Inhaltsangabe
 
StartseiteStartseite  FAQFAQ  SuchenSuchen  AnmeldenAnmelden  LoginLogin  

Austausch | 
 

 Kapitel 567-568

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
AutorNachricht
queenie
Königin
Königin
avatar

Anzahl der Beiträge : 1408
Anmeldedatum : 08.02.12
Alter : 36
Ort : München

BeitragThema: Kapitel 567-568   Mi Sep 28, 2016 12:33 am

567. Kapitel Parvenü

„Radu“, knurrte ich böse, während Charlie Weasley versuchte, sich unsichtbar zu machen. Es war ihm unangenehm, bei unserer sehr privaten Auseinandersetzung anwesend zu sein.

„Severus“, kam es langgezogen in säuselndem Ton von Sanguini, woraufhin meine Sinne sofort anschlugen. „Sie hätte sich wehren können, das ist dir bewusst, oder?“, fragte er provozierend, dabei lagen seine stechenden Augen taxierend auf mir.

„Hätte sie?“, forschte ich lauernd nach und zog meine Augenbrauen zusammen.

„Sie wäre dazu in der Lage gewesen“, raubte mir Sanguinis Offenheit kurz die Worte und mein Augenmerk zuckte zu Radu, während Sanguini sich an der Bar zu schaffen machte.

„Sieh mich nicht an, ich habe nicht gekostet“, kam es reichlich pikiert von Radu und er wedelte mit seinen Händen fahrig durch die Luft, als ich mich fing und mit einer wegwerfenden Geste die Sprache wiederfand.

„Was fiel dir ein, ein Mitglied meiner Familie zu markieren?“, presste ich wütend hervor „Als Futter", knurrte ich wenig zurückhaltend, aber dieser Fakt erregte mich stets aufs Neue, wenn ich die zwei kleinen Narben an ihrem Hals sah.

„Severus, sei dir bewusst, dieses Ding ist keine Familie, sondern ein Es“, kam es reichlich despektierlich von Saguini.

„Vielleicht, darum geht es mir nicht!“, wägte ich genau ab. „Ihr beide wusstet, dass ich das nicht akzeptieren kann. Sie ist kein Versuchskaninchen“, brauste ich zum Ende hin wütend auf.

Zu meinem Leidwesen musste ich selbst erkennen, dass mich das Thema noch immer wütend machte, während ich eine kaum wahrnehmbare Bewegung ausmachte. Schon stand Radu hinter mir und legte mir seine Hand vertraulich auf meine Schulter. Er hatte sich innerhalb eines Wimpernschlages bewegt und den Platz von der Récamière verlassen, um aus dem Nichts bei mir aufzutauchen.

Ich hasste es, wenn sie einen Slide hinlegten, war aber darauf trainiert, hier nicht unvorbereitet zu sein. Sofort wurde meine Magie aktiv, so ähnlich wie bei unserem allseits geschätzten Lord, wenn er wahrlich mies gelaunt war und sich dies in schwarzen Schwaden, die sich um ihn rankten, manifestierte.

„Emotionen“, wisperte Radu vertraulich und wagte es, sich nah an mich zu lehnen, weswegen sein untoter Atem mein Ohr streifte. „Hast du dich seit deinem letzten Besuch bei uns nicht beruhigen können?“, fragte er herausfordernd, während ich mich zur Raison rief.

„Das war ein einmaliger Einmarsch“, amüsierte sich Sanguini und brachte nun Weasley, der den Pokal unsicher entgegennahm, persönlich ein Glas Wein zu trinken. „Und das nur wegen dem dickflüssigen, zähen, laschen Teerblut, das sie zu bieten hatte. Was findest du an diesem abstoßenden Wesen, Severus?“, reizte mich Sanguini absichtlich und erzeugte bösartig das Bild in meinem Inneren, wie er an Hermiones Hals hing und von ihr trank.

„Niemand von euch hat das Recht, von ihr zu kosten“, schnarrte ich in meiner besten Tonlage daher und reckte das Kinn in die Höhe, dabei blieb mir meine knisternde Magie wohl im Bewusstsein.

„Du bist so besitzergreifend…“, knurrte Radu daraufhin noch immer zu nah. „… rrrrr… das mag ich…“, wisperte er den Schluss seines Satzes so leise, dass nur ich es vernahm und jetzt musste ich an mich halten, um nicht süffisant zu lächeln.

„Sprich nicht derart lapidar“, meinte ich leise zu Radu und sah ihn ernst an. Das hier war kein Grund, zu spaßen.

„Severus“, tadelte er umgehend und ich schüttelte mit Bedacht mein Haupt.

„Kein Severus, ihr verkennt die Sachlage. Wenn einer von euch ihr je wieder zu nahe kommt, bring ich euch um, ohne zu zögern“, drohte ich seidig und deutete plötzlich mit meinem Stab Richtung seines toten Herzens. Ich bekam diese Art der Magie auch hin, ohne dass sie es mitbekamen und so starrten sie auch pikiert auf meinen gezückten Stab.

„Severus, du willst wegen diesem verachtenswerten Wesen eine anhaltende Freundschaft zerstören?“, fragte er sezierend.

„Ja“, servierte ich ohne zu zögern.

„Severus hat Recht, Sanguini“, wandte Radu sein blasses Antlitz seinem Kollegen zu, als er auf meine radikale Aussage reagierte, und sich von mir, der sich nun im Fokus der Aufmerksamkeit aller wähnen konnte, ab.

„Es war unbedacht von dir, von ihr zu kosten…“, lag der Vorwurf schwer in der Luft und dieses Eingeständnis war mehr als ich beim letzten Mal als Entschuldigung erhalten hatte.

„Wa… sssss?“, konnte Sanguini das Entgleiten seiner Miene nicht verhindern, während er einen Schritt vortreten wollte, aber die nächsten Worte von Radu nicht verhindern konnte.

„Ich, Radu cel Frumos, entschuldige mich im Namen der Familie Draculesti dafür, dass es zu diesem bedauerlichen Fehltritt kam“, erklärte Radu mit der ihm innenwohnenden Würde vergangener Jahrhunderte und doch wusste ich, dass nicht viele solche Worte von einem Vampir zu hören bekamen.

Selbst Sanguini klappte bei diesen unerwarteten Worten der Mund weit auf und mir ging der Elan verloren und ich ließ vom Leiter der Enklave ab und blickte zu Radu, dabei beachtete ich den bleichen Weasley gar nicht mehr.

„Genauso wie von ihm, derart auszurasten und hier alles zu zerstören“, kam es reichlich verschnupft von Saguini, der sich empört von Weasley abwandte und sichtbar hin- und hergerissen war.

„Radu?“, überging ich Sanguinis Entgleisung, dafür war die Entschuldigung Radus zu einzigartig, dabei enthielt die Aussprache seines Namens viele Fragen, die von ihm nur mit einem leichten Schmunzeln beantwortet wurden.

„Ich bitte euch“, schaffte ich es, zu meinem gewohnten, sarkastischen Selbst zurückzufinden, „eure spartanische Einrichtung zu ersetzen, dürfte nicht allzu aufwendig gewesen sein“, tat ich abfällig mit einer vollumfassenden Geste ab, aber die ganze Zeit sah ich Radu intensiv an.

Das Ambiente hier erinnerte meiner exquisiten Ansicht nach eher an eine Gruft denn an einen opulenten Salon.

„Die Türen?“, hauchte Radu mahnend, noch immer neben mir stehend, als unser aller Blicke zu den Flügeltüren glitten.

Wir waren alle drei in Erinnerungen gefesselt, wie ich mir mit dem Bombarda gewaltsam Zutritt verschafft hatte und zwar durch jede verdammte Tür in diesem toten Haus. Und zwar zuallererst durch die Eingangstüre, die ich kurzerhand weggesprengt hatte, weshalb auch der Butler dementsprechend weniger erfreut darüber war, mich wiederzusehen, denn nachdem ich eingetreten war, hatte er versucht, mich aufzuhalten, wie auch immer. Er hatte die Lektion lernen müssen, wie man als Vampir fliegen lernte, während ich mich nicht hatte aufhalten lassen und zu diesem Saal gestürmt war, den dasselbe Schicksal ereilt hatte wie die Eingangstüre. Ich hatte die Türen in ihre Bestandteile pulverisiert und ich hatte die Befriedigung erlebt, dass Radu und Sanguini nicht mit dieser Aktion meinerseits gerechnet hatten, da half alles Sliden ihrerseits reichlich wenig.

„Und vor allem die Blessuren von Sanguini…“, wägte Radu mit erhobener Hand ab, woraufhin der Genannte die scharfen Beißerchen fletschte.

„Blessuren?“, fragte ich provozierend. „Ein Happen zu Essen und schon dürfte davon erquicklich wenig zu sehen gewesen sein“, erklärte ich mit wegwerfender Verachtung.

Was für Jammerlappen. Schlussendlich hatte ich sie nicht groß verletzt, sondern ihnen nur in Erinnerung gerufen, dass man sie verletzen konnte und sie zwar unsterblich, aber durchaus zu vernichten waren. Ein Fakt, der ihnen nicht schmeckte, der mir aber große Genugtuung bereitete, ihnen delikat unter die feine Nase zu reiben und genau das tat mein provokanter Blick eben wieder.

„Ach, du bist unmöglich, Severus“, kam es rüde von Radu, jedoch tanzte ein gemeines Lächeln in seinen Mundwinkeln. „Wir haben etwas Besonderes, eine ganz besondere Beziehung, lass SIE das nicht zerstören. Sie ist eine Plage!“, bat er wispernd, dabei lag mein Blick durchdringend auf mir und ich bemerkte natürlich, wie er versuchte, seine Magie zu wirken.

„Hahaha, Radu, DU bist unmöglich“, meinte ich abfällig und dieser snobistische Typ schaffte es immer wieder, mich unsäglich zu erheitern, jedoch schüttelte ich mich entschieden, da ich von diesen Kinkerlitzchen genug hatte und mich entschlossen von ihm entfernte, hin zu Charlie Weasley, der leicht fehl am Platze anmutete.

„Um aber auf unser heutiges Zusammentreffen zu kommen“, riss ich mit entschlossener Stimme wieder alle hin zu ernsten Themen und weg von meiner werten Person und der des Biestes. „Dieser junge Mann steht euch gierigen Blutsaugern nicht zur Verfügung“, bestimmte ich endgültig und erntete empörte Mienen wegen meiner Anmaßung, während Weasleys Becher bedenklich in seinen Händen zu wackeln begann.

„Ahh, was maßt du dir hier an, Severus?“, kam es scharf von Radu, der sein Missfallen nicht aus seiner aufgebrachten Miene hielt.

„Was verleitet dich zu der Annahme, dass du sein Sprachrohr sein könntest?“, legte auch Sanguini hörbar irritiert und verbissen nach, als beide zu dem Zankapfel herumfuhren und dieser ihnen bemüht gleichgültig entgegensah.

„Was hast du mit Charlie zu schaffen?“, fuhr Radu nun wieder zu mir herum und ich hielt ihren lodernden Blicken locker stand, als sich eine lastende Stille über uns legte, in der wir einander belauerten. Plötzlich jedoch zuckte Radu zurück und schüttelte sein Haupt, als wäre ihm etwas eingefallen.

„Ahhh, ich verstehe endlich, du machst das wegen IHR, wegen der kleinen, gefährlichen Intrigantin“, stieß er verärgert aus und seine Gesichtszüge traten scharf hervor.

„Bitte?“, entgegnete ich blasiert und betrachtete ostentativ meine Fingernägel.

„Hahaha“, brach Sanguini in ein aufrichtiges und damit umso betörenderes Lachen aus. Ein feiner Ton, der in diesen finsteren Hallen gar sehr selten zu vernehmen war.

„Was erheitert dich so?“, fragte ich gepresst, während sich die Wangenknochen von Radu veränderten. Er bekam sein raubtierhaftes Gesicht und schien schwer mit sich zu kämpfen zu haben, dass er gegen das Gefühl ankam, dass Hermione sich nicht nur zwischen uns stellte, sondern auch noch zwischen Charlie und ihn, doch Sanguini lenkte gekonnt von ihm ab.

„Dass auch du der von dir so trefflich umschriebenen Dominanz durch Penetranz unterliegst“, amüsierte sich dieser selbstverliebte, beißwütige Trottel über mich und meine abfällige Aussage zu ihren nervenden Weibern.

Woraufhin ich an der reglosen Miene arbeitete, um sie auf gar keinen Fall zu verlieren, aber ich erkannte durchaus den vorhandenen Grund für sein Amüsement und fasste den wieder wohl verborgenen Zauberstab unter meinen wallenden Roben fester.

„Ich…“, unterbrach uns Charlie Weasley gehetzt, „ich… ich… erbitte Bedenkzeit!“, stieß er nun in die eintretende Stille hinein und jeder von uns wandte sich ihm langsam zu, während sein Blick nervös hin und her zuckte.

„Charlie“, raunte Radu verführerisch und glitt geschmeidig wie ein Geist auf ihn zu.

„Zeit? Es geht doch auch um die Zusammenarbeit…“, wandte er mit leichtem Tadel ein, dabei schien diese Stimmlage hypnotisierend auf seine Umgebung zu wirken, denn Weasley sah Sanguini an, als wäre er verliebt und selbst mir war anzumerken, dass ich mich zwang, unberührt zu wirken.

„Charlie“, erschallte es wieder mit dieser verheißungsvollen Tonlage eindringlich von Radu und Weasley kämpfte gegen den Sog der Wirkung und schüttelte seinen Kopf.

„Ich lehne ja nicht ab“, kam es eilfertig von dem Karottenkopf und ich rollte mit den Augen, als Radu dramatisch die Hand nach Weasley ausstreckte und dieser wie ferngesteuert auf den anziehenden Vampir zuhielt.

„Ich… ich bin mir nur unsicher… ob… ich das alles will und kann…“, stockte Weasley sowohl im Wort als auch im Schritt, da er gegen die Magie anzukämpfen schien, die von ihm Besitz ergriffen hatte, aber er tat sich schwer, weswegen er immer noch langsam auf Radu zu ging. „Und wenn ihr eines habt, dann Zeit. Daran sollte es euch nicht mangeln“, stieß er rau aus und dieser Willenskampf war erbarmungswürdig und kurz bevor das Raubtier nach seiner Beute greifen konnte, trat ich schicksalsergeben zwischen die Beiden.

„Wasssss“, fletschte Radu aggressiv die spitzen Zähnchen und ich legte mein Haupt schief und musterte ihn genau. Was sie konnten, konnte ich schon lange.

„Radu?“, hauchte nun ich seidig und es flackerte in seinen unnatürlich schimmernden Augen.

„Severus“, knurrte der Vampir verstimmt mit einer Prise Vorsicht im Ton und ließ seine ausgestreckte Hand langsam sinken und die knisternde Spannung aller lag gefährlich in der Luft.

„Verdamme keinen voreilig zu diesem, eurem Leben“, mahnte ich eindringlich mit schnarrender Stimme, dabei nagelte mein Blick ihn fest.

„Wir mögen unser Leben“, muckte er verärgert auf und musterte mich schneidend, während ich die Mundwinkel leidlich verzog. Anders als ich hatte dieser junge Mann eine riesige Familie, der er entrissen werden würde.

„Das weiß ich, Radu, aber ich kenne dich…“, entgegnete ich mit Eindringlichkeit, die ihm nicht zu passen schien, so wie er nun seine Zähne offenbarte.

„Tust du das wirklich, Severus?“, knurrte er tief und ich nickte mit Bedacht.

„Ja, ich weiß, wie schnell du dich langweilst, du suchst ständig den Reiz des Neuen“, verkündete ich überzeugt und durfte erleben, wie er einen übertriebenen und nicht zu seinem aggressiven Gesicht passenden Schmollmund zog.

„Vielleicht will ich ja Ruhe einkehren lassen?“, war seine Frage keine echte und ich schnaubte abwertend, dabei fiel mir auf, dass sich die anderen beiden ostentativ im Hintergrund hielten.

„Und für dieses Experiment ist Charlie Weasley die richtige Person?“, zweifelte ich offen mit gelebtem Sarkasmus.

„Höre ich da Eifersucht?“, klang eine Spur Zuversicht bei ihm mit und ich ahnte, ich musste genau abwägen, wie weit ich gehen konnte.

„In deinen hoffnungsvollen Träumen bestimmt“, hielt ich gespielt lapidar entgegen und schickte ein zynisches Schnauben hinterher, das ihn maßlos zu reizen schien.

„RRRarrrr…“, knurrte das Raubtier, das er war, und es rasselte in seiner Brust, dabei verzogen sich seine so schönen Züge zu einer hässlichen Fratze.

„Ach, hör auf, Radu“, durchbrach zu meinem Erstaunen Sanguini Radus Imponiergehabe, das in meinen Augen an Lächerlichkeit nicht zu überbieten war, woraufhin Radu zu ihm herumwirbelte. „Ja, gib dich keinen Illusionen hin, wenn wäre Severus zu IHM gegangen, nie zu dir“, meinte Sanguini entschieden und somit fuhr auch ich zu ihm herum.

Dieses Gespräch wurde sehr delikat und jeder bis auf Weasley wusste, wen er mit IHM meinte, nämlich das Oberhaupt der Vampire, Draculea Vlad III.

Leidlich verzogen sich meine Züge, dabei war ich mir der Musterung von Radu nur zu bewusst und es stimmte bis zu einem gewissen Teil. Sein Angebot hatte ich nicht sofort ausgeschlagen, sondern erst nach einer gebührenden Frist, aber Draculea war auch nicht halb so wankelmütig wie sein Sohn.

„Ganz gleich, ich werde niemals ein Vampir werden“, fing ich mich als Erster. „Es geht hier nicht um mich“, umschiffte ich das gefährliche Thema mehr schlecht als recht, derart wütend wie Radu gerade aussah und wie gehässig Sanguini zu uns sah, sodass ich mich zu dem jungen Magier umwandte, dessen Entscheidung zur Debatte stand. „Mr. Weasley, fragen Sie Radu, was er mit Ihnen tun wird, wenn er Ihrer nach Jahrhunderten überdrüssig ist…“, lebte ich meine Boshaftigkeit aus und vernahm zu meiner Bestätigung ein dunkles Knurren in meinem Rücken.

„Was… was meint er… Radu?“, kam es auch umgehend von Weasley, dabei konnte er seine Sorge, Angst und Zweifel, was auf ihn zukommen würde, nicht unterdrücken, woraufhin mir Radu einen aufgebrachten Blick zuwarf, als ich mich langsam wieder zu ihm umdrehte.

„Ach, so tief noch nicht vorgedrungen?“, fragte ich provokant, sah aber nur Radu an, nicht Weasley. „Nun, nicht jeder gebissene Vampir schafft es, sich so hervorzutun wie Sanguini“, erklärte ich gehässig und sah nun zu diesem und auch ihm passte es sichtbar nicht, dass ich von seiner minderen Abstammung sprach, so sauer wie er gerade dreinblickte. „Und nicht jeder überlebt es, wenn sein Erschaffer ihn verstößt, es kommt immer auf das Verhältnis an…“, offenbarte ich mein Wissen mit großem Genuss, während Weasley an meinen Lippen hing. So eine Aufmerksamkeit hätte ich mir von ihm zu seinen Schulzeiten in meinem erlesenen Unterricht gewünscht, aber nein, da tat man mein Wissen, das ich, großmütig wie ich war, weitergab, als unwichtig ab; alles Banausen.

„Wow…“, versuchte Radu, seine Verstimmung zu unterdrücken und mit gespielt begeisterter Verachtung zu reagieren. „Woher weißt du das alles?“, fragte er gepresst und ein höhnisches Lächeln wollte sich meiner bemächtigen.

„Tja, das ist die Frage, oder?“, reizte ich ihn absichtlich mit meinem vollumfänglichen Wissen.

Ich war nicht umsonst die Linke Hand des Lords und ich hatte es schon immer verstanden, mich mit dem ein, oder anderen mehr als gut zu stellen, der es bevorzugte, im Hintergrund zu walten und zu schalten. Dabei war es mir wie auch immer gelungen, Prinzessin Cneajna, Vlads Mutter, von mir zu überzeugen. Sie war so zuvorkommend gewesen, in ihrer sehr zurückhaltenden Art mit wenigen Worten zu umschreiben, was es bedeutete, dem Clan beizutreten, mit allen daraus resultierenden Vor- und Nachteilen. Dass es eben nicht jeder Gebissene schaffte, sich in diesem Vipernnest zu etablieren. Und sollte man Verstoßen werden, dies noch nicht den Tod bedeuten musste, aber alle Fälle den Verlust des Ansehens, was das weitere untote Leben noch oft unerträglicher werden ließ und dass die Kämpfe unter den Gebissenen oft verbissener ausgetragen wurden als bei den standesbewussten, gebürtigen Vampiren, die sich ihres Platzes immer gewiss sein konnten.

Gut, was sie mir erzählte war mir nicht neu gewesen. Denn an sich ging es bei den Magiern um nichts anderes bei dieser unseligen Geschichte über Pureblood, Halfblood und Mudblood, aber ihre Aussagen bestätigten mich in meinem Entschluss, die Finger von diesem Wagnis zu lassen und dankend zu verzichten.

„Radu, du verkennst Severus“, tadelte Sanguini und grinste mit einer hässlich verzogenen Grimasse, da er seine Zähne bleckte. „Er versteht es, sich bei allen lieb Kind zu machen, bis er genau die Informationen hat, die er braucht, oder aber will“, grollte Sanguini, dem ich seit seiner Entgleisung mehr als schlecht gesonnen war, und ich verkrampfte wieder meine Finger um den dünnen Stab in meinen sorgfältig versteckten Händen.

„Radu…“, riss uns die vorwurfsvolle Namensnennung von Weasley aus unserem Disput. „Du… du willst, dass ich das tue… bei einer so ungewissen Zukunft?“, kam es unsicher von Weasley, der es anscheinend nicht fassen konnte, dass Radu ihn derart hinterging.

„Was ist schon gewiss im Leben?“, servierte Radu tragend mit einer glatten und reglosen Maske. Aber ehrlich, was erwartete Weasley von einem Vampir? Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit?

Wenn ich jetzt zynisch wäre, was ich nicht war, könnte ich mich fragen, ob durch die massige Geburtenrate in seiner Familie eventuell kein Hirn mehr für ihn übrig gewesen war, was genetisch weitergereicht werden konnte. Verflucht, war ich von Idioten umgeben.

„Und im Tod“, warf ich umgehend mit großer Gehässigkeit ein und erntete einen giftigen Blick von zwei Vampiren.

„Charlie“, überging mich Radu mit säuselnder Stimme. „Hör nicht auf diese Unkenrufe, du bist nicht wie die anderen, du bist für mich etwas Besonderes…“ So wollte ich bei dieser Scheinheiligkeit brechen.

Radu war ein übersättigter Adliger, dem es schnell langweilig werden konnte, wenn er seinen Partner zu schnell zu gut kannte. Für seinen Partner bedeutete es, den Reiz des Neuen stets aufrecht erhalten zu müssen. Natürlich erkannte ich nüchtern und sezierend wie ich war, was Radu an Charlie Weasley fesselte. Dieser war ein temperamentvoller Rebell, der seinen eigenen Weg gehen wollte, ein kräftiger Bursche mit klugen Augen und einem gewissen Charme und mit dem gryffindor‘schen Mut gesegnet, der an unbedachte Tollkühnheit gipfelte.

„Drachen zu zähmen ist nicht dasselbe wie Vampire!“, schoss ich einen bösartigen Pfeil ab, der traf, da den beiden Vampiren ihre Visagen entglitten, aber es war eindeutig, was ihm gefiel, diese Risikobereitschaft, mit der Charlie Weasley vorging. Sein Beruf zeigte es zu deutlich, er suchte den Nervenkitzel, sein Beitritt zum Orden passte ins Schema und sein Techtelmechtel mit Scabior unterstrich es ebenfalls, von seiner Verbindung zu Radu ganz zu schweigen.

„Eine Anmaßung ohne gleichen.“, „Uns mit Tieren gleichzustellen.“, „Eine Frechheit.“, „Severus, du vergreifst dich im Ton“, brausten beide unisono auf und ich verbiss mir ein abfälliges Lachen, während mich Weasley mit offenem Mund ob meiner Anmaßung anstarrte

„Niemand zähmt uns“, grollten beide so tief, dass man die aufziehende Gänsehaut nur mit Mühe unterdrücken konnte, wobei sich Weasley schüttelte und ich meine Lippen gestelzt schürzte.

„Mann… seid ihr empfindsam“, hielt ich ihnen genervt vor. Dieses Getue wollte sich Weasley antun?

Ich mochte es anzweifeln, denn auch er starrte gerade gepeinigt auf die Szene vor sich.

Severus Sicht Ende

Hermiones Sicht

Ich konnte es nicht fassen, er rief mich zu sich!

Nach seiner letzten Aktion wusste ich nicht, wie ich mich ihm gegenüber verhalten sollte. Nach seiner Attacke in den Fluren von Hogwarts fühlte ich mich von ihm so vereinnahmt und irgendwie war ich hin- und hergerissen. Nur eines wusste ich ganz genau, ich wollte nicht zu ihm und es zog mich nicht dorthin. Aber nicht zu erscheinen kam nicht in Frage. Zu meinem Leidwesen rief er mich über mein Dark Mark, da konnte ich gar nicht anders als zu gehorchen, aber ich hatte Angst. Sollte ich ihm trauen? Oder würde er so weit gehen, diese Methode vorzuschieben, um sicher sein zu können, dass es ich es nicht wagen würde, nicht zu kommen? Denn so konnte er sichergehen, dass ich kam.

Meine Göttin war ich durcheinander und ich haderte, aber ich kam nicht umhin, den stetig ziehenden Schmerz in meinem Nacken nicht zu ignorieren, der mir langsam aber sicher Schädelweh ungeahnter Größe bescherte und so stapfte ich eher unlustig, unruhig und unsicher denn wirklich souverän den ellenlangen Flur von Malfoy Manor entlang, um meinem Quälgeist gegenüberzutreten.

Ich hatte die Jungs mit dem Auftrag zurückgelassen, nochmal alle möglichen und unmöglichen Ideen durchzugehen, wo ein Horkrux versteckt sein könnte, damit wir endlich vorwärts kamen, denn das war doch kein Zustand. Ich hatte ein ungutes Gefühl dabei, die Jungs alleine zu lassen. Eindringlich hatte ich gewarnt, dass Harry nicht wieder die dämliche Idee haben sollte, in den Geist des Lords zu schlüpfen.

Aber ich gestand es nur mir ein, ich war ehrlich regelrecht froh, der Enge des Zelts und den müden, genervten und launischen Gesichter von Ron und Harry zu entkommen, selbst wenn es bedeutete, ihn sehen zu müssen.

„Endlich“, erklang seine kühle, sehr ungeduldige Stimme. „Verstehst du das unter schnell?“, lag der hörbare Tadel wie ein großer Vorwurf in der Luft und ich stockte, da ich gerade meinen Fuß über die Schwelle seines Büros geschoben hatte, was für eine unerwartet unfreundliche Begrüßung.

Er saß hinter seinem mächtigen, barocken Schreibtisch und thronte wie ein selbstgefälliger König vor mir. Elegant in einem violetten, samtenen Gehrock, auf dessen Revers sich zwei gegenüberliegende silberfarbene Schlangen zu einem verschlungenen M wanden. Sein weißblondes, so glänzendes Haar lag offen wie ein Fächer um seine kräftigen Schultern und ließ ihn überhaupt nicht weibisch wirken, sondern trotz allem sehr männlich, während seine Miene geschäftige Beherrschtheit demonstrierte. Was mich jedoch wirklich fesselte war der flüchtige Blick seiner Augen, so leer und gefährlich dunkel, nicht sturmgrau und vernebelt vor Leidenschaft, wie letztens als er sich von mir abgewandt hatte, nachdem er mich nach seinem Belieben benützt und stehen gelassen hatte.

„Tja, du hast die Zauber auf dem Manor liegen, wenn ich direkt in alle Räume und nicht bloß in die Eingangshalle apparieren könnte…“, gab ich wenig beeindruckt Paroli, wenn er kalt sein wollte, konnte ich kühler sein, wie gesagt, ich buhlte nicht um sein Wohlwollen.

„Wie auch immer“, tat er meine Erwiderung mit einer unnachahmlich saloppen Bewegung ab. „Sieh zu, das nächste Mal schneller zu sein“, meinte er herrisch und sah noch nicht mal von seinen Unterlagen auf, während ich versuchte, diese unerwartete und völlig unfreundliche Begrüßung positiv zu sehen.

Das war es, was ich von ihm wollte, seine Nichtbeachtung, ich sollte mich freuen!

„Was willst du?“, fragte ich daher patzig zurück und sofort schoss sein Kopf hoch.

Seine Augen nagelten mich fest, kurz schluckte ich und fragte mich, ob es schlau war, ihm in seiner delikaten Gemütsverfassung die Stirn zu bieten. Alles an ihm drückte aus, dass er nicht zu Späßen aufgelegt war und mir wurde mulmig Zumute.

„Das wirst du zu gegebener Zeit erfahren“, kanzelte er mich scharf ab und verzog seine Lippen zu einem dünnen Strich. Alles in allem wirkte er sehr abweisend und ich trat einen Schritt näher auf ihn und seinen Schreibtisch zu, sodass ich nun in der Mitte des prächtigen Zimmers stand.

„Lucius…“, meinte ich versöhnlicher, aber er wischte meinen beginnenden Einwand mit einer harschen Geste davon.

„Nimm Platz und sei still“, befahl er, dabei erklang seine nasale Stimme geschäftig und ich konnte nur denken: wie bitte?

Ich dachte, mich verhört zu haben. Das waren völlig neue, sehr überraschende Töne und ich wusste nicht, ob sie mir gefielen, aber ich tat wie mir befohlen und ließ mich auf dem Stuhl ihm gegenüber nieder, während ich mir Zeit nahm, ihn zu mustern, denn er sah mich nicht mehr an. Er beachtete mich keine Sekunde. Er verhielt sich völlig desinteressiert und abweisend. Von meinem mich stetig umgarnenden Verlobten war nichts mehr zu erkennen. Ich nahm an, dass ich der Rechten Hand des Dark Lords gegenübersaß, derart geschäftig und ernst wie er sich gab. Nur selbst früher hatte er sich mir nicht derart abweisend präsentiert.

War er sauer, nach Hogwarts?

Meine Göttin, das sollte mich nicht verunsichern, schlussendlich hatte er mich genötigt, pfff und wenn schon, es sollte keine Rolle spielen, zumindest nicht für mich und trotzdem musste ich mich zwingen, nicht die Hände zu kneten, während ich wie eine gescholtene Schülerin im Stuhl saß und zu ihm linste. Ich beobachtete ihn dabei, wie sich seine Feder kratzend über das Papier bewegte und seine markante Schrift zurückließ. Das Ticken der großen Wanduhr war neben dem Prasseln des Feuers das einzige Geräusch im Raum, bis er sich geruhen würde, mir mitzuteilen, warum ich hier war.

Kurz bevor ich dazu bereit war, ihn zu fragen, ob ihm langweilig war und er Publikum brauchte, das ihm beim Schreiben zusah, raffte er sich mit einem Seufzen auf, das mich doch schweigen ließ.

„Ich will Antonin“, meinte er plötzlich harsch und ließ von seinen Pergamenten ab.

Er sah mich stechend scharf an und sofort wünschte ich, er würde wieder auf seine Papiere sehen, dieser Blick hatte nichts mit seinem sonstigen zu tun. Ich kam mir vor wie ein x-beliebiger Lakai, dem er einen Befehl entgegen schleuderte, der wenig Information enthielt.

„Was?“, entgegnete ich daher perplex und blinzelte ihn verständnislos an.

„Ich bin nicht gewillt, über diese Anschläge hinwegzusehen“, bescheid er selbstherrlich von oben herab, dabei verzog er keine Miene. „Die Zeit für meine Rache ist reif“, verkündete er weiterhin wie ein souveräner Herrscher, der ein Gesetz kundtat.

„Moment“, entgegnete ich rau und hob eine Hand. „Antonin schön und gut, was ist mit Bellatrix?“, verwirrte mich, dass er auf sie Rücksicht zu nehmen gedachte, da er sie nicht explizit nannte.

„Bellatrix mag verrückt sein, aber sie war schon immer listig und schlau, Graham kam aus Antonins Truppe, nicht aus ihrer…“, gab er widerwillig zu bedenken und strich sich unwirsch eine lange, blonde Strähne zurück und ich hob eine Braue an.

„Und derjenige, der versucht hat, dir den Todesfluch aufzuhalsen, kam damit auch aus Dracos Trupp, nicht aus Bellatrix´?“, stellte ich eine Frage, während ich angestrengt nachdachte.

„Du bist zu schlau, wenn du willst“, erwiderte er mit einer abwertenden Prise, die seine Ironie nicht gut versteckte und ich verbot es mir, ihm meine Wut zu zeigen, die ich bei seiner Abkanzelung verspürte.

Irgendwie passte es nicht zu ihm, Antonin zu ächten, aber Bellatrix davonkommen zu lassen, wobei uns beiden klar war, dass sie mit eine treibende Kraft war.

„Und jetzt?“, ersparte ich mir weitere Gedanken. Ich hatte erwartet, dass sich Lucius diese Attacke auf lange Sicht nicht gefallen lassen und zurückschlagen würde.

„Ich will ihm eine Lektion erteilen“, meinte Lucius genüsslich und mit einem jetzt Furcht einflößenden Lächeln, während er sich in seinem Sessel zurücklehnte und sofort meine Gedanken ansprangen. Was genau erwartete er? Was war sein wahres Begehr hinter diesen verwaschenen Worten?

„Ihn strafen, oder ihn tot sehen?“, präzisierte ich umgehend und erntete ein maliziöses Lächeln, weswegen ich große Augen machte. Anscheinend war er ebenso mit meiner Frage zufrieden wie der Lord. Der Ausdruck hätte eins zu eins zum Lord gepasst und bescherte mir ein unangenehm beklemmendes Gefühl in der Brust. „Wie stellst du dir das vor? Er ist im Inneren Kreis“, wagte ich anzumahnen, worauf er verächtlich schnaubte.

„Und ich bin die Rechte Hand“, erwiderte er lapidar, dabei schwang die unterschwellige Drohung mit, dass ich ihn und seinen Plan nicht in Frage stellen sollte und ich bemerkte, dass ich mich auf sehr glattem Eis bewegte. Die Stimmung zwischen uns war mehr als sonderbar und als unfassbar gefährlich zu bezeichnen.

Ich setzte mich noch aufrechter in meinen Stuhl und musterte den mir beinah unbekannten Mann vor mir. Die Vorstellung, dass seine Lippen auf meinen gelegen, oder seine Finger mich an intimsten Stellen berührt hatten, war beinah als abwegig zu bezeichnen, so unvorstellbar unnahbar wie er war.

„Und was erwartest du von mir?“, versuchte ich daher davon abzulenken, dass ich mich etwas unwohl fühlte, weil er mich wie jeden Idioten behandelte, der ihm zu gehorchen hatte.

„Ahh, eine exzellente Frage. Was will ich von dir?“, lag eine derartige Doppeldeutigkeit in seiner Frage, dass mir das Schlucken in meinem staubtrockenen Hals verdammt schwer fiel, dabei ließ er mich zu keiner Sekunde aus den Augen, während sich die Zeit verdammt zäh dahinzog und ich mir befahl, keine Regung zuzulassen.

„Nun denn“, riss er sich aus diesem stummen Duell. „Neben Severus bist du die Beste“, erklärte er so generös, dass es schon fast eine Beleidigung und eben kein Kompliment war und doch versetzte er mir mit dieser Aussage einen Stich.

Auch wenn er es mit unbeweglicher Maske verkündete, er sprach hierbei so viel nicht aus, was aber durchaus in seiner Tonlage mitschwang, es erzählte von Vertrauen, von seiner Überzeugung und seinem Glauben an mich und Severus. An sich verpackte er dieses Kompliment sehr geschickt, gleichzeitig lag mein Augenmerk nur auf dem, was er nicht gesagt hatte.

„Und dein Sohn ist schlecht?“, fragte ich heiser und wusste um die Provokation, als es in seinen Augen flackerte und ich verfluchte mein loses Mundwerk in derselben Sekunde.

„Nein, das sage ich nicht“, meinte er unerträglich von oben herab und hob eine seiner hellen Brauen an. „Aber mein Sohn ist mein Sohn und du bist… du…“, servierte er mit der ihm innewohnenden Arroganz absolut unbewegt, aber mit dieser Stimme, die in den Tonlagen bewusst Höhen und Tiefen einbaute, die mir eine Gänsehaut bescherten.

Was war seit unserem letzten Zusammenstoß passiert, dass er sich nun so gab?

„Aber wenn du dich der Aufgabe nicht gewachsen fühlst, dann sag es ruhig“, kam es lakonisch von ihm und er musterte mich weiterhin mit einer derart ausdruckslosen Miene, dass ich hart schluckte. War das hier ein Test?

Wenn ja, ich war dabei immer die Beste und er schaffte es, meinen Drang, mich zu beweisen, mehr als gekonnt anzustacheln.

„Wie weit soll das gehen? Er ist immerhin…“, begann ich vorsichtig zu wiederholen und wurde sofort unterbrochen.

„Im Inneren Kreis?“, warf Lucius unvorstellbar überheblich ein und hob sarkastisch seine Mundwinkel. „Sei kreativ, es ist mir gleich“, meinte er eindringlich und seine Skrupellosigkeit war ihm ins vornehme Antlitz geschrieben. „Aber es soll eine Warnung an alle sein. Sie alle sollen in Furcht erzittern. Dass er es gewagt hat, gegen mich… MICH zu intrigieren!“, brauste er am Ende inbrünstig auf und ließ die Contenance so weit fallen, dass er seine Faust auf den edlen Barockschreibtisch vor sich donnerte.

„Und Bellatrix?“, warf ich absolut reglos ein, als seine Augen eine Spur kleiner wurden, da er sie zu Schlitzen verengte.

„Die heben wir uns für später auf“, bestimmte er. „Sie soll ebenfalls vor Angst zittern, ob wir ihr auch noch nachstellen werden, oder nicht.“

„Du willst sie in die Enge treiben“, bohrte ich interessiert nach und lehnte mich etwas nach vorne, das war bei ihrem Wahnsinn nicht ungefährlich.

„Ich will sie isolieren“, kam es durch schmale Lippen von ihm. Er mochte seine Schwägerin echt nicht. „Noch Fragen?“, entgegnete er unfreundlich und so völlig anders als sonst mir gegenüber, während ich versuchte, mir nicht anmerken zu lassen, wie verstörend ich das fand. Ein Umstand, der mich verunsicherte, aber gleichzeitig rasten meine Gedanken.

Ich erhielt gerade einen Auftrag. Er hatte mich für seine Rache erwählt. Was sagte mir das?

Ich konnte seinen Beweggründen zu meinem Leidwesen nicht folgen und das beschäftigte mich, aber ab nun musste ich arbeiten und musste mich konzentrieren, weshalb ich diese verwirrenden Gefühle aus mir verbannen musste.

„Weißt du mittlerweile genau, wer den Todesfluch auf dich gefeuert hat?“, fragte ich daher interessiert, aber betont gleichgültig. Was er konnte, konnte ich schon lange, als er taxierend seine Braue anhob und mich genau musterte.

„King, John King“, kam es absolut neutral von ihm, ohne Emotion und ich sah ihm entgegen in sein maskenhaftes Antlitz und jetzt war ich es, die eine Braue anhob.

„Woher weißt du das so sicher?“, wollte ich genauer erfahren, als sich seine Lippen zu einem süffisanten Lächeln kräuselten.

„Ich habe meine Quellen“, hauchte er süßlich.

„Natürlich“, imitierte ich ihn abfällig und schürzte die meinen ebenfalls aus einer Laune heraus. Mir fiel auf, dass ich ihn absichtlich imitierte, vielleicht um eine andere Reaktion als Gleichgültigkeit zu erhalten?

Er tat mir wahrhaftig den Gefallen, denn ich konnte verfolgen, wie sein Blick kurz auf meine Lippen fiel und es flackerte etwas in seinen grauen Augen auf, aber nur so kurz, dass ich dachte, es mir eingebildet zu haben.

„Noch Fragen?“, meinte er daraufhin knapp und lehnte sich wieder vor, stützte seine Unterarme auf seinem Schreibtisch ab, woraufhin ich mein Haupt verärgert schüttelte, da es eindeutig war, dass ich mir vormachte, dass da etwas in seinem Blick gewesen war. Er war so kalt wie ein Fisch, da war nichts mehr, gar nichts.

„Jaja… wann?“, stieß ich nun gespielt lapidar aus, aber in mir brodelte es immer mehr.

„Jetzt, sofort…“, erklärte er hörbar unduldsam. „Sehe ich aus als ob ich Lust, oder gar die Muße hätte, zu warten?“, meinte er aufreizend und ich holte sehr tief Luft wegen seiner Anmaßung, da seine Aussage eine reine Anspielung auf unser Verhältnis war und sich nicht unbedingt auf diesen Auftrag bezog.

Sollte es endlich vorbei sein? Würde er sich nun aus der Verlobung zurückziehen und mich endlich wieder freigeben, nachdem er des Wartens überdrüssig war? In mir wollte Hoffnung aufwallen und gleichzeitig ein Gefühl der Leere und des Verlusts Einzug halten. Ich war durcheinander und ballte meine Hände zu Fäusten.

„Schon gut…“, murrte ich bemüht gleichgültig. „Ich mach es ja schon “, stieß ich endgültig verärgert aus.

Wäre es ab nun immer so wenn wir uns sahen?

So erhob ich mich rasant und drehte missgestimmt ab und ließ diese unfreundliche Person ohne ein weiteres Wort hinter mir, aber er hielt mich auch nicht auf.

Was dachte sich dieser eingebildete, selbstverliebte Machtmensch? Dass ich ein Spielzeug war, das er beliebig aus dem Regal ziehen und wieder zurückstellen konnte wie es im passte? Zuerst immer Zuckerbrot und nun die Peitsche, wollte er mir damit zeigen, dass seine Geduld doch ein Ende hatte? Sollte ich nicht froh sein, wenn es so wäre?

Sollte ich nicht himmelhoch jauchzend statt zu Tode betrübt sein?

Andererseits rügte ich mich, was mich hieran beschäftigte. Schlussendlich war ich nicht davon abhängig oder süchtig danach, dass er mir nachstieg und ich ihn abwies. Dieses Spiel gefiel mir nicht und es war gut, wenn das endete und das rief ich mir gerade wieder ins Gedächtnis, als ich im Foyer ankam und mich erst mal fasste. Ich sollte glücklich sein, wenn er jemand anderem seine Aufmerksamkeit schenkte und wenn er sein Interesse an mir verlor.

Ja, das war gut, nur eines stand nicht zur Debatte, ich würde die Rechte Hand nicht enttäuschen. Ich hatte einen Auftrag erhalten und den galt es zu erfüllen, dabei konnte ich das gut trennen, dass mich der Privatmann nun nicht mehr beachtete, zumindest redete ich mir das mehr als gekonnt ein.

_________________
Nach oben Nach unten
queenie
Königin
Königin
avatar

Anzahl der Beiträge : 1408
Anmeldedatum : 08.02.12
Alter : 36
Ort : München

BeitragThema: 568. Spontanität in Person   Di Okt 04, 2016 10:40 pm

568. Kapitel Spontanität in Person

Ich landete in der Knockturn Alley.

Ohne zu zögern glitt ich in die Schatten und zog mir die Kapuze noch tiefer ins Gesicht. Diese Gasse schaffte das Kunststück, dass es immer mehr zum Treff der sonderbaren und makaberen Typen verkam, nicht dass es nicht schon vorher so gewesen wäre, aber je mächtiger der Lord wurde, desto finsterer und düsterer wurde diese Gasse. Es war, als würde das Böse diese Kreaturen aus ihren Löchern herauslocken, nun da das Dunkle auf dem Vormarsch war und die Geschäfte der Diagon Alley mehr und mehr schlossen.

Hier in dieser Gegend fiel ich nicht sonderlich auf, sondern glitt wie ein schwarzer Schatten im Schutz der Mauer entlang und verspürte nie das Gefühl der Sorge, oder Angst, nicht dazu zu gehören. Ich erinnerte mich an meine Anfangszeit zurück, meinen ersten Gang hierher, als ich an dem „Dark and Hell Wand" Zauberstabgeschäft vorbeiging, das jetzt, nachdem Olivander verschwunden war, erst recht boomte.

Mit aufziehender Wehmut erinnerte ich mich an das vorlaute, besserwisserische und unerträglich altkluge Mädchen, das so herrlich naiv und unbedarft gewesen war und schüttelte über viele meiner unbedachten Aktionen den Kopf. Ich hatte mir das Apparieren wirklich selbst beigebracht, nach der Katastrophe in der Schule sah ich ein, dass das damals ein Himmelfahrtskommando gewesen war. Aber auch mein Alleingang in die Nockturn Alley war mehr als gewagt gewesen. Ein Wunder, dass mir nichts passiert war, denn ich war an sich wehrlos gewesen, bis ich den Zauberstab in Händen hielt.

Kinder konnten so herrlich doof sein, dass es wehtat, aber mittlerweile schien ich hierher zu gehören, denn mir fiel etwas Neues auf. Auch ich schien etwas auszustrahlen. Die ein, oder andere eigenwillige Kreatur wich furchtsam vor mir zurück und verschwand eilig im Schutz der Dunkelheit, darauf bedacht, mir nicht zu nahe zu kommen, aber ob mir dieser Umstand gefallen sollte, da war ich mir nicht so sicher. War ich das größere Monster unter Monstern? Wunderbar!

Ich dachte darüber nach, wie ich Lucius, nein, wie ich die Rechte Hand zufriedenstellen konnte. Es war unfassbar, wie sehr es mich antrieb, ihn stolz auf mich zu machen, indem ich ihm zeigte, wie gut ich war, wie geschickt ich war und wie fantastisch ich meine Aufgaben erledigte.

Tat er das mit Absicht? Ich meine, kitzelte er meinen Willen, mich immer als Beste hervorzutun?

Nein, das wollte ich nicht denken, das würde er nicht tun, es ging hier um seine Position, seine Stellung und seine Rache und dabei war er sehr stringent. Wenn er mich nicht als fähig, würdig, oder als die beste Wahl erachten würde, hätte er mir nicht den Auftrag geben, so einfach war das.

Auf der anderen Seite war es ein Kompliment, dass ich die Beste darin war, Angst und Schrecken zu verbreiten?

In Lucius‘ verdrehter Weltanschauung bestimmt, aber in der normalen Welt?

Zu meinem Leidwesen konnte ich mir den wahren Luxus der Moral in diesem Krieg schon lange nicht mehr leisten und schob diese Gedanken rasant von mir und wandte mich den relevanten Dingen zu.

Was wäre die rechte Strafe für King?

Er hatte versucht, Lucius hinterrücks mit einem Avada zu ermorden. Was verdiente er dafür?

Wobei… Lucius hatte einfach nur das zurückerhalten, was er mir angetan hatte, denn er hatte auch mich hinterrücks mit diesem heimtückischen Fluch attackiert, über den ich immer noch keine weiteren Informationen erhalten hatte. Vielleicht wäre die Bibliothek im Manor hilfreich, aber die Blöße würde ich mir nicht geben, denn dann wüsste Lucius, dass ich dort danach suchte und ich war mir sicher, er hatte jeden schriftlichen Beweis verschwinden lassen.

Innerlich grollte ich ihm und gönnte es ihm von Herzen, weil er es verdient hatte, von hinten angegriffen zu werden.

Avada und mein Fluch, war das allerdings wirklich gleichzusetzen?

Zu meinem Leidwesen gestand ich mir ein, was auch immer Lucius mir gemeines antat, er wollte mich nicht töten. Nach seinem heutigen Verhalten konnte ich jedoch unterschreiben, dass ich von diesem Mann gar nichts wusste.

Sonderbar fand ich ebenfalls, dass sich nicht Draco darum kümmern sollte, da King eigentlich sein Mann, er in seinem Trupp war. Aber wie gesagt, ich zuckte schicksalsergeben mit meinen Schultern unter meinem langen, schwarzen Mantel und fand mich damit ab, dass es so war, wie es war. Als ich den Geköpften Henker betrat, machte ich wenig verwundert einen Teil meiner Snatcher aus.

Das hier war ihr Anlaufpunkt, hier gefiel es ihnen, was für ein vorzüglicher und exquisiter Geschmack. So schweifte mein verächtlicher Blick durch die heruntergekommene und verdreckte Kneipe und blieb an Scabior, Fenrir und Patrick hängen. Jedoch stockte ich, da ich nicht fassen konnte, wer sich hier noch eingefunden hatte. Zu meiner sehr großen Verwunderung war hier eine Person, mit der ich nie und nimmer gerechnet hätte. Sonst mied er die Öffentlichkeit und sonderte sich extra von seiner Umwelt ab, aber auch wenn er nicht wirklich als Teil der Truppe wirkte, amüsierte er sich mit ihnen zusammen. Diese Vier rotteten sich um einen großen Tisch in einer Nische zusammen. Es war eine Gruppe Männer, vor der die meisten Besucher kuschten und hofften, nicht ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Jeder konnte ihnen ansehen, dass sie nicht die nettesten Gesellen waren. Scabior in seiner düsteren Tracht, mit geflochtenen Strähnen im Haar, die ihn nicht tuntig erscheinen ließen, sondern eher zwielichtig, während Fenrir und Patrick schlicht grobschlächtiges Werwolfstestosteron ausstrahlten und die Menschen schon alleine deshalb in die Flucht schlugen, aber es lag eindeutig an der letzten Person, die dafür sorgte, dass die Menschen um sie herum einen wirklichen großen Bogen um sie machten.

„Barty“, entglitt mir sein Name und ich trat in einer einzigen Bewegung an den Tisch und erlangte die Aufmerksamkeit aller Anwesenden, die sofort zu mir sahen und es war so ungewohnt, Barty in einer normalen Umgebung zu sehen, dass ich noch immer leicht verwirrt war. Allem voran interessierte mich, wer auf die Dementoren vor der Schule aufpasste wenn er hier war?

„Was tust du hier?”, schob ich fragend hinterher, ohne besondere Geduld in meiner Stimme.

„Ahhh, Püppchen“, kam es unisono von Scabior und Fenrir. „AHHH, welch seltener Gast.“, „Wer beehrt uns denn hier?“, „Püppchen, auch mal wieder unter Leuten?“, begrüßten mich meine Leute mit dümmlich grinsenden Gesichtern, während mir Barty lustig entgegen züngelte.

„Anschluss suchen und finden“, meinte Barty durchdringend und mit laszivem Zwinkern auf meine vorhergehende Frage.

„Und wer erledigt deinen Job?“, verlangte ich mit autoritärer Stimmlage zu erfahren, während ich mich vor ihrem Tisch aufbaute.

„Zu viele Dementoren bekommen einem auf lange Zeit nicht“, schaltete sich Fenrir dröhnend mit ein und ich rollte unbewusst mit den Augen, was eh keiner sah, da meine Kapuze viel zu weit in mein Gesicht hing. „Die Linke Hand wird doch mit ein paar Dementoren alleine fertig“, meinte Patrick. „Oder aber er kam zu uns, um mit uns einen Fanclub für dich zu eröffnen“, kam der geistreiche Einwurf von Scabior.

„Und sie sind schlecht drauf, das kannst du mal glauben“, stieß Barty leidlich begeistert die Luft aus und leckte sich angestrengt über die Lippen und ich erinnerte mich schlagartig an das leidige Thema, dass die Dementoren scharf auf die Seelen der Leute waren, die gefangen wurden und versuchte, die Übelkeit, die in mir aufstieg, zu unterdrücken.

„Ein Fanclub?“, ging ich daher auf Scabiors Aussage ein. „Das wäre es ja. Wann schwenkt ihr Fähnchen?“, meinte ich gespielt gutmütig und ließ mich auf den freigewordenen Platz nieder, da Patrick dienstfertig aufgestanden war und sich selbst einen neuen Stuhl holte.

„Ich finde es eher lustig, dass ich dich außerhalb Hogwarts öfters treffe als drinnen, mein Licht“, zeigte Barty mal wieder unheimliches Geschick darin, meine Versuche, vom Thema abzulenken, zunichte zu machen und Dinge anzusprechen, die nicht laut behandelt werden sollten. Es war mal wieder enervierend und ich war für meine Kapuze dankbar, die mein Gesicht verbarg, da das aufziehende Lachen aus den Mienen von Scabior, Fenrir und Patrick verschwand.

„Du sagst, dass die Dementoren sauer sind?“, fragte ich langsam und mit Bedacht, da ich nicht bereit war, auf meine Aufenthaltsorte einzugehen, während es in mir ratterte, wie ich aus der Sache rauskam und die anderen sofort aufmerksam lauschten.

„Oh ja“, meinte Barty eilfertig, währenddessen war er sichtbar bemüht und lehnte sich weit über den Tisch. „Ich kann sie kaum noch beruhigen, aber du meidest sie und mich“, beschwerte er sich mit einem nicht zu überhörenden Vorwurf, der mir zu meinem Schrecken durchaus schmeichelte, während er eine vermeintlich niedliche Schnute zog und sich sein Oberkörper immer weiter über den verdreckten Tisch legte, in der Hoffnung, aus mir ein Zugeständnis heraus betteln zu können. Ich verzog meine Mundwinkel gut verborgen unter meiner Kapuze, als ich ostentativ meinen Kopf zu Scabior drehte.

„Ihr habt gerade nichts zu tun?“, stellte ich die nächste Frage und überging Barty mit einer fast schon beleidigenden Arroganz, aber ich war nicht bereit, mich doof von der Seite anquatschen zu lassen. Wenn ich keine Zeit für ihn und die Dementoren hatte, dann war das so, aber ich war ihnen verflucht nochmal keine Rechenschaft schuldig.

„Äh…“, kam es reichlich verblödet von Scabior, der mit meiner Aufmerksamkeit nicht gerechnet hatte, weswegen er sich verschluckte und aus dem letzten Loch zu husten begann. Dieser Umstand überspielte, wie konsterniert Barty über meine Nichtbeachtung wirklich war.

„Es fliehen ständig welche“, würgte Scabior an seiner Antwort und wischte sich das Ale von seinem Kinn. „A… aber gerade sind keine Besonderen dabei und Potter ist wie vom Erdboden verschluck“, verschluckte er sich erneut, sodass ihm Patrick mit wenig Feingefühl auf den Rücken schlug, was nicht wirklich hilfreich aussah, so wie es Scabior nach vorne wuchtete.

„Das Strähnchen ist wählerisch“, erklärte Fenrir gehässig und zeigte seine leicht fleckigen, gelben Beißerchen. Eines musste man den Vampiren lassen, ihre waren immer tadellos weiß und hervorragend gepflegt. Warum ließ er sich nach meiner Verschönerungskur an ihm wieder so gehen? Fand er meine Mühen lustig?

Ich war mies drauf, wie ich zu bemerken begann, und ärgerte mich, dass mich Lucius‘ affektiertes Gebaren derart beeinflusste und verkniff mir in letzter Sekunde einen giftigen Kommentar. Lieber weidete ich mich an ihrer Giftigkeit untereinander.

Scabior wollte etwas entgegnen, aber Patrick holte aus und schlug so fest zu, dass es ihn niederdrückte und er die Luft ausstieß wie ein platzender Ballon, während sich Fenrir mit verschränkten Armen zurücklehnte und mich genau beobachtete.

„Manchmal muss man es auf sich zukommen lassen“, sprach aus Fenrir der geborene Jäger und gerade lauerten mir seine intensiven Augen auf. „Was willst du wirklich hier, bei uns?“, lag eine unterschwellige Zweideutigkeit in seiner Frage, die mich schmunzeln ließ, während mir sein Blick erzählte, dass er gespannt war, was ich wollte, da ich hier sicherlich nicht ohne Grund aufkreuzte.

Ach, er kannte mich einfach zu gut, gestand ich mir widerwillig ein, als ich dieser eigenwilligen Zusammenkunft eine überlegte Musterung zukommen ließ und sinnierte, wie ich mir ihre Gegenwart für meine Ziele zunutze machen konnte.

„Ich habe einen Plan“, verkündete ich der Gruppe nach einer Weile mit Grabesstimme und erntete unterschiedliche Reaktionen in den einzelnen Mienen.

„Soll ich nun Angst bekommen?“, lachte Fenrir plötzlich zähnefletschend los und ich knurrte unwillkürlich auf, da er mich nicht ernst nahm.

Aber wenn er auch nur im Ansatz ahnen würde, dass ich plante, sie in eine Bestrafungsaktion der allerersten Garde mit einzubeziehen, dann würde ihm sein bescheuertes Lachen schon noch abhandenkommen. Ganz anders reagierte jedoch der rotgesichtige Scabior, da seine nach der Hustenattacke rotgeäderten Augen gierig aufleuchteten. Wohingegen Patrick schicksalsergeben sein Haupt neigte und brav abwartete, was sein Alpha tun würde. Er war ein Mustervorbild des braven Betas, der er war, hier lag eine gewisse Verächtlichkeit in meinem Denken, derer ich mich nicht erwehren konnte.

Barty betrachtete mich kalkulierend, denn er schien abwarten zu wollen. Schlussendlich war er kein Mitglied meines Trupps und hatte noch nie für mich gearbeitet und soeben hatte ich ihn ziemlich auflaufen lassen. Kein Wunder, dass er sich erst mal vorsichtig zurückhielt, um sich keine Blöße zu geben.

„Angst?“, hielt ich aufreizend dagegen und wünschte mir, dass ich Fenrir mein furchtloses Antlitz zeigen konnte und erhielt jegliche mögliche Aufmerksamkeit der Männer, als ich sehr stark betont meine Schultern hochzog. „Keine Ahnung, ob es euch ängstigen sollte, was ich von euch will“, wisperte ich leise, aber sehr akzentuiert. „Es ist ein Auftrag und als ich euch sah, wusste ich, dass ich euch brauchen kann“, gab ich willig Auskunft über meine Beweggründe und lehnte mich mit verschränkten Armen auf meinem Stuhl zurück.

„Bekommen wir dafür Geld?“, brach es nun sprudelnd und sehr berechenbar aus Scabior hervor, der sich und seine Hoffnungen einfach nicht zurückhalten konnte, woraufhin ich verärgert den Mund verzog. Schade, dass er es nicht sehen konnte.

„Scabior“, schwang eine sanfte Drohung in meiner Tonlage mit, „ich häute dich, wenn du so was nochmal zu mir sagst“, klirrte meine Stimme so kalt daher, dass er schuldbewusst den Kopf einzog und die anderen drei ihre Belustigung nicht zurückhielten, sondern sich ein abwertendes Grinsen über ihn erlaubten.

„Scabior?“, meinte ich wieder zu ihm hin und er versuchte, seinen geschmälerten Stolz zusammenzukehren und mich herausfordernd anzublitzen.

„Ja“, würgte er an seiner Erwiderung, woraufhin ich nicht sofort weitersprach, denn er klang so patzig wie ein Kleinkind.

„Sucht, findet und bringt King“, befahl ich resolut und durfte sein Unverständnis in seiner ahnungslosen Miene ausmachen. „John King“, wurde ich explizit. „Hierher…“, sprach ich herablassend wie zu einem Minderbemittelten, als Verstehen in seinen Augen Einzug hielt, welche Person ich zu sehen wünschte.

„Waru…?“, wollte er dreist und frech nachfragen, jedoch sprach er nicht zu Ende, da er sich selbst gerade noch rechtzeitig auf die Zunge biss, um mich und meinen Befehl nicht in Frage zu stellen.

„King?“, fragte er daher nur überrumpelt, sodass ich seinen Fehltritt überging.

„Ja, John King“, servierte ich gespielt freundlich und wenig begeistert, dass er so sehr nachbohrte.

„Kenn ich nicht…“, meinte er nun aufrichtig und machte große Glubschäuglein, die wahrlich nicht süß waren.

„Er ist im Trupp vom Sohn der Rechten Hand“, murrte ich widerwillig und verbot mir den tiefen Seufzer, der mir über die Lippen kommen wollte.

„Aha.“, „Ohhh.“, „Ei… einer von uns?“, „Wow“, kamen die unterschiedlichen Reaktionen der Anwesenden.

„Will ich wissen… warum?“, wagte sich Scabior dann doch weit vor.

„Nein“, kanzelte ich ihn auch herrisch ab, während sich die anderen drei tiefe Blicke schenkten.

„Bring King in die Gasse hinter dem Henker und halt ihn dort fest“, forderte ich von ihm, während der Plan erst in meinem Kopf wirkliche Gestalt annahm.

„Mit Gewalt?“, echote das Strähnchen unsicher.

„Ist er nicht willig, so brauche Gewalt! Ist mir egal…“, erklärte ich wegwerfend, was ich mit einer Handgeste unterstrich. „Was auch immer nötig ist“, huschte bei meinen Worten so etwas wie Verwunderung über seine Züge, aber seine Haltung veränderte sich und er wirkte alles andere als abgeneigt.

„Wie du wünschst“, schnurrte er vorfreudig. Das war ein leichter Auftrag, das würde er schaffen.

„Und nun ab, Strähnchen, und mach keinen Fehler!“, befahl ich, jedoch beugte er sich zu meiner Verwunderung zu mir hinab und presste seinen Mund nah an den Stoff, der mein Ohr verbarg.

„Das Treffen“, meinte er bedeutungsschwanger, „es fand schon statt“, raunte er leise und löste sich schon von mir, woraufhin ich ihm sprachlos gespannt nachsah.

Auch er verstand es, einen guten Abgang hinzulegen, wenngleich ich mir nicht anmerken lassen wollte, erfahren zu wollen, ob und wie Severus auf meine Bitte hin agiert hatte, aber Charlie musste es gut gehen, wenn er es Scabior hatte erzählen können.

Als ich mich den anderen zuwandte, konnte ich ausmachen, dass Fenrir das alles mit schief gelegtem Haupt beobachtete, während Patrick versuchte, auf die Holzplatte zu starren und Barty ein wissbegieriges Züngeln nicht zurückhalten konnte.

„Patrick“, zuckte sein Kopf bei seiner Nennung in die Höhe. „Du bleibst am Eingang der Gasse und passt auf, dass uns keiner stört“, verkündete ich weiterhin geschäftig und der junge Werwolf erhob sich sofort eilfertig und verschwand durch den Eingang, ohne weiteres. Eines musste man Fenrir lassen, er hatte seine Leute gut im Griff.

„Fenrir…“, wandte ich mich nun dem behaarten Leitwerwolf zu und er musterte mich mit einer undurchdringlichen Miene.

„Püppchen“, erwiderte er ruhig, während sein auf einmal stechend scharfer und irgendwie spöttischer Blick auf mir lag. „Bin nun ich dran?“, schmunzelte er dreckig und ich ersparte mir eine Antwort auf diese Doppeldeutigkeit.

„Hol Antonin“, sagte ich fordernd zu ihm, woraufhin auch seine Augen größer wurden. „Antonin Dolohov und bring ihn zu mir an den Tresen der Bar“, deutete ich hinter mich zu der Schankstadt, an die mich einmal Lucius gepresst hatte, bevor er mich hinaus in die Gasse gezogen hatte. Ich schob diese Erinnerung eilig beiseite, während ich nun dort alle versammelte.

Gasse! Lucius! Ein anderer Lucius, ich verdrängte den Gedanken an meinen komisch anmutenden Besuch im Manor mit verzweifelter Vehemenz.

„Antonin“, knurrte Fenrir, während mich seine Blicke aufspießten. „Ach… der will mir immer russischen Wasserkaviar verkaufen…“, zuckten seine Mundwinkel. „Ich will Fleisch, keinen Fisch und dann noch rohe Eier, brrrrrr…“, beschwerte sich Fenrir verächtlich, hob seinen Humpen gemächlich an und trank einen großen Schluck, in der Aussicht, auch gleich fort zu müssen und ich verbiss mir ein Lachen, da er sich nicht von mir hetzen ließ, aber uns war beiden klar, dass ich das so nicht stehen lassen konnte, nicht vor Barty.

„Das war keine Bitte“, hisste ich böse. „Ich sagte, bring ihn mir… und zwar sofort!“, fauchte ich Fenrir ungewohnt scharf an, als sich seine Ohren regelrecht aufrichteten, solche Töne war der Oberwolf wahrlich nicht gewohnt.

„Mhm…“, meinte er nur lakonisch und schenkte mir ein verdammt aufreizendes Grinsen, bevor er auf dem Absatz umdrehte und zu meiner Verwunderung ohne Kommentar wegen meiner Anmaßung verschwand.

Ich war angespannt, wie ich bemerkte, und wurde erst lockerer, als Fenrir tatsächlich die Kneipe verlassen hatte. Puh, bisher war ich mit der Umsetzung meines Plans zufrieden. Dieser aus der Not heraus geborene Plan mochte nicht brillant sein und würde viel Spontanität erfordern, aber er war gut genug und meist klappte das besser als die mühsam ausgearbeiteten und lange im Voraus ersonnenen Pläne. Wenn ich ehrlich war, wurde jeder meiner lange geplanten Pläne meist gnadenlos torpediert und von Unwägbarkeiten kaputt gemacht; im Gegensatz zu denen, die durch Zufälle und ohne allzu große Überlegungen zustande gekommen waren, zumindest lehrte mich das mein bisheriges Leben.

Zwischen Barty, dem Übriggebliebenen aus der lustigen Runde, und mir breitete sich ein weniger gemütliches Schweigen aus, als ich ahnte, dass ich ihn nicht so behandeln konnte, wenn ich ihn und die Dementoren unter Kontrolle halten wollte.

„Barty…“, knirschte ich und sprang wagemutig über meinen zu langen Schatten, als er mir einen lauernden Blick schenkte, den er mit einem Züngeln unterstrich. „Ich… ich brauche dich“, würgte ich an meiner Kapitulation. Sofort liefen mehrere Emotionen über sein Antlitz, während er es nicht glauben konnte, von mir das zu hören, was er sich anscheinend immer gewünscht hatte und er genoss es unerträglicher Weise ohne Scheu, dass ich es miterleben musste.

„Das… das war es… was ich immer hören wollte“, stieß er auch schon erregt aus und seine Zunge leckte schnell über seine Lippen, während ich meine Gedanken bestätigt sah und mir den Seufzer versagte, der mir auf den Lippen lag.

„Mein Licht, sag… was… was kann ich für dich tun?“, erklärte er eifrig und vergeben und vergessen war meine vorherige schroffe Abfuhr an ihn, dabei musterte er mich mit glänzenden, vor Vorfreude großen Augen. So fehlte mir im ersten Moment die Stimme, wie ich damit umgehen sollte, dass er mir gegenüber derart verzeihend war. Er war sonderbar und mit Sicherheit nicht mehr normal, nachdem ich ihm seine Seele wieder gegeben hatte.

„Endlich, endlich willst du mir Aufmerksamkeit schenken?“, sprudelte es aus ihm heraus und es lag so viel Hoffnung in seinem Ton, dass mir ganz anders wurde und ich holte erst mal tief Luft, um ihm explizit darzulegen, was ich von ihm erwartete und was mir kurzfristig eingefallen war. Dabei funkelten mich seine Augen die ganze Zeit verliebt an, bis er verschwand, um meine Wünsche mit einer fast schon manischen Gewissenhaftigkeit zu erfüllen.

Jetzt stand ich alleine an der Bar und sinnierte mit einer beinah schon morbiden Faszination dem Kommenden entgegen und bedeutete soeben dem grimmig schauenden Wirt dahinter, mir einen Humpen hinzustellen und hoffte, dass meine Männer meine Befehle so schnell und akkurat ausführten, wie von mir erhofft.

„Hey, Püppchen“, schnarrte es hinter mir und ich musste mich nicht umdrehen, um zu wissen, wer schon wieder da war. „Schau mal, wen ich ganz zufällig getroffen habe“, kam es reichlich schnöde von Fenrir und meine Mundwinkel zuckten wohlverborgen, als ich mich langsam umwandte.

„Fenrir“, nickte ich ihm huldvoll zu. „Dolohov, erfreut“, entfuhr es mir gespielt überrascht und die Scharade war schon fast abartig. „Darf ich euch auf einen Drink einladen?“, fragte ich rein plakativ, denn ich bedeutete schon dem Schankwirt, mir zwei weitere Humpen rüberzuschieben, ein Aufforderung, der er rasant nachkam.

Tja, es hatte Vorteile, diesem Club anzugehören und wenn es nur durch Angst und Schrecken war, was die Beteiligten so eilfertig werden ließen. Fenrir zögerte nicht und leerte gleich gierig seinen kühlen Humpen in einem Zug, unterdessen lagen Antonins Augen mit gelebter Skepsis auf uns.

„Ich bin nicht dumm, Mudblood. Er sollte mich holen. Warum?“, kam Antonin ohne Umwege auf die Sachlage zu sprechen und bescherte mir ein breites Grinsen.

„Ich wollte dich sehen“, bot ich galant an und stieß mit meinem Humpen auf ihn an.

„Genau“, lag abwertender Zweifel in seiner Tonlage. „Warum sollte ich kommen?“, fragte er nun wesentlich schärfer und schob seinen Humpen ostentativ von sich weg.

Er sorgte sich und war sich unsicher, was der Grund unseres Zusammentreffens war und nach dem, was er bei Lucius versucht hatte, war seine Vorsicht nur zu verständlich, wenngleich er versuchte, keinen Muskel in seinem Gesicht zu rühren, um besonders ahnungslos und unschuldig daher zu kommen.

„Warum vertraust du mir nicht? Sind wir nicht auf einer Seite?“, schmeichelte ich und hörte mich mit Absicht ziemlich verletzt an, leider war es schwierig, viel Einfluss auf ihn zu nehmen, ohne ihm mein Gesicht zeigen zu können, aber trotz allem kam ich durch, denn da blitzte etwas in seinen Augen auf. „Der Lord vertraut mir“, warnte ich ihn seidig und er wandte eilig seinen Blick von mir.

„Ich will mit dir reden und es ist eher privater Natur“, log ich ohne Probleme und erreichte, dass sein Blick wieder zu mir flog, während Fenrir genau lauschte, aber auch versuchte, so zu wirken, als wäre es ihm Schnuppe, was zwischen uns vor sich ging. „Ja, ich war mal in Rostov-on-Don“, verkündete ich gewichtig und genoss es, zu verfolgen, wie überrascht er darüber war.

„Wie kommst du denn da hin?“, fragte er nun sichtbar interessierter.

„Viktor Krum, dank ihm“, servierte ich mal zur Abwechslung einen Teil der Wahrheit.

„Der Quidditchspieler“, meinte er, dabei lag seine Stirn in Furchen, als er nachdachte. „Der fliegt doch nun für die Iren, oder?“, war es erstaunlich, dass sich die Männer alle für diesen Sport begeistern konnten und auf einmal Sachen wussten, aber so nickte ich nur unbestimmt.

„Ja, genau der… er ist… er war ein Freund“, köderte ich ihn absichtlich mit dieser intimen Information. Wir alle waren damit sehr zurückhaltend, wenngleich damals Viktors und meine Verbindung im vierten Jahrgang dank Rita durch die Presse gehetzt worden war, so war es nie von ihm noch von mir kommentiert worden.

„Und was willst du deshalb von mir?“, forschte er weiterhin skeptisch nach.

„Import, Export?!“, bot ich irrsinnig einfallsreich an, da mir Fenrirs Aussage mit dem Kaviar einfiel und man anscheinend die Leute oft mit der Aussicht auf lukrative Geschäfte ködern konnte. „Ich habe Geld, das ich unter die Leute bringen will, Prost“, hob ich meinen Humpen und stieß mit den beiden an, wobei Antonin länger zögerte, bevor er doch von seinem Becher trank, währenddessen leuchteten Fenrirs Augen verständnislos. Er verstand wohl nur Bahnhof, war aber sichtbar vor mir auf der Hut.

„Ich habe Geld“, kam es dann auch schon reichlich versnobt von Antonin Dolohov und ich lächelte schmallippig.

„Das haben wir alle, aber wollen wir alle nicht, dass es sich mehrt?“, entgegnete ich nicht minder arrogant und war mir zu bewusst, wie sich Fenrir neben mir anspannte, da beim Rudel nicht die Rede davon sein konnte, dass sie ausgesorgt hatten, aber er war es gewöhnt, dass die Reinblüter, eingebildet wie sie waren, über ihn hinweggingen.

„Vorschläge?“, sprach die Gier aus ihm und ich war eingebildet genug, mir imaginär auf die Schulter zu klopfen. Es ging manchmal zu leicht.

„Ja, aber nicht hier“, meinte ich geheimnisvoll und lehnte mich näher zu ihm, strich mit meiner Hand vertraulich seinen Arm hinauf, woraufhin er mit gerunzelter Stirn auf meine Finger blickte.

„Kann ich dir trauen, dem Mudblood?“, wisperte er fragend und ich lächelte verborgen. Er sah mich vor sich, auch wenn er mich durch all den Stoff nicht ausmachen konnte und es war eine Genugtuung, nach Lucius‘ brutaler Abfuhr heute im Manor. Fenrirs leises Knurren im Hintergrund war ich bereit zu überhören, denn meine furchtbar plumpe Anmache schien zu funktionieren.

„Gute Frage, kannst du, oder kannst du nicht?“, raunte ich verführerisch und lehnte mich noch näher zu ihm, nicht zu übertrieben, um als Flittchen zu gelten, aber nah genug, um ihn neugierig zu machen.

„Sag du es mir?“, überzog Skepsis seine Miene und ich zog mich rasant zurück, um ihn nicht zu verschrecken.

„Ich würde dir gerne mein Gesicht zeigen, lass uns raus gehen“, bot ich verlockend an, denn mir war gegenwärtig, dass niemand jemandem traute, den er nicht sehen konnte und Antonin schien es ähnlich zu gehen, da er sofort zustimmend nickte.

Fenrir schien darauf nur gewartet zu haben, denn sofort donnerte sein leerer Pokal auf den Tresen und auch ich selbst stieß mich ab und bedeutete Fenrir, dass er bei uns zu bleiben hätte und er verstand mich ohne Worte, weswegen mir die beiden folgten. Als ich in die kühle Nacht hinaustrat, die trotzdem erstaunlich viele Besucher der Knockturn Alley verbuchen konnte, glitt ich fließend nach links. Am Eingang der Gasse machte ich Patrick aus, der lässig mit einem Fuß und seinem Rücken an der Wand abgestützt dastand und uns mit unleserlicher Miene musterte, als ich ihn passierte und ihm unmerklich zunickte.

„Wo willst du hin?“, fragte mich eine gepresste Stimme schräg hinter mir. „Wohin gehen wir?“, wollte Antonin nun etwas beunruhigt erfahren, nachdem er und Fenrir nun ebenfalls Patrick hinter sich gelassen hatten und die schmuddelig stinkende und unbeleuchtete Gasse betraten.

Ich zog mir in dem Moment meine Kapuze zurück und machte im diffusen Licht des Mondes King und Scabior aus, die etwas weiter hinten miteinander redeten und jetzt, nachdem sie uns sahen, wie ertappt auseinander fuhren.

„Wer…?“, kam es verdattert von Antonin, als ich mich geschwind zu ihm umwandte.

„Wir sind gerade angekommen“, unterbrach ich seine Frage. „Expelliarmus“, flog der Fluch über meine Lippen und mein Zauber traf ihn völlig überraschend, woraufhin sein Stab aus seiner Kleidung hervorgeschossen kam und er getroffen von dem Fluch zurücktaumelte und stöhnend gegen die Wand hinter sich schlug, während ich seinen Zauberstab geschickt aus der Luft auffing.

„Hey“, rief er nach dem ersten Schock. „Spinnst du?“, fauchte er mich erregt an. „Was soll das, Mudblood?“, starrte er mich vorwurfsvoll an, wagte aber nicht, mich anzugehen, so völlig unbewaffnet und das unheilvolle Knurren von Fenrir hinter mir sorgte nicht dafür, dass er sich sicherer fühlte.

„Wo… wow, was wird das?“, entfuhr es King, der geschockt zu uns blickte. „Scabior?“, quiekte er unsicher.

„Expelliarmus“, rief Scabior einer Eingebung folgend und zögerte keine Sekunde, fing nun ebenfalls den Stab von King auf.

„Was das wird?“, fragte ich aufreizend nach und zwinkerte Dolohov provozierend zu. „Antonin… denk nicht zu lange darüber nach“, meinte ich doppeldeutig und warf in dem Moment aus einem spontanen Impuls heraus seinen Stab auf den Boden, um unter den vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen des Eigentümers darauf zu treten.

Das laute Knacken des Stabes hallte die Gasse entlang und sorgte bei allen für atemloses Grauen, als ich Antonins Dolohovs Zauberstab unter meinem Fuß zerstörte.

„Ups, sorry“, kam es gespielt leicht von mir.

„AHHHHwahhhAuuu, bist du irre!“, kreischte Antonin wie ein geprügelter Hund auf und fuhr mit seinen Fingern in seine Haare, riss wie verrückt an ihnen und sah mich mit einer beängstigenden Mordlust an. „Du verficktes Mudblood, was fällt dir ein? Ich bin ein Mitglied des Inneren Kreises“, brauste er vor Wut sabbernd auf und ich schenkte ihm nur ein höhnisches Grinsen, während ich ihn mit meinem erhobenen Zauberstab in Schach hielt.

„Ich weiß… ich ebenso…“, hielt ich ihm schonungslos vor und zeigte ein reißerisches Grinsen. Unterdessen betrachtete mich Dolohov mit unbeschreiblicher Wut in seinen Augen. „Aber anders als du weiß ich…“, legte ich eine Kunstpause ein, um meiner nächsten Aussage mehr Gewicht zu verleihen, „wo meine Loyalitäten liegen!“, erklärte ich das Problem genauer, während meine Männer gespannt abwarteten und sehr wohl neugierig dem Disput lauschten, der sich hier entfaltete.

Ich bemerkte neben mir, am Rande, Fenrirs irritierte Blicke, die trotz der Dunkelheit in seinen Augen aufblitzten. Vielleicht ahnte er, was das hier werden würde, oder aber er war noch etwas verwirrt, jedoch war er bereit, mich, seine Anführerin, trotz seines Unwissens, durchaus zu unterstützen und das rechnete ich ihm hoch an.

„Moment“, fuhr mich Antonin mit erhobenem Zeigefinger an. „Was willst du damit sagen?“, kam er mit Vehemenz auf die Loyalität zu sprechen und es war wie so oft, dass Menschen auf den Fakt einstiegen, der ihnen selbst schwer im Magen lag und da er gegen die Rechte Hands des Lords intrigiert hatte, traf ich hier den Nagel auf den Kopf.

„Also, wenn ich dir das sagen muss, solltest du nicht länger ein Mitglied des Zirkels sein“, höhnte ich boshaft und erhielt Bestätigung in seinen entgleisenden Zügen, was mir ein gehässiges Grinsen entlockte.

„Was bildest du dir ein?“, wisperte er zu erschüttert, als dass es wie eine Drohung hätte klingen können.

„Dass du eine Lektion verdient hast?“, bot ich generös an und versuchte, so zu sein wie Lucius, wenn er böse war.

Schlussendlich kam diese Aktion nicht von mir, ich war nur die ausführende Gewalt.

„Wie… wassssss?“, wisperte er durchwegs erschüttert und starrte noch immer abwechselnd zwischen seinem zerstörten Stab und meinem hin und her.

„Scabior, was wird das hier?“, begehrte King frustriert auf, aber er klang so schrill, dass mir seine Schuld fast schon zu plakativ erschien. Im nächsten Moment erklang von Patrick ein leicht jaulender Ton, während Fenrir seine Zähne neben mir fletschte.

Plötzlich löste sich aus dem anderen Ende der Sackgasse heraus ein Schatten und ein grinsender Barty trat mehr in den fahlen Lichtschein des Mondes, als sich mit ihm aus dem Schatten die Form eines großen Dementors löste, der selbst auf die mich umgebenden DeathEater hier eine gewisse Auswirkung hatte, während ich kurz davor stand, die Beherrschung zu verlieren und vor den anderen meine weißen Augen anzunehmen.

„Wasssss, was ist das?“, „Fuck“, kam es von den beiden Männern und ihre Augen huschten hilfesuchend hin und her.

„Barty“, begrüßte ich ihn süßlich und war erfreut, dass alles bisher derart zufriedenstellend funktionierte.

„Mein Licht… er… er freut sich so, dich wiederzusehen“, kam es reichlich eifrig vom züngelnden Barty, der langsam auf Scabior und King zukam, da er am Ende der Gasse stand, während diese in der Mitte waren und ich mit Fenrir und Dolohov eher am Anfang verweilten.

Dabei versuchte mein Strähnchen, keine Miene zu verziehen, wich aber doch ein wenig vor dem Dementor zurück, der bedrohlich über der Szenerie schwebte und nun die beiden anderen passierte und auf mich zuhielt, was Dolohov veranlasste, all seine Farbe im Gesicht zu verlieren.

„Ich freue mich auch, dich wiederzusehen“, kam es von mir ohne erhobene Stimme, als ich mit dem Wesen vor mir sprach. „Lange ist es her… es lag nicht an mir…“, sprach ich weiter, auf einen zweifelnden Ausruf des Dementors vor mir, der sichtbar ungläubig war. Indes war ich mir der entsetzten Gesichter der Anwesenden gewiss, als ich noch einen Schritt vortrat, um mit dem Dementor zu kommunizieren.

„Was?“, „Das ist gruselig.“, „Das ist verdammt gruselig“, hauchten nicht nur King, wie Dolohov, sondern auch Scabior und Patrik, nur Fenrir enthielt sich jeden Kommentars.

„Du lässt uns warten“, waberte nun die undeutliche Sprache des düstersten der Dementoren zu mir. Es hörte sich sehr verzerrt an, eher so wie wenn Harry im Schlaf etwas in Parsel zischte und war nicht wirklich zu fassen, aber der Vorwurf war für mich unüberhörbar und ich mochte schwören, dass die anderen Anwesenden seine Worte zu mir nicht wahrnehmen konnten, aber die Gespräche mit diesen Wesen liefen auch eher auf geistiger Ebene ab.

„Ich gehe, den Scheiß geb´ ich mir nicht“, begehrte Antonin auf, woraufhin sich Fenrirs Klaue bestimmt auf seine Schulter legte und Antonin mit Widerwillen auf die langen, dreckigen Krallen des Werwolf starrte und wie diese sich grob in seine edle Kleidung bohrten.

_________________
Nach oben Nach unten
 
Kapitel 567-568
Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 1 von 1
 Ähnliche Themen
-
» Ludwig Revolution: Kapitel 15 & 16
» Das letzte Einhorn - Kapitel 09 - 11
» Tsubasa: Kapitel 026 - 030
» Seelen: Kapitel 26 - 28
» Seelen: Kapitel 47 - 49

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
When Hermione Fights :: When Hermione Fights :: Kapitel 551-600-
Gehe zu: