When Hermione Fights
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 Kapitel 661-662

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BeitragThema: Kapitel 661-662   Kapitel 661-662 EmptyMi Jul 31, 2019 1:17 am

661. Kapitel Battle of Hogwarts

Dracos Sicht

„HAGGER?“, donnerte der Ruf des Halbriesen wie ein Donnergrollen über den Hof und alles deutete auf Panik hin.

Der Halbbruder von diesem unfähigen Wildhüter, der meiner Meinung nach schon immer eine Zumutung Dumbledores gewesen war, suchte verzweifelt nach seinem Verwandten, dessen Arme gerade noch aus dem Spinnenschwarm herausschauten, aber unaufhaltsam in dieser wuselnden Masse Richtung Verbotener Wald hinweg wogte. Dabei trampelte der halbgroße Riese gleichgültig über alles hinweg und hastete verloren in der Gegend herum.

Aber Hagrid war selbst schuld. Wer rannte freiwillig zu den Acromantulas und wollte sie beschützen?

„Avada Kedavra“, murmelte ich leise und sah dem surrend grünen Strahl dabei zu, wie er hinterrücks in eines dieser Mistviecher einschlug und es einfach umkippte und all dies, ohne mit der Wimper zu zucken.

Während ich das tobende Schlachtfeld auf der obersten Stufe der Vortreppe betrachtete, konnte ich deutlich erkennen, dass der kleine Riese tatsächlich ein sehr kleinwüchsiger Riese war. Er war gut einen bis zwei Meter kleiner als der Riese, der gerade seinen Arm in den ersten Stock steckte und irgendjemanden hinauszerrte und durch die Luft warf. Die lauten Schreie ließen den kleinen Riesen herumfahren. Jetzt sahen sich die beiden Riesen, groß und klein, für einen schicksalhaften Moment an und dann passierte es.

„LAUFT!“, schrie ich allen in einem Moment der Erkenntnis zu.

Sie sprinteten stampfend aufeinander zu, sodass die Erde bedrohlich unter ihren Füßen bebte. Der schiefe Mund des Kleinen klappte auf und offenbarte gelbe Zähne, so groß wie halbe Backsteine. Wir alle rannten hektisch in mehrere Richtungen davon, denn schon donnerten die beiden wie wildgewordene Steinkolosse ineinander und durch den Zusammenprall wackelte die Erde und einige Zauberer gingen tatsächlich zu Boden, selbst ich geriet kurz ein wenig ins Straucheln. Der Zusammenstoß war gewaltig und der Krach ohrenbetäubend, aber viel ärgerlicher war, jetzt hatte ich sie aus den Augen verloren, weswegen ich vergeblich nach Hermione Ausschau hielt. Plötzlich entdeckte ich Füße, also Schuhe ohne Körper. Das waren Potter und Weasley, die körperlos über das Schlachtfeld davon hetzten, mehr schlecht als recht unter dem Tarnumhang verborgen, und daneben sah ich einen lockigen Haarschopf. Das war es dann erstmal. Ich konnte ihnen nicht folgen, dafür waren jetzt zu viele Kampfherde zwischen uns.

Das was vorhin passiert war, der Tod von Patrick, dem Beta, Browns lebensgefährliche Verletzung und Hermiones und Gellerts Tat, Greyback vor dem ältesten Weasley Bruder zu schützen und ungeschoren davonkommen zu lassen, lasteten schwer auf mir. Ich konnte nicht ganz nachvollziehen, warum sie dem Werwolf das durchgehen ließ. Aber eigentlich war keine Zeit, um innezuhalten, denn schon musste ich wieder in Deckung gehen, da hier draußen ein rauerer Wind wehte als drinnen. Die Nacht war erfüllt von Schreien und Schlägen, überall um uns herum kreischten Leute vor Schmerz, oder brüllten Zauberformeln, die blitzend und bunt durch die Luft flogen, oder irgendetwas explodierte, oder flog durch die Luft.

„Scheiße, was soll das?“, meinte Blaise plötzlich zu mir in einem tiefen ablehnenden Grollen und deutete sprachlos auf das Viadukt und ich folgte dem Fingerzeig und dachte, nicht richtig zu sehen.

„Was macht die hier?“, fuhr ich noch ratloser und sauer zu Blaise herum und der zog die Schultern hoch. Wir konnten den Geiervogel Feuerbälle schleudern sehen und wie sie wie eine Furie über das Brückenviadukt Richtung Schloss rannte.

„Woher zum Geier soll ich das wissen? Ich habe mit ihr nichts zu tun!“, verkündete Blaise absolut desinteressiert und mir fiel sein passender Sprachgebrauch sehr wohl auf. Sie riss in ihrer geierhaften Gestalt den Schnabel weit auf und kreischte, da ihr soeben ein Schnittfluch in ihren Oberarm fuhr und sie ihren blutenden Arm kraftlos herabfallen ließ und der Feuerball erlosch in ihrer Hand.

Ein kurzer, kalkulierender Blick von mir zu Blaise bestätigte mir, dass ihm ihr Schicksal tatsächlich absolut gleich war, obwohl er mit ihr mittlerweile sehr wohl auf freiwilliger Basis Sex hatte. Aber mehr war es für ihn auch nicht und gerade blickte er ihr verbissen entgegen, da sie vom Wald herkam, sprich mit der Gruppe der Angreifer und damit uns beschoss. Wena schlug sich auf die Seite der DeathEater, um hierher zu kommen. Sie kämpfte sich Feuerschleudernd die überbevölkerte Viaduktbrücke entlang, vorbei an den Rüstungen und Statuen und überwand den gefallenen Riesen, der dort lag.

„Hey, Mann, im Angesicht unseres Todes: Wer ist besser im Bett? Die Schönste, oder Astoria?“, fragte Blaise mit dem ihm ganz eigenen Charme grinsend.

Kurz musste man mir ansehen, wie sehr mich diese Frage verdutzte, da Blaise in lautes Gelächter ausbrach und kurz blitzte die unbeschwerte Leichtigkeit in ihm auf, die ihm im Cottage immer zu Eigen gewesen war. Kurz war ich versucht, gar nicht zu antworten, aber dann zog ich den Tod, dem ich dank Hermione so kurz vorher von der Klippe gesprungen war, doch in Betracht und runzelte überlegend die Stirn. Sollten wir das wider Erwarten alle überleben und Vater, oder Severus je erfahren, dass Blaise auch nur an diese Frage gedacht hatte, würden sie ihn wahrscheinlich häuten.

„Ein Gentleman genießt und schweigt!“, erwiderte ich daher sprachlos.

„Draco, ich bin’s, Blaise…“, bohrte er nach und ich seufzte.

„Kann man nicht vergleichen!“, murrte ich dann ernst und Blaises Augen glänzten zufrieden, als er erkannte, dass ich die Frage trotz ihrer Dämlichkeit ernstnahm. „Die Schönste passt in keine Kategorie!“

„Oh, das glaube ich, wie hat Snape doch sein Passwort ihr zu Ehren benannt, die Schöne ist ein Biest! Hahaha…“, blitzte wieder der Galgenhumor in Blaise auf. „Und jetzt lass uns die anderen fertig machen!“

„Als Team“, streckte ich Blaise meine Hand entgegen und schob kämpferisch den Ärmel hoch, sodass die feine Narbe unseres Blutschwurs frei lag. Meine Gedanken wanderten kurz zu dem Tag, an dem wir in junger Leichtsinnigkeit diesen Schwur eingegangen waren und zu dem Moment, als eben dieser Schwur Blaise das Leben gerettet hatte, als Vater versucht hatte, ihn zu töten. Uns verband viel mehr als bloße Freundschaft. Blaise blickte mir ernst und entschlossen entgegen.

Kurz und einig nickten wir einander zu, dann lösten wir unseren Handschlag und wandten uns dem Kampfgeschehen zu. Bevor wir uns ins Schlachtgetümmel werfen würden, zogen wir uns wortlos und im Einklang die Pelerine über, verbargen so unser Haupt und hüllten unsere Gesichter in völlige Schwärze. Jetzt ging es richtig los und ich war nicht gewillt, erkannt zu werden. Meine hellweißen Haare waren einfach zu auffällig und zu leicht einem Malfoy zuzuordnen und schon rannten wir Schulter an Schulter Flüche schleudernd in die Schlacht.

„Always“, schrie Blaise plötzlich und ich hielt kurz inne, diese Stimmung zwischen uns war genau richtig, wir kämpfen wie die Blutsbrüder, die wir waren.

Seite an Seite gegen unsere Feinde. Blaise und ich agierten wie eine Maschine, wir arbeiteten uns kontinuierlich vorwärts und dann passierte, was nicht hätte passieren dürfen und auch diesmal kam gefühlt alles auf einmal.

Wir verfolgten trotz der Entfernung die Kämpfe, die Wena ausfocht und gerade sauste einer ihrer Feuerbälle auf diese kleine, fotografierende Nervensäge Creevey zu und just in dem Moment, als ihn der Ball beinah traf, nutzte ihn etwas als Sprungbrett, machte einen Satz auf seine Schultern und stieß sich von ihm ab und schubste ihn damit aus der Schusslinie und das Wesen sprang direkt auf Wena zu.

„Astoria!“, brüllte Blaise nun von tiefer Panik erfüllt und kam noch mehr in Bewegung als zuvor.

Jedoch hatte Blaise Recht, diese Katze, das war sie.

Das war Astoria in ihrer Animagusgestalt, dem Karakal!

Blaise war sogar schneller als ich. Er spurtete sofort wie ein Berserker los, während ich von einer Schar Acromantulas gehindert wurde, die ich erstmal beseitigen musste. Ich wollte ihm am liebsten ganz schnell hinterher, konnte aber nicht, da das mein Ende bedeuten könnte und so hexte ich mit ermüdender Brutalität weiter, hatte aber immer einen Blick auf Astoria.

Der Karakal mit seinen so bezeichnenden spitzen, schwarzen Ohrenbüscheln, die im ersten Moment an einen Luchs erinnerten, ließen einen oft vergessen, wie kratzbürstig dieses Tier doch sein konnte und zusätzlich war die Hexe in ihr viel gefährlicher als es jedes Raubtier hätte sein können. Inbrünstig und bösartig fauchte die Raubkatze während ihres Flugs und landete gezielt auf Wenas Raubvogelkopf und schlug mit ihrer Pfote, die mit messerscharfen Krallen bestückt war, in Richtung Wange, wobei ihre Krallen blutrünstig quer über das Gesicht des Geiers kratzten und auch ihre Augen nicht verschonte.

Der Geier kreischte markerschütternd laut auf und wirbelte herum. Sie versuchte, Astoria abzuschütteln und schoss mit eng an ihrem eigenen Körper geworfenen Bällen um sich. Sie schaffte es, dass Astoria losließ und zu Boden sprang. Der Karakal machte einen hohen, drohenden Buckel. Sie stellte ihren Schwanz mit dem schwarzen Büschel an dessen Spitze auf und fauchte aggressiv, während Wena aufkreischte und ihre Feuerbälle in ihren Händen flackerten und die Raubkatze zum nächsten Sprung ansetzte. Wena warf trotz ihres lahmen Arms Feuerball um Feuerball, aber die Raubkatze wich mit präziser, katzengleicher Geschmeidigkeit in einer irren Geschwindigkeit dem Feuer aus. Dann versetzte sie Wena einen Prankenhieb gegen den Oberschenkel, woraufhin der Geier erneut gepeinigt und wütend aufschrie.

Blaise kämpfte sich indes mit gezogenem Zauberstab vorwärts und griff einige DeathEater, die es auf Astoria abgesehen hatten, unerbittlich an. Und auch ich zögerte nicht, nachdem ich mich aus dem Meer an Spinnen frei gekämpft hatte und rannte ihm hinterher.

All dies passierte praktisch gleichzeitig, sodass ich gar nicht mehr wusste, wohin ich zuerst sehen sollte. Astoria als Wildkatze flog durch die Luft und fing Feuer, da sie gerade von einem Feuerball erwischt und durch die Luft geschleudert wurde. Jedoch war Blaise schon bei ihr und verhinderte ihren harten Aufschlag und ich war jetzt endlich auch bei ihnen und löschte ihr brennendes Fell mit einem Wisch und gleichzeitig schützte ich Astoria mit einem Zauber, denn sie konnte sich nicht mehr selbst schützen. Da stieß mich plötzlich jemand zur Seite, weshalb ich zu Boden ging.

„Blaise! Achtung!“, brüllte ich über den unerträglich lauten Lärm der Schlacht hinweg.

Es war wie damals, als ich mich vor Vaters Fluch geworfen hatte, um Blaise zu retten!

Aber diesmal tat Blaise dasselbe für mich und ging, wie eine Fackel, von jetzt auf gleich in Flammen auf. Er hatte das Pech und geriet schutzlos in die Bahn von zwei bunten Zaubern und einem Feuerball von Wena. Es war zu spät, er kam nicht mehr dazu, einen Schild zu beschwören und ich war erst jetzt wieder auf den Füßen. In der nächsten Sekunde musste ich mitansehen, wie auch schon die Zauber einschlugen und der Feuerball Blaises Kopf nun in blaue Flammen hüllte.

„Ahhh!“, kreischte Blaise, alles an ihm hatte Feuer gefangen und er ging getroffen und mit brennendem Kopf zu Boden.

Wobei die Zauber das Feuer verändert hatten. Das war kein normales Feuer, das war ein magisches. Seine Schreie, bei lebendigem Leibe zu brennen, bescherten mir eine Gänsehaut und brannten sich mir auf ewig ein, während ich hektisch, aber nicht kopflos auf Blaise zielte und ihn mit einem mächtigen Wasserschwall löschte, woraufhin Blaise besinnungslos zusammenbrach.

Astoria als Karakal brüllte wütend auf und selbst Wenas Bombardement aus Feuerbällen erlosch abrupt. Es schien ihr zu dämmern, wen sie unter der nun nicht mehr existenten Pelerine gerade in Flammen hatte aufgehen lassen. Soeben senkte sie ihre Hände und verlor mit einem Schlag ihr geierhaftes Aussehen.

„Blaise!“, rief sie über die Kakophonie hinweg, sodass ich von ihren Lippen lesen konnte und sie sah durchwegs entsetzt aus.

Astoria war kurz in Schockstarre über Blaise verharrt und spurtete dann zähnefletschend los, gefolgt von dem Zauberflüche schleudernden Colin Creevey. Der Kleine gab aber auch nicht auf und mischte kräftig mit in dieser Schlacht, in der es keinen Moment gab, in dem Nichts passierte. Auch ich kämpfte mich mit heftig klopfendem Herzen zu Blaise durch, mit der bangen Frage, wie schlimm es ihn erwischt hatte und plötzlich war auch ich nicht mehr allein. An meiner Seite tauchten Theo, Macmillan und Finch-Fletchley auf und hielten mit mir auf Blaise und Wena zu, dabei griffen wir zusammen, als eine Linie, die DeathEater an und heizten ihnen gefährlich ein, da diese nicht mit einer derart heftigen und gefährlichen Gegenwehr rechneten.

„Sectumsempra“, zischte ich immer wieder wütend und mit dem Willen beseelt, alles und jeden niederzumetzeln, der sich mir in den Weg stellte.

Mein schwarzmagischer Fluch schnitt unerbittlich durch unsere Feinde und verrichtete sein blutiges Werk mit grausamer Brutalität. Der von Severus kreierte Fluch riss und schlitzte die Haut tief auf und die Getroffenen brüllten ob der übermenschlichen Schmerzen, während sie wahre Unmengen von Blut ließen und geschwächt zu Boden gingen. Sie fühlten Schmerzen, die mir selbst zu gegenwärtig waren, da ich als Potters Versuchskaninchen hatte herhalten dürfen und wusste erbarmungslos, ich brachte ihnen den Tod.

Und doch war ich noch weit entfernt, als Astoria wieder Wena ansprang, die schockstarr war, aufgrund der Tatsache, dass sie ihren eigenen Mann getroffen und in Brand gesteckt hatte. Sie wehrte sich deshalb im ersten Moment nicht, als Astoria ihr in den Hals biss. Erst langsam kam sie wieder zu sich und schrie auf und verwandelte sich wieder abrupt in den unfassbar hässlichen Geier, woraufhin sich Wenas Krallen in Astorias Fell verhakten und sie im taumelnden Kampf mit der Katze auf der Brücke herum schlingerte.

„Achtung!“, rief ich ungehört, als Wena beinah hintenüber über die zum Teil zerstörte Brüstung fiel.

Da sprang Colin seiner Truppenführerin zu Hilfe und riss den Karakal als Ganzes von Wena weg. Wena verlor aufgrund dessen noch mehr das Gleichgewicht und geriet ins Straucheln. Sie stolperte über die abgerissenen Glieder einer Spinne und packte panisch nach dem kleinen Gryffindor, fuhr ihre Krallen aus, um wieder Halt zu finden. Dabei verloren beide, sich aneinander krallend, das Gleichgewicht und fielen hintenüber. Sie fielen, in meinen Augen wie in Zeitlupe, über das gebrochene Geländer des Viadukts. Mit panischem Blick in weit aufgerissenen Augen kippte der tapfere, kleine Gryffindor langsam und unaufhaltsam nach hinten.

„Colin! Nein!“, schrie Astoria erschrocken, mitten in der Verwandlung von der Raubkatze zur Hexe, als ich sie erreichte.

Sie stand von einem Augenblick zum Nächsten, als angezogener Mensch wieder da. Sie hatte inzwischen gelernt, ihre Verwandlung zu beherrschen, aber das war kein Moment, in dem etwas anderes galt als der Schock über das Unglück.

Astoria lehnte sich panisch mit weit aufgerissenen Augen über die Brüstung und auch ich hing darüber und versuchte, mit meinem Stab zu zielen, um Colin mit einem Schwebezauber zu retten. Wena und er fielen kreischend und rudernd in die finstere Tiefe der Schlucht. Wena war eh schon arg zerschunden und zerkratzt von Astoria. Was sie aber nicht daran hinderte, zu wüten. Sie schleuderte noch immer Feuerbälle und erhellte die felsige und zerklüftete Schlucht und ich musste einem Feuerball ausweichen, der haarscharf an mir vorbeischoss, weshalb mein Zauber Colin wieder verlor. Beide fielen damit in ihren sicheren Tod. Keiner bekam den Kleinen zu fassen und ich musste hilflos mitansehen, wie er schlussendlich von der Finsternis verschluckt wurde.

„Hey, Draco, alles gut, Mann?“, fragte mich Theo plötzlich und ich wandte mich wortlos ab, zu erschöpft und erschüttert, um sofort reagieren zu können.

Creevey zu verlieren war tragisch, so jung und so dumm, ein weiteres unsinniges Opfer in diesem Kampf und an die Wut von Zorica, darüber dass ihre Nichte während der Schlacht umgekommen war, aufgrund ihrer eigenen Schuld, daran wollte ich nicht mal denken. Dieser Tod würde die Beziehungen zu den Veela auf keinen Fall verbessern, aber ehrlich, ich konnte auf diese Wesen verzichten, die tickten doch alle nicht ganz richtig.

„Blaise! Astoria!“, rief ich mit offener Verzweiflung und bemerkte zu meinem Entsetzen, dass Astoria schon weg war und ich sie nicht mehr sehen konnte, aber auch Theo war verschwunden, jetzt da ich ihn suchte.

Ich sprintete los, aber dort, wo Blaise verletzt zu Boden gegangen war, lag niemand mehr. Die DA, BL und VenTes hatten ihn anscheinend geborgen. Ich lief weiter zurück, jetzt in den mittelalterlichen Kreuzgang vor dem Innenhof und machte eine kleine Gruppe aus, auch Astoria, die sich die verletzte und angebrannte Seite hielt und mit großem Horror auf Blaise starrte.

„Blaise?!“, entfuhr es mir tonlos und ich starrte auf den bewusstlos vor mir liegenden jungen Mann, dessen Pelerine vollständig zerstört und deren Stoff sogar mit seiner Haut verschmolzen war.

„Draco!“, ruckte Astorias Kopf mit einem eindeutig glasigen Blick, der ihren Schock widerspiegelte, zu mir.

Die Betonung meines Namens war eine einzige Bitte, etwas zu tun, die mir das Herz zerquetschte. Denn ich hatte keine Ahnung, was ich tun könnte. Das sah böse aus und ich selbst geriet beinah in Panik, aufgrund der Tatsache, dass ich gerade nicht wusste, ob er, mein Freund, überleben würde. Keine Haare, keine Augenbrauen, keine Wimpern mehr und seine dunkle Haut war an vielen Stellen rabenschwarz und das nicht nur vom Ruß, sondern von dem in die Haut gebrannten Stoff. Die restliche Haut leuchtete fleischig rot und das Gewebe schälte sich vom nackten Fleisch. Es war ein grauenhafter Anblick und ich musste hoffen, dass Blaise nur zu seinem eigenen besten bewusstlos war und dass er durchkommen würde.

„Hier!“, rief Pansy und Theo trat zur Seite und berührte Astoria, um sich ihre verletzte linke Seite anzusehen, wo ihre Kleidung in Fetzen hing.

„Ahhh… wie geht es ihm?“, entfuhr es Astoria schmerzverzerrt und sie stieß Theo weg, der versuchte, eine Heilsalbe auf ihrer Verbrennung aufzubringen. „Merlin, Blaise!“, weinte Astoria mitgenommen und schien kurz vor einem Zusammenbruch zu stehen.

Sie riss sich los, um neben Blaise zu knien, während sein Kopf in allen möglichen Farben erglühte, da aktive Heilmagie an ihm verübt wurde. Ich bekam dies wie durch einen Schleier mit, da mir so tief und schmerzlich bewusst war, dass diesmal vielleicht unser Schwur Blaise das Leben kosten konnte. Mir schnürte der Gedanke die Brust ein und raubte mir den Atem. Gefühlt elend langsam schaffte ich es, mich zu befreien und die letzten Schritte zu gehen und neben dem Zaubernden zu verharren. Ich musste damit kämpfen, dass meine nächsten Worte nicht zitterten und ich sie überhaupt herausbekam.

„Und was sagen Sie? Wird er wieder?“, fragte ich den alten Mann, der sich mit Vehemenz an unserem Freund zu schaffen machte und ich wusste, er war in besten Händen und ich schwor allen Göttern meine Gläubigkeit, wenn sie meinen Freund, meinen Bruder retteten, denn das durfte nicht sein, nicht er, nicht nach Fred!

„Ob euer junger Freund wieder wird?“, blickte Gellert zu mir hoch und wiegte seinen kahlen Schädel. „Mhm… wohl eher nicht mehr…“, meinte er reichlich ernst und verstand es, jemandem einen schonungslosen Schlag zu versetzen.

„Wasss?“, quiekte Astoria fassungslos und wirkte, als würde sie einem Herzinfarkt zum Opfer fallen.

„Wie meinen Sie das? Gellert!“, schoss es jetzt scharf, da leicht panisch, aus mir heraus.

„Ich weiß es nicht, er ist schwer getroffen und eindeutig ist gar nichts und diese Veela Feuerbälle haben es in sich. Sie hat ihn direkt frontal ins Gesicht getroffen. Sein Kopf hat in blauen Flammen gebrannt und die Flüche, die ihn getroffen haben…, eigenwillig, wenn sich Magie vermischt!“

„Sie müssen mehr tun können!“, schrie ihn Astoria völlig aufgelöst an und zerrte an seinen Gewändern.

„Mädchen, ich bin ein Zauberer, kein Gott, so gerne ich es wäre…“, erwiderte Gellert viel zu leicht und mit einem zahnlückigen Grinsen. „Wenn wir ihn stabilisieren können wird er wohl überleben, aber er wird ein Leben lang an diesen Kampf erinnert werden“, bekundete Gellert geschäftig.

„Werden Narben bleiben?“, kam es leise von Theo, woraufhin Gellert schallend auflachte und doch tatsächlich irgendwas Grünes auf Blaise verbrannter Haut verteilte, was diesem sichtlich guttat, da seine Verspannung nachließ, aber er blieb weiterhin bewusstlos.

„Mhm, wahrscheinlich schon, der Stoff… ich habe keine Ahnung, wie wir das wegbekommen sollen… aber die Narben sind nicht das Problem“, sprach Gellert mal wieder in Rätseln und ich schaute ihn fordernd an, während er meinen Blick erwiderte und nun seinen Zauberstab auf Blaises Augen richtete und damit wirklich jeder seine Anspielung verstand.

„Er muss zu Pomfrey!“, stieß Astoria spitz aus und wirkte ganz bleich, während sie Blaises Hand behutsam umfangen hielt und Tränen über ihre bleichen Wangen liefen.

„Die kann ihm nicht besser helfen als ich, gleich, gleich…“, erwiderte Gellert ruhig und ich drehte mich zitternd um und warf einen Avada, da wieder eine dieser bescheuerten Spinnen um die Ecke gekrochen kam.

„Wir müssen die Gegend sichern, bringt ihn in die Halle!“, erteilte ich nun Befehle, nachdem ich zumindest die Bestätigung hatte, dass Blaise nicht sterben würde, und ich somit wieder zu mir gefunden hatte. Mit allem anderen würden wir später umgehen. Nun galt es aber, weiterzumachen, Zeit zu verweilen war ein Luxus, den wir nicht hatten. „Astoria, pass auf ihn auf!“, rief ich und sie warf mir einen scharfen Blick zu, nickte dann aber knapp, da die Schlacht um Hogwarts unaufhaltsam weitertobte.

Ein Teil des Kreuzgangs flog soeben lautstark in die Luft und kurz konnte ich niemanden aufgrund des Staubs mehr ausmachen. Es war das absolute, das pure Chaos, aber das war kein Fluch gewesen, sondern die beiden miteinander ringenden Riesen, die gerade weiter wogten und alles platt walzten und splitternd in das Gewächshaus fielen, das unter ihren massigen Körpern dem Erdboden gleichgemacht wurde. Brüllend erhob sich der größere Riese mit tief blutenden Wunden von den Glasscheiben, während der Kleinere zusammengekrümmt liegenblieb und da passierte es, ich hörte ein Wusch und blickte in den unwirklichen Nachthimmel.

„VenTes!“, brüllte Theo, der aus dem Nichts neben mir aufgetaucht war.

Tatsächlich rauschte ein schwarz gewandeter Zauberer rasend schnell vor uns durch die Luft. Es war Wood auf einem Besen, den er augenscheinlich vom Quidditchfeld entliehen hatte. Er griff von oben an und zielte auf den Riesen, bewarf ihn mit Flüchen und drehte und wirbelte wie wild um dessen Kopf und Körper umher, bis einem schon vom Zusehen schwindlig wurde. Der Riese schlug nach Wood, verpasste sich jedoch selbst eine mit seinen großen Händen, obwohl er eigentlich Wood treffen wollte.

Auf einmal landeten mehrere unbemannte Besen am Boden, die Wood im Schlepptau verfolgt hatten und ich zögerte nicht, sondern spurtete darauf zu. Verfolgt wurde ich auch von anderen, die sich auch je einen Besen griffen, bevor wir gemeinsam in die Lüfte stiegen und uns der Wind hart ins verborgene Gesicht schlug.

„Ich habe eine Idee“, brüllte Adrian und schon schoss ein Seil aus seinem Zauberstab, von dem Krum das eine Ende gekonnt auffing und wir anderen kapierten sofort, was Adrian vorhatte und schon machten ich und Scarmander dasselbe.

Wir sausten wie die Blitze durch die Luft und schlugen in einer rasanten Geschwindigkeit die Seile um die stämmigen Beine des Riesen, der mit seinen gewaltigen Händen wild nach uns schlug, aber noch immer am meisten mit Wood zu kämpfen hatte, da sich dieser auf seinen Kopf konzentrierte. Wir zurrten die Beine immer enger zusammen, schlangen Runde um Runde dicke Seile um seine monströsen Beine. Der Riese schwankte bereits gefährlich und ruderte wie wild mit seinen Armen und als wir unser Werk vollbracht hatten, stoben wir wie auf Kommando eilig hinfort und ließen die Enden der Seile los. Unterdessen griffen Krum, Scarmander und Wood in der Flucht begriffen an ihre Ausrüstungsgürtel und warfen dem schwankenden Riesen noch einen letzten Gruß hinterher.

Eine ohrenbetäubende Detonation ertönte in unserem Rücken. 

Die Seile hatten sich eng um die Beine des Riesen gelegt und ihn, als er uns folgen wollte, wie einen gefällten Baum zu Fall gebracht. Gleichzeitig explodierte der Abschiedsgruß meiner Leute, magische Granaten der Twins mit enormer Wucht, die meinen Besen unkontrolliert nach vorne schleuderte. Die Welle in meinem Rücken drückte meinen Besen hinunter und plötzlich hörte ich es verdächtig knistern. Die Explosion hatte den Reisig meines Besens in Flammen gesetzt und machte ihn jetzt fast unsteuerbar, da mein Fluggerät wie ein widerwilliger Abraxaner bockte.

„Aguamenti“, rief Krum im Vorbeiflug und löschte mich so nebenbei und musste sich selbst tief auf seinen Besen ducken, da er beinah von einem herumfliegenden Fleischbrocken getroffen wurde.

Die Granaten hatten dem Riesen seine Beine weggerissen und sie zerfetzt. Teile wirbelten durch die Gegend und klatschten überall hin. Das Blut spritzte einer Fontäne gleich umher und das Brüllen des verletzten Riesen erzeugte ein Donnern, das wehtat. Und das Beben ging einem durch und durch, als der Riese nach hinten kippte. Alles und jeder versuchte, sich in Sicherheit zu bringen, da er in das nächste Gewächshaus krachte. Sein Oberkörper lag in den Trümmern des ehemaligen Stolzes von Sprout und seine Oberschenkel ragten wie abstrakte blutige Stämme in die Höhe, dabei blitzten die mickrigen weißen Stumpen seiner Knochen ab Höhe seiner Knie hervor, während er hilflos herum strampelte und sein dickflüssiges, beinah schwarzes Blut verspritzte.

„Schau da!“, rief mir Adrian zu und sein Finger zeigte hinter den Riesen und man konnte dicke, grünliche Wurzeln ausmachen, die sich langsam ihren Weg bahnten. Die Teufelsschlinge, die in diesem Haus untergebracht war, tat ihren Dienst an dem zappelnden Riesen und begann, ihn mit ihren Ranken zu umschlingen, um ihn langsam, aber sicher zu erdrücken.

Ich stieg hoch in den Himmel und betrachtete den mir gewohnten Anblick von oben, nur ungewohnt war das Feuer, das das Quidditchfeld lodernd in Schutt und Asche legte. Die Tribünen und hohen Türme brannten lichterloh und nichts, nichts als Asche würde zurückbleiben. Doch plötzlich schoss ein hellgrüner Strahl in den Himmel über Hogwarts und das Dark Mark erschien wie eine unheilvolle Verkündung in der Finsternis.

Morsmorde!

Im nächsten Moment sauste Wood wie der Blitz auf den Totenkopf mit der sich bewegenden Schlange zu und flog hindurch. Er zerstörte den Zauber und schaffte es, dass das Zeichen in sich zusammenfiel. Mir glitt daraufhin ein Lächeln über das verdeckte Antlitz und einen kurzen Moment blieb die Zeit, unseren kleinen Sieg zu genießen. Es tat gut, zu sehen, dass das, was ich angeschoben hatte, die VenTes, nun wirklich von Nutzen war. Ich war stolz auf meine Leute, aber die Sorge um alle anderen hielt mein Herz gefangen.

Auf einmal ging ein Raunen durch die Reihen, egal auf welcher Seite man stand, denn dort am Firmament kam etwas Riesiges, etwas gigantisches Weißes auf uns zu.

Dracos Sicht Ende

Hermiones Sicht

Wir duckten uns und wichen allem möglichen aus. Wir rannten durch einen Kreuzgang, der hinter uns explodierte und spurteten durch Mord und Totschlag. Wie wir es heil durch diese Schlacht hindurch schafften, würde mir auf ewig ein Rätsel bleiben. Es war eine wilde Hatz mit Bildern, die mich ein Leben lang verfolgen würden, auf den Verbotenen Wald zu.

Je weiter wir uns vom Schloss entfernen, desto gedämpfter drang der Kampflärm zu uns und es wurde merklich kälter. Die Natur um uns erstarrte in dichten Nebelschwaden und der Atem blieb einem in der Brust stecken. Vor uns bewegten sich schwer in der Dunkelheit auszumachende Schemen, wie eine unheimliche Einheit. Tiefschwarz wirbelnde Gestalten schoben sich wie eine mächtige Woge auf das Schloss zu, mit rasselndem Atem und von Kapuzen verborgenen Gesichtern und ich verzog die Mundwinkel. Unbewusst ballte ich die Hände zu Fäusten. Ich hasste es, sie wiederzusehen und wieder klar vor Augen geführt zu bekommen, dass mir absolut keine Regung entkam, wenn ich in ihrer Nähe war. Dass ich eben nicht fühlte, was meine Umgebung wahrnahm, während die Jungs wie Espenlaub zitterten. Es war ein zusätzlicher Fakt, der mich von meinen Mitmenschen distanzierte und mich von ihnen unterschied.

„Dementoren“, wisperten wir alle drei gleichzeitig und sahen uns aufmerksam, um nicht zu sagen misstrauisch, um, wobei nur die Füße und Zauberstäbe der Jungs unter dem Tarnumhang hervorschauten.

Mit rasselndem Atem kamen die großen Kapuzengestalten auf uns zu geschwebt und doch würden sie uns nichts tun. Solange ich bei den Jungs war, drohte uns keine Gefahr, aber trotzdem fühlten sie die Macht der Dementoren und so hob Harry seinen Zauberstab. „Expecto Patronum“, sagte er bemüht fest und doch kam nur silberner Dunst aus seiner Zauberstabspitze hervor und seine Hyäne blieb verschollen.

Er als auch Ron, der vergeblich seinen Zauberstab schwang und gar nichts zustande brachte, schienen mit den Verlusten, die wir in der kurzen Zeit erlitten hatten, zu kämpfen zu haben. Vincent, aber vor allem Fred und die Liste würde noch länger werden, vielleicht auch Lavender, wenn sie die Verletzung nicht überlebte. Die bohrende Frage, wen es noch alles treffen würde, ließ selbst mein Herz schwer werden. Die Jungs schafften es einfach nicht, ihre Patroni zu rufen, während ich nur wieder diesen beständigen Willen fühlte, mitzumischen und die Vorfreude der Dementoren auf ein Festmahl beinah mit Händen greifen konnte. Ihre moderigen, verschorften Hände kamen zum Vorschein. Es war, als würden sie mich erkennen und grüßen wollen und da fragte ich mich, wo sich Barty versteckte.

„Expecto… Expecto…“, stotterte Harry und gab nicht auf, während seine Hände wie verrückt zitterten, als mehrere andere hell leuchtende Gestalten aus der Dunkelheit daherkamen und auf die Dementoren zurasten, während wir herumwirbelten.

Ein silberner Hase hüpfte rauschend über die Landschaft, ein silbrig glänzender Eber donnerte mit irrer Geschwindigkeit über den harten Boden und ein strahlender Fuchs sauste flink an uns vorbei und sie vertrieben die lastende, kalte Stille. Die Dementoren wichen vor diesen starken Patroni erschrocken zurück und damit ging es auch den Jungs sofort besser. Hinter uns her kamen Luna, Ernie und Seamus mit gezückten Stäben, ihre Patroni aufrechterhaltend.

„Hermione, bist du allein?“, fragte mich Ernie neugierig und ich brauchte gar nichts sagen, da Harry und Ron für mich antworteten.

„Boah, ihr seid die Besten!“, „Danke für die Hilfe!“, riefen ihnen die Jungs erleichtert zu und sofort huschte ein Lächeln über Lunas Gesicht.

„Nichts zu danken!“, „Mal schön, euch zu helfen!“, „Wo wollt ihr hin?“, fragten die anderen neugierig und hinterfragten nicht, weshalb die Jungs unter ihrem Umhang blieben.

„Nein, Nein, Nein!“, vernahm ich plötzlich einen empörten Schrei, der mich herumwirbeln ließ. „Mein Licht, was tust du da?“, wurde es persönlich und ich schluckte schwer.

„Barty!“, wisperte ich alles andere als glücklich, aber natürlich, dort wo die Dementoren waren, war er nicht weit. Er hielt auf mich zu, mit dieser dämlich züngelnden Grimasse.

„So geht das nicht, nein, nein… Sie brauchen auch etwas!“, quengelte er verärgert und kam näher, während die anderen sofort verstummten. „Gib ihnen jemanden, vernichte diese Patroni!“, kreischte er jetzt völlig aufgelöst und ich war dankbar, dass Harry und Ron unter dem Tarnumhang waren, während die anderen drei mich und Barty mit hell erhobenen Zauberstäben begutachteten.

„Wo ist Nagini?“, rief ich über das Feld zu ihm hin und er züngelte schon wieder und sah mich mit einem leicht irren Blick an.

„Beim Lord!“, brüllte er zurück. „Und jetzt gib ihnen ihren Lohn, sie sind so hungrig!“, forderte Barty vehement.

„Barty! Sprich nicht so mit mir, oder ich werde echt sauer!“, schrie ich in dem Moment mit erhobenem Zauberstab zurück.

Ich konnte ihm so einen Umgangston echt nicht durchgehen lassen, aber die Blicke, die mir Luna und Co. Zuwarfen, waren alles andere als schmeichelhaft, aber Barty wirkte eher sauer und wütend und kam auf uns zu, aber noch bevor ich mein weißen Augen hervorholte, um Angst und Schrecken zu verbreiten, wisperte ich erstickt: „Sirius“ Mir blieb mein Herz stehen, da plötzlich auf der anderen Seite von uns ein sehr großer Hund über den Hügel entlang sprintete und direkt auf Barty zuhielt.

Er sprang Barty in seiner Animagusgestalt wie ein tollwütiges Tier an und warf sie beide um. Sie rollten über den Boden und verschwanden damit aus meinem Sichtfeld heraus.

„Was war das?“, fragte Harry besorgt und ich antwortete nicht, denn ich starrte immer noch auf die Stelle, an der sich gerade Barty aufgebaut hatte und die jetzt verweist war.

Erst dann rannte ich, die anderen hinter mir zurücklassend, darauf zu. Hin zu den Dementoren, die von den drei Patroni noch immer in Schach gehalten wurden.

„Ihr habt hier nichts zu suchen!“, brüllte ich der Gruppe entgegen, als sich der Anführer aus ihrer wabernden Masse löste und näher zu mir schwebte, während ich sie mit meinen weißen Augen niederstarrte.

„Wir erhalten unseren Lohn“, dröhnte es gedanklich viel zu laut und zu fordernd in meinem Schädel und die Gier, die sie antrieb, war beinah greifbar , aber ich schüttelte energisch meinen Kopf.

„Am Ende der Schlacht, nicht währenddessen!“, fauchte ich ohne Scheu zu dem Anführer hin.

Dieser bauschte daraufhin dramatisch seine Roben, da er vor mir und meinen weißen Augen zurückwich und ich langsam, aber sicher immer näherkam.

„Voll gruselig!“, vernahm ich in meinem Rücken von den anderen.

„Ich sage dir, wann und welche Seele du aussaugen darfst! Sonst nichts!“, drohte ich mit erhobenem Zauberstab. „Und wehe, ihr nehmt jemanden, den ihr nicht dürft, dann werde ich es genießen… sie mir zurückzuholen!“, meinte ich böse und öffnete meinen Mund und als ich dies schwor, zuckte der Schwarm sehr wohl noch weiter vor mir zurück und ich wusste, ich hatte ihre volle Aufmerksamkeit und schloss meinen Mund.

„So ist es brav!“, meinte ich dann leicht höhnend. „Und jetzt verzieht euch dorthin…“, ging mein Fingerzeig zu der Insel, die Dumbledores Grab beherbergte. „Und sobald die Schlacht entschieden ist, erhaltet ihr euren Lohn, aber solange… bleibt dort“, befahl ich eisern und wandte mich mit vollem Wissen, ihnen meinen ungeschützten Rücken zu präsentieren, ab.

„Was ist mit unseren Begleitern?“, fragte mich der Anführer noch klar und deutlich und ich blickte über meine Schuler zu ihnen zurück.

„Barty?“, fragte ich irritiert darüber, dass sie überhaupt nach ihm fragten und drehte mich wieder zu ihnen.

„Nicht nur, auch der andere gehört irgendwie mit zu uns!“, wandte das unheimliche Wesen mit einer bösartigen Süffisanz ein und ich schluckte schwer.

Anscheinend haftete Siris noch immer der Duft der Anderswelt hinter dem Schleier an, umsonst erkannte der Dementor ihn nicht als irgendwie zu ihnen gehörig, eine unschöne Erkenntnis.

„Vergesst ihn, vergesst beide, nur ich erteile Befehle. Auch nicht der Lord, nur ich und ihr gehört nur mir!“, stellte ich deutlich klar, da mir dies in der Situation am schlauesten vorkam, woraufhin sich die Dementoren in ihrer geräuschlosen Art erhoben und durch die Luft davonflogen. Ein einmaliger und ziemlich unheimlicher Anblick.

Aber es war eine große Bestätigung für mich, dass sie mir aufs Wort gehorchten und sich auf die Insel zurückzogen.

„Manchmal kann Hermione echt gruselig sein“, meinte Seamus gutmütig zu Ron und der schnaubte abfällig.

„Manchmal?“, „Ist wohl eher ein Dauerzustand.“, „Wohl wahr!“, „Sie war schon immer ganz besonders!“, „… gruselig!“, gingen die schmeichelhaften Meinungen hoch her und ich sah mich nochmal um, aber Sirius und Barty blieben vom Wald verschluckt.

„Das gefällt mir nicht!“, meinte Harry leise zu mir und ich schnaubte.

Was sollte erst ich dann dazu sagen? An sich war ein Albtraum wahr geworden. Barty, dem ich die Seele zurückgegeben hatte, indem ich sie einem Dementor entrissen hatte, und Sirius, den ich aus dem Schleier gerettet und auch den Dementoren weggenommen hatte. Es war ganz großartig, dass sich nun genau diese beiden so nahekamen!

Aber schon ertönte in der Sekunde ein ohrenbetäubendes Gebrüll und ein Beben, das die ganze Erde zu unseren Füßen erschütterte und riss uns in die Schlacht zurück. Die großen Bäume des Verbotenen Walds bogen sich wie Grashalme, als ein weiterer Riese daraus hervorbrach und mit einer großen Keule wie wild herumfuchtelte und auf unsere kleine Gruppe zustampfte.

„LAUFT!“, schrie Harry panisch und Ron war so flott, dass er den Umhang verlor und nur noch Harry darunter verborgen war.

Wir stoben alle so schnell es ging auseinander und keine Sekunde zu früh, denn schon landete der unvorstellbar große Fuß genau an der Stelle, wo wir bisher gestanden hatten.

„Der hat einen großen Radius, weiter!“, stieß Ron gehetzt hervor.

Ein unbeschreibliches Kreischen ertönte im Himmel und Seidenschnabel, der flüchtige Hippogreif, stürzte sich wie ein Berserker aus dem Himmel hinab und hackte auf den platten Schädel des Riesen ein. Wo Seidenschnabel wiederum herkam, fragte ich in dem Moment schon gar nicht mehr, irgendwie tauchte alles und jeder zu den am wenigsten erwarteten Momenten auf. Abermals schwang der Riese seine Keule und dieser Schlag versetzte Seidenschnabel einen Haken, der das Tier auf Nimmerwiedersehen in den Verbotenen Wald beförderte. Der dem Hieb folgende Windstoß wehte uns beinahe um. Sein Brüllen hallte bedrohlich durch die Nacht und wir sprinteten über das Gelände, während die anderen drei zur Schlacht zurückkehrten und sich von uns entfernten.

„Zur Peitschenden Weide! Wir müssen zum Lord!“, rief Harry alles andere als begeistert.

Aber er hetzte wohl verborgen weiter. Wir liefen von Hogwarts weg, wenigstens war der Riese so freundlich, sich nicht entscheiden zu können und beäugte die anderen als auch den Wald, wo Seidenschnabel abgestürzt war.

„Harry, schau… da…“, brüllte Ron. „Was macht die da?“, fragte er erregt und deutete aufgeregt Richtung Schloss und ich versuchte, zu erkennen, was er sah. Aber das Licht war suboptimal, von der Entfernung ganz zu schweigen.

„Reversus Zoom“, wedelte ich mit meinem Stab in der Luft und es bildete sich vor uns ein kleiner gesichtsgroßer Kreis in der Luft, der die weit entfernte Szene für uns einfing und heranzoomte, während wir atemlos hinter einem großen Stein Zuflucht fanden.

„Den kenn ich gar nicht!“, meinte Harry leicht beleidigt über meinen Zauber.

„Jungs“, stöhnte ich nur und blinzelte auf die dramatische Szene, die sich vor unseren weit entfernten Augen abspielte.

Es war ein Drama und erst jetzt konnte man ausmachen, dass das dort Hannah war, die unter einem der kleinen Türme bewusstlos zusammengebrochen war. Aber schon eilten Leute herbei, um sie zu bergen, aber ob das eine gute Idee war, wollte ich bezweifeln.

„Passt auf!“, rief Ron und wir beobachteten, dass der kleine Turm über ihr abzubrechen drohte und doch waren uns die Hände gebunden, da wir zu weit weg waren, um zu helfen und nein, ich würde nicht zu ihr sliden und die beiden Jungs ohne meinen Schutz zurücklassen.

„Beeilt euch!“, „Neville dreht durch, wenn sie draufgeht!“, „Verdammt, was warten die?“, erregten sich die Jungs, denn da brach auch schon das Mauerwerk ab und fiel hinunter, um Hannah unter sich zu begraben.

„NEIN“, kreischten wir allesamt auf.

Es war irgendwie viel schlimmer, zu weit weg zu sein, aber doch alles aus der Nähe zu verfolgen und nicht aktiv helfen zu können, wie frustrierend.

„Wahh, es stoppt!“, „Wer macht das?“, fragten die Jungs aufgeregt und gingen noch näher an meine Vergrößerung heran.

Das was wir sahen war ein Bild für die Götter, denn ganz knapp über Hannah schwebte nun der Turm. Diese Leistung war eine große Kraftanstrengung für denjenigen, der den Schwebezauber wirkte. Dann machten wir eine kleine, rundliche Gestalt aus, die plötzlich neben Hannah aufgetaucht war. Sie stand da mit erhobenen Händen und hielt das Gestein über ihren Körpern auf.

„Sprout!“, wisperte Harry zutiefst beeindruckt und deutete am Rand des Zooms auf die kleine, runde Person, die mit größter Willensanstrengung ihren Zauberstab hochhielt und mit purer magischer Kraft das Turmstück schweben ließ.

„Da steckt doch einiges in ihr!“, gab ich großzügig zu.

Wir verfolgten, wie Lisa Turpin versuchte, Hannah raus zu levitieren. Doch das dauerte, da Pansy die Flüche nebenbei abwehren musste. Sie schützte Sprout, Hannah und Lisa.

„Wo bleibt mehr Hilfe?“, fragte Ron ratlos und sah sich skeptisch in der recht einsamen Gegend um.

„Die haben alle Probleme!“, wandte ich reichlich trocken ein.

„Was hat Sprout jetzt?“, fragte Harry besorgt und trat ganz nah an die Vergrößerung heran.

„Sie lächelt“, meinte ich nachdenklich und das gefiel mir gar nicht.

Denn noch waren die Mädels nicht aus der Gefahrenzone, der Turm könnte sie immer noch alle unter sich begraben, er fiel auch immer wieder bedenklich ab und wurde immer erst im allerletzten Moment aufgefangen und blieb dann zitternd in der Luft hängen.

„Da, jetzt sind Lisa, Pansy und Hannah weg…“, „Warum läuft Sprout nicht weg?“, „Warum lässt Sprout nicht los?“, wollten die Jungs erfahren und auch ich verstand ihr Handeln nicht wirklich.

„Was… was tut sie!“, „Nein, verdammt!“, „Helft…“, erregten wir uns aus der Ferne.

Wir wurden Zeuge, wie unsere Pflanzenkunde Professorin den Zauber mit einem Wisch löste, aber ohne sich selbst zu entfernen und schon donnerten die Trümmer unbarmherzig auf sie hinab und begruben Sprout unter sich.

„Was… was war das?“, kam es mit Tränen in den Augen von Ron und ich presste meine Hand an mein Herz.

„Sie hat sich geopfert“, wisperte ich erstickt und verstand es nicht, aber ich wusste, es gab immer einen Grund für so was.

Warum auch immer sie das getan hatte, es war nie grundlos. Ich wollte glauben, dass es nicht umsonst gewesen sein konnte, sondern dass vielleicht eine Bedrohung um die Ecke gelauert hatte, die sie hatte sehen können, aber wir nicht. Es passte zu einem Hufflepuff, sich selbst zu opfern, um seine Schäfchen zu schützen.

„Das war unnötig!“, erwiderte Ron hitzköpfig. „Es waren doch alle in Sicherheit!“, meinte er aufgebracht.

„Vielleicht auch nicht… wir wissen nicht, was sie um die Ecke herum gesehen hat… schau, die Mädels transportieren Hannah jetzt erst sicher weg…“, gab Harry besonnen zu bedenken.

Ja, sie hatte sich geopfert, weshalb auch immer, das war eine große Tat und nicht mehr zu ändern, weswegen ich den Zoom-Zauber mit einem Gefühl der Hilflosigkeit löste und wir nun wieder mit normaler Sicht auf das Schlachtfeld starrten. Es war der Stoff, aus dem Albträume gemacht wurden und sollte ich das hier überleben, würde ich diesen Anblick niemals mehr vergessen können. Es trieb mir die Tränen in die Augen. Ich sah hoch zu dem sich weit über uns auftürmenden Schloss, so stolz und erhaben, ein Jahrtausend alt, hatte es viele düstere Zeiten hochherrschaftlich überdauert, aber heute stand es da wie eine brennende Trutzburg, die dem Erdboden gleichgemacht werden sollte. Einige Teile von Hogwarts standen lichterloh in Flammen und augenblicklich mussten wir fassungslos mit ansehen, wie unser Gryffindor-Hausturm unspektakulär in sich zusammenbrach und uns sprachlos zurückließ. Das war für Jahre unsere Heimat gewesen und jetzt war er weg, verschwunden, zerstört.

Indes erhellten nach wie vor rote und grüne Lichtblitze die Finsternis und verrichteten ihr zerstörerisches Werk. Dabei achtete ich nicht auf die Lichtstrahlen, die in der Dunkelheit überall um mich herumflogen, nicht auf den Lärm des Sees, den die Meerwesen machten. Sie waren dermaßen in Aufruhr, dass der See toste wie stürmisches Meer. Ich achtete auch nicht auf das Ächzen der Bäume des Verbotenen Waldes, trotz dieser windstillen Nacht. Oder auf die Schreie, ganz gleich ob Mensch oder Tier, die qualvoll von überallher zu uns drangen und uns den Kampf um Leben und Tod nah brachten.

Wir rannten jetzt wieder durch eine Landschaft, die sich anscheinend selbst zur Rebellion erhoben hatte.

Wir passierten viele Stationen unserer Schulzeit, deren Zerstörung uns die Tränen in die Augen trieb. Das Quidditchfeld mit seinen Tribünen und Haustürmen gab es nicht mehr, es brannte bis auf seine Grundfeste nieder und auch Hagrids Hütte war dem Erdboden gleichgemacht und nichts als Trümmer waren davon übrig.

Jedoch wirklich schockierend war das große Nichts, das die so windschiefe und überdachte Holzbrücke zwischen der Felsschlucht zurückließ. Diese zerstörte Konstruktion und deren mickrige Überreste wirkten wie ein Mahnmal, dass selbst wenn wir gewinnen würden, nichts mehr wie früher sein würde. Dabei musste ich an Nevilles Bericht denken, dass Scabior hier heruntergerissen worden war und biss mir schuldbewusst auf die Lippen. Ich rannte schneller als je zuvor in meinem Leben und doch war es Harry, der den großen knochigen Baum zuerst erreichte. Die magische Weide, die das Geheimnis eines Tunnels an ihren Wurzeln mit peitschenden und schlagenden Zweigen beschützte und uns damit gekonnt von sich fernhielt.

„Und jetzt?“, fragte Ron keuchend.

Dabei wich er einem unheilvoll schwingenden Ast, der gefährlich nah an ihn rankam, gerade noch so aus. Harrys Kopf, der aus dem Umhang ragte, sank indes nach unten, da sich Harry auf die Knie begab, betrachtete den erregten Baum und spähte durch die Dunkelheit auf den dicken Stamm der Weide und versuchte, den einen Knoten in der Rinde des alten Baumes zu erkennen, der ihn lahmlegte.

„Jetzt wäre Sirius gut“, murrte ich finster und versuchte, nicht daran zu denken, was er in seiner Animagusgestalt mit Barty anrichtete, oder Barty mit ihm, oder was auch immer.

„Wir sind noch größer als damals in der dritten Klasse“, stöhnte Ron mit unschönen Erinnerungen an den Gang gesegnet, durch den ihn Sirius damals an seinem Bein hindurchgezogen hatte.

„Krummbein, den bräuchten wir jetzt“, meinte Harry leise.

„Ich bitte dich, wir sind Zauberer, wir brauchen keine Hilf…“, brach ich abrupt ab, da wie von Zauberhand mein entlaufenes Haustier erschien. „Krummbein?“, fragte ich vorsichtig und hielt dem ziemlich zerknautschten rotbraunen Kniesel meine Hände hin, die er fauchend beschnüffelte und sich dann doch tatsächlich dazu herabließ, sie kurz zu lecken.

„Der Wald bekommt ihm“, meinte Harry gutmütig und kraulte meinen entlaufenen Kater hinter seinem Ohr.

„Wie sonderbar, dass wir heute all unsere verschwundenen Haustiere treffen“, meinte Ron nachdenklich, woraufhin ihn Harrys unverständlicher Blick traf. „Oh, Apsis, sie war vorhin beim Zugang zur Kammer“, verkündete Ron sofort erklärend. „Die amüsiert sich prächtig dort unten! Die ist auch noch da, wenn Lucien nach Hogwarts geht“, lachte Ron auf, aber als er Harrys ernstes Gesicht sah, verstumme er.

„Wenn es dann noch steht!“, warf Harry einen skeptischen Blick über seine Schulter, auf das brennende Schloss.

Wir mussten mit bodenlosem Entsetzen zusehen, wie das goldene Schild in sich zusammenbrach und ein hellgrüner Zauber in den Himmel geschossen wurde.

„Da schaut!“, zeigte Harrys zitternder Finger gen Hogwarts und leichte Panik war aus seiner Stimme zu vernehmen.

Wie damals nach Dumbledores Tod erhob sich soeben das Dark Mark grünlich aus einem Wolkennebel in der sonst sternenklaren Nacht und dominierte das furchtbare Bild. Der Totenkopf, der sein Maul weit aufriss und die sich daraus hervor windende Schlange, über dem Schloss, dessen flackernde Lichter früher hinter den Fenstern Wärme und Behaglichkeit ausgestrahlt hatten. Jetzt leuchteten sie lediglich erhellt von dem wild wütenden Feuer. Es war eine wahr gewordene Feuersbrunst.

„Haben… haben wir verloren?“, presste Ron furchtsam hervor und Harry schüttelte seinen Kopf.

„Nein, das tun sie, um die Moral auf unserer Seite zu senken!“, erklärte ich abgebrüht, als soeben eine Person auf einem Besen durch das Dark Mark flog und es dadurch in sich zusammenfiel.

„Wer?!“, kam es sichtlich begeistert von Ron, da das eigentlich alles viel zu weit weg für uns war, bevor wir auf den Riesen aufmerksam wurden, der uns entdeckt zu haben schien, so wie er auf uns zu gewalzt kam.

„Fuck, beeilt euch!“, „Wir müssen da rein! Schneller…“, drängte Harry erschrocken.

Er wandte sich wieder der Weide zu und zielte mit seinem Stab auf die Wurzel, während ich meinen Dolch zog und meinen Zauberstab im Anschlag hielt. Wenn ich diese Siofra in der Anderswelt hatte besiegen können, würde ich es auch mit einem Riesen in dieser Welt aufnehmen können.

„Achtung…“, kreischte Ron drauf los und starrte sprachlos in den Himmel. „Drache!“

„Woho!“, „Den kenn ich doch!“, „Was macht der hier?“, „Das ist Charlie!“, brüllten wir alle aufgeregt und wie wild durcheinander.

Schon dirigierte der drachenzähmende Vampir den weißen, blinden Drachen aus Gringotts in Richtung des Riesen, der brüllend mit der Keule ausholte und damit in die Luft schlug. Aber der Drache fuhr seine Krallen aus, riss sein Maul weit auf und stieß eine wahre Feuersbrunst aus, während er mit Gewalt und flügelschlagend in das wohnhaushohe Wesen, das in Flammen stand, hinein donnerte. Ein Knall erfolgte, wie bei einer Sprengung, und brüllend gingen die Kreaturen in einem verwirrenden Knäul aufeinander los. Es war ein epischer Anblick, ein Drache gegen einen Riesen und ein Vampir, der ständig in einem Slide herumsprang.

„Achtung“, kreischte Harry, da sich die sich balgenden Untiere in unsere Richtung wälzten.

„Na, mein Lieber, hilfst du uns?“, fragte ich Krummbein lieblich über diesen Irrsinn hinweg mit betont sanfter Stimme und schon sauste er wie damals vor Jahren zu der Stelle und drückte seine Tatze auf die Wurzel und sofort wurde der rasende Baum friedlich und schlief ein. Daraufhin funkelte mich mein Haustier fauchend und mit sich sehr zufrieden an und sauste wieder hinein in den Verbotenen Wald.

„Ob wir den jemals wiedersehen?“, fragte ich mich leise und sprach eher zu mir selbst als zu den Jungs.

„Harry? Schnell!“, schrie Ron panisch und schon verschwanden beide in dem Geheimgang.

Ich wandte mich am Eingang nochmal um, damit ich die brachiale Gewalt verfolgen konnte. Es war beeindruckend, wie sich der Drache auf seinen Hinterbeinen aufstellte, somit die Größe des Riesens erreichte und soeben sein Maul weit aufriss und wieder Feuer spuckte, in welchem der Riese diesmal regelrecht geröstet wurde. Dieser wiederum hatte jedoch seine großen Hände an den schlanken Hals des Drachen gelegt und drückte zu. Als Charlie mich ausmachte, zeigte er mir doch tatsächlich zuzwinkernd seine langen Beißerchen und stürzte dem Drachen zu Hilfe.

„Wo bleibst du?“, vernahm ich den gedämpften Schrei vor mir aus dem Geheimgang.

Ich stöhnte und eilte los, da die Weide nicht ewig lahmgelegt sein würde und zwängte mich eilig in das kleine Loch, als ein Feuerstoß über mich und die Weide hinwegfegte, wobei die Frage war, ob die Weide das überlebte. Meine Haare rochen auf jeden Fall mal wieder angesengt.

„Ufff, ich bin zu groß“, jammerte Ron, da ich gegen ihn stieß.

„Unfug, das wäre Severus damals auch gewesen und sorry, wenn ich dir das sage, seine Größe erreichst du nicht“, gab ich trocken zurück und dabei kam es mir so vor, wie vor einer Millionen Jahren, als wir hier mit Sirius rausgekommen waren und die Wahrheit über den Verräter von Harrys Eltern für uns aufgedeckt worden war. Es war mir, als ob es nur in einem Traum geschehen wäre.

„Also, wenn das nicht doppeldeutig ist…“, kicherte Harry am Anfang unserer Truppe und robbte weiter.

„Bäh, könntet ihr bitte damit aufhören?“, fragte Ron empört.

Wir stolperten durch den engen, verwurzelten Gang vorwärts, dem die Jahre auch nicht gut bekommen waren. Harry ging mit erleuchtetem Zauberstab voraus und die Anspannung stieg beständig in uns an. Es war schrecklich, dass es sich derart hinauszog, sodass ich jederzeit mit einem Hindernis rechnete und auf der Hut war, aber es kam keines, auch wenn ich mir vielleicht eines wünschte. Die Aussicht, dem Dark Lord gegenüberzustehen, an Harrys Seite, bescherte mir Herzrasen. Ich ahnte, dass der Zeitpunkt nahte, an dem ich würde Farbe bekennen müssen und natürlich stand nicht zur Diskussion, bei wem ich stehen würde, aber die Konsequenzen waren so oder so beträchtlich.

Wäre es schlau, gleich zu bekennen? War die Zeit des Taktierens wirklich um?

Verdammt, mir bekam das lange Denken nicht. Ich brauchte Aktion, nachdem die Schlacht bisher jedes Quäntchen Aufmerksamkeit von mir gefordert hatte. In mir brodelte es, während wir den Weg schweigend zurücklegten und ahnten, dass wir uns dem entscheidenden Teil dieser Schlacht näherten.

Ich kam nicht mehr gegen die Nervosität in meinem Inneren an und mit immer schnelleren Schritten und in gebückter Haltung rannten wir den Geheimgang zur Heulenden Hütte entlang. Gerade, als ich mich darüber beschweren wollte, kam das Ende in Sicht. Endlich begann der Tunnel, anzusteigen und am Ende konnte man einen schwachen Lichtschein ausmachen, weswegen ich Ron vor mir aufhielt.

„Harry versteck dich richtig, zieh den Tarnumhang über und vergesst den Sonus Ex nicht!“, mahnte ich leise.

„Nox“, murmelte Harry wispernd, nachdem er am Ende angekommen war. Sein Licht erlosch und wir versanken in Dunkelheit.

Harry ging auf die Knie und rutsche an das Ende des Tunneleinganges zur Hütte. Hier war eine Kiste abgestellt, um den Eingang behelfsmäßig zu verbarrikadieren. Harrys Hand glitt ganz leise näher an die Kiste heran, da er unter seinem Umhang verborgen war und spähte vorsichtig durch einen schmalen Schlitz zwischen Wand und Kiste hindurch. Ganz leise quetschten sich Ron und ich neben ihn und spähten auch in den spärlich ausgeleuchteten Raum, der heruntergekommen wie eh und je aussah. Ich erwartete, jederzeit entdeckt zu werden und einen grellen, grünen Blitz als das Letzte in unserem Leben zu sehen. Ich atmete flach, versuchte, meine Nervosität zu verbergen und wagte kaum, zu atmen, aber den Jungs neben mir ging es nicht anders.

Nagini!

Da war sie, sie befand sich in meinem Blickfeld. Sie ringelte und rollte sich wie eine Schlange unter Wasser, geschützt in einer verzauberten, strahlend blauen Sphäre, die wie ein Wasserball frei in der Luft schwebte. Zweifellos irgendetwas, was der Dark Lord heraufbeschworen hatte, um sie, seinen wertvollsten und bald einzigen Horkrux, zu schützen. Harry hatte also alles richtig gesehen. Am Rande eines Tisches machte ich eine langgliedrige, bleiche Hand aus, die mich an die dünnen Füße der Acromantulas erinnerte und die mir doch so bekannt war, während seine spinnengleichen Finger selbstvergessen mit seinem Zauberstab spielten: dem Elderstab!

„My Lord, ihr Widerstand bröckelt“, wäre ich beinahe hochgeschreckt, denn ich erkannte sofort Severus‘ Stimme.

Was tat er? Er war anscheinend nur wenige Zentimeter von unserer Öffnung entfernt.

Verflucht, warum war er hier?

Er sollte nicht in der Nähe des Lords sein!

Hermiones Sicht Ende

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BeitragThema: 662. Bad Blood   Kapitel 661-662 EmptyDi Aug 27, 2019 11:21 pm

Der Ball ist eröffnet!

Nur noch ein Platz frei!
Jemand Interesse bei uns Party zu machen?

Das letzte Kapitel naht!
Maskenball vom 03.-06. Oktober 2019 - WHF-Treffen Nummer 8!

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Fragt mich per PN nach den Daten. Damit kann Euch keiner mehr euren Platz nehmen.


Unterkunft: 80 Euro pro Person
Verpflegung: 55 Euro pP
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Gesamt: 140 Euro pP

Das Motto ist "Maskenball"! Also verkleidet euch edel und werft euch in Schale.

Zum gebührenden Festtage wird hier das letzte Kapitel von WHF, Nummer 666, verlesen. Wenn das keine Aussicht ist!

Euer WHF-Team



662. Kapitel Bad Blood

Lucius Sicht

„Severus“, sprach ich die Linke Hand des Lords mit der gebotenen und angebrachten Vorsicht an.

Er fuhr noch bei der ersten Silbe mit erhobenem Zauberstab zu mir herum und zielte auf mich. Indes war er dank eines Zaubers gut getarnt in einer Baumkrone versteckt und war sichtbar irritiert, wie leicht es mir fiel, ihn dort oben auszumachen. Seine Reflexe waren jedoch hellwach, denn der non-verbale Fluch, der schon seinen Zauberstab verlassen wollte, erstarb sofort und eilig richtete er die Spitze woanders hin.

„Aha, du hast mich gefunden!“, meinte er dann auch schon zuvorkommend, nachdem er sich überzeugt hatte, dass ich ich war.

Schon sprang er geschmeidig hinab, dabei half ihm ein Zauber, nicht zu hart aufzukommen und ich spann eilig ein Netz der Magie um uns, das uns in dieser gefährlichen Nacht ein wenig Schutz bot.

„Hattest du dich versteckt?“, erwiderte ich daher ein wenig salopp und erntete einen verächtlichen Blick aus tiefschwarzen Augen und doch honorierte ich die Arbeit, die er an den Wällen und Mauern vollbracht hatte und die bis jetzt relativ gut gehalten hatten.

„Habe ich das nötig?“, gab Severus relativ verschnupft zurück und half mir von sich aus, unsere Umgebung sicherer zu machen und haute mir die nächste Frage um die Ohren. „Hast du den Plan des Familienrates umgesetzt?“, wollte er mit einer gewissen Anspannung herausfinden.

„Natürlich!“, kam es leicht pikiert von mir. Was dachte er? Dass ich nichts lieber tun würde, als den lieben langen Tag nur Däumchen zu drehen? „Ich habe jede Familie, die für uns interessant ist, selektiert!“, führte ich daher leicht arrogant, aber auch wortfaul aus.

„Gut!“, meinte Severus dann völlig emotionslos und knapp, bis er den Blick hob und mich mit seinen derart undurchdringlichen Blicken zu durchbohren schien. „Du siehst weniger gestriegelt aus als sonst!“

„Soll das ein Witz sein? Ich habe seit fast zwei Tagen nicht mehr geschlafen!“, fauchte ich alles andere als glücklich über diese Anmaßung zurück. Mir war überaus bewusst, dass es elementar war, in Momenten wie diesen vollkommen da und allzeit bereit zu sein.

Ich trug den Kampfanzug aus dickem Leder und darüber einen langen, schwarzen Mantel. Dieses viele Schwarz stand in starkem Kontrast zu meiner momentan noch nobleren Blässe als sonst schon. Meine langen weißblonden Haare hatte ich kampfbereit straff zurückgebunden, aber einige Strähnen schienen sich gelöst zu haben, kein Wunder, wenn man bedachte, wie oft ich gewillt war, mir die Haare zu raufen. Pikiert aufgrund seines unangebrachten Kommentars, blickte ich ihn mokiert an und ergriff die Phiole, die mir Severus mit diesen süffisanten Schmunzeln hinhielt, ein wenig rüder als nötig, aber ich ahnte, dass der Trank mir und meinen angespannten Nerven gute Dienste erweisen würde und ließ das Glasröhrchen danach vollständig geleert fallen.

„Das… Biest… tja, es wollte nicht mitkommen“, sprach Severus für mich keine große Neuigkeit aus. Indes zeigte der Trank seine sofortige Wirkung. Ich verspürte neuen Elan und prickelnde Energie. Ich nickte knapp ob dieser wenig hilfreichen Information.

„Dachte ich mir, aber einen Versuch war es wert…“, meinte ich wegwerfend, um nicht zu zeigen, dass es mir nur marginal passte, dass sie immer ihren eigenen Kopf haben musste. Sie war ein solcher Sturkopf, der eines Gryffindor mehr als würdig war, weswegen sie dann auch noch krachend gegen jede Wand rannte, um ja diese Sturheit mit brutaler Verbissenheit durchzusetzen, dieses Haus stand auf Schmerz.

„Ah, Antonin zweifelt die Reinheit der Malfoys an“, rieb ich Severus distinguiert unter die markante Nase und er lachte rau auf.

„Uh, traut er sich endlich?“, kam es reichlich deplatziert und viel zu erheitert von ihm. „Ein eher schlechter Zeitpunkt, um an deinem Stuhl zu sägen…“, sprach der kalkulierende Manipulator aus ihm und ich blies mir affektiert eine lange weißblonde Strähne aus der Stirn, die sich aus meinem Zopf gelöst hatte.

„Das wollte er immer, aber er stellt sich ungeschickt an. Stell dir vor, dieser Tölpel hat die Veela und die Vampire auf seinem Weg mit den Riesen durch Europa so gegen sich aufgebracht, dass die beinah selbst zu den Waffen greifen, um gegen den Dark Lord vorzugehen. Sie sind enorm sauer, dass er ihre Refugien einfach mal so niedergetrampelt hat!“

„Verständlich! Unfassbar, wie dämlich Antonin sein kann. Ich kann es nicht fassen, er ist wirklich zu diesen Wesen gegangen, um zu zeigen, dass wir absichtlich dafür sorgen, dass sie nicht am Kampf teilnehmen?“, echote Severus sprachlos und er reckte seine markanten Züge, so sehr missfiel ihm dieser offensichtliche Versuch, gegen uns zu agieren.

„Tja, es war hier… wie dort eine Schlacht!“, tat ich genüsslich kund und erinnerte mich mit Schaudern an den Kauz, den mir Zorica ins Dark Manor hatte zukommen lassen.

„Radu wird schäumen und Sanguini wird wieder ein Drama daraus machen… jetzt weiß ich, wen oder was ich die nächste Zeit auf jeden Fall meiden werde“, zog Severus ein gehässiges Resümee, während er mich musterte. „Warum bist du nicht bei den Truppen?“

„Der Lord verlangt nach dir“, gab ich unumwunden zurück. „Und ich darf dich suchen!“

„Jetzt schon?“, zeigte Severus keine Nerven, legte nachdenklich sein Haupt schief und schien seine Optionen abzuwägen, während er meine Degradierung, dass ich zu einem x-beliebigen Laufburschen herabgestuft wurde, mit einer gewissen Gleichgültigkeit überging.

„Du hast verfolgt, wie die Kuppel zusammengebrochen ist?“, überging ich jetzt seinen Einwurf mit einer Gegenfrage.

„Der goldene Schild ist weg und damit auch der Schutz. Die Schlacht fängt jetzt erst so richtig an“, meinte er nachdenklich und wiegte seinen Kopf hin und her. „Eigentlich!“, schränkte er dann wohl überlegt ein und ich neigte mein aristokratisches Haupt.

„Wohl wahr, noch führt der Lord die Truppen nicht voran in die Schlacht. Er hat sich zurückgezogen, denn bei dieser Kraftanstrengung, das Schild zu zerstören, hat der Stab unter seinen Händen Schaden genommen!“, überraschten ihn meine Worte nicht wirklich, sondern er nickte nur selbstvergessen und rieb sich nachdenklich über sein Kinn. Severus wirkte alles in allem sehr in sich gekehrt.

„Mhm… der Elderstab verweigert ihm seine Gefolgschaft. Ein Wunder, dass der Dark Lord trotzdem damit solch machtvolle Magie wirken kann“, sprach aus Severus‘ tiefer, dunkler Stimme durchaus Hochachtung und widerwillige Bewunderung und ich verstand seinen Zwiespalt nur zu gut.

„Eine reine Demonstration seiner Kraft. Niemand hat je behauptet, dass Riddle nicht mächtig ist und immer war. Die Magie ist in ihm. Ihn zu unterschätzen wäre ein grober und fahrlässiger Fehler“, mahnte ich daher gewichtig, woraufhin Severus seine Lippen zynisch schürzte.

„Ein Fehler, der uns nicht unterläuft“, schnarrte er zustimmend.

„Davon sollte ausgegangen werden, aber die anderen sind nicht derart weitsichtig wie wir“, verkündete ich hochnäsig, aber auch zu Recht und Severus‘ zweideutiger Blick sprach Bände.

„Der Idiot Goyle Senior hat es gewagt, ihn anzusprechen, als die Kuppel zusammenbrach. Rate mal, was passiert ist?“, fragte ich süffisant und wedelte mit meinem Zauberstab, um unseren Schutz zu verstärken, da gerade ein Ast durch die Gegend flog.

„Er hat ihn umgebracht“, kam es reichlich schnarrend von Severus, der langsam sein Haupt schüttelte und Missfallen aus jeder seiner Poren sprach.

„Slytherin erhält 100 Punkte…“, gab ich herablassend zurück.

Indes erinnerte ich mich an den Schock der anderen DeathEater, als der grüne Strahl in Goyle eingeschlagen und dieser leblos zu Boden gesackt war. Ein dem Lord getreuen Mann, der nichts anderes getan hatte, als zur falschen Zeit den Mund aufzumachen. Es würde mir unvergessen bleiben, wie gleichgültig der Lord seinen Leuten gegenüber mittlerweile war. Sein Blick galt inzwischen nur noch einem Wesen auf dieser Welt. Übergangslos hatte er in einer für uns verständlichen Sprache „Nagini, mein Mädchen, komm“, von sich gegeben und das in einer Sanftheit, die völlig entgegen dem eiskalten und unbegründeten Mord stand, der gerade geschehen war und diese Töne einem Reptil gegenüber waren völlig unangemessen, selbst Bellatrix sah ein wenig verwirrt aus. Aber dieser makabre Moment war damit nicht zu Ende gewesen, da sich diese riesige Schlange mit einer unfassbaren Gewandtheit und Leichtigkeit hinauf um den zerbrechlich wirkenden Körper des Lords geschlängelt und sich um seine schmal wirkenden Schultern drapiert hatte. Mit Argusaugen hatte ich bemerkt, dass er für seine Verhältnisse durchwegs besorgt und auch ein wenig verunsichert gewirkt hatte. Unterdessen hatte er den Stab wie eine zerbrechliche Glasarbeit in seinen blassen und dünnen Händen gehalten. Selbst Bellatrix bemerkte es und hatte mir fragende Blicke zugeworfen, aber auch ich hatte für sie keine Antworten.

„Severus, er will ihn sehen… nur ihn!“, zeigte ich tiefen Widerwillen, diesen Wunsch des Lords Severus in seinem genauen Wortlaut zu überbringen, dabei wanderte Severus‘ so dunkle Braue taxierend in die Höhe. „Er wartet auf dich in der Heulenden Hütte!“, verkündete ich düster und repetierte nun dezidiert, wie der Dark Lord mich zu sich gerufen und wir ein eher als unerfreulich zu bezeichnendes Gespräch geführt hatten, bei dem mir ständig gegenwärtig gewesen war, wie labil der Lord inzwischen geworden war und wie oft und wegen Kleinigkeiten seine Stimmung mittlerweile schwankte. Frappierend war auch, dass das Augenmerk des Lords die ganze Zeit auf seiner Schlange lag.

„Dann sollte ich wohl gehen“, zeigte Severus seine eiskalte Ader, sich stets dem Schicksal allzeit und ohne mit der Wimper zu zucken zu stellen und ich maß ihn mit abwägendem Blick.

„Findest du das so schlau?“, fragte ich vorsichtig, um meinen Einwand zu kaschieren, denn wenn ich ehrlich war, hielt ich es für eine ziemlich bescheuerte Idee, sich dem unkalkulierbaren Dark Lord gegenüberzustellen. Doch den Befehl, es nicht zu tun, wollte ich auch nicht aussprechen, da ich Severus‘ zu sture Ader nur zu genau kannte, für ein Mitglied des Hauses Slytherin konnte auch er extrem stur sein, wie mir gerade auffiel.

„Lucius, ich habe keine Angst“, tadelte mich mein alter Freund mit sanfter Überheblichkeit und bezog meine Vorsicht sofort auf sich ins Negative, was unangebracht war, woraufhin ich affektiert seufzte.

„Nur der, der besonders dumm ist, kennt keine Angst!“, hielt ich daher mokant entgegen.

„Dann regt sich wohl dein innerer Pfau gerade gar sehr“, zog er meine Bedenken mit gewohnt bissigem Sarkasmus ins Lächerliche und kurz fragte ich mich schon, warum er immer auf den Pfauen rumritt und auch wenn ich ihm meine Animagusgestalt nie anvertraut hatte, erzählte sein blasiertes Lächeln, dass er sehr wohl etwas von meinem wohlgehüteten Geheimnis ahnte und das reizte mich maßlos.

„Witzlos, du bist in diesem Moment zu Gryffindor“, beschwerte ich mich affektiert, aber es störte mich, dass er bereit war, derart sehenden Auges ins Verderben zu laufen. Ich meine, so was machte Potter mit schöner Regelmäßigkeit, aber keiner von uns. „Er ist unberechenbar“, mahnte ich mit echter und selten gezeigter Sorge und kurz zog Severus die Stirn in Falten.

„Tja, wie Pläne so sind, gehen sie meist in die Hose… Rabastan wäre perfekt gewesen und das, was mit ihm passiert ist, passt mir auch gar nicht!“, kam jetzt Severus‘ Einwurf mit einer resignierenden Ergebenheit, die mich kurzzeitig verwirrte.

„Rabastan? Du weißt, wo er abgeblieben ist? Erzähl mir, was mit Rabastan passiert ist“, fragte ich zutiefst neugierig auf diese Informationen.

Severus kam dem nach und erzählte mir genüsslich und führte aus, wie das Biest in der Großen Halle allen lautstark verkündete, dass der Lord Rabastan in ihrer Höhle geopfert hatte. An sich eine nette Tat, aber ganz ehrlich, diese Opferung verärgerte mich zutiefst, denn das passte wirklich gar nicht in unsere Pläne. Jedoch erheiterte mich die Tatsache, dass meine verhasste Schwägerin ihren Liebling auf derart bizarre Art und Weise und dann noch durch die Hand ihres verehrten Lords verloren hatte und dieser sich nun in die Reihen des Biestes, als einer ihrer Inferi, einreihte. An sich war das eine äußerst eigenwillige Genugtuung für uns alle.

„Bellatrix wird ausrasten und ganz ehrlich: ich gönn es ihr von ganzem Herzen!“, verlautbarte ich dann auch selbstzufrieden und mit einer nicht von der Hand zu weisenden Dünkelhaftigkeit, als ein Thestral nicht weit von uns durch die Baumkrone krachte, unsanft auf dem Boden aufkam und benommen liegenblieb.

„Du siehst aber jetzt mein Problem, Lucius?“, erwiderte Severus überlegt, während er ganz nebenbei das Tier auf die Entfernung mit einem Spruch heilte. Sofort kam es wieder auf seine knochigen Beine und spreizte die ledrigen Flügel. „Das gefährdet den ursprünglichen Plan, sein Part ist vakant!“, gab er zu bedenken und sah dem geheilten Tier, das sich soeben mit weit ausgebreiteten Schwingen wieder in den Himmel erhob und in den Kampf flog, zufrieden hinterher.

„Ja, das war alles nicht so geplant… diese Launen des Lords gehen mir echt auf die zarten Nerven!“, erwiderte ich verächtlich in meiner Empörung.

Ich war aufgebracht aufgrund der Tatsache, wie man sich derart gehen lassen konnte und alles und jeden umbrachte, einfach nur, weil man da war. Nicht dass ich das Leben anderer besonders hoch achtete. Aber mich tangierte sehr wohl, wer mir wie, wann noch nützlich sein könnte, vor allem wenn sie sich als loyal erwiesen hatten, aber das galt bei diesem Dark Lord nicht mehr.

„Lucius, du weißt schon, dass wir inmitten eines Schlachtfeldes stehen und du erregst dich über deine… ach so zarten Nerven!“, echote es von Severus tadelnd.

Ein Fluch donnerte ohrenbetäubend laut in die Baumkrone neben uns.

Wie um seine Worte zu bestätigen, sprengte der Bombarda einen Ast ab. Dieser war so groß, dass er uns beide unter sich begraben hätte, wenn wir uns nicht weitsichtig, wie wir waren, effektiv geschützt hätten. Der Ast prallte an unserem Schild ab und damit auch die Maßregelung seitens Severus an mir.

„Naja, sie sind wichtig!“, gab ich daher blasiert von mir und kümmerte mich weiter um meine Nerven und sah mit einer gewissen Herablassung auf den Ast, damit ich nicht beobachten musste, wie Severus wegen meiner Worte die Augen verdrehte. „… und natürlich überlege ich und sinne nach adäquatem Ersatz für Rabastan…“ Schlussendlich musste die Show weitergehen, während der Lärm der Schlacht um uns herum dröhnte, die Schreie und Rufe um Leben und Tod in diesem Kampf immer lauter und drängender wurden und die Blitze gleißend grell die an sich finstere Nacht unheilvoll erhellten.

„Dann läuft ja alles nach Plan“, lag eine nicht zu verachtende Herablassung in Severus‘ Erwiderung, als er lapidar abwinkte. „Wie auch immer, es wird dich interessieren, dass Draco die evakuierten Schüler in Irland festsetzt. Dieser Plan wird also umgesetzt, du kannst die nicht ganz so Willigen damit vielleicht umstimmen…“

„Erfreulich, dass auf meinen Sohn Verlass ist…“, gestand ich generös ein und war erleichtert, dass wenigstens das wie am Schnürchen zu laufen schien. „Einigen von den ganz hellen Leuchten scheint nämlich jetzt erst gegenwärtig zu werden, dass die Kinder, ihre reinen Kinder, in Gefahr sein könnten!“

„Was erwartest du von ihnen?“, erwiderte er gehässig und zeigte Zähne. „Was machst du noch?“, fragte er dann ein wenig knapper, es zog ihn zum Lord.

„Ich muss noch mit Rodolphus sprechen, es läuft relativ gut, aber ein paar der etwas Stureren sind schwerer zu überzeugen als andere…“, gab ich umgehend zurück und versuchte, zu sortieren, was wir noch alles erledigen mussten und was nicht vergessen werden durfte.

„Wem sagst du das… ich hoffe, dass auf Potter auch weiterhin Verlass ist und er endlich einmal seine Aufgabe erfüllt und Erfolg hat!“, schnarrte es in bester Severus-Manier und ich schmunzelte manierlich.

„Wie gesagt, wenn Potter, diese Nervensäge, einmal tut was er soll, läuft alles so wie wir es wollen“, zeigte ich mich generös und lächelte honorig. „Aufgrund der Schmerzen, die innerhalb kürzester Zeit durch mein Dark Mark flammten, würde ich behaupten, sie sind gut darin, ihre Aufgaben zu erfüllen“, lobte ich ein wenig zurückhaltend.

Aber innerlich dachte ich mir, wenn das endlich beendet sein würde, dann wäre alles so wie ich es anstrebte, wie ich es verlangte, wie ich es forderte, wie ich es wollte, wie es mir zustand, wie es sein und werden sollte!

„Sehe ich recht?“, durchbrach Severus‘ schnarrende Stimme meine vorauseilenden Gedanken und sein Ton verhieß nichts Gutes, als ich das Knäul bestehend aus zwei Männern ausmachte, das auf uns zuwankte, während sie sich gegenseitig mit großer Begeisterung an die Gurgel gingen.

„Inspirierend“, gab ich honorig bei diesem unerwarteten Anblick zurück.

„Was?“, fuhr Severus mit einem gemeingefährlichen Grinsen zu mir herum und schenkte mir ein zweideutiges Lachen. „Das ist nicht inspirierend… das ist Schicksal!“, zeigte er sich geheimnisvoll.

Wobei ich das dunkle Glänzen in seinen Augen richtig deutete, so war es schon immer zwischen uns gewesen. Wir verstanden uns ohne große Worte, so auch jetzt, also zog ich meine Lederhandschuhe begeistert nach, da ich ihm bei seinem spontan entstehenden Plan helfend zur Hand gehen würde.

„Vielleicht sollten wir dann doch mal in den Kampf eingreifen, was meinst du, mein Freund?“, fragte ich jovial und schritt leichtfüßig voran, auf diese beiden Prachtexemplare zu, die nicht ahnten, was sie erwartete, da sie uns beiden in die Hände fielen.

Lucius Sicht Ende

Severus Sicht

„My Lord, ihr Widerstand bröckelt“, schnarrte ich mit selbstsicherem Auftreten in dieser absolut schäbigen und heruntergekommenen Umgebung, die dem Lord erstaunlich gut zu Gesicht stand.

Standhaft hielt ich den durchdringenden Blick dieser grellroten Augen, die mich niederstarrten und anscheinend am liebsten in mich und meinen Geist eindringen wollten. Weiß, seine Haut, seine Züge schlangenartig, rote Augen, unmenschlich glühend, und komisch glänzende Haut, die ihm ein kränkliches Aussehen verlieh. Er sah ungesund aus, ungesünder als ich ihn jemals gesehen hatte, seitdem ich ihn kannte.

„Severus… Severus, was soll ich sagen? Und all dies ohne deine Hilfe“, erwiderte der Lord mit seiner hohen, kalten Stimme, die jedem anderen einen kalten eisigen Schauer über den Rücken gejagt hätte.

Der Vorwurf war unüberhörbar und natürlich lag er mit seiner Einschätzung richtig. Ich hatte mich bisher zurückgehalten und war nicht aktiv an der Schlacht beteiligt, jedoch gab es genug williges Kanonenfutter unter der Masse der Anhänger des Lords, die sich leidenschaftlich gerne ins Kreuzfeuer warfen und für ihn starben. Seine Kritik an mir ging mir eiskalt am Allerwertesten vorbei und doch rechnete ich bei ihm mittlerweile mit allem und dies jedem gegenüber und so beherrschte ich mich sehr und sah ihm mit ruhigem, stoischem Blick entgegen.

„Du bist ein fähiger Zauberer, Severus, aber ich denke nicht, dass du jetzt noch von großer Bedeutung sein wirst. Wir sind fast am Ziel… fast“, klang der Lord gefährlich gelangweilt.

Diese Beleidigung mir gegenüber, der Linken Hand des Lords, durch eben diesen, ließ beinah meine emotionslose Maske verrutschen. Fast wäre ich mit offenem Mund dagestanden. Er wagte es, mir zu sagen, mir mitten ins Antlitz… ich wäre unwichtig? Ich musste mich sehr zusammenreißen, während ich nach den nächsten Worten rang, um diesem abgeflachten Schlangen-Gesicht zu geigen, wer von uns allen tatsächlich unwichtig geworden war.

„Wir sind fast am Ziel, weil Ihr Euch immer auf uns verlassen konntet… My Lord. Lasst mich den Jungen finden. Lasst mich Potter zu Euch bringen. Ich weiß, dass ich nicht scheitern werde!“, versicherte ich mit schwerlich gehaltener, unbewegter Maske.

Niemals würde ich mich dazu herablassen, so flehend, oder bittend zu klingen wie Belatrix. Auch in meinem Ansinnen dienlich zu sein, verlor ich keinen Deut meiner Haltung. Ich setzte mich in Bewegung und ging mit wallendem Mantel durch diesen kargen Raum der Heulenden Hütte und warf immer wieder abwägende Blicke auf die fast durchsichtige Sphäre, in der sich Nagini ringelte und kringelte. Sie war ständig in Bewegung und in der Stille bildete ich mir ein, die Schlange leise zischen zu hören, oder war dies das zischende Seufzen des Lords, das in der angespannten Luft nachklang?

„Ich habe ein Problem, Severus“, kam es gefährlich leise vom Lord, als er sich mit bedachten Bewegungen von seinem herbeigezauberten Stuhl erhob und dieser sich lautlos in Luft auflöste, dabei unterdrückte ich den Instinkt, vor ihm zurückzuweichen und das Weite zu suchen. Alles in mir schlug Alarm, es wirkte, als würde er sich auf sein Opfer stürzen.

„My Lord?“, schnarrte ich betont unbeeindruckt zurück.

Niemals würde ich zulassen, dass er mitbekam, dass ich ihn durchschaute und die Gefahr, die er für mich darstelle, wahrnahm. Da hob der Lord seinen Zauberstab, den Stab, den er vor meinen Augen aus Albus‘ Grab gestohlen hatte, wie eine Ikone vor sich in die Luft. Er hielt den Elderstab so hoch, so vorsichtig, wie das kostbarste Gut auf Erden. Er war regelrecht zart zu diesem magischen Werkzeug, als ob dieser gleich zerbrechen würde.

„Warum arbeitet er nicht für mich, Severus?“, fragte er mich mit zornbebender Stimme.

Stille beherrschte daraufhin den Raum. Nagini zischelte gehässig aus ihrer Sphäre heraus und ich hob die schwarzverpackten Schultern an.

„My… Lord?“, gab ich, wie das größte Unschuldslamm, das kein Wässerchen trüben konnte, von mir. „Ich verstehe nicht. Ihr… ihr habt außergewöhnliche Dinge mit diesem Zauberstab vollbracht!“, gab ich schmeichelnd zurück und blickte auf die spinnengleichen, dürren Finger des Lords, die das dünne Stückchen Holz so zart und präzise wie den Taktstock eines Dirigenten hielten.

„Nein“, entgegnete daraufhin der Lord barsch. „Ich habe meine üblichen Zauber vollbracht. Ich bin außergewöhnlich, aber dieser Zauberstab… nein. Er hat die Wunder nicht offenbart, die er verheißt. Ich spüre keinen Unterschied zwischen diesem Zauberstab und dem, den ich vor all den Jahren bei Ollivander erworben hatte“, lag blanke, reine Wut in jedem dieser trotzdem kühl und ruhig gesprochenen Worte.

Die Miene des Lords war nachdenklich, während sein rotglühender Blick vorwurfsvoll auf dem ungehorsamen Zauberstab lag. Dann zischte er plötzlich schmerzerfüllt auf und ich beobachtete dieses sonderbare Verhalten mit zunehmendem Unwohlsein. Seine Gefühle schienen für ihn schwer kontrollierbar zu sein.

„Alles in Ordnung?“, kam es reichlich kühl von mir und ich warf der gekrümmten Gestalt des Lords einen verachtenden Blick zu.

„SCHWEIG!“, donnerte der Lord so laut, dass die windschiefen Wände der Heulenden Hütte erzitterten. „Keinen Unterschied!“, murmelte er erneut.

Unruhig schritt der Lord unaufhörlich im Raum auf und ab und schien sich über irgendetwas den Kopf zu zerbrechen, während ich an meiner lang aufgebauten Geduld arbeitete und nicht versuchte, die Augen zu verdrehen. Ob dieser Lord auch nur im Ansatz daran dachte, dass dort draußen eine Schlacht tobte? Dass Menschen, egal welcher Seite, ihr Leben ließen? Er wirkte so fern von dieser Realität, wie selbst er es sonst nicht war.

„Ich habe lange nachgedacht, Severus…“, fand der Dark Lord zurück ins Hier und Jetzt und ich hob eine Braue an. „Weißt du, weshalb ich dich zu mir gerufen habe?“

In der Sekunde blickte ich auf die sich in der Sphäre aufbäumende Nagini und sah nicht zum Lord, als ich antwortete: „Nein, aber lasst mich zurückkehren. Lasst mich Potter finden! Er ist ein Feigling, der sich versteckt und andere für sich kämpfen lässt, bisher habe ich ihn immer gefunden.“

„Du klingst wie Lucius!“, hisste der Dark Lord zornig auf und ich verbiss mir das sarkastische Lächeln, das sich auf meine Lippen legen wollte. „Keiner von euch versteht Potter, so wie ich es tue. Es ist nicht nötig, ihn zu finden. Potter wird zu mir kommen. Ich kenne seine Schwäche, seinen einzig großen Fehler. Er wird es verabscheuen, zusehen zu müssen, wie die anderen um ihn herum sterben, wohl wissend, dass es seinetwegen geschieht und nur seinetwegen. Er wird dem um jeden Preis Einhalt gebieten wollen. Er wird kommen! Und das ganz freiwillig.“

Darauf gab es nichts zu erwidern, denn der Lord kannte seinen Gegner. Er kannte den Gryffindor Harry Potter sehr genau und trotz aller Verrücktheit, die in ihm gerade brodelte, war er immer noch fähig, seinen Gegner genau einzuschätzen. Tja, der Lord kannte Harry Potter genauso gut, wie dieser ebenso den Lord kannte. Dank ihrer gegenseitigen Verbindung waren sie sich näher als es wünschenswert war. Es war entsetzlich, um genau zu sein, und doch bezweifelte ich, dass der Lord durchschaute, dass er für Potter ebenso leicht einzuschätzen war.

Er beging einen taktischen Fehler, er unterschätzte seinen Feind!

„Ihr habt im Blick, dass er versehentlich von einem anderen statt von Euch getötet werden könnte…“, gab ich schnarrend zurück und erntete eine missbilligende Miene.

„Meine Anweisungen waren vollkommen eindeutig. Nehmt Potter gefangen. Tötet seine Freunde. Bringt so viele von ihnen um, wie möglich, aber tötet ihn nicht. Außerdem hast du gesagt, als du kamst, dass das Mudblood an seiner Seite verharrt. Sie wird meine Wünsche umsetzen und dafür sorgen, dass niemand außer mir Harry Potter tötet!“, entgegnete der Lord gereizt.

Unterdessen erhaschte ich das bösartige Funkeln in seinen roten Augen und sein Umhang raschelte wie eine dahingleitende Schlange und ich spürte regelrecht seine Ungeduld und witterte weiterhin die latente Gefahr, die von ihm ausging.

„Das Mudblood ist immer wieder ein Quell der Freude!“, erwiderte ich erfüllt von widerwilliger Heuchelei und wich keinen Deut zurück.

„Wohl wahr, sie weiß, gefällig zu sein“, gab der Lord salbungsvoll von sich.

Und irgendwie juckte es mich im Finger, ihm einen Zauber aufzuhalsen. Jedoch wusste ich zu meinem Leidwesen, dass der Lord nicht ohne Grund ein Dark Lord war und ich beging diesen Fehler nicht, meinen Feind zu unterschätzen.

„Jedem von uns dürstet nur danach, Euch zu Diensten zu sein und gerade ihr…“, sprach ich heuchlerisch weiter und hätte am liebsten gebrochen.

„Mein Freund, das weiß sie wohl und ich ahne, wie zugeneigt du und die Malfoys ihr seid“, kam es vertraulich vom Lord und dass er mich, seine Linke Hand, als Freund bezeichnete, hätte mir beinah ein zynisches Schnauben entlockt, so aber senkte ich mit der Hand am Herzen mein Haupt und verbarg eilig meine abfälligen Gedanken tief in mir.

„Severus, ich will über dich sprechen, nicht über Harry Potter, oder das Mudblood. Du warst sehr nützlich für mich. Sehr nützlich allzeit und immerdar, als meine Linke Hand!“, begann er allzu salbungsvoll.

„Sir, lasst mich gehen und die Schlacht für Euch gewinnen, sodass Hogwarts und gleichwohl Großbritannien gänzlich Euer wird“, versuchte ich, auf das Wesentliche zurückzukommen.

„Ich habe bereits NEIN gesagt!“, entgegnete der Lord schneidend und drehte sich wieder um. „Meine Sorge im Augenblick ist, was geschehen wird, Severus, wenn ich endlich auf den Jungen treffe!“

„My Lord, es gibt doch gewiss keine Frage, wer hier der Stärkere ist…“, brach ich überrumpelt aufgrund so wenig Selbstvertrauen des Lords ab. Dass er das so offen eingestand war neu.

Ich war trotz allem ein wenig erstaunt, wie labil der Lord mittlerweile war, dass er insoweit durchblicken ließ, die Sorge zu haben, nicht über Harry Potter triumphieren zu können.

„… aber es gibt eine Frage, Severus. Es gibt eine, die elementar wichtig ist, um mir meinen Vorteil vor Harry Potter zu sichern!“ Der Dark Lord blieb mit dem Rücken zu mir stehen und hielt dann seinen Zauberstab hoch über seinen Kopf, ließ den Elderstab liebkosend durch seine weißen Finger gleiten. „Warum haben beide Zauberstäbe, mein eigener und der von Lucius versagt, als ich sie gegen Harry Potter eingesetzt habe?“, fragte er hart.

„Ich… das kann ich nicht beantworten“, stockte ich im Angesicht der Tatsache, dass ich Leute verachtete, die ängstlich im Angesicht der Gefahr anfingen, Unfug zu plappern und so blieb ich mir treu.

Denn ich mochte vieles sein, von einem brillanten Tränkebrauer und begnadeten Geistes-Magier bis hin zu einem durchaus passablen Zauberer, aber das Wissen, wie man einen Zauberstab schnitzte und herstellte, gehörte wahrlich nicht dazu. Ganz zu schweigen von der vielfältigen und komplizierten Magie, die einem Zauberstab innewohnte.

„Tja, so ging es mir auch, meine Linke Hand, lass dir das gesagt sein“, zeigte sich der Lord generös. „Mein Zauberstab aus Eibenholz tat alles, was ich von ihm verlange, Severus, außer Harry Potter zu töten. Zwei Mal hat er versagt. Ollivander erzählte mir von den Zwillingskernen, er riet mir, den Zauberstab eines anderen zu nehmen. Das tat ich, aber Lucius‘ Stab zerbrach, als er auf den von Potter traf.“

Darauf erwiderte ich nichts. Was sollte ich ihm auch sagen? Er sprach eh mehr mit sich selbst als mit mir, dafür betrachtete ich die sich ringelnde Schlange, die in der blauen Kugel, geschützt vor allem, herum schwebte.

„Was tat ich dann? Ich suchte einen dritten Zauberstab, Severus. Den Elderstab, den Zauberstab des Schicksals, den Todesstab. Ich nahm ihn seinem vorigen Herrn ab“, sprach der Lord so eindringlich, als würde er mir etwas Neues mitteilen, woraufhin er dramatisch zu mir herumfuhr.

„Ich habe ihn aus dem Grab von Albus Dumbledore geholt“, sinnierte er mit scharfem Blick.

Tja, leider war das für mich ein alter „sprechender“ Hut. Schlussendlich hatte ich ihn dabei beobachtet und hinter ihm aufgeräumt, von daher heuchelte meine Miene gespielte Gleichgültigkeit wegen seines gelungenen Coups. Mein Blick huschte zum Lord hinüber. Jedoch blieb meine Miene trotz dieser Offenbarung regungslos und meine Augen blickten stumpf und leer denen des Lords entgegen.

„My Lord…“, erwiderte ich erneut, in jenem einschmeichelnden Ton, der mich selbst nervte, als ich unterbrochen wurde.

„Diese ganze lange Nacht sinniere ich schon ob der Frage, was ich übersehe… der Sieg ist so nah und doch sitze ich hier…“, sprach der Lord durchdringend und jetzt konnte selbst ich nicht eine Gänsehaut unterdrücken, „… und ich frage mich… ja, ich frage mich, warum der Elderstab sich weigert, das zu sein, was er sein sollte, sich weigert, das zu leisten, was er der Legende nach für seinen rechtmäßigen Besitzer leisten muss… und ich glaube, ich habe die Antwort gefunden!“

Ich schwieg weiterhin wohlweislich und tastete nach meinem Stab, der angriffsbereit in den weiten Falten meines Mantels steckte. Ich war vorbereitet, die Gefahr war allgegenwärtig. Ich witterte die Bedrohung mit all meinen Instinkten, aber mich aufraffen, etwas gegen den ziemlich in sich verwirrten Dark Lord zu unternehmen, konnte ich auch nicht, es war nicht der rechte Zeitpunkt.

„Meine Linke Hand, vielleicht kennst du sie bereits? Du bist schließlich ein kluger Mann, Severus. Du warst mir ein guter und treuer Diener, eine wunderbare Linke Hand und ich bedauere, was geschehen muss“, war seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Aber es muss geschehen!“

„My Lord…“

„Der Elderstab kann mir nicht richtig dienen, Severus, weil ich nicht sein wahrer Meister bin!“, verkündete er selbstherrlich und vollkommen überzeugt. „Der Elderstab gehört dem Zauberer, der seinen letzten Besitzer getötet hat. Du hast Albus Dumbledore getötet. Solange du lebst, Severus, kann der Elderstab nicht wahrhaft mir gehören.“

„Mhm… my Lord!“, protestierte ich wenig aufbrausend, denn an sich war es mir zu dumm.

Dem Lord unterlief gedanklich ein wahrlich grober Schnitzer und an sich war es zum Lachen. Die Scharade, welche die Kinder aufgeführt hatten, hatte dazu geführt, dass ihnen der große und mächtige Dark Lord wahrhaftig auf den Leim gegangen war. Ein Applaus für die gar nicht mehr so unschuldigen und behüteten Kinder, so sah ich das. Er dachte wirklich, ich wäre der wahre Besitzer des Stabes, was für eine große Fehleinschätzung, dabei musterte er mich eindringlich und ich fühlte das Damoklesschwert schwer über mir hängen.

„Es gibt keinen anderen Weg, Severus. Ich muss den Zauberstab bezwingen und dann bin ich sein wahrer Herr und dann werde ich Potter endlich vernichten!“, kam es wahrhaft überzeugt, sodass ich mir ein zynisches Grinsen verkneifen musste.

Die Sekunden vergingen zu Stunden, alles wirkte zeitlich verzerrt und dehnte sich in seiner Langsamkeit unendlich, es kam nicht wirklich in Schwung. Diese die Nerven strapazierende Zeitlupe war nicht leicht für mich, denn an sich musste ich ohne nennenswerte Gegenreaktion aushalten. Es war so abgesprochen, ich musste gleichgültig die Bewegungen des Lords verfolgen, wie er mit Schwung seinen Zauberstab schwang, der von ihm so hochgelobte Elderstab peitschte unbarmherzig durch die Luft und mein Zauberstab, den ich mittlerweile wohlweislich in Händen gehalten hatte, fiel klappernd zu Boden, aber sonst geschah nichts. Ich war wie erstarrt und haderte mit dem Schicksal, das mich dazu verdammte, wehr- und kampflos zu verharren, denn es würde selbst für mich, für die Linke Hand, keine Gnade geben.

Keine Gnade, von einem gnadenlosen Dark Lord.

Naginis Sphäre sauste auf mich zu und instinktiv hob ich in einer Abwehrreaktion die Hände, während sich diese ungemütliche Blase unnachgiebig um meinen Kopf legte und mir kurz die Luft zum Atmen nahm.

„Waahhh…“, rang sich mir tonlos über meine ausgedörrten Lippen, aber sonst tat ich nichts.

„Solange du lebst, Severus, kann der Elderstab nicht wahrhaft mir gehören!“, klang seine Aussage wie eine morbide Entschuldigung.

Jetzt war der untere Teil meines Körpers abgetrennt. Kopf und Schultern befanden sich in diesem anderen wie schwerelos erscheinenden Kosmos der Sphäre und alles unterhalb meiner Schultern verblieb in der normalen Welt. Das war ein sehr sonderbares, unschönes Ziehen und zu allem Überfluss hob sich die Sphäre noch weiter in die Höhe, sodass mein Körper plötzlich in der Luft schwebte und meine Beine unkontrolliert zappelten und strampelten. Wie ferngesteuert legten sich meine Hände von außen an die harte und eiskalte, blaue Kugel. Dies war ein hilfloser Befreiungsversuch, unterdessen starrte Nagini ohne große Emotion auf ihr Opfer nieder und das Zischen ihrer gespaltenen Zunge so nah an meinen Ohren klang furchteinflößend. Es war der Horror, diesem Vieh starr ins Antlitz zu blicken und zu wissen, was sie mit Burbage angestellt hatte und es war schlimm, dass es nichts gab, mit dem man sich vor ihr und ihrem Anblick hätte schützen können. Noch immer tat ich nichts weiter. Ich war paralysiert und kurz verlor ich die Konzentration und ließ zu, dass meinem Mund ein schier völlig verängstigter Schrei entschlüpfte, der offenbarte, was blanke Angst bedeutete.

Ein Ton, der mir mehr als unangenehmen war, aber Nagini aus nächster Nähe wirkte noch monströser und furchteinflößender als sonst schon. Dann passierte es, der Lord hatte etwas auf Parsel gezischt und sofort riss Nagini ihr Maul weit auf und die spitzen Zähne näherten sich mir unaufhaltsam. Ich gestand es ja ungerne ein, aber das war der Stoff, aus dem Albträume gemacht wurden. Ich war mir sicher, wenn ich diesen Krieg überleben würde, könnte es ab und an passieren, dass ich diese Szene in mein Denkarium ablegen würde, weshalb ich die Augen schloss, um Nagini und damit auch den Lord auszusperren und wollte loslassen und verschwinden. Es war unerträglich, da keine Trauer und keine Reue in dem Tier oder dem Lord waren.

„Aha!“, entkam wieder meinem Mund.

Völlig unfähig, mich gegen diese Attacke zu wehren, schlug Nagini unbarmherzig ihre Zähne in meinen ungeschützten Hals. Sie rammte ihre riesigen Zähne immer weiter vorwärts in die nachgiebige Haut und verbiss sich dort an der Halsschlagader. Ich verlor noch ein wenig weiter die Kontrolle und begann noch unwürdiger, als zuvor schon, zu zappeln, aber man wehrte sich instinktiv gegen einen solch erbarmungslosen und erniedrigenden Angriff, da die Pein einfach zu groß war. Die Schlange war extrem stark und zäh und ich konnte zu meinem Missfallen fühlen, wie schmerzhaft, kalt und tödlich sich ihre harten, giftigen Zähne immer tiefer versenkten.

Als ich schließlich die Augen wieder öffnen wollte, ging es nicht, es blieb dunkel, es blieb schwarz!

Severus Sicht Ende

Hermiones Sicht

Ich verfolgte eine sonderbar anmutende Situation, oder auch eine komisch, da völlig unnötige Diskussion zwischen Severus und dem Lord. In welcher der Lord von falschen Tatsachen ausging und immer noch nicht verstanden hatte, wie der Elderstab, wie Zauberstäbe an sich in ihrer Loyalität funktionierten. Er verstand und ahnte nicht mal, dass bei Albus‘ Tod nicht Severus der Besitzer des Stabes geworden war sondern Draco!

Da er Albus eben davor entwaffnet und Harry schon längst die Treue des Stabes zurückerobert hatte, nachdem er Draco im Malfoy Manor entwaffnet hatte. Ich nahm nicht an, dass der Lord zu dumm für die Materie an sich war, vielleicht zu voreingenommen, da er es so drehen und wenden wollte, wie es ihm genehm war, aber alsbald würde er seine Fehleinschätzung erkennen, aber dann würde es für ihn hoffentlich zu spät und dieser Albtraum zu Ende sein.

Gerade musste ich ein wahres Massaker an Severus mitverfolgen und war erstarrt. Zur Zurückhaltung verbannt, da mich Harry und Ron wie eine Teufelsschlinge festhielten und nicht losließen. Ron umfasste mit festem Griff mein Kinn, während er mir starr, bittend und bettelnd in die Augen blickte, um mich davon abzuhalten, in einen Slide zu verschwinden, um Severus zu retten.

Die Zwei waren schlau, sie wussten es seit Draco, denn dank meiner Anhängsel konnte ich nicht springen, ohne sie zu töten. Auch Harry umklammerte mich wie ein Affe von hinten und ließ nicht los, während er leise stöhnend mit sich selbst kämpfte. Tränen liefen meine Wangen hinab, über Rons vernarbte Hände, aber er schüttelte verzweifelt seinen Kopf, dabei wirkte auch er unnatürlich blass.

Doch ich konnte nur denken: Severus!

Ich musste zu ihm, ich musste ihn retten. Denn er tat selbst nichts! Er tat absolut nichts, um sich zu wehren und das war Irrsinn!

Er unternahm nur lachhafte, nichtmagische Versuche, um sich gegen Nagini zu wehren, doch die Schlange war zu stark und versenkte sich immer tiefer in seinem Hals, während ich den Horror vor meinen Augen gar nicht begreifen konnte. Severus wehrte sich nicht, er war völlig schicksalsergeben und ließ es geschehen. So kannte ich ihn nicht und mich selbst noch weniger. Was passierte hier?

Für mich brach eine Welt zusammen. Der an sich so völlig unantastbare Severus sollte so völlig ohne Gegenwehr sterben? Warum hatte er das zugelassen?

War der Lord jetzt schon über der Grenze? Er hatte Severus angegriffen, er hatte ihn verletzt!

Nagini riss sich los und der Anblick war grauenhaft, als sie ein Stück Fleisch aus Severus mit herausriss und sein Blut an die Wände der blauen Blase spritzte und Severus‘ Körper taumelte und hinab sackte. Schließlich verlor er aufgrund des abrupten Verschwindens der Sphäre seinen Halt und schlug hart auf dem Boden auf, da der Lord die Sphäre mit einem Wink weg schweben ließ. Severus fiel ungebremst auf die verrotteten Holzdielen und presste seine Hand in dem vergeblichen Versuch, die Blutung zu stillen, an den Hals, da sein Lebenssaft wie eine Fontäne überallhin sprudelte, während mich die Jungs weiterhin davon abhielten, sofort zu Severus zu eilen, um ihn zu retten. Mein Blick lag auf einem Fuß in einem schwarzen Stiefel, der am Boden zitterte. Tränen brannten in meinen Augen und ein sehr tiefes Schluchzen wollte mir entkommen, aber doch kam nichts, denn ich würde Severus retten, genauso wie ich es mit Draco getan hatte, oder Fred, alles war besser als Severus zu verlieren!

„Ich bedauere“, meinte der Dark Lord mit gefühlskalter Stimme im Gehen, an unserem Versteck vorbei, und ich schwor mir Rache.

Rache an ihm, ich würde mich rächen für das, was er sich hier gerade herausgenommen hatte!

Er wandte sich nicht noch einmal zu Severus um. Mit einem Wink bewegte er die schwebende Sphäre zu sich und schritt ohne einen Blick zurück zum Ausgang der Hütte. Der Lord verschwand mit Nagini aus meinem Sichtfeld und verließ eiskalt die Heulende Hütte.

War der Lord jetzt völlig verrückt? Ein Mitglied unserer Familie? Er machte vor nichts mehr Halt, aber ihm musste bewusst sein, dass er Lucius‘, Dracos und meine Loyalität mit dem Angriff auf Severus‘ Leben verlor. War ihm das gegenwärtig und völlig gleichgültig?

Er ging einfach so und ließ den sterbenden Severus am Boden zurück. Je früher er ging, desto besser, umso größer war meine Chance, Severus zu retten und nur das zählte gerade, alles andere würde später kommen. Die Jungs neben mir ließen ein wenig von mir ab, sie wirkten absolut sprachlos. Harry hatte sich den Tarnumhang runtergezogen, daher konnte ich sein wachsbleiches Gesicht sehen und wie er sich auf die starkblutenden Knöchel biss. Bei dem schuldbewussten Blick, den er mir schenkte, wurde mir gegenwärtig, dass er alles aus der Sicht des Lords beobachtet hatte und schluckte schwer, als ich aufsprang und den Korb zur Seite stieß, hinein zu Severus, um die Blutung zu stillen, während er mit kreidebleichem Gesicht zu mir hoch starrte und seine blutrot glitschigen Finger versuchten, den blutenden Krater an seinem Hals zuzudrücken.

Er würde verbluten!

Noch lebte er!

Noch musste ich seine Seele nicht halten, noch war alles gut, das rief ich mir immer wieder einem hysterischen Mantra gleich zu. Ich musste stark sein und durfte den Fokus nicht verlieren, wenn es nötig war, schaffte ich alles!

Ich konnte alles, ich schaffte alles, ich… bekam nicht mal seine ganzen Knöpfe auf.

Meine Hände zitterten und das ganze Blut machte alles so glitschig und der metallische Geruch stieg mir viel zu vertraut in die Nase, während ich die Heilungszauber murmelte und immer weniger Blut aus seinem Hals strömte.

„Verdammt!“, murrte ich wütend in meiner Verzweiflung und schluchzte ängstlich auf, während sich Severus‘ tiefschwarze Augen weiteten und er zu sprechen versuchte, ein unmögliches Unterfangen, da nur ein Gurgeln zu vernehmen war.

Ich kämpfte noch immer mit seinen Knöpfen. Es ärgerte mich, dass Severus immer auf so viele Knöpfe bestand, da sein Gehrock, hier die Weste, dort sein Hemd. Ich verfluchte ihn, weil er immer derart viele schichten Kleidung trug. Es war zum Verzweifeln.

„Geh weg“, meinte Ron hart und riss mich von Severus weg, während er versuchte, an ihm rumzubasteln, ihn zu heilen und die Wunde freizulegen, damit sie geschlossen werden konnte, als wieder ein schrecklich rasselndes, gurgelndes Geräusch aus seiner Kehle drang, das mich dazu bringen wollte, mir am liebsten die Ohren zuzuhalten.

„Sie hat einen Schock!“, meinte Harry aus dem Hintergrund.

Ich war versucht, Harry eine zu kleben, aber dann hätte ich Severus nicht mehr geholfen und so zauberte ich zusammen mit Ron weiter an ihm rum. Als Severus unsere Bemühungen anscheinend wahrnahm, blitzte es in seinen so dunklen Augen auf und er suchte hektisch nach meiner Hand, umklammerte meine blutige Hand, als ich zupackte und sich unsere mit seinem Blut getränkten Hände umfassten.

„Schau… mi… mich… a… an!“, hauchte er unfokussiert und mir war es, als würde er gar nichts sehen mit seinen Augen.

Ich begegnete dem Blick aus seinen so schwarzen Augen, doch in den Tiefen des dunklen Augenpaares fand ich nichts. Er wirkte leblos und starr. Wo war Severus?

„Er braucht etwas gegen das Gift!“, kreischte Ron und lenkte meinen Blick zur Wunde. „Die Blutung ist gestillt, aber das Gift… es breitet sich aus, die ganze Seite ist schon schwarz verfärbt. Es breitet sich aus!“, fasste Ron hektisch zusammen und ich stockte und ich blickte panisch auf die an sich geschlossene Wunde an Severus‘ Hals und konnte es nicht fassen. Giftige schwarzgrüne Schlieren zierten seinen Hals und wanderten weiter.

Mit einem Wimpernschlag war ich auf der anderen Seite des Seins. Ich hatte die weißen Augen und ich glitt als SoulGatherer dahin.

Okay, das war sonderbar, während ich hektisch nach Severus suchte, sah ich nichts als ein unschönes Grau. Hier stimmte etwas nicht, der sterbende Severus war nicht zu fassen, es war nicht wie bei Fred oder Albus, dort lag nur ein lebloser Körper, ohne dass dort etwas anderes war. Wie eine leere Hülle.

Kein Geist, keine Seele!

Nichts, egal wohin ich blickte, weswegen ich langsam, aber sicher immer hektischer, verunsicherter und verzweifelter wurde. Ich war allein hier und ich spürte nichts. Ich sah nichts, da war nichts, aber Severus war nicht so abrupt weg wie Daphne!

Sein Körper war da, war vor mir, das war nicht normal, das war anders als sonst, das war komisch. Ich stand kurz vor einem Schreikrampf.

„Wo ist der blöde Stein?“, „In der Tasche, da war mal ein Bezoar drin!“, riefen sich die Jungs zu, auch wenn sie sich ganz weit weg anhörten. „Was ist da alles drin? Fuck!“

Er starb, wie konnte das sein? Er hatte doch ein Gegengift gebraut und es uns allen verabreicht, uns geimpft!

Ich wollte es ihnen sagen, dass wir keinen Stein brauchten, aber ich wollte nicht zurück, nicht jetzt. Ich konnte nicht, ich musste Severus finden, ich musste ihn halten, bis sein Körper heilte und ich ihn wieder dort hineinstecken konnte.

„Hermione!“, kreischten Harry und Ron, während ich wie erstarrt war und nicht fassen konnte, was hier passierte.

Und plötzlich war ich hier wie dort und in der realen Welt starrten Severus und ich einander unverwandt an. Seine Lider flatterten und das Leben in Severus‘ schwarzen Augen erlosch und sein Körper kippte von einer Sekunde zur Nächsten leblos zur Seite. Er war tot!

Weshalb ich sofort wieder völlig hinter dem Schleier war, aber dort noch immer nichts fand. Plötzlich hallte selbst auf der anderen Seite des Seins die Stimme des Lords von den windschiefen Wänden der Hütte wider und das riss mich mit brachialer Gewalt zurück ins Hier und Jetzt und doch wollte ich nur zurück. Ich hatte Fred geholfen, ich würde auch Severus helfen, irgendwie.

Harry, Ron und ich zuckten beim ersten Ton völlig zusammen, da er so nah klang, als wäre der Lord wieder zurückgekommen.

„Ihr habt gekämpft“, sagte der Dark Lord mit jener kalten, hohen Stimme, die offenbarte, dass nichts Menschliches mehr in ihm steckte, „… heldenhaft gekämpft. Lord Voldemort weiß Tapferkeit zu schätzen. Doch ihr habt schwere Verluste erlitten. Wenn ihr mir weiterhin Widerstand leistet, werdet ihr alle sterben, einer nach dem anderen!“, hallte die Drohung in jedem von uns wider und er legte eine Kunstpause ein, in der wir uns gegenseitig ansahen. „Ich will nicht, dass dies geschieht. Jeder Tropfen magischen Blutes, der vergossen wird, ist ein Verlust und eine Verschwendung. Lord Voldemort ist gnädig. Ich befehle meinen Streitkräften, sich sofort zurückzuziehen. Ihr habt eine Stunde. Schafft eure Toten mit Würde fort. Versorgt eure Verletzten.“

Schmerzlich verzogen wir alle die Miene. Der Lord log, ohne dass man es in seiner Stimme auch nur erahnen konnte, denn er kannte keine Gnade, bei niemandem, aber doch konnte ich seinen Worten nicht ganz folgen. Ich war so nervös, weil ich nicht verstehen konnte, wohin Severus verschwunden war.

„Harry Potter!“, dröhnte es besonders eindringlich und besonders unheimlich, sodass sich die feinen Haare auf meiner Haut aufrichteten und ich aufgab und irgendwie resigniert zu Harry starrte und auf dieser Seite blieb. „Ich spreche nun direkt zu dir, Harry Potter. Du hast deine Freunde für dich sterben lassen, anstatt mir selbst entgegenzutreten. Es gibt keine größere Schande. Stell dich deinem Schicksal. Stell dich mir!“, donnerte seine Stimme laut bei seiner Forderung und Harry wirkte fahrig ob des Vorwurfs und ballte die blutigen Hände zu Fäusten.

„Ich werde ab jetzt eine Stunde lang im Verbotenen Wald auf dich warten. Wenn du nach Ablauf dieser Stunde nicht zu mir gekommen bist, dich nicht ergeben hast, dann beginnt die Schlacht von neuem. Nur diesmal werde ich selbst in den Kampf ziehen, Harry Potter, und ich werde dich finden und ich werde jeden Einzelnen, ob Mann, Frau oder Kind, bestrafen, der versucht hat, dich vor mir zu verstecken. Eine Stunde, ab jetzt!“

„Harry“, wimmerte Ron und wischte sich über die verschwitzte Stirn, die danach rot von Severus‘ Blut war, als er seine Stimme wiederfand. „Schlachtpause!? Sein Ernst? Der spinnt total! Er ist schon sehr von sich überzeugt. Er muss keine Toten und Verletzten einsammeln!?“, blaffte er fragend in seiner Empörung und deutete wie zur Untermalung auf Severus.

Und auch ich ballte die Hände zu Fäusten. Ich fühlte gerade nichts mehr, außer einer dumpfen Einsamkeit, die mich zu überwältigen drohte.

„Das war das finale Ultimatum! Das ist sein Ernst und meiner auch, ich gehe!“, sprach Entschlossenheit aus Harrys Stimme.

„Hört auf!“, meinte ich plötzlich hart und ein wenig verzweifelt zu ihnen, während wir vor Severus‘ leblosem Körper standen und ich absolut keinen Dunst hatte, was gerade passierte.

Was sollte ich tun? Die Rituale beginnen und völlig auf die andere Seite gehen, um Severus zu suchen? Oder mit Harry mitgehen? Aber ich konnte Severus doch nicht so liegen und zurücklassen. Wenn, dann musste ich jetzt gehen, aber Harry brauchte mich.

„Was? Willst du ihn nicht retten?!“, fauchte Harry mich haltlos an und ich hielt meinen pochenden Kopf zwischen meinen Händen und konnte es nicht fassen, da ich trotz meiner weißen Augen Severus noch immer nicht finden konnte, daher hob ich meinen Kopf und sah Harry mit tränenden Augen an.

„Nein…“, kam es wieder über meine spröden Lippen und ich konnte nicht glauben, was ich gerade gesagt hatte.

Auch sein Gesicht spiegelte seine Fassungslosigkeit wider, da ich das Falsche sagte. Denn ich wollte nichts anderes tun, als hierbleiben und retten, nur aus irgendeinem mir unerfindlichen Grund klappte es nicht und in mir arbeitete es, was ich tun könnte, um Zeit zu schinden, um doch noch alles unter einen Hut zu bekommen und sah wieder zu Severus.

„Wir müssen uns trennen!“, meinte Harry entschlossen und ich fuhr zu ihm herum.

Das kam nicht in Frage, auf gar keinen Fall. Ich musste bei ihm sein, davon hing so viel ab, dafür hatten so viele ihr Leben gegeben, oder noch viel mehr, das konnte nicht umsonst sein. Als ich wieder zu Severus sah, liefen mir stumme Tränen meine Wangen hinab, ich hatte so viel von mir schon geopfert, und das sollte umsonst sein?

Alles umsonst?







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