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 Kapitel 521-522

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BeitragThema: Kapitel 521-522   Di Aug 11, 2015 6:57 pm

521. Kapitel Beichten

Dracos Sicht

Ich saß gelangweilt am Tisch in der Großen Halle, rührte mit dem Löffel in meinem mittlerweile kalten Eintopf und starrte blicklos zum Gryffindortisch und sah nichts, zumindest nichts Sehenswertes und seufzte leise.

„Du vermisst sie?“, beugte sich Blaise vertraulich nah zu mir und ich erstarrte, dabei glitt mein Blick über die Slytherins, aber keiner von ihnen wagte es, zu uns zu sehen, während Blaise seine Zeitung raschelnd verknüllte.

„Naja, dann müsste ich selbst Potter und Co. vermissen“, gab ich somit zynisch zurück und verzog missmutig meine Mundwinkel, woraufhin mir Blaise ein gewagtes Zwinkern schenkte. „Aber das ist es nicht. Hier ist nichts los, ohne sie. Ohne sie fehlt mir… so viel…“, gestand ich mir diese Tatsache dann widerwillig ein und versuchte, den Stich bei dieser Erkenntnis in meinem Innern zu übergehen.

„Verstehe!“, meinte Blaise plötzlich mit durchaus bewegter Stimme, weswegen ich ihn scharf musterte. Er errötete daraufhin doch tatsächlich und erregte mein Misstrauen.

„Ich… ich meine, ich verstehe, was du meinst“, kam es holprig von ihm und er fuchtelte mit seinen Händen rum. „Hier schau… die Stimmung ist arg gedrückt, aber auch ohne die drei läuft es, denn Neville macht seine Arbeit erstaunlich gut. Er wächst an seinen Aufgaben“, versuchte er mehr als schlecht, abzulenken.

„Warum hinterlässt ihre Abwesenheit so eine Leere?“, ging ich nicht auf seinen Themenschwenk ein, bohrte selbst weiter und stellte diese doch recht eindeutige Frage.

„Du sprichst nicht mehr vom Trio“, stellte er jetzt fest, sodass ich nur meine so helle Braue sehr hoch anhob, aber nichts erwiderte, auf dass er weiter redete:„Du stellst dir die Frage, was hat sie, was andere nicht haben?“

„Seit wann versuchst du, so hochtrabend zu sein, Blaise?“, war meine recht gemeine Erwiderung und er hatte den Schneid, nicht zusammenzuzucken.

„Puhhh… Weiß nicht, vielleicht werde ich im Alter halt noch weise?“, grinste er mich verwegen an und zwinkerte übermütig. „Hörst du mir zu?“, fragte mein Stellvertreter vorsichtig und ich nickte langsam und schob jetzt den Pamps des erkalteten Eintopfs von mir. „Ich habe mich auch schon oft gefragt, was Hermione so besonders macht. Was hat sie, was andere nicht haben? Was tut sie, was andere nicht tun?“, umschrieb er seine Überlegungen und ich spitzte die Ohren. Es war selten, dass wir so offen sprachen, aber es war schön, zu sehen, dass ich nicht der Einzige war, der sich solche Gedanken zu ihrer Person machte.

„Und schlauer geworden?“, murmelte ich daher unglücklich, weil ich auf viele dieser Fragen keine befriedigenden Antworten fand.

„Naja, sagen wir mal so, einen neidischen Stich verspüre selbst ich, wenn ich mich der Wahrheit stelle, aber ja, ich habe Antworten gefunden und sie gefallen mir nicht wirklich“, gab er preis und dabei wanderte sein Blick unstet hin und her. Es war ihm eindeutig unangenehm, darüber zu sprechen.

„Die da wären?“, wollte ich sofort erfahren und versuchte, nicht zu interessiert zu erscheinen, was ihm ein leicht überhebliches Lächeln auf die Lippen zauberte.

„Ich denke, man muss sagen, sie hat Genie!“, erklärte er überzeugt und schaffte es, dass meine Maske ein wenig verrutschte und ich bei dieser Aussage blinzelte. „Schau nicht so, das hat sie. Sie hat Genie, das beeindruckt, das Spuren hinterlässt“, lachte er leise über mich und meine ungläubige Reaktion. „Wie auch immer, es offenbart einem, wie klein man doch selbst ist und das verstärkt das Gefühl, wenn sie weg ist, noch mehr, denn so wird es ganz offensichtlich, dass niemand mit ihr mithalten kann“, schob er sein Getränk über den Tisch hin und her.

„Genie?“, stieß ich fassungslos aus. „Dass sie schlau ist wissen wir doch alle und du hörst dich verdächtig…“ Er unterbrach mich schneidend und ich war so überrumpelt von seiner Reaktion, dass ich mir tatsächlich über den Mund fahren ließ.

„Wissen wir das?“, wollte er mich nicht ausreden und meine Vermutung über seine Gefühle in Worte fassen lassen. „Schlau sein und Genie haben ist ein großer Unterschied, Draco und eines ist auch grausame Tatsache…“, wies er mich autoritär wie selten zurecht und seine Selbstsicherheit raubte mir hier wieder kurz den Atem. Nichts schien ihn gerade aufhalten zu können, da Blaise jetzt erst richtig schön in Fahrt geriet, indem er regelrecht anklagend auf sich und mich deutete. „Du und ich, wir werden das nie haben, keiner von uns!“, vollendete er seine Feststellung mit einer endgültigen Geste.

„Uff“, entwich mir ein Seufzer, denn seine Worte regten durchaus etwas in mir an.

„Aber trotz all dieser Gaben, die gewöhnlich diese Menschen isolieren und einsam machen, hat sie es darüber hinaus geschafft, wirkliche, echte, loyale und aufrichtige Freunde zu finden! Sogar eine Familie, die sie sich selbst gesucht hat, das schafft nicht jeder, dazu ist sie gesegnet mit einem messerscharfen Verstand, der durchaus auch Angst, Neid und Eifersucht verbreiten kann unter Freunden!“, erklärte Blaise redlich, dabei huschte sein unruhiger Blick ebenfalls zu dem Platz, an dem gewöhnlich das Trio saß, während es mir für heute eindeutig zu oft die Sprache verschlug.

Mein Freund schien sich ernsthafte und tief schürfende Gedanken über Hermione gemacht zu haben und auch wenn ich es nicht gerne zugab, er hatte recht mit allem was er behauptete, denn auch ich besaß wirklich kein Genie. Zu meinem Leidwesen war dies eine weniger schöne Erkenntnis, die aufrichtige Wehmut in mir auslöste. Lucius hätte es geliebt, so ein Kind sein Eigen nennen zu können. Nicht dass er es bedauerte, dass ich ich war, so meinte ich das jetzt nicht, aber wie stolz wäre er gewesen, wenn ich mich einem Genie gleich aus der Masse meiner Mitschüler hervorgetan hätte.

„Das Schicksal kleckert entweder, oder es klotzt so richtig und bei ihr hat es nicht gegeizt“, murmelte Blaise bewegt. Aufgrund dieser ehrlichen Worte spürte ich einen wehmütigen und vor allem neidischen Stich in meinen Eingeweiden, den ich gar nicht ihr gegenüber verspüren wollte und doch tat ich es.

„Denkst du, sie weiß, was für ein Glück sie hat?“, wisperte ich tonlos, nachdem ich endlich meine Stimme wiedergefunden hatte, woraufhin Blaise zu mir herumfuhr. Augenscheinlich hatte er nicht mit meinem Zuspruch, sondern mit einer ablehnenden Haltung gerechnet und so sprach ich weiter: „Denkst du, sie sieht es ähnlich, oder sie weiß es? Denkst du, sie weiß es angemessen zu schätzen?“

„Ahahh… Nein, da hast du recht und nein, ich glaube nicht, dass sie es weiß“, grummelte er und schlug mit einem ärgerlichen Zucken um den Mund die Zeitung wieder auf. „Das glaube ich wirklich nicht. Für sie ist es normal“, klang er verschnupft und wieder wanderte eine Braue von mir in die Höhe.

„Blaise, du hörst dich echt vernarrt an und lass mich dir sagen, du hörst dich an, als wärst du verknallt. Lass das bloß Astoria nicht hören“, gab nun ich provozierend Kontra und behielt meinen Freund genau im misstrauischen Auge, während er die Zeitung ganz langsam wieder senkte.

„Bitte?“, hauchte er jetzt pikiert über meinen Vorwurf, als er tief Luft holte um fortzufahren: „Sie kann durchaus ein Vorbild sein, ja okay, sie hat auf mich Eindruck gemacht, das gesteh ich mir und dir gerne ein“, meinte er jetzt huldvoll und neigte kurz sein Haupt, aber er wollte mir nicht recht geben und das führte dazu, dass ich meine Lippen fester zusammenpresste.

„Ja, sie versteht es, Spuren zu hinterlassen“, gab ich gerne mit einem bitteren Beigeschmack in meinem Mund zu und versuchte, diesen mit einem großen Schluck schalen Kaffees hinunterzuspülen, während ich über das H in meinem Nacken strich, das sie mir eingebrannt hatte.

„Ohhh ja und was für welche“, murmelte er vor sich hin und hantierte weiter mit der Zeitung herum.

„Blaise“, warnte ich leise und er zuckte unschuldig mit den Schultern.

„Der Lord hat auch Genie, selbst Dumbledore hatte es und Gellert hat es auch…“, kam es von Blaise resigniert, dabei überging er meinen Tadel souverän und ich musste ihm zu meinem Kummer recht geben, alle drei waren unglaublich begabte magische Zauberer.

„Snape auch“, wandte er nun schonungslos ein und sofort biss ich meine Zähne aufeinander, bis mein Kiefer schmerzte, es war doch freundlich von ihm, darauf hinzuweisen, dass alle bis auf uns besonders waren.

„Auf einigen magischen Gebieten wie Tränke oder eigenes Erfinden von Zaubern, ja, dann vielleicht, da macht ihm keiner etwas vor, aber er ist kein wirkliches Genie“, stimmte ich zu Anfang sehr widerwillig und missmutig zu, nur um dann Einwände vorzubringen, die Severus umgehend den Genius absprachen, da es mir auf den Zeiger ging, dass alle angeblich so viel besser waren als ich. Doch dies ließ Blaise tief seufzen, jedoch hielt mich dies in meiner Analyse nicht auf. „Vater selbst könnte man wahrscheinlich ein Genie auf dem Gebiet der Folter nennen und eventuell noch was geschäftliche Dinge angeht, sein Erfolg in allem was er anfängt ist ekelhaft, aber auch er ist kein Genie!“, ätzte ich weiter. „Vater und Snape ganz bestimmt nicht, nein“, erklärte ich vehement und ballte die Hände zu Fäusten.

Plötzlich erreichte ein sehr leises, sehr spöttisches Kichern mein feines Gehör und ich verengte meine Augen zu Schlitzen und sah wütend zu Blaise, der sein Lachen hinter einer erhobenen Hand versteckte.

„Ganz ruhig, Draco, das war gerade echt lustig, aber bitte, tröste dich damit, dass Harry auch nur Glück und Pech hat… aber bestimmt kein Genie!“, versuchte er mir wirklich einen tröstenden Strohhalm hinzuhalten, der mich abfällig schnauben ließ, als ob Potter ein Maß aller Dinge wäre.

„Aha, sehr witzig, Blaise, das tröstet mich ungemein…“, gab ich auch sofort verächtlichen Konter und schüttete mir etwas zu trinken nach.

„Wenn nicht das…“, brach er abrupt ab und kurz war ich irritiert darüber, was ihn fesselte, aber ich war zu sehr mit meinen Gedanken beschäftigt, als dass ich hier nachgeforscht hätte, bis er wieder anfing, etwas zu sagen: „Oh lala, ich würde sagen, dann hat sich das mit deiner Leere gerade erledigt“, wandte sich mir sein Kopf zu und ich konnte sehen, wie seine Augenbrauen aufreizend wackelten.

„Was?“, ruckte meine Aufmerksamkeit zu Blaise, der gerade richtig auffällig zum Eingang zeigte.

„Schau mal, wer da zur Tür hereinschleicht“, konkretisierte er und ich konnte es nicht glauben.

„Wasssss?“, reckte ich den Hals und stockte, denn da kam tatsächlich Hermione herein gehuscht und versuchte, nicht zu auffällig zu sein, nachdem sie zu spät zum Abendessen erschien. „Was tut sie hier? Das ist sie doch? Oder…? Sie bewegt sich ganz anders.“

„Es ist ein Glück, dass wir sie nicht zu den Essen ersetzen… sonst wären nun zwei Hermiones da!“, erinnerte er mich an eine Aussprache, die mir mit ihr noch bevorstand und ich konnte mir denken, dass sie alles andere als begeistert wäre, diese Neuigkeit zu erfahren, weshalb ich nur einen undefinierbaren Laut von mir gab.

Sie wirkte sehr blass, um nicht zu sagen durchscheinend, während sie die Augenringe unter ihren Augen nicht verhehlen konnte. Ihr Haar stand auch buschig wie schon lange nicht mehr ab, obwohl sie es zu einem schlampigen, tiefhängenden Pferdeschwanz gebunden hatte. Außerdem fand ich, dass ihre Uniform um ihre an sich schon schlanke Figur schlackerte. Sie aß eindeutig zu wenig, das war nicht die Hermione, die wir noch mit den alten Haaren aus ihrer Bürste jeden Tag doubelten.

„Tja, Glück muss der Zauberer haben, aber glücklich schaut sie nicht aus“, meinte er weiter lässig und ich konnte Blaises Einschätzung nur zustimmen. Sie sah wirklich mitgenommen, erschöpft und sehr müde aus, weshalb ich ausschloss, dass es sich um eine unserer Kopien handelte.

Natürlich entging mir nicht, dass sie aufgrund des steten Stroms an kommenden und gehenden Schülern unterging und nicht wirklich auffiel, was gut war, aber das war auch ein Grund, weshalb wir hier auf diese Scharade verzichteten. Severus und noch so einige andere Lehrer bemerkten jedoch sehr wohl ihr unerwartetes Auftauchen.

Mein Blick lag ab nun wie festgetackert auf ihrer Person und wie sie lustlos auf ihrem Teller herumstocherte, unterdessen überhäuften die Gryffindors sie regelrecht offensichtlich mit bohrenden Fragen, die sie augenscheinlich mehr als einsilbig beantwortete.

„Denkst du, sie hat Harry und Ron verlassen?“, wisperte Blaise begierig zu mir.

„Nein“, meinte ich sehr ernst, während ich sie zu keiner Sekunde aus dem Auge verlor. „Ich denke, dass das ein kurzer Gastauftritt ist. Ich weiß nur nicht, warum“, meinte ich leise und mir schwante Böses.

Dracos Sicht Ende

Severus Sicht

„Du hast es dir schon bequem gemacht?“, fragte ich knapp und recht unfreundlich, nachdem ich durch die Bürotür in meine privaten Gemächer eingetreten war und die nervige Spionage der Bilder hinter mir gelassen hatte. Sie hingegen ließ sich nicht stören, sondern hatte sich zu einer Art Kugel zusammengerollt und es sich sichtlich auf meiner Couch bequem macht, weshalb sich meine erste Frage zu erübrigen schien, was wohl auch sie so sah, da sie nicht antwortete. Also wedelte ich abwertend mit meiner Hand über ihre zur Kugel gerollte Person. „Was machst du überhaupt hier?“, schoss ich also sofort im giftigen Ton hinterher.

„Dir sagen, dass wir im Ministerium eingebrochen sind. Morgen wird es im Propheten stehen“, murmelte sie müde und vergrub ihren Kopf tiefer ins Kissen und meine dunkle Braue ruckte in die Höhe.

„Was werden sie wissen?“, kam ich eilig zu den Fakten und zog mir im Gehen meine Robe und meinen Gehrock aus, schmiss beides auf meinen Schreibtisch und eilte zum Kamin.

„Dass Harry Potter mit anderen, unerkannten Personen, dort eingedrungen ist“, murmelte sie wieder mehr undeutlich als alles andere vor sich hin, was mir eine tadelnde Stirnfalte bescherte. Entweder man redete richtig mit mir, oder gar nicht. „Und entkommen konnte!“

„Interessant“, meinte ich jetzt überlegend und schlenderte leger nur noch in Hemd, Hose und Weste gekleidet zur meiner kleinen Bar, während ich versuchte, diese Informationen in den richtigen Kontext zu bringen. „Ihr habt es also wirklich gewagt“, stellte ich widerwillig beeindruckt von der forschen und furchtlosen Art des Trios fest.

Sie hatten sich in die Höhle des Löwen gewagt und das rang selbst mir Hochachtung ab, woraufhin ich jedoch von ihr fast umgehend ein ziemlich abfälliges Schnauben erntete. Aber es stimmte, wenn sie eines seit frühester Jugend und seit dem ersten Jahr hier in Hogwarts waren, dann wagemutig, unerschrocken und verachtenswert heldenhaft. Doch ich war bereit, das nicht zu vertiefen, wandte mich also weniger verfänglichen Themen zu.

„Warum kann Potter so einwandfrei identifiziert werden und du nicht?“, stellte ich meine nächste, sehr wichtige Frage, dabei bemerkte man an meiner Tonlage, dass ich mehr Aufmerksamkeit wünschte. In dieser Zeit hantierte ich an meiner Bar, goss die golden glänzende Flüssigkeit in meinen und ihren Schwenker.

„Ron war kurzzeitig leicht überfordert und hat ihn Harry genannt, wäre möglich, dass das jemand gehört hat“, ließ sie sich nun zu einer verständigeren Kommunikation herab und wuchtete sich schwerfällig auf den Rücken, wenngleich ihre Augen geschlossen blieben.

„Das war so klar“, meinte ich verächtlich und schüttelte über Weasleys Nachlässigkeit den Kopf. Der junge Mann war und blieb eine wandelnde Katastrophe, zumindest wenn man meine unwichtige Wenigkeit fragte.

„Du bist hier und Weasleys Krankheit wurde offiziell bestätigt“, resümierte ich und stülpte den Korken auf die Flasche. „Tja… dann ist doch alles ganz prächtig und ihr seid aus dem Schneider“, meinte ich salopp, dabei behielt ich sie genau im Visier. Sie wirkte viel zu mitgenommen und angestrengt, als dass alles gut sein konnte, nur den Grund konnte ich nicht erkennen, während ich die beiden Gläser anhob.

„Jaaaaa, alles ganz super“, meinte sie reichlich übertrieben theatralisch und dann riss sie mir auch schon regelrecht ungestüm das Glas aus der Hand. Ich ließ mich beinah aus dem Gleichgewicht gebracht quasi auf ihren Füßen nieder, die sie gerade noch einzog und sie mir dann ostentativ auf den Schoß legte. Erstaunlich, wie gut sie mit geschlossenen Augen sehen konnte, ging mein Zynismus mit mir durch.

„Was hast du ausgefressen? Das schlechte Gewissen springt mich regelrecht an“, wollte ich betont jovial erfahren, während ich genüsslich an meinem Getränk nippte und sie den Drink in sich schüttete und eine Grimasse aufgrund der Schärfe zog.

„Wir haben es geschafft. Wir kamen ins Ministerium, in die Mysteriumsabteilung… wir…“, begann sie, bis ich in meiner Bewegung stockte und mein Glas senkte. Was zur Hölle hatten sie da gesucht?

Ich dachte, sie wollten das Schwert, Gryffindors Schwer um genau zu sein, das ihnen Albus vermacht hatte, aus dem Ministerium holen, da ich es bisher noch nicht von der Untersuchungsabteilung auf Flüche wiedererhalten hatte. Aber die Mysteriumsabteilung, das erschloss sich mir nicht ganz.

„Und da wolltet ihr, was?“, bohrte ich also weiter und versuchte, meine eisige Maske der Gleichgültigkeit aufrecht zu erhalten.

„Etwas suchen, was wir verloren haben“, wich sie meinem Blick aus und hielt mir forsch wieder ihr Glas hin, das ich ihr abnahm und auf dem Tisch abstellte. Sie war selbst schuld, wenn sie das edle Gesöff so in sich schüttete.

Sofort, aufgrund ihres ganzen Gebarens, weckte sie mein Misstrauen. Was hatten sie ausgefressen? So sahen schuldbewusste Leute aus, die versuchten, zu beichten. Ich fragte mich nur, was das sein könnte.

Langsam setzte sie sich ganz auf und vor mich. Augenscheinlich kratzte sie all ihren Mut zusammen. Sie leckte sich nervös über die Lippen, bevor sie den Mund öffnete, um ihn wieder zu schließen. Danach rang sie die Hände und ich legte mein schwarzes Haupt schief und besah mir das Schauspiel.

„Severus…“, entwich es ihr leise, woraufhin meine Braue in die Höhe wanderte. „Er… also, er ist wieder da“, tat sie rum als würde sie mir die Wiederauferstehung des Dark Lords verkünden, weswegen ich unversehens meine Stirn runzelte.

„Wer ist da?“, fragte ich sofort mit schnarrender Stimme nach und wieder biss sie unsicher auf ihre Unterlippe, während mich Horrorszenarien befielen, wer wieder da sein könnte und welcher sie derart aus ihrer sonstigen Ruhe und Selbstsicherheit riss.

„Er… er ist wieder da und er lebt…“, meinte sie regelrecht entschuldigend und trotz meiner sonstigen Gelassenheit begann sich alles in mir zu drehen, das erwischte mich eiskalt. Kälter als der Dark Lord und das wollte was heißen.

In meinen Eingeweiden rumorte es. Die Mysteriumsabteilung ließ einige Bilder in mir aufblitzen und diese bohrten sich in mich, während sich ein schaler Geschmack in meinem Mund ausbreitete.

„Wer?“, fragte ich insistierend, wobei ich es ahnte und als sie sich aufraffte um zu antworten, schlugen die Wellen der Wut über mir zusammen.

„Sirius… Sirius ist wieder da“, stieß sie schwer aus und ich hatte nicht erwartet, dass man das noch schaffen konnte, aber kurz riss es mir den Boden unter den Füßen weg.

Ich erstarrte, da es in mir brodelte. Meine Nemesis sollte wieder da sein? Dank ihr!

Zweifel keimten sofort in mir auf und entluden sich in mir, indem ich mich wie eine wütende Schlange auf sie schmiss und sie unter mir begrub. Jetzt sprang ich sie regelrecht an und nahm sie unter mir gefangen. Sie war so überrumpelt, dass sie sich in der ersten Sekunde außer Lage sah, zu reagieren.

Severus Sicht Ende

Lucius Sicht

„Draco, du willst zu Severus?“, fragte ich gedehnt, während mein Sohn vor der Tür zu Severus‘ privaten Räumlichkeiten im Kerker stand und mit sich zu ringen schien, ob er eintreten sollte, oder nicht.

Ich selbst strebte nach diesem ereignisreichen Tag im Ministerium zur Linken Hand des Dark Lords, um ihn von dem Einbruch des Trios ins Ministerium in Kenntnis zu setzen und mit ihm über diese grenzdebile Idiotie im Ministerium zu lachen. Es war für mich wahrlich anstrengend, solange der Lord noch immer weg war. Da ich momentan für alle der Ansprechpartner Nummer eins war, war es eine Erheiterung, Severus‘ stetig schlechte Laune erleben zu dürfen.

Auf der anderen Seite stieg eine gewisse Frustration in mir auf, da ich es nicht nachvollziehen konnte, wie der Lord dieser fixen Ideen des Elderstabes hinterher hecheln konnte. Ich hielt nichts von Legenden.

„Vater? Was tust du hier?“, vernahm ich die ehrliche Überraschung von Draco.

„Mich interessiert viel mehr, was dich hertreibt?“, ließ mein Ton keine weitere Frage zu. Es war nicht so, als ob es ihn etwas anginge.

„Naja, Hermione ist auch gerade bei ihm“, gab mein Sohn widerwillig von sich und ich musste ihr zugestehen, dass sie verdammt flott war. Aber wunderte es bei dieser Frau?

Kurz schloss ich die Augen, da mich die Erinnerung an unseren Kuss einholte und wie eine heiße Flamme aufloderte. Heute war also der Tag, an dem wir uns wiedersehen würden, nachdem wir derart rüde von diesem Kretin unterbrochen worden waren und ich kurzerhand verschwunden war.

„Dann komme ich gerade recht“, murmelte ich vor mich hin, denn natürlich interessierte es mich brennend, die Gegenseite zu hören, nachdem das Ministerium nun Kopf stand und sie es in ihrer Dreistigkeit tatsächlich geschafft hatten, einzubrechen und abzuhauen. Wobei es mich nicht wunderte, sie hatten meine Verlobte an ihrer Seite gehabt.

So bedeutete ich meinem Sohn mit einer autoritären und sehr herrischen Geste, zur Seite zu treten, um mir Platz zu machen. Diesem Befehl gab er sichtlich verdrießlich nach, woraufhin ich die Tür öffnete und durch den Raum eilte, zu seiner Bücherwand, um den Riegel umzulegen, damit ich in sein Heiligtum vordringen konnte, dicht gefolgt von Draco.

„Was für eine traute Zweisamkeit… störe ich“, stockte ich, denn mein Blick lag auf dem Paar vor mir, das sich auf dem Sofa herumtrieb.

Nur sah es nicht aus, als würden sie Spaß zusammen haben, sondern einen Kampf austragen. Doch war dies bei dem Pärchen etwas Neues? Hermione lag unter Severus, vollständig begraben, auf der Couch, strampelte gegen ihn an, während er über ihr aufragte und mit ihr rang. Dabei war aufgrund der Kleider und Körper nicht ersichtlich, was er ihr und sie ihm antat. Ich kam nicht dagegen an, aber irgendwie beruhigte es mich, dass Severus anscheinend gerade so viel Anschmiegsamkeit von ihr erhielt wie ich, nämlich gar keine.

Für meinen edlen Geschmack sah es im Moment nicht so aus, als würde das Biest Hilfe brauchen, so wie sie ihre Finger in Severus‘ kinnlanges Haar krallte und mit großer Kraft daran zog. Doch wie so oft wirkte es nicht wirklich, als gingen Severus und das Biest zärtlich miteinander um.

„Sev… nein, nicht… hör auffffff“, stöhnte sie unter ihm, als ich auszumachen dachte, wie er sie würgte.

Daraufhin wurde ich dann doch hellhörig. Trotz unseres Eintreffens rührte sich Severus nicht und das war sonderbar, sodass der Kampf von ihnen beiden ungestört weiterging. Ich fühlte mich leicht in der Wichtigkeit meiner Person degradiert und konnte somit nur eine so helle Braue anheben, während Severus gerade von ihr eine gescheuert bekam, dass es sich gewaschen hatte. Daraufhin konnte man ihn dunkel, knurren hören. „Verdammt, hör auf“, regte sie sich wieder, aber er packte ihre Handgelenke und quetschte sie sichtlich fest zusammen.

„Severus, geh runter von ihr“, stob mein Sohn an mir vorbei und kam mir zuvor, mich in diese Auseinandersetzung einzumischen.

Für Severus war ein dermaßen würdeloses Gebaren absolut untypisch, während Hermione unter Severus‘ Gestalt wie wild hin und her zappelte und als nun auch noch Draco versuchte, Severus von ihr runterzuziehen, packte Severus nur noch fester zu und riss sie nun grob an ihrem Haar zu sich hoch.

„Ahhhh“, kreischte sie auf und ich überlegte ernsthaft, meine Stimme zu erheben, während mein Gehstock rhythmisch auf den Boden trommelte.

„Zur Hölle, was soll das?“, brüllte mein Sohn aufgebracht und gab nicht auf, Severus von dem Biest lösen zu wollen, das soeben ausholte.

Autsch, sie verpasste Severus einen Kinnhaken, allererster Güte, der es schaffte, dass sein Kopf nach hinten geschleudert wurde. Sein Blut spritzte umgehend auf sie nieder, da seine Lippe aufplatzte.

„Wehe, wehe, Hermione, wenn ich rausfinde, dass mit dem Köter da etwas läuft“, knurrte Severus so dunkel und tief, dass ich seine Stimme zuerst gar nicht erkannte und ich fragte mich, von was Severus sprach und dabei schien es nicht nur mir so zu gehen.

„Köter“, zuckte mein Sohn zurück, als hätte er sich verbrannt.

Tja, selbst ich verharrte mit geradem Rücken und runzelte meine hohe, so vornehme Stirn. Es gab nur eine Person im ganzen Universum, die Severus so betitelte und diese fristete seit langer Zeit ein totes Dasein, sprich, er betrachtete die Radieschen von unten. Schlussendlich war ich bei seinem Tod anwesend gewesen und hatte erlebt, wie Sirius Black gestorben war und sein absolut vergeudetes Leben ausgehaucht hatte.

„Contenance“, sah ich mich nun bemüßigt, wenig manierlich zu brüllen, da diese Situation in die Lächerlichkeit abzudriften drohte, so wie diese beiden sich verkeilten und als hätte mein donnernder Schrei etwas bewirkt, hielt Severus plötzlich still und man vernahm nur noch den angestrengten, rasselnden Atem der beiden im Zimmer.

Ganz abrupt stieß er sich von ihr ab und ihre Hände glitten eilig zu ihrem Hals. Bei der Bestandsaufnahme machte ich aus, dass Severus eine aufgeplatzte Lippe und ein zerkratztes Gesicht sein Eigen nennen konnte, während sie eindeutige Druckspuren an ihrem Hals als auch eine sich blau verfärbende Wange aufwies. Ja, zärtlich war es nicht zugegangen, aber doch anders als sonst und das verwirrte und ärgerte mich. Niemand sollte sich so gehen lassen. Als sie sich in eine sitzende Position zog, starrte sie fasziniert auf die kaputten Gläser zu ihren Füßen.

„Sollte das eine ausgefeilte Art des Liebesspiels sein?“, ging mein despektierlicher Hohn mit mir durch.

Daraufhin erntete ich einen tödlichen Blick von meinem Miesepeter, der sich mittlerweile von dem Schauplatz abgewandt hatte und sich routiniert vor einem Spiegel heilte. Währenddessen zog sie nun ebenfalls ihren Stab und reparierte die Gläser, als wäre es ihr ein Bedürfnis, Ordnung zu schaffen, dabei standen ihre lockigen Haare wirr ab und ihre Uniform war gänzlich zerknittert, trotzdem legte sie großen Wert darauf, immer wieder ihren Rock zu glätten.

Als Draco sie jedoch an ihrer Schulter berühren wollte, zuckte sie rasant weg. Ihr schien die Berührung gerade nicht gut zu tun.

Doch sie fing sich rasch und hielt dann fast sofort mit ihrer anderen Hand auffordernd das Glas hin, in das er doch nachschenken sollte und ihren Wunsch nach einem Drink konnte ich sogar verstehen.

„Erfahre ich nun, was dieses ungebührliche Gebaren soll?“, fragte ich in die Stille hinein und erntete nichts, was fast noch schlimmer war. Aber bevor ich aus der Haut fahren konnte, raffte er sich doch auf und fuhr nun frisch und sauber zu mir herum.

„Nur hereinspaziert, Lucius, mein Reich ist dein Heim. Wer braucht Privatsphäre?“, ätzte Severus wieder sauber und hergerichtet schnarrend zu mir und sein Sarkasmus klang bei jedem seiner Worte durch.

„Spar dir bitte deinen Zynismus mir gegenüber“, lächelte ich ihn überheblich an, denn ich erinnerte mich, wie er mich zurückgehalten hatte, als ich dem Biest den Hintern versohlt hatte. Oder aber auch daran, wie er sich bei ihrer Bestrafung in den Kerkern nur als Zuschauer präsentiert hatte, also war ich schon gespannt, was ihn handgreiflich gegen sie hatte werden lassen. Gerade Severus, der sonst eine eiserne Kontrolle sein Eigen nennen konnte, aber andererseits war er ihr gegenüber auch schon mal zu weit gegangen und hatte die Kontrolle verloren.

„Sonst?“, fragte er provokant, mit sichtbar mieser, auf Krawall gebürsteter Laune, die mich nachdenklich stimmte und so wedelte ich autoritär mit meiner Hand durch die Luft.

„Sonst komme ich mit meiner Ironie und ob du die verträgst, ist eine ganz andere Frage“, servierte ich arrogant und ihm war bewusst, ich drohte nie ohne Grund.

Trotz allem versuchte er, seine Haltung zu wahren. Unterdessen begann er, sein Glas aufzufüllen und bot auch mir eines an. Das war wie ein Waffenstillstand, den er mit mir eingehen wollte. Vielleicht kam jetzt der Zeitpunkt, an dem ihm sein Gefühlsausbruch peinlich war und vor allem unangenehm, dass ihn ich aber auch noch Draco gesehen hatten, während Hermione ihn über sich hatte ergehen lassen müssen.

Eigentlich müsste ich Severus zeigen, dass man so nicht mit einer Frau umging und schon gar nicht mit meiner Verlobten, aber bei meiner Vergangenheit mit ihr würden solche Worte von mir wie Hohn klingen, also hielt ich mich wohlweislich zurück.

In dieser Zeit reichte Draco Hermione fürsorglich ihren Drink und ließ sich sachte neben ihr auf der Couch nieder, so sachte, als hätte er Angst, sie zu berühren, dabei wirkte sie gar nicht anwesend, sondern irgendwie anders als sonst, so völlig ruhig, still und abwesend. Als er nun langsam seinen Zauberstab hob um ihre Blessuren zu heilen, ließ sie dies dann auch noch stoisch über sich ergehen. Dabei hielt sie stur ihren Blick auf den Kamin gerichtet und beliebte, uns alle auszublenden.

„Sag mir, Lucius, was führt dich zu mir?“, blickte Severus ostentativ nicht zu den Personen auf der Couch, sondern sah zu mir, woraufhin ich distinguiert mein Haupt schieflegte und ihn maß.

„Pius und Konsorten, ich hatte das Pech, beim Minister festzusitzen, als der Einbruch bemerkt worden ist und ich nehme an, dass unser Biest auch deshalb bei uns ist, um uns genauer über die Umstände zu informieren?“, umschrieb ich blumig unser aller Zusammentreffen und stieß meinen Gehstock wieder auf den Boden.

„Du gehst recht in der Annahme“, erklärte Severus sehr steif und ich bemerkte, wie sein so finsterer Blick mit einer selten gezeigten, lodernden Wut auf ihr zum Liegen kam, während er jetzt doch auf das Pärchen starrte.

„Dann wünsche ichhhh…“, wollte ich gerade beginnen, als ich stockte und in Deckung ging, indem ich mich reaktionsschnell und wenig würdevoll bückte, weil ein Glas an mir vorbeischoss und Severus unvorbereitet am Kopf streifte und laut klirrend am Bücherregal zersprang.

Severus taumelte kurz überrumpelt und überrascht von dem Angriff aus dem Hintergrund. Gerade griff er sich wie benebelt an seine Haare und strich sie sich zurück. Er hatte Glück, dass das Glas ihn nur gestreift und nicht voll getroffen hatte, sonst hätte er wie ein Schwein geblutet. Das hatten gerade Kopfwunden so gerne an sich. Sie verursachten immer eine enorme Sauerei.

„Du bist so ein kindisches Arschloch, Severus!“, brauste das bisher so stille Biest rachsüchtig auf und erst jetzt kam Leben in sie, da sie zornbebend von der Couch aufstand.

Es war, als hätte sie erst die Heilung durch meinen Sohn aus ihrer Trance gerissen, während Severus noch immer abgelenkt wirkte und nicht zu ihr sah.

„Da komme ich her und will es erzählen und was machst du?“, warf sie ihm seine Attacke vor. „Was fällt dir überhaupt ein, mich so anzugehen?“, fauchte sie jetzt und wirkte durchaus beeindruckend in ihrem Zorn.

Als auch wir in den Fokus ihrer Rage gerieten, zuckte ihr feuriger Blick auch zu uns, während Draco neben ihr sichtlich überfordert hochsah, fuchtelte sie selbst mit erhobenem Finger in der Luft rum.

„Und da willst du Offenheit?“, wisperte sie so leise, dass man sie kaum verstehen konnte. „Wenn du wie ein Kleinkind reagierst, weiß du was?“, erklärte sie, dabei war es eindringlicher als wenn sie jedes Wort laut geschrien hätte. „Leck mich“, unterstrich sie ihre grobe Aussage mit einer eindeutigen Handgeste und sie stob an uns vorbei, schoss durchs Schlafzimmer ins Badezimmer und schlug die Tür eindrucksvoll hinter sich zu.

„Der Abgang war fabulös und sie scheint sich heimisch zu fühlen“, fand ich als erster wieder Worte, als ich Severus direkt ansah. „Ich hoffe, dass du weißt, dass du dich nicht mit Ruhm bekleckert hast.“

„Lucius, spar es dir und steck deine so neugierige Nase in deine Angelegenheiten“, fauchte er mich ungehalten an, während ich seelenruhig eine Braue hochzog und ihn musterte.

„Ohh mich dünkt, dass eure Angelegenheiten hier auch die meinen werden könnten? Oder irre ich hier gerade sehr?“, fasste ich umständlich mit großer Distinguiertheit zusammen.

„Vater, musst du so reden?“, schaltete sich mein genervt klingender Sohn ein, der sein Haar in Unordnung brachte, da er sich ziemlich ungebührlich mit den Fingern hindurch fuhr.

„Was passt dir daran nicht?“, wollte ich überheblich erfahren und warf mein Haar zurück.

„Mir passt nicht, dass Severus Hermione angreift! Sie verletzt… das geht zu weit. So weit waren wir schon mal und dann wurde alles richtig scheiße“, riss er mit seiner Anklage durchaus alte Wunden auf. Ich selbst wusste nach einer langen Erkenntnisphase, dass ich zu Beginn von Hermiones Aufnahme in unserer Familie vieles falsch gemacht hatte, aber um dies zu wissen, dafür brauchte ich nicht meinen überklugen Sohn.

„Ausdruck“, war alles, was ich auf seine unflätige Aussage hin äußerte und Draco schloss verärgert im lautlosen Protest seinen Mund.

„Oh, sobald du den Grund weißt, bin ich mir nicht so ganz sicher, was du tun wirst“, überging mich Severus und wandte sich völlig Draco zu.

„Ahh, da haben wir es, den Grund“, schaltete ich mich wieder ein. „Ja, der würde mich gar sehr interessieren, aber vielleicht solltest du vorher einen Kopfwehtrank nehmen. Das Glas, dass dich getroffen hat, war massiv“, verkündete ich mit einer gewissen Selbstzufriedenheit, weil ihm der Schädel brummte, denn das war eine durchaus gerechte Strafe. Aber ich wollte, dass er aufnahmefähig war und deshalb sollte er nicht den starken Mann markieren.

Doch ich versuchte, das unbestimmte Gefühl in mir zu ignorieren, dass Severus wohl leider recht und er unschöne Nachrichten zu verkünden hatte, denn wenn er derart ungestüm reagierte, wollte ich mir gar nicht ausmalen, zu was ich meiner Verlobten gegenüber fähig wäre. Also versuchte ich, diese Regung zu überspielen, indem ich meinen Gehstock zwischen meinen Finger rollte, während Severus, man höre und staune, meinem Vorschlag nachkam und sich tatsächlich dazu herabließ, einen seiner gepanschten Tränke zu sich zu nehmen.

In dieser Zeit sahen wir drei uns nicht an, sondern versuchten jeder für sich, unseren Gedanken nachzuhängen, bis sich plötzlich dir Badezimmertür öffnete und sie durch die Räume bis zum Schlafzimmer rauschte. Sie hatte sich Wasser ins Gesicht gespritzt und ihre Haare zu einem unordentlichen Zopf hochgezurrt. Sofort fiel mir auf, dass sie erschöpft und müde aussah und doch ließ ihre Haltung keine Zweifel, dass sie sauer und überhaupt nicht eingeschüchtert war. Unserer aller Augen lagen auf ihr, nur auf ihr, während ich hoffte, endlich zu erfahren, was so hoch dramatisches passiert war, dass das hier alles rechtfertigte und es den für gewöhnlich so gefühlsarmen Severus aus der Haut fahren ließ.

„Hermione?“, durchbrach Draco die Stille und ihr harter Ausdruck landete auf Dracos Gestalt. „Was ist passiert?“

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BeitragThema: 522. Hogwarts Back   Di Aug 25, 2015 7:39 pm

522. Kapitel Hogwarts Back

„Wir waren im Ministerium“, kam es auf einmal rau von ihr und sie legte eine Hand an ihren Hals, als würde er noch schmerzen.

Während sie langsam begann, im Zimmer auf und ab zu laufen, ging ihr Severus wohlweislich aus dem Weg, indem er Stellung neben dem Kaminsims bezog und sich nicht rührte. Da lag eindeutig einiges im Argen und ich war gewillt, es zu ergründen, aber noch schwiegen wir alle und warteten ab, wann sie beginnen würde.

„Wir… wir waren in der Mysteriumsabteilung…“, gestand sie aufgewühlt.

Ein Zustand, in dem man sie sehr selten erlebte und ich gab es ungerne zu, aber diese Information war neu. Denn im Ministerium herrschte die Meinung, sie wären in das Büro des ersten Untersekretärs eingedrungen um das Auge zu stehlen, Unordnung anzurichten, aber das vordringliche Ziel war es gewesen, die Registratur zu terminieren und so viele Muggelstämmige wie möglich zu retten. Ein wenig hirnreiches Unternehmen, wie ich gedacht hatte, da diese Menschen es nicht verdienten, gerettet zu werden, unter Anbetracht, dass sie so dämlich waren und der Aufforderung des Ministeriums folgten und tatsächlich kamen.

Aber das waren nur vorgeschobene Gründe gewesen, die ihre waren Ziele vertuschten. Severus hatte mir von dem Schwert berichtet, das noch nicht zu ihm nach Hogwarts zurückgebracht worden war, also hatte ich angenommen, dass dies ihr Ziel gewesen war, aber das konnte nicht sein, da es nicht der Mysteriumsabteilung verwahrt wurde.

„Was wolltet ihr da genau…?“, hauchte Draco sichtbar erstaunt. „Das es wert ist, euch derart in Gefahr zu begeben?“, fasste mein Sohn zielsicher zusammen und ich unterdrückte das zustimmende Neigen meines Hauptes, denn das interessierte mich gerade auch ungemein.

„Sirius“, kam es erstaunlich knapp von ihr und ich ließ insoweit tief blicken, dass sich meine Augen im Unverständnis weiteten. Warum? Das war der beherrschende Gedanken in mir, diese Nervensäge ist tot!

„Der Hund?“, fragte Draco herrlich fassungslos, der augenscheinlich glücklich war, dass er noch saß. „Er ist tot und deshalb marschiert ihr in die Höhle des Löwen?“, brauste er von einer Sekunde zur Nächsten hin wütend auf.

„Oder hier eher in das Nest der Schlangen?“, warf Severus bösartig ein, während ich mich bisher noch raushielt und zu verdauen versuchte, dass sie sich für einen Toten derart in Gefahr brachten. Weswegen?

„Warum?“, fragte mein Sohn weiter nach und sie wandte uns den Rücken zu, starrte auf die Bücherwand.

„Harry“, erklärte sie kraftlos. „Es… es war ihm ein Anliegen“, rang sie sich sichtlich unwohl ab und sich uns wieder zu, sodass wir sehen konnten, wie sie sich auf die Lippe biss.

„Ach, und wenn unser Goldjunge sich etwas wünscht, bekommt er es von dir?“, ätzte Draco brav weiter gegen den Auserwählten. Dies gab mir weiterhin die Möglichkeit, mich zurückzuhalten, aber ich verstand seine Regung. Musste sie wirklich immer alles tun, was Potter unsinniges wollte?

„Es war nötig“, meinte sie verbockt und kniff ihre Lippen zu einem dünnen Strich zusammen, woraufhin Severus ein mehr als abfälliges Schnauben entkam. Aber noch hielt er sich mit verbalen Vorhaltungen zurück und schien sich insoweit gefangen zu haben, dass er nicht mehr handgreiflich wurde. Er hatte ostentativ seine Arme vor der Brust verschränkt und lehnte am Kaminsims, dicht neben seinem Drink.

„Einen Toten… was? Zu bergen? Tot ist tot!“, brauste Draco weiter, woraufhin Hermione einen Schritt ins Zimmer hineintat und sichtbare Würde, aber auch Macht in ihrer Haltung ausstrahlte.

„Tot ist bei mir nicht gleich tot, das solltest gerade du“, deutete sie anklagend auf ihn, „Ja, gerade du… solltest das nach meinem Ritual wissen“, warf sie ihm sichtlich erregt vor, woraufhin er den Anstand hatte, das Haupt ein wenig einzuziehen. „Und ja, ich würde es für jeden von euch oder auch für Harry und Ron wieder tun. Er hat mich darum gebeten und mehr brauche ich von ihm nicht.“

„Genau“, hauchte Draco betroffen. „Würdest du das wirklich?“

„Draco?“, wisperte sie empört „Natürlich würde ich das, es gibt zwar nicht viele, für die ich so eine Kamikazeaktion machen würde, aber den ein oder anderen gibt es durchaus und dazu gehört auch ihr. Wobei ich gerade dabei bin, mich zu fragen, ob ihr es wirklich wert wäret“, fauchte sie zum Schluss so böse, dass meine Mundwinkel zuckten.

Sie schien uns momentan abgrundtief zu hassen, wobei ich immer noch nicht fassen konnte, dass sie das wirklich getan hatten. Das war so wagemutig und so schrecklich Gryffindor, dass ich es Severus gleichtun und am liebsten brechen wollte. Ihre Worte sorgten gerade für eine peinliche Stille, wobei ich alles genau analysierte.

Draco, der beklommen, aber reglos auf dem Sofa verharrte, Severus, der, als wäre er nicht Severus, beschämt überall hinsah nur nicht zu ihr und ich, der sich konsterniert aus seinem Umhang befreite und durch diese Tat die Aufmerksamkeit auf sich zog, als ich das Kleidungsstück über einen Stuhl schmiss.

„Was für einen Sinn hat es, einen Toten zu bergen?“, begann ich damit, die Stille zu brechen. „Sein oder euer Seelenheil?“, versuchte ich die Sachlage mit Sachverstand anzugehen und Emotionen dahin zu verbannen, wo sie hingehörten, nämlich nicht hier her. Dabei akzeptierte ich ihre Behauptung, es für jeden von uns zu tun. In meinen Augen hatte sie oft genug bewiesen, dass sie ihren Freunden aber auch unserer Familie gegenüber loyal war.

„Beides“, fuhr sie zu mir herum, als ich zum ersten Mal etwas erwiderte und versuchte, mich mit ihrem Blick zu durchbohren. „Aber ganz gleich ob es um Sirius ging oder nicht, es war sehr gut, dass wir dort eingedrungen sind. Denn wir haben noch mehr entdeckt, zum Beispiel ein Dokument zu Harry und Daphne, das so nicht da sein darf. Es war gut, dass wir rein sind und es mitnehmen konnten.“

„Ahhh, deshalb die Verwüstung in Wilkins‘ Büro“, entgegnete ich einsichtig. „Dann war Moodys Auge nur ein Kollateralschaden?“

„Harry konnte nicht widerstehen“, gab sie verärgert zurück und versteckte nicht, dass sie von der Aktion wenig hielt.

„Typisch“, spuckte Severus aus, aber wir waren gewillt, ihn mit Nichtachtung zu strafen.

„Deine Aussage wegen dieser Akte ist aber auch ziemlich dürftig“, warf ich überheblich ein und durfte erleben, wie sie große Augen machte. „Ja, ich meine, um solch lästige Beweise könnte ich mich kümmern“, entschlüpfte es mir im Nachhinein betrachtet ungewöhnlich zuvorkommend und handelte mir glatt mehr als ungläubige Blick meiner Zuhörer ein.

„Was?“, sah ich mich bemüßigt, zu fragen. Ein Umstand, der Severus ein gehässiges Lächeln auf die dünnen Lippen zauberte und mein Sohn schüttelte pikiert den Kopf, während Hermione erstarrt schien.

„So selbstlos und bereit, den Dienstboten zu spielen?“, schüttete Severus nun auch schon seinen beißenden Spott über mir aus, dabei schien er über seinen Aussetzer langsam aber sicher mit dem ihm innewohnenden Zynismus hinwegzukommen.

„Bevor sich alle derart konfus in ein Fiasko stürzen?“, konterte ich blasiert und rollte meinen Gehstock weiterhin zwischen meinen Fingern.

„Sirius ist nicht tot“, unterbrach uns Hermione mit Nachdruck.

Ihre Worte ließen mich verstummen und sorgten dafür, dass ich glaubte, nicht recht gehört zu haben. So blickte ich ziemlich irritiert zu ihr, die hinter Severus‘ kleinem privaten Schreitisch anhielt, ob zum Schutz, um dahinter in Deckung gehen zu können, war nicht ersichtlich, aber eines war zu beobachten, wir alle erstarrten zu Eis, bis auf Severus, der nur seinen Drink auf Ex austrank, als müsse er eine bittere Erkenntnis hinunter schwemmen.

„Black lebt?“, entschlüpfte es Draco ungläubig als erstem von uns, dabei verkrampften umgehend meine Finger und mein Gehstock lag nun in meinen geballten Fäusten.

„Wie bitte?“, wollte ich sehr konsterniert erfahren und hob eine Braue zum Zeichen meines widerwilligen Unverständnisses an.

„Der Köter“, nuschelte Severus wie selten und wandte sich unwirsch ab um sich nachzuschenken.

„Wie soll das möglich sein??“, fragte ich gespielt gefasst unter meiner wohlsitzenden Maske. „Ich sah Black sterben, als ihn Bellatrix‘ Fluch traf“, forschte ich verwirrt nach, dabei bemerkte selbst ich, wie kühl und unpersönlich ich mich anhörte, während ich nun Severus‘ Ausbruch langsam, aber sicher nachvollziehen konnte.

Er hatte sich aufrichtig und ehrlich gefreut, dass Black endlich unter der Erde war und jetzt sollte er, so mir nichts dir nichts, auferstanden sein, wie der Lord. Das war ein herber Schlag, vor allem da das Biest ihre Finger im Spiel gehabt haben musste, mir ihrer außergewöhnlichen Gabe. Dass ihn das auf irgendeine Weise verletzte, glaubte ich gerne, nur hätte ich nie und nimmer angenommen, dass er noch solche Regungen haben könnte. Momentan versuchte er in meinen Augen nicht mal, diese zu verbergen, so wie er den nächsten Drink in sich schüttete. Unterdessen lag die Aufmerksamkeit der anderen nicht auf ihm, da Hermione weitersprach:

„Die Mysteriumsabteilung hat einige Geheimnisse… dieser Bogen.“

Ihr zog eine gut sichtbare Gänsehaut auf, die sofort mein Interesse erregte, denn plötzlich erinnerte ich mich wieder an diesen seltsamen Raum, in dem der Kampf stattgefunden hatte. Und ja, etwas Seltsames, nicht zu Fassendes war von ihm ausgegangen. Selbst ich hatte das Bedürfnis verspürt, das Weite zu suchen und dort nicht mehr hin zurückzukehren.

„Wie auch immer… es ist möglich, denn er ist wieder da und Harry…“, winkte sie ab, als Draco aufsprang und ihr damit über den Mund fuhr.

„Ist glückselig?“, fauchte er los, dabei lag sein eisgrauer Blick auf ihr und sie verzog ihre Miene zu einer Grimasse.

„Keine Ahnung“, fletschte sie die Zähne und ich runzelte die Stirn. Mit der Aussage konnte ich nicht viel anfangen. „Natürlich freut er sich, aber bisher ist noch nicht ersichtlich, wie… also, er…“, stockte sie immer wieder und fuhrt sich über die Schläfen, als würde sie Kopfschmerzen bekommen.

„Was ist mit ihm?“, knurrte Severus aus dem Hintergrund mit sehr tiefem Timbre und ich konnte ausmachen, dass sie es sich verbot, vor ihm und seiner miesen Laune zu kuschen, sondern noch eher arrogant das Kinn hochreckte.

Einschüchtern, nach seinem tätlichen Angriff, wollte sie sich nicht lassen und das bewunderte und mochte ich an ihr. Das fand man nicht bei vielen Personen. Hermiones Willen zu brechen grenzte an eine schier unüberwindbare Herausforderung. Das Weltbewegende war nur, dass ich das gar nicht mehr wollte. Es war viel interessanter, spannender und aufregender, zu erleben, wie sie sich gegen jeden immer wieder behauptete.

„Er schläft, er ist ohnmächtig. Noch wissen wir nicht, wie lebendig oder bei Verstand er ist“, gab sie seufzend zu.

„Echt, der Typ hatte je Verstand? Das bezweifele ich doch sehr“, schnarrte Severus ätzend und stürzte das nächste Glas hinab.

„Severus“, betonte Hermione jeden einzelnen Buchstaben seines Namens so exaltiert, dass hörbar wurde, dass ihre Geduld ihm gegenüber am reißen war.

„Was habt ihr mit ihm vor?“, fragte ich daher neugierig und versuchte, etwas abzulenken, indem ich seine Unversehrtheit einfach mal voraussetzte. Denn Severus würde sagen, dass bei seinem Glück davon auszugehen war, dass er eben keines hatte!

„Pfff… keine Ahnung, wie gesagt, er schläft. Wir wissen nicht, ob er geistig und körperlich unversehrt ist. Keine Ahnung…“, zeigte sie Nerven und zuckte hilflos wirkend mit den Schultern.

„Toll… ihr holt einfach jemanden, ohne irgend ein Wissen, aus dem Totenreich und habt keinen Schimmer, ob er gefährlich ist? Oder noch ganz normal?“, übernahm Draco das Heft und ich ließ ihn nur zu gerne, da sich ihre Augen zu wütenden Schlitzen verengten.

„Ich…“, versuchte sie sich zu rechtfertigen. Als er ihr gleich wieder über den Mund fahren wollte, hob sie eilig die Hand und sprach einfach weiter: „Keiner konnte das ahnen, noch war es unser Wille, Sirius lebend da raus zu holen. Das hinter dem Schleier ist einfach eine andere Welt, in der einiges aber nicht alles möglich ist. Wir stehen selbst noch neben uns und versuchen zu verstehen, was da passiert ist, aber es ist wie es ist und Sirius ist ab nun wieder da“, erklärte sie rundherum autoritär.

„Na, schön“, begehrte Draco auf, während Severus den nächsten Drink nahm. „Aber ich will, dass er zu mir kommt, Hermione“, forderte er so entschieden und mit entsprechender Geste zu ihr hin, dass sie einen begütigenden Schritt auf ihn zu machen wollte.

„Aber, Harry…“, wandte sie ein, bis sie ein Schnauben unterbrach.

„Nein, kein aber!“, zeigte sich heute Draco von einer durchaus sehenswerten und löblichen Seite, dir mir gefiel. „Potter bekommt nicht alles was er will. Black wird nicht bei euch bleiben, das ist mein letztes Wort“, konnte man den Protest, der ihr auf der Zunge lag, förmlich riechen. „Severus als auch Vater werden das genauso sehen“, setzte Draco somit noch eilig nach.

„Tun sie das?“, schnaubte sie verächtlich. „Geht es hier um Harry und Sirius, oder um mich?“, wollte sie provokant erfahren und verschränkte abwehrend die Arme vor der Brust.

„Kämpfst du gerade für Potter, oder für dich?“, grollte es hinter mir von Severus, der sich anscheinend nun am Sims festhalten musste, um seine schlechte Laune nicht an ihr auszulassen.

„Arrrrr“, stampfte sie sichtbar verzweifelt mit dem Fuß auf. „Severus, hör bitte auf zu spinnen. Das mit Sirius war vorbei, das weißt du!“, begehrte sie laut auf und war anscheinend kurz davor, sich die Haare zu raufen.

„Ich habe sein bescheuertes Testament noch gut im Ohr“, fauchte er zurück und stellte klirrend sein Glas auf dem Sims auf, dabei zuckte ihr besorgter Blick zu Draco, der recht weiß und verkniffen wieder auf dem Sofa saß.

„Pfff…“, stieß sie die angehaltene Luft schnippisch klingend aus und strich sich über ihr straff zurückgebundenes Haar und streifte ihre Schläfen, als hätte sie permanente Schmerzen. „Ich… ich finde das unfair von euch. Ich komme hier her, um es euch zu sagen“, brach sie den Satz ab und mein Kinn ruckte noch ein Stückchen höher, während ich mich weiterhin zurückhielt, „und was ist der Dank? Ihr führt euch auf, als hätte ich daraus ein Geheimnis gemacht. Das ist nicht fair“, wirbelte sie herum und nahm wieder ihre unstete Wanderung im Raum auf.

„Hermione“, erhob nun ich meine Stimme und ihr Augenmerk fuhr zu mir herum. „Das erkennen wir… das erkenne ich an…“, wollte und konnte ich nicht für die anderen beiden sprechen. „Aber die Frage ist der Intention geschuldet, warum kommst du freiwillig damit zu uns? Geht es dir um ihn, oder um dich? Das ist es, was uns zweifeln lässt“, versuchte ich ihr unseren Standpunkt, weshalb wir es derart wenig honorierten, zu erklären. Aber anscheinend traf ich nicht die rechten Worte, denn ihre Miene drückte Unverständnis aus.

„Hä?“, kam es reichlich unmöglich von ihr. „Nein, wie bitte? Ihr wollt mir unterstellen, dass ich hier bin und die Karten offen auf den Tisch lege, um ihn behalten zu können? Oder was?“, verbesserte sie sich selbst und sah uns an, als ob wir nicht ganz geistig gesund wären. „Ihr seid doch krank“, bescheinigte sie uns auch sofort, während wir abwarteten, legte sie erst richtig los.

„Wisst ihr was, krank seid ihr!“, warf sie uns vor. „Natürlich bin ich hier um ihn vor euch zu retten“, entrüstete sie sich und meine beiden Augenbrauen schossen in die Höhe. „Ja, wenn ich nichts sage und ihr kommt irgendwann von selbst darauf, denkt ihr sofort das Schlimmste und bringt ihn noch um!“, meinte sie aufgelöst und ich fragte mich, ob sie unsere Unterstellung so aus der Haut fahren ließ, oder auch Severus‘ Verhalten. Wobei mein vergangenes Gebaren auch nicht wirklich ihr blindes Vertrauen in mich rechtfertigen würde.

„Und was wäre schlimm daran? Im Tod war der Köter erträglich“, giftete Severus wenig einfühlsam los und zeigte sich, was Black betraf, unversöhnlich.

„Severus, hör auf, das verkraftet Harry nicht nochmal“, entgegnete sie entschieden und wirkte doch ziemlich erschöpft.

„Dann geht es also um Potter“, entgegnete ich jetzt und sie stieß einen tiefen Seufzer aus.

„Arrrrr“, warf sie die Arme ergeben in die Luft und strebte zum Ausgang. „Ich rede nicht mehr mit euch, solange ihr versucht, infantile Kinder zu imitieren“, hielt sie uns vor und drehte sich nicht mehr um. „Harry ruft mich, wenn Sirius erwacht, solange bin ich in der Schule, ab dann bin ich wieder weg und wenn ihr die Zeit nutzen wollt um euch bei mir zu entschuldigen, seid ihr herzlich eingeladen, mir gegenüberzutreten… ansonsten…“, bedeutete sie uns eine ziemlich rüde Handgeste, die ich gerne unkommentiert ließ, während sie die Tür aufzog.

„Schert euch zum Teufel“, verkündete sie noch zum Schluss und donnerte dann die Tür mit Kraft hinter sich zu.

„Was für ein Abgang… chrmmm…“, durchbrach Draco nach einiger Zeit die neu entstandene Stille. „Bekomme ich bitte, was zu trinken?“, fragte er dann zu Severus hin, da dieser schon wieder dabei war, sein eigenes Glas großzügig aufzufüllen und während ich mich irgendwie mitgenommen auf einen der Sessel setzte, tat Severus steif an der Bar wie gebeten, nur dass er mich gar nicht fragte, sondern einfach einschenkte.

„Ich verstehe gar nicht, warum ich mich entschuldigen muss… oder soll?“, fragte ich nun exaltiert. „Ich habe mich am meisten zurückgehalten“, wandte ich distinguiert ein und überschlug hochtrabend meine Beine.

„Ich… ich… ich…“, kam es sehr despektierlich von Draco. „Du hast seit deiner Verlobung eh ausgespielt, da kannst du auf den Knien rumrutschen so viel du willst, Vater“, zeigte sich mein Sohn gehässig. „Bei ihr kannst du dich in ihren Augen für alles Entschuldigen, vielleicht fängst du bei deiner Geburt an“, vervollkommnete er seine Gehässigkeit und ich schenkte ihm ein nachsichtiges Lächeln.

„Draco“, schnarrte Severus statt meiner tadelnd und drückte ihm unsanft das Glas in die Hand.

„Was? Ich sag nur die Wahrheit“, erklärte Draco sofort ohne Scheu und zu meinem Leidwesen musste ich meinem Sohn zustimmen.

Das Biest gnädig mir gegenüber zu stimmen war eine große Aufgabe, andererseits schien Draco nichts von dem Vorfall in der Gasse zu wissen, sonst wäre er nicht so überzeugt davon gewesen, dass Hermione hart bleiben würde, denn ich erinnerte mich noch immer an ihre Lippen, die durchaus ab einem bestimmten Zeitpunkt nachgiebig gewesen waren.

„Und sie hat ja nicht Unrecht, du müsstest dich wirklich entschuldigen! So wie du sie angefallen hast… das war… äh…“, ging mein Sohn nun Severus an.

„Schweig“, wies ich ihn scharf zurecht. Es stand meinem Sohn nicht zu, Severus zu kritisieren, wenn würde ich das übernehmen.

Jetzt wurde mir mein Glas gereicht und somit setzte sich Severus mit verschlossener Miene in den anderen Sessel. Dabei wirkte er abwesender als sonst. Die Marauder und gerade Black waren für ihn schon immer ein Stachel in seinem Fleisch gewesen, und als er dachte, er wäre endlich alle los, kam dieser wieder. Vor allem nachdem auch Black das Vergnügen mit der Frau gehabt hatte, die sich Severus ausgesucht hatte. Diese Neuigkeit nagte schwer an ihm, aber er erkannte, dass er ihre Offenheit vielleicht ein wenig grob vergolten hatte, daher musste ich nicht noch nachlegen.

„Eins muss man ihr lassen, sie wirkte nicht wirklich verweint, eher mordlüstern“, zauberte meine nüchterne Erkenntnis ein sachtes Lächeln auf die Gesichter von uns allen und so hob Severus zum ersten Mal heute Abend mit einem schmalen Lächeln das Glas an.

„Ich sagte immer, sie passt zu uns“, stimmte Draco mit einer gewissen Selbstgefälligkeit zu und selbst Severus ließ sich zu einem Grunzen hinab.

„Severus, gibt es einen Grund, wegen Black an ihr zu zweifeln?“, fragte ich vorsichtig und wagte einen durchdringenden Blick zu ihm.

„Mhm…?“, kam es sehr aussagekräftig von ihm und ließ mich mit den Augen rollen.

„Deine Reaktion ist mehr als ungewöhnlich, das musst selbst du zugeben“, touchierte ich nun und nippte an meinem Drink.

„Sie mag Black. Sie hat es nicht nur für Potter getan, das könnt ihr mir glauben“, maulte er grummelig in sein Glas und ich ließ mich an die Lehne meines Sessels zurückgleiten und überlegte, denn eines hatte ich in meinem Leben gelernt, man musste Severus‘ Einschätzungen ernst nehmen.

Lucius Sicht Ende

Hermiones Sicht

Was für Arschlöcher!

Ich konnte es noch immer nicht fassen, wie despotisch, selbstherrlich, selbstverliebt und arrr… mir gingen fast die Begriffe aus, um meine Wut zu erklären, unfassbar wie sie sich aufführten, alle drei, alle miteinander!

Ich stand kurz vor einer Explosion, oder auch einer Implosion, so wütend war ich. Was fiel ihnen ein, sich derart tyrannisch aufzuführen?

Mit wehenden Fahnen eilte ich davon, ließ diese Schlangen in ihrem düsteren Keller hinter mir und stürmte zum Turm, durchquerte den Eingang, den mir die fette Dame freigab und wollte meine Ruhe. Nur leider stoppte mich eine Wand aus unerträglich neugierigen Gryffindors.

„Hermione, du bist wieder da“, wagte sich Neville vor und trat mir nun direkt in den Weg.

So wie er es seinerzeit in unserem ersten Jahr getan hatte, um uns aufzuhalten, nach dem Stein der Weisen zu suchen und hier zeigte sich, warum er in Gryffindor war, denn der besorgte Ausdruck in seiner Miene offenbarte, dass er wusste, wie schlecht ich drauf war, aber trotzdem fand er den Mut, mich um Antworten zu bitten.

„Was wollt ihr wissen?“, fuhr ich ihn übergangslos an. Wir konnten uns das Vorgeplänkel sparen und gleich auf den Punkt kommen.

Gleichzeitig rief ich mich gleich wieder zur Ruhe. Diese Personen hier konnten alle nichts für die Vergehen meiner Männer, oder dass ich gezwungen war, die Realität dort draußen zu erleben.

„Warum bist du wieder hier? Wo sind die anderen?“, fing er sichtbar besorgt an und sofort drängte sich Ginny zu mir und ergriff meine Hand, um mich von dem drängenden Neville wegzuziehen.

„Komm setz dich, geht es meinem Bruder und Harry gut? Sind sie in Ordnung?“, wollte sie mit unsicherer Stimme erfahren und sah mich besorgt an.

„Selektion?“, fragte ich mit einem Blick über die Schar, da wir für meinen Geschmack sehr offen sprachen.

„Natürlich, alle anderen sind schon längst im Bett. Wir sind nicht dumm“, schaltete sich Seamus mit Vehemenz ein und das konnte ich respektieren und so erzählte ich ihnen in Auszügen vom Ministerium und dass wir nun endgültig auf der Flucht und Gejagte waren.

„Wow, das ist hammerhart und schrecklich“, rang Parvati die Hände. „Und ich dachte, mit dem Unerwünschten Nr. 1 könnte es nicht schlimmer werden“, spielte sie auf Harry an.

„Kein Muggelstämmiger darf ins Ministerium. Ich meine, wir waren entsetzt, so viele treudoofe Personen da zu erleben. Wer reingeht kommt nicht mehr raus“, erklärte ich energisch und durfte die betroffenen Mienen meiner Mitschüler erleben.

„Ihr habt es geschafft, darauf kommt es an“, entgegnete Seamus entschieden und mit ernster Miene.

„Sagt mir lieber, wie es euch ergeht“, fragte ich und dabei bemerkte ich sofort, wie einige meinen Blicken auswichen und versuchten, mich nicht mehr anzusehen.

„Es ist schrecklich“, rang sich Ginny ab, dabei nahm sie sich das Herz, es mir einzugestehen, dass viel falsch lief. „Sie haben damit begonnen, die Schüler mit dem Cruciatus zu bestrafen und… und… und…“

„Und ihn uns zu lehren“, kam es abgrundtief verachtend von Neville.

Eindringlich musterte ich ihn, da ich an seine Eltern denken musste und was Neville hier seit Jahr und Tag mitmachte. Damals bei Barty im vierten Jahr hatte er die Unverzeihlichen nicht gut verkraftet und zu jener Zeit waren sie nur an Spinnen vorgeführt worden. Also, wie schlug er sich damit, sie zu erlernen und gar anzuwenden?

„Sie haben Colin gezwungen, einen Ravenclaw damit zu quälen… im Unterricht“, wisperte Parvati ergriffen und fasste sich vor Furcht an die Brust.

„Ich meine, wir lernen viel, egal ob BL oder DA, aber einen Unverzeihlichen gegen einen Kameraden anzuwenden ist fast unmöglich“, kam es ziemlich ernüchtert von Seamus und ich konnte mir denken, was das bedeutete.

Nämlich, dass die BL versucht hatte zu üben und zwar an sich, aber dabei gescheitert war.

„Gegenseitige Bestrafung“, resümierte ich nüchtern. Die Taktik dahinter war leicht zu erkennen. Benehmt euch und wenn nicht, tut ihr euch gegenseitig weh. Wir sind nicht die bösen und dann daran unschuldig. Ihr seid schuld, weil ihr die Regeln brecht und deshalb seid ihr die Exekutive, also die ausführende Gewalt. „Ich hoffe unter diesen Umständen, dass ihr versteht, dass ich euch nichts Wichtiges sagen kann. Ich kann nicht riskieren, dass die Carrows was aus euch raus foltern“, sprach ich die grausige Wahrheit aus und erntete schuldbewusstes und ängstliches Zusammenzucken von allen von ihnen.

„Wir wollen uns formieren und ihnen Widerstand leisten“, verkündete nun Neville großspurig und baute sich vor mir stehend auf und ich machte große Augen.

„Neville, das… das…“, versuchte ich entschieden abzuwehren und schüttelte meinen Kopf. Das wäre eine irrsinnige Aktion.

„Nicht, Hermione!“, fuhr er mir mit neuer Autorität über den Mund. „Die, die es tun wollen, wissen worauf sie sich einlassen“, hielt er mir entgegen und ich sah ihn lange studierend an. Das war nicht mehr der Junge von früher, sondern ein gereifter, junger Mann, der den Babyspeck hinter sich gelassen hatte und jetzt die entschlossene Miene eines Märtyrers zur Schau trug.

„Ihr werdet euch Snapes heiligen Zorn zuziehen“, rang ich mir ab, da ich sehr wohl erkannte, wann es sinnvoll war, dagegen zu reden, oder aber auch nicht, sie wirkten alle auf mich wild entschlossen.

„Wenn wir die Carrows ärgern können, dann nehme ich das gerne in Kauf“, erklärte Neville ernst und viele nickten eifrig. Ihnen stand der bittere Ernst und der eiserne Wille ins Antlitz geschrieben und ich zuckte seufzend mit den Schultern. „Vor allem wäre es sehr auffällig, wenn wir uns einfach so ergeben, das hat die Schule noch nie getan… bedenke auch das“, riet er mir und kurz erinnerte ich mich an Umbridge und unseren Kampf mit ihr. Ja, das konnte man nicht bestreiten, die Schule widersetzte sich zu oft, gegen alles und jeden und da dürfte es bei Severus auch keine Ausnahme geben. Alles andere wäre zu auffällig.

„Jeder muss seine Fehler selbst machen“, meinte ich somit auch schicksalsergeben und meinte es aufrichtig, denn vielleicht würden sie das Richtige tun um die Tarnung aufrecht zu erhalten, aber schmerzhaft würde es trotzdem werden. Alles zog Konsequenzen nach sich, aber jeder musste da selbst durch, selbst ich war durch diese lange Schule gegangen, wenn ich mir die beschwerlichen Anfänge in Malfoy Manor vor Augen hielt und angenehm waren viele dieser Erinnerungen nicht.

„Danke“, hauchte Ginny bewegt, weil ich ihnen keine Steine in den Weg legen würde.

Jedoch verkannte sie, dass ich einfach keine Lust und keine Zeit hatte, sie davon abzubringen. Jeder musste seine eigenen Erfahrungen machen und seine Lehren daraus ziehen. Als ich jedoch weiter überlegte, fand ich es gut, wenn Severus beschäftigt war, nicht dass er sich noch langweilte, zeigte ich mich gehässig, aber nach seinem vorherigen Ausraster auch unversöhnlich. Sollte er sich doch nur mit den Jungspunden auseinandersetzen.

„Und du denkst, Harry und Ron schaffen das so allein ohne dich da draußen?“, wandte jetzt Seamus ein und ich blinzelte belustigt zu ihm hoch.

„Ja, sie sind große Jungs, die schaffen das locker und wenn sie mich brauchen rufen sie mich. Ich geh ja wieder zu ihnen zurück, so ist es nicht, aber ich muss halt auf mehreren Hochzeiten tanzen“, stellte ich nüchtern fest und sah mich im so gemütlichen Gryffindor Gemeinschaftsraum um und spürte, dass es doch nicht mehr dasselbe war wie früher. Für mich hatte er seinen ehemaligen Charme verloren und diese Erkenntnis tat irgendwie weh.

„Können wir nicht auch weg?“, wisperte plötzlich Demelza inbrünstig und ich sah überrascht zu ihr.

„Warum?“, entschlüpfte es mir ungläubig.

„Ich… es… ich habe Angst“, gestand diese DA´lerin aufrichtig ängstlich und rieb sich über ihre bloßen Arme. „Hogwarts ist nicht mehr Hogwarts“, meinte sie zum Schluss hin verschämt und senkte den Blick.

„Ihr seid hier unter Snape sicher…“, begann ich und bedeutete ihnen dies mit einer allumfassenden Geste.

„Das nennst du sicher?“, wagte sich Parvati vor und spielte Doppeldeutig auf den Folterfluch an.

„Sicherer als draußen“, deutete ich mit erhobenem Zeigefinger zu ihr. „Ihr seid hier fern der Realität, das ist fast noch Kinderkram und hat nichts mit dem Leben dort draußen zu tun. Wenn sie euch erwischen würden, würden sie die Dementoren gegen euch einsetzen, genauso wie in der Muggelregistratur“, warnte ich eindringlich.

„Wie bei Schwerverbrechern?“, hauchte Neville entsetzt und wirkte sehr blässlich.

„Ja“, erklärte ich rigoros. „Und deshalb mein eindringlicher Rat, bleibt in Hogwarts, verlasst es nicht. Es wird noch schlimmer da draußen. Die Snatcher jagen alles und jeden und liefern eiskalt aus“, warnte ich vehement und blickte alle nacheinander an. „Vertraut mir, hier seid ihr sicherer als dort draußen.“

„Das hört sich furchtbar an. Können wir gar nichts dagegen tun?“, wisperte Ginny und knabberte an ihren Fingernägeln vor gespannter Unsicherheit.

„Wir tun etwas, das muss reichen“, erklärte ich entschieden und blickte versonnen in das flackernde Feuer des Kamins.

„Und wir können nichts weiter tun?“, murmelte Neville bestürzt.

„Doch, beschäftigt ruhig eure DeathEater hier, ärgert sie, ist besser als nichts“, genoss ich meine kindische Rache an Severus und konnte nichts gegen das aufziehende Lächeln machen, das an meinen Lippen zupfte, das aber wohl niemand zuordnen konnte, derart skeptisch wie sie mich musterten.

„Hermione, ich müsste dich noch kurz sprechen… es wäre wichtig“, wagte sich die bisher so stumme Lavender wagemutig vor und sofort sahen uns alle an. „Unter uns?“, bat sie eilig und ich nickte langsam.

„Nun gut, Lavender, dann komm mit in mein Bett“, sprach ich zweideutig und so erhoben wir uns unter der musternden Beobachtung aller, während die anderen uns mit einer gewissen Skepsis hinterher sahen.

Ich eilte mit ihr zum Schlafraum der Siebtklässler, dabei überraschten wir Quirella und Sally, die zusammen auf einem ihrer Betten Exploding Snap spielten und uns mehr als unsicher ansahen, da wir derart ungestüm ins Zimmer einfielen. Lavender und ich hielten auf die Illusion meines Bettes zu und kletterten hinein, ohne diese beiden Außenseiterinnen zu beachten.

Für die beiden Mädchen wirkte es, als würden wir in mein Bett gehen und die Vorhänge zuziehen. In Wahrheit standen wir vor der Tür zu meinem Zimmer, die ich nun öffnete.

„Benützt ihr oft das Zimmer?“, fragte ich Lavender im Plauderton, um die Spannung, die in der Luft lag, zu nehmen, während ich nun auf meinem echten Bett Platz nahm.

„Ab und an schon…“, kam es unwohl von dem händeringenden Mädchen. „Die Verhältnisse in Hogwarts lasten schwer auf uns und es hilft mir wirklich, abzuhauen. Seitdem ich so anders bin, mag ich auch ab und an die Einsamkeit“, sprach eindeutig der Miniwolf aus ihr. „Die anderen sind mir gegenüber extrem misstrauisch geworden… an sich kein Wunder, wenn man bedenkt, mit wem ich mich treffe“, meinte sie jetzt leise und ich wurde sofort hellhörig.

„Das muss unter allen Umständen geheim bleiben“, zeigte meine Stimme sofort Schärfe und sie zuckte unter meinem stechenden Blick zusammen, dabei stand sie noch immer vor mir wie bei einem Strafkomitee.

„Das ist mir schon klar, auch wenn ich sonst nicht besonders schlau sein mag“, kam es jetzt reichlich verschnupft von der sonst so unsicheren jungen Frau, deren Haltung auch eindeutig ausdrückte, dass sie sich unwohl fühlte, so wie sie von einem Fuß auf den anderen trat.

„Lavender?“, tadelte sie mein Ton und sie blinzelte schuldig zu mir.

„Ist doch wahr… als wäre es etwas, womit man angeben kann? Ich treffe mich mit einem Monster!“, gab sie eingeschnappt zurück.

„Lavender“, wiederholte sich mein vorwurfsvoller Ton.

„Willst du behaupten, Fenrir Greyback ist ein netter Mann?“, fragte sie schrill, woraufhin ich leise seufzte.

„Du bist noch nie dem Lord begegnet“, mahnte ich wispernd, wobei mir sein durchdringender, rotglühender Blick sofort gegenwärtig war und mir fast eine Gänsehaut beschert hätte.

„Ups… sorry“, schoss es umgehend sichtbar bedröppelt aus ihr heraus und sie sah entschuldigend zu mir, doch ich winkte müde ab.

„Ist schon gut, aber man sollte vorsichtig sein, mit solchen Aussagen, glaub mir, so schlimm ist Fenrir gar nicht. Er hat es nicht leicht, so als Werwolf, und er denkt mehr als man annehmen mag an sein Rudel, aber sag mir ehrlich, was belastet dich? Wie läuft es zwischen euch? Hält er sich an die Regeln?“, fragte ich aufrichtig besorgt, denn mir sagte ihr ganzes Verhalten, dass ihr etwas auf der Seele lastete und ich konnte nicht an gegen die Sorge, ob alles bei ihren Treffen so lief wie es sein sollte.

„Ummm…“, leckte sie sich nervös über die Lippen und wand sich immer noch vor mir. „Er kehrt immer mehr den Alpha raus… irgendwie scheint es ihm zu gefallen, dass ich anders bin… also, dass es eine Seite in mir gibt, die darauf anspricht“, versuchte sie mit Händen und Füßen zu erklären, dabei lief sie rosa an. Ihre Wangen leuchteten regelrecht pink und sie presste eine Hand vor den Mund, als ich sie mit weit aufgerissenen Augen musterte.

„Tut sie das?“, fragte ich aufrichtig beunruhigt.

„Ja, etwas in mir will sich ihm unterwerfen“, bekannte sie sehr widerwillig und zog eine Grimasse.

„Ist doch so viel in dir?“, murmelte ich leise.

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