Inhaltsangabe
 
StartseiteStartseite  FAQFAQ  SuchenSuchen  AnmeldenAnmelden  LoginLogin  

Austausch | 
 

 Kapitel 601-602

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
AutorNachricht
queenie
Königin
Königin
avatar

Anzahl der Beiträge : 1423
Anmeldedatum : 08.02.12
Alter : 36
Ort : München

BeitragThema: Kapitel 601-602   Mi Jul 05, 2017 7:06 pm

601. Kapitel Melancholia

„Ich muss in die Schule“, gab ich gerne zu und trank den letzten Rest des Sektes aus.

„Uhh, was treibt dich da hin?“, „Oder schon erfüllt vor Sehnsucht?“, „Nach der gar düsteren Fledermaus?“, ergingen sie sich umgehend in ihrem Spott und ich schmunzelte nachsichtig.

„Um genau zu sein, ja, er hat um meine Anwesenheit gebeten“, dabei rissen beide gespielt empört ihre Augen auf und lachten dreckig.

„Uhhh, das hört sich nach Spaß an.“, „Zwar ohne das Sahneschnittchen, aber immer noch lecker.“, „Oder aber, wie schade für dich, dass nur einer da ist.“, „Ach, die Arme“, prusteten sie losgelöst, gefangen in ihrer Gehässigkeit, als hätte es nie ernstere Themen zwischen uns gegeben, seitdem ich da war.

„Na, ich würde sagen, er hatte seinen Spaß“, erwiderte ich gedankenverloren und zwang mich, sie direkt anzusehen. „Ich denke eher, er will etwas Ernsteres mit mir besprechen“, meinte ich weniger erbaut aufgrund der Aussicht, wieder irgendwelche Probleme lösen zu müssen.

„Ach, du überschätzt Snape.“, „Ja, der denkt auch nur mit dem… autsch“, rief Fred empört, als George ihm einen Schlag auf den Hinterkopf verpasste und er sich nun mit verkniffenen Zügen seinen Schädel rieb.

„Wie kommt Lucien zurück?“, lenkte ich gekonnt von Severus‘ bestem Stück ab. Wenn er das wüsste, fände er unsere Späße bestimmt gar nicht lustig. Er konnte da echt eigen sein.

„Oh, Astoria wollte ihn Dobby geben.“, „Wirst du mit dem Zug fahren?“, schoss es aus ihnen heraus.

„Was?“, sah ich entsetzt zu ihnen. Das wäre die Zeitverschwendung schlechthin. „Seid ihr irre? Ich erscheine zum Essen! Ich habe vorher noch was Besseres zu tun, als stundenlang nutzlos in einem Zug zu sitzen“, murrte ich zum Ende hin düster und bekam schon bei dem Gedanken an den Zug Platzangst.

„Sorry.“, „Wir vergaßen, wie wichtig du bist, Schönste!“, zogen mich die Twins sofort auf.

„Schenkt euch euren Spott“, erwiderte ich ungerührt, woraufhin ein plötzlicher Stimmungswechsel der Red Devils einsetzte und ich mich mit ihren durchdringenden Blicken konfrontiert sah.

„Stimmt das mit Lovegood, dass es Harry war?“, fragte George unnachgiebig ernst und musterte mich unerträglich kennend.

„Wie kommt ihr denn jetzt darauf?“, hoben sich meine Augenbrauen, aber ich antwortete nicht wirklich.

„Naja, durch Potterwatch…“, „Da hören wir ja so einiges.“, „Wir versuchen, die Leute auf dem Laufenden zu halten.“, „Also Insiderwissen wäre echt episch“, drangen sie nervig und unnachgiebig in mich.

„Ihr als rasende Journalisten ist eine grauenhaft beängstigende Vorstellung“, sprach ich meine wilde Fantasie schonungslos aus und erntete huldvolle und wenig betretene Mienen, während ich sie gedanklich mit Rita verglich.

„Wir nehmen es als Kompliment, Schönste“, witzelten sie und ich verkniff mir mein schnödes „das dachte ich mir“, das mir auf der Zunge lag.

„Puh… und nein… es war nicht Harry…“, gestand ich stattdessen zögerlich und nippte an meinem Kaffee.

„Wo bleibt meine Galleone?“, forderte Fred unnachahmlich trocken von George und unterstrich seine Forderung mit einer gierigen Handgeste.

„Ihr habt gewettet?“, entwich es mir minimal empört darüber, dass sie auf Leben und Tod setzten, aber im selben Moment rief ich mir in Erinnerung, dass dies die Red Devils waren. Was erwartete ich? Ganz richtig getickt hatten die beiden noch nie und ihre Moralgrenzen lagen fern des Denkbaren.

„Klar.“, „Logo.“, „Ich habe gleich gedacht, dass du es warst.“, „George hat auf Harry gesetzt.“, „Ich habe auch auf Ron gesetzt.“, „Ja, er traut unserem kleinen Brüderlein so einiges zu“, kam es Schlag auf Schlag abwechselnd von ihnen und ich rollte mit den Augen.

„Wie schmeichelhaft“, murmelte ich, während ich zusah, wie George übertrieben widerwillig das Goldstück in Freds zuckende Hand legte. „Und wegen Ron, er wächst über sich hinaus“, rief ich mir den ebenfalls kampfbereiten Ron in Erinnerung, der genauso nicht gezögert hätte, Lovegood wie auch immer mundtot zu machen.

„Erzählst du uns, was passiert ist?“, baten sie und ich tat es.

Ich begann, ihnen das Lovegood-Fiasko nahezubringen und erlebte das Geschehen neu und erkannte, dass ich nichts bereuen musste, wenn ich meiner Linie treu bleiben wollte, so traurig das klang, aber so war es.

„Alter Spinner.“, „Echt, selbst schuld.“, „Er hätte euch vertrauen sollen“, stimmten mir die Twins zum Ende hin zu.

„Tja, macht ihn nicht lebendiger“, meinte ich schroff und schob mir eine Locke hinters Ohr.

„Weißt du nun, wo sie ist?“, wollte George wissen und ich schüttelte den Kopf.

„Fuck, ich wusste, ich habe was vergessen“, jammerte ich noch, als es ploppte und Dobby mit einem glückseligen Kind, das total am Rad drehte als es die Red Devils sah, auftauchte. Das Kreischen, das Lucien ausstieß, drohte meine Trommelfelle platzen zu lassen.

Das war wohl Wiedersehensfreude pur und bescherte den Twins ein Verzücken ohnegleichen und ich sah dies als Zeichen, um rasant das Weite zu suchen.

Hermiones Sicht Ende

Dracos Sicht

Die Zugfahrt war der pure Horror.

Astoria sprach nicht, Blaise sprach nicht, ich sprach nicht und Lovegoods Ableben war das beherrschende Thema im Zug!

Warum tat ich mir das nochmal an?

Es war zum Haare ausreißen, bis wir endlich ankamen und von den Thestralen zum Schloss gefahren wurden. Auch dabei schwieg ich weiterhin und inzwischen war meine Laune so unterirdisch, dass sie Severus‘ gewöhnlich mieser Grundstimmung Konkurrenz machen könnte.

Wir Slytherins gingen als die großen mürrischen Schweiger in die Halle und beobachteten, wie sich langsam, aber sicher die Reihen mit den Schülern füllten. Es ging alles sehr leise und bedrückt vonstatten. Auch die Stimmung in den anderen Häusern war abartiger Weise als völlig abgrundtief zu bezeichnen. Plötzlich ging ein Ruck durch Blaise und Astoria und sie sogen scharf die Luft ein, weshalb ich mich bemüßigt sah, müde zum Eingang zu blinzeln.

„Wow, sie kommt“, meinte jetzt Astoria überrascht.

Und ja, wir erkannten, dass es tatsächlich die echte Hermione war, die zielstrebig auf ihren Platz am Gryffindortisch zuhielt.

Das war unerwartet und kurz spürte ich einen Stich. Ich musste an unseren Kuss denken, den Abschiedskuss in Dublin, und arg darum kämpfen, meine gleichgültige Miene beizubehalten.

„Nach dem Ball ganz schön mutig von ihr“, murmelte Astoria hörbar beeindruckt und die Blicke der Teilnehmer dieser feierlichen Veranstaltung waren ihr sicher.

Ach was, es waren die Blicke aller ihr mehr als sicher und das schien ihr gar nicht zu gefallen. Alles in allem wirkte sie schrecklich genervt und verbarg es auch nicht wirklich.

„Ich denke, dass ihr das alles ziemlich egal ist“, warf Blaise relativ neutral ein und meldete sich damit zum ersten Mal seit diesem Tage zu Wort. Ein Umstand, der auch Astoria auffiel, sodass sie beinah schon aggressiv zu ihm herumfuhr.

„Du warst doch gar nicht dabei“, meinte sie spitz, woraufhin er seinen Mundwinkel schief zog und seine strahlend weißen Zähne aus seinem Gesicht leuchteten, während ich über die Tische verfolgte, wie Lavender aus Hermiones lockigem Haar relativ wagemutig ein Blatt herausfischte.

Wo hatte sich das Biest herumgetrieben, während sie wohlweislich, anders als ich, den Zug gemieden hatte?

„Ich habe mit Theo gesprochen“, servierte er ziemlich gemein, da er damit kundtat, dass er gerne mit anderen sprach, nur nicht mit uns. Das war wenig nett, aber sehr Slytherin.

„Aber nicht mit mir?!“, sprach Astoria den offensichtlichen, sie verletzenden Fakt aus und zog einen Schmollmund, der seinesgleichen suchte, als ihr Gekeife mehr Aufmerksamkeit erregte, weswegen ich einen bösen Blick in die Runde warf.

„Wolltest du das denn?“, meinte er auch sofort schmallippig und irgendwie anklagend, während sie die Arme verschränkte und ihn wütend und feurig anfunkelte.

„Jaaaa, ich würde gerne wissen, wie es bei dir und deiner Mutter daheim war…“, ließ sie doppeldeutig ausklingen und ich schloss kurz gepeinigt die Augen. Ganz schlechte Gesprächswahl, ich konnte richtig miterleben, wie Blaise dicht machte und er eine hochmütige Miene aufsetzte.

„Du meinst mit Wena?“, servierte er auch umgehend gemein und jetzt blinzelte ich wieder und konnte verfolgen, wie bei Astoria eine große Traurigkeit Einzug hielt und sie ihre Hände zu Fäusten ballte.

„Hast du sie wieder flachgelegt?“, presste sie wispernd mit ehrlichem Horror in der Stimme hervor.

„Sollte ich nicht?“, gab er aufreizend zurück und klang irgendwie nachtragend, als immer mehr Schüler, auch die der anderen Tische, auf den Zwist der beiden aufmerksam wurden und ich seufzte.

„Hast du?“, insistierte sie erneut, dabei sah ich das Drama der kommenden Wochen mit Gewalt auf mich zurasen, weshalb ich mich entschied, einzuschreiten.

„Könntet ihr die Güte haben, aufzuhören? Ich habe so schon genug Kopfweh!“, brachte ich die Meute zum Schweigen und erntete düstere Mienen, während mein Augenmerk auf ihr lag.

Der Abschied in Dublin wog schwer in mir, aber zu sehen und mitzuverfolgen, wie Severus‘ Blick ihren einfing und sie beide sich über die anderen hinweg verständigten, tat noch mehr weh. Schließlich wandte sie ihren Blick von ihm ab und begann, meinen zu suchen.

Ein zaghaftes, beinah schüchtern wirkendes Lächeln legte sich auf ihre Züge, als sie meine Musterung bemerkte, dabei zog sie ihre Schultern hoch.

Dracos Sicht Ende

Hermiones Sicht

Nachdem ich die Twins verlassen hatte, war ich einen Wimpernschlag später im Verbotenen Wald angekommen und um ehrlich zu sein, man lernte, ihn zu vermissen. Wenn man die ganze Zeit nur durch die normalen, unspektakulären Wälder streifte, bemerkte man erst, wie besonders und vor allem wie magisch dieses Stückchen Landschaft hier war. Natürlich, es war ein Wald und die Bäume waren hoch und knochig, die Wipfel verdunkelten die Umgebung und die Geräusche um mich herum kündeten von unbekannten, unheimlichen Gefahren, aber irgendwie fühlte ich mich heimischer als in den normalen, den nicht magischen und damit unendlich langweiligen Gebieten.

Somit genoss ich die Ruhe, die sich mir hier bot, und gerade nach den Red Devils wusste man dieses Gut immer besonders zu schätzen. Indes ließ ich mir bei meiner Suche mehr als nur Zeit. Zeit, die ich meistens nicht hatte und die ich mir nie gönnte, da ich immer nur von einem Ort zum nächsten hetzte. Vor allem seit unserer Flucht gab es fast keine Zeit mehr für mich alleine, da ich zumeist niemals wirklich alleine war. Ständig war irgendwer um mich herum und das stresste mich unheimlich.

Während ich so daher ging und mich treiben ließ, bemerkte ich, trotz allem Widerwillen, wieder in die reale Welt einzutauchen, nach einiger Zeit die Veränderung in meiner Umgebung. Die Geräusche des Waldes wurden leiser, bis sie schließlich ganz verstummten. Die Luft um mich herum wurde eisiger und ich registrierte, wie aus meinem Mund beim Atmen kleine Wölkchen entstanden und ich blickte erwartungsvoll in die Ferne.

Selbst die Atmosphäre an sich veränderte sich, wurde düsterer und finsterer. Wie zur Begrüßung lugte plötzlich der ein oder andere Dementor wie ein bedrohlicher, schwarzer Schatten hinter einem Baum hervor, während ich minimal entgeistert auf seine Unterkunft starrte. Das war so offensichtlich, dass es wehtat. Nun ging ich, entschlossen meiner Pflicht nachzukommen, weiter und strafte die Dementoren strikt mit Nichtbeachtung.

Beinah war ich versucht, mir an die Stirn zu schlagen, aber eigentlich war es logisch, dass er sich diese Absteige auserkoren hatte. Ich stieß die erbärmlich quietschende Tür auf und stieg langsam über die staubigen und knarzenden Bretter. Das hier erschien mir nur noch windschiefer und heruntergekommener als beim letzten Mal, als ich es betreten hatte und ich fragte mich, wie er auf die Idee hatten kommen können, sich diese Stätte als Unterkunft zu wählen.

So eigenwillig. Widerwillig erklomm ich die lebensgefährlichen Stufen in den ersten Stock, nachdem ich überprüft hatte, dass niemand im Erdgeschoss weilte. Dabei wunderte ich mich nicht mal, dass er keine Zauber angebracht hatte. Niemand würde freiwillig dieses Haus betreten und es würde sonst auch kein anderer an den Dementoren so ohne weiteres vorbeikommen wie ich. Es war schlicht nicht nötig, dass er sich mehr schützte.

„Wer da?“, schallte es mir auf einmal aggressiv entgegen, da er anscheinend doch nicht taub war und nun doch bemerkte, dass jemand sein Eremitendasein störte und ich schnaubte abfällig.

„Ich“, murmelte ich vor mich hin und unterdrückte die Äußerung, dass ich nicht freiwillig antanzte, dabei erhob ich meine Stimme nicht, während mich die Erinnerungsfetzen heimsuchten.

Damals, als wir auch hierhergekommen waren, jung, unschuldig, dumm und schrecklich naiv. Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn nur ein paar klitzekleine Kleinigkeiten anders gelaufen wären. Im Nachhinein tragisch, wenn man sich ausmalte, wie es anders hätte ausgehen können.

So stand ich kurz in dem Flur und blickte auf die schräg in den Angeln hängende Tür und schluckte. Warum genau dieser Raum?

Ich wusste, dass er dort war, da ich ihn dank seines Rufes lokalisiert hatte. Es war das Schlafzimmer aus unserem dritten Jahr, als wir Sirius, den verschleppten Ron und die Ratte hier gestellt hatten und Remus und Severus uns gefolgt waren. Alles war so völlig falsch und so schrecklich aus dem Ruder gelaufen. Noch gefangen in Erinnerungen fragte ich mich, was wäre gewesen, wenn Remus seinen Trank genommen hätte, wenn er sich nicht verwandelt hätte, wenn wir Severus nicht überwältigt hätten, wenn die Ratte nicht entkommen wäre.

Ja, was wäre, wenn das liebe Wörtchen wenn nicht wäre?

„Endlich“, schallte es mir frohlockend entgegen und das riss mich aus meinen Gedanken.

Da stand er mit gezücktem Stab an der kaputten Tür und blickte mich mit wild funkelnden Augen an, während er seinen Zauberstab langsam wegsteckte, da er mich nicht als Gefahr wahrnahm. Wie schmeichelhaft, ich hatte meinen gleich gar nicht gezogen.

„Was für eine bescheidene Hütte“, entwich es mir leicht spöttisch, aber auch aufrichtig.

Übersteigerten Luxus konnte man ihm nicht vorwerfen. Er züngelte grinsend, dabei forderte er übertrieben demütig meinen Eintritt in sein Reich und anders als damals war der Raum sauberer und nicht mehr staubig, aber immer noch verwohnt und heruntergekommen.

Rechts von mir brannte diesmal ein flackerndes und wärmendes Feuer im Kamin. Die Récamière davor, auf der Ron damals verletzt gesessen hatte, sah nicht wirklich einladender aus, auch hingen die Wandteppiche und Tapeten noch immer verschlissen und zerrissen vor den Bretterwänden und die Wandvertäfelung war zerstört. Auch an den Fenstern, deren Gläser jedoch repariert waren, hingen weiterhin völlig zerfetzte Vorhänge.

Ein Blickfang war der noch immer mittig im Zimmer stehende Flügel, der zu meiner Überraschung das einzige Stück im Zimmer war, das völlig mit Hilfe der Magie restauriert und auf Vordermann gebracht worden war. Das Klavier mit dem geschwungenen Korpus erstrahlte im alten Glanz mit leuchtend weißen und schwarzen Tasten und das Holz des Flügels glühte beinah im Licht unter dem Glanzlack.

Mein taxierender Blick ging rechts zu dem Bett, in das Severus rückwärts fliegend hinein geschleudert worden war. Hier hatte Barty den zusammengebrochenen Baldachin einfach entfernt und das Bett notdürftig für seine augenscheinlich schlichten Bedürfnisse wieder hergerichtet, aber bei weitem nicht den Aufwand betrieben, wie bei dem herrlichen Klavier.

„Ich mag es, hier stört mich keiner“, meinte er meinen Blick richtig zu deuten und drehte sich wie ein Kind im Kreis.

„Könnte auch an den Dementoren liegen, die vor der Heulenden Hütte herumhängen“, erwiderte ich schnöde und vernahm erneut das Knirschen meiner Schritte auf den alten Holzdielen.

„Ach, das sagst du nur, um mich zu ärgern“, tat er leicht ab. „Ich freu mich ja, dass du dich endlich zu mir bequemst“, schlug er die Augen auf und beendete seine Drehung, indem er vor mir stehen blieb, um mich durchdringend zu mustern.

„Wirst du fordernd, Barty?“, hielt ich kokett entgegen und grinste nun meinerseits herausfordernd.

„Ich?“, kicherte er vergnügt und deutete mit einem Zwinkern in den Augen auf sein Bett. „Willst du Platz nehmen?“, fragte er und deutete anschließend zu den zwei wackeligen Stühlen im Zimmer und ich schüttelte den Kopf, stand noch immer vor dem Klavier, bei dem Sirius und Remus mit Peter Katz und Maus gespielt hatten und strich gedankenverloren über die nachgebenden Tasten.

„Warum so schüchtern, ich beiße nicht“, wandte er nun zaghaft beleidigt ein, wie ich an seiner Miene ablesen konnte, und ich lachte rau auf.

„Tja, dafür fehlen dir die Reißzähne, die Fenrir zu bieten hat“, schoss ich wieder wenig einfühlsam zurück, aber bei Barty überkam mich stets die Angst, ihn zu nahe an mich heranzulassen. Er war mir schon mal zu nah gewesen, als ich ihn als Seele in mir gehabt hatte. Irgendwie fand ich das noch immer abartig und beängstigend.

„Hihihi, beleidige mich nicht, indem du mich mit diesem Halbwesen vergleichst…“, verkündete er mit der ihm innewohnenden Reinblutliebe, die er bei mir gütiger Weise im hohen Bogen über Bord warf.

„Spielst du?“, fragte ich nun gedankenverloren und drückte probeweise eine Taste völlig durch, dabei erklang ein klarer Ton, dessen volles Klangvolumen den unheimlichen Raum erfüllte.

Einen Raum wohlgemerkt, in dem ich nie in meinem Leben schlafen wollen würde. Wie er dieses Kunststück vollbrachte war mir schleierhaft.

„Ja. Und du?“, meinte er neugierig und plötzlich erinnerte ich mich an früher.

Die Melancholie, die mich ergriff, war beinah mit Händen greifbar. Ich war wieder daheim, daheim bei meinen Eltern und saß an unserem Wandklavier im Wohnzimmer und spielte ab und an eine Melodie, nicht perfekt, bei weitem nicht, aber gut genug. Erinnerungsfetzen nach unserer Flucht aus Hogwarts kamen in mir auf, als wir am Grimmauld Place ausgeharrt hatten und Ron und ich zusammen in einem Salon auf einem alten Klavier Beethovens „Für Elise“ zum Besten zu geben versucht hatten. Leider war es bei einem Versuch geblieben, weil Ron musikalisch schlicht und ergreifend ein hoffnungsloser Fall war. Ab und an hatte ich mein anderes Lieblingslied angeschlagen, ebenfalls eines, das die Ewigkeit überdauerte. Chopin’s „Nocturne“, ein sehr schwermütiges Stück.

Schlussendlich hatte meine Musikkarriere am Grimmauld Place geendet, als ich eines besonders tristen Tages die tragende Ballade von „pour Adeline“ anspielte hatte und die Jungs zusammen mit dem feingeistigen Moody eindeutig der Meinung gewesen waren, entweder lustige Musik, oder gar keine.

Hier schien Barty anders gestrickt zu sein, da er sich jetzt schwungvoll auf der Bank hinter dem Klavier niederließ, auffordernd neben sich klopfte und begeistert, aber auch sehr selbstsicher anfing, in die Tasten zu hauen. Ich musste kurz zuhören, aber dann erkannte ich die Melodie.

Dieses Stück war kein leichtes: Brahms „Die Drei Intermezzi“.

Eine eigenwillige Wahl, lag diesen Stücken doch eine introvertierte und nachdenkliche Stimmung zugrunde. Sie waren, wie ich fand, sehr schwierig, da der Klaviersatz dicht und "gewaltig" war. Soweit ich mich erinnerte hatte Brahms das Intermezzo als „Wiegenlieder meiner Schmerzen“ bezeichnend tituliert.

Vielleicht wollte mir Barty damit etwas mitteilen?

Nachdenklich, aber nicht abgeneigt, folgte ich mutiger, nachdem ich das Lied erkannt hatte, seiner Aufforderung. Ich ließ mich langsam neben ihm nieder und hob meine Hände an. Mit Bedacht und sehr viel vorsichtiger als er schlug ich den Takt an, da meine Fertigkeit wahrlich nicht mit den schnellen Fingerschlägen Bartys mithalten konnte.

Erstaunlicherweise konnte ich mich in dieser sonderbaren Umgebung dann doch fallen lassen und gemeinsam musizierten wir in der heulenden Hütte!

Eine beinah schon groteske Vorstellung.

Was meine Männer, oder die DeathEater, dazu sagen würden, wollte ich mir gar nicht ausmalen, die Eintracht am Instrument, der Spott so einiger wäre uns sicher. Manchmal kamen die komischsten Konstellationen zustande. Während unseres Liedes betrachtete ich ab und an sein Gesicht von der Seite und bemerkte die Veränderung, die darin vorging. Seine Züge waren entspannt wie selten, oder eigentlich wie noch nie, seitdem er seine Seele wiederhatte. Fast könnte man sagen, er sah wieder jugendlich und unbesorgt aus, dabei ließ sich sagen, dass er durchaus attraktiv aussehen konnte, während er genüsslich die Töne erklingen ließ und ihnen sehnsuchtsvoll nachlauschte.

Er schien regelrecht versunken in diesem traurig schönen Spiel.

Ich wurde langsam besser und kam immer mehr in das vielschichtige und zutiefst elegische Musikstück hinein. Unser Zusammenspiel wurde harmonischer, dabei kam es ab und an vor, dass er mir ein aufrichtig breites Grinsen, ganz ohne das bescheuerte Zügeln, schenkte. Indes erklang das schwere Stück beinah schon bewegend und als der letzte Accord mit ergreifender Wehmut verklungen war, erstarrte ich von einer Sekunde zur nächsten zu eine Statue, da Barty plötzlich seinen Kopf an meine Schulter legte und leise seufzte. Er kuschelte sich regelrecht an mich. Es war eine vertrauliche, sehr intime Geste, die mir eigentlich viel zu weit ging, aber die Eiseskälte, einfach aufzustehen und ihn hinfallen zu lassen, die konnte ich in dieser stimmungsvollen Situation gerade auch nicht aufbringen. Er wirkte regelrecht gefangen in seinen melancholischen Erinnerungen.

„Du bist gar nicht neugierig“, brach er erst nach einiger Zeit die lastende Stille, dabei schien sein Bedürfnis nach Nähe noch nicht gestillt, da ich ziemlich betreten zu ihm hinabblickte, weil er noch immer tief an meine Seite gepresst dasaß und ich nur auf seinen Haarschopf starren konnte.

„Mhm“, meinte ich daher nur unbestimmt und reichlich befangen. Ich war beschäftigt mit der Frage, wie ich mich von ihm befreien konnte.

„Meine Frau Mutter hat es mir beigebracht“, erklärte er daraufhin mitteilungswillig. Leider machte er aber keine Anstalten, mich freizugeben, zu meinem Leidwesen. „Sie… sie war eine Dame und ich liebte ihr Spiel schon als Kind. Ich habe ihr hingebungsvoll gelauscht, wenn Vater zu spät aus dem Ministerium nach Hause kam“, sprach er mit bewegter Stimme, gefangen in der Vergangenheit und ich fixierte das Feuer im Kamin, „und irgendwann, nachdem sie mich aus Askaban rausgeholt hatten und sie… sie da gestorben ist, habe ich angefangen, ihren Platz am Klavier einzunehmen. Ich habe gespielt… stundenlang, tagelang!“, gestand er leise und mir blieb die Spucke weg. Barty hatte noch nie von seiner Zeit als Gefangener seines Vaters gesprochen.

„Wenn ich spielte war der Imperius im Hintergrund, manchmal war er ganz weg… ich war frei…“, lag seine Traurigkeit, die er erschuf, drückend auf uns, bis ein Zittern durch seinen Körper lief und aufgrund unserer Nähe sich auf mich übertrug und er beinah wie eine Schlange zischte. „Frei, so frei wie ein Geknechteter… Winky war ständig da und passte auf. Sie tat immer so, als würde ich besser spielen als Mutter… diese kleinen verlogenen Biester“, grollte er rachsüchtig und schoss plötzlich hoch, saß nun wieder gerade neben mir und verzog seine bisher schönen und sanft wirkenden Züge zu einer hässlichen Grimasse.

Er hatte noch nie Winky erwähnt, die er als seine Kerkermeisterin zu hassen schien. Über die Gefühle zu seinem Vater konnte ich nur spekulieren, aber ohne Grund hatte er ihn bestimmt nicht ohne große Gewissensbisse in meinem vierten Jahr umgebracht und in einen Knochen verwandelt.

„Ich verstehe“, fuhr sein fuchsteufelswilder Blick zu mir, jedoch blieb ich völlig ruhig. „Als du diesen Raum entdeckt hast, war er für dich perfekt…“, deutete ich auf das Klavier, das nun alles für mich erklärte. Er blieb hier, weil er hier das gefunden hatte, was er vermisste.

„Vermisst du das Manor?“, besänftigten ihn meine folgenden Worte sichtbar.

„Das Dark Manor?“, riss er seine Augen auf, aber er begann, langsam seinen Kopf zu schütteln. „Ich mag keine Schlangen, nein… und diese Ratte nervt mit seiner Diensteifrigkeit, Nagini in den Arsch zu kriechen“, entwich es ihm verächtlich und er züngelte gehässig, aber ich verstand ihn nur zu gut.

„Aber trotzdem bist du sehr einsam hier, nur mit den Dementoren“, gab ich zu bedenken und mein Blick wanderte durch das Zimmer. Es war so trist und dass man hier depressiv wurde, war ein gegebener Fakt.

„Jaaaaaa, aber das Spiel ist ein guter Zeitvertreib“, erklärte er eifrig und sofort strahlte er wieder.

„Ist dir langweilig?“, drang ich weiter, als er seine Finger donnernd in die Tasten haute und die Misstöne mich meine Züge verziehen ließen.

„Warum fragst du nach?“, kam es nun leicht zurückhaltend von ihm und seine Züge offenbarten Misstrauen.

„Mhm… mir ist zu Ohren gekommen, dass du dich sogar in den Mauern Hogwarts herumtreibst“, stand ihm die Schuld offen ins züngelnde Antlitz gestanden. „Das sieht man gar nicht gerne“, spielte ich dezent auf Severus an, ein Umstand, den er verstand, so wie seine Augen aufleuchteten.

„Warum nicht? Ich war da sogar Lehrer“, protestierte er los wie ein kleines Kind und ich versteckte es nicht, sondern rollte vor ihm offen mit den Augen.

„Ja, sag mir nicht, du sehnst dich nach Gesprächen im Lehrerzimmer? Oder nach Winky?“, fragte ich provokant.

„Treib nicht deine Späße mit mir und die Elfe würde ich töten, wenn ich sie wiedersähe…“, versprach er unheilvoll, aber ich glaubte ihm unbesehen, derart mordlustig wie er mich gerade ansah.

„Du machst den Kindern Angst. Das Gelände ist für dich tabu… wenn du nicht den Zorn der Linken Hand auf dich ziehen willst und er ist nicht so nett wie ich!“, startete ich den Versuch, vernünftig mit ihm zu reden.

„Dann bist du die Vorhut? Uhhh“, reagierte er wieder so bescheuert grinsend, dass ich dachte, dass das Unterfangen, vernünftig zu sein, wohl hinfällig wurde.

„Du kennst ihn. Willst du dich wirklich mit ihm anlegen?“, lag eine unüberhörbare Drohung in meiner Frage

„Tja… ich habe aber keine Ang…“, wollte er einwenden, aber ich wollte nicht, dass er das aussprach. Das wäre dämlich, Severus war zu keiner Zeit zu unterschätzen, von niemanden von uns, auch von mir nicht.

„Das solltest du aber…“, unterbrach ich ihn entschieden. „Barty… ernsthaft, die Schüler müssen dich nicht sehen. Du machst sogar den Carrows Angst“, begann ich nochmals, Argumente aufzuzeigen.

„Echt?“, lag aufrichtige Freude in seinem Wort und irgendwie konnte ich es nachvollziehen, gönnte ich den Carrows doch alles Schlechte dieser Welt. „Aber du hast keine…“, raunte er verführerisch und kam mit einem Satz wieder näher, sodass sich unsere Nasen fast berührten.

Ich widerstand dem sofortigen Impuls, aufzuspringen und Abstand zwischen uns zu bringen, aber das würde Angst suggerieren und diese Genugtuung gönnte ich niemandem.

„Warum sollte ich?“, wisperte ich leise und sah ihm konstant in die Augen.

„Ja, warum solltest du?“, hauchte er aufreizend zurück und einem Instinkt folgend wechselten meine Augen, sodass er nun in meine weißen Augen sah, dabei ging ein Ruck durch seinen Körper und er leckte sich aufdringlich über seine Lippen. „Das ist das Besondere an dir. Du bist mir so nah wie sonst niemand… ist das nicht schön?“, raspelte er schon beinah Süßholz mit völlig belegter Stimme, als er meine Schultern fassen wollte, doch ich erhob meine Hände und drückte seine Arme weg, während ich ihn stoisch ansah.

„Ja, ganz fantastisch, Barty“, troff die Ironie aus meinen Worten, während meine Augen wie ein Licht strahlten, das er hypnotisch anblickte. „Versprich mir, Hogwarts nicht zu betreten“, forderte ich mit fester Stimme, dabei wirkte er leicht weggetreten, während er den Blick mit mir hielt.

„Sorgst du dich um die kleinen Kinderlein?“, presste er zwischen schmalen Lippen hervor, woraufhin sich eine Braue von mir anhob.

„Nein“, erklärte ich kalt und er jauchzte. „Ich will, dass Severus keinen Ärger bekommt, niemand verträgt die Dementoren, das weißt du doch und da sind viele Kinder von DeathEatern und die mögen dich auch nicht…“, wollte ich ihm entgegenkommen.

Er war eine Abartigkeit und sein Dasein war eine Andersartigkeit, mit der keiner konfrontiert werden wollte. Er war der Erste, der trotz des Kusses eines Dementors wieder geheilt unter uns weilte, dank mir!

„Tja, noch etwas, was wir gemeinsam haben…“, meinte er daraufhin doppeldeutig und ich schluckte, denn er hatte recht, seitdem ich vor den anderen Kings Kuss befohlen hatte, rankten sich intern um mich viele unschöne, aber zum Teil durchaus wahre Legenden. „Dich mögen sie nämlich auch nicht“, kicherte er irre klingend und ich gratulierte mir selbst zu meiner Beliebtheit.

Die würde mir bestimmt auch gleich beim Festessen entgegenschlagen und die wussten noch nicht einmal von meinen Vergehen. Hach, wie freute ich mich doch auf meinen dortigen Auftritt, während ich mich erhob und wie nebenbei seinen Protestruf überging, wobei auch er mir hinterher sprang.

„Ach, ich lebe um anderen zu gefallen, das war schon immer mein Ziel“, erging ich mich in meiner Ironie und er lachte schallend laut auf. Unterdessen wanderte ich im Raum umher und er ließ sich auf das Bett plumpsen.

„Dem Lord gefällst du allemal“, zog mir bei seiner Feststellung eine Gänsehaut auf. Das hörte niemand gerne, der noch richtig bei Verstand war. „Ich vermisse ihn“, gestand Barty und ich bekam meine Bestätigung.

Er war völlig durchgeknallt!

Ich wandte mich um, um ihn zu mustern, dabei fiel mir auf, dass er auf einmal traurig wie ein Welpe, der getätschelt werden wollte, aus der Wäsche sah. Trotz allem Widerwillen in mir fühlte ich mich tatsächlich genötigt, neben ihn an das Bett zu treten und sein Haupt zu tätscheln, woraufhin er seine Hände um meine Hüften schlang, seinen Kopf auf meinen Bauch drückte und freudestrahlend zu mir aufblickte und ich leicht angeekelt zu ihm hinabsah. Das hier bedeutete eine irre Überwindung für mich und wie dankte er es mir?

„Wann bekommen die Dementoren denn Nachschub von dir? Sie sind hungrig“, fragte er mit eifriger Inbrunst, worauf ich ihn grob von mir stieß. „Hey…“, beschwerte er sich umgehend.

„Barty, unter Angebracht, dass du weißt, wie es ist, seelenlos zu sein, bist du erstaunlich eifrig bei der Sache, es auch anderen zu bescheren“, erwiderte ich ziemlich unwirsch und brachte den dringend benötigten Abstand zwischen uns. „Nur dass die nicht das Glück haben, wie du von mir gerettet zu werden“, servierte ich bitterböse und konnte nicht fassen, wie man jemand anderem das antun wollte, was einem selbst widerfahren war.

„Ohhhh, ich weiß auch nicht…“, zog er betreten die Schultern hoch. „Aber sie… sie sind ungeduldig und wenn sie reden, dann… sie wollen, sie können… nerven…“, jammerte er mitleidig und wrang die Hände und zog ein wenig an seinen Haaren.

„Mitleid?“, entkam es mir beinah schon empört, woraufhin er eifrig nickte.

„Wenn du mir welches schenkst?“, bat er zaghaft fragend und ich schnaubte abfällig. Wenn der Dark Lord irgendwann in seinem Dasein bei irgendjemandem Mitleid zeigen würde, dann bekäme Barty vielleicht mein Mitleid, aber solange traf seine Hoffnung bei mir auf taube Ohren.

„Dann häng sie ab, sie haben den Befehl, hier zu bleiben“, meinte ich relativ mitleidlos, weswegen er die Augen aufriss.

„Habe ich versucht… aber es zieht mich immer wieder zurück!“, verteidigte er sich hilflos und offenbarte seine enge, schon obsessive Verbindung zu diesen Wesen, wobei ich auch fühlte, dass dasselbe für mich galt. Barty war in allem, was ihn betraf, manisch obsessiv, ob es seine Liebe zum Lord betraf, seine Anhänglichkeit mir gegenüber, oder seine Zugehörigkeit zu den Dementoren.

Das rief eine gewisse Panik in mir wach. Ich wollte das alles nicht, weshalb ich Abstand brauchte und Abstand schuf.

„Wehe ich erfahre, dass du nochmal Hogwarts und seine Ländereien betreten hast, dann bekommen die Dementoren gar nichts mehr von mir und du bist ihrem Unwillen allein ausgeliefert und dann werde ich niemals wieder mit dir die Tasten erklingen lassen“, verabschiedete ich mich drohend und ließ ihn sichtbar beleidigt zurück, wobei ich nicht genau sagen konnte, welche meiner beiden Drohungen ihm mehr zusetzte.

Barty bettelte nun, dass ich wiederkommen müsste und ich sah mich genötigt, ihm zu versprechen, wiederzukommen, wenn er brav war.

Gehetzt, beinah schon zu panisch, ließ ich damit die Heulende Hütte hinter mir, da die Zeit drängte, der Zug war schon vor langer Zeit angekommen.

Ich floh durch den Wald und kam noch gerade rechtzeitig an, um mich in die Schar ankommender Schüler zu schmuggeln. Die Große Halle war schon gut gefüllt, als ich auf meinen Platz am Gryffindortisch zuhielt und es nach der unwirklichen Welt in der Heulenden Hütte genoss, die helle, lichtdurchflutete Decke Hogwarts über mir zu haben und mich eine schon beinah greifbare Erleichterung überkam.

Hermiones Sicht Ende

Severus Sicht

Mit Argusaugen überwachte ich das Festmahl und nahm mit gewisser Befriedigung wahr, dass sowohl Draco als auch das Biest meiner Aufforderung gefolgt und in Hogwarts aufmarschiert waren.

Nach einer zu langen Zeit konnte ich das Begrüßungsfest, das mehr als nur still und ohne wirkliche Freude stattgefunden hatte, für beendet erklären.

Jedoch verlas ich zum Abschluss als einmaligen, für mich vergnüglichen Höhepunkt dieser bisher so tristen Angelegenheit eine Liste und bekam währenddessen selten irritierte Gesichtsausdrücke, die es verstanden, mich zu erheiterten. Bei jedem Namen, den ich aufzählte, wurden ihre Ängste und Sorgen greifbarer und als ich endete, war mir ein sehenswerter Abgang sicher.

Niemand schien sich denken zu können, was ich mit dieser Schar vorhatte und als ich mich in mein Büro zurückzog, nahm ich hinter meinem Schreibtisch Platz und harrte mit einer gewissen Gehässigkeit meiner Besucher. Indes lag mein düsteres Augenmerk auf den Portraits, die meiner gar unwohl entgegensahen. Hatte ich ihnen doch eine einmalige Vorstellung versprochen und sie ergingen sich in ihren Nöten, dass ich mit dem Biest nochmals eine unzüchtige Show vor ihnen abziehen könnte, als wäre ich jemand, der so einfallslos wäre.

Bevor ihre schwer aufrechterhaltene Selbstbeherrschung zusammenbrechen konnte und sie es wagen würden, mich mit ihrer Moral zu nerven, meldete sich der Besuch an und schon schwang die Tür zu meinem Allerheiligsten auf, um meinen Schülern Einlass zu gewähren. Diese kamen daher mit einem Enthusiasmus, den gewöhnlich Lämmer bei der Schlachtbank zeigten.

Jetzt ging erst recht eine unleugbare Unruhe von den Portraits aus, denn unter den skeptischen Blicken der verblichenen Schulleiter reihten sich die Schüler wie die Hühner auf der Stange auf und blickten mit Leichenbittermiene zu meiner erhöhten Position hinauf.

„Erfreulich, dass sie alle meiner Aufforderung so allumfassend und so zügig nachgekommen sind“, begrüßte ich die Meute mit schnarrender Stimme und da einige noch niemals das Vergnügen gehabt hatten, diese heiligen Hallen zu betreten, sahen diese auch ziemlich unbehaglich zu all den Portraits. Dabei blieben viele Blicke an dem schlafenden Dumbledore hängen, der wohlweislich die Augen geschlossen hatte, vielleicht auch besser so, während mein Blick an Hermione haften blieb.

Sie drängte sich als Letzte durch die zuschlagende Tür und versuchte nun, sich relativ unsichtbar im Hintergrund zu halten. Das gelang ihr eher weniger, da die Schulleiter, die nicht vorgaben, plötzlich taub, blind und sprachlos zu sein, zu ihr sahen wie zu einer Erscheinung.

Indes war Draco derjenige, der der Empore und damit auch mir am nähesten stehende Schüler war. Seine Angst vor mir schien sich mehr als in Grenzen zu halten, was mich meine Lippen schürzen ließ. Interessant war, dass sich Blaise Zabini und Theodore Nott mehr bei Hermione hielten als bei Draco.

„Meine Damen und Herren“, brach ich die angespannte Stille und durfte erleben, wie einige der Anwesenden zusammenzuckten. „Ich weiß, dass sie die Anführer dieser unsäglichen Revolte innerhalb der herrschaftlichen Mauern von Hogwarts sind…“, verkündete ich schneidend scharf meine Feststellung und alle holten zischend Atem, selbst die neugierigen Portraits.

Es dauerte, bis sich die Anwesenden von dieser Aussage erholt hatten, als zu meinem Erstaunen jemand Unerwartetes einen Schritt vortrat.

„Das… das stimmt nicht!“, wagte sich dieser Jemand zu sagen und ich schürzte verächtlich die Lippen.

„Longbottom, seit wann derart schlagkräftig?“, schnitt ich ihm das Wort reichlich schnöde ab. „Und vergessen Sie nicht das Sir“, verkniff ich mir nicht meine Gehässigkeit und durfte erleben, wie er erbleichte.

„Ich… ich…“, kämpfte er um seinen gryffindorschen Mut und ich verdrehte die Augen.

„Klappe“, perlte es schnarrend von meinen missbilligend verzogenen Lippen.

_________________
Nach oben Nach unten
queenie
Königin
Königin
avatar

Anzahl der Beiträge : 1423
Anmeldedatum : 08.02.12
Alter : 36
Ort : München

BeitragThema: 602. Der Sohn seiner Mutter   Di Jul 11, 2017 8:11 pm

602. Kapitel Der Sohn seiner Mutter

Wenigstens reichte Longbottoms Mut nicht, um jetzt weiter zu reden, sodass ich meinen düsteren Blick über die bemüht unschuldig dreinblickenden Schüler wandern ließ, die umso schuldiger und schuldbewusster wirkten, je länger ich sie meinen Blicken aussetzte. Das unschuldige Schauspiel müssten sie noch üben.

„Wenn sie alle denken, hier wie vor den Ferien weiterhin derart munter Unfrieden stiften zu können, muss ich sie leider enttäuschen“, bleckte ich die Zähne aufgrund ihrer Dreistigkeit, mir offen ins Antlitz lügen zu wollen. „Das wird nicht passieren!“, versprach ich drohend und lehnte mich in meinem Stuhl zurück, während ich darauf wartete, wer als nächstes seinen Mut finden würde.

„Sir, wir haben nicht…“, erhob die kleine Weasley wacker ihre piepsige Stimme und mein Blick spießte sie auf, sodass ihre Worte von alleine erstarben.

„Sie haben…“, neigte ich mein schwarzes Haupt zu ihnen hin. „Ihre Niffler haben sich zur wahren Plage entwickelt“, war meine Aussage keine Frage, sondern ein Fakt. „Während sie die Güte hatten, Hogwarts zu verlassen… wer von ihnen hatte diese brillante Idee?“, grollte ich ihnen und ließ meinen Sarkasmus an ihnen aus.

„Wie meinen?“, wagte sich die kleine, aber vor allem zierliche Patil engagiert vor, woraufhin ich meine Braue lüpfte.

„Treiben sie es nicht zu weit“, schnarrte ich daraufhin nur verärgert. Die anderen Lehrpersonen konnten sie für dumm und einfältig genug verkaufen, aber nicht mich. „Diese Tiere können nicht unterscheiden… und außerdem haben sie sich unkontrolliert vermehrt und ich warne sie nur einmal, sollte nochmal so eine Plage Einzug halten, werden keine Elfenköpfe von den Wänden hängen… sondern die dieser Niffler!“, konnte niemand an meinem Versprechen zweifeln, weswegen sie alle plötzlich sehr betreten aussahen.

Sie wirkten zwar alle beunruhigt wegen meiner Drohung, aber nicht willens, von ihrer Version der Dinge abzuweichen, während die Stille regelrecht unangenehm wurde. Nur um Hermiones Mundwinkel konnte ich ein Zucken, ein wahrlich unangebrachtes, da amüsiertes, Zucken wahrnehmen und auch Draco schien unverhohlen seine gute Laune bei diesem Thema wiederzufinden, da er plötzlich seine Stimme erhob.

„Wurden Sie attackiert, Sir?“, erging sich Draco in unverhohlenem Spott mir gegenüber.

„Denken Sie das wirklich, Mr. Malfoy?“, knurrte ich düster zurück und er blickte mir standhaft in die Augen, aber ich durfte erleben, dass er seinen Respekt mir gegenüber wiederfand, indem er entschied, die Klappe zu halten. Wie vernünftig, da ich noch nicht fertig war.

„Ich fordere und verlange den zu erwartenden Respekt dem Lehrpersonal gegenüber!“, schnarrte ich daher weiter und erntete keine großen Reaktionen, da keiner wahrhaben wollte, dass die Geschwister Carrow auch dazugehörten, weshalb ihre Mienen sogar plötzlich störrische Züge aufzeigten.

„Hätte es nicht gereicht, wenn Sie das nur den Vertrauensschülern gesagt hätten?“, kam es von Hannah Abbott wahrlich unerwartet gewichtig.

Was taten sie mit diesen Wesen, dass sie derart aufsässig wurden? Sogar die sonst so unscheinbaren Typen, aus den normalerweise zugänglichsten Häusern. Ein Gutteil der Anwesenden waren Vertrauensschüler, aber nicht alle, doch danach hatte ich sie auch nicht ausgewählt. Neville Longbottom, Ginny Weasley, Theodore Nott, Blaise Zabini, Hannah Abbott, Susan Bones, Padma Patil und in Ermangelung von Lovegood Terry Boot und um das Ganze abzurunden noch zwei weitere.

„Wollen Sie wirklich vorlaut werden?“, fragte ich die Hufflepuff, die es sich nach einem Händedruck Longbottoms eilig anders überlegte und vorsichtshalber schwieg, seidig warnend. „Ich habe meine Gründe. Einer der Gründe wäre, dass ich nicht blind bin und weiß, dass die Schüler mehr auf sie hören werden…“, wollte schon wieder der ein oder andere aus der Gruppe aufsässig werden und war dabei, seinen vorlauten Mund aufzumachen, sodass ich schnell weitersprach. „Und da sie diese anderen Gruppen anführen, wollte ich mit der Quelle sprechen und nicht über Umwege mit Unwichtigen!“, wischte ich jegliche Einwände hinweg.

„Sir.“, „Das stimmt doch nicht.“, „Ich weiß nicht, was Sie wollen“, kamen rasant ihre Ausflüchte, woraufhin ich verächtlich schnaubte. „Was für eine Gruppe“, trieben es diese unerträglichen Biester eindeutig zu weit und meine Geduld schwand sekündlich.

„Sie haben ab nun darauf zu achten, dass ihre Kameraden abends in ihren Häusern bleiben“, verkündete ich mit dem öligen Schnarren, das mir zu Eigen war, über ihre Unkenrufe hinweg, dabei verschränkte ich die Hände vor mir auf dem Schreibtisch.

„Warum?“, „Waaaa…“, brachte mein schneidender Blick Patil zum Schweigen, bevor sie loslegen konnte, dabei lobte ich mir die Slytherins Nott und Zabini, die bisher die einzigen waren, die beharrlich schwiegen.

„In ihren Häusern, in der Gemeinschaft sind sie sicher. Vermeiden sie es außerdem, alleine durch die Korridore zu streifen, in der Gruppe geht es sich doch viel besser…“, gab ich ihnen einen Rat, den sie hoffentlich befolgen würden.

„Siiii… sicherer?“, presste Bones schockiert hervor und kurz aalte ich mich in ihrem bodenlosen Entsetzen. „Sicher vor wem?“, wollte Terry Boot wissen.

„Wollen Sie uns warnen?“, fragte Longbottom piepsig und meine sarkastische Miene wandte sich zu ihm. Was für eine Blitzleuchte dieser Junge doch schon immer gewesen war, beinah konnte man es vermissen, ihn zu unterrichten.

„Wo denken Sie hin?“, erklärte ich nun abweisend und mit Zynismus. „Ich will ihnen aufzeigen, dass die sanften Zeiten vorbei sind… die Strafen werden härter, werden strikter und bestimmter durchgeführt… wenn sie nicht endlich lernen, Regeln zu befolgen, könnten sie lernen, was es bedeutet, Repressalien zu erleiden, die ihnen nicht gefallen werden!“, schloss ich unheilvoll, aber diese Kinder brauchten deutliche Worte, um zu verstehen, dass wir immer mehr auf den Abgrund zu segelten.

„Warum bin ich hier?“, erhob plötzlich Draco seine Stimme. „Warum? Da ich mich und die Slytherins generell immer an die Regeln halten? Ich frage mich, was wir hier sollen, Sir. Was wollen Sie mir unterstellen?“, gelang es Draco mit dieser ihm so eigenen Art alle Schuld von sich zu weisen.

Und da schaffte er das, was bisher keiner geschafft hatte, mir riss der Geduldsfaden. Das musste Mr. Irland gerade von sich geben. Was für ein Heuchler und verdammt, er war gut!

„Ich wäre den hier Anwesenden sehr verbunden, wenn sie nicht versuchen würden, mich weiterhin zum Vollidioten abzustempeln“, grollte ich finster und Draco hatte den Anstand, leicht rot hinter seinen Ohren anzulaufen. „Das wäre eine Beleidigung meiner Person, die nicht unbedacht begangen werden sollte“, schnitt meine Stimme wie Stahl durch den Raum und es war beeindruckend, dass nicht der Kleinste von ihnen auch nur zuckte, denn sie waren starr vor Schreck.

„Versuchst du, ihnen Angst zu machen?“, ertönte es plötzlich leise aus dem Hintergrund und einige schraken mehr zusammen als bisher, als sie Hermione vernahmen, ob wegen ihrer Vertraulichkeit mir gegenüber, oder deswegen, dass sie es wagte, überhaupt etwas zu sagen, das blieb dahingestellt.

„Miss Granger, Ton“, befahl ich streng. Sie musste nicht jedem unter die Nase reiben, wie wir zueinander standen, indem sie mir das Sir schuldig blieb und gleich beim Du ankam.

„Brr, ich erzittere“, erwiderte sie rau mit verächtlichem Unterton und Draco verzog leidlich seine mir zugewandte Miene, während ich um meine Maske kämpfte.

„Möchten Sie etwas anmerken, Miss Granger?“, fragte ich streng zurück und sie zog die Schultern hoch, während sie eigentlich Albus‘ noch immer vorgeblich schlafendes Portrait musterte und nicht mich.

„Ich denke, wir haben alle verstanden. Es ist gefährlich und dass die Carrows nicht richtig ticken ist auch allen klar… aber, alle haben selbst erlebt, wie das Leben außerhalb der Mauern ist und wie unschön es sich gestaltet. Nicht ohne Grund erinnerte das Festessen an einen Leichenschmaus“, meinte sie irgendwie müde klingend, während sie weiter vortrat und sich ihr der Weg wie von selbst öffnete, sodass sie nun direkt vor der Empore und damit vor mir stand.

„Möchten Sie etwas berichten?“, fragte ich von ihrer progressiven Art verärgert, dabei bemerkte ich den Blick, den sie und Black austauschten. „Haben Sie dafür gesorgt, dass die Mauern von Hogwarts Sicherheit gewährleisten können!?“, lag eine gewisse Schärfe in meiner Stimme und ihre Stirn legte sich langsam in Falten.

„Mhm… ja, erledigt…“, zog sie dabei die Schultern hoch und bei mir ging eine Braue taxierend hoch, während alle anderen, inklusive Draco, sich irritiert wegen unseres Austausches ansahen.

„Sicher?“, drang ich mit Unwillen vor allen Anwesenden in sie, aber diese Sache war heikel. Ich musste die Sicherheit von Hogwarts erhalten. Ich zählte Crouch nicht zu den verlässlichsten, aber mit Sicherheit zu den labilsten Charakteren, die wir zu bieten hatten. „Nicht dass mir doch noch unschöne Überraschungen ins Haus stehen!“, traf mich plötzlich ihr Blick direkt und sie versteckte nicht ihren Vorwurf, weil ich an ihr zweifelte.

„Er wird es nicht mehr wagen, durch die Flure zu streichen“, presste sie schmallippig hervor.

„Wer war hier?“, mischte sich Draco ein und trat vor, näher zum Biest, das ihren Kopf drehte und Draco über ihre Schulter musterte.

„Barty“, meinte sie dann leise, aber trotzdem schlug die Namensnennung bombig ein.

„WAS?“, entfuhr es Draco erschrocken und jetzt trat er gänzlich auf Hermione zu, während die anderen nicht wirklich verstanden, was hier abging. „Warum schmunzelst du so?“, stellte Draco die Frage, die mir durch den Kopf ging.

„Er wird brav sein“, erklärte sie überzeugt, aber auch erstaunlich unzugänglich.

„Er ist unkalkulierbar“, brauste Draco auf und wieder gab ich meinem Patensohn von Herzen Recht, weshalb ich mich auch zurückhielt. Er betrieb diesen Schlagabtausch gerade sehr zufriedenstellend, sodass ich mich nicht weiter involvieren musste.

„Für euch vielleicht, für mich nicht“, hielt sie ihm mit einer Prise Arroganz vor und ich bemerkte die Mienen der Zuhörer, von denen einige missbilligend zu ihr blickten.

„Was hast du getan?“, drang er weiter in sie und auch mich trieb die Neugierde, weshalb ich mich nicht einmischte.

„Ihm gedroht“, entgegnete sie knapp und wenig auskunftsfreudig.

„Mach es nicht so spannend, womit?“, lag pure Begierde in seiner unnachgiebigen Art.

„Ufff…“, kämpfte sie mit sich und nach einem kurzen, kalkulierenden Blick zu mir begann sie zu sprechen: „Wenn er will, dass wir wieder Klavier spielen, wird er es nicht mehr wieder tun…“

Mit diesen Worten schaffte es das Biest mal wieder, alles und jeden, einschließlich meiner Wenigkeit, zu überraschen. Erstaunlich, ich hatte nicht gewusst, dass sie spielen konnte, oder Crouch, oder wie auch immer. Wie kam sie darauf, mit Crouch zu spielen? Irgendwie taten sich in meinen Augen viele neue Fragen auf, anstatt dass alle beantwortet worden wären.

„Wer ist Barty?“, „Könnte uns mal jemand informieren?“, baten Patil und Abbott herrisch. Sie schienen vergessen zu haben, wo sie sich befanden und in wessen Anwesenheit, aber noch verarbeitete ich die Informationen.

„Ihr seid alle verrückt“, meinte Draco schlicht und das Biest lachte gekünstelt auf.

„Hallo, wer ist Barty?“, „Und warum schleicht der in Hogwarts rum?“, begehrten wieder die anderen auf, bis ich meine Faust auf den altehrwürdigen Schreibtisch vor mir donnerte und damit der allgemeinen Aufmerksamkeit sicher sein konnte.

„Mein Büro ist nicht der Platz für ihre privaten Debatten, daher meine Frage an sie alle: Haben sie verstanden?“, führte ich sie alle wieder zum Beginn zurück und durfte ihre verdatterten Mienen genießen.

„Ja, Sir.“

„Gut, dann hauen sie endlich alle ab“, beschied ich grimmig und deutete zur Tür.

Severus Sicht Ende

Hermiones Sicht

Ich hatte Severus‘ stumme Aufforderung, während wir sein Büro verließen, später zu ihm zu kommen, wahrgenommen und ich hatte wirklich vor, zu ihm zu gehen.

Es gab nur ein Problem, nicht jeder von uns bekam das, was er wollte!

Auch ich nicht, denn ich wollte bei ihm sein, aber wie so oft schlug mein Glück brachial zu.

Denn Neville als auch Ginny zerrten mich beherzt zu unserem Gemeinschaftsraum und es gab für mich kein Entkommen und nachdem ich Lavender auf der Couch ausmachen konnte, die von Parvati dort festgenagelt wurde, verstand ich auch, was sie trieb.

Die Blicke, die wir erstmal ernteten, waren mit Unverständnis gewürzt. Es erinnerte mich an das Willkommen an der Gryffindortafel. Dort war die Wiedersehensfreude mir gegenüber auch spartanisch ausgefallen. Verständlich nach meinem Auftritt in der Burg in Irland, als ich Lavender abgeliefert hatte. Dadurch war mein Ruf mit Sicherheit noch mehr den Bach runter gegangen, aber irgendwie war mir das mittlerweile egal.

„Was soll ich hier?“, fragte ich daher entnervt und überlegte mir eine Ausrede, um abhauen zu können.

„Mit ihr reden“, zischte Ginny, als sie beinah schon aggressiv auf die Couch vor dem Kamin deutete und ich machte große Augen.

„Sag nicht, dass dir nicht aufgefallen ist, dass sie an der Tafel mit niemandem geredet hat“, kam es verwundert von Neville und ich zog unwohl die Schultern hoch, denn Lavenders abweisende Haltung mir gegenüber war mir wirklich gar nicht aufgefallen, den anderen anscheinend schon.

„Und lass dir gesagt sein, dass diese Todesmiene von ihr auch in Irland gang und gäbe war“, servierte der kleine, engagierte Rotschopf umgehend und ich seufzte.

„Deshalb sollte ich mitkommen“, ergab ich mich umgehend meinem Schicksal, ahnte ich doch, dass Lavender das alles nicht leicht fiel. Aber ihre Anwesenheit im Rudel war einfach zu kritisch geworden, als dass ich es bedauern könnte, sie dort rausgeholt zu haben.

„Genau.“, „Nur deshalb, aber es ist wichtig.“, „Und ehrlich, auch wenn viele nicht mit dem einverstanden sind, was du treibst, konnten wir dir hier zu einem gewissen Grad besser folgen als Lavender!“, „Leider sieht sie das immer noch nicht und zickt die ganze Zeit rum“, wechselten sich die beiden ab, wobei Ginny am Schluss entsetzlich genervt klang, dabei konnte ich ihren Blick ausmachen, der zu Parvati ging, die unglücklich ihre beste Freundin musterte, es aber nicht wagte, in ihre Nähe zu kommen.

„Okay, ich mach es… natürlich, und was macht ihr?“, verlangte ich resigniert zu erfahren.

„Wir?“, „Wir informieren nun die BL und DA“, zeigten beide Engagement, während ich entschlossen zum prasselnden Kamin ging und mich neben Lavender niederließ.

„Lavender“, meinte ich vorsichtig, da sie keine Reaktion gezeigt hatte, als ich mich setzte.

„Ich rede nicht mit dir“, erwiderte sie knurrig und starrte weiterhin verbohrt in den Kamin, weswegen ich mit den Augen rollte. Ich war in einem Kindergarten, als hätte ich, als hätten wir alle keine anderen, keine wirklich lebenswichtigen Probleme.

„Sei nicht kindisch…“, gab ich daher etwas schärfer zurück, gleichzeitig lächelte ich nachsichtig, da sie mit diesem einen Satz ihren Vorsatz schon gebrochen hatte. „Angeblich redest du mit so gut wie keinem“, schob ich hinterher und sofort flog ihr Blick zu dem Grüppchen, das aufgeregt von Severus‘ neuester Warnung berichtete.

„Sind ja alle auf deiner Seite“, beschwerte sie sich einem Kleinkind würdig.

„Unfug“, entfuhr es mir lachend.

Als ob die BL, die DA und alle anderen auf meiner Seite waren. Sie waren es nur diesmal, da ich wirklich im Recht war. Lavender spielte mit dem Feuer. Sie musste verstehen, dass es im Rudel um mehr als Gefühle ging, es ging um Rangfolge und darum, sich zu unterwerfen.

„Patrick geht es gut, zumindest hat mir Fenrir diese Nachricht zukommen lassen“, versuchte ich einen neuen Ansatz, woraufhin sie wie ein Wasserbüffel schnaubte.

„Ganz toll“, meinte sie, aber diese Information war ihr nicht gleichgültig, da sie zum ersten Mal tatsächlich zu mir blickte.

„Ufff, das sind tolle Nachrichten, das weißt du, und Fenrir hätte mich darüber nicht in Kenntnis setzen müssen“, mahnte ich leise. „Und sei ehrlich zu dir… du bist in Wahrheit doch eher auf dich sauer als auf mich, oder nicht?“, nagelte ich sie mit meiner Frage fest und sie biss sich unwohl auf ihre Unterlippe.

„Mhm, ich… ich… ich kann das nicht…“, entwich es ihr schwach und sie sackte regelrecht in sich zusammen. „Ich… ich meine… nicht mit Fenrir“, meinte sie nun verständlicher für mich, was sie nicht konnte. „Ich meine… er… er ist alt, er ist widerlich“, bemerkte sie meinen zweifelnden Blick, da Patrick nicht anders als sein Boss war. „Ooo… okay, nicht widerlich… die Vorstellung mit ihm wäre widerlich und natürlich… ja, klar, ich spüre seine Macht über meine Instinkte, aber das ist schon alles…“, sprudelte es auf einmal mit weinerlicher Stimme aus ihr heraus und ich war verwundert, dass sie anscheinend so viel nachgedacht, abgewogen und wirklich versuchte hatte, sich zu arrangieren.

Aber offensichtlich konnte sie sich mit Fenrir wirklich nicht anfreunden. Ein Umstand, den ich verstand, mit ihm ins Bett zu gehen wäre jetzt auch nicht der Traum meiner schlaflosen Nächte.

„Dann werde ich ihm das sagen“, erstaunte ich mich selbst und sie sichtbar auch, denn sie riss ihre blauen Augen sehr weit auf, während ich mir innerlich einen Fußtritt in den Allerwertesten verpasste.

Wie sollte ich das Fenrir beibringen?

„Du…“, quietschte sie wenig begeistert über mein Angebot los und ich hob eine Braue an. „Dann kann ich… ich IHN nicht mehr wiedersehen… ich kann dann nicht mehr zurück… nicht zurück ins Rudel“, stotterte sie vor sich hin und ich musterte sie irritiert.

„Das ist die Konsequenz des Ganzen… ja…“, erklärte ich dann aufrichtig.

„Aber… aber das will ich auch nicht… ich hab mich da wohlgefühlt“, jammerte sie derart winselnd, dass ich spürte, wie sich Kopfschmerzen in meinen Schläfen ankündigten.

„Lavender“, stöhnte ich genervt. „Was willst du von mir? Dass ich meinen Zauberstab hervorhole und alles deinen Wünschen gemäß in Ordnung zaubere? Ich bin nur eine Hexe, keine Göttin! Glaub mir, ich möchte auch öfters alles am liebsten einfach mit Magie hinbiegen. Ich kann es aber nicht“, beschwerte ich mich über ihr kindisches Gehabe.

Was dachte sie, wie mein Leben seit Hogwarts aussah?

Aus gelebten Kompromissen, die meist mehr sauer erkämpft waren als sonst was und oft sehr bitter schmeckten. Das Leben war kein Zuckerschlecken, so sah meine Erfahrung aus, und dass Lavender gerade die saure Pille schlucken musste tat mir zwar leid, war aber unabänderlich.

Sie wollte Fenrir nicht, dann würde sie das Rudel nicht bekommen. Aber sie würde auch Patrick nicht bekommen, da es für ihn eine selten dämliche Idee wäre, das Rudel ihretwegen zu verlassen. Er hatte dort nicht nur eine hohe Stellung, sondern das Rudel bot auch Schutz und eine Gemeinschaft. Ein einsamer Wolf war ein verlorener und das nicht ohne Grund. Man sah sich nur Remus an, der völlig verloren gewesen war, ein Wolf gehörte in ein Rudel, um sich entfalten zu können und hinzu kam, gerade Werwölfe hatten überall Feinde!

Bevor ich jedoch ausholen konnte, um ihr darzulegen, dass es nur Hop oder Top gab, vernahmen meine Ohren, wie das Gespräch der anderen langsam aber sicher hoch zu kochen schien, weshalb ich verstummte und zu den anderen blickte.

„Was war das gerade bei Snape?“, meinte Neville viel zu laut zu Ginny, wobei sie die Masse um sich herum anscheinend schon gut in Kenntnis gesetzt hatten, da sie alle wie aufs Stichwort hin zu mir sahen.

„Frag Hermione, die kann das wohl am besten beantworten“, erwiderte Ginny ungerührt mit verschränkten Armen, jedoch hatte das für mich eher den Beigeschmack eines Schmierentheaters.

„Könntet ihr mich nicht außen vor lassen?“, rief ich zu der Ansammlung hin. „Ich rede gerade mit Lavender“, meinte ich lahm, aber durchaus hoffnungsvoll, so davon zu kommen.

„Versuch nicht, dich rauszuwinden“, legte Seamus verschmitzt grinsend nach. „Rede“, fuhr mich Neville eher ungeduldig an, ich blickte in die neugierigen Gesichter um mich herum und seufzte.

„Was wollt ihr hören?“, fragte ich irritiert. Wie deutlich hätte Severus noch werden sollen?

„Anders als du werden wir nicht so leicht aus Snape schlau.“, „Ja, der Mann versteht es furchtbarerweise wenig zu sagen und ich glaube, er wollte etwas andeuten, die Frage ist nur, was?“, „Beziehungsweise… übersetzen wir es richtig“, kam es sorgenvoll von einigen und ich erkannte, dass sie mich gar nicht sezieren wollten, sondern wirklich nicht sicher waren, ob sie Severus richtig einschätzten. So kam es, dass ich mich von Lavender abwandte und mich nun völlig zu den anderen drehte.

„Nehmt seine Warnung ernst, denn das war es, eine Warnung, und wenn ihr eure Revolte weiterhin führen wollt, oder sie sogar verschärfen wollt, haltet einen Plan C bereit, wenn die Carrows am Rad drehen. Ihr müsst eine Möglichkeit haben, wohin ihr euch flüchten könnt… denn Se… der Schulleiter wird euch irgendwann nicht mehr retten können, ohne dass er sich selbst und seine Position gefährdet“, erklärte ich also doch ausführlich, was das in seinem Büro sollte, damit es auch wirklich der letzte Idiot verstand.

„Er gibt uns sein Okay für die Revolte“, wisperte Romilda fassungslos, woraufhin ich zustimmend nickte.

„Wie kommst du darauf?“, wollte Seamus erfahren, der sichtbar an meiner Einschätzung zweifelte.

„Sonst hätte er nicht die Anführer der BL und DA zu sich bestellt“, resümierte ich schlicht das für mich Offensichtliche.

„Hast du ihm von den Gruppen erzählt?“, warf mir Neville offen Verrat vor und ich blickte ihn verärgert an und ballte die Hände zu Fäusten.

„Seid ihr irre?“, keifte ich tief getroffen zurück, als wäre ich so erbärmlich.

Zu meinem Erstaunen kränkte es mich dann doch, dass sie mir das zutrauten! Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie jemanden verraten, niemanden, keinen! Ich mochte moralisch Verwerfliches tun, aber niemals war ich bisher so tief gesunken!

Zusätzlich war ihre Meinung von Severus auch nicht allzu hoch, was dachten die, das Severus war? Blind, taub und doof, so wie Albus?

Natürlich ahnten sie nichts von dem Ritual, das jeder Schulleiter vollzog. Sie konnten nicht wissen, dass sich Severus mit dem Schloss verbunden hatte und daher sehr viel mehr wusste als jeder andere, der sich in diesen Mauern tummelte. Jetzt könnte man fragen, wie es möglich war, dass unter Albus so vieles geschehen war, von dem er keinen blassen Dunst gehabt zu haben schien. Ganz einfach, anders als Albus stellte sich Severus nicht gegen die Schwarze Magie. Er begrüßte sie. Daher kam meine Vermutung, weshalb das Schloss nicht sein ganzes Wissen vorbehaltlos mit Albus geteilt hatte, weil er eine Abneigung gegen das verbotene Ritual gehabt hatte, während sich Severus vielleicht sogar völlig unbewusst dem schwarzmagischen Ritual vollständig hingegeben hatte, ohne etwas von sich zurückzuhalten.

Er war daher mehr ein anerkannter Schulleiter von Hogwarts, als es Albus je hätte sein können!

Aber das würde ich der neugierigen Bande mit Sicherheit nicht auf die Nase binden. Das waren Geheimnisse, die es zu hüten und zu bewahren galt!

Denn wenn ich eines nicht war, dann ein Verräter!

„Okay wir sollten Ruhe bewahren“, drängte sich Ginny schlichtend hervor. „Was wäre der Plan C? Wohin können wir gehen? Wohin fliehen?“, meinte sie weiterhin versöhnlich und lenkte eilig ab, jedoch völlig hirnlos, wie ich fand, da sie mich so eindringlich musterte, als erwartete sie von mir Vorschläge.

„Das weiß ich doch nicht“, wehrte ich daher vehement ab. Ich musste mir nicht über alles den Kopf zerbrechen. Sie hatten dieses Spiel begonnen, das war ihr Kampf, nicht auch noch meiner. Ich hatte genügend Schlachtfelder, die meiner harrten. „Aber wenn ihr es zu weit treibt, seid ihr auch hier im Gemeinschaftsraum nicht mehr sicher“, warnte ich eindringlich und musterte nacheinander alle, damit ihnen bewusst wurde, um was es hier ging.

Die Nacht war noch lange geworden. Sie hatten versucht, mich nach Harry und Ron auszufragen und mich mit ihrer ständigen Fragerei mürbe zu machen, sodass ich schlussendlich fertig und todmüde im Bett gelandet war. Wohlgemerkt in meinem und nicht in Severus‘. Ich war mir sicher, er war begeistert, aber der Schlaf tat mir dann doch recht gut und zwar so gut, dass ich regelrecht frohgemut am Frühstück teilnahm, wobei hier Severus‘ Abwesenheit wenig verwunderte.

Ich vermutete, dass er leicht sauer darüber war, dass ich ihn versetzt hatte, aber wie so oft, nicht jeder bekam was er wollte.

Nur langsam drückte die Stimmung in der Halle gewaltig auf mein Gemüt und ich war selbst verwundert, denn ich hätte nie gedacht, dass ich jemals Dumbledore vermissen könnte, aber plötzlich tat ich es. Die lastende Stimmung in der Halle war wahrlich ätzend und so zog sich das Frühstück ärgerlich in die Länge, auch die müden und übernächtigten Gesichter aller zeugten davon, dass alle Häuser eine endlose Nacht hinter sich hatten.

Severus‘ Warnung hatte anscheinend die Runde gemacht, aber ich hatte die ersten wackeren Stimmen unter den Gryffindors vernommen, die forderten, nun einfach schlicht kreativer in ihren Aktionen zu werden und sich nicht einschüchtern zu lassen. Neville und Hannah waren hierbei die lautesten Vertreter und ich würde mich hüten, mich dort einzumischen. Ich hatte genug am Hals, da brauchte ich nicht noch diese schulische Revolte.

Danach zog sich der Unterricht ähnlich hin wie alles andere. Ich saß bei Vektor in Arithmantik und bemerkte zu meinem Verdruss eine erschreckende Erkenntnis, nämlich dass Schule nicht mehr Schule für mich war. Es langweilte mich und alles in mir trieb mich weg. Eine innere Unruhe war in mir, die mich eher zu Harry und Ron und meinen anderen Aufgaben zog. Es erschien mir so unnötig, banal und trivial, über was wir hier sprachen, außerdem war ich dem Lehrstoff um Meilen voraus, weshalb ich das Absitzen hier als Zeitverschwendung wertete.

Lustlos schulterte ich meine Tasche und marschierte im Strom der anderen zu Verwandlung und wusste nicht, ob ich mich freuen sollte, wieder einmal an McGonagalls Unterricht teilzunehmen, als urplötzlich Draco neben mir war und mir ein verhaltenes Lächeln schenkte.

„Na du?“, meinte ich vertraulich und irgendwie froh, ihn neben mir zu haben, und da grinste er mich auf einmal schelmisch an. Ein Lächeln, das ich lange nicht mehr auf seinem Gesicht gesehen hatte und das mich beinah veranlasste, es zu erwidern.

„Das habe ich vermisst, dich in Hogwarts“, meinte er rau und ich fühlte, wie seine Hand meine streifte und schluckte schwer.

„Schön, dass du das so siehst“, meinte ich gespielt fröhlich. „Aber ich will ehrlich sein, ich finde es sonderbar, wieder hier zu sein. Es hat sich verändert… es ist nicht mehr wie früher…“, zog er ob meiner Zurückhaltung seine Hand weg und ich atmete gleich freier.

„Oh ja, das hat es“, gestand er umgehend, jedoch hielt er seinen Blick nach vorne gerichtet. „Aber bei uns in Slytherin ist immer noch alles recht ähnlich“, gab er unumwunden zu, was für eine gute Stellung das Haus unter der neuen Ägide hatte, woraufhin ich auflachte.

„Außer dass sich Blaise und Astoria anschweigen?“, fragte ich munter, da ich mich an das Bild beim Essen erinnerte.

„Du hast es bemerkt?“, stellte er mit einem resignierten Seufzen fest.

„Ich bitte dich, die Disharmonie war nicht zu übersehen…“, gab ich gutgemeint zurück und schmunzelte.

„Mhm, warst du gestern noch bei ihm?“, wechselte Draco abrupt das Thema und offenbarte, dass er Severus‘ Blick zu mir am Ende des Treffens hin sehr wohl ebenfalls verstanden und richtig gedeutet hatte.

„Mhm“, wollte ich ihn nicht für dumm verkaufen und holte Luft. „Nein, es ging hoch her im Turm… und wo denkst du hin?“, wedelte ich mit meiner Hand durch die Luft. Ich ärgerte mich, ich wollte so gerne bei Severus sein und was war?

Ich würde McGonagall zwei Stunden über mich ergehen lassen müssen, super Aussichten.

„Mhm… ich frage mich eh, wie sich Vater das mit Severus so vorstellt… wollt ihr so weitermachen?“, zeigte Draco seine Neugierde unerwartet offen und ich wurde etwas steifer.

Ich wollte ihm gegenüber nicht zugeben, wie das zwischen uns ablief. Das war mir zu unangenehm. Ich konnte nicht einfach so sagen, dass wir einen Dreier gehabt hatten, ehrlich nicht, das wollte mir überhaupt nicht über die Lippen kommen, weshalb ich stumm blieb, dabei bemerkte ich seinen abwägenden Seitenblick sehr wohl.

„Was war das mit Crouch?“, gab er sich geschlagen und wandte sich anderen Fragen zu. „Ich mag ihn nicht. Wo versteckt er sich denn? Als ich ihm mal im Wald über den Weg lief war das eine sehr sonderbare Begegnung“, erzählte er freimütig und ich nickte.

„In der Heulenden Hütte, da hat er sich einquartiert“, servierte ich umgehend, wodurch die Diskrepanz zu meinem vorherigen Schweigen noch krasser war und ich strich mir über die plötzlich pochenden Schläfen. Draco war weder dumm noch doof, er würde sofort seine eigenen Schlüsse aus meinem Verhalten ziehen und vielleicht nicht mal so falsch denken wie er es gerade tat.

„Und da ist ein Klavier?“, meinte er aber weiter bei Barty verbleibend, was mir recht war.

„Jaaaaa und er kann spielen“, lächelte ich spöttisch, da ich es immer noch nicht fassen konnte.

„Und du auch, du hast mir nie was vorgespielt“, kam seine leise Beschwerde so abrupt, dass ich kurz stehen blieb.

„Du hast nie gefragt“, sah ich ihn nun direkt an und er blieb ebenfalls stehen. „Und ich zweifele, dass meine Künste für den Ballsaal reichen.“

„Wir haben auch ein Musikzimmer“, meinte er daraufhin mit einem sanften Lächeln.

„Ehrlich?“, entfuhr es mir bestürzt. „Das muss ich übersehen haben“, murmelte ich betreten und er lachte aufrichtig auf, was uns einige Blicke unserer Schulkameraden einbrachte.

„Du kennst halt eben doch noch nicht alle Geheimnisse der Malfoys“, meinte er daraufhin seidig, als seine Belustigung auf meine Kosten nachließ. Aber ich vernahm die Doppeldeutigkeit dahinter. Ich stoppte und drückte seine Hand, was mir einen tiefen Blick von ihm bescherte, bevor wir uns trennten, um zu unseren Plätzen zu huschen und McGonagalls Unterricht zu lauschen.

Mann, zog sich das!

Waren die Schulstunden früher auch so zäh? Ich wusste es nicht, aber danach hatte ich keinen Hunger und verzog mich deshalb in die große Bibliothek, dabei genoss ich es erstmal, seit langer Zeit wieder zwischen Büchern zu verweilen, denn das hatte ich wahrlich aufrichtig vermisst.

Doch auch hier konnte ich nicht allzu lange verweilen, da es Zeit wurde, diesen Hort zu verlassen. Nachdem ich die Schwelle der Bibliothek hinter mir gelassen hatte, fühlte ich mich in dem menschenleeren Flur mit einem Schlag verfolgt. Wohlweislich zückte ich meinen Zauberstab. Es war nicht so, als könnte sich irgendwer zurzeit in Hogwarts sicher fühlen. Als ich um die Ecke bog, umfassten mich zwei Arme. „Uhhh“, rief ich erstickt und wollte kämpfen, als ich mich in einer Nische wiederfand und ich mein Gegenüber anblinzelte und ihm drohend den Zauberstab an den Hals drückte.

„Blaise?“, murrte ich finster. Wie konnte er so verrückt sein?

„Hallo“, wisperte er leise, dabei entging mir nicht, dass er etwas unwohl schluckte, während sich mein Stab fast in seinen Hals bohrte.

„Bist du lebensmüde?“, fragte ich böse und ziemlich wütend. Ahnte er, in was für einer Gefahr er sich befunden hatte?

„Als ob du mir etwas tun würdest…“, tat er überzeugt ab und er hatte ja Recht, er hatte nur nicht bedacht, wenn ich nicht ahnte, wer mir auflauerte, da sah dann die Sache schon ganz anders aus!

Aber er war völlig gefangen in seinen eigenen Gedanken.

„Wir müssen reden… komm, beeil dich“, packte er aufgeregt nach meiner Hand und zog mich hektisch mit sich.

„So stürmisch?“, fragte ich überrumpelt, als wir den Gang händchenhaltend entlang eilten.

„Das ist nicht lustig, ich brauche dich, Schönste“, meinte er plötzlich ziemlich ernst und warf mir einen düsteren Blick über seine Schulter zu.

„Wo? Hier?“, deutete ich mit einem Fingerzeig auf Binns‘ Klassenraum.

„Nicht in Slytherin, so viel steht fest“, murrte er mit finsterer Miene zurück und ich seufzte innerlich.

„Dann das Klassenzimmer“, entschied ich und packte seine Hand, zog ihn nun mit mir und sinnierte, dass anscheinend auch Blaise das Dramaqueen-Gen in sich trug.

„Du siehst schlecht aus“, meinte ich freundlich, während er gegen ein Pult sackte und mir ein schwaches Lächeln schenkte, aber ansonsten nicht reagierte, sodass ich die Tür schloss und mit einigen Zaubern für unsere Privatsphäre sorgte.

„Ich brauche deine Hilfe, ich will deine Hilfe“, überrumpelte mich seine plumpe und wenig subtile Herangehensweise, indes setzte auch ich mich auf eines der Pulte.

„Ich helfe… wo ich kann“, erwiderte ich mit der gebotenen Vorsicht und musterte das markante Gesicht vor mir.

„Nein, du verstehst das falsch…“, meinte er derart eindringlich, dass ich ein schlechtes, ein ganz schlechtes Gefühl dabei bekam und erst recht, als ich seine entschlossenen Gesichtszüge musterte. „Ich fordere den Gefallen von dir, den du mir schuldest“, vernahm ich die unheilvolle Forderung und sein stechend scharfer Blick schoss zu mir, woraufhin ich die Stirn runzelte.

„Ohhhhh“, entwich es mir von seiner wenig subtilen und sehr aggressiven Herangehensweise erstaunt, um nicht zu sagen ein klitzeklein wenig enttäuscht, dass er derart einfallslos an mich herantrat. „Das kommt… überraschend…“, gab ich widerwillig zu und zwang mich zu einem gekünstelt kühlen Gesichtsausdruck.

„Draco will nicht, dass ich SIE vergifte“, betonte er das Personalpronomen mit gelebtem Abscheu in der Stimme. „Nicht sofort… zumindest…“, gab er dann zaudernd zu und ich hob eine Braue an.

„Wena?“, fragte ich vorsichtshalber mal nach und wunderte mich nicht, dass Draco das verboten hatte. Es war gefährlich, die Veela zu verärgern, aber mein Wille, Wena von der Bildfläche zu tilgen, war durchaus vorhanden.

Man musste es wenn nur so drehen, dass ihr Tod nicht allzu verdächtig war.

„Ja“, knurrte Blaise mehr als dass er sprach. „Ich kann sie jetzt nicht vergiften… Lucius Malfoy und Draco würden mich umbringen…. aber sie muss irgendwann über den Jordan gehen…“

Ich war eine gemachte Frau und mein Ruf musste bombastisch sein. Jetzt erhielt ich schon Mordaufträge von meinen Freunden!

„Ich soll sie töten?“, verbot ich mir die aufkeimende Vorfreude, dem Geier die Federn zu rupfen, während mir sehr wohl zu Bewusstsein kam, wie verdorben ich war.

Freude?

Bisher hatte ich nur bei Umbridge Befriedigung gefühlt, als ich sie tötete, alles andere passierte aus widerwilligem, aber ergebenem Zwang heraus, nur jetzt war zum ersten Mal das Gefühl da, es zu wollen, weshalb ich mich selbst züchtigte.

„Vielleicht.“ Ich überhörte seine Aussage und sprach direkt weiter.

„Tja, das ist doch mal ein Gefallen“, amüsierte ich mich im Nachhinein lustlos über seine Forderung, da ich mir diese Freude verbot. Ich zog meine Beine hoch.

Somit saß ich im Schneidersitz auf Binns‘ unbenutztem Schreibtisch, meine Ellenbogen ruhten auf meinen Knien und ich stützte mein Kinn auf meine Hände und musterte meinen unglücklichen Freund vor mir.

„Moment“, hielt ich inne und bemerkte meinen Fehler. „Wie meinst du das? Vielleicht?“, bemerkte ich erst jetzt, dass wir anscheinend aneinander vorbei redeten.

„Ich denke erstmal… ich bin ein großer Junge, ich bekomme das alleine hin!“, sprach auch er über diesen Mord wie über eine Verabredung zum Mittagessen. „Aber sollte ich scheitern…“, schluckte er unwohl und zog die durchtrainierten Schultern hoch.

„Dann soll ich einspringen?“, beendete ich den Satz für ihn und bekämpfte dieses wild pochende Gefühl in meinem Inneren, als er knapp nickte. „Ufff, Lucius und Draco brauchen die Koalition mit den Veela… du willst…“

„Ich habe Zeit… und sollte ich scheitern, erst dann…“, meinte er unnachahmlich wegwerfend.

„Ach, wie nett, willst du mir einen zeitlichen Rahmen setzen?“, ging die Ironie mit mir durch.

„Ich weiß, dass mein Wunsch mit ihren Wünschen kollidiert, aber ich will es!“, meinte er mit Nachdruck.

„Und dafür forderst du den Gefallen von mir?“, fragte ich sprachlos nach und da blickte er zur Seite.

„Wie war die Zeit Zuhause bei dir?“, lenkte ich ab, da es ihm augenscheinlich nicht leicht fiel, mit der Wahrheit herauszurücken.

„Ein Graus…“, zeigte sich, wie erleichtert er war, dass ich eine andere Frage stellte, da sein Kopf hochfuhr und er sofort sprach. „Mutter mag es nicht, zu lange an einem Fleck zu sein. Eigentlich tobt sie in der Wintersaison in New York durch die Salons…“, lag ein verächtlicher Ton in seiner Stimme, der ihn zum Schluss verärgert verstummen ließ.

„Also war die Stimmung mies?“, resümierte ich mit einer unnötigen Frage.

„Oh ja, sie war sauer über meine… Wahl… pfff…“, stieß er verächtlich aus, vor allem da uns bewusst war, dass er keine Wahl gehabt hatte. „Und naja, Wena kriecht ihr in den Hintern“, schüttelte er sich von oben bis unten und zeigte seine Abneigung.

„Und was machst du die ganze Zeit?“, wollte ich betont neutral erfahren.

„Ich trainiere viel“, gab er zu und ich checkte sofort seine Behauptung und es stimmte, ich bemerkte die Veränderungen an seinem Körper. Er war noch sehniger geworden, zeigte kein Gramm Fett und wirkte fit wie nie.

Dabei ließ er meine Musterung mit einem beinah schon als überheblich zu bezeichnenden Lächeln über sich ergehen, bis sich meine Augen plötzlich zu Schlitzen verengten.

„Fickst du sie?“, fragte ich einer Eingebung folgend, als sein stechender Blick zu mir schoss. Er überlegte, ob er ehrlich sein sollte und ich ließ ihn zu keiner Sekunde aus meiner Beobachtung.

_________________
Nach oben Nach unten
 
Kapitel 601-602
Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 1 von 1
 Ähnliche Themen
-
» Ludwig Revolution: Kapitel 15 & 16
» Das letzte Einhorn - Kapitel 09 - 11
» Tsubasa: Kapitel 026 - 030
» Seelen: Kapitel 26 - 28
» Seelen: Kapitel 47 - 49

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
When Hermione Fights :: When Hermione Fights :: Kapitel 601-650-
Gehe zu: