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 Kapitel 627-628

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queenie
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BeitragThema: Kapitel 627-628   Mi Feb 21, 2018 4:11 am

627. Kapitel Grabschändung

„Ich bin euch doch nicht böse!“, erwiderte ich bewegt und biss mir auf die Unterlippe, denn was auch immer ich erzählt hatte, es war nur knapp und vor allem furchteinflößend gewesen. „Er… er wird unberechenbar in seinen Launen, je mehr wir vorwärtskommen…“

„Das ist gefährlich und wir haben es noch gefährlicher gemacht“, stieß Harry mitgenommen aus und ballte die Hände zu Fäusten. Mittlerweile lag die Kette plus Ring auf dem Tisch und obwohl sie den Stein mit dem Schwert gespalten aber nicht geteilt hatten, vernahm ich immer mehr das verführerische Wispern des Heiligtums.

Wie es aussah war wirklich nur der Horkrux, aber nicht das Heiligtum vernichtet worden.

„Das war es vorher auch…“, gab ich zu bedenken und lehnte mich vom Tisch zurück, brachte Abstand zwischen mich und das magische Artefakt.

„Jetzt ist es gefährlicher…“, warf Ron missmutig ein und beobachtete mein Verhalten durchaus.

„Ich weiß… aber wir passen auf… wir waren geschützt“, erwiderte ich in Anspielung auf Lucius‘ demonstrierte Macht und wie er sein Versprechen, für uns da zu sein, einhielt.

„Ja, aber nicht dank uns.“, „Mäh, ich hasse die Vorstellung, zu Malfoy Senior DANKE sagen zu müssen.“, „Wem sagst du das?“, wechselten sie sich wieder ab, dabei würgte Ron malerisch und ich rollte mit den Augen. „Aber das Geilste, wie glaubst du, wird Draco daran zu knabbern haben“, prusteten die Jungs plötzlich los und klatschten sich ab, während die anderen Anwesenden uns ansahen, als wären wir nicht ganz dicht.

„Müsst ihr immer auf ihnen rumhacken!“, presste ich minimal verärgert hervor, wenngleich es natürlich schön war, zu sehen, dass es immer weiterging, trotz aller Katastrophen.

„War nur eine Feststellung“, meinte Ron fies und als wir drei plötzlich loskicherten, sahen uns die anderen noch sparsamer an und das war noch nicht mal böse gemeint.

„Worüber redet ihr? Ich erwarte Klarheit“, schaltete sich auch schon Bill mit versuchter Autorität ein und ich blinzelte ihn entschuldigend an, während Harry das Wort ergriff.

„Bill, sorry, ich weiß, du und Fleur seid im Orden, aber euch muss klar sein, dass wir drei einen Auftrag haben, den ich euch nicht enthüllen kann… den ich niemandem offenbaren kann… darf und will…“, legte Harry dabei seine Hand auf den Ring und legte sich die Kette wieder um.

„Ich weiß nicht, ob ich das so hinnehmen kann“, wandte Bill unglücklich ein und sein entstelltes Antlitz drückte seinen Zwiespalt aus.

„Wir sind dir sehr dankbar, aber du wirst es müssen… dieses Wissen ist für niemand anderen bestimmt“, blieb Harry hart, indes hielt ich mich wohlweislich raus.

„Aber für euch?“, fasste er nach.

„Ja, und das war Dumbledores Wunsch!“, brachte Harry meine kleine Nemesis ins Spiel.

„Pfff… ich weiß nicht, was ich davon halten soll“, brachte es Bill auf den Punkt.

„Wie geht es Charlie?“, warf nun Ron in einem etwas plumpen Versuch, das Thema zu wechseln, ein, woraufhin Bills Blick zwischen uns dreien hin und her zuckte. Er war nicht doof. Er wusste, dass Ron ablenken wollte, doch schließlich seufzte er leise und Fleur wischte inzwischen mit einer überraschenden Intensität die Küchenplatte im Hintergrund.

„Mhm… gefährliches Thema in meinem Haus… mein Bruder… der Vampir.“

„Was?“, „Boah, krass“, kommentierten Luna und Dean, was ihnen leidliche Blicke von Bill einbrachte und sie verstummten eilig.

„Mum und Dad sind nun übrigens bei Großtante Muriel“, meinte Bill plötzlich und Ron zuckte hoch.

„Warum das denn?“, fragte er geschockt.

„Ich habe sie nachdem ihr angekommen seid vom Fuchsbau weggeholt… SIE wissen nun, dass du bei Harry bist, Ron. Es ist offiziell, unsere Familie wird gejagt!“, stellte Bill schonungslos einen Fakt fest und ich gratulierte ihm zu seinem flotten Handeln. „Vater geht auch nicht mehr arbeiten… ich auch nicht… Es war immer eine Frage der Zeit, dass wir uns verstecken müssen, das ist uns seit Monaten klar“, erklärte er nun mit Grabesstimme und es legte sich eine ungemütliche Atmosphäre über den Raum.

Vor allem zog über Harrys Gesicht die Schuld, die er empfand, weil er das Tabu gebrochen und damit all diese Reaktionen ausgelöst hatte, unter denen auch viele andere zu leiden hatten. Dabei vergaß er völlig, dass wir Luna, Ollivander und Dean aus den Fängen der Bösen befreit hatten.

„Auf die größte Familie von Blutsverrätern des Landes!“, meinte Bill auf einmal freudlos und doch zog so etwas wie ein stolzer Ausdruck über die Gesichter der Brüder.

„Ja, was tut man nicht alles… wie auch immer, der Kobold und Ollivander werden bald zu Muriel wechseln. Das Skelewachs und der Stärkungstrank wirken langsam und dort werden sie alle mehr Platz haben“, verkündete Bill, was er weiter plante.

„Nein… ich brauche sie hier“, wandte jedoch Harry mit neuer Autorität in seiner Stimme ein und ließ seine Hand auf den Tisch krachen, was uns alle überraschte. Luna zuckte sogar erschrocken zusammen.

„Aber Harry“, wollte Bill entgeistert wegen dieses Gefühlsausbruches einwerfen und ich bemerkte, wie er sich versucht unauffällig über seine Narbe fuhr. Er hatte eindeutig Schmerzen.

„Nein, ich muss mit ihnen reden und zwar auf der Stelle“, sagte er relativ scharf, als Bill aufstand und sich vor Harry aufbaute.

„Abär sie sind kränk und geschwächt ´Arry…“, kam es flott und entschuldigend von Fleur, die versuchte, der abrupt umschlagenden Stimmung ins Negative entgegenzuwirken.

„Wie auch immer, sie dürfen nicht gehen“, fauchte Harry sie fast an, was dazu führte, dass Ron als auch ich auf die Füße sprangen.

„Harry?“, fragten wir beide gleichzeitig sehr vorsichtig und warfen uns verstehende Blicke zu.

„Folgt mir“, knurrte Harry angestrengt und zu unserer Sorge zog er sich gebrechlich am Tisch hoch, als würde ein Schmerz durch seinen ganzen Körper gehen.

Die anderen sahen nur beunruhigt zu, indes ließ Harry alles hinter sich und eilte zur Tür. Ron und ich zögerten nicht lange und folgen ihm durch den Hausflur und hinaus in den Garten, bis wir Harry einholten, der hektisch atmend und keuchend die frische Luft einsog, als wir zum Stehen kamen.

„Harry, was ist los?“, fragte ich besorgt und ein wenig aufgebracht, da ich wusste, was ihn bewegte. Er verschloss seinen Geist nicht. „Was siehst du?“, meinte auch schon Ron.

Harry nickte stöhnend. „Hört mir zu!“, brach es aus ihm hervor. „Gregorowitsch hatte den Elderstab. Aber er wurde ihm gestohlen, von Grindelwald. Grindelwald benutzte den Elderstab, um mächtig zu werden. Und auf dem Höhepunkt seiner Macht, als Dumbledore wusste, dass er der Einzige war, der ihn aufhalten konnte, hat er sich mit Grindelwald duelliert und ihn besiegt und nahm den Elderstab an sich…“, repetierte er wie ein Mantra.

„Das wissen wir doch alles“, meinte Ron sichtbar bestürzt und Harry nickte kurz, als er aufkeuchend seine Augen zusammenpresste und sich auf die Knie stützte.

„Ja, aber nun weiß ER es auch!“, presste Harry beinah tonlos über seine blutleeren Lippen.

„Fuck! Nichts wie hin, wir müssen den Stab aus dem Grab holen“, schrie Ron laut und ich schlug indessen die Hände vor den Mund. Der Lord wusste es nun. War es so schlau gewesen, den Stab, den ich nicht bei mir haben wollte, oder konnte, zu Dumbledore zu legen?

„Nein“, sagte Harry geschlagen „Nein, es ist zu spät!“

„Wie, zu spät?“

„Er ist schon dort und holt ihn sich. Genau in diesem Moment. Die ganze Zeit sehe ich es schon vor meinen Augen, wie er sich auf den Weg zum Schloss macht… Snape ist bei ihm…!“, erzählte uns Harry wie ein Roboter, wie nah er dem Lord war, weswegen sich eine eisige Faust um mein Herz schloss.

„Harry!“, sagte Ron zornig.

„Harry, verschließ dich!“, rief ich aufgeregt und haute in dieselbe Kerbe.

„Nein… nein, ich kann nicht!“, keuchte Harry und sank nun endgültig in den Sand, als hätte er keine Kraft mehr, sich auf den Beinen zu halten, dabei hielt er sich die Narbe.

„Es ist nicht schlimm!“, wiegte er sich hin und her. „Dumbledore wollte nicht, dass ich ihn besitze. Hermione auch nicht. Sie wollten beide nicht, dass ich ihn an mich nehme. Er wollte, dass ich die Horkruxe jage“, kam es leicht wirr von ihm und ich stimmte ihm da so nicht ganz zu.

Draco war der Herr des Stabes, weshalb ich ihn weit weg von Draco hatte wissen wollen. Ein delikater, aber feiner Unterschied, aber das wäre wohl der falsche Zeitpunkt, wobei, solange Draco der Herr des Stabes war, war es der Lord nicht, weshalb er nicht über die ganze Macht des Stabes verfügen würde. In meinem Hirn ratterte es wie verrückt.

„Der unbesiegbare Zauberstab, Harry!“, erwiderte Ron. „Das kann nicht dein Ernst sein, du willst ihn ihm überlassen?“

„Ich soll nicht… ich soll… die Horkruxe finden!“, presste Harry hervor und sackte gänzlich im Sand zusammen, weshalb ich auf die Knie sank und neben ihm verharrte.

Er war nicht mehr bei uns. Er hatte seine Lider geschlossen und hinter ihnen bewegten sich seine Augen hektisch hin und her.

„Das sollte er nicht tun“, raunte mir Ron über Harrys liegenden Körper zu und ich zog die Schulten hoch. Natürlich sollte er nicht, aber er tat es. Derweil zuckte sein Leib immer mal wieder. Er schien immer aufgeregter zu werden und letztendlich ging sein Atem so schnell, dass man meinen könnte, dass er Atemnot hatte.

„Ich… ich…“, sprach er plötzlich mit geschlossenen Augen zu uns. „Ich sehe ihn… er öffnet es… oohhh, mein Merlin… er… er… er freut sich. Er hat ihn!“, stieß Harry abgehakt aus und sackte zusammen.

„Er hat ihn“, stieß er abermals atemlos hervor. „Er hat das Grab geöffnet, er hat den Elderstab!“

„Bäh, er hat echt das Grabmal geöffnet.“

„Was erwartest du vom Lord?“, fragte ich, diejenige, die so oft mit Leichen und Toten spielte, woraufhin Ron mich sparsam musterte.

„Aber Harry hat Dumbledores Leiche… seinen Leichnam gesehen, bestimmt nicht schön“, sprach Ron eine bittere, aber sehr wahre Tatsache aus, als wir einen Moment lang die Nachricht sacken ließen, begleitet vom Rauschen der Wellen des Meeres, die gegen die Felsen brandeten.

„Er… hat ihm den Stab aus seinen gefalteten Händen entrissen“, verkündete Harry unheilvoll.

Hermiones Sicht Ende

Severus Sicht

Ich war noch bei ihr gestanden und hatte ihr zugesehen, wie sie die malerische Landschaft musterte, aber ich hatte gewusst, dass es Zeit war, zu gehen. Hogwarts rief und für uns beide war ein schneller Abschied besser als alles andere, so rettete ich mich in eine Ausflucht, die sich leider zu schnell bewahrheiten sollte.

Denn nur kurz nachdem ich hinter meinem Schreibtisch Platz genommen hatte, vernahm ich den tatsächlichen Ruf des Lords und wo es mich hinzog war mehr als besorgniserregend, nämlich vor die Tore Hogwarts und dort sah ich mich mit dem Lord konfrontiert.

Dessen rot funkelnde Augen muteten unheimlich an, wie sie mich durch die uns trennenden Gitterstäbe musterten.

„My Lord?“, fragte ich vorsichtig mit einem schlechten Gefühl beseelt, was ihn zu einer solchen Tageszeit hierher trieb.

Am frühen Vormittag!

So in direktem Tageslicht hatte ich ihn seit seiner Wiederkehr noch nie gesehen. Die kühle, österliche Sonne des beginnenden Tages schmeichelte seinem so blassen Teint gar nicht, da sie ihn regelrecht krank aussehen ließ. Von seinen Augen gar nicht zu reden. Wobei seine sonst so gelassenen und gefühlskalten, rotglühenden Augen unstet wie selten waren. Ein deutliches Zeichen für seine geistig sehr labile Verfassung und ich war dank meiner Informationen sehr auf der Hut vor ihm und seiner Stimmung.

„Sevvveruuusss“, zischelte der Lord undeutlich und ich neigte mein Haupt.

Ich behielt ihn aber aus den Augenwinkeln im Blick, da ich sehr wachsam war. Dank der neusten Informationen, die ich von Lucius und Hermione erfahren hatte, war mit dem Lord wahrlich nicht gut Kirschen essen.

„Was ist Euer Begehr?“, wollte ich sorgsam erfahren, aber bisher machte ich keine Anstalten, das Tor zu öffnen.

„Lass mich ein!“, forderte er da auch schon eindringlich und ich erstarrte. Den sichtbar zornigen und schwer einzuschätzenden Lord auf Hogwarts‘ Gelände? Nicht wirklich!

„Wie kann ich Euch dienlich sein?“, versuchte ich daher, untertänig sein Ziel herauszubekommen.

„Ich will zu Dumbledore…“, wisperte der Lord zischend und legte seine langen, dürren Finger an die Gitterstäbe, woraufhin er sich verbrannte und sich hissend losriss.

„Zu seinem Bild?“, fragte ich irritiert.

„Zu seinem Grab!“, meinte er daraufhin und ich riss beide Augenbrauen hoch.

Mit diesem Wunsch erwischte er mich kalt!

„Oh…“, musste ich arg an mich halten, nicht meine Erleichterung zu offensichtlich zu zeigen, dass er nicht ins Schloss wollte. „Das Grabmal liegt auf der kleinen Insel. Geht durch den Verbotenen Wald zum Großen See…“

„Lass mich ein“, forderte er ungeduldig mit gespaltener Zunge.

„Die Zauber aufzuheben dauert länger… als wenn ihr die Abkürzung nehmt“, setzte ich auf seine brennende Ungeduld, „… aber wie Ihr wünscht“, zückte ich meinen Stab und tat so, als würde ich daran arbeiten, die Zauber für ihn zu heben.

Aber er wusste, ich log nicht, schlussendlich hatte jeder Schulleiter und jeder Lehrer Zauber um Zauber und Flüche um Flüche auf die Ländereien gelegt, um jedweden Feind und nun auch ihn von dort fernzuhalten.

„Arrr“, donnerte er wütend wegen eines gegebenen Faktes.

Jedoch tat er mir den Gefallen und löste sich in schwarzen Rauch auf, der eilig durch die Luft in Richtung Verbotenem Wald sprang. Ich holte tief und zu erleichtert für meine Verhältnisse Luft und wandte mich ab, folgte dem Nebel auf der anderen Seite der Ländereien zum See hin.

Natürlich war es gut, dass gerade Ferien waren, aber trotz allem tummelten sich gar zu viele Schüler in Hogwarts‘ Mauern, als dass es ungefährlich wäre.

Es verstand sich von selbst, dass ich ihm folgte. Was könnte er an Dumbledores Grab wollen?

Ich apparierte ihm hinterher und materialisierte auf der kleinen Insel.

Sorgsam darauf bedacht, nicht entdeckt zu werden, schlich ich über die unwirkliche Insel. Diese hatte sich nach Dumbledores Ableben urplötzlich aus dem Gewässer des Schwarzen Sees erhoben. Es war, als hätte Dumbledore geahnt, dass er irgendwann vom Lord Besuch erhalten würde. Somit hatte er ihm hier die Möglichkeit gegeben, ihn gebührend in der rechten Umgebung zu beehren, ohne dass der Lord auf das Gelände der Schule musste. Es mutete sonderbar an, aber Albus hatte noch nie etwas ohne wirklichen Grund getan, ein Grund, weshalb ich ihm nie vertraut hatte.

Aber Magie war schon was Feines!

Und hier war alles mehr als magisch. Es wirkte, als wäre es kurz vor dem Abend. Das Licht des Morgens war weg, absorbiert von finsteren Wolken, die schwer über dem verdorrten Geäst der knorrigen Bäume hingen, während am Boden ein satter Nebel waberte. Als ich das Zentrum der kleinen Insel erreichte, konnte ich den Lord ausmachen. Er näherte sich mit großen, schnellen Schritten dem in der Mitte erbauten Denkmal. Auf einer kleinen Erhöhung thronte das weiße, marmorne Grabmal des von mir ermordeten Schulleiters Albus Dumbledore.

Schließlich stoppte der Lord und blickte finster auf das Grab und ich suchte eilig hinter einem Baumstamm Schutz.

Die Zeit verrann und er starrte noch immer unbewegt auf die letzte Ruhestätte von Albus. Was mochte in ihm vorgehen?

Was wollte er überhaupt hier?

Dann riss er zu meiner Überraschung plötzlich seinen Arm hoch. Sein weiter Ärmel rutschte zurück und entblößte seinen so weißen, so knochigen Arm, verlängert von seinem weißen Zauberstab, der mit einem bestimmten Wisch den schweren marmornen Deckel zur Seite wuchtete. Der große Marmorblock brach knackend in der Mitte durch, als er die Erhöhung hinab rutschte und nun lag das Grab geöffnet, frei zugänglich vor dem Lord. Langsam raffte er seine lange Robe und stieg hinauf, zeichnete sich vor dem weißen Block durch die Schwärze seines Gewandes stark ab und sah hinein in das Grab. Er blickte hinein, er sah auf Dumbledores Leichnam!

Schließlich beugte er sich zu meinem Entsetzen immer näher zu der Leiche. Irgendwann sah es so aus, als hätte er sein Gesicht vis-à-vis zu Dumbledores Antlitz gebracht und ich verharrte absolut gespannt, was dieses sonderbare Verhalten sollte!

Was tat er dort? Schändete er ihn? Wollte er einen Inferi basteln? Ich traute ihm seit der Episode im Manor fast alles zu!

Von meinem Platz aus wirkte es plötzlich so, als wollte er zu dem Toten hineinsteigen, so weit wie er sich hinunterbeugte, bis er sich mit einem Ruck zurückzog und hoch aufragte. Auf einmal lachte er dröhnend laut auf, warf seinen kahlen Schädel in den Nacken und reckte seinen Arm hoch in die Höhe. Dabei schoss er einen grellen Blitz in den finsteren Himmel, der sich darauf sofort noch mehr verdunkelte, dicke graue Wolken ballten sich zu der hässlichen Fratze des Dark Marks und dann war er weg.

Mit einem Schlag war er appariert und ich stand verlassen auf dieser unseligen Insel, zusammen mit dem geschändeten Grab, dem ich mich nun langsam näherte.

Ich ballte die Hände zu Fäusten, innerlich darauf gefasst, gleich das zu sehen, was dort lag und als ich ankam wandte ich mit einer nichtssagenden Maske mein Gesicht dem Inhalt des Sarges zu und stockte.

Dort lag die irdische Hülle des ehemaligen großen Albus Dumbledore!

Er wirkte unversehrt, während ich ihm unbewegt in sein Antlitz blickte. Indes zog der Wind an meinem Mantel und ich sah auf die leeren, gefalteten Hände und runzelte die Stirn.

Wie sonderbar. Ich wandte mich mit einem Ruck ab und reparierte den kaputten Deckel und dirigierte ihn danach wieder an seinen Platz, dann sah ich mit einem unguten Gefühl auf das wieder hergerichtete Grabmal, bis ich mich entschloss, zurückzukehren.

Ich ließ diese Insel hinter mir und eilte Richtung Schloss, jedoch bremste mich auf halber Strecke eine größere Ansammlung von Menschen aus, die mich mit ihrer Neugierde konfrontierte.

„Schulleiter Snape, wer oder was war das?“, fragte Sprout aufgeregt, während die Schüler, die beliebten auch die Schule während der Ferien zu tyrannisieren, neugierig tuschelten und sich in keiner Weise angemessen zurückhielten. Gerade verdammte ich inbrünstig die Ferien und dass ich diese Belagerung nicht in den Unterricht schicken konnte.

„Gehen sie wieder… weg…“, schnarrte ich eindringlich. Albus‘ Leiche zu sehen hatte mich doch unerwartet berührt, vor allem die Tatsache, wie hilflos und ausgeliefert seine sterbliche Hülle in seinem Tod gewesen war.

„Da war jemand“, behauptete die Masse an Schülern wie blökende Schafe, die sie erschreckend gekonnt imitierten.

„Da war nichts“, fauchte ich entnervt zurück und verschränkte um Haltung bemüht die Hände aufsehenerregend vor meiner Brust.

Wenn die wüssten, wer da gewesen war, würden sie sich in die Hosen machen. Die sollten alle froh sein, dass sie ganz knapp an einer unliebsamen Begegnung der dritten Art vorbeigeschrammt waren. Es ihnen jetzt zu sagen, würde nichts, aber absolut nichts bringen.

„Sind wir sicher?“, kam eine exzellente Frage von McGonagall und eines musste man dem Kätzchen lassen, dumm war sie nicht, nie gewesen, für meine zarten Nerven verdammt schade.

„Natürlich“, bohrten sich meine dunklen Augen in ihre.

„Sind Sie sich sicher?“, zweifelte Sprout todesmutig, oder auch dummdreist an meiner Behauptung und ich rollte mit den Augen.

„Schulleiter“, donnerte die Stimme von McGonagall daher und ich warf ihr einen sehr finsteren Blick zu. Dabei gewann ich den Kampf um den Blickkontakt, da sie zuerst mit flatterndem Blick wegsah und ich zufrieden meine Mundwinkel verzog.

„Ich sagte!“, akzentuierte ich penibel, „da war nichts und niemand!“, bewegten sich meine geschürzten Lippen exakt bei jedem Wort, sehr akkurat in der Aussprache, sodass selbst ein völliger tauber Mensch in der Lage wäre, zu verstehen, was ich verkündete. „Und wenn ich das sage, ist mein Wort hier Gesetz!“, verkündete ich schneidend kalt und richtete mich ein Stück weiter auf, während die Leute mich mit ziemlich verdutzten Mienen musterten.

„So lange Zucht und Ordnung herrscht ist alles bestens und jetzt wäre es nett von den Professoren Sprout, Raue-Pritsche und McGongall, wieder an die Arbeit zu gehen… wie auch immer diese in den Ferien aussehen will“, schnarrte ich ölig in meiner Abfälligkeit und setzte meinen Weg fort.

Rauf in mein Büro zu dem größten Quälgeist von allen, aber dieser musste erfahren, dass seine Überreste einen unliebsamen Besuch erhalten hatten. Und ganz ehrlich, dabei brannte die Neugierde in mir lichterloh, wie Albus auf diese Eröffnung hin reagieren würde!

Severus Sicht Ende

Hermiones Sicht

Dank Harry waren wir live dabei, wie sich der Dark Lord den Elderstab aneignete!

Es war furchtbar, dass gerade alles Schlag auf Schlag in die Hose ging und bis sich Harry von diesem erneuten Tiefschlag erholt hatte, verharrten wir an seiner Seite im Sand und ich versuchte, darin, dass wir sicher waren, das Positive zu sehen.

Hinzu kam, ich fühlte, dass es mir langsam, aber sicher etwas weniger schlecht ging. Jedoch war Ron von der Tatsache bodenlos mitgenommen, dass wir den Elderstab an den Dark Lord verloren hatten. So dass nun er einen kleinen Nervenzusammenbruch hinlegte, der uns länger draußen hielt. Vielleicht tat es uns dreien auch nur gut, einfach mal rumzusitzen und die Stille und Einsamkeit dieses Ortes zu genießen.

So geschah es, dass das Abendessen kam und wir davon gar nichts mitbekamen, so benebelt waren wir noch immer von all den unerwarteten Geschehnissen, sodass wir völlig müde ins Bett gingen und uns erst am nächsten Tag zum Frühstück einfanden.

„Du hast Kopfweh, Harry?“, murmelte ich unglücklich in die recht stille Runde, die sehr wohl mitbekommen hat, dass gestern etwas vorgefallen sein musste, was uns drei sehr beschäftigte.

„Ja, ständig“, gab er unumwunden zu und schon lag Lunas Hand auf seiner und streichelte sachte darüber, was ihm ein leichtes Lächeln entlockte. Als ich mich räusperte richtete er sein Augenmerk wieder auf mich. „Aber ich versuche, das Brennen der Narbe zu ignorieren“, meinte er jetzt stur und ich schnalzte mit der Zunge.

„Dann werden wir ab heute wieder unsere Übungen aufnehmen…“, kam ich einem Einwand von ihm zuvor: „Keine Widerrede, du weißt, es ist gefährlich!“ Daraufhin traf mich ein vorwurfsvoller Blick aus grünen Augen.

„Sie hat recht, Alter“, schaltete sich Ron vehement ein. „Der Spion in deinem Kopf und so…“, unterstrich er seine Meinung mit einer unnachahmlichen Geste zu seinem eigenen Kopf hin, die Harry veranlasste, seinen eh schmerzenden Kopf auf die Tischplatte fallen zu lassen.

„`Arry“, kam ein Ruf von Fleur vom Treppenansatz her und sofort zuckten wir drei hoch. „Dü kannst nü mit dem Köböld rädän“, verkündete sie eifrig, nachdem Dean die Treppen hinab gehüpft war.

Er hatte beim Umzug des Kobolds geholfen, da er heute das Shell Cottage verlassen würde und damit Ollivander oben unter dem Dach das Zimmer für sich alleine haben konnte.

„Kommt?“, sprang Harry jetzt mit Elan auf die Füße und sah mich und Ron auffordernd an.

„Ich dachte, allein?“, fragte Bill hölzern.

Aber Harry schüttelte den Kopf und stellte sofort klar, dass wir als Einheit fest zueinander gehörten. So ließen wir die anderen zurück und gingen gemeinsam die Treppe hinauf in den ersten Stock, wo ab nun der Kobold untergebracht sein würde. Harry klopfte höflich gegen die erste Tür links und öffnete sie anschließend vorsichtig, da niemand etwas sagte. Dahinter verbarg sich ein kleines, recht dunkles Zimmer, das bisher eher eine Abstellkammer gewesen war denn ein Schlafzimmer. Aber es war besser als nichts und von draußen hörte man, wie überall in diesem Haus, das beruhigende Rauschen der Wellen.

Der schwarzhaarige Kobold saß mit verbundenen Beinen auf dem Bett und starrte uns mit seinen durch und durch schwarzen Augen misstrauisch an, dabei bewegten sich seine spitzen Ohren und die krasse, hakenförmige und so spitze Nase, als würde er nach etwas wittern, das ihm sagen könnte, was wir von ihm wollten.

„Wie geht es Ihren Beinen?“, fragte Harry höflich, während er einen Stuhl herbeizog und sich noch nicht setzte, sondern erstmal vor dem misstrauischen Wesen stehen blieb.

„Meine Beine, sie schmerzen, aber sie heilen“, erwiderte der Kobold steif. Er wirkte halb trotzig, halb neugierig. Erst jetzt, nachdem ich seine Stimme wieder hörte, fiel mir ganz spontan wieder ein, wer dieser Kobold war. Das war Griphook, der Kobold, der mit Ted Tonks‘ Gruppe unterwegs gewesen war. Indes wurde ich von dieser Erkenntnis sofort wieder in die Grube gerissen und sah den unschönen Tod von Ted vor mir.

„Wie geht es Ihnen?“, wollte Harry vorsichtig erfahren, nachdem er sich leicht verneigt hatte.

Ein Sonnenstrahl fiel durch die Vorhänge und ich sah auf die goldenen Sprenkel, die die Sonne auf die Bettdecke zeichnete und nahm das Schillern des Schwertes neben der kleinen Gestalt wahr. Wie war er da rangekommen? Harry und Ron hatten damit den Horkrux vernichtet. Wie war dann das Schwert in seine Hände gelangt?

„Griphook, wir müssen Sie etwas fragen“, kam Harry schließlich auf das Wesentliche und trat einen Schritt näher. Dabei fuhr Griphook in seinem Bett zurück und zog das Schwert von Gryffindor näher zu sich, umklammerte es fester mit seinen kleinen Händen.

„Warten Sie“, bat der Kobold entschieden. „Ich… ich muss Ihnen sagen, dass Sie ein merkwürdiger Zauberer sind… Harry Potter, oh ja, ich kenne Sie sehr wohl, selbst unter uns Kobolden sind Sie berühmt“, erzählte er schnarrend und Harrys Augenbrauen schossen in die Höhe.

„Und wohl auch bald berüchtigt“, warf er bemüht schalkhaft ein, als ich kurz die Augen schloss.

„Wie meinen?“, wollte der Hominide verwirrt wissen, gewöhnlich war an Kobolden Witz vergeudete Liebesmüh. Sie waren zwar hochintelligent, aber auch sehr eigen, so dass kurz eine ungemütliche Stille eintrat. „Sie sind ein ungewöhnlicher Zauberer. Ich habe Sie durch das Fenster beobachtet. Sie haben ein Grab von Hand gegraben. Sie haben um einen Hauselfen geweint und einen Kobold aus der Gefangenschaft befreit…“, wisperte er zum Ende bewegt und presste dann die dünnen Lippen zusammen.

Harry tauschte einen kurzen Blick mit uns und zog dann die Schultern hoch. Solche Aufzählungen, was er alles tat, mochte er gar nicht.

„Naja, ich schätze, das hätten auch viele andere getan…“, meinte er dann unglücklich und fuhr sich durch sein wirres Haar, als ihn der mehr als zweifelnde Blick des Kobolds traf und ich gab dem Wesen recht. Er hatte nicht die gleichen Rechte unter den Magiern. Die Wenigsten würden ähnliches für einen Elfen oder gar einen Kobold tun, aber Harry war sich derartiger Unterscheidungen noch nie gegenwärtig gewesen.

„Was wollen Sie von mir?“, kam der Kobold gewohnt zielorientiert auf den Grund zurück, weshalb wir ihn störten.

„Ihre Hilfe, Griphook“, forderte Harry, ohne weiter auf ihn einzugehen.

„Sie kennen meinen Namen!“, entfuhr es dem Angesprochenen regelrecht entsetzt und seine Miene offenbarte einen echten Schock.

„Ja… natürlich“, überging Harry gänzlich unbeeindruckt, wie sehr er den Kobold mit seiner Aufmerksamkeit bewegte. „Sie haben damals an meinem ersten Tag in der magischen Welt großen Eindruck auf mich gemacht… Sie und Ihre Bank“, meinte Harry zum Schluss schleimig eines Slytherins gleich und ich arbeitete daran, kein Grinsen zuzulassen.

Anscheinend hatte der Hut einen guten Grund gehabt, an Harrys Häuserzugehörigkeit zu zweifeln.

„Ich brauche Ihre Hilfe, Griphook“, versuchte Harry nun eindringlich und setzte sich ans Fußende des Bettes.

Dabei biss ich mir auf meine Lippe, ob das so bei einem Kobold funktionierte? Wir brauchten hier diplomatisches Geschick, schlussendlich kannte ich Rangok noch gut genug, um zu wissen, wie sehr die Kobolde auf ihren Vorteil bedacht waren und das spiegelte sich auf dem verschlagenen Antlitz des Kobolds auch wider.

„Was haben Sie vor?“, wollte dieser listig erfahren, als ich mich auf den Stuhl des Frisiertisches setzte und Ron auf der Lehne Platz nahm. Jetzt war das Vorgeplänkel vorbei und wir kamen zum richtigen Gespräch.

„Ich will in Gringotts einbrechen!“, fiel Harry mit der Tür ins Haus und selbst ich machte große Augen, während Rons Kinnlade hinabsank.

Das war nicht abgesprochen!

Das war noch nicht mal im Ansatz zur Sprache gekommen. Wie kam Harry darauf? Ein Blick zu Ron sagte mir, dass auch dieser von Harrys Vorhaben bisher nichts gewusst hatte. Wie kam Harry auf diese Idee? Ein Einbruch in Gringotts, warum?

„Harry!“, murmelte ich leise, doch Griphook unterbrach mich gehässig.

„Hahaha…“, schallte sein schrilles Lachen von den Wänden des kleinen Zimmers zu uns zurück. „In ein Verlies in Gringotts einbrechen? Das ist unmöglich!“, servierte er auch sofort mit der ihm innewohnenden Häme, woraufhin wir drei kollektiv den Kopf schüttelten.

„Ja, das sollte man denken, aber das ist es nicht“, wandte Ron mit einem sonderbaren Grinsen ein und ich wusste sofort, auf was er anspielte, auch Griphook, da er leidlich seine Miene verzog. „Es hat schon einmal jemand geschafft!“, gab er weiterhin zu bedenken.

„Jaaa, genau an dem Tag, als ich Sie das erste Mal traf!“, jubelte Harry, bis er sich nach einem Blick zu mir hin zurücknahm. Schadenfreude kam gar nicht gut. „Vor sieben Jahren, an meinem Geburtstag!“, meinte er dann ruhiger und ich lächelte verhalten, als der Kobold sichtbar gepeinigt die Augen schloss.

„Ein schwarzer Tag für unser glorreiches Haus!“

Da verstummte Griphook sichtbar peinlich berührt, bis plötzliche Wut in seinen dunklen Augen aufloderte. „Das besagte Verlies war zu jener Zeit so gut wie leer“, verteidigte er sich bissig, in seiner Ehre verletzt, aber für jeden Kobold schein es eine schwere Beleidigung zu sein, Gringotts‘ Sicherheit anzuzweifeln. „Es war außerdem nur schwach geschützt!“

„Danach war es leer“, kam es nicht hilfreich von Ron in seiner schnöden Art.

Jedoch, er hatte ja Recht. Der Stein der Weisen war danach verschwunden und der Hinweis, dass es angeblich nur schwach geschützt gewesen war, warf mal wieder kein gutes Licht auf Dumbledore, zumindest in meinen nachtragenden Augen.

„Wie auch immer, es war schon mal jemand in Gringotts und ich muss auch rein… ich muss in das Verlies der Lestranges!“

Das meinte nun Harry so völlig entschieden und überzeugt, dass es wieder an mir war, verdattert auszusehen. Was zur Hölle wollte er in Bellatrix‘ Verlies? Was versprach er sich hiervon?

„In das altehrwürdige… nie und nimmer…“, stieß der Kobold krächzend aus und wirkte regelrecht krank wegen dieser Idee.

„Was ist an denen ehrwürdig?“, spuckte Ron wütend aus, seitdem Bellatrix mir und Dobby das angetan hatte, zeigte er sich, sobald ihr Name fiel, ziemlich aggressiv.

„Was weiß ich nicht?“, fragte ich irritiert in die Runde, als Harry sich eher zu uns drehte und damit dem Kobold sein Profil zuwandte.

„Wie sie sich aufgeführt hat, das war verdächtig. Sie war total panisch, nachdem sie das Schwert gesehen hat! Sie hatte Angst…“, fuhr Harry erklärend fort und ich machte große Augen, denn zu dem Zeitpunkt war ich bewusstlos gewesen und es war interessant, auch diese Lücke zu füllen. „Die Aussicht, dass wir… etwas aus ihrem Verlies gestohlen haben könnten, die hat sie ganz schön austicken lassen… also…“

„Also... folgerst du, dass dort etwas sein muss, dass… dass…“, nahm ich den Faden auf, „dass dort etwas ist, was ihr nicht gehört… er hat es verteilt und verstreut… da wäre es sicher… in seinen Augen… alt und ehrwürdig… mhm…“, leckte ich mir selbstvergessen über die Lippen.

Ein Einbruch!

Natürlich spielte Harry auf die Horkruxe an und ja, Bellatrix war seine fanatischste Anhängerin! Einen Versuch war dieser Gedanke auf jeden Fall wert. Es war mehr als wir bisher hatten, aber wie er darauf kam, nur weil sie sich aufgeregt hatte, verstand ich immer noch nicht!

„Sie haben keine Chance“, murrte Griphook überzeugt und verzog seine hämischen Züge zu einer abschätzenden Grimasse. „Überhaupt keine!“, meinte er entschieden, als er sich aufrechter hinsetzte und uns mit seinen dunklen Augen fokussierte.

„Wenn du suchst in diesen Hallen einen Schatz, dem du verfallen…“, begann er zu rezitieren, bis Harry ihn lautstark unterbrach.

„Dieb sei gewarnt und ich sage dir… jaaaa, ich weiß das…“, zeigte er sich fahrig und ungeduldig. „Ich will mich nicht an den Schätzen bereichern“, schrie er beinah zornig.

Indes strich er sich mit Hast wieder über seine Stirn, da er erkannte, in welche Richtung die Gedanken des Kobolds gingen. „Ich habe selbst Geld, Sie kennen mein Verlies und ich habe geerbt… ich brauche kein Gold, mir geht es nicht um Schätze, das können Sie mir glauben!“, zeigte sich Harry hitzig, da ihn diese unausgesprochene Unterstellung, stehlen um sich bereichern zu wollen, ärgerte.

Griphook musterte Harry und runzelte abwägend und zweifelnd die Stirn. „Wenn es einen Zauberer gäbe, dem ich glauben würde, dass er sich nicht persönlich bereichern will, dann wären Sie es, Harry Potter. Kobolde und Elfen sind nicht Schutz und Respekt gewöhnt, den Sie uns gegenüber gezeigt haben. Zumindest nicht von Zauberstabträgern“, verkündete Griphook ernst, aber auch nicht wirklich begeistert.

„Zauberstabträgern?“, wiederholte Harry ungläubig über diesen uns bisher unbekannten Namen, den selbst Rangok mir gegenüber niemals verwendet hatte, aber es war interessant, dass sie für uns auch eine Bezeichnung hatten.

„Um das Recht, einen Zauberstab zu tragen, streiten Zauberer und Kobolde schon seit langem.“

„Kobolde können auch ohne Zauberstab zaubern“, erwiderte Ron schlicht und zog die Schultern hoch.

„Das ist unerheblich!“, ereiferte sich Griphook. „Zauberer weigern sich, die Geheimnisse der Zauberstabkunde mit anderen magischen Wesen zu teilen. Sie versagen uns die Möglichkeit, unsere Kräfte auszuweiten!“, ätzte er verärgert und zeigte, wie weit die Diskriminierung ging.

„Sie wollen uns ja auch nicht verraten, wie Sie Ihre Sachen schmieden“, kam es unerwartet anklagend von Ron, der uns unwissenden Muggelgebürtigen zeigte, dass es immer zwei Seiten einer Medaille gab.

„Ist egal“, beeilte Harry sich, den beginnenden Streit mit eilig erhobenen Händen zu schlichten. „Es geht hier nicht um Zauberer gegen Kobolde, sondern wir alle gegen den Dark Lord!“

Griphook lachte höhnisch auf, dabei lag all die Wut und all der Zorn, den er über seine Herabwürdigung als Wesen in sich trug, in diesem einen Ton.

„Darum geht es doch, Mr. Potter! Je mächtiger der Dark Lord wird, desto mehr festigt eure Rasse ihre Vorherrschaft über meine! Hauselfen und Kobolde werden abgeschlachtet und wer protestiert, oder macht etwas dagegen?“, fragte Griphook aufsässig und zeigte seine spitzen Haifischzähne, woraufhin sich eine betroffene Stille über den Raum legte.

„Wir!“, erhob ich leise meine Stimme und richtete meine weiß aufblitzenden Augen absichtlich auf das Fenster, bevor sie wieder normal aussahen. „Wir tun das!“, meinte ich nun entschlossener und war mir der perplexen Blicke der Anwesenden bewusst. „Und vergessen Sie nicht, dass ich genauso gejagt werde wie Sie… ich bin ein Mudblood!“

Ich stand nun auf und ging auf den Kobold und das Bett zu. Harry und Ron starren mich indes verdutzt an, denn ich log ohne rot zu werden, schlussendlich war ich rasant auf der Flucht von der Gejagten in die Rolle der Jägerin geschlüpft, aber das musste der Kobold nicht wissen.

„Red doch nicht immer so von dir selbst, das regt mich jedes Mal auf“, kam es unerwartet genervt von Ron.

„Sie…“, kam es abfällig daher. „Die junge Miss Malfoy…“, hielt Griphook dagegen, woraufhin meine Mundwinkel zuckten. „Ja, das ging auch in unseren Reihen herum… also, reden Sie sich nicht auf Ihre Geburt heraus!“, offenbarte der listige Kobold, dass er kein leichter Gegner war, aber ich ging jetzt auf Höhe seines Gesichts vor ihm auf die Knie.

„Das wundert mich nicht“, erwiderte ich prompt auf sein Wissen meiner Zugehörigkeit. Dabei rollte ich gerade meinen Ärmel hoch. „Ich bin ein Mudblood und ich bin stolz darauf“, meinte ich ernst und so streckte ich ihm meine Narbe entgegen, hielt sie ihm unter die spitze Nase, was ihn regelrecht schielen ließ. „Und jeder, der so geboren wurde wie ich… ist in dieser neuen Ordnung weniger wert als Sie es sind, allein durch den Blutstatus. Denken Sie daran, auch wenn ich das Glück habe, einer alten Familie anzugehören, schützt mich dies vor Folter nicht!“, raunte ich eindringlich, dabei kämpfte ich selbst mit diesem schmerzlichen, sehr bitteren Fakt.

„Bellatrix Lestrange“, wisperte der Kobold furchtsam und wirkte sehr unwohl in seiner Erinnerung.

„Denken Sie an all die Sachen, die wir unternommen haben, um den Dark Lord zu stoppen! Keiner wünscht sich mehr als wir, dass der Lord besiegt wird!“, ereiferte ich mich und dachte mit Schaudern an den Moment, als er uns alle im Saal des Manors umgeworfen hatte, nur aufgrund seiner puren, reinen und so tödlichen Wut!

Währenddessen starrten alle wie benommen auf meinen dank Severus‘ Hilfe wunderbar verheilten Arm, bis es mir unangenehm wurde und ich ihn wieder zurückzog und den Stoff darüber schob und mich in einer geschmeidigen Bewegung erhob.

Das sichtbare Zeichen meiner Minderwertigkeit schien etwas in Griphook bewirkt zu haben, denn nun sah er mich musternd an. „Was wollen sie in diesem Verlies? Das Schwert was dort liegt ist eine Fälschung… das Echte haben sie hier…“, beschwerte er sich, während er uns alle der Reihe nach anblickte. „Ich denke, sie wissen das bereits. Schlussendlich haben sie mich gebeten, bei den Malfoys zu lügen“, strich er selbstvergessen über das Metall des Schwertes an seiner Seite.

„Aber ich weiß, dass dort noch etwas ist, was dort nicht hingehört“, raunte Harry mit bewegter Stimme und dabei glomm ein entschlossener Funke in seinen so grünen Augen.

„Es ist gegen die Vorschriften, über Gringotts‘ Geheimnisse zu sprechen“, erwiderte Griphook verstockt. Gedankenverloren tanzten seine Fingerspitzen über das Schwert. „Wir sind die Wächter sagenhafter Schätze. Wir haben eine Pflicht den Dingen gegenüber, die in unserer Obhut sind und die so häufig von unseren eigenen Händen geschmiedet worden sind“, hob er um Aufmerksamkeit heischend seine Arme hoch und drehte uns seine Handflächen zu.

„Werden Sie uns helfen?“, fragte Harry eindringlich. „Wir brauchen einen Kobold.“

„Sie sind so jung“, musterte er uns zweifelnd, „und kämpfen gegen so viele…“, meinte er abwägend und es war doch immer wieder aufbauend, zu sehen, wie viele ihr vollstes Vertrauen in uns hatten.

„Ich werde darüber nachdenken“, murmelte Griphook. „Sie müssen verstehen, meine Kollegen… die Kobolde von Gringotts… sie würden dies von mir als schweren Verrat sehen… sollte ich es tun…“

„Moment… Leute!“, rief Ron aufgeregt und wir fuhren alle zu ihm herum. „Wir haben Hermione, brauchen wir Griphook überhaup? Könntest du da nicht einfach auftauchen, wie durch den Schutz des Fuchsbaus?“, versuchte Ron meine Gabe als SoulGatherer zu umschreiben und wirkte ganz begeistert, woraufhin ich die Stirn runzelte.

„Könnten Sie das?“, zweifelte Griphook sofort und musterte mich skeptisch von der Seite.

„Keine Ahnung… sagen Sie mir, wie ist Gringotts vor nekromantischer Magie geschützt?“, umschrieb ich vage meine Gabe. Es war nicht so, als würde ich einem Kobold trauen.

„Oh, eine eigenwillige Form der Magie“, runzelte er so sehr die Stirn, dass es wirkte, als würden sich die Falten für immer eingraben. „Dann rate ich Ihnen davon ab. Die Kobolde haben vor Jahrtausenden enge Beziehungen zu den Túatha Dé Danann geknüpft… vielleicht sagen die Ihnen was?“, reizte er und spielte eindeutig darum, mir Informationen zu entlocken, während ich nur nickte. „Gut und diese haben Gringotts für nekromantische Magie undurchdringbar gemacht.“

„Sie haben einen extra Schleier um die Bank gewoben?“, entfuhr es mir entsetzt.

Das war unvorstellbar. Gab es das um Hogwarts herum auch? Hatten die Gründer gewusst, dass die Túatha das konnten? Auf der anderen Seite war ich mir sicher, dass die Túatha für diese Leistung eine unbeschreibliche Gegenleistung von den Kobolden gefordert haben mussten, weit über die normale Zeit hinaus. Meiner Ansicht nach waren die Kobolde verrückt, sich auf diese Halbgötter einzulassen. Ich traute Lugh und Konsorten keinen Millimeter über den Weg und würde mir eher die Hand abhacken, als denen was schuldig zu sein.

„Natürlich!“, echote es von dem Kobold beinah empört. „Wir müssen das Gold schlussendlich auch vor Vampiren schützen, die durch die Schleier gehen“, erklärte er vehement und mir fehlten aufgrund dieser Eröffnung hin die Worte. Immerhin ging es Vampiren um Blut, nicht um Gold. Zum Glück übernahm Harry geschäftig alles weitere.

„Danke für diese Informationen…“, begann Harry, wurde aber unterbrochen.

„Sie können das nicht schaffen“, wisperte Griphook wie in einem Mantra vor sich hin.

„Vielleicht mit Ihnen schon… denken Sie darüber nach“, meinte er endgültig zum Abschied.

Er erhob sich, blieb dann aber vor dem Bett stehen und verneigte sich abrupt, so wie er es von mir bei Rangok damals gelernt hatte. Das ließ den Kobold so verdattert zurück, dass er nichts unternahm, als Harry sich vorstreckte, um das Schwert an sich zu nehmen. Der Kobold protestierte zwar nicht, aber der sichtbare Unmut zog über sein Antlitz, als Harry das Schwert bestimmt aus seinen Fingern zog.

„Kleiner Mistkerl“, wisperte Ron mit einer unterdrückten Wut, die er auch gerne gegenüber Lovegood hegte und pflegte und blickte missmutig auf die geschlossene Tür. „Erstens habe ich gar nicht bemerkt, wie er uns am Strand das Schwert gemopst hat… und zweitens…. er genießt das zu sehr“, sprach Groll aus seiner Tonlage.

„Ich war… nachdem wir dachten, der Schönsten mit der Vernichtung des Horkruxes zu helfen, zu sehr damit beschäftigt, Dobby zu halten…“, erklärte Harry. Ich nahm die Information auf, ging aber nicht näher darauf ein. Es war passiert, nur darauf kam es an.

„Wir müssen besser auf das Schwert achten“, resümierte Ron, indes blickte Harry versonnen auf das Schwert in seiner Hand.

„Harry, warum glaubst du so felsenfest, dass ein Horkrux in Bellatrix´ Verlies liegt?“, fragte ich interessiert, wobei die Aussicht, in Gringotts einzusteigen, durchaus einen Anreiz für mich bot.

„Genau das verstehe ich jetzt auch nicht so ganz…“, stellte sich Ron auf meine zweifelnde Seite. „Klar, sie war aufgeregt, dass wir in ihrem Verlies gewesen sein könnten, aber wieso zur Hölle sollte du-weißt-schon-wer etwas in Gringotts verstecken? Und dann noch in einem fremden Verlies? Ich dachte, er versteckt die Horkruxe nur an Orten, die etwas mit seiner Vergangenheit zu tun… und oder irgendwelche Bedeutungen für ihn haben.“

„Oh… sie hatte Angst, echte Panik“, meinte Harry feststellend und das fand ich interessant. Ich dachte, es gab mit Sicherheit nicht viel, was dieser Frau Angst einjagte. „Nicht nur wegen dem Schwert… sie wollte total aufgelöst wissen, was wir noch im Zelt hatten. Sie hatte Angst, dass mehr aus ihrem Verlies fehlt. Sie war total panisch, dass dort etwas weggekommen sein könnte…“

„Genau dasselbe sagte Draco“, gab ich dann zu, als ich mich erinnerte.

„Und deshalb glaube ich, dass ich recht habe!“, kam es ziemlich unerschütterlich überzeugt von ihm.

Plötzlich rieb Harry wieder die Stirn, die Narbe musste immer noch schmerzen. Besorgt musterte ich ihn erneut.

„Er vertraut ihr, er ist sich ihrer Loyalität völlig sicher“, verkündete ich und sah die Jungs nacheinander an.

„Vergesst nicht, er streut seine Seelenteile, dass er Bellatrix und ihrem Mann vertraut hat… steht außer Frage. Er wird ihr nicht gesagt haben, was es ist, genauso wie er damals Malfoy nicht gesagt hat, was das Tagebuch ist. Er wollte ein Versteck, das sicher ist. Gringotts ist der sicherste Platz, wenn man etwas verstecken will. Mit der Ausnahme von Hogwarts“, kam es wieder von Harry, der seine Gedanken aussprach, dabei rieb er sich immer wieder über die Narbe.

„Du weißt ziemlich gut über ihn Bescheid“, meinte Ron mit unschönen Zynismus und schüttelte seinen Kopf.

„Ein bisschen“, erwiderte Harry leise. „Ich wünschte, ich hätte genauso viel über Dumbledore gewusst… aber wir werden sehen…“

Hermiones Sicht Ende

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BeitragThema: 628. Wandmaker   Di Feb 27, 2018 8:59 pm

Wiki ruft!
Dies ist ein Wiki zum umfangreichen Epos WHF. Hier könnt ihr stöbern, aktiv werden und gemeinsam eine informative Seite erstellen. Denn noch steckt die Seite in den Kinderschuhen und wir würden uns freuen, wenn ihr aktiv helft ihr Leben einzuhauchen. Taucht ein in die Welt von WHF die Queenie erschaffen hat. Wir freuen uns über zahlreiche Einträge, oder eure Mitarbeit.

http://de.when-hermione-fights.wikia.com/wiki/When_Hermione_Fights_Wiki

Hey, Leute eine Fanfiktion mit eigenem Wiki? Hat es bisher schon mal so was gegeben? Egal, ich bin hin und weg mit was für lieben Gaben ich überhäuft werde. Danke, und ein besondrer Dank an LilySlyth die Begründerin dieser Seite.
Eure queenie und damit übergebe ich das Wort an LilySlyth:

Hallo ihr! (Auch wenn es unwahrscheinlich ist, dass dies jemand je liest xD)
Ich habe ein Wiki zu When Hermione Fights gestartet, einer FanFiktion von queenie, zu finden auf diversen Plattformen, aber ich schätze mal, dass es ganz ursprünglich auf Fanfiktion.de gehört bzw. war.
Um wieder aufs Thema zurückzukommen: Das Wiki ist im Aufbau begriffen und noch nicht allzu weit fortgeschritten. Also bitte ich alle Soul Gatherer (Ja. Ich nenne die Community rund um WHF so. Also eher meine beste Freundin, die WHF nicht leiden kann und meint, dass queenie unsere Seelen sammelt um sie an den Teufel zu verschachern.) fleißig am Wiki mitzuhelfen und uns/mich/so gut wie alle auf eventuelle Fehler aufmerksam zu machen, da niemand perfekt ist und jeder einmal falsch informiert sein kann oder einen Tippfehler macht.
Liebe Grüße,
Lily S.

http://de.when-hermione-fights.wikia.com/wiki/When_Hermione_Fights_Wiki




dann noch unsere russische WHF-Seite:
https://ficbook.net/readfic/6438507/16465429?show_comments=1#com60797132

und unsere englische WHF-Seite:
http://archiveofourown.org/works/9823712




628. Kapitel Wandmaker

Hermiones Sicht

Eigentlich zog es mich zurück ins Manor!

Ich wollte zu Draco, beziehungsweise ich musste zu ihm!

Außerdem plante ich schon wie irre und da wäre mir die Bibliothek im Manor äußerst nützlich gewesen. Die Recherche war ein elementarer Bestandteil der Vorbereitung eines Einbruches, egal wo man einstieg.

Und ja, ich fühlte die Lust, wieder alles so vorzubereiten, dass unser Plan glücken würde. Es war wie eine Sucht. Hinzu kam die Spannung, die damit einherging, alles zu bedenken, nichts zu vergessen. Es war aufregend. Und auch die Jungs waren durchaus willig, mitzuarbeiten. Sie erinnerten sich an die Zeit, als wir die Infiltration des Ministeriums vom Grimmauld Place aus geplant hatten. Ich erinnerte mich an all meine Alleingänge und genoss es durchaus, wie gut diese damals geglückt waren, aber das Ministerium war gegen Gringotts beinah ein Spaziergang.

Glücklicherweise konnten wir schon am Mittag desselben Tages bei Ollivander anklopfen, da er fit genug war, sich zu unterhalten.

„Herein“, kam die schwächliche Stimme von Mr. Ollivander daher.

Sein Anblick tat mir im Herzen weh. Sein Alter sprang einen nun regelrecht an. Er wirkte gebrechlicher und sah durchscheinend aus, man sah, dass die Zeit seiner Gefangenschaft seiner Gesundheit sehr abträglich gewesen war.

„Verzeihung, Mr. Ollivander, dass wir Sie stören…“, begann Harry sichtbar mitgenommen, als sein Blick auf den alten, gebrochenen Mann fiel und selbst mir fiel es schwer, den von seiner Arbeit begeisterten Mann auszumachen, der mir damals meinen Zauberstab verkauft hatte. Doch er wurde direkt von Mr. Ollivander unterbrochen.

„Ach, mein lieber Junge, Sie haben uns gerettet. Ich dachte, wir würden an diesem Ort sterben. Ich kann Ihnen nie… nie genug… für Ihre Tapferkeit danken.“ Seine Stimme war schwach und brach an einigen Stellen.

Harry kniff seine Augen zusammen, dabei stellte sich die Frage, ob die Narbe wieder schmerzte, oder aber ob er haderte, weil mein Verlobter der Missetäter gewesen war. Mir war es an sich schon sehr peinlich, vor diesem armen Mann zu stehen und sein Leid derart plastisch zu erleben und zu wissen, wer für sein Leid verantwortlich war. Ollivanders Blick wanderte zu mir.

„Wie geht es Ihnen, Miss Granger?“, fragte der alte Mann freundlich und das schmerzte mehr als ich es mir eingestehen wollte.

„Besser“, erwiderte ich bemüht neutral und blieb kurzangebunden.

„Ihre Schreie waren schwer zu ertragen, sie erinnerten mich an… ach… lassen wir das… Weinrebe, zehndreiviertel Zoll und Drachenherzfaser… ein wunderschöner Stab“, flüsterte Ollivander selbstvergessen, „vielleicht einer der schönsten, die ich je gemacht habe“, erinnerte er sich sichtbar ergriffen an den Stab, den ich zu meinem Schulbeginn bei ihm erworben hatte.

„M… Mr. Ollivander“, begann Harry schließlich zaghaft. „Ich… wir… ich brauche Ihre Hilfe.“

„Oh, wie?“, kam es zuerst verwirrt. „Aber natürlich! Gerne… gerne“, meinte der Zauberstabmacher leutselig und schaute nun wieder vertrauensvoll zu Harry.

Da zog Harry an der Schnur an seinem Hals und holte seinen Eselsbeutel hervor. Er wühlte darin herum, bis er schließlich seinen zerbrochenen Zauberstab in Händen hielt.

„Können Sie den reparieren?“, fragte er hoffnungsvoll und schluckte schwer.

Dabei hielt er Ollivander die zwei Zauberstabhälften wie eine Opfergabe hin, indes hatte ich wieder die schrecklichen Sekunden von Godric‘s Hollow vor Augen. Bagshots grausige, da gehäutete Leiche, die Harry nie gesehen hatte. Dann Nagini und zu guter Letzt der in einem Strudel auftauchende Dark Lord und ich, wie ich uns in einer Kamikaze-Aktion gerettet und dabei Harrys Stab zerstört hatte.

Ollivander streckte währenddessen seine zitternde Hand nach dem Zauberstab aus und Harry legte ihm diesen behutsam, wie ein weidwundes Tier, das Schmerzen litt, hinein.

„Stechpalme und Phönixfeder, elf Zoll, handlich und geschmeidig“, erinnerte sich Ollivander, beinahe schon ehrfürchtig und sah mit Tränen in den Augen auf den gebrochenen Stab.

„Genau, das war er… können… können Sie ihn reparieren?“, fragte Harry hörbar gepresst. Es war eigentlich offensichtlich, dass der Stab irreparabel beschädigt worden war, aber die Hoffnung starb zuletzt.

„Nein“, flüsterte Ollivander traurig und schüttelte bedauernd seinen Kopf. „Es tut mir leid, sehr leid, aber ein Zauberstab, der in solchem Maße beschädigt ist, kann mit keinem Mittel, das ich kenne, wiederhergestellt werden… vielleicht ließe sich die Feder wieder verwenden… aber ob sie noch intakt ist… ist und bleibt fraglich.“

Harry sah kurz getroffen aus und seine Lider flatterten hinter der Brille. Natürlich, er hatte seinen anderen Stab, aber dieser hier war halt etwas ganz Besonderes, der Zwilling zum Stab des Lords. Des Stabes, der seine Eltern ermordet hatte. Es mochte morbid erscheinen, dass er so daran hing, aber ich konnte es nachfühlen und hinzu kam, dass es das Erste war, was er in der magischen Welt gekauft hatte und der Zauberstab war für einen Magier nie ein leicht hinzunehmender Verlust. Es ärgerte mich, dass der Stab bei unserer Flucht dran hatte glauben müssen. Er hatte Harry so oft das Leben gerettet und irgendwie loderte das altbekannte Schuldgefühl wieder in mir auf.

„D… darf ich erfahren, wie es passiert ist?“, fragte Ollivander interessiert und blickte Harry mit großen Augen vertrauensselig an, während ich ein wenig erstarrte. Die Umstände waren nicht für jedermanns Ohren bestimmt, zumindest in meinen Augen.

„Hermione hat mir das Leben gerettet und dabei ist ein Sprengfluch abgeprallt und hat den Zauberstab getroffen… es war ein Unfall, es ist einfach passiert…“, wisperte Harry und umschiffte gekonnt die eher weniger schönen Details.

Indes blickte ich aus dem Fenster und betrachte, wie die blauen Wellen des Meeres sanft und ruhig an die Küste schwappten.

„Können Sie mir sagen, woraus die sind?“, meinte nun Harry wesentlich energetischer und ich drehte mich wieder um und erkannte, dass er Ollivander zwei weitere Zauberstäbe überreichte. Der Zauberstabmacher griff sich den Ersten der beiden Stäbe und hielt ihn sich dicht an seine altersschwachen und aufgrund der langen Dunkelheit in der Gefangenschaft geschädigten Augen.

„Walnuss und Drachenherzfaser, zwölfdreiviertel Zoll. Nicht flexibel. Dieser Zauberstab gehörte…“, begann er, doch ich unterbrach ihn, indem ich vortrat.
„Bellatrix“, übernahm ich das Wort und spie ihren Namen kalt aus. „Es ist ihr Stab!“ Der Stab, der Nevilles Eltern den Verstand geraubt und wer weiß noch was für weiteres Übel angerichtet hatte und der mir auch so einiges angetan hatte.

„Weißdorn und Einhornhaar. Genau zehn Zoll. Ziemlich federnd. Dies war der Zauberstab von…“ Ich unterbrach den bis dahin geschäftigen Ollivander schon wieder und blickte entsetzt zu Harry.

„Verflucht, Draco“, murmelte ich leise, fassungslos, dass er seinen Stab an Harry verloren hatte.

„Ja, das ist… beziehungsweise war Mr. Draco Malfoys Stab…“, meinte der alte Mann und sah mich wieder an, dabei beeilte ich mich, wegzusehen. Es stand außer Frage, dass Draco alles andere als erfreut sein würde.

„War?“, wiederholte Harry sichtbar irritiert. „Gehört er ihm denn nun nicht mehr?“

„Womöglich… nicht… nein…“, erwiderte Ollivander überlegend. „Wenn Sie ihn an sich genommen haben.“

„Das habe ich… ich habe diesen Stab Draco Malfoy mit Gewalt abgenommen. Kann ich ihn gefahrlos benutzen?“, bekannte Harry hörbar zu selbstzufrieden und ich rollte mit den Augen, weil die beiden das nicht sein lassen konnten. Das war zermürbend. Ron registrierte natürlich Harrys Begeisterung und während er mein Ungemach verfolgte lachte er unterdrückt auf, was echt gemein war. Dies brachte ihm einen empörten Blick von mir ein, der ihn noch mehr zu erheitern schien und so deutete Ron ohne Worte einen Kinnhaken an. Ich verstand, dass er mir sagte, wie Harry den Stab erobert hatte.

„Ich glaube, ja“, meinte Ollivander und nickte entschieden. „Er wird sich Ihrem Willen beugen. Er könnte nun Ihnen gehören“, entging Ollivander natürlich nicht unsere Interaktion, an der Harry nicht teilnahm, da er nur den Zauberstabmacher im Blick hatte. „Natürlich spielt die Art und Weise, wie man ihn sich nimmt, eine Rolle. Viel hängt auch von dem Zauberstab selbst ab, Mr. Potter. Doch für gewöhnlich wird ein Zauberstab, der im Kampf gewonnen wurde, seine Gefolgschaft wechseln…“, führte er weiter kundig aus und wir lauschten angespannt, bis sich kurze Stille über uns legte.

„Mr. Malfoy, also der Junge… er… er war einmal in den Zellen und hat nach Miss Lovegood geschaut.“

„Hat er das?“, murrte ich daraufhin finster, denn erzählt hatte er mir davon nichts. Manchmal fragte ich mich, ob Draco und ich absichtlich aneinander vorbeisprachen.

„Sie reden über Zauberstäbe, als ob sie Gefühle hätten“, kam es nun hörbar überlegend von Harry. „Als ob sie selber denken könnten“, versuchte er unser Wissen über Zauberstäbe zu erweitern, vor allem, da wir noch nie mit einem so versierten Mann darüber gesprochen hatten wie jetzt.

„Der Zauberstab sucht sich den Zauberer, Mr. Potter. So viel war denjenigen von uns Magiern, die Zauberstabkunde studiert haben, schon immer gegenwärtig.“ Kurz zuckte Zufriedenheit über die faltigen Züge des Mannes, als er seine Hände ausbreitete, während er uns in sein an sich nicht frei zugängliches Wissen mit einbezog.

„Jemand kann aber trotzdem einen Zauberstab benutzen, von dem er nicht ausgesucht wurde…“, wandte Ron leise ein, dabei dachte er mit Sicherheit an den Stab seines Bruders, den er in der zweiten Klasse demoliert hatte.

„Oh ja, falls man überhaupt ein Zauberer ist, wird man seine magischen Kräfte durch fast jedes Werkzeug lenken können. Die besten Resultate werden sich jedoch immer dort einstellen, wo die stärkste Wesensverwandtschaft zwischen Zauberer und Zauberstab besteht. Diese Zusammenhänge sind kompliziert. Eine anfängliche Anziehung und dann ein gemeinsames Streben nach Erfahrung, bei dem der Zauberstab vom Zauberer lernt und der Zauberer vom Zauberstab.“

„Gilt das für alle Zauberstäbe? Wie sieht es mit Dracos anderen Zauberstäben aus… wem gehorchen die?“, kam Harry für uns auf das Wesentliche und Dracos bisherige Herrschaft über den Elderstab. So oder so wussten wir beide, dass Harry nicht von Dracos persönlichem Stab sprach, sondern dem Elderstab, den der Lord aus dem Grab Dumbledores gestohlen hatte. So ein Raub hatte wohl herzlich wenig mit Erringen zu tun.

„Hypothese? Vermutlich…“, meinte Ollivander abwägend, aber auch sichtlich unentschieden. „Wer sollte mehr als einen Stab haben und warum?“, fragte er plötzlich und richtete seinen auf einmal misstrauisch erscheinenden Blick auf Harry. „Sie stellen tiefgründige Fragen, Mr. Potter. Die Zauberstabkunde ist ein vielgliedriger und geheimnisvoller Zweig der Magie.“

Damit stand wohl außer Frage, dass Draco die Gefolgschaft des Elderstabes verloren hatte!

Gleichzeitig würde es bedeuten, dass es dem Lord zwar gelungen war, den Stab zu stehlen, aber nicht gänzlich über dessen Macht zu verfügen. Das war sehr wertvolles Wissen für uns.

Ich fischte Dracos Zauberstab aus Ollivanders Händen und nahm ihn an mich, da er ihn mit Sicherheit wiederhaben wollte, denn ich wusste, dass dieser ein Erbstück der Familie war.

„Also ist es nicht notwendig, den vorherigen Eigentümer zu töten, um einen Zauberstab wahrhaft in Besitz zu nehmen?“

Ollivander schluckte: „Notwendig? Nein, ich würde nicht sagen, dass es notwendig ist.“

„Es gibt Legenden“, wisperte Harry eindringlich und klang dabei ganz rau. Seine Nervosität war dabei deutlich zu spüren und ich verstand, worauf er hinauswollte. „Legenden über einen Zauberstab, der durch Mord von Hand zu Hand ging.“

Ich wunderte mich doch sehr. Warum fragte Harry das so genau nach? Er kannte Gellert, einen Besitzer des Stabes sogar persönlich und wir wussten doch an sich schon alles über diesen einen Stab. Die wenige Farbe, die Ollivander im Gesicht hatte, verschwand schlagartig, als Harry den Elderstab auch nur versteckt erwähnte und das machte mich dann sofort hellhörig.

„Sie meinen den Elderstab?“

Dies hauchte Ollivander betroffen und irgendwie wirkte es, als wäre der Elderstab und seine Historie auch ein Bestandteil seines Gespräches mit dem Lord gewesen. So ängstlich und geplagt wie er jetzt aussah, zeugte sein Blick von Horror, aber auch von der Frucht, was Harrys Frage bedeuten mochte und welches Ziel wir mit diesem besonderen Stab verfolgen könnten.

„Richtig“, gestand Harry freimütig, „und ich weiß noch mehr. Sie sollten ihm damals alles zum Elderstab sagen und er wollte, dass Sie ihm verraten, wie er die Verbindung zwischen unseren Zauberstäben überwinden kann“, offenbarte unser Freund sein ausgewähltes Wissen.

„Wo… woher wissen Sie das?“, fragte Ollivander bodenlos entsetzt wegen Harrys Einblicken, weswegen Panik über seine Züge kroch. „Sie müssen das verstehen…“, begann er nun, sich zu verteidigen, „er… ich wurde gefoltert, mir blieb keine andere Wahl! Ein alter Freund von mir Florean…“, brach seine Stimme elendig bebend vor Schmerz.

„Der Besitzer des Eissalons“, half Harry und Ollivander schnäuzte sich in ein Stofftuch.

„Ja… ich… ich hatte keine andere Wahl, als ihm zu sagen, was ich wusste, was ich vermutete!“, sprach aus seiner Stimme all sein Leid über seine eigene Verzweiflung, in seinen Augen versagt zu haben, als er sehr tief seufzte, bevor er weitersprach. „Er… er ist tot…“, dabei sah er mich so sonderbar von unten herauf an, dass ich unbehaglich vermutete, den Schuldigen, vermutlich Lucius, zu gut zu kennen.

Als er bemerkte, dass ich zu ihm sah, wandte er eilig die Augen ab. Tja, wer das Pech hatte, in diesen Zellen zu landen, erlebte so einiges mit meinem Verlobten. Was ich fühlte, wollte ich gerade gar nicht ergründen, weshalb ich das Gespräch nur stumm über mich ergehen ließ.

„Ich verstehe“, erwiderte Harry tonlos. „Sie haben ihm von den Zwillingskernen erzählt… sie haben gesagt, dass er sich einfach den Zauberstab eines anderen Zauberers besorgen muss. Sie müssen sich nicht als Verräter fühlen… sie hatten Recht damit, zu reden!“, erteilte Harry dem alten Mann gerade Absolution, aber dieser schaute nicht wirklich glücklich darüber aus. Er wirkte wie versteinert. Ängstlich schaute er Harry, dann Ron und dann mich an.

„Mr. Malfoy hat ihm seinen überreicht…“, meinte er ein wenig aus dem Zusammenhang gerissen und ich hob sichtbar überrascht eine Braue.

Wir drei erkannten, was Lucius getan hatte.

„Tja, kann niemand behaupten, dass die Rechte Hand nicht geschmeidig, oder gar sehr schlau ist“, verkündete ich emotionslos, woraufhin uns dreien ein Lachen entschlüpfte. Wir amüsierten uns über Lucius. Eine Tat, die Ollivanders Unverständnis hervorrief, weswegen ihm der Mund offen stehen blieb.

„Aber es hat nicht funktioniert“, fuhr Harry fort und Ollivander übernahm wieder.

„Ich hatte… noch nie von so etwas gehört. Ihr Zauberstab hat in jener Nacht etwas Einzigartiges getan. Die Verbindung der Zwillingskerne ist unglaublich selten, doch warum Ihr Zauberstab den geborgten zerbrochen hat, weiß ich nicht.“ Dabei zog er unwohl die abgemagerten Schultern hoch. „Woher wissen Sie das so genau?“, krächzte Ollivander bebend vor Angst. „All dies? Alles!“, fragte er besorgt, dabei wurde Ollivander nun noch blasser, seine Haut erschien beinahe gläsern.

Da brachte der alte Zauberstabmacher doch mal was Wahres hervor und Ron und ich sahen uns missmutig an, denn uns war leider wieder sehr klargeworden, dass dieser Depp da vor uns seinen Geist nicht konstant verschloss, sondern anscheinend die Nähe zum Lord regelrecht suchte.

Vielleicht entwickelte es sich zur Sucht? Wer wusste schon, was so ein Seelenteil in einem verursachte? Wurde es schlimmer, seitdem mehr und mehr Horkruxe zerstört worden waren? War der Grund vielleicht, dass das eingeschlossene Seelenteil eigentlich zu seinem Besitzer zurückwollte und Nähe zu diesem suchte? Konnte Harry gar nichts für diese Affinität, da es ein beinah aussichtsloser Kampf war, den er aufgrund des Parasiten in sich austrug?

„Der Dunkle Lord“, wisperte Ollivander heiser und zog damit wieder meine Aufmerksamkeit auf sich, „war immer zufrieden mit dem Zauberstab, den ich ihm gemacht hatte… Eibe und Phönixfeder, dreizehneinhalb Zoll“, erinnerte er sich selbstvergessen. „Bis er die Verbindung der Zwillingskerne entdeckte. Nun sucht er einen anderen, mächtigeren Zauberstab, als die einzige Möglichkeit, den Ihren zu besiegen.“ Wobei das mittlerweile unnötig war, da Harrys Zwillingsstab zerbrochen war, aber Ollivander war mit seiner Zusammenfassung noch nicht fertig. „Der legendäre Elderstab als Todesstab oder als Zauberstab des Schicksals bekannt. Er besteht aus dem Holz eines Holunderbusches, daher das Wort Elder und hat als magische Kernsubstanz das Schwanzhaar eines Thestrals. Diese sehr ungewöhnliche, mächtige Substanz ist trügerisch, denn nur Besitzer, die den Tod akzeptieren, können die darin enthaltene Kraft gänzlich ausschöpfen… so die Legende!“ Mein Blick zuckte zu den anderen beiden. Wenn jemand den Tod nicht akzeptierte, dann der Lord!

„Der Dunkle Lord sucht den Elderstab nicht mehr nur, um Sie zu vernichten, Mr. Potter. Er ist entschlossen, ihn in seinen Besitz zu nehmen, weil er glaubt, dass er ihn wahrhaft unbesiegbar machen wird. Seine Geschichte ist blutig, doch das könnte einfach daran liegen, dass er ein so begehrenswertes Objekt ist“, wies der alte Mann den Aberglauben strikt von sich und ich schmunzelte verhalten. „Der Besitzer des Elderstabes muss immer einen Angriff fürchten“, verkündete Ollivander inbrünstig. „Aber die Vorstellung, dass der Dunkle Lord im Besitzt des Todesstabes sein könnte, ist, ich muss es zugeben… beeindruckend.“

Bei seinen letzten Worten senkte sich eine unwohle Stille über uns, die der Alte wieder brach.

„Wobei dieses Holz umstritten ist und ein magischer Aberglaube besagt düster, dass Zauberstäbe aus Holunderholz überdies Unglück brächten“, hauchte er ergriffen und wir drei warfen uns über die gekrümmte Gestalt einen Blick zu, schlussendlich kannten wir drei Besitzer.

Gregorowitsch, Gellert und Albus und ob das Ende, beziehungsweise die Leben der drei von Glückseligkeit erfüllt gewesen war, war wohl ein Unding. Gregorowitsch vom Lord ermordet, Albus von Severus und Gellert über fünfzig Jahre im Knast. Ich konnte Draco und Ron nicht verstehen, die ganz scharf auf den Stab waren. Ich wollte das Ding nicht mal geschenkt und Harry schien es ähnlich zu gehen.

„Eine Frage hätte ich da noch“, kam es unerwartet geschäftig von Harry. „Was wissen Sie über die Heiligtümer des Todes?“

„Die was?“, fragte Ollivander sichtbar ahnungslos mit großen Augen. „Ich fürchte, ich weiß nicht, wovon Sie reden. Hat das etwas mit Zauberstäben zu tun?“

„Nein… es ist nichts, ich sage vielen Dank“, meinte Harry jetzt freundlich. „Ich danke Ihnen sehr für ihre Hilfe. Wir gehen jetzt und lassen Sie sich ausruhen!“, dabei wandten sich Ron und ich schon zur nun offenen Tür, als Ollivander etwas hochfuhr.

„Er hat mich gefoltert, Mr. Potter“, kam es von Ollivander wie als würde etwas in ihm platzen. „Der Cruciatus-Fluch… Sie… Sie haben keine Ahnung!“, schien er von der Angst beseelt, dass wir ihn für seine Kooperation mit dem Lord verachten könnten.

Dabei müsste er wissen, was wir seit Jahren für ein Schmierentheater aufführten und dem Lord gefällig waren, um ihn ruhig zu stellen. Indes war mir schmerzlich gegenwärtig, wie sehr ich mit dem Lord kooperierte, um unserer Sache dienlich zu sein und was ich alles tat und schon verbrochen hatte.

„Doch, das habe ich“, erwiderte Harry freudlos. „Das habe ich wirklich. Bitte ruhen Sie sich aus. Danke, dass Sie mir das alles gesagt haben“, verabschiedeten wir uns. Draußen fuhr Harry zu uns herum.

„Ich sage Bill, dass er ihn zu Muriel bringen kann“, bot Ron an und damit stand der Verlegung von Ollivander nichts mehr im Wege.

Wir gingen zurück zu den anderen. Unterdessen war aus dem Wohnzimmer helles Gekicher zu hören. Luna?

Das war eindeutig Luna, aber wieso war ihr schon wieder zum Lachen zumute? Wir tauschten einen kurzen Blick, kommentieren das aber nicht weiter, sondern betraten den Raum.

Luna und Dean saßen am großen Esstisch und waren gerade beim Essen, während Fleur und Bill noch in der Küche werkelten. Unbemerkt von uns war es Zeit für’s Mittagessen geworden, so dass wir uns setzten, da Ron regelrecht anzusehen war, wie ihm bei dem dicken Steak, das auf Deans Teller lag, das Wasser im Mund zusammenlief.

„´abt ihr Hünger?“, fragte Fleur leutselig und Luna deutete auf eine Platte, auf der noch einige Steaks lagen.

Die Jungs waren wahrlich erstaunlich, denn sie konnten vor Hunger wohl nicht mehr an sich halten und gaben sich reichlich auf, als würden sie darben.

„Fleur, du bist eine Künstlerin am Herd“, kam es stöhnend von Ron und er rieb sich den Bauch, was mich schmunzeln ließ, während Bill stolz zu seiner Frau sah, da er sich zu uns gesetzt und auch etwas gegessen hatte.

„Merci“, flötete Fleur geschmeichelt zurück und mit einem Schwung ihres Zauberstabs ließ sie das Geschirr und das Besteck in die Küche fliegen.

„Ähm, Bill, ihr könnt Ollivander zu Muriel bringen“, verkündete Ron leicht träge, nachdem er sich erfolgreich den Magen vollgeschlagen hatte.

„Jetzt?“

„Ja, wir brauchen ihn nicht mehr und er ist so erschöpft, er braucht Ruhe“, bot Harry als Erklärung an und erntete eine leicht verwirrte Miene in dem vernarbten Gesicht.

„Bald ist das Haus wieder leer“, kam es ebenfalls zufrieden von Dean und als er bemerkte, wie wir ihn betreten musterten, sprach er weiter „Naja ich wollte ja schon in der Früh gehen, aber dann habe ich so nett mit Luna geredet und dann kam der Duft. Naja… ich werde gleich aufbrechen… ich habe eine Aufgabe!“

„Gehst du zuerst… heim?“, bat ich mit Blick auf die Radiosendung und Irland.

„Ja, um alle zu beruhigen, die sich sorgen. Aber dann bin ich wieder auf der Straße. Es sind so viele, die versuchen, sich zu verstecken… oder zu flüchten. Sie brauchen Hilfe!“, verkündete er mit Inbrunst, denn auch wenn er gejagt und gefangen genommen worden war, würde er weitermachen und das rang mir großen Respekt ab.

„Beeindruckend, Dean. Möchtest du vielleicht in den Orden?“, kam es reichlich begierig von Bill, der auch Deans Potential sofort erkannte und ich schmunzelte verhalten.

„Versuchst du zu werben?“, amüsierte ich mich leise, so leise, dass Dean das Wort ergriff.

„Bill, ich bin dir für alles echt dankbar, aber nein, danke… sag nichts, ich überleg es mir, aber erstmal muss ich heim…“, wiegelte Dean sichtbar eilig ab und warf mir einen verstohlenen Blick zu, der natürlich nicht unbemerkt blieb.

„Bleibt Luna?“, fragte Ron daher sofort, um abzulenken, was Bill tiefe Falten auf seiner Stirn bescherte.

„Ich wollte eigentlich auch mit Dean gehen…“, gestand Luna dann in der ihr eigenen, leicht abwesenden Art.

„Aber dein Vater…“, fiel Bill ein und stoppte sich selbst gerade noch, bevor er die grausamen Fakten, die jedem hier bekannt waren, aussprach und ich erstarrte.

„Mhm…“, entgegnete sie summend. „Nein, nein… ich habe einen Ort, an den ich gehen kann“, sprach sie von Irland und damit von Rolf Scarmander, ihrem Freund. Ein Partner, der sie hoffentlich in dieser schweren Zeit auffangen konnte und ich war Draco zutiefst dankbar, dass er diesen Hort für so viele Heimatlose erschaffen hatte.

Und plötzlich drohte die Schuld, die auf meinen Schultern lastete, Überhand zu nehmen und da sprang ich abrupt auf.

„Ich… ich muss mit dir reden Luna“, stieß ich nicht nur zur Verwunderung aller, sondern zu meiner eigenen ziemlich konfus aus.

„`ermine alles in Ördnung? Dü bist so blass?“, meinte Fleur besorgt, während Lunas Antwort dabei fast unterging.

„Oh… jetzt erst?“, meinte Luna so leise, aber mit so ernstem Blick, dass ich unbesorgt sein konnte. Sie wusste, was ich von ihr wollte.

„Besser spät als nie“, warf Ron wenig angebracht ein und jaulte dann auf, da Harry ihm einen Fußtritt unter dem Tisch verpasste.

„Die Gryffindor in ihr braucht lange“, murmelte Luna freudlos, erhob sich aber zuvorkommend.

„Komm“, meinte ich jetzt und steuerte den Ausgang an, ging wie ferngesteuert in den Garten zu einem anderen Toten und blieb vor dem blühend geschmückten Grab von Dobby stehen, bis sie langsam neben mir auftauchte.

Jetzt standen wir etwas verloren vor dem Grab und ich vergrub meine Hände in meinen Hosentaschen, da ich schlicht keine Worte fand. Der Wind zerrte an meinem wirren Haar und Lunas blondes, so langes Haar tanzte in den Böen, während sie ihren Blick weit hinaus auf das Meer richtete.

„Hör mal…“, brach ich dann doch die Stille, jedoch brach umgehend meine Stimme und ich leckte mir über die trockenen Lippen.

„Was willst du mir sagen?“, vernahm ich zum ersten Mal in meinem Leben, dass sich Luna regelrecht streng anhörte.

„Wenn ich das wüsste…“, gestand ich unglücklich. Jedes Wort war eigentlich nicht genug, da meine Tat an Schrecklichkeit nicht zu überbieten war. „Entschuldige…“, würgte ich, wissend, dass das nicht genug war, nicht gut genug, nicht ausreichend genug. Niemals genug!

„Denkst du, dafür kann man sich entschuldigen?“, fragte sie noch immer erschreckend ruhig und ich weigerte mich, zu ihr zu blicken.

„Keine Ahnung… wie hast du es erfahren?“, meinte ich ausweichend und zog meine Schultern unwohl hoch.

„Oh, mein Dad… er kam zu mir, als ich schlief…“, gab sie bereitwillig Auskunft und ihre Stimme hörte sich nun wesentlich lieblicher an, als sie von ihrem Vater sprach.

„Tat er das…?“, hauchte ich betroffen. „Das ist… wow… du kannst hinter die Schleier sehen?“, fragte ich aufrichtig interessiert.

Denn ich glaubte Luna. Wenn sie sagte, dass ihr Vater ihr erschienen war, dann war es so und sie wusste, dass ich seine Mörderin war und da Harry und Ron niemals ihr oder sonst wem das erzählen würden, musste sie Zugang zu Informationen auf anderem Wege haben.

„Was für Schleier?“, fragte sie plötzlich perplex und ich wandte mich ihr nun zu, studierte ihre Gestalt und wusste mit Sicherheit, dass sie keine Ahnung von den Schleiern hatte. Das wurde schlussendlich nirgends wirklich gelehrt, aber für mich stand außer Frage, dass sie in der Lage war, dahinter zu sehen, nicht zu gehen, so wie ich, aber sie war nicht so wie andere.

„Du bist was ganz Besonderes…“, verkündete ich dann ernst und durfte erleben, wie sie große Augen machte. „Ich meine das ernst, du hast besondere Gaben, hege und pflege sie und stell sie nie in Frage… Luna, ich würde mich nie bei anderen für etwas entschuldigen, wobei ich dachte, dass ich es tun musste… da mir keine andere Wahl blieb“, versuchte ich mich in den mir sonst so verhassten Rechtfertigungen.

„Du meinst, wie du es nicht bei Hannah und Susan tust?“, lag ein durchaus verächtlicher Ton in ihrer sonst so lieblichen Stimme.

„Manchmal weiß ich bei dir nicht, was du weißt… und was du rätst, oder woher du ahnst, was Sache ist!“, erwiderte ich minimal gehässig, aber ich kam nicht gut damit klar, die Verantwortung vor der Tochter meines Opfers zu übernehmen.

„Die Nargel flüstern es mir meist zu!“, kam es erklärend von Luna, deren Augen mich zu durchbohren schienen.

„Mhm, Nargel?“, verzogen sich meine Mundwinkel in einem unechten Lächeln. Luna blieb Luna und das war irgendwie gut. „Naja… ich wollte es nicht, aber dein Vater…“

„Er war ein guter Mann… ein lieber Mann… er war mein Papa…“, kam nun auf einmal doch noch Leben in Luna, die jetzt mit Tränen in den Augen auf mich zutrat. Sie hatte auch ihre Hände zu Fäusten geballt.

„Verflucht… es hat mir keinen Spaß gemacht, aber es war nötig, er hat…“, fuhr ich sie nun an und rief mich dann selbst zur Ordnung und verstummte. Dass er uns verraten hatte war nichts, was ich der leidenden Tochter auch noch unter die Nase reiben musste.

„Naja, wenn dann liefe gehörig was falsch, wenn du Spaß daran finden würdest“, schränkte Luna tadelnd ein, nur um dann mit sichtbarer Härte im Blick fortzufahren: „Aber schieb es nicht auf Papa und behaupte, dass er schuld war und dass du tun musstest, was du getan hast!“

„Du musst mich hassen!“, wisperte ich betroffen und versuchte, die Haltung vor meinem Richter zu wahren, der gar nichts Kindliches mehr an sich hatte und gerade die Augen schloss und um Fassung rang.

„Das sollte ich…“, stieß sie dann auch atemlos aus, „und ich will auch… aber ich kann es nicht, nicht richtig zumindest“, meinte sie zum Schluss hin selbst überrascht, während ich die Augen weit aufriss.

„Und warum nicht?“, fragte ich zittrig, als sie vortrat, meinen Arm packte und meine Narbe freilegte, bevor sie mit dem Finger der anderen Hand über die Buchstaben fuhr.

„Kannst du dir denn selber vergeben?“, fragte sie eindringlich und ich schluckte schwer.

„Ich…“, fehlten mir die Worte und ich entzog ihr meinen Arm.

„Wenn du das nicht kannst, ist jede Vergebung anderer nichts wert… aber Hass? Ich weiß, was du alles geopfert hast, auch du hast deine Familie verloren… und noch so viel mehr… deine Freiheit? Ich bin frei… jetzt nachdem ich aus dem Verlies entkommen bin… du wirst nie mehr frei sein… ich habe noch nicht allzu viel Böses getan… die Schuld, die damit einhergeht wird dich nie mehr freilassen… und für was all das?“, lag zum Ende hin ein verächtlicher Ton in ihrer Stimme, der mir beinah körperlichen Schmerz bereitete.

„Für das größere Wohl“, lachte ich freudlos auf, in Erinnerung an Albus‘ Lieblingsdevise und erkannte mit Schrecken, dass ich selbst mittlerweile nach diesem Kredo lebte.

„Ja, all das für eine bessere Zukunft, die sich auch Papa für mich gewünscht hätte…“, schnitten ihre gar aufrichten Worte in mein Herz. „Ich weiß nicht, ob ich dir vergeben kann…“, flüsterte sie so sanft, dass es mich so sehr schmerzte wie der härteste Cruciatus, „aber ich werde versuchen… dir zu vergeben, was du getan hast…“, trieb sie ihre Güte zur Spitze und ich krümmte mich.

„Vergebung“, echote ich hektisch. „Vergebung… wo ich keine verdiene!“, stieß ich verzweifelt aus und sie rührte sich. Sie wollte mich umarmen, aber ich bemerkte ihr Vorhaben und drehte ab.

Ich rannte los und lief, lief wie von Teufeln getrieben davon, dabei schüttelte mich ab und an ein Weinkrampf. Ich begann, zu weinen wie noch nie in meinem Leben, während ich lief. Luna, so gut und rein, machte mich nur noch schlechter und offenbarte, wie verloren ich durch meine Unmenschlichkeit inzwischen war, aber das Laufen tat gut und half mir, zu akzeptieren, was ich war und dass ich noch niemals so wie Luna gewesen war.

Hermiones Sicht Ende

Lucius Sicht

Wie die Hühner, sie saßen wie die Hühner vor mir und sahen mich an, als wäre ich der Obergockel!

Na gut, das wären wohl eher Severus‘ Gedanken, aber sie fassten es ziemlich gut zusammen. Sie alle hassten es augenscheinlich kollektiv, sich hier versammeln zu müssen und miteinander zu dinieren.

Die Unterhaltung zog sich zäh wie ungenießbarer Kaugummi aus dem Honigtopf dahin und ich sehnte mir Severus oder Hermione in Persona herbei, da sie es verstanden, die tristeste Situation mit ihrer ironischen Bösartigkeit zu füllen und mich damit auf geschickte Weise exzellent zu unterhalten. Leider schien diese erstrebenswerte Gabe der Generation vor mir nicht gegeben zu sein, da sie es nur zustande brachten, mich zu langweilen.

Verschämt wie sie waren zogen sie das Schweigen vor, was für eine Tristes und absolut öde.

Unterdessen rekapitulierte ich, was ich die vergangenen Tage alles erledigt hatte, um wegen dieses katastrophalen Wutanfalls des Lords, der in unseren Kreisen natürlich die Runde machte, die angeschlagene Moral der Truppe nicht zu verlieren. Und da der Dark Lord die Güte besaß, wieder weit weg auf dem Festland zu verweilen, oblag es mir, alles zusammenzuhalten.

„Blaise“, sprach die kleine Veela beherzt über den Tisch und zog damit meine Aufmerksamkeit auf sich.

„Was?“, meinte der Angesprochene ziemlich unfreundlich, um nicht zu sagen absolut unhöflich, woraufhin sich meine Augen verengten.

„Deine Mutter wollte…“, begann Wena eindringlich, bis er ihr das Wort abschnitt, da er klirrend sein Besteck ablegte.

„Verschone mich!“, meinte er schneidend scharf, was dazu führte, dass nun ich mein Besteck ablegte.

„Mr. Zabini!“, erhob ich autoritär meine Stimme. „Nicht in diesem Ton“, verbot ich mir eingebildet. „Ihre werte Frau Mutter hat allzeit Respekt von Ihnen verdient“, schritt ich mit dem gebotenen Maß für Sitte und Anstand ein.

„Entschuldigt und jawohl… Sir…“, würgte der junge Mann sichtbar an der höflichen Floskel mir gegenüber, aber er hatte die Güte, den Schwanz einzuziehen. Rückhaltloser Tölpel, das war dieser junge Mann für mich, kein adäquater Partner für meinen Sohn.

„Lässt du mal wieder alle nach deiner Pfeife tanzen?“, ertönte es plötzlich so völlig dreist, dass es mir gar die Sprache hätte verschlagen können, wenn ich mich nicht so erleichtert gefühlt hätte, endlich Unterhaltung geboten zu bekommen und schenkte ihr daher nur ein huldvolles Lächeln.

„Hermione.“, „Endlich.“, „Geht es dir gut?“, „Schönste.“, „Bin ich erleichtert, dass du da bist“, empfingen auch die anderen Anwesenden sie sichtbar erfreut darüber, sie persönlich sehen zu können und sie trat eilig in den Raum und winkte ihnen schlicht zu. Wobei die Jungs sich gerade erheben wollten, um sie gebührend und ihrer Stellung angemessen willkommen zu heißen.

„Mein Herz…“, unterbrach ich dies hier mit einem stechenden Blick zu ihr hin und streckte ihr meine Hand entgegen. „Ist das eine gebührende Begrüßung?“, fragte ich tadelnd, dabei zuckte einer meiner Mundwinkel.

„Pfff“, entfuhr es ihr belustigt, dabei sah sie gut erholt aus, etwas dünn vielleicht, aber ansonsten durchaus ansehnlich in ihrer Muggelgewandung, die völlig deplatziert in den edlen Räumen des Manors anmutete.

Doch zu meiner kurzzeitigen Indignation folgte sie nicht meiner Aufforderung, sofort zu mir zu kommen, sondern sie blieb bei Draco stehen, der ihr sofort sein Haupt zuwandte.

„Hier“, meinte sie leise und legte neben seinem Messer einen Stab auf den Tisch. Seinen Stab, um genau zu sein.

„Wunderbar“, entfuhr es meinem Sohn verärgert und er starrte mit Wut auf seinen Zauberstab.

„Ich soll dir sagen, dass es ihm nicht leidtut“, servierte sie gehässig und grinste gemein, als Dracos Hände sich zu Fäusten ballten.

„Das war so klar“, erwiderte daraufhin Draco wütend und schmiss seine Serviette neben seinen Teller und ergriff den Zauberstab von Armand Malfoy, unserem Vorfahren, der ihn damals als würdigen Träger erwählt hatte.

„Hermione“, erinnerte ich sie daran, dass ich noch immer wartete und warten taten Malfoys eher selten und eher ungerne. Weshalb sie sich schließlich von dem Anblick Dracos losriss und auf mich zuschritt und zu meiner Freude die anderen erstmal links liegen ließ. Sie kam neben mir und meinem Stuhl zum Stehen, dabei bemerkte ich, dass ihr Blick ein wenig herausfordernd war. Erst dann legte sie ihre Hand in meine, ließ sie ruhen und ich griff fester zu, zog ihren Arm näher vor mein Gesicht. Während meine andere Hand begann, den Pullover, den sie trug, hochzuschieben, über ihre weiche Haut, immer höher, bis der erste Buchstabe erschien und sich immer mehr von ihren Narben entblößten.

Natürlich war ihre Willigkeit nun dahin und sie versuchte, mir ihren Arm zu entreißen, aber ich packte fester zu und hielt sie mit einem exaltierten Schnalzen meiner Zunge zurück.

„Hör auf“, bat sie leise mit Blick über den Speisesaal, wissend, dass die anderen uns beobachteten.

Aber ich schüttelte nur mein aristokratisches Haupt und blickte sinnierend auf die wahrlich schön verheilte Narbe. Es waren nur sehr feine, kleine geritzte Buchstaben. Sie waren gänzlich glatt, wie ich mit meinen über die Linien tanzenden Fingerspitzen fühlen konnte.

Doch wir wurden von einem Klirren unterbrochen, da irgendwer sichtbar geschockt gegen etwas gestoßen war. Indes waren mir unsere Zuschauer egal, als ich den Arm anhob, um sachte einen kleinen, keuschen Kuss auf diese Schande zu setzen, für die Bellatrix in meinen Augen die Todesfolter verdient hatte.

„Du wirst ihr nichts tun“, wisperte auf einmal Hermione nah an meinem Ohr. „Sie gehört mir“, meinte sie eindringlich und zeigte in meinen Augen, wie gut sie mich doch inzwischen kannte und einzuschätzen wusste. Dabei kaschierte ich mein zufriedenes und honoriges Lächeln, indem ich mein Gesicht nicht anhob und meine langen Haare nützte, um meine edlen Züge vor den anderen zu verbergen.

„Der Lord gab sie dir… sie harrt deiner, wie auch deiner Kreativität… wie ich doch gar sehr erhoffe…“, formulierte ich akzentuiert meine Wünsche und noch immer hauchte dabei mein Atem über die Haut ihres Arms.

„Hahaha“, warf sie ihr Haupt zurück und lachte los, woraufhin ich ihre Hand und damit auch ihren Arm freigab. „Als ob du dir da Sorgen machen müsstest“, meinte sie jovial und ich wollte hoffen, dass ich wirklich zusehen dürfte, wenn sie Bellatrix mit all ihrer Raffinesse zu Leibe rückte und keine gestellte Show wie bei Lupin abzog.

„Nimm Platz“, bot ich generös an, wobei sie durchaus den herrischen Ton bemerkte, denn schon erschien ein Gedeck für sie und sie ließ sich ohne Widerworte neben mir nieder.

„Na, was habt ihr hier so getrieben?“, fragte sie betont freundlich in die Runde, während es den anderen sichtbar schwerfiel, eine neutrale Maske zu zeigen, nachdem sie unsere Begrüßung verfolgt hatten.

„Du siehst gut aus…“, sprach sie mein Sohn aufrichtig erleichtert an. „Erholt“, kam es von seiner Verlobten. „Eine Augenweide“, meinte der Spaßvogel Zabini wacker und blickte eilig hinfort, als er meinen Blick auf sich fühlte.

„Man hat sich gut um mich gekümmert“, erwiderte das Biest leutselig, dabei glitt ihr Blick zu mir und ich verstand die Anspielung durchaus, dass Severus bei ihr gewesen sein musste und runzelte die hohe Stirn, ließ meinen Blick wieder zu dem noch immer sichtbaren Mal auf ihrem Arm wandern, da sie den Stoff nicht zurückgerollt hatte. Wohl ein Zeichen, dass sie sich nicht dafür schämte.

„Wie… wie geht es den anderen?“, wollte Greengrass begierig erfahren und lehnte sich weiter über ihr Gedeck.

„Das ist wohl kein Thema… hier… aber sei unbesorgt… relativ gut…“, gab Hermione zurückhaltend Auskunft.

„Relativ gut?“, bohrte Draco nach und musterte sie mit stechendem Blick, als ihre Augen überall hinhuschten, nur nicht zu mir, und sie leckte sich über ihre Lippen.

„Naja…“, raffte sie sich dann auf. „Dobby hat… Dobby wurde von Bellatrix’ Messer… er ist… tot…“, meinte sie dann schweren Herzens und ich runzelte die Stirn.

Es hatte also meinen ehemaligen Diener dahingerafft, tja, Bellatrix war schon immer für eine Überraschung gut gewesen.

„Tot“, entfuhr es Greengrass geschockt und sofort schimmerten Tränen in ihren Augen, während Zabini erstaunlich blass wurde und eine Hand vor den Mund schlug, aber auch Draco presste seine Augen zusammen, in Erinnerung an seinen früheren Elfen. „Oh, mein Merlin“, perlte nun sogar eine Träne über die Wange der Kleinen, während die Veela sichtbar überfordert und peinlich berührt dasaß, ausgeschlossen, da sie keinen Schimmer davon hatte, um wen diese kleine Versammlung hier trauerte. Und so voll und ganz verstand ich die in meinen Augen doch sehr große Trauer auch nicht, ja, es war ein bedauernswerter Verlust, aber doch keiner, der sie so sehr berühren sollte. Irgendetwas musste noch dahinterstecken.

So verging das Dinner und zu meinem Ärger wartete noch ein Gespräch auf mich, das ich nicht verschieben konnte, und nachdem ich dieses rasch erledigt hatte, suchte ich sie, mit dem Wissen, dass meine Zeit begrenzt war, da das nächste Meeting meiner harrte. Obwohl mich alles zu ihr trieb und es mir gar nicht passte, dass sie nun ihre geschätzte Zeit mit Zabini, Greengrass und Draco verbrachte.

Lucius Sicht Ende

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