When Hermione Fights
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 Kapitel 365-366

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BeitragThema: Kapitel 365-366   Kapitel 365-366 EmptyMo Apr 08, 2013 12:35 am

365. Kapitel Das weiße Grabmal

Hermiones Sicht

Der Dienstag war an uns allen nur so vorbeigeflogen.

Lediglich einen kurzen Gedanken hatte ich daran verschwendet, dass Draco, auf den ich noch immer sehr sauer war, hoffentlich genesen war.

An ihn hatte ich erst wieder gedacht, als die Zwillinge uns einen Patronus geschickt hatten, dass Draco nach einem langen Schläfchen am Nachmittag nach Irland aufgebrochen sei und jetzt mithelfen würde. Den ganzen Dienstag über waren die Patroni zwischen Irland und Slytherin nur so hin und her gegangen. Wir hatten Briefe geschrieben, Schüler instruiert was sie zu erwarten hätten, wenn sie wirklich an dem Camp teilnehmen wollten und die Sorgen derer zerstreuen müssen, die aufgrund des frühen Ferienbeginns nun dachten, sie müssten die Zeit doch bei ihren Eltern verbringen.

Besonders Theo, Greg und Lavender waren zuerst in Sorge gewesen, auch wenn sie gesehen hatten, dass die Vorbereitungen sofort begonnen hatten als das frühere Ende des Schuljahres festgestanden hatte.

So hatten wir den Dienstag zwar effektiv genutzt, wenngleich ich auch noch mein Treffen mit Moody vorbereitete, um schließlich von einem böse vor mir aufragenden Harry um 2 Uhr in der Früh ins Bett befohlen wurde, wobei ich mich gerade wieder in den Raum der Wünsche hatte schleichen wollen um den anderen zu helfen!

Ich wollte nicht schlafen, denn dann sah ich immer wieder Albus und Gellert vor mir und hatte Angst, dass ich vielleicht den halbtoten Geist von Albus unbewusst beeinflussen konnte, auf dass er nie mehr gehen könnte! Es war aber auch zu vertrackt.

Aber Harry verbot es mir rigoros, als ich einwandte, dass noch nicht alles fertig war, meinte er, dass er und die anderen mich nicht bräuchten, dann beauftragte er doch tatsächlich Ginny, mich ins Bett zu bringen!

Das war die Höhe, dass sie es schaffte zeigte nur, wie kaputt ich wirklich war, als ich total erschöpft ins Bett gefallen war, wobei außer Frage stand, der Mittwoch würde denkwürdig werden aber vor allem auch anstrengend und lang sein.

Ich hatte mein Trauerkleid mit Bedacht gewählt…

Es war ein ärmelloses, etwa knielanges, schwarzes Etuikleid aus mattem Stoff mit rundem Ausschnitt. Unterhalb der Brust war das Kleid in unregelmäßig breiten Bahnen genäht, welche das Kleid etwas auflockerten und es moderner wirken ließen. Dazu hatte ich einen schwarzen, kurzärmligen Bolero und einfache, schwarze Pumps kombiniert, sowie, wie alle, einen Umhang.

http://www.zalando.de/comma-etuikleid-black-co121c042-802.html

Leicht verspätet trottete ich um halb neun in die Große Halle. Auf dem Weg war mir kein einziger Schüler über den Weg gelaufen, das Schloss wirkte wie ausgestorben.

Ich war dann total überrumpelt, als mich auch eine sehr leere Halle begrüßte!

An sich tummelten sich nur Erst- und Zweitklässler hier, die Einzigen, die herausstachen wie Unkraut waren Lavender und Ginny, die mir aufgeregt zuwinkten und ich sank rasch bei ihnen auf die Bank und grabschte gierig nach meinem lebenswichtigen Kaffee.

„Was geht hier vor?“, fragte ich nach einem erholsamen Schluck flüsternd.

„Na Süße, das hast doch du angeleiert, Harry und Ron haben alle, wirklich alle rebellisch gemacht!“, erzählte Lavender und ich war erstaunt, dass sie die Rolle übernahm, mir das zu erzählen, aber seit sie die Werlav war, erkannte man sie auch fast nicht wieder.

„Tatsächlich!“, sprach ich in meine dampfende Tasse, auch wenn ich nur kurz geschlafen hatte, es hatte gereicht, um mir wieder die nötige Kraft zu geben, die ich brauchte, zumindest redete ich mir das beharrlich ein, bis ich es selbst glaubte.

„Und was tut dann ihr hier? Seid ihr fertig?“, fragte ich urplötzlich.

„Äh, nein, die Jungs wollten, dass du was isst!“, raunte mir nun Ginny furchtsam über meinen Zorn zu und ich schnaubte nur als ich den Löffel in das Müsli tauchte. Als wäre ich ein Kleinkind, das beobachtet werden musste.

„Pfff… das ist als würden sie auch kontrollieren, wann ich zurückgekommen bin!“, murrte ich dunkel und entsann mich, dass ich mich nach den Inferi an fast nichts erinnerte, wobei ich aus dem Augenwinkel die besorgten Blicke der beiden Mädels spürte.

„Hey... redet!“, drohte ich finster, als sich Lav räusperte.

„Chrm… also die Creevey Brüder… aua, Ginny, warum trittst du mich?“, fauchte Lavender erbost und auch ich funkelte eine nun kleinlaute Ginny an, welche die Hände entschuldigend hob, als Lav fortfuhr:

„Äh, ja, also sie waren abgestellt, mit der Karte darauf zu achten, wann du wiederkommst!“, bekannte Lav unglücklich und ich rollte nur mit den Augen, denn ich würde mich nicht aufregen, weil ich einsah, dass Harry halt Angst hatte. Er konnte schließlich nicht ahnen, dass die Inferi mehr für mich waren als gefährliche Wesen!

Und an sich hatte er leider recht, denn obgleich sie mir gehörten, hatte ich leider oft genug erlebt, wie sie mir hatten gefährlich werden können. Also, wofür sollte ich ihn tadeln? Für eine begründete Sorge?

Somit trank ich ergeben meinen Kaffee und blickte über die leeren Reihen, die selbst den Professoren aufzufallen schienen, als urplötzlich laut schnatternd die ganzen vermissten Schüler zu den offenen Flügeltüren hereingestürmt kamen. Natürlich lagen die misstrauischen Augen auf ihnen, vor allem, da auch viele Slytherins gefehlt hatten.

Mein hämischer Blick fiel auf den unausgeschlafen und kränklich wirkenden Warrington, der sichtlich mürrisch und gepeinigt aussah und ich fragte mich, ob er schon herausgefunden hatte, wofür mein Halsband gedacht war. Die Askese und sexuelle Abstinenz würden ihm guttun und ihn vielleicht Demut lehren, während sein Schandmal auf ewig seine Brust zieren würde.

Aber auch diese Frage, wie er mit seiner Markierung umging, erübrigte sich, da er sich immer wieder gedankenverloren und sehr vorsichtig über die geschädigte Brust fuhr. Es zog und piekste bestimmt, denn Blaise hatte es ihm richtig tief eingebrannt, aber die sicher nässende Brandwunde musste ohne Magie heilen, was wäre es sonst für eine Strafe? Dies brachte nun mal Unannehmlichkeiten mit sich, die Warrington sicher gerade spürte.

„Puhhh… jetzt kann die Beerdigung kommen und mich gleich mit bestatten!“, kam es reichlich despektierlich von Ron, der ungalant neben mir niederplumpste und laut gähnte.

„Seid ihr fertig?“, fragte ich seelenruhig, während ich nun meinen Toast zerrupfte und einen gähnenden Harry beobachtete, der seine Kiefer laut knackend ein- oder eher ausrenkte, dabei ging ein rascher Blick zu Daphne, die ihm ein kleines, verstecktes Blinzeln schickte, das er liebevoll zurückgab.

„Ach Quatsch… wo denkst du hin?“, jammerte Neville müde und schüttete derart gierig Kaffee in seine Tasse, dass ein Teil doch glatt danebenging.

„Warum seid ihr dann hier?“, wollt ich erbarmungslos wissen.

„Weil wir informiert und instruiert wurden, dass dies, was noch von Nöten ist und noch fehlt, sich am besten im Zug erledigen lässt!“, erläuterte Harry leise und ich lüpfte die Braue „Mehr weiß ich auch nicht. Blaise ist der Verbindungsmann!“, hob er abwehrend die Arme.

Ach, ich ersparte mir jeden Kommentar, denn es herrschte eine komische, nicht zu benennende Stimmung in der Halle, die spannungsgeladene Atmosphäre war fühlbar, als sich die stellvertretende Direktorin erhob.

„Ich würde sie nun alle an diesem besonders tragischen Tage der Andacht bitten, gesittet hinaus zum See zu gehen, dort wurde schon alles für die Beerdigung arrangiert!“, sorgten ihre bedachten, etwas rau gesprochenen Worte für sofortige Bewegung unter uns.

Was nun kam interessierte mich eigentlich nicht wirklich. Ich hatte schon die Beerdigung meiner nicht echten „Eltern“ als enervierend empfunden, nur wie es bei einer Zauberbestattung zugehen würde, das wusste ich nicht und war dann doch gespannt, ob es ebenso pathetisch und dramaturgisch zugehen würde wie bei der Hochzeit in Irland.

Aber gleich mit zu erleben, dass dort der leblose Körper von Dumbledore liegen würde und ich wusste, wo er, sein Geist oder der Rest von ihm war, löste dann doch in mir eine gewisse unwohle Anspannung aus. Es war aber zu verzwickt das alles und wer war schuld?

Eben, ich! Kein schöner Gedanke!

Draußen war es warm und angenehm, ein strahlend schöner Tag, an dem man merkte, dass sich der Sommer näherte. Nichts deutete darauf hin, dass wir den toten Schulleiter zu Grabe trugen.

Unten am See waren sehr viele weiße Stühle aufgestellt worden. Vor dem See hatte Hagrid, der schluchzend und weinend seinen Bart mit Rotz beschmierte, den Sarg mit den sterblichen Überresten Dumbledores auf einem altarähnlichen Tisch aufgebahrt. Er hatte auch unsere stille Prozession mit den Lehrkräften angeführt und es sich nicht nehmen lassen, den zum Glück geschlossenen Sarg selbst zu tragen.

Bei den Stühlen waren schon unzählige anteilnehmende Personen versammelt. Ich würde sagen, das komplette Gamot sowie doch tatsächlich der komplette Schulrat hatten sich eingefunden! Und ratet bitte, wer zu diesem gehörte!

Genau, niemand geringerer als ein hochherrschaftlicher Lucius Malfoy stand dort, wie ein alles beherrschender Mann. Neben ihm stand der jetzige Minister Rufus Scrimgeour, der trotz seiner beeindruckenden Löwenmähne auch nicht im Ansatz an die Ausstrahlung der Macht und Stärke von Lucius herankam.

Wobei Scrimgeour nicht wirklich trauernd aussah und genau so wenig lag auf Lucius‘ nichtssagender Maske auch nur ein Hauch der Trauer.

Aber wir machten auch Personen aus, die fast nicht zu übersehen waren, wie zum Beispiel Madame Maxime, die extra aus Beauxbaton angereist war, aber auch Grawp stand weiter Abseits unter den dichten und hohen Bäumen des Verbotenen Waldes, mit seiner kolossalen Gestalt und blickte zu uns herüber.

Soeben begrüßten die Lehrer die Anwesenden, während wir Schüler gesammelt auf der linken Seite platznahmen und die Gäste die rechte Seite mit Beschlag belegten. Ich machte auch die gesamte Mannschaft des Orden des Phönix aus, nur etwas schaffte es, mich doch sehr zu verwundern, Aberforth, den Bruder des Verstorbenen, konnte ich nicht in der Menge entdecken.

Lucius‘ taxierender Blick streifte gerade musternd über mich, während die verbiesterte McGonagall zu ihm trat und ihm einen Stuhl zuwies. Die Tatsache, dass Draco nicht mehr in Hogwarts und zusammen mit Severus verschwunden war, versuchte die Stellvertreterin zu überspielen und sich nicht anzumerken zu lassen, ebenso wie das, was wir ihr im Krankenflügel offenbart hatten.

Sie versuchte auch gerade, gekonnt zu überspielen, was sie von Lucius dachte, während dieser augenscheinlich nach dem Minister der Rädelsführer des Ministeriums und des Schulrates war.

Dieses von Lucius dominierte Schauspiel war mehr als sehenswert, selbst Harry und Ron waren davon regelrecht gefangen.

„Er ist gut!“, wisperte mir gerade Harry zu und ich grinste sardonisch.

„Wie meinen?“, wollte ich provokant wissen.

„Wie ich es sage! Er ist so schrecklich überheblich, ohne Furcht, dass herauskommt was auf dem Turm war. Muss man so viel Arroganz bewundern? Oder ist es nicht schon gefährlich, derart selbstverliebt zu sein? Bähhh… also da ist mir der junge Blondschopf hundertmal lieber! Okay, er flippt öfters aus und führt sich wie ein Idiot auf, aber wenigstens zeigt er noch, dass er ein Mensch ist… der da… ist ein reiner Manipulator…“, kam es weitschweifig von Harry und ich hatte aufmerksam gelauscht.

„Harry hat recht, er ist total verschlagen und hinterlistig! Snape ist ein Bastard… sorry, Schönste, aber das würde er auch nie verstecken, er sagt es sogar offen… aber der da spielt den Verbündeten und dann rammt er dir das Messer in den Rücken! Flutschig und aalglatt …!“, resümierte Ron wenig schmeichelhaft über Lucius und ich betrachtete den großen, eleganten, beeindruckenden und vor Macht strotzenden Mann überlegend, mit schiefgelegtem Haupt. Gerade warf er seine langen, weißblonden Haare über die Schulter und das Licht verfing sich in den Strähnen, bildete bewundernswerte Reflexe und ließ es fast gänzlich weiß aufleuchten und dabei zierte seine aristokratischen Züge ein aufrichtig wirkender Zug von Betroffenheit, während er eindringlich etwas zu dem Lehrerkollegium sagte.

Flutschig und aalglatt? Hinterlistig und verschlagen! Was war dann ich? Ich unterdrückte ein geschlagenes Aufstöhnen, denn ich fand, Lucius war ein perfekter und sehr überzeugender Schauspieler!

Doch nun riss mich ein grausames Lied aus meinen Gedanken und ich bemerkte, dass nun alle saßen und doch tatsächlich diese grünen Wassermenschen aus unserem See dicht unter der Wasseroberfläche erschienen waren und ein für die anderen Anwesenden wohl „ergreifendes“ Abschiedslied für den Toten anstimmten.

Lucius saß mittlerweile neben Rufus und McGonagall ganz vorne in der ersten Reihe und schien das alles zu genießen. Dabei bemerkte ich durchaus, dass Moody mit seinen rollenden Augen versuchte, am besten Lucius hinterrücks zu erdolchen, aber was sollte man erwarten?

Viele waren so ergriffen über den Pathos, dass sie Rotz und Wasser heulten, vor allem die Lehrerinnen waren sehr nah am Wasser gebaut. Auch viele junge Schüler waren regelrecht aufgelöst und wurden von den Älteren getröstet! Und über dies war das laute und herzzerreißende Schluchzen und Weinen von Hagrid zu vernehmen, der wirklich aufgewühlt wirke.

Aber was der versammelten Trauergemeinde auffiel war, dass mehr oder minder alle Schüler ab der 4ten Klasse sehr beherrscht wirkten und kein einziger ein Taschentuch zu Hilfe nehmen musste. Dieser Umstand sorgte sehr wohl für Getuschel und scheele Blicke der Gäste, während die Wassermenschen noch sangen.

Harry, Ron und ich hatten uns wohlweislich in die letzte Reihe verzogen, umgeben von den BL-Führern, denn die Häuser hatten sich vermischt, bis auf die Slytherins, die nach außen hin noch immer das Stigmata der Aussätzigen trugen und sich nicht mit uns zusammenschließen durften, sonst könnten so einige misstrauisch werden. Daher hatte sich auch Blaise den BL-Führern nicht angeschlossen, sondern saß bei seinen Slytherins, die er nun übergangsweise anführte.

Aber Blaise nahm Dracos Stellung gekonnt ein und führte das Haus an, selbst Warrington war unter Kontrolle, da Greg und Vincent Crabbe ihn immer zwischen sich hielten und darauf achteten, dass er keine Dummheiten beging.

Als endlich das doch eigenwillige Lied endete, sah ich, wie sich tatsächlich zu meinem Schrecken Lucius wie selbstverständlich erhob und gebieterisch vor das Rednerpult trat. Selbst einige Leute in meiner unmittelbaren Umgebung schnappten nach Luft über diese Tatsache und ich kämpfte mit meiner gleichgültigen Miene, während ich beobachtete, wie er majestätisch daher schritt und sich sein schwarzer, leichter Sommermantel dramatisch in der Brise bauschte.

Lucius schien immer wieder für eine Überraschung gut zu sein!

„Meine hochverehrte Trauergemeinde, wir haben uns heute aus einem unglaublich tragischen Anlass hier versammelt, um einen mehr als würdigen Zauberer für immer aus unserer Mitte zu verabschieden. Dieses alte, weise und hochdekorierte Mitglied unserer Gesellschaft wurde auf unbeschreiblich überraschende, dramatische und brutale Weise aus unserer Mitte gerissen. Wir wollen uns von Albus Percival Wulfric Brian Dumbledore, einem Inhaber des Orden des Merlin erster Klasse, Hexenmeister, Ganz hohes Tier, Internationale Vereinigung der Zauberer und Vorsteher des Zaubergamots, ehrfürchtig verabschieden. Er, der uns alle entweder unterrichtete, als Professor für Verwandlung an der Hogwartsschule für Hexerei und Zauberei, oder sich als Schulleiter von Hogwarts 41 Jahre lang um die schulische Ausbildung von uns, unserer Kinder und Kindeskinder verdient gemacht hat. Ein unfassbarer Verlust hat uns vor einigen Tagen ereilt, als er kämpfend starb um Hogwarts vor Eindringlingen zu schützen. Es ist ein wahrlich ehrenvoller Tod, für einen wahrlich großen Mann!“, legte er eine dramaturgische Kunstpause ein, bevor er gewichtig fortfuhr:

„Aber auch ein unvorstellbarer, schmerzender Verlust für die magische Gesellschaft, diesen verdienstvollen Mann zu verlieren, der sein Leben immer zurückstellte für das Wohl anderer und somit einzigartig war und ist. Ich möchte Ihnen als Vorsitzender des Schulbeirates versichern, dass mir bewusst ist, dass Albus Dumbledore eine sehr, sehr große Lücke hinterlässt, die fast nicht zu füllen sein wird!“, schmetterte Lucius seine feierliche Rede perfekt heraus und zog jeden in seinen Bann durch seine unehrlichen Worte, die er der Trauergemeinde umso glaubhafter verkaufte.

Er war ein geborener Schauspieler, fast hätte ich applaudiert wegen der hohen Kunst, die er hier präsentierte.

„Boah… man kauft es ihm echt ab… Drama…, der ist sich für nichts zu schade! Man möchte kotzen!“, murrte Harry flüsternd.

„Harry, du hättest den Zauber sprechen sollen, also was willst du?“, fragte ich wispernd zurück und spielte darauf an, dass Harry der Mörder des soeben Betrauerten hätte werden sollen.

„Jupp, aber ich würde mich nie vorne hinstellen und das da sagen… was für eine Heuchelei!“, brummte er vorwurfsvoll.

„Aber von dem kannst du noch was lernen!“, hauchte Neville leise zurück und blickte gebannt nach vorne.

„… so möge dieser große Mann in Frieden ruhen!“, endete Lucius pathetisch und plötzlich. Um den dramatischen Effekt der letzten Worte von Lucius zu unterstreichen, erhoben sich hinter ihm, um den Altar rundherum, hoch auflodernde Flammen, die rings um Dumbledores Sarg züngelten.

Ich zog durchaus meine Augenbrauen hoch, denn das war aufsehenerregend und konnte mit langweiligen Muggelbeisetzungen nicht wirklich mithalten!

Auf einmal konnte man in dem Rauch so etwas wie die schemenhafte Gestalt eines Phönixes wahrnehmen. Als das Bestattungsfeuer langsam verlosch, offenbarte sich für uns, dass sich anstelle des Altars mit dem Sarg nun ein großer, heller Marmorblock gebildet hatte, der den Leichnam umschloss.

Dann segelte eine Salve von Pfeilen auf das Grabmal zu und sie landeten in gebührendem Abstand im Waldboden, sogleich gingen die Augen der Gesellschaft zum Wald, wo sich doch tatsächlich die Zentauren auf ihre ganz eigene Weise von dem Alten verabschiedeten. Auch sie hatten, wie die Wassermenschen, an der Beerdigung teilgenommen.

Mein Blick glitt unterdessen wieder nun zu dem hohen und monumentalen weißen Grabmal, in dem ab jetzt der Elderstab sicher verwahrt war und ich dachte mir noch, dass es eine gute Idee gewesen war, ihn bei dem Toten aufzubewahren.

Zu einem Zeitpunkt, wo vollkommen unsicher war, wem er ab nun gehörte, lag er dort am besten! So war es sicherer!

Mir kam, während dieser Überlegungen, die überraschende Frage: Warum war Albus, als ich ihn aus seinem Körper gezogen hatte, kein Inferi geworden?

Mhm… als ich Rita erschaffen hatte, war der Wille dahinter gestanden und das Ritual erfolgt, dass sie ein Inferi werden sollte. Das was jetzt mit Albus passiert war, als er vom Turm gefallen war, ging in eine andere Richtung. Hier war es mehr um die reine Seele gegangen als um den Körper des Alten. Ich runzelte die Stirn, denn ich sollte wirklich besser aufpassen, wenn ich mit meinen Kräften spielte.

Man stelle sich vor, wenn jetzt Albus aus seinem Sarg gesprungen wäre und die Beisetzung als untoter Inferi gestört hätte, ein abwegiger und sehr pietätloser Gedanke, der sehr makaber anmutete, während ich mir einen dumbledore‘schen Inferi vorstellte, der auf uns bedrohlich zu trottete und mit seinem ausgerenkten Kiefern hungrig klapperte.

Ich schreckte erst aus meiner tiefen Versunkenheit auf, als um mich herum alle in Bewegung gerieten. Der Spaß war vorbei und wir waren mehr oder minder entlassen und alles verstreute sich, während wir drei uns etwas abseits hielten und uns entfernten, wobei wir auf einem Hügel anhielten, denn von dort aus hatten wir einen guten Blick über die gesamten Ländereien.

„Das war´s, ein neues Zeitalter bricht an!“, kam es plötzlich unerwartet heiser und bewegt von Ron, der neben Harry stand und mit harten Augen auf die Umgebung blickte.

„Oh ja, ab nun wird alles anders!“, bekannte Harry überzeugt und ich nickte schweigend.

„Kehren wir hierher zurück?“, wollte ein besorgter Ron wissen und ich wägte leicht ab.

„Ich denke ja, … aber ob es für das ganze Jahr ist, wage ich zu bezweifeln!“, offenbarte ich meine Bedenken.

„Ist das klug? Unter den DeathEatern? Wenn Snape kommt?“, drehte mir nun Harry sein Gesicht entgegen und warf mir einen interessierten Blick zu.

„Zu Anfang, ja! Aber wir sollten immer bereit sein, jederzeit zu flüchten! Lasst uns sehen, ob es so wird, wie wir und die anderen wollen… vielleicht wird Severus gar kein Schulleiter!“, räumte ich missmutig ein.

„Ach, das meinst du doch nicht ernst, Schönste! Nach dem Auftritt vom Vorstand des Schulbeirates? Mich hat fast gewundert, dass Snape sich nicht hier eingefunden hat!“, verkündete Harry schrecklich ironisch und grinste zähnefletschend.

„Na ich glaub, da hätten sich McGonagall und so einige andere Lehrer nicht zurückhalten können! Habt ihr die mörderischen Blicke das Kollegiums gesehen, die sie Malfoy zugeworfen haben?“, warf nun Ron hämisch ein und strich sich durch sein langes, rotes Haar.

„Okay, ihr habt ja durchaus den Durchblick, Jungs! Lucius scheint sowohl das Ministerium als auch den Beirat hinter sich zu haben! Ich frage mich, wie der Minister so blind sein kann…?“, schüttelte ich betrübt über die offensichtliche Naivität von Scrimgeour den Kopf. Es freute mich zwar für Lucius, aber so leicht mussten sie es ihm doch wirklich nicht machen!

Wir unterbrachen unser Gespräch und verstummten, weil sich jemand näherte.

„Mr. Potter, auf ein Wort…, Mr. Potter!“, wandten wir uns gänzlich um, sodass wir mit dem Anblick eines atemlos auf uns zueilenden Zaubereiministers belohnt wurden.

„Mr. Potter, endlich, ich habe Sie fast aus den Augen verloren! Kommen Sie bitte, ich müsste kurz mit Ihnen sprechen!“, zog er Harry an der Schulter haltend etwas weg, eine Geste, die Harrys Augenbrauen zu seinem Haaransatz beförderte, aber er sagte nichts. „Nun, lassen Sie mich Ihnen sagen, wie sehr mich Ihr Verlust schmerzt! Ich kann nachvollziehen, dass Albus Dumbledore mehr für Sie gewesen ist als nur ein Schulleiter!“, kam es schrecklich hochtrabend von dem Mann.

„Können Sie das?“, echote Harry ungläubig, denn seit Sirius‘ Tod war der Schulleiter für Harry ein sehr rotes Tuch geworden, dass sich beständig immer mehr gerötet hatte, aber der eilfertige Minister überging diesen zweifelnden Einwurf und was dieser suggerierte total und räusperte sich vernehmlich.

„Ja, natürlich! Sie haben mein Mitgefühl, Mr. Potter, aber ich kann Ihnen versichern, SIE sind nicht ALLEIN! Sie haben immer noch mich und das Ministerium, das hinter Ihnen steht!“, erklärte er gewichtig und warf sich in die Brust.

„Hab ich das?“, wisperte Harry, denn bisher hatte das Ministerium ihm wahrlich nur Steine in den Weg gelegt!

„Aber natürlich, Mr. Potter, das wissen Sie doch! Gerade in dieser bedrohlichen Zeit sind SIE als „Auserwählter“ dazu verpflichtet, der Gesellschaft Halt zu geben, nach diesem tragischen Verlust! Ich will Ihnen dabei helfen, Ihrer Rolle gerecht zu werden! Verlassen Sie sich ganz auf mich!“, drang er nachdrücklich in Harry und sah ihn intensiv an, während Harry gar nicht den Blick abwandte, sondern nur recht stoisch zu dem Mann starrte.

„Aha… ich hab Sorge, dass ich dann verlassen bin!“, nuschelte er in seinen nicht vorhanden Bart und hielt sich erstaunlich zurück, denn bitte, wann hatte die Zaubergemeinschaft schon etwas für Harry getan und jetzt sollte es seine Aufgabe sein, ihnen Halt zu geben? Das war lächerlich.

„BITTE?“, wollte ein pikierter Minister wissen.

„Ähm, ich meinte, ich fühle mich von allen so verlassen!“, präsentierte Harry eine nun deutlicher gesprochene Ausrede.

„Oh, dann ist ja gut… oder nein, das ist nicht gut! Sie sind nicht allein!“, kam es sehr inbrünstig von dem Minister.

„Eine wichtige Frage, Mr. Potter, wissen SIE, was der Professor in seiner letzten Nacht getan hat?“

„Wie kommen Sie darauf?“, fragte ein perplex blinzelnder Harry überzeugend.

„Es gehen Gerüchte um, dass Sie mit Dumbledore unterwegs waren!“, war die knappe Antwort des Ministers.

„Oh, wirklich? Nein, ich weiß leider nichts!“, wehrte Harry sofort sehr bestimmt ab.

„Mr. Potter, Sie können mir vertrauen, denn ich will Ihnen helfen! Nehmen Sie unseren Beistand an!“, redete er eindringlich auf Harry ein. Was für eine Heuchelei.

„Das weiß ich doch, Minister! Aber soll ich Ihnen etwas zusammenfantasieren? Ich kann Ihnen nicht mit einer Antwort dienen! Dumbledore hat schon lange nicht mehr mit mir über seine Belange gesprochen... wobei, das hat er NIE! Ich weiß nicht, wie Sie der abwegigen Idee verfallen, dass er mich zu seinem Vertrauten gemacht hat! Ich kann Ihnen versichern, das hat er nicht!“, ereiferte sich Harry während seiner Rede immer mehr und es stimmte. Wirklich eingeweiht in die verworrenen Pläne des Alten war Harry nie gewesen, war wohl niemand.

Der Minister wirkte über diesen Ausbruch etwas konsterniert, so wie sich gerade seine Nase kräuselte, da Harrys Emotionen durchaus nicht gespielt gewesen waren. Aber es war nur zu verständlich, dass Harry nun in Rage kam, denn bisher hatte er sich wirklich zurückgehalten, trotz der Frechheiten, die ihm der Minister in den wenigen Minuten schon alle angetragen hatte.

„Ich verstehe… Sie wollen nicht“, meinte er recht verschnupft.

„Nein Sir, ich KANN nicht, das ist ein riesen Unterschied!“, hisste Harry böse auf, wenngleich er jetzt hier speziell über die Begebenheit der letzten Nacht, die er mit dem Alten verbracht hatte, log.

„Und außerdem bin ich erst 16 Jahre alt, ich bin gerade verwirrt und fühle mich nicht wirklich in der Lage, den Helden zu spielen, Sir! Für niemanden!“, wehrte Harry energisch ab.

„Wenn Sie sich sicher sind… mein Angebot steht bezüglich des Ministeriums, Mr. Potter! Ich hoffe, bald von Ihnen, wenn sich Ihre verständliche Trauer gelegt hat, einen Brief zu erhalten, damit wir unser gemeinsames Vorgehen erörtern können!“, meinte ein nun recht knapper und frustrierter Mann, der sich rasch zu Percy, seinem Adjutanten, zurückzog, wobei sich dieser weit entfernt gehalten hatte, dabei hatte Percy wacker versucht, uns keines Blickes zu würdigen, sehr unterhaltsam.

Harry kommentierte das Verschwinden des Ministers mit einem Kopfschütteln und auch mir und Ron war er kein weiteres Wort wert, denn was sollte man dazu auch sagen?

Damit rauschte er davon, worauf wir zur nächsten Stimme herumfuhren:

„Hey, kommt ihr drei? Gleich kommen die Kutschen!“, rief Ginny laut zu uns und winkte aufgeregt, während sich alle rasch zerstreuten.

„Gleich!“, brüllte Ron seiner Schwester laut zu und wir drei ließen rasch den Blick über das hochaufragende, wehrhafte Hogwarts schweifen, das sich mit seinen spitzen Türmen hoch in den Himmel reckte.

„Trotzdem… es ist wie ein Abschied für immer… auch wenn ich den Alten nicht mehr mochte, sogar bereit war ihn umzubringen, er war irgendwie Hogwarts für mich… schon komisch!“, sinnierte Harry mit deutlicher Wehmut in der Stimme, denn mit Albus ging eine Ära zu Ende, das war nicht von der Hand zu weisen.

„Und versteht ihr, solange er da war, waren die Fronten recht klar!“, resümierte Harry sehr klarsichtig.

„Sieh es so, Kumpel, er war eine Figur und ja, ich denke, Dumbledore könnte man auf dem Schachbrett als einen Läufer bezeichnen. Er ist nun weg, aber es sind noch viele oben auf, vielleicht wird alles gut!“, erklärte Ron als unser Stratege mehr oder weniger passend, aber im Endeffekt zählte auch nur, dass er Harry versuchte zu motivieren.

„Haha ja, der Witz war gut, Ron! Du solltest nicht versuchen, deinen Brüdern Konkurrenz zu machen!“, zog Harry Ron gnadenlos auf und nahm seinen Vergleich nicht wirklich ernst.

„Hey, das ist nicht nett!“, schmollte Ron gespielt.

„Hör auf zu jammern und alles wird gut… Traumtänzer!“, machte Harry weiter, während wir uns abwandten und den Kutschen mit den schwarzen, skelettartigen Thestralen zu, die mittlerweile schon sehr viele von den anderen Schülern ebenfalls sehen konnten.

„Hey, wer hat Visionen? Du Visionär!“, ätzte Ron gemein und bekam ein grundehrliches Lachen von Harry.

Als wir ein wenig später im Abteil saßen, musste ich immer noch über Rons Aussage nachdenken, dass er in Albus einen Läufer wahrgenommen hatte und das musste ich ihn nun auch einfach fragen, warum er in ihm keinen Turm sah.

„Oh, Schönste, nun… wegen seiner eindimensionalen Ansichten ist Dumbledore eher ein Läufer! Ich sehe zum Beispiel eher in dir eine Königin, wenn wir sagen, Harry ist der König, dann bist du die Königin. Du hast alle Fäden in der Hand und kannst in jede einzelne Richtung springen! Ich selbst sehe in mir eher einen Turm, weil der Turm im Ernstfall ja, wie bei einer Rochade, mit dem König Plätze tauschen könnte!“, erklärte Ron sehr durchdacht und zeigte mir, dass sein Vergleich wohl doch nicht so falsch war.

„Du siehst in dir Harrys Bodyguard?“, wollte ich es fast sprachlos genauer wissen und durfte erleben, wie beide Jungs erröteten.

„Jaaaa, wenn du es so ausdrücken willst, ja, er ist wichtiger als ich, das war schon auf dem Schachbrett im ersten Jahr so. Und seitdem hat sich an sich nichts an den Umständen geändert!“, verblüfften mich Rons offene, aber durchwegs ehrliche und ernstgemeinte Worte doch sehr und selbst Harry schien konfus über diese doch sehr selbstlose Aussage.

„Gut, dann lass uns noch das gegnerische Feld eröffnen. Wo siehst du da die anderen?“, wollte ich dann noch gespannt wissen, denn dieses Gedankenspiel eröffnete neue Sichtweisen.

„Dass der Lord der König ist steht außer Frage, dein alter Malfoy ist die Königin, der ist dafür wie prädestiniert, denn er hat ja überall seine Finger drin… und wirklich überall, haben wir ja gerade live miterleben dürfen. Und Snape… der ist für mich ein Springer, da er den Drahtseilakt zwischen Lord und Dumbledore meistern musste und er ja im Prinzip, wenn er was für den Lord tun soll es auch bisher so drehen musste, dass der Orden es erfährt oder die Schäden nicht zuuuu groß werden. Schadensbegrenzung halt. Das heißt für mich, einen Schritt vor und ein Stück zur Seite!“, wobei mir auffiel, dass er Draco außen vor ließ, aber auch ich erkannte, dass Draco einfach zu sehr zwischen den Stühlen saß und zu undurchsichtig war, um als Größe auf dem Schachbrett aufgestellt zu werden. Er würde sich nie vor den Lord oder Harry stellen, es war nicht wirklich klar, wie sehr er seine Leute aus Irland involvieren würde, an sich war Draco die große Unbekannte in dieser Partie.

„Na bravo, dann freuen wir uns mal auf eine spannende Schachpartie!“, ging mein Zynismus mit mir gefährlich durch, aber Harry toppte das Ganze noch.

„Auf dass wir nicht zu viele Bauern auf unserem Weg verlieren mögen!“, resümiert er zynisch, als der Pfiff des losfahrenden Zuges uns lautstark unterbrach, aber auch die trockene Feststellung dieser Tatsache dramatisch untermalte, somit setzte sich die Lock schwer in Bewegung.

Wobei uns bei diesen verklingenden Worten sehr gegenwärtig war, dass wir hier von der DA, der BL aber auch den Ordensmitgliedern als den Bauern sprachen, eine Feststellung, welche die Stimmung in unserem Abteil noch weiter hinab zog. Schließlich wurden wir abrupt aus unseren Gedanken gerissen.

„Endlich, auf geht es Leute!“, wurde unsere Tür rasch von Padma aufgerissen, die hereinplatzte als hätte sie es nicht erwarten können, dass wir endlich abfuhren!

„Soooo, auf geht es! Irland sagt, wir brauchen Haar und Blut von jedem der transportiert wird, zur Sicherheit! Also brauchen wir auch Blut und Haare von euch. Ab durch die Mitte, nur die BL-Führer und ihr drei machen das und wir haben weit über 1.000 Schüler, denen wir das in der Kürze der Zeit abnehmen müssen…“, erklärte sie und hörte sich an als würde sie einen Schlachtruf ausgeben.

„Was… warum das? Warum ALLE? Wir sind doch nur irgendwas um die 70 Leute in der DA und der BL und ein paar zusätzliche Slytherins noch?“, rief Ron erschrocken, dabei kassierte er einen leicht strafenden Blick aus exotischen Augen.

„Jaaaa aber so eine durchtriebene Schlange, die wir da kennen, meinte, wir sollten die Gunst der Stunde nützen und alle, wirklich alle anzapfen! Also auf!“, trieb uns eine aufgeweckte, kleine Ravenclaw unerbittlich an.

So ging es auf, wir ratterten von Abteil zu Abteil, katalogisierten die Haar-und Blutproben. Da die Abteile voll waren, führte die Aktion für großes Buhuh und die Kleinen zerrten brutal mit ihrem Geheule und Gekreische an meinen angespannten Nerven.

Gerade war ich kurz davor, einen gutgemeinten Avada an einem Geschwisterpaar der ersten Klasse zu üben, als ich erstaunlich grob herumgerissen wurde.

„Wow, du weißt schon, dass deine Augen geflackert haben?“, riss mich die erstaunlich wohlklingende, aber auch sehr energische Stimme von Daphne aus meiner stumm ausgetragenen Raserei.

„Was?“, meinte ich perplex, dabei schüttelte ich überrumpelt mein Haupt, denn das war gar nicht gut. Wie gut, dass Daphne unter meinem Zauber stand, wobei ich erst jetzt registrierte, dass ich sie schon lange nicht mehr sprechen gehört hatte.

„Wie ich es sage! Pass auf!“, meinte sie nur eindringlich, bevor sie sich mit ihren Proben weiterkämpfte und in mir ein positives Gefühl, was sie und ihre Entwicklung betraf, zurückließ, während ich über mich selbst sehr wütend war!

Aber die viele Arbeit der letzten Tage zollte ihren Tribut und die Müdigkeit ließ sich irgendwie gar nicht richtig abschütteln und wenn ich daran dachte, Lucius und Severus zu begegnen, dann grauste es mir jetzt schon. Die zum Teil erwartungsfrohen Blicke von Lucius bei der Beerdigung in meine Richtung waren mir durchaus nicht verborgen geblieben, wenngleich es kein anderer bemerkt zu haben schien.

Als ich an der Kabine der Slytherins vorbeikam, trat ich ohne anzuklopfen ein, da ich sah, dass Blaise gerade in der Mitte stand und ein intensives Gespräch mit Theo und Greg führte.

„Ah, du… sehr gut, Schönste, gib mir eine Minute, bis ich mit Theo und Greg fertig bin! Also ihr beiden, hier sind eure Portschlüssel… ihr steigt nicht als erste aus, eher so in der Mitte des Stroms und benützt sie dann sofort! Verstanden? Wir wollen euch da weg haben, wegen euren Vätern und keine Sorge, ihr landet an dem Sammelplatz in Wales! Ihr dürft euch als Versuchskaninchen betrachten und euer Empfang wird Miles zusammen mit Graham sein…“, erklärte er geschäftig und beide hörten genau zu und steckten die unauffälligen Schreibfedern, die dafür ausgesucht worden waren, ein und nickten nur ernst.

„Danke euch nochmals, das macht es leichter, viel leichter!“, zeigte Greg ungewohnt viel Gefühl und Theo schien so gerührt, dass ihm gleich ganz die Worte fehlten.

„Das hört sich sehr gut an!“, bekannte ich, nachdem sich mir ein übermüdeter, mit tiefen Augenringen gezeichneter Blaise zuwandte.

„Danke, boah… ich brauche meinen Schönheitsschlaf, ohne diese Päppeltränke von Daphne wäre ich schon im Koma! Das ist nichts für mich, also lange aufbleiben ohne Schlaf! Und vergessen darf ich auch nichts, sonst macht mich Draco einen Kopf kürzer! Der schickt mir eine Eule und einen Patronus nach dem nächsten, seit heute Morgen…“, jammerte er inbrünstig und ich lächelte ihn mitfühlend an.

„Das machst du toll!“, lobte ich selten, aber dafür umso ernst gemeinter.

„Ein Lob von dir, ich bin getroffen!“, fasste er sich theatralisch an sein Herz und grinste charmant.

„Aber das Wichtigste haben die Twins geschafft! Was wären wir ohne ihre erfinderische Genialität?“, bekannte er dramaturgisch und ich lüpfte sofort interessiert eine Braue.

„Was haben sie getan?“, fragte ich und erfuhr erst jetzt, wofür wir genau diese Sachen wie Blut und Haar benötigten, aber ich hatte immer gewusst, was für brillante Köpfe hinter diesen roten, wirren Haaren steckten. Dass es ihnen gelingen würde ein Schlupfloch zu finden, damit die Portschlüssel sicher waren, war klar gewesen. Wenn, dann fanden die zwei für so etwas eine Lösung.

„Sehr gut, dann läuft es doch!“, meinte ich nun merklich entspannter. Das Gespräch mit Blaise hatte mich abgelenkt, was gut war. So viel Betriebsamkeit hatte noch nie in diesem Zug geherrscht, es summte wie in einem geschäftigen Bienenstock und vermittelte einem eine nicht zu benennende Aufbruchsstimmung.

Als ich den Gang entlangging, versuchte ich dabei, geschickt den herumwuselnden Hindernissen auszuweichen und war froh, dass meine Liste so langsam abgearbeitet war, doch dann stoppte mich ein plötzlicher, schriller Schrei, der laut durch den Zug hallte. Sofort ließ mich dies innehalten und auch viele andere in diesem Zug waren in ihrer Tätigkeit eingefroren.

„NNNNNNNEEEEEEEIIIIIINNNNN …“

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Kapitel 365-366 Queeniesig-1
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BeitragThema: 366. Kapitel Schlaflied   Kapitel 365-366 EmptyDo Apr 11, 2013 7:56 pm

366. Kapitel Schlaflied

„NEINNNNNN…“, plärrte die Stimme, bevor sie weiter laut aufbrauste.

„Was bildest du dir überhaupt ein? Ich bin nicht dein Sorgenkind!“, schrillte es in hoher Stimmlage durch den Zugang.

„Moment, was soll das heißen? Ich will dich doch nur bei mir haben…, du musst nicht mit den anderen gehen, komm zu mir!“, bat er flehentlich.

„Ich bin für dich doch jetzt nur interessant, weil ich anders bin! Wenn ich nur ich wäre, würdest du mir nur ein wenig Zeit und Aufmerksamkeit fürs BETT gönnen, aber jetzt, seitdem das mit Bill bei dem Überfall passiert ist und er einen Wolfsbiss hat, ist es noch offensichtlicher!“, brüllte Lavender nun regelrecht.

„Von was zur Hölle redest du?“, fauchte er entnervt zurück.

„Es geht dir gar nicht um MICH! Nur um den Bi… das andere!“, kratzte sie gerade noch die Kurve, bevor sie hier im Zug laut ihren Biss hinausplärren konnte, aber sie schaffte es und auch so hatte Ron verstanden.

„Das stimmt doch gar nicht, Unsinn!“, tat er ihren Einwand lässig ab und schnaubte beleidigt.

„Nein, gar kein Unsinn, denn erst jetzt, wo ich so unperfekt bin, werde ich für dich interessant! Ich will einen Freund, aber keinen, der in mir einen Invalidenfall sieht! Ich weiß nicht, warum ich dir so nachgelaufen bin, obwohl du jedem Rock hinter gestiegen bist, keine von uns wirklich respektiert hast, aber eins weiß ich jetzt, DAS IST KEINE LIEBE! Aber glaub mir, alles was passiert ist, hat mir sehr genau die Augen geöffnet, was wahre Liebe ist und ich will nichts weniger als das!“, hisste sie entwaffnend ehrlich zu Ron, der ihr die ernstgemeinten Zweifel an seinen Motiven nicht abnahm, da er ihr auch jetzt ein recht überhebliches Lächeln schenkte, als wäre er unwiderstehlich.

Wobei ich es herrlich fand, dass meine absichtlich gestreuten Zweifel in Lavender so gut gefruchtet hatten und sie enttäuschte mich nicht, mit ihrem frustrierten Aufschrei. Gerade eben hob sie ihren Arm frustriert hoch und riss grob das Armkettchen ab, das Ron so großzügig an seine Liebchen in Hogwarts verteilt hatte und drückte dies dem sehr überrumpelten Ron rabiat in die Hand.

„Glaub es, Ron! Wir sind durch als Paar. Ich will dich nicht mehr! Es tut mir leid! Jetzt, wo du mich willst, will ich nicht mehr! Es ist so komisch, jetzt wo ich nicht mehr das zu bieten habe, was ich davor hatte, da willst du mich und ich glaub, damit komme ich nicht klar! Aber ich weiß deine Hilfe und Unterstützung zu schätzen, ich bin dir sooo dankbar! Wirklich Ron, bitte, vergiss das nicht und sei nicht böse…“, wisperte sie zum Schluss aufgelöst, dann stürzte sie heulend den Gang hinunter und ließ den vollkommen perplexen Ron hinter sich zurück, der noch immer überrumpelt das zerrissene Armband in der erhobenen Hand hielt.

„Was... was… was war das?“, stotterte er fassungslos.

„Das, mein Guter, nennt man klassisch abserviert!“, bescheinigte ihm ein grinsender Blaise, der ihm beim Vorbeigehen kameradschaftlich auf den Rücken klopfte. Dies alles geschah unter den tratschsüchtigen Blicken der Mitreisenden.

„Ich… ich… das… wow? Aber… aber …“, kam es reichlich wirr von dem soeben perplex wirkenden Ron.

„Ron, sie hat ganz eigene Probleme!“, flüsterte ihm Blaise nun recht ernsthaft zu und da tat mir Ron aufrichtig leid, weil er mit wehmütigem, gedemütigtem aber auch irgendwie traurigen Blick auf das Armband sah, um es dann in seine Hosentasche zu stopfen.

„Die Richtige wird noch kommen!“, war nun auch Astoria hinter Ron und drückte ihn kurz herzlich.

„Wenigstens hab ich euch alle!“, meinte er nun gerade recht traurig und ich verbot mir, daran zu denken, dass ich nicht ganz unschuldig daran war, dass Lavender nie ins Cottage kommen würde.

Aber ich war mir so sicher, dass er eines Tages jemanden finden würde, der zu ihm passen würde. Lavender war nie die Richtige für ihn gewesen. Ich konnte nur hoffen, dass er nie rausfand, dass ich die Intrigantin war oder aber bis dahin eine andere gefunden hatte und dem Ganzen gelassen gegenüber stehen konnte.

Also ging ich durch den Zug, der vor Aufregung summte, weil auch diese Episode für Gesprächsstoff sorgte und nicht nur unsere aufsehenerregende Sammelaktion. Das Einzige, was mir sauer aufstieß war, wie bereitwillig alle ihre wertvollsten Merkmale ihres Seins hergaben! Sie waren alle so arg- und ahnungslos, dass es förmlich wehtat.

Gerade die schwarze Magie liebte es, bei Ritualen oder der Blutmagie, mit eben jenen Hilfsmitteln zu agieren, die wir gerade von ihnen nahmen! Ich wusste nicht, ob ich mich freuen oder eher verzweifeln sollte über die vorherrschende Naivität, die selbst in dieser dunklen Zeit unter den Schülern herrschte.

Na gut, einige Slytherins hatten sich angestellt, aber ein verkniffener Gesichtsausdruck von mir und Blaises knappe Worte hatten gereicht, dass wir auch von diesen alles bekommen hatten was wir wollten, aber die anderen Schüler warfen es uns regelrecht hinterher, bis auf die paar, die Angst vor der Blutabnahme hatten. Aber das waren keine wirklichen Gründe, die wichtig gewesen wären. Wobei dies so eine Situation gewesen war, wo meine Augen geflackert hatten, weil mich dieses grundlose Geplärr unvorstellbar wütend gemacht hatte.

„So, du hast Ron abserviert?“, glitt ich in ein Abteil, in dem Pav gerade eine untröstliche Lav versuchte zu beruhigen.

„Ich… ja, das habe ich tatsächlich!“, meinte sie selbst über sich geschockt und schnäuzte sich inbrünstig.

„Und kommst du sofort oder per Portschlüssel nach Irland?“, fragte ich nun ungerührt über ihre Trauer, während sich Parvati zurückhielt und uns stumm beobachtete, denn für Pav stand es fest, dass sie mit dem Portschlüssel ihrer Schwester folgen würde.

„Ich weiß nicht, Mutter und Vater werden mich heute abholen und ich will sie nicht vor den Kopf stoßen… aber einen Tag und eine Nacht werde ich sie täuschen können! Ich glaub, ich muss sehen, ob ich recht habe mit meiner Einschätzung, oder ob mir mein Geist da einen Trugschluss vorgaukelt… ich weiß nicht, ob du mich verstehst, Hermione, aber es ist nicht leicht… wenn man seine Eltern monatelang nicht sieht! Ich war dieses Jahr kein einziges Mal draußen aus Hogwarts, über 9 Monate… ach… natürlich weiß das jeder von uns!“, plapperte sie atemlos, mit verschnupfter, nasaler Stimme.

Unterdessen tätschelte Parvati mitfühlend ihre Schulter.

„Mach dir doch nicht so viele Gedanken! Niemand kann sehen, dass du jetzt „anders“ bist!“, versuchte sie ihre beste Freundin zu beruhigen.

„Ja, ja, ja… dank euch! Hab ich das mit Ron falsch gemacht?“, haderte sie und ich war versucht, ihr eine zu scheuern.

„Lavender, ich bin nicht Parvati, strapaziere bitte nicht derart meine Nerven! Ich finde nicht, dass du etwas bereuen solltest, was du ernst gemeint hast! Ron war halt nicht der Richtige, sieh nach vorne und ich erwarte, dass die starke, willensstarke Lavender in Wales ankommen wird!“, forderte ich dann noch mit einem intensiven Blick von ihr, bevor ich das weinerliche Abteil rasch hinter mir ließ.

Eine innere Unruhe hatte mich ergriffen, denn ich war nervös, weil ich endlich wieder ins Manor kommen würde, das ich als mein zu Hause ansah. Es zog mich an und stieß mich ab, zugleich. Es war nicht zu beschreiben, denn gleichzeitig würde es hoch hergehen, die kommenden Tage und dennoch freute ich mich auf den Luxus eigene Räume zu haben und die Möglichkeit, Ruhe zu finden.

„Was hat Lavender mit Ron gemacht?“, fragte ein verstrubbelter Harry, der gerade aus den Toiletten auf mich zukam und ich dachte, eine bekannte, kleine Person davonhuschen zu sehen, die dramatisch wie Daphne aussah, dabei ließen die geröteten Lippen von Harry auf den Austausch von Zärtlichkeit schließen.

„Dann warst du mit Ron auf dem Klo?“, wollte ich despektierlich als Gegenfrage wissen und er streckte mir doch tatsächlich frech die Zunge entgegen.

„Hey, du hast mir nicht gesagt, was auf mich zukommt! Nur kryptisch, dass ich mich am Bahnhof bereithalten soll! Mittlerweile plane ich mit dem Schlimmsten… da werde ich meine FRAU doch kurz einmal sehen dürfen, zumal ihre Strafe ja jetzt wohl vorbei ist!“, protestierte er leise und ich war mir sicher, auch wenn Daphne mit Nichtachtung in Slytherin gestraft worden war, hatte Harry es sicher geschafft, sie zumindest hin und wieder zu sehen, wenn auch nur im Vorbeigehen.

Mir war natürlich bewusst, das ersetzte nicht ihre sonstige, wöchentliche gemeinsame Zeit, aber Strafe hatte sein müssen, nach dem Debakel im Wald und als sie sich auf diese Beziehung eingelassen hatten, hatten schließlich beide gewusst, dass es nicht einfach werden würde, zeigte ich mich sehr mitleidlos.

„Noch ist sie nicht deine Frau! Aber schon gut! Bist du fertig mit deiner Liste?“, überging ich ihn salopp.

„Ähm, sorry, noch zwei Leute …“, druckste er ertappt rum.

„HARRY!“, tadelte ich und er schaute schuldbewusst zu, dass er davonkam.

Dieser Zug war gerade einem Irrenhaus sehr ähnlich. Auf der anderen Seite konnte man froh sein, dass die Twins schon weg waren, sonst wäre es mit ihren morbiden Späßen brutal geworden.

Bevor ich, kurz vor Ende der Fahrt, unser leeres Abteil aufsuchte, kontrollierte ich, dass ich für alles präpariert war, sprich meine Dolche und meine Zauberstäbe da waren wo sie hingehörten.

Wir hatten es tatsächlich geschafft! Alles war erledigt! So schnell war noch nie eine Zugfahrt zu Ende gegangen, aber nun würde sofort die neue Arbeit beginnen, denn Blaise würde umgehend mit den Red Devils nach Irland aufbrechen.

Dort wartete nämlich ein ganzes Bataillon darauf, die personifizierten Portschlüssel zu produzieren, also war für uns alle noch lange nicht Feierabend, auch wenn ich erst mal ins Manor musste.

Heute war Mittwoch und dank Warrington war unser ganzer, schöner Zeitplan auf den Kopf gestellt worden, deshalb war geplant, dass die Abgänger der BL schon morgen in Irland zu ihren Gesprächen aufschlagen würden und die Schüler schon am Samstag ins Camp nach Wales transportiert werden würden.

An sich nur noch wenige Tage, oder eher Stunden, denn die Portschlüssel mussten ja auch noch per Eule zu den Empfängern gebracht werden, viel zu viel zu erledigen. Anders als sonst erreichte der Zug Kings Cross erst am späten Abend, da er aufgrund der Beerdigung erst deutlich später als normal losgefahren war und somit wäre heute nicht mehr allzu viel zu schaffen, leider!

Als die Tür aufging, traten die sehr bleiche, sehr übernächtigte Hannah und Neville ein.

„Oh… stören wir?“, fragte er sofort sehr höflich, aber leicht leiernd, als würde er gleich einschlafen.

„Nein, was gibt es?“, entgegnete ich geduldig und strich mir über mein Haar, dabei beobachtete ich mich im Glas der Fensterscheibe.

„Nur unsere Koffer holen! Hannah kommt mit mir zu meiner Oma! Ich wollte die beiden bekannt machen und Hannah will nicht in ihr Haus… und morgen geht es weiter!“, entgegnete Neville eilig und ich wagte nicht, zu Hannah zu blicken, zu sehr wusste ich, wie viel Mitschuld ich an ihrer Situation trug.

„Genau, ich bin sehr auf Irland gespannt, denn Padma hat im Zuge ihrer Möglichkeiten spannendes erzählt!“, bekannte eine trotz ihrer Blässe recht forsch erscheinende Hannah, die augenscheinlich nichts über ihre familiäre Lage hören wollte.

„Wenn das deine Frage ist, ob dort Zeit für Besinnlichkeit ist? In der ersten Zeit, nein und in der folgenden Zeit empfehle ich, dass du dich mit deinem Kummer und deiner Trauer auseinandersetzt!“, erwiderte ich recht überheblich, aber ich wollte nicht, dass sie es verdrängte sondern sich den Tatsachen stellte.

„Du?“, ätzte sie plötzlich mit einer zu einer Grimasse verzogenen Fratze, aber ich reagierte schnell.

„Ich rate dir das, da du bitte nicht vergessen solltest, dass ich ebenfalls als Waise dastehe!“, schnitt ich ihr recht barsch das Wort ab und verließ mit meinem geschrumpften Koffer ein auf einmal sehr stilles Abteil.

Der Zug bremste bereits, während ich verbissen zu verdrängen versuchte, dass meine Eltern wohl ein fröhliches Dasein in Australien führten und glücklich waren, ohne eine zu schlaue Tochter, die in einer anderen Welt festsaß und noch nie so gewesen war wie die anderen.

Als es soweit war und wir quietschend hielten, verließ ich flott wie nie den Zug. Noch bevor der Zug hielt sprang ich als erste in meinem schwarzen, schlichten Trauerkleid aus dem Zug und sah mich mit einer Mauer besorgter Eltern konfrontiert, die alle irgendwie ausgezehrt wirkten. Offenbar hinterließ auch der Krieg bei ihnen erkennbare Spuren.

Ich machte auch schon unser Empfangskomitee aus.

„Mr. Moody!“, eilte ich auf den alten, einbeinigen Auror zu, der flankiert von Mr. und Mrs. Weasley sowie Bill, Dädalus Diggel und Elphias Doge dastand.

Dabei wirkte der von dem Werwolf attackierte Bill sehr angeschlagen und sah mit den tiefen, rotgeschwollenen Narben, im ehemals attraktiven Gesicht, entstellt aus, aber er versuchte, es mit Fassung zu tragen und zeigte deutlich, dass er seine Entstellung nicht würde verbergen können.

„Scheinbar konnten Sie es gar nicht erwarten, mich wiederzusehen!“, resümierte der alte Mann mit dem vernarbten und zerstörten Gesicht recht erheitert, da das Begräbnis erst einige Stunden zurücklag.

„Nun ja, sagen wir so, es konnte dort relativ wenig ausgetauscht werden! Mr. und Mrs. Weasley, erfreut sie zu sehen und auch noch bei guter Gesundheit!“, begrüßte ich alle reihum mit Nicken und mir wurden nicht nur von unserem Kreis merkwürdige Blicke zugeworfen, auch so einige andere Eltern schauten doof her, wenn man bedachte, dass erst jetzt wirklich die Türen des Zuges aufgingen um die Schüler zu entlassen, die mit großer, wehmütiger Begeisterung von ihren Eltern willkommen geheißen wurden.

„Mir wurde von Minerva gesagt, Sie wünschen meine Gegenwart!“, ging Moody sofort in die Offensive und schaffte es, dass Molly mit offenem Mund nach Luft schnappte.

„Das ist richtig! Wir müssen schnell handeln! Wie weit seid ihr mit den Dursleys?“, ging ich sofort zielstrebig auf das Wesentliche ein.

„Diese unerwarteten Umstände haben uns zeitlich zurückgeworfen…“, bekannte er missmutig.

„Uns leider auch… Albus‘ Ableben war wahrlich anders geplant!“, erklärte ich sehr unglücklich, aber auch sehr emotionsarm.
„AHHHH“, rief Molly entrüstet, aber ihr Schrei ging durch die anderen, erfreuten Rufe der Eltern unter.

„Das dachte ich mir fast!“, ließ sich Moody nicht aus der Ruhe bringen. „Wie ist Ihr Plan, MISS GRANGER?“

„Mr. Moody, wie schon beim letzten Mal, es hat sich nichts geändert… an sich! Aufgrund einiger unerwünschter Umstände ist leider, leider die Zeit ein dramatischer Faktor, man sollte wirklich nicht zu viel planen!“, zog ich einen ärgerlichen Schmollmund.

„Ey und das von der Frau, die nichts lieber tut als das!“, unterbrach mich ein gutgelaunter Harry, der plötzlich hinter mir auftauchte und mir einen übermütigen Schmatz auf die Wange drückte.

„Brutal, Kumpel, wir hätten das aufnehmen müssen, damit wir ihr es immer und immer wieder vorspielen könnten! Hallo Dad, Mum, Bill!“, begrüßte er seine Familie und ging zu ihnen. „Gut siehst du aus, Bill!“, meinte er nun aufrichtig und es stimmte insoweit, dass er gesundheitlich tatsächlich viel stabiler als Lavender wirkte. Was es doch für einen Unterschied machte, wie schnell der Trank gegeben wurde, aber auch, wann der Biss erfolgte. In dem Moment fiel Molly Ron auch schon theatralisch um den Hals.

„Ach Ron, der Vollmond kommt erst noch!“, jammerte sie leidend, Ron erwiderte aber trotzdem tröstend die Umarmung, die irgendwie verzweifelt anmutete.

„Da wird nichts passieren… sollte mich wundern!“, kommentierte Ron recht trocken und zeigte seine abgeklärte Erfahrung mit Lavender, denn wenn diese sich schon nicht verwandelte, dann Bill erst recht nicht.

„Dein Wort im magischen Ohr!“, beschwor Arthur eindringlich und Bill lächelte gequält.

„Zurück, wie geht es weiter…?“, rollte Moodys Auge nach seiner Aufforderung zu Harry, der in die Runde zur Begrüßung winkte.

„Moment… Harry, du wirst nun zu den Dursleys eskortiert! Wen haben Sie dafür vorgesehen?“, bestimmte ich und Harry senkte, obgleich seine schlimmsten Befürchtungen bewahrheitet wurden, kurz ergeben den Blick, wenngleich ein leidendes, tiefes Stöhnen aus seinem Mund kam.

Unsere Gruppe nahm es, wie mir schien, mit unterschiedlichen Reaktionen auf, aber bevor jemand was sagen konnte kam ihnen Harry zuvor.

„Moment! Wie lange? Du schiebst mich dahin ab… aber glaub nicht, dass ich da bleiben will! Oder werde!“, drohte er sehr entschlossen und ich grinste ihn verschwörerisch an.

„Harry, das ist wahrlich der falsche Ort, um derart delikate Angelegenheiten zu besprechen!“, kam ich ihm zuvor und wollte ihm Einhalt gebieten.

„Ich weiß, ich werde auch nicht streiten! Ich will nur ein Datum!“, entgegnete Harry sehr ruhig und erwachsen.

„Himmel! Eine Woche!“, meinte ich bockig, als er mich mit großen, grünen Augen ungläubig ansah.

„Spinnst du? Dann ist einer von denen tot!“, protestierte Harry absolut ernstgemeint.

„Harry, mit so etwas spaßt man nicht!“, tadelte Arthur sofort, aber der Blick, der ihn aus smaragdgrünen Augen traf war einem giftgrünen Avada gleich. Er sagte zwar nichts, aber alles in seiner Haltung drückte aus, dass er es nicht im Spaß gemeint hatte.

„Ruhig, Potter… lass dich nicht von GRANGER verarschen! Wir kommen so rasch wir können zurück und jetzt ab mit dir, durch die Mitte. Du musst schnell sein! Ich hab deine „Familie“ hierherbestellt, sie warten hinter der Absperrung und Bill, Dädalus und Elphias werden dich eskortieren!“, bei dieser erbaulichen Nachricht verzog Harry widerwillig die Mundwinkel und auch Ron sah unglücklich aus, denn jeder würde nun Harrys Kind vor ihm sehen. Es war eine Krux mit Harry.

„Du schaffst das, Kumpel! Lern halt ein wenig, ich halt die Stellung! Keine Sorge und sie wird dich schon flott holen!“, versuchte Ron doch noch, seinen Freund aufzumuntern.

„Das rate ich euch!“, ging Harry mit einer geknurrten Drohung und jeder bemerkte, dass er mir gerade nicht wirklich wohlgesonnen war.

„Ron, geh… der Bahnsteig lehrt sich…“, forderte ich nun, als Ginny atemlos zu uns hetzte.

„Boah… sorry, Lavender hat sich etwas schwergetan… hey Mum, Dad es ist so schön, euch zu sehen!“, kam es recht munter von der doch blassen Ginny, der man trotz ihrer gespielten Fröhlichkeit die durchwachte Nacht ansah.

„Meine Kleine!“, fiel Molly ihrer Tochter um den Hals.

„Mum, Dad, ich muss los! Ich hab mich echt gefreut, euch zu sehen! … Schönste, wann können wir mit dir rechnen?“, fragte Ron noch geschäftig, worauf ich antwortete, indem ich die Schultern zückte.

„Ron, du bist jederzeit im Fuchsbau willkommen! Auch nur für ein Essen…“, bot Arthur vorsichtig an, wissend, dass sein Sohn seit März zusätzlich volljährig war.

„Danke, das bedeutet mir viel! Passt auf euch auf!“, kam es recht erfreut von ihm und schon verschwand er mit einem lauteren Knall und sprang zum Cottage.

„Du auch…!“, hauchte Molly ängstlich ins Nichts, während Moody mit klackendem Holzbein auf mich zuhielt.

„Genug der Nettigkeiten, kommen Sie, wir haben genug zu besprechen!“, forderte der alte Auror bestimmt. „Treffen in 3 Minuten in unserem Park!“, meinte er ominös den Park vorm Grimmauld Place, ich verstand ihn aber sofort und nickte, während die drei zurückgebliebenen Weasleys wie bei einem Pingpongmatch zwischen uns hin und her sahen, bis Moody ploppend verschwand.

Irgendwie hatte ich das unbestimmte Gefühl, dass Arthur und Molly mehr wussten als sie sagten, denn in ihrem Blick stand etwas, was ich nicht zu deuten verstand.

„Warte… Hermione!“, hielt mich Mollys erhobene Stimme auf und gerade noch konnte ich die Apparition verhindern.

„Ja?“, fragte ich irritiert.

„Auch du kannst gerne kommen! Zum Beispiel mit Ron… oder auch Harry, auf Besuch und schließlich ist noch die Hochzeit von Bill und Fleur, wir würden uns wünschen, dass sich dabei alle versammeln könnten die zu, zu… also…!“, brach sie sprachlos ab.

„Die zu unserer Familie gehören!“, endete Arthur für sie und ich blinzelte reichlich überrumpelt über diese doch unerwartete Annäherung auch mir gegenüber.

„Wow, das ist… nett, danke euch! Schickt uns doch die Einladung zur Hochzeit, denn zu einem solchen Ereignis kann man fast nicht nein sagen! Nicht?“, meinte ich versucht freundlich, aber die Aussicht, in naher Zukunft 2 Hochzeiten zu erleben, die eine von Flint in Irland reichte mir eigentlich und diese Gegebenheit zog meine Stimmung recht runter. Das war so pathetisch aber etwas was ihnen wichtig war und ich konnte mir vorstellen, dass Ron sehr gerne da wäre, schließlich hatte er Bill immer bewundert.

„Dann freuen wir uns!“, entgegnete Arthur zum Schluss hoffnungsvoll, bevor ich mit einer verabschiedenden Handgeste zu Ginny ebenfalls apparierte, um von einer miesepetrigen Person ungeduldig empfangen zu werden.

„Was kann da so lange dauern?“, murrte Moody giftig, während ich auf die Parkbank sank.

„Eine mündliche Einladung zur Hochzeit…“, blieb ich seelenruhig und er grummelte mürrisch mit seinem schiefen Mund vor sich hin.

„Also, junge Dame, was wollten Sie, dass Minerva wie ein aufgescheuchtes Huhn über den Kamin mit mir Kontakt gesucht hat?“, fragte er leicht gehässig und sein unechtes Auge rollte in seiner Augenhöhle wild hin und her.

„Wissen, wie es mit den Dursleys steht…? Auch Sie müssen die drei Wochen, die wir nun eher Ferien haben, unerwartet überrumpelt haben?“, stellte ich eine ärgerliche Tatsache fest.

„Wir arbeiten noch dran, denn natürlich war das nicht einkalkuliert!“, bekannte er misslaunig.

„Also, wie planen Sie dann?“

„Der Orden streut das Gerücht, dass wir ihn eine Woche vor seinem Geburtstag abholen! Arthur bringt das Gerücht ins Ministerium… aber ich bin immer noch dafür, ihn an seinem Geburtstag von dem Haus abzuholen, da dann die Schutzzauber eh fallen und unbrauchbar werden, schließlich wollen sie es aufsehenerregend! Die Frage ist nur, wie ihn sicher wegschaffen, wenn eine Abordnung DeathEater auf ihn wartet?“, gab Moody zu bedenken.

„Keine Ahnung, darüber machen wir uns später Gedanken, ob es vielleicht nicht 1 oder 2 Tage vor diesem Tag passieren sollte, aber das Andere ist korrekt. Werden sie es schaffen, die Dursleys eher wegzubekommen?“, wollte ich neugierig wissen.

„Ungern, möglich aber an sich unnötig, da Potter gerade die Schutzzauber durch seine ehrenvolle Anwesenheit aufrechterhält sind sie dort bis dahin sicher. Noch steht nicht alles für die Auswanderung nach…“, erzählte er bereitwillig, als ich ihn mit erhobener Hand eilig unterbrach.

„STOPP, sagen Sie mir unter keinen Umständen, wohin Sie die Dursleys schicken, denn ich will es nicht wissen und ehrlich, ich muss nicht alles wissen!“, sagte ich bestimmt und blickte ihn ernst an.

„Schlaues Mädchen!“, kam es mit hintersinnigem Lächeln von ihm. Er musterte mich unverhohlen.

„Gebe mir Mühe, alter Mann!“, zwinkerte ich ihm frech zu und erntete eine besonders hoch erhobene Braue.

„Dann werde ich Sie schocken und sage, ich will nichts über den Astronomieturm wissen!“, zeigte nun er ein fast dämonisches Grinsen als er mir diese Tatsache offenbarte, die mich wahrlich die Augen weit aufreißen ließ.

„Gut, ich hätte eh nichts gesagt!“, fing ich mich aber gekonnt und trug eine leicht arrogante Maske zur Schau.

„Wir verstehen uns, Schätzchen! Nun, dann ist es abgemacht, dass wir Potter an seinem Geburtstag oder ganz kurz davor abholen! Wie?“, kam der pensionierte Auror gewohnt nüchtern und geschäftig auf das Wesentliche.

„Keine Ahnung, das wird bestimmt von einigen Faktoren abhängen, aber ehrlich, seit den letzten Pleiten sollten wir nicht zu viel planen, denn es ist noch zu viel Zeit bis dahin!“, wiegelte ich ab.

„Einverstanden! Und wann holen wir ihn nun jetzt da raus?“, fragte Moody ernst.

„Harrys Geduld wird aus mannigfaltigen Gründen nur gering sein! Heute ist Mittwoch, ich wäre für Freitag!“, schließlich wusste ich von Lucien, etwas was der Alte mal wirklich nicht auch nur im Ansatz ahnte.

„Das ist rasch!“, meinte er dann doch überrumpelt.

„Alles andere ist unnötig, um die Banne zu erhalten! Warum Harry quälen? Und auch die Familie? Ich erachte dies als Unsinn. Wir werden die Dursleys dann am Freitag über ihr neues Leben informieren?“, wollte nun ich geschäftig erfahren.

„Grob, da Sie ja nicht wissen wollen, wo es hingeht!“, grinste er mich süffisant an, bevor er mir zuprostete, seinen Flachmann hochhob und gierig daran nuckelte. „Was das Monetäre betrifft!“, setzte er an, nachdem er sich mit der Rückhand über den Mund gewischt hatte.

„Sollte das nicht das Problem sein, sowohl Harry als auch ich haben genügend Mittel!“, winkte ich wohl zum Teil sehr arrogant ab.

„Warum wundert mich das jetzt absolut nicht?“, entgegnete der alte Haudegen recht hämisch und ich grinste hinterlistig zurück, dabei blinzelte er und spielte sehr wohl auf meine Familienzugehörigkeit an.

„Ich muss weiter…“, erhob ich mich und er winkte nur salopp. „Sollte etwas früher sein… eine Eule!“ und schon sprang ich der nächsten Herausforderung entgegen.

Ich legte den leichten Mantel, den ich trug, ab und mein Trauerkleid kam zum Vorschein. Mein Haar war noch immer lose hochgesteckt, sodass mir lockige Strähnen verspielt in den Nacken fielen.

„Endlich! Man hätte meinen können, dass du schon seit mindestens einer Stunde daheim bist!“, empfing mich die kühle, aber auch sehr souveräne Stimme von Lucius. Ich war gar nicht verwundert, dass er mir hier im Eingang auflauerte und mich empfing.

„Verzeih, das Empfangskomitee hat etwas aufgehalten, schließlich sind die Umstände tragisch!“, erwiderte ich gekonnt die Begrüßung und drehte mich schwungvoll um.

„Dann komm… schließlich ist heute ein bedeutsamer Tag!“, bekundete er hochtrabend und hielt mir seine schlanke, aristokratische Hand auffordernd entgegen.

Ich setzte mich umgehend mit wiegenden Hüften in Bewegung und ergriff seine unerwartet warme Hand, legte meine Hand in seine und er erstaunte mich, indem er in einer geschickten Bewegung seine Hand drehte, sodass mein Handrücken vor ihm lag und hob sie nun sehr langsam, fast schon lasziv an, um dann einen zarten Kuss darauf zu hauchen. Sprachlos beobachtete ich diese Szene, die mein Herz unerwartet schnell flattern ließ.

„Galant!“, raffte ich mich auf, heiser zu kommentieren und er schenkte mir ein süffisantes Anheben der Mundwinkel.

Nun zog er mich elegant mit sich, hakte sich meinen Arm besitzergreifend unter und schritt die langen Korridore gemessenen Schrittes entlang, bis wir einen prächtigen Salon betraten, den ich so nicht kannte. Es gab eindeutig zu vielen von ihnen hier.

Vor einem enormen, prasselnden Kamin, der trotz der frühlingshaften Temperaturen ein Feuer enthielt, standen drei große, bequeme Ohrensessel, mit je einem kleinen Tischchen daneben und eben in einem dieser saß ein schwarzer Mann, der geduldig wartete. Er starrte mir mit glutvollen, schwarzen Augen entgegen.

„Severus!“, rief ich erfreut aus, denn es war seit dem Mord unser erstes wirkliches Zusammentreffen, da ich bei meinem kurzen Besuch aus dem Manor geflohen war, bevor Severus mich hatte erreichen können und trotz des Chaos konnte ich behaupten, ich hatte seine bissige Art vermisst.

„Diesmal apparierst du nicht sofort, nachdem du meiner ansichtig wirst?“, murrte er vorwurfsvoll, dieser nicht nachtragende Mann und ich rollte die Augen.

Die Malfoys waren nie eifersüchtig und die Snapes waren nie eingeschnappt, wenn man sie in ihren Augen nicht genug wertschätzte, Drama pur!

So löste ich mich sachte von Lucius, was er galant zuließ und eilte auf Severus zu, legte ihm meine Hand bestimmt auf seinen Arm, der auf der Lehne lag.

„Wenn du mich gestellt hättest, dann hättest du mich aufgehalten und glaub mir, die letzten Tage waren grausam!“, begann ich eine meiner verhassten Rechtfertigungen, während Severus‘ Blick auf meiner Berührung lag, bevor er mir ernst ins Antlitz blickte.

„Du siehst abgespannt aus… mhm…, der Plan war anders!“, erklärte er entgegenkommend und bei der ersten Feststellung murrte ich auf und bei der zweiten seufzte ich mitleidig.

„Sag das nicht mir…“, setzte ich mich in den mittigen Sessel, während Lucius sich um die Getränke kümmerte und gerade selbst Platz nahm. „Alles musste nun die letzten Tage und Nächte mehr als rasant vorangetrieben werden! Wo ist Draco?“, fragte ich zum Schluss irritiert darüber, dass er so ostentativ fehlte. Sollte er noch zu schwach sein? War er immer noch in Irland, obwohl ich heute kam? Gab es dort noch so viel zu tun?

„Der ist seit gestern Morgen verschwunden!“, schaltete sich Lucius wieder ein und ich atmete beruhigt ein, als mir einfiel, dass Blaise gesagt hatte, Draco würde seinen Patronus hin- und herschicken, bestimmt half er den Irländern, aber das bedeutete, er war wieder kräftig genug dafür.

„Lucius, wir müssten…“, wollte ich meine mannigfaltigen Anliegen vorbringen, worauf er sofort Einhalt gebietend die Hand erhob und mir bedeutete, zu schweigen.

„Schweig, nicht jetzt! Erst einmal möchte ich anstoßen!“, erhob er fordernd eine Champagnerflöte und wir beide, Severus und ich, folgten brav und erhoben unsere ebenfalls, stießen mit dem Blubberblasen schlagenden, hellen Getränk an und tranken und ich unterdrückte ein überraschtes Zusammenzucken, als urplötzlich Streichmusik leise, musizierend einsetzte und ich daher zwei amüsierte Lacher erntete.

„Das ist das Musikzimmer!“, wurde ich spöttisch von einem mürrisch klingenden Severus informiert, da ich annahm, dass dies nicht seine Idee gewesen war. Als mein Kopf zu ihm herumfuhr, nahm ich seinen Anblick in mir auf, wie er da wirklich lässig, mit überschlagenen Beinen auf seinem Platz saß und mit unleserlicher Miene zu mir sah.

„Nicht dein Ernst!“, echote ich überrumpelt und kassierte nur eine stoische Miene. „Warum?“, setzte ich sofort hinterher, als nun immer mehr Instrumente ihr Gedudel anstimmten und in die Melodie mit einstiegen.

„Hermione, wir haben einen grandiosen Sieg über einen mehr als ernsthaften und gebührenden Gegner erzielt, dies muss man genießen und feiern, wir zelebrieren gebührlich unsere Überlegenheit!“, erläuterte Lucius dieses Stelldichein maliziös, dabei blinzelte ich nur irritiert, da ich mir leid tat. Das war ja gar nicht meines, schließlich war ich schon wieder müde und dieser Krach lullte mich regelrecht ein.

Vielleicht wurde ich krank?

Die Chancen standen gut, denn auch ich hatte nicht die ewige Gesundheit gepachtet, hinzu kamen die ständigen Sprünge, auch Weitsprünge, die ich hinlegte, das war nicht ohne. Jede Apparition kostete Kraft und die nach Irland erst recht, des Weiteren diese ominösen Dinge, die ich mit Albus und Gellert fabriziert hatte. All dies zehrte gerade an mir und ich hatte seit dem Astronomieturm nicht länger als 4 Stunden geschlafen, den Tag nach Albus Tod nicht mitgerechnet, da ich damals mehr oder weniger in einer Art Delirium gefangen gewesen war und als Entspannung, oder Regeneration konnte man diesen Tag nicht wirklich bezeichnen.

Außerdem vermutete ich, dass in dieser Zeit des „Schlafes“ irgendetwas in mir um Albus‘ Seele gekämpft und irgendetwas verbrochen hatte, um ihn endgültig an Gellert zu binden.

Denn Gellerts Erzählung, dass er an dem Tag so lange wie ich wie tot im Bett gelegen hatte, das hatte ich nicht vergessen, also musste da etwas in uns vorgegangen sein, etwas was sich noch unserem Verständnis entzog. Aber damit kam ich also seit Tagen mit zu wenig Schlaf und viel zu viel Arbeit aus und die Aussicht auf ein intimes, klassisches Konzert, brachte mir das Ultragrauen, die Vorstellung, sofort und auf der Stelle ins Koma zu verfallen.

„Deine Rede war auch der Hit! Aber Lucius, ich müsste etwas mit dir besprechen…“, versuchte ich es erneut, um auf Wichtiges, mich wachhaltendes zu sprechen zu kommen.

„Morgen ist auch noch ein Tag!“, beschied er überheblich und nippte an dem kühlen Getränk, das mir fast sofort in den Kopf schoss und mich leicht beschwipst zurückließ.

Die klassischen Klänge zogen von der erhöhten und versteckten Empore daher und so schnell konnte gar niemand schauen, da blies es mir wortwörtlich die Lichter aus und ich sackte in einen tiefen, traumlosen Schlaf. Wenigstens fühlte ich mich hier so wohl, dass ich mich derart fallen lassen konnte.

Unvorstellbar, aber wahr!

Oder hatten sie mir was ins Glas getan?

Denn soeben entglitt der dünne Stiel meinen erschlaffenden Fingern, bevor mich die Dunkelheit umfing.

Hermiones Sicht ende


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