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 Kapitel 615-616

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BeitragThema: Kapitel 615-616   Di Okt 24, 2017 9:23 pm

Hier nochmal ein Blick auf die neuen Cover!

http://www.whenhermionefights.de/buch/


615. Kapitel The black mass

Dracos Sicht

Es war soweit, nachdem Vater und Hermione die Schule gut unterhalten hatten und beim Abendessen kein anderes Thema als ihre Show beredet wurde, trat der erste Teil unseres Plans in Aktion.

Astoria hatte auf die Schnelle eine einfallsreiche Strafe mit Hilfe der Twins erarbeitet und wir waren so frei, die Getränke am Slytherintisch mit dem Trank zu versetzen. Die Mitglieder der DA und BL aus Slytherin waren eingeweiht, aber sonst keiner und so hielten wir uns dezent zurück. Als wir später alle zusammen in den Gemeinschaftsraum gingen, konnten wir beobachten, wie die abtrünnigen Slytherins nacheinander eilig ins Bett strebten. Höchste Zeit, unseren Plan umzusetzen.

Nach kurzer Zeit schlummerte der Großteil Slytherins friedlich in seinen Betten, zumindest noch. Nun wurde mal wieder deutlich, dass die DA und BL tatsächlich nur aus 15 Slytherins bestand und wenn ich Blaise, Astoria, Pansy, Greg, Theo, Vincent, und Tracey Davis abzog, die wichtigere Rollen in meinem Kreis übernahmen, kamen wir nur noch auf acht Mitglieder. Dabei waren die Slytherins nur bis zur fünften Klasse in der DA vertreten. In der Vierten hatten wir keine Anhänger mehr gesucht, aber nun mussten wir uns endlich aktiv um die Jüngeren kümmern. Die Zeit war mir durch die Finger geronnen. Es war wahrlich nicht leicht, all meinen Aufgaben nachzukommen.

Dort Irland, was inzwischen ein enormes Imperium war, das es zu führen galt, denn selbst mit Marcus‘ Hilfe hatte ich damit viel Arbeit am Hals. Dann dass ich ein DeathEater des Lords war, von der Schule und Vater gar nicht zu reden. Hermione spielte auch eine Rolle. Ich wusste genau, wie sie sich fühlen musste; zerrissen von all ihren Aufgaben und zerrieben an allen Fronten.

„Wann geht es los?“, ließ sich Tracy neben mir auf das Ledersofa plumpsen. Seitdem sie Pansy als Vertrauensschülerin beerbt hatte, war sie wesentlich integrierter in meinen Kreis.

„Mitternacht“, meinte Blaise gutmütig zu ihr hin und lehnte sich seufzend zurück. „Astoria, denkst du wirklich, dass die Twins das im Griff haben?“, fragte er besorgt und sie ließ sich auf seiner Lehne nieder, weswegen ich sachte eine Augenbraue hochzog.

„Keinen Dunst… ich hoffe es“, meinte sie wegwerfend und zerrte an ihrem Haar, das sie sich geschickt zu einem Pferdeschwanz zusammenband.

„Du hast nicht erlebt, was wir gesehen haben“, mahnte er leise, als er an Pansys Vater dachte und selbst mir lief eine unwohle Gänsehaut über den Rücken.

„Diese kleinen Zicken haben es nicht anders verdient“, knurrte Greg wütend und ich seufzte selbst und unterdrückte die Zweifel, strich mir die Fransen aus der Stirn und wartete und das Warten zog sich für uns fünfzehn Personen durchaus in die Länge.

Die Fünftklässler, Adelaide Murton, Darius Berrow, Byron Miller, Garrick Newbourne und Jim Blishwick begannen, einzuschlafen, hingegen spielten die Sechstklässler, Loyle Pritchard, Jake Farley und Kris Harper, Zauberschach. Wir anderen schwiegen und warteten, bis ich auf die Uhr sah und befand, dass nun genügend Zeit vergangen war.

„Richtet euch langsam her, wir müssen fertig sein, wenn sie kommen“, murmelte ich müde und verfolgte, wie sie begannen, sich und den Raum für unsere Zwecke zu präparieren, dabei wusste jeder sehr genau, was er zu tun hatte.

Bald würde es losgehen, aber im Moment trafen Tracey, Vincent, Greg und Theo noch die letzten Vorbereitungen. Sie erschufen in allen Schlafsälen der schlafenden Schüler einen dicken, wabernden, unheimlichen Nebel und verschlossen die Türen der Zimmer und vor allem die von Sally-Anne. Sie würden wir erst herauslassen, wenn alle anderen ihren Weg zu uns gefunden hatten. Unterdessen erschuf ich mit den anderen BL- und DA-Mitgliedern eine unwirklich gruselige Atmosphäre im Gemeinschaftsraum.

„Denkst du, es läuft was schief?“, fragte Greg vorsichtig, als wir eine halbe Stunde nach der gesetzten mitternächtlichen Stunde noch immer nichts vernahmen und ich schloss die Augen, nachdem ich mit einem schweifenden Blick die beinah beendeten Vorbereitungen überprüft hatte und mir unwohl eingestand, dass das alles sehr authentisch wirkte. Unschlüssig zog ich die Schultern hoch, woher sollte ich schließlich wissen, wie lange es dauerte, bis man aus einem Albtraum erwachte?

Wir hatten unsere Schulumhänge modifiziert und so wirkten sie nun länger und schwerer und hatten große Kapuzen, die wir uns ins Gesicht zogen. Außerdem hatten wir uns Masken gezaubert, die denen der DeathEater zum Verwechseln ähnelten, wobei meine echt war.

Wir verteilten uns im Raum. Gerade erscholl der erste erstickte Schrei aus dem ersten Stock und das war für uns der Startschuss. Jeder begab sich an seinen Platz und war bereit. Die Schüler oben erlebten gerade einen höllischen Albtraum, der durch die Umgebung, in der sie aufwachten, noch verstärkt wurde und jeden geradezu dazu trieb, wegzurennen. Denn die furchtbaren Bilder würden sie erst hier unten loswerden, wo sie jedoch von einem neuen Horror empfangen werden würden. Der Gemeinschaftsraum war erfüllt von dichtem, wabernden Nebel, der einem kalt bis unter die Kleidung kroch, gleichzeitig zischelte es von überall her, als würden sich Schlangen im Nebel verbergen und auf Opfer warten. Dazu war das Licht gedämpft und dämmrig gezaubert worden und der Raum wurde nur diffus, von unten, durch den Nebel erleuchtet.

Aber geistig war ich oben in den Schlafsälen, denn ich sah, was sie sahen. Die Twins und Astoria hatten meine Erinnerung von einem einschneidenden Ereignis haben wollen und ich hatte Kingswear gewählt und ich erinnerte mich:

Es begann damit, dass wir in der sehr alten, mittelalterlichen und vor allem magischen Stadt angekommen waren. Ich sah alles wieder vor mir, diese typische, englische Hafenstadt mit kleinen, beengten Häusern, die einen Berg hinauf drängten. Auf der anderen Seite die verfallene Festungsanlage von Kingswear und am gegenüberliegenden Ufer das beherrschende und gut erhaltende Dartmouth Castle.

Es war eine Nacht wie jede andere gewesen, bis wir gekommen waren! Ich erinnerte mich und erlebte alles nochmal. Ich konnte Hermione sehen, wie sie mit ihren Leuten von der anderen Seite auf mich zugekommen war. Wir waren von Schatten zu Schatten gehuscht, bis die Kirchenuhr das Zeichen zum Angriff gegeben und wir alle unsere Zauber abgeschossen hatten. Vor uns waren ohrenbetäubend Fenster geborsten, Wände und Dächer und alles lichterloh in Flammen aufgegangen, untermalt von den bedeutungsschweren Klängen des Läutens der Kirchturmglocken. Die Bewohner waren orientierungslos und panisch auf die Straßen gerannt und die verzweifelten, erschrockenen und panischen Schreie der Menschen hatten lautstark durch die finstere Nacht gehallt. Ich würde nie die grässlichen, verzerrten Grimassen und hässlichen Fratzen dieser unschuldigen Menschen im Schmerz und Tod vergessen. Menschen waren durch Zauber wie Puppen in die Luft geschleudert worden, um dann mit einem ekelerregenden Klatschen ungebremst rasant auf der Erde aufzukommen. Die dröhnende Kakophonie der Vernichtung, das ohrenbetäubende Kreischen und Brüllen der Fliehenden und das raue Lachen der Jäger hatte sich zu einer unbeschreiblich unheimlichen Begleitmusik vermischt, die auch die Schlafenden nun vernahmen. Das alles war von den einschlagenden Flüchen, Zaubern und den Explosionen geräuschvoll untermalt worden. Ich erinnerte mich an einen brennenden Mann, der sich schrill kreischend auf den Boden geworfen und versucht hatte, sich durch Herumwälzen zu löschen und von dem nichts weiter geblieben war als ein roher, verkohlter und dampfender Fleischkloß. Und ich dachte daran, wie sich Greyback einer Frau in einem kurzen Nachthemd genähert hatte. Sein Jaulen, als er sein Maul weit aufgerissen und seine raubtierhaften Augen aufgeblitzt hatten. Wie er das Mädchen mit der Pranke erwischt und sie niedergedrückt hatte. Ihr schriller Schrei, als er seine Krallen tief in ihr Fleisch gerammt hatte, würde mir unvergessen bleiben und auch, wie er ihr mit einer unglaublichen Leichtigkeit den Brustkorb aufgerissen und ihr das noch schlagende Herz herausgerissen hatte, um es dann mit einem genüsslichen Brummen zu verzehren.

Es war ein unvorstellbarer Horror und meine Erinnerungen endeten, nicht weil ich in dieser besonderen Nacht in Kingswear nichts weiter erlebt hätte, sondern weil anscheinend auch die Gestraften aus ihren Betten fuhren, nachdem ihr Albtraum, der meine albtraumhafte Erinnerung widerspiegelte, endete.

Eilig fuhr ich aus meinem Sessel und sofort verschwand dieser und ich verbarg mein zufriedenes Grinsen hinter meiner DeathEatermaske. Gespannt lauschten wir, wie immer mehr erstickte Schreie zu hören waren und das erste, hektische Getrampel. Nun stürzten die ersten Delinquenten wie von Teufeln gehetzt die Treppe herunter und je nachdem, wer herunter kam, wurden sie von Pansy und Theo empfangen, welche die Jüngsten in Empfang nahmen und sie an den Rand des Saales brachten, wo sie verstört, aber aus sicherer Entfernung das weitere Geschehen beobachten konnten. Wir wollten auch ihnen zeigen, in was für einer Welt sie lebten, aber sie zu Tode zu erschrecken war nicht unser Ziel. Den Älteren erging es dagegen schon weniger glimpflich, während wir nun hören konnten, dass im verschlossenen Saal von Sally-Anne wie wild an die Tür gehämmert und geschrien wurde.

Gedämpftes „Lasst uns raus!“ drang zu uns.

„Es geht los“, murmelte Blaise angespannt.

„Denkst du, es läuft?“, wisperte Astoria nervös zu mir und ich sah zu ihr, dabei konnte ich aufgrund der Maske nur ihre Augen ausmachen und blickte tief in sie hinein.

„Es wird eine einmalige, wenngleich auch sehr schmerzhafte, Erfahrung“, wurde ich nach diesen Worten unterbrochen.

Über den Nebel hinweg gab ich Vincent das Zeichen, magisch die Tür zu den bisher noch geschlossenen Schlafsälen zu öffnen, und sofort hörten wir es poltern und schnelle, hektische Schritte die Treppen herabsausen. Indes stolperten die älteren Mitschüler in ihren Schlafanzügen und Nachthemden mit wirren Haaren und verängstigen Mienen in den Gemeinschaftsraum. Sie wurden von Greg, Vincent und Tracey am Ende der Treppe empfangen, fest gepackt und ohne Mitleid in die Runde der sie erwartenden DeathEater geschubst.

Es wurde eine große Menge, was mir wieder in Erinnerung rief, wie viele wir auf unseren Wegen vergessen hatten, trotz derer die sich mit ihren Familien in Irland befanden, gab es doch noch immer genug andere, die Mitläufer, die nicht flohen, die nicht Schutz suchten. Sie versuchten, unauffällig zu sein, oder sahen ihre Chance und versuchten, auf den fahrenden Zug aufzuspringen.

Da wir wie DeathEater gekleidet waren, waren die Schreie markerschütternd, als sie nach dem gelebten Albtraum aus dem Schlaf fuhren und sich auch in der Wirklichkeit damit konfrontiert sahen, weil wir sie einkesselten. Ohne ihnen eine Pause zu gewähren, prasselten die unterschiedlichsten Sinneseindrücke auf sie ein. Dann entließen wir sie nach und nach aus der Mitte und sie suchten an den Rändern des Raumes Schutz.

Die renitentesten Mädels um Sally-Anne, die sich bar jeglichen Respekts mit Astoria angelegt und mit ihrem Streit Slytherin bloßgestellt hatten, taumelten jedoch weiter durch unseren Kreis. Sie mussten erdulden, hin und her durch den Raum geschubst zu werden und dass der ein oder andere Fluch zu ihren Füßen einschlug, bis sie wie gehetzte Hasen atemlos herumsprangen.

Wir ließen ihnen keine Zeit, sich zu besinnen, zogen den Kreis langsam, aber sicher immer enger. Die „DeathEater“ schubsten sie unnachgiebig hin und her, während ich unentwegt zauberte und Illusionen entstehen ließen, in die unsere Delinquenten hineinstolperten, die sie gezielt trafen und vor ihrem inneren Auge wie als wäre es die Realität abliefen. Sie waren wieder in Schrecken gefangen und mussten erleben, wie Frauen bei den DeathEatern behandelt wurden. Immer wieder taumelten sie in Szenen des Gewölbes. Für die anderen Slytherins war nur die unglaubliche Panik und Angst der Bestraften in ihren Blicken und Mienen zu erkennen und ihre mehr als panischen und hysterisch anmutenden Schreie, als ich ihnen wirklich bildlich die bodenlosen Grausamkeiten des Gewölbes vorführte. Aber für Sally-Anne und ihre Freundinnen war es klar sichtbare, höllische Realität. Schreiend und heulend taumelten sie durch den Nebel und die düsteren Visionen.

„Was soll das?“, „Was geht hier vor?“, „Wo sind wir?“, „Bitte, wir haben nichts getan!“, „Ja, lasst uns gehen!“, „Wir sind noch Kinder!“, „Hilfe!“, erregten sich die Gemüter.

Schon nach kurzer Zeit brach die Erste heulend wie ein Häuflein Elend zusammen. Wir ließen sie zwischen den anderen sitzen und trieben das Spiel auf die Spitze, bis auch die Letzte der Tortur nachgab und zusammenbrach.

Erst dann beendeten wir den bisherigen Reigen und kamen zum Höhepunkt, als bereits ein ohrenbetäubendes Schreien einsetzte. Einer von uns hatte seine Kutte abgeworfen und hatte nun seinen großen Auftritt.

Lord Voldemort trat hinein zu unseren am Boden kauernden Opfern, die ihn entsetzt ansahen, und ja, wir hatten ihn gut hinbekommen, aber eine Schönheit war er wahrlich nicht mehr.

„Ahhh.“, „Was?“, „Wie?“, kreischten die Anwesenden verängstigt.

„Das da“, trat ich in meiner Montur vor und deutete auf den blassen, kahlköpfigen, nasenlosen und rotäugigen Lord, „ist der Dark Lord“, stellte ich ihn vor und da ihn die wenigstens von Angesicht zu Angesicht kannten, waren die Reaktionen nicht zu überbieten.

Abscheu, Ekel und den Willen zur Flucht konnte ich in den panischen Gesichtern meiner Kameraden ausmachen.

„Ja, das da ist der Dark Lord und das, was ihr gesehen habt, war kein Albtraum, das war Kingswear. Das war eine Erinnerung! Das ist wahrhaft und wirklich passiert…“ Plötzlich baute sich neben mir eine Person auf..

„Und das, was ihr gesehen habt, ist das Gewölbe, die Bezahlung für danach“, donnerte Astoria mit magisch verzerrter Stimme. „Alle eure Verwandten und Bekannten, die dem Dark Lord dienen, tun dort das, was ihr hier seht. Alle, ohne Ausnahme… seid euch dessen gewiss.“

„Der Wille, dazuzugehören, hat zwei Seiten. Es zu wollen und es zu haben sind zwei völlig verschiedene Dinge, beziehungsweise es am eigenen Leibe zu erleben, oder es nur zu hören. Ihr könnt all das nach eurem Schulabschluss haben, wenn ihr es wollt. Der Lord freut sich über jeden neuen Anhänger… aber wenn ihr es macht, gibt es kein Zurück…“, sprach ich drohend und dachte ganz flüchtig an Marietta Edgecombe, die nur dank McLaggen und meinem Vater als eine der wenigen einen Rückzieher hatte machen können.

Langsam schritt unser Voldemort durch die Reihen und alle zuckten vor seiner Person zurück und er schien das schrecklich zu genießen. Blaise konnte furchtbar sein.

„Nun zur begeistertsten Anhängerin des Lords, Sally-Anne: auf die Knie“, raunte ich. Magisch legten sich Fesseln um die Handgelenke unserer Delinquentin und ich schwang meinen Zauberstab, sorgte für etwas mehr Licht, denn was nun kommen würde, sollten alle genau beobachten können. Unsere Jüngsten drückten sich noch immer verängstigt in die Ecken des Raumes, der ein oder andere weinte leise oder schluchzte bibbernd vor sich hin, aber darum würden sich die DA-Mitglieder kümmern. Die Älteren wirkten zum Teil erschüttert oder verschreckt, hatten bleiche Gesichter und versuchten, die Situation zu begreifen, aber sie waren trotz der raueren Behandlung nicht ganz so aufgelöst wie unsere Jüngsten.

„Seht her!“, donnerte ich laut und magisch verstärkt, als es allmählich heller im Raum wurde.

Viele zuckten erschrocken zusammen, während sie noch dabei waren, sich an das helle Licht zu gewöhnen. Auch jetzt wirkte die Szenerie noch gespenstig. Fortwährend klang das Zischen von allzu vielen Schlangen an unsere Ohren. Der Nebel waberte weiter giftig grün erleuchtet umher und nun waren die aus ihm aufragenden, falschen DeathEater noch deutlicher mit ihren Masken zu erkennen. Langsam setzten diese sich nun in Bewegung, schritten einer Prozession gleich hintereinander auf Blaise, Astoria und mich zu und versammelten sich hinter uns.

Sally-Anne krümmte sich derweil gefesselt im Nebel, bis ich nun meinen Zauberstab erhob und sie mit einem knappen Wisch zu mir zog. Ich hatte kurz überlegt, dafür den Imperio zu verwenden, schließlich würde ein DeathEater dies auch tun, hatte dann jedoch beschlossen, dass es effektiver war, sie herzuziehen. Sie müsste sich erheben und laufen, sonst würde sie der Zauber, wie an einem Seil an einer Winde gleich, erbarmungslos über den Boden ziehen. Sally-Anne zischte schmerzlich auf, als sie so über den Boden geschleift wurde, da sie es nicht geschafft hatte, aufzustehen. Schließlich kam sie mehr oder weniger kriechend und stolpernd zu meinen Füßen an.

„Auf die Knie!“, donnerte ich erneut laut und dröhnend, sodass wieder einige erschrocken zusammenzuckten.

Sally-Anne tat sich damit schwer, dies in ihrem gefesselten Zustand zu bewerkstelligen, was mir jedoch nur recht war. Ein knappes Nicken an Blaise und Astoria genügte und sie eilten hinter unsere anderen Delinquentinnen, die geschockt zusahen und jetzt ängstlich auf die Knie sackten.

Die Letzte, die noch immer mit vor Schrecken geweiteten Augen stand und keine Anstalten machte, auf die Knie zu gehen, bekam derweil von Greg einen gezielten Tritt in die Kniekehlen. Ihr sackten die Beine schmerzlich weg und mit einem spitzen Aufschrei fiel sie ungebremst zu Boden. Gepeinigt und unglücklich schrie sie auf, doch darauf hatte ich keine Lust, weswegen ich ohne Zögern einen Schweigezauber über sie legte. Schließlich kniete Sally-Anne vor uns und Astoria und Blaise gesellten sich wieder zu mir.

„Ihr wisst alle, was diesen hier zur Last gelegt wird. Sie haben Dinge, die nur uns betreffen, hinaus getragen, sie haben Slytherin blamiert, aber allem voran haben sie es gewagt, daran zu zweifeln, dass ich immer das Beste für euch und mein Haus will“, legte ich eine Kunstpause ein und zog mir die Maske vom Gesicht.

„Anscheinend vergessen einige von euch, wem eure ungebrochene Loyalität gehört! Und zwar nicht nur mir, sondern auch meinen Stellvertretern!“, forderte ich entschieden und besah mir die Meute. „Blaise und Astoria“, deutete ich hinter mich und mit einem Finite beendete Blaise seine Scharade und Astoria warf die Maske auf den Boden.

„Euch allen wurde gerade vor Augen geführt, was euch dort draußen erwartet, wenn ihr erwägt… diesen Weg zu gehen. Er steht euch offen, ich werde niemanden daran hindern, dem Lord zu dienen, der es wünscht, ich selbst tue es, aber es sollte wohl überlegt sein. Dies hier ist ein Krieg, bei dem junge Zauberer wie ihr zum wehrlosen Kanonenfutter werden… aber das betrifft das Danach… heute geht es uns um das Haus Slytherin!“, blieb ich absichtlich vage in meiner Ansprache, denn unter den Slytherins waren viele Kinder von DeathEatern und zu offen zu bekunden, dass ich gegen sie warb, ihnen Leute abwarb, hatte ich immer vermieden.

„Slytherin war immer eine Einheit in Hogwarts! Nie darf etwas, was uns betrifft, nach außen dringen. Das Haus geht vor jedermanns kleinlichen Streitigkeiten. Jeder, der dies in unseren unsicheren Zeiten vergisst, wird die volle Härte meiner Strafen erfahren!“ Ich ließ meine Worte ein paar Sekunden wirken. „Jedoch…“, legte ich eine gewichtige Pause ein, „… sollte es meiner zukünftigen Nachfolgerin obliegen, die Bestrafung vorzunehmen. Bitte, sei so gut“, trat ich einen Schritt zurück und nickte ihr mit entschlossenem, kaltem Blick zu, was sie genauso erwiderte.

Schleichend langsam, geschmeidig, fast schon der Raubkatze gleich, die ihre Animagusgestalt war, umrundete sie die vor Anspannung, Angst und sicher auch Schmerzen zitternden Schülerinnen. Zweimal schritt sie an ihnen vorbei und die Anspannung im Raum stieg merklich von Sekunde zu Sekunde, die sich immer mehr in die Länge zu ziehen schienen. Ich hatte das Gefühl, dass der ein oder andere vor Spannung die Luft anhielt. Schließlich blieb Astoria hinter einem der Mädchen stehen. Kurz hob sie ihren Kopf und tauschte einen entschlossenen Blick mit mir, dann griff sie blitzschnell zu und fasste grob in das zerwühlte Haar. Erschrocken und gepeinigt jaulte diese auf, während Astoria ihren Kopf nach hinten riss.

„Siehst du dein Fehlverhalten ein?“, fragte Astoria erstaunlich fest und mit mehr Autorität als ich gedacht hätte.

„Aua…“, jammerte das Mädchen, das eine Jahrgangsstufe unter Astoria war, doch Astoria zog nur noch fester.

„Sag es!“, donnerte sie nochmal und unterstrich dies, indem sie noch mehr an ihren Haaren zerrte.

„Ich habe… dich angegriffen…“, begann sie jammernd und schluchzend.

„Weiter“, forderte Astoria hart und tobte sich weiterhin an deren Haaren aus.

„Au… au…“, jammerte die Schülerin und fuhr dann unter Schluchzen fort: „Ich habe dir und Draco nicht gehorcht. Ich habe… Sch… Schande über Slytherin gebracht!“

Als sie die Worte hinter sich gebracht hatte, begann sie endgültig jämmerlich Rotz und Wasser zu heulen. Lächerlich, sie würde in den Kreisen, in die sie sich wünschte, untergehen. Die DeathEater würden sie mit Haut und Haaren zerreißen und das nach wenigen Stunden. Schon jemand wie Hermione oder ich hatten damit zu hadern, aber jemand wie sie, die nicht einmal einen Albtraum und ein bisschen Geschubse in gruseliger Umgebung ertrug... wie lächerlich.

„Brav“, entließ Astoria den Haarschopf der Heulsuse aus ihrer Hand und strich ihr abfällig, wie einem Kleinkind, über den Kopf. Bei der Berührung zuckte die Gestrafte wie geschlagen zusammen. Astoria trat nun hinter ihnen weg, umrundete sie erneut und blieb schließlich vor den Mädels stehen.

„Und nun schön brav alle zusammen… gesteht euer Fehlverhalten!“, begann sie wie eine Lehrerin und stellte sich mit verschränkten Armen vor den Knienden auf und blickte auf sie hinab. Ich löste den Schweigezauber von der Schreierin, damit sie gehorchen konnte.

„Ich habe…“, begannen sie leise und verheult.

„Lauter, alle sollen es hören!“, donnerte Astoria scharf.

„Ich habe Slytherin blamiert und mich unseren Anführern widersetzt!“, schafften sie es dann, holprig aber lauter zu erklären und Astoria nickte zufrieden.

„Gut, kommen wir zu eurer Strafe! Zauberstäbe!“, wandte sie sich mit ausgestreckter Hand zu Pansy, welche die Stäbe der Älteren aus ihrem Schlafsaal geholt hatte.

Unterdessen löste ich die magischen Fesseln. Klackernd fielen die Stäbe den Mädels vor die Knie, auf den kalten, steinernen Boden, als Astoria sie ihnen geringschätzig hinwarf. Sally-Anne grabschte geradezu gierig nach ihrem Stab, während die anderen verhalten reagierten und kurz verängstigt zu mir und Astoria aufblickten.

„Ihr sprecht mir jetzt nach!“, trat Astoria auf Sally-Anne zu und behielt speziell sie hart im Blick, sodass diese nun doch wieder den Blick senkte. Mir gefiel äußerst gut, wie Astoria diese Situation meisterte. Ihr Auftreten war ihrer Position wirklich würdig.

„Ich schwöre bei meiner Magie, dass ich mich nie wieder gegen mein Haus stelle und meine Loyalität dem Oberhaupt des Hauses Slytherin gilt!“, betete sie ihnen vor und bei diesen Worten ruckten die Köpfe der Delinquentinnen hoch und sie sahen Astoria geschockt mit großen Augen an, doch als sie ihren und meinen Blick und unsere unnachgiebige Haltung sahen, gaben sie nach. Leise, aber deutlich wiederholten sie, im Schwur auf ihren Zauberstab, Astorias Worte und ein Leuchten besiegelte ihren Schwur. Danach wirkte es, als würden die Gestraften erleichtert aufatmen, doch Astoria nahm ihnen die Illusion, so einfach davonzukommen, sehr schnell.

„Sehr schön, kommen wir nun zur eigentlichen Strafe!“, fuhr Astoria fort und ihr teuflischer Blick machte durchaus den Twins Konkurrenz.

„Aber…“, war Sally-Anne doch wirklich so blöde, aufmucken zu wollen.

„Sei still, Perks“, herrschte Astoria sie an und zum ersten Mal, seit die Strafe begonnen hatte, blitzte durch, dass Astoria mit Sally-Anne auch eine persönliche Rechnung zu begleichen hatte, denn sie trat ihr blitzschnell, gezielt und mit kalter Wut und viel Wucht vors Knie, auf dem sie am Boden kniete. Gepeinigt jaulte Sally-Anne auf, krümmte sich und griff sich ans getroffene Knie.

„Du hast noch nicht begriffen, wo dein Platz ist!“, erklärte Astoria herablassend und ich warf einen Blick zu Blaise, der süffisant lächelte.

„Dort auf den Boden, kriechend, genau dort gehörst du ihn“, höhnte sie fast schon und der kleine, rachsüchtige Wildfang brach durch, der mit wachsender Begeisterung mit den Twins zusammen arbeitete.

„Aua…“, jammerte Sally-Anne unterdessen weiter und ich konnte nur denken, es geschah ihr recht, wenn man bedachte, wie sie versucht hatte, gegen uns zu rebellieren. Mein beinahe stattgefundener Fehltritt mit ihr entschuldigte ihr Verhalten jedenfalls kein Stück.

„Aber zuerst zu euch“, wandte sie sich an die anderen und überließ Sally-Anne ihrem Gejammer. Ihnen stand der Schock des Erlebten noch immer ins Gesicht geschrieben und genauso sollte es sein.

„Ihr seid Mitläufer, aber dass ihr dann einen Kampf beginnt und willentlich andere Schüler in Gefahr bringt ist inakzeptabel. Egal was die Carrows sagen, ihnen nicht nur Schüler anderer Häuser, sondern auch Slytherins auszuliefern, ist eine Schande für unser Haus. Slytherin stand nie für Feigheit oder Dummheit. Ihr werdet ab nun daher die beschützen, die es nicht selber können. Bis zum Ende des Schuljahres obliegt euch die Sicherheit der Jüngsten, der Erst- und Zweitklässler“, machte sie hier eine Kunstpause und fuhr nach einem Blick in die Runde der versammelten Slytherins fort: „Aus Ravenclaw und Hufflepuff!“

Zischend stießen einige bei dieser unerwarteten Aufgabe und Wendung die Luft aus und leises Gemurmel entstand.

„Ruhe!“, donnerte ich jedoch zugleich, während Astoria sich durch meine Unterbrechung nicht beirren ließ. „Und wehe, ihr nehmt diesen Auftrag nicht ernst“, mahnte Astoria und ich funkelte die Übeltäterinnen finster an.

„Kommen wir wieder zu dir, Perks“, ging Astoria langsam, katzengleich auf sie zu und packte ihr wieder grob ins Haar, um sie zu zwingen, sie anzusehen. Sie riss ihren Kopf hoch und hielt sie unbarmherzig fest.

„Wahh…“, jammerte diese schon wieder und ich konnte nur daran denken, dass jeder aus der Connection sich eher auf die Zunge beißen würde, als sich der Peinlichkeit hinzugeben, so schwach zu wirken. Ganz zu schweigen von Hermione, die alles ohne einen Ton von sich zu geben ertragen hätte.

Ich erkannte jedoch auch deutlich die Unterschiede zwischen Hermione und Astoria. Astoria war sich, gerade bei Sally-Anne, nicht zu schade, zu strafen, aber sie war nicht der Typ für einen brutalen Cruciatus, sondern zielte eher auf eine seelische und soziale Strafe ab, die jedoch völlig dem Vergehen angemessen sein würde. Ich konnte auch deutlich erkennen, dass ihr Hang zu körperlicher Gewalt Sally-Anne gegenüber nicht nur dem Vorfall mit den Gryffindors geschuldet war, sondern dass sie Sally-Anne auch persönlich verabscheute, weil sie sich in ihr Territorium gewagt hatte. Astoria war ein rachsüchtiger, kleiner Wirbelwind.

„Für dich habe ich etwas Besonderes. Dir obliegt es von nun an, auf die Sicherheit der gesamten Gryffindors zu achten“, ließ sie die fiese Aussage sacken und schubste das starre Mädchen geradezu von sich weg, als sie dieses los ließ.

Mit einer Kunstpause drehte sich Astoria weg von der Menge, mir zu und ich konnte deutlich das diabolische Funkeln in ihren Augen erkennen.

„Ach ja, solltet ihr versagen, wird das, was euren Schützlingen blüht, auch euch blühen… ach… und Perks, bei dir gilt es bei allen vier Häusern, also strengt euch auch für Sally-Anne an“, blickte sie herausfordernd und fast schon triumphierend zu mir und ich nickte nur sachte und überaus zufrieden. Wir hatten die Strafe nicht abgesprochen. Ich hatte ihr bei ihrer Feuertaufe zeigen wollen, dass ich ihrem Urteil vertraute und sie enttäuschte mich nicht. Mit dieser Strafe packte sie zwei Drachen zugleich am Schwanz.

Die Gestraften waren beschäftigt und wir schützten die Schwachen, was immer dringender nötig wurde. Mir gefiel die Idee, sollte zum Beispiel ein Erstklässler aus Hufflepuff einen Eiterbeulenfluch abkriegen, würden dieser Fluch allen Slytherins, die das Opfer hätten schützen müssen, inklusive Sally-Anne, ebenfalls zuteilwerden.

„Solltest du versuchen, zu den Carrows zu gehen, zu deinen Eltern oder irgendwem und du petzt, dann wirst du hier nicht mehr glücklich werden, denn ich werde dir sagen, was dir dann blüht… denn du bist lächerlich naiv, wenn du denkst, dass es zu diesen Strafen hier keine Steigerung gibt!“, leckte sie sich vorfreudig über die Lippen. „Geht ein Slytherin fehl, regelt das Slytherin und niemals stellen wir uns gegen unseren Anführer. Du wirst dies jetzt auf ewig lernen, Slytherin wird dich bestrafen, daher bist du für den Rest des Jahres zu meiden. Niemand wird mit dir sprechen, niemand wird dich ansehen, beachten oder auch nur wahrnehmen. Du bist ab heute ausgestoßen. Mit einem Slytherin zu reden ist dir nur gestattet, wenn wir dich rufen und dir eine Frage stellen und das würde auch nach der Schule weiter gelten, sei dir dessen gegenwärtig, wenn du dich nicht geläutert zeigst!“, verkündete Astoria den drakonischsten Teil ihrer Strafe, der ab nun wie ein Damoklesschwert über Sally-Anne schweben würde. „Oh… und bevor ich es vergesse, sollte jemand diese Isolation untergraben, der weiß, was ihm blüht!“, servierte sie gehässig. Mir gefiel diese mehrteilige Strafe, denn sie bedachte jeden Teil ihres Vergehens. Ein entsetztes und erstauntes Raunen ging durch die Reihen und ich trat neben Astoria und erhob nur mahnend die Hand, wodurch die Slytherins verstummten.

„So sei es!“, verkündete ich huldvoll, nickte Astoria dankend zu und ließ meinen Blick über die Slytherins gleiten, die zum Teil betreten nickten.

„In Ordnung, also überlegt euch gut, ob ihr es euch leisten könnt, meine Stellung in Frage zu stellen! Nun macht euch für den Schultag fertig. Ich erwarte jeden von euch pünktlich in der Großen Halle und wagt es nicht, aufgrund dieser kleinen Lehrstunde zu fehlen! Albträume sind keine Entschuldigung!“ mahnte ich noch einmal abschließend und beendete damit die Versammlung.

Ich bedeutete den Knienden, dass sie nun entlassen waren. Langsam und umständlich erhoben sie sich, während Sally-Anne völlig zusammensackte und nun nur noch wie ein Häuflein Elend am Boden saß. Auch wenn ich Astoria freie Hand gegeben und ihre Strafen besiegelt hatte, so war ich anfangs selbst darüber erstaunt gewesen, wie lasch die Strafen an sich waren. Aber wenn man bedachte, dass diese Schüler wohlbehalten im Schloss lebten und die grausame Realität vor den sie schützenden Toren nicht kannten, war es fast schön, dass so geringe Strafen reichten.

Es war noch mehr als genug Zeit bis zum Morgen, sodass sich alle sammeln konnten, aber Ausfälle aufgrund der nächtlichen Lektion würde ich bestrafen. Ich hatte versucht, im letzten Jahr in Slytherin eine ähnlich verschworene Gemeinschaft zu schaffen wie ich sie in Irland hatte. Dies war zu meinem Leidwesen nur in Teilen gelungen und somit würde ich nun doch wieder hart durchgreifen, denn so mancher schien nur unter Druck, Angst und Schmerz zu folgen und nicht, weil ich ihm Schutz bot. Tragisch und ich frustrierend, diese Dummheit meiner Mitschüler.

Langsam kämpfte sich Perks Freundin neben ihr hoch und trat dann einen wackeligen Schritt auf die sich nicht rührende, nur zitternd schluchzende Perks zu und wollte ihren Arm ergreifen, um ihr aufzuhelfen.

„Hmhm“, räusperte ich mich deutlich vernehmlich und sie fuhr erschrocken zu mir herum und sah mir geschockt entgegen. Langsam schüttelte ich den Kopf und blickte sie ernst an.

„Oh…tut mir leid“, entwich es ihr schwach und sie nickte leicht. Sie hatte ihrer Freundin helfen wollen, aber das würde die einzige Ausnahme sein, die ich dulden würde.

„Vergiss es nie wieder“, mahnte ich hart, dann ließ ich die Bestraften hinter mir.

Jetzt saßen wir in der Großen Halle und ich konnte die blassen Gesichter meiner Mitschüler begutachten. Die nächtliche Aktion schien sie wirklich mitgenommen zu haben.

„War ich nicht ein fantastischer Dark Lord?“, unterbrach Blaise begeistert das leise Gemurmel an unserem Tisch.

Er schien es genossen zu haben, Angst und Schrecken zu verbreiten, denn er strahlte mich so freudig an wie schon lange nicht mehr. Unterdessen kramte er in der großen Tüte mit Süßigkeiten, die er von der BL zu seinem Ehrentag erhalten hatte. Wir anderen begannen derweil mit dem Frühstück, aber Blaise schien heute nach Süßem zum Frühstück zu sein.

„Übertreib es nicht“, verbiss ich mir das Lachen, das mir über die Lippen kommen wollte.

„Was? Ich war gut!“, beschwerte sich der geborene Casanova inbrünstig und grinste schelmisch.

„Du hast ihn noch nie live erlebt, da kannst du noch einiges lernen“, versuchte ich, ihn auf dem Boden der Tatsachen zu halten, da mich seine Freude daran den Lord zu mimen, beunruhigte.

„Ich war gut“, meinte er sehr von sich selbst überzeugt und ich seufzte wegen seiner Arroganz.

„Ja, du warst gut.“

„Verdammt! Ich wusste es, ich habe Potential!“, stieß er erfreut aus und klatschte in die Hände. Ich war wahrhaftig nur von Verrückten umgeben, wenn er sich daran erfreuen konnte, einen Dark Lord zu imitieren und für sich selbst darin Potential sah. Ich begann zu lachen und konnte nicht mehr aufhören.

Schließlich widmete sich Blaise endlich doch dem Frühstück und Astoria kramte kurz in ihrer Tasche und blickte über den Tisch zu Blaise.

„Hier, fang!“, überrumpelte sie Blaise und warf ein buntes Päckchen über den Tisch, das Blaise gerade noch so aus der Luft fischen konnte und dabei auf der Bank schwer ins Straucheln kam.

„Ein Geschenk? Wow… danke…“, spiegelte sich Blaises Gefühlslage in seiner Stimme wider und auch mich überraschte es doch sehr, dass sie ihm etwas schenkte, so sauer wie sie noch auf ihn war, doch die Art, so gespielt gleichgültig wie sie es tat, passte total zu ihr.

„Willst du ihn immer noch zurück?“, beugte ich mich fragend zu Astoria rüber und wisperte ihr ins Ohr, während sie Blaise auffordernd anblickte.

„Hmpf…“, zuckte sie nur mit den Schultern und antwortete mir nicht, sondern beobachtete Blaise weiter.

Dieser riss nun das Papier vom Paket und präsentierte dann mit fragendem Blick in Astorias Richtung ein so gar nicht magisch aussehendes Buch. Es war klein, ein Taschenbuch, und trug den Titel: „Giftpflanzen erkennen“.

Astoria wollte grade etwas dazu sagen und ich sie zu einer Antwort drängen, doch wir wurden von einer Eule unterbrochen, die mit Getöse vor Blaise landen wollte. Bevor sie dies jedoch konnte, ließ sie eines der beiden Dinge fallen, die sie tragen musste. Zwischen uns auf dem Tisch landete ein großer, rosafarbener Umschlag, der einen schon irgendwie aufdringlich süßlichen Duft verströmte und aus dem fröhlich blubbernd rote Herzchen aufstiegen. Angeekelt blickte ich auf diese Scheußlichkeit, während Blaise der Eule den zweiten Umschlag eilig abnahm, und ihn mit gelebter Todesverachtung ansah. Die Eule flog wieder unbeachtet von dannen.

„Von meiner Mutter“, kommentierte Blaise den Brief in seinen Händen und steckte ihn mit den Schultern zuckend und ungeöffnet ein.

„Und das da?“, deutet Astoria mit spitzem Finger auf die Grässlichkeit und schien zwischen Abscheu und Wut zu schwanken.

„Ich würde das nicht öffnen…“, kommentierte nun Greg neben Blaise. „Wer weiß, was das dann macht, die Herzchen sind ja schon zum Würgen!“

„Lass das nicht Padma hören“, frotzelte Blaise gut gelaunt und griff zu dem rosafarbenen Umschlag.

Er war Liebesschwüre zu seinem Geburtstag gewohnt, denn es war halt Pech für einen Mädchenschwarm, am Valentinstag Geburtstag zu haben.

Sobald er das Siegel gebrochen hatte, wurde die ganze Halle von lautem, geradezu ohrenbetäubendem Singsang erfüllt, der mich viel zu sehr an die Gesänge der Veela in ihrem Camp erinnerte und wenn ich es richtig deutete, ganz gewiss nicht von einer Schülerin kam.

„Ihr entschuldigt mich. Ich geh kotzen!“, sprang Astoria bleich fast direkt als der Gesang begann auf und stürmte aus der Halle.

Blaise blickte ihr kurz hinterher und seufzte dann tief, wollte schon aufstehen, doch ich schüttelte den Kopf und erhob mich meinerseits, als ein wahrer Schwarm auf Blaise zuhielt und er von einer Vielzahl an Briefen regelrecht überschüttet wurde, sehr zur großen Unterhaltung der Halle. Ich lief ihr eiligen Schrittes hinterher und konnte in der Halle vor der Großen Halle grade noch sehen, wie Astoria in einem Gang verschwand. Schnell beschleunigte ich meine Schritte, bis ich sie eingeholt hatte.

„Warte…!“, hielt ich sie auf und griff nach ihrer Hand.

„Was?“, wirbelte sie herum, fuhr mich giftig an und ich blickte in vor Tränen schwimmende Augen, auch wenn sie noch nicht weinte.

„Du hast meine Frage noch nicht beantwortet“, begann ich zwar wenig einfühlsam, aber wir mussten darüber reden.

„Na… und?“, entzog sie mir bissig ihre Hand und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Du musst ihn vergessen“, betonte ich eindringlich, trat näher an sie heran und legte ihr meine Hände auf die Schultern, während ich sie intensiv musterte. Blaise tat was er konnte, das bemerkte ich sehr wohl.

„Ich weiß…“, seufzte sie und senkte bei ihrer Antwort den Blick, wich mir aus. „Aber…“, fuhr sie fort, als ich gerade antworten wollte, unterbrach sich dann jedoch und wollte sich mir entwinden, doch ich packte sie fester an den Schultern und ließ sie nicht gehen. Ich wollte ihr zeigen, dass ich da war und sie sich mir immer anvertrauen konnte. Sie blickte mich noch immer nicht an, als sie so leise, dass ich fast glaubte, mich verhört zu haben, eingestand: „Es tut noch weh!“

„Ich weiß“, seufzte ich und zog sie einem Impuls folgend mit einem Ruck an mich und umarmte sie schlicht tröstend. Ich war froh, dass wir aufgrund der frühen Stunde wirklich ungestört waren, da dieser Gang zu den Klassenräumen führte und hier so früh noch niemand war. Erst wirkte sie steif, doch dann, nach kurzem Zögern, lehnte sie sich doch an mich und zu meinem eigenen Erstaunen genoss ich diese Umarmung doch sehr. Es tat gut, sie zu halten und Astoria schien es auch gut zu tun.

„Warum das Geschenk?“, löste ich schließlich mit ein wenig stillem Bedauern die Umarmung und blickte Astoria an. Meine Hände lagen noch immer an ihren Schultern und nun sah sie auch wieder zu mir herauf.

„Die Twins fanden es witzig… kam gestern mit den anderen Sachen“, erklärte sie fast schon entschuldigend und ich fragte mich kurz, was daran lustig war, Blaise ein Buch über Muggelgifte zu schenken, wenn man bedachte, welchen Schrecken er uns allen Neujahr eingejagt hatte, als er sich mit seinen Brauversuchen fast ins Jenseits befördert hatte.

„Aha…“, kommentierte ich das Ganze daher auch nur mit gerunzelter Stirn und wechselte das Thema, da das Geschenk ja dann wohl nicht ihre Idee gewesen war.

„Du warst toll heute“, lobte ich daher ehrlich und schenkte ihr ein zufriedenes Lächeln, denn ihre Feuerprobe als Anführerin hatte sie wirklich gut gemeistert. Mein Lob zauberte auch auf ihr Gesicht ein Grinsen, allerdings war dies eher verhalten. Blaise ging ihr immer noch sehr nahe.

„Diese dumme Kuh soll leiden!“, bekräftigte sie nickend und bezog sich dabei eindeutig auf Sally-Anne.

„Eifersüchtig?“, neckte ich sie und hob feixend eine Braue. Solche Rachsucht kam nicht nur von einem kleinen Handgemenge.

„Und wenn?“, frotzelte Astoria übermütig, doch direkt danach wurde sie wieder ernst und wollte sich erneut dem Gespräch entziehen. Diesmal schüttelte sie meine Hände ab und wandte sich ab.

„Ich gehe dann mal“, wollte sie offenbar dem Thema aus dem Weg gehen und ich war gewillt, es vorerst so stehen zu lassen, aber beendet war dieses Gespräch deswegen noch nicht.

„Noch nicht…!“, hielt ich sie daher zurück und griff erneut nach ihrer Hand.

„Was denn noch?“, entgegnete sie ungeduldig, als sie sich doch wieder zu mir herumdrehte.

„Ich hab noch was für dich!“, verkündete ich gespannt, was sie sagen würde und griff mit meiner freien Hand in meine Umhängetasche.

Ich zog einen kleinen, silbernen, schlangenförmigen Anhänger heraus, der an einer feinen, silbernen Kette hing. Die kleine Schlange hatte grüne Steine, von denen ich eher annahm, dass es Glas war, als Augen. Ich hatte diese Kette entdeckt, als ich in den Ferien in Dublin unterwegs gewesen war. Sie hatte in einem Muggelgeschäft im Fenster gelegen und der kleine Schlangenanhänger hatte mir einfach gefallen. Es war nichts Großes oder sehr Besonderes, aber eine nette Kleinigkeit und anders als Hermione, die teure, prunkvolle Geschenke gerne nahm, wusste ich, dass Astoria dies, zumindest momentan, von mir weder wollte noch erwartete. Sie erwartete gar nichts und wollte nur eigenständig sein. Ich wollte ihr nicht das Gefühl geben, sie mit teuren Dingen zu kaufen.

„Warum denn das?“, fragte Astoria irritiert und betrachtete den Anhänger, den ich vor ihrem Gesicht baumeln ließ, mit gewissem Misstrauen.

„Darf ich meiner Verlobten nichts zum Valentinstag schenken?“, entgegnete ich daher schmunzelnd.

„Aber…“, wirkte sie überrascht und irgendwie peinlich berührt, da ich sie wieder daran erinnerte, dass wir nun verlobt waren.

„Gefällt sie dir nicht?“, hakte ich nach, wissend, dass das nicht das Problem war.

„Doch, schon…“, begann sie zögerlich.

„Aber?“, hob ich fragend eine Braue.

„Ich weiß nicht… ich dachte… naja, ich hab nichts für dich!“, verhaspelte sie sich etwas sprachlos und fuhr sich hilflos durch die Haare.

„Ist doch egal. Komm, ich leg sie dir um. Es ist doch nur eine Kleinigkeit und Hauptsache, sie gefällt dir“, murmelte ich ein wenig unzufrieden, dass sie derart offen zeigte, dass sie von mir nichts wollte.

So öffnete ich den kleinen Verschluss, während Astoria bereitwillig ihre langen Haare zusammen nahm und hochhob, damit ich die Kette um ihren Hals legen konnte. Ich beugte mich vor und kam ihr noch näher, roch ihr frisches, nicht aufdringliches Parfüm und überlegte kurz, ob ich meine Lippen auf die wunderbar weiche Haut an ihrem Hals senken sollte. Als die Kette verschlossen war, glitten meine Hände über ihre Schultern und blieben dort erneut liegen. Langsam ließ sie die Haare sinken und blickte mir tief in die Augen, offenbar war sie aufgewühlt und vielleicht hatte es ja auch sie nicht ganz kalt gelassen, dass ich ihr so nahe kam.

„Danke!“, hauchte sie ehrlich gemeint.

„Gerne“, erwiderte ich genau so leise und konnte mich ihrem Blick nicht entziehen.

Er zeigte so viel. Ihre Zerrissenheit wegen der ganzen Situation, wie überrumpelt sie von meinem Handeln war und auch, wenn ich mich nicht täuschte, Verlangen.

Langsam kam ich ihr immer näher, sie wich nicht zurück. Unsere Blicke verhakten sich geradezu und schließlich trafen meine Lippen hauchzart auf ihre. Im ersten Moment reagierte sie nicht, geschweige denn dass sie den Kuss erwiderte, doch dann, langsam und vorsichtig, wurden ihre Lippen weicher und sie erhöhte den Druck. Ich schmunzelte noch gegen ihre Lippen und löste den kurzen, süßen Kuss dann aber auch. Ich hatte das nicht geplant, auch nicht, dass ich ihr heute die Kette geben wollte. Ich hatte sie für irgendwann einmal gekauft, wenn sich die Gelegenheit ergeben würde und heute, nachdem sie mich wirklich beeindruckt hatte, hatte ich sie ihr als kleines Geschenk zur bestandenen Feuerprobe geben wollen, doch irgendwie war es mir nach diesem scheußlichen Brief von Wena besser erschienen, sie ihr als Valentinstagsgeschenk zu geben. Zufrieden trat ich langsam von ihr zurück. Sie war noch überrumpelt, ob von mir oder ihrer Courage und Reaktion, konnte ich nicht sagen, aber ganz deutlich war, sie stand nicht mehr am Rand der Tränen, wie vor einigen Minuten.

„Bis später“, hob ich daher fröhlich die Hand, winkte ihr und drehte mich herum, um ihr die Ruhe zu lassen, um nachzudenken und für sich zu sein.

Dracos Sicht Ende

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BeitragThema: 616. Be my Valentine   Di Okt 31, 2017 10:13 pm

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616. Kapitel Be my Valentine

Lucius Sicht

Die Zeit verrann durch meine vornehmen Finger und doch starrte ich selbstvergessen in den tristen Londoner Himmel, nur um meinen Blick sehnsüchtig schweifen zu lassen. Ich sah viele Stockwerke meines Besitzes in die Tiefe und blickte auf die wuselnden Regenschirme der hektischen Bevölkerung hinab, die sich gegen den einsetzenden Nieselregen zu schützen versuchten, nicht besonders verlockend, aber gerade wünschte ich mich hinunter, statt da zu sitzen und alte Folianten zu durchstöbern.

Merlin, war das langweilig, ich war kein Bibliothekar, so wie Severus oder Hermione, ich war ein Geschäftsmann!

Seit unserem letzten denkwürdigen Zusammentreffen war ich emsig dabei, zu ergründen, was ich nicht wusste. Ich hatte mich sogar dazu herabgelassen, mir Scabiors Erinnerungen zu Imbolc zu ziehen und war in Severus‘ Abwesenheit in Prince House eingedrungen, nur um in seinem Denkarium zu ergründen, was Scabior nicht mehr wusste, oder nur am Rande wahrgenommen hatte. Trotz allem war ich schlicht, und meiner eigentlich ziemlich unwürdig, extrem sprachlos, als ich die Wesen ausmachte, mit denen er in dieser anderen Welt konfrontiert worden war.

Diese andere Welt war ein Mysterium!

Und Unwissenheit gegenüber den Mysterien war immer eine Gefahr und das war mir bewusst, weshalb ich für Abhilfe sorgte. Diese Erkenntnis hatte noch mehr dazu beigetragen, dass ich Hogwarts erstürmt und meine fabulöse Wut an ihr ausgelebt hatte. Ich war nicht stolz darauf, dass sie es als einzige schaffte, meine Contenance derart beständig ins Wanken zu bringen, aber zu meinem Leidwesen hatte sie es mit ihrer Ignoranz und Naivität mal wieder bewerkstelligt. Sah sie wirklich nicht, was sie tat, wenn sie diese beiden Welten zu sehr vermischte?

Was sie anrichtete, indem sie progressiv damit umging? Severus gegenüber?

Anscheinend nicht, da sie aufrichtig geschockt gewirkt hatte, als ich ihr die leichtfertigen Äugelein geöffnet hatte, wie leicht es war, andere zu verführen, wenn schon eine eindeutige Affinität vorhanden war. Aber ich war nicht verrückt genug, Severus vor dem Biest zu sehr ins beinah nicht vorhandene Gewissen zu reden. Ich wusste aus schmerzlicher Erfahrung, wie stur dieser Mann sein konnte, weshalb ich ihm gegenüber geschickt das Thema in eine andere interessante Richtung lenkte. Während Hermione duschte hatte mir Severus bestätigt, dass die Wölfe mit Magie das Feuer im Wald bekämpft hatten!

Seit wann war es Werwölfen möglich, Magie zu wirken?

Ich hatte mich nur in meinem Instinkt, dass da etwas nicht stimmte, bestätigt gefühlt. Wenn auf einmal der Beta und irgendein Wolf aus ihrem Trupp Magie wirkten, dann konnte das Greyback erst recht. Nachträglich betrachtet war mir Fenrir Greybacks vorsichtiges Verhalten meiner untadeligen Person gegenüber, in Bulgarien, zu offensichtlich. Er wusste zu viel über sie, ihr anderes Sein und gleichzeitig kam es mir so vor, als teilten sie beide ein Geheimnis, das sie vor anderen verschlossen hielten. Das war nur eine Eingebung, aber ich wäre nicht so erfolgreich in allen Lebenslagen, würde ich nicht darauf hören und annehmen, dass es hier noch mehr zu entdecken gab.

Gut, Remus Lupin, dank Dumbledores Gnade der einzige Werwolf auf Hogwarts seit Urzeiten, sei mal dahingestellt. Ich nahm an, dass sie Greyback, seinem Beta und noch dem ein oder anderen aus dem Rudel Magie beigebracht hatte und das war einfach unglaublich dreist, aber ihr durchaus zuzutrauen.

Aber das Wichtigste war Severus, er hatte damals den endgültigen Schritt nur nicht getan, weil ich ihn überzeugt hatte, dass er sich selbst sonst an den Lord verloren hätte. Er hatte einen Inferi erschaffen, aber den letzten Schritt zu einem Nekromanten ausgelassen, nämlich einen Menschen zu opfern, diesen direkt in einen Inferi zu wandeln und gleichzeitig das Necronomicon zu nützen. Das lehrte mich meine Lektüre, denn gleichzeitig führte ich mir die Nekromantie zumute, wie noch nie in meinem Leben!

Ab und an brauchte ich jedoch Pausen von dem trockenen Zeugs. Ich gestand, ich fragte mich aufrichtig, was Menschen dazu treiben konnte, sich dem zu verschreiben?

Das freiwillig spannend zu finden, das war alles soooo… nichts für mich, dabei blies ich mir eine lange Strähne aus der hohen, aristokratischen Stirn. Ich erkannte an, was dieses Gebiet besonders aus Hermione gemacht hatte und natürlich war ich selbst eigenen schwarzmagischen Studien nachgegangen, aber die betrafen meine eigene Unsterblichkeit!

Das war etwas völlig anderes gewesen, es hatte mich bis zu einem gewissen Grad gefesselt und gereizt, aber verwesende Untote, und diese dann noch ins Leben zurückzurufen, als wandelnde Tote, als Inferi? Ehrlich nicht!

Jedoch sah ich mich gezwungen, dem selbst auf den Grund zu gehen, wenn diese beiden Verrückten dachten, es tun zu müssen, dann lag es an mir, einen kühlen Kopf zu bewahren. Hermiones Erwähnen dieser einen Gruppe, diesen Túatha Dé Danann, das fiel alles kollektiv ins Reich der Mythen!

Nicht dass ich ihr nicht glaubte, dass es diese Wesen gab, aber Mythologie hatte mich noch nie sonderlich verzaubern können. Seufzend wandte ich meinen Blick zu dem dicken Büchlein, das mit Edelsteinen verziert war und auf meinem Tisch lag und noch meines Studiums harrte, um mich diesem Volk näher zu bringen. Aber ich hatte eine Spur und ich würde bei beiden elementar wichtigen Themen nicht aufgeben und wenn mein wertes, hochwohlgeborenes Haupt in Wörtern, Ritualen, Beschwörungen, Geschichten und Legenden ersticken würde.

Gekonnt hatte ich Severus und Hermione nach dem Vorfall in Hogwarts vorgespielt, alles wäre gesagt. Dem war zwar wahrlich nicht so, aber ich wusste die verstockte Art beider zu nehmen und würde ihnen an fabulös angeeignetem Wissen in der Nekromantie zukünftig nicht nachstehen.

„Mr. Malfoy“, sprach Mrs. Muller, die Chefin meines Sekretariats, plötzlich aus der Gegensprechanlage. „Ihre Verlobte wurde soeben angekündigt“, meinte sie knapp und ich blickte über meine Schulter, hinweg von dem tristen Grau, welches die Skyline Londons gerade bot, starrte das Chaos auf meinem Schreibtisch an und seufzte.

Ich ging nicht sofort zum Schreibtisch, oder sagte etwas zu Mrs. Muller, das war unnötig. Sie hatte mich nur belästigt, weil es so abgesprochen war, dass ich eine Vorwarnung haben wollte, sobald Hermione auftauchte. So blieb mir Zeit und ich zückte meinen Stab und ließ meine Bücher mit einem Wisch eilig in den Schubladen verschwinden. Sie musste nicht wissen, wie involviert ich inzwischen war, denn was sie nicht wusste, konnte sie auch nicht tangieren. Danach strich ich mir betont lakonisch mein langes Haar zurück und wandte meine Beobachtung wieder dem hektischen Treiben unter mir zu. Ich schloss die Augen und fokussierte mich auf mein Innerstes, als ich plötzlich ihre Präsenz überdeutlich hinter mir wahrnehmen konnte.

„Du kommst spät“, wandte ich mich ihr sehr langsam zu und stockte in meiner Begrüßung, da ich sie völlig konsterniert musterte und perplex blinzelte. „Was ist das?“, fragte ich hörbar pikiert, aber nicht unsäglich überrascht über ihren Auftritt.

„Dir auch ein schönes Hallo, Lucius… was ist was?“, erwiderte sie ungerührt und sah mich eindringlich an, als ich indigniert einen Schritt auf sie zutrat und mit einer aufreizenden Geste ihre Silhouette nachfuhr, es war unsäglich, anzusehen, wie sie herumlief. Wahrlich eine Beleidigung meines fabulösen Auges und meines guten, da exquisiten Geschmacks.

„Wie siehst du aus?“, fragte ich absolut nicht begeistert. Aufgrund ihrer Frage wurde ich konkret, trat unbewusst einen weiteren Schritt auf sie zu und hob wieder meine Hände an. Währenddessen spiegelte sich gelebter Unglaube in ihrer Miene wider.

„Ich lebe in einem Zelt, in einem Wald… und in keinem Manor mit Elfen“, knurrte sie furchtbar mies gelaunt und stampfte in meinen Augen in den selben Sachen, in denen ich sie kürzlich auch in Hogwarts zum letzten Mal gesehen hatte, durch mein Büro. „Bin ich dir nicht schick genug, du Snob?“, haute sie mir ohne Scheu um die Ohren, als mein Mundwinkel gegen meinen Willen zuckte.

Wenn ich früher ein Wort des Missfallens Narcissa gegenüber geäußert hatte, wäre sie zu Beginn unserer Beziehung postwendend tränenüberströmt und später mit verbiesterter Miene davon gerauscht, um sich sofort umzukleiden, um mir gefällig zu sein und meinen hohen Wünschen und delikaten Ansprüchen wenigstens im Mindestmaß zu genügen. Sie, das Biest, hingegen war beleidigt und zeigte mir dies auch. Wie konnte ich es wagen, ihre Erscheinung auch nur ansatzweise in Frage zu stellen? Aber bitte, diese Jeans war dreckig, bedeckt mit Erde und Schmutz und dieser Pullover war bestenfalls selbst gestrickt und sah furchtbar ausgeleiert aus, von der Halbjacke in Grau gar nicht zu reden, der Aufzug war unter aller Würde und einer Malfoy absolut nicht angemessen.

„Es ist dein Wille, dort zu hausen, wo du dich aufhältst“, mahnte ich streng. „Dir steht dein Heim zu jedweder Zeit offen“, erwiderte ich snobistisch, wenn man es mir schon vorhielt, dann konnte ich meine Distinguiertheit auch ungeniert ausleben.

„Witzig!“, stieß sie anklagend aus und nützte schamlos die Weiten meines ovalen Büros aus. „Du bist so witzig, Lucius… dass ich fast lachen könnte.“ Ich maß sie über ihren Zynismus hinweg tadelnd und da ich nicht antwortete warf sie ihre Hände in die Luft. „Okay, was willst du…?“, fragte sie genervt, in einem mir gegenüber absolut unangebrachten Ton. „Warum hast du mich hierher bestellt, wenn du nur an meinem Aussehen herummäkelst?“, erregte sie sich seufzend und fuhr sich durch ihr unordentliches, wild gelocktes, sehr wirres Haar.

„Dich sehen“, servierte ich ihr mit einem überheblichen Timbre, ziemlich sarkastisch, woraufhin sie stockte und mich mit gerunzelter Stirn musterte.

„Und nur um mich zu sehen muss ich toll aussehen? Was wird das hier…?“, forschte sie erfüllt von Misstrauen nach und ich erkannte, dass sie tatsächlich keine Ahnung hatte, was heute für ein Tag war und was ich von ihr wollen könnte.

„Was denkst du… was das hier werden könnte?“, gab ich selbstgefällig zurück und lehnte mich mit meiner Kehrseite an meinen aufgeräumten Schreibtisch.

„Ich weiß nicht, dein Brief klang wie ein Befehl“, beschwerte sie sich umgehend, dabei durchwanderte sie ohne Zurückhaltung den riesigen Raum, der hoch über den Wolken mein Reich bildete, so als wäre sie hier zu Hause.

Und ja, es gefiel mir, wie sie sich umgehend alles mit einer gewissen Selbstverständlichkeit aneignete.

„Vielleicht wolltest du dies darin sehen… einen Befehl…“, wandte ich mit einer Prise Hochmut ein, „… es war keiner, sei dir dessen bewusst… es war eher eine… Bitte… zu mir zu kommen“, fasste ich ein wenig gekränkt zusammen und wandte ihr meine unleserliche Maske zu. Da stoppte sie abrupt, um mich mit großen Augen zu mustern.

„Ha, jetzt wirst du kleinlich“, erwiderte sie umgehend, da sie sichtbar keine Schuldgefühle zulassen wollte, mich falsch verdächtigt zu haben. Indes trat sie mit erhobenem Finger auf mich zu, aber bevor sie weiter mit Unterstellungen daherkam, schüttelte sie sich und seufzte, ließ den Finger sinken und sah mich plötzlich mit einem zurückhaltenden Lächeln an, nur um weiter zu sprechen. „Ich bin müde, ich hatte mich gerade fürs Bett fertig gemacht, als deine einfühlsame… Bitte… kam!“, hatte sie das Wort Bitte genau abgewägt und lebte ungeniert ihren Spott aus, aber bei ihrer Erzählung warf ich ihr einen langen Blick zu und sie verstand ihn zu interpretieren. „Alleine“, verdrehte sie die Augen. „Immer alleine, zwei passen auf, einer schläft im Wechsel“, rechtfertigte sie sich widerwillig, ohne dass ich es wirklich gefordert hatte, woraufhin nun auch meine beiden Brauen in die Höhe schossen.

„Habe ich etwas gesagt?“, stellte ich daher die von ihr erwartete Frage, was dafür sorgte, dass sie schnaubte.

„Das musst du wirklich nicht“, entgegnete sie abschätzig und ich schnalzte abwertend mit der Zunge.

„Sollte ich gekränkt sein, dass du nicht zu mir kommst und mich begrüßt, wie es sich für eine anständige Verlobte gehört?“, breitete ich einladend die Arme aus.

„Das letzte Mal als ich dich gesehen habe, hast du mir den Hintern versohlt… was erwartest du?“, wehrte sie anklagend ab, indes trat sie einen Schritt zurück. Was für ein rachsüchtiges Biest.

„Zu recht“, schoss es schonungslos aus mir heraus, dabei erinnerte ich mich daran, wie sie sich unter meinen Händen gewunden hatte, „und du hast durchaus Gefallen daran gefunden…“, erinnerte ich sie distinguiert an einen Fakt, der ihr nicht schmeckte, so wie sie ihre Züge verzog. Ich entschied, es weiter zu treiben, wenn sie mir schon keine richtige Begrüßung gewähren wollte. Ich konnte auch anders. „Wo ist der Knicks, den du früher so gut drauf hattest?“, fragte ich daher gemein und hielt das spöttische Lächeln auf meinen Zügen nicht zurück.

„Rrrr“, knurrte sie nur drauflos, woraufhin ich leicht sardonisch einen Mundwinkel anhob.

Da überraschte sie mich, da sie auf einmal ihren Kopf so hoch reckte, dass es wehtun musste und plötzlich sank sie anmutig in die Knie, nur um eine Millisekunde danach wieder hochzuschießen, das musste weh getan haben, aber sie hatte eindeutig gezeigt, dass dies keine demütige Unterwerfung war. Eher nach dem Motto: der Klügere gab nach.

„Zieh dich bitte aus…“, wollte ich bei den Überraschungen nicht zurückstehen und ich schaffte es, sie mit dieser Forderung zu überrumpeln, denn sie wich umgehend weiter zurück.

„Was?“, unterbrach sie mich empört, ein Umstand, der mich überheblich schmunzeln ließ.

„Ich kenne dich nackt…“, servierte ich ungerührt, über ihre plötzliche Schamhaftigkeit amüsiert, jedoch bemerkte ich sehr wohl den Widerwillen, mir zu gehorchen. „Wir gehen jetzt nicht ins Bett, keine Sorge… du sollst dich nur umziehen!“, sah ich mich dank ihrer nicht vorhandenen Zuvorkommenheit genötigt, mich zu rechtfertigen.

„Weshalb?“

„Musst du wirklich alles hinterfragen?“, stöhnte ich inbrünstig indigniert auf.

„Jaaa… ich hab nichts dabei“, erklärte sie schneidig und wirkte stur und eigenwillig wie eh und je.

„Wenn du dich links hältst und hinter die Glaswand gehst, findest du in meinem Schrank bestimmt etwas, was wesentlich angemessener ist… als das da…“, sprach gelebte und pure Verachtung für ihren Aufzug aus meinen Worten, da er ihr und mir absolut nicht gerecht wurde.

„Pah!“, riss mich ihr schriller Ausruf aus meiner stoischen Ruhe. „Ich will nicht die abgelegten Sachen irgendwelcher Tussis tragen, die du hier empfängst“, erregte sie sich mit plötzlich ganz roten Wangen. Interessant!

„Jetzt wirst du beleidigend“, gab ich hoheitsvoll sanft, aber mit einiger nachvollziehbarer Schärfe in der Stimme über ihre Frechheit, mir zu unterstellen, hier andere Frauen der Reihe nach zu beglücken, zurück.

„Ich dachte… ich bin realistisch!“, entfuhr es ihr bösartig und eigentlich müsste ich sie dazu beglückwünschen und mich nicht indigniert fühlen, dass sie dachte, ich könnte mich auf Abwegen befinden.

Gleichzeitig schmeichelte es mir, war sie eifersüchtig?

„Heute bist du wirklich sonderbar“, warf ich daher weniger gut unterhalten ein.

Was wollte sie mir unterstellen? Als ob ich die Zeit hätte, amourösen Abenteuern nachzujagen.

Sie war der Aufgabe gerade genug!

Zusätzlich zu meinen anderen unzähligen und mannigfaltigen Geschäften und Verpflichtungen, denen ich nachgehen musste. Außerdem hatte man mit Mrs. Edgecombe erlebt, wie schnell alles abflaute, wenn man es besaß, nur bei ihr wollte mir das nicht so leicht gelingen. Das war ein für mich durchaus bitterer Fakt. Aber das müsste ich ihr nicht auf die neugierige und so vorlaute Nase binden, seitdem ich sie jagte, spielten andere Frauen eine geringfügige Rolle, seitdem sie mir gehörte, gar keine mehr. Ein Umstand, den ich mir erst jetzt vollumfänglich eingestand, keine andere konnte mit den Anforderungen, die sie permanent an mich stellte, konkurrieren! Sie war eine immerwährende Aufgabe, eine stetige Herausforderung und damit auch eine ständige Genugtuung.

„Weil ich Recht habe“, erwiderte sie spitz, ohne die gebotene Zurückhaltung. Wenn man bedachte, dass sie mir vorwarf, wie ich sie zuletzt behandelt hatte, wirkte sie wenig, bis gar nicht eingeschüchtert.

„Muss ich dich daran erinnern, dass wir Magier sind?“, wies ich ihre Unterstellung distinguiert von mir. „Dieser Schrank ist eine direkte Verbindung zu meinem Schrank, weshalb ich weiß, dass du damit auch auf einige von deinen Sachen Zugriff hast, oder du ruft einen unserer Elfen.“

Dabei hoffte ich, dass ihr ihre Unterstellung meiner Untadeligkeit gegenüber gebührend peinlich war, als sie meine Information verdaute und ihr Kiefer sichtbar mahlte.

„Ich werde mich nicht entschuldigen“, knurrte sie böse und wandte sich rigoros in Richtung meiner privaten Räume ab.

„Weshalb auch? Weil du anmaßend warst? Oder bist? Nicht doch…“, sagte ich mit einer Würze Ironie und winkte ihr nonchalant hinterher, dabei reagierte sie gar nicht, entweder hatte sie es nicht vernommen oder sie ignorierte mich geschickt, aber wie auch immer, sie ließ mich milde amüsiert zurück.

Lucius Sicht Ende

Hermiones Sicht

Dieser selbstverliebte Trottel!

Die Tage bei Harry und Ron waren zermürbend und anstrengend gewesen und hatten mir zugesetzt, wir traten auf der Stelle, was mir noch mehr auf die Nerven ging als Lucius‘ selbstgefälliges Verhalten.

Selbst ich wusste nicht mehr weiter und dann kam Lucius‘ durchwegs charmanter Befahl daher, in dem er mich wie ein Sonnenkönig zu sich beorderte. Dabei fühlte ich mich behandelt wie ein diensteifriger Elf, der sprang wenn der hohe Herr einen Ton von sich gab, was ich beileibe nicht war und dann erwartete er tatsächlich, dass ich ihn freudestrahlend und vor Wiedersehensfreude blind und am besten noch mit Demenz gesegnet um den Hals fiel.

Ich meine, wie arrogant konnte ein Mann sein?

Oh ja, ich hatte sehr wohl bemerkt, dass er mehr erwartet und wie sehr es ihm missfallen hatte, dass ich es nicht tat, aber bitte, nach ihrer Aktion letztens musste ich meiner Meinung nach genau Acht geben, wie ich mich ihnen gegenüber verhielt. Ich nahm sehr wohl wahr, dass sie mich zu einem Spielball zwischen sich degradierten!

Aber das würde ich mir nicht gefallen lassen. Er schlug mich und nur weil wir danach Sex gehabt hatten, glaubte er, es wäre alles gut, ehrlich, das war jetzt nicht sein versnobter Ernst!

„Arrgh“, stieß ich unterdrückt aus und besah mir die Pracht und die enorme Weitläufigkeit seiner privaten Räume.

Das war unvorstellbar, der Luxus, der hier herrschte, war beeindruckend. Dabei streifte mein Blick hinaus in die Weiten des Londoner Himmels, während ich mir alle drei völlig offen gestalteten Räume ansah und eilig durchlief. Sein Reich hinter der Glaswand hatte nochmal die riesige Größe einer Wohnung für eine Familie mit mindestens zwei Kindern. Es war dekadent, ein so großes Büro zu haben.

Zuerst kam ich zu dem Schluss, dass der werte Depp ruhig warten konnte. Wenn sich mir die Gelegenheit für eine Dusche bot, würde ich sie ergreifen. Unter dem brühend heißen Wasserstrahl knurrte ich immer wieder wütend. Ich hatte geknickst, kurz schloss ich gequält ob dieser Demütigung unter uns die Augen.

Warum hatte ich das getan? Ja, das schaffte er wirklich nur mit einem Blick. Er war die Rechte Hand, er war Lucius Malfoy, das Oberhaupt der Familie und ja, er war mein Verlobter. Aber hatte er es ernst gemeint, oder nicht?

Ich dachte nicht, aber ich war nicht bereit, das zu testen, weshalb ich nachgegeben hatte, um ihn zu überraschen, denn damit hatte er nicht gerechnet. Leider bestätigte ihn dieses Verhalten nur in seiner Selbstherrlichkeit, aber er musste lernen, dass ich eine eigene Persönlichkeit war und keine zweite Narcissa und ganz sicher niemals sein Modepüppchen werden würde. Seine Behauptung mit der Verbindung zu seinem Schrank glaubte ich ihm sogar, aber warum sollte ich dann auch auf meine Sachen zugreifen können?

War ich auf dem Holzweg, dass er in meinen langen Zeiten der Abwesenheit nicht doch das Vergnügen bei anderen suchte? Und was beschäftigte mich an diesem Gedanken? Ich war noch nie eifersüchtig gewesen!

Bei Severus war das etwas anderes, nicht dass ich seiner zu sicher war, aber er war ein Mensch, der grundsätzlich die Einsamkeit vorzog und nicht wirklich als gesellig bezeichnet werden konnte. Hinzu kam, dass er genügsam war. Er wäre damals auch mit Minnas seltenen Treffen zwischen ihnen zufrieden gewesen, so war Severus, er wechselte die Partner nicht wie seine Unterhosen!

Aber Lucius! Ja, der war ein anderes Kaliber, er suchte die Kurzweil und den Zeitvertreib und war durch eine lange Ehe, in der er tat, ließ und machte was ihm beliebte, geprägt. Im Anschluss an die Dusche trocknete ich mich grob ab und hielt mir vor, dass mir das alles so was von egal sein sollte!

Da fiel mein Blick auf die modern geschwungene weiße Ottomane, die als Ruhestätte diente, wenn der werte Herr erschöpft war, oder halt eben Unterhaltung wollte, schon wieder knirschten meine Zähne, da ich das Kleid begutachtete, das vorher da nicht gelegen hatte.

Das war sein Ernst? Warum machte er so was? Wofür der ganze Aufwand? Ich könnte auch gleich nackt hinter der Glaswand hervortreten, um es hinter mich zu bringen und dann wieder zu verschwinden!

Jedoch riet ich mir selbst, Ruhe zu bewahren. Wenn ich ihm zeigen wollte, dass er nicht völlig über mich bestimmen konnte, sollte ich einige Kompromisse eingehen und Kämpfe dort austragen, wo es sinnvoll und wichtig war, mit ihm über Kleidung zu streiten erschien mir etwas sinnlos, weshalb ich mich in das weiße Oberteil zwängte und den weit geschnittenen, rosig blumigen Rock anzog.

Jetzt stand ich vor dem Standspiegel und betrachtete meinen Aufzug, hell, ungewöhnlich hell, hübsch, verspielt und eigentlich absolut nicht Lucius‘ Stil und so seufzte ich leise und wandte mich ab, um mich ihm erneut zu stellen. Gerade wollte ich um die Ecke der Glaswand rauschen, als ich stockte.

Da saß er nun. Er stand nicht mehr vor seinem Schreibtisch, sondern hatte dahinter Platz genommen und grübelte sichtbar intensiv über einer Akte. Seine langen weißblonden Strähnen hingen ihm ins markante Antlitz, aber das Erstaunlichste war, dass er tief blicken ließ, da seine hohe Stirn in tiefe und selten gesehene Falten gelegt war. Hatte er Sorgen? Soeben rieb er sich mit seinem Mittelfinger über die gefurchte Stirn, als würde er versuchen, einen festsitzenden Schmerz zu vertreiben, bisher hatte nichts an seinem Auftreten darauf hingedeutet, dass er sich mit Problemen herumschlug, die ihn anscheinend sogar beschäftigten.

Meistens machte ich ihn als das Problem aus!

Jedoch würde es die absonderliche Stimmung erklären, die herrschte, seitdem ich seinen Turm betreten hatte. Des Weiteren rief ich mir sein Verhalten in Erinnerung, als er die berechtigte Sorge in sich getragen hatte, dass Severus durch mich zu sehr zur Nekromantie verführt wurde, bis ich ein tiefes Seufzen von ihm vernahm.

„Viel zu tun?“, fragte ich viel sanfter als vorhin und sah es als Stichwort, hervorzutreten, dabei wippte der weite, aber vorne kurze Rock vorteilhaft um meine Beine.

„Was?“, schlug er hörbar geistig abwesend die Akte zu. „Ach, das irische Ministerium macht es uns schwer…“, meinte er dann wegwerfend und schob die Unterlagen mit dem Siegel des Ministeriums auf seinem Tisch hin und her. Dann drehte er sich zu mir und betrachtete mich eindringlich, sodass ich mir regelrecht nackt unter seinem sezierenden Blick vorkam.

„Eine Schande, dass sie ihre Eigenständigkeit behalten wollen“, erwiderte ich mit einer Prise Spott, als er zu Lächeln begann, ein echtes und deshalb umso entwaffnenderes Lächeln.

„Eine Scheinselbstständigkeit…“, hielt er mir besserwisserisch vor, aber winkte ab, bevor ich etwas erwidern konnte. „Wie auch immer, lange werden sie sich nicht mehr halten können“, meinte er jetzt resigniert.

„Und das bereitet dir Sorge…“, erwiderte ich überzeugt, den Grund für sein ständiges Seufzen gefunden zu haben, als seine Augen zu mir wanderten und mir ins Gesicht sahen und er langsam nickte.

„Eventuell“, gab er dann widerwillig, aber erstaunlich aufrichtig für seine Verhältnisse zu, dass sich seine Gedanken um Draco drehten, doch er beendete diese Unterhaltung abrupt, da er seinen Stuhl zurückschob und sich erhob. „Jetzt siehst du famos aus“, meinte er nun mit dieser überheblichen Tonlage, die mir immer die Galle die Speiseröhre hinauftrieb.

„Unter Protest“, erwiderte ich lächelnd, als er die erhöhte Plattform hinabschritt und mir galant seinen Arm reichte.

„Das versteht sich von selbst“, meinte er spöttelnd mit der ihm innewohnenden arroganten Gelassenheit. „Gefällt dir meine Wahl nicht?“

„Doch, es ist schön, dein Geschmack in Kleidung ist unbestreitbar vorhanden, aber weshalb der Aufwand?“

„Du bist deiner Umwelt gegenüber zu ignorant.“

„Pah, das sagt der Richtige“, lachte ich laut auf. „Und jetzt… wo gehen wir hin?“, verlangte ich zu wissen, als er einen dunklen, mit Pelz gefütterten und verbrämten Mantel um meine Schultern legte und sich selbst ebenfalls einen Mantel anzog. Erst da fiel mir auf, dass er einen Muggelanzug trug. Einen gut geschnittenen, vom Material sehr edlen, schlicht schwarzen Anzug, aber bei weitem völlig anders als seine sonstige veraltet anmutende Kleidung.

„Jetzt gehen wir“, verkündete er salopp.

„Wohin?“

„Hat man dir schon gesagt, dass du schrecklich nerven kannst?“, fragte er mich derart ernst, dass ich kichern musste, während wir im Aufzug hinab in die Tiefe seines Besitzes rauschten.

„Ja, ja und ja“, entgegnete ich dann übermütig. Er grinste mich ebenfalls auf einmal jugendhaft an und hakte mich bestimmt bei sich unter, als wir hinaus auf die Straße traten. Hier tummelten sich die Menschen zu Hauf.

Touristen drängten vorwärts, Büroangestellte hatten Feierabend und all das vermischte sich zu einem großen Pulk, in dem selbst wir nicht mehr auffielen, als ich von unten zu ihm hinauf lächelte.

„Eigentlich ist deine Wahl miserabel, bei diesem nasskalten Wetter würde ich mir sonst den Hintern abfrieren“, warf ich ein, denn ich hatte natürlich bemerkt, dass er einen Zauber gesprochen hatte, bevor wir auf die Straße getreten waren.

„Wie gut, dass es uns zupass kommt, dass wir Magier sind“, wisperte er versnobt.

„Und ich fragte mich schon, warum es um meine Beine herum so warm ist“, meinte ich amüsiert, als wir in die Fenchurch Street einbogen.

„Was ist unser Ziel?“, fragte ich, als er mich die Betonstufen hinauf dirigierte und ich eine lange Schlange an einem Gebäudeeingang ausmachen konnte, die wir als Malfoys natürlich ignorierten und strammen Schrittes an den missbillig blickenden Wartenden vorbei defilierten, um bei Lucius‘ Sprachgebrauch zu bleiben, und ja, ich wusste, dass ich mich innerlich gerade gefährlich wie Severus anhörte.

„Was tun wir hier?“, wisperte ich wieder fragend, als uns die Dame mit dem Klemmbrett vorbei winkte und wir gemessenen Schrittes gleich zu den silbrig schimmernden Aufzugstüren gingen und nicht durch den Metalldetektor mussten wie die anderen. Der Fahrstuhl brachte uns innerhalb weniger Sekunden hoch in die obersten Etagen, wo wir zusammen mit mehreren Menschen in ein großes, überdachtes Atrium hinaustraten.

„Der Walkie-Talkie!“, meinte er jetzt erklärend und zog mich mit sich zu den Glasflächen, als sich das Atrium für uns öffnete.

„Sky Garden? Der Garten hoch oben über den Dächern von London! Meine Eltern wollten ihn immer sehen“, löste ich mich von seinem Arm und drehte mich im Kreis.

Alles war aus riesigen Glasflächen gestaltet und ich blickte nur nach vorne zur Aussichtsplattform, nach links und nach rechts, dabei hatte ich einen herrlichen Ausblick auf die St Paul’s Cathedral, den Tower of London, sowie die Tower Bridge, eigentlich hatte man, egal wohin man blickte, einen genial weiten Blick. Man konnte eine einzigartige Aussicht auf Londons Panorama genießen.

„Das gehört dir?“, drehte ich mich kokett zu ihm um.

„Diese Hässlichkeit?“

„Wie meinen? Ich finde den Garten wunderschön“, warf ich entschieden ein und warf einen Blick zurück über die aufsteigende, dreistöckige Pracht hinter uns. Nach oben hin vergrößerten sich stetig die Flächen der Stockwerke, sodass die oberste Etage weit über den Grundriss des Gebäudes hinausragte und einem großen Garten Platz bot.

„Der botanische Garten mag schön sein, das Gebäude ist es nicht… und dies ist Londons höchster öffentlicher Park“, klärte er mich auf und ich musterte ihn überlegend.

„Dann gehört dir das hier?“, wollte ich nochmal erfahren.

„Wer weiß… ich mag die Idee, exotische Pflanzen hoch über den Köpfen der Leute zu besitzen“, wandte er sich den Treppenstufen zu und lotste mich durch die Menschen, die auf den gut eingebetteten Sitzgelegenheiten Platz genommen hatten und steuerte den höchsten Punkt an. Das mittig aus den Gewächsen herausragende Restaurant.

Hier oben war alles aus Glas, sodass man einen tollen 360° Panoramablick auf die Stadt gewährt bekam. Wir ließen die Terrasse vor dem Restaurant hinter uns, um durch die Tür zu gehen, die uns ein Muggel aufhielt.

„Sir, wir freuen uns, Sie bei uns willkommen heißen zu dürfen“, verkündete der Empfangschef an seinem Pult gewichtig und deutete auf einen sich öffnenden, bodentief verglasten Raum. Er war in den Farben Schwarz, Silber und gold-gelben Ockertönen gehalten. Aber er wirkte nicht düster. Dank des überall hereinfallenden Lichts wirkte er eher gemütlich und lud zum Verweilen ein.

„Würden sie mir bitte folgen?“, bat er unterwürfig, während uns ein anderer die Mäntel abnahm und ich mir etwas auffällig in meinem so hellen Kleid vorkam, aber gleichzeitig bemerkte ich die gähnende Leere, die lastende Stille und die fühlbare Ruhe um uns herum. Sie umfing uns regelrecht, wurde nur durchbrochen von den sanften Klängen der eingespielten Melodie.

„Sag mir nicht, du hast das Restaurant nur für uns geblockt“, stieß ich atemlos aus und folgte ihm mit schwingenden Hüften.

„Wenn dem so wäre?“, gab er fragend zurück und ich rollte mit den Augen.

„Dann wäre es wie allzeit dekadent“, warf ich ihm schmal lächelnd zu. „Soll ich beleidigt sein, dass du anscheinend den Sky Garden nicht gleich auch noch geschlossen hast?“, höhnte ich schonungslos und lachte perlend auf.

„Oh, ich nahm an, das wäre dir dann zu einsam geworden“, erwiderte er ungeniert. Zusammen standen wir nun in der linken hinteren Ecke vor einem runden eingedeckten Tisch, der unter seiner Blumenpracht zusammenzubrechen drohte, so wie all die anderen Tische auch.

„Lucius… im Ernst, wofür dieser ganze Aufwand?“, wollte ich hörbar verzweifelt erfahren und strich mir über den seidigen Stoff meines Kleides, indes zog der Ober mir den Stuhl zurecht und als ich mich setzte, reichte er uns geflissentlich die Karten.

„Wir hätten gerne eine Flasche Sparkling Wasser und den Champagner Krug Clos D’Ambonnay, 1998“, orderte Lucius noch während er sich setzte, dabei registrierte ich sehr wohl den abwägenden Blick des Obers, der bei der Order leicht flackerte.

„Natürlich, wie der Herr wünschen“, erklärte der Kellern diensteifrig und entschwand eilig, nachdem er bemerkt hatte, dass ich ihn beobachtete.

„Will ich wissen was dieser Krug Champagner kostet?“, kokettierte ich, indes legte ich mir die Stoffserviette auf den Schoß.

„Willst du?“, schmunzelte Lucius von oben herab, als er mit seinen Schultern zuckte. „Ich glaube, so um die 4.500 Pfund, warum?“, verkündete er so gleichgültig als wären es Peanuts und das waren sie für ihn bestimmt auch.

„Du bist erschreckend dekadent.“ Der Kellner trat wieder aus dem Nichts auf uns zu, weshalb wir verstummten, stellte die eisgekühlten Flöten vor uns ab und öffnete die Flasche mit einem Ploppen, woraufhin er das golden perlende Nass eingoss.

„Warum verwöhnst du mich so?“, fragte ich leise mit Blick auf die ungewöhnliche, dank Lucius so leere Location, als sich die zuvorkommende Bedienung mir zuwandte.

„Ich wünsch noch einen schönen Valentinstag“, meinte dieser dann noch verschwörerisch freundlich, bevor er sich mit einem entschuldigenden Lächeln zu Lucius hin zurückzog. Es war, als hätte er meine Ahnungslosigkeit vernommen und mir geschickt vermitteln wollen, was ich bisher gekonnt verdrängt hatte, während ich einen fassungslosen Ausdruck für Lucius bereithielt.

„Ohhh, meine Götter, Valentinstag, nicht dein Ernst…“, entwich es mir wahrlich erschüttert.

„Ich verstehe nicht, was du anmerken möchtest, mein Herz“, legte er diesen ihm so eigenen, so herrschaftlichen Gesichtsausdruck auf und fasste meine Hand, die auf der Tischdecke lag. Er fuhr sie langsam entlang, bevor er sie in die Hand nahm meinen Arm anhob und sich ein wenig über den Tisch beugte. Okay, ich gab es zu, ich war zu atemlos, als dass ich etwas dagegen getan hätte, sondern ich starrte fasziniert auf Lucius, wie er seine Lippen spitzte und meine Hand küsste. Es flatterte in meinem Magen, er war darauf bedacht, nicht zu mir zu sehen und ich versuchte, ruhig zu atmen, als ich mich aufraffte, das Gesicht zu wahren.

„Du wirst ja regelrecht sentimental und weich… Lucius, wo bleibt meine Valentinstagskarte, in der du mir deine unsterbliche und unvergängliche Liebe gestehst?“, sprach ich sehr sanft und zärtlich, als mich der Ausdruck seiner Augen in Bann zog, die zu lachen schienen.

„Biest“, wisperte er erheitert und ließ meine Hand los, während ich leise vor mich hin lachte und den Kopf schüttelte.

„Haben die Herrschaften gewählt?“, tauchte der Kellner wieder aus dem Nichts auf und ich blinzelte irritiert, da ich noch gar keinen Blick in die Karte gewagt hatte.

„Ja“, riss Lucius gewohnt autoritär das Regime an sich und sprach weiter: „Wir nehmen die Orkney Jakobsmuschel, die Krabben aus Devon, das Steinbuttfilet und die Anjou-Taube Als Dessert die Guanaja Chocolate.“

„Wie der Herr wünschen“, ertönte es und schon sammelte der Kellern die Karten ein und entschwand.

„Na bravo, wer sagt dir, dass ich eine Taube mag?“, erwiderte ich aufsässig, was mir einen nachsichtigen Gesichtsausdruck einhandelte.

„Auf uns“, überging er leger meine Widerborstigkeit und erhob lässig die beschlagene, da eiskalte Flöte und stieß mit mir auf den Valentinstag an und ehrlich, der Champagner war lecker, besser als das Kakteen-Zeug, das ich auf dem orientalischen Fest zu hemmungslos genossen hatte.

Wir sahen uns lange in die Augen, bis ich es nicht mehr aushielt und den Blick abwandte, hinaus durch die bodentiefen Fenster. Ich sah über ganz London, mein Blick wanderte über die Dächer, dabei konnte ich mit einem dekadenten Gefühl in mir unter uns den wilden botanischen Garten mit seinen Farnen und Palmwedeln ausmachen, es wirkte surreal. Und erst jetzt verstand ich, weshalb er mich aus dem Zelt gelockt und von mir erwartet hatte, mich anders zu kleiden. Eigentlich konnte Lucius ganz schön putzig sein, wenn er nicht gerade wieder den despotischen Macho raushängen ließ.

„Gefällt es dir?“, unterbrach er mit leiser Stimme meine Selbstvergessenheit.

„Es ist ungewöhnlich und dass du diesen Tag als feierwürdig ansiehst… das ist beängstigend“, gestand ich glucksend und nippte gleich wieder an dem äußerst schmackhaften Champagner, während er mit seinem Gehstock spielte und mir nun einen durchwegs verruchten Blick zukommen ließ.

„Ich dachte mir, dir würde es guttun, mal aus dem Wald rauszukommen, sonst verwilderst du noch…“, meinte er derart salopp und hintergründig, dass ich sofort aufhorchte und er bemerkte es, was er mit einem sichtbar überheblichen Lächeln quittierte. „Was fasziniert dich an Fenrir?“, fragte er sehr leise.

Der Ausdruck seiner Augen ließ mich sofort auf der Hut sein, jetzt war wieder die Frage, mit wem ich sprach. Lucius war trotz allem, was zwischen uns vorgefallen war und sich noch immer zwischen uns abspielte, schwer einzuschätzen und er würde jede Möglichkeit nützen, um das erfahren zu wollen, was in interessierte. Nur war es nicht so, dass ich damit hausieren ging, was ich wusste, und Fenrir war ein Thema, das ihn nichts anging.

„Nichts“, erwiderte ich daher sofort und ohne zu zögern, was eine seiner so hellen Brauen zweifelnd in die Höhe beförderte.

„Was ist da zwischen euch?“, fragte er nun wesentlich ernster als vorhin und ich setzte mich sehr gerade hin.

„Nichts“, führte meine zweite gleichbleibende Erwiderung zu einem kurzen bedrohlich anmutenden Schweigen, das er mit einem theatralischen Seufzen brach.

„Hermione…“, perlte mein Name wie eine Strafe von seinen Lippen und ich verfluchte die Spagettiträger, die ich trug, sowie das hautenge weiße Oberteil, denn es offenbarte meine aufziehende Gänsehaut. „Ich weiß… dass da etwas…ist“, offenbarte er in dieser nervigen Art, nicht klein beizugeben und ich ballte die Hände zu Fäusten, dabei geriet unsere romantische Umgebung völlig in den Hintergrund.

„Hör mal, Lucius, ich will nichts von ihm und er auch nicht von mir, das Einzige ist, dass ich schon immer mehr das Mädchen war, das ihre Freunde unter Jungs hatte, schau dir Harry, Ron und die Twins an…“, versuchte ich mich zu rechtfertigen, was ich, wie jeder wusste, immer brutal hasste.

„Diese unsägliche Brut…“, tat er meine Freunde ab, als wären sie Dreck unter seinen Nägeln, sprach aber weiter: „Aber trotz allem versteht ihr euch und seid euch nah und… beleidige mich nicht, indem du das abstreitest…“, meinte er mahnend und hob zur Unterstreichung dieses Umstandes drohend seinen Zeigefinger. Ich schnaubte in meine Flöte, von der ich wieder nippte.

„Mhm… ich kann mit ihm gut arbeiten… er hat Regeln“, zählte ich auf und zog die nackten Schulter hoch, als wir kurz unterbrochen wurden.

„Die Herrschaften, die Vorspeise“, verkündete der Maître, während zwei Ober vor uns die Teller abstellten. „Das Ceviche von Orkney Jakobsmuschel auf Kohlrabi, Gurke, Dill und gefrorenem Meerrettich“, pries er das Essen an, dabei war es nicht nur ein kulinarischer Traum, sondern auch ein auf den Teller angerichtetes Kunstwerk, das beinah zu Schade zum Essen war, dabei traten die drei Männer wieder den Rückzug an und gaben uns unsere Privatsphäre.

„Er ist ein Werwolf“, meinte Lucius derart verachtend, dass ich perlend auflachte, da er das Thema nach der Unterbrechung nahtlos wieder aufnahm.

„Und ich bin ein Mudblood, die anderen Death…“, unterbrach ich mich und sah mich um, „… die anderen sehen kollektiv auf uns herab“, erinnerte ich Lucius schonungslos an eine Tatsache, die er gerne zu verdrängen schien.

„Sie fressen Menschen…“, hielt er mir sofort mit dieser unleserlichen Maske, die ihm zu Eigen war, entgegen. Ob seiner Aussage sah ich ihn unbeeindruckt an und schob mir ostentativ die Gabel mit der Muschel in den Mund, um ihm vor Augen zu führen, dass mir das Thema nicht auf den Magen schlug. „Und stell dir vor, diese Grenze haben weder Severus noch ich jemals überschritten“, erging er sich in süffisantem Spott, erhob nun aufreizend sein Glas und prostete mir zu.

„Erleichtert mich ungemein“, erwiderte ich ungerührt trotz der Provokation und stieß mit ihm an.

„Aber bei den Wölfen ist es dir gleich“, wandte er nach dem Schluck schneidend scharf ein und stellte mit zu großem Bedacht sein Glas hin, als dass es nicht verraten würde, dass er ergründen wollte, weshalb ich dies akzeptieren konnte.

„Ich sehe, was du vorhast, Lucius“, hielt ich kopfschüttelnd entgegen und legte mein Besteck ab, „aber ich werde nicht sein Vertrauen hintergehen, um deine Neugierde zu befriedigen, rede halt selbst mit ihm“, bot ich ihm fast schon übermütig an, wissend, dass Fenrir niemals über den Grund reden würde, weshalb sie Menschen fraßen.

Indes maßen wir uns über den prächtig gedeckten Tisch, als Lucius zu meiner Überraschung einlenkte und seinen Kopf neigte.

„Das werde ich wohl tun“, gab er langsam kund und eilig zeigte ich ein breites Grinsen, denn die Kellner kamen wieder, um abzuräumen, und beendeten daher unser unerfreuliches Thema.

„Es ist köstlich“, meinte ich dann gekünstelt, als uns nachgeschenkt wurde. Nach der nun einsetzenden Stille erhob Lucius seine Stimme.

„Das freut mich und jetzt sag, was du sagen willst“, forderte er und ich würde viel sagen, um von dem Gespräch rund um Fenrir wegzukommen und gleichzeitig dröhnte mir noch eine ganz bestimmte Bitte in den Ohren.

„Willst du das mit Astoria und Draco wirklich so durchziehen?“, stürzte ich mich in das heikle Thema, dabei ließ Lucius tief blicken, da er mich reichlich konsterniert anblinzelte.

„Bitte?“

„Ja, reicht es nicht, dass ich“, ich hob anklagend die Hand mit dem Ring, „das hier trage? Wobei“, ließ ich die Hand oben, um mir eine Unterbrechung seinerseits zu verbitten, „du dir keine Sorgen zu machen brauchst, ich denke, Draco würde gut wählen, ganz gleich ob Astoria oder eine andere… aber es wäre seine Wahl.“

„Versuchst du nun, alles und jeden zu retten?“, fragte er derart verächtlich, dass ich mich hätte beleidigt fühlen müssen, weshalb ich minimal die Zähne zeigte.

„Ist das zukünftige Eheleben deines Sohnes keiner Rettung wert?“, hielt ich ihm daher gehässig vor.

„Hermione… weshalb auf einmal das Interesse an Draco und seinen Befindlichkeiten?“, zeigte dieser Mann vor mir, weshalb er die Rechte Hand des Dark Lords war und ich hätte mir für meine forsche Art in den Hintern treten können.

„Die hatte ich immer“, wehrte ich selbst in meinen Ohren lahm ab.

„Ja, wer will deine Hilfe… Draco? Die kleine Greengrass? Oder… oder…“, durchleuchteten mich seine sturmgrauen Augen sengend. „Zabini“, stieß er über schmale, missbilligend verzogene Lippen hervor.



Ps. Ich weiß, dass das Walkie-Talkie und Sky Garden erst im Jahr 2009 gebaut wurden, aber allzu korrekt müssen wir in einer FF nicht sein. Das Gebäude hätte es auch schon 1997 geben können!


hier könnt ihr herms kleid sehen:

https://www.pinterest.de/melanieurbanek/when-hermione-fights/

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