When Hermione Fights
Würden Sie gerne auf diese Nachricht reagieren? Erstellen Sie einen Account in wenigen Klicks oder loggen Sie sich ein, um fortzufahren.


Inhaltsangabe
 
StartseiteStartseite  SuchenSuchen  AnmeldenAnmelden  LoginLogin  

 

 Kapitel 663-664

Nach unten 
AutorNachricht
queenie
Königin
Königin
queenie


Anzahl der Beiträge : 1586
Anmeldedatum : 08.02.12
Alter : 41
Ort : München

Kapitel 663-664 Empty
BeitragThema: Kapitel 663-664   Kapitel 663-664 EmptyMi Sep 11, 2019 3:36 am

663. Kapitel I open at the close

„Spinnst du, Harry?!“, fauchte ihn Ron sichtbar durch mit den Nerven an.

„Nein! Du verstehst nicht, Ron. Einer muss ins Schloss und Draco, der BL, der DA und den VenTes sagen, was Sache ist. Wenn ich mich stelle, dann… habt ihr eine Chance, das zu beenden. Die Schlange muss euer Ziel sein! Und Hermione muss hier bei ihm bleiben…“, sprach wieder dieses Heroische und Selbstlose aus Harry und sofort schoss mir Severus‘ Sarkasmus in den Sinn, wie sehr er es verachten würde, solche Worte zu hören.

„Du willst, dass ich zurückgehe und mich verstecke wie ein Angsthase?“, kam es reichlich wütend und aufgebracht von Ron, während mir die Kraft fehlte, etwas zur Schlichtung beizutragen.

„Nein!“, brauste Harry sichtbar erregt auf. „Ich will, dass du alles dafür tust, dass nichts von dem, was wir seit Jahren tun, umsonst war. Nur wenn Nagini stirbt, kann der Lord besiegt werden!“

„Ich soll mich um Nagini kümmern? Allein?“, krächzte Ron wenig heldenhaft, nachdem er gesehen hatte, was sie mit Severus getan und wie sie damals Arthur, seinen Vater, zerlegt hatte, also alles in allem kein Wunder, dass sich seine Begeisterung in Grenzen hielt. Was würde Ron sagen, wenn er dabei gewesen wäre, als Nagini damals Burbage vor uns allen verspeist hatte?

„Ron…“, fuhr ich zu dem verzweifelt aussehenden jungen Mann, der schon so viel erlebt hatte, herum. Ich griff an meinen Oberschenkel und zog meinen letzten verbliebenen Dolch: „Hier… nimm den!“

„Was soll ich damit? Das ist deine Waffe, du brauchst sie mehr als ich…“, wehrte Ron meine Gabe mit blutigen Händen ab und ich musste mich arg zusammenreißen, um nicht zu schreien. Seitdem ich Severus nicht hatte helfen können, fühlte ich mich völlig nutz- und wertlos.

„Das stimmt nicht!“, kam es gewichtig von Harry und ich traute mich gar nicht zu fragen, woher er sein Wissen haben könnte.

„Hä?“, kam es wenig wortgewandt von Ron, bevor er mit einem Satz bei mir war und meine Hand hochriss, um die stahlharte Klinge im schwachen Lichtschein genauer zu betrachten. „Deshalb hast du den Basilisken so zerlegt? Oder?“, wisperte er hörbar beeindruckt und ich zog die Schultern hoch.

„Die Idee kommt dir erst jetzt?“, fragte ich zögerlich und irritiert, dass er es nicht als selbstverständlich ansah. Schlussendlich hatte ich Harry schon im Raum der Wünsche meinen anderen Dolch zugeschmissen, sodass er das Diadem damit auffangen und letztlich hätte zerstören können, hätte das Dämonenfeuer nicht sein Werk so erfolgreich verrichtet.

„Bin ich… du?“, schleuderte mir Ron irgendwie ein wenig vorwurfsvoll zu und nahm den Dolch, vorsichtig wie zuvor der Lord den Elderstab, entgegen und hielt ihn ehrfurchtsvoll in seiner Hand.

„Irgendwie wirkst du nun nicht mehr so verzweifelt“, kicherte Harry wenig nett darüber, dass Ron erleichtert wirkte, auf jeden Fall ein Werkzeug in der Hand zu haben, das ihm bei seiner letzten Aufgabe zu Hilfe kommen könnte.

„Naja, Nagini mit dem Feuer zu killen kam mir etwas wahnwitzig vor und die Zähne sind auch nicht so toll zu halten, anders als der Becher bewegt sich die Schlange, aber das ist eine echte Option, gebt mir die Tasche, ich will die Zähne für die anderen!“, meinte er entschlossen und gesagt, getan, wobei ich selbst wohlweislich einen Zahn behielt und in meiner Brusttasche der Jeansjacke versenkte.

„Na… wenigstens ist es keine Spinne…“, hob Ron dann schicksalsergeben die breiten Schultern. Er erkannte, dass er wichtig war, dort im Schloss, und akzeptierte Harrys Weg und er schob ein „Danke!“ in meine Richtung hinterher.

„Woho!“, sprang Harry plötzlich zur Seite. „Fuck, was zur Hölle?“, meinte Ron erschrocken und ich riss meinen Zauberstab herum, bereit zum Angriff, denn ganz abrupt erhob sich Severus‘ Körper und begann, zu schweben, eingehüllt in ein güldenes Licht, das ihn vollständig umgab. „Was?“, „Wow.“, „Verflucht unheimlich!“, ging es bei uns hoch her, als ich mit einem ungewöhnlichen Besucher konfrontiert wurde, der mit gezücktem Zauberstab die windschiefe Hütte betrat.

„Hey, was machen Sie hier?“, fragte Harry atemlos, während mir die Worte im Hals stecken blieben, da der leuchtende Zauberstab bezeugte, dass er Severus in dieser güldenen Hülle hielt.

„Stasis!“, erwiderte Gellert salopp und schenkte uns dieses typisch zahnlückige Grinsen. „Und was ich hier will? Was wohl, mein Junge? Ich will helfen…“, erklärte Gellert gutmütig, als wäre er wahrhaftig selbstlos und immer hilfsbereit und kein gefährlicher Dark Lord, aber es war mir egal, denn etwas anderes beschäftigte mich; ich ärgerte mich über meine eigene Blödheit.

„Genial!“, sprudelte es aus mir heraus. Gleichzeitig trat ich mir in den Hintern, dass ich meine wirren Gefühle nicht unter Kontrolle gehabt und aufgehört hatte, logisch zu denken. Das ärgerte mich am meisten. Ich war so dumm. Aber das war die Lösung, Severus‘ Körper zu stabilisieren und zu sichern und danach in Ruhe auf der anderen Seite nach ihm zu suchen, wenn ich Zeit und meine anderen Aufgaben erledigt hatte.

„Hermione, ich liebe dich und dich auch, Ron… alles wird gut, passt auf alle auf!“, sprudelte es plötzlich aus Harry, der nah an mich herangetreten war und doch reagierte ich nicht sofort, denn ich verkannte seine Eile. „Ich geh jetzt zu ihm… ich muss!“, meinte Harry mit bewegter Stimme und drehte abrupt ab, während ich immer noch wie paralysiert auf Severus starrte.

Irgendwie bekam ich mit, wie Gellert sich die Wunde von Severus genau besah, als Ron mich an den Schultern packte und rüttelte und schon knallte es und es riss mich von den Füßen. Kurz dachte ich, Sterne zu sehen. Es klingelte in meinen Ohren und ich hielt mir meine brennende Wange und blinzelte nun hoch zu Ron, der mir mit grimmiger Miene entgegensah und vor mir aufragte.

„Autsch“, entwich es mir schmerzhaft. „Was? Warum?“, fragte ich perplex darüber, wofür ich mir eine Ohrfeige eingehandelt hatte.

„Was stehst du da rum? Husch, husch, hinterher!“, wedelte Gellert mit seinen faltigen Händen, da Ron nichts sagte, aber es wirkte nicht so, als würde ich einem der beiden groß leidtun.

„Kann ich Severus einfach so zurücklassen?“, gab ich ein wenig störrisch von mir.

„Natürlich, mein Sonnenschein, du kannst nicht nur, du musst sogar. Ich kümmere mich um ihn!“, kam es reichlich behütend von Gellert, was mich ein wenig misstrauisch machte.

„Aber… aber… Sie können nicht das, was ich kann…“, hielt ich nicht weniger von meiner Macht überzeugt dagegen.

„Was du kannst? Vielleicht nicht“, gab er gerade ein wenig verschnupft zurück. „Aber gerade deshalb ist es deine Aufgabe, deinem Freund in den Wald zu folgen und das zu Ende zu führen, was du begonnen hast… denkst du nicht?“, fragte er aufreizend mit einem stahlharten Blick, der sein großväterliches Auftreten Lügen strafte.

„Aber… Severus…“, stotterte ich verzweifelt und ein wenig hilflos.

Denn wenn ich ginge, würde ich ihn aufgeben und ich verfluchte mich und mein Hadern selbst, aber was wäre, wenn ich ihn für immer verlieren würde? Plötzlich war die zu allem entschlossene Frau weg und zurück blieb ein zutiefst verängstigtes Mädchen, das hoffte, dass doch noch alles gut werden würde. Aber ich war zu nichts fähig und das nur, weil ich hier vor Severus‘ leblosem Körper stand und damit absolut nicht klarkam. Aber genau ergründen, was mich bewegte, meine Gefühle genau hinterfragen, das konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht, denn dann würde ich wohl zusammenbrechen und absolut niemandem mehr helfen können. Zumal mir auch die Zeit dafür fehlte, irgendetwas zu tun.

„Dein Severus ist ein Magier, wie er selten vorkommt, vertrau auf ihn und mich“, forderte Gellert mit einem völlig unangemessenen Grinsen, als er seinen von Gicht verkrümmten Zeigefinger reckte und in Richtung Wald zeigte. „Und jetzt geht!“ Als mir wieder die Tränen in die Augen stiegen, wollte ich keinen Blick mehr auf das goldene Licht werfen, das von Severus‘ lebloser Gestalt ausging. Ich hatte versagt, schon wieder. In mir wogte die Frage, wie ich das Lucius erklären sollte? Meine Unfähigkeit, mein Versagen?

„Ich… ich folge Harry…“, presste ich meine Hand an mein schmerzhaft pochendes Herz und wagte keinen Blick zurück zu dem jämmerlichen Anblick, den Severus bot.

„Sonnenschein, ich kümmere mich um ihn und jetzt geh!“

Hermiones Sicht Ende

Lucius Sicht

Sie verließ die Heulende Hütte.

Ich verfolgte, wie sie dieses baufällige Gebäude in großer Hast hinter sich ließ, dabei wirkte sie ein wenig verloren und lief in einem selten verwirrten, um nicht zu sagen orientierungslosen Zustand in den Wald. Es war kurz nachdem Potter aus dem Haus heraus getaumelt und dem unüberhörbaren Ruf des Lords brav hinein in den Wald gefolgt war, um sich seinem Schicksal und dem Ultimatum zu stellen. Ich hatte mich noch gewundert, dass er allein war, aber nicht für lange, denn da war sie ganz dicht an uns vorbeigegangen und ich war versucht gewesen, meine Hand zu heben, um sie aufzuhalten. Ich sah die Tränenspuren auf ihrem verdreckten und blutbeschmierten Gesicht und fragte mich mit klopfendem Herzen, ob ich richtig handelte.

Jedoch hielt mich mein Instinkt davon ab, sie zurückzurufen und aufzuhalten. Daher ließ ich sie sehr schweren Herzens entschwinden. So sah es der Plan vor. Sie und Potter gingen ihren Weg und wir den unseren. Resolut wandte ich mich selbst der Heulenden Hütte zu und ging mit festen Schritten darauf zu, dabei vernahm ich im Inneren sehr aufgeregte, laute Stimmen, die sich gegenseitig hitzig ankeiften und mir trotz der unschönen Umstände ein süffisantes Lächeln bescherten.

„Verschwinde!“, brüllte eine Stimme, die ich sofort erkannte, mit einer gewissen Autorität. „Auf der Stelle!“

„Nein!“, hielt die andere Stimme stur dagegen. „Sie alter, mieser Greis! Ich gehe nicht… weil Sie es sagen…“, fauchte der Freund von Potter ohne Scheu und damit zeigte er, wie Gryffindor auch er war. „Ich muss sehen, dass Sie ihm wirklich helfen, bevor ich mich um meinen Auftrag kümmere!“, verkündete Potters bessere Hälfte gewissenhaft und ich hob eine so helle Braue.

Eindeutig sehr couragiert, wenn man bedachte, wem er gerade derart bockig die Stirn bot und für wen er derart fabulös einstand.

„Aha, und was denkst du, soll ich bei ihm tun?“, fragte die gelangweilte Stimme von Grindelwald absolut unaufgeregt, aber auch mit einem gewissen herablassenden Spott gesegnet.

„Ihm helfen, ihn retten, sie erwartet das!“, fuhr ihn Weasley haltlos an.

„Ihm ist nicht mehr zu helfen!“, erklärte Grindelwald absolut überzeugt und ich seufzte aufgrund dieser endgültig klingenden Aussage leise auf und blickte mit hoffnungsvoller Wehmut neben mich.

„BITTE, was?“, entfuhr es Weasley schrill. „Sie wollen mir sagen, dass Severus Snape tot ist?“, hampelte Weasley aufgeregt herum und dabei bemerkten sie mein Eintreten bisher gar nicht. „Einfach so? Dieser Mann, diese Plage… das wäre ein Witz, das kann nicht sein. Niemals geht der einfach so ohne Gegenwehr drauf. Das DARF nicht sein, nicht für sie, nicht für Hermione! Das geht nicht! Sie braucht ihn!“, gab der rothaarige junge Mann nicht auf in seinen Bestrebungen und insistierte mit Elan.

Immer noch verwunderte mich sein Engagement Severus gegenüber und wie sehr er sich für Hermione einsetzte. Anscheinend hatte sie in diesem Weasley wahrlich einen aufrichtigen, treuen und loyalen Freund gefunden.

Ein gar seltenes und deshalb umso wertvolleres Gut!

„Der hier ist gewiss ganz einfach und für jeden verständlich formuliert tot! So was von hinüber!“, brüllte Grindelwald jetzt mit kraftvoller Stimme zurück, mit einem Volumen, welches man diesem schmächtigen alten Männlein gar nicht zutrauen wollte.

„Das war es jetzt? Kein Hokuspokus, keine Magie und all das Unheimliche kann helfen? Sie haben sie hintergangen? Weggeschickt und machen jetzt… nichts?“, lauschte ich ohne Spur eines schlechten Gewissens den Vorwürfen und der gelebten Empörung, hintergangen worden zu sein.

„Junge, willst du, dass Harry Potter auch noch stirbt? Ohne Sinn und Verstand? Sie musste ihm hinterher und ihm helfen und nicht dort verharren, wo man nichts mehr tun kann!“, legte sich eine ungemütliche Stille über die heruntergekommene Hütte, bei den schonungslos ausgesprochenen, unschönen Tatsachen.

So wählte ich diesen exquisiten Moment, sie über mein eminent wichtiges Erscheinen in Kenntnis zu setzen und legte damit eher einen dramatischen Auftritt hin. „Weasley, sie tun jetzt schleunigst Ihren Part für Ihren Freund, Harry Potter, und wir den unseren!“, meinte ich hart, aber absolut ehrlich und aufrichtig.

Das hier war noch lange nicht vorbei, für keinen von uns. Jeder von uns musste seinen Part bis zum bitteren Ende weiterspielen, koste es, was es wolle.

„Malfoy!“, wirbelte Weasley sichtbar erschrocken herum und erhob vorsichtshalber seinen Stab.

Schlussendlich wusste man bei mir nie, was da kommen könnte und das konnte ich respektieren, aber eine Drohung einfach so zu akzeptieren, das ging nicht.

„Dummer Weasley, nimm das Ding runter!“, fauchte ich ihn daher herablassend an, letztlich hatte auch ich einen Ruf zu verlieren.

Gleichzeitig führte ich meinen Gehstock so geschickt, dass ich dem Jungen seinen Zauberstab gänzlich ohne Magie aus der Hand schlug. Es war besser, er lernte die Lektion, dass man mich nie bedrohte, schnell. Der Junge sprang zurück und zu meiner Verwunderung hielt er noch immer einen Dolch, wie eine kostbare Reliquie, in seinen Händen, den er aber nicht zum Angriff einsetzen wollte. Es wirkte eher so, als wollte er ihn schützen und als wäre ihm dieser Gegenstand wichtiger als sein Zauberstab. Sonderbar, sehr sonderbar, woraufhin ich ihm ostentativ den Rücken zuwandte und mit kalten Augen auf den vor mir in einem güldenen Licht schwebenden und wie von Gellert schon bestätigt verschiedenen Severus blickte.

„Überrascht?“, gackerte Grindelwald irgendwie spöttisch los.

Er wirkte ein wenig aufgekratzt und vielleicht sogar ein ganz klein wenig irr in seinem Gebaren. Ihm schien der Kampf um Hogwarts zu gefallen, so wie er gerade in die Hände klatschte, während meine Musterung kalkulierend zu ihm huschte.

„Marginal!“, erwiderte ich honorig.

„Ihr habt damit gerechnet, dass das passieren könnte!“, griff Weasley wieder ein und trat anklagend in mein Blickfeld.

Ja, er hatte nun verstanden, dass Severus und ich sehr wohl mit einem Angriff des Lords auf uns selbst kalkuliert hatten und wenig überrascht aufgrund des relativ endgültigen Ergebnisses waren.

„Korrekt!“

„Was?“, fuhr mich der Junge wahrlich wacker an. „Sind sie alle irre? Sie wussten es und sind das Risiko absichtlich eingegangen… und jetzt ist er tot und Hermione ist verzweifelt und…“, intervenierte der junge Mann immer hitziger und wirkte alles in allem ziemlich mitgenommen, was erstaunlich war, wie ich nochmals betonen wollte, denn man durfte nicht vergessen, wen er hier gerade betrauerte.

„Wie erbaulich, von Ihnen zu erfahren, wie wichtig wir für Sie… für das allgemeine Wohlbefinden sind…“, kam es daraufhin süffisant, um nicht zu sagen spöttelnd von mir und mit einem Wisch meines Stabes flog etwas Großes von draußen zu uns herein und ließ diese wenig einladende Umgebung auf die minimalste Größe schrumpfen.

„Wahh…“, fuhr Weasley herum und sprang dem Geschoss gerade noch so aus dem Weg, doch sein Ausdruck wurde erinnerungswürdig, als er registrierte, was da vor ihm hielt. Geschockt fasste er sich an sein Herz und blinzelte hektisch mit den Lidern, da ihn das goldene Licht der beiden blendete. „Wah… noch ein toter Snape?“, sprudelte es entsetzt aus ihm heraus. „Zwei identische Leichen, das ist für mich eine zu viel. Das ist voll gruselig!“, beschwerte sich der junge Mann aufgeregt, dabei stand ihm seine unschuldige Jugend ins dreckige Antlitz geschrieben.

Ich verzog distinguiert meine Mundwinkel, als diese baufällige und heruntergekommene Hütte in einem mystischen goldenen Glanz regelrecht erstrahlte und eine gewisse Melodramatik nicht von der Hand zu weisen war.

„Hallihallo, noch eine Stasis…“, grüßte Gellert im Gegensatz zu Weasley gar nicht mal so überrascht.

Er zeigte, dass er wahrlich ein Dark Lord war, denn er durchschaute unsere Winkelzüge noch schneller als der aktuelle Lord. Er grinste mich mit diesem zahnlückigen Grinsen verschwörerisch an. Eine Miene, die durchaus als unheimlich bezeichnet werden konnte, aber mir nicht eine Regung entlockte, während er abwägend zu seinem in Stasis gehaltenen Toten schielte.

„Verändert er sich schon, verliert der Trank schon seine Wirkung? Aber sagen Sie, wen haben Sie erwählt?“, offenbarte der Alte sein fulminantes Wissen darüber, wie ein Vielsaftrank selbst bei einem Toten wirkte und dass sich der Trank im Blutkreislauf des toten Körpers langsam, aber sicher seine Wirkung verlor und irgendwann gänzlich nachlassen würde und unsere Scharade damit irgendwann so oder so auffliegen würde.

„Die Auswahl war verschwindend gering!“, verkündete ich gewichtig und überging die Frage mit gewohnter Noblesse. „Von daher nimmt man, was man kriegen kann!“

Jedoch entging mir der empörte Seitenblick nicht, den mir Weasley zuwarf. Der Unglauben über den Winkelzug, dem Lord einfach einen falschen Severus vor die nicht-vorhandene Nase zu setzen, war schlicht und ergreifend gewagt und dreist. Aber auch genial. Aber auch derart waghalsig, dass niemand anderes einen derartigen Fauxpas dem Lord gegenüber wagen würde, außer uns, seinen Händen.

Tja, und wenn alles nach Plan verlaufen wäre, wäre es epochal gewesen, aber irgendwie lief nie etwas nach Plan, das hatten Pläne leider so an sich, sie gingen meistens schief und bedurften der Improvisation.

„Vielsaftrank? Dann ist das da gar nicht Snape? Sie… Sie haben die Körper getauscht mit Vielsafttrank?“, entrang sich Potters bestem Freund ein wenig hoch in seiner Empörung, sodass er kurz an einen Kastraten erinnerte, aber wenigstens war der Junge, vielleicht aufgrund von Severus‘ unerwartet einfühlsamer Lehrerschaft, schnell bei der Sache und verfolgte nun wissend unseren Schachzug, was aber keine Überraschung nach all diesen Offenbarungen sein sollte.

„Weasley, immer wieder ein Genuss, Ihre an Genialität grenzende schnelle Auffassungsgabe hautnah zu erleben. Severus war gerne bereit, öfters davon zu berichten, aber dass Sie der Bruder dieser teuflischen Zwillingsbrut sind…“, lag gelebter abwertender Zweifel in meiner aristokratischen Stimme, indes traf mich ein mörderischer Seitenblick. „Sicher, dass es die völlig gleichen und identischen Eltern waren, die sie ihr aller Eigen nennen?!“

„Daher auch die fehlende Immunität gegen das Gift!“, sprach Weasley mehr zu sich selbst als zu mir und schüttelte ratlos seinen Kopf. „Mann, Mann, Mann… Ihr Freund stirbt, oder ist schon tot, oder wer auch immer da rumschwebt und Sie sind schon wieder richtig zynisch drauf… warum hat Hermione den Geist von dem Sterbenden auf der anderen Seite nicht gefunden? Und warum ist der echte Snape auch nicht bei Bewusstsein? Sie haben ja anscheinend auch ein Problem!“, schoss Weasley eine berechtigte und scharfsinnige Frage nach der anderen ab.

Ich seufzte theatralisch auf und unterstrich meine eigene Verwirrung mit einer wegwerfenden Geste meiner Hände und zog die in schwarzes Leder verpackten Schultern hoch.

„Tja, gute Frage!“, murmelte Grindelwald überlegend und rieb sich sein kahles Kinn. „Berichten Sie, wie das alles abgelaufen ist, Malfoy!“, schoss er mehr, oder weniger einen Befehl ab und sofort hob sich meine helle Braue, da er mir gar nichts aufzutragen hatte.

Aber dann rief ich mich selbst zur Ordnung und holte tief Luft, um dann die Fakten herunterzubeten.

„Severus hat alles miterlebt und gesehen“, wurde ich deutlich, während ich mich an die Szenerie erinnerte, als Severus all seine Konzentration hatte aufbringen müssen, um den Imperius zu halten und dafür zu sorgen, dass sein unechter Severus genau das tat und sagte und sich a la Severus gewöhnlich verhielt, während er vor dem von Natur aus misstrauisch Lord zum Rapport gestanden hatte und das war kein leichtes Unterfangen gewesen, weswegen ich ihn in all der Zeit vor der Schlacht geschützt hatte. „Tja, er hat… unseren Ersatz da… geleitet. Sein Double stand unter seinem Imperius, nur dass Severus einen Schritt weiter gegangen ist. Er hat die Kontrolle vollständig übernommen… indem er Okklumentik eingesetzt hat, um die Legilimentik des Lords abzuwehren.“ Ich wurde unterbrochen.

„Beeindruckend, Ihr düsterer Freund ist ein wahrhaft starker Magier, wenn er den Imperius und gleichzeitig die Okklumentikbetreibt und das ohne Augenkontakt. Ich bin begeistert, hat er tatsächlich den Geist der mit Vielsafttrank veränderten Person, über die Entfernung hinweg vor den Angriffen der Legilimentik des Dark Lords geschützt? Das eröffnet so viele Möglichkeiten…“, geriet Grindelwald aufgrund von Severus‘ magischen Künste mit Euphorie ins Schwärmen, indem er an sich wiederholte, was ich zu erklären versucht hatte und Weasley warf mir einen zweifelnden Seitenblick zu und verdrehte, ob dieser unpassenden Verzückung, abfällig die Augen.

„Tja, Severus hat so einige durchaus auch verborgene Talente!“, unterdrückte ich ein zweideutiges Schmunzeln. „Okklumentik ist die Verteidigung des Geistes und Legilimentik der Angriff auf einen fremden Geist und beides beherrscht er wie kein Zweiter“, kam ich wieder auf etwas Wesentliches zu sprechen, war aber auch nicht bereit, weiter darauf einzugehen, da ich selbst nicht genau wusste, was Severus alles in seiner ihm eigenen magischen Genialität verbrochen hatte, um all dies zu bewerkstelligen.

„Haha, das glaube ich unbesehen!“, klatschte der Alte begeistert in die Hände und das berechnende Blitzen seiner bestechend wachen Augen offenbarte seinen eigenen Elan, Neues zu erforschen.

„Naja, Severus mag beeindrucken“, fasste ich widerwillig nach, „aber trotzdem ist etwas schiefgelaufen, denn während er im Geist seines Doubles war und dieser vor unserem Lord stand, kam es zur entscheidenden Attacke…“, gab ich missmutig kund und deutete mit meinem Gehstock auf das Desaster. „Tja, und auf einmal ist Severus umgefallen und ich stand da und dachte, dass er es nicht mehr rechtzeitig geschafft hat, die Verbindung zu trennen und jetzt hoffe ich, Sie können uns helfen, seinen Geist wieder in den richtigen Körper zu stecken… denn Severus‘ Körper ist vollkommen intakt und hat gar nichts…“, fasste ich recht nüchtern zusammen und fühlte mich in meiner eigenen Hilflosigkeit trotzdem relativ unwohl, da ich diesen unangenehmen Zustand als wenig erstrebenswert ansah.

„Aha, interessant, sehr komplex, ja… ja… ja…“, sprach Grindelwald vor sich hin und erinnerte mich mit einem Mal erschreckend an die alte Nervensäge Dumbledore.

So wie er gerade zwischen den beiden schwebenden, in leuchtend goldener Stasis gehaltenen Körpern hin und her wanderte und überlegte, wirkte er so belesen und abseits dieser Welt wie eben jener. Plötzlich blieb er jedoch stehen und wirbelte mit unerwarteter Leichtigkeit zu mir herum, dabei hob sich sein braunes Mönchsgewand und wirbelte um seine schmalen Beine.

„Natürlich, daran könnte es liegen. Es wäre eine Möglichkeit…“, plapperte der Alte mit wieder einmal unpassender Begeisterung vor sich hin und ich verstand nur Bahnhof und es passierte wie von selbst, dass sich Weasley und ich einen beinah identischen Gesichtsausdruck schenkten, der eine gewisse Ungeduld implizierte und es war erschreckend, aber wir verstanden uns gerade auch ohne Worte, als Grindelwald weiter fortfuhr: „Ja, ja… so läuft das wohl ab, sein Geist ist mit dem Verstorbenen noch immer verbunden! Er hat es ganz eindeutig nicht geschafft, die Verbindung rechtzeitig zu kappen, oder vielleicht ist da noch etwas passiert, das wir erstmal nicht überblicken können, wie spannend!“

Er freute sich für meinen fabulösen Geschmack über dieses tragische Unglück zu sehr, aber wenigstens schien ihn unser missliches Malheur genügend zu fesseln, was wohl dazu führte, dass er mit Tatendrang an die Sache ging. „Das ist eine Herausforderung und natürlich… natürlich!“, rieb sich der alte Totenkopf begeistert die Hände.

„Ronald, geh mir zur Hand“, befahl er gewichtig und wieder lüpfte ich eine Braue.

Der junge Mann schien diese Anrede, seinen in voller Gänze ausgesprochenen Vornamen, von Herzen zu verabscheuen, so wie seine sich verdüsternde Miene verkündete. Aber er schien ebenfalls die Weisheit zu besitzen, nicht dagegen zu intervenieren, oder zu insistieren, da er wusste, dass Grindelwald ihn dann noch viel öfters verwenden würde, einfach nur, weil er es konnte.

„Leg die beiden genau nebeneinander!“, befahl er eilfertig und huschte in der maroden Hütte umher wie ein tollwütiger Derwisch.

Gesagt, getan. Der Junge arbeitete schnell und routiniert und ich war mir ziemlich sicher, dass Severus hier tatsächlich nicht unschuldig war. Er hatte selbst als widerwilliger Lehrer den Kindern viel mehr beibringen können als von ihm angestrebt, aber er war schon immer in allem was er tat schlicht und ergreifend gut gewesen.

Indes begann Grindelwald, ein Pentagramm in die Holzdielen der alten Hütte zu brennen, das die zwei schwebenden, güldenen Körper mit einschloss.

„Sie denken, man muss auf diese andere Seite gehen?“, fragte ich vorsichtig, wobei eine unüberhörbare Spannung in meiner Stimme mitschwang.

Deshalb zupfte ich übertrieben an meinem hautengen Lederhandschuh rum. Denn eins wurde mir mit einer Prise makabrem Humor gegenwärtig, ab jetzt würde es in der Heulenden Hütte wirklich spuken aufgrund all der kommenden Magie. Ich nahm an, dass es nicht die alltägliche, die normale Magie sein würde, die hier gleich praktiziert werden würde, sondern die Form, die immer an einem kleben blieb wie klebrigster, schwarzer Teer.

„Korrekt, mir wird nichts anderes übrigbleiben. Ich muss versuchen, irgendwie durch die Schleier zu kommen. Das wird nicht im Ansatz leicht werden. Ich bin ein Nekromant, das ist gegeben, aber natürlich bin ich nicht im Ansatz das… was der Sonnenschein ist, zu meinem Leidwesen, und das macht es bedeutend schwerer, aber auch mir steht die andere Seite ein wenig offen… und das werden wir nutzen!“, schwang Euphorie in jedem Wort mit und ich versuchte, betont beiläufig zu wirken, denn das hier wäre eine mehr als willkommene Möglichkeit, mit Lugh in Kontakt zu treten, da ich durchaus das kleine, aber feine Aber am Satzende von Grindelwald heraushörte.

„Aha, ich vernehme eine kleine Unsicherheit. Bedeutet dies, Sie benötigen Hilfe von diesem Wächter… diesem… ah, wie hieß er noch… der den Übergang bewacht?“, überspielte ich mein Wissen und die Wichtigkeit dieses Typen mit gelebter Noblesse. Ich wollte nicht zu involviert erscheinen.

„Lugh, Sie kennen ihn?“, zeigte die verdutzte Miene des ehemaligen Dark Lords, dass er nicht damit gerechnet hatte, dass ich auf dem Gebiet firm sein könnte und ich wollte zu mir ehrlich sein, es tat unerwartet gut, überraschen zu können.

„Lugh, so der werte Name… und nicht wirklich, aber ich war so frei und habe mich mit der Materie beschäftigt, seitdem sie für mich relevant wurde!“, umschrieb ich galant und honorig Hermiones Dasein, woraufhin der Alte spöttisch gackerte.

„Müssen sie beide so geschwollen daherreden?“, keifte Weasley uns plötzlich ziemlich frech an. „Was passiert jetzt?“, vernahm man die Ungeduld der Jugend und ich betete um etwas so einfaches wie Nachsicht.

„Weasley…“, holte ich tief Luft, um Geduld bemüht. „Wir öffnen hier die Tür zu einem anderen Ort, einer anderen Dimension, wenn Sie so wollen, einem Ort hinter den Schleiern und es wird gefährlich, aber wenn wir Severus‘ Seele wieder in seinen Körper bekommen wollen, wird uns wohl nichts anderes übrig bleiben… und deshalb sollten Sie zusehen, zu verschwinden.“

„Moment!“, erhob er anklagend einen bescheuerten Zeigefinger und wie sollte ich dem Jungen klarmachen, dass jeder, der es sonst wagte, einen Finger auf mich zu richten, gewöhnlich mit einem Glied weniger von dannen zog. „Sind sie sicher… also, das sollten sie nicht ohne Hermione tun!“, meinte Weasley sofort abwehrend und wirkte ein wenig blass, als er augenscheinlich aufrichtige Besorgnis um uns zeigte.

Was hatte der Junge mit Hermione erlebt, dass er bei dieser Aussicht so reagierte?

„Tja, sehen Sie sie hier?“, erwiderte ich daher zynisch, aber ließ ihm seinen Finger, denn die Zeit drängte.

„Doch nur, weil sie weggeschickt wurde und Gellert, ich, sie, wir… wir waren damals in Irland dabei, als… als Hermione da drüben war!“, erregte sich der junge Mann zusehends, „und sie wissen, dass sie es fast nicht mehr zu uns geschafft hat und was war dann? Wir brauchten Sie und Snape, um Hermione überhaupt wieder über den Berg zu bekommen… und keiner ist hier, der sie vor der Schlacht schützt!“

„Und was willst du uns damit sagen?“, fragte ich betont nachsichtig, während Grindelwald sich in seinen Vorbereitungen nicht stören ließ.

„Ich… ich bin echt dagegen, dass sie das machen, das ist gefährlich!“, offenbarte Weasley mal wieder, dass er sogar über seine Antipathien hinweg sah, wenn es um Personen ging, die, auch gegen seinen Willen, mit jemandem verbandelt waren, die ihm wiederum etwas bedeuteten. An sich war es zu putzig und doch war ich innerlich zerrissen, mit der gewohnten Spitze zu antworten, aber er verdiente wohl eine echte Antwort.

„Manches ist manchmal wichtiger als man selbst und erfordert das Wagnis, sich selbst zu opfern für den anderen!“, wandte ich überlegend ein und kam gerade noch so Grindelwald in einer Antwort zuvor und erntete durchaus eine besondere Miene des Erstaunens von beiden.

„Und das von Ihnen?“, hauchte Weasley erstaunt und wenigstens war er nicht der Einzige, da mich meine eigenen Worte am meisten überraschten.

„Tja, mein Guter, da staunen Sie, nicht wahr und jetzt sehen Sie zu, dass Sie Ihren Part in diesem Spiel spielen!“, übernahm Grindelwald, an dessen belustigt blitzenden Augen ich ablesen konnte, dass er sehr genau wusste, was gerade in mir vorging.

„Und was ist mit ihr… sie weiß nichts…“, beschwerte sich der junge Mann nochmals.

„Und das ist auch besser so, sollten wir nicht erfolgreich sein, ändert sich nichts, warum etwas sagen, was nicht sicher ist?“

„Ich… ich weiß nicht“, zog der verunsicherte Mann die Schultern hoch und wirkte unentschlossen. Da ihm sehr wohl gegenwärtig war, dass es nicht nur um Severus ging, sondern auch unsere Rückkehr alles andere als gesetzt war.

„Jetzt gehen Sie und töten Nagini!“, meinte ich leichthin zu ihm hin und deutete mit meinem Gehstock auf den Ausgang, woraufhin Weasley widerwillig, aber schließlich doch abdrehte und ging.

Ich wollte keine Zeugen und ich war mir unsicher, wie weit Grindelwald und ich würden gehen müssen, um durch die Schleier zu kommen, aber es zu unterlassen stand nicht zur Debatte und so zauberte ich die Hütte so sicher es ging, um uns vor der Schlacht zu schützen.

„Sind Sie sicher, dass Sie so allein mit mir klarkommen?“, grinste mich der Alte, nachdem wir nun wirklich nur noch unter uns waren, augenzwinkernd und ein wenig übermütig an.

„Wenn ich mit Ihnen nicht klarkomme, sollte ich diese Schlacht wohl am besten nicht überleben!“, gab ich blasiert und auch mit einer Prise beseelter Arroganz zurück.

Eine Antwort, die Grindelwald laut auflachend hinnahm und mir bedeutete, ihm meine Hand zu reichen. Ich zog mir den Handschuh mit Bedacht aus und reichte ihm mit einer gewissen Distinguiertheit, aber auch Ergebenheit meine Hand. Er fuhr mit einem kleinen, bisher gut versteckten Dolch über meine Handinnenfläche. Sobald mein Blut auf den Boden fiel und gierig von dem Pentagramm aufgesogen wurde, leuchtete es scharlachrot auf und kurz presste es mir die Luft aus der Lunge. Gierig loderten silbrige Flammen auf, als das rote Blut auf den dreckigen Boden innerhalb des Pentagramms fiel und Grindelwald mich zu sich winkte, hinein ins Pentagramm, was mir jetzt offenstand, weil ich den angemessenen Preis, den Blutzoll, bezahlt hatte.

Lucius Sicht Ende

Hermiones Sicht

Ich war wie betäubt und wusste nicht, was ich wie empfinden sollte, außer Entsetzen über die Art und Weise, wie Severus getötet worden war und über den nichtigen und nichtexistierenden Grund, weshalb es geschehen war. Ich war fassungslos, da Severus für mich immer unbesiegbar erschienen war, genauso wie Lucius. Das ging einfach nicht und dann versagte auch noch unsere letzte Versicherung, da ich ihn auf der anderen Seite nicht fand, seine Seele blieb und war verschwunden.

Ich verstummte regelrecht. Ich sehnte mich danach, nichts zu fühlen. Ich wünschte mir verzweifelt, mir das schmerzhaft schlagende Herz herauszureißen, meine Eingeweide, die sich verknoteten und mir Krämpfe bescherten, ich wollte alles, was in mir schrie und widerhallte, loswerden, was den Schmerz beinah unerträglich werden ließ. Als mir der Gedanke kam, dass vielleicht Lugh etwas damit zu tun haben könnte und die Túatha Dé Danann Severus vielleicht mit irgendeiner Magie gefangen halten könnten, gab mir dieser hoffnungsvolle Gedanke neuen Mut.

Diese andere Seite bot so viele Möglichkeiten das Unmögliche möglich zu machen, vor allem da wir Severus‘ Körper in der Stasis hielten, was mir die minimale Ruhe bot, dass nichts endgültig verloren war und so kämpfte sich langsam, aber sicher mein Mitgefühl für Harry hervor.

Wie würde er sich fühlen, er, der diesen Weg auch gerade allein ging?

Er, der Auserwählte, dem sehr wohl gegenwärtig war, dass er sich dem Lord stellen und stillhalten musste, es war wie ein Gang zum Schafott, wissend dass es keine andere Möglichkeit gab als den Tod. Was für eine morbide und kranke Vorstellung, da vor dem Lord zu stehen und sich nicht rühren zu dürfen, während er sich für uns alle opferte.

So wie es auch Severus getan hatte!

Erneut entrang sich mir ein Wimmern, woraufhin ich meine Hand gegen meinen Mund presste, während ich daran dachte, wie reglos er sein Schicksal über sich hatte ergehen lassen. Mir war gegenwärtig, dass Harry noch weiter gehen und sich freiwillig opfern würde, für seinen Sohn, für uns. Anders als Severus, der stets abgewogen hatte, wie weit er gehen konnte, ohne sich die Finger zu verbrennen, hatte Harry stets mit dem Gefährlichen geliebäugelt. Harrys Lebenswille war schon immer stärker gewesen als seine Furcht vor dem Tod, weshalb er sich schon immer ohne Ausnahme todesmutig und mit Feuereifer in jedes Abenteuer gestürzt hatte.

Harry, er könnte noch immer davonlaufen, vor dem Dark Lord fliehen und mit Lucien flüchten, um im Untergrund zu verschwinden, die Welt war groß. Aber er würde es nicht tun und alle anderen im Stich lassen. Er wusste, alles was blieb, war die Sache selbst: sterben, um allen Überlebenden eine bessere, eine freiere Zukunft zu sichern und dafür war er bereit, alles was er zu bieten hatte, zu geben. Und zwar jetzt und heute, es würde keinen Aufschub mehr geben.

Wie fühlte er sich auf diesem kaltblütigen Gang zu seiner eigenen Vernichtung? Dies würde eine gänzlich andere Art von Tapferkeit und Mut erfordern und an sich war er noch viel zu jung dafür. Doch war man jemals alt genug dafür, sich auf diese Weise zu opfern?

Wieder brannten in meinen Augen die bitteren Tränen der Verzweiflung, diesmal um unsere verpfuschte Kindheit und Jugend, die uns so schnell hatte erwachsen werden lassen und die gepflastert war mit unvorstellbaren Verlusten für uns alle. Ganz gleich ob Eltern, Geschwister, Geliebte, oder Kameraden. Wir alle, diese Hogwarts-Generation, wir taten seit Jahren nichts anderes als zu kämpfen und zu verlieren. Wir, das Trio, gaben am meisten, wir vernichteten mit einer morbiden Selbstlosigkeit die Bande, die den Lord als auch Harry am Leben hielten, aber wir taten es in dem Wissen, den Tod stets vor Augen zu haben.

Dies war ein Gang ins Unvermeidliche und die unumstößliche Wahrheit blieb: Harry musste sterben, es musste enden, mit ihm, durch ihn und nur wegen ihm.

Im Nachhinein musste ich Albus zugestehen, wie geschickt und elegant er diese Lösung über Jahrzehnte hinweg ersonnen hatte, um keine Leben mehr zu vergeuden, sondern die gefährliche Aufgabe dem Jungen zu überlassen, der bereits als Baby zum Abschlachten gezeichnet worden war und dessen Tod keine weitere Katastrophe mehr sein würde, sondern ein weiterer Schlag gegen das Böse, gegen den Dark Lord.

Ja, der heilige Albus Dumbledore war in meinen Augen nicht besser geworden und seine Taten zum Ende hin zeigten mir dies noch deutlicher. Wann war er gut und gütig gewesen, als er Harry vorgegaukelt hatte, eine Zukunft zu haben, obwohl es nie eine gegeben hatte? Und zwar von Anfang an nicht!

Was war böser? Was war gemeiner? Albus, der falsche Hoffnungen weckte, oder der Lord, der von Stund an versucht hatte, Harry zu töten? Beide wollten ihn tot sehen und das, seitdem er ein Baby war.

Ich spürte, dass ich schnell sein und das Geschehene hinter mir lassen musste. Mir war, als wären mein Körper und mein Geist auf merkwürdige Art und Weise voneinander getrennt. Meine Glieder bewegten sich ohne bewusste Anweisung wie von selbst, als würde man mir den Weg zeigen und mich leiten, als wäre ich ein Reisender, der mitgenommen wurde und als wäre nicht ich diejenige, die den Weg bestimmte. Meine trüben und tristen Gedanken verflogen, als mich ein gleißend helles Licht auf eine Stelle im so finsteren Verbotenen Wald aufmerksam machte und ich sofort darauf zusteuerte, immer tiefer in den Wald hinein ging, wobei ich keine genaue Ahnung hatte, wo der Lord auf Harry wartete.

Aber das Licht, das war ein Zeichen, das so hell leuchtend und fern dieser Welt war, dass es keine Falle sein konnte, hinzukam, dass ich das Wispern vernahm. Sofort fühlte ich es, die Magie, die meine weißen Augen hervorbrachte und die mich auf die andere Seite locken wollte.

Severus?

Diese sachte Frage drängte sich mir auf, da ich zarte Bewegungen um mich herum wahrnahm. Ich vernahm das sanfte Rascheln ätherischer Körper, die über den mit Zweigen bestreuten Erdboden am Rand entlang schwebten und mit einem Schlag wusste ich, was Harry getan hatte.

Denn dort an der hellsten Stelle lag er, der goldene Schnatz, der ihm von Albus in seinem Testament vermacht worden war. Im goldenen Metall der beiden geöffneten Hälften des Schnatzes stand immer noch auf der einen Seite „Ich öffne mich“ und auf der anderen „zum Schluss“ und im Inneren des goldenen Metalls leuchtete in leuchtender Schrift: „Benutze den Stein!“

Kein Severus, so viel war damit klar, aber schlau von Albus, Harry diesen schweren Weg nicht allein gehen zu lassen, wobei ich bei den Heiligtümern immer vorsichtig war, denn das vielversprechende Wispern machte es mir echt schwer, an Harry zu denken und nicht an Severus.

„Da ist jemand!“, kam ein raues Flüstern von irgendwo dicht bei mir und mir wurde erst jetzt gegenwärtig, dass ich tatsächlich auf der anderen Seite des Seins war und damit für diese beiden Idioten nicht zu sehen.

„Wer…?“, fragte der andere und zwei mir nur zu gut bekannte Gestalten kamen hinter einem nahen, sehr breiten Baum hervor.

Ihre Zauberstäbe flammten auf und ich sah den leicht mitgenommenen Antonin und den ziemlich angeschlagenen Yaxley in die Dunkelheit zu mir starren, aber sie sahen mich nicht. Sie sahen genau zu mir und ich wusste, ich war ganz nah, nah an Harry. Ich musste zu ihm.

„Ich habe eindeutig was gehört, Corban!“, meinte Dolohov vertraulich zu Yaxley.

„Vielleicht ein Tier? Dieser Schwachmat Hagrid hat einen ganzen Zoo von Viechern hier drinnen gehalten!“, kam es abwertend von meinem Truppenmitglied und er blickte kurz mit echter Besorgnis über seine Schulter, als sie vorsichtig abdrehten.

Ich ließ mich nicht zweimal bitten und folgte ihnen und nach nur ein paar Minuten tat sich vor uns eine Lichtung auf. Diese Lichtung war früher das Heim von Aragog gewesen und ein Ort, den ich immer tunlichst gemieden hatte, wenn ich Ausflüge in den Verbotenen Wald unternommen hatte. Die Überreste des riesigen Nestes waren noch da, doch der Schwarm von Nachkommen, die Aragog in die Welt gesetzt hatte, war von den DeathEatern vertrieben worden, um für ihre Sache zu kämpfen.

Inmitten der unheimlichen Lichtung brannte ein Feuer, dessen flackernder Schein auf eine dichte Menge vollkommen stummer, wachsamer DeathEater fiel. Eine beeindruckende Ansammlung dieser Armee, wenngleich ich Lucius‘ weißhellen Schopf vergeblich suchte.

Manche von ihnen waren nach wie vor maskiert, wieder andere hatten ihre Kapuzen auf, andere hingegen zeigten ganz ungeniert ihre Gesichter. Zwei weitere Riesen, die bisher noch nicht von uns vernichtet worden waren, saßen am Rande der Gruppe, mit grausamen Gesichtern, klobig wie Felsen, warfen sie gewaltige Schatten über diese beklemmende Szenerie des Grauens.

Einige versorgten ihre Blessuren. Da war Rowle, der große Blonde, er betupfte seine blutende Lippe. Rookwood behandelte seine Platzwunde am Hinterkopf, diese beiden hatten also Arthur und Flitwick mit ihren humanen Kampfmethoden entkommen können, schade. Wirklich schade, dass sie noch aktive Gegner waren.

Wilkins fiel mir auf, der niedergeschlagen und verängstigt wirkte, ob der Brutalität des Erlebten, aber wohl auch ob der Tatsache, dass die DeathEater vor nichts Halt machten. Ich verfolgte interessiert, wie nah er und Rodolphus zusammenstanden und miteinander tuschelten. Bellatrix, die Augen voller Argwohn tief in ihren Höhlen, sah sich jeden genau an, jedoch wirkte sie alles in allem ziemlich unbewegt.

Wo war Harry? Er musste hier sein.

Beinah stolperte ich über etwas und zog wie verbrannt meinen Fuß weg, denn dort lag er, auch am Boden: der Stein der Auferstehung!

Ich dachte ich sah nicht recht und fragte mich, was in Harry gefahren war, all diese Dinge liegen zu lassen.

Das Heiligtum wegzuwerfen, was dachte er sich dabei?

Der schwarze Stein mit dem Riss durch die Mitte, der entstanden war, als die Jungs den Horkrux zerstört und damit ein Seelenteil des Lords vernichtet hatten, nachdem sie aus Malfoy Manor entkommen waren. Der Stein war entlang der senkrechten Linie auseinandergebrochen, die den Elderstab darstellte. Das Dreieck und der Kreis, die den Tarnumhang um den Stein zierten, waren noch zu erkennen und anscheinend hatte die Zerstörung des Horkrux keine Wirkung auf die Macht des Heiligtums gehabt.

Albus hatte erkannt, welche Macht und Magie selbst jetzt noch hinter dem Relikt standen und deshalb Harry diesen Rat erteilt, den Ring jetzt zu aktivieren. Auch ich verstand jetzt erst wirklich, was es mit diesem besonderen Heiligtum auf sich hatte. Es ging nicht darum, die Toten zurückzubringen, denn Harry war gerade dabei, zu ihnen zu gehen.

In Wirklichkeit holte nicht er sie: Sie holten ihn!

Denn dort sah auch ich sie. Es war sonderbar, sie auf dieser Seite des Seins zu sehen, nicht nur hinter dem Schleier. Sie waren weder durchscheinendes Gespenst noch wahrhaft Fleisch. Sie ähnelten am ehesten einer leicht verblassten Erinnerung, die sich annähernd verfestigt hatte. Weniger stofflich als lebende Körper, doch viel materieller als Gespenster und doch irgendwie farblos bewegten sie sich durch die Sphäre und auf jedem Gesicht war das gleiche liebevolle Lächeln, das mir Angst machte.

Niemand sollte ungestraft im Tod so doof lächeln. Dort war James, Harrys Vater, genauso groß oder so klein wie eben Harry. Er trug die Kleider, in denen er gestorben war, sein Haar war unordentlich und zerzaust und seine Brille saß ein wenig schief auf seiner Nase. Lilys Lächeln war das Breiteste von allen. Sie strich ihr langes Haar in einer luftigen Geste zurück, als sie näherkam und ihre grünen Augen, die Harrys so ähnlich waren, musterten mich begierig.

Dann stolperte ich, da ich überrumpelt zurückfuhr, denn dort stand Remus!

Ein viel jüngerer Remus und bei weitem nicht so heruntergekommen und sein Haar war dichter und dunkler und er schien glücklich bei seinen Freunden. Aber wie konnte das sein?

„Remus!“, entfuhr es mir heiser und er drehte sich grinsend zu mir herum, als ich richtig Angst bekam, Remus Lupin würde mich niemals anlächeln, das ging gar nicht.

„Oh, du…“, meinte er nachsichtig, wie der beste Lehrer, den wir je gehabt hatten und sah mich ohne diesen Vorwurf in seinen Augen an, und sofort hatte ich die Vermutung, dass die Heiligtümer alles andere als harmlos waren.

Sie verkauften hier, dass der Tod nicht schlimm, sondern schön war und alles Böse vergessen ward und doch wusste ich, wie fies diese andere Seite dort sein konnte und war auf der Hut.

„Was machst du hier?“, fragte ich vorwurfsvoll. „Du lebst doch… oder?“, schoss ich hoffnungsvoll hinterher, woraufhin er mit einem sachten Lächeln seinen Kopf schüttelte.

„Nicht mehr…“, meinte er gutmütig und aus meinem Mund wollte sich ein -unmöglich- bahnen, aber er sprach schnell weiter: „Dolohov hat mich erwischt!“, zeigte er einen gewissen Humor, der nur leider an mich verschwendet war.

„Bitte, das ist… du bist gegangen, auf die andere Seite? Und hast Harry… präsentiert, dass du tot bist? Jetzt?“, fauchte ich ihn zum Ende hin echt wütend an.

Ich kannte Harry zu gut, um zu wissen, was für Vorwürfe er sich machen würde, dass sein Patenkind nun keinen Vater mehr hatte, jetzt, da er bereit war, sich dem Lord zu stellen.

„Tja, Harry war auch überrascht, mich zu sehen, er sorgt sich um Teddy… aber ich habe versucht, ihm klarzumachen, dass nicht er Schuld hat…“, gab er sofort zu und ich dachte, alles umsonst, schon wieder.

„Das tut mir leid…“, sprach ich tonlos.

„Mir tut es leid, dass ich ihn nie kennenlernen werde… aber er wird wissen, warum ich… warum wir alle gestorben sind! Für ihn. Ich hoffe, er wird es verstehen. Ich… wir habe versucht, eine Welt zu schaffen, in der er ein glückliches… ein freies Leben führen kann“, führte er aus, als eine kühle Brise, die mir über die verschwitzte Stirn fuhr, mich daran erinnerte, dass es Zeit war, weiter zu gehen.

„Krummbein?“, murmelte ich perplex, da ich spürte, wie etwas um meine Beine strich.

Wie sonderbar, dass mich mein Kater auch auf der anderen Seite ausmachen konnte und ich sah auf das Artefakt, den Stein der Auferstehung. Aber der Stein lenkte meine Gedanken wieder zurück. Der Stein, den Harry augenscheinlich im Augenblick der Konfrontation mit den Toten einfach auf den Boden hatte fallen und liegen lassen. Ein Heiligtum, das er brauchte und das niemandem in die Hand fallen durfte und schon gar nicht mir. Sein versprechendes Wispern rauschte in meinen an sich tauben Ohren.

„Du… du hilfst mir…“, wisperte ich gerührt und ging sachte zu Boden, um meinen Kater zu streicheln, der mir schon wieder zu Hilfe kam. Ich zauberte und lenkte den Stein in seiner goldenen Einfassung in meine Seitentasche. „Danke dir, dass du mich nichts vergessen lässt, du hast uns sehr geholfen und jetzt lauf, mein kleiner, treuer Freund.“

Meine Finger glitten ein letztes Mal durch sein weiches Fell und ich sah ihm zu, wie er geschwind in den Wald davonlief und von der Dunkelheit verschluckt wurde.

„Ihr wart bei Harry?“, fragte ich die leuchtenden Erinnerungen.

„Bis zum Schluss!“, kam es im Chor von den Toten.

Ich erhob mich entschlossen und machte mich auf den Weg, begleitet von diesen Wesen, die wie Patroni an meiner Seite verblieben und eine Art Begleitschutz darstellten. Gemeinsam schritten wir zwischen den alten, dicht wachsenden Bäumen hindurch, mit den ineinander geschlungenen Ästen, den knorrigen und verflochtenen Wurzeln am Boden, auf die Lichtung zu und ich ahnte, welche Hilfe die Begleitung durch seine Eltern für Harry gewesen war. Genauso wie wusste, was für eine Belastung Remus‘ Erscheinen für ihn gewesen sein durfte.

Mein schlechtes Gewissen, ihn im Stich und allein gelassen zu haben, sank somit nur minimal, aber ich spürte, wie gut es war, dass sie neben einem gingen, wie tröstlich es war, sie an der Seite zu wissen: James, Lily und Remus.

Ihre Anwesenheit machte Mut und war ein Grund, dass man Fuß vor Fuß setzte. Wie so oft fühlte ich das Tröstliche der anderen Seite. Ich nahm alles anders wahr und die Toten waren noch plastischer, noch wirklicher und sie wirkten so zufrieden und hoffnungsvoll. Diese verblichenen Menschen waren für mich viel wirklicher als die Lebenden drüben im Schloss: Ron, Draco, Blaise und all die anderen waren diejenigen, die mir plötzlich wie unwirkliche Wesen vorkamen, während ich mich der Entscheidung meines Lebens näherte.

Dem Ende entgegen!

Dem Ende, das auf der Lichtung lag. Alle Blicke waren auf den Lord gerichtet, der mit geneigtem Kopf dastand und seine wächsernen, dürren Hände über dem Elderstab vor sich gefaltet hatte. Es war, als würde er beten oder stumm vor sich hinzählen, die roten Augen schienen im flackernden Licht des Feuers zu glühen und langsam, ganz langsam zog er den Elderstab zwischen seinen spinnengleichen Fingern hervor.

„My Lord…“, sprach Bellatrix, die dem Lord am nächsten saß, mit zerzaustem, wildem Haar, das bleiche Gesicht ein wenig blutig, doch ansonsten unversehrt.

Der Lord gebot ihr mit erhobenem Fingerzeig, zu schweigen und sie wagte kein weiteres Wort, sondern betrachtete ihn mit faszinierter Ehrerbietung, die wohl wie weggewischt wäre, wenn sie von Rabastans Ende erfahren sollte.

„Ich dachte wirklich, du würdest kommen, Harry Potter, ich dachte wirklich, du wärst ein wahrer Gryffindor!“, sprach der Lord in jener hohen, klaren Stimme, die seine Enttäuschung verriet, den Blick auf die lodernden Flammen gerichtet.

„Ich bin hier!“, kam es kraftvoll aus dem Nichts und Harry klang auf keinen Fall verängstigt.

Harry!

Harry riss sich seinen Tarnumhang vom Kopf und stopfte das glänzende Heiligtum unter seine Jacke, zusammen mit seinem Zauberstab, den er extra wegsteckte. Anscheinend wollte er sich selbst davon abhalten, in Versuchung zu geraten, denn so trat er wahrhaftig unbewaffnet in den Lichtschein. Er stand unbeweglich am Rand des Schauplatzes. Der Lord, noch immer mit gesenktem, kahlem Haupt, erinnerte in seiner Haltung an ein Kind, das beim Versteckspiel ungeduldig zählte, bis es suchen dürfte. Ein absurder Gedanke, aber irgendwie passend. Hinter des Lords Silhouette schwebte, sich immer noch ringelnd und windend, Nagini in ihrem glitzernden, blutverschmierten blauen Käfig, der ihn wie ein makabrer, ungeheuerlicher Glorienschein überragte.

In diesem besonderen Moment trat auch der Lord einen Schritt vor.

Es gab nur den Lord und Harry, es ging nur um sie beide!

Die Erhabenheit des Moments verflog noch im selben Augenblick. Die Riesen brüllten ohrenbetäubend laut los, als sich die DeathEater gemeinsam erhoben, Geschrei, Gekeuche, Jubel und ja, sogar Gelächter war mit einem Mal zu vernehmen. Doch der Lord stand weiterhin vollkommen reglos da, nur seine rotglühenden Augen wirkten lebendig und hielten Harrys Blick gefangen. Sie starrten sich an, als Bewegung in Harry kam und er unbeeindruckt von all dem Krach und Lärm auf den Lord zuging, zwischen ihnen beiden nichts als das hochlodernde Feuer.

„Harry! Lauf… NEIN!“, gellte auf einmal eine panisch tiefe Stimme über die Lichtung.

_________________
Kapitel 663-664 Queeniesig-1
Nach oben Nach unten
queenie
Königin
Königin
queenie


Anzahl der Beiträge : 1586
Anmeldedatum : 08.02.12
Alter : 41
Ort : München

Kapitel 663-664 Empty
BeitragThema: 664. A new Dimension I   Kapitel 663-664 EmptyDi Dez 31, 2019 11:02 am

Um das letzte WHF-Jahr gebührend willkommen zu heißen ein Überraschungskapitel für Euch. Wir wünschen euch ein frohes neues Jahr 2020 und alles erdenklich Gute.
Vielen Dank nochmals für eure unendliche Geduld. Wir arbeiten hart an den beiden letzten Kapitel… und wünschen jetzt viel Spaß beim Lesen.

Euer WHF Team


Ein unheimlich schönes Geschenk kommt noch von Miss Malfoy die WHF neu einliest. Die Rückmeldungen auf Youtube sprechen eine eigene Sprache:

https://www.youtube.com/watch?v=1fcURHG5zgM&list=PLBLUriLpCgNrbLjlaD9IhuPM4OS4cdq-Z



664. Kapitel A new Dimension

Widerwillig wandte ich meinen Blick ab und sah mit nicht von der Hand zu weisender Abfälligkeit zu Hagrid, den ich erst jetzt wirklich wahrnahm. Er war gefesselt und wie ein zu großes, haariges Paket zusammengeschnürt an einen Baum gebunden, während sich sein massiger Körper verzweifelt gegen seine Fesseln sträubte. Er schüttelte sich so wild, dass die Äste über ihm ungestüm hin und her schlugen und der bewegte Baum so an die verrückte peitschende Weide erinnerte.

„Harry, hau ab, hör nicht auf ihn, bleib nicht hier! Lauf!“, rief er geradezu verzweifelt.

„Ruhe!“, brüllte Rowle und mit einem Schlenker seines Zauberstabes brachte er Hagrid rabiat zum Schweigen, sein Mund verschloss sich gegen seinen Willen.

Erst da registrierte ich, wie verprügelt und gebrochen Hagrid aussah, da er kaum aus seinen lila-grün angeschwollenen Augen blicken konnte. Anscheinend hatten ihn die Acromantulas direkt in die Arme des Feindes hineingetragen. Bellatrix hingegen war bei Harrys Auftauchen vor Begeisterung aufgesprungen und rang vorfreudig die Hände, während sie begierig und mit wogender Brust zwischen den beiden Kontrahenten hin und her sah. Sie wirkte absolut aufgedreht und doch war es ein sonderbar intimer Moment zwischen diesen beiden Gegnern.

Es war, als würden sich zwischen Harry und dem Lord nur die Flammen bewegen und die Schlange, die sich in ihrer blauglitzernden Sphäre ringelte, aber doch war es, als wären die Beiden allein. Allein, nur für sich, immer noch blickten sie sich wie hypnotisiert, trotz all des Lärms, an. Als könnten sie sich nicht voneinander und ihrem gegenseitigen Anblick lösen. Nach ihrer Begegnung im Ministerium sahen sie sich das erste Mal direkt von Angesicht zu Angesicht wieder. So viel war in den vergangenen Jahren passiert und geschehen, nur wegen ihnen, und doch war dies heute das erste Mal seit langer Zeit, dass sie die Muße hatten, um sich gegenseitig zu mustern und sich genau zu taxieren.

Auf einmal neigte der Lord seinen kahlen Kopf minimal zur Seite, betrachtete Harry, der ganz alleine und verloren vor ihm stand, während sich im Rücken des Lords die irre Masse an Anhängern begierig nach vorne drängte, um nur nichts vom so lang erwarteten Showdown zwischen ihnen, zu verpassen. Sie wollten einen Logenplatz und natürlich dabei sein, wenn Geschichte geschrieben wurde.

Diesmal sollte Harry endgültig durch die Hand des Lords sterben, vor allen.

Indes maß ihn der Lord mit einem seltsam freudlosen, beinah schon melancholischen Lächeln, das sich die Mundwinkel seines lippenlosen Mundes kräuselten, während Harry bleich, erschöpft und blutverschmiert einfach mit hängenden Armen existierte.

„Harry Potter“, sagte er auf einmal ganz leise und mir war es, als wäre seine Stimme Teil des zischenden Feuers und ich las mehr von seinen schmalen Lippen, als dass ich ihn wirklich vernahm. „Der Junge… der überlebt hat!“

Es lag ein herber Vorwurf in seinen Worten und dieser sickerte in uns alle, wie Harry es hatte wagen können, eben nicht zu sterben. Auf einmal kam jedoch Bewegung in die ganze Szenerie. Hagrid kämpfte plötzlich wieder mit Vehemenz gegen seine Fesseln an und die Riesen begannen, frenetisch zu johlen, sodass sich die Bäume bogen. Bellatrix keuchte, als hätte sie einen Orgasmus, in der Sekunde, da der Lord seinen Stab erhob. Sein kahler Kopf war immer noch zur Seite geneigt, wie der eines neugierigen Kindes, als ob er sich fragte, was geschehen würde, wenn er weitermachte. Ob er recht behielt und dank Severus‘ Ermordung nun in der Lage wäre, Harry zu besiegen, da der Elderstab in seinen Augen endlich sein war.

Harry erwiderte stoisch und ostentativ ohne Angst diesen vor Spannung geladenen roten Blick, sonst tat er nichts und wartete gespielt geduldig, mit unheimlicher Langmut auf den Tod, während auch ich wegen dieser Untätigkeit mit starb. Ich starb schon verdammt nochmal nur beim Zusehen, aber diesmal hielten mich keine Jungs auf, weshalb ich einfach loslief. Ich lief hinaus auf die Lichtung. Niemand von den anderen rührte sich mehr, keiner von ihnen kam in Bewegung.

Sie alle warteten, alles hielt den Atem an, aber in mir loderte nun ebenfalls ein Feuer auf. Denn Harry war nicht nur der Junge, der überlebt hatte, er musste auch der Junge sein, der weiterhin überleben würde!

Ich trat aus den Slide hinein auf die Lichtung und sofort flogen alle Blicke zu mir, auch Harrys, da er überrascht zu mir herumwirbelte.

„Das Mudblood!“, murmelte der Lord wenig überrascht, wusste er doch, dass ich ständig in Harrys Nähe war, wenn es drauf ankam.

Harry hingegen starrte mich wie eine Erscheinung an. Wenigstens konnten wir ihm nicht vorwerfen, dass er nicht überrascht genug wirkte, mich hier bei sich zu sehen, neben sich, da ich langsam, aber sicher immer näher zu ihm ging.

„Hermio…“, stockte Harry und richtete sich dann auf, bereit für alles, egal was da kommen wollte und wandte mir wieder den Rücken zu, um sich seinem wahren Feind zuzuwenden.

„Ja, Harry Potter, du wirkst überrascht!“, frohlockte der lippenlose Lord und grinste ein fieses, kaltes Lächeln. „Ich bin für einige Überraschungen gut. Du hast es nicht gewusst, oder? Dass sie zu mir gehört. Sie ist mein! Sie trägt mein Zeichen, mein Mal in ihrem Nacken… du glaubst mir nicht?“, wisperte er glückselig.

Gefangen in der irrigen Annahme, einen ahnungslosen Harry vor sich zu haben, der von seinen sogenannten Freunden verraten worden war, wirkte der Lord zutiefst zufrieden. Der Lord genoss seine Überlegenheit, wobei er anscheinend nicht mitbekam, dass er Harry nichts Neues erzählte, denn ihn hatte nur mein Erscheinen überrascht, mehr nicht.

„Willst du es sehen?“, reizte der Lord und ergötzte sich an Harrys Leid, zumindest in seiner Annahme, dass Harry von mir hintergangen worden war.

Unterdessen schüttete sich der bösartige Spott der DeathEater laut, beinah schon ohrenbetäubend und obszön, über Harry aus, wobei Bellatrix die Lauteste und Ordinärste von allen war.

„Wobei mir einfällt, Mudblood!“, sprach mich zu meinem Erstaunen der Lord nun direkt an und legte den Blick aus seinen glutroten Augen auf mich. „Wärst du so freundlich, das Portal zu öffnen?“, fragte er übertrieben freundlich und er bemerkte mein Zögern, was seinen Blick noch wilder flackern ließ. „Wie von mir erdacht?!“, lag plötzlich von einer Sekunde zur Nächsten unstete Ungeduld in seiner unmenschlichen Stimme und ich schluckte schwer.

Wollte, ja sollte ich gar Severus‘ Mörder zu Diensten sein?

Der tiefe Widerwille, der durch mich hindurch lief, ließ bittere Magensäure in mir aufsteigen und kurz kämpfte ich mit mir, einfach auf die andere Seite zu gehen und den Lord mit mir zu ziehen und Rache zu üben, aber dann riss ich mich am Riemen. Ihm seinen Wunsch zu erfüllen, würde eine weitere Waffe im Kampf gegen ihn sein. Ich würde mich zurückhalten, denn dies war Harrys Moment.

Er war der Auserwählte, nicht ich!

Ich war nur eine Geisel meines selbsterwählten Schicksals, so wie wir alle, und deshalb nickte ich nun schweren Herzens mit meinem Haupt, das sich so schwer anfühlte, wie massiver Beton und mir einen pochenden Kopfschmerz bescherte.

Das Portal!

Ich erinnerte mich an die nicht mal so lange zurückliegende Unterhaltung zwischen dem Lord und mir, die dazu geführt hatte, mal wieder neue Wege in dieser magischen Welt zu gehen. Er hatte dieses Thema in der Höhle der Inferi mit mir besprochen, in Anwesenheit von Rabastan. Rabastan, der nun ebenfalls eines meiner Kinder war, wie morbid und faszinierend. Der Lord hatte mir geholfen, das Portal dort anzulegen, um jederzeit die Inferi selbst über weite Strecken zu sich rufen zu können. Ein Portal, dass er, wie er mir sagte, damals als Pedant auf Albus Grabesinsel verankert hatte.

Damals, als er dort gewesen war, um den Elderstab aus dessen Grab zu stehlen. Jetzt wollte er, dass ich das Portal öffnete und die Inferi einsetzte, um sie als der Albtraum, der sie waren, auf Hogwarts loszulassen.

Was für eine schreckliche Vorstellung, meine verrottenden und verwesenden Kinder, in ihrem grauenhaften Anblick, auf mein ehemaliges Zuhause und ihre Bewohner zu hetzen. In mir regte sich ein Brechreiz, wie ich ihn selten verspürt hatte, aber ich tat wie befohlen und ballte die Hände zu Fäusten. Dies war nicht der Moment für Gegenwehr und so ritzte ich mich mit meinem Zauberstab, sprang zu meinen Inferi, um sie zu dieser alles entscheidenden Schlacht zu holen und ließ diese brandgefährliche Umgebung hinter mir.

Ich schweifte nur kurz ab, denn ich wollte schnell wieder da sein und beeilte mich sehr, die Verbindung zu öffnen, um so schnell als möglich zurückzukehren und das keine Sekunde zu früh. Ich landete bei meiner Ankunft noch näher neben Harry, an seiner Seite. Ich war mehr als flott gewesen, da das Öffnen des Portals ein leichtes für mich gewesen war.

„Aha, siehst du, wie sie mir aufs Wort gehorcht?“, nahm ich die vor Zufriedenheit triefende Stimme des Lords, die wieder viel zu nah und zu vertraut war, wahr.

„Wie sie all das erfüllt, was ich von ihr verlange?“, meinte er aufreizend und kicherte fies in seinem Spott und mein Herz barst beinah in meiner Brust, von dem Wunsch beseelt, ihn Schmerzen erleiden zu lassen.

„Erledigt“, verkündete ich leise mit krächzender Stimme.

Umgehend landete dieser mörderisch kalte Blick auf mir und ich musste mir verbieten, eine Reaktion gegenüber dem eiskalten und gleichgültigen Mörder von Severus zu zeigen. Harrys grüne Augen leuchteten mir irgendwie leblos durch runde Brillengläser entgegen und ich müsste nur den Arm ausstrecken und könnte Harry berühren, ihn streicheln, um ihm zu zeigen, wie stolz ich auf ihn war. Ich war so nah und doch so fern. Ich konnte mir denken, dass er ahnte, wie schwer es mir fiel, nicht den Lord anzuspringen und meine Nägel überall in ihm zu versenken, wo ich ihn leiden lassen könnte, nachdem wir alle live miterlebt hatten, was er mit Severus verbrochen hatte.

Aber alle Opfer würden vergebens sein, wenn ich jetzt die Maske fallenließ.

Severus!

In meinen Ohren rauschte es so laut, dass ich fast taub wurde. Ich durfte nicht dran denken, sonst verlor ich den Fokus und das würde in dieser alles entscheidenden Sekunde fatal sein. Gerade drängte eine Horde Inferi heißhungrig und lüstern nach Blut durch das Portal und ich musste sie zähmen, ihnen meinen Willen oktroyieren und dort halten, wo ich sie haben wollte. Eben dort, wo sie keine Gefahr für die anderen darstellten. Der Lord wurde schlampig, denn er hatte mir nur befohlen, sie zu holen. Und eben nicht, sie auf Hogwarts zu hetzen. So bevölkerten sie als untote Armee zusammen mit den Dementoren die Grabesinsel von Dumbledore. Sie stapelten sich beinah übereinander in all ihrer grauenhaften Widerlichkeit, aber da ich sie nährte, waren sie mir hörig, inklusive Rabastan.

In der Sekunde gewahrte ich, wie sich der Mund des Lords bewegte, wie er leise die alles entscheidenden Worte mehr wisperte denn sprach: Avada Kedavra!

Ich verfolgte, wie der sich lösende grüne Blitz schicksalsschwer auf Harry zuhielt und davon kündete, dass der Showdown einsetzte. Er war eiskalt und blickte weiterhin kontrolliert dem Tod ins Antlitz, während sich der hellgrüne, alles blendende Blitz lossagte und gnadenlos auf ihn zuraste. Harry, der leise murmelnd dastand und augenscheinlich ohne Zauberstab zauberte und erst dann verstand ich zum ersten Mal, was Harry wirklich tat: Er machte einen auf Lily!

Das hatte er nicht gesagt, aber er opferte sich in mehrfacher Hinsicht. Es ging für ihn nicht nur um die Vernichtung des Horkrux.

Er, Harry Potter, wollte alle Zauberer und Hexen in Hogwarts beschützen, so wie seine Mutter ihn geschützt hatte!

Aber Harry durfte nicht sterben, deshalb war ich da, deshalb brauchte er mich und mein Mund öffnete sich von allein und ich schrie und sprang und bekam mit meiner blutigen Hand seine zu fassen und das in der Sekunde, in der Harrys Körper getroffen zu Boden sackte und mich mit sich riss. Ich verlor den Boden unter den Füßen und den Halt in der Welt. Sie hob sich für mich aus den Angeln und ich segelte umher, kein Unten und Oben, keine Orientierung. Ich drehte mich um mich selbst und mir wurde so schwindelig, dass ich kurz ohnmächtig wegsackte.

Wow, was war das gewesen?

In mir surrte alles und ich riss orientierungslos die Augen auf und atmete erstmal hektisch ein und aus. Was war da genau passiert? Ich war mir nicht sicher, ob eine lange Zeit vergangen war, oder vielleicht doch alles im selben Augenblick geschah, einem Wimpernschlag gleich.

Ich registrierte sofort, dass ich nicht mehr dort im Wald war. Hier war kein Moos, keine Lichtung, keine Gerüche, keine Laute, auch keine anderen Leute, hier war nichts. Dann hielt ich irritiert inne, denn plötzlich spürte ich eine sachte Bewegung, eine federleichte Berührung. Ich war doch nicht allein.

Wir existierten, wo auch immer. Unterdessen spürte ich eiskalte Finger, die sich mit meinen fest verhakt hatten!

Harry!

Ich lag weich und das unter mir war Harry. Ich lag auf ihm, realisierte ich, als ich mich mit dröhnendem Schädel hoch kämpfte und nichts als Nebel erblickte. Ein heller milchig-weißer, fluffig erscheinender Nebel, ganz anders als sonstiger nasser Nebel. Unsere Umgebung wurde nicht durch trüben Dunst verborgen, vielmehr hatte sich aus dem Dunst noch gar keine Umgebung gebildet. Der Boden, auf dem wir lagen, schien weiß zu sein, weder warm noch kalt, sondern einfach da, ein flaches, leeres Etwas, auf dem man sein, auf dem man existieren konnte. Ich setzte mich richtig auf und blickte auf Harrys Rücken, da er auf dem Gesicht lag, aber weiterhin hielt ich seine Hand und drehte sie hin und her, während ich mit einem bösartigen Lächeln auf das glänzende Gold blickte. Ich erhielt die Bestätigung, dass ich es rechtzeitig geschafft hatte, Harry den Ring überzustreifen.

Er trug ihn, genau jetzt, zwar blutbesudelt von Severus‘ und meinem Blut, aber er war an seinem Finger dran. Wie ich es geschafft hatte, das Heiligtum anzufassen und freiwillig wieder herzugeben, würde mir wohl immer ein Rätsel bleiben, aber ich wollte mein gar seltenes Glück nicht allzu sehr hinterfragen. Vielleicht hatte auch der Wille, Harry zu retten, diesen unbändigen Drang und das Rufen dieses Heiligtums überwogen, aber wirklich erklären konnte ich es nicht. Es war ein Risiko gewesen, den Ring an mich zu nehmen, aber ich hatte es eingehen müssen. Ich hatte es geschafft und war durch die Magie anscheinend mitgerissen worden, da ich sehr wohl bemerkte, dass meine weißen Augen da waren, die aber nichts daran änderten. Ich war nur wegen Harry hier und Harry war mehr oder weniger als rechtmäßiger Besitzer aller drei Heiligtümer hierhergelangt.

Und ganz ehrlich, ich hatte keinen Dunst, wo genau wir waren.

Wobei ich ganz todesmutig auf hinter dem Schleier tippte!

War es sonderbar, dass das passiert war? Wohl eher nicht, denn mir war immer bewusst gewesen, dass Harry unter diesen Umständen nicht so mir nichts dir nichts abtreten würde. Dafür war Magie und gerade diese Art von Magie viel zu komplex und kompliziert. Hinzu kam, dass der Lord und Harry auf viel zu viele Arten miteinander verbunden waren!

Plötzlich war aus dem unförmigen Nichts, das uns umgab, ein Geräusch zu vernehmen, das mich zusammenzucken ließ. Es war wie ein leises, dumpfes Patschen von etwas, das flatternd um sich schlug, sich hörbar abquälte. Es war ein mitleiderregendes Geräusch, doch auch ein wenig anstößig und mir zog umgehend eine Gänsehaut auf. Ich hatte das unbehagliche Gefühl, dass ich etwas Heimliches, Schmachvolles belauschte, das nicht von dieser Welt war und ich schüttelte mich, um dieses Gefühl loszuwerden.

„Ahhh“, kam plötzlich Harrys Stöhnen von unten, während er sich zu regen und drehen begann.

Also zog ich ihn an unseren verflochtenen, blutigen Händen, die sich immer noch verhakt hatten, hoch. Er blinzelte sichtbar überfordert und sah mich neugierig an. Er trug keine Brille, diese grünen, tiefgründigen Augen sahen mich mit schmerzlichem Wiedererkennen an und ich konnte den Blick nicht von seiner blutenden, aufgerissenen Blitznarbe nehmen. Langsam floss das zähe, rote Blut über seine blasse Haut. Gerade zog ein roter Tropfen einen makabren Strich über seine Nase, bis der Blutstropfen an der Spitze verharrte, als ob er unsicher wäre, ob er hinabfallen sollte oder nicht und erst dann wandte er den Blick und besah sich den Nebel. Alles um uns herum war noch immer sonderbar gedämpft und still, bis auf dieses merkwürdige Patschen und Wimmern, das von irgendwoher ganz aus der Nähe im Nebel kam und nichts Gutes verhieß. Als sich der Tropfen von Harrys Nase löste und auf dem weißen Boden aufkam, durchbrach er seltsam laut die Stille und hallte geradezu unheimlich wider. Das war echt beklemmend und sollte so nicht sein.

„Hermione, du… wie bist du mit? Bin ich nicht tot?“, kam es auf einmal sichtbar überfordert, aber ziemlich lebendig von Harry. Er wirkte erstaunlich fit, dafür dass ihn zum zweiten Mal in seinem Leben ein Avada getroffen hatte. Was für ein Kuriosum, aber ich war so froh, dass wir richtig gelegen hatten.

„Ja, du Idiot, das sagte ich doch immer, geh nicht ohne mich…“, meinte ich relativ gereizt und war versucht, den nächsten blöden Tropfen von seiner Nase zu wischen.

„Wo sind wir?“, fragte er abwägend und sah sich wieder um, während ich die Schultern hochzog.

„Irgendwo auf der anderen Seite, aber Harry, das ist doch egal. Wir kommen hier nur raus, wenn wir zusammen sind“, erregte ich mich noch immer, weil er ständig dachte, Dinge allein angehen zu müssen.

Wenn ich mir in Erinnerung rief, dass er den Ring im Wald einfach liegen lassen hatte, dann kam schon wieder der Wunsch in mir auf, ihm eine zu scheuern.

„Ich wollte, dass du dich um Snape kümmerst!“, erwiderte er reichlich unzulänglich und mir zog sich mein Herz sofort zusammen und ich keuchte, denn der Schlag hatte gesessen.

„Hör auf, von ihm zu reden! Wir haben anderes zu tun…“, fuhr ich ihn alles andere als freundlich an.

„Lässt du mich los?“, fragte Harry jetzt frech und hob unsere zu einer Faust verschlungenen Hände hoch.

„Ich freu mich echt, dass du mich hier hältst, aber ehrlich… du packst echt fest zu…“, meinte er unwohl, wobei mir erst jetzt auffiel, wie abgestorben und tot sich meine Fingerglieder anfühlten, so fest krallte ich mich an seiner Hand fest. Langsam lösten wir unsere Finger, ein regelrecht schmerzhafter Vorgang, so steif wie sich meine Glieder anfühlten.

„Was passiert hier? Warum bin ich nicht tot? Und du auch noch hier?“, fragte Harry schon wieder mit der ihm eigenen Neugierde und blickte nun intensiv auf den Ring, den ich ihm in der letzten Sekunde übergestreift hatte.

„Gute Frage, aber ich hatte gehofft, dass was passiert! Auch wegen dem da…“, deutete ich auf den Ring.

„Hä?“, zeigte Harry sich unnachahmlich mit Spracharmut gesegnet und ich rollte mit den Augen.

„Wie konntest du ihn fallen lassen?“, hielt ich ihm ein wenig resigniert vor.

„Da… da war… Remus… er…“, kam seine Verteidigung ins Stocken.

„Ja, er hat es geschafft, sich in der Schlacht von Dolohow umbringen zu lassen, bomben Leistung“, grollte ich Remus selbst im Tod.

Es war wie bei Moody, alles für die Katz und das nahm ich den Verstorbenen echt übel und anscheinend hatte sein Erscheinen Harry auch noch aus der Konzentration gebracht, wie gut, dass er tot war, dachte ich rachsüchtig.

„Ich war so erschrocken und dann habe ich den Ring fallen lassen. Aber warum hätte ich ihn auch behalten sollen?“, fragte Harry schon wieder so unschuldig, dass ich mir am liebsten die Haare gerauft hätte.

Ich starrte ihn mit offenem Mund an, aber er bekam es gar nicht mit, da er sich gerade umsah und ganz langsam seinen Kopf von mir wegdrehte. Zu einer Erwiderung kam ich nicht, da es mir die Luft zum Atmen raubte, denn egal wohin Harry blickte, unsere Umgebung schien sich vor unseren, oder eher vor seinen Augen selbst zu erfinden. Es bildete sich ein weitläufiger, offener Raum, hell und sauber, eine Halle, viel größer als die Große Halle in Hogwarts, mit einer klaren, gläsernen Kuppel. Der Raum war leer und das war Magie.

Wir waren die einzigen beiden Menschen hier in diesem Palast, außer… dort.

„Oh, Merlin!“, entfuhr es mir quietschend.

Harry zuckte ebenfalls erschrocken zurück. Wobei ich sofort auf meinen wackeligen Beinen war, bereit, zu handeln. Jetzt, wo der Nebel weg war, erkannte ich das Objekt, das die unheimlichen Geräusche verursacht hatte. Harry war mittlerweile auch aufgestanden, aber er lief sofort zu dem Etwas, das in einer teerblutigen Wasserpfütze lag und jämmerlich mickrig aussah. Ich selbst kam wie ferngesteuert vorwärts und wankte kurz, bevor ich näher zu dem Ding hinging, während ich einen penetranten Würgereiz unterdrückte, der in meiner Kehle kitzelte. Dort lag etwas von der Gestalt und der Größe eines nackten Kindes, das sich hilflos und von Krämpfen geschüttelt am Boden krümmte.

„Was bei allen Göttern…?“, brach ich würgend ab und drückte mir eine Hand vor den Mund.

In der Sekunde drehte es sich, sodass ich es genau sehen konnte und ich konnte nur noch denken: Boah, okay, doch kein Kind!

Das war etwas gänzlich anderes. Es sah runzelig, wund und rau aus, wie gehäutet lag es schaudernd in dieser nassen Kuhle, wo es unerwünscht, vor abschätzigen Blicken verborgen und schwer nach Atem ringend zurückgelassen worden war. Harry starrte wie hypnotisiert mit einer morbiden Faszination auf das Wesen. Er wollte nicht hin, aber doch zog es ihn zu diesem kleinen, gebrechlich und verletzlich wirkenden Ding. Er kam langsam immer näher, jederzeit bereit, zurückzuspringen. Indes sackte er langsam auf die Knie und streckte die Finger aus, alsbald war er so nah, dass er es berühren konnte. Man merkte seinen Widerwillen und doch ging es dann ganz schnell. Plötzlich überwand Harry sich und den Abstand und hob das babygroße Wesen auf seinen Arm. Naja, Harry kannte sich dank Lucien mit Kindern aus und so wirkte der Anblick sonderbar vertraut, beinah schmerzlich schön und doch war er widernatürlich und abstoßend.

„So sah er aus!“, meinte Harry gedankenverloren, während er das Ding auf seinem Arm sanft hin und her wiegte, um es zu beruhigen.

„Was?“, fragte ich überrumpelt und wollte am liebsten die Arme um mich selbst schlingen, um mich selbst zu wärmen, da mich dieser innige Anblick abstieß.

„Tom!“, zeigte sich Harry gedankenverloren in seinen Erinnerungen gefangen.

„So sah Tom auf dem Friedhof aus, bevor ihn Wormtail in den Kessel geworfen hat!“, ließ Harry mich an seiner Vergangenheit teilhaben und ich schluckte schwer die Säure hinunter, die meine Speiseröhre hochkroch.

Ja, ich erinnerte mich an den Abend des Trimagischen Turnieres, auf dem Friedhof als Cedric gestorben und der Lord in seiner schlangenhaften Gestalt wiedergeboren worden war.

„Das… ist absolut widerlich!“, gab ich aufrichtig zurück und verzog meine Mundwinkel vor gelebtem Ekel.

„Mhm!“, zeigte sich Harry unschuldig und blinzelte offen zu mir und zog die Schultern hoch. „Trotzdem fühlt er sich vertraut an!“, offenbarte Harry die tiefe Verbundenheit und Vertrautheit zum Lord, die mich innerlich frösteln ließ.

„Das glaub ich dir, Harry!“, versuchte ich einfühlsam zu sein, obwohl ich aber auch anklagend einen Zeigefinger erhob.

„Aber das ist der Teil von ihm, der seit deinem ersten Jahr in dir wohnt und wächst…“, meinte ich verstimmt und sah unsere Vermutungen bestätigt, dass es nicht so einfach werden würde, wie von mir erhofft, so wie Harry das Ding in seinen Armen beschützte.

„Ich weiß!“, kam es leise, beinah ein wenig schuldig von Harry.

Nun liefen ihm ungehindert die Tränen über die bleichen Wangen und gerade mit den getrockneten Blutspuren auf seinem Gesicht sah er unfassbar gebrochen aus. Er wirkte absolut traurig und schaukelte das ebenfalls weinende Etwas, welches das Seelenteil des Lords darstellte, und ich war nicht in der Lage, Harry auch nur im Ansatz Trost zu bieten.

Zur Hölle mit dem grässlich manifestierten Ding, konnte ich nur ständig denken!

„Komm… Harry, du weißt, was du zu tu-", begann ich, doch dann unterbrach mich eine sanfte Stimme.

„Harry“, kam der tröstlich sanfte Windhauch daher, der mich als auch Harry erstarren ließ.

„Daphne!“, wisperte Harry bodenlos fassungslos, aber gleichzeitig mit einem glückselig dümmlichen Gesichtsausdruck gesegnet, als er übergangslos mit dem Ding im Arm zusammenbrach. Er sackte schlicht zu Boden, aber schon war Daphne da, die in all ihrer zarten Schönheit hier war und ihre Arme um ihn schlang. Ich war vergessen, was auch besser war, da Daphnes unerwarteter Anblick auch an mir nagte.

„Wieso warst du nicht im Wald?“, stieß Harry weinend, aber auch ein wenig anklagend aus, während sie sich ihm näherte.

Diese beiden derart innig miteinander zu sehen, berührte mich und mein Herz zog sich noch schmerzlicher zusammen. Unterdessen fiel mir auf, dass er Recht hatte, sie hatte gefehlt. Aus dem Stein waren nur seine Eltern und engen Bekannten gekommen und so kämpfte auch ich mit meinen Emotionen. Sie hatte ich auch nicht retten können und gedacht hatte ich an sie auch gar nicht, denn ihr fehlen war mir gar nicht aufgefallen, anders als Harry, während das viel zu früh verstorbene Mädchen in einer unglaublich sanften Erscheinung vor uns stand und ich sie nur wie die Offenbarung, die sie war, anstarren konnte.

„Das kann nicht sein, das ist unmöglich!“, stotterte Harry und starrte sie erschrocken an, als er ihre Berührung spürte.

„Ich bin ständig da, mein Liebling!“, hauchte Daphne mit einem leicht melancholischen Lächeln und mit einer traurigen Sanftheit in ihrer Stimme, die selbst in mir nachhallte. „Dank dir!“, wandte sich ihr Haupt sachte zu mir und sie sah mich mit einem dankbaren Ausdruck in ihren grünbraunen Augen an, woraufhin mir beinah die Beine wegknickten.

„Ich… ich habe versagt!“, presste ich hervor. „Ich verdiene viel, aber keinen Dank für… nichts!“, fuhr ich sie harsch an, da ich mit all dem, was hier gerade passierte, nicht wirklich klarkam. Ich meine, niemand war tot und alles kam und stand von den Toten auf. Das war wie in einem Horrorfilm der wandelnden Toten und auch Harry knabberte an ihrem unerwarteten Wiedersehen.

„Nicht doch, Hermione“, wandte sie sich mit gütiger Tonlage an mich. „Wo nichts mehr ist, kann keiner mehr helfen… und das macht nichts, das ist der natürliche Gang der Dinge. Es ehrt dich, was du alles für mich versucht hast und ich habe gesehen, was du für Harry getan hast… gerade danach und ich bin dir dankbar… so unheimlich dankbar, dass er nie allein war…“, nickte sie mir bekräftigend zu.

„Daphne!“, stieß Harry weinend aus.

Er ließ sich zusammen mit dem Wesen in seinen Armen in ihre Arme sinken und zeigte all den Schmerz, der aus ihm heraus wollte, während ich konstatiert umher sah, da ich mich in dieser familiären Intimität ein wenig fehl am Platze fühlte.

„Ach… Harry, dank Hermione bin ich euch, meiner Familie, immer ganz nah…“, hauchte Daphne beruhigend und küsste Harrys wildes Haar zärtlich und mich überlief eine Gänsehaut bei der Vorstellung, was ich mal wieder ohne großes Wissen verbrochen hatte.

„Wie bitte?“, würgte ich deshalb auch tonlos hervor, da meine Neugierde, meine Fähigkeiten zu ergründen, gewann.

„Naja, ich hatte nicht den Mut, ein Geist zu werden. Ich bin weiter gegangen…“, sah Daphne auf und mir fest in die weißen Augen. „Aber ich bin nicht wie die anderen Toten, ein kleiner Abdruck, der geblieben ist, bis jetzt…“, gab sie zögerlich preis und meine Augen verengten sich zu Schlitzen und ich presste meine Hand auf mein hektisch, pochendes Herz.

„War ich das?“, brachte ich erschrocken hervor und sie schenkte mir so ein ähnlich dämliches sanftes Lächeln wie es mir vorhin Lily gezeigt hatte und dem ich absolut nicht trauen konnte. Niemand, der tot war, sollte so absolut zufrieden aussehen.

„Ja, natürlich!“, zeigte sich ein eifriges Kopfnicken bei Daphne. „Deine Versuche ermöglichten es mir, immer mal wieder zu euch schauen zu können… und Harry, ich bin so stolz auf dich und Lucien. Er ist ein Wunder und du bist der beste und aufopferungsvollste Vater, den man sich vorstellen kann!“, sprach sie wieder nur zu ihrem Mann und ich wich ein wenig zurück.

„Verschwindest du wieder?“, klang Harrys Stimme so voller Schmerz, weswegen sich mein Herz mitleidig zusammenzog und ich doch tatsächlich mit den Tränen kämpfte.

Das war alles gerade ein wenig viel. Severus, Daphne und diese Schlacht, ich fühlte mich völlig ausgelaugt.

„Ach, Harry!“, meinte Daphne wehmütig und blickte ihn milde an.

„Warum… warum warst du nicht bei mir im Wald?“, fragte Harry schniefend erneut. „Als… als ich den Stein der Auferstehung…“, brach er heiser ab.

Man fühlte, wie sehr ihn ihr nicht Erscheinen belastet hatte und ich in meiner eigenen Welt und meinem eigenen Verlust gefangen, hatte Daphnes Fehlen unter all den Toten nicht einmal bemerkt. Machte mich das zu einem schlechten Menschen?

„Ich bin mehr als sie und doch weniger…“, antwortete Daphne einfühlsam und erregte damit meine Aufmerksamkeit, aber bevor ich nachfragen konnte, kam sie mir zuvor: „Ich verstehe es selbst nicht, aber jetzt…“

„Harry?“, sprach plötzlich jemand mit kraftvoller Stimme.

Wir wirbelten schon wieder erschrocken herum, da wir also doch nicht so allein waren, wie bisher angenommen und ich kam mir wie in einem persönlichen Albtraum vor, denn Albus kam mit einladend weit ausgebreiteten Armen, wie Jesus, auf uns zu. Munter lächelnd, in einem wallenden, mitternachtsblauen Umhang, wirkte er so fidel wie eh und je und sofort schob ich mich zwischen das am Boden kauernde Paar und Albus, während ich auf seine weiterhin erhobenen Arme und Hände blickte. Diese Hände waren beide ganz gesund und weiß und unversehrt, nichts erinnerte mehr an seine verfaulende, verfluchte Hand, aber auch das Funkeln seiner Augen hinter seiner Halbmondbrille war das von früher, als er noch agil und gesund gewesen war.

„Harry, du wunderbarer Junge. Du mutiger, mutiger junger Mann!“, sprach er weiter und überging mich.

Dabei trug er dick auf in dieser gespielt optimistischen Jovialität zu Harry hin, die überhaupt nicht zu diesem Ort und dem grässlichen Wesen in Harrys Armen passte. Auch Daphne überging er völlig, dabei sah ich ihm an, dass er mich und sie sehr wohl wahrnahm, aber als störende Faktoren ärgerlich fand. Ja, Albus schien auf dieses Treffen gehofft zu haben, was für ein Schlitzohr. War es das nekromantische Ritual von Hogwarts, wenn man zum Schulleiter wurde, im Zusammenhang mit den Portraits der Verstorbenen, das dies ermöglichte?

„Dein auserwähltes Opferlamm will nicht mit dir reden!“, schaltete ich mich recht harsch ein.

Harrys Erlaubnis brauchte ich mich nicht versichern, denn Harry und Daphne hatten sich und mussten auch noch den Anblick des Lords ertragen, da brauchten sie nicht noch das alte Schreckgespenst.

„Das obliegt nicht dir!“, schoss mir Albus hart entgegen und der Blick aus seinen eisblauen Augen erstach mich geradezu.

Verschwunden war die gespielte Freundlichkeit und weg war auch die Fürsorge, die er bisher zur Schau getragen hatte. Anscheinend reizte ich ihn noch immer bis aufs Blut. Er sah mich mit bösem Blick an. Ja, das war mein Albus, nicht der Öffentliche. Er zeigte recht ungeniert, wie sehr er mich mochte und das beruhigte mich ungemein. Das alles war also kein zu guter Traum, sondern wahr und bei ihm war das dämliche Lächeln schnell verschwunden. Ich musterte ihn, ohne einen Deut zurückzuweichen, als er vor uns hielt, sein langes, silbernes Haar, sein langer gebundener Bart, die stechend blauen Augen, die Hakennase: alles war noch genauso, wie ich es in Erinnerung hatte, sogar noch plastischer als auf dem Portrait in Severus‘ Büro.

„Sie sind tot!“, sprach Harry leise in meinem Rücken mit geballter Inbrunst. „Gehen Sie!“

„Verschwinden Sie!“, fauchte auch Daphne wie eine Wildkatze, die sich selbst ein wenig vor Harry schob, dabei verdüsterte sich Albus‘ Blick umgehend und die aufkeimende Hoffnung, bei uns Gehör zu finden, erstarb.

„Aber Harry, verstehe doch, du bist noch nicht tot, zumindest im Großen und Ganzen, mein lieber Junge“, zeigte uns Albus mal wieder, dass er nur Augen für Harry hatte.

Wobei das Flackern in seinen Augen sehr wohl zeigte, wie sehr ihn Daphnes und mein Auftauchen auf dieser Seite irritierte. Damit hatte der Alte wohl nicht gerechnet und das genoss ich zutiefst.

„Nicht?“, fragte Harry den wie verrückt strahlenden, alten Mann gehässig.

„Nein!“, erwiderte Albus und Harry hob unwillkürlich seine Hand zu seiner offenen und noch immer blutenden Blitznarbe an der Stirn.

„Aber ich musste sterben, ich habe mich nicht verteidigt, der Avada… er… Sie wollten von Anfang an, dass ich sterbe!“, hielt ihm Harry ein wenig verärgert vor und wiegte noch immer das hässliche verkümmerte Wesen wie einen Schatz in seinen Armen.

„Aber… ja, Harry! Und das wird, denke ich, der entscheidende Impuls gewesen sein!“, verkündete Albus in seiner unnachahmlichen Art viel zu frenetisch und befriedigt, weshalb ich mit den Augen rollte, was nur niemand sah, da sie weiß waren.

Indes leuchtete Albus beinah, so glückstrahlend wie er dastand und regelrecht blendete in seiner selbstgefälligen Zufriedenheit. Noch nie hatte ich Albus so vollkommen offensichtlich glücklich erlebt, selbst Daphne starrte ihn angewidert an, als wäre er verrückt geworden.

„Sie haben damit gespielt? Mit der Aussicht, dass er vielleicht doch nicht sterben muss? Aber wenn es doch passiert, ist es Kalkulation?“, wisperte Daphne bodenlos entsetzt und pikiert aufgrund so viel Kaltblütigkeit einem Menschen gegenüber, der gerade mal 17 Jahre zählte.

„Mhm… für mich stand es nie außer Frage, dass ein Teil von Toms Seele in Harry steckte…“, drehte Albus Däumchen und nickte erfüllt davon, dass sein Plan aufgegangen war. Er zeigte sich mit einem breiten, ermutigenden Lächeln im ältlichen Gesicht und sein verächtlicher Blick lag auf dem hässlichen „Baby“.

„Dieses Seelenteil ist etwas, dem man nicht mehr helfen kann, ein zerfetztes Wesen, entstanden durch Toms Unwissenheit, in seiner unendlichen Gier und seiner bodenlosen Grausamkeit!“, begann Albus in seiner schrecklich blasiert wissenden Art.

„Das ist Riddle… ja, das ist er… Tom!“, meinte Harry wissend vor sich hin murmelnd und hielt das kleine verstümmelte Wesen weiterhin in seinen Armen fest umschlungen und sah beinah schon mitleidig auf das Seelenbruchstück hinab, während Daphne Harry immer wieder streichelte und er in ihren Armen, die wiederum ihn umfingen, leise seufzte.

„Ihr versteht nicht wirklich, was passiert ist, oder?“, fragte Albus in diesem schulmeisterlichen Ton, der in mir den Brechreiz förderte, aber es hielt ihn nicht auf, weiter zu sprechen. „Tom selbst hat sich aus Harry gerissen!“, fasste Albus das Geschehen im Wald zusammen.

Und die Vorstellung tat weh, vor allem, wenn man dieses Bild vor Augen hatte, denn das Wesen sah furchtbar aus. Vor meinen inneren Augen wiederholte sich das Geschehen, wie der Lord Harry mit dem Elderstab angegriffen und ihm den Todesfluch auf den Hals gehetzt hatte. Mit dem Stab, der eigentlich Harry hörig war. Er hatte damit nur erreicht, dass sich Harry und seine Seele zum ersten Mal seit diesem schicksalhaften Halloween trennten und sie sich nun gegenüberstanden.

„Verstehst du, Harry? Du bist zum ersten Mal allein, du bist ganz allein in dir selbst. Du bist nur noch Harry und Toms Seelenteil… ist das da…!“, lag nicht zu leugnende Verachtung in seiner Stimme.

„Hermione?“, fragte mich Harry mit einem Hauch Misstrauen, als er zu mir sah und Bestätigung wollte, da er Albus‘ Worten nicht traute, woraufhin ich die Schultern hochzog.

„Ach, Harry, das ist Magie!“, versuchte ich Harry das sonderbare und so magische Geschehen in einfachen Worten zusammenzufassen. „Du bist freiwillig gegangen, hast dich nicht gewehrt und das mit voller Absicht. Ich habe gesehen, dass du gezaubert hast, aber nicht in abwehrender Absicht, sondern in schützender…“

„Das hast du mitbekommen?“, entwich es Harry erstaunt und er wirkte alles in allem ein wenig peinlich berührt.

„Klar habe ich bemerkt, was du getan hast und dass du das gemacht hast, was deine Mutter damals bei dir getan hat, das…“ Er unterbrach mich, da er meine Meinung dazu gar nicht hören wollte, während Daphne und Albus sichtbar gespannt lauschten.

„Die Idee hatte ich schon länger“, gab Harry widerstrebend zu und ich verzog meine Mundwinkel zu einem schmerzenden Lächeln.

„Ja, das dachte ich mir, aber das Wichtigste war: dein eigener Stab, der Elderstab, dessen Herr und Meister du bist, sollte dich, seinen Gebieter mit dem Avada töten! So handeln Zauberstäbe nicht gegenüber ihren Gebietern. Sie sind treu und loyal und ihren Besitzern absolut ergeben. Die Chance, dass sich neue Wege eröffnen, sollte der Lord wirklich versuchen, dich mit dem Elderstab zu töten, standen schon immer enorm gut… hinzu kommt, du hattest einen Teil des Lords in dir, das wusste der Stab… von daher…“, erklärte ich akribisch, unterdessen funkelten mich vorwurfsvolle grüne Augen an. „Harry, was soll ich sagen? Ahnen, hoffen und wissen ist etwas gänzlich anderes und wenn der Lord in seinem Wahn nachdenken würde, hätte ihm das nie entgehen dürfen. Das was damals an Halloween passierte und mehr vor sich gegangen ist als er wollte und er in dir einen Horkrux erschaffen hat, den er so gar nicht geplant hatte. Dieser eine Horkrux zu viel, der nie hätte entstehen sollen.“

„Das ist alles?“, echote Harry ein wenig perplex ob der Fakten, aber auch ob meiner kühlen Analyse etwas konfus und ich fühlte mich gerade nicht wirklich als etwas Besseres als Albus.

„Oh nein, der Lord hat etwas ganz Entscheidendes vergessen, dank dem Fluch deiner Mutter konnte er dich früher nicht berühren. Du warst für ihn der Unberührbare, erinnere dich an Quirrell. Aber der Lord hat die Spielregeln geändert. Das hat er erreicht, indem er sein Seelenstück in dir zu etwas anderem gemacht hat, dir ähnlicher und viel mehr von ihm getrennt als jedes andere Seelenstück von sich davor!“, versuchte ich die komplexen Stränge der Magie zu erklären, die ihre eigene Gesetzgebung hatten.

„Wie? Und hätte er das nicht wissen müssen?“, hauchte Daphne hörbar gebannt und ich leckte mir nervös über die Lippen.

„Tja, das ist der Lord… auch das hat er vergessen. Nämlich, dass er bei seiner Wiederauferstehung auf dem Friedhof Harrys Blut, das Blut seines Feindes, für das Ritual genommen hat. Harry, dein Blut rauscht seitdem durch seine Adern. Ihr habt das gleiche Blut! Seit dieser Zeit teilt ihr noch so viel mehr als davor… als der Fluch deiner Mutter gebrochen wurde, sodass er dich wieder berühren konnte… dadurch änderte sich so viel, die Grenzen verwischten und Zäune wurden eingerissen…“, erhob ich meine blutbefleckte Hand in dem Wissen, dass Blut nie unschuldig und so kraftvoll und mächtig war wie nichts sonst, wenn Magie ins Spiel kam.

„Applaus, Applaus“, meinte Albus affektiert mit einer Prise Gehässigkeit und klatschte übertrieben in die gesunden Hände, damit errang er unser aller Aufmerksamkeit. „Du warst schon immer eine gelehrige Schülerin, der nur selten Fakten entgingen. Leider… leider hast du entschieden, dein Können anderen Personen zu Diensten zu stellen“, verkündete Albus mit dieser lehrmeisterhaften Art, die mir gewöhnlich Hauspunkte einbrachte und trotzdem schimmerte durch, wie wenig er von mir hielt. „Aber mein lieber Junge, sie hat Recht! Er hat Blut von dir genommen und seinen lebenden Körper damit neu erschaffen! Dein Blut in seinen Adern, Harry! Lilys Schutz in euch beiden! Er hat dich ans Leben gebunden, solange auch er lebt!“

„Solange einer von euch beiden lebt, kann keiner sterben!“, hauchte Daphne mit Tränen in den Augen, als ihr die bittere Erkenntnis kam. „Das ist wie ein Gefängnis!“

„Also… um der Prophezeiung Genüge zu tun, müsse wir beide sterben? Oder ist das dasselbe?“, brach Harry verwirrt ab, abgelenkt von dem Wimmern des gequälten Geschöpfes in seinen Armen, ein Anblick, der Albus sichtbar missfiel, so beschützend und behutsam wie Harry es hielt. „Du meinst, es ist… als würde er Selbstmord begehen und der Stab will ihn… beziehungsweise uns… daran hindern, es zu tun?“, überging er Dumbledore und wandte sich wieder an mich.

„Oh, das ist einfach ausgedrückt… aber ja, warum nicht, suizidale Absichten würde kein Zauberstab unterstützen!“, gab ich bereitwillig zurück.

„Das bedeutet, der Lord hat sich mit dem Avada auf mich jetzt selbst getötet, weil er das aus mir gelöst hat?“, hob Harry bei seinen Worten das gehäutete Bündel in seinen Armen ein wenig an.

„Nicht ganz, noch ist es nicht vollbracht!“, warnte ich leise und besah mir mit Sorge Harrys Bemühungen um das Wesen in seinen Armen. „Dieses Teil ist ein Horkrux, und du weißt, dass nur sehr wenig gegen Horkruxe wirksam ist und ein Avada gehört nicht dazu!“, meinte ich entschuldigend, denn die Aussicht, dass es ewig weiterging und nie einfach war, war zermürbend.

„Moment“, schaltete sich Albus gewichtig mit erhobenem Zeigefinger ein. „Du musst dir klarmachen, Harry, dass du und der Lord, dass ihr gemeinsam und zusammen in Bereiche der Magie vorgestoßen seid, die bislang noch unbekannt und unerprobt waren. Auch wenn du an sich der sechste Horkrux bist, so warst du aber in Toms Wahrnehmung nie da, weshalb er nicht innegehalten hat und sogar die Zahl sieben erschaffen hat, eine Anzahl, die er nie wollte. Der siebte Horkrux, den er nie willentlich erschaffen wollte!“, versuchte sich nun Albus in Erklärungen und rang begeistert über die Seltenheit der Ereignisse die Hände. „Er hat seine Seele so instabil gemacht, dass er damit nicht nur seine Seele, sondern auch seinen Geist, seinen Menschenverstand zerbrochen hat, als er diese unsagbar bösen Taten begangen hat: Den Mord an deinen Eltern, die versuchte Tötung eines unschuldigen Kindes. Aber was damals aus jenem Zimmer an Halloween vor 17 Jahren geflohen ist, war sogar noch weniger als Tom wusste, oder gar geahnt hat. Er hat mehr von sich zurückgelassen als beabsichtigt. Er hat einen Teil von sich selbst zurückgelassen, der sich an das ausersehende Opfer, das das einzig lebendige Wesen in der Umgebung war, festgeklammert hat…“, verkündete Albus die unschönen Fakten mit einer gewissen Faszination, die bei Magie möglich war. Es war nett, dass er uns endlich einweihen wollte und es war schön, dass er sie sich für diesen besonderen Moment aufgehoben hatte. „Tom wollte nie begreifen, was damals schief gegangen ist. Wenn es Tom nicht wertvoll erscheint, ist es ihm gleich und er macht sich nicht die Mühe, es nachzuvollziehen. Von Hauselfen und Kindermärchen, von Liebe und Treue und Unschuld weiß und versteht er nichts. Nicht, dass sie alle eine Macht haben, die seine eigenen Kräfte bei Weitem übertrifft, eine Macht, die weiter reicht als jede Magie. Das ist eine Wahrheit, die er nie erfasst hat. Ohne es zu beabsichtigen, wie du jetzt weißt, hat Tom, als er wieder in eine menschliche Gestalt zurückgekehrt ist, das Band zwischen euch verdoppelt, es gefestigt durch das gemeinsame Blut. Ein Teil seiner Seele war nach wie vor an deine geheftet, und während er geglaubt hat, dass er sich selbst mit seiner Tat stärk, hat er auch einen Teil des Opfers deiner Mutter in sich aufgenommen. Wenn er doch nur die schreckliche Macht dieses selbstlosen Opfers genau verstanden hätte, dann hätte er es vielleicht nie gewagt, dein Blut anzurühren… aber andererseits, wenn er in der Lage gewesen wäre, zu verstehen, dann könnte er nicht mehr der Dark Lord sein… aber er tat es… Er hat Blut von dir genommen, in dem Glauben, dass es ihn stärken würde. Er hat einen winzigen Teil jenes Zaubers in seinem Körper aufgenommen, den deine Mutter auf dich gelegt hatte, als sie für dich gestoben ist und danach konnte er dich sogar berühren, was ihm bisher unmöglich gewesen war, wie wir in deinem ersten Jahr an Professor Quirrell haben erkennen können. Nachdem er also diese zweifelhafte Verbindung hergestellt hatte, er also euer beider Schicksale noch fester miteinander verknüpft hatte, als es je bei zwei Magiern in der Geschichte der Fall gewesen ist, hat er dich jetzt mit dem Elderstab angegriffen. Er hat Angst vor dir, Harry, Angst, die er bisher noch nie hatte. Du hattest die Möglichkeit, den Tod zu akzeptieren, ja ihn sogar bereitwillig anzunehmen, etwas, zu dem Tom nie fähig war und nie fähig sein wird“, resümierte er mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck, der in meinen Augen symbolisierte, wie kalkulierend Albus vorging. „Und das ist dein taktischer Vorteil, diese innige Verbindung von euch, die dazu führt, dass du zu den Schlangen sprechen kannst, als auch zu dem Geist von Tom zutritt hast. Du verstehst, mein Junge? Solange dieses Seelenbruchstück, das mit dir verknüpft ist und dadurch geschützt wird, lebt und existiert, kann der Lord nicht sterben. Verstehest du jetzt, Harry? Toms Körper auf der anderen Seite des Schleiers hält Lilys Opfer lebendig und solange dieser Zauber überlebt, überlebst auch du und damit auch Tom Riddles letzte Hoffnung für sich selbst.“

„Und Sie wussten das? Sie wussten das die ganze Zeit, selbst als er bei den Dursleys war, selbst als er in die Schule kam…“, flammte nach dieser Rede Daphnes Zorn wieder richtig schön auf. „Schämen Sie sich, Dumbledore!“, spuckte sie ihm ihre Verachtung vor die Füße und im Stillen applaudierte ich ihr.

„Ja, Miss Greengrass…“, wandte Albus vorsichtig ein, aber wirkte dabei nicht wirklich schuldbewusst.

„Mrs. Potter!“, fauchte Daphne bissig und ich verbiss mir ein Lächeln.

_________________
Kapitel 663-664 Queeniesig-1
Nach oben Nach unten
queenie
Königin
Königin
queenie


Anzahl der Beiträge : 1586
Anmeldedatum : 08.02.12
Alter : 41
Ort : München

Kapitel 663-664 Empty
BeitragThema: II   Kapitel 663-664 EmptyDi Dez 31, 2019 11:05 am

„Natürlich, es tut mir leid…“, meinte Albus ein wenig eingeschüchtert und fuhr dann fort. Ja, ich habe es vermutet, aber nicht gewusst, jedoch erweisen sich meine Vermutungen bei Zeiten als durchaus richtig“, lag eine Selbstzufriedenheit in diesen Worten, die mich brechen lassen wollte.

„Diese beiden tragen jeweils die Essenz des anderen in sich! Ihre Zauberstäbe erkennen einander und spiegeln die Beziehung ihrer Besitzer zueinander wider: Verwandter und Todfeind zugleich! Beides gemischt zusammen mit der Macht deines gewaltigen Mutes und der Kraft des tödlichen Könnens des Dark Lords ergibt eine explosive Mischung!“

Seine Aussagen beschwichtigten, oder besänftigten weder Harry noch Daphne. Sie hatten diese beiden nur wütend gemacht und das geschundene Wesen in Harrys Armen erzitterte unter Daphnes schnaubender Wut.

„Warum hat er das nie erkannt?“, wisperte Harry über den Lärm seiner Frau hinweg und wirkte verloren in seinem Schmerz und seiner Pein.

„Voldemort fürchtet eure Verbindung!“, schaltete ich mich nun ein. „Vor nicht allzu langer Zeit hat er einen kleinen Vorgeschmack davon bekommen, was es für ihn bedeutet, wahrhaftig an deinem Geist teilzuhaben, damals im Ministerium. Es war Schmerz von einer Art, wie er ihn nie erlebt hat. Er wird nicht noch einmal versuchen, von dir Besitz zu ergreifen!“, ergriff ich das Wort und anscheinend wählte ich in Albus‘ Augen die rechten Worte, da er mir honorig wie selten zunickte.

„Ich verstehe nicht“, kam es ungeduldig von Daphne.

„Lord Voldemorts Seele ist verstümmelt und kann keinen engen Kontakt mit einer Seele wie der Harrys ertragen“, übernahm nun wieder Albus.

„Seele? Wir sprachen vom Geist!“, wandte sie mit erhobenem Zeigefinger ein.

„Im Falle von Harry und Voldemort heißt von jenem zu reden, auch von diesem zu reden“, gab Albus widerstrebend zu.

„Wie bitte?“, fiel jetzt sogar ich Albus ins Wort. Das war nichts, was ich bisher als Möglichkeit betrachtet hatte.

Aber Albus‘ blaue Augen funkelten mich mit einer Prise Überlegenheit und Übermut an, was mich sofort wieder reizte, ihm dies mit brachialer Gewalt aus dem Gesicht zu wischen und ihm eine zu knallen, aber dann überwog doch meine rationale Ader. „Es wächst?“, fragte ich bodenlos entsetzt und Albus gab einen verzückten Laut von sich.

„Aha… wie immer: Erwartungen übertroffen! Aber ja, zwischen diesen beiden wurde und wird die Verbindung immer stärker und inniger, die Grenzen verwischen. Es ist ein schmarotzerisches Wachstum: Manchmal denke ich, dass Tom selbst den Verdacht hegt, aber es sich nicht eingestehen kann und will, wie sehr er sich Harry ähnlich gemacht hat. Und deshalb sind die Dinge so bestellt, dass wenn Harry sich tatsächlich aufmacht, wahrhaftig das Ende Voldemorts gekommen sein wird“, versuchte es Albus mit unschuldiger Miene. „Ihr habt an den Gesetzen der Magie gerührt und jetzt…“

„Hat er mich mit dem Elderstab, Ihrem ehemaligen Stab getötet!“, schloss Harry mit neutraler, da schicksalsergebener Stimme.

„Nein, es ist ihm misslungen, dich mit meinem ehemaligen Stab zu töten“, korrigierte Albus lehrerhaft und man sah Harry an, dass ihn Albus wütend machte. „Nicht ganz, noch ist es nicht vollbracht, dieses Teil in deinen Armen ist ein Horkrux!“

„Sie haben gewusst, dass ich mich nicht drücken würde, dass ich bis zum Ende gehen würde, auch wenn es MEIN Ende sein würde. Denn Sie haben sich die Mühe gegeben, mich kennenzulernen!“, warf ihm Harry sichtbar aufgebracht vor, weil er hintergangen und ausgenützt worden war, als ich unnachahmlich blasiert a la Lucius in die Hände klatschte und mir einen wilden Blick von Albus einbrockte. „Ja, Dumbledore, Sie wissen genauso wie Tom, dass ich niemals wollte, dass jemand anderer für mich stirbt und Sie wussten, dass ich alles tun würde, um es zu beenden, ab dem Moment, wo ich wusste, dass dies in meiner Macht steht!“

„Mein Junge…!“, versuchte es Albus erneut, aber ein Schrei von Harry unterband seinen Einwurf und es lief damit semi-optimal für den ehemaligen Strippenzieher, der versuchte, schuldbewusst auszusehen.

„Ich bin nicht… und war nie Ihr Junge!“, brüllte Harry in bester Gryffindor-Manier und das Ding in seinen Armen erzitterte vor Angst, aber Harry kam gerade in Fahrt: „All diese unschuldigen Toten, die Sie hätten verhindern können! Allein nur wegen Ihnen!“, warf Harry ihm unversöhnlich vor. „All diese Toten, über all die Jahre und jetzt auch noch Fred und Remus!“

Hermiones Sicht Ende

Severus Sicht

Ich schlug die Augen auf und fühlte erstmal Schwindel und hatte einen Brummschädel, der sich sehen lassen konnte. Komisch flirrendes rötliches Licht verwirrte meine Sinne noch mehr.

Verfluchter, machtgeiler Lord! War ich tot?

Wohl eher nicht, dafür waren die Schmerzen zu echt und meine Umgebung suggerierte mir jetzt nicht unbedingt das Paradies im Himmel.

Wenn ich mal mein Glück zusammenfassend betrachtete, mochte ich wetten, dass ich anscheinend auf Hermione gemacht hatte. Jedoch hätte ich auf diese eklatante Erfahrung so was von getrost verzichten können, das glaubte man gar nicht.

Noch lag ich hier am Boden rum und überdachte, was mal wieder schiefgelaufen war. Fühlte sie sich auch immer so, wenn einer der grandiosen Pläne brachial in die Brüche ging? Das war eigentlich keine Erfahrung, die ich mein Eigen nannte.

Okay, es war meine Idee gewesen, Körper und Geist zu spalten und mich beschlich der Gedanke, war dies keine wirklich gute Idee gewesen war. Mir würde leider auch Naginis starrer Blick auf ewig ins Gedächtnis gebrannt bleiben und das Gefühl ihrer Zähne. Ihrer kalten, harten Reißzähne in meiner Haut, in meinem Fleisch. Aus purem Reflex fuhr meine Hand zu meinem Hals und ich berührte und erfühlte erleichtert die intakte Haut. Aber der Phantomschmerz ließ sich nicht vertreiben, denn ich hatte es gefühlt und gespürt, als wäre es ich gewesen und das war nichts, was man erleben wollte, um im Leben mitreden zu können. Ein wenig haderte ich, denn jetzt widerfuhr mir selbst mal nach langer Zeit das, was Hermione sonst so schmerzlich oft widerfuhr. Jetzt lernte ich die Unbill des Lebens auf derart mannigfaltigen Wegen kennen, dass ich schon jetzt keine Lust mehr darauf hatte. Denn so hätte das nicht laufen sollen. Auch dass ich selbst auf dem Boden lag, war etwas, was wenig würdevoll erschien und so raffte ich mich mit großer Kraftanstrengung auf und blieb erstmal auf meinem Hintern sitzen, da sich wieder alles drehte.

Als mein Double gestorben war, hatte ich den Kontakt zu meinem eigenen Körper verloren und mein Geist war orientierungslos herumgewirbelt worden, bis ich alles um mich herum verlor und alles in Dunkelheit versunken war und so besah ich mir nun meine Hand, die ich mir nah vors Gesicht hielt. Ich fühlte es, etwas stimmte ganz und gar nicht. Ich war nicht ganz richtig hier und nicht ganz richtig dort. Die alles entscheidende Frage war: Wo war ich genau?

Mit einem wackeligen Gefühl zog ich mich schlussendlich auf die Beine und war nur kurz irritiert, keine Hütte vor mir zu haben, oder den knorrigen Waldboden des Verbotenen Waldes. Ich befand mich auf sanften, saftigen Hügeln. Meine Umgebung erstrahlte in kräftigen, unnatürlich erscheinenden Farben, wie einem tiefen, dunklen Rot und einem viel zu satten, kräftigen Grün. Ich sah mich interessiert um. Das wirkte hier wie in einem Zahnschmerz bereitenden Märchen, zuckersüß und deshalb höchstwahrscheinlich umso gefährlicher, was mich die Lippen verächtlich schürzen ließ. Während ich die seichten Hügel, aber auch die saftigen Wälder, die großen Sträucher und üppigen Bäume mit leichtem Unglauben ansah, da sie golden erstrahlten und mich blendeten.

Ich blinzelte, goldene Baumstämme? Und das Blattwerk der Sträucher in Gold? Vielleicht wäre hier Lucius in seinem ganz persönlichen Paradies gelandet, ich aber eindeutig nicht! Es mutete irgendwie unwirklich und künstlich an, vor allem die Sonne war mir unangenehm, da sie mich in gleißendem rötlichem, irgendwie sonderbaren und unnatürlichen Licht beinah erblinden ließ.

„Krahhh“, dieser absolut unmelodische und völlig kratzige Ton ließ mich herumwirbeln.

Ich fand den Verursacher relativ flott. Die Krähe saß über mir auf einem goldenen Ast und der Schnabel klackerte unheilverkündend. Unterdessen hielten mich diese unglaublich stechenden schwarzen Augen gefangen, als völlig unerwartet der Nebel kam. Dicht, wabernd und so dreckig unpassend in dieser Umgebung, dass ich sofort versuchte, dem zu entkommen. Jedoch wurde der Nebel immer mehr und um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, formten sich vor meinen Augen zwei Schlangen aus den Schwaden. Sie bauten sich drohend vor mir auf und bremsten meine Flucht, da sie mir mit zischelnder Zunge drohten, weshalb ich starr stehen blieb. Nach meiner einprägsamen Erfahrung mit Nagini fühlte ich mich bei diesem Anblick gar nicht gut, denn diese Schlangen wirkten, obwohl sie aus Nebel waren, genauso plastisch in ihrer Bedrohlichkeit und es war, als glitten sie über schwarzen, sich aufbauschenden Stoff. An sich waren sie wunderschön geschmeidig und dramatisch in ihrer Angriffslust, die ihnen ins tierische Antlitz geschrieben stand, aber ich war unbewaffnet, kein Zauberstab lag in meiner Hand.

Ich sah mich ihnen ausgeliefert, genauso wie in dieser beschissenen Sphäre Nagini. Auch diesmal konnte ich schon wieder nichts anderes tun, als nur wie erstarrt dazustehen und abzuwarten, während sich diese beiden Viecher so leicht wie Rauch um meinen Körper wanden und mein Atem schneller wurde, da sie mich regelrecht mit ihren kräftigen Leibern fesselten und meine Bewegungsfreiheit sehr einschränkten. Es war furchtbar, beengend und beklemmend. Mir brach der Schweiß auf der Stirn aus und dann passierte es, es war wie ein Schlag auf meine Brust, als sich die Schlangen zusammenzogen und ich verbot mir den panischen Schrei, der mir über die spröden Lippen kommen wollte und landete einen Schlag später auf hartem Boden. Der bisher so triste, weiß-dreckige Nebel hatte sich in reinweiße, schummrige Schwaden verwandelt, die um mich waberten. Die Schlangen waren auch weg. Sie waren anscheinend das Tor zu den Welten Diesseits und Jenseits, wo ich mich halt gerade befand. Als würde mir ein Tor geöffnet werden und alle verschwommene, oder ungenaue Wahrnehmung veränderte sich und wurde scharf, markant und plastisch.

Mein Kopf fuhr herum, da ich Stimmen vernahm und meine Augen zogen sich zu misstrauischen Schlitzen zusammen. Ich war nicht allein, so viel stand fest.

„Mein Junge…!“, sprach ein alter Mann.

Kurz dachte ich mich im ersten Moment verhört zu haben, aber das war eindeutig Albus. Diese Stimme belästigte mich seit Jahren konstant und selbst im Tod, dank des Portraits, entkam ich seinen schlauen Sprüchen nicht wirklich, da er sich bei mir nie schlafend stellte. Was machte denn der hier? Entkam man ihnen, den Toten, nie? Selbst nicht, wenn man irgendwie nirgends war, waren sie immer noch bei einem, eine unerfreuliche Erkenntnis, die selbst den Tod, zumindest für mich, irgendwie schal schmecken ließ. Nichts mit Ruhe und Gemütlichkeit, sondern Generve bis in die Ewigkeit? Wenn das wirklich so war, sollte ich vielleicht doch nochmals Radus und Draculeas Angebot in Betracht ziehen und die Ewigkeit auf der Erde nicht von vornherein verteufeln?

„Ich bin nicht… und war nie Ihr Junge!“, kreischte Potter ziemlich cholerisch. Auch dessen melodische Stimme könnte ich aus Abertausenden herausfiltern und so setzte ich mich mit entschlossenen Schritten in Bewegung und der Nebel zu meinen Füßen öffnete sich mir einem roten Teppich gleich. „All diese unschuldigen Toten, die Sie hätten verhindern können! Allein nur wegen Ihnen!“, kam es unversöhnlich von Potter. „All diese Toten, über all die Jahre und jetzt auch noch Fred und Remus!“, schrie er weiterhin Albus nieder und eine meiner Augenbrauen wanderte in die Höhe.

Anscheinend hatte ich so einiges verpasst. Die waren auch tot? Ein teuflischer Twin und der Möchtegernwerwolf. Also wenn ich ehrlich war, überraschte mich der Twin mehr und würde auch der größere Verlust sein, vor allem für das Biest.

„Was für eine Leistung“, lag eine gewisse Gehässigkeit in diesen sarkastisch gesprochenen Worten, die mir entschlüpften und damit mein Erscheinen in der erhabenen Runde bekundeten und alle sofort herumwirbeln ließ.

„Severus… Severus!“, hauchte Hermione bewegt und wirkte bodenlos entsetzt, mich zu sehen.

Hermione, das Biest, das ich erst jetzt, da sich der Nebel um mich völlig legte, wahrnahm. Sie war mit ihren weißen Augen gesegnet und bezeugte für mich damit, wo wir hier in Wahrheit waren. Dann rannte sie los, sie rannte so schnell los, dass ich sie nur noch als Schliere wahrnahm. Nichts hielt sie mehr auf, während meine düstere Miene durchaus verkünden sollte, was ich von einem derartig überschäumenden Verhalten hielt, nämlich gar nichts, nur war es ihr leider völlig gleichgültig, da sie sich mir schlicht und ergreifend an den Hals warf.

„Severus…“, wisperte sie weinend und presste sich fest an mich, während ich dem Drang wiederum doch nicht Widerstand und sie selbst mit meinen Armen umfangen hielt. „Geht es dir gut, was ist da passiert… ich konnte dich nicht finden… was…?“, fragte sie hektisch stockend und ich strich ihr beruhigend über das wirre Haar.

„Na, seit wann wird denn das Biest zu einer Schmusekatze?“, erwiderte ich ein wenig sarkastisch, aber das brachte sie nicht dazu, von mir zu lassen, sondern handelte mir nichts mehr als ein Schnauben ein und sie drückte ihr Gesicht an meine Halsbeuge.

„Sir, ähm… leben Sie?“, fragte Potter vorsichtig und ich sah über ihren Lockenkopf zu der sonderbaren Ansammlung Toter vor mir. Was für eine eigentümliche Frage auf dieser Seite des Seins.

„Da Mrs. Potter und Dumbledore hier sind würde ich behaupten, alles ist möglich!“, wandte ich relativ trocken ein.

Dafür erntete ich eine ziemlich schräge Miene von Potter, wobei mir das nackte schorfige Bündel in seinen Armen auffiel, das er ohne jede Scheu fest an sich drückte. Absolut widerlich, aber noch abartiger war das Bild, das in meinen Gedanken entstand. Es erinnerte mich an seinen Sohn, den er sonst immer im Cottage im Arm gehalten hatte, zusammen mit seiner viel zu früh von uns gegangenen Frau. Der Anblick berührte mich unerwartet tief und ließ mich tieftraurig zurück, weshalb ich umgehend davon ablenken musste, indem ich mich an die Person wandte, die wirklich niemand hier haben wollte, während das Biest weiterhin nicht von mir abließ.

„Tja, Albus, niemand scheint es Ihnen zu danken, was Sie sich alles ausgedacht haben und doch läuft alles darauf hinaus, dass wir nun alle hier sind. Wir alle haben Potter beschützt, weil es notwendig war, ihn zu unterrichten, ihn zu erziehen, ihn seine Stärken erproben zu lassen, um ihn dann… sich opfern zu lassen, so was können nur Sie zustande bringen“, zählte ich schonungslos offen mit schnarrender Stimme auf. „Mhm… macht Sie das zu einem guten, oder schlechten Menschen?“, fragte meine zynische Stimme, die meine Zuhörer sichtbar elektrisierte. „Wo sind wir hier?“, herrschte ich alle an, während sich der Klammeraffe an meiner Brust nicht regte, oder gab ich nicht nach und hielt sie selbst weiterhin fest an mich gepresst? Eine Frage, der ich nicht auf den Grund gehen wollte.

„Keine Ahnung, Sir!“, hob Potter gespielt unschuldig seine Schultern.

„Gute Frage!“, kam es von Albus, der völlig über meinen Vorwürfen stand, während er sich nun selbst neugierig umsah. „Aber Harry, nur du kannst es uns sagen!“, meinte er jovial und erntete gespannte Blicke.

„Hä… aha…“, meinte Potter wie gewöhnlich langsam und wenig überzeugend und ich konnte mich selbst nicht rühmen, ein toller Lehrer gewesen zu sein, wenn so wenig dabei herausgekommen war, unfassbar.

„Oh, Harry, schau, das ist Kings Cross! Nur sauberer und leerer und anscheinend ohne Züge…“, freute sich die ehemalige Greengrass über die sich bildende Umgebung und ich konnte Potters Dramatik nur ein Kräuseln meiner Lippen abgewinnen.

„Was machen Sie hier, Severus?“, fragte mich Dumbledore aus heiterem Himmel.

„Ihr nächstes Schachspiel-Opfer, oder doch eher das Schwein auf der Schlachtbank?“, bot ich ein wenig fies an, während ich versuchte, Hermione dazu zu bewegen, sich von mir zu lösen. Was kein leichtes Unterfangen war, denn sofort schoss ihr Kopf hoch und beinah hätte sie mir einen Kinnhaken vom feinsten mit ihrem Schädel verpasst, während sie mich mit den durchscheinend weißen Augen anstarrte.

„Was habt ihr getan? Wo warst du und was soll das alles? Du darfst nicht sterben!“, gab sie ein wenig zusammenhangslos von sich, was ihr einen tadelnden Blick von mir einbrachte. Es war elementar wichtig, selbst in solchen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren, und nur kurz fragte ich mich, ob ich mich geschmeichelt fühlen sollte, dass sie anscheinend aufgrund meines Missgeschickes derart den Kopf verlor.

„Sehr gute Fragen und du weißt doch, wie das mit Plänen läuft, die irgendwie nicht den Willen haben, zu funktionieren!“, meinte ich ausweichend.

Auch ich war ein wenig frustriert, weil mich Lucius wohl jetzt immer damit aufziehen würde, wie ähnlich das Biest und ich uns in misslungenen Plänen waren. Keine besonders prickelnde Aussicht.

„Ihr habt das geplant?“, überschlug sich ihre Stimme und die Empörung ließ sie schrill klingen, selbst in meinen von unzähligem Schülergejammer abgehärteten Ohren war das ein kaum zu ertragender Ton, aber sie kam nicht dagegen an. „Warum wirkte das Gegengift nicht? Ich verstehe das nicht… das… ich habe dich nirgends gefunden!“, brach sie schluchzend ab.

Zu meinem Erschrecken barg sie ihr Gesicht übergangslos an meiner schwarz verpackten Brust. Sie wirkte aufgelöst und mich traf ein relativ frecher Blick von Potter, den ich stoisch erwiderte. Was bildete sich der Bengel ein?

„Mhm… ja, es gab keine Zeit…. wir haben improvisiert und tja… das war kein toller Move von ihnen allen, Sir…“, fühlte Potter sich von meinem Blickkontakt angesprochen, seinen Senf dazuzugeben und ich stieß ein Grollen aus. „Sie ist etwas durch den Wind… Frauen… autsch!“, meinte Potter und hatte sich augenscheinlich wegen seiner wenig netten Aussage von seiner verschiedenen besseren Hälfte einen saftigen Schlag auf den wirren Schädel eingefangen. Mein Mitleid war nicht vorhanden, wie mein gehässiges Grinsen kundtat, während Hermione einfach nur nicht losließ und ein wenig zitterte.

„Herrschaften!“, rief Albus gewichtig und meine Augen huschten zu ihm. „Wir sollten die Gegebenheiten nicht aus den Augen verlieren… der Horkrux…“, deutete er, um seine Worte zu untermalen, auf das hässliche Teil in Potters Armen.

„Ist nicht Ihr Butterbier!“, fauchte Potter hörbar wütend und das Wimmern des Wesens wurde lauter, während ich meinen Mund zu Hermiones Ohr senkte. Man musste die Gunst nützen, nicht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen.

„Hermione… das hier ist noch nicht vorbei… mir geht es gut, mein Körper ist heil und völlig intakt… und bisher hat auch kein Sog eingesetzt, um sich meiner Seele zu bemächtigen… ich denke, das Problem ist nur, Körper und Geist zusammenzuführen… da der Geist und der Körper, den ich besetzt hatte, wohl wahrhaftig gestorben ist…“, ließ ich mich zu einer umfänglichen Erklärung herab und endlich löste sich das Biest von mir und riss sich von mir los, sodass ich es bedauerte, sie nicht mehr zu fühlen und zu spüren.

„Das warst gar nicht du… dort in der Hütte…“, fuhr sie mich mit weiß blitzenden Augen an. „Aber… wer? Was hast du getan, dass du dann hier bist?!“, wollte sie sofort involviert wissen.

„Ein Ohnegleichen! Immer wieder erstaunlich, was für ein Blitzmerker du bist, Hermione“, schüttete ich schnarrend meinen beißenden Sarkasmus über ihr aus, während sie sich ihr lockiges Haar raufte.

„Das ist überhaupt nicht lustig, was macht Lucius…?“, fragte sie verärgert. Schön zu sehen, dass sie innerhalb weniger Minuten die ganze Klaviatur an Emotionen abrufen konnte, wenn es um mich ging. Eigentlich recht schmeichelhaft, wenn ich es genau bedachte.

„Bestimmt wie ein hirnloser Pfau durch die Gegend rennen und versuchen, einen Weg zu finden, um meinen Geist wieder mit meinem Körper zu verbinden…“, bot ich als Möglichkeit an und stellte mir Lucius dabei sehr plastisch vor, in dieser Hinsicht vertraute ich dem Pfau blind.

„Okay… ich sehe es, du warst nicht dort in der Hütte. Das war jemand mit Vielsafttrank… aber das waren deine Worte. Imperius… das erklärt nicht, wie der Verwandelte… das alles so sagen und tun konnte, das warst du… wie… wie hast du das gemacht?“, fasste sie sehr gut zusammen und ich applaudierte ihr gedanklich zu ihrem großen Verständnis.

„Oh, das war eine meiner brillanteren Ideen, ich habe…“, wollte ich ausholen und zu dem Teil kommen, der wahrhaft brillant war, aber halt auch delikat und gefährlich und der mich hierhergebracht hatte und nicht ganz so leicht zu erklären war.

„Müsst ihr so was jetzt bereden? Ich meine, wir haben Wichtigeres zu tun, als uns anzuhören, wie einfallsreich und genial ihr alle seid“, beschwerte sich Mrs. Potter, die sich in Hogwarts nie als besonders gute Schülerin hervorgetan hatte. Jedoch beachtete Hermione sie gar nicht.

„Wie kamst du jetzt hier her aus der Anderswelt? Das hier ist Harrys Reich hinter dem Schleier… ich weiß gar nicht, was schlimmer ist…“, erregte sie sich immer mehr und ich hob in Bestätigung meine dunkle Braue an.

„Oh, verstehe…“, kam es zögerlich von mir. „Ich war zuerst auf einer Lichtung, alles recht gülden mit rötlicher Sonne“, zeigte ich mich bereit, ihr mehr zu sagen und sie riss ihre Augen weit auf, alles in allem würde ich sagen, wenn sie ihre normalen Augen hätte, dass sie ein einen ängstlichen Ausdruck zeigen würde.

„Lugh“, entwich es ihr leise.

„Ja, der Name ist irgendwie eingängig, aber plötzlich war da ein Rauch und Nebel und alles so weiß und neblig-milchig und ich dachte, schau ich mir das mal an, vor allem als da zwei so Schlangen kamen… nach Nagini nicht unbedingt von mir gern gesehen…“, gab ich widerwillig, aber aufrichtig zurück.

„Das ist das Portal… die Schlangen sind die Wächter…“, teilte sie nun ihr Wissen und drückte meine Hand.

„Kurz davor war da eine Krähe… Elster… so ein schwarzer Vogel…“, sinnierte ich in meiner Erinnerung und wieder war sie mit einem Satz bei mir und ganz nah.

„Morrigan.“

„Wer zum Salazar soll das sein…?“, entfuhr es mir ein wenig ungehalten. Wie viele Personen gab es hier und wie viele hatte sie kennengelernt?

„Sie mochte mich, aber ich denke mit ihr ist nicht gut Kirschen essen, Ogma ist der Boss… dieser Ort ist gefährlich. Die Siofra… ich bin so froh, dass du nicht dort in der Unterwelt gelandet bist, das sind hässliche Riesendinger, die alles und jeden jagen… hier ist nichts… so wie es scheint…“, sprach sie schnell und ich hörte genau zu.

„Ich hoffe nicht, hier länger zu verweilen!“, gab ich mit beißendem Spott zurück.

„Wo ist Lucius genau?“, fragte das Biest gehetzt wirkend.

„Passt auf mich… passt auf meinen dornröschenmäßigen Körper auf!“, kam ich nicht gegen meine sarkastische Ader an und sie schüttelte wenig begeistert den Kopf.

„Ihr beiden steckt wirklich ständig unter einer Decke, es ist zum…“, sprach regelrechte Verzweiflung aus ihr und das amüsierte Zucken meiner Mundwinkel musste ich mir echt verkneifen. Irgendwie gab ich ihr alles zurück, was ich die Jahre über von ihr an Überraschungen hatte schlucken müssen.

„Sollten wir nicht daran gehen, zu ergründen, was an Harry…“, drangen zum ersten Mal wieder Albus‘ Worte zu mir und Potters unterbrechender Schrei war nicht zu überhören.

„Die Heiligtümer des Todes!“, meinte Potter triumphierend.

Dabei malten sich regelrecht fiese Gesichtszüge der Gehässigkeit auf sein Antlitz, jedoch verfolgte ich mit sichtbarer Zufriedenheit, wie die Erwähnung dieser Artefakte das fröhliche Lächeln aus Dumbledores Gesicht wischte.

„Ah, ja!“, kam es ein wenig beunruhigt und auch verlegen von meinem Vorgänger, der, seitdem ich hier erschienen war, zum ersten Mal wie ertappt mit ausweichendem Blick umher sah und sich mit einer Front konfrontiert sah, die ihm nicht wohlgesonnen war. Dann begann er zu schauspielern und zwinkerte übertrieben hinter seiner Halbmondbrille und mimte einen kleinen Jungen, der bei einem bösen Streich ertappt worden war, aber sich unschuldig gab.

„Kannst du mir verzeihen?“, fragte er Potter abrupt, nachdem er bemerkt hatte, dass er bei uns keine Chance hatte. „Kannst du mir je verzeihen, dass ich dir nicht vertraut habe? Dass ich dir nicht alles gesagt habe? Harry, du musst mich verstehen, ich hatte nur die Befürchtung, dass du scheitern und in Versuchung geführt werden würdest, so wie es mir selbst geschehen ist. Ich hatte die große Sorge und Angst, dass du meine Fehler wiederholen würdest. Ich bitte dich inständig um Verzeihung, Harry. Ich weiß seit einiger Zeit, dass du der bessere Mann bist!“, heuchelte der Alte in meinen Ohren geradezu, unterdessen verdüsterte sich Hermiones Blick zusehends und ich legte ihr eilig die Hand ins Kreuz.

„Wovon reden Sie da, Dumbledore?“, kam es unnachahmlich trocken von mir, aber der Mann reizte mich ungemein.

„Von den Heiligtümern und dem Traum eines verzweifelten Mannes!“, versuchte Albus Dumbledore gespielt leicht meinen Einwurf aufzugreifen und sich zu rechtfertigen, aber das nervöse Zwinkern seiner Augenlider sprach vom Gegenteil. Die Erwähnung der Heiligtümer brachte ihn völlig aus dem Konzept.

„Sie wollten sie wirklich alle haben“, echote Potter empört. „Nicht nur den Stab… den Elderstab?“, zeigte sich Potter minimal fassungslos und auch angewidert von Albus‘ Machtgeilheit, die ihn mit Grindelwald und dem Lord augenscheinlich sehr wohl verband und ihnen allen dreien zu Eigen war.

„Sie sind wahrhaftig und wirklich… aber sie sind gefährlich und eine Verlockung für Narren“, gab Dumbledore unumwunden zu, dabei wirkte er peinlich berührt.

„Keine Neuigkeit, dass Sie ein Narr sind!“, zeigte sich meine nachtragende Seite, die ich nicht zurückhalten konnte und ich hörte, wie Hermione ein Kichern unterdrückte.

„Ja, ich war ein Narr!“, wandte sich Albus zu uns allen um und Tränen funkelten in seinen leuchtend blauen Augen. „Gebieter des Todes! Meister des Todes! Sie wissen, was das bedeutet, nicht wahr… Miss Granger?“, sprach er zu aller Verwunderung Hermione an, die sehr gerade wurde bei seiner Ansprache und selbst ich sah sie abwägend schräg von der Seite her an, gespannt, ob sie sofort etwas sagen würde, aber Albus war noch nicht fertig. „Aber war ich deshalb besser als Tom?“, fragte er ins Nichts, als meine Partnerin einen Schritt vortrat.

„Ich fürchte die Heiligtümer und strebte nie nach ihnen!“, gab sie Albus schonungslos zurück und dieser verzog schmerzlich seine Mundwinkel.

„Wahrlich dein wohl einzig guter Charakterzug, zu erkennen, was gefährlich ist und was nicht… und abwägend… zu entscheiden, welches Risiko sich lohnt… und welches nicht!“, wirkte Albus wie ein Kind, das sich selbst beruhigen wollte, in seiner Überlegung, ob er ihren Worten glauben sollte oder nicht.

„Doch auch ich habe nach einem Weg gesucht, den Tod zu besiegen, Harry!“, versuchte sich Albus zu rechtfertigen.

„Heiligtümer gegen Horkruxe!“, warf ich zynisch ein und kam nicht gegen den verächtlichen Klang an, als wäre mir dies alles als Möglichkeit wahrlich suspekt.

„Nein!“, kam es schneidend hart von Hermione. „Du warst nie wirklich der Besitzer, Albus, von nichts und das weißt du… du warst nie bereit, dich etwas voll und ganz hinzugeben, das kannst du nicht, bei nichts und niemandem, auch bei Gellert nicht!“

„Was fällt dir ein…?“, brauste der Alte plötzlich ziemlich herrisch auf und richtete sich mit aggressivem Blick zu voller Größe auf.

„Die Wahrheit auszusprechen?“, reizte ihn das Biest ohne Scheu. „Sie waren damals nichts weiter als zwei arrogante Jungen…“, warf sie ihm sichtbar unbeeindruckt vor.

„Wir waren klug, schlauer als alle anderen…“, erwiderte Albus hitzig und offenbarte, dass ihm bei Hermione oft das schöne Gesicht verrutschte, das er so gerne der Welt vorspielte.

Er war arrogant und selbstverliebt und das schon immer gewesen. Er sah sehr wohl auf andere herab und ich verbiss mir ein lautes ironisches Lachen. Ja, die Kleine hatte es schon immer geschafft, alles und jeden im Guten wie im Schlechten an seine Grenzen zu treiben und all unsere besten oder auch schlechtesten Seiten schonungslos offenzulegen. Das schaffte nicht mal Lucius derart verlässlich, darauf durfte und konnte sich das Biest ruhig etwas einbilden.

„Nur, dass die Heiligtümer kein Spielzeug sind und nie waren. Legenden haben oft einen wahren Kern und niemand sollte Geschichten von vornherein abtun. Die Brüder werden experimentiert und geprobt haben, sie haben mit der Nekromantie gespielt…“, verkündete ich gewichtig.

Lucius und ich waren darin übereingekommen, nicht dieselben Fehler begehen zu wollen, wie die großen Männer, die uns umgaben. Wir sahen es als nicht erstrebenswert an, zu enden wie Gellert Grindelwald, Albus Dumbledore oder Tom Riddle.

„Wie einige andere unter uns!“, kam es relativ gehässig von Albus, der anklagend auf das Biest deutete. „Die Brüder waren begabte, machtvolle Zauberer, um derart magische Gegenstände herstellen zu können! Den „Tod“, dem sie angeblich gehörten, gibt es nicht als Person…“, schränkte er ein, als ein lautes Schnauben unsere Überlegungen unterbrach.

„Falsch“, schüttelte Hermione ihr lockiges Haupt, das selten derart lasch ausgesehen hatte, aber man sah ihr die Anstrengungen der Schlacht und die Sorgen um Gott und die Welt inzwischen an. Albus wollte schon zum Gegenschlag ausholen, aber sie war schneller. „Du verkennst mal wieder Fakten, Albus“, tadelte sie belustigt und das raubte ihm schlussendlich die Worte. „Die Gegenstände kamen und kommen immer von hier! Hier liegen ihre Macht, ihre Kraft und ihre Stärke. Denn der Tod sind sie; die Túatha Dé Danann! Sie gaben den Brüdern die Artefakte… waren diese Nekromanten? Mit Sicherheit! Waren sie SoulGatherer? Vielleicht, vielleicht etwas anderes oder ähnliches, aber ich erkenne die Struktur und die Beschaffenheit der Gegenstände. Die Heiligtümer sind Gaben der Herrscher der Anderswelt und nichts anderes!“

„Wie bitte?“, hauchte Albus sichtbar aufgewühlt ob dieser Offenbarung, die allen augenscheinlich neu war, nur ihr nicht.

„Ja, du kennst so viel nicht, Albus, in deinem Bestreben, „rein“ bleiben zu wollen und alles zu verteufeln, das unbekannt ist. Da ist der Lord Albus Dumbledore ähnlich, nicht ergründen zu wollen, wie wo was, sondern nur ob es einem dienlich ist. Dir ist immer so viel verborgen geblieben. Es gibt so viel mehr Diesseits des Seins!“, sprach unverkennbar schmerzhafte Erfahrung auf ihren Worten.

„Magier sind so stumpf und voreingenommen, als wäre jemand nicht Göttliches in der Lage, derartiges zu erschaffen“, kam es zynisch von Potter, der ziemlich fies aussah und Hermione erwiderte das wilde Lächeln und fuhr fort.

„Es ist so einfach, Harry… verstehst du es? Die Túatha Dé Danann gaben den Brüdern, nachdem sie es wagten, mit ihnen zu spielen, die geforderten Heiligtümer. Aber niemand spielt mit diesen Wesen, jeder zahlt einen Preis dafür, dass sie diese Göttlichkeit kennenlernen, glaub mir. Zwei Brüder wählten falsch und diese zwei Artefakte gingen verloren, aber ein Heiligtum war eine gute Wahl und wurde über die Jahr-Jahrhunderte immer innerhalb der Familie weitergeben, vom Vater zu Sohn, von Mutter zu Tochter, bis hin zu Ignotus‘ letztem lebenden Nachfahren, der, wie Ignotus selbst, in dem Dorf Godric’s Hollow geboren wurde und der der einzig wahre Besitzer ist…“

„Ich!“

„Ja, du, Harry…“, stimmte sie seinem erschrockenen Ausruf zu und die ehemalige Greengrass presste sich die Hand vor den Mund, als wäre ihr schlecht. „Ja, es passiert nie etwas ohne Grund und du hast als letzter lebender Nachfahre zum ersten Mal alle drei Heiligtümer in dir selbst vereint… damit ist so viel möglich… oder auch nicht…“ wisperte Hermione bewegt und selbst mir blieb die besondere Tragweite dieser unfassbaren Offenbarungen nicht verborgen.

Ich kämpfte um meine nichtssagende Miene, da ich bodenlos ergriffen von der Erkenntnis war, wie besonders Potter tatsächlich war.

Tja, das war nicht ohne!

War das der Grund, weshalb Potter und Hermione eine derart enge Freundschaft pflegten? Weil sie das Dunkle seines Vorfahren in ihm erkannte? Ging das? Trug man seine Sünden über Generationen hinweg, oder gab sie ständig weiter? War Selbstbestimmung und Selbstfindung eine Erfindung? Und alles war von vornherein vorherbestimmt, weil man nie rein und nie nicht vorbelastet war? Hatte auch Lord Voldemort böse werden müssen, weil er eben der war, der er war? Und Potter der Retter, weil er diesen einen Ahn hatte?

„Der Lord ist… ebenfalls verwandt mit einem dieser Brüder, mit Cadmus, aber er glaubt nicht an solche Dinge… er erkennt ihren Wert nicht. Es war spannend, wer von euch beiden das Rennen macht…“, erklärte das Biest mit brechender Stimme und sie war sich der Aufmerksamkeit aller sicher. „Er strebte nie danach, hinter den Schleier zu blicken, er hatte anderes im Sinn. „Vol de mort“ ist Französisch und bedeutet so viel wie „Diebstahl des Todes“. Er wollte nicht der Herr des Todes sein, er wollte den Tod überlisten, indem er seine Seele zersplitterte und in vielen Einzelteilen versteckte, aber er ist ein Ahn Slytherins, ein Ahn Cadmus‘ Peverells, während Harry der Ahn von Ignotus Peverell war. Es hängt alles zusammen, aber der Lord stahl und mordete für die Artefakte. Harry nie…“, verstummte Hermione und Potters Frau rannen stumme Tränen der Rührung über die blassen Wangen. Potter starrte mit blindem Blick auf das Wesen in seinen Armen.

„Ja, es hängt alles zusammen“, gestand auch Dumbledore nach einem tiefen Seufzen widerwillig ein und er rang seine faltigen Hände, als er mit einem Schritt vor Potter trat. „Harry… ich… ich nahm deinem Vater den Tarnumhang und damit vielleicht den Schutz vor dem Tod.“ Potters Blick flog ungläubig zu Albus. „Harry, es tut mir so unendlich leid…“ Ich blinzelte ob dieses unerwarteten Eingeständnisses und erlebte, wie alle vor Anspannung erstarrten.

Das schlug dem Trankfass den Boden aus, das hier war besser als jede Versammlung, die ich egal wo bisher erlebt hatte. Ich fand es spannend und lauschte gebannt. War ich vielleicht gar nicht Schuld am Tod der Potters? An Lilys Ableben? Es würde zu Albus passen, mir dies Jahrzehnte lang vorzulügen.

„Was meinen Sie?“, flüsterte Potter tonlos.

Auch er schien die Bedeutung dieser Aussage noch gar nicht fassen zu können und Albus holte erst einmal tief Luft, bevor er mit dünner Stimme fortfuhr: „Der Tarnumhang war in der Nacht, als deine Eltern starben, in meinen Händen. James hatte ihn mir nur wenige Tage zuvor offenbart. Was zum ersten Mal erklärt hatte, warum ihm so viele Missetaten in der Schule nicht nachzuweisen gewesen waren! Ich erkannte den Umhang sofort als das Heiligtum, der er war. Ich war verzückt und konnte kaum glauben, was ich da sah und in Händen hielt. Das war der Beweis neben dem Elderstab, es gab die Heiligtümer wahrhaftig und wirklich. Gellert und ich hatten nicht nur einem Hirngespinst hinterhergejagt. Es war wahr! Ich bat darum, den Umhang auszuleihen, um ihn zu untersuchen. Schon seit langem hatte ich meine Träume aufgegeben… die Heiligtümer zu vereinen war plötzlich eine greifbare Möglichkeit. Ich konnte nicht widerstehen, ich musste ihn haben.“

Gleichzeitig stießen Hermione und Mrs. Potter Misstöne aus, während Potter ihn nur mit düsterer Miene betrachtete und Albus trotz dieser Ablehnung weiter den Mut fand, um mit seiner Erzählung fortzufahren: „Ja, ein perfektes Wunder, vollkommen, uralt, in jeder Hinsicht einmalig… passend zu mir, ich war begabt, brillant und… Hoffnung keimte auf, meine alten Fehler wettzumachen. Die Fehler aus meiner Jugend. Ich hatte glänzen wollen. Ich wollte Ruhm, ich war selbstsüchtig, Harry! Selbstsüchtiger als du, der du ein bemerkenswert selbstloser Mensch bist.“ Ein schmerzlicher Ausdruck zog über Albus‘ altes, faltiges Gesicht, sodass er uralt wirkte. „Dann starb dein Vater und ich hatte endlich zwei Heiligtümer, ganz für mich allein!“

„Sie haben meine Eltern geopfert…?“, zog es Potter mal wieder den Boden unter den Füßen weg und seine Stimme brach unter dieser erschreckenden Erkenntnis, dass niemandem zu trauen war.

Wie spannend, es unter diesem Aspekt zu betrachten. War nicht nur Wormtails direkter Verrat Schuld am Tod der Eltern, sondern auch Albus‘ Tat, James den Tarnumhang wegzunehmen? Vielleicht, vielleicht auch nicht, aber all dies machte es noch verwerflicher und auch, dass er immer versucht hatte, mir und meiner Spionage die Ermordung der Potters in die Schuhe zu schieben.

„Wow, eine saubere Leistung, Dumbledore, das toppt sogar so einiges von dem, was ich mir geleistet habe!“, amüsierte ich mich gerade köstlich über Albus‘ Leid und ein zutiefst betroffener Blick seiner blauen Augen traf mich und einzelne Tränenspuren zogen sich über seine fahlen Wangen.

„Ja, meine Faszination für die Heiligtümer ist mehr als verwerflich! Es war ein unwiderstehlicher Reiz. Der unbesiegbare Zauberstab, der uns die Macht bringen würde, der Stein der Auferstehung, für Gellert bedeutete er, obgleich ich vorgab, es nicht zu wissen, eine Armee an Inferi! Für mich bedeutete er, wie ich gestehen muss, die Rückkehr meiner Eltern und später auch die Wiederkehr meiner Schwester. Nur der Tarnumhang war nie wichtig, wofür ein Umhang? Wir waren Zauberer und konnten uns auch so ganz gut verstecken, aber dann erkannte ich, als ich ihn besaß, dass sein wahrer Zauber natürlich darin bestand, dass er nicht nur für den Besitzer Schutz bedeutete, sondern auch Schirm für andere sein kann. Ich mutmaßte, dass ich darunter Ariana vor dem Tod würde verbergen können, aber vor allem interessierte er mich nur, um die drei komplett zu machen, damit sie in ihrer Gesamtheit ihre Macht offenbaren konnten. Denn der Legende nach würde derjenige, der alle drei Gegenstände vereinte, zum wahren unbesiegbaren Gebieter des Todes werden.“

„Dieser Wahn hat dich selbst nach Arianas Tod nicht losgelassen, sondern immer begleitet, bis in die Hütte der Gaunts“, warf das Biest ihm unversöhnlich vor und ihre Abneigung spiegelte sich in jeder Pore wider. Sie machte sich nicht die Mühe, diese zu verbergen.

„Ja, nach all diesen Jahren das verlorene dritte Stück zu finden, den mir so wertvoll erscheinenden Stein der Auferstehung, das ließ mich den Kopf verlieren, ich wollte es versuchen und probieren… und…“, zog Albus die schmächtigen Schultern in einer resignierenden Geste hoch.

„Sie haben nie etwas gelernt, sind immer den Versuchungen der Macht erlegen!“, erhob Potters verstorbene Frau mit weisen Worten ihre Stimme und klang dabei schlauer, weitsichtiger und demütiger als wir alle zusammen.

„Ja, genau… ich war ein Narr, nach all den Jahren erlag ich wieder der Aussicht und es zeigt noch mehr, wie unwürdig ich war, die Heiligtümer zu vereinen. Das war der endgültige Beweis, dass ich absolut nicht für diese Macht geeignet bin“, kam die Erkenntnis für einen derart alten Mann etwas spät, aber wie dachte ich immer, besser spät als nie, wobei bei mir die Ironie überwog.

„Hermione“, sprach Mrs. Potter die junge Frau neben mir mit bewegter, brechender Stimme an. „Du… du hast es immer gehört, das Wispern, die Versuchung, die Versprechungen… nicht wahr?“, fragte sie vorsichtig.

„Ständig!“, servierte das Biest mit einer gewissen Arroganz, aber auch mit einer nicht versteckten Anspannung. „Aber ich war nicht bereit, so dumm zu sein und der Versuchung nachzugeben, alles was von dieser Seite, von den Túatha Dé Danann kommt, kann nur schlecht, böse und gefährlich sein!“, spuckte sie verächtlich aus und ich lauschte sehr wohl auf die Zwischentöne.

Sie hatte Angst! Angst vor diesen Wesen. Angst vor dieser anderen Seite, Angst vor der Anderswelt und ich nahm an, dass das nicht von ungefähr kam und wenn sie das so offen zeigte, zumindest so offen für mich, dann war das ernst zu nehmen und ich nahm das Biest und ihre Intuitionen sehr ernst.

„Ich wurde demütig“, entfuhr uns allen ein Ton der ungläubigen Abfälligkeit, als Albus wieder zu Wort kam. „Oh doch, es gab Gründe, weshalb ich niemals den Posten des Zaubereiministers angenommen habe, denn ich hatte gelernt, dass man mir besser keine Macht anvertrauen sollte.“

„Man konnte Ihnen ohnehin nie trauen…“, kam es vorwurfsvoll von mir. „Sie konnten sich selbst nicht trauen!“, deckte ich schonungslos eine der größten Schwächen dieses mächtigen alten Magiers auf.

„Korrekt, Severus! Ja, ich hatte als junger Mann bewiesen, dass Macht meine Schwäche und Versuchung war. Es ist merkwürdig, Harry, aber diejenigen, die nie nach Macht strebten, sind viel besser geeignet, sie auszuüben. Denjenigen, denen die Führung aufgedrängt wird, wie dir, und die dann widerwillig das Zepter übernehmen, weil sie es müssen, stellen dann oft mit eigener Überraschung fest, dass es ihnen gut steht. Aber… ich? In Hogwarts war ich sicherer…“, versuchte sich Albus in Demut, aber dieses gespielte Bekehrte passte irgendwie nicht zu seiner Person und ich kaufte ihm das nicht ganz ab.

„Gute Erkenntnis“, warf Hermione gehässig ein, aber auch ihr war der Zweifel anzuhören.

Ich dachte über diese wahrhaftig weise Aussage nach und mir stand Lucius vor Augen, der schlussendlich auch nie nach dem obersten Posten strebte. Auch er hatte diese Erkenntnis schon früh in sich selbst entdeckt und hielt sich deswegen in der zweiten Reihe auf. Dieser Mann und seine weitsichtigen Entscheidungen und Einschätzungen beeindruckten mich ab und an doch. Lucius war viel, aber kein einfältiger Narr, anders als Dumbledore.

Albus fuhr, nachdem er Hermione zugenickt hatte, wieder fort: „Genauso verhält es sich mit der Vereinigung der Heiligtümer, nur ganz, ganz wenige, sehr besondere Menschen sind in der Lage, alle drei zu einen. Ich eignete mich nur dafür, das Geringste davon zu besitzen, das am wenigsten Außergewöhnliche. Ich war nur dafür gut, den Elderstab zu besitzen und nicht damit zu prahlen und nicht damit zu töten, weil ich ihn nicht zu meinem Vorteil einsetzte. Aber der Tarnumhang, den habe ich aus eitler Neugier an mich genommen und so hätte er für mich niemals dieselbe Wirkung entfalten können wie für dich, Harry, seinen einzig wahren Eigentümer, dem Erben des Ersten. Der Stein war nur etwas, um meiner Eitelkeit zu frönen, um die zurückzuholen, die seit Jahren friedlich ruhten. Du bist der würdige Besitzer aller Heiligtümer: Harry Potter! Der Gebieter des Todes! Der Stab gehört dir, auch wenn du ihn nicht in Händen hältst, der Tarnumhang ist an deinem Körper und ist dein Erbe und der Stein…“, deutete Albus auf Potters Hand, die das jämmerliche Wesen umfasst hielt.

„Mhm… der Ring?“, fragte Potter perplex, als seine Augen dorthin huschten, wo er das Kleinod am Finger trug. „Das war Hermione!“, meinte er dann mit zuckenden Schultern.

„Wie immer ist auf Miss Granger Verlass…“, verließ ein schneidendes Lob die schmalen Lippen Dumbledores, woraufhin sie ihm ein wölfisches Grinsen schenkte.

„Harry hat ihn im Wald fallen lassen und ich habe auf der Lichtung, als er sich dem Lord gestellt hat, dafür gesorgt, dass er ihn trägt. Ich habe ihn gerade noch so auf deinen Finger bekommen, Harry… bevor wir hier gelandet sind!“, bekannte sie ein wenig unwillig, dass man sie dafür feierte, etwas derart Riskantes gewagt zu haben. Das Biest schaffte es immer wieder, mich zu überraschen. „Ich sagte dir, gehe nicht ohne mich! Und das nicht ohne Grund“, meinte sie tadelnd zu Potter und verzog die Mundwinkel in einer leidlichen Grimasse.

„Du bist verrückt, das weißt du, oder?“, wisperte Potter bewegt und seine Züge verzogen sich zu einem verzückten Lächeln.

„Miss Granger war immer daran interessiert, die Grenzen auszutesten. Aber ich hätte nie erwartet, dass sie bei den Heiligtümern derart selbstlos handelt!“, gab Albus unumwunden zu und der Widerwille, das einzugestehen, stand ihm wie der Verzehr von Säure-Drops ins Antlitz geschrieben.

„Es war stets deine Sorge, dass ich Harry dessen Platz als Gebieter der Heiligtümer streitig machen würde“, wandte sie tonlos ein und wirkte ein wenig beleidigt.

„Die Angst bestand tatsächlich! Erst recht, nachdem du mich aus der Hütte der Gaunts gerettet hast, damit warst du mehr, oder weniger im Besitz aller drei Gegenstände. Der Stein war deiner, der Umhang Harrys und ich… der Stab, auch wir waren auf Hogwarts in greifbarer Nähe…“, ließ Albus in seine Gedankenwelt blicken und erntete nichts als abfällige Laut von uns.

„Und ich habe noch nie jemanden gesehen, der mehr Angst hatte, die Heiligtümer anzufassen, als die Schönste…“, meinte Potter freudlos.

„Warum haben Sie es so kompliziert gemacht, alter Mann?“, fragte ich ein wenig müde, woraufhin Albus zu mir herumwirbelte.

„Warum? Ich befürchtete, dass Harry in seiner Jugend und mit seinem hitzigen Temperament gesegnet meine Fehler begehen könnte und er sich der Heiligtümer zur falschen Zeit und aus den falschen Beweggründen bemächtigen würde, aber sie mussten bei ihm sicher sein vor Missbrauch. Er ist der wahre Gebieter des Todes, weil der wahre Gebieter nicht versucht, vor dem Tod wegzulaufen. Er hat keine Angst vor diesem natürlichen Gang. Er nimmt hin, dass er sterben muss und begreift, dass es viel, viel Schlimmeres in der lebendigen Welt gibt als zu sterben!“

„Ha, auf der anderen Seite gibt es auch ganz viel Schlimmes“, warf Hermione relativ desillusioniert ein.

„Leben und Tod sind Abenteuer zugleich und doch fürchtet Tom den Tod am meisten. Er glaubt nicht an die Heiligtümer, die Harry auch schützen. Er besaß den Stein, aber er erkannte ihn nicht, hätte er Merope, seine Mutter, zurückholen können, hätte er gewollt? Ich bezweifele es… er wäre an nichts interessiert gewesen, was schon tot war. Den Tarnumhang, den braucht ein Dark Lord nicht, so ging es Gellert und mir ähnlich in unserer grenzenlosen Überschätzung. Tom fürchtet den Tod und erkennt nicht, dass der Umhang genau davor Schutz bietet! Er liebt nichts und niemanden, sich selbst auch nicht. Wer verschandelt sich derart selbst, zerfetzt seine Seele, zeigt sich aber auch in seiner Erscheinung derart hässlich, dass man kein Mensch mehr ist, dass man alles Menschliche in sich zerstört hat?“, fragte Albus hitzig und involviert, derart wie sein Gewand hin und her wallte.

„Aber den Elderstab, den wollte er und das wussten Sie!“, stellte ich schnarrend klar und kräuselte meine spröden Lippen.

„Oh ja, seit Little Hangleton… seitdem er gesehen hat, dass sein eigener Stab wertlos gegen Harrys ist. Mit dem Wissen habe ich kalkuliert, in der Hoffnung, ihn gut genug zu kennen und zu wissen, was er besitzen wollte!“, offenbarte Albus ein weiteres Mal, wie manipulativ er vorgegangen war.

„Und dann bin ich ins Spiel gekommen!“, fiel ich ihm wieder ins Wort und reckte meine schwarzverpackte Brust raus. Zu einem opferbaren Bauern degradiert zu werden, schmeckte mir immer noch nicht sonderlich gut.

„Es tut mir leid, Severus!“, versuchte sich Albus mal wieder in einem ihm zu leicht von den Lippen kommenden Absolutionsersuchen.


_________________
Kapitel 663-664 Queeniesig-1
Nach oben Nach unten
queenie
Königin
Königin
queenie


Anzahl der Beiträge : 1586
Anmeldedatum : 08.02.12
Alter : 41
Ort : München

Kapitel 663-664 Empty
BeitragThema: III   Kapitel 663-664 EmptyDi Dez 31, 2019 11:05 am

Man konnte es ihm nicht abkaufen. Er war ein Mann, der bereit war, über Leichen zu gehen, wenn er seine Ziele umgesetzt sehen wollte und dabei zog er selbst kleine Kinder mit ein, ohne Scheu oder Skrupel.

„Sparen Sie es sich!“, fauchte ich ihn daher harsch an, da ich es nicht mehr hören konnte.

Plötzlich frischte es auf, es wirkte, als würde ein Sturm in dieser unechten Welt aufziehen und der helle Nebel strich um unsere Beine und mit einem Mal wirkte Hermione sehr unruhig, als würde auch noch etwas anderes von ihr Aufmerksamkeit fordern und ihr Blick ging unstet.

„Harry, auch wenn die Zeit hier anders läuft, wir müssen zurück! Du hast eine Aufgabe zu erledigen…“, mahnte sie eindringlich.

Sie erschien plötzlich ein wenig gehetzt und ihre weißen Augen wirkten riesig in ihrem schmalen Gesicht und ich dachte, auszumachen, dass das Weiß ihrer Augen immer mal wieder flackerte und sie unkonzentriert war und die Stirn runzelte, als würde ihr etwas Schmerzen bereiten.

„Ja, ich wäre sehr erleichtert, wenn wir das endlich erledigen und zurückkehren könnten“, sprang ich ihr daher mit autoritärer Stimme bei und trat einen Schritt vor.

„Weshalb? Die Zeit läuft hier nicht wirklich wie in eurer Realität, ihr könntet hier eine Lebenszeit verbringen und dort wäre kaum ein Wimpernschlag vergangen“, kam es wenig hilfreich von Mrs. Potter, die gerade jetzt nicht bereit wirkte, ihren Mann ziehen zu lassen.

„Das hätte mal der Lord wissen sollen, dann wäre er vielleicht ein wenig entspannter gewesen?“, fragte ich höhnisch.

„Harry, könntest du das jetzt bitte endlich beenden und das Ding da aus den Armen weglegen, um zu tun, was getan werden muss?“, bat Hermione ungeduldig und unterstrich ihre Forderung mit einer eindeutigen Geste.

„Ich… ich kann nicht!“, meinte Potter plötzlich fassungslos mit Panik im Blick, als würde er zu seinem Entsetzen wirklich erkennen, dass er es selbst wirklich nicht konnte, oder aber wollte.

Aber das war Potter! Ich ersparte mir, darauf etwas zu entgegen, manchmal, aber nur manchmal brachte mich der Bengel immer noch an meine Grenzen! Jeder hier tat Dinge, die er nicht tun wollte, oder konnte, und doch taten wir es alle, da wir mussten und jetzt kam Potter mit seinen Befindlichkeiten, die dafür sorgten, dass sich mein Blick unheilvoll verdüsterte.

„Harry, Junge…!“, mischte sich jetzt Albus ein.

Da ruckte Potters Blick hoch und er starrte den alten Mann sehr, sehr böse an, woraufhin Hermione Albus mit einer bildhaften Geste zu ihrem Hals hin bekundete, dass Albus hier wenig hilfreich war und lieber still sein sollte. Ein wohl weiser Rat bei Potters mordlüsternem Blick zu seinem ehemaligen Mentor.

„Ihr versteht nicht!“, rief Potter auf einmal laut. „Ich bin „es“ und „es“ ist ich, wir sind eins! Wir ergeben zusammen ein Ganzes!“, verkündete er stur und wirkte wieder wie der Junge, den ich noch nie gemocht hatte, es drehte sich immer um Potter und seine Launen, das schien der Fluch der Familie zu sein. Das reizte mich unerwartet und es juckte in meinen Fingern, Potter das Ding zu entreißen.

„Das stimmt nicht, das kommt dir nur so vor!“, sprach Hermione ihm gut zu, fasste in die Tasche ihrer potthässlichen Jeansjacke, woraufhin sie etwas Weißes daraus hervorzog und mit einem Sprung war ich bei ihr und riss ihren Arm hoch, um das Kleinod genau in Augenschein zu nehmen.

„Basiliskenzahn“, wisperte ich beeindruckt, woraufhin sie mir einen ziemlich kessen Blick zuwarf und ich ersparte mir die Frage, woher sie diese seltene Kostbarkeit hatte. Aber es war eine adäquate Waffe, selbst auf dieser Seite des Seins, um diesem Spuk hier ein Ende zu machen.

„Nein!“, brüllte Potter mit Horror im Ton, da er sich mit der Tatsache konfrontiert sah, dass es dem Ding in seinen Armen an den Kragen gehen würde. Aber er versuchte, sich von uns wegzudrehen, um das Bündel mit seinem Rücken vor uns zu schützen.

„Meine Herren, was für ein Drama!“, stieß ich verächtlich aus und dann sah mich Hermione bittend an, weniger fies zu sein und ich seufzte. „Potter… geben Sie das Ding da jetzt her und töten es selbst, sehen Sie es als Gnade Ihrerseits an“, fasste ich seine Möglichkeiten trocken zusammen, „… oder aber wir übernehmen!“, bot ich generös an und sofort schaukelte sich das Geschrei und Geweine immer mehr in die Höhe und reizte meine eh schon angeschlagene Geduld unendlich.

„Harry, Liebling!“, trat die ehemalige Greengrass verständnisvoll auf ihren bockigen Gatten zu und umfing ihn sanft. Sie küsste ihn zärtlich auf seinen wirren Haarschopf und strich ihm über den Rücken.

„Daphne?“, fragte Potter vertrauensvoll und lehnte sich an sie und da passierte es, das Chaos nahm seinen Lauf. „Was? Nein! Warte… STOPP“, schrie Potter auch schon panisch los, da Mrs. Potter ihm das Bündel mit unerwarteter Entschlossenheit entriss und hoch in die Luft schmiss.

Leider nicht gezielt und nicht zu uns, sondern eher zu Albus hin. Zu ihrer Ehrenrettung sei gesagt, dass Potter in der Sekunde wiederum an ihr riss und sich dadurch die Flugbahn in letzter Sekunde änderte. Das Bild, das sich uns nun bot, war derart skurril und saukomisch, dass ich versucht war, zu Lachen, auch wenn es absolut unangebracht wäre. Albus, der das Ding auffing wie einen Quaffel und es mit Samthandschuhen balancierte, als hätte er Sorge, sich anzustecken, als Potter wie von Sinnen seine Frau zur Seite stieß und auf den Alten zuhielt, der nun seinerseits in seiner Not handelte und das Bündel wieder durch die Luft warf. Wie würde sich der Lord fühlen, wenn er wusste, dass mit seinem Seelenstück Quidditch gespielt wurde?

Ach ja, das entschädigte für vieles, ging mein sarkastischer Humor mit mir durch, als Hermione davonlief, um das Ding aufzufangen, dabei ließ sie den Zahn übergangslos in meinen Händen zurück. Und sie schaffte es, sie fing das Ding aus der Luft und blockte in dem Moment Potter, der umgehend den Weg geändert hatte, mit ihrem Rücken und wirbelte um die eigene Achse und warf das Ding wieder weiter.

„Harry! Hör auf und beruhige dich!“, brüllte das Biest mit Schärfe und sobald sie das Ding losgeworden war, schlang sie ihre Arme um Potter und versuchte, ihn zu bremsen und seine Jagd zu unterbinden.

„Harry, du musst es tun!“, rief Albus erregt und eilte auf das kämpfende Paar zu, während ich noch dastand und mir dieses einmalige Schauspiel zu Herzen führte.

Es war wie im Kindergarten und ich seufzte schon wieder, diesmal landete das Ding in Mrs. Potters Armen und das war der Moment meines Auftritts. Ich spurtete mit dem Zahn bewaffnet zu dieser, während sie sich hektisch und hilfesuchend umsah. Als sich unsere Blicke trafen, fanden wir in stummer Einigkeit zusammen und ich spendete ihr mit meinem Blick Zuspruch. Schlussendlich riss sie ihre Arme hoch und das Bündel pendelte wie ein nasser Sack zwischen ihren Händen. Sie hielt mir das Seelenstück des Lords wie eine Opfergabe entgegen, während ich den Zahn, den giftigen Basiliskenzahn, in die Höhe riss und ohne zu zögern hinabstieß. Mich beeindruckte dieses tote Mädchen, da sie nicht zurückwich, oder auf das unglaublich inbrünstige Geheule ihres Mannes achtete, oder auf Hermione, die noch immer mit ihm rang, oder das Gekreische von Albus, während ich beherzt, mit Rachsucht und ohne falsche Scheu in den Parasiten stieß. Der Zahn schlug in das Seelenstück des Lords ein und sofort gab die krätzige, faltige Haut nach und ich stieß weiter zu.

„Wuhhhhahhh!!!“, stießen Potter und der Parasit gleichzeitig einen hohen unmenschlich schrägen Ton aus.

Sie kreischten beide um die Wette und die Pein war nicht zu überhören. Es klingelte in meinen Ohren, so laut, als würde mein Trommelfell platzen, während jetzt Potters Schrei bar jeglicher Menschlichkeit widerhallte. Kurz war ich versucht, den Zahn loszulassen, um mir die Ohren zuzuhalten, aber keiner von uns tat das, jeder tat verbissen das, was er zu tun hatte. Mrs. Potter hielt weiterhin mit unumstößlicher Entschlossenheit das Ding und weinte wie ein Schlosshund, Hermione umklammerte noch immer Potter und kassierte einiges an Schlägen, ließ aber nicht los und Albus versuchte indes auch, Harry mit Worten zu beruhigen und ich, ich rammte den Zahn immer weiter in das Wesen.

„AHHH“, fuhr Potter fort, vor unglaublichen Schmerzen zu brüllen, während ich den über Jahre an ihn gebundenen und gewachsenen Symbionten regelrecht aus ihm herausschnitt, dabei bohrte sich der unnachgiebig harte Zahn in das Wesen und ich fühlte es unter meinen Händen erbeben und erzittern. Wie Teer floss eine blutähnliche Substanz mir brennend und ätzend über meine Hände und griff auch auf Mrs. Potter über und es brannte immer mehr und daher ließen wir schließlich los. Das einem Kind ähnliche Wesen knallte hart und leblos auf den Boden, aus seiner Brust ragte der Zahn und plötzlich versank die bisher so friedliche, milchig weiße Umgebung in fettem, dichtem undurchdringlichem schwarzem Nebel. Die teerige, klebrige Schwärze breitete sich unheilverkündend und rasend schnell in der wattierten weißen Umgebung des Bahnhofs aus und schluckte alles. Das hier war noch nicht vorbei.

„Was passiert hier?“, „Was ist das?“, „Das ist neu!“, „Verdammt!“, „Harryyy“, begannen alle, sich verzweifelt etwas zuzurufen, da niemand mehr die Hand vor Augen sah.

Ich stockte, denn ich sah sie, ihre weißen Augen leuchteten aus dieser Dunkelheit heraus, wie ein wegweisender Leuchtturm, und ich wandte mich dem zu, taumelte unsicher in dieser Düsternis auf sie zu.

„Severus!“, schrie sie panisch und auch ich brüllte zu ihr hin: „Hermione!“

Dann berührten sich unsere Finger, aber mit einem Mal packte uns ein Wirbel und riss uns mit sich. Unter dem Geschrei aller drehten wir uns wie wild durch die Luft. Ich drehte mich schwindlig machend um mich selbst und als ich aufschlug schien durch meine Lider eine rötliche Sonne und als die Schmerzen unfassbar peinigend wurden, versank alles für mich in Schwärze.

Severus Sicht Ende

Hermiones Sicht

„Severus!“, „Hermione!“, „Daphne!“, „Harryyy!“, jeder brüllte und schrie.

Es war ein unfassbares Chaos und doch wirbelte ich nur noch wie losgelöst umher und kreischte auf der Suche nach Severus seinen Namen. Plötzlich versank die bisher so friedliche, weiße Umgebung in dichtem düsterem Nebel, der sich bedrohlich ausbreitete. Wir alle riefen uns weiterhin verzweifelt etwas zu, da niemand mehr auch nur wenige Zentimeter weit sah und ich entließ Harry aus meinem Griff und taumelte vorwärts.

Harry schrie auf der Suche nach Daphne, ich auf der Suche nach Severus!

Was passierte hier? Hier waren keine Schlangen und doch dachte ich auf einmal, feine Nadeln würden meine Augäpfel taktieren, meine weißen Augen schmerzten, das Wispern in meinen Ohren nahm überhand, was mich noch orientierungsloser machte. So viele Stimmen, die mich lockten und mich in den Wahnsinn zu treiben drohten. Kurz dachte ich, keine Luft mehr zu bekommen. Was passierte hier mit mir? Ich tastete mit meinen Fingern über meine pochenden Schläfen, zu meinen Augenbrauen und fuhr kurz über meine wie Feuer brennenden Augen. Ich betastete vorsichtig meine Augen, denn diese schmerzten unvorstellbar. Das war nicht normal und Furcht überkam mich. Ich musste Severus finden und halten, ich musste ihn mit mir auf die andere Seite des Schleiers nehmen, mit zu mir.

„Severus“, rief ich immer wieder. „Severus!“, schrie ich nochmal von Panik beherrscht.

Ich stockte, da ich dachte, auch ihn meinen Namen rufen zu hören und so riss ich die Augen auf. Wie sagte Gellert immer so schön: Ich war das Licht, also würde ich für Severus das Licht sein!

Kurze Zeit später spürte ich ihn und atmete ein, da sich unsere Finger berührten. Er hatte mich gefunden!

„Severus“, murmelte ich erleichtert und wollte gerade fester zupacken, aber bevor ich ihn halten konnte, ergriff uns alle ein orkanartiger Wirbel und riss uns unerbittlich mit sich und trennte uns, sodass ich ins Leere griff.

„NEIN, nein, Severus!“, brüllte ich erneut und griff immer wieder ins Leere.

Nein, er durfte mir nicht entwischen. Ich musste ihn mit mir mitnehmen, seine Seele greifen und fangen und ihn wieder in seinen Körper bringen, aber ich war nicht Herr dieser Situation, ich war willenlos wie eine Marionette, wie eine Puppe an Fäden und wurde wie wild hin und her geworfen.

„Aahhhaaa“, entfuhr mir ein spitzer Schrei, denn urplötzlich durchfuhr mich ein unvergleichlicher Schmerz, der mich kurz an meine Resektion bei den Túatha Dé Danann erinnerte.

Und dieser Schmerz raubte mir tatsächlich die Luft zum Atmen. Ich weinte und plärrte, da mir war, als würden mir die Augen bei lebendigem Leibe herausgerissen. Meine Augäpfel brannten, es war wie Feuer und Eis zugleich.

„Nein, nein, bitte nicht… aufhören!“, jammerte ich absolut verwirrt und überfordert mit dieser Folter.

Ich weinte zu meinem Missfallen, aber es ließ nicht nach, als die Schmerzen unfassbar peinigend wurden und alles in Schwärze versank.

Hermiones Sicht Ende

Lucius Sicht

„Grindelwald!“, rief ich ein wenig besorgt, um nicht zu sagen beunruhigt.

Ich erlaubte mir die delikate Frage, ob wirklich noch alles nach Plan lief. Denn unsere fabulösen Pläne liefen in letzter Zeit eher marginal befriedigend, wenn ich ehrlich war, und soeben sah der gute, alte Mann eher grau und hinfällig denn sonst was aus.

Die magische Fülle, in all ihrer Kraft, war beengend in der heruntergekommenen und verfallenen Hütte und offenbarte, was hier für magische Kräfte am Wirken waren und was gerade Einmaliges vor sich ging.

Aber auch etwas extrem Gefährliches und immer wieder warf ich einen sehr taxierenden Blick zu dem echten, weiterhin in Stasis gehaltenen Severus und haderte mit mir, ob alles gut werden würde. Meiner werten Ansicht nach wartete ich seit einer gefühlten Ewigkeit auf irgendwas… aber da Grindelwald als Person anfing zu flackern, wagte ich die mutige Einschätzung, dass mal wieder eben nicht alles nach Plan verlief.

Ich war von diesem alten Feldwebel instruiert und degradiert worden, als „der Anker“ zu dienen, was auch immer das genau bedeutete.

Nur gerade fühlte sich das alles sehr sonderbar, um nicht zu sagen falsch an, und ich kam nicht umhin, mich ermutigt zu fühlen, eben mehr zu sein als ein Anker, eher ein Akteur. Schon wieder begann Gellert Grindelwald, zu flackern und ich sinnierte, ob es ratsam war, meinen Platz im Pentagramm zu verlassen, als er plötzlich seine Augen aufriss und mich mit einem Blick niederstarrte, der mich sprachlos machte und ich gab es zu, ich sah ihn wenig heroisch, mit offenem Mund an.

„Was?“, stieß ich zutiefst beunruhigt und besorgt und vor allem wenig eloquent aus. „Ihre Augen, Grindelwald… die sind… wie von ihr…“, hauchte ich beeindruckt.

Dieser alte Mann, dessen Kopf an einen Totenschädel erinnerte, hatte weiße Augen!

Er hatte ihre Augen! Sie waren genauso weiß, gänzlich weiß, und bedeuteten das Tor zu einer anderen Welt und verliehen seiner hageren, ausgemergelten Person ein perfides Aussehen.

„Schweig still, Malfoy…“, dröhnte Grindelwalds Stimme in einem ausnahmslos anderen Klang als bisher, so viel durchdringender und voller und doch auch blecherner, als wäre er nicht wirklich hier bei mir in der Hütte. „Malfoy… lauf, lauf zu ihr… lauf zu ihr hin…“, meinte er unheimlich eindringlich und mit bedeutungsvoller Schwere, was mich schwer schlucken ließ, da er auch eine nicht von der Hand zu weisende Dringlichkeit offenbarte.

„Was haben Sie getan, was ist passiert?!“, fragte ich drängend, mit vorgegaukelter Autorität, aber gerade verrutschte meine aristokratische Maske gar sehr.

„Ich handelte… richtig!“, meinte er bestimmt.

Aber ich bemerkte sehr wohl den kurzen Zweifel in seiner stockenden Aussage und sofort keimte in mir die Sorge auf, was Grindelwald als richtig ansah. Ging er hier mit unseren Ansichten d’accord? Ich wollte es bezweifeln.

Daher wagte ich eine Frage: „Was ist mit Severus?“

„Er ist wohl! Aber gerade ist nicht die rechte Zeit für ihn, achte du weiterhin auf seinen Körper und jetzt lauf… lauf zu ihr, der Strahl wird dich leiten… eil dich und lauf!“, insistierte er mit gelebter Führungsstärke und erhob seine rechte Hand und reckte langsam seinen Zeigefinger.

„Aber, aber Severus…“, wandte ich empört ein.

„Wird seinen Weg gehen!“, meinte er schneidend.

„Was?“, entfuhr es mir überrumpelt. Was war das bitte für eine ominöse Aussage?

Doch er ließ sich nicht zu einer weiteren Erklärung hinab, denn dann schoss auch schon ein heller Strahl aus Gellerts Fingerspitze. Ein gleißend heller Strahl löste sich und raste davon und noch bevor ich mich bewusst entscheiden konnte, hob ich von den Füßen ab und wurde wenig elegant aus dem Pentagramm hinausgeschleudert.

„Ahhh“, landete ich wenig manierlich auf dem Hosenboden, dann strich ich mir eine verirrte lange Strähne aus dem Gesicht und registrierte zu meinem Entsetzen, dass niemand mehr mit mir in der Hütte war.

Das Pentagramm war leer und Gellert Grindelwald war verschwunden! Ich war allein in der Hütte, einzig die beiden in Stasis gehaltenen Körper waren zugegen, und nicht nur das, auch die bisherige magisch knisternde Spannung war mit einem Schlag weg.

„Gipsy“, brüllte ich, ohne lange zu überlegen, und schon ploppte mein Hauself neben mir, in unterwürfiger Haltung, auf. „Bring Severus ins Manor und pass sehr gut auf Severus und auf die Stasis auf und wehe du gibst dir keine Mühe!“, brachte ich eilig meinen Befehl hervor und erntete eilfertiges Nicken.

„Master, jawohl, Master! Gipsy tut wie befohlen, keine Sorge, Master… ich bürge mit meinem Leben…“, quakte der Elf brav und ging auf die schwebenden Männer zu und wandte sich dann mit verwirrter Miene zu mir um: „Master, entschuldigt… aber welcher…?“

„Der da!“, fauchte ich entnervt, als wäre es ein Unding von dem beschränkten Elf, überhaupt zu fragen und zeigte unwirsch auf den für mich unverkennbar echten Severus.

Ich verließ mit gelebter Ungeduld die vermaledeite Hütte und damit auch Severus, aber ich vertraute darauf, dass Gellert wusste, was er tat. Wenn ich schon mal nicht wusste, was ich überhaupt tat und einfach nur treudoof Befehle ausführte, beruhigte ich mich mit dem Wissen, dass wenn Gellert nicht zu meiner Zufriedenheit hin wirken würde, ihm Hermione das Leben zur Hölle machen würde.

Augenblicklich stand ich enorm unter Zeitdruck und rannte geplagt von der Sorge, dass Gellerts Fingerzeig ohne mich verschwunden war, aber ich stoppte abrupt, denn da war die kleine glänzende Perle, die, nachdem sie mich bei sich registriert hatte, wieder Fahrt aufnahm und in den dunklen Wald hineinrauschte und ich machte mich auf und rannte hinterher. Ich war zum Glück gut in Form, aber trotzdem schnaufte ich wenig erstrebenswert, während ich den Verbotenen Wald in einem irren Tempo durchpflügte, immer dem Licht hinterher.

Als ich eine Lichtung erreichte, hielt ich abrupt an, da der Fingerzeig Grindelwalds vor meinen Augen verlosch und ich erlaubte mir, einen Augenblick innezuhalten, um das Szenario vor mir in mich aufzunehmen. Ich betrachtete die sonderbare Ansammlung, die sich vor mir aufbaute, mit dem untrüglichen Gefühl, völlig fehl am Platze zu sein. Ich hatte rechtzeitig angehalten, um einen wenig passenden Auftritt meiner hochherrschaftlichen Person zu verhindern und lehnte mich erschöpft an einen Baumstamm und atmete erst einmal tief ein, bevor ich mit beherzten Schritten die Lichtung erstürmte, aber sofort wieder langsamer wurde. Das hier war sonderbar und so gar nicht wie sonst. Kein Triumphgeheul, kein Jubel erfüllte die Lichtung, stattdessen hastige Schritte, Flüstern und besorgtes Gemurmel lag bedrohlich in der Luft, weshalb mein Auftritt beinah ungesehen und unbemerkt von der Masse blieb.

„Lord… my Lord…“, machte ich Bellatrix‘ ängstliche Stimme aus, wobei ihre Sorge für alle hörbar zu Tage trat und ich verächtlich schnaubte.

Wenigstens konnte ich sofort ihre Intention ergründen, denn dort lag der Lord wie tot darnieder gestreckt vor dem knisternden Lagerfeuer. Wohl wahrlich wenig siegesgewiss und heroisch, aber wie sagte man so schön: der Hochmut kam bekanntlich vor dem Fall. Ihm gegenüber lag Potter, nicht weniger lächerlich da, mit dem Gesicht nach unten am Boden, den linken Arm in einem unbequemen Winkel nach außen gespreizt, aber mein Herz setzte bei einem anderen Anblick kurz aus.

Da war sie!

Zu meinem Leidwesen musste ich sie ebenso schutzlos daliegend ausmachen wie die anderen beiden. Wie sie halb auf Potter lag, genauso weggetreten wie der Lord und Potter. Wie sonderbar dies anmutete, aber ich hinterfragte es nicht, nur dass sofort mein Herzschlag in ein kräftiges Stakkato umschlug, sodass es beinah schmerzhaft hart gegen meinen Brustkorb trommelte. Was zum Salazar war hier geschehen?

Mit einem Satz war ich bei Hermione und stieß die Person, die sich als bisher einzige den beiden genähert hatte, beiseite und ging neben ihr auf die Knie. Sie lag tatsächlich nur halb über Potter, mit verdrehtem Gesicht auf seinem Rücken und es wirkte, als würde sie ihn selbst jetzt noch beschützen.

„Lucius!“, kam es überrumpelt von dem Weggestoßenen. „Endlich!“, meinte Rodolphus hörbar erleichtert. „Wie gut, dass du da bist!“ Da war ich zum ersten Mal minimal beruhigt, dass er auf die wehrlose Hermione achtgegeben hatte, in dieser so feindlichen Umgebung, schutzlos unter Feinden.

Ich kämpfte mit mir und meinem Ansehen als Rechte Hand des Dark Lords, aber ich konnte die Sorge um sie, ob sie lebte oder tot war, nicht niederringen, weshalb ich doch die Hand ausstreckte und ihr in einer unglaublich zärtlichen Geste eine lockige Strähne aus der einen zugänglichen Gesichtshälfte wischte. Mit Erleichterung nahm ich ihren regelmäßigen Atem unter meinen Fingerspitzen wahr und versuchte, ihre mit Potters verflochtene Finger zu lösen, die sich gegenseitig umfassten.

„My Lord!“, donnerte wieder Bellatrix‘ vorsichtiges Fragen zu mir und die allgemeine Aufmerksamkeit lag zum Glück auf dem Lord, weshalb mein Erscheinen und meine Sorge um das Biest bisher gar nicht wirklich Beachtung gefunden hatten. Ein Bonus oder auch ein gar seltenes Glück, das ich in meiner Distinguiertheit als gegeben hinnahm.

„Das genügt!“, erhob sich eine barsche Stimme mit energischer Wut und jeder erstarrte erschrocken.

Ich warf mit gesenktem Kopf einen Blick zum Lord und verfolgte, wie sich der ungesund und gräulich aussehende Lord auf die Beine kämpfte, dabei wichen seine Anhänger furchtsam vor ihm zurück. Alles in allem wirkte er nicht wie der Herr der Lage, oder wie der Sieger dieses Duells, sondern geschlagen und zerbrochen, aber ich wandte meine Aufmerksamkeit nur ihr zu, um zu ergründen, ob sie verletzt war.

Einige der DeathEater entfernten sich regelrecht hastig und kehrten duckmäuserisch in den hinteren Bereich der Lichtung zurück, zu den Bäumen, hinter denen sie Schutz suchten. Der Lord hatte seit seinem letzten unnötigen Mord an Goyle Senior einen Ruf zu verteidigen und ich verstand das Bedürfnis von ihnen, Abstand zu wahren. Jedoch ergab dies hier alles noch keinen Sinn für mich und ich versuchte, mir einen Reim auf das Geschehene zu machen und kam nur zu der todesmutigen Mutmaßung, dass der Lord sein Versprechen wahr gemacht und versucht hatte, Harry Potter zu töten.

Augenscheinlich genauso erfolgreich wie immer!

Denn auch der Lord war offenbar dabei zu Boden gestürzt und ich nahm aus den gewisperten Gesprächen und Wortfetzen um mich herum wahr, dass sich die Leute erzählten, dass er in der Sekunde des einschlagenden Avadas selbst wie tödlich getroffen zu Boden gegangen war.

„My Lord, lasst mich helf…“, bat Bellatrix kriecherisch und wirkte völlig bewegt, ihren unbesiegbaren Helden am Boden zu sehen und das gänzlich ohne aktives Mitwirken anderer. Eine schöne Leistung, die den Dark Lord in meinen Augen nur noch mehr diskreditierte und es mir wohl leichter machen würde, den Plan der Ahnen umzusetzen.

„Ich brauche keine Hilfe!“, klirrte die kalte Stimme des Lords, wie eine Drohung, über die Lichtung.

Augenscheinlich hatte er wieder ins Reich der Lebenden gefunden, es wäre ja auch zu schön gewesen, wenn sich alles so leicht hätte lösen lassen und ich beobachtete, wie Bellatrix ihre hilfsbereit ausgestreckte Hand eilig zurückzog, als hätte sie sich verbrannt.

„Der… der Junge, ist er tot?“, wollte der Lord ein wenig unsicher, aber auch mit einer gewissen Ungeduld, erfahren.

Interessant, er schien Angst zu haben. Ich konnte das regelrecht riechen, als sein rotglühender Blick zu mir zuckte, der ich die erschlaffte Hermione mittlerweile in meinem Armen hielt und noch immer am Boden kniete. Auf der Lichtung herrschte nach dieser an sich sonderbar anmutenden Frage vollkommene, unfassbar neugierige Stille. Niemand näherte sich uns, doch jeder, wirklich jeder, sah mit geballten Blicken zu uns und versuchte, zu ergründen, ob der junge Mann neben mir wahrhaftig tot war, oder eben mal wieder nicht.

Schade, dass Severus nicht bei mir war, er hätte diesem Schauspiel so einiges an ironischer Komödiantik abgewinnen können.

„Lucius, sag mir, ob er tot ist!“, forderte der Lord unnachgiebig mit einem direkten, sehr schroffen Befehl von mir.

Ganz ehrlich, mir war es herzlich gleichgültig, was mit Potter war. Ich hatte an sich nur Interesse an Hermione und ihrem Wohlergehen. Warum war auch sie weggetreten? Es gab keine Erklärung dafür, was mit ihr geschehen und warum auch sie immer noch nicht wach war. Aber war dies der passende Moment, dem Lord mit einer Weigerung zu kommen? Wäre es passend, ihm jetzt zu offenbaren, dass die Rechte Hand nicht auf sein Kommando hörte?

Es entging mir nämlich nicht, dass sich der Lord davor scheute, sich Potter zu nähern, um es selbst zu überprüfen. Er war verunsichert und ein unsicherer Führer war es nicht wert, als solcher bezeichnet zu werden. Diese Tatsache war nur leider ein schwacher Trost, der mir verriet, dass der Lord anscheinend ebenfalls den Verdacht hegte, dass etwas bei ihm nicht nach Plan verlaufen sein könnte.

Es fiel mir beinah körperlich schwer, mich von ihr zu trennen, aber ich musste mir ins Gedächtnis rufen, dass sie höchstwahrscheinlich nur bewusstlos war. Sie würde wieder aufwachen, ganz ohne Hilfe, nicht so wie Severus, oder?

Jedoch fand ich unter dem rotglühenden Blick zu meiner mir innewohnenden Stärke und nachdem ich Hermione vorsichtig abgelegt hatte, tat ich wie befohlen und rutschte über den dreckigen Boden näher an Potter heran. Meine Hände glitten tastend über die Gestalt Potters. Ich berührte die eine Hälfte seines Gesichts, beugte mich über ihn, sodass niemand unsere Gesichter sehen konnte und hob ein Augenlid an, strich mit der anderen Hand über seinen Rücken.

„Potter… Potter!“, murmelte ich währenddessen vor mich hin, als ich sein hektisch schlagendes Herz unter meinen Händen erfühlte.

Ein distinguiertes Lächeln legte sich auf meine Mundwinkel, da ich mich in meinen Vermutungen bestätigt sah und kam noch näher, führte mein Haupt sehr nah an seines heran, bis ich beinah sein Ohr mit meinen Lippen berührte. „Zwei Fragen: Wurde es vollbracht? Und geht es Hermione gut?“

„Ja!“, hauchte Potter nach einem kurz aussetzenden Herzschlag zu mir hin, augenblicklich verkrampften sich meine Finger, bevor ich sie wieder entspannte.

Wir waren dem Ziel nahe!

„Er ist tot!“, verkündete ich die Lüge und richtete mich in einer einzig geschmeidigen Bewegung auf, um dem Lord tief ins Auge zu blicken. „My Lord waren erfolgreich!“, rief ich überzeugend die Unwahrheit, aber niemand zweifelte die Rechte Hand des Dark Lords an.

Ich kam auf die Füße und nahm Hermione in einer geübten Bewegung auf die Arme und stand nun mit ihr vor Potter, der noch immer zu meinen Füßen lag und tot spielte. Plötzlich war es, als würde ein Damm brechen und alles schrie und jubelte losgelöst los. Das Triumphgeschrei war ohrenbetäubend, gleichzeitig stampften abertausende von Füßen auf und einige feuerten rote und silberne Freudenlichter in den Himmel, aber die überraschte Fratze des Lords war am aussagekräftigsten. Im ersten Moment konnte er es gar nicht glauben. Indes war Potter schlau genug, weiterhin wie tot und reglos am Boden liegen zu bleiben.

„Seht ihr? Er ist tot! Wer hat an mir gezweifelt?“, kreischte der Lord auf einmal durch den Lärm, mit sich überschlagender Stimme, aus der die große Erleichterung herauszuhören war. Dabei konnte ich nur denken: „Du, du selbst, von allem am meisten, und das zu recht!“ Ich sagte jedoch nichts.

„Harry Potter ist durch meine Hand gestorben! Nun ist keiner mehr unter den Lebenden, der eine Gefahr für mich sein könnte, seht her! Crucio!“, schrie er mit Euphorie, die seinen Übermut ausdrückte.

Ich hatte es geahnt, aber Potter wohl auch, denn schon schlug der Fluch ein und zehrte unerbittlich an dem wehrlosen Körper des Jungen. Es war ein Ding der Unmöglichkeit, dass Potters Leiche unbehelligt am Boden des Waldes hatte liegen bleiben dürfen. Nein, der Lord war wie ein Kind und so musste die „Leiche“ geschändet werden, damit der Sieg des Lords bewiesen war. In der ersten Sekunde zweifelte ich, dass Potter die Scharade aufrechterhalten könnte und war bereit, umgehend durch eine Apparition mit Hermione auf den Armen zu fliehen und dies alles hinter uns zu lassen.

Aber da war auch noch Draco, dort in der Schule!

Ich haderte noch und schon erhob sich Potter wie von Geisterhand. Der leblos erscheinende Körper wurde in die Luft katapultiert und tanzte dort herum. Es beeindruckte mich, mit welcher Willenskraft Potter diese Schmerzen wegsteckte, oder empfand er vielleicht gar keine? Es war unmöglich, als Lebender diesem Fluch ausgesetzt zu sein und nichts zu spüren und es nicht zu zeigen. Aber Potter blieb tatsächlich schlaff, wobei es ausgeschlossen war, die Schmerzen völlig tonlos zu ignorieren, trotzdem gelang Potter diese Meisterleistung. Aber ich begann zu zweifeln und glaubte, dass es vielleicht wieder so war wie beim Avada zuvor. Vielleicht war der Lord einfach machtlos gegen Potter?

So wurde er zwei, drei Mal durch die Luft geschleudert, seine Brille flog ihm im hohen Bogen von der Nase, doch sonst passierte nichts und Potter spielte weiterhin gekonnt die Leiche, die er nicht war. Wenn ich nicht sein schlagendes Herz unter meinen Händen gespürt hätte, hätte selbst ich nun ins Zweifeln kommen können. Aber so erreichte der Lord, dass niemand mehr an ihm zweifelte. Als der Junge ein letztes Mal zu Boden donnerte, hallten die höhnischen Schreie und das schrille Gelächter von den Bäumen des Verbotenen Waldes wider.

„Nun denn…“, meinte der Lord sichtbar zufrieden und wedelte mit seinem Zauberstab herum. „Nagini… komm zu mir!“, sprach er sanft und die Sphäre schwebte zu ihm hin und löste sich mit einem beeindruckenden Plopp auf. Die Schlange nützte den Arm des Lords, um sich um ihn zu schlingen. Breit drapierte sie sich um seine Schultern. „Gehen wir nach Hogwarts und zeigen ihnen, was aus ihrem Helden geworden ist“, lag pure Schadenfreude in dem rotglühenden, wie irre wirkenden Blick.

Erneut brach gehässiges Gelächter unter seinen Anhänger aus und wenig später erzitterte der Boden unter meinen Füßen, als man sich aufmachte.

„Du trägst ihn“, befahl der Lord scharf und mein Blick zuckte hoch und ich begutachtete den unglaublich verprügelten Wildhüter von Hogwarts vor mir, dem gerade die Ehre zuteilwurde, seinen Helden aufzuheben. „Dort oben wird er sich gut machen und gut sichtbar sein… warte… oh, setzt ihm seine Brille auf, man soll Harry Potter erkennen!“, befahl der Lord geschäftig.

Eilig rief ich mit einem Schwenk meines Zauberstabes die Brille zu mir und fing sie geschickt aus der Luft, dabei drehte ich mich gut beladen zu Potter hin, der noch immer am Boden lag und ganz plötzlich war neben mir eine unerwartet helfende Hand, da Rodolphus an meiner Seite auftauchte.

„Ich nehm sie!“, meinte er leise und irgendetwas flackerte unstet in seinen dunkelbraunen Augen.

Einen Moment lang war ich unsicher und zögerte. Ich fragte mich, ob wir unsere Scharade wirklich so gut spielten wie ich hoffte. Oder woher kam dieser zweifelnde Blick von Rodolphus in den Tiefen seiner Augen? Jedoch fragte ich nicht nach, sondern lud ihm Hermione eilig auf, um Potter die Brille aufzusetzen, da ich nicht wollte, dass sich ihm jemand anderes näherte und vielleicht doch noch die Lüge enttarnte. Während ich dies tat und der laut heulende Hagrid vor Potter stand, ging ich wieder auf die Knie und murmelte einen leichten Stasiszauber vor mich hin, laut genug, dass Potter es mitbekam, sodass er wusste, dass er sicher vor einer Entdeckung war. Es wäre fatal, wenn dieser tumbe Idiot Hagrid bemerkte, dass Potters Herz schlug, oder dass er ab und an einen Atemzug tun musste. Dem Idioten wäre es zuzutrauen, dass er es laut hinausplärrte und ich wollte kein Risiko der vorzeitigen Entdeckung eingehen und so setzte ich Potter relativ grob die Brille auf, bevor der Halbriese neben mir niedersackte, um Potter unfassbar sanft und vorsichtig mit seinen mächtigen Pranken anzuheben. Indes wurde sein mächtiger Körper von Schluchzern geschüttelt und dicke Tränen spritzten überallhin, an sich fabulös, dass er in seinem gezeigten Kummer nichts mitbekam und eilig suchte ich das Weite, um nicht nass gemacht zu werden, während Hagrid sich mit seiner Fracht aufrichtete, um sie durch den dicken Wald zu tragen.

„Lucius?“, fragte mich Rodolphus vorsichtig, als ich neben ihm anhielt und sofort kundtat, dass ich meine süße Fracht wieder selbst tragen wollte.

„Was?“, meinte ich beschäftigt und spürte eine unsinnige Erleichterung, als ich sie wieder in Händen hielt.

Dank Rodolphus‘ Hilfe und seiner Magie, war sie keine Bürde. Er zauberte sie gerade federleicht und ich schob sie mir angenehm zurecht, als ich ihm zuvorkam und ihn fragte: „Was zum Doxy ist hier passiert?“

„Tja, wenn ich das wüsste, wäre ich wohl ein Dark Lord?“, gab er relativ freudlos zurück und ich studierte seine eingefallenen Augen und die Augenringe darunter. „Der Junge kam und dann… dann tauchte auch sie auf… als der Avada schließlich auf ihn zuschoss… da dachte ich zuerst, sie will sich vor den Strahl werfen, aber das wollte sie nicht, sie hat seine Hand gefasst und ist dann mit ihm zusammen umgefallen… einfach so… umgefallen. Sie wurde von nichts getroffen… sie… sie hatte weißen Augen. Sie hat sie verdreht und als Potter mit ihr aufschlug, ist auch der Lord einfach so umgefallen…“, unterstrich er diese unglaubliche Erzählung mit einer verwirrten Handgeste. „Einfach so umgefallen, das war alles unglaublich und unwirklich… sie waren alle drei eingehüllt in ein rötliches Licht… und dann bist du aus dem Wald gerannt und plötzlich kam der Lord wieder auf seine Beine… sie… sie lebt… ich habe ihren Atem gespürt und ihren Herzschlag…“, zeigte Rodolphus, wie bodenlos überfordert er war. Und wenn es ihm so ging, einem Mitglied des Inneren Kreises, wie würde es den anderen, dem Fußvolk gehen?

„Sie wurde also von nichts getroffen…“, murmelte ich vor mich hin, bemerkte seine zustimmende Kopfbewegung und versuchte, meine umfassende Erleichterung ein wenig zu verbergen.

„Vorwärts!“, brüllte der Lord mit Nagini auf seinen Schultern und wir alle setzten uns in Bewegung gen Hogwarts.

„Wo ist Severus?“, fragte Rodolphus unfassbar neugierig und ich seufzte tief.

„An sich?“, meinte ich ungemein freudlos. „Von der Hand des Lords ermordet“, gestand ich dann offen ein und Rodolphus stockte und seine Züge verloren alle Farbe.

„Und dann bleibst du so ruhig?“, hauchte er entsetzt und meine Mundwinkel hoben sich in maliziöser Weise.

„Könnte ich zu dir und Rabastan auch sagen…“, erwiderte ich zweideutig, als sich sein Mund bei der Erwähnung seines Bruders hin öffnete und ich eilig einem Einspruch zuvorkam. Ich wusste, wie wichtig es ihm war, zu erfahren, was mit seinem Bruder passiert war. „Nein, hör mir erst zu…“, bat ich leise und so weihte ich ihn in mein Wissen, was Rabastan widerfahren war, ein und forschte seinem Willen nach, sich meinem Plan anzuschließen.

„Du willst mir sagen, dass mein Bruder, einer der treuesten und loyalsten Anhänger des Lords, einfach so… aus einer Laune heraus ermordet wurde?“, lag bitterer Ernst in Rodolphus‘ Antlitz, der verbissen den Rücken des Lords anstarrte.

„Ja!“, gab ich kurz und knapp zurück.

„Das… was wird Bellatrix sagen?“, fragte er sich selbst und ich warf ihm einen scheelen Seitenblick zu.

„Wird sie zuhören?“, fragte ich selbstvergessen und blickte auf Hermiones verzehrte Züge, die sich ein wenig seufzend an meine Brust drückte und wirkte, als hätte sie Schmerzen. „Wie auch immer, hast du über mein Angebot nachgedacht, Rodolphus?“

„Vom Regen in die Traufe? Ich bin unsicher“, zeigte er sich beunruhigt und natürlich war es nicht leicht, in dieser Sekunde die richtige Entscheidung zu treffen, für oder gegen den Lord.

„Naja, solltest du dich doch für uns entscheiden… wäre der geplante Abgang durchaus filmreif“, erwiderte ich mit distinguiertem Galgenhumor.

„Sofern es denn so kommt…“, meinte Rodolphus sichtbar fertig und des Kampfes überdrüssig.

Anders als die anderen DeathEater frohlockte der Innere Kreis, bis auf Bellatrix, um die Entwicklung eher weniger, während der große Hagrid weiterhin verständnislos schluchzte, über das Unglück, den toten Potter zurückzubringen. Aber an sich war sein Geheule gut, da keiner der anderen Potter auch nur einen Augenblick beachtete. Er war tot und damit uninteressant. Ich sah jedoch sehr wohl Rodolphus‘ taxierenden Blick und die tiefen Furchen auf seiner Stirn und wie sein Augenmerk langsam, aber sicher zu Potters Hals wanderte. Ich verfolgte es, ohne es zu unterbinden und bemerkte selbst, dass dort ganz sachte ab und an eine Ader minimal pulsierte, trotz meiner leichten Stasis und als Rodolphus erschrocken stehenblieb, sagte ich nichts. Allerdings war mir bewusst, wie wichtig es war, ihm zu zeigen, dass das letzte Wort in diesem Duell noch nicht gesprochen war.

„Du…“, hauchte er fassungslos und wirkte bodenlos entsetzt, dass ich den Dark Lord ohne mit der Wimper zu zucken angelogen hatte.

„Ich?“, antwortete ich fragend und zeigte mich unschuldiger als jedes Unschuldslamm.

„Du…“, echote Rodolphus absolut erschüttert, weil ich das derart arrogant durchgezogen hatte.

„Ja, ich… ich bin ich… mein Freund!“, erwiderte ich mit einem hintersinnigen Lächeln und schritt mit meiner kostbaren Fracht beladen weiter, ließ Rodolphus mit sich und seinen Gedanken, Überlegungen und seiner Entscheidungsfindung zurück.



_________________
Kapitel 663-664 Queeniesig-1
Nach oben Nach unten
Gesponserte Inhalte





Kapitel 663-664 Empty
BeitragThema: Re: Kapitel 663-664   Kapitel 663-664 Empty

Nach oben Nach unten
 
Kapitel 663-664
Nach oben 
Seite 1 von 1
 Ähnliche Themen
-
» Kapitel 21-23
» Kapitel 51-52
» Kapitel 90-91
» Kapitel 123-125
» Kapitel 157-158

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
When Hermione Fights :: When Hermione Fights :: Kapitel 601-650-
Gehe zu: