zu mir starrten, da ich nicht weitersprach, sondern selbst ziemlich betroffen über meine innere Erkenntnis zu ihnen sah, dass es eben nicht normal war, so etwas zu erleben, riss Harry das Wort an sich.

„Ja, Hermione hat recht, es ist alles in Ordnung mit ihnen. Bitte, beruhigt euch! Der Orden konnte sie retten! Ihnen geht es den Umständen entsprechend gut!“, beeilte er sich, alle offenen Fragen sofort und umgehend zu erläutern und aus der Welt zu schaffen.

„Oh Merlin.“, „Wie bin ich erleichtert.“, „Wie schrecklich muss das alles für sie sein.“, „Ich will zu meiner Mutter und meinem Dad“, ging es zwischen Remus und Tonks hin und her, während Harry mir entschuldigende Blicke zuwarf, da er mich diesem Unglück aussetzte, dass ich hier mit von der Partie sein musste.

„Kann… kann ich nicht zu ihnen?“, wandte sich nun Tonks bittend an mich, woraufhin ich sie nur kurz musterte.

„Nein“, erklärte ich rundherum hart und spürte den durchdringenden Blick, den mir Remus sandte, der aber an mir abprallte.

„Tonks, hier seid ihr sicher“, versuchte sich nun Harry schlichtend einzumischen. „Vielleicht war es ein Fehler von mir, es euch sagen zu wollen“, entgegnete der betreten wirkende Harry.

„Nein, ihr habt recht, hier ist es sicher“, räumte Remus sorgend ein und ich dachte, ich hörte nicht recht, aber er streichelte beständig den Rücken seiner Frau.

„Remus“, begehrte sofort Tonks entrüstet auf und wich vor ihm zurück.

„Was ,Tonks? Deine Eltern waren nicht sicher. Uns sucht man hier nicht mal, für dich und das Baby könnte es nicht besser sein“, gab er sorgenvoll zu bedenken und legte seine Hand selbst auf den Bauch seiner Angetrauten.

„Halleluja“, meinte ich spöttisch, dass ich das noch erleben durfte, er und ich einer Meinung, wobei ich mittlerweile gelernt haben sollte, mich nicht zu früh zu freuen, denn auf dem Fuße folgte die Ernüchterung.

„Harry, lass mich wenigstens helfen und mit euch rauskommen, ich könnte euch nützlich sein“, drängte er da nämlich schon und ich war kurzzeitig gewillt, meinen Schädel auf den Tisch vor mir zu schlagen.

„Bleib bei deiner Frau und deiner Familie, wie ich schon draußen zu dir gesagt habe, lauf nicht davon und sei kein Feigling“, kam es entschieden und sehr schneidend von Harry.

Dies ließ mich tatsächlich aufhorchen. Was war da draußen wieder passiert, dass Harry Remus derart böse anging? Interessant!

„Was ist mit dir? Lucien ist auch bei den beiden Zwillingen und nicht bei dir“, warf Remus regelrecht böswillig ein und ich biss mir entschieden auf die Lippe, um nicht einzuschreiten. Das war Harrys Kampf. Er war erwachsen. Für dergleichen Lappalien brauchte er mich schon lange nicht mehr.

„Ich habe eine Aufgabe zu erfüllen, die mir keiner abnehmen kann. Ich habe mehr Verantwortung als nur die meiner Familie gegenüber“, erklärte Harry entschieden.

„Woher diese Opferbereitschaft?“, höhnte der Freund seiner Eltern bitterböse und vergrämt und richtete sich auf.

„Vielleicht… vielleicht, weil ich mein Leben lang von Dumbledore darauf trainiert wurde?“, spuckte Harry aufgebracht los und tigerte wie wild in der Küche hin und her. „Und… ich weiß es nicht, oder vielleicht auch wirklich nur wegen meinem Sohn? Vielleicht, aber ich freue mich für Tonks, dass du, anders als ich, die Wahl hast“, wütete Harry schrecklich nüchtern in eiskaltem Ton und ich presste die Lippen zusammen, als Harry auch schon auf dem Absatz kehrt machte und davonstürzte.

„Du bist so ein Idiot, Remus“, verkündete ich lieblich und erntete ein abfälliges Schnauben.

„Das sagt genau die Richtige“, ätzte er zurück, während ich ihn mit erhobenem Haupt maß.

„Was? Ich habe recht“, informierte ich ihn arrogant und stand langsam auf. „Er hatte nie eine Wahl, die wurde ihm an Halloween vor 16 Jahren abgenommen“, erklärte ich brüsk und verließ das Ehepaar, das mir dezent auf den Geist ging, mit entschlossenen Schritten.

Als ich die Tür meines Elternhauses hinter mir zu donnerte, schwor ich mir, es nicht mehr so bald zu betreten.

„Harry, willst du auch noch zu Lucien?“, fragte ich den sichtbar um Beherrschung ringenden jungen Mann auf der gegenüberliegenden Straßenseite, zu dem ich nun mit langsamen Schritten ging.

„Nein“, knurrte er unfreundlich zu mir und ich hob eine Braue sachte an.

„Warum denn nicht?“, wagte ich es wagemutig nachzufragen und kassierte umgehend einen schneidend scharfen Blick.

„Ich bin ab nun auf der Flucht und nichts wird mich in die Nähe des Cottages bringen… diese Snatcher, du hast gesagt, da sind auch Werwölfe mit an Bord… also, nein, die Gefahr ist viel zu groß und Lucien ist unter allen Umständen zu schützen. Ich wäre sogar froh, wenn ihr darauf verzichtet, seinen Namen zu nennen, das könnte gefährlich werden“, kam es derart resolut von Harry, dass ich nichts gegen das selige Lächeln tun konnte, das sich auf meine Gesichtszüge schlich.

„Du machst mich gerade so stolz“, schniefe ich ergriffen über Harrys energisches und so sinniges Auftreten in dieser weniger schönen Situation. Das Schönste war, dass Harry meine Beweggründe erkannte und mir ein verschmitztes, wenn auch leicht schiefes Lächeln sandte. „Sagst du mir noch, was im Garten passiert ist?“

„Ach, Remus ist ein Idiot, er meinte, dass er Tonks geheiratet hat und ein Kind mit ihr bekommt wäre ein Fehler. Er ist noch immer felsenfest davon überzeugt, dass sein Kind auch ein Werwolf sein wird und wenn eben nicht, dann müsste es sich aber immer für seinen Werwolf-Vater schämen“, erklärte Harry in verächtlichem Ton und ich rollte während des Zuhörens mit den Augen.

„Ohhhh, da jammert aber einer auf sehr hohem Niveau“, schnaubte ich abfällig und erinnerte mich an Dracos Worte, als er mich das erste Mal mit viel Bosheit ein Mudblood geschimpft hatte.

„An was denkst du?“, fragte mich Harry überlegt wirkend, weil er mal wieder zu viel sah.

„An Draco“, bekannte ich leise.

„Warum?“, ließ er nicht locker und wandte sich mir neugierig zu.

„Weil er mich damals auch ein Mudblood geschimpft hat. Ich weiß echt nicht, was in der Magischen Welt schlimmer ist“, versuchte ich meine sich schnell drehenden Gedanken zu erklären. „Remus‘ Kind wäre eine seltene Kuriosität, da schaut doch keiner darauf hinab und wenn, dann nur weil sie Angst haben, aber nicht weil sie es verachten und Tonks ist als Metamorphmagus auch nicht normal, aber was ganz Seltenes. Da finde ich meinen Makel, der minderwertiger anmutet, wesentlich schlimmer“, wedelte ich mit meiner Hand abwertend durch die Luft.

„Hermione“, rief er sofort empört, weil ich mich kleiner machte als ich war und schnappte regelrecht atemlos nach Luft. „Sie nennen dich heute noch so… sag mal, stört dich das eigentlich nicht?“, verengten sich seine Augen hinter der runden Brille zu misstrauischen Schlitzen. „Zumindest tust du immer so, als wäre es dir egal.“

Ich antwortete nicht sofort, sondern zog meine Lippe ein und kaute darauf rum. Das war eine gute Frage. Störte es mich? Bevor ich zu einer Antwort ansetzte, schüttelte ich langsam mein Haupt, während ich tief in mich hörte.

„Schon lange nicht mehr“, zeigte ich mich bestimmt, denn es stimmte, mir bedeutete es nichts.

Mudblood hin oder her, auch wenn ich mitverfolgte, wie Harry an meinen Worten zweifelte, sprach ich die Wahrheit, denn es bedeutete mir wirklich nichts. Ich hatte meine Abstammung so weit hinter mir gelassen, dass ich sie selbst ab und an fast vergaß und mittlerweile war ich regelrecht dankbar, aufgrund dieses einen Wortes öfters daran zurück erinnert zu werden, das war unglaublich, aber es war so. Denn ich wollte nichts vergessen!

„Es ist mir wirklich egal, Harry, und ich finde Remus‘ Ängste und seine Furcht enervierend. Was hast du ihm geantwortet?“, lenkte ich wieder auf das eigentliche Thema.

„Ich hoffe es für dich, dass es so ist, wie du es sagst“, räumte Harry widerwillig ein und über seine Miene huschte seine Sorge um mich. „Und zu Remus? Ich nannte ihn wie vorhin einen großen Angsthasen und Feigling. Er muss sich der Verantwortung stellen, dann ist seinem Kind egal was er ist.“

„Oh, das hat ihm bestimmt gar nicht gefallen“, gab ich süffisant von mir.

„Das trifft es wohl recht gut“, zeigte Harry ein sehr gehässiges Grinsen und ich lachte schadenfroh auf.

Hermiones Sicht Ende

Dracos Sicht

„Weasley, überpünktlich heute?“, fiel mein Blick als erstes auf den Rotschopf, während ich eilig mein Büro betrat und ihn irritiert musterte.

Innerlich seufzte ich, denn im Stillen hatte ich mich schon auf eine besinnliche Stunde der Ruhe gefreut, bevor mein Termin mit einem meiner Ministeriumsspione, wohlgemerkt mit dem effektivsten, wie ich leidlich eingestehen musste, obwohl er ein Weasley war, begann. Aber das konnte ich nun wohl vergessen, er hatte seinen Termin eigenmächtig vorverlegt.

„Wo ist Audrey?“, gingen meine Brauen fragend in die Höhe, gerade als Weasley sich zu mir umwandte. „Sie soll doch niemanden unbeaufsichtigt in mein Büro lassen.“

„Malfoy“, begrüßte er mich mit einem knappen Kopfnicken. „Naja, Audrey ist kurz weg, sie kommt gleich wieder“, huschte bei diesen Worten ein seliges Lächeln über die Züge des eigentlich immer steifen Weasleys, was mich skeptisch machte, denn irgendetwas entging mir.

„Bin schon wieder da“, ertönte es in dem Moment leicht gehetzt hinter mir und als ich meinen Blick auf meine zerrupft wirkende Empfangsdame richtete, musste ich mich zusammenreißen, um meine Maske aufrecht zu erhalten und nicht völlig überrascht und dumm dreinzublicken, sondern hob nur indigniert eine Braue.

„Wo kommt das denn so schnell her?“, deutete ich wenig höflich und ziemlich anklagend auf den kugeligen Bauch.

Dieses fast schon riesige Ding schob meine sonst doch recht elegante, aus Frankreich stammende Assistentin nun fast schon watschelnd vor sich her. Trotz meines scharfen Tons lächelte sie mich freudig, fast schon selig an und als ich kurz zu Weasley sah, war ich noch überraschter, denn er schien auf einmal geradezu von innen heraus zu strahlen und es machte klick.

„Naja, woher? Soll ich das mit den Bienchen und Blümchen erklären, Draco?“, feixte Audrey trotz allem gut gelaunt, während Weasley bei ihren Worten zusammenzuckte und zischend die Luft einsog.

„Audrey!“, fuhr er sie herrisch an, während mein Blick zwischen den beiden hin und her wanderte und ich meine Vermutung bestätigt sah.

„Ach, Percy…!“, blickte sie ihn tröstlich an. „War doch nur ein Witz!“

„Das ist kein Witz, das ist ernst und Malfoy scheint nicht informiert worden zu sein“, erklärte dieser steife junge Mann geschäftig und ich fragte mich aufrichtig, was Frau an dem Typen finden konnte.

„Malfoy“, wandte er sich nun ziemlich rechtschaffend an mich und stellte sich sehr gerade vor mir auf. „Audrey und ich haben uns in ganz kleinem Kreise, sprich nur wir beide und ein Beamter, hier in Irland getraut. Und wie du richtig erkannt hast, ist dies der Grund… wir bekommen ein Baby“, erklärte Weasley steif, nachdem er sich geräuspert hatte und legte derweil seinen Arm um die Taille seiner überdeutlich sichtbar schwangeren Frau.

„Was von Verhütung gehört?“, kam es respektlos von mir, aber nach Potter, dem Weichwolf und jetzt dem hier, zweifelte ich am Verstand der mich umgebenden Menschen!

„Ich habe eigentlich verhütet“, nuschelte Audrey und wieder ging meine blonde Braue gefährlich in die Höhe.

„Ich bin ein Weasley“, warf jetzt der sichtlich rote Mann vor mir ein und jetzt ging auch meine zweite Braue hoch. Bedeutete das, sobald man ein Weasley war, vermehrte man sich wie ein Karnickel?

„Und?“, fragte ich deshalb auch provozierend.

„Es geht dich gar nichts an“, erklärte der junge Mann jetzt scharf und da blitzte die Autorität des ehemaligen Schulsprechers und Assistenten des Ministers auf.

„Ooookayyyy“, meinte ich dann auch langgezogen, denn ich wollte nicht mal wissen, wie die beiden kopulierten.

„Aber was mich was angeht, ist die Frage, was ich ohne Empfangsdame machen soll.“

„Naja, bitte, ich hab noch eine Weile, bis das Baby kommt… oder willst du etwas anderes behaupten?“, kam es ungewohnt garstig von der neuen Mrs. Weasley und dank Daphne kannte ich mich mit Frauen, schwangeren Frauen und ihren Schwankungen aus, gerade wenn es ihr Gewicht und ihre ausufernden Rundungen anging, weshalb ich ein künstliches Lächeln auflegte.

„Nein“, presste ich schwerlich raus. „Mich tangiert eher, woher jemand wachsen soll, dem ich vertraue und der so gut ist wie du“, hauchte ich ihr ein Kompliment an den Kopf und ich durfte erleben, wie der bisher sehr angespannte Weasley erleichtert die Luft raus ließ, denn meine Worte zeigten sofort Wirkung, jetzt strahlte sie enthusiastisch.

„Also, keine Sorge, Marcus hat einige Kandidaten im Visier und es bleibt mir dann noch genug Zeit um die Vertretung einzuarbeiten“, erklärte sie geschmeidig.

„Aha“, erwiderte ich wenig eloquent, denn irgendwie fühlte ich mich gerade überrollt von den Tatsachen, vor allen Dingen nach diesem Tag im Dark Manor.

Die beiden Carrows zu bestrafen hatte mich viel Kraft gekostet, denn ich mochte den Cruciatus nicht wirklich und die Pause, die ich eigentlich eingeplant hatte, hätte mir geholfen, mich den Ärgerlichkeiten zu stellen, die meine Planungen zunichtemachten. Ein guter Drink und ein paar kostbare Minuten Ruhe, war das zu viel verlangt? Aber vielleicht bekam ich diesen Wunsch noch nach dem Termin erfüllt, denn Wesley würde ja auch eher weg sein, wenn er jetzt schon eher da war, so war zumindest meine Hoffnung.

„Na dann, Gratulation, Weasley, wobei ein Baby zu dieser Zeit nicht die beste Idee ist, aber schließlich bist du ein Weasley, nicht wahr… wie du selbst so schön angemerkt hast“, warf ich bissig ein und grinste spottend, da ich es mir nicht verkneifen konnte, ihn zu triezen.

War der Ruf erst ruiniert, lebte es sich schließlich ungeniert, die Weasleys waren nicht gerade für eine langsame, oder gar umsichtige Familienplanung bekannt. Wenn man bedachte, wie unglaublich viele Kinder sie hatten und das bei ihrer doch ärmlichen Situation.

„Danke, Malfoy!“, erwiderte Weasley eher pflichtbewusst denn dankbar, aber er schaffte es, seinen Stolz gut zu verstecken. Er konnte wirklich ein Arschkriecher sein. Was zur Hölle fand Audrey an dem Kerl?

Vielleicht, aber nur vielleicht, den Mut, ein Spion im feindlichen Ministerium zu sein?

„Wann hattet ihr vor, mich zu informieren?“, fragte ich meine Assistentin nun deutlich schärfer, worauf sie dann doch etwas schuldbewusst wirkte und über ihren Bauch streichelte.

„Ähm, Marcus wusste sehr früh Bescheid und ich hätte es gerne früher getan, aber Draco, wann bist du hier und hast Zeit? Heute habe ich extra viel Zeit im Kalender eingeplant und ich werde auch rasch wieder anfangen, für dich zu arbeiten“, deutete sie auf den Kalender auf meinem Tisch und zuckte entschuldigend mit den Schultern.

„Ich wünsche, über derartige Neuigkeiten rascher informiert zu werden“, gab ich eher knurrend von mir, aber im Grunde hatte sie recht, ich war selten hier und Marcus würde sich immer um alles kümmern, so wie es seine Aufgabe war. Und wenn ich es genauer betrachtete, hätte ich wahrscheinlich wirklich nicht mit der Schwangerschaft, geschweige denn mit der Liebelei meiner Assistentin belästigt werden wollen.

„Weasley, dann lass uns mal zu den wichtigen Themen kommen“, nickte ich daher nur zu Audrey und bedeutete ihr, dass sie an sich gehen könnte. „Schick Marcus rüber in mein Büro“, wies ich sie noch an, dann schloss sie erst mal die Tür hinter sich.

„Du hast sie echt geheiratet…“, fasste ich es immer noch nicht, während ich ihn über meinen Schreibtisch hinweg ansah.

„Ich liebe sie“, rückte er mit seinem Finger seine Hornbrille zurecht und gab mit seinem ordentlichen Anzug ein seriöses Erscheinungsbild ab.

„Na, das hoffe ich doch, aber du weißt, dass das deine Position nicht ungefährlicher macht?“, fragte ich offen nach und wünschte mir dringlichst einen scharfen Drink herbei.

„Ich weiß, deshalb weiß auch niemand davon, weder meine Familie noch ihre. Außerdem weiß nur Marcus, wer der Vater von Audreys Kind ist“, erklärte er knapp und das war doch mal was, ich wusste mehr als Ronald Weasley, freute ich mich kurz diebisch, was wohl die Familien dazu sagen würden. An sich konnten die Eltern einem leid tun, da sie nicht wussten, dass sie schon bald Großeltern werden würden. Mir kam ein anderer lustiger Gedanke, den ich umgehend äußerte.

„Oh, das wird Alicia gar nicht gefallen“, stellte ich mir gerade das Gekeife vor, weil Marcus ihr wieder was verschwieg und ein gehässiges Grinsen schlich sich auf meine Züge, als die Tür von Marcus wieder geöffnet wurde.

„Was gefällt meiner besseren Hälfte nicht?“, fragte er sofort misstrauisch.

„Dass sie nicht weiß, wer Audrey geschwängert hat“, genoss ich es, fies wie ich war, wie sich Weasley unwohl in dem Sitz vor mir wand.

„Nett wie eh und je… Draco“, begrüßte er mich kopfschüttelnd, während er Weasley nur mit einem stummen, knappen Nicken bedachte, als würde ihm leidtun, dass ich meine Gehässigkeit über dem Mann ergoss, der die Geste jedoch erwiderte.

„Dann berichte mal, Weasley, was sich im Ministerium getan hat, seitdem wir einen neuen Minister haben“, begann ich geschäftig, während Marcus für uns alle einen Drink einschenkte und zu uns kam.

„Als allererstes, man hat mich versetzt. Ich bin nicht mehr der Assistent des Ministers“, begann er eifrig und kam ohne Umschweife zum Thema. Ich bleckte kurz meine Zähne, denn das war aber auch zu ärgerlich. Ab jetzt würden wir nicht mehr direkt an der Quelle sitzen und Percy Weasley erkannte meine Verstimmung und sprach rasch weiter. „Ich konnte die Beförderung wirklich nicht ablehnen, das wäre zu auffällig gewesen, wenn man bedenkt, wie ehrgeizig ich bisher gewesen bin“, offenbarte er mit gewichtigem Auftreten und ich stützte mein Kinn auf meiner Hand ab und ließ ihn erstmal reden. „Außerdem hoffe ich, auch weiter nützliche Einblicke liefern zu können, denn meine Position hat sich bei weitem nicht verschlechtert“, plusterte er sich auf und reckte die Brust stolz raus. Er war ein von Ehrgeiz getriebener junger Mann.

„Was bist du nun?“, schritt Marcus in das Geplapper ein und ich warf ihm rasch einen amüsierten Blick zu.

„Oh, natürlich, bin der neue Leiter der Abteilung für Magisches Transportwesen“, funkelten Weasleys Augen vor Zufriedenheit.

„Ein Leiter gleich… nicht schlecht“, meinte ich jetzt honorig und auch Marcus nickte beeindruckt, wenn man sein Alter einrechnete, war das eine mehr als gute Position.

„Ja, ich bin auch erstaunt, aber diese neue Aufgabe bietet uns auch neue Möglichkeiten“, verkündete er sichtlich stolz.

„Die da wären?“, fragte ich interessiert nach, denn allem voran hatte sich Weasley Gedanken gemacht und ich war gewillt, zuzuhören.

„Naja, ich kann also weiterhin nützlich sein, was Portschlüssel und oder Informationen über überwachte Kamine angeht“, bot er an und dem konnte ich nur zustimmen. Das hörte sich in meinen Ohren fast besser an als sein bisheriger Posten, denn er eröffnete neue Sphären.

„Thicknesse ist ein ganz anderes Kaliber als Rufus. Er ist in meinen Augen ganz deutlich eine Marionette der DeathEater und das lässt sich mittlerweile sehr schwer verbergen“, erklärte er emsig. „So bunt, wie er in den Medien wirkt, so farblos ist er in der Realität, aber ich denke, seine gefühllose Art, die, wenn ich das einfügen darf, es mir bisweilen kalt den Rücken runter laufen lässt, gepaart mit denen, die seine Aktionen in meinen Augen steuern, ist eine Gefahr für alle, die den DeathEatern nicht folgen werden. Wir sehen ja schon heute, wie sich die Politik ändert. Im Ministerium läuft alles auf Hochtouren, um die Registrierung Muggelgeborener anlaufen zu lassen und voran zu treiben. Ich rate keinem, dort zu erscheinen, sondern auf jedem noch möglichen Weg in den Untergrund zu gehen oder das Land zu verlassen. Muggelgeborene wird man nicht mehr entlassen, soweit die interne Order. Sie werden geradezu wie Schwerverbrecher behandelt werden, weil man ihnen systematisch vorwerfen wird, dass sie ihren Zauberstab und ihre Zauberkraft geklaut haben. Dies wird, soweit ich erfahren konnte, morgen im Propheten bekannt gegeben“, begann Weasley weit schweifend, bis Marcus ihn unterbrach.

„Okay, das war angesichts der neuen Führung absehbar und nur eine Frage der Zeit“, verkürzte mein Stellvertreter den Redeschwall, wofür ich dankbar war. „Es wird wie beim letzten Mal. Viel wichtiger ist es für uns, jetzt von dir zu erfahren, wer nun direkt für den Minister arbeitet und ob wir ihn oder sie anwerben können?“, lehnte sich Marcus gespannt vor und stützte sich mit den Armen auf den Oberschenkeln ab.

„Oh, mich beerbt hat ein gewisser Frederick Wilkin“, ruckte sowohl mein als auch Marcus‘ Kopf hoch, denn dieser Mann war uns dank Ella nur zu bekannt und er war seit dem Drama Mitglied in meinem Trupp. „Ein sehr bedeckter, älterer Herr“, bemerkte Weasley nicht wirklich, wie wir auf die Nennung reagierten. „Und des Ministers Sekretärin ist Marietta Edgecombe geblieben. Sie hat mit mir zusammen für Scrimgeour gearbeitet, anscheinend behält sie ihren Posten“, verdunkelte sich seine Stimme so sehr, dass nicht zu ergründen war, ob er froh war, dass er sie los war, oder ob er es ihr neidete, dass sie blieb.

„Wilkin können wir vergessen“, stieß Marcus verächtlich aus und lehnte sich zurück.

„Wie meinen, bitte?“, ruckte Percy seine Brille wieder zurecht.

„Das wir Wilkin nicht anwerben werden können“, stimmte ich Marcus‘ Einschätzung zu, was unseren Spion gleichgültig mit der Schulter zucken ließ. Mich machten diese Neuigkeiten jedoch unruhig, da ich von der anderen Seite noch nichts von dieser Veränderung wusste. Ich musste mehr Präsenz zeigen.

„Gut zu wissen, dann werde ich mit ihm nicht reden. Was Edgecombe betrifft, ob man sie anwerben kann, ich weiß es nicht. Sie ist sehr speziell, ihr eilt ein sehr ehrgeiziger Ruf voraus und ich habe bei ihr ein ungutes Gefühl. Vor allem denke ich, dass sie den wichtigen Posten bei Scrimgeour durchaus nicht durch ihre herausragenden, schulischen Leistungen bekommen hat“, ätzte Weasley arrogant.

Aber auf seine Erfolge hatte er sich schon immer viel eingebildet und wenn dann da ein Mädchen daherkam und auf einmal in Konkurrenz zu ihm stand, dann war ihm seine Verschnupftheit zu verzeihen. Denn dank Hermione wusste ich schließlich, wie Marietta an den Posten bei Scrimgeour gekommen war, zuerst dank Mama und ihren Reizen und dann aufgrund ihrer eigenen. Das war wahrlich nichts, auf was man als Frau stolz sein konnte, die Frage war nur, wie konnte sie diese Position bei Pius halten.

„Na gut, aber wie denkt sie jetzt über das Ministerium? Die Änderungen werden nicht an ihr vorübergegangen sein. Gibt es eine Möglichkeit, an diese Marietta ranzukommen?“, wollte Marcus überlegend erfahren.

„Ich erinnere mich noch daran, wie sie diese DA damals in Hogwarts verpfiffen hat“, murmelte Weasley leise und auch wenn er sich von seiner Familie distanziert hatte, schien er es dem Mädchen übel zu nehmen, dass sie damit seine ganzen noch in Hogwarts befindlichen Geschwister ans Messer geliefert hatte. Ich selbst erinnerte mich daran, was ich über diese Edgecombe noch wusste.

„Oh ja und ich weiß noch, wie Hermione sie bestraft hat“, ergab ich mich meinen bösartigen Gedanken. Ihre Strafe war angesichts dessen, wie unbedarft die Kinder damals eigentlich noch waren, doch recht hart gewesen. Hatte sie diese Erfahrung so hart gemacht, um nun mit allen Mitteln um Posten kämpfen zu können, oder war sie schon immer so ehrgeizig, oder schlicht gar einfach eine Schlampe gewesen?

„Leute, das ist Vergangenheit… jetzt zählt, zu wem sie gehört. Weißt du jemanden, der sie vielleicht besser kennt?“, hakte Marcus sofort geschäftig nach.

„Naja, ich weiß, dass sie sich, als sie im Ministerium angefangen hat, noch mit einem gewissen Cormac McLaggen regelmäßig getroffen hat. Er hat aber relativ schnell seinen Job im Ministerium aufgegeben. Darüber haben sie sich gestritten. Ich bin damals auf dem Weg zu Scrimgeour gewesen“, setzte uns Weasley gewohnt informativ ins Bilde. „Sie konnte nicht verstehen, warum er keinen Einfluss haben will und die Macht, die das Ministerium bietet, aufgibt.“

„Er arbeitet bei uns“, warf nun Marcus ein und ich spitzte die Ohren, konnte ich mich doch noch gut an den Typen erinnern, der sich mal an Hermione heranzumachen versucht hatte.

„Gibt es sonst noch etwas?“, ging ich dazwischen, bevor wir weiter spekulieren konnten, denn hier gab es die Möglichkeit, alles mit Hand und Fuß abzuklären und Marcus verstand meinen kurzen Blick zu ihm richtig, denn er erhob sich wortlos, nickte nur knapp und verließ den Raum umgehend.

„Ja, das Ministerium verfolgt nun Muggelgeborene, lässt sie von sogenannten Snatchern jagen und einfangen. Ich habe hierüber ein noch geheimes Exposé abgefangen. Also für Muggelgeborene wird es jetzt nicht nur in Hogwarts wirklich eng“, erklärte er mir weiter und zeigte sich eindringlich, aber auch betroffen. „Es tut mir leid, momentan habe ich sonst nicht viel zu berichten. Dein Vater und andere, mir bisher unbekannte, Personen gehen bei Thicknesse ein und aus und das deutlich öfters als bei Scrimgeour…. falls dir das was hilft“, endete Weasley betrübt schulterzuckend und ließ die Schultern hängen, die er sonst so straff nach oben zog.

„Tja, da kann man nichts machen, wir werden sehen, wie es weiter geht. Lass Marcus noch eine Notiz wegen der Snatcher da. Halt die Ohren und Augen offen. Dein nächstes Treffen ist wieder mit Marcus, es sei denn, du findest etwas wirklich ganz Wichtiges heraus“, entschied ich und erhob mich. Auch Weasley stand auf, reichte mir die Hand. „ Und pass auf, dass das mit deiner Frau geheim bleibt“, riet ich ihm und er nickte noch eindringlicher, bevor er mein Büro mit einem Stechschritt verließ.

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BeitragThema: 512. Wir haben doch keine Zeit   Mi Mai 27, 2015 9:05 am

512. Wir haben doch keine Zeit

Ich hatte mich gerade wieder hingesetzt, als es an meiner Bürotür klopfte und dann nach meinem „Herein“ Marcus, gefolgt von McLaggen, eintraten.

„Malfoy“, grüßte McLaggen irritiert und sah sich neugierig in meinem Büro um, das er nicht kannte. „Warum bin ich hier?“, offenbarte er sein Unwissen. Anscheinend hatte ihn Marcus ohne viele Erklärungen von seiner Arbeit weg geholt. Und augenscheinlich war es seine Art, gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, während ich ihm wortlos bedeutete, sich erst mal hinzusetzen. „Woah, nicht so eilig, McLaggen…“, bremste Marcus ihn grinsend. Unterdessen nahm er selbst wieder Platz. „Wir stellen hier die Fragen“, fügte er ernster hinzu.

In dieser Zeit beobachtete ich, wie sich McLaggens Mund öffnete und dann wieder schloss. Er verschränkte die Arme abwehrend vor der Brust und blickte dann eher grimmig drein. So behandelt zu werden gefiel ihm gar nicht.

„Wie lang bist du jetzt schon hier in Irland?“, fragte Marcus erst mal zögerlich nach.

„Seit ein paar Wochen. Ich kam etwas später als die anderen, die direkt nach der Schule hier angefangen haben… Warum?“, konnte der mir durchaus unsympathische Gryffindor es nicht lassen, wieder nachzufragen.

„War es deine freie Entscheidung? Fiel sie dir leicht?“, ging Marcus auf die Frage gar nicht ein, sondern checkte sein Gegenüber zunächst weiter ab. Das entging auch McLaggen nicht, der seine Augen zu misstrauischen Schlitzen verengte.

„Ähm ja… doch eigentlich schon. Ich verstehe nicht, was ihr wollt. Stellt ihr meine Verschwiegenheit in Frage?“, drang er mit Vorsicht weiter und ich konnte schon verstehen, dass ihm das alles ziemlich verwirrend vorkam, während ich bisher schweigend und reglos zu ihm sah.

„Antworte doch bitte einfach auf unsere Fragen“, übernahm weiterhin Marcus mit mahnender Tonlage.

„Nun… okay… ich habe im Ministerium angefangen und dann wollte ich da weg. Die Stimmungen haben mir da nicht gefallen… es wirkte gefährlich. England ist zu gefährlich und das Angebot von hier war gut… ich kann was mit Qudditch machen. Berichterstattung über Quidditch, das ist toll, ich kann international mit wichtigen Menschen arbeiten… das ist eine gute Alternative zu diesem komischen Ministerium“, erklärte er dann doch bereitwillig und wie mir schien sehr aufrichtig, nach anfänglichem Zögern. Doch ich erkannte, genau wie Marcus, dass bei dem Ganzen ein „aber“ mitschwang.

„Aber? Was hielt dich zurück?“, fragte Marcus daher auch sehr gezielt nach.

„Naja, zuerst war es mein Vater, da er früher immer wollte, dass ich, wie er, zuerst eine Karriere im Ministerium anstrebe, bevor ich in die Privatwirtschaft gehe. Mein Onkel Tiberius sah das ähnlich und so war ich zuerst im Ministerium und ich blieb, weil meine Freundin dort ihren Platz gefunden hat und sie wollte nicht mit“, gab er schließlich resigniert zu.

„Woher dann der Sinneswandel?“, drängte Marcus weiter.

„Oh naja… Bertie Higgs, ein enger Freund der Familie, riet mir dann, schleunigst das Weite zu suchen, er ist Mitglied im Garmot und naja… ich höre durchaus auf seinen Rat, darüber haben dann meine Freu… meine Freundin und ich gestritten“, bekannte er betrübt, augenscheinlich unsicher, wie ihr jetziger Stand war.

„Warum?“, schaltete ich mich das erste Mal in das Gespräch ein und war froh, dass McLaggen offenbar seinen Widerwillen aufgegeben hatte und nicht mehr dauernd Fragen stellte.

„Sie wollte im Ministerium bleiben, sie meint, woanders kann sie nicht genug erreichen. Sie ist ehrgeizig…“, endete er diesmal stockend und wirkte unglücklich, als ob dies eine schlechte Eigenschaft wäre, dabei war Ehrgeiz nichts, was man abwerten musste. Nun gut, er war ein Gryffindor, offenbar konnte er nicht aus seiner Haut heraus, wobei das nicht so zu dem Schüler passte, den ich in Erinnerung hatte. Aber vielleicht hatte ihm das Ministerium doch Angst eingejagt, das konnte bei Menschen Wunder vollbringen.

„Na und? Ehrgeiz ist doch nicht schlecht“, tat ich deswegen seine Antwort auch mit einem Schulterzucken ab.

„Ja, schon, aber… sie hat sich verändert im Ministerium und das nicht zum Guten. Es zerfrisst sie“, gab er sehr nachdenklich von sich und rieb sich dann seufzend mit den Händen übers Gesicht. Ganz offensichtlich nahm es ihn sehr mit, was mich aufhorchen ließ, denn dass der sonst so machohafte und eher laute McLaggen sich so deprimiert gab, verwunderte mich. Hinzu kam, dass ich eben die petzende Marietta kannte und da fragte ich mich schon, was sie denn jemals Gutes an sich besessen hatte.

„Wer ist deine Freundin und was macht sie im Ministerium?“, hakte nun Marcus, den unwissenden spielend, nach.

„Marietta Edgecombe“, kam es sofort von ihm. „Und sie arbeitet als Assistentin des Ministers. Sie hat das schon bei Scrimgeour getan, schon damals fand ich ihren Ehrgeiz fast beängstigend, doch seitdem der neue Minister im Amt ist, hat sie sich verändert. Ich mache mir Sorgen“, bekannte er schließlich am Ende leise.

„Was macht dir Sorgen?“, übernahm weiterhin Marcus das Verhör.

„Hm… das ist schwer zu erklären. Ich komme nicht mehr richtig an sie ran… sie blockt ab und wirkt verschlossen“, versuchte er, sein gestörtes Verhältnis zu ihr zu erklären und ich hörte mehr aus seinen Worten heraus als er wirklich sagte.

Konnte sie wirklich so dumm sein und auf die Propaganda hereinfallen? Ließ sie sich mit den falschen Menschen ein? Wahrscheinlich spielte McLaggen auf die Hardliner im Ministerium an, die momentan garantierten, dass man schnell aufsteigen konnte, wenn man die Fahne in den Wind hing und ihre Parolen und Überzeugungen vertrat. „Gut, das wäre es dann soweit!“, entließ Marcus McLaggen recht befehlend, doch dieser erhob sich nicht sofort, sondern lehnte sich über den Schreibtisch weiter zu mir. „Ähm, und warum war ich jetzt hier? Ihr könnt mich doch nicht einfach so raus werfen…“, begann er zu protestieren und dabei schob er sein Kinn störrisch vor und ich zog eine Braue in die Höhe.

„Doch, können wir. Du bist bei den VenTes und du weißt, keine Fragen zu stellen gehört dazu. Wir erfahren was wir wissen wollen, mehr hat dich nicht zu interessieren“, wies ich ihn sehr kalt an und warf ihn wenig freundlich raus, aber das Ganze zog an meinen Nerven und meine Ruhe hatte ich immer noch nicht gehabt.

„Dann halt nicht“, erhob er sich kopfschüttelnd und schien es nicht glauben zu wollen, doch als er gerade die Tür öffnen wollte, schien ihm eine Idee zu kommen. Er wirbelte herum und blickte von einem zum anderen.

„Moment mal, ihr wollt Marietta!“, ging ihm etwas verspätet ein Lichtlein auf. „Es ging nur um sie. Könnt ihr sie da rausholen? Das Ministerium ist nicht gut für sie…“, sah er am Ende geradezu flehentlich von Marcus zu mir und konnte die Hoffnung nicht aus seinen Zügen bannen.

„Nein, das liegt nicht an uns. Wir holen niemanden hierher, der das nicht will“, erklärte ich unmissverständlich und blickte hart zu dem Gryffindor. „Ich würde gern jeden retten, aber wer nicht will… sorry“, versuchte ich mich jetzt doch zu erklären, da mir sein Blick durch und durch ging.

„Aber…“, wollte dieser vehement einwenden, doch Marcus unterbrach ihn mit erhobener Hand.

„Geh, wir können nichts tun und werden nichts tun. Marietta hat ihren Weg gewählt, solange sie nicht zu uns will, greifen wir nicht ein!“, warf er dem jungen Mann noch mal energischer an den Kopf, woraufhin dieser widerwillig mein Büro verließ.

„Ich kann ihn nicht leiden“, gab ich versnobt von mir und schüttelte meinen Kopf.

„Haha, ich auch nicht“, stimmte Marcus tief lachend zu. „Gryffindor…“, warf er noch schnaubend ein, woraufhin ich sofort grinste und mir dachte, wenn das seine Frau hören würde. Ein immer breiteres, diabolisches Grinsen legte sich auf meine Züge und er schien meine Gedanken lesen zu können.

„Ja, ja, ich weiß, ich bin mit einer verheiratet… erinnere mich bloß nicht“, gab Marcus grinsend nach und wedelte wegwerfend mit seiner Hand durch die Luft.

„Setz Weasley auf Edgecombe an und lass ihn in Erfahrung bringen, wie hörig sie den neuen Doktrin ist, ich will wissen, auf welcher Seite sie steht“, befahl ich schließlich und trank einen großen Schluck von meinem Drink.

„Wird gemacht!“, nickte er eindringlich, bevor er die Arme ausbreitete und nun mit seinem Rapport beginnen wollte. „Bei den VenTes war es bisher ruhig. Ein Trupp hat gerade erst berichtet, dass sie ein paar DeathEater aus der Ferne gesehen haben, so wie es aussieht aber wohl nicht dein Trupp. Jedenfalls hat sich mein Trupp im Hintergrund gehalten und nicht eingegriffen, denn der Orden kam eher. Sie haben die Opfer, die von den DeathEatern gefoltert wurden, noch rechtzeitig wegbringen können. Ansonsten gab es keine weiteren Zusammentreffen. Es ist ungewöhnlich ruhig in den letzten Wochen gewesen, aber unsere Leute waren auch sehr vorsichtig und die Twins haben einige neue Produkte entwickelt, die das Verbergen einfacher machen“, lieferte nun Marcus seinen Bericht in Stakkato ab.

Freude, dass es bei den VenTes gut lief, war ein Luxus, den ich mir nicht erlauben konnte, denn andererseits bedeutete dies wahrscheinlich, dass mein Trupp keine nennenswerten Erfolge vorweisen konnte. Aber ich musste Erfolge beim Lord nachweisen, sonst war ich geliefert. Hermione und ich steckten mit unseren Aufträgen nun beide in der Zwickmühle, wobei ich annahm, dass auch sie, ähnlich wie ich, die tägliche Kleinarbeit an ihren Trupp abgab, schließlich hatten wir beide Wichtigeres zu tun.

„Gut, dann bleibt vorsichtig“, antwortete ich bedächtig nickend und Marcus wusste, mehr konnte ich dazu nicht sagen und ich wusste auch nicht mehr, denn der erste Bericht meines Trupps stand noch aus.

„Steht sonst noch etwas an? Gibt es Neues, das ich wissen muss? Wie verhält sich der Alte?“, fasste ich noch nach.

„Nichts soweit. Dass Audrey Anfang nächsten Jahres in Mutterschaftsurlaub gehen wird hast du ja mitbekommen, genauso dass sie Weasley geheiratet hat, aber ich wollte dich mit diesen Formalitäten nicht belästigen. Eine Aushilfe ist schon ausgesucht und Audrey wird sie ab nächster Woche einarbeiten. Die neuen, die in den Ferien kamen, haben sich gut eingefügt. Und der Alte sitzt fast nur noch in den Kellern der alten Ruine. Er hat was gefunden, aber das hat er dir ja schon gesagt. Mit mir will er nicht reden, doch er ist dauernd mächtig aufgeregt und geht Davis auf die Nerven, sie streiten sich andauernd. Die Hogwartsschüler, die du uns geschickt hast, haben wir, sofern sie ohne Eltern hier sind, in der Burg untergebracht und Alicia hat Aufsichtspersonen abgestellt und wir sind noch dabei, die letzten Eltern hier rüber zu holen, dann teilen wir sie in unseren Wohnblöcken auf“, brachte er seinen Bericht ohne groß Luft zu holen vor. „Achja, genau, ich habe noch ein weiteres, großes Wohnhaus am Rande der Stadt über die Firma erworben, denn langsam wird es eng“, meinte er noch abschließend und ich nickte zustimmend. Wie immer regelte er alles ganz nach meinem Geschmack.

„Und nun erzähl bitte du, was in Hogwarts passiert ist“, fragte Marcus begierig nach, warum so viele Schüler auf einmal hier Obhut finden mussten und auch konnten.

Jetzt begann ich, ausführlich zu erzählen, wie die Flucht der Schüler abgelaufen war und wie gut die BL zusammen mit der DA reagiert und agiert hatte.

Nach dem Treffen mit Marcus machte ich mich noch auf, meinem Trupp einen längst überfälligen Besuch abzustatten. Ich war an sich heilfroh, dass ich meist wenige Aufträge hatte, abgesehen von den großen, wie dem bei den Veela, oder jetzt den, die VenTes dingfest zu machen. Anders als bei Hermione hatte der Lord bei mir wohl nicht die Ansicht, dass ich mich noch beweisen musste, oder ich war schlicht weniger interessant für ihn. Ein Umstand, der mir nicht sonderlich quer im Magen lag.

Ich hatte mir meinen langen, schwarzen Mantel übergezogen und meine Kapuze tief ins Gesicht gezogen. So betrat ich die Höhle, ließ meine Maske unter der Kapuze erscheinen und schob die Kopfbedeckung etwas zurück, dann trat ich durch das versammelte Volk, das sich in Grüppchen amüsierte. An sich mutete es wie ein Pfadfinderlager an, das wusste ich aus dem Fernseher, den die Twins im Cottage meist durchgängig laufen ließen.

„Travers, Wilkins, Crockett, King, Stuart, ANTRETEN“, machte ich einen Teil meiner Truppe aus und stellte mich hinter sie. Sofort zuckten sie zusammen und es kam Bewegung in die Anwesenden vier. Die schwarz gewandeten Gestalten kamen nach und nach auf die Beine, während ihnen ein Fünfter jedoch etwas langsamer folgte. Mein Trupp baute sich erbärmlich schleichend vor mir auf, während es die anderen herzlich wenig tangierte und sie sich nicht stören ließen.

„Wo ist Wilkins?“, fragte ich scharf nach, denn vor mir standen nur vier Leute aus meinem Trupp. Travers, der lange in Askaban gesessen und schon im ersten Krieg für den Lord gekämpft hatte. Dann Crockett, in meinen Augen ein widerlicher, kleiner, stämmiger und nicht gerade intelligenter Mann, der sich mehr schlecht als recht vor mir aufbaute. King wirkte uninteressiert, wie immer. Warum er ein DeathEater geworden war, war mir nicht so ganz klar, aber ich vermutete hinter seiner immer unberührt wirkenden Fassade und den für einen DeathEater durchaus klugen Zügen, einen Sadisten erster Güte. Stille Wasser sind tief, oder wie sagte man noch. Und letztendlich Stuart. Ein Hüne, der einfach dumm, massig und brutal war. Schlicht sinnlos draufhauen, das traf sein Wesen auf den Punkt, dementsprechend wenig begabt war er mit dem Zauberstab.

Frederick Wilkins, dessen Tochter Ella die VenTes vor einer Ehe mit dem DeathEater Thorfinn Rowle gerettet hatten und der danach fast umgehend mit Feuereifer den DeathEatern beigetreten war, fehlte. Sein Sohn, gerade mal zwanzig, wartete noch begierig auf seinen Beitritt, aber zur letzten Zeremonie hatten alle Fürsprecher schon andere Anwärter gehab, sodass er noch würde warten und sich beweisen müssen. Wilkins hatte der Lord direkt meinem Trupp zugeteilt, da dieser nur so darauf brannte, die schwarz vermummten Gestalten gefangen zu nehmen, die in seinen verblendeten Augen seine Tochter entführt hatten. Eine persönliche Motivation ließ der Lord nie außer Acht, wenn sie ihm nutzte, und dies war bei Wilkins der Fall. Und jetzt war er außerdem der nagelneue Assistent des neuen Ministers.

„Wilkins ist im Ministerium, bei der Arbeit…“, erklärte King gelangweilt und ich dachte mir und jetzt bestimmt bei seiner Frau daheim.

„Hmhm…“, räusperte sich nun der Nachzügler, den ich als Rowle identifizierte und ich fragte mich, was der von mir wollte.

„Ja?“, ging ich indigniert auf sein unhöfliches Räuspern ein.

„Ich will in deinen Trupp, Malfoy“, forderte er wenig elegant und sehr direkt, woraufhin ich ihn perplex anblickte.

Bitte was? Ich wusste, er war der Verlobte von Wilkins‘ Tochter, die wir aus deren Fängen gerettet hatten, aber eigentlich gehörte er zu Bellatrix und niemand wechselte innerhalb der Trupps wie es ihm passte und das Wichtigste, niemand, wirklich niemand sprach so mit einem Malfoy.

Also wandte ich mich von meinen Leuten ab und baute mich voll vor Rowle auf, der mich zwar bei weitem überragte und auch viel bulliger als ich wirkte, aber meine Haltung war um einiges gerader, eleganter und eindrucksvoller. Anscheinend musste ich mal dieser Runde hier demonstrieren, dass man mir mit Respekt gegenübertrat. Vor Hermione hatten sie ihn mittlerweile auch, einen Heidenrespekt sogar, den sie sich hart erarbeitet hatte.

„Erstens, Rowle“, hob ich eine Hand und reckte meinen Zeigefinger in die Höhe, dabei folgte sein Blick meiner Geste. „Niemand sollte es wagen, mich auf diese Weise anzusprechen, es sei denn, er steht auf Schmerzen“, antwortete ich mit einem gefährlich leisen Timbre. „Und zweitens habe ich kein Interesse an einem weiteren hitzköpfigen Hohlkopf in meinem Team. Ich entscheide, wer mir untersteht“, ende ich kalt und herrisch.

„Aber…“, wagte er es, mich zu unterbrechen und ich kam bedrohlich näher.

„Verschwinde“, riet ich ihm noch drohend, aber er schüttelte seinen Kopf und reckte sein Kinn stur vor.

„Aber… Ich will diese schwarzen Typen mit den Kapuzen jagen. Das kann mir keiner verbieten“, brauste Rowle vehement dumm auf, anstatt klug zuzusehen, dass er Land gewann, bevor ich ihm zeigen musste, wo sein Platz war. Ich unterdrückte nur mühevoll ein Seufzen und mit den Augen zu rollen.

„Ich kann es dir sehr wohl verbieten“, schnitt ich ihm entschieden das Wort ab. Was bildete sich dieser Trottel ein? Als könnte er hier als rangniederer DeathEater Forderungen stellen. Ich zog schon meinen Zauberstab und entwaffnete Rowle mit meinem nonverbalen Expelliarmus, denn aus dem Augenwinkel hatte ich gesehen, dass Rowles Hand bereits an seinem Stab lag, aber bevor er diesen überhaupt richtig gezogen hatte, hatte ich ihn bereits geschlagen. „Noch Fragen?“, grinste ich süffisant, fing in dieser Sekunde den herrenlosen Stab aus der Luft auf und Rowle taumelte von meinem Fluch getroffen auf dem unebenen Boden herum und schaffte es nur mit Müh und Not, stehen zu bleiben, während er verblüfft zu mir blinzelte.

„Was soll das?“, brüllte er sofort wütend los.

„Du wolltest mich angreifen“, erklärte ich nüchtern und warf seinen Stab in die Luft um ihn wieder geschickt mit einer Hand aufzufangen.

„Unfug, ich wollte dir etwas zeigen“, wehrte er entschieden ab.

„Verstehst du nicht? Es ist egal, dann wollte ich dich halt dafür bestrafen, dass du derart unerträglich aufmüpfig bist. Ich sagte, ich nehme dich nicht aus dem Team meiner Tante, finde dich damit ab“, versuchte ich ihn weiterhin in seine Schranken zu weisen, woraufhin er regelrecht ungesund rot im Gesicht wurde.

„Das wirst du mir büßen!“, grollte er tief und im nächsten Augenblick sah ich ihn mit gesenktem Kopf auf mich zustürmen.

Diese Frechheit, war das zu fassen? Woraufhin ich ihm geschmeidig mit einer Drehung auswich und dann einen Stupor auf seinen ungeschützten Rücken abfeuerte, sodass er noch im Laufen, wie ein gefällter Baum, vornüberfiel und mit dem Gesicht im Dreck der Höhle landete. Ich wusste, ich machte mir gerade keine Freunde, aber so würde ich nicht mit mir umspringen lassen. Rowle war absolut kein Gegner für mich. Dabei war wieder wunderbar zu beobachten, wie kameradschaftlich die anderen ihren Kollegen zur Unterstützung eilten, denn außer Gekicher und Gelächter war nichts zu vernehmen, während ich langsam auf den am Boden Liegenden zuhielt und jetzt mit voller Absicht auf seine recht Hand stieg, die auf dem steinernen, dreckigen Boden der Höhle lag.

„Arrrr“, begehrte er auf, als sich mein Schuh knirschend in seine Hand grub und er versuchte, seine gequetschte Hand unter mir hervorzuziehen.

„Also, berichtet“, wandte ich mich den Niedergestreckten nicht weiter beachtend um und fixierte einen nach dem anderen von meinen Trupp. „Wie läuft die Suche nach diesen Typen?“

„Ähm… Malfoy… also sorry“, kam es von King wenig geistreich und jetzt wimmerte Rowle sogar, da ich mein Gewicht noch mehr auf seine Hand verlagerte und das Knirschen der Knochen und Knorpel gut zu vernehmen war.

„Ja… also wir haben noch nichts herausgefunden. Die Typen überhaupt zu finden ist schon viel zu schwer und sie sind schnell, die sind immer weg bis wir da sind…“, stotterte jetzt Travers sichtbar eingeschüchtert vor sich hin.

„Aua… geh… runter…“, jammerte Rowle weiter und schaffte es nur, dass ich meinen Absatz noch härter in seine Haut grub. „Uhhhh“, biss er sich jetzt auf die Lippe.

„Ja, viel zu schnell und schlau“, verteidigte sich Stuart plump und überging das Leid seines Kameraden und dass für ihn die VenTes ein zu geplantes und intelligentes Mysterium waren, glaubte ich ihm auch aufs Wort.

„Jeder hinterlässt Spuren, diese Typen kommen nicht aus dem Nichts und dass sie für euch zu schlau sind ist kein Wunder“, erklärte ich von oben herab und erntete betroffene Mienen, dabei zuckte der Körper von Rowle unter mir.

„Wenn du versuchst, mich umzuschmeißen, mach ich aus dir Hackfleisch“, informierte ich ihn nebenbei und er erstarrte nach meiner unmissverständlichen Drohung.

„Bisher konnten wir keine Hinweise finden“, wandte nun Travers ein und räusperte sich dann geradezu entschuldigend. „Sie sind wirklich verdammt flott unterwegs. Sie haben Sachen, von denen wir nur träumen können.“

„Und von was träumt ihr?“, fragte ich bissig und verlagerte mal wieder mein Gewicht, was mit einem lauten Aufschrei, der in der Höhle als Echo wiedergegeben wurde, belohnt wurde.

„Magisches Spielzeug“, ätzte Stuart grunzend.

„Scheint effektiv zu sein“, warf ich arrogant ein und dachte nun ein kleines Schluchzen ausmachen zu können, das mir zu Füßen ertönte.

„Kann man so sagen, wir sind bisher nur einmal auf einen Gruppe von denen getroffen, aber wir konnten gar nicht so schnell schauen, fast sofort waren wir von so ‘nem undurchdringlichen Zeug umgeben, alles war schwarz, nichtmal ‘n Lumos hat was gebracht und dann waren sie weg. Ich hab nicht mal ‘n Ploppen vom Apparieren gehört“, ereiferte sich King jetzt inbrünstig und erstaunte mich damit, sonst ließ ihn alles immer recht kalt.

„Einer von ihnen hat mich direkt angesehen, aber da war nur ein schwarzes Loch, voll unheimlich“, stieß Crockett aus und schüttelte sich.

„Nicht dein Ernst? Hallo? Denkst du, unsere Masken sehen netter aus?“, staunte ich über die geballte Dummheit, die mir entgegenschlug. Wenigstens hatte er die Güte, peinlich berührt auf seine Hände zu starren.

„Runter… Malfoy… geh… weg…“, jammerte Rowle jetzt wieder los.

„Ich höre gar nichts… hört ihr was?“, fragte ich provokant in die Runde und erntete nur Verneinungen.

„Auf alle Fälle wird es nicht einfach, denn bisher weiß keiner was“, verteidigte Travers ihr Versagen, was mir im Prinzip ja ganz recht kam, nur sagen konnte ich es so nicht.

„Dann strengt euch mehr an. Was seid ihr für Memmen?“, knurrte ich drohend und konnte Vater und Severus verstehen, die seit Jahr und Tag über den Haufen klagte.

„Wir sind doch schon dauernd dran, Wilkins triezt uns ständig, der ist so rachsüchtig“, jammerte Crockett leidend.

„Ja, der will die Typen auch unbedingt“, waren sich meine Leute einig.

„Ich auauuuu auuuchhhhh“, schaltete sich wieder mein ungebetener Neuzuwachs ein.

„Du bist aber nicht in meinem Trupp“, neigte ich meinen Kopf zu dem Mann, der mit tränenden Augen zu mir sah. „Und was euch angeht, zweifele ich sehr an eurem Engagement, als ob ihr mehr tun würdet als hier rumzuhängen. Faule Bande, das seid ihr und sonst nichts“, schimpfte ich grollend.

„Können wir nicht Rowles Hilfe annehmen…“, begann Crockett vorsichtig, doch ich schnitt ihm die Worte scharf ab.

„Nein“, fauchte ich los. „Wo sind wir denn hier? Das ist keine Demokratie“, deutete ich mit erhobenem Zauberstab drohend in die Runde „Der Lord hat mich eingeteilt und damit euch. Macht eure Arbeit und jetzt verschwindet“, ging ich in der Sekunde von Rowles Hand herunter und er zog sie rasch an seine Brust, aber im gleichen Augenblick versenkte ich meine Finger in seinem vollen blonden Haar und riss ihm den Kopf in den Nacken.

„Und du kannst davon ausgehen, dass ich dafür sorge, dass Bellatrix erfährt, wie du dich bei mir anbiedern wolltest“, blickte ich kalt in sein schmerzverzerrtes Antlitz und bevor er etwas sagen konnte, donnerte ich seinen Dickschädel mit Wucht auf den Boden. Mit Sicherheit brach seine Nase, aber es war mir gleich und vor allem griff ich skrupellos auf Hermiones Taktik zurück, die Leute einzuschüchtern und auf magische Spielchen zu verzichten. Dies kam hier eindrucksvoller an als wenn ich ihn mit einem Stupor ins Traumland geschickt hätte.

„Was für eine Schande“, deutete ich verächtlich auf den am Boden liegenden Rowle und versetzte ihm zum Abschluss noch einen harten Tritt in die Seite, der den bewusstlosen Mann trotzdem stöhnen und keuchen ließ.

Als meine vier Teammitglieder eilig verschwanden, warf ich Rowles Zauberstab achtlos ein Stück von ihm entfernt in eine Ecke und verließ die Höhle, um zu apparieren.

Zuerst sprang ich nach London und von dort aus dann weiter vor das kleine Cottage in Wilshire. Die Twins hatte ich lange nicht besucht und nach dieser Katastrophe bei meinem Trupp brauchte ich Abwechslung. Mich jetzt schon den tristen Fluren von Hogwarts auszusetzen, behagte mir nicht. Als ich das Cottage betrat, fand ich es erschreckend ruhig vor, lediglich der kleine, nervige Elf kam sofort aus der Küche gestürmt und stoppte dann abrupt, da er meiner holden Person ansichtig wurde.

„Oh, Master Draco…. Dobby hat Master Forge und Gred erwartet“, verkündete der widerspenstige Elf mit den Ohren schlackernd.

„Na, das ist doch mal ein willkommen“, ging ein gewisser bissiger Spott mit mir durch.

„Master Draco“, fing er sich dann jedoch. „Dobby muss sich um Master Potter kümmern!“, verkündete er geschwind und verschwand wieder in die Küche und so wurde ich abserviert.

Wenn er sich so was im Manor erlaubt hätte, dann hätte es Ärger gegeben, aber da keiner da war, folgte ich ihm. Potters Sohn saß in einem hohen Stuhl, einem Kinderstuhl und hatte ein großes Lätzchen um, auf dem unter Flecken von orangegelbem Brei noch das Logo der Chutley Cannons zu erkennen war und außerdem flogen Besen und ein Schnatz aufgeregt über dem Stoff hin und her.

Dobby kletterte auf den Stuhl neben Potters Sohn, griff einen Löffel, den er in ein giftgrünes Püree tunkte, das außer Reichweite des Kindes auf dem Esstisch stand. Eher gesagt, er versuchte es, denn offensichtlich schien klein Potter nicht wirklich essen zu wollen. „Bäh…“, spuckte soeben der Kleine den Brei im hohen Bogen aus und die Spucke landete auf seinem Lätzchen, als der Elf es gerade so geschafft hatte, Potter einen Löffel des Breies in den Mund zu schieben. Dabei richteten sich seine so grünen Augen auf mich, die mich unweigerlich an Daphne denken ließen, aber auch Potters Augen waren ähnlich grün, aber ich zog es vor, dabei an die Mutter zu denken. Seine Haare leider, die schienen nur eindeutig nach Potter zu kommen, denn die kurzen, feinen Haare standen in fast schwarzen, wirren Strähnchen von dem kleinen Köpfchen ab.

„Wo sind Fred und George, Dobby?“, fragte ich harsch nach und nahm ihn ungeduldig ins Visier. Mich einfach so stehen zu lassen war eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit.

„Oh ja, die Master sind unterwegs, Dobby weiß nur, dass sie helfen müssen, aber Dobby muss nicht mehr wissen“, erklärte der Elf eilig. „Master Lucien machen Sie doch bitte den Mund auf, lecker Essen“, versuchte er weiter, den kleinen Potter zu füttern.

Pfff, wenn Fred und George unterwegs waren, dann sicher für den Orden, denn mit den VenTes hatten sie an sich nichts zu schaffen, sie waren in keinen Trupps, das hatte sich Potter verboten. Er wollte nicht, dass seinen Ersatzeltern etwas passierte, außerdem hatten die Twins mit dem Laden, dem Orden, den Erfindungen für die VenTes und Potter Junior genug um die Ohren.

„Master Potter muss essen, bitte. Dobby kann nicht immer süßen Brei für Master Potter machen!“, versuchte er weiter, meinen Patensohn, wie gern ich das manchmal vergessen würde, dazu zu überreden, zu essen.

„Die Pampe würde ich auch nicht anrühren…“, erklärte ich ernsthaft und ich wusste, diese Frage würde ich bereuen, aber ich wagte es trotzdem. „Was ist das?“

„Erbsenpüree“, informierte mich das wichtigtuerische Wesen geschäftig.

„Würg“, kam es mir reichlich würdelos über die Lippen.

„Sie haben das früher auch gegessen“, begann jetzt Dobby und mein Blick massakrierte ihn und er überlegte es sich, das zu vertiefen.

„Master Potter mag nicht mehr essen, seitdem die Misses…“, stockte Dobby traurig und seine großen, runden Augen blickten schon hilfesuchend zu mir und mein Mund verzog sich zu einer unverständigen Grimasse, was erwartete er von mir.

„Ja und? Damit wirst du doch wohl klarkommen. Potter ist nicht das erste Baby, das du versorgst“, wies ich ihn harsch ab, denn ich wollte keinesfalls riskieren, dass er auf die Idee kam, ich könnte helfen, weil ich der Pate war.

Ich und ein Baby füttern, nie und nimmer. Wenn der Kleine alt genug war um einen Zauberstab zu halten und zu lernen, wie man sich als Reinblüter verhielt, würde ich mich kümmern, denn Potter war zumindest was das rechte Benehmen anging nicht zu gebrauchen, obwohl er dazugelernt hatte. Lucien dieses elementare Verhalten und Gebaren der Gesellschaft beizubringen, wäre Daphne zugefallen und so würde ich das gewissenhaft übernehmen, aber mehr nicht.

„Bitte, Dobby weiß nicht mehr weiter… Grießbrei reicht nicht, dass Master Potter gesund bleibt…“, jammerte der Elf überfordert mit Tränen in den Augen.

„Was erwartest du von mir? Ich habe doch keine Ahnung, ich denke mal, wenn du ihm nichts gibst, wird er solchen Hunger bekommen, dass er dann schon essen wird“, überwand ich mich und sprang helfend ein, zumindest mit einem überlegten Vorschlag, der mir sinnig erschien.

Denn mir tat der Kleine leid, weil er seine Mutter verloren hatte und mit einem Vater wie Potter gestraft war.

„Kann Master Draco nicht Harry Potter holen?“, blickte Dobby mich mit großen Augen weiter wie einen Hoffnungsträger an und ich fühlte mich schrecklich belästigt.

„Nein, Potter wird lange nicht herkommen!“, wiegelte ich entschieden ab, denn deswegen war ich hier. „Was sollte es bringen?“

„Dobby… hoffte…“, versuchte er es erneut, aber ich schüttelte das so helle Haupt.

„Vergiss es, das ist keine Option“, klang ich nun sehr bestimmend und die Ohren von Dobby sackten sofort herab und blieben unglücklich hängen.

In diesem Moment hörte ich, wie sich die Haustüre öffnete und ohne dass ich wirklich gemerkt hatte, wie angespannt ich gewesen war, atmete ich erleichtert aus. Sie kamen und erretteten mich, sehr gut. Es war schon eigenwillig, wie viel Stress und was für Situationen ich einfach so ertrug, aber mich mit Dobby und dem Potterbalg auseinanderzusetzen, war mir doch sehr zuwider.

„Draco.“, „Ja, was für eine Augenweide.“, „Ich bin platt, welch seltener Besuch in unserer bescheidenen Hütte“, begrüßten mich Fred und George, als sie die Küche lautstark und lärmend erstürmten.

„Wo wart ihr?“, fragte ich schnöde als Begrüßung.

„Endlich, die Masters“, jubelte Dobby und das Kind krähte Spucke sprühend, es war ekelhaft.

„Warum stehst du in der Ecke als wärest du auf der Flucht?“, „Ja, schaut aus wie ein Hasenfuß“, schütteten sie ihren bösartigen Spott über mir aus, nur weil ich aus der Schussweite des Essens von dem Kind bleiben wollte.

„Nein, Fred, ich weiß, warum er hier ist“, kam es ziemlich gewichtig und mit wichtigtuerischem Grinsen von dem einen Twin.

„Warum den George?“, fragte sein Twin nicht weniger breit grinsend zurück.

„Er ist hier um sich um seinen Patensohn zu kümmern! Um uns zu unterstützen“, jubilierte der verrückte Red Devil und ich riss die Augen betroffen weit auf.

„Wohooooo, das lobe ich mir“, jubelte Fred sofort los und ich fragte mich schockiert, warum ich diese verrückten Typen für Freunde hielt.

„Sehr schön…“, „Wurde ja auch Zeit.“, „Oh, mein Zentaur, so ein Engagement rührt mich zu Tränen“, übernahm Fred wieder am Ende geistesgestört und schaffte es wirklich, Tränen aus den Abgründen seines Wahns hervorzuzaubern, bei dieser Vorstellung. Unterdessen begann Lucien, geradezu freudig zu quietschen. Jetzt war ich mir sicher, dass ich im Irrenhaus gelandet war!

Was veranlasste Potter zu denken, sein Kind war hier sicher?

„Wenn die Hölle zufriert…“, kommentierte ich entnervt, woraufhin die beiden in gackerndes und krähendes Gelächter ausbrachen und ihre Umhänge ablegten, was Lucien veranlasste, unkoordiniert die kleinen Hände gegeneinander zu patschen und mit zu schreien. Der Lärm war unbeschreiblich.

Ich schwieg und wartete, bis sich die durchgedrehte Fraktion beruhigt hatte, erst dann deutete ich auf ihre durchaus nach einem Kampf aussehenden Umhänge, die verdreckt und zerrissen aussahen.

„Was war los? Wo wart ihr?“, wiederholte ich mit einer Engelsgeduld gestraft meine Frage von vorhin. „Ach, der Orden brauchte Hilfe. Ein paar DeathEather…“, „Haben deine Tante und ihren Mann angegriffen…“, informierten die Twins eifrig und schenkten sich gerade Kürbissaft ein.

„Hä?“, zeigte ich mich reichlich schnöde.

„Nicht die Tante, die andere“, „Wir konnten die Tonks gerade noch retten…“, erklärten sie abwechselnd und irgendwie war es schwer, Verwandtschaft im Auge zu behalten, wenn man sie nie wirklich kennengelernt hatte, während Dobby geschäftig vom Stuhl hüpfte und die Umhänge wegbrachte. Das war wohl der Vorfall, den Marcus erwähnt hatte, von einer anderen Seite betrachtet.

„Bleibt zumindest in der Familie… Der Orden bringt sie jetzt an einen sicheren Ort. Und was machst du hier?“, kommentierten sie dann noch gemeinsam. Unterdessen war Fred an den Hochstuhl von Potter getreten und entfernte mit einem Schlenker seines Zauberstabes die Breireste aus dessen Gesicht, vom Lätzchen und vom Tisch. Das Dobby das nicht mit einem Fingerschnipsen erledigt hatte, entzog sich meinem Verständnis.

„Na, kleiner Mann, nur Unfug im Kopf?“, strich er dem keinen Potter dann erstaunlich liebevoll über die kurzen Haare, woraufhin dieser drauflos brabbelte: „Fed…fed…fed.“

„Ja, ich bin ja da“, säuselte der wahnsinnige Twin süßlich los.

„Fred“, wiederholte ich sofort ernsthaft und maßregelnd, fast umgehend erntete ich von Fred ein schallendes Lachen.

„Ohhh, du bist sooo Draco… Draco“, kam es von ihm und ich ersparte mir mein nächstes „Hä?“, während er dem Kleinen noch mal übers Haupt strich.

„Aber das lernst du schon noch! Es ist ein schwerer Name“, stand selbst George mit den Augen rollend hinter seinem Bruder, während ich versuchte, zu ergründen, wo Fred ein schwer zu sprechender Name war.

„Soll Fred dir mal was Richtiges zu Essen geben?“, drehte dieser sich eifrig um und begann, in der Küche zu werkeln.

„Fred, er muss auch mal was Gescheites essen, du kannst ihm nicht immer Pudding und Grießbrei geben“, seufzte George mahnend, während mein Blick zwischen den dreien hin und her huschte.

„Dieses grüne Gift würde ich nicht mit der Kneifzange anfassen, das schaut bäh aus“, deutete Fred auf das Erbsenzeug und ich meine, das würde ich auch nicht essen.

„Und mein lieber Bruder, besser Pudding als wenn er gar nichts isst!“, verteidigte sich Fred entnervt klingend und ließ sich von seinem Tun nicht abhalten.

„Lasst euch nicht stören, aber ich habe nicht ewig Zeit“, schnitt ich George das Wort ab, als er auf Freds Aussage energisch antworten wollte.

„Ach nee, der viel beschäftigte Herr?“, feixte George. „Das verstehst du nicht, er hat soooo schrecklich viel zu tun!“, „Was tun dann wir?“, „Moment, ich zähl mal auf: Unsere Firma und die neuen Erfindungen.“, „Ich mach weiter: Der Orden.“, „Ja, genau, der auch: Dann Irland, was immer mal was Neues braucht.“, „Genau, die hatte ich fast vergessen, dann unsere Beziehung… ach was, vergiss die…“, „Eben, wer braucht Zeit für sich… weiter geht es zu unserem Kind, das erzogen und umsorgt werden muss.“, „Von dem Rest der Familie und Freunden gar nicht zu reden.“, „Eben…“, ging das hin und her und ich schrie fast, um mir Gehör zu verschaffen.

„Okay, ist ja gut, vergesst es. Ihr seid vielbeschäftigte Erwachsene, ich habe nie gesagt, dass ihr nichts leistet“, wehrte ich entschieden ab. „Fred, George, ihr seid brillant in dem was ihr tut… wirklich“, legte ich mit einer bedeutenden Geste meine Hand aufs Herz.

„Oh, ist das so?“, wandte jetzt George weniger aggressiv ein. „Es ist schön, es mal zu hören“, trat nun George freundlicher gestimmt an mich heran.

„Wir sollten Mum um Rezepte bitten, Fred, wirklich!“, rief er jetzt völlig aus dem Zusammenhang gerissen zu dem anderen Devil, der in einem Topf rumrührte, aus dem sich ein leckerer, süßlicher Duft nach Zimt und Zucker verbreitete.

„Dann mach…“, wedelte dieser wegwerfend mit einer Handgeste, die alles heißen konnte, und rührte fröhlich vor sich hin summend weiter. Offenbar kannte Potters Sohn das schon, denn er versuchte immer wieder, über die Rückenlehne seines Stuhles zu Fred zu blicken, oder diesen eher anzuhimmeln, das war auch eine Alternative.

„Er ist einfach viel zu gutmütig Lucien gegenüber…“, seufzte George schließlich leise zu mir und ich zuckte mit den Schultern. Das hörte sich nach Beziehungsproblemen an und davon hatte ich zu meinem Leidwesen schon genug selbst um die Ohren.

„Klärt das unter euch“, bat ich daher leise und als er mir einen langen Blick zuwarf, fand er anscheinend etwas in meiner Miene, was ihn abrupt nicken und das Thema fallen lassen ließ. Die peinliche Stille überbrückte ich, indem ich einfach lossprach: „Ich wollte euch nur informieren, dass Hermione, Weasley und Potter Hogwarts verlassen haben. Das Ministerium wird Gesetze erlassen, die uns dazu gezwungen haben, alle Muggelgeborenen aus Hogwarts rauszubringen. Rechnet mit keinem von den dreien und egal was los ist, ruft die VenTes oder mich, es geht los, aber ich kann mir vorstellen, dass die drei das Cottage meiden werden… aus vielfältigen Gründen“, verkündete ich endgültig, was die beiden sofort verstanden und sie sich kurz sehr betroffene Blicke zuwarfen.

„Dann ist es also soweit!“, bestätigten sie einstimmig mit Resignation in der Stimme und George führte fort: „Was kommt genau auf uns zu?“

Sie schalteten beide sofort, wirkten nicht übermäßig überrascht, aber natürlich hatten sie ähnliches eher früher als später kommen sehen, schließlich bereiteten wir uns jetzt lang genug auf den offenen Kriegsbeginn vor, aber es war doch immer wieder schwer, es sich vollends einzugestehen.

Als Fred sich mit seinem Brei bewaffnet auf dem Stuhl neben Potter niederließ, quietschte dieser freudig, zischelte dann aufgeregt klingend und patschte wieder nervös und etwas unkoordiniert die kleinen Hände gegeneinander.

„Jaja, jetzt gibt’s was Leckeres, mein Schlängelchen“, erklärte Fred nachsichtig lächelnd und tauchte den Löffeln in den goldgelben Brei und ich dachte, mich verhört zu haben.

„Fed… fed… fed“, brabbelte Potters Sohn wieder und wirkte wie ausgewechselt, wenn man bedachte, wie abwehrend er sich verhalten hatte als Dobby versucht hatte, ihn zu füttern. Diesmal öffnete er freiwillig den Mund und schob sogar den Kopf vor in Richtung Löffel. Kein bisschen des Breis landete auf dem Lätzchen, nur etwas in seinen Mundwinkeln.

„Schlängelchen?“, schoss es empört aus mir heraus.

„Was dagegen?“, fragte George so täuschend sanft, dass ich rasant mit einem Kopfschütteln verneinte.

„Das ist lecker, nicht wahr“, gurrte Fred zufrieden und schob Löffel um Löffel in den gierigen Kinderschlund, während George sich nun seufzend auch am Esstisch nieder ließ und in diesem Augenblick Dobby die Küche wieder betrat.

„Master Fred verdirbt Master Potters Geschmack. Dobby kann ihn gar nicht mehr füttern, aber Master Potter muss doch auch etwas Gesundes essen“, lamentierte der Elf sofort vorwurfsvoll los und sprach dabei wohlweislich eher zu sich als zu jemand anderem.

„Jaja, Dobby, jetzt hab dich nicht so“, winkte Fred lässig ab und beachtete den Elf nicht wirklich, wobei das Verhalten von dem Elf mehr als anmaßend war.

„So geht das schon seit Wochen… seit… naja…“, begann George ungewöhnlich betroffen, da er auf Daphnes Tod anspielte und seufzte. „Aber das ist unser Problem, also, was haben wir zu erwarten?“, blickte er mich abwartend an und auch ich nahm schließlich Platz.

„Dobby, bring mir einen Drink“, befahl ich schroff, denn nachdem was ich heute erlebt hatte und was ich hier gerade ertragen musste, brauchte ich den dringend. „Einen doppelten!“, rief ich ihm noch hinterher, woraufhin Georges Augenbrauen fragend in die Höhe schossen.

„So schlimm? Du siehst müde aus, Draco!“, erklärte er nun ernst und offen zu mir hin, wie es wenige mir gegenüber wagten, während er mein Gesicht genau betrachtete.

Ich ignorierte seinen Kommentar und begann zu berichten, was in Hogwarts passiert war und was ab morgen anstand. Als ich zu dem Punkt kam, dass alle Muggelgeborenen sich zu registrieren hatten, sogen sie simultan zischend die Luft ein und kommentierten es mit einem besorgten „So schnell…“ Tja, sagte niemand, dass Vater und die anderen langsam agierten.

Offenbar hatten sie Ähnliches erwartet, nur nicht, dass das Ministerium so ein Tempo vorlegen würde.

„Wir haben für die VenTes einige neue Produkte entwickelt, es wird rauer dort draußen und die beinahe Zusammenstöße mit den DeathEatern zahlreicher. Solange niemand in Gefahr ist und sie nur herumrennen, krakeelen und nach den VenTes suchen, halten sie sich bedeckt“, erklärte Fred nun, während er dem Potter die letzten Löffel des Breis fütterte.

„Unsere Erfindungen bewähren sich gut im täglichen Einsatz“, verkündete George nicht ohne Stolz in der Stimme.

„Ja, Marcus hat es auch schon erwähnt, gute Arbeit“, lobte ich sie aufrichtig dankbar, dass sie eine so große Hilfe waren. Mir war durchaus bewusst, dass die beiden eine sehr wertvolle Arbeit für uns leisteten.

„Stets zu Diensten“, grinsten und feixten die beiden Kindsköpfe und fügten dann noch geheimnistuerisch hinzu: „Und wir haben noch mehr in petto, aber das ist noch streng geheim!“

„Ich bin gespannt. Aber passt auf, Red Devils, noch droht keine Gefahr für euren Laden, aber wenn es richtig los geht, wird es euch auch nicht mehr schützen, dass das Gebäude mir gehört!“, warnte ich die beiden noch weitsichtig, obwohl ich mir sicher war, dass sie darauf auch von selbst gekommen waren.

„Sicher, Draco, alles klar, Pläne stehen schon.“, „Jupp, immer wachsam.“, „Immer auf alles vorbereitet sein.“, „Nichts ist unmöglich“, wechselten sich die beiden nickend ab und ihnen stand der Schalk ins Gesicht geschrieben.

„Ihr werdet mir nicht sagen, was ihr plant?“, fragte ich langsam, aber wie erwartet schüttelten sie inbrünstig ihre identischen Köpfe. „Dann ist ja gut! Ich muss dann wieder los… und gebt dem Balg doch einfach nichts zu essen, dann wird er schon essen was Dobby ihm vorsetzt…“, verabschiedete ich mich mit einem raschen Nicken und verließ eilig das Cottage, noch bevor die Unkenrufe wegen meiner Hartherzigkeit ungehört erstarben.

Dracos Sicht Ende

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