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 Kapitel 531-532

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BeitragThema: Kapitel 531-532   Mi Nov 18, 2015 2:35 am

531. Kapitel Zwei Seiten einer Medaille

„Und ich bin von Gestern“, schnaubte Ron recht abfällig und ich rollte mit den Augen. Es war schön für Ron, wenn er mich und meine Beweggründe durchschaute und erkannte, dass ich Abstand zu den Heiligtümern hielt, aber darauf rumreiten musste man ja nicht unbedingt und mein Gesichtsausdruck verdeutlichte dies auch.

„Was geht da ab, George?“, „Wenn ich das wüsste Fred.“, „Geheim, geheim.“, „Und wir sind nicht eingeweiht“, wisperten sich die Twins überhaupt nicht leise zu. Die beiden waren einfach unglaublich.

„Sie gehen an den Safe… jetzt wird es spannend.“, „Erfahren wir mehr?“, ging es weiter und ich drehte mich lachend zu ihnen.

„Ja, ist ja schon gut, ihr zwei. Harry will die Horkruxe nicht mehr in der Nähe seines Sohnes haben, deshalb holt Ron sie ab“, gab ich bereitwillig Auskunft, während das Bild aufschwang und Ron die Zahlen für den Safe eingab.

„Ohhh, überraschend.“, „Das hatten wir nicht erwartet.“, „Aber vielleicht gar keine schlechte Idee“, wechselten sie sich wieder ab und nickten übermütig.

„Das fanden wir auch“, meinte ich nüchtern, während Rons Arm in dem Loch zwischen den Backsteinen verschwand. Schließlich zog er vorsichtig eine kleine Kiste hervor und hielt sie sichtbar balancierend in Händen, während George zu ihm eilte um den Safe wieder gewissenhaft zu verschließen. Er legte auch die Zauber wieder auf unser Versteck und schob das Bild zurück an seinen Platz. Indes kam Ron mit der Dose auf mich zu.

„Und jetzt?“, wollte er mit einem hintersinnigen Lächeln wissen, während ich mit verstecktem Herzklopfen auf das Behältnis in seinen großen Händen starrte.

„Sag Harry, er soll den Ring in seinen Beutel tun, den er von Hagrid bekommen hat und ihn bloß nicht aufziehen, der Stein ist magisch…. zusammen mit dem Seelenteil wissen wir nicht was passiert, wenn man ihn aktiviert“, sprudelte es aus mir hervor.

„Okay, geht klar und was ist mit dem Medaillon?“, fragte er genau nach und klappte den Deckel auf. Fast sofort musste ich ein Zurückzuweichen unterdrücken, da ich dachte, ein leises Wispern zu vernehmen, das mir eine unangenehme Gänsehaut bescherte.

„Damit?“, deutete ich auf die Kette, die er nun mit spitzen Fingern hervorzog. „Ich würde sagen, er trägt es. Leg sie dir am besten gleich selbst um! Nicht, dass das Medaillon verloren geht“, meinte ich aufrichtig und umgehend zog er die Kette von Salazar Slytherin heraus.

Noch während das Kleinod an seiner Hand baumelte, klappte er den Deckel wieder zu, was zur Folge hatte, dass das komische Wispern sogleich verschwand. Dies bestätigte mir, dass es richtig von mir war, dass ich so vorsichtig mit diesen verdammten Heiligtümern war. Nun konnte ich relativ neutral auf den vor mir pendelnden, reinen Horkrux sehen, ohne irgendwelche Geräusche zu vernehmen. Ron versuchte unterdessen mit nur einer Hand die Kette ziemlich umständlich umzulegen, sodass ich letztendlich kurzentschlossen auf ihn zutrat und ihm die Kette resolut aus den Händen nahm.

„Wow… geht das denn?“, fragte er überrumpelt, während ich sie ihm umlegte. Aber ja, das ging, das war nicht das wovor ich Angst hatte und das sagten ihm auch meine Augen, die für ihn gut sichtbar zur kleinen Kiste gingen.

„Uhh… verstehe… danke“, murmelte er daraufhin und fröstelte, als das Medaillon auf seiner Brust zum Liegen kam.

So starrte ich auf das Schmuckstück und fuhr selbstvergessen mit den Fingern das filigrane S der Schlange nach, denn auch wenn ich anders als beim Ring nichts hörte, konnte ich etwas fühlen, wenn ich den Gegenstand berührte.

Es pulsierte regelrecht unter meinen Fingerspitzen. Ich fühlte das Pochen unter meiner Haut und dachte, diese eingesperrte Seele wie einen Windhauch im lauen Sommer wahrzunehmen, aber es war ganz anders, als wenn der Horkrux in einem lebenden Wesen verankert war. Da war es im ersten Moment gar nicht zu spüren, dass da eben noch etwas anderes war, siehe bei Harry, oder bei Nagini. Dieser besondere Umstand fiel mir erst jetzt auf, nachdem ich zum ersten Mal seit meiner vollständigen Transformation zum SoulGatherer einem normalen Horkrux gegenüberstand und den Unterschied live miterlebte. Der Lord hatte ebenfalls Grenzen überschritten, da es nie vorgesehen war, Horkruxe in lebende Personen, oder Tiere zu bannen. Es war ein enormes Wagnis, das er hier einging.

„Schon komisch, nicht? Mit dem Ding um den Hals fühl ich mich gar nicht wohl“, bekannte Ron, dabei zeigte er Nerven, da er sehr blässlich wurde und seine Sommersprossen stark hervorstachen. „Glaubst du, es geht Harry auch so mit dem Seelenteil vom Lord in sich?“, fragte er mit belegter Stimme, so unangenehm war ihm der Gedanke, dass sein Freund das Seelenteil eines anderen in sich trug und das war verständlich.

„Nein“, entschlüpfte es mir flott, was dazu führte, dass mich die drei Brüder genau musterten.

„Wie, nein?“, fasste dann auch Fred genauer nach.

„Naja, Harry hat vor langer Zeit einen Schutz in sich selbst aufgebaut, um vor dem Seelenteil des Lords sicher zu sein….“, versuchte ich unsere Überlegungen zu Harrys Zustand darzulegen.

„Aber seit dem Avada…?“, wandte Ron auch schon sofort widersprechend ein und ich hob eilig die Hand um ihn zu stoppen und es mit meinen eigenen Worten darlegen zu können.

„Du hast Recht, seit Harrys erstem Avada ist es anders… Ja, seitdem ist der Schutz nach Harrys Worten aufgebrochen… er verschwendet keine Energie mehr um sich abzuschotten, aber ich denke eher, dass der Schutz nur dünner wurde, aber immer noch da ist. Harry hat Jahre gebraucht um ihn aufzubauen, da ist das nicht über Nacht weg“, legte ich alles dar, was mir durch den Kopf ging. „Harry ist Harry, ohne vom winzigen und verunglückten Seelenteil des Lord beeinflusst zu werden… bei Nagini… das Vieh hat eindeutig einen eigenen Willen, interagiert mit dem Lord, wird aber von ihm gesteuert…“, sinnierte ich und biss mir auf die Lippe, als ich gegen das Medaillon tippte. „Aber der Gegenstand hier hat den puren, den echten Lord in sich, es ist stärker, es lebt eigenständig in einer leeren Hülle… ich habe keine Ahnung, ob das Seelenstück des Lords in einer toten Hüllen überleben kann… also, wenn die Hülle tot ist… also Nagini… oder…“, brach ich ab, da ich wusste, nachdem ich meine Recherche betrieben hatte, dass bisher nicht nur niemand versucht hatte, 7 Horkruxe zu erstellen, sondern dabei auch niemand auf lebende Wesen zurückgegriffen hatte. Es war gewagt vom Lord, so großflächig Neuland zu betreten.

„Oder… Harry“, kam es treuherzig von Ron, der aussprach, was mir nicht über die Zunge wollte.

„Toll, dass du es aussprichst, Bruderherz“, „Ja, wie ein Thestral im Porzellanladen“, zogen ihn die Twins sofort bösartig auf und Ron lief über und über rosa an, während er murmelte: „Ist doch wahr.“

„Tja, dann wissen wir ja nun, was der Lord von dir will“, schaltete sich einer der Twins ein und sorgte dafür, dass wir ihn alle ansahen wie von einem Zug angefahren.

„Was?“, stieß ich sprachlos aus und ballte meine Hände zu Fäusten.

„Was wohl? Für mich hört sich das nach einer glasklaren Geschichte an, dass du seine Seelenteile, die er falsch verpflanzt hat, wieder richtest?“, versuchte er zu erklären. „Oder sehe ich das falsch?“

„Fuck“, entfuhr es mir entsetzt und ich fragte mich, wie ich so unglaublich blind hatte sein können.

Es war nicht zu fassen, dabei wollten mich meine Beine nicht mehr tragen und ich sackte auf den Sessel hinter mir. Sollte es das sein, was der Lord am Ende von mir und meinen neuen Fähigkeit erwartete?

„Könntest du das denn?“, wollte Ron bleich aufgrund dieser Theorie erfahren, während ich versuchte, meine rasenden Gedanken in Worte zu fassen.

„Ich… ich… ich sammle Seelen… ich… keine Ahnung…“, stotterte ich und knabberte beunruhigt an meiner Lippe und wünschte mir Gellert herbei, denn das alles nahm gerade neue Dimensionen an. „Wenn er sich wünscht, dass ich zerstörte Seelenteile zurückbringe, dann irrt er sich. Die sind an die Anderswelt übergeben, da kann selbst ich nichts mehr machen, das ist wie bei Daphne…“, rang ich hilflos die Hände und versuchte, das schmerzhaft drückende Bauchgrummeln in meiner Magengegend zu vertreiben.

Dabei versuchte ich mich zum ersten Mal wirklich mit der Frage auseinanderzusetzen, was mich für den Dark Lord so interessant machte, denn dass ich durchaus eine Sonderstellung bei ihm einnahm, konnte niemand widerlegen. Vor allem, dass er mir, dem Mudblood, Potters Freundin, wirklich alles verzieh, belastete mich plötzlich enorm. Die Erkenntnis tat schmerzhaft weh, denn es ging ihm weder um seine Inferiarmee, noch um die Dementoren, es ging schlicht und ergreifend nur um ihn!

Er wollte mich für sich und seine Seele!

Kurz bekam ich Herzrasen aus Sorge, dass er mich irgendwann im Dark Manor einsperren könnte, als mir sprichwörtlich die Schuppen von den Augen fielen, denn es gab immer zwei Seiten einer Medaille. Es war regelrecht erschütternd, was mir in den Geist kam. Ich erkannte, was mir das für eine unheimliche Macht über ihn verschaffen könnte, wenn ich meine Karten gut ausspielte.

„Kann ich verstehen, Bruderherz.“, „Bist unheimlich tapfer.“, „Du hast nun eine wichtige Aufgabe, hau ab zu Harry.“, „Ja, voll Gryffindor und jetzt ab mit dir, wenn Harry nicht alleine sein soll“, packten ihn die Twins rechts und links am Arm und zogen ihn von mir weg, dabei hatte ich ihrem Gespräch schon gar nicht mehr richtig folgen können, so sehr fesselten mich meine Gedanken.

„Hey“, beschwerte er sich sofort ziemlich inbrünstig, aber an sich war es herrlich zu beobachten und so sank ich vollends in den großen, gemütlichen Sessel und ließ die Brüder untereinander Spaß haben. Der Krach, den sie veranstalteten, verzog sich und war nur noch leise durch den Flur zu hören und ich gönnte mir den Luxus, meine Augen zu schließen.

„Ich hab Recht, oder? Der Lord hält dich so nah bei sich, weil er dich für seine Horkruxe will“, flüsterte der eine Twin derart betroffen, wie ich ihn selten gehört hatte, sodass ich wohlweislich meine Augen geschlossen hielt.

„Mhm…“, murrte ich leise, als ich bemerkte, wie die Lehne meines Sessels nachgab, sodass ich mich irgendwann aufraffte und die Augen langsam aufschlug, da ich wusste, dass ich beobachtet wurde. Was ich sah, war ein mich wehmütig angrinsender Twin. Einer, den ich sofort als George identifizieren konnte, vor allem, da sein Ohr verstümmelt und nicht mehr existent war und unter seinem Haar vollständig verschwand.

„George“, meinte ich daher nur mit einem seichten Lächeln zu seinem Handikap hin.

„Fuck, dass dein toller Hecht von Snape mich so verunstaltet hat, ist echt tragisch“, erklärte er theatralisch und fasste sich an sein nicht mehr existentes Ohr.

„Als könntet ihr vor mir verstecken, wer ihr seid“, schüttelte ich mein Haupt und wir wussten, dass es stimmte, ich hatte sie von Anfang an auseinanderhalten können.

George war der Überlegte, der Ruhige der beiden, während Fred der teuflische und dämonische Übermut regelrecht aus allen Poren quoll, ohne George wäre Fred wie losgelöst und nicht zu halten, weshalb ich sehr froh war, dass es diesen besänftigenden Pol von George gab, welcher der einzige war, der seinen Bruder und Partner bremsen konnte. Wie es kam, dass die Menschen sie nicht auseinanderhalten konnten, war mir ein Rätsel.

„Ja, dich täuschen, das konnten wir leider noch nie…“, bedauerte er aufrichtig.

„Was gut ist“, murmelte ich leise und seine Finger tanzten sofort über meine Haut und streichelten mich an den Stellen, an die er herankam.

„Kommt diese Erkenntnis wirklich überraschend für dich?“, zweifelte George und ich verstand ja selbst nicht, dass ich diese Möglichkeit offensichtlich nicht früher in Betracht gezogen hatte.

„Die mit dem Lord?“, fragte ich nach, während sich Fred zurückhielt und in der Küche verschwand und George mich nur stumm musterte, sodass sich eine Antwort erübrigte und ich seufzte tief.

„Nein und ja, ich weiß, dass er viel von mir und meinen Fähigkeiten erwartet, dass er aber solche absonderlichen Gedanken haben könnte… nein, das wollte mir nicht kommen! Seine zerstörten Fragmente sind verloren…“, gab ich sinnierend Auskunft.

„Dann müsst ihr die, die ihr habt, so schnell wie möglich vernichten“, entgegnete George ungerührt.

„Ja, ich weiß, dafür brauchen wir das Schwert“, erklärte ich bereitwillig und ließ seine Berührungen zu.

„Dann holt es euch so schnell wie möglich“, grinste er mich nun verschlagen an.

„Ich muss Severus fragen, wo es ist…“, gestand ich widerwillig und konnte mich nicht mit dem Gedanken anfreunden, was der Lord mit mir planen könnte.

„Was ist mit den intakten Teilen, kannst du diese wieder zusammenführen?“, kam nun Fred klappernd zur Küchentür herein und balancierte ein Tablett in Händen, während ich darüber nachdachte und sachte mein Haupt schüttelte.

„Ich weiß es nicht… ich bin nicht allmächtig und kann nicht jeden Zauber aufheben. Er hat seine Seelen mit Mord, Magie und Blut abgespalten und weggesperrt…“, verdeutlichte ich diesen Umstand mit involvierten Handgesten. „Wieder heilen und zusammenfügen? Ich denke nicht, dass ich das kann… dass ich es einsammeln könnte? Uhhh, vielleicht und dann wo anders einsperren… ja, vielleicht… aber…“, biss ich mir fest auf die Lippe.

„Aber würdest du es tun?“, kannte Fred diese Scheu nicht und sprach es aus, während sich Georges Finger an meiner Haut verkrampften und ich das Verziehen meines Mundes unterdrücken musste.

„FRED“, hisste George auf, da ich nicht sofort antwortete und sein böser Bruder blinzelte ihn irritiert an.

„Was?“, begehrte das gespielte Unschuldslamm auf.

„Fred, wenn er es fordert und sie es nicht tut?“, wagte sein Bruder sehr sorgenvoll nachzufragen.

„Ganz ruhig, dann wird mir was einfallen. Vielleicht kann ich mit Lugh reden und er hilft mir…“, spielte ich versonnen mit einer meiner Locken.

„Lugh, wer ist denn das?“, warf nun Fred frech ein.

„Ein Typ…“, wedelte ich wegwerfend mit meiner Hand. Dieser Mann war nichts, worüber ich groß nachdenken wollte.

„Uhhh, du solltest aufpassen, dass du dir nicht zu viele Typen anlachst“, kicherte Fred übertrieben laut.

„Das ist nicht lustig“, ruckte ich hoch, denn vor Lugh hatte ich durchaus… naja, Angst wollte ich jetzt nicht direkt sagen, das wäre ein zu großes Wort, aber ich war beunruhigt, was ihn betraf. Er war eine unberechenbare Größe und seit seinem Besuch in meinem Traum traute ich ihm noch weniger. Georges Blick fragte: Warum? Und ich wollte ihm eine Erklärung geben, um ihn zu beruhigen. „Lugh… ist ein Typ auf der anderen Seite und ihr könnt froh sein, dass die Schleier bestand haben und ihn dort festhalten. Das sind alles keine netten Wesen dort und eines ist glasklar, wenn ich seine Hilfe brauche, wird er mich nicht ohne Forderung gehen lassen“, dabei behielt ich das „wenn überhaupt“, das mir auf der Zunge lag, zurück. Sie mussten sich nicht mehr sorgen, als unbedingt nötig.

„Okay, das ist dann wirklich nicht lustig“, warf Fred unglücklich ein. „Wen du so alles kennst, brrrr“, und schüttelte sich übertrieben.

„Dann solltest du ihn vielleicht auch nicht fragen!“, kam es sehr ernst von George, der mich nicht eine Sekunde aus seinen Augen ließ.

„Ja, das sollte ich wirklich nicht tun, solange ich nicht muss… es ist gut, dass mir der Lord hier niemals wird folgen können…“, erklärte ich seufzend.

„Wirklich?“, „Sicher?“, „Weißt du das ganz genau?“, warfen die Twins sorgenvoll ein. Dies entlockte mir ein leichtes Lachen. Sie waren zu süß.

„Ja, der Zug ist für ihn abgefahren“, dachte ich an meine Selbstlosigkeit bei meinen bösen Taten und wenn der Lord vieles war, das war er nie gewesen.

„Schon Scheiße, dass der einfach nicht unter die Erde will“, kam es mitleidig von George.

„Nicht alles und nicht jeder will tot bleiben“, gestand ich widerwillig.

„Apropos… wegen tot“, fing George sonderbar an. „Ich… ich… wir möchten dir noch danken, dass du Harry Sirius zurückgebracht hast“, fing er übergangslos an mich noch mehr runter zu ziehen und als ich ihm ins Wort fallen wollte, legte er mir doch tatsächlich die Hand auf den Mund. „Das ist etwas, was er braucht um das alles zu überstehen und doch noch ein guter Papa für Lucien sein zu können.“ Mich trafen seine Worte unerwartet tief.

„Und lass mich dir eines sagen, dein Freund Draco ist gar ziemlich unglücklich, dass dein ehemaliger Liebhaber wieder da ist“, fiel Fred ein, dem die bedeutungsschwere Stimmung nicht zu behagen schien, während aber Georges Ausdruck seiner Augen bekundete, dass er es als sehr richtig empfand, was Fred laut sagte.

„Er ist gar nie nicht eifersüchtig“, spottete ich wenig einfühlsam zurück und dabei schaute George mich eindringlich an, wobei seine Miene das Gegenteil bekundete.

„Das sind sie nie… diese Malfoys“, schaffte er es dann doch noch, eine falsche Grimasse zu schneiden um mich schief anzulächeln, da wir wussten, wie brutal eifersüchtig sie sein konnten.

„Draco ist also sofort auf Sirius gestoßen?“, schüttelte ich betrübt mein immer schwerer werdendes Haupt, als hätte er Grund, wegen Sirius besorgt zu sein.

Mhm… ja, Sirius mochte einmal mehr für mich gewesen sein, aber das lag für mich gefühlt so lange zurück wie meine Geburt. Anders ausgedrückt könnte ich auch sagen, ich wusste, wo mein Platz war und der war nicht an Sirius‘ Seite.

Natürlich hatte ich bemerkt, wie Sirius versucht hatte, eine Basis zu finden, die eventuell mehr zulassen würde, aber ich war ihm beständig ausgewichen und war nur dankbar, dass mich keine sonderbare Verbindung an ihn band wie an Barty. Denn bei Sirius war ich nur der Leiter gewesen, der Seele und Körper wieder vereint hatte. Bei Barty damals hatte ich die verankerte Seele dem Dementor entrissen und diese Seele war durch mich hindurch gegangen, hatte mich tief berührt, daher rührte auch diese Verbundenheit und ehrlich, eine so komische Verbindung reichte mir für mein Leben.

„Oh ja, gestoßen klingt mal so richtig geil“, kicherte Fred übermütig und überging meine Wehmut, während er Sandwiches verteilte und mir auch noch ein Glas Weißwein in die Hand drückte.

„Könnte man so sagen, oder auch aneinander gerumpelt?“, stieg George absolut unsensibel ein.

„Ja, ich glaub, trotz aller Verwandtschaft, mögen werden die sich nie so richtig“, „Neee, ich auch nicht… was zu schade ist, schnuckelig sind sie nämlich beide“, schlüpften diese teuflischen Twins sofort wieder in ihre Rollen, sich gegenseitig in ihrer Gehässigkeit zu unterstützen. „So hell und so dunkel, auf alle Fälle eine Sünde wert… rrrrrr“, alberten sie herum und ließen die Schwermut mit unnachahmlichem Talent ziemlich flott hinter sich.

„Lasst das nicht die beiden hören“, meine ich leidlich und konnte mir sogar vorstellen, dass Draco Sirius wesentlich feindlicher gesinnt war als dieser ihm.

Bestimmt ahnte Sirius nicht mal, warum Draco so wütend auf ihn war, aber was dachte ich, Sirius mochte Malfoys nicht und die Blacks waren ein schwieriges Geschlecht. Vielleicht war es ihnen in die Wiege gelegt worden, wenn ich mich erinnerte, wie innig Lucius seiner Blackbraut zugetan gewesen war, wunderte mich gar nichts mehr.

„Warum? Wäre doch lustig.“, „Ja, Sirius scheint unserem Schnuckelchen Draco durchaus Widerworte zu geben und wenn Gellert noch dabei ist, geht es rund...“, „Kann mal nicht schaden.“, „Und es reicht Flintilein so sehr, dass es eine Freude ist, zu beobachten, wie er kurz vor einem Koller steht.“, „Jaaaa, so hat er oft ausgehen, wenn ihn mal einer unserer Klatscher getroffen hat.“, „Oh Mann, Fred, wie vermisse ich diese Tage.“, „Jupp, ich auch, einfach draufhauen, war einfach schön“, sinnierten diese beiden Spinner.

„Warum habe ich nur auf Draco gehört…“, begann ich zu jammern und schloss wieder gepeinigt die Augen, dabei blendete ich das sinnlose Geplapper aus.

„Wie meinen?“, fragte George gutgelaunt, während Fred unschuldig, wie er mit Sicherheit nicht war, vor sich hin pfiff.

„Dass ich Sirius in die Burg bringen soll“, kam ich der Frage nach und schlug die Augen wieder auf, da ich unter meiner Nase einen süßlichen Geruch einatmen konnte und blickte dem aufmüpfigen Fred in die vor Schalk sprühenden Augen, als er mir ein Glas mit schwerem Portwein hinhielt, obwohl mein Glas Weißwein noch nicht mal ansatzweise leer war.

„Vielleicht, weil du nicht lebensmüde bist?“, fragte Fred gutmütig. „Oder aber ein schlaues Mädchen“, setzte George dagegen und innerlich gab ich ihnen Recht. Ich war den leichten Weg gegangen und hatte mich schlicht dafür entschieden, jedwedem Streit aus dem Weg zu gehen, indem ich meinen Männern ihren Willen ließ und Sirius aus meinem Radius entfernte. „Ich finde, das hast du schon richtig gemacht, da du keinen Streit willst“, bestätigte soeben George meine Gedanken. „Draco wird schon darüber hinwegkommen, dass dein alter Lover wieder da ist. Er ist nämlich schon groß“, krähte Fred wenig hilfreich und ich rollte mit den Augen. „Und mit Krum kommt er ja auch zurecht…“

„Irgendwie sieht er in Sirius aber etwas anderes als in Viktor“, murmelte ich selbstvergessen und nippte an dem schweren Getränk.

„Ja, da übertreibt er“, entgegnete Fred sofort. „Außerdem hat Sirius genügend andere Probleme, als darüber nachzudenken, wie er dich wieder in sein Bett bekommt.“

„Wie meinst du das?“, fragte ich ziemlich verwirrt nach, als Georges Hand meine berührte und er somit meine Aufmerksamkeit einfing.

„Naja, wir sind nicht dumm, Schönste und niemand kann so ein oder zwei Jährchen Tod leicht wegstecken, und tot war er… das wissen wir alle“, bekannte der durchaus so schlaue Twin.

„Oh ja, seine Augen erzählen es… er ist gezeichnet…“, zeigte sich Fred unerwartet emphatisch. „Was, warum schaust du so?“

„Wer bist du?“, fragte ich aufrichtig irritiert und erntete dreckiges Gelächter.

„Ich bin immer noch Forge… aber ich mochte und mag Sirius, hey… ich meine, er hat uns Kohle hinterlassen… ich schau ihn mir schon genauer an…“, erklärte mir Fred jetzt recht eingeschnappt, dabei strich er über seine Brust.

„Sicher, dass er dir nicht doch ein wenig gefällt?“, warf George etwas eifersüchtig klingend ein, was Fred ein seliges Lächeln auf das freche Antlitz zauberte.

„Bin ich Gellert?“, mosere Fred und kurz stockte ich irritiert, aber es ging so rasant weiter, dass ich dieses Detail aus den Augen verlor. „Außerdem hab ich nur Augen für dich“, warf er seinem Partner einen sehr übertriebenen Luftkuss zu, den dieser auch noch tatsächlich fing.

„Aber jetzt im Ernst, Schönste, ein Mann, der nach 12 Jahren Askaban und jetzt seinem Tod schon wieder so viel aufzuholen hat, der hat echt andere Sorgen als deine verrückten Männer und erst Recht hat er nichts bei euch dreien auf der Jagd nach Horkruxen verloren“, kehrte George wieder den überlegten und weisen Twin raus, der mir eigentlich jedwede Widerworte wegnahm, da seine Argumente schlagend waren.

„Da hat Draco schon Recht“, warf Fred bekräftigend ein. „Er ist in der Burg besser aufgehoben als bei euch, auch wenn Flint vor Wut schäumt“, glitzerten seine Augen so teuflisch, dass außer Frage stand, dass er sich über Flints Unglück freute.

„Ja, das weiß ich selbst, sonst hätte ich ihn nicht hingebracht… aber es ist so… arghhh“, redete ich mit meinen Händen und verschüttete doch tatsächlich ein wenig von dem wertvollen Port. „Ups“, entschloss ich mich, den Rest zu trinken und nicht noch mehr zu vergeuden und genoss den edlen Tropfen.

„Harry hat sich nicht darüber gefreut?“, beantwortete sich George selbst alles und ich gab ein ironisches Schnauben von mir. „Das dachte ich mir fast… noch ein Schlückchen?“, fragte er und wie auf Kommando stand Fred mit der Flasche parat, woraufhin ich ihnen das kleine Glas reichte.

„Ehrlich, Schönste, wenn du Frieden haben willst, war das die einzig richtige Entscheidung“, meinte jetzt der eine. „Snape und die Malfoys hätten niemals Sirius bei euch gelassen…“, kam es bestätigend vom anderen. „Du kannst froh sein, dass sie Ron und Harry so gelassen an deiner Seite akzeptieren…“, „Oder uns“, grinsten sie sich teuflisch an und schlugen sich ab.

„Ach, ihr seid solche Teufel“, meinte ich daraufhin gutmütig und schenkte ihnen ein leichtes Lächeln.

„Wir sind deine Teufel“, erklärten sie besonders sardonisch.

„Soooo, wir haben aber noch etwas, was dich ablenkt“, versprachen sie eifrig.

„Und das wäre?“, fragte ich aufrichtig gespannt und mit einer gewissen Unruhe. Es war nie gut, wenn sie dachten, eine Person überraschen zu können.

„Das absolut Schärfste, wir können ein neues Pärchen ausrufen“, ereiferte sich Fred inbrünstig und warf sich regelrecht in die Brust.

„Hö?“, entwich es mir, denn warum sollte mich dergleichen interessieren? Die Auf´s und Ab´s in den Beziehungen der anderen tangierten mich weniger.

„Oh ja, der Totenschädel…“, wurde mir brühwarm serviert und ich dachte an diesen alten Mann und schüttelte meinen Kopf. „Gellert?“, wisperte ich sprachlos und fiel Fred somit ins Wort.

„Jupps, genau der… der hat sich eindeutig verguckt“, grinste er spitzbübisch und zwinkerte mir übermütig zu, während ich überlegte in wen. Wer konnte Albus in seiner Gunst Konkurrenz machen? Dies war eine überaus spannende und unerwartete Entwicklung, mit der ich zu keiner Zeit gerechnet hätte. Könnte es sein, dass er sich in Moody verguckt hatte und jetzt vor lauter Liebesglück Glückskekse für alle backte?

„Oh ja und jetzt sag ganz lieb… bitte…“, „In wen?“, vervollständigten die Red Devils wie so oft ihre Sätze gegenseitig.

„In wen?“, fragte ich daher vorsichtig.

„Tja, in wen wohl?“, „Wer ist neu in der Burg?“, strahlten mich zwei identische Gesichter hintersinnig grinsend an, dabei versuchte ich, den Schock über diese Offenbarung zu verdrängen.

„Sirius?“, hauchte ich so leise, dass es wie ein ungehörter Lufthauch verklang.

„Joooo“, applaudierte Fred sehr übertrieben.

„Geschockt?“, fragte George vorsichtig nach, als ich langsam mit dem Kopf wippte. „Musst du nicht sein, denn ich bin mir nicht mal sicher, ob Sirius schon gecheckt hat, dass er einen neuen Verehrer hat“, kicherte Fred bösartig.

„Sirius ist nicht schwul“, war alles was mir wenig eloquent zu diesem Umstand einfiel.

„Tja, aber Gellert auf alle Fälle“, bekundete Fred mit sardonischem Gesichtsausdruck, woraufhin mir die Spucke wegblieb, da ich nicht wusste, ob Sirius sich geschmeichelt fühlen würde, wenn er bemerken würde, dass Gellert auf ihn stand.

„Und lass uns ehrlich sein, Sirius hat schon was“, gurrte George mit einem aufdringlichen Zwinkern zu mir hin.

„Oh ja, ich würde ihn nicht von meiner Bettkante schubsen“, warf Fred versonnen klingend ein.

„Wenn du das nicht tust… werfe ich dich von meiner“, erklärte George schlicht mit einem verdächtig eifersüchtigen Timbre, das Fred augenscheinlich nicht so oft zu hören bekam, so wie er nun strahlte.

„Ganz ruhig, meine Zuckerpuppe, als würde ich neben dir noch wen anders brauchen“, servierte Fred auch umgehend und bekam sehr süße rote Bäckchen, da er anscheinend das als großes Kompliment auffasste, für George der einzig wahre Partner zu sein.

„Das hört man gerne“, kommentierte George dann auch sofort sichtlich zufrieden, weil nur er der einzige für Fred war.

„Hallo, Red Devils!“, warf ich jetzt winkend ein, da es für mich außer Frage stand, dass die beiden auf ewig ein unzertrennliches Paar sein würden. „Das ist nicht lustig. Ihr meint, Gellert nimmt Sirius unter seine Fittiche?“, wollte ich expliziert mehr zu dem Thema erfahren, woraufhin mich beide sprachlos ansahen und in schallendes Gelächter ausbrachen, das dröhnend durch das Cottage hallte.

„Ohhh, wenn du mich fragst, nimmt er ihn ganz wo anders unter sich!“, griente Fred böse und unterstrich seine Aussage mit ordinären Handbewegungen.

„Nein“, stieß ich selbst in meinen Ohren fast schon zu inbrünstig aus. Das wollte ich mir gar nicht vorstellen, wohin die dreckigen Gedanken der Twins gingen.

„Was stört dich daran?“, „Wir haben doch nichts gegen Schwule?“

„Hatte ich das je? Ich darf euch oft genug sehen“, gab ich süßlich zurück.

„Wir sind doch nicht schwul, wir sind nur Partner bezogen“, kicherten die Jungs frech und es stimmte mit Sicherheit zu einem Gutteil bei George.

„Mal im Ernst, Hermione, du hast an Sirius doch kein derartiges Interesse mehr, oder?“, hakten sie zu scheinheilig klingend nach und ich wurde hellhörig. Was wollten die Twins ergründen?

„Aber trotzdem muss mir diese Vorstellung doch nicht gefallen. Ich meine Gellert ist ja nun schon sehr alt, nein, lasst mich aussprechen, vor allem da ich mir nicht sicher bin, ob sich Sirius geschmeichelt fühlen würde, oder eher beleidigt sein könnte… ihr wisst, wie Sirius sein kann…“, fasste ich meine Gedanken zusammen und konnte nur denken, dass Sirius ein sehr stürmisches Temperament hatte. Dabei erinnerte ich mich an unseren Streit in der Küche, als eindeutig seine Gefühle mit ihm durchgegangen waren und George schien sich auch daran zu erinnern, da er sinnierend nickte, bevor er überlegt antwortete:

„Jupp, bei ihm kann das ein schmaler Grat sein.“

„Eben“, kommentierte ich trocken, denn ich war mir sicher, dass Sirius ignorant genug war, Gellerts Avancen stoisch zu übersehen, bis es zu spät war.

„Aber Gellert wird das schon schaukeln… ich denke, er wird nur den Anblick genießen wollen…“

„Oh, meine Göttin, das klingt alles so schrecklich falsch. Natürlich wird er das, er hat sich meist unter völliger Kontrolle, nur solltet ihr Sirius darauf vorbereiten, dass er einen Verehrer hat, sonst… naja…Ach… das ist alles…“, ruderte ich aufgebracht mit meinen Armen durch die Gegend. „Warum können Sachen nie so laufen, wie sie sollen?“, blickten mich die Twins abwechselnd interessiert, aber auch sichtbar überfordert mit meinem Stimmungsumschwung an, sodass ich mir erstmal durch meine Haare fuhr.

„Ihr müsst verstehen, das war ja alles so nicht geplant. Ich meine, da geht man hin und will jemanden rausholen... und dann ... dann ist er nicht tot…“, schnaubte ich schon wieder abfällig über das Schicksal, das eindeutig mit uns spielte.

„Ja, das ist aber auch unerhört.“, „Aber so was von.“, „Ging mal wieder ein Plan in die Hose.“, „Sollten wir das nicht schon mal langsam kennen?“, kam es ziemlich ironisch von den Red Devils. „Tja, ich kann dich schon verstehen, Schönste, es ist auch frech von Sirius, anstatt tot zu sein lebt er…“, „Wie kann Sirius nur…“, schüttelten sie übertrieben und gespielt betroffen ihre karottenroten Köpfe. „Wie kann er nur?“, „Das hat er bestimmt mit Absicht getan.“

„Spottet ruhig über mich“, gab ich arrogant von mir und nippte an meinem Drink. „Aber ich meine das ernst. Warum muss alles so kompliziert sein?“, schüttete ich dann doch den Portwein in mich und erbat mir mit meinem ausgestreckten Glas Nachschub. „Warum kann es nie leicht sein?“, hob Fred die Flasche an und schenkte das kleine Glas voll.

„Tja, es ist eine merkwürdige Zeit, in der wir leben.“, „Jupp, ich sag mal so, Krieg ist immer kompliziert, so leid es mir tut, Schönste.“, „Und du hast mit Magie gespielt“, fassten sie abwechselnd zusammen.

„Autsch… müsst ihr das so sagen?“, seufzte ich ergeben in mein Glas.

„Es stimmt doch, du bist selbst schuld.“, „Was aber nicht bedeutet, dass wir nicht froh sind, dass du eben anders als alle anderen bist.“, „Schau uns an, wir leben in schlimmen Zeiten, aber wir verstehen es, zu leben und zu genießen“, gaben sie eifrig nickend zu bedenken.

„Solange man so ein sonniges Gemüt wie ihr hat, ist wohl alles gut“, spottete ich zähnefletschend.

„Uhhhh, mein lieber Gred da ist jemand gefährlich schwermütig.“, „Bitte, man weiß nie, wann es vorbei ist, also heißt es zu leben und sorry, aber nicht jeder kann das formidable Glück von Sirius sein Eigen nennen“, verkündeten beide eindringlich und ich musterte sie genau, was sie natürlich bemerkten.

„Ich denke, dann ist genau der rechte Zeitpunkt, ihr die Laune noch mehr zu verhageln“, setzten sie hinten an und ich schluckte schwer.

„Ach, neee, bitte nicht“, stöhnte ich und grabschte erneut nach der Flasche, da mir Böses schwante, als man mir ein Blatt vor die Nase hielt.

„Hier, schau dir das mal an, das flatterte in unseren Laden“, erklärte George und ich schnappte mir auch brav den Wisch, den sie mir vor die Nase hinhielten und las, während die Twins geduldig auf mein Urteil warteten.

Es war eine mehrseitige Broschüre, deren Titel in Goldlettern hervorgehoben war: „Schlammblüter und die Gefahren, die sie für eine friedliche, reinblütige Gesellschaft darstellen!“

Schon alleine das schlug dem Fass den Boden aus, aber ich war zu viel gewöhnt, um mehr als ein abfälliges Schnauben verlauten zu lassen.

„Das Ministerium verbreitet das gerade überall“, wurde ich von Fred leise aus dem Hintergrund informiert, dabei verschaffte ich mir einen raschen Überblick über den Schund, während bei mir von der in rosafarben gehaltenen Titelseite übelste Assoziationen hervorgerufen wurden.

Das Bild zeigte eine lächelnde, rote Rose mit einem etwas verängstigten Gesichtsausdruck, da sie von einem finster aussehenden Unkraut erstickt wurde. Der Stil und die Aufmachung deuteten auf eine schon längst verstorbene Person hin und irgendwie war ich mir sicher, dieses Propagandawerk hatte Dolores fick dich Umbridge schon lange in ihrem Schreibtisch verwahrt gehabt, sodass die Ministeriumsleute nur noch auf das Machwerk hatten zurückgreifen müssen.

Es war eine Zumutung, über die angebliche Bedrohung der Reinblütigen durch die Muggelstämmigen zu lesen. Wobei die konkrete Gefahr darin bestand, dass Magier ohne magische Vorfahren angeblich nicht anders an ihre Zauberkraft kommen konnten, als sie von den echten, den geborenen, magischen Menschen widerrechtlich zu stehlen, oder zu ergaunern. Aber wie das von statten gehen sollte, sagten sie nicht. Das war dumpfster Populismus, der mir Schädelweh verursachte.

Gab es wirklich Menschen, die diesen Humbug glaubten?

„Wow, das tut weh. Glaubt das jemand?“, fragte ich und wedelte mir mit dem Blödsinn Luft zu.

„Klar, einige schon und die, die es nicht glauben, trauen sich nicht es zu sagen“, verkündete Fred trotz dieser Lage gut gelaunt.

„Die Leute haben Angst, Todesangst um genau zu sein“, versuchte George mein abfälliges Schnauben zu ignorieren.

„Dafür habe ich keine Zeit“, warf ich das Schundwerk im hohen Bogen in den Kamin, der jedoch nicht brannte, aber trotz allem brodelte es in mir ärgerlich.

„Das wissen wir, Schönste und das musst du auch nicht.“, „Dafür hast du uns“, wechselten sie sich in gewohnter Manier ab, zu sprechen. „Aber am Rande solltest du informiert sein.“, „Und dafür sind wir da… und doch ist es zu wenig.“

„Wie meinen?“, fragte ich etwas ratlos.

„Naja, nach eurem Stunt im Ministerium sind sie wie die Bluthunde unterwegs“, erklärte George genauer und wirkte unerwartet traurig, was ihm gar nicht stand.

„Das heißt?“, wollte ich daher vorsichtig erfahren.

„Wir wissen nicht, wie lange wir in der Diagon Alley noch bleiben können“, bekannten sie offen bedauernd und bedrückt und rissen mir mit den Worten die Beine unter den Füßen weg. Es war nur gut, dass ich schon saß.

„Was?“, wisperte ich leise. „Ist es so unsicher für euch geworden?“, konnte ich das beklemmende Gefühl, das sich bei diesem Gedanken, dass die Twins ihr Geschäft würden aufgeben müssen, in mir aufbaute, nicht unterdrücken.

„Ja, als Weasley auf alle Fälle“, meinte Fred nun ebenfalls ungewohnt ernst.

„Und nun?“, fand ich mich mit der gegebenen Tatsache ab, das rotes Haar tatsächlich ein Handicap war.

„Tja, wenn wir keine Ideen hätten, wären wir nicht wir.“, „Wohl an“, sprachen sie amüsiert. „Wenn wir nicht mehr in den Laden können, überlegen wir einen Versandhandel aufzumachen“, verkündete jetzt George mit hintersinnigem Lächeln.

„Gute Idee“, stieß ich umgehend aus und applaudierte im Stillen ihrer flexiblen Geistesgegenwart. Das war eine Gabe, welche die Twins auszeichnete. Sie fanden dort Auswege, wo andere das Ende sahen.

„Die haben wir immer“, erklärten sie im Einklang arrogant aber witziger Weise absolut gerechtfertigt, aber noch bevor ich mehr entgegnen konnte, kam mir Fred zuvor.

„Und wir planen noch was…“ Ich blinzelte fragend.

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BeitragThema: 532. Aufgeflogen   Di Dez 01, 2015 11:56 pm

532. Kapitel Aufgeflogen

„Ja, jetzt, nachdem die Leute wahllos verschwinden, wollen wir nicht, dass ihre Namen vergessen werden“, waren sie mir plötzlich wieder viel zu ernst, als Fred damit herausplatzte.

„Was plant ihr genau? Vergessen?“, schoss Frage um Frage aus mir heraus.

„Ja, ist das nicht schrecklich? Niemand wagt es, die Namen der Menschen auszusprechen, die weg sind... und viele gehen nicht freiwillig..." erklärte Fred bewegt.

„Das ist aber noch geheim und völlig in den Kinderschuhen, also eigentlich gar nicht spruchreif“, wehrte George eilig ab und warf Fred tadelnde Blicke zu, die sich mir nicht ganz erschlossen.

„Wenn ihr es erwähnt, seid ihr schon weit. Ich kenne euch zu gut“, wandte ich neugierig ein.

„Fred, sie hat uns durchschaut.“, „Ich bin getroffen, oder auch betroffen“, versuchten sie es wieder mit ihrer Leichtigkeit, die diesmal jedoch nur gespielt war.

„Also, um dich nicht auf die Folter zu spannend, wir planen einen Piratensender mit informativen Berichten über aktuelle Ereignisse und vertuschte Mordtaten.“, „Tipps zu nützlichen Widerstandsaktionen und wie man sich vor der Verfolgung schützen kann.“, „Wie man aktiv am Widerstand teilnehmen kann, wohin man flüchten kann.“, „Radio halt“, ging es wie im Pingpong rasant hin und her und meine Augen wurden größer und größer aufgrund dieser fantastischen Idee, unsere magische Welt mit der Realität zu konfrontieren.

„Wow“, meinte ich aufrichtig bewegt über so viel Kreativität. „Ich bin baff, ich wäre nie darauf gekommen und wie… wie kam es?“

„Fred, wir schmücken uns gerade zu sehr mit fremden Federn.“, „Nein, George, lass doch, es ist schön, sich in ihrer Bewunderung zu sonnen.“, „Aber sie verdient die Wahrheit“, ging es weiterhin rasant zwischen ihnen hin und her.

„Wie bitte?“, zeigte ich mich von ihrem Verhalten offen und ehrlich verwirrt.

„Naja, diese grandiose Idee hatten wir gar nicht.“, „Wir waren unzufrieden und nörgelig und alles und dann…“, „Dann trafen wir eine große lebende Fledermaus“, zeigten sie mal wieder ihre lockere, lässige Art, aber ich verstand ihre Anspielung sofort.

„Severus?“, hauchte ich sprachlos.

„Schön, zu wissen, dass du ihn gleich erkennst“, zog mich George böse auf. „Aber ja, er hat uns den Stups in die richtige Richtung gegeben“, gaben sie eifrig nickend zu.

Gleichzeitig kam mir wieder unser erinnerungswürdiger Zusammenprall in den Sinn, als ich Severus von Sirius erzählte und das, was er mit mir getan hatte um danach meine Rache auszuleben und das, was ich mit ihm angestellt hatte. Aber wie sollte ich auf jemanden ewig wütend sein, der so was tat, solche Ideen hatte und uns half?

„Du wunderst dich über Snape?“, wollte Fred wissen.

„Nein, nicht wirklich, er überrascht mich ständig. Aber es ist schön, dass er hilft, wo er kann und jetzt sagt mir: Wie stellt ihr euch das genau vor?“, neigte ich mich neugierig und gespannt vor und blickte sie abwechselnd fragend an.

„Nun, Lee wird unser Moderator“, grinste Fred teuflisch.

„Lee?“, dachte ich sofort an die Burg in Irland, da Lee seit dem Ende der Schule dort wohnte und zusammen mit Angelina laborierte.

„Ja, wir waren deshalb auch in der Burg, als ihr Sirius angeschleppt habt. Wir haben Flint Lee abspenstig machen können.“, „Und wir selbst wollten nicht die Moderatoren sein“, erklärten sie geradezu enthusiastisch, dabei glommen der Stolz, aber auch die Vorfreude in ihren beinah identischen Augen.

„Warum?“, fragte ich nach.

„Wenn nur als Gäste, das ist uns sonst wegen Lucien zu heiß“, verkündete George erwachsen.

„Wer soll noch mitmachen?“, nahm ich diese Aussage so hin, da es sehr verantwortungsbewusst von ihnen war, für das Kind etwas vorsichtiger zu sein, ein riesen Liebesbeweis der Twins, wie ich fand.

„Lee, Angelina und wir, fürs Erste und wir sind Springer… aber wir überlegen, auch Gäste vom Orden einzuladen und so, es soll durchaus mehrere Sichten widerspiegeln“, zeigten sie, dass sie schon mitten in den Planungen steckten.

„Das finde ich sehr gut, aber passt bloß auf, dass ihr nicht auffliegt, oder gefangen genommen werdet“, war ich durchaus besorgt, denn sie wagten sich auf dünnes Eis.

„Klar, wir werden immer den Standort, aber auch den Sender wechseln“, offenbarten sie ihre fortgeschrittenen Gedanken. "Und natürlich denken wir über einen Passwortschutz nach“, antwortete der andere.

„Stimmt, wer ruht stirbt“, gab ich eine weniger schöne Weisheit kund. Bewegung war das Zauberwort, weshalb wir im Zelt auch ständig unseren Aufenthaltsort wechselten.

„Du kannst manchmal sehr aufbauend sein, Schönste“, servierte auch schon Fred gehässig aufgrund meines Einrufes.

„Aber der Widerstand braucht ein Sprachrohr, jemanden, der den Mund aufmacht, sonst haben wir von vornherein verloren.“ Ich nickte eindringlich auf ihre Feststellung.

„Seht ihr mich widersprechen?“, fragte ich daher auch nach und bedeutete mit einer Handgeste, dass ich sie vollauf unterstützen würde.

„Du liebst ja auch die Gefahr“, meinte nun Fred kichernd.

„Daran sind die Jungs schuld“, wehrte ich ab und lud die Schuld leichten Herzens bei Harry und Ron ab, was mir die Twins nicht wirklich abkauften.

„Tja, dass mein Bruder einen schlechten Einfluss hat, habe ich immer gewusst.“, „Oh, gegen Harry ist er ein Nichts“, kam es wenig ernstgemeint von ihnen, wie mir ihre gespielt unschuldigen Mienen verrieten. „Aber gegen unsere Schönste sind sie die wahren Unschuldslämmer“, entgegnete nun schon George aufrichtig gehässig und ich war versucht gewesen, ihm meine Zunge rauszustrecken.

„Sie werden euch suchen und jagen“, kam ich wieder auf den Ernst der Situation zu sprechen.

„Ach, musst du einem immer den Spaß nehmen?“, beschwerte sich auch schon Fred vehement.

„Du meinst Scabior und Greyback“, zeigte sich George wieder als der ernstere der Beiden, da er meinen Einwurf ernst nahm.

„Ja“, erklärte ich daraufhin nur nüchtern, denn es war nicht schön, sich einzugestehen, dass man seine Freunde jagte, somit endete dieses Gespräch recht nüchtern und wir gingen zu Bett.

So kam es, dass ich nach einer erholsamen Nacht und einem gemütlichen Frühstück bei den Twins ausgeruht und frohgemut um die Mittagszeit des Samstages in den Verbotenen Wald ging. Dort wartete ich verborgen unter den tiefhängenden Ästen der Bäume darauf, dass Lavender durch den Geheimgang auftauchte und Hogwarts hinter sich ließ.

Ich hielt mich an mein Versprechen ihr gegenüber und beobachtete, wie sie akkurat den Stein auf den Ausgang legte.

„Her… Hermione?“, flüsterte sie auch schon unsicher, als sie sich nun umdrehte, um meine finstere Gestalt unter dem Baum ausmachen zu können. Jedoch stand ihr die Freude ins Gesicht geschrieben, weil ich sie nicht alleine ließ.

„Lavender“, grüßte ich zurückhaltend, doch noch bevor ich zu ihr treten konnte, vernahm ich ein Rascheln hinter mir, das die Ankunft von jemand anderem ankündigte, weswegen ich herumfuhr.

„Hey, Fenrir…“, stockte ich in meiner Begrüßung, denn er war nicht alleine und schien ähnlich überrascht mich zu sehen, wie ich es war. „Patrick… was macht er hier?“, fragte ich schneidend und von meiner Freundlichkeit war nichts mehr übrig.

Denn es war ein wohlgehütetes Geheimnis, dass Fenrir Unterricht von Lavender erhielt. Dabei sah unser Deal nicht vor, dass Dritte an diesen Stunden teilnahmen. Apropos Lavender, sie bezog soeben in meinem Rücken Stellung, oder suchte eher Schutz, eines von beiden.

„Püppchen“, schnurrte Fenrir zu sehr, als dass es nett geklungen hätte. „Was für ein selten schöner Anblick. Du machst dich rar“, meinte er doppeldeutig, dabei gefiel mir der verschlagene Funken, der in seinen Augen Einzug hielt, gar nicht, als er mit einem unleserlichen, sehr maskenhaften Ausdruck auf mich zutrat, woraufhin ich unwohl die Stirn kraus zog, so wie er mich lauernd bedrängte. Alles was Fenrir tat war mit einer Intention verbunden.

„Ich bin begehrt. Also, was macht Patrick hier?“, insistierte ich weiter und versuchte, das komische Gefühl in meinem Magen, das sein sonderbares Auftreten erzeugte, zu vertreiben. Ich sollte sauer sein, da er sich nicht an die Vereinbarung hielt, nicht anders herum.

„Er soll auch lernen… er ist mein Stellvertreter… sie kennt ihn schon“, überrumpelte mich seine schneidend scharfe Aussage, während er sich weiterhin schleichend näherte. Das mochte Lavender gar nicht auffallen, aber Fenrir verhielt sich gerade sehr eigenwillig, regelrecht aggressiv.

„Lavender?“, fuhr ich scharf ihren Namen aussprechend zu ihr herum und sie zuckte unter dem tadelnden Ton zusammen. „Der Deal war ein anderer“, sprach ich zu Fenrir in meinem Rücken, um ihm vielleicht mit dieser Geste zu bedeuten, dass ich keine Angst vor ihm hatte, aber vor allen, dass ich ihm genug vertraute, mich ihm gegenüber schutzlos zu zeigen.

„Ja, sorry, das habe ich wohl vergessen zu erwähnen… sie… äh… sie kommen immer zu zweit…“, stotterte sie unsicher rum und biss sich verlegen auf die Lippe. Sie wirkte alles in allem wie ein trotteliger Welpe und blinzelte aus unschuldig blauen Augen entschuldigend zu mir auf, weil sie mich nicht vorgewarnt hatte, dass sie den Deal verändert hatte.

„Mein Mädchen“, knurrte Fenrir zufrieden und ich erstarrte am ganzen Körper, bei diesem durchwegs besitzergreifenden Ton.

Zu meinem Entsetzen vernahm ich auf einmal Lavenders kindisches, aber auch kokettierendes Lachen, wobei sich nun Fenrir aus meinem Rücken löste, an mir vorbei ging und jetzt nah zu ihr trat. Das konnte ihm nicht gefallen, ich meine, dieses soeben von ihr gezeigte, so seichte Verhalten erinnerte an ihre besten Zeiten von früher. Fassungslos beobachtete ich, wie sie tatsächlich auch noch die langen Wimpern klimpernd nieder schlug. Was sollte das? Flirtete sie? Sie mochte Fenrir nicht mal, warum verhielt sie sich dann so anbiedernd?

War es das, was sie meinte, als sie mit mir in meinem Schlafsaal in Hogwarts geredet hatte, dass in ihrem Innersten etwas auf den Alpha ansprang? Vielleicht konnte sie dann gar nicht so viel für dieses bescheuerte Verhalten? Ich mochte es für sie hoffen.

So kam es, dass ich mit einem gewissen mir bisher unbekannten Horror auf diese unerwünschte Szenerie vor mir starrte. Zu meinem Grauen fasste er nun nach einer ihrer langen, blonden so schweren Locken um sie mit einer aufreizenden Art auf seinen Zeigefinger aufzuzwirbeln. Kurz flackerte der Widerwille bei diesem Kontakt in ihren Augen auf, wenngleich sie sich ihm zugewandt verhielt.

Okay, jetzt verstand ich ihre Bitte, mit ihr zu diesem Treffen zu kommen, das war ihre Art um Hilfe gegen diese unerwünschte Aufmerksamkeit zu bitten, während mein Blick taxierend zwischen allen Beteiligten hin und her huschte, wobei mir einiges auffiel. Denn anders als Fenrir bemerkte ich durchaus den leidlichen Blick von Patrick, während er die Szene verfolgen musste, wie sein uralter Alpha abartiger Weise mit Lavender anbandelte. Denn Fenrir war im Alter des Dark Lords und wahrlich kein Mann, der für ein kleines Mädchen geschaffen war. Mir selbst entging beinah der unter gesenkten Lidern versteckte Augenaufschlag, den Lavender Patrick versteckt, aber recht geschickt zukommen ließ.

Ohhhaaaa, das war… gefährlich, überraschend, was auch immer, aber nicht gut!

Augenscheinlich schien sie mit Patrick weniger Probleme zu haben als mit Fenrir, wenngleich Fenrir sie betatschte und eindeutig zeigte, dass er an ihr Interesse hatte. Damit galt, dass Lavender für Patrick tabu war, was auch immer sich die beiden anderen wünschen mochten. Diese Wesen waren komisch, völlig ihren Instinkten unterworfen und das lebten sie auch aus. Fenrir war das Alphatierchen, daran gab es nichts zu rütteln und damit waren seine Rechte stärker als jeder persönlicher Wunsch. Jedoch kam mir ein böser Gedanke und da passierte es, dass sich ein gehässiges Grinsen auf meine Züge stahl, das würde fies werden.

„Das war nicht der Deal“, fing ich nochmal, auf meinem Standpunkt beharrend, an, sofort fuhr sein Gesicht mit einer wütenden Grimasse zu mir herum und ihm entwich ein gefährliches Knurren, das sogar die Vögel in den Bäumen flügelschlagend in die Flucht schlug.

Lavender zuckte augenblicklich zusammen, nur weit kam sie nicht, denn noch immer lag ihr Haar um seinen Finger und hielt sie gefangen, in ihrer nun sehr devot erscheinenden Haltung.

„Du weißt, dass wir an sich nur magische Menschen beißen, was bedeutet, dass jeder in meinem Rudel Magie anwenden kann. Also ist es für mich inakzeptabel, wenn unsere Fähigkeiten auf diesem magischen Gebiet brachliegen und ich bin gewillt, das zu ändern, aber alleine ist das schwer…“, versuchte er sich jetzt doch zu erklären, aber ich fuhr ihm mit erhobener Hand über den Mund.

„So sah der Deal nicht aus“, begehrte ich entschieden auf und widersprach ihm vehement, woraufhin Lavender erneut, aber diesmal auch Patrick zusammenzuckten, da wir beide mit unseren unterschiedlichen Meinungen gefährlich aneinander krachten und ich keine Anstalten machte, klein beizugeben.

Diese unterwürfigen Kreaturen machten mich mit ihren kuschenden Gesten rasend. Verachtung stieg in mir auf, wobei mich noch etwas anderes beschäftigte, ein kunstfertiges, magisches Rudel, das war heikel und so wagte ich mich kurz zu fragen, ob die Idee klug gewesen war, Fenrir die Magie nahezubringen. Auf der anderen Seite hatte ich eine Lebensschuld bei ihm abzuleisten gehabt und ich stand bei niemandem gerne in der Kreide.

„Wirst du kleinlich, mein Püppchen?“, provozierte Fenrir absolut lässig und zog extra fest an Lavenders Locke, weswegen sie schmerzhaft quietschte und hilfesuchend an ihr Haar fasste, während ich ihn aus verengten Augen musterte.

Es war eindeutig, dass sie gerade zu einem Spielball zwischen uns mutierte, wobei ich keinen Schimmer hatte, woher seine plötzliche Aggressivität kam. Die Stimmung zwischen uns war sonderbar, aber auf alle Fälle sehr angespannt.

„Ich wollte dir einen Gefallen tun, nicht deinem Rudel“, presste ich wütend hervor, da ich meine Gutmütigkeit ausgenutzt sah und ballte die Hände zu Fäusten.

„Ich bin das Rudel“, murrte er so düster, dass den anderen beiden eine sichtbare Gänsehaut aufzog. Aber Fenrir ließ nicht von Lavenders Locke, so dass sie ihren Kopf schon ganz schief hielt, da alles an ihr von ihm wegstrebte.

„Weißt du was?“, entgegnete ich nicht eingeschüchtert. „Dafür würde ich sagen, habe ich einen mehr als großen, einen riesengroßen Gefallen gut“, verkündete ich arrogant und mit einer allumfassenden Geste.

„Hast du das?“, zweifelte er so provozierend, dass ich innerlich wieder stockte. Das war nicht Fenrir, wie ich ihn kannte. Er war sauer und zwar auf mich, ich wusste nur nicht warum, doch er musterte mich mit sichtbarer Wut.

„Ja“, meinte ich daher langgezogen, weigerte mich aber weiterhin vor ihm zu kuschen, wie die anderen Beiden.

„Lass mal hören“, legte er sein fieses Antlitz aufreizend schief, zog leicht die Oberlippe zurück, so dass seine scharfen Reißzähne gerade so eben hervor blitzten und zog so hart an Lavenders Haar, dass sie kreischend mit ihm mit ging, ihm immer näher und näher kam, gut sichtbar schossen ihr die Tränen in die Augen und liefen ihre vor Angst blassen Wangen hinab.

Wie sollte ich ihn dazu bringen, von ihr abzulassen? Ich überlegte fieberhaft, wie ich diese Miesere vielleicht in Grenzen halten könnte, ohne dass das alles hier eskalierte, aber wenn ich mich einfach so damit einverstanden erklären würde, könnte dies auf lange Sicht mein Ansehen schmälern.

„Ich verlange von dir, dass du und dein Rudel die Magie niemals gegen mich, oder eine mir nahestehende Person einsetzt“, fasste ich dann meine Wünsche zusammen und sah ihm fest in die Augen, während Lavenders Finger sich um Fenrirs Handgelenk schlossen, auf dass der Zug auf ihre Kopfhaut nachließ, während sich Patrick sichtbar angestrengt zurückhalten musste, um nicht einzugreifen. Die Anspannung zwischen uns allen war mit Händen zu greifen.

„Treib es nicht zu weit“, knurrte er durch unbewegt erscheinende, schmale Lippen und ich konnte seine Aggression beinah schmecken, derart geballt zeigte sie sich, während Lavender weiterhin unter seinem Griff stöhnte und wimmerte.

„Fenrir!“, warnte ich drohend und verzog missbilligend meine Züge. „Ich sagte nicht, dass du niemandem von den mir genannten Personen etwas tun darfst, ich sagte nur nicht mit Magie“, versuchte ich ihm die Feinheiten meiner Forderung aufzuzeigen.

Ich wollte einen Status Quo, nicht seine Kapitulation.

„Spitzfindigkeiten“, bellte er verächtlich zurück und ich schaute arrogant zu ihm, wenngleich mein Trommelfell bebte und Lavender vor ihm auf die Knie ging, so als würden ihre Beine schlicht vor Furcht unter ihr nachgeben.

Die Situation war ernst, aber ich fand es wichtig, den Ist-Zustand zu erhalten. Fenrir und sein Rudel waren ernstzunehmende Gegner, wenn sie aber noch Magie wirken konnten, wurden sie eine regelrechte Gefahr.

„Du beutest meine Gutmütigkeit schamlos aus“, schrie ich ihn jetzt aufgebracht an. „Und jetzt lass sie los“, befahl ich zornig. „Wenn du willst, dass das hier weitergeht, erinnere dich daran, dass ich was bei dir gut habe“, drohte ich mit erhobenem Zeigefinger und er starrte diesen an, als wollte er nach ihm schnappen, wohlgemerkt mit seinem Mund.

„Püppchen“, suggerierte sein dunkler Bariton Gefahr und ich zog meine Stirn kraus, da wir sonst sehr viel harmonischer miteinander übereinkamen, aber diesmal war von seiner Seite keine positive Regung, oder gar ein Entgegenkommen zu spüren.

„Ahhhh“, wimmerte Lavender noch immer schmerzhaft unter seinem Griff.

„Ich erwarte und ich fordere diesen Gefallen“, blieb ich knallhart und seine Kiefer malten angestrengt.

In dieser Zeit unserer Auseinandersetzung hielt sich Patrick wohlweislich ziemlich geduckt im Hintergrund, oder besser gesagt, er wich immer weiter zurück, während ich keinen Deut an Abstand vor ihm verlor. Das schien auch Fenrir zu erkennen, als ein Ruck durch seinen Körper ging, er schien eine Entscheidung gefällt zu haben.

„Komm mit… Püppchen“, spuckte er mir derart verächtlich vor die Füße, dass es wehtat.

Abrupt ließ er von Lavenders Locke ab, woraufhin diese erleichtert, aber wenig possierlich auf allen Vieren eilig davon krabbelte und ihr Glück in der Flucht suchte. Fenrir hingegen stürmte auf mich zu. Übergangslos packte er mich grob am Arm und drückte zu, darüber konnte ich nur mit Mühe den Schmerzlaut unterdrücken, der mir auf der Zunge lag, aber den Gefallen würde ich ihm nicht tun. Lieber würde ich mir meine Zunge abbeißen, als ihm zu zeigen, dass er mir wehtat. Doch er hielt nicht ein, sondern zog mich weiter, so dass ich fast über meine eigenen Füße stolperte, während er mich unbarmherzig hinter sich her tief ins Dickicht hineinzog, indes bohrten sich seine Krallen durch mein langärmliges T-Shirt und kratzten unangenehm an meiner Haut.

„Fenrir... wo willst du hin…?", stieß ich atemlos hervor und stolperte unelegant über den unebenen Waldboden dahin.

Aber er ging nicht auf meinen Protest ein und als ich weiter gegen ihn ankämpfen wollte, ließ er mich abrupt los. Aber noch bevor ich mich orientieren konnte, schubste er mich schwungvoll von sich, entließ meinen Arm aus seinem Klammergriff und ich sah mich auf einen großen, breiten Baum zufliegen. Jedoch fing ich mich mit Geschick vor einem peinlichen Sturz, den er mit Sicherheit genossen hätte. Kurz atmete ich tief durch, blickte auf meine Hände, die sich am Stamm abstützten, bevor ich mich mit Schwung umdrehte und mich mit meinem Rücken an den Stamm lehnte, um ein wenig Halt zu finden. Während ich ihn vor mir fixierte und angespannt wartete, was wir zu bereden hatten. Er wirkte durchwegs erregt, wie sich seine mächtige Brust rasch hob und senkte und mir wurde klar, dass die anderen beiden dies hier nicht mitbekommen durften und war darauf gefasst, dass diese Unterredung durchaus auch ungemütlich ausgehen könnte, derart finster wie er mich musterte.

„Du hättest auch nett fragen können…“, ätzte ich süßlich, nachdem ich mich erholt hatte und er schnaubte nur auf. „Ich wäre freiwillig mit dir mitgegangen“, perlte mein Zynismus von meinen verächtlich geschürzten Lippen.

„Hätte ich… tue ich nicht, Püppchen“, fauchte er so bedrohlich wie noch nie zu mir und fletschte die langen, spitzen Zähne.

„Fenrir?“, wagte ich leise zu fragen, da ich ihm nicht folgen konnte, da für mich diese Aggressivität aus heiterem Himmel kam, doch er ging nicht darauf ein, sondern ging in eine gebückte, angriffsbereite Haltung und näherte sich mir wieder, wie das Raubtier, das er sein konnte.

„Was hältst du davon, wenn ich dir wirklich einen Gefallen tue“, klang es wie eine Drohung, „und wenn dieser Gefallen der ist, dass ich dich nicht töte?“, fragte er aufreizend, riss sein Maul weit auf und knurrte mich fies an.

Mein Atem stockte bei der unverhohlenen Feindseligkeit, die er zeigte, dabei trennte seine markante Visage nur noch eine Handbreit von meinem Gesicht und ich konnte die Wärme seines Körpers und seinen eigenwilligen Atem über meine Haut streifen spüren. Ich rührte mich nicht, jedoch nahm ich seine Aussage sehr ernst und achtete darauf, dass mein Herzschlag trotz der prekären Situation gleichmäßig schlug und meine Atmung gleichbleibend blieb. Ich wollte ihm keinen Grund geben, zu denken, dass er mich einschüchtern könnte.

„Warum solltest du das tun?“, fragte ich daher sehr punktiert nach.

Trotz aller gezeigter Lässigkeit war ich auf der Hut und wägte vorsichtig ab, wie ich mich ab jetzt verhalten sollte. Irgendetwas musste vorgefallen sein, unterdessen tastete ich jedoch nach meinem Dolch, denn alles an ihm zeigte, dass er zum Angriff bereit war. Es war beunruhigend, woher seine plötzliche Bosheit mir gegenüber kam, aber ich war gewillt, zu kämpfen und wenn zu gewinnen.

„Aus Rache“, bot er herausfordernd an.

Seine Augen sprühten Funken und mir stockte der Atem, in diesem Moment landete der lange, spitze Nagel seines Zeigefingers drohend, aber federleicht auf der Hauptschlagader an meinem Hals.

Ich schluckte schwer, während der kratzige Nagel über meine Haut und meine Schlagader fuhr, bis er bei dem vernarbten Biss des Vampirs ankam und anhielt. In dieser Zeit verbot ich mir eine Regung zu offenbaren, doch in mir überschlug sich alles. Was konnte ihn veranlassen, mich gerade so anzugehen?

„Warum?“, presste ich jetzt heiser hervor, da sich sein Nagel beständig immer schmerzhafter in meine Haut grub.

Sein Gesicht verzog sich zu einer hässlichen Fratze, die mir große Sorgen bereitete. Sollte es zu einem Kampf zwischen uns kommen, würde es sehr hässlich werden. Langsam schlossen sich meine Finger sehr fest und entschlossen, um den Griff meines Dolches.

„Aus Gerechtigkeit meinem Rudel gegenüber vielleicht?“, wisperte er süßlich und sofort bestätigte sich meine Sorge, dass ich mich von einem Schlag auf den Nächsten in einer brandgefährlichen Situation befand und rührte mich unter seinem bedrohlichen Griff keinen Zentimeter.

„Bitte?“, kam es zum Teil aufrichtig erschüttert von mir, wenngleich ich nicht behaupten konnte, dass mein Gewissen rein wäre. So stand ich doch auf der Leitung und überlegte fieberhaft, welches meiner mannigfaltigen Vergehen er meinen könnte.

„Tu nicht so unschuldig… du…“, hauchte er sichtbar mit sich kämpfend, um mich nicht sofort anzufallen, als ich fühlte, wie sich der spitze Nagel nun durch meine bis zum Letzten gespannte Haut bohrte und Blut aus meiner Wunde sickerte.

„Mhmm…“, entwischte es mir bei dieser kalkulierten Verletzung.

Er wirkte wütender als jemals zuvor, aber auch beherrschter, was es umso gefährlicher werden ließ. Er rang mit sich, die Muskeln in seinem Gesicht und an seinem dicken Hals arbeiteten und seine Augen funkelten zornig und ich biss mir auf die Zunge um jeden Ton des Schmerzes zu unterbinden.

„Ich… was?“, fasste ich den Mut, aufmüpfig unter seinem in mich weiter vordringenden Nagel zu fragen. „Willst du mich nun beschimpfen?“, wollte ich provokant erfahren, denn es war wichtig, ihm das Gefühl zu vermitteln, dass ich mich von seinen Drohgebärden nicht einschüchtern ließ, unterdessen blitzte es zornig in seinen Augen auf.

„Du hast Kendrick ermordet“, presste er hart hervor und das raubte mir die Worte.

Seine Feststellung dröhnte in meinen Ohren und ich wurde regelrecht in die Erinnerung zu diesem einen, schicksalhaften Abend gerissen, als mein erster Trupp ausgeschaltet worden war. Verdammt aber auch, diese zutreffende Anschuldigung kam für mich aus dem Nichts und ich hielt die Luft an. Damit hatte ich nun nicht gerechnet. Aber was sollte ich dem entgegensetzen? Denn es stimmte, ich hatte damals Kendrick mit der magischen Peitsche geköpft, doch wie konnte Fenrir es wissen? Wie hatte er es herausfinden können? Hatte Lavender geredet? Die Gedanken überstürzten sich in mir.

Gerade fletschte Fenrir aggressiv die Zähne und seine Oberlippe zitterte. Ich konnte nur denken, was für ein verdammtes Glück ich doch immer wieder hatte. War das zu fassen?

„Hat es dir die Sprache verschlagen, mein Püppchen?“, zeigte er sich provokativ, während ich mit Bedacht überlegte, dass es besser war zu schweigen. Gerade wirkte es, als wäre Fenrir kurz vorm Platzen, während sein Nagel weiter in meine Wunde eindrang. „Das passiert aber selten“, raunte er düster und das zufriedene Knurren, das aus seiner Kehle kam, ging mir durch und durch.

Er genoss seine diesmalige Überlegenheit in vollen Zügen, während ich noch immer schwieg. Es beruhigte mich, meinen Dolch zu fühlen, aber zudem umklammerte meine andere Hand mittlerweile meinen Zauberstab. Das Ärgerliche war nur, ich wollte gar nicht gegen Fenrir kämpfen.

„Gibbons…“, begann er unverträglich, beugte sich sehr nah zu mir und blies mir in mein Ohr, als er seinen Nagel aus meiner Wunde zog, was schrecklich wehtat. „Greengrass… Pyrites…“, hauchte er leise und zählte meinen ehemaligen Trupp auf, derweil kratzte nun sein langer Nagel ganz sachte über meine Haut und verschmierte mein Blut, während sich meine Brust von meiner Atmung hob. „Oh jaaaa… die hast du ebenfalls getötet…“, flüsterte er noch leiser. „Das warst… du…“, war seine Stimme jetzt nur noch ein Wispern, wie ein fast lautloses Versprechen und mir stockte der Atem, während ich mich fester hinter den Baum hinter mir presste und die Gänsehaut zu unterdrücken versuchte.

„Kein Zentaur“, stieß er jetzt lauter aus und ich schluckte schwer.

So verrannen die Sekunden zäh und es schien mir, als würden sie zu unerträglichen Minuten werden, während ich ihn mit relativ offenem Blick maß. Alle vier Toten gingen mehr oder minder auf mein Konto und das war mir bewusst, wenngleich sich mein Bei-oder gar Mitleid zu ihrem Ableben mehr als nur in Grenzen hielt und gerade überlegte ich, ob es möglich wäre, auch Fenrir auf ewig zum Schweigen zu bringen.

Ich würde es tun müssen, auch wenn ich nicht wollte!

„Püppchen, Püppchen… du bist sooo böse“, raunte er wieder und musterte mich mit glutvollem Blick, dabei pustete er nun sogar absichtlich Luft an mein Ohr und meinen Hals hinab, aber ich verbot mir eine Reaktion.

Ich war aufgeflogen, warum auch immer. Vielleicht hatte Lavender gesungen, wobei ich das nicht glaubte. Das Ärgerliche war nur, ich erkannte, wann es sinnlos war zu lügen, das würde ihn nur noch wütender machen. Wobei Fenrir nicht sauer wegen den anderen drei Männern war, ihm ging es nur um Kendrick, das Mitglied seines Rudels. Göttin aber auch, wie böse er mich anstierte. Wenn es um sein Rudel ging, war er nicht besonders flexibel und jedwedes Leugnen meinerseits würde es nicht besser, sondern schlimmer machen. Es war wirklich nicht leicht, nicht wegzusehen, während er mich fixierte. Ich konnte nachvollziehen, weshalb die meisten Leute einem Alpha nicht besonders lange in die Augen sehen konnten, aber ich wandte zu keiner Sekunde meinen Blick ab. Soeben schlossen sich meine Finger fester um meinen Dolch und meinen Zauberstab, denn diese Gegenstände gaben mir die nötige Sicherheit, meine Frau gegenüber diesem tollwütigen Werwolf zu stehen. Langsam wurde es Zeit für eine Reaktion meinerseits, dabei lag sein Fingernagel noch immer, wie eine stumme Warnung, auf meiner pochenden, blutverschmierten Ader.

„Autsch“, meinte ich daher dann ziemlich profan und verzog keine Miene.

Das wirkte auf ihn mit Sicherheit extra frech, wobei ich alles tat, um zu demonstrieren, dass mich sein neues Wissen nicht schreckte und so reckte ich mein Kinn sehr weit hoch, woraufhin er abfällig schnaubte und sich sein Nagel erneut härter in mein Fleisch grub und ich ein unechtes, höhnisches Lächeln auf meine Lippen klebte.

„Du versucht gar nicht, was anderes zu behaupten?“, fragte er pikiert, dabei berührten sich fast unsere Nasen, als er ostentativ an mir schnüffelte.

Nun fragte ich mich schon, ob er auf Angstschweiß meinerseits aus war, doch ehrlich, gegen diese Schattendementoren, oder die Shiofra sah er regelrecht hübsch aus.

„Wäre das wirkungsvoll?“, fragte ich herausfordernd und grinste ihn mit einer gewissen Abgeklärtheit an.

„Nein“, bestätigte er meine Vermutung vehement, dass er mit Sicherheit hinter mein Verbrechen gekommen war. „Du wirkst gar nicht beunruhigt darüber, dass ich weiß, dass du deinen ersten Trupp auf dem Gewissen hast“, schien er aufgebracht, aufgrund des Umstandes, dass ich mich nicht aus der Ruhe bringen ließ.

„Ich weiß es und egal was du alles sagst, es wäre für mich ein lächerlicher Versuch“, wisperte er zustimmend und als sein Finger noch ein wenig mehr in meine Haut bohrte, war ich kurz davor, meinen Stab zu ziehen und ihm diesen in seinen Hals zu rammen, aber noch beherrschte ich mich eisern.

„Tja, so ähnlich denke ich auch“, konterte ich wenig kooperationsbereit, jetzt in einem ausführlichen Geständnis zu versinken. „Und ich will dich doch nicht diskriminieren, denn wenn du eines nicht bist, dann doof, also sollte ich dich nicht anlügen.“

„Du bist unglaublich“, regte er sich über meine verächtliche Entgegnung auf. „Du solltest vor Angst erzittern vor meiner Rache…“, erregte er sich sichtlich. „… oder was geht gerade in deinem Hirn vor?“, legte er seinen Kopf schief und musterte mich eindringlich, während ich noch immer meine Chancen abwägte.

„Du überlegst, wie du mich töten kannst?“, meinte er plötzlich fast schon fröhlich bei dieser brillanten Erkenntnis von ihm. „Willst du das wirklich versuchen?“, fragte er dann fast schon perplex und reizte es weiter aus, denn ich wusste nur zu gut, dass mir bei diesem Wesen ab nun das Überraschungsmoment fehlte und mir somit im Kampf große Nachteile entstanden, sodass ein Sieg meinerseits fast unmöglich wurde.

Aber ich würde es trotzdem wagen, denn den ein oder anderen Joker hatte ich dann doch noch in Petto. Ich wog genau ab, denn er war ab jetzt eine unkalkulierbare Komponente. Er wusste von meinem Verbrechen und es galt, ihn mundtot zu machen. Was würde passieren, wenn er es Bellatrix, dem Lord oder anderen DeathEatern erzählte?

„Was erwartest du? Dass ich zitternd vor dir liege, wie Lavender auf dem Boden rum krieche und dich um Verzeihung bitte? Das wird nicht passieren“, informierte ich ihn schnöde und mit eiskaltem Herzen sah ich dem entgegen, was da kommen könnte, es war Zeit, die Wahrheit auszusprechen, die Masken fielen gerade ab.

Der, der Böses tat, konnte erwarten, dass alles irgendwann zurückkam.

Der Ärger. den ich mir einhandeln würde, sollte es Publik werden, würde fulminant sein und sehr, sehr schmerzhaft. Die Frage war, ob ich jemals wieder das Dark Manor würde verlassen dürfen, nicht dass ich wirkliche Angst um mein Leben hätte. Wie die Red Devils im Cottage gestern Abend so treffend richtig erkannt hatten, der Lord wollte mich, der Lord brauchte mich aufgrund meines Andersseins. Er hatte mehr als nur Verwendung für mich, die Frage war nur, inwieweit ich meine Freiheit behalten würde.

„Du bist so unendlich arrogant wie sie… deine Männer…“, warf er mir verbissen, aber auch sehr verärgert vor. „Ich weiß es, aber was ich nicht weiß, ist warum… warum hast du das getan?“, meinte er aufrichtig in seiner Fassungslosigkeit, die er mir zum ersten Mal seit diesem unerfreulichen Gespräch offenbarte, als er sich übergangslos von mir abstieß und ich zum ersten Mal tiefer durchatmen konnte.

„Woher weißt du es?“, wollte ich als erstes erfahren und unterdrückte den Drang, zu meinem verletzten Hals zu greifen, während sich ein Blutstropfen seinen Weg mein Dekolleté hinab bahnte und Fenrir mich sehr aufdringlich maß.

„Du hast dich selbst verraten“, erklärte er plötzlich knapp und eine Braue von mir sauste in die Höhe.

„Wie das?“, wollte ich ernsthaft besorgt wissen. Wenn mir solche Fehler unterliefen, wäre es unverzeihbar.

„Du sagtest, deine Lavender wurde am Vorabend des Vollmondes gebissen“, bekannte er nun Farbe. „Ich habe daraufhin das ganze Rudel auseinandergenommen, um zu ergründen, wer es war…“, kam es rau von ihm und er ließ den Blick nicht von mir. „Tja, aber keiner konnte von sich behaupten, in der letzten Zeit ein junges Mädchen gebissen zu haben… als mir einfiel, wer am Vorabend eines Vollmondes starb“, blitzten seine Zähne im mittäglichen Sonnenlicht. „Kendrick“, war er wieder mit einem Satz bei mir.

„Drohst du mir, Fenrir?“, überging ich seine Aussagen und seinen Angriff, indem sich umgehend nun mein Zauberstab in seinen Hals bohrte.

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