When Hermione Fights
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 Kapitel 657-658

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queenie
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Kapitel 657-658 Empty
BeitragThema: Kapitel 657-658   Kapitel 657-658 EmptyDi Jun 04, 2019 7:55 pm

Hallo meine lieben Leser,

ich bin einfach dankbar, für alles was mir im Leben passiert ist egal ob gut oder schlecht aber ich bin so unendlich dankbar, das nicht alles immer schlecht ausgehen muss. Meine Mama hat ihre OP erstmal gut überstanden. Wir kämpfen zwar noch mit den -Behinderungen- danach. Aber auch das werden wir hinbekommen. Auch das weitere Geschehen wird bei uns zwar turbulent, aber wir schaffen auch das.
Genau wie Hermione in der großen Schlacht. Mir selbst hilft die Story, der Realität ab und an zu entfliehen.

Ich hoffe, das Euch das Kapitel zusagt, viel Spaß beim lesen und träumen
eure queenie

657. Kapitel Skeletons

Mittlerweile waren meine Knie weich, aber wir eilten weiter die Treppen hinauf, wichen Flüchen in letzter Sekunde aus, sprangen halsbrecherisch über Körper, retteten und mordeten im Vorbeigehen und hechteten wagemutig über Hindernisse hinweg. Die DeathEater waren bisher nur in die ersten drei Stockwerke durch die Risse im goldenen Schild eingedrungen. Die Lehrer und Ordensmitglieder arbeiteten schon daran, die Löcher zu reparieren, weshalb es immer ruhiger wurde, desto höher wir kamen und als wir den siebten Stock erreichten und den düsteren Flur entlangliefen, kam aus einem Seitengang Harry auf uns zu gespurtet.

„Harry!“, brüllte ihm Ron erleichtert entgegen, weil wir uns endlich wiedergefunden hatten.

„Ihr habt es geschafft“, kam es nicht sonderlich fragend von Harry. Er stellte es eher fest, denn er fasste sich dabei an seine Blitznarbe an der Stirn und bekundete, dass er mitgefühlt und mitbekommen hatte, wie wir das Seelenstück vernichtet hatten und wir nickten atemlos. „Brillant, absolut brillant!“, meinte Harry aufgeregt und holte zitternd Luft. „Nur weiß der Lord ebenso, dass wieder etwas zerstört worden ist. Er ist beinah durchgedreht vor Wut!“

Und ich konnte nur denken: Wem zur Hölle erzählte er das?

Der Schmerz, der durch mein Dark Mark gezogen war, war unbeschreiblich gewesen. Jedoch blieb für Jammern keine Zeit. Das alles war nicht zu ändern und noch während ich nachdachte verformte sich die Wand vor uns zu einer Tür und Harry öffnete sie schwungvoll. Aber das war mit Sicherheit nicht das Versteck für das Schmuckstück, denn noch herrschte hier einiger Trubel und ich fragte mich zweifelnd, warum Harry uns hier hatte treffen wollen. Sollten wir auch wieder zurück nach Hogsmeade? Hier war Chaos, immer noch Leute, die hin und her huschten, denn auch Arianas Bild, der Zugang zum Hog’s Head, war noch umgeklappt. Die Evakuierung schien noch nicht abgeschossen zu sein.

„Übrigens Harry, sie hat den Becher zerstört“, wurde Ron genauer und blendete die Hektik um uns herum aus.

„Was? War das nicht gefährlich?“, meinte Harry sofort besorgt und drehte sich zu mir um, da er meine Verbindung dank meines anderen Seins nur zu gut kannte, indes hielt Ron den zerbrochenen Becher als Beweis hoch.

„Nein, ich hatte Ron, aber wo warst du?“, erwiderte ich sofort abwehrend, wobei ich nicht wusste, inwieweit Harry mir glaubte. Doch es war gleich, wir hatten ein weiteres Hindernis zur Vernichtung des Lords hinter uns gebracht und Harrys Augen glänzten vor Zufriedenheit hinter seiner runden Brille.

„Ich weiß, wo das Diadem ist!“, jubilierte Harry erleichtert, dabei wirkte sein Gesicht zum ersten Mal seit langer Zeit nicht mehr so sorgenvoll und kränklich, als er uns spitzbübisch angrinste. Gerade rissen die guten Nachrichten nicht ab, weshalb ich es nicht glauben konnte und bei meinem Glück darauf setzen wollte, dass sich das noch rächen würde, während Ron ihn sprachlos musterte.

„Wie?“, fragte ich angespannt nach und fand es beeindruckend, dass Harry das Unmögliche vollbracht und das letzte Geheimnis gelöst hatte.

„Leute, es ist hier… es ist tatsächlich hier im Raum der Wünsche!“, stieß er eifrig hervor, brach aber knapp ab, als er meinen spärlichen und zweifelnden Blick bemerkte.

„Wer hat dir das gesagt?“, wollte ich misstrauisch erfahren und er zog die Schultern unter der braunen Jacke hoch.

Für mich ein Indiz, dass es eventuell der Lord gewesen sein könnte. Ich meine, ihre Verbindung war ein Fakt und der Lord, nachdem er immer mehr seiner Seele einbüßte, so labil wie selten. Vielleicht hatte er es sich überlegt und nützte nun seine Verbindung zu Harry wie im fünften Jahr, um ihn auf die falsche Fährte zu locken und wir liefen einer Mär hinterher und vergeudeten Zeit und verspielten vielleicht deshalb den Sieg.

„Was? Du zweifelst?“, fragte Ron besorgt nach und ich zog die Schultern hoch, als Ron herumwirbelte. „Sie hat Recht, Harry, woher hast du deine Informationen?“

„Ihr seid echt nicht nett!“

„Hat damit nichts zu tun und das weißt du, aber der Lord könnte dir auch Infos unterjubeln und du denkst nur… du… ach…“, brach ich unter seinem beleidigten Blick tonlos ab.

„Ich hatte eine Idee, oder eher einen Geistesblitz“, gab Harry ein wenig eingeschnappt zu. „Als ich das zwischen dir und Myrte beobachtet habe, da dachte ich mir: Geister!“, ließ mich der Beginn seiner Erzählung aufsehen und auch Ron schien wegen des Gedankenganges ein wenig sprachlos „Ja, Geister! Die sind sooo viel älter als wir alle hier. Sie sehen so viel, sie erleben so viel und ich dachte: frag den Hausgeist von Ravenclaw! Ich habe sie gesucht und auf dem Weg bin ich Lisa Turpin über den Weg gelaufen und die hat mir meine Vermutung bestätigt, dass die Graue Dame mit Rowena verwandt ist, oder war… wie auch immer…“, beendete er sichtbar zufrieden seine Erzählung und das schlug bei uns ein.

„Was?!“, „Was du nicht sagst“, „Die sind verwandt?“, brach es überrascht aus Ron und mir hervor. „Ehrlich, warum sind wir nicht eher darauf gekommen?“, ärgerte ich mich über mich selbst.

Aber wenn ich ehrlich zu mir war, waren Geister nicht mein Spezialgebiet, da sich Geister von mir gewöhnlich partout fernhielten. Sie waren keine Variablen, an die ich dachte. Also was sollte man erwarten?

„Keinen Dunst, aber es kommt ja noch besser. Die Graue Dame ist sogar die Tochter von Rowena: Helena!“, überraschten mich Harrys mit Begeisterung gesprochene Worte wirklich.

Ich meine, ich hatte die Geister gesehen, seitdem wir nach Hogwarts gekommen waren und vor allem als wir an dieser grässlichen Geisterfeier teilgenommen hatten, aber auch damals waren mir die Geister als Zeitzeugen uninteressant erschienen. Ich sage nur ein Wort: Binns!

„Die hatte eine Tochter?“, setzte Ron dem Ganzen die Krone auf.

„Tja, die Geister haben es nicht so mit mir“, gab ich ebenfalls wenig einfallsreich zurück, während mich Harrys Eigeninitiative wahrlich sprachlos machte. Er hatte eine großartige Idee gehabt, indem er einen Zeitzeugen fragte, der anscheinend bereit gewesen war, zu reden.

„Ich weiß und das ist genial und super!“, jubilierte Harry unpassend begeistert ob meiner Feststellung, dass die Geister mich aufgrund meines anderen Daseins mieden, als er mit Erregung in der Stimme weitersprach. „Sie war arrogant und hochmütig, aber ich habe sie geknackt.“ Er klatschte zufrieden seine Hände ineinander.

„Wie?“

„Ich habe sie bedroht, zuerst mit der Geisterbehörde!“, gab er mit einem verächtlichen Schnalzen wieder und wir alle dachten sofort an Myrte, deren Aktionsradius vom Ministerium auf Hogwarts und ihr Klo beschränkt worden war, nachdem sie an einer ehemaligen Schulkameradin Rache genommen hatte. „Das hat Helena aber nicht gekratzt. Sie hat gelacht, also habe ich zu ihr gesagt, ob sie denkt, dass das alles ist was ich bieten kann, wenn sie nicht sofort mit der Sprache rausrückt, wo das Diadem ist! Ich meinte, dass die Schönste kommt und sie sich mit ihren weißen Augen schnappt und sie vernichtet und auf Nimmerwiedersehen verschwinden lässt“, offenbarte Harry die gesamte Bandbreite seines Seins, die auch eine gute Portion Slytherin aufweisen konnte.

Nach all den Jahren war dieser beeindruckende junge Mann aus ihm geworden. Ich war unfassbar stolz und Gellert wäre es auch gewesen und Ron schien zu platzen. Er hatte immerhin selbst einen Geist bedroht und mir fiele noch eine dritte Möglichkeit ein, denn wenn wir einen lebenden Basilisken zur Hand gehabt hätten, dann wäre noch eine Versteinerung in Frage gekommen. Selbst im Tod und als Geist war man davor nicht sicher. Magie hatte immer wieder Schlupfwinkel für alle möglichen Dinge und war deshalb eine immerwährende Faszination für mich.

Tja, Skrupel waren etwas, was wir uns schon lange nicht mehr leisteten und wenn ich als adäquate Drohung herhalten musste, dann fand ich es Klasse, dass er die Eier hatte, den blöden Geist zu bedrohen. An sich stellte ich mir das herrlich vor. Geister hatten sonst vor nichts und niemandem Angst. Niemand konnte ihnen groß etwas anhaben, von daher hatte Harry genial mit dem Effektivsten gedroht.

„Tja, das dürfte wirkungsvoll gewesen sein“, resümierte Ron schlicht und ich schüttelte gerührt lächelnd den Kopf.

Wer würde Harry so ein durchtriebenes, so slytherinähnliches Verhalten zutrauen? Die Wenigsten, so viel war sicher, und doch tickte unser Harry mittlerweile so.

„Sie hat ihrer Mutter das Diadem gestohlen und es vor Rowena versteckt, weil sie es ihrer schönen, klugen und berühmten Mutter heimzahlen wollte, dass diese ihr eine Zwangsehe aufbürden wollte und zwar mit dem Blutigen Baron!“, erklärte Harry beflissen.

„Blutiger Baron?“, „Echt jetzt, der?!“, „Da sieht man es mal wieder!“, fielen wir Harry ins Wort.

„Mhm, war wohl damals so, aber den alten Slytherin hätte ich auch nicht gewollt, egal, er sollte sie zurückbringen und als er sie in Albanien aufgespürt hatte…“, sprudelte es aus ihm heraus, doch ich unterbrach ihn.

„Albanien?“, entschlüpfte es mir, in Erinnerung, dass sich der Lord dort ein Jahrzehnt nach Harrys Überleben versteckt hatte und ich konnte nicht die Vermutung abschütteln, dass dies eventuell der Zufälle zu viel sein könnte.

„Ja, der Kreis schließt sich. Anscheinend war Helenas Versteck für das Schmuckstück echt gut, wenn sich Voldemort nach dem Attentat an mir ebenfalls dort verkrochen hat… wie auch immer… zwischen Helena und dem Blutigen Baron kam es zum Kampf und er hat sie mit einem einzigen Stich ins Herz ermordet, danach hat er sich selbst mit demselben Dolch gerichtet.“

„Wie melodramatisch“, schnalzte ich verächtlich und Ron bekam einen lachenden Hustenanfall.

„Du bist schlimm, Schönste, so was nennt man Romantik“, belehrte er mich umgehend, woraufhin ich ihm einen zweifelnden Blick zuwarf.

„Romantisch ist es, wenn er sie nicht tötet!“, stellte ich richtig. „Und sich selbst danach auch noch umzubringen ist einfach nur dämlich, nicht heroisch! Und jetzt schmachten sich die beiden als unsterbliche Geister in Hogwarts an… ich find das ganz schön schräg!“

„So lief es halt. Manchmal sind die Leute nicht rational. Sie kam als Geist hierher, weil der Baron den Auftrag von Rowena bekommen hatte, ihre Tochter zu holen als sie im Sterben lag. Und all die Jahrhunderte kam niemand auf die Idee, sie zu fragen, wo sie das Schmuckstück ihrer Mutter versteckt hatte, aber dann kam Tom! Er ahnte, dass sie wissen könnte, wo etwas von Ravenclaw verborgen sein könnte und tja… sie war ja anscheinend eh nicht die Hellste und sie hat ihm vertraut und verraten, wo sie das Diadem in Albanien versteckte hatte und das hat er sich dann geholt. Er hat es ihr gezeigt, als er hier war, um sich für den Job als Verteidigungslehrer zu bewerben. Er hat die Gunst der Stunde genutzt, um es im Raum der Wünsche zu verstecken“

„Krass!“, „Das hat sie alles erzählt!“, „Warum hat sie dem Lord vertraut?“, fragten Ron und ich interessiert, während im Hintergrund noch immer die Evakuierung vonstattenging.

„Nachdem du ins Spiel gekommen bist, Hermione, war sie ein Plappermaul, das nicht mehr aufgehört hat und warum sie Tom vertraut hat? Sie meinte verschämt, er hätte ihr geschmeichelt und sie hätte keine Ahnung gehabt, was er einmal werden würde. Er war verständnisvoll, mitfühlend und einfühlsam zu ihr. Und wer, wenn nicht Tom, hat Helenas Verlangen nach sagenhaften Gegenständen, auf die sie kein Anrecht gehabt hatte, besser verstehen können als er?“, meinte Harry aufgekratzt und zog die Schultern hoch.

„Damals sah er noch gut aus“, wandte Ron scharfzüngig ein und ich stieß einen undefinierbaren Laut aus.

„Wenigsten wissen wir, wo wir suchen müssen… sind die nicht endlich mal fertig?“, fragte ich genervt und sah mich im Raum um.

„Die müssen alle aus dem Widerstandsbewegungsraum raus, bevor wir den Raum mit dem Diadem herbeirufen können“, zeigte Ron, wie sehr er doch mitdachte. In dem Raum voller Hängematten saßen und standen noch drei Personen: Ernie Macmillan, Mrs. Longbottom und gerade kam Aberforth mit einem Gesicht wie Sieben Tage Regenwetter als Letzter durch den Tunnel.

„Ah, Potter“, kam es von der alten Dame, die unverkennbar Nevilles Oma war. Der Geierhut wackelte dabei bedrohlich auf ihrem weißen Haupt, als sie schwungvoll aufstand, um zu Harry hinüberzugehen.

„Du kannst uns berichten, was gerade los ist?“, fragte Ernie eifrig. „Alles in Ordnung mit den anderen?“, fragte Ernie besorgt.

„Soweit wir wissen“, erwiderte Harry und log dabei ohne rot zu werden. Wenn man bedachte, wie unser Weg nach oben ausgesehen hatte, wollte ich nicht annehmen, dass Harrys weniger Stolpersteine zu bieten gehabt hatte. „Sind noch Leute im Hog’s Head?“, lenkte er auch schon eilig mit seiner Frage ab.

„Aberforth und ich waren die Letzten, die hindurch gekommen sind“, klärte uns Mrs. Longbottom auf. „Wir haben ihn danach versiegelt. Jetzt wo Aberforth mitkämpft“, klang ihre Stimme fordernd und ihr Blick zu Aberforth zeigte, dass sie keine Widerworte dulden würde.

Aberforth wollte auch kämpfen? Mein skeptischer Blick ging zu ihm und er erwiderte diesen mit einem resignierten Ausdruck. Also nach wollen sah das nicht aus.

„Potter!“, beschwerte er sich gerade. „Hunderte von aufgescheuchten Kindern laufen durch meinen Pub, war das deine Idee?“, fragte er richtig mies gelaunt und Harry schüttelte den Kopf. „Pah… dass ich nicht lache. Sie haben dich nicht ausgeliefert, ich bin nicht ganz taub, ganz Hogsmeade hat ihn gehört, aber mal ehrlich, ist niemandem von euch der Gedanke gekommen, ein paar Slytherins als Geiseln zu nehmen? Da sind auch Kinder von DeathEatern darunter, die ihr gerade zu mir geschickt habt.“

„Das würde den Lord nicht stoppen“, mischte sich Mrs. Longbottom heroisch mit volltönender und einschüchternder Stimme ein.

„Aber die Eltern der Kinder sehr wohl“, servierte er umgehend mit einem gehässigen Grinsen und es ärgerte mich, dass er anscheinend dachte, dass wir so doof waren, solch einen Trumpf aus der Hand zu geben.

„Wer sagt Ihnen, dass wir sie heimschicken?“, fragte ich anzüglich in dem Wissen, dass Draco alle fliehenden Kinder in Irland auffing und nicht freiwillig gehen lassen würde. Sie würden dort unter Arrest stehen und solange als Faustpfand dienen, bis dieser Krieg beendet sein würde. Plötzlich musterte er mich taxierend, als würde er abwägen, ob ich log oder ob ich das ernst meinte.

„Warum wundert mich das jetzt nicht?“, entgegnete er überlegend, klang aber nicht im Mindesten schockiert, anders als der Ton, den Nevilles Oma von sich gab.

„Sie nehmen die Kinder gefangen?“, fragte sie aufgebracht und wir nickten alle unisono, selbst Ernie wirkte dabei völlig abgeklärt. „Das… das… hast du meinen Enkel gesehen, Harry?“, fragte die alte Dame dann rasch, nachdem sie von uns nur recht kühle Blicke erhalten hatte.

„Klar, er kämpft draußen an vorderster Front“, meinte Harry hörbar stolz auf den ehemals so unsicheren Gryffindor, in dem keiner von uns mehr den Neville von früher erkannte.

„Natürlich!“, kam es überzeugt und voller Stolz von Mrs. Longbottom und sie wurde noch gerader in ihrer Haltung. „Entschuldigt mich, ich muss meinem Jungen beistehen!“

„Ich komme mit, Augusta!“, rief Aberforth mit auf einmal neuerwachtem Lebensmut und sprang ihr hinterher. „Mein Neville… seine Eltern wären so stolz auf ihn! Auf geht’s!“, zeigte sie sich resolut und die beiden älteren Leute eilten mit gezogenen Zauberstäben aus dem Raum an uns vorbei und rauschten von dannen.

„Harry, dann braucht mich hier keiner mehr, oder?“, fragte Ernie mit dem Willen eines Soldaten beseelt, dort hinaus zu gehen, um zu kämpfen.

„Wer jetzt nicht weg ist bleibt und keiner kommt mehr rein.“, „So sieht es aus.“, „Sag allen, wir kommen voran, aber wir brauchen nun den Raum hier. Wer nicht raus ist, muss es über den Kamin versuchen!“, redeten wir drei wild durcheinander und er lauschte aufmerksam.

„Gut, tu ich… ich glaub aber, Zabini meinte, dass sie den Kamin schnellstmöglich versiegeln wollen, damit das Ministerium keinen Weg rein findet, sobald der Letzte draußen ist!“, informierte er uns und stürmte ebenfalls aus dem Raum der Wünsche.

„Die haben ja nur darauf gewartet, dass irgendwer sie darum bittet, mal kurz rauszugehen, oder?“, fragte Harry lächelnd und schaute sich zufrieden in dem nun so leeren Raum um.

„Scheint so“, erwiderte ich und ging auf die Tür zu. „Und jetzt?“

„Helena meinte, es wäre im Raum der Wünsche, dort wo sich alles wiederfindet, was verloren gegangen ist, oder versteckt werde sollte!“, fasste Harry zusammen.

So kam es, dass auch wir den Widerstandsraum verließen und vor dem Wandteppich von Barnabas dem Bekloppten dreimal auf und ab liefen und uns ganz fest Rowena Ravenclaws Diadem vorstellten. Erneut bildete sich eine Tür zum Raum der Wünsche und sofort riss Harry diese ungestüm auf. Wir alle konnten es nicht mehr erwarten, das Stück in Händen zu halten und wir betraten hoffnungsvoll, gleich das Gesuchte zu finden, den Raum und kaum, dass die Tür hinter uns zufiel, verstummte der Schlachtlärm von draußen. Es war, als ob wir uns in einer anderen Welt befinden würden und die plötzlich so schwer lastende Stille war mehr als ungemütlich, aber noch viel schlimmer war die Erkenntnis, dass es nicht leicht werden würde.

Verdammt, das war unfassbar. Wir waren gefühlt auf die Größe von Nifflern herabgestuft worden!

Im Vergleich zu diesem Raum war der vorhergehende Raum kümmerlich gewesen. Dieser Raum hatte wahrhaft sagenhafte Ausmaße. Hier hätte sich eine ganze Drachenfamilie verstecken können. Wir standen verloren in einem Raum so hoch wie eine Kathedrale, der vollgestopft mit riesigen Türmen aus allem möglichen Gerümpel war und die Ausmaße einer Stadt vorweisen konnte, mit hoch aufragenden Mauern aus Gegenständen von Tausenden von Schülern, die längst fortgegangen waren. Diese schiefen Türme reichten bis unter die hohe Decke. Einer bestand nur aus alten, beschädigten Stühlen, ein weiterer aus uralten Kleidern aus den vergangenen Jahrhunderten, ein weiterer aus Kommoden und anderen Möbeln, die sich windschief aufeinander und übereinander schichteten. Die Bücherberge überstiegen das Maß des Möglichen. Ich schüttelte erschüttert über diese schiere Masse an Besitztümern, die verloren oder vergessen worden waren, den Kopf. Ein Labyrinth aus Flaschen, Hüten, Körben, Stühlen, Büchern, Waffen, Besen und Schlägern. Wie sollten wir hier etwas so Kleines und Filigranes wie ein Schmuckstück finden?

„Was für ein Scheiß!“, kam es recht rüde von Harry, aber er wirkte genauso geschockt wie ich es war.

„Moment!“, unterbrach da Ron meine Gedanken. „Den Raum kenn ich doch“, kam es nachdenklich von ihm und er strich mit den Fingerspitzen über die Seiten einer alten Harfe, dabei hallten sowohl seine Stimme, als auch die musikalischen Klänge dröhnend laut wider.

„Wann soll das gewesen sein?“, fragte Harry überlegend und tippte einen ausgestopften Troll an, der sofort Staub in die Gegend absonderte.

„Das Verschwindekabinett!“, meinte Ron knapp, um dann doch weiter auszuholen. „Damals, als Warrington das benützt hat, um die DeathEater ins Schloss zu lassen. Ich habe es gesucht und gefunden und in seine Einzelteile zerlegt, weil es mit Schuld daran gewesen ist, dass es Bill erwischt hat!“, offenbarte uns Ron seine Rachsucht und ich klopfte ihm auf den Rücken.

„Stimmt, da war was“, „Super Aktion!“, „Ja, McGonagall hat dir dafür doch 30 Punkte oder so gegeben“, erinnerten wir uns an diese verhängnisvolle Nacht, in der Dumbledore vom Turm gestürzt war.

„An so was erinnerst du dich?“, hauchte Ron erschrocken und schüttelte seinen roten Schopf empört über mich und ich zog leicht verlegen die Schultern hoch.

Während wir sprachen kamen wir an den verbrannten Überresten des Verschwindekabinetts vorbei, das offenbarte, wie Ron kurzen Prozess mit dem Ding gemacht hatte. Schließlich blieben wir an einer Kreuzung stehen und sahen uns mit ellenlangen Gängen konfrontiert und kurz fragte ich mich, wie es selbst in einer tausendjährigen Geschichte möglich war, so viel Zeug anzusammeln. Ich spähte in alle Gänge hinein, in die sich der Weg aufteilte und zog die Augenbrauen hoch.

„Komisch, dass der Lord nie darauf gekommen ist, dass jeder hier in diesen Raum kann“, meinte Ron, während er interessiert die windschiefen Türme aus Gerümpel betrachtete. „Er glaubte wohl, dass er der Einzige war, der dieses Geheimnis kennt… Ich glaube, wir sollten hier abbiegen.“

„Ignorant und dadurch ziemlich unfähig, sich in andere reinzudenken?“, gab ich gehässig zurück.

„Ach, du beschreibst Malfoy?“, kam es zurückgeschossen, dabei liefen wir an einigen mannshohen Schachfiguren unseres ersten Schuljahres vorbei, mit denen wir damals Schach gespielt hatten, um zum Stein der Weisen vorzudringen.

„Harry, du bist doof!“, erwiderte ich augenrollend.

„Wir müssen uns aufteilen“, schaltete sich Ron ein.

Harry und ich sahen uns an und nickten. Es war sinnlos, gemeinsam hier durchzugehen und dann rannten wir alle in verschiedene Richtungen davon, vorbei an einem Sammelsurium der Alltagsgegenstände bis hin zu Absonderlichkeiten. Käfige, wie die, in denen damals die Wichtel von Lockhart gefangen gehalten worden waren. Weltkugeln in allen möglichen Größen. Lampions und andere Gerätschaften, die an Moody und Dumbledores Büro erinnerten. Vitrinen mit allem Möglichen an Inhalten, an denen Severus‘ Tränkeherz bestimmt Freude gehabt hätte. Sofas in allen möglichen Formen, Farben und Stoffen und wow, ich stoppte abrupt, als ich dachte, dass ich einen sanften Windhauch gespürt hätte, der mein Ohr streifte.

Was war das?

Meine Augen huschten hektisch umher und ich erstarrte. Was zur Hölle?

Ein goldener Käfig, ein separiertes Abteil inmitten des endlosen Raumes.

Es war ein umschlossener viereckiger Käfig aus goldenen Streben, vollgestopft mit Uhren, Urnen, Vasen, Kandelaber und Lüstern, Tand und Rüstungen. Aber ungewöhnliche Rüstungen, da welche für Kobolde, Elfen und andere sonderbare Wesen dabei waren, wie zum Beispiel einem Golem. Daher war die eine Rüstung riesig und dick und die andere sonderbar klein und abstrakt. Außerdem gab es andere wertvoll erscheinende Gegenstände. Gerade die Bücherstapel waren ein faszinierendes und wertvolles Sammelsurium. Eine Ansammlung auf einem Brett aufgespießter Zauberstäbe ließ mich ratlos zurück. Wer ließ seinen Zauberstab freiwillig in der Schule zurück?

Dann dachte ich, das große Grammophon aus McGonagalls Tanzunterricht zum Jule Ball wiederzukennen. Ich blinzelte, auch Elfenköpfe und menschliche Schädel lagen hier wie selbstverständlich rum.

Aber das, was mich wahrlich erschreckte oder besser überraschte, war etwas anderes. Hier lagen nicht nur Schädel, sondern mehrere vollständige menschliche Skelette und ja, die waren echt!

Mittlerweile war ich zu geschult, um das nicht sofort zu erkennen und ich wusste, dass Hogwarts allzeit für Besonderheiten gut war. Dass dies hier wirklich eine Schule für Kinder war, war beinahe nicht zu fassen. Das Schloss verleibte sich alles und jeden ein, dessen es habhaft werde konnte, beeindruckend aber auch besorgniserregend. Ich blieb wie angewurzelt stehen, um einen weiteren Blick zu riskieren. So etwas hatte es nicht mal bei Gringotts in Bellatrix’ Verlies gegeben!

Doch dies hier waren keine gewöhnlichen menschlichen Gebeine. Als wären Skelette an sich noch nicht seltsam genug, waren diese hier obendrein erlesen geschmückt und aufgebahrt. Die vier übereinander angebrachten Flächen, die den sterblichen Überresten als letzte Ruhestätten dienten, waren dagegen erstaunlich schlicht gehalten. Ich trat einen Schritt näher.

Das oberste Skelett, das den Griff eines Schwerts in den auf der Brust gefalteten Händen hielt, war komplett mit Gold überzogen. Die darunter liegenden Knochen des zweiten Skelettes waren mit einer Schicht rötlich schimmernder Bronze bedeckt. Den Schädel zierte eine Krone und um die Fuß- und Handgelenke lagen Schmuckarmbänder, was für meinen Geschmack etwas makaber schien, so wie sie um die Knochen schlackerten. Das dritte Skelett unterschied sich von den ersten Beiden insofern, dass dessen skelettierte Gliedmaßen nur zum Teil mit Gold und Silber überzogen waren. Immer wieder war das echte Weiß der Knochen auszumachen. So ungewohnt es war, vergoldete oder auch mit Bronze überzogene Knochen zu sehen, diese Mischung mutete weitaus merkwürdiger an. Schluckend bemerkte ich, dass ganz unten die letzten Überreste mit einer glänzenden schwarzen Legierung versehen waren, die ihnen einen sehr unheimlichen Touch verliehen. Alle vier Skelette hatten zierende Edelsteine in ihren Augenhöhlen, rote Rubine, blaue Saphire, gelbe Citrine und grüne Smaragde.

Ich krallte meine Finger in den Käfig, als das Wispern um mich herum zunahm. Mich überfiel die nicht wirklich abwegige Vermutung, dass ich vor den sterblichen Überresten der Gründer von Hogwarts stand. Offenbar hatte Slytherin, trotz all ihrer Streitigkeiten, im Tod seinen Platz an ihrer Seite eingenommen. Oder hatten sie sich noch versöhnt?

Wie auch immer, ich versuchte, mich zu erinnern, ob ich mal gelesen hatte, wo sie alle bestattet worden waren. Gab es Gräber von den Gründern?

Meines Wissens nach nicht. Als das Wispern stärker wurde, schlugen meine Augen um. Sie waren im Tod vereint und vielleicht erklärte diese letzte Ruhestätte das besondere Sein des Schlosses, aber auch gerade das grenzenlose Können dieses ganz ungewöhnlichen Raumes.

In meiner anderen Wahrnehmung leuchteten die Edelsteine wie lebendige Augen auf, als würde in ihnen ein Feuer toben, das freigelassen werden wollte und es war mir, als würden die Gliedmaßen unter den Edelmetallen strahlend hell aufglühen. Die Skelette schienen zu glänzen und ließen ein Eigenleben erahnen. Alles in allem wirkten die Gebeine noch verlockender auf mich, als wollten sie mich auf ewig in ihren Bann ziehen.

Jedoch die nächste Frage, die sich mir aufdrängte: War dieser Käfig auch für den Lord sichtbar gewesen? Waren die Überreste der Gründer für jeden so leicht zugänglich? Oder kamen die nur, weil ich da war und ich ich war?

Ich hatte keinen blassen Dunst, aber ich kam auch nicht gegen meine Instinkte an, die mich regelrecht auf die andere Seite ziehen wollten. Sie spielten ganz plötzlich verrückt und nur mit der allergrößten Willensanstrengung konnte ich meine verkrampften Finger von den goldenen Gitterstäben lösen und wandte mich atemlos ab, drehte mich um, dabei hielt ich mir unser Ziel vor Augen.

Wir mussten das Diadem finden!

Ich hielt mir wenig heldenhaft die Ohren zu und begann, zu rennen, während mein Herzschlag ein Stakkato hinlegte. Ich wollte nichts lieber tun, als zu ihnen zurückzugehen. Ich hechtete weiter zu der Kreuzung, an der wir drei uns getrennt hatten und drängte meine weißen Augen hinfort.

„Redest du mit wem, Harry?“, vernahm ich Rons Gebrüll volltönend über die unüberwindbaren Wände aus Gerümpel hinweg, während ich noch immer versuchte, meine Ohren von dem verheißungsvollen Wispern freizubekommen.

„Descendo!“, hörte ich plötzlich den laut gerufenen niederreißenden Zauber und schon krachte und schepperte es in der Ferne und ich erschrak fürchterlich.

„Bist du bescheuert, Vince?“, keifte eindeutig Gregory Goyle und ich wagte mich zu fragen, was die beiden hier zu suchen hatten.

„Stopp! Crabbe! Bist du irre?!“, fauchte Harry aufgebracht, dabei ging alles in dem krachenden Getöse unter, aber sein lautes „Finite“ war zu vernehmen und das stabilisierte die wackeligen Türme.

Warum zur Hölle Crabbe hier zauberte und einen hohen Gerümpelstapel magisch umstieß ließ ich mal außen vor, denn noch immer hörte ich das Scheppern von zu Boden fallenden Sachen und wir hatten Glück aufgrund Harrys schneller Reaktion, dass bis jetzt keine Kettenreaktion einsetzte und wir unter all dem Zeug hier begraben wurden.

„HARRY!“, schrie ich wütend, doch ich bekam keine Antwort.

„Harry, was ist da los?“, rief da auch Ron gerade, gar nicht weit weg von mir.

Ich wirbelte herum und spurtete in die Richtung, aus der Rons Stimme gekommen war. Ich musste ihn finden! Verdammt! Warum hatten wir uns in diesem Sammelsurium nur getrennt?

Im Nachhinein betrachtet eine ziemlich doofe Idee. Es war hier drinnen einfach zu groß und viel zu riesig und die engen Pfade zwischen dem Gerümpel einfach zu schmal und zu kurvig, um gut vorwärts zu kommen. Ich schlitterte um die Ecke herum. Vincent, Greg und Draco standen mit gezogenen Zauberstäben vor Harry und visierten den hohen Stuhlstapel dahinter an und versuchten, ihn vor dem Umfallen zu bewahren. Ich hingegen krachte mit Schwung in einen Gerümpelberg hinter mir und die hier aufgeschichteten Laternen schwankten sofort bedrohlich hin und her. Dann tauchte Rons rote Haarmähne auf der anderen Seite des Ganges auf.

„Draco… Greg… Vincent?“, zähle ich perplex auf. „Was macht ihr hier?“, fragte ich nach, woraufhin mir Draco ein unnachahmlich charmantes Lächeln schenkte.

Er stach eigenwillig in seinem schlichten, schwarzen Anzug in all diesem Chaos, bestehend aus kaputten Koffern, alten Büchern und Umhängen, hervor.

„Euch suchen…“, antwortete er mir grinsend. „Wir wollten helfen, das Diadem zu suchen, um es zu vernichten!“, meinte er weiterhin frohgemut, weswegen ich ihn baff anstarrte und er die Schultern hochzog. „Was? Mehrere Augen in diesem Saustall sollten hilfreich sein.“

„Hast du es auch gefühlt?“, fragte ich schnell, nachdem ich mich vom Schock, ihn hier zu sehen, erholt hatte und er nickte knapp und hielt bestätigend seinen Arm.

„Es ist irgendwo hier, beeilt euch!“, rief Harry uns allen zu, der bereit schien, die Hilfe von egal wem anzunehmen und schon wühlte er weiter in dem Haufen vor sich rum. „Sucht es! Ich helfe Ron! Wir haben Hilfe bekommen!“

„Harry, warte!“, rief ich ungestüm.

„Was?“, fuhr er mich ungeduldig an und ich konnte eine dicke, fette Ader an seiner Stirn schlagen sehen.

„Konzentriere dich!“, bat ich betont ruhig und hob die Hände an. „Es gibt nur noch Nagini und dich… und das Diadem…“, dabei deutete ich auf sein Herz und klopfte auf mein eigenes und fuhr dann mit meiner Hand an die Stirn. „Lausche auf das Wispern in all diesem Durcheinander, hörst du es rufen?“

„Was?“, sahen sich die beiden Slytherins an, während Draco ein Gesicht zog. Ihm behagte Harrys Nähe zum Lord immer noch nicht.

„Hörst du es?“, fragte mich Harry zaghaft und ich bemerkte sehr wohl die Blicke, die Greg und Vincent austauschten.

„Pff“, entfuhr es mir entrüstet. Über das Wispern der Gründer hinweg, oder was auch immer das war, das ich vernahm, kam so ein kleines Seelenstückchen, mit dem mich nichts verband, nicht an. Weshalb ich entschuldigend den Kopf schüttelte. „Ich höre so viel, es ist zu viel“, meinte ich leicht hektisch und versuchte, zu überspielen, wie unsicher ich mich hier, seit der Entdeckung der Gründer, fühlte.

„Ich soll mich konzentrieren?“, fragte Harry irritiert und schüttelte seinen wirren Haarschopf ein wenig mutlos.

„Ich glaube dir gerne, Potter, dass das einer beinah unzumutbaren Aufgabe gleichkommt“, höhnte Draco umgehend mit seiner bissigen Gehässigkeit. „Aber wenn sie meint, du kannst das doofe Ding hören, dann versuch es!“, zischte Draco und zeigte seine Ungeduld selten so offen wie gerade jetzt.

„Unnachahmlich wie eh und je!“, meinte Ron tadelnd und verdrehte seine Augen, während Harry mit gerunzelter Stirn und geschlossenen Augen dastand und unter unseren hoffnungsvollen Blicken Blut und Wasser schwitzte.

„Weswegen müsst ihr das Ding finden?“, fragte Greg mit langsamer Stimme, die nur schwer seine Neugierde kaschierte und ich dachte, Padma daraus zu hören.

„Wir müssen es vernichten!“, erklärte ich ziemlich abgelenkt, da ich besorgt wegen Harrys schmerzverzogener Miene war.

„Und Potter?“, meinte Draco reichlich direkt und ungeduldig, als Harry die angehaltene Luft ausstieß.

„Schwierig, ich drifte mehr zum Lord ab als sonst wohin“, gab er widerwillig zu und rollte meine verspannten, schmerzhaft verkrampften Schultern. „Aber es ist hier, ich fühle es… und es ist nah, aber ich kann es nicht greifen, noch nicht…“, versuchte Harry, sich zu entschuldigen.

„War so klar!“, giftete Draco, der mit Harrys Art gar nichts anfangen konnte, und ich konnte es ihm so gut nachfühlen.

„Draco, deine negative Ader hilft hier gar nicht“, meinte ich aber ein wenig eingeschnappt. Harry zu drängeln hatte noch nie viel geholfen, wie ich mir selbst ins Gedächtnis rief, darauf reagierte er eigentlich immer mit Ablehnung.

„Ich verstehe eure Probleme nicht, wenn es sonst nichts ist!“, kam es plötzlich irritiert von Vincent und er drehte ab, gefolgt von Ron, der ihn besorgt betrachtete.

„Was hat er vor?“, fragte ich Greg, aber dieser sah mich ahnungslos an und begann vorsichtig, eine schiefe Schranktür zu öffnen und starrte angeekelt hinein.

„Hier sind auch Sachen drinnen… also, wenn Potter es nicht schafft, das Ding zu orten, brauchen wir die ganze Schule in diesem Raum, um auch nur ansatzweise eine Chance zu haben, das Teil zu finden. Habt ihr es mit Accio und all dem versucht?“, fragte er gar nicht mal so dumm und ich verstand schon, was Padma an ihm fand.

„Logisch, aber mit sowas kommt das nicht angeflogen, leider läuft das nicht so“, murrte Harry düster.

„Wäre ja auch zu schön gewesen“, höhnte Draco verächtlich und fuhr sich sichtbar unzufrieden durchs helle Haar.

„Was macht ihr hier, Draco?“, wollte ich abgelenkt erfahren, riss wie wild eine Vitrine auf und durchwühlte sie auf sinnlose, aber auch auf leicht verzweifelte Art und Weise.

„Euch helfen, die VenTes stehen draußen, der Orden macht sich wichtig und die Lehrer basteln an den Schilden. Die BL und DA wissen, was sie tun… ich dachte mir einfach, dass ihr Hilfe brauchen könntet! Die Zeit drängt!“, sprach er eindringlich und ich lächelte ihn milde an. Er versuchte immer, an alles zu denken.

„Was ist das?“, horchte ich lauschend auf und meine Instinkte sagten mir, dass gerade was gehörig schieflief.

Jeder von uns hob nun abwägend den Kopf, da es in der Ferne hörbar bedrohlich knackte und knisterte. Das brausende, lodernde Geräusch und der aufziehende Gestank waren eine kurze Vorwarnung.

„Hört sich komisch an?“, meinte Harry mit unsicherem Blick, da er gerade wieder aus seiner Trance aufschreckte, in dem Versuch, das Seelenstück zu orten.

„Draco!“, schrie ich zutiefst erschrocken auf und deutete panisch hinter ihn, auf das Ende des Ganges, in dem Ron und Vincent verschwunden waren.

Just in dem Moment kamen eben diese beiden wie die Irren im Schweinsgalopp auf uns zu gehetzt und das so schnell sie konnten. Der blanke Horror stand ihnen ins blasse Antlitz geschrieben. Ich fand es in dem Moment sogar noch erstaunlich und irgendwie sehr abstrakt, wie Crabbe so flott sein konnte, trotz seiner massigen Gestalt.

„Es brennt!“, kreischte Ron atemlos und völlig verängstigt.

„Lauft! Verflucht! Feuer!“, schrillte Vincent in einer abartig hohen Tonlage, die offenbarte, wie panisch er war und die zeigte, dass er es komplett mit der Angst zu tun bekommen hatte, denn er rannte an uns vorbei und uns allen voraus.

„Es brennt!“, schrie Draco erschrocken und ja, das Knistern war Feuer, der beißende Gestank von Verbranntem stieg mir vehement in die Nase, während Flammen von ungewöhnlicher Größe uns rasant verfolgten. Sie züngelten an den Wänden der Gerümpelwälle hoch, die bei ihrer Berührung sofort zu Ruß zerfielen.

„Das ist außer Kontrolle!“, brüllte Ron alles übertönend und auch er bremste nicht ab, sondern rannte an uns allen vorbei.

„Aguamenti“, schrie Harry schrill in einem netten, aber so ziemlich unnützen Versuch, das Feuer zu löschen, da der Wasserstrahl umgehend in der brütend heißen Luft verpuffte.

Moment, das war nicht wie in East End, als ich angebraten worden war, das hier war gänzlich anders. Dieses Feuer schien uns zu verfolgen, nur uns!

Es war, als wäre es ein lebendiges, fühlendes Wesen, das innerhalb von Sekunden allesvernichtend war. Die Flammen züngelten jetzt schon extrem hoch über das Gerümpel hinweg. Es leuchtete bedrohlich rot, laut brüllend dröhnte es und walzte sich vorwärts und dehnte sich in einer irren Geschwindigkeit aus. Dabei dachte ich, einen schwarzen Kern auszumachen, der die enorme Quelle der Macht dieses Feuers war. Das war nicht normal, das war… ein Wesen, das darauf aus war, zu töten!

„Dämonenfeuer!“, schrie Draco panisch in der Erkenntnis, die mir gerade ebenso gekommen war.

Er war so panisch, wie ich es noch nie zuvor von ihm vernommen hatte. Aber auch mir rutschte das Herz so was von in die Hose.

Unkontrollierbar!

Das war der einzige Gedanke, der mir ganz hektisch in den Sinn kam. Diese Beschwörung war höchste Magie und an sich für fast jeden, auf jeden Fall für jemanden wie Vincent Crabbe, unkontrollierbar!

Niemand traute es sich zu, diese Art der Magie kontrollieren zu können. Was hatte er getan?

„Draco… HARRY!“, brüllte ich von Panik erfüllt und sah mich hektisch um. „Wir müssen hier raus, rennt! Das ist wirklich Dämonenfeuer!“

Die Hitze trieb mir sofort Schweißperlen auf die Stirn und der starke Rauch der Flammen ließ meine Augen tränen und mir fiel das Atmen schwer. Es kratzte wie verrückt in meinem Hals und ich hielt mir den Ärmel vor den Mund, als ich anfing zu husten. Wir saßen in der Falle!

Harry drehte ab und packte meine Hand, um loszurennen. Wir zögerten keine Sekunde mehr und rannten Vincent und Ron hinterher, die vor uns liefen. Draco war zu weit weg, auch er wirkte fassungslos und schleifte den geschockten Goyle in einen anderen Gang, da uns mittlerweile das Feuer trennte. Wir flüchteten kopflos durch das Labyrinth der Gänge und schleuderten vergeblich irgendwelche Zauber nach hinten, damit der Plunder um uns herum sich dem Feuer in den Weg warf, doch das Dämonenfeuer verschlang hungrig die Möbel und sonstigen Gegenstände, wie ein Schlund der Hölle und verwandelte alles umgehend in Ruß und Asche. Die sich verformenden Flammen jagten uns unaufhörlich und erbarmungslos durch den Raum, bis vor uns ein Stapel Pulte zusammenkrachte und uns den Weg versperrte.

„SACKGASSE!“, keuchte Ron hustend und drehte abrupt ab, da er Vincent nicht mehr folgen konnte, doch es war zu spät.

Ich stolperte fast in Harry, der ebenso plötzlich stoppte. Jetzt waren wir gefangen, denn das Dämonenfeuer schoss unerbittlich auf uns zu und verwandelte sich vor unseren Augen in die abstraktesten Formen. Es bildete sich eine gigantische Zusammenrottung lodernder Ungeheuer.

Das bedrohliche Feuer formte flammende Schlangen, Chimären und Drachen. Diese Ungeheuer aus rot-gelb-weißen Flammen und Rauch bäumten sich auf, fielen in sich zusammen und bäumten sich wieder auf. Die Überreste von Jahrhunderten, von denen sie sich nährten, wurden in die Luft geworfen, in ihre Mäuler voller Reißzähnen, von ihren Klauen hochgeschleudert, ehe das Flammenmeer sie gierig verschlang.

Das waren doch schöne Aussichten für uns, während das Dämonenfeuer unerbittlich auf uns zu raste. Die Luft war unerträglich heiß geworden, dichte Rauchschwaden umhüllten uns, ließen uns husten und die Sicht fiel durch die tränenden Augen schwer, dabei plagte mich die Sorge um Draco, den wir gänzlich aus den Augen verloren hatten.

„Was machen wir jetzt?“, fragte Ron aufgelöst laut schreiend durch das tosend brüllende Knacken des Feuers, während uns die feurigen Monster umzingelten, näher und näher kamen und mit ihren Klauen, Hörnern und Schwänzen nach uns schlugen. Die Hitze um uns herum war so immens wie eine unüberwindbare Mauer und ich unterdrückte es zwar, aber ganz konnte ich den Albtraum von East End nicht abschütteln, der mich zu lähmen drohte.

„Hier!“, meinte Harry undeutlich über den Lärm hinweg und warf Ron einen Besen zu, den er aus einem Haufen herausgefischt hatte und hielt seinen selbst hoch. „Du bei mir!“

Sofort setzte ich mich hinter ihm auf den Besen und krallte mich an seinem Rücken fest, bevor er sich vom Boden abstieß und uns steil in die Luft schraubte. Gerade noch rechtzeitig, um aus der glutheißen Falle zu entkommen, vorbei an dem gehörnten Schnabel eines flammenden Raubvogels, der mit seinen Kiefern nach uns schnappte und uns nur um Zentimeter verfehlte.

Indes blickte ich hinab und verfolgte, wie die Flammen den Ort, an dem wir soeben noch gestanden hatten, gierig verschlangen.

„RAUS HIER!“, brüllte Ron, der schon hoch über uns in der Luft schwebte, dabei wurden der Rauch und die Hitze beinah unerträglich.

Ich schlang meine Arme um Harry und versteckte mein Gesicht an seiner Schulter. Er war ein guter Flieger, er würde das machen, ohne dass ich groß hinsehen musste! Warum immer fliegen? Er war ein guter, ein exzellenter Flieger, sagte ich mir in einem Mantra vor. Meine Sorgen waren absolut unnötig. Doch dann riss ich doch die Augen auf, da ich in der Ferne einen kläglichen und bittenden Schrei vernahm. Auch Harry hatte das gehört und wandte seinen Kopf und ich konnte nur noch an Draco denken!

Das war Draco. Wo steckte er? Ich suchte hektisch das Flammenmeer ab. Ich sah, wie es das Beutegut von Generationen gejagter Schüler, die strafbaren Ergebnisse tausender verbotener Experimente, die Geheimnisse zahlloser Seelen, die in diesem Raum Zuflucht gesucht hatten, vernichtete und jetzt vielleicht auch noch Draco!

„Es ist zu gefährlich, Harry!“, schrie Ron, der es ebenfalls gehört hatte. „Raus hier, lasst uns verschwinden“, brüllte Ron, dabei war es durch den schwarzen Rauch und den Feuersturm unmöglich zu erkennen, wo der Ausgang war.

Doch Harry hörte gänzlich ohne meine Einmischung nicht auf ihn und wirbelte schon mit mir auf dem Besen herum und jagte in die Richtung, aus welcher der Schrei gekommen war. Er ging so tief wie es das tobende Flammenmonster zuließ, um die anderen zu finden, aber da war nichts als Feuer und ich bekam Herzklopfen. Ich wusste, wie schrecklich diese Art zu sterben war!

Lucius würde durchdrehen!

„Nicht ohne die anderen“, schrie Harry meinen Gedanken laut heraus und ich sah etwas.

„Da, Harry! Dort!“, schoss mein Fingerzeig an seinem Gesicht vorbei.

Dort war Draco, die Arme um den bewusstlosen Greg geschlungen, auf einem Turm wackeliger, rußgeschwärzter Pulte, während Vincent vollkommen in Panik versuchte, das instabile Gebilde auf der anderen Seite weiter zu erklimmen. Es war ein Berg, der von unten unaufhaltsam aufgefressen wurde. Vincent war schnell und Draco brüllte uns etwas zu und winkte aufgeregt mit seiner Hand.

„WENN WIR FÜR DIE STERBEN, HARRY, BRING ICH DICH UM!“, meinte Ron mit beseeltem Enthusiasmus hinter uns permanent vor sich hin schimpfend.

Aber wir beachteten ihn nicht, denn auch für mich stand außer Frage, dass ich nicht nur mein Familienmitglied, meinen Draco, sondern auch die DA und BL Mitglieder zu retten versuchen würde. Als sich eine große flammende Chimäre auf uns herabstürzte, wich Harry geschickt aus.

„Vincent“, brüllte Draco so laut, dass es mehr als gut zu hören war, obwohl wir noch zu weit weg waren und wir hilflos mitansehen mussten, wie er fiel.

Er verlor das Gleichgewicht und konnte sich nicht mehr halten und fiel, fiel immer tiefer. Er sauste Arme rudernd in die Tiefe, hinein in die gefräßigen Flammen und er sauste in den offenen Schlund eines Drachen, der ihn gierig auffing und verschlang. Wir waren zu langsam.

„NEIN!“, schrie Draco und die Trauer über den Verlust eines alten Weggefährten stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Doch es blieb keine Zeit, gerade landete Ron bei Draco und sie wuchteten den bewusstlosen Gregory Goyle vor Ron auf den Besen, woraufhin dieser nicht zögerte und sich sofort abstieß.

Wir landeten bei Draco und zusammen mit mir versuchte Harry, Draco zu uns hinaufzuziehen, während Draco den Tritt verlor, da die Pulte zu Ruß zerfielen.

„Los, Harry!“, rief ich aufgeregt und packte Dracos verschwitzte Hand. Gemeinsam mit Harry, der die andere Hand hielt, balancierten wir Draco und versuchten, auf dem Besen zu bleiben.

„Flieg auf die Tür zu, Potter, los“, kam es trotz seiner verfänglichen Lage herrisch von Draco und ich lachte hustend auf.

Harry ließ sich nicht lange bitten und mit einem mörderischen Zahn beschleunigte er rasant. Mein Magen legte einen Salto hin. Wir sausten Ron und Goyle auf den Fersen durch die Rauchschwaden hindurch. Vorbei an Gegenständen, die die gefräßigen Flammen siegestrunken in die Luft wirbelten, hochgeschleudert von den verfluchten Kreaturen des Feuers, Pokalen, Schilden, einer funkelnden Halskette.

„Da… ein Diadem!“, brüllte Draco aufgeregt und sofort sahen wir den Horkrux auf den Flammen tanzen.

Es war angelaufen und nicht mehr so glänzend wie einst, aber es war da, weswegen Harry abdrehte und scharf umschwenkte, die Tür hinter sich ließ und in einem steilen Sinkflug hinabstieß. Das glitzernde Diadem schien wie in Zeitlupe vor unseren Augen zu fallen, in den Diamanten brach sich das kräftige Rotgelb des Feuers, es drehte sich um sich selbst, während es auf den klaffenden Schlund einer Schlange zuhielt.

„Harry“, brüllte ich und warf ihm in der Sekunde auch schon einen meiner Dolche zu und Harry als geborener Fänger fing den Dolch geschickt, dabei musste er aber den Stiel des Besens loslassen, um das Diadem damit aufzufangen. Er schaffte diesen Balanceakt, aber da auch noch Draco zwischen uns hing war es eine waghalsige Tat. Dann schwenkte er herum, weil die Schlange geschmeidig abdrehte und nun uns angriff und sich in die Höhe schraubte.

„Ah“, kam es leise von Draco und da passierte es.

Ein Albtraum für mich, dem zuzusehen. Er entglitt mir und rutschte ab.

Er fiel!

Er entglitt uns wie in Zeitlupe. Seine Hand war feucht und als Dracos Fingerspitzen über meine glitten, fasste ich plötzlich ins Leere. Er griff verzweifelt nach und hielt meinen Blick mit einem absolut gefassten Blick seiner grauen Augen, der mein Herz aussetzen ließ. Harry indes war mit Diadem, Besen und Feuer so beschäftigt, dass er es nicht schaffte, zuzupacken und auch wenn es wehtat, sich das einzugestehen, reine Muskelkraft war auch nicht meines.

„Dracooooo“, schrie ich aus Leibeskräften, als er in der Luft zu stehen schien und es schien mir, als fiele er noch langsamer als das Diadem, hinunter in die Flammenhölle.

„Fuck“, brüllte Harry inbrünstig und ich packte fest seine Seite.

„Hau ab, Harry!“, befahl ich eisig entschlossen.

Ich begegnete seinem gehetzten, entsetzten Blick hinter runden, rußgeschwärzten Brillengläsern und ich registrierte noch wie er seinen Mund öffnete, da blitzte ich ihn plötzlich mit meinen weißen Augen an, zögerte keine weitere Sekunde und sprang.

Ich sprang unter Harrys panischem Gebrüll Draco hinterher, hinunter in den glühendroten Feuerschlund.

Hermiones Sicht Ende

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Kapitel 657-658 Queeniesig-1
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Kapitel 657-658 Empty
BeitragThema: 658. Bittersweet   Kapitel 657-658 EmptyMo Jun 17, 2019 8:00 pm

Heute einen Tag früher, da ich morgen keine Zeit habe! Euch viel Spaß beim lesen und ich bin gespannt, was ihr denkt, fühlt, sagt…
glg
queenie + Team

658. Kapitel Bittersweet

Dracos Sicht

Ich fiel wie ein Stein!

Das war’s, ich sah mein Ende auf mich zukommen, im wahrsten Sinne des Wortes, und ich verbot mir ein kindisches Aufschreien und fiel stumm hinab.

Ich war zu stur, um mir diesen Ton zu gestatten, denn das würde nichts bringen. Unter mir tobte das Dämonenfeuer mit brachialer Gewalt. Tja, mir würde es ähnlich ergehen wie Vincent, dem Idioten. Was den geritten hatte, war mir schleierhaft!

Das war’s dann also, ich würde verbrennen. Hoffentlich ging das schnell, sodass ich nicht mehr viel mitbekommen würde. Ich schloss die Augen und dachte kurz, ich wäre beim Quidditchspiel, denn noch immer fiel ich, wie ich es beim Quidditch oft genug erlebt hatte. Selbst meine Magie würde mir jetzt nicht helfen und ich hatte nicht verantworten können, die anderen mit mir hinabzuziehen. Hinab ins Feuer, also hatte ich losgelassen. Zum größeren Wohl, wie pathetisch. Ja, eine ziemlich heroische Tat für einen waschechten Slytherin, aber wenn sollte nur einer von uns hier drinnen sterben.

Nicht Potter, der wurde noch gebraucht, so weh es mir tat, das zuzugeben und erst recht nicht sie.

Sie hielt zu viele Zügel in Händen, war für alle und vor allem für Potter so wichtig. Ich ergab mich in mein selbsterwähltes Schicksal und hielt den Atem an, da jeder Zug in meinen Lungen wie Feuer brannte und ich noch mehr husten musste und doch verging für mich die Zeit wie in Zeitlupe.

„Hermione!“, kreischte Potter, selbst für mich über den tosenden Lärm hinweg sehr gut zu hören, in einem schrillen Ton und ich riss die Augen wieder auf.

Ich versuchte zwanghaft, die Augen offen zu halten, aber ich konnte regelrecht fühlen, wie meine Wimpern durch die Hitze versengt wurden und presste die Lider daher fest zusammen. Ich hustete und verschluckte mich.

„Her… mio…“, keuchte ich atemlos und hustete wieder, weil sich aus dem Nichts Arme um mich schlangen.

Plötzlich presste sich ein schlanker Körper im freien Fall dicht an den meinen und ja, ich kannte ihn, selbst ohne ihn zu sehen, da der Rauch um uns herum sprichwörtlich jede Sicht nahm und trotzdem riss ich durchaus ängstlich die Augen auf. War sie verrückt? Von einem Moment zum anderen dachte ich, zu explodieren und schrie wie von Sinnen los. Ich riss die tränenden Augen noch weiter auf. Als der erste Schreck vorbei war, zwang ich mich, in Ruhe hinzusehen und sah nur zwei weiße Punkte in dieser absoluten und alles verschluckenden Schwärze.

Wo zur Hölle war das Feuer?

Plötzlich brannte und loderte es nicht mehr um uns herum, es war so lastend still und im Vergleich schaurig kalt, dass es noch beängstigender war als der Krach des Feuers. Ich landete in absoluter Finsternis. Aber das hier war meiner Ansicht nach so viel leichter zu ertragen. Die sengende Hitze war weg, die Haut brannte nicht mehr, die Luft war rein und ich hustete trocken, aber erleichtert, während ich das weiße Licht fand und den Blick aus diesen beiden strahlend weißen Punkten erwiderte. Die Zeit dehnte sich für mich zur Unendlichkeit aus und zum ersten Mal verstand ich im Ansatz Severus‘ und Vaters‘ Faszination, was Hermiones anderes Sein betraf!

Meine Hände packten nun zu, weil ich fühlen musste, dass wir beide noch da waren, in diesem Nichts, und jetzt konnte ich den Punkt benennen, der wie die Hölle brannte. Mein Nacken fühlte sich an, als würde jemand einen Schürhaken hineindrücken. Ein Ruck ging durch mich und ich registrierte, wie sie selbst auf einmal starr wurde, als würde sie auch Schmerzen haben, aber dann war es weg, mit einem Schlag und am liebsten hätte ich mich an sie gekuschelt und alles vergessen. Aber dann ging es weiter. Wir glitten wie die Dementoren mit einer grazilen Leichtigkeit durch diese andere, dunkle Welt. Hier war alles schwarz und sie hielt mich fest umschlungen und zog mich beschützend mit sich, hier könnte ich bleiben. Es war, als würde ich nichts wiegen.

Mit einem brutalen und für mich völlig unerwarteten Schlag landeten wir.

Wir ließen diese stille, sichere Finsternis so mir nichts dir nichts hinter uns zurück und das war schlimmer als davor. Ich landete auf dem harten, hellen und so unangenehmen Boden der schmerzhaft lauten und so beißenden Realität. Das tat weh. Sofort presste ich meine wunden und tränenden Augen zu und hielt mir die Hände an die Ohren, um meine Umwelt auszusperren. Ich war kurzzeitig völlig überfordert. Reizüberflutung und dazu kam der Schmerz in meinem Nacken, der auf einmal mit voller Wucht wieder da war. Ich hörte viel, zu viel und viel zu laut, wie die anderen ihre Rauchvergiftung aushusteten, wie der Boden unter mir erzitterte, als die Tür des Raums der Wünsche hinter uns mit einem lauten Schlag zudonnerte und dahinter eine gewaltige Detonation zu vernehmen war, die das gesamte Schloss in seinen Grundfesten erschütterte.

„Verfluchte Scheiße“, stieß Weasley, der neben mir lag, atemlos, aber inständig hervor und würgte, während ich ein leises Schluchzen wahrnahm.

„Vince… Vincent“, japste Greg. „Vince…“, jammerte er weiter und er musste sich schrecklich fühlen, seinen besten Freund verloren zu haben.

„Der ist tot“, grollte Weasley barsch und ohne jegliches Mitgefühl.

Das war nicht nett. Jedoch verstand ich seine Verbitterung wegen so viel Dämlichkeit, denn mir ging es ähnlich, so leid es mir tat, diesen alten Weggefährten auf derart grausame Weise verloren zu haben. Er hätte tatsächlich beinah geschafft, was dem Lord bisher in all den Jahren nicht geglückt war und uns fast alle auf einen Schlag umgebracht. So war nur er es, der den Preis für sein Handeln hatte zahlen müssen. Traurig, aber wahr.

Doch dazu aufraffen, etwas zu sagen, konnte ich mich nicht, da ich gerade jetzt zu benommen von all den Sinneseindrücken war, die in dieser anderen Welt nicht existierten und die jetzt hier zu viel Platz auf einmal forderten. Aber, dort wo ich gewesen war, gab es nur Hermione und nichts anderes als sie!

Sie war das einzig Wahrnehmbare. Sie, die das Licht war!

„Mhhm“, stöhnte ich wenig sinnvoll, aber zutiefst ehrlich, da der penetrante Schmerz in meinem Nacken mich peinigte. Meine Finger fuhren dahin und umfassten fest meinen Nacken. Gerade wurde dies zum neuen Zentrum meines Seins. Verflucht, was war das? Ich spürte die Nässe und konnte nur denken: Blut!

Woher kam das auf einmal? Es war nur eine kleine Stelle, aber es war, als würde mein Leben von dieser einen Stelle abhängen und nur von ihr. All mein Schmerz, all mein Leid waren an diesem zentralen Punkt vereint.

„Hey, Malfoy alles gut?“, kam die dämlichste Frage überhaupt vom dämlichsten Lebewesen weit und breit und ich hätte Potter böse niedergestarrt, wenn ich nicht gerade beschäftigt gewesen wäre, mir selbst leidzutun.

Denn nein, es ging mir verdammt beschissen!

„Uhhh…“, entfuhr es mir wieder recht sinnlos und ich kämpfte darum, diese Pein zurückzudrängen.

Ich lebte, dank ihr!

Das schmeckte mir eigentlich gar nicht wirklich, während das Leben und die normale Wahrnehmung langsam, aber sicher in mich zurückkehrten. Ruckartig drehte ich mich um, hievte mich auf die Knie, hielt mir dabei meinen Nacken und holte ganz tief und japsend Luft. Ich kniete da vor ihr und sog die klare und frische Luft in meine gereizten Lungen, während meine Augen tränten und sie es nicht wagte, zu mir zu blicken.

Plötzlich rappelte sich Potter rußgeschwärzt neben mir hoch und drehte sich zu ihr. Sie, die Einzige von uns, die noch stand. Alle anderen, die im Raum der Wünsche gewesen waren, lagen verstreut um sie auf dem Boden herum und erinnerten an geschlagene und zerschlagene magische Schachfiguren.

„Geht es dir gut, Schönste?“, fragte Potter besorgt.

Ich hingegen starrte wie paralysiert zu ihr, da sie nicht reagierte und irgendwie abwesend wirkte, aber ansonsten besser aussah als wir alle zusammen.

„D… das war… Wahnsinn!“, meinte ich betont ruhig, bis auf das raue Husten, das ich nicht unterdrücken konnte und sie schnappte bei meinen Worten völlig überrumpelt nach Luft und hielt sich ihren Bauch, während ich mir weiterhin mit der Hand meinen Nacken hielt. „Das ist diese andere Welt? Das ist wirklich…“, sprudelte es aus mir heraus und ich verspürte Ungeduld, über das Erlebte zu reden.

„Dir geht es gut?“, wisperte sie plötzlich besorgt zu mir und ich nickte abrupt.

Indes musterte sie mich aber irgendwie zweifelnd. Sie wirkte alles in allem sehr unsicher und gar nicht erfreut und erleichtert, obwohl sie mir das Leben gerettet hatte. Ich roch den Braten drei Meter gegen den Wind. Was war passiert, das ich nicht richtig mitbekam?

Es war doch noch alles gut gegangen, dank ihr!

„Du bist komisch!“, sprach Potter das aus, was mir durch den Kopf ging.

„Mir… mir geht es gut“, erhob sie gerade viel zu unsicher die Stimme und ihr Blick flatterte überall hin, nur nicht zu mir. „Wie geht es dir, bist du kurz vorm Tod?“, meinte sie dann mit unstetem Blick wieder direkt zu mir und überging Potter völlig und ich fragte mich, ob sie den Verstand verloren hatte.

„Was? Wie tot? Was, nein!“, rief ich irritiert wegen ihrer sonderbaren Frage und selbst Potter blickte nun sehr sorgenvoll drein, was dazu führte, dass ich mich aufraffte und wackelig auf die Füße sprang und ihre eiskalten Hände fasste. „Wie kommst du darauf?“, fragte ich furchtsam und sie wollte sich mir entwinden, aber ich packte fester zu.

„Weil… ich… Fenrir mit so was schon mal fast getötet hätte“, gestand sie sichtbar widerwillig und doch war es, als würde sich vor mir ein schwarzes Loch öffnen.

Ich war nicht der erste Versuch. Sie hatte es schon mal gewagt, aber mit jemand anderem und sie hatte um die Konsequenzen gewusst, die wohl nicht so rosig aussahen und es wieder getan! Aber wirklich aufraffen, mir leidzutun konnte ich nicht, da ich hier stand und der Feuerhölle entkommen war. Ich lebte und hätte sie nicht gehandelt, wäre ich dem Tode geweiht gewesen. So hatte ich eine Chance gehabt, egal wie klein sie auch gewesen war, so hatte zumindest eine bestanden. Warum haderte sie?

„Aha… will ich wissen, warum du das mit dem Werwolf getan hast?“, fragte Potter unnachahmlich meine Frage, während sie noch immer von mir wegsah.

„Er hat mich angegriffen!“, meinte sie tonlos.

Woraufhin Potter und ich uns einen eindeutigen Blick zuwarfen. Sie hatte so viele Geheimnisse, dass es zum Haare ausreißen war. Denn auch Potter hatte, wie mir sein Gesichtsausdruck vergegenwärtigte, von den Vorkommnissen keinen Schimmer. Manchmal, aber nur manchmal wollte man sie packen und schütteln.

„Und das… was du mit Greyback getan hast, hat ihn fast getötet? Also, dasselbe was du jetzt mit Malfoy getan hast und jetzt hast du Angst, dass das Draco eigentlich hätte umbringen müssen?“, drang Potter weiter in sie und sie nickte knapp, bevor sie ausholte und sich über die dank der Hitze spröden Lippen leckte.

„Ja, wir gingen in den Slide. Sanguini hat es mir beigebracht, aber Fenrir hat es gar nicht gut vertragen, ein wenig länger und er wäre tot gewesen“, offenbarte sie mit abgewandtem Gesicht die brutale Wahrheit.

„So leicht sind die nicht zu töten“, kam es recht schroff von Weasley und ihr entfuhr ein süffisanter Ton.

„Glaub mir, so hast du ihn auch noch nie gesehen…“, wandte Hermione mit Grabesstimme ein und ihre Tonlage sagte aus, dass sie es sehr, sehr ernst meinte.

Ganz ehrlich, ich hätte diesen räudigen Werwolf gerne gesehen, wie er hilflos dalag und völlig ausgeliefert war. Anscheinend hatte sie ihn mit dieser Reise wirklich beinah umgebracht, interessant. Jedoch war ihre Sorge was mich betraf unbegründet, denn mir ging es wirklich recht gut, von Feuer, Nacken und Schock mal abgesehen.

„Wo war ich genau?“, fragte ich orientierungslos und rieb weiter meinen Nacken mit der einen Hand und hielt ihre fest umfangen mit der anderen.

„Hinter dem Schleier, Fenrir nannte es das Land der Dunkelheit!“, bekannte sie mit gefasster Stimme und ich blinzelte zu ihr hin, wie sie dastand, unbewegt, gefasst, während wir anderen noch immer mit den Nachwirkungen zu kämpfen hatten.

„Wie treffend… ich habe nichts gesehen außer Finsternis, Dunkelheit, da war das Nichts… nur deine weißen Augen… und mit ihm hast du das auch gemacht… hat ihm bestimmt gut getan…“, gab ich wenig fokussiert und ein wenig gehässig zurück, dabei schien sie unter meinen Worten zusammenzuzucken.

Ich versuchte, zu erfassen, was ich gefühlt hatte, aber mein Geist war regelrecht überfordert von den Sinneseindrücken, die auf mich eingeprasselt waren. Weder hier noch da und gleichzeitig überall. Es zog an mir, überall, es war, als hätte etwas aus meinem Inneren herausgerissen werden sollen, das sich dann aber in meinem Nacken festgekrallt hatte und doch war alles dunkel… im Land der Dunkelheit! Und du warst das Licht und ich war im Land der Dunkelheit, ging es mir wie in einem Mantra im Kopf herum.

„Was siehst du denn?“, wollte jetzt Weasley neugierig von ihr wissen.

„Grau, es ist grau und sicher, aber es ist nur ein Durchgang…“, tat sie leicht diese unfassbare, neue Welt vor uns ab.

„Eine super Art zu reisen! Ihr seid unversehrt aus dieser Feuerhölle entkommen, das ist doch genial! Bedeutet das…. du kannst jeden von uns so mitnehmen?“, meinte Weasley aufgeregt zu Hermione und er trat jetzt in mein Blickfeld, wobei sein angekokelter Anblick nicht wirklich schön anmutete und ich stöhnte auf.

„Alles gut?“, fragte Weasley nun mich, da ich noch immer meinen Nacken hielt und erst jetzt meine Hand vorzog, die ganz blutig war.

„Tut es weh?“, wollte Potter jetzt mit der ihm eigenen Wichtigkeit wissen und bitte, was war das für eine dämliche Frage? Natürlich tat es weh, es blutete!

„Ja, es brennt und pocht wie Feuer“, gab ich dann mit sichtbar schwer zusammengehaltener Beherrschung zu.

„Was hat dich da verletzt?“, fragte Potter interessiert.

„Nichts!“, erwiderte ich umgehend.

„Seit wann tut es weh?“, meinte Weasley mit verkniffener Miene.

„Mhm…“, kam es von mir als Antwort auf seine Frage, denn da musste ich überlegen. „Ähm… seit vorhin… als ich in die Finsternis, in die Dunkelheit gegangen bin…. glaube ich zumindest, dann war es weg und jetzt ist es wieder da… was blutet da überhaupt?“, fragte ich besorgt und zischte auf, da meine tastenden Finger wieder vorsichtig über die offene Wunde strichen.

„Moment, ihr habt beide Schmerzen, oder?“, zeigte Potter in seiner Stimme wieder jenen Enthusiasmus, der mir beinah fremd war, aber ich nickte und sie tat es mir gleich und bestätigte damit meine vorhergehende Vermutung, dass sie sich nicht grundlos über den Bauch gestrichen hatte. Wie es aussah hatte nicht nur ich das mitbekommen, sondern auch der gute Beobachter Potter.

„Dann weiß ich, warum!“, verkündete Potter überzeugt und jetzt sah ihn Hermione interessiert mit tief gefurchter Stirn an. Und der Auserwählte sprach: „Deine Initiale, die du ihm damals im Cottage verpasst hast… sie blutet… könnte es damit zusammenhängen? Er gehört zu dir? Er hat dir das Zeichen der Malfoys verpasst. Ihr habt euch beide gezeichnet… Blutmagie!“

Und mit einem Satz war sie bei mir, in meinem Rücken und drückte meinen Kopf hinab und dann zeichneten ihre Fingerspitzen schon über die feurig, pochende Wunde in meinem Nacken. Sie malte ganz langsam das H nach!

„Er hat recht“, hauchte sie angespannt und ihr Atem strich kühl über das pochende Mal und ich erinnerte mich wieder daran zurück, wie sie mir das H, ihr H eingraviert hatte.

„Das hat mich gerettet!“, wisperte ich absolut sprachlos, dass diese damalige Aktion dafür gesorgt hatte, dass ich das Feuer überleben konnte.

Ich war verloren gewesen!

Es war immer wieder beeindruckend, im Nachhinein zu erleben, wie diese lapidar erscheinenden Entscheidungen über unser magisches Leben bestimmten. Zuerst die Blutsbrüderschaft mit Blaise, die mich auf so vielfältige Weise gebunden und ihn gerettet hatte und jetzt das H von Hermione, das mich aus dem Dämonenfeuer gerettet hatte. Dieses H war etwas, was ich total vergessen hatte, da es keine Rolle mehr zwischen uns spielte und jetzt war dies der entscheidende Faktor, der über mein Leben entschieden hatte!

„Was es war ist doch egal! Ich meine, hey Leute, ich fasse nicht, dass wir das überlebt haben!“, jubelte der Rotschopf erleichtert lachend los.

Jedoch fiel mir auf, dass Greg als Einziger noch am Boden saß und trauerte. Er weinte jetzt richtig und erst jetzt wurde mir ob meines persönlichen Dramas wieder mein Verlust bewusst, da nicht alle diese Episode überlebt hatten.

Vincent!

Wir hatten Vincent verloren. Ein Freund war ein Opfer seiner eigenen Flammen geworden und ich sah sein Gesicht vor mir, wie er gefallen war und er es selbst nicht hatte fassen können, dass er sterben würde. Auf der einen Seite war ich stinksauer auf ihn, dass er das Feuer beschworen und uns derart in Gefahr gebracht hatte, aber andererseits wie konnte man Toten grollen? Er hatte den ultimativen Preis für seine Dummheit bezahlt.

„Hier, nehmt das“, unterbrach Hermione meine trostlosen Gedanken und ich blickte auf.

Ich verfolgte, wie sie bis zu den Ellenbogen verschwunden in einer kleinen Samttasche herumwühlte, bis sie zufrieden aussehend jedem von uns eine Phiole reichte. Ich starrte auf das Glasröhrchen und dann trank ich ohne zu zögern das, was sie mir gegeben hatte und fühlte umgehend die heilende Wirkung. Spürte, wie sich mein Hals weniger rau anfühlte, wie sich die Kratzer, Brandblasen und sonstigen Wunden schlossen und die schmerzhafte Heiserkeit verschwand. Da ich jetzt mit klarerem, schmerzbefreitem Geist wieder zu ihr aufblickte, musste ich mir mit Widerwillen eingestehen, dass sie alles für mich getan hatte, dass sie mir in die Flammen hinterher gesprungen war, typisch Gryffindor, und dass sie meine Retterin war und ich ihr mein Leben verdankte.

Sie war mutig und ganz gleich, wie gewagt ihre Aktion gewesen sein mochte, viele Optionen hatte es für mich nicht mehr gegeben und Vater würde stolz auf sie sein, wenn er erfahren würde, was sie für mich getan hatte!

Für mich, für ihn!?

Und wieder fuhren meine Fingerspitzen über das noch immer pochende H, das selbst nach dem Trank noch ein Eigenleben hatte, da es noch immer pochte. Als sich unsere Blicke trafen, wusste ich, dass es ihr ähnlich ging, so wie ihre Hand unbewusst zu der Stelle an ihrem Bauch glitt, an dem mein Zeichen auf ihrer Haut eingebrannt war.

Dracos Sicht Ende

Hermiones Sicht

Ich stand hier und versuchte, auf cool zu machen. Aber das war ich ganz und gar nicht. Ich war nicht in Ordnung, denn ich war ohne Rücksicht auf Verluste in den Slide gesprungen und hatte Draco mit mir gezogen, begleitet von seinen Schmerzensschreien, rüber auf die andere Seite des Seins. Unterdessen erinnerten mich die anhaltenden Schmerzen an meinem Bauch daran, dass es gänzlich anders gewesen war als bei Fenrir.

Wir waren verbunden, diese andere Seite hatte Draco als zu mir gehörig anerkannt und ihm nichts getan, da ich sein und er mein Zeichen trug, beides durch unser Blut vereint!

Trotz allem war es eine Kraftanstrengung und nicht schmerzfrei, aber wenigstens war Dracos Leben nicht im Slide gefährdet. Wir waren gemeinsam in einer aberwitzigen Geschwindigkeit durch diese andere, so unwirkliche Welt hindurchgeglitten, während Harry die Wichtigkeit seiner Mission erkannt und nicht den heldenhaften Fehler begangen hatte, auf uns zu warten, oder sich für uns zu opfern, oder sonst einen Unfug, sondern zur Tür rausgeflogen war.

Kurz erlaubte ich mir die Erinnerung an diese andere Welt. Denn selbst in diesem Grau war es inmitten dieser lodernden dämonischen Brunst beängstigend gewesen, wenngleich uns die Flammen und der Rauch dort nichts hatten anhaben können. Ich hatte in dieser grauen Welt den Käfig mit den Skeletten der Gründer unversehrt dastehen sehen. Selbst dieses alles zerstörende Feuer hatte ihnen nichts anhaben können. Ihr Käfig schien geschützt vor dieser Brunst und ich vermutete, dass der Raum nur dank der nekromantischen und soulgatherischen Fähigkeiten der Gründer wohl die Möglichkeit haben würde, dieses Feuer und diese folgende Detonation zu überstehen und jetzt stand ich hier und blickte auf die Gestrandeten.

Ich selbst lehnte mich nach dem überwundenen Schock keuchend gegen die Wand und erst jetzt ließ ich meinen Blick schweifen und nahm wahr, dass sich die Lage hier draußen, während unserer Zeit im Raum der Wünsche, rapide verschlechtert hatte. Die Wände und die Decke bebten schlimmer denn je und die Luft war voller Staub, was das Atmen nach dem Feuer nicht einfacher machte. Es kratzte unangenehm in meiner trockenen Kehle. Das war knapp gewesen und ich ahnte, was Lucius getan hätte, wäre Draco draufgegangen, wobei wenigstens erkannte ich nun die Möglichkeiten meines neuen Seins!

Es gab doch immer wieder Überraschungen.

Die anderen lagen alle am Boden rum, während ich die Einzige war, die stand und meine Hand auf meinen Bauch drückte. Der Schmerz dort wurde beständig stärker. Es war, als würde das Zeichen der Malfoys, das mir Draco eingebrannt hatte, ein Eigenleben entwickeln. Es schmerzte und pochte und ich biss die Zähne zusammen.

Natürlich fragten sie mich aus und ich gab widerwillige, aber aufrichtige Antworten.

Die Katastrophe wie bei Fenrir blieb bei Draco aus. Ich wartete vergeblich auf die Schwäche, die ich bei Fenrir gesehen hatte, weder kotzte er noch zeigte er die anderen Erscheinungen. Draco hatte nur mit den Nachwirkungen des Feuers zu kämpfen, aber er wirkte nicht so zerschlagen, zittrig und blass und ohne Kraft wie damals Fenrir!

Dessen Konstitution war damals bedenklich gewesen. Er war so geschwächt gewesen wie ein Säugling. Er hatte die Augen verdreht und war in meinen Armen ohnmächtig geworden, das war Draco nicht passiert. Als ich uns allen einen Trank verpasste, der dafür sorgte, dass wir wieder heilten, kamen wir alle wieder auf die Füße. Dabei versuchte ich zu verdrängen, dass Dracos H unter dem Nachfahren meiner Fingerspitzen rot geleuchtet und sich warm unter meinen Fingern angefühlt hatte. Es war unheimlich.

Jetzt versuchten wir alle, die nächsten Schritte zu planen und dabei trafen sich unsere Blicke und erst da bemerkte ich, dass meine Hand wieder unbewusst zu der ziehenden Stelle an meinem Bauch gefahren war. Dorthin, wo das Malfoy Wappen in meiner Haut eingebrannt war, während Draco unter meinem Blick seine Hand in seinen Nacken legte.

Dies war ein Moment, ein inniger Moment der Verbundenheit, der mir den Mund wässrig machte. So nah und doch so fern!

Es tat weh und gleichzeitig beruhigte es mich, zu wissen, dass ich Zugriff auf Draco hatte und das hörte sich schrecklich falsch an, aber trotz allem fühlte es sich für mich so gut an und deshalb sprach ich mir guten Gewissens zu. Ich hatte Einfluss auf ihn, um ihn in diesem Krieg zu schützen, für Lucius!

Wobei, galt das auch für Severus? Oder für Lucius?

Sie alle hatten mich mit ihren Zeichen versehen und ausgestattet, wenngleich Draco der Einzige war, dem ich meine Widmung verpasst hatte. Ein durchwegs spannender Gedanke, von dem ich abdriftete, als mir das DarkMark in meinem Nacken einfiel und der Lord, der ebenfalls ein präsenter Zeichner auf mir und meiner Haut war, verdammt!

Wie gut, dass ich den Versuch unterlassen und mit ihm keinen Slide hingelegt hatte. Er hätte es überleben können. Und das nur, weil wir verbunden waren, verdammt. Meine Gedanken wurden unterbrochen.

„Greg, wegen Vincent…“, ging Draco neben dem sichtbar mitgenommenen und weinenden Gregory zu Boden und sah zu uns auf, wissend, dass wir ein Opfer zu vermelden hatten.

„Der ist tot“, entkam es Ron mit stockender Stimme immer wieder ein wenig barsch und seine kurzzeitig gute Laune verflog, während ich eine gewisse Wut wegen dieser Dämlichkeit nicht unterdrücken konnte.

Wer war so doof und beschwor diesen Zauber? Einen, den selbst der mächtigste Magier nur mit viel Glück unter Kontrolle halten konnte?

Plötzlich wurde das Schloss von zwei schweren Schlägen erschüttert und die Grundmauern erbebten unter meinen Füßen und ich taumelte und nur wenige Sekunden später galoppierten kopflose, durchsichtige Gestalten an uns vorbei. Dabei war der große Bogen, den die Geister um mich machten, nicht zu übersehen. Sie alle hielten ihre Köpfe unter ihren Armen und schrien wie wild im Blutrausch auf.

„Ist das die Kopflosenjagd?“, fragte Harry hörbar entsetzt, was sich alles plötzlich hier scharrte, während er den Reitern aus dem Weg sprang.

„Ja, ich habe sie um Beistand gebeten!“, rief der Fast Kopflose Nick stolz über seinen Einfall. Er saß ebenfalls auf einem durchsichtigen Pferd und ritt mit den Reitern mit, als Einziger mit Kopf auf den Schultern, wohlgemerkt.

„Der ist glücklich“, meinte Ron kopfschüttelnd, als die silbrigen Reiter mit wehenden Fahnen und donnernden Hufen verschwanden.

„Na, wenn sie durch die DeathEater reiten, können sie sie ablenken, das hilft schon“, gab Draco wohlüberlegt zu bedenken, während bunte Blitze meine Aufmerksamkeit zum nächsten Fenster lenkten.

„Denkt ihr, der Raum erholt sich wieder?“, fragte Harry schuldbewusst, da ihm schon der Gedanke wehtat, dieses einmalige Relikt vernichtet haben zu können.

„Ich glaub schon“, wisperte ich leise und linste durch eine Fensterscharte.

Ich sah vorwiegend grüne und rote Lichtblitze dicht am Fuße des Schlosses aufblitzen, dort wo das Schild noch intakt war, dass uns allen klar wurde, dass sie, die Armee der DeathEater, beständig näherkam.

„Wir können stolz sein, schaut her!“, meinte Harry hörbar bewegt und schob mit seinem Schuh das zerbrochene, rußgeschwärzte Diadem zu uns her.

„Wow!“, wisperte Ron tief beeindruckt.

Wo war der Schmerz diesmal geblieben? Der Schrei? Meine Hand glitt abwägend in meinen Nacken. Indes betrachteten wir alle das komische, schwarze, teerartige Blut, welches die Horkruxe nach ihrer Vernichtung ausstießen und das langsam und zäh auf den Boden tropfte.

„Okay… das ist erledigt. Ich habe diesmal nur gar keinen Schrei gehört“, meinte ich vorsichtig.

„Und auch keinen Schmerz verspürt!“, kam es von Draco.

„Naja, ich bin beinah ohnmächtig vor Qual raus und hart auf dem Boden gelandet, der Lord war unfassbar sauer und zornig und er hatte unglaubliche Schmerzen, also er weiß, dass nicht mehr viel übrig ist!“, gab Harry vorsichtig zu bedenken.

„Ich habe nur das Brüllen des Feuers gehört, aber dass es hin ist… das muss das Dämonenfeuer… das verfluchte Feuer… gewesen sein“, hauchte Ron zutiefst beeindruckt und starrte auf das zerstörte Schmuckstück.

Sofort hatte ich die Vermutung, dass Draco und ich auf der anderen Seite des Seins sicher gewesen waren vor der Verbindung des Lords, da wir nichts gespürt hatten. Ein netter Nebeneffekt.

„Du hast recht, diese Art Feuer zerstört Horkruxe und es wäre immer ein letzter Ausweg gewesen. Es ist aber beinahe unmöglich zu kontrollieren. Ich hätte mich nie getraut, es einzusetzen. Und die BL oder DA hat so was nie unterrichtet. Woher wusste Vincent wie das geht?“, fragte ich kopfschüttelnd nach.

„Die Carrows“, kam es bissig von Greg. „Die haben das gelehrt und er wollte helfen“, meinte er mit belegter Stimme in einem unendlich traurigen Tonfall. „Und er hat bezahlt“, schniefte Greg, der untröstlich war.

„Es tut mir leid“, meinte ich zu ihm hin, während Draco seinen Arm um die Schultern von Goyle schlang und ich mit glänzenden Augen zu Harry blickte. „Harry“, flüsterte ich angespannt. „Weißt du, was das bedeutet?“, fragte ich begierig und erntete nichts als einen recht unfokussierten Blick.

„Die Schlange! Wir müssen nur noch die Schlange töten!“, verkündete ich flüsternd und war mir der Zuhörer um mich herum bewusst.

„Jaah“, meinte Harry lustlos und irgendwie kam bei ihm kein Jubel auf. „Aber…“, brach er abrupt ab und hielt sich seinen Schädel.

In dem Moment wurde ein Fenster pulverisiert und wir flogen durch die Gegend.

Ich kam hart auf und schlug mir das Knie an. Dann zog ich mich schwer an einem Fenstersims hoch und verfolgte atemlos, wie der große, goldene Schild, der Hogwarts umschloss, flackerte und immer wieder erlosch und wieder erstrahlte, so als hätte er einen Wackelkontakt. Es bildeten sich große Löcher, durch die immer wieder DeathEater hindurch drangen und plötzlich quetschten sich auch zwei gewaltige Riesen durch die Lücke.

Verdammt!

Die waren abstrakt hässlich und unsymmetrisch. Sie erinnerten mich an die hässlichen Siofra. Ihre Größe war auch extrem und sie schwangen ausgerissene Bäume wie große Keulen wild durch die Gegend.

Ganz plötzlich stürzten aus dem dunklen Nachthimmel schwarze Pfeile auf die Riesen hinab und mir blieb der Mund offen bei diesem beeindruckenden Anblick. Die Thestrale griffen gemeinsam als Herde an.

„Thenebrus“, wisperte ich bewundernd zu dem knochigen, pechschwarzen Tier hin.

Es war, als könnte der Thestral seinen gewisperten Namen von mir selbst auf die Entfernung hin vernehmen, denn seine weißen, blicklosen Augen sahen genau in meine Richtung. Daraufhin griffen er und seine Herde noch entschlossener an und stürzten sich in einem sich ständig wiederholenden Sinkflug auf die Riesen. Sie traktierten sie mit wuchtigen Flügelschlägen und ihre Hufe verpassten ihren Köpfen blutende Wunden. Zu meiner allergrößten Verwunderung blieben auch die Einhörner nicht untätig. Ihre weiß schillernden Gestalten wirkten so unwirklich in der Dunkelheit der Nacht und es war beeindruckend, zu erleben, wie viele Wesen doch Angst vor der Reinheit dieser Tiere hatten. Die Riesen brüllten gepeinigt auf, wenn sich ein Horn in ihre nackten Füße bohrte, aber sie trauten sich nicht, sie zu zertreten. Auch reichlich viele der vorrückenden DeathEater wagten es nicht, ein Einhorn zu töten, um nicht auf ewig verflucht zu sein.

„Was?“, wisperte ich und blinzelte, da Dracos blutiger Kopf neben mir auftauchte und er sich ein schwarzes Seidentuch gegen einen blutenden Schnitt an seiner Stirn drückte.

Den musste er sich nach der Detonation zugezogen haben, aber mein pochendes Knie erzählte auch davon, nicht ganz unbeschadet daraus hervorgegangen zu sein. Aber noch bevor er mir antworten konnte, zog er mich abrupt weg und warf sich über mich und das gerade noch rechtzeitig. Ein riesiger Körper flog durch das Fenster, an dem ich gerade noch gestanden hatte, er pulverisierte das Gestein und schlug donnernd an die gegenüberliegende Wand. Etwas Großes und Pelziges regte sich jaulend vor Schmerz.

„Hagrid“, brüllte Harry besorgt.

Er wollte zu ihm eilen, um ihn auf Verletzungen zu untersuchen, als Fang ebenfalls durch das Fenster flog und Harry mit sich niederriss. Sie landeten unsanft auf dem Boden und sofort begrüßte Fang Harry freudig und schwanzwedelnd, indem er seine Zunge quer über sein rußgeschwärztes Gesicht leckte. Indes wagte ich einen Blick durch das zerschlagene Mauerwerk und blickte auf Grawp hinunter. Der recht klein gewachsene Riese und Halbbruder des fliegenden Hagrids, der in Schlangenlinien unter uns vorbei wankte.

„Hagar!“, brüllte er wie von Sinnen.

Grawp schwang dabei einen vom Dach gerissenen steinernen Wasserspeier und schrie immer wieder verärgert nach Hagar und ich warf über meine Schulter einen Blick zu Hagrid, der sich langsam, aber sicher hochhievte und zu dem Loch eilte.

„Braver Junge, Grawpy!“, brüllte Hagrid durch das Loch. „Bin gleich wieder bei dir!“, woraufhin Grawp zustimmend seine Waffe schwang und auf einen Riesen einschlug, der auch von den Thestralen und Einhörner traktiert wurde.

„Wie hast du von der Schlacht erfahren?“, fragte Harry atemlos und versuchte, Fang von sich zu schieben.

„Der-dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf war nicht zu überhören, sehr durchdringend selbst in unserer Höhle! Er versteht es, auf sich aufmerksam zu machen! Gebt mir Potter… das war unser Zeichen und jetzt räumt der Kleine ein wenig auf!“, verkündete Hagrid stolz und klopfte sich den Staub aus seinem haarigen Mantel.

„Hoffentlich tritt er auf ein paar von denen drauf“, kam es gemein von Ron, als Grawp wirklich seinen Fuß auf einen DeathEater niedersausen ließ und ihn mitleidlos unter sich begrub und nichts als blutigen Matsch zurückließ.

„Solange wir das nicht sind“, entgegnete Tonks plötzlich trocken zu meiner rechten Seite und ich wunderte mich, woher sie auf einmal kam.

Sie stand zusammen mit Ginny an einem scheibenlosen Fenster und schleuderte gut gezielte Flüche nach unten.

„Die brechen anscheinend am nördlichen Wehrgang durch!“, brüllte Kingsley und hastete mit einer Schar der DA und BL an uns vorbei.

„Scheiß Riesen“, kommentierte Colin spuckend.

„Dolohow“, erwiderte ich grimmig.

„Wie meinen?“, fragte mich Harry atemlos und ein Blick aus seinen grünen Augen durchbohrte mich, als Kingsley kurz bei uns stoppte.

„Mhm… er ist für die Riesen verantwortlich. Er muss sie über das Festland hierhergeführt haben“, gab ich informativ zurück und ignorierte den Blick, den mir der schwarzhäutige Auror zuwarf.

„Remus hat sich zuletzt mit ihm duelliert“, tat Kingsley daraufhin kund und ich machte große Augen, da mich sofort die Sorge packte, ob er Dolohow gewachsen war.

„Was?!“, schrie auch Tonks entsetzt auf und war nicht mehr zu halten.

Sie stürmte Kingsley hinterher, beziehungsweise vorweg, mit schillernden lilafarbenen Haaren. Da ertönte ein lauter Knall, der uns alle erschreckt zusammenfahren ließ.

„Nein, NEIN!“, „Verflucht“, „Hilfe.“, „So ein Scheiß!“, ereiferten sich alle, als wir Zeuge wurden, wie sich das goldene Schild in einem letzten verzweifelten Versuch aufbäumte und gleißend hell erstrahlte, bevor es in sich zusammenfiel und Hogwarts schutzlos zurückließ.

„Verdammt.“, „Jetzt kommt der Sturm.“, „Beeilt euch!“, schrien alle durcheinander und plötzlich nahmen das Gebrüll und die Rufe durch das ganze Schloss zu, ein unverkennbarer Lärm von Zweikämpfen erfüllte die Korridore.

„Hey, nachrücken, ich brauche jemanden neben mir“, schrie Ginny im Befehlston und schon löste sich Terry aus der Gruppe und nahm Tonks‘ Platz ein.

„Wir müssen weiter!“, mahnte Harry keuchend, als Draco neben ihm aufkreuzte.

„Der Schild ist immer mal wieder weg! Aber noch hat er ihn nicht ganz zerstört“, gab er mit kalkulierendem Blick auf den Wald zu bedenken und ich stimmte zu, was auch immer passiert war, es schien aufgehört zu haben, nachdem der Schild unter seinem Bombardement zusammengebrochen war.

„Was?“, „Warum?“, gingen die Vermutungen hoch her.

„Darum“, murrte Ron und stopfte das kaputte Diadem in meine Perlenhandtasche und damit hortete dieses kleine, unscheinbare Täschchen alle vom Lord zerstörten Horkruxe und wertvollen Artefakte.

„Kommt“, meinte Harry mit schneidender Entschlossenheit im Ton; die Zeit drängte.

Sofort richteten wir uns alle auf und suchten uns den Weg nach unten. Wir schoben alle Gefühle und Wehwehchen rigoros weg, denn der Weg, der noch vor uns lag, würde gar steinig werden. Wir ließen damit den Raum der Wünsche hinter uns, gefolgt von Greg und Draco, während wir die sich wie wild bewegenden Treppen nahmen, die zum Teil schon arg in Mitleidenschaft gezogen worden waren.

„Ahhh“, vernahmen wir einen spitzen Schrei.

Ich machte gerade noch einen Satz zurück, denn in dem Moment krachte Percy vor unsere Füße.

Percy war gesprungen und wurde verfolgt, zum einen von einem DeathEater und zum anderen von einem Mann in einem schicken schwarz-grau gestreiften Anzug, der mir nur zu bekannt war. Ein Mann, der zu gerne im Dunstkreis der DeathEater verkehrte, aber schon sprang sein Gegner eilfertig auf, um den Kampf mit Vehemenz weiter fortzusetzen.

„Beeindruckend.“, „Hätte ich ihm echt nicht zugetraut.“, „Aber, so was von nicht.“, „Er ist gar nicht schlecht“, kam es kalkulierend von den Jungs und sie kommentierten mit Fachwissen die Technik des Kämpfenden.

Ja, er war mit Feuereifer dabei. Ich würde zwar sagen, dass er sich ein wenig defensiv verhielt, aber gut, Percy duellierte sich gerade mit zwei Gestalten, als ihm Fred mit einem lauten Schlachtruf zur Hilfe eilte. Aber auch wir zogen sofort unsere Zauberstäbe, um zu unterstützen. Percys Gegner schreckte bei unserem Anblick zurück. Dabei lag sein Blick auf mir und Harry, als ich die Schultern hochzog.

„Miss… und Potter…“, stieß der Minister atemlos hervor und wurde von uns ganz schön abgelenkt.

„Hallo, Herr Minister!“, rief Percy Pius Thicknesse frech entgegen und schleuderte ihm einen gut platzierten Zauber entgegen.

Pius, noch immer erschrocken über unser Erscheinen, hatte weder die Macht noch die Gewandtheit, um dem Fluch auszuweichen, sodass dieser ihm in die Brust knallte. Sofort ließ er seinen Zauberstab fallen und schrie getroffen vor Qual auf, als er auf den Knien aufschlug, während Draco, Ron, Greg und Fred wie wild Flüche gegen den Maskierten, den zweiten Mann schleuderten.

„Habe ich schon erwähnt, dass ich kündige?“, fragte Percy aufreizend.

Thicknesse lag sich windend und kreischend am Boden und winzige Stacheln brachen überall aus seinem Körper hervor. Sie durchbohrten seine edle Kleidung und ließen ihn zu einer Art Seeigel mutieren und irgendwie konnte Percy mit seiner bitterbösen Kreativität nicht die Verwandtschaft verleugnen, der er angehörte. Sie hatten Humor und das alle miteinander.

„Du machst Witze, Perce!“, rief Fred kichernd und blickte begeistert auf den verwandelten und kampfunfähigen Minister. Fred sah Percy fröhlich strahlend an. „Du machst tatsächlich Witze, Perce! Ich glaub, ich hab keinen Witz mehr von dir gehört, seit du…“, wurde Fred unterbrochen.

„Ich wusste es… das ist der Beweis, alles Lug und Trug! Ein Pack…“, brüllte Runcorn triumphierend auf und riss sich seine Maske vom Gesicht, als er auf Draco, mich und Harry deutete und dann ging alles ganz schnell.

Plötzlich leuchtete es hinter seinem Rücken giftgrün auf und sein Lebenslicht erlosch mit einem Schlag aus seinen bösartigen Augen und noch während er fiel tauchte hinter ihm Blaise auf. Er grinste fies, sehr fies, wenngleich sich der Zauber aus Runcorns Zauberstab noch löste. Unfein von Blaise, von hinten anzugreifen, aber die Tage der Fairness waren vorbei. Er und Astoria sprangen ungerührt über den noch immer unter dem Fluch zuckenden Seeigel Thicknesse hinweg.

Die Luft explodierte um uns herum, als Runcorns Zauber einschlug.

Niemand von uns war in der Lage, zu reagieren, auch ich nicht, denn im Bruchteil dieser Sekunde, als die akute Gefahr einstweilig gebannt schien, war es mir, als würde unsere Welt auseinandergerissen werden. Ich spürte, wie ich mit Wucht abhob und durch die Luft segelte.

Mein Dolch wurde mir von der Druckwelle aus der Hand gerissen, aber meinen Zauberstab umklammerte ich so fest, als würde mein Leben von dem dünnen Stöckchen abhängen. Indes presste es mir die Luft aus der Lunge, da ich mehr als unsanft landete und die Arme eher reflexartig über meinem Kopf hochriss, um mich vor den Trümmern, dem Schutt und dem Staub, der mich begrub, zu schützen. Ich hörte die anderen, ihre Rufe und Schreie noch bevor ich sie sah. Mein Schädel dröhnte, während ich mir stöhnend den brennenden Staub aus den Augen wischte. Es hatte uns alle von den Füßen gerissen und durch die Luft geschleudert. Außerhalb der Schuttschicht, die mich umgab, vernahm ich die Rufe der Leute, die meinen Namen schrien. Kurz dämmerte ich weg, als die Welt in Schmerz und Düsternis über mich kam, da mein Schädel gefährlich brummte und ich die Beule an meiner Stirn erfühlte. Ich war nur zu Hälfte von den Trümmern des Korridors begraben und der Luftzug kündete von einem schrecklichen Angriff, der eine Seite des Schlosses weggesprengt hatte und etwas Heißes, Klebriges rann meine Wange hinab und zeigte mir, dass ich nicht nur eine Beule, sondern auch eine Platzwunde am Kopf hatte.

„Da… sie ist hier, Schönste…“, vernahm ich die hektischen Worte, als jemand die Trümmer von mir zog und ich freigelegt wurde.

Vorsichtig begann ich, mich langsam aufzurichten. Schließlich tauchte Dracos Gesicht vor mir auf und ich konzentrierte mich, da ich nicht mehr als seinen Kopf sah. Ich hustete und nieste, erst dann zog mich Draco aus meinem steinigen Grab empor.

„Alles okay bei dir?“, fragte er panisch und untersuchte mich von Kopf bis Fuß und begann sofort damit, meine Wunden zu heilen und zu versorgen.

„Mir geht’s gut“, erwiderte ich abwehrend und versuchte, das hohe Piepen in meinen Ohren zu ignorieren.

„Harry, du blu…“, wollte ich einwerfen, da mir auffiel, dass auch Harry eine Platzwunde am Kopf hatte, die soeben von Astoria mit Hilfe ihres Zauberstabes versorgt wurde. Dafür, dass wir uns gerade erst geheilt hatten, sahen wir alle schon wieder ziemlich wild und mitgenommen aus.

„WAHHH“, erklang ein unfassbar schrecklicher Schrei, der einem durch und durch ging.

Ein zutiefst schmerzerfüllter Ton, der von unendlichen Qualen zeugte. Von Todesqualen, die weder Flammen noch Flüche verursachten und der an meinen Eingeweiden zerrte. Sofort sprang ich schwankend auf die Beine, während sich Harry mühsam in dem Schutt hochrappelte und ich mit Draco an der Hand taumelnd und stolpernd über die Steine zu der rothaarigen Gruppe wankte.

„HELFT! MIR! HELFT MIR!“, schrie jemand panisch und sah immer wieder aufgelöst zu uns.

Ron schaffte es tatsächlich, mich noch zu überholen und war nun neben seinem Bruder, der hilflos dastand und auf einen eingestürzten Berg Schutt starrte.

Oh, nein!

Das konnte doch nicht wahr sein, das durfte nicht wahr sein, dort lag jemand begraben von Trümmern!

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