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 Kapitel 593-594

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queenie
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BeitragThema: Kapitel 593-594   Di Mai 02, 2017 7:34 pm

http://www.whenhermionefights.de

wie immer verweise ich auf unsere geniale Seite!

593. Kapitel Unusual situations

Lucius Sicht

Ich war von absolut minderwertigem und unvorstellbar mangelhaftem Material umgeben. Unfassbar tragisch und traurig, aber zu meinem unendlichen Leidwesen wahr, dies war wahrlich eine große Tragödie für meine hochwohlgeborene Person, dazu kam, das Jahr war erst geschlagene zwei Tage alt!

Und doch wusste ich fabulöser Weise, wann es angebracht war, mich höchst selbst zu bewegen. Er meldete sich nicht und er ignorierte meine Eulen. Ein eindeutiges Zeichen einer unverkennbaren Missstimmung seinerseits, die als niederes beleidigt sein zu deuten war und somit kam es, dass ich mich heute tatsächlich auf den Weg zu ihm machte.

Meine zielstrebigen Schritte hallten von den Wänden der weiten Flure, die ich mit wehendem Mantel durcheilte, wider. Kinder sprangen todesmutig gerade noch so zur Seite. Kurz fragte ich mich, ob Jugend leichte Blindheit bedeutete. Schlussendlich war meine hochherrschaftliche Person nicht zu übersehen, zumindest sollte man das meinen und man begegnete mir gewöhnlich mit Respekt und Ehrerbietung, nicht mit Glubschaugen, offenen Mündern oder Erstarren, sodass ich beinah gezwungen wurde, etwas absolut Entwürdigendes aufzuführen, nämlich ausweichen zu müssen.

Meine Laune war wirklich grandios.

„Mr. Malfoy“, ertönte es in einer piepsigen Tonlage wenig beglückt darüber, mich hier zu sehen und ich suchte sofort instinktiv den Boden ab. „Was kann ich für Sie tun?“, stoppte mich eine winzige Gestalt mit einem gewissen Todesmut. Ein Tritt von mir und er würde fliegen lernen, aber ich stoppte, erlaubte mir aber die Genugtuung und rammte meinen Gehstock hart auf den Boden, woraufhin er erschrocken zusammenzuckte.

„Professor Flitwick“, akzentuierte ich distinguiert. „Sieeee?“, lag eine Abstufung seiner minderwertigen Geburt in meinem nasalen Ton. „Nichts… nichts…“, lehnte ich sein Angebot ab, dabei taxierte ich ihn mit erhobener Braue und fühlte mich im Grunde nur von ihm gestört, wobei seine vor Zorn rot erglühenden Wangen unter dem weißen Bart davon zeugten, dass er sehr wohl wusste, auf was ich anspielte, aber er kämpfte tapfer um seine Haltung.

„Dann begleite ich Sie des Wegs“, rang er sich wacker ab, woraufhin sich ein maliziöses, da unechtes Lächeln auf meine aristokratischen Lippen legte. Anscheinend wollte er mich nicht alleine durch seine Schule streifen lassen.

„Na wunderbar“, entfuhr es mir wenig begeistert, da ich nun unter Beobachtung stand. „Wollen Sie mir nun Dracos schulische Leistungen nahebringen?“, holte ich mit großen Schritten aus, während der entschlossene kleine Halb-irgendwas-Lehrer eifrig trippelte, um mit mir mithalten zu können.

„Draco?“, piepste er unerwartet gut in Form. „Er war schon immer ein durchaus lernwilliges und lerneifriges Kind, das emsig ist, zu gefallen…“, servierte er mit einer gemeinen Böswilligkeit, die einen Vorwurf enthielt, der unterschwellig mitschwang und ich gestand dem kleinen Mann zu, unterhaltsam zu sein.

„Welch Freude“, entgegnete ich daher auch überheblich und rieb mit meinen Daumen gut sichtbar über den silbernen Schlangenkopf meines Gehstocks.

„Wobei Ihr Sohn derweil eine hohe Fehlquote hat, so was hatte Hogwarts noch nie. Wir sind ein Internat und keine ab-und-an Schule!“, kam es anklagend und missbilligend, woraufhin ich wieder stoppte und die kleinen Füße von Flitwick sich beinah überschlugen.

„Er hat andere Aufgaben, solange er die Prüfungen besteht sollte das einerlei sein“, bestimmte ich autoritär und mein Blick war schneidend, während der kleine Mann pfeifend Luft holte.

„Solange der Schulleiter dies gut heißt“, presste er sichtbar schwer und sehr missbilligend hervor und ich gestattete mir ein überhebliches Lächeln.

Was erwartete er? Wir waren Malfoys! Wir hatten schon immer eine Sonderstellung eingenommen. Sie stand uns von Geburt an zu!

„Sie müssen mich nicht den ganzen Weg begleiten“, erklärte ich jetzt enerviert aufgrund seiner Anmaßung, sich in unsere Angelegenheiten einzumischen.

„Doch! Das werde ich. Ich kann es nicht dulden, dass nicht zum Lehrpersonal gehörende Personen einfach kommen und gehen wie es ihnen gefällt“, stieß Flitwick so giftig hervor, dass ich wieder die linke Braue hochzog. Worauf dachte er anspielen zu müssen, so oft kam ich nicht hierher.

„Störe ich Ihre Sphären?“, fragte ich daher akzentuiert nach. „Als Vorsitzender des Elternrates war ich schon zu Dumbledores Zeiten ab und an… Gast…“, sah ich mich bemüßigt, eine Rechtfertigung zu finden, obwohl dies eigentlich absolut unter meine Würde war, denn es klang aus seinem Mund als hätte er Sorge, ich würde sofort alle Muggelgeborenen Schüler exekutieren, wenn sie meinen Weg kreuzen sollten.

Pfff, als hätte ich nichts Besseres und Sinnvolleres mit meiner wertvollen und unendlich kostbaren Zeit anzufangen. Als er zu bemerken schien, dass ich konsterniert war, schüttelte er plötzlich wie wild sein haariges Haupt.

„Ich spreche nicht von Ihnen“, meinte er jetzt zu meiner Verwunderung und ich zog wieder verwirrt diesmal beide Brauen hoch. „Dieser… dieser Crouch schlich erst letztens zu nachtschlafender Zeit durch die Gänge“, ereiferte er sich besorgt und man konnte deutlich bemerken, wie sauer es ihm aufstieß, dass Barty Crouch junior wieder unter den Lebenden weilte, nachdem er die Lehrerschaft ein Jahr lang hinters Licht geführt hatte.

Unterdessen war ich selbst erstaunt, was zur Hölle Crouch hier in der Schule suchen könnte. Ich wäre bei weitem weniger tangiert gewesen, wenn ich nicht ahnen würde, dass es das Biest war, das in hierher trieb.

„Sind die Schüler alle in ihren Häusern?“, fragte ich zu meinem eigenen Erstaunen als nächstes und fragte mich innerlich selbst entgeistert, woher die Worte kamen. Flitwick erschien aufgrund meiner Frage ebenso überrascht wie ich, da sich seine Miene deutlich von Misstrauen getrieben verdüsterte.

„Wer kann das in Zeiten wie diesen sagen?“, begann er abwägend und ich begann, an meiner Einschätzung zu zweifeln, ob die Düsternis auf seinem Gesicht von meiner Untadeligkeit herrührte, oder ob er allem gegenüber gerade negativ gestimmt war. „Es ist, als hätten sie alle Flöhe…“, gestand er dann jedoch seufzend und wirkte verzagt. „Aber sehen Sie, Mr. Malfoy, wenn selbst Sie bei Crouch so eine… Reaktion zeigen, wie denken Sie geht es dann mir… und meinen Kollegen?“, meinte er plötzlich ehrlicher als die ganze Zeit zuvor und ich verharrte kurz, als ich mein hochherrschaftliches Haupt langsam neigte.

Das war ein Waffenstillstand auf hohem Niveau.

Aber ja, meine Unruhe Crouch gegenüber war nicht unbegründet, wenn man bedachte, wie er sich ihr gegenüber verhielt. Nicht dass ich besorgt war, aber es gefiel mir nicht. Dieser Typ war vor dem Kuss durch die Dementoren schon ein sonderbarer Zeitgenosse gewesen und die Seelengeschichte hatte ihn nicht normaler werden lassen.

Wir setzten unseren Gang schweigend weiter fort, bis sich Flitwick aufraffte und erneut zu sprechen begann:

„Außerdem macht uns die Nifflerplage schwer zu schaffen!“, gestand er nun seufzend und wieder kämpfte ich schwer um eine ausdruckslose Miene.

„Plage?“, fragte ich irritiert.

„Ja“, offenbarte sich in seiner Gehässigkeit die Ähnlichkeit zu seiner Koboldabstammung. Er grinste regelrecht fies. „Der Schulleiter ist arg involviert“, ging sein Hohn und Spott mit Severus durch. Der Arme schien arg geplagt und gefordert zu sein in der Schule und ich versuchte, mir Severus im Clinch mit einem Niffler vorzustellen.

„Filius?“, hielt uns ein spitzer Ruf auf. „Mr. Malfoy“, bremste sich McGonagall selbst abrupt, als sie hektisch um eine Ecke geschossen kam und griff sich eilig an ihr leicht zerrupftes Haupthaar, das sich aus dem strengen Knoten, den sie trug, gelöst hatte.

Alles in allem wirkte die ansonsten so aufgeräumte Frau etwas desolat in ihrer strengen Erscheinung, während sie erregt von ihrem Sprint atmete. In Hogwarts schien es hoch her zu gehen. Interessant zu beobachten, auch interessant, wie sie unter meinem sengenden Blick schwer darum kämpfte, ihre Haltung wiederzufinden.

Lucius Sicht Ende

Severus Sicht

Meine Stimmung war bombastisch… schlecht!

Ich hasste das hier. Ich hasste Albus und Lucius erst recht, vom Lord ganz zu schweigen und von dem Job hier brauchten wir gar nicht zu reden. Ich war verdammt!

Seen aus Schlamm und wildgewordene Niffler setzten mir zu.

Nicht dass das Hogwarts nicht kannte, in Hermiones fünftem Jahr hatte mich dieser Einfallsreichtum der Twins amüsiert, aber da hatte sich auch Umbridge damit herumzuschlagen müssen, nicht ich.

Jetzt war ich der Schulleiter und an mir blieb die Drecksarbeit hängen, das war unfair und ich mochte nicht mehr!

Hatte ich das verdient?

In meinen Augen nicht. Diese kleinen schwarzen, maulwurfsähnlichen Wesen terrorisierten Alecto auf unnachahmliche Art und Weise und raubten ihr ihre ganzen, sie vergeblich schmückenden Preziosen und ganz ehrlich, wenn sie darauffolgend nicht mich mit ihrer unvorstellbar krächzenden Stimme gefoltert hätte, hätte ich ihr diese Schikanen von Herzen gönnen. Aber jedes Mal wenn ein Niffler festgesetzt war, tauchte ein neuer wie von Zauberhand auf und die ganze unendliche Geschichte ging von vorne los.

Ich, ein Nifflerjäger, oder doch eher ein Nifflerschreck?! Diese Bezeichnung war beileibe nicht der Traum meiner schlaflosen Nächte. Geschmeichelt fühlte ich mich nicht!

Ich hätte ja die Courage und das Durchhaltevermögen der Schüler honorieren können, wenn ich nicht so schrecklich genervt davon gewesen wäre.

Meine Gedanken trugen nicht dazu bei, meine Stimmung zu heben, denn lebhaft konnte ich mir IHR Gespött vorstellen, wenn sie es erfahren sollte, von meinem pfauischen Quälgeist gar nicht zu sprechen. Wobei die Verrenkungen, die Amycus und Alecto aufführten, um dem Niffler seine glitzernde Beute streitig zu machen, amüsant waren und diese erheiterten mir dann doch die ein oder andere Nacht.

Meine Zauber schlugen an und kündigten mir einen Gast an, woraufhin ich mit absolut enthusiastischer Freude „Wer da?“ donnerte und schon schwang die Tür eindrucksvoll auf.

„Ich“, offenbarte ein zu gut gelaunter Tyrann mit einem unnachahmlich überheblichen Grinsen, das ich ihm am liebsten mit einem Zauber vom Gesicht wischen würde, weshalb ich ihn mit geschürzten Lippen missmutig musterte.

„Was für eine Freude“, entgegnete ich daher zurückhaltend und der Zynismus tropfte nur so aus meinem Satz, während sich meine Lippen kräuselten. Tja, wenn man an die Pest dachte, kam sie wirklich aus ihrem Loch gekrochen und sprang einen eines Nifflers würdig an, so als wäre man mit Juwelen behängt.

„Du könntest wenigstens so tun, als ob?“, forderte er unverfroren, sodass meine Laune, beobachtet von den Gemälden, noch weiter in den Keller rauschte.

„Deine betont gute Laune ist brechwürdig, Lucius“, beschied ich ihm wenig schmeichelhaft noch einfühlsam, aber absolut ehrlich. Sollte er sich doch bestätigt fühlen, mir absolut gleich.

„Wie immer ein Genuss, deiner schlechten Laune ausgeliefert zu sein“, servierte er auch ohne Umschweife und ohne die erhoffte Betroffenheit. Darauf entfuhr mir ein Seufzen und ich hob meine Hand, woraufhin gleich sein missbilligender Blick zu meiner Hand wanderte.

„Denkst du, es gereicht einem Schulleiter zur Ehre, schon zu dieser Stunde einen Drink zu sich zu nehmen?“, wagte er es tatsächlich zu fragen und ich schnaubte erstmal abgrundtief überzeugt, das Richtige zu tun, um mein Unglück weiterhin hocherhobenen Hauptes ertragen zu können.

„Glaub mir, wenn du die ganze Zeit lauter quatschende Gemälde um dich hättest…“, meinte ich daher auch schnarrend und prostete allen in diesem Raum exaltiert zu, bevor ich mir mein Getränk zu Gemüte führte.

„Das ist eine Frechheit.“, „Was fällt Ihnen ein, Snape?“, „So was muss ich mir nicht anhören“, erregten sich die Angesprochenen auch sofort mit der ihnen innewohnenden Wichtigkeit, die ich ihnen gerne allzeit absprechen wollte und dachte mit Schaudern an mein zukünftiges Schicksal, an eben diesen Wänden zu hängen. Daher verzogen sich meine Mundwinkel in Verzagtheit, selbst der Tod war keine adäquate Alternative der Ruhe mehr.

„Bitteschön“, meinte ich deshalb ironisch zu meinen Schicksalsgefährten und erhob wieder mein Glas und nippte genüsslich an der bernsteinfarbenen Flüssigkeit, die scharf brennend meine Kehle hinabrann. Genau das war es, was ich brauchte, um all die Gängelei, deren meine bemitleidenswerte Person stets ausgesetzt war, zu ertragen. „Sag mir, was du hier willst… warum beorderst du mich nicht irgendwohin? Sonst hält dich das auch nicht auf…“, fiel mir erst jetzt dieser eklatante Umstand auf, dass er vor mir stand und ich nicht vor ihm.

Das bremste jedoch Lucius nicht, der selbstherrlich mit großen Schritten mein Büro durchschritt, als wäre es seines.

„Dein Selbstmitleid ist ermüdend“, bescheinigte er auch schon mitleidlos, wie ich es von ihm gewöhnt war.

„Aber vorhanden“, warf ich ohne mit der Wimper zu zucken schnarrend ein und spitzte meine Lippen. „Und wenn du mich weiter störst, droh ich dir damit, einen Niffler bei dir im Manor auszusetzen!“, erklärte ich begeistert, nachdem mir diese spontane, aber grandiose Idee gekommen war und war gewillt, es tatsächlich zu wagen. Es wäre interessant, zu sehen, wie die Pfauen auf einen Niffler reagieren würden, das könnte amüsant werden.

„Du bist anmaßend, gemein und böse“, bemerkte Lucius beinah infantil. Sofort ruckte mein Haupt in die Höhe und ich musterte ihn wachsam.

„Ja, Lucius, das war eigentlich schon immer so…“, schnarrte ich leise, als er herumwirbelte und sich sein dunkelblauer Samtmantel malerisch hinter ihm aufbauschte.

„Pffff, nur weil du eine Plage hast…“, verkündete er arrogant und meine Augenbrauen zogen sich bedrohlich zu einem Strich zusammen

„Eine?“, fragte ich schneidend, während ich innerlich schäumte. Woher wusste er von der Nifflerplage? Welches unsägliche Plappermaul hatte mal wieder seinen Mund nicht halten können? Aber ich überspielte meine Verärgerung. „Ich habe unendlich viele.“

„Aha, den anderen kannst du vorspielen, dass dich Niffler auf Trab halten, aber mir nicht!“, begehrte er vehement auf und seine Miene drückte sein Missfallen offener aus als sonst. Verwunderlich, wenn man bedachte, in welcher Gesellschaft wir uns befanden. „Das ist Schwachsinn!“, unterstrich er seine Feststellung mit einer unwirschen Geste seines Stocks, der durch die Luft sauste und wäre ich nicht so missgestimmt gewesen, hätte ich vielleicht sein Kompliment dahinter vernommen, das ich gerade gewillt war, völlig zu überhören.

„Was willst du andeuten?“, knurrte ich angestrengt, denn ich verspannte mich auch in meinem Stuhl, spürte, wie ich meine Finger fester um das Glas schloss, weswegen er auf einmal rau auflachte.

„Ich bitte dich, deine Laune lässt darauf schließen, dass du deine Sehnsucht nach ihr nicht hast stillen können!“, erklärte er überzeugt und mit absolut arrogantem Gesichtsausdruck.

„Ich?“, erwiderte ich umgehend, triefend vor Ironie. „Wo denkst du hin? Ich brauch das doch nicht… ich bin nur der Laufbursche“, war ich immer leiser geworden und knallte dann das Glas geräuschvoll auf den Tisch.

„Aha“, kam es lediglich von ihm, weswegen ich noch wütender wurde.

„Nein, lass diesen herablassenden Ton“, befahl ich schneidend scharf, dabei mahlten meine Kiefer.

„Aha“, überreizte er meine unendlich langmütigen Nerven und zwei Dinge passierten gleichzeitig, mein Glas flog surrend auf ihn zu, begleitet von den Worten: „Verschwinde, Lucius, und zwar auf der Stelle!“

Nur dank Lucius‘ ausgezeichneter Reflexe zog er noch gerade eben sein Haupt aus der Schusslinie, bevor das Glas laut klirrend hinter ihm an der steinernen Wand zerbrach. Zu schade aber auch, dass er nicht mal nass geworden war, verzog ich meine Lippen und zeigte Zähne. Stille senkte sich über den Raum, da die Gemälde ziemlich gespannt waren, wie es nun weitergehen würde. Wie würde ein Malfoy auf den tätlichen Angriff reagieren? Tja, Lucius selbst warf erstmal seine langen Strähnen über seine linke Schulter zurück, indes ich mit düsterster Miene vor mich hin starrte, dabei hatte ich meine Arme ostentativ vor der Brust verschränkt.

„Ich wollte dir danken“, begann er hochtrabend, die lastende Ruhe zu durchbrechen, woraufhin einige Schulleiter erstaunt die Luft entweichen ließen, während mir nur ein Schnauben entfuhr.

„Sie kam zum Ball der Achtundzwanzig…“, setzte er mich neutral in Kenntnis, während ich weiterhin hinter meinem Schreibtisch thronte und ihn genervt musterte. Dachte er, das würde mich zufriedenstellen? Dass es mir gelungen war, sie wieder zu ihm zu treiben?

Außerdem plapperte Alecto von nichts anderem, sodass ich von ihrer beider Auftreten dort genauestens unterrichtet war.

„Na wunderbar! Wann gehst du endlich?“, wehte es kalt von mir daher, dabei verzogen sich meine Züge zu einer weniger schönen Grimasse, indes hatte er die Dreistigkeit, mir ein honoriges Lächeln zu schenken.

„Nein, wirklich, es war sehr amüsant… und Hermiones Auftritt war comme il faut“, lobte er untypisch. Dass es das Biest verstand, sich genau richtig zu benehmen, stand außer Frage. Sie war eine geborene Schauspielerin, das musste er mir nicht erzählen.

„Tja, so einige würden behaupten, dass dem Anstand nicht genüge getan wurde“, gab ich scharf zurück und erinnerte mich mürrisch an Alectos und Amycus‘ Entrüstung, die sie nicht müde wurden, jedem Kund zu tun, der es nicht hören wollte.

„Dem Decorum wurde vollends genüge getan“, erwiderte Lucius derart versnobt und veraltet, in seiner Art sich zu artikulieren, dass ich mit den schwarzen Augen nur so rollte.

„Musst du immer so geschwollen und gestelzt daher reden?“, murrte ich düster, woraufhin er verächtlich schnaubte.

„Ich bin ein Malfoy und auf diesem Ball alle zu schockieren war ein ganz besonderes Vergnügen. Vor allem die Empörung der Weasleys… schon alleine dafür war es das wert“, begann Mr. Pfau zu plappern wie ein altes Waschweib, sollte er doch Molly Weasley von seinen Heldentaten erzählen. Mich interessierte es nicht die Bohne, was sie auf diesem langweiligen Ball getrieben hatten. Ich hasste Bälle und ich konnte mir fast nichts Schlimmeres vorstellen, als diese Veranstaltung der unbefriedigten Eitelkeiten im Ministerium.

„Solange ihr euren Spaß hattet“, erwiderte ich daher nur lustlos und umgehend entstand eine peinliche Stille, die nur durch die Geräusche gebrochen wurde, die durch Lucius‘ Schritte entstanden.

Zu meinem Missmut eroberte er gerade die Empore, auf der mein Schreibtisch residierte.

„Weißt du, dass Crouch des Nachts durch Hogwarts‘ Flure streift?“, durchbrach er die angenehme Stille und lehnte, mit einer brechwürdigen Selbstverständlichkeit, seine Hüfte an meinen Schreibtisch.

„Bitte?“, entwich es mir empört. „Hat er es schon wieder gewagt?“, erregte mich die Tatsache, dass sich dieser züngelnde Depp nicht von ihr fernhalten wollte, aber noch mehr ärgerte mich, dass Lucius sehr genau wusste, wie er Gespräche so manipulieren musste, dass sie nicht abbrachen, auch wenn er völlig abrupt das Thema wechselte.

„Sieht so aus“, entgegnete er unnützerweise.

„Soll es mich interessieren, woher du das weißt?“, ergab ich mich den Nöten, zu hinterfragen, woher er diese delikate Information besaß.

„Frag Flitwick, er hat es mir gerade verraten… ebenso wie die Tatsache, dass er sich um die Sicherheit der Schüler sorgt“, genoss es meine Nervensäge zu sehr, mir auf die Nerven zu gehen und ich verfluchte im Stillen das auskunftsfreudige Lehrerkollegium und ahnte nun, woher er von der Nifflerplage wusste, alles verachtungswürdige Tratschweiber, allesamt!

„Tja, wer würde das nicht, wenn ihm Crouch gegenübersteht? Der hat doch nicht mehr alle Besen im Schrank“, stieß ich stöhnend hervor und verfluchte den Tag, an dem sie diesem Sonderling seine Seele wieder eingehaucht hatte.

„SIE“, servierte er überheblich und mein Brechreiz rührte sich schon wieder, sodass ich mit einer Handgeste abwinkte.

„Ach, hör mir auf… ich rede mit ihm“, wiegelte ich unbegeistert ab und sah diesem unerquicklichen Moment mit Grauen entgegen.

Crouch war mir ganz zu Anfang dieses unseligen Schuljahres in die Arme gelaufen und ich hatte ihn mit der Autorität der Linken Hand des Geländes verwiesen und bisher hatte er sich nicht näher als an die Grenzen der Ländereien herangewagt. Ich hatte selbst sehen können, dass er Respekt vor mir hatte, aber meiner Meinung nach trieb ihn Hermiones erster Befehl zu einem Kuss nun soweit, dass er sich bis hierher vorwagte. Eine andere Erklärung fand ich nicht. Die Sehnsucht musste einfach zu groß sein, wie… brechwürdig. Aber ich würde ihm seine Abenteuerlust schon austreiben.

Hogwarts war für ihn und seine Dementoren tabu!

„Tu das… und nun, hol dir noch einen Drink…“, sprach Lucius weiter und zu meinem Leidwesen musste ich nun zu ihm hochsehen und meinen Kopf in den Nacken legen. „Nimm dir ein neues Glas“, forderte Lucius mit der ihm eigenen Autorität und ich ruckte hoch.

„Was ist passiert?“, donnerte mein Stuhl an die Wand hinter mir und ich stützte meine Hände auf dem Tisch vor mir ab, während ich ihn musternd taxierte.

Alle meine Instinkte schlugen sofort an. So verhielt sich Lucius nur äußerst selten. Zuerst sein unangekündigter und unnötiger Besuch bei mir, bei dem er sich selbst zu mir bewegt hatte, dann das vorherige wenig interessante Blabla und nun das. Da war etwas im Busch!

„Erst der Drink“, mahnte er derart eindringlich, dass alle Alarmglocken in mir los schrillten und ich mich beherrschen musste, meine Maske der Gleichgültigkeit aufrechtzuerhalten.

„Ich brauche nicht…“, zwang ich mich zu sagen, aber er winkte ab und unterbrach mich mit sichtbar angespannter Miene.

„Du wirst das tun, was ich dir sage!“, brauste Lucius auf einmal befehlend auf und ich starrte ihn nur weiterhin angespannt an.

Jetzt wollte er seine Befehlsgewalt mir gegenüber ausspielen, nur dass ich nicht einer seiner bescheuerten Handlager war, der auf seine Anordnung hin Sitz und Platz machte. Da konnte er solange warten, bis ihm weiße, oder bunte Pfauenfedern wuchsen. Das schien ihm auch irgendwann aufzugehen, da er sich plötzlich abfällig schnaubend geschlagen gab und den Kopf so zu schütteln begann, als hätte er es mit einem besonders störrischen Kleinkind vor sich zu tun.

Doch er erstaunte mich, da er sich selbst dazu herabließ, sich zu der kleinen, versteckten Bar zu begeben und ein Glas einschenkte, das er mit großen Schritten wieder zurück zu mir brachte und geräuschvoll auf meinen Schreibtisch donnerte.

„Was willst du?“, wisperte ich daraufhin angespannt. Lucius tat nichts ohne Grund. Meine dunklen Augen lagen voller schlechter Vorahnungen auf ihm. „Mach es nicht so spannend. So schlimm kann es nicht sein… mich nervt… das hier alles schon genug“, umfing ich mit einer Geste das Büro.

„Xenophilius Lovegood ist tot“, schoss es aus ihm heraus und ich schloss, als Reaktion auf seine Eröffnung hin, die Augen.

„Mhm…“, griffen meine Finger tastend nach dem Glas. Vielleicht war ein Drink doch recht gut, während Lucius mein Verhalten unkommentiert ließ, woraufhin ich mich setzte und er mit seinem Bericht fortfuhr.

„Selwyn und Travers wurden von Lovegood selbst zu seinem Haus gerufen. Er behauptete, Potter wäre bei ihm und nun… er entkam… aber Lovegoods Haus wurde in Schutt und Asche gelegt. Lovegood ist tot“, erzählte er emotionslos, dabei erahnte ich seine Musterung bis ins Detail, rührte mich aber nicht.

„Tragisch“, murmelte ich wegwerfend und nippte an meinem Glas. Es war nicht so, als würde mir Lovegood etwas bedeuten. Ich hätte nur gerne Erfolg bei meinem Plan gehabt.

„Willst du nicht wissen, wer es war?“, drang Lucius‘ Frage in mich und ich schlug die Augen wieder auf.

„Es ist unabänderlich…“, entgegnete ich ziemlich gleichgültig, als mich der durchdringende Blick stahlblauer Augen umdenken ließ. „Weiß man das denn?“, fragte ich zurück und seufzte.

„Eine gute Frage, es war nicht das Haus, das ihn getötet hat, sondern der Avada, laut der Aussage der beiden Flachpfeifen waren sie es nicht… sondern jemand… anderes…“, lag eine Aufforderung in seiner Tonlage, die mich aufhorchen ließ.

„Wenn Potter da war… und er war da… dann war es SIE!“, zog ich umgehend meine resignierenden Schlüsse und schüttete meinen Drink auf Ex herunter.

Was zur Hölle hatte dieses unmögliche Trio bei Lovegood zu suchen gehabt?

Und noch schlimmer, sie hatte den Vater einer Schulkameradin, einer Freundin möchte man sagen, auf dem Gewissen. Wie wohl Potter und Weasley mit diesem Sachverhalt umgingen? Wie sie damit umging? Ich wollte mir nicht ausmalen, was passierte, wenn Longbottom und Co. davon erfuhren, auf wessen Konto dieser weitere Mord ging.

„Frag sie…“, bot Lucius großmütig an und es lag eine doppeldeutige Aufforderung in seinem Blick.

„Pffff… als ob sie sich hier blicken lassen würde…“, hielt ich ihm beleidigt vor und verfluchte mich im nächsten Moment, da seine Mundwinkel maliziös zuckten.

„Was soll mit der Kleinen in meinem Kerker passieren?“, fragte er bemüht neutral, auch wenn er sich durch meine vorhergehende unüberlegte Aussage bestätigt fühlte.

„Lass sie dort unten bei dir, da ist sie sicherer… als sonst… wo…“, entschied ich und dachte an das so sonderbare und eigenwillige Mädchen, das eindeutig in anderen Sphären wandelte als ihre Mitmenschen.

Sie war nun ebenfalls eine Vollwaise, wie so viele andere in ihrem Umfeld. Es war besser, ihr erstmal die raue Wirklichkeit vorzuenthalten. Ich hatte mich schon lange damit abgefunden, dass nicht alles so lief wie ich es gerne wollte und Verluste gehörten zum Leben dazu. Aber wie ein Mensch wie Luna Lovegood diesen Verlust wegsteckte, damit wollte ich mich gerade nicht wirklich befassen.

„Ganz wie du wünschst“, kam es beinah schon etwas zu eilfertig von Lucius, woraufhin ich ihn mit erhobener Braue skeptisch maß.

Der Mann plante etwas, eindeutig, und nachdem die unangenehmen Nachrichten überbracht waren, hielt ihn nicht mehr viel bei mir in meinem tristen Dasein.

Severus Sicht Ende

Hermiones Sicht

„Das neue Jahr fängt richtig scheiße an.“, „Das war knapp.“, „Das war nicht knapp, das war hauchdünn“, wechselten sich die Jungs erregt ab. „In letzter Zeit wird es ständig knapper und knapper“, murrte Harry missmutig und stieß seinen Stock ins Feuer, sodass die Funken flogen, während ich mit angezogenen Füßen vor dem flackernden Lagerfeuer saß und schweigend hinein starrte.

War das nötig gewesen? Wirklich? Ich meine, das war Lunas Dad…

Lunas Dad! Ganz toll, der Nächste auf einer immer länger werdenden Liste. Jetzt war sie auch eine Waise, genau wie Hannah, und wer war schuld, besser, wer war wieder schuld? Genau, ich!

Was fühlte ich?

Resignation!

Ja, das war wohl die beste Bezeichnung. Mir tat es für Luna Leid, aber nicht für Lovegood. Er hatte uns verraten und das hätte er nicht tun müssen, an sich hatte er den Fluch verdient, zumindest versuchte ich, damit mein Handeln zu rechtfertigen. Was war mir anderes übrig geblieben? Wenn der Lord erfuhr, dass wir von den Heiligtümer wussten, oder dass ich eben doch ständig an Harrys Seite war, nicht auszudenken. Ich würde das Dark Manor nicht mehr verlassen dürfen und würde dort in Ketten liegen, Lucius und Severus hin oder her!

„Duuuuu, Schönste…“, unterbrach mich Rons sonderbarer Ruf und ich fuhr überrumpelt zu ihm herum.

„Was?“, meinte ich unfreundlich, da er mich gerade mit seinem Dackelblick musterte, der mir gegen meinen Willen zu nah ging.

„Du solltest dich nicht selbst martern“, erwiderte er trotz meiner patzigen Art liebevoll und unterstrich seine Worte mit einer Geste.

„Woher kennst du dieses Wort, Ron?“, fragte ich weniger nett zurück, aber er hatte mittlerweile ein dickeres Fell als früher, was sein Temperament betraf, und wieherte belustigt auf.

„Hahaha, ich lebe schon seit Jahren mit einem Lexikon…“, schoss er gut gelaunt zurück, zu gut, wenn man bedachte, dass ich gemordet hatte. „Wenn da nichts hängen bleibt…“, kicherte er noch immer und kurz zuckten auch meine Mundwinkel, bevor ich mich erinnerte und wieder alles in sich zusammenfiel. „Schau nicht so, bitte… es hätte zwar nicht…“, meinte er jetzt leise und gar nicht mehr belustigt, als ich meine Hand hochriss.

„Sag jetzt nicht, dass das nicht hätte sein müssen!“, brauste ich auf, dabei verzogen sich meine Lippen zu einem dünnen Strich.

„Was…?“, zog er eilig den roten Schopf ein. „Würd ich nie wagen. Ich wollte sagen, dass du es nicht hättest tun müssen!“

„Was? Das wolltest du sagen? Wirklich? Dass es sein musste? Aber es einer von euch hätte tun wollen? Sollen?“, stieß ich schockiert aus und riss die Augen ungläubig weit auf.

„Ja, ich finde es zwar tragisch, dass wir ihn töten mussten, aber ja… dieser Verräter war eine Gefahr…“, kam es vorsichtig und ein wenig rachsüchtig von Ron, der unsicher zu mir blickte. „Und ich finde, du musst nicht immer alles machen…“, raubten mir seine unerwarteten Worte die Sprache.

„Warum, Schönste?“, mischte sich nun auch Harry ein. „Was regt dich auf? Ich denke auch so. Es war nötig… zumindest in dieser Situation, an der er selbst schuld war“, kam es immer entschiedener von Harry. „Denkst du das denn nicht selbst auch? Dass es keinen anderen Ausweg auf die Schnelle gab… er hat uns verraten…“, zeigte sich auch Harry derart nachtragend, dass ich schwer schluckte. Er schien unversöhnlicher zu werden.

„Naja, ich… ich…“, stockte ich selbst wenig aussagekräftig, da sie dasselbe dachten wie ich, aber dass sie es aussprachen und sogar bereit schienen, die Drecksarbeit zu übernehmen, berührte mich ungemein tief.

„Das solltest du nicht tun.“, „Nein, wirklich nicht.“, „Es war tragisch und ich weiß nicht, ob ich es gekonnt hätte…“, „Ich auch nicht.“, „Zumindest nicht so routiniert wie du…“, „… aber, aber… aber für uns war es besser so…“, ereiferten sich die Jungs wüst und es berührte mich tief, sodass sich ein melancholisches Lächeln auf meine Züge schlich.

Die Jungs waren zu gut, um wahr zu sein, echte Freunde!

„Haha“, lachte ich dennoch freudlos auf. „Denkt ihr, Luna sieht das auch so?“, fragte ich belegt, gedanklich bei Hannah, die mit dem Verlust zurechtkam, indem sie verhärmt wirkte, und ich hatte Sorge, dass Luna total spirituell werden würde, wenn sie es erfuhr.

„Muss sie es erfahren?“, schoss Ron zurück, woraufhin ich die Augen weit aufriss.

„Also, die DeathEater werden erzählen, dass es Potter war und damit haben sie ja an sich recht… nur dass ich es war… sie werden das propagieren und nicht unter den Teppich kehren…“, begann ich aufzuzeigen, als Harry sein struppiges Haar schüttelte.

„Dann ist es halt so“, bot er schicksalsergeben an, die Schuld auf sich zu nehmen, daraufhin schüttelte ich entrüstet mein Haupt und meine Locken flogen nur so durch die Luft.

„Harry, nein! Du brauchst dir nicht meine Opfer auf die Fahne zu schreiben, echt nicht“, wehrte ich entschieden ab. Das war des Guten zu viel.

„Aber Luna wird es bei Harry besser aufnehmen… als bei dir…“, wagte Ron einzuwerfen und ich erdolchte nun ihn mit einem mörderischen Blick und er zog die Schultern hoch.

„Super, wirklich super, was würdest du sagen, wenn ich Molly oder Arthur töte?“, fragte ich aufgebracht, weil ich nicht fassen konnte, dass die Jungs keine Moral rauskehrten und dachten, dass man so eine Nachricht, egal von wem, gut aufnehmen könnte.

„Äh…“, erwiderte er sprachlos und formte ein O mit seinem weit offen stehenden Mund.

„Eben, Ron, danke“, versank ich wieder im Brüten, während sich die Jungs eindeutige Blicke zuwarfen, mich aber diesmal in Ruhe ließen.

Sie meinten es gut, das wusste ich, aber ich haderte doch mit mir, da ich nicht zulassen wollte, dass mir meine Menschlichkeit total entglitt. Dort der Kuss, hier die Grenze zum anderen Reich hinter dem Schleier und nun der Avada, der mir immer leichter von der Hand zu gehen schien. Ich wandelte auf schmalen Graten und ahnte, dass es irgendwann keinen Weg zurück mehr gab. Ich wusste, dass die Jungs es gut meinten, aber leichter machten sie es mir dadurch nicht. Vielleicht war es positiv, dass ich, trotz all meiner Opfer, noch nicht gleichgültig über ein weiteres hinweggehen konnte. Vielleicht sollte ich mich über diese Gefühlsregung freuen, aber es tat weh und belastete mich und das war wiederum ein Luxus, den ich mir in Zeiten wie diesen nicht leisten konnte.

Nachdem die Stimmung bei uns Dreien einfach nicht besser wurde, entschied ich mich meiner anderen Arbeit nachzugehen und meine Männer zu überwachen, um auf andere Gedanken zu kommen.

Fenrirs und Patricks Abwesenheit bei den Snatchern wurde zu signifikant, als dass ich sie hätte weiterhin ignorieren können, also musste ich dem auf den Grund gehen.

So stand ich nun unter der großen, ausladenden Eiche und reckte meine Nase in die kühle Nachtluft. Der Raureif hatte die Natur in eine gefrorene, unwirkliche, winterliche Landschaft verwandelt, die ihren ganz eigenen Charme versprühte. Einige zartbesaitete Geschöpfe würden sich vielleicht vor Angst in die Hose machen, aber ich fühlte mich zum ersten Mal wieder frei, ungebunden und losgelöst.

Kleine Dampfwolken bildeten sich, während ich meinen Atem ausstieß und einfach das Alleinsein genoss.

Nach einiger Zeit war ich mit mir im Reinen und so zog ich mir entschlossen meine Kapuze tiefer ins Gesicht und stapfte über das knirschende, da hart gefrorene Gras und bahnte mir meinen Weg durch das kahle Gestrüpp Richtung Lager. Dabei war ich auf der Hut und hatte meinen Zauberstab in der Hand, wohl verborgen unter meinem Mantel und als sich mir urplötzlich eine bullige Gestalt in den Weg stellte, war ich nicht unvorbereitet.

„Stopp“, knurrte der mir unbekannte Werwolf gefährlich und ich schenkte ihm nur eine kurze Musterung.

„Sag du mir nicht, was ich tun soll“, hisste ich ohne Scheu mit hörbarer Schärfe zurück, hob aber nicht meinen Stab.

Ich erwartete, dass er mich erkannte und mich dementsprechend behandelte. Als er daraufhin komische Töne des Missfallens darüber ausstieß, wie ich mit ihm sprach, ließ ich ihn einfach stehen, jedoch bemerkte ich ein sonderbares Verhalten bei ihm, da er auf einmal hin und her wippte, als könnte er sich nicht entscheiden, ob er mir nachstellen sollte, um mich aufzuhalten, oder halt eben nicht, während ich einfach meines Wegs ging. Diese Unentschlossenheit bei einem Werwolf verwunderte mich, sonst waren ihre Befehle immer sehr einfach gestrickt und das Rudel konnte sich leicht daran halten, wenn ich angekündigt werden müsste, oder sollte, dann wäre er entschiedener aufgetreten.

Somit war für mich nicht erkennbar, was ihn derart verunsicherte. Aber es ließ mich noch wachsamer werden, sodass ich noch mehr auf meine Umgebung achtete. Erst jetzt nahm ich die Schatten in der beginnenden Nacht wahr. Die Wesen, die still und leise hin und her huschten und den Wald bevölkerten.

Was war zur Hölle hier los? War ich zuvor blind gewesen?

Denn auf einmal wirkte es auf mich, als wären alle Wölfe des Rudels im Wald verstreut, was ungewöhnlich war. Sonst waren nur die Schutzwölfe draußen, um das Lager zu sichern, aber alle anderen sammelten sich in der Wärme und Kuscheligkeit des geselligen Lagers.

Jedoch fiel mir nach und nach auf, dass sich eine große Masse extrem vom Lager fernhielt, es beinah schon manisch mied, das war… beunruhigend, das war sonderbar!

Somit hielt ich mich wohlweislich im Schatten der Bäume verborgen. Vielleicht drohte Gefahr? Vielleicht waren sie angegriffen worden? Wer wusste das zu sagen? Gewöhnlich rotteten sie sich wie die Glucken vor ihren Lagerfeuern zusammen. Als ich das relativ leer anmutende Lager erreichte, sah ich meine Vermutung bestätigt, da es hier beinah verlassen war.

Ich registrierte wirklich nur kläglich wenige Werwölfe verteilt über das ganze, großzügige Terrain, die zusätzlich noch ziemlich verloren aussahen. Ihr sonst so prägnantes und archaisches Auftreten war eher einer gebückten, vorsichtigen Haltung gewichen, dazu war es extrem leise.

Mein Misstrauen wurde bestätigt. Die Stimmung war so ungewöhnlich, dass ich überlegte, vorsorglich auch noch meinen Dolch zu zücken, da die Spannung schneidend war, obgleich ich keine akute Bedrohung, oder Verletzte ausmachen konnte. Das hier war mit nichts zu vergleichen, was ich sonst erlebt hatte. Gewöhnlich herrschte eine lebendige und ausgelassene Stimmung, nicht diese lauernde Angst, die mir fast beißend in der Nase stach.

Ich achtete so auf die ungewohnte Umgebung, dass ich beinah über eine Unebenheit am Boden stolperte. Dabei strauchelte ich und fing mich nur äußerst unelegant, als das zusammengekrümmte Etwas sich durch meinen Stoß rührte und offenbarte, dass es eben keine Wurzel, sondern ein Lebewesen war.

„Patrick?“, wisperte ich überrascht und sank neben dem benommen Stöhnenden zu Boden.


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BeitragThema: 594. In the land of the dark!   Di Mai 09, 2017 7:19 pm

594. Kapitel In the land of the dark!

Patrick lag nun wieder wie tot darnieder. Er regte sich nicht weiter, während ich mit Horror auf den Mann vor mir starrte und mir mit einem Lumos die Sicht erhellte. Mit Beklemmung sah ich hinab zu dem Werwolf, der mich damals aus den Flammen aus East End gerettet hatte. Nichts deutete noch auf den stolzen Betawerwolf hin, der sonst als der Stellvertreter seines Alphas selbstsicher auftrat und dabei half, das Rudel straff zu führen. Er war nun ein zu Brei verarbeitetes Häuflein Elend.

„Was ist passiert?“, wisperte ich mehr zu mir selbst, da er nicht in der Lage war, zu antworten, als ich ihn ein wenig zur Seite drehte, um einen besseren Blick auf seine Wunden zu haben.

„WOW“, entwich es mir erschrocken, aber auch beeindruckt.

Wer hatte ihm das angetan?

Hautfetzen hingen von seiner rechten Gesichtshälfte, selbst seine Augenbraue als auch sein Lid waren gespalten. Sein auseinander klaffendes Lid ließ seinen weißen Augapfel makaber hervorstehen, aber da er seine Augen verdreht hatte, sah er nichts. Blut tropfte noch immer von seinem Gesicht und sickerte in den Boden. Sein anderes Auge war blau geschwollen und zu einer Einheit mit seiner Backe angeschwollen, dabei schien sein Jochbein gebrochen zu sein. Seine Lippe war durchgebissen und dann aufgerissen und erinnerte an eine abstrakte Hasenscharte. Sein rechter Arm, den er an seinen Brustkorb gedrückt hielt, wirkte ausgekugelt. Alles in allem sah er schrecklich verprügelt aus. Er atmete unstet und die Luft entwich ihm pfeifend. Rippen schienen also auch gebrochen zu sein.

„Du… widerliches Monster!“, schallte gerade ein lauter, panischer und sehr schriller Ruf über die gespenstische Stille des Lagers und Patrick zuckte zusammen, kämpfte aber danach um sein Bewusstsein, das ihm immer wieder zu entgleiten schien, während mein Blick über meine Schulter zuckte.

„Halt dein Maul, oder du bekommst nochmal…“, knurrte Fenrirs dunkle, wilde Stimme über die Lichtung und bescherte seinen noch anwesenden Leuten eine Gänsehaut, dabei verzogen sich meine Augen zu Schlitzen.

„Wassss, sprich es ruhig aus“, forderte er dunkel, entgegen seiner vorhergehenden Worte, und ich konnte es nicht fassen und ruckte hoch.

„Du abartiger Tyrann!“, kreischte die junge Frau wütend, aber nicht so eingeschüchtert wie die anderen Werwölfe, an sich irre todesmutig.

„Lavender?“, stieß ich fragend, da bodenlos überrascht aus.

Lavender, hier!

Was hatte sie hier zu suchen?

Ich konnte ihre und Fenrirs Umrisse vor dem mittigen, groß lodernden Lagerfeuer ausmachen. Was hatte Lavender hier im Rudel zu suchen?

„Ich werde ihn heilen und wenn du dich auf den Kopf stellst“, brüllte sie gerade mit dem Temperament der Gryffindors gesegnet zurück, dabei war ihr Kreischen ein Garant für eine Gänsehaut.

„Das wirst du nicht“, stieg ein tiefes Donnergrollen aus Fenrirs Brustkorb, das selbst durch meinen Körper zog, infolgedessen war zu verfolgen, wie sein Körper größer wurde.

„Was sonst?“, provozierte sie weiter. „Willst du deinen Kopf weiterhin mit Gewalt durchsetzen? Indem du alles kurz und klein schlägst? Wie absolut beeindruckend!“, kreischte sie wieder los und wurde meiner Ansicht nach immer hysterischer und erreichte damit das absolute Gegenteil, um ihm einzuheizen.

Jedoch wurde meine Aufmerksamkeit wieder nach unten gezogen, da sich der Verletzte regte.

„Nic… nicht… nein…“, begehrte Patrick ängstlich auf und rollte wild mit seinen Augen, dabei war es besonders eklig, da das eine zerfetzte Augenlid alles von seinem weißen Augapfel sehen ließ, wie es wild in seiner Augenhöhe hin und her rollte.

„Schsch“, murmelte ich. „Ich passe auf, dass ihr nichts passiert“, beruhigte ich ihn und legte eilig einen schmerzstillenden Zauber auf ihn, für mehr blieb mir keine Zeit, wenn ich mein Versprechen halten wollte, denn Fenrirs ganze Haltung drückte nur mit Müh und Not unterdrückte Aggression aus.

Ich hatte es geahnt, nach meinem letzten Zusammentreffen mit den Dreien im Verbotenen Wald, dass diese Konstellation zu Problemen führen würde. Schon damals hatte ich eins und eins zusammengezählt. Fenrir wollte Lavender und Lavender und Patrick wollten sich gegenseitig und das war das Ergebnis, wobei es mich nicht glücklich machte, was ich hier erlebte. Machtkämpfe um eine Frau waren immer das Verderben eines Reiches.

„Platz“, brauste soeben der harsche Befehl von Fenrir über das Lager hinweg, während Lavender wegen dieses demütigenden Befehls über und über rot anlief und da er gerade nach ihr packen wollte, da sie wieder nicht tat, was er von ihr wollte. „Ich werde dir zeigen, was es bedeutet, mich zu reizen“, knurrte er wild und fletschte beeindruckend die großen Reißzähne.

„Arrrrr“, kreischte sie nun doch panisch auf und ich lief los und ließ Patrick zurück.

„Interessant, womit du deine Zeit verbringst…“, trat ich in den Lichtschein, während ich mit absichtlicher Verachtung zu ihm sah. „Unsere eigenen Reihen zu lichten… wer dezimiert nun seinen eigenen Trupp?“, reizte ich Fenrir absichtlich und warf ihm seine Worte vor, die er mir um die Ohren gehauen hatte, als er mir sein Wissen darüber eröffnet hatte, dass ich meinen ersten Trupp eliminiert hatte.

„Hermio…“, stieß Lavender hoffnungsvoll aus und sprang noch weiter von ihm weg, sobald es ihr möglich war.

„Püppchen, verzieh dich“, unterbrach er unwirsch und griff ins Leere, um ihrer wieder habhaft zu werden, als ich abfällig schnaubte.

Bei mir sollte er gar nicht versuchen, so einen Ton anzuschlagen. Dabei war auszumachen, dass Fenrir nur einen kleinen Kratzer an der Wange hatte und seine Kleidung ein wenig zerrissen aussah, sonst sah er ziemlich gut aus, wenn man sich Patricks Verfassung vor Augen führte, zu gut.

„Warum sollt-“, stockte ich, um mit einem Satz bei Lavender zu sein. „Lavender!“, entfuhr es mir bestürzt.

Ich drängte sie von Fenrir weg und bewunderte ihr im Licht blau erstrahlendes Veilchen, wobei ihre ganze linke Wange dick geschwollen war und ihr ein schiefes Aussehen verlieh. Sie verzog auch sofort das Gesicht. Sie musste starke Schmerzen haben.

„Wer war das?“, fragte ich leise und mit einer irren Wut im Bauch.

„Sie war im Weg“, meinte Fenrir daraufhin und ich warf ihm einen vernichtenden Blick zu und bekämpfte die in mir aufsteigende Wut.

Ich wusste, wie es war, zwischen die Fronten zu geraten. Ich kannte die Schmerzen, aber wenn Fenrir, so wie Lucius damals, dachte, so eine Frau für sich gewinnen zu können, war er falsch gewickelt.

Denn auch Lavender wirkte nicht wirklich eingeschüchtert, sondern eher stockwütend auf den Anführer der Werwölfe, indes versuchte sie, sich vor meiner tastenden Hand in Sicherheit zu bringen, da sie jede Berührung schmerzte, denn auch ihre Oberarme zeigten Striemen von festen Griffen.

„Genau, im Weg“, ließ ich von ihr ab und ging auf ihn zu. „Und ich bin von gestern, du hast sie geschlagen“, brauste ich anschuldigend auf und trat nun aggressiv auf ihn zu. Ich war außer mir vor Zorn und Wut. Ich hatte ihm Lavender nicht anvertraut, auf dass er sie misshandelte.

„Sie war im Weg!“, beharrte er missmutig und fletschte die Zähne. Es passte ihm gar nicht, dass ich ihm Vorsatz vorwarf.

„Ich war nicht im Weg!“, schrie sie nun von hinten aufgebracht. „Ich habe mich dir in den Weg gestellt“, presste sie böse hervor und ich hätte über ihren Mut gelacht, wäre er nicht so todesmutig, als sie herumwirbelte und mit gezücktem Stab Richtung Patrick eilte.

„Das wagst du nicht“, brüllte Fenrir wie ein Löwe los und ein unterwürfiges Jaulen und Winseln des Rudels antwortete ihm hörig.

„Wenn du denkst, dass ich dir das durchgehen lasse, dann irrst du dich“, drohte ich wenig subtil und stellte mich ihm in den Weg, da er ihr folgen wollte, um sie von Patrick fernzuhalten.

Da brüllte er ohrenbetäubend auf!

Er warf den Kopf in den Nacken, riss sein Maul extrem weit auf und fletschte die beeindruckenden Reißzähne, woraufhin die noch anwesenden Rudelmitglieder gefährlich jaulend die Schwänze einzogen. Anscheinend war das zu viel des Guten, da ich ihm ebenfalls Paroli bot, nur dass ich eben kein kleines Werwolfweibchen war, das vor Angst erstarrte, wenn ihm der Sinn nach Aggression stand. Die Gegenwehr gegen seine Wünsche schien Fenrir maßlos zu reizen und an den Rand seiner Geduld zu treiben. Doch dann hielt Fenrir nichts mehr und in einer rasanten Aktion schoss er auf mich zu.

Er griff an!

Er musste zuerst mich angreifen und ausschalten, um dann zu Lavender und Patrick zu kommen, die hinter meinem Rücken waren und er hätte mich aufgrund seiner rasanten Attacke überraschen können, wenn ich nicht schon immer darauf gewartet hätte, dass er irgendwann einmal versuchen würde, mich anzufallen.

Wir hatten noch nie richtig gegeneinander gekämpft. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, wann es zu einer solchen Konfrontation gekommen wäre. An sich war sie längst überfällig und ohne Magie hätte ich gegen einen Werwolf keine Chance und schon gar nicht gegen einen Alpha und das wusste er und ich machte mir nichts vor und wusste es ebenfalls.

Gerade griff er mir in einer brachialen und brutalen Geste an den Hals, was ich gar nicht ab konnte, aber da er wesentlich längere Arme hatte als ich, gelang es ihm sogar und er drückte sofort zu.

Seine Krallen ritzten meine Haut auf und seine Finger strangulierten mich, während ich meine Halsstränge anzog und versuchte, dem Druck standzuhalten und ich meine aufkeimende Panik in den Hintergrund drängte. Stattdessen packte ich nach seinem Hemd, krallte mich daran fest und wehrte mich gar nicht erst gegen seine gnadenlose Strangulation, die mir die Luft abschnürte. Sollte er nah kommen, noch näher!

Erst als er mir in meine weißen Augen sah und es als das deutete, was es war, erkannte er seinen großen Fehler! Denn sofort lockerte sich der Druck um meinen Hals und ich bekam wieder besser Luft, aber es war zu spät, zu spät für ihn, denn ich ließ ihn im Gegenzug nicht los.

Ich sprang, diesmal mit ihm als Fracht, hinein in den Slide!

Wie ich auf die Idee kam? Keine Ahnung. Ich hatte ihn überraschen und aus dem Gleichgewicht bringen müssen, wenn ich diesen Kampf gewinnen wollte und da war mir auf die Schnelle nichts Besseres eingefallen, als ihn zu packen.

Bisher hatte nur Sanguini mit mir jemals gemeinsam einen Slide hingelegt. Diese besondere Art der Fortbewegung war den anderen magischen Wesen ansonsten verwehrt. Das Betreten dieser Welt zwischen den Schleiern, die gewöhnlich nur Vampiren offen stand.

Es war eine unbeantwortete Frage, wie Fenrir diese Reise überstehen würde. Aber nach seiner Attacke auf mich rettete ich mich mit einer erschreckenden Selbstverständlichkeit in mein neues Sein und griff ohne falsche Scheu auf meine mir gegebenen Ressourcen zurück.

Es fühlte sich für mich an wie immer, als ich bemerkte, wie seine Hände vollständig von meinem Hals glitten, weshalb ich den Slide unterbrach und abrupt wieder mit ihm in der realen Welt auftauchte.

Ich war nicht weit gesprungen, nur zum anderen Ende des Waldes, aber trotzdem starrte ich soeben auf den bewusstlosen Fenrir, der sich im ersten Moment noch mordlustig an meine Kehle gekrallt und im nächsten die Augen verdreht hatte und der Kontrolle über seine Gliedmaßen beraubt, wie ein nasser Sack mitgeschleift wurde, nur von mir an seinem Hemd festgehalten. Die Finger meiner linken Hand griffen an meinen misshandelten und blutenden Hals, während ich schmerzhaft schluckte, meine Kehle schmerzte, da sein Griff unvorstellbar fest gewesen war und ich verfluchte Bole, der mir mein Trauma auf ewig beschert hatte.

Wenn ich Fenrir nicht mit mir in das Nichts genommen hätte, wäre ich verloren gewesen, da er nur noch von seinen Instinkten getrieben worden war.

Aber jetzt wusste ich wenigstens, was passierte, wenn andere, nicht berechtigte Personen, zwischen den Welten wandelten. Vampire und SoulGatherer konnten so reisen, ohne dass etwas passierte, andere anscheinend nicht. Natürlich sezierte ich sofort interessiert das Geschehen und fragte mich, ob es noch andere Unterschiede zu anderen Reisenden geben würde, zum Beispiel zwischen Muggel und Magiern.

So überlegte ich angestrengt, was wohl passiert wäre, wenn ich mit Wena in den Silde gegangen wäre.

Unterdessen kehrte langsam wieder Leben in Fenrir zurück und plötzlich drehte er sich rasant um. Er hievte sich auf die Knie hoch, um sich im hohen Bogen mit einer Inbrunst zu übergeben, die schon vom Zusehen her qualvoll war. Er kotzte sich wahrhaftig die Seele aus dem Leib, dabei bereitete mir seine Schwäche ein gewisses Unbehagen, waren Werwölfe doch widerstandsfähiger und kräftiger als die normalen Menschen, auch als Magier.

Ich würde niemals den Slide mit einem nicht magischen Wesen ausprobieren, beschloss ich für mich. Was wäre passiert, wenn ich länger mit Fenrir auf der anderen Seite geblieben wäre? Es waren wirklich nur Sekunden gewesen, wenn überhaupt, aber er war vollständig kampfunfähig.

„Verfluchte Scheiße“, würgte er erbarmungswürdig, da sich noch immer sein Magen krampfte und er trocken würgte, wenngleich schon lange nichts mehr kam. Er keuchte atemlos und wandte sich von der Bescherung ab, fiel wieder zurück auf den kalten Boden.

„Was war das?“, fragte er erschöpft und legte sich seinen Unterarm auf seine Stirn.

Er blinzelte mitgenommen, war ganz blass, zitterte wie Espenlaub und wirkte kränklich. Kurz gesagt, derart angeschlagen und absolut fertig hatte ich Fenrir noch niemals gesehen. Es war beängstigend.

„Ich… chrm…“, verstummte ich nach dem einen Wort und räusperte mich, da mich seine Augen vorwurfsvoll anstarrten.

„Witzlos…“, knurrte er schwächlich und rieb sich immer wieder über seine Brust, als hätte er darin Schmerzen. „… das ist schlimmer als Apparieren… was war das?“, fragte er nochmals rau und verkrampfte seine Muskeln. Sein Körper spannte sich, dabei verzog er seine Züge zu einer hässlichen Grimasse und schien große Kopfschmerzen zu haben.

„Du bist selbst schuld! Fenrir… chrm…“, hielt ich ihm vor, aber ein minimal schlechtes Gewissen meldete sich, da ich ihn ins völlig Ungewisse mit hineingezogen hatte.

Manchmal, nur manchmal sollte ich mehr über die Konsequenzen nachdenken!

Er hätte auch sterben können und gerade in dieser Zeit ein neuer Alpha im Rudel wäre nicht wünschenswert. Nun zog er sich schwer hoch, setzte sich auf den Boden und rieb weiterhin seinen Brustkorb, während ich den Schmerzen in meiner Kehle nachspürte.

„Ich?“, würgte er wieder, spuckte seinen Speichel in hohem Bogen aus und hielt sich mit der anderen Hand seinen Kopf.

„Ja, du solltest mich nicht angreifen und ärgern“, erklärte ich eindringlich, da mich selbst schockte, was dieses Experiment zu Tage gefördert hatte. Andererseits war es gut, dass ich es an ihm versucht hatte, mit dem Ergebnis und der Einsicht, es nicht mehr zu tun, mit niemandem, außer ich wollte denjenigen töten.

„Und du… du solltest dich nicht in Rudelangelegenheiten einmischen“, begehrte er mit ziemlich gebrochener Stimme auf. Es war neu und eine weniger schöne Erfahrung, ihn derart angeschlagen und kraftlos zu erleben.

„Chrm… dein Rudel hat sich im Wald zerstreut…“, informierte ich völlig aus dem Zusammenhang gerissen, nur um etwas zu sagen.

„Die kommen wieder, das ist normal, dass sie abhauen und wiederkommen, wenn es sicher ist“, meinte er wegwerfend und spuckte wieder aus.

„Sehr feige“, zeigte ich Zähne und schritt vor ihm auf und ab. Mich machte das alles unruhig.

„Sehr schlau“, knurrte er böse und rieb sich über seine Schläfen und stöhnte, während ich schwer schluckte und versuchte, den Schmerz zu verdrängen, da sich meine Kehle rau anfühlte und das Blut meine Kleidung verdreckte.

„Du hast Patrick, einen Mann meines Trupps, so zugerichtet und mir wirfst du es vor… zur Hölle, warum?“, fragte ich plötzlich erregt, weil wir darüber reden mussten, auch wenn ich schon ahnte, was er für eine Leier fahren würde.

„Er macht mein Weibch… Lavender an…“, klang sein Einwand schrecklich lahm und ich verdrehte die Augen.

„Ich habe dir schon im Wald gesagt, gib ihr Zeit! Chrm… lass mich mit ihr reden! Das wird nicht leicht! Sie will dich nicht! Sie ist nicht DEIN Weibchen…pfff…“, zählte ich genervt auf und würgte an dem Wort Weibchen. Welches Mädel in Hogwarts würde sich bei dem Begriff nicht im zukünftigen Grab umdrehen?

„Ich bin der Alpha!“, brummte er sofort los und erhob sich etwas, dabei strahlte er trotz seiner Gebrechlichkeit eine gewisse Bedrohlichkeit in seiner Wildheit aus. „Er hat mich herausgefordert und ich habe ihm des Platzes verwiesen… du weißt, wie solche Dinge geregelt werden… es gibt Hierarchien!“, rief er mir schonungslos in Erinnerung und auch wenn ich Patrick mit mein Leben verdankte, musste ich zu meinem Leidwesen Fenrir recht geben.

Ich wusste, wie solche Dinge geregelt wurden!

Er war der Chef des Rudels. Wenn sich jemand erdreistete, den Chef herauszufordern, dann kam es zu einem Kampf und dieser entschied, wer recht hatte und wer nicht. Demokratie war das nicht und gerade wenn es um eine Frau ging, drehten besonders die Werwölfe wohl am Rad, wenn ich mir das alles so besah. Auf der anderen Seite stand Strähnchen auch ständig davor, mit mir aneinanderzugeraten. Wenn ich ihm eines Tages nachweisen konnte, dass er sich von Lucius und Severus mit Geld schmieren ließ und dafür seine Loyalität mir gegenüber vergaß, dann würde ich ihn mir vorknöpfen und ebenfalls seines Platzes verweisen. Vielleicht dachte er wirklich, er wäre vor mir sicher, weil sie ihre Hände über ihn hielten?

Wie auch immer, es war ähnlich, aber nicht gleich. Bei mir ging es wenigstens nicht um Liebschaften, sondern nur um knallharte Fakten, aber ja, ich wusste, wie es war, zu führen und diese Führung zu verteidigen.

„Chrm… und was ist mit ihr passiert?“, fragte ich daher etwas völlig anderes, aber etwas, was mich beschäftigte. Das Bild der verprügelten Lavender ging mir unerwartet nah.

„Sie ging zwischen uns… das war…“, stockte er knurrig und wandte den Blick ab und rieb wieder über seine Brust.

Er wusste, was hätte passieren können. Ein Schlag von ihm und sie hätte tot sein können, bei seiner Kraft. Ich entschied, ihm zu glauben, wollte drauf vertrauen, dass er mich nicht belog und so seufzte nun ich, da er verstummte.

„Selten dämlich… chrm…“, beendete ich seinen Satz räuspernd und sah ihn kopfschüttelnd an. Zwischen zwei wildgewordene Werwölfe zu treten war wirklich nicht das Klügste was man tun konnte, wobei: wann hatte Lavender jemals durch Intelligenz geglänzt?

„Hmpf“, entfuhr es ihm wenig aussagekräftig, obwohl ich eigentlich seine Zurückhaltung bewundern musste. Er hätte Patrick in diesem Kampf auch töten können. Dass er es nicht getan hatte, zeigte seine Kontrolle, trotz seiner Wut.

„Fenrir!“, ging ich seufzend vor ihm auf die Knie und er sah schwer zu mir auf. „Wenn sie dich nicht will, wie sollte ich sie dazu zwingen können? Du bist uralt…“, blitzte es kurz wütend in seinen Augen auf, dabei lag ein empörter Vorwurf darin. „In ihren Augen!“, versuchte ich die Wogen eilig zu glätten, während er wieder den Kopf nach vorne fallen ließ, als wäre er ihm zu schwer.

Aber Fenrir war und blieb nun mal gute 55 Jahre alt und auch wenn es ihm nicht passte, war das für ein 17-jähriges Mädel wirklich uralt, auch wenn man ihm das Alter bei weitem nicht ansah. Man könnte mir nun vorwerfen, dass ich mit zweierlei Maß maß, aber das hier war alles nicht mit Lucius zu vergleichen, der schlanke 10 Jahre jünger war. Jedoch lag der Unterschied nicht in den Männern, sondern in Lavender und mir. Ich hatte mich früh zu älteren Männern hingezogen gefühlt, siehe Cedric, Krum und dann hatte ich mich gesteigert mit Sirius und Severus, das konnte man von der eher einfach gestrickten und naiven Lavender nicht wirklich behaupten.

„Man sieht uns unser Alter nicht an“, murrte er düster und ich musste mich weiter zu ihm beugen, um ihn zu verstehen. „Patrick ist auch nicht mehr der Jüngste“, sah er sich bemüßigt, mich in Kenntnis zu setzen.

„Das sag ich doch gar nicht, auch Magier altern langsamer… als normale, nichtmagische Menschen… chrm…“, versuchte ich, seine Eitelkeit zu schonen, aber er schüttelte nur schwerfällig seinen Kopf und kniff seine in der Dunkelheit leuchtenden Augen zusammen, während meine Kehle weiterhin kratzte.

„Das hat damit nichts zu tun!“, stieß er dann knurrig aus und ich hob eine Braue an.

„Wie meinst du das?“, fragte ich erstaunt nach und er holte tief Luft, während ich zu ergründen versuchte, was er ausdrücken wollte.

„So wie ich es sage, wir altern auch langsamer als Magier, wir sind Werwölfe“, meinte er nur entschieden und das hörte sich so an, als würde dies alles erklären, aber ich verstand nur Bahnhof.

„Du meinst, ihr seid zusätzlich jünger? Wegen eurem Stoffwechsel? Ich habe nichts dergleichen in Büchern…“, kam es von mir, so wie man es von mir gewöhnt war, wie Ron sagen würde, aber Fenrir unterbrach mich abfällig.

„Pfff, dergleichen wirst du nie in Büchern finden“, stieß er auch schon verächtlich aus und legte nun seine Hand an seine Brut, als müsste er sich berühren.

„Was? Ich habe den Faden verloren… chrm…“, schüttelte ich irritiert den Kopf.

„Ich will damit sagen, dass du bei uns vom Alter her nicht denselben Maßstab anlegen kannst… das ist einfach falsch…“, setzte er trotz seiner angeschlagenen Konstitution zu einer weitreichenden Erklärung an und weihte mich zu meinem Erstaunen in völlig unbekanntes Terrain ein.

„Das heißt, ein Werwolf altert allgemein langsamer, weil das eure Gabe ist? So wie die Magie… bei den Zauberern?“, fragte ich interessiert, als er rau auflachte.

„Eine Gabe? Vielleicht. Wir Werwölfe regenerieren uns schneller, das siehst du auch an den Wunden. Patrick würde auch ohne ihre aufopferungsvolle Pflege wieder auf die Beine kommen“, murrte er zum Ende hin vorwurfsvoll, mit einer Spur Eifersucht und ich ahnte, dass er sich die Szene im Lager vorstellte, von der ich ihn weggeholt hatte und ich unterdrückte das Grinsen, das sich mir aufzwängen wollte.

„Aber nicht mehr so schön wie vorher“, schränkte ich mit einem schicksalsergebenen Zynismus ein, der Fenrir wieder von seiner Wut zu holen schien, da er mich nun direkt ansah.

„Genau!“, grinste der Alpha fies, bevor er weitersprach. „Nur, du hast etwas falsch verstanden, wir sind nicht einfach jung… unsere Regeneration von Wunden… die haben wir immer, das hängt mit dem Mond zusammen… aber wir haben ein Mittel, um alles in allem jünger zu bleiben, um länger überleben zu können, in einer guten Konstitution, ähnlich wie die Vampire, die sich durch ihre Nahrung, durch das Blut, das sie trinken… jung halten…“, brach er erschöpft ab und holte tief Luft, während ich ihn mit großen Augen anstarrte. Das waren Interna, die so geheim waren, dass es mir ebenfalls den Atem verschlug.

„Das Essen, euer Essen? Was?“, schoss es krächzend aus mir heraus und sofort stach es wieder in meinem Hals. Ich starrte ihn weiterhin an. Was offenbarte er mir hier?

Dabei grinste er so hinterhältig, dass es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen fiel, als ich auf das Weiß seiner Fangzähne blickte, die verheißungsvoll im Mondlicht glänzten.

„Das Fressen von Menschen? Ihr esst die Menschen, um jung zu bleiben?“, flüsterte ich mitgenommen und sank auf meine vier Buchstaben, da mich meine Beine nicht mehr trugen.

„Ja, denkst du, es ist der Wunsch unserer schlaflosen Nächte, das zu fressen, was wir mal waren?“, fragte er aufreizend und spuckte wieder aus.

„Was… ähm, nein… keine Ahnung… ich fand es widerlich… aber naja…“, zuckte ich die Schultern.

Was stand es mir zu, hier zu richten? Dabei wurde die Trockenheit in meiner Kehle fast drückend.

Wenn man sich meine Inferi, oder die Leichen vor Augen führte, mit denen ich arbeitete, dann mochte ich nicht daran denken, was andere von mir, einem Nekromanten, dachten, der mit dem Tod spielte. Ja, ich war wahrlich nicht die, die den ersten Stein werfen konnte.

„Pfff, das ist echt beleidigend, dass du denkst, wir machen das ohne Grund“, erregte er sich schmallippig, da er noch immer mitgenommen wirkte. „Ja gut, mir macht es nichts aus, etwas zu zerfleischen und zu fressen, aber den Genuss, dies zu erleben, den lernt man erst über die Jahrzehnte hinweg… aber wir müssen es tun, für uns… ab und an…“, schränkte er ein und wieder rieb er sich die Brust.

„Hä?“, entfuhr es mir unfreundlich und es war ansteckend, so dass ich mir über meinen geschundenen, vom Blut klebrigen Hals rieb.

„Mhm… was daran, denkst du, hält uns jung?“, stellte er eine eindeutige Frage, aber ich schüttelte nur verneinend den Kopf.

„Mach keine Ratestunde daraus“, entfuhr es mir genervt und ich rieb mir über meine Schläfen.

„Herzen, noch schlagende, frische Herzen“, wisperte er leise und mit einem Schlag fühlte ich mich nach Kingswear zurückversetzt.

Ich stockte und erinnerte mich. Ich sah es wieder genau vor mir, wie sie den Brustkorb der Frau mit bloßen Händen und Krallen aufrissen, wie sie ihr das noch schlagende Herz herausrissen, wie sie es packten und hineinbissen, es sich gierig teilten. Die Schreie des Opfers hallten selbst jetzt noch in meinen Ohren nach, als ihr dieses unvorstellbar grauenhafte Leid bei noch lebendigem Leibe widerfahren war.

Doch als ich dann schwer gegen die Erinnerung ankämpfte, was ich Cho angetan hatte, wie ich den Blutaar an ihr vollzogen hatte, um dem Lord gefällig zu sein, erkannte ich, wahrlich kein Richter über die Werwölfe sein zu können und bedeckte meine Augen mit meinen Händen.

Monster, wir waren alle Monster!

Nun kannte ich zwar den Grund und konnte es nachvollziehen, was die Werwölfe zu diesem Verhalten trieb, war dennoch widerwillig berührt. Was tat man nicht alles, um jung und knackig zu bleiben, bäh!

„Wenigstens erklärt das chrm… warum in deinem Rudel keine senilen, alten Greise herumlaufen“, versuchte ich die Situation zu lockern und ihm zu signalisieren, dass ich mir eine moralische Meinung ersparte, da es mir nicht zustand. „Moment, hat Remus das nicht gewusst? Er sah so viel älter und mitgenommener aus als ihr?“, kam es mir plötzlich in den Sinn und er lachte daraufhin rau auf.

„Wir weihen doch nicht alles und jeden in Rudelgeheimnisse ein“, knurrte er los und ich erkannte das versteckte Kompliment. Man musste nur versuchen, ihn umzubringen und schon wurde er weich. „Außerdem war er ein Weichwolf, die überleben nie lange“, meinte er verächtlich und ich verstand Remus nicht, dass er sich so wenig auf sein neues Dasein eingelassen hatte. Dazu gehörte eine gute Portion Sturheit.

„Uh, so geheim?“, sprach ich mehr zu mir, überrascht über diese unglaubliche Ehre. Immerhin war ich doch weit davon entfernt, ein Werwolf zu sein. „Ich schwöre, ich werde schweigen, das geht niemanden etwas an“, kam ich seiner Forderung zuvor und hielt meinen nun an der Spitze leuchtenden Zauberstab in die Höhe. Es gab einen Grund, weshalb über SoulGatherer so wenig bekannt war. Man blieb mit seinen Geheimnissen unter sich. Es war gleichzeitig ein Schutz als auch eine absichtliche Abgrenzung zu anderen, aber wenn mir Fenrir gerade sein Herz ausschüttete, würde ich mich hüten und sein Vertrauen missbrauchen.

„Würde ich dir auch raten, mörderisches Püppchen“, erklärte er daraufhin nur zweideutig, aber mit zufriedener Miene und spuckte wieder aus, dabei drohte sich eine lastende Stille über uns zu legen, der ich eilig entgegentrat und weitersprach:

„Tja, das ist ja jetzt keine Einschätzung deiner Attribute und ich will dir nicht zu sehr schmeicheln… aber du bist für dein Alter erstaunlich gut in Schuss. Wie oft muss man dafür herzhaft zubeißen?“

Es war gewagt, über so ein Thema einen Witz zu reißen, aber wenn das alles schon so bescheiden lief, dann musste man sich in Galgenhumor flüchten.

„Sagst du das, damit ich dich nicht anfalle, oder versuchst du gerade, lustig zu sein?“, erwiderte er müde und ich legte meinen Kopf abwägend schief.

„Könntest du das denn?“, meinte ich gutmütig. „Du wirkst immer noch nicht standfest, oder gibt es sonst noch einen Grund, weshalb du noch immer auf dem Boden hockst?“, rieb er bei meinen Worten wieder über seine mächtige Brust.

„Du sitzt auch“, erwiderte er gereizt, machte aber keine Anstalten, aufzustehen.

„Ja, weil ich dachte, es wäre höflich, zu sitzen, davon abgesehen waren deine Offenbarungen heftig… aber ehrlich, geht es wieder?“, drang ich weiter in ihn, als er mir einen scharfen, stechenden Blick zuwarf.

„Mach das nie wieder“, stieß er entschieden aus und alles an ihm und seiner Haltung drückte Anspannung aus.

„So schlimm?“, kämpfte ich arg um eine unbewegte Miene.

„Schlimmer… als schlimm…“, bekannte er anklagend und seufzte, dabei begann er, rhythmisch seinen Brustkorb zu streicheln. „Ich war im Land der Dunkelheit“, wisperte er mit rauer, brüchiger Stimme und konnte das Beben nicht unterdrücken, das ihn durchlief.

„Wie meinen, chrm…?“, forschte ich verwundert weiter. Dunkelheit? Von was sprach er da?

„Finsternis, Dunkelheit, da war das Nichts… nur deine weißen Augen“, begann er zu erklären. „Mein Geist war überfordert, weder hier noch da und gleichzeitig überall. Mir war… als wäre ich auseinandergerissen worden, als würde etwas an meinem Inneren zerren, um es herauszureißen und doch war alles dunkel… im Land der Dunkelheit!“, erklang seine Stimme in einem bewegten Timbre, wie ich es bei ihm noch nie vernommen hatte. „Und du warst das Licht“, murmelte er ergriffen und mir fehlte die Sprache.

Anscheinend nahm ihn dieses Erlebnis mit. Er war hilflos gewesen wie selten in seinem Leben und das als Werwolf, als Alpha, das schien ihn mehr zu bewegen als er es sich eingestehen wollte. Während ich ihm lauschte, verstand ich, dass er wohl den Grund beschrieb, weshalb nur seelenlose Vampire, oder eben ich, ein SoulGatherer, ein Seelensammler, einen Slide hinlegen konnten, ohne dass uns etwas passierte.

Interessant für mich jedoch war an seiner Aussage, dass ich meine Umgebung während des Slides grau wahrnahm. Alles war grau und farblos, unsere reale Welt war grau, aber immer noch gut für mich zu sehen, während die andere, Lughs Seite, etwas mehr Konturen hatte, aber auch grau erschien. Wir reisten genau im Zwischengang dieser beiden Welten. Dass dies für Fenrir Finsternis und Dunkelheit bedeutete überraschte mich. Vielleicht glitten auch die Dementoren so von Ort zu Ort? Eine Apparition war an sich unwahrscheinlich, das nahm ich mir vor, zu untersuchen.

Und sofort schossen meine Gedanken weiter und ich überdachte die Möglichkeit, den Lord mit mir auf einen Slide mitzunehmen. Vielleicht würde es ihn vernichten?

Jedoch beseelte mich die Sorge, dass eine Person mit einer siebenfach geteilten Seele diese Reise wohl genauso leicht überstehen würde wie ich. War es das Risiko wert? Vielleicht sollte ich es einfach mal versuchen? Oder aber er durchschaute dieses Attentat als das was es war, überlebte und ging mich an, denn wenn ich ihn nicht vernichtete, würde seine Rache vollumfänglich sein. Somit verwarf ich diesen Gedanken in derselben Minute wieder und wurde aus meinen Überlegungen gerissen, da ich bemerkte, wie Fenrir wie in Trance seine Brust rieb und seine Lippen immerfort bewegte, aber so leise sprach, dass ich es zuerst nicht verstand, sodass ich angestrengt lauschte:

„In the land of the dark.“

Das murmelte er immer wieder vor sich hin und wenn er es so nannte, überlief selbst mich eine Gänsehaut, da seine Stimme extrem gefühlvoll klang und diese Bezeichnung dem Ganzen einen Namen gab.

Das Land der Dunkelheit war so etwas wie Heimat für mich, wie wunderbar!

Ich identifizierte, dass Fenrirs Brustreiben bestimmt damit zu tun hatte, dass ihm diese Reise beinahe seine Seele entrissen hätte und verbot mir, schon wieder meinen Hals zu berühren und räusperte mich stattdessen.

„Hier, nimm das“, hatte ich in meiner Tasche gewühlt und nach einem Heiltrank für ihn und mich gesucht, den ich ihm nun reichte. Er taxierte die Phiolen in meiner Hand wie eine latente Gefahr. „Ich vergifte dich nicht, auch wenn du es verdient hättest“, meinte ich gereizt und da riss er mir bei meinen Worten das Glasfläschchen aus der Hand und kippte es mutig hinunter, während ich selbst etwas manierlicher trank und sofort fühlte, wie sich mein Hals weniger gequetscht anfühlte, wie sich die Kratzer schlossen und die raue Heiserkeit verschwand.

Fenrir schloss seine Augen und begann, ruhiger zu atmen. Das Zittern wich aus seinen Gliedern und alles in allem sah es aus, als würde wieder Farbe in seine Wangen zurückkehren.

„Ich nehme an… ich war dein Versuchskaninchen?“, fragte er forsch und ich lachte leise auf.

„Du hast mich angefallen… was erwartest du? Ich muss tricksen, wenn ich bei dir eine Chance haben soll“, wich ich in meiner Antwort aus. Er musste nicht alles wissen. Vor allem nicht, wie dreist und gewagt ich sein Leben aufs Spiel gesetzt hatte.

„Angst?“, wollte er anzüglich erfahren und zeigte nun das überhebliche, schiefe Grinsen, das ich von ihm kannte und gewohnt war. Der Trank schien gewirkt zu haben.

„Respekt!“, servierte ich ungerührt, woraufhin er auflachte.

„Du weißt, dass ich hart durchgreifen musste… Patrick ist der Beta und sonst nichts anderes… und das muss er akzeptieren“, kämpfte sich Fenrir auf die Füße und streckte mir seine Hand auffordernd entgegen.

„Das sind Rudelangelegenheiten, wenngleich ich in Patricks Schuld stehe und dir sage, wenn du ihm noch weiter wehtust, tu ich dir wieder weh“, sprach ich ernst, packte aber zu und dann sahen wir uns in die Augen, während wir uns an den Händen hielten.

„Drohst du mir?“, wollte er belustigt erfahren und strich mir lasziv mit seinem Daumen über die Stelle zwischen meinem Daumen und Zeigefinger.

„Er hat mein Leben gerettet, also… ja…“, grinste ich nicht weniger zurück, als er mit kraftvollem Schwung zog und ich federleicht auf die Füße gehoben wurde.

„Püppchen“, drohte er knurrig und zog mich schwungvoll zu sich, sodass wir Brust an Brust standen.

„Du hast ihn in die Schranken gewiesen… und er ist ein guter Beta“, ging ich auf ihn ein. „Er wird klein beigeben, aber ich denke, dass es schwer bis hin zu unmöglich wird, Lavender von dir zu überzeugen und das alles wäre anders gelaufen, wenn ihr mich eingeweiht hättet“, beschwerte ich mich. „Ich verstehe eh nicht, dass ihr Lavender ohne mein Wissen für die Ferien ins Rudel verfrachtet habt…“

„Ich will sie auf ihr Leben dort vorbereiten“, erwiderte er nur wegwerfend und ließ von mir ab.

„Also, wenn ich dich darauf hinweisen darf, ihre Anwesenheit hat beinahe zu Mord und Totschlag zwischen Alpha und Beta geführt, das sind schlechte Voraussetzungen…“, wandte ich besorgt ein.

„Sie ist wie für uns gemacht und… sie, sie reagiert auf mich!“, meinte er involviert und ich verdrehte die Augen.

Natürlich reagierte man auf ihn, immer. Aber das musste nicht unbedingt positiv sein, außerdem war es nett, von einem Alpha umgarnt zu werden, deshalb musste man noch lange nicht mit ihm ins Bett gehen wollen.

„Sie ist eine Frau, natürlich reagiert sie auf dich und sie hat ihre ausgeprägten Instinkte, aber sie ist kein echter Werwolf!“, warnte ich ihn und das passte ihm gar nicht. „Und noch eines… sie wird sich als Gryffindor nie so unterwerfen wie die anderen in deinem Rudel… und verwechsle das nicht, wenn reagiert sie nur auf deinen Alpha, aber nicht auf dich… als Mann!“, sprach ich die Tatsache schonungslos offen aus, während er seine Züge zu einer Grimasse verzog.

„Sie wird…“, meinte er verbohrt und ich schüttelte meinen Kopf. Es war nicht der rechte Zeitpunkt, das nach all diesen Offenbarungen zu bereden.

„Sie wird jetzt mit mir mitkommen!“, bestimmte ich rigoros, aber nicht bereit, darüber zu verhandeln.

„Hey!“, beschwerte er sich umgehend und funkelte mich mit glühenden Augen an.

„Nichts hey!“, erwiderte ich ungerührt. „Sie geht mit mir mit“, schob ich nochmals hinterher. „Regel du erstmal deine Auseinandersetzung mit Patrick, bevor du Lavender mit hineinziehst“, entschied ich eisern und wankte keine Sekunde.

Lavender war geschockt und würde einige Zeit brauchen, um über diesen brutalen und brachialen Zusammenstoß dieser beiden Männer hinwegzukommen.

„Wir haben einen Deal“, erregte er sich sofort und rief mir unseren Zusammenstoß im Verbotenen Wald in Erinnerung, als er mir offenbart hatte, dass er wusste, dass ich meinen ersten Trupp eliminiert hatte, aber ich zog nur die Schultern hoch.

„Ich weiß das… das würde ich nicht vergessen, aber wir haben vereinbart, dass sie ein Jahr Ruhe vor dir hat“, stellte ich klar, als er einen knurrigen Ton von sich gab.

„Sie wollte ins Rudel“, brummte er mürrisch, als ich spöttisch auflachte.

„Du wolltest sie im Rudel“, entfuhr es mir amüsiert, als er die Zähne fletschte. „Erklär mich nicht für dumm, aber damit ist nun Schluss“, bescheinigte ich entschieden. „Ich nehme sie mit mir und du bringst erstmal wieder Ordnung in dein Rudel. Die Snatcher brauchen euch. Ich werde mir keine Standpauke der Rechten Hand einhandeln, nur weil du deine Hormone nicht unter Kontrolle halten kannst“, lösten meine harschen Worte ein tiefes Knurren bei ihm aus. „Soll ich dich mit ins Lager nehmen, oder gehst du selbst?“, fragte ich geschäftig, als er einen entschiedenen Schritt zurücktrat.

„Ich werde gehen“, erwiderte er eilig und ich hob belustigt eine Braue.

„Ich wollte apparieren“, verteidigte ich mich, als würde ich ihm nochmals einem Slide aussetzen, aber er hob sofort beide Hände in einer Abwehrhaltung.

„Ich lehne dankend ab“, knirschten seine Zähne, die er fest zusammenbiss, woraufhin ich knapp nickte.

„Gut, wir sehen uns“, grinste ich ihn mit nun weißen Augen an und legte, nur um ihn zu ärgern, einen Slide hin, dabei war sein Gesichtsausdruck einmalig, als ich verschwand.

Hermiones Sicht Ende


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