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 Kapitel 105-106

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queenie
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BeitragThema: Kapitel 105-106   Do Feb 09, 2012 3:01 am

Rufe, Schreie und ein einvernehmliches Lächeln

Ich bemerkte noch, wie sich die Twins, die vor dem roten, zweistöckigen Haus standen, das ihr quietschbuntes Geschäft beherbergte, mit ihrer Mutter heftig in den Haaren hatten und ging die weißen Treppenstufen hinab, die im Schein der Sonne glitzerten.

Arthur schaute verloren und peinlich berührt durch die Gegend und auch Ginny und Ron standen leicht überflüssig daneben und blickten interessiert in das Schaufenster, um nur nicht mit in den Streit hinein gezogen zu werden.

Nur Remus und Tonks, die waren weg, wohl um dem Gezänk zu entkommen. Es sei ihnen gegönnt.

Remus hatte sicher auch viel zu verdauen, mal abgesehen von den Neuigkeiten mich betreffend, dass sich in seinen Augen wohl sein Freund an einem Kind vergangen hatte, in zweifacher Hinsicht, was ihn sicher in seiner Moral nicht kalt ließ, dazu kam noch, er selbst hatte auch noch eine beträchtliche Summe geerbt und damit ganz offensichtlich nicht gerechnet.

Ich versuchte mein Glück, aber wie das so war mit meinem Glück, hatte ich keines, war auch nicht zu erwarten gewesen. Bevor ich auch nur die Gelegenheit bekam einen Zauber zu werfen, erschallte ein lauter Ruf.

„Hermione, komm her!“, verlangten Ron und Ginny sofort.

Beide stießen ins selbe Horn und Mrs. Weasley hörte sogar auf, die entnervt wirkenden Twins anzukeifen und wandte sich mir mit stechendem Blick und in die Hüfte gestemmten Händen zu. Zuvor hatte sie mich noch nicht gesehen, aber jetzt, dank Ginny und Ron, toll gemacht ihr beiden, grollte ich ihnen innerlich.

„Was sollte das, junge Dame? Du hast mit Sirius, Sirius, also… das ist nicht akzeptabel, das ist unerhört, weißt du, wie alt er war? Über 35 Jahre, deutlich älter als du, mehr als doppelt so alt!“, schrillte es laut von ihr und so stürzte sich die Matrone der Familie Weasley nun auf mich, ihr neuestes Opfer.

Ron stand zornbebend daneben und Ginny sah mich abfällig an, als wäre ich eine Schlampe! Das nervte, denn die hatte mir doch so was von gar nichts zu sagen, das hatte niemand, okay, na gut, diese drei nervenden Schlangen vielleicht, aber nur unter Vorbehalt.

„Hi, Mr. und Mrs. Weasley… Ron, Ginny!“, begrüßte ich die Runde ausgesucht höflich, aber alle schauten mich nur aufgebracht an, wobei das stimmte nicht, nicht alle, Arthur maß mich eher tadelnd. Auch die Twins sahen mich nicht aufgebracht an, denn die verdrehten nur genervt und mitleidig die Augen, da nun ich in den Fokus ihrer übermoralischen Mutter geraten war.

Tja, geteiltes Leid ist nur halbes, oder so ähnlich?

„Ähm… ja, ich wusste um sein Alter und es war mir gleich!“, gab ich relativ kalt und gelassen zurück. Sie würde mich nicht aus der Fassung bringen, nicht Molly Weasley, da musste schon mehr kommen.

„Du hattest echt eine Affäre? Du? Du hast schon mit einem Mann, einem richtigen Mann geschlafen und dann auch noch mit Sirius?“, fragte Ginny plötzlich aufgeregt los, mit leuchtenden Augen. Es schien so, als dachten die Mädels in Gryffindor, ich ginge mit meinen Büchern ins Bett!
Aber Ginny wirkte gerade so, als könnte sie sich für das Thema erwärmen. Ich als Mutter würde ja hellhörig werden, wenn die Tochter das so betonte, ein richtiger Mann, dann fielen bei ihr die Typen, für die sie schon die Beine breitgemacht hatte, wohl unter Jungs, oder was? Da ich wusste, dass unsere liebe Ginny nicht mehr das berühmt, berüchtigte Häutchen besaß. Doch ich hatte nicht vor, auf Ginnys Worte einzugehen, warum auch, mir brachte es nichts, ihr Probleme einzubringen.

„Hermione, das glaub ich nicht! Du und Sirius, … hast du an Harry gedacht?“, erregte sich Ron für seinen Freund und wirkte durch und durch überfordert.

„Was hat Harry damit zu tun, dass ich mit Sirius zusammen war?“, fragte ich verwirrt, denn der Zusammenhang wollte sich mir nicht erschließen, außer dass Sirius Harrys Patenonkel gewesen war.

„Das tut doch nichts zur Sache, was würden deine Eltern sagen, wenn sie wüssten, dass du mit einem gut doppelt so alten Mann zugange warst? Ich hätte auch nie erwartet, dass sich Sirius so gehen lässt, Hermione! Das war falsch, so falsch! Ich hätte erwartet, dass gerade du diejenige bist, die doch moralisch am anständigsten ist!“, kam es von Molly regelrecht entrüstet.

„Tja, Mum, stille Wasser sind halt tief, sehr tief!“, lenkte Fred sofort ab, als das heikle Thema meiner Eltern aufkam. Sie waren wahrlich die Besten.

„Ja, schon fast so unendlich tief wie der Marianengraben, ich möchte da nicht untergehen, du Bruder?“, trällerte nun auch noch George hilfreich dazwischen.

„Ihr zwei solltet lieber ganz still sein, wieso sollte euch Sirius so viel Geld hinterlassen?“, hatten sie nun die Quittung und damit auch wieder die Aufmerksamkeit ihrer fast tobenden Mutter.

„Tja, vielleicht waren wir auch mit ihm im Bett!“, frotzelte Fred provozierend und wackelte mit seinen karottenroten Augenbrauen.

„Fred, George, das reicht!“, herrschte jetzt Arthur seine Söhne ungehalten an und sagte damit zum ersten Mal was. Vielleicht war es für Arthur zu viel, sich seine Söhne mit einem Mann vorzustellen? Dabei ging der kurz besorgte Blick der Twins zu ihrer Familie, denn schließlich war das ein großer Knackpunkt.

Molly dagegen wirkte, als würde sie gleich explodieren, wie sich ihr großer wogender Busen hob und senkte, während sie das Gesagte zu verdauen versuchte. Nun wandte Arthur sich mir zu und musterte mich wieder so tadelnd, aber auch enttäuscht.

„Hermione, ich bin enttäuscht von dir. Du hintergehst uns alle, hast so große Geheimnisse vor uns. So was hätte ich nicht von dir gedacht oder auch nur erwartet…“, entgegnete Arthur erstaunlich ruhig.

Eigenartigerweise störte mich Arthurs ruhige Art mehr, als der aufbrausende Anpfiff von Molly. Molly kritisierte immer offen alles was ihr missfiel, doch Arthur war normalerweise eher der überlegte Typ und so war ich dann doch etwas überrascht, aber es traf mich trotzdem nicht zu tief, denn ich hatte ja erwartet, dass alle geschockt wären. Die Zeit mit Sirius war schön gewesen und jetzt bekam ich die Quittung, auch okay.

„Lassen sie sich nicht ärgern, Mr. und Mrs. Weasley, Sirius war hetero aber so was von!“, versuchte ich zu beruhigen und kassierte den ein oder anderen Todesblick und versuchte, nicht weiter auf Arthurs Worte einzugehen.

„Ich bin froh, dass ich nicht deine Mutter bin, junge Dame und du, Ginny, komm gar nicht auf diese Gedanken!“, fauchte sie da ihre Tochter scharf an, die immer noch mit glänzenden Augen zu mir sah, wobei ich ihr in Gedanken zustimmte, denn ich wollte auch um nichts auf der Welt, dass Molly meine Mutter wäre, Merlin bewahre.

„Hermione, ich bin schockiert und Harry! Auch er wurde ganz weiß, du konntest doch nicht mit seinem Patenonkel ins Bett gehen, er ist so alt… und nun bist du doch mit Harry zusammen!“ Autsch, hatte ich glatt verdrängt und vergessen, dass ja alle dachten, ich führte mit Harry eine Beziehung.

Das war wahrlich kompromittierend, aber Moment, mir kam eine Idee, das war gut, verdammt war das gut, das erklärte Sirius‘ kryptische Anspielung, dass er nicht mit dem Gedanken glücklich war, mit wem ich zusammen war, perfekt! Ich hatte meine Ausrede! Auch wenn Sirius wahrscheinlich eher Sna… Severus unter Verdacht hatte, aber das mussten die anderen nicht wissen.

Innerlich rang ich immer noch schwer mit der Erkenntnis, dass Sirius mich geliebt hatte, dass er sich nicht daran gehalten hatte, nichts zu fühlen und dass er mir so viel hinterlassen hatte, die ganzen Bücher und eine Million. Nicht dass ich es brauchte, aber es bedeutete mir viel, dass er mir dies hinterlassen, mich bedacht hatte.

Jetzt war ich sehr dankbar für die Worte an Weihnachten, dass ich nicht mit Groll gegangen war. Warum hatte sich dieser Idiot auch in mich verlieben müssen? Da bekam ich doch glatt ein schlechtes Gewissen, toll! Ganz toll, ich hasste so was, dafür hatte ich keine Zeit und jetzt nervte die rote Brut mit ihren Vorwürfen so was von, das war nicht zum Aushalten.

Aber ich rang mein aufkeimendes, schlechtes Gewissen nieder. Objektiv betrachtet passten Sirius und ich für eine längere Beziehung nicht zusammen, auch wenn ich die Zeit mit ihm mehr als genossen hatte. Es war schön gewesen, wunderschön, er war ein aufmerksamer, temperamentvoller, einfühlsamer, verruchter, schlitzohriger Charmeur gewesen, der einfach zu nett war für mich. Er hatte Skrupel und Moral gehabt, aber ich war eine eiskalte, ohne Skrupel lebende Frau, deren Moral sehr dehnbar war. Außerdem hatte ein anderer, das musste ich ja mittlerweile dann doch zugeben, weit mehr mein Interesse erregt und da war es nur mehr als fair gewesen, sich zu trennen.

Er wäre mit mir nicht glücklich geworden, dafür war ich viel zu kaltherzig und er zu warmherzig, ja, ich war bei Draco, Severus und selbst Lucius besser aufgehoben.

Die Gefahr, dass wir uns emotions- oder gefühlsmäßig verletzten war gering und wenn es doch wider Erwarten passieren sollte, kämen wir gestärkt und mit hocherhobenem Haupt aus der Sache, waren aber um eine Erfahrung reicher, wie wir dann pragmatisch feststellen würden.

Sirius wäre an so einem Leben zerbrochen. Ich hingegen blühte regelrecht auf, denn ich fühlte mich im Manor verdammt wohl, nachdem ich alles gesehen hatte und ich konnte diesem Katz- und Mausspiel, das sich immer mehr entwickelte, immer mehr abgewinnen. Schließlich wurde ich der wartenden Blicke gewahr, die mich noch immer fixierten, während ich mich gedanklich ins Nirwana verabschiedet hatte.

Rons Aussage hatte dazu geführt, dass alle verstummt waren und mich gespannt anstierten.

„Stimmt ja, oh meine Magier, der Arme, was wird er denken? Wie wird er sich fühlen?“, rief Ginny da rührselig betroffen aus und ich wollte echt meinen Kopf an die Wand schlagen. Womit hatte ich das verdient?

Harry fühlte gar nichts für mich in dieser Beziehung… ja, hintergangen fühlte er sich wegen des Schweigens, mit Sicherheit, aber nicht… ach, wir waren doch gar nicht zusammen. Wenn ich eine kleine, süße Schlange wäre, dann wäre er wohl angepisst, aber ich war nur Hermione, dachte ich ironisch.

„Stimmt das, Hermione?“, forderte nun Arthur streng zu erfahren und ich sah ihn taxierend an.

„Ja, also nein, ich meine, wir konnten das auf die Schnelle schon klären, es ist alles gut!“, log ich ohne Zögern, dabei konnte ich ausmachen, wie die Twins im Hintergrund herumhampelten und ich verstand ihre Aufforderung.

„Sie und ihr entschuldigt mich? Ich muss zurück zu meinen Eltern, die Twins wollten mich durch ihren Kamin lassen, sonst machen sich meine Eltern Sorgen, dafür haben sie sicher Verständnis. Wir reden ein anderes Mal, oder schreibt mir!“, bot ich eilig an und zog mich geschickt aus der Affäre, schließlich wartete Severus und mit ihm war nie gut Kirschen essen, wenn man ihn zu lange warten ließ.

„Jo, Mum, wir müssen dann auch, das Geschäft ruft! Wir sehen uns!“, wiegelte George ebenfalls bestimmt ab und nützte die Chance, die sich ihm bot, seiner Familie zu entkommen.

Damit ließ er die sprachlose, wütende Molly zurück, die mit offenem Mund dastand, weil sie derart grob abserviert worden war, selbst Ron und Ginny wirkten überfahren, wie wir uns gekonnt davonstahlen.

„Komm, Schönste, du kannst den Kamin im Arbeitszimmer benützen, tschüss, ihr Lieben!“, rief Fred brav und schubste mich mehr durch die laut klingelnde Ladentür als dass ich selber ging.

Er gab mir gar nicht wirklich die Zeit, mir ihr beeindruckendes Geschäft anzusehen. Ich wurde an der Hand hindurch gezerrt, ich bemerkte Lee an der Kasse, wie er mir kurz zuwinkte, aber das zu erwidern schaffte ich nicht mehr, da ich zielstrebig vorangeschoben und gezogen wurde.

„Hey, ich will das sehen!“, beschwerte ich mich mürrisch.

„Nicht jetzt und nicht heute, Schönste!“, schlugen sie die Tür ihres Büros hinter sich zu.

Okay, das nannte man Ordnung, ich sah nicht mal einen Stuhl, geschweige denn den Boden, wie die hier was fanden? Alles stapelte sich wüst auf und untereinander. Hier war das totale und unbeschreibliche Chaos, das wohl dem Genie vorausging?

Es gab hier nur sehr wenig Platz, nur einen Tisch konnte man mit viel Mühe erkennen, aber auch nur dessen Beine, da sich auf der Platte alles Mögliche türmte und zusammenzubrechen drohte.

„Das ist euer Büro?“, fragte ich erschrocken, ungläubig und irgendwie betroffen.

„Nee, spinnst du? Hier findet man doch nichts, das ist die Ideen-Werkstatt!“, erklärte Fred breit grinsend, absolut ernst, wobei meine Augen aufgingen.

„Ach und da muss man nichts finden? Wie könnt ihr hier die Produkte entwickeln?“, wollte ich perplex erfahren, so sah ich ihn echt verwirrt an, das hatte ich so extrem nicht erwartet.

„Du siehst das falsch, wir finden hier schon was, aber nur so findet man halt auch neue Sachen raus, das ist ja der Sinn des Ganzen, aus dem Chaos erwächst die Idee oder auch das Neue!“, belehrte mich Fred oberlehrerhaft und ich erkannte sogar einen Kern Wahrheit in der wirren Aussage.

„Oder auch, aus dem Chaos erwächst die Ordnung!“, zwinkerte mir George belustigt zu.

„Und deine andere Frage, im Keller ist der penibel, ordentliche Brauraum, denn wenn da keine Ordnung wäre, würden wir das Haus und uns bestimmt irgendwann mit Sicherheit in die Luft jagen und das Büro, nun das ist Georges Reich, da geh ich nicht rein und somit kann da gar keine Unordnung herrschen!“, erzählte Fred stolz und George verdrehte die Augen.

„Alles klar, bin stolz auf euch, das habt ihr alles gut durchdacht, ihr macht das eh ganz toll!“, lobte ich sie brav und sie strahlten mich als Dank regelrecht spitzbübisch an.

„Aber das gerade, das war dann wohl Rettung in letzter Minute! Danke, Jungs, die wollten mich echt in die Mangel nehmen, als ob die was aus mir rausbekommen, nachdem das nicht mal Auroren schaffen, oder Snape“, schnaubte ich abfällig auf.

„Du hast recht, das hätte sie nicht! Aber nerven, das kann sie, oder könnte sie! Mum kann ja so unnachgiebig sein, dabei ist die doch nur total eifersüchtig, weil wir 10.000  einsacken!“, meinte Fred gehässig und verzog sein Gesicht zu einer Grimasse.

„Nein, sie ist sauer, weil sie es nun schwarz auf weiß hat, dass wir nicht mehr nach Hause kommen. Es passt ihr nicht, dass wir das hier durchziehen… wir sind unabhängig…“, erklärte George weitsichtig und umfasste mit seinen Händen das Ganze hier und verdeutlichte, dass er ihr Geschäft meinte.

„Geht es dir denn gut, nach dem Überraschenden, was Sirius getan hat?“, kam es sichtlich besorgt von Fred und er legte mir die Hand auf die Schulter.

„Mhm… ja, es geht, es macht mich traurig, aber es geht. Ich habe nicht gewusst, dass er so gefühlt hat, ich wollte ihm nie willentlich wehtun!“, erklärte ich jetzt offen und etwas betroffen, dabei strich ich mir eine lose Strähne hinters Ohr.

„Nimm´s dir nicht zu sehr zu Herzen, auch wir haben nicht gesehen oder gar erkannt, dass er soooo viel empfunden hat… nach dem Auftritt in der Bücherei an Weihnachten war uns zwar klar, dass du ihm nicht gleichgültig bist, aber dass er sich verliebt hatte? Nein, das kam nicht durch…!“, entgegneten nun beide eindringlich und irgendwie beruhigte es mich etwas, aber fest stand, Draco hatte es gesehen und Severus auch.

Draco sogar, obwohl er uns nie zusammen erlebt hatte. Ob da wohl mehr die Eifersucht aus ihm sprach, die er ja angeblich nicht empfand?

„Danke, euer Beistand tut gut, aber ich weiß selber, dass er sich da verrannt hat, wir… ich hätte ihn nicht glücklich gemacht!“, gab ich kleinlaut zu bedenken. „Wir passten in dieser Hinsicht nicht zusammen!“

„Und das unterschreibe ich dir sogar, du hast da absolut recht, er war zu lieb für dich… so unglaublich ich es finde, das zu sagen, aber du passt hervorragend zu Draco, den kannst selbst du fast nicht schocken… oder du musst dich sehr anstrengen… bei Sirius, den hättest du in kürzester Zeit im Grab gehabt, bei deinem Lebensstil!“, grinste George teuflisch frech, aber mit einem melancholischem Blick in den Augen.

Aber er baute mich mit seiner Feststellung sehr auf und ja, zu Draco passte ich perfekt.

„Aber du musst jetzt los, sonst macht Snape dich fertig. Er war eh leicht angesäuert. Wir sehen uns?“, unterbrach Fred die schwermütige Stimmung resolut und stellte eine wichtige Frage.

„Heute Abend! Ich hab mit Harry abgesprochen, dass ich ihn um 19 Uhr hole! Draco begleitet mich, verschwindet aber, bevor Harry ihn sieht. Er will mit euch im Garten warten, mir Zeit mit Harry im Haus geben….“, erklärte ich kurz unseren Plan und knabberte dann unruhig auf meiner Unterlippe.

„Cooler Plan, heute ist das Wetter ja eh schön, dann grillen wir wieder, wird langsam immer besser. Draco wird dann mal gleich wieder den Kochlöffel schwingen können, bin gespannt, ob er das gleich besser kann als wir, oder ob auch ihn der Muggelgrill bezwingt!“, rieb Fred sich vorfreudig die Hände.

„Also ich freue mich, vielleicht schmeckt es dann endlich mal wieder!“, jammerte George gehässig und Fred boxte ihm verspielt in seine Seite. Mir entwich ein nachsichtiges Schmunzeln, denn die Chaoten taten mir immer gut.

„Gut, dann machen wir das so!“, besiegelte ich es und wollte auf die Tür zugehen, als mich George am Oberarm greifend aufhielt.

„Wohin des Weges?“, trällerte er mit einem riesen Grinsen im Gesicht.

„In die Knockturn Alley, wohin sonst?“, meinte ich irritiert, während ich mir die Kapuze ins Gesicht zog.

„Du vergisst, wem das Haus gehört, ein Malfoy hat wenn einen Hinterausgang, der genau da hinführt, wo dein Begehr liegt!“, kam es schrecklich hochtrabend von Fred und wo er recht hatte.
Natürlich hatte ein Haus der Malfoys Zugang zu der bösen Gasse, woraufhin ich fies lächelte, denn ich mochte diese Familie, oder besser gesagt, ich fing an, sie zu genießen.

„Bis heute Abend!“, flüsterte ich noch zum Abschied, als ich hinaustrat.

Angst hatte ich keine, auch ohne meinen verhüllenden Mantel, denn mittlerweile fühlte ich mich so wohl in dieser „Gesellschaft“, dass ich gar keine Aufregung mehr verspürte. Mein Gesicht sah man nicht und ich hatte meine Dolche und meinen Stab, sollte es doch einer versuchen, mir doof zu kommen, ich würde mich zu wehren wissen.

Da fiel mir etwas sehr Verdorbenes ein, Severus hatte diesen Treffpunkt gewählt, um mich zu demütigen und zu unterdrücken, da er gestern Abend von Lucius auseinandergenommen worden war, das war wohl seine Rache an mir, weil er da hatte durch müssen.

Nur deshalb wollte er mir in Erinnerung rufen, wo ich hingehörte, mir seine Macht über mich demonstrieren, aber nicht mit mir, kam mir ein abgrundtief böser Gedanke. Ich zückte im Gehen den Stab und verwandelte mich bewusst. Mal sehen, wie ihm dies gefiel, denn spielen konnte ich sehr gut, mein werter Professor, dachte ich hämisch in meiner Vorfreude.

Ich erreichte die Tür des von mir angestrebten Pubs und stieß sie schwungvoll auf. Dann trat ich in das verräucherte Innere und blickte mich suchend um. Ich konnte viele Blicke auf mir spüren, die diese komischen Gesellen meinem Körper schenkten. Aber da sah ich ihn, in der Ecke, in der wir schon mit Lucius gesessen hatten. Alle hielten zu ihm, der „Linken Hand“, einen sichtbaren, sehr respektvollen Abstand.

Er hatte mich ebenfalls gesehen und seine Arme vor der schwarz verhüllte Brust verschränkt und sah mir mit einem missbilligenden Blick unter dem kinnlangen, so schwarzen Haar hervor entgegen, während ich mir noch im Gehen die Kapuze vom Kopf zog.

Ich bemerkte, wie seine Augen sich vor Überraschung zu Schlitzen verengten. Dass ich überhaupt eine Reaktion erhielt zeigte, wie sehr ich mit meinem Handeln ins Schwarze traf. Man musste ihn schon gut kennen, um überhaupt wahrzunehmen, dass sich etwas in seiner starren Maske änderte.

Ich nahm nun Platz und blickte ihm lächelnd entgegen und strich durch mein kurzes, blondes Haar, während ich wartete.

„Bist du verrückt?“, zischte Severus da auch schon verhalten böse.

„Warum? Du wolltest mich doch hier treffen und da bin ich!“, gab ich seelenruhig Kontra, dabei warf ich ihm taxierende Blicke unter gesenkten Lidern zu.

„Sollen wir uns gleich Zimmer Nr. 13 nehmen?“, kam es mit erstaunlich schwarzem Humor von ihm, den ich nie und nimmer von meinem werten Professor erwartet hätte. So kannte ich ihn nicht. War wohl weil ich ab nun zur Familie gehörte, dass er sein wahres Wesen zeigte und das gefiel mir ganz spontan sehr gut.

„Mhmhm… ich glaube, wir sollten lieber nur auf die alten Zeiten anstoßen… oder was meinst du, Severus…?“, zog ich seinen Namen provozierend, rauchig in die Länge, beobachtete währenddessen, wie er seinen Finger hob und irgendwas in meinem Rücken bestellte.

Als ich mir lasziv, nur um ihn zu ärgern, mit der Zungenspitze über die roten Lippen fuhr, konnte ich verfolgen, dass nun seine Augen regelrecht an meinem Mund klebten.

„Hör auf zu spielen, du Biest… außer du meinst das Angebot ernst!“, raunte er düster, dabei reizte er nun mich und ich lächelte ihn keck an, was ihn dunkel aufknurren ließ. „Solltest du nicht eigentlich noch geschockt sein? Dank des Köters und weil er nicht mal im Tod die Klappe halten kann, wissen alle nun viel mehr als sie sollten…“, versuchte er wieder zu provozieren.

„Mhmh… wenn, dann darüber, was er mir alles hinterlassen hat. Du weißt, er war eigentlich sehr böse auf mich. Aber wenn müsstest du aufgebracht sein, denn er fordert viel von dir und du mochtest ihn doch so gern…“, spielte ich das Spiel genauso gut wie er und ärgerte ihn mit dieser Aussage sicher, denn daran wollte er ganz sicher nicht erinnert werden.

„Glücklich bin ich nicht und er wusste wirklich, wie er mich auf die Palme bringen kann. Aber nun zu dir, erfreut, dass er so angetan von dir war?“, fragte er gespannt, dabei offenbarte sich echtes Interesse in seinem Blick, aber auch nur, wenn man ihn zu lesen wusste.

„Angetan? Ich bitte dich… er sagt, er hat mich geliebt!“, spuckte ich verächtlich aus und meine Miene verzog sich zu einer Grimasse „… ich bin nichts, was man lieben sollte, in einer Beziehung… zumindest, kein Sirius, oder ein sonst ähnlich gutherziger Mensch, denn eins ist klar, Severus, ich bin weder gut noch nett!“, entgegnete ich entschlossen.

Somit zog ich mein vernichtendes Eigenresümee und er musterte mich erstaunt. Seine Augenbrauen wanderten in ungeahnte Höhen, als ich dies so emotionslos feststellte.

Doch dann wurde unsere Zweisamkeit plötzlich unterbrochen, da die dralle Bedienung kam und zwei Gläser, eine Flasche und zwei dampfende Schüsseln vor uns abstellte, dazu kam noch ein warmer Brotlaib.

Die Dirne konnte es nicht lassen und machte ihm sichtbar schöne Augen und er wagte tatsächlich einen tiefen Blick in ihr offenherziges, pralles Dekolleté zu tun, das führte dazu, dass ich wütend die Lippen aufeinander presste. Ich wusste nicht, warum, aber das passte mir gar nicht. Er hatte, wenn er an einem Tisch mit mir saß, nicht eine andere anzusehen, verdammt!

So begann ich in erzwungener Ruhe zu essen und konnte noch sehen, wie er dem dicken Hintern der blöden Kuh einen taxierenden Blick hinterher warf.

„Deine Selbsteinschätzung, meine Gute, ist nicht wirklich schmeichelhaft… für dich!“, gab er dann endlich kühl von sich.

„Nun, aber realistisch…“, murrte ich, dabei zuckte ich mit den Schultern und er verzog seine Miene, sollte wohl eine verzerrte, zustimmende Geste sein, aber das würde er noch üben müssen.

„Was hat Potter eigentlich dazu gesagt, dass du seinen so geliebten Patenonkel flachgelegt hast?“, bohrte er plötzlich weiter nach und versuchte, uninteressiert zu klingen, was ihm auch gut gelang, aber ich hörte seine leichte Anspannung durch.

„So gesprächig und dann noch so neugierig, Severus, du schockierst mich!“, bekannte ich erheitert und er fletschte aggressiv die Zähne.

„Du bist meiner Frage ausgewichen!“, forderte er weiter und ich wedelte in einer wegwerfenden Geste mit der Hand.

„Er war gefasst, relativ! … Aber nun meine Frage, wie haben die anderen reagiert?“, fragte ich nach, da ich schließlich mit Harry im Raum zurückgeblieben war und vor allem interessierte mich Dumbledore.

„Wie wohl, entsetzt, dass das brave, strebsame Löwenbaby sich nicht an die Regeln hält!“, spottete er sichtlich genüsslich und grinste fies.

„Was hat Dumbledore gemacht?“, hakte ich interessiert nach und nahm einen weiteren Bissen.

„Was wohl? Blöd geschaut, aber richtig! Ihm ist sogar sein bescheuertes Grinsen abhanden gekommen und er hat deinen Rücken ins Visier genommen, du solltest wachsam sein. Er wollte mich ausquetschen, ob ich was weiß, bitte als hätte ich etwas mit dir zu tun. Was für ein absurder Gedanke!“, spottete er vernehmlich, gleichzeitig warnte er mich für die Zukunft.

„Du solltest nicht so viel Zeit im Orden verbringen, Severus, zu viel Moody in deiner Aussage! Dass die anderen schockiert waren, glaube ich gerne, denn ich bin vorhin den Weasleys leider in die Arme gelaufen und sie haben mich genervt, moralisch hier und dort, als ob ich dafür einen Kompass bräuchte, der mir den richtigen, moralischen Weg weist, dabei ist meiner doch schon längst kaputt!“, lachte ich rau auf und erntete einen stechenden Blick.

„Du bist heute in einer komischen Stimmung!“, kam es brüsk von Snape… äh, Severus! Scheiße, daran würde ich mich nie gewöhnen.

„Was erwartest du denn? Ich mochte Sirius wirklich, aber nicht so… so nie! Ich weiß, du bist der Falsche, um darüber zu sprechen, aber du hast gefragt. Ich frage mich, ob ich damals richtig gehandelt habe, weiß du überhaupt, warum es damals so aus dem Ruder gelaufen ist? Warum er mich in der Küche angefallen hat?“, fragte ich ihn stockend, aber interessiert und neugierig, dabei lehnte ich mich weit zu ihm über den Tisch.

Und er sah mir aufmerksam ins veränderte, verwandelte Gesicht. Minna strahlte ihn an und ich wartete auf seine Entscheidung, ob er die Wahrheit hören wollte, worauf er sachte sein Haupt als Antwort senkte.

„Nein, warum weiß ich nicht! Ich habe nur das Ergebnis gesehen, in dem Wissen, dass du das warst!“, bekannte er schlussendlich leise und ernst.

„Gut, na du… nur du warst schuld, Severus, nur du!“, wisperte ich leise, danach trank ich den brennenden Alkohol auf Ex, weil mir das Essen bleischwer im Magen lag und lehnte mich wieder zurück.

„Wie meinen?“, wirkte er ehrlich verwirrt, während er zu mir hochblickte, um mich mit einem stechenden Blick festzunageln.

„Dass wir uns so geprügelt haben, das passierte in der Nacht, als du mich zum ersten Mal hierher bestellt hast. Danach hatte ich noch eine Verabredung mit ihm… nein, schau nicht so, nicht um das zu tun, was sich dein abartiges Hirn gerade ausmalt. Ich wollte mich von ihm anständig verabschieden und zivilisiert Schluss machen. Nur dass er dich, mich, … also uns gerochen hat und das… was wir getan haben. Er wusste, ich hatte vorher Sex gehabt und ist ausgerastet…“, flüsterte ich leise und verlor mich in der unschönen Erinnerung, vergaß, dass ich gerade Severus die Geschichte erzählt hatte.

„Wie bitte, so ist das passiert…?“, brummte er nur überrascht.

Ich würde ja glatt sagen, dass er erschüttert klang, aber das verwarf ich nach einem Blick in seine kalte, starre Maske.

„Die Twins haben mich vor Molly bewahrt!“, bekannte ich nun abrupt, aus heiterem Himmel und versuchte, das Thema zu wechseln.

„Ja, sie ist wahrlich ein Teufelsweib!“, spuckte er sofort aus und nahm den Themenwechsel dankbar auf.

In dem Moment kam wieder diese vorwitzige Blondine daher, um abzuräumen und dabei scharwenzelte  sie aufreizend um Snape herum, was mich gefährlich reizte, vor allem unter Anbetracht dessen, wie gut meine Laune eh schon war. Das Verhalten war wirklich wagemutig und gefährlich von der blöden, hohlen Nuss.

„Möchten Sie noch was, werter Mr. Snape?“, schnurrte sie gewollt verführerisch und ich beobachtete, wie sein Blick über ihren Leib wanderte und da reichte es mir ganz plötzlich.

Ich ruckte etwas hoch, packte derb in ihre aschblonden Haare, griff ihren geneigten Kopf und stieß ihn wenig sanft auf die Tischplatte. Es polterte laut, als ihr Schädel von mir mit Wucht auf das Holz des Tisches geknallt wurde. Sie schrie erschrocken, spitz auf, als es „Klong“ machte. Das würde eine Beule geben.

Aller Lärm verstummte in dem eigentlich so lauten Schankraum, während die Kellnerin laut aufschreiend auf die Knie ging und Sn… Severus mich mit gerunzelter Stirn musterte, dann aber  kalt zu grinsen begann. Er tat nichts, hatte sich nur wieder unbeteiligt zurückgelehnt.

„Grins nicht so doof, Severus!“, zischte ich ungehalten, dabei konnte ich vernehmen, wie leise es in den Raum war. Niemand würde sich trauen, dem hochangesehenen Mann so zu kommen, aber ich durfte und das noch ungestraft.

„Was soll das?“, kam es lapidar von ihm und er blickte auf den Boden und die blutende und weinende Frau. Diese robbte hastig von unserem Tisch weg. Ich sah gar nicht zu ihr, denn sie ging mir am Allerwertesten vorbei, sondern blickte ihn stechend scharf an.

„Was wohl? Was würdest du denken, wenn ich mit dir an einem Tisch sitze und mit einem anderen Mann rumflirte? Severus, flirte nicht mit einer anderen Frau in meiner Nähe!“, erklärte ich leicht gereizt, denn hier ging es ums Prinzip.

„Tust du das nicht immer?“, hauchte er so leise und zu mir gewandt, dass ihn wirklich nur ich verstand.

„Tue ich nie! Das einzige Mal, dass ich Draco geküsst habe, war als er von seiner Mission mit Lucius zurückkam und eine Grenze überschritten hat, die auch ihn nicht kalt ließ, sonst hast du weder gesehen, wie wir uns küssen noch uns sonst wie groß berühren. Ein Kuss auf die Stirn ist das Maß aller Dinge!“, flüsterte ich erklärend und rührte mich nicht.

Es zeigte sich Erinnern in seinen Augen und er nickte überlegt. „ Du hast recht! Aber es schockiert mich, dass du immer so brutal sein musst!“, schüttelte er gespielt betrübt über mein Benehmen das schwarze Haupt.

„Ach, das ist der angestaute Frust, ich brauche wieder das körperliche Training, dann werden die Aggressionen weniger. Sie ist selbst schuld, wenn sie sich so anbiedert!“, zeigte ich mich gefühllos. Ich zuckte gleichgültig mit den Schultern und freute mich auf das kommende Training, darüber hatte ich die Frau schon längst vergessen.

„Hart und kalt, so klingt das!“, beschied er nicht weniger kühl.

„Wenn du meinen Freund fragst war ich nie anders!“, spielte ich provokant auf Draco an.

„Mhm… eine bemerkenswerte Erkenntnis und beängstigend!“, schnarrte er mir sarkastisch lächelnd entgegen.

„Als würdest du dich vor mir ängstigen!“, konterte ich lässig und schnaubte abfällig auf.

„Das nicht, aber ich würde jedem raten, dich nicht zu unterschätzen! Du bist gefährlich!“, meinte er dann ernst.

„Nett, aber was habe ich erwartet, du hast ihn gewarnt, oder? Er glaubt dir nicht! Oh, das wird lustig, ich wette, du kannst es gar nicht erwarten, bis er auf die Nase fällt!“, hauchte ich doppeldeutig, denn ich erkannte messerscharf, dass Lucius ihm anscheinend nicht glaubte und dass dies Severus sehr ärgerte. Wenn er ihn schon warnte, wollte er von Lucius auch ernstgenommen werden.

Ich grinste ihn hinterhältig an, was er mit einem diabolischen Lächeln erwiderte. Ach, es war doch schön, wenn man sich fast blind verstand und so schenkten wir uns ein einvernehmliches Lächeln.


Zuletzt von queenie am Do Okt 10, 2013 8:35 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragThema: 106. Harry und das Cottage I   Do Feb 09, 2012 3:01 am

Harry und das Cottage I

Draco hatte mich, nachdem er wiedergekommen war, überschwänglich, aber auch sehr neugierig in der wunderschönen, altehrwürdigen Bibliothek begrüßt. Ich wusste nicht, was er an diesem Tag noch für Termine hatte und so hatte ich ein wenig bei den Büchern geschmökert, nachdem mich Severus hier wohlbehalten abgesetzt hatte.

Er selbst war sehr schnell verschwunden, da, wie er angewidert gesagt hatte, Lucius seinen Bericht erwarten würde!

Ja, Lucius konnte schon ganz schön nerven! Er war so schrecklich vereinnahmend!

Und sein Sohn stand ihm da in nichts nach und so drang er neugierig in mich, mit einer riesen Ausdauer und mit unglaublicher, stoischer Geduld und Gleichmut. Das war für das arme „Opfer“, also meine genervte Wenigkeit, echt zermürbend und so erzählte ich ihm schlussendlich dann, um meine Seelenruhe zu erhalten, wie sich für mich heute alles dargestellt hatte.

Er zeigte ein unglaublich arrogantes und überhebliches Antlitz, als ich schweren Herzens einräumen musste, dass Draco recht gehabt und Sirius in seinem Testament geschrieben hatte, dass er mich liebte.

„Siehst du! Was habe ich dir gesagt? Du unterschätzt ständig, wie du auf andere wirkst!“, belehrte er mich arrogant und ich war nicht mal aufgebracht, sondern zeigte mich sehr überlegt.

Er hatte recht, ich musste lernen, es zu sehen und zu bemerken, wie ich wirkte und es mir eiskalt zunutze machen. Das wäre im Kampf mit Lucius und Severus, aber auch in der öffentlichen Welt, von unglaublichem Vorteil für mich. Es wäre zwar nicht nett von mir, so unfair zu spielen, aber war das nicht schon lange so?

Also zog ich meine Unterlippe durch meine Zähne und nickte zögerlich.

„Ja, du hattest wirklich und wahrhaftig recht in Bezug auf Sirius! Zufrieden? Und ja, du hast auch recht, dass ich lernen sollte, zu erkennen, wie ich wirke!“, kam es langsam, etwas widerstrebend von mir und er nickte zufrieden.

„Es freut mich doch, wenn ich helfen konnte! Da hat er dir ganz schön was hinterlassen!“, kam es nun überheblich von Draco und mir fiel noch was ein, was ich von ihm wissen wollte.

„Oh, Draco, sag, warum hast du Rangok kennenlernen wollen?“, forschte ich nun interessiert nach, doch ich ließ ihn keine Sekunde aus den Augen, erlebte, wie sich eine steile Falte zwischen seinen Augen bildete.

„Na, ich will doch wissen, bei wem du deine Bankgeschäfte tätigst, du sollst nur das Beste bekommen!“, zeigte er sich dann doch plötzlich offen.

„Oh, das ist nett… aber völlig unnötig, das kann ich schon selbst, aber sag mir, wie fandest du ihn?“, war ich auf seine Einschätzung sehr neugierig und überging großzügig, seine unangemessene Einmischung in meine privaten Angelegenheiten, denn ich wollte keinen Streit.

„Ich mochte ihn! Dieser kleine Kerl hat sich von mir standhaft nicht einschüchtern lassen, obgleich wir Malfoys bei den Kobolden großes Ansehen genießen. Sie lieben nichts mehr als Geld und Besitz und davon haben wir reichlich! Er ist für dich, für die Verhältnisse eines Kobolds, richtig beherzt in die Bresche gesprungen, hat mir imponiert, der Kleine. Ich denke, da hast du Glück gehabt, der… sorry, ich erinnere mich nicht, dieser Ran… die heißen da alle so gleich, aber zurück… er scheint sehr kompetent!“, sprach er relativ unverschämt, dabei wedelte er mit seiner Hand generös durch die Gegend.

„Gut, dass er dir gefällt, ich weigere mich nämlich, zum Direktor zu wechseln, denn ich vertraue Rangok sehr! Ach… ich habe ihm das Zeichen gezeigt, sodass er dir zukünftig sagt, was du wissen willst!“, klärte nun ich ihn sehr von oben herab auf, verschwieg aber, dass ich es vorwiegend Lucius wegen getan hatte.

„Du hast es ihm gezeigt? ... Gut, es ist gut, dass sie es wissen, Vater hätte auf eine Weigerung zur Kooperation wohl anders reagiert!“, gab er schlussendlich auch meine Gedanken zu bedenken und grinste mich hinterlistig an.

„Weißt du, dass er mich jetzt mit Miss Malfoy anspricht? Ich hab gedacht, ich hör nicht recht!“, kicherte ich auf, dabei schüttelte ich ungläubig den Kopf.

„Warum, ist doch eine logische Konsequenz an sich, meine Familie, mein Name! Sag bloß, er gefällt dir nicht!“, meinte er versnobt und sah mich mit funkelnden, schiefergrauen Augen intensiv an.

„Nein, nur ungewohnt, das ist alles! ... Ähm, was ist mit Lucius, hast du mit ihm geredet?“, fragte ich nun noch gezielt nach, da dies für die weitere Planung sehr wichtig war.

„Ja, er denkt, wir gehen zu Blaise für die Nacht… das passt alles! Ich freue mich schon, die Twins mit ihrem neuen Reichtum aufziehen zu können. Glaubst du, sie können so weit zählen? Ich meine, das sind Zahlen, die dürften sie bisher nicht gekannt haben!“, zog er spöttisch über die zwei Chaoten her und saß schadenfroh grinsend in seinem Sessel.

„Haha… sehr witzig, aber ich glaub, die zwei können mit deinem Humor da mehr anfangen!“, winkte ich ab und blickte ihn leutselig an.

„Ja, das glaub ich auch. Ich überleg mir gleich mal ein paar Sprüche… ganz blöde und gar nicht böse versteht sich!“, freute sich Draco sichtlich auf die zwei und es freute mich immer wirklich, dass er sich so gut mit ihnen verstand.

„Ich will sie gar nicht hören, denn ich gönne ihnen das Geld!“, gab ich ihm zu bedenken und erntete eine andere Reaktion als erwartet.

„Hä… was? Ich doch auch! Dann können sie nun das Geschäft so großflächig betreiben, wie in ihrem ausgearbeiteten Businessplan, das ist gut!“, meinte Draco erstaunlich ernst.

„Wie bitte? Businessplan?“, fragte ich nun doch sehr irritiert und konnte dabei immer wieder über die Twins staunen.

„Klar, sie haben mir, als ich ihnen das Haus für die nächsten 50 Jahre für einen festen, jährlichen Pachtzins vertraglich zugesichert habe, mit der Option, das Objekt danach zu einem marktüblichen Preis zu erwerben, einen Finanzplan vorgelegt und fragten mich um Rat, ob der Plan realistisch sei und das war er. Der war echt gut durchdacht. Ich wollte ihnen noch einen Kredit geben, aber das wollten sie nicht und meinten, dann würden sie halt langsamer machen, aber mit den 10.000 von Black können sie nun voll durchstarten!“, klärte Draco mich über Dinge auf, die voll und ganz an mir vorbeigegangen waren.

„Na, dann weiß ich schon, was ihr im Garten bereden werdet, die armen anderen werden vor Langeweile sterben!“, zeigte ich ein mitleidiges Gesicht und er sah mich nur indigniert an.

Ich wusste, für Draco gab es fast nichts Schöneres, als mit den Twins übers Geschäft zu reden und für mich nichts Unwichtigeres.

„Komm, es ist schon spät, wir sollten uns noch umziehen, oder willst du so zu dem lustigen Haufen?“, deutete er leicht abschätzig auf mein Kapuzenkleid. Ich schüttelte den Kopf und folgte ihm bereitwillig zu unseren Räumen.

Draco akzeptierte auch jetzt mein Schweigen, ich glaube er wusste, ich war nervös, auch wenn ich es nie offen zugeben würde, aber es war so. Als ich mir eine kurze Jeanshose anzog, die mir weit oben auf den Oberschenkeln endete, fast eine Hotpants war, bekam Draco große Augen. Dennoch verkniff er sich, als er die knappe Hose sah, jeden Kommentar, was sein Glück war. Ein kurzärmliges, knappes, enganliegendes, rotes Shirt mit einem Totenkopf vorne darauf, das mit einem V-Ausschnitt mein Dekolleté schön betonte, wählte ich dazu aus. Die Haare ließ ich offen. Leichte, offene Sandalen komplettierten mein legeres Outfit.

Draco wählte eine leichte, beigefarbene Leinenhose und ein etwas dunkleres, beigebraunes Poloshirt. Er sah toll aus, aber ich fühlte mich heute eher leger.

Als ich so aus der Türe gehen wollte, spürte ich seine Hand auf meinem Arm und ich wandte mich überrascht um. Er hielt mir einen großen, langen, seidenen, schwarzen Pashmina hin, dabei ließ er seine Augen aufreizend langsam über mein knappes, aber bei Muggelmädchen durchaus normales Outfit wandern.

„So solltest du nicht im Manor herumlaufen, nicht dass eines der Portraits einen Herzinfarkt bekommt!“, flüsterte er mir rau zu und lächelte charmant auflachend, dann nahm ich den Schal und legte ihn mir gehorsam um.

Als wir schweigend zum ersten Mal gemeinsam die breite Auffahrtsallee des Manors hinter uns ließen, fühlte ich ein mulmiges Gefühl in mir aufsteigen. Harry lag mir schwer im Magen, nicht wie ich ihn rausholen sollte, das würde ich schon schaffen. Aber Harry, oh Mann, das würde nicht leicht werden, wenn er Draco sah und dass ich Sirius für ihn, seinen Erzfeind, verlassen hatte. Ich wusste ja nicht, ob Harry da Verständnis für mich und meine Wahl hatte.

Hätten wohl die wenigsten, aber die wenigsten kannten halt die echte Hermione und hatten eine Ahnung, wie ich tatsächlich war. Sie wussten nicht, wie perfekt nicht nur Draco zu mir passte, sondern auch ich zu ihm. Ich fühlte mich nie von ihm abgestoßen, wenn er böse war oder Schlechtes tat, meist war es mir gleich oder es gefiel mir, aber das würde, wie gesagt, fast niemand verstehen, das tat ich manchmal selbst auch nicht!

Kurz bevor wir den Apparierpunkt erreichten, fragte ich etwas, was mir schon einige Zeit aufgefallen war und mich nicht losließ.

„Du, sag mal, was ist mit deiner Mutter, hat die schon was mitbekommen? Zum Beispiel so was wie, dass ich da bin?“

„Nein, aber das heißt nichts, denn sie war die letzten Tage bei Bellatrix. Sie kommt, ich glaube, ähm… morgen wieder, aber selbst sollte sie dich sehen, werden wir sie uns schon schnappen und wir werden auch den Zauber auf sie legen, sorge dich nicht!“, erklärte da Draco reichlich lapidar.

„Wer sagt, dass ich mich sorge?“, meinte ich pikiert, bitte, als ob die eine Gegnerin für mich wäre!
Dieses Modepüppchen, Narcissa Malfoy, konnte es doch mit mir nicht aufnehmen!

„Unterschätze Narcissa nicht! Sie ist genauso durchgeknallt und böse wie Bella, nur halt anders… komm, du willst doch pünktlich zu deinem Potter! Wohin?“, schnarrte er somit fordernd, das hatte er ganz klar von Severus.

„Ich appariere uns!“, fasste ich seinen Arm und transportierte uns sanft, sicher und sehr leise nach Surrey. Mann, war ich stolz, dass ich immer besser wurde, im mich fast lautlosen Fortbewegen.

Wir kamen in der Nähe eines Kreisverkehres an und sahen uns mit einer biederen, typischen Londoner Kleinstadt konfrontiert. Das Ortseingangsschild hieß uns großspurig willkommen und machte darauf aufmerksam, dass wir in Little Whinging waren.

Und zeitgleich, ohne uns abzusprechen, zauberten wir uns unsichtbar und ich sprach noch auf ihn und mich den Sonus Ex. Er ergriff daraufhin meine Hand, damit wir uns nicht aus den Augen verloren.

Wir gingen weiter und besahen uns alles interessiert. Hier sah tatsächlich alles sehr gleich, sehr spießig aus. Ein öder Vorort, wie er im Buche stand. Langweilige, unpersönliche, blockähnlich gebaute Häuser mit klinischen Vorgärten und Garagen. Es wirkte alles sehr aufgeräumt und ordentlich und sehr leblos und auch lieblos. Die Umgebung schien sehr ruhig und unauffällig zu sein, nur ab und an sah man ein einsames Auto.

Ich las aufmerksam die Beschilderungen der Straßen, um Harrys Abzweigung nicht zu verpassen, aber leider hatten hier alle Wege und Straßen einen Strauch- oder Baumnamen, sehr einfallsreich und durchaus verwirrend.

„Das ist ja schrecklich hier! Und so lebt unser Held? Wie erbärmlich, was denkt Dumbledore sich dabei? Das ist unwürdig, muggelig!“, klang Dracos körperlose Stimme verstimmt zu mir und er hörte sich wirklich aufrichtig verwirrt und abgestoßen an.

Aber auch ich fand es fürchterlich hier. Ich war in der Stadt ganz anders aufgewachsen als in so einem spieß- und kleinbürgerlichen Umfeld einer Einfamilienhaussiedlung.

Es wirkte, als wäre er von Anfang an hier ins Exil geschickt worden!

„Draco, du weißt nichts über Harry und wenn… wird es an ihm sein, es dir eines Tages zu erzählen, aber bei seiner Familie war er nie ein Held, von dem voreingenommenen Bild wirst du dich verabschieden müssen! Er hatte es nie leicht... gib ihm eine Chance, bitte!“, bat ich wispernd und konnte sein abfälliges Schnauben hören, aber auch fühlen, wie er meine Hand fest drückte und ich erwiderte dankbar den Druck.

Schließlich blieb ich unter dem Schild mit der Aufschrift „Privet Drive“ stehen.

„Hier, das ist die Straße und da die Nr. 4!“, flüsterte ich in die Luft und vernahm wieder ein abfälliges Schnauben und ich konnte ihm nur in seiner Geringschätzung die Gegend betreffend zustimmen. Das war zwar oberflächlich betrachtet ein wohlbehütetes Umfeld, aber so was von spießig und langweilig normal, dass schon fast von außen ersichtlich war, dass es hier keine Magier, nichts „Unnormales“ geben durfte und konnte und genau so war seine Familie mit Harry ja auch umgegangen.

Die Straße war… nun, sie war tot, ja, ich denke, das beschrieb den Eindruck, den ich davon hatte, recht gut. Hier sahen auch alle Häuser gleich aus, sie waren zweigeschossig, mit schmucklosen, wohl gestutzten Vorgärten, einer Garage, die sich an das Haus anfügte und je einem Wagen vor dem Haus. Individualität war wohl verpönt.

„Das sieht hier echt schlimm aus. Ich würde hier nicht für viel Geld wohnen wollen!“, meinte nun auch ich schaudernd.

„Was hast du nun vor?“, wollte Draco nun etwas überfordert wissen.

„Nun, hier müssen, unter Tarnumhängen versteckt, Ordensmitglieder sein, aber mich sieht ja keiner… also, ich breche ein, so wie sonst auch. Bleib du hier, du siehst doch das Haus, nicht?“, fragte ich nach und wedelte an sich nutzlos mit der Hand zum Haus.

„Klar, also so groß ist die Straße auch nicht und meine Augen sind gut!“, kam es reichlich zynisch von Draco.

„Ist ja gut, also wenn ich draußen bin, ich weiß noch nicht, ob wir vielleicht von hinten abhauen, also wenn ich draußen bin, aktiviere ich die Münze. Sie wird heiß und du verschwindest. Was hältst du davon?“, legte ich meinen mehr als einfachen Plan dar, denn je schlichter man es hielt, umso weniger konnte schiefgehen.

„Gut und sollte was passieren und du brauchst meine Hilfe, dann sprich einen Relaschio. Wenn ich rote Funken sehe, eile ich zu deiner… zu eurer Rettung!“, erklang es hochtrabend und nur minimal widerstrebend von ihm.

„Träum weiter… ich muss los!“, löste ich sachte meine Hand von ihm und zögerte nicht, ging eilig über die wie ausgestorben wirkende Straße, achtete wachsam auf meine Umgebung und konnte Dracos achtsamen Blick in meinem Rücken fühlen.

Ich ging unaufhaltsam vorwärts, bis ich in dem Gebüsch zu meiner Rechten ein blaues Haarbüschel ausmachen konnte. Der Strauch war vor dem Wohnzimmerfenster angepflanzt. Gut, das musste Tonks sein. Wie unbequem, die ganze Zeit in so gebückter Haltung auszuharren, nun, dank mir würde das bald überflüssig sein, dachte ich gemein.

Göttin sei Dank war es nicht Moody mit seinem allessehenden Auge, denn der hätte sich von dem Zauber nicht täuschen lassen.

Ich ging entschlossen auf das aus unterschiedlichen, braunen Natursteinen erbaute Gebäude zu. Die dunkelbraune Eingangstüre zu benutzen wäre eine schlechte Idee gewesen, also wie kam ich rein? Ich grübelte kurz. Schließlich betrat ich den akkurat gestutzten Rasen und wich geschickt zur Seite des Hauses aus.

Ich kämpfte mich zur Rückseite durch, kletterte gerade so gut wie lautlos über den Gartenzaun, als ich fast in den am Boden kauernden Dung, dem der Tarnumhang von den Schultern gerutscht war, geflogen wäre. Ich konnte noch eben so, mehr als unelegant, ausweichen und rollte auf dem Boden ab, sodass mir ein leises „Ufff“ bei der akrobatischen Einlage entkam.

Natürlich schreckte Dung auf, worauf ich mehr als reaktionsschnell reagierte und ihn schlafen schickte. Er plumpste von meinem Zauber getroffen zurück auf seinen Hintern und sein Kopf fiel zur Seite, perfekt. Der Orden hatte die zwei am leichtesten zu überlistenden Personen hiergelassen. Heldenhaft verbiss ich mir ein Kichern und wandte mich geschäftig ab, denn weiter ging‘s.

Somit lief ich auf die weit geöffnete Terrassentür zu und trat in die penible und klinisch reine, offene Wohnküche mit Blick in das große, repräsentative Wohnzimmer mit Kamin. Ich sah einen fetten Jungen in unserem Alter auf der Blümchencouch liegen und den Fernseher anbeten, der so viel Krach und Lärm machte, dass ich keinen Zauber auf meine Füße hätte legen müssen, denn man hätte bestimmt nicht mal sein eigenes Wort hören können.

Während der Betrachtung stand ich neben einer großen, dürren, schwarzhaarigen Frau mit Blümchenschürze, die frohgemut Butterbrote schmierte und ich hörte trotz des Lärms, weil ich direkt neben ihr stand, wie sie leise vor sich hin summte. Ich ging dann zielsicher an dem Esstisch vorbei und durch die offene Tür, die in den schmalen und engen Flur führte.

Ich brauchte mir um Enttarnung keine Sorgen mehr zu machen, denn der Fernseher machte genügend Lärm, dass die zum Teil knarzenden Stufen, die unter meinen Füßen laut aufstöhnten, da untergingen. So huschte ich geschwind die Treppe ins erste Stockwerk hoch und bemerkte die vier Türen, die hier abgingen. Ich überlegte, welche ich nehmen sollte. Schließlich entschied ich mich instinktiv für die erste Tür zu meiner rechten Seite und öffnete sie vorsichtig.

Es war ein schlichtes, um nicht zu sagen minimalistisches Zimmer. Ein dunkelblauer, abgewetzter, uralter Teppich lag auf dem Boden. Ein schmales Bett, ein schräger Schreibtisch, ein Stuhl und ein windschiefer, kleiner Kleiderschrank waren die schmucklose, armselige Behausung, die sich Harrys Zimmer schimpfte. Bei dem Anblick rührte sich wieder mein Herz. Es schmerzte regelrecht, wenn ich daran dachte, auf was Harry alles von jüngster Kindheit an hatte verzichten müssen und das Zimmer hatte er ja noch nicht mal lange.

Darauf brauchte weder Ron eifersüchtig sein, der viele schöne Erinnerungen an eine lebens- und vor allem liebenswerte Kindheit hatte und Draco auch nicht auf die Aufmerksamkeit, die Harry seit fünf Jahren von der magischen Bevölkerung bekam, denn wenn man das hier sah, war Harry nur rundum zu bemitleiden. Ich nahm mir mal wieder vor, alles dafür zu tun, dass es ihm ab jetzt besser gehen würde. Ich verachtete Dumbledore, weil er dies so zuließ.

Es hätte andere Möglichkeiten gegeben, wie sagte ich immer: alles war möglich! Gerade in der Welt der Magie gab es nur sehr wenige Grenzen, man musste halt nur lang genug suchen, dann gab es immer Mittel und Wege.

Dumbledore hatte Harry gar nicht verdient!

Es hätte auch ein ganz anderer Harry herauskommen können als der, den wir heute hatten. Ein böser, gebrochener, auf Rache und Hass sinnender Harry, da ihn die Gemeinschaft, die er ja „errettet“ hatte, derart vergessen aufwachsen lassen hatte. Er hätte ähnlich kämpferisch und skrupellos sein können wie ich.

Aber nein, Harry war vorurteilsfrei, naiv, liebenswert und munter in diese neue Welt eingetreten, die ihn dann seit seinem zweiten Jahr auch noch permanent beleidigte, verleumdete und kränkte. Ich hatte schon bei der Testamentsverlesung bemerkt, dass sie es nun geschafft hatten und wir einen andern, einen neuen Harry vor uns hatten, einen den man ernst nehmen sollte, einen der sich nichts mehr sagen ließ und einen der nicht mehr vorurteilsfrei traute und vertraute.

Dank der Auroren, Umbridge, Fudge und Dumbledore hatten sie es endlich geschafft, ihn so zu schmieden, wie ich ihn wollte und gebrauchen konnte. Ich sollte ihnen allen eine Dankeskarte schicken, perfekt!

Harry saß auf seinem Stuhl und blickte mich, beziehungsweise die nun offene Tür misstrauisch an. Er hatte seinen Zauberstab schon auf das Nichts vor ihm gerichtet und fokussierte mich starr, mit kalten, dunkelgrünen, stechenden Augen.

Ich war so stolz auf ihn, dass er keine Sekunde zögerte und wachsam war, also
trat ich ein und wollte die Tür schließen, als ein unsicheres „Hermione“ erklang, das er rau in die Luft murmelte und ich schloss die Tür leise in meinem Rücken.

„Natürlich, wer sonst, Harry!?“, räumte ich nüchtern ein und löste die Zauber mit einem Wisch und er sah mich mit meinem weißen Stab, wie ich nun vor ihm stand, aus misstrauisch verengten Augen an.

„Hermione, du kannst den Zauber?“, fragte er da sehr ungläubig und blickte mich noch immer mit großen Augen lauernd an, dabei zielte er noch immer mit dem Stab auf mich und war augenscheinlich nicht bereit, mich derart unbescholten aus der Nummer zu lassen.

„Klar, seit Anfang des Jahres, sonst hättet ihr es doch bemerkt, als ich mich aus dem Turm geschlichen habe!“, lachte ich belustigt auf. „Willst du mich verhexen, oder warum bedrohst du mich?“, deutete ich auf seinen auf mich zeigenden Stab.

„Ich soll immer wachsam sein! Laut unechtem, aber auch echtem Moody… und nun, ich bin ein neuer Harry! Also sag was, was sonst keiner wissen kann!“, verlangte er fordernd.

„Mhm… wir retteten Seidenschnabel, auf dem dann Sirus floh! Die Orchideen waren für Daphne!“, bot ich auf die Schnelle an und spielte dann noch auf den Blumenstrauß an, den die Auroren aus Harrys Stab gezaubert hatten, als sie den Priori Incantatem gesprochen und Umbridges Verschwinden untersucht hatten.

„Okay… und nein, sorry… ich will dich nicht verhexen, aber eines versteh ich nicht! Ich hätte es immer bemerkt, wenn du aus dem Turm abgehauen wärst, schließlich habe ich die Karte!“, meinte er nun argwöhnisch und zuckte mit den Schultern, dann steckte er den Stab aber doch weg.

„Schön, dass du mir glaubst, dass ich, ich bin! Aber deine Vorsicht ist gut, sehr gut und ja, an sich stimmt das mit der Karte, aber ich habe meinen und den Namen von ein paar anderen Leuten so verzaubert, dass man nur einen magischen Zwilling herzaubern muss und dann wird nur dieser schlafende Zwilling von der Karte überwacht und nicht die reale Person!“, vertraute ich ihm flüsternd an und verfolgte, wie schockiert er wirkte, weil ich das getan hatte.

„Warum?“, fragte er entsetzt.

„Dazu später mehr, oder willst du hier bleiben?“, sprach ich abwertend und wedelte verächtlich mit der Hand durch das mickrige Zimmer. Wer sagte, dass die Malfoys nicht abfärbten?

„Nein, nein! Ich komme schon, aber was anderes… du darfst zaubern!“, zeigte er sich sehr erregt und kam darauf zurück, weil ihn das doch verständlicherweise sehr beschäftigte, schließlich hatte er genügend Bekanntschaft mit diesem dummen Gesetz zur Beschränkung der Zauberei Minderjähriger gemacht. Ich blickte auf meinen Stab und ein sanftes Lächeln zierte mein Gesicht. Dieser Vorschlag, den ich ihm gleich machen würde, würde ihm sicher gefallen und vielleicht etwas besänftigen, aber erst mal musste ich ihm das wohl erklären.

„Nein, dürfen tue ich es nicht, aber ich mache es!“, erklärte ich etwas hinterlistig grinsend.

„Bist du irre? Was ist mit dem Ministerium?“, meinte er absolut fassungslos.

„Was soll damit sein? Ich bin vorausschauend, ich habe mir letzten Sommer einen neuen, einen zweiten Stab besorgt, der nicht registriert ist, also nicht von Ollivander und hiermit kann ich zu jeder Zeit zaubern, bis ich schwarz werde und die ministerielle Instanz wird nichts erfahren!“, entgegnete ich, dabei hatte sich Harry wieder gesetzt, da ihm anscheinend diese Information den Stecker gezogen hatte. Er wirkte leicht apathisch.

„Das heißt, das heißt…“, kam es nach längerem Schweigen von ihm entsetzlich stotternd.

„… das heißt, ich hätte immer zaubern können, wenn mir jemand einen nicht registrierten Zauberstab gegeben hätte und ich hätte nie Ärger bekommen?“, zeigte er sich schrecklich verletzt und verzog seine Miene zu einer schmerzlichen Grimasse.

„An sich nicht und ja! Aber dafür bin ja ich nun da, das Erste was wir tun, ist dir so bald wie möglich einen zweiten Zauberstab zu beschaffen, dachte, das könnte dir gefallen!“, lächelte ich ihn verschwörerisch an.

„Du meinst das ernst?“, hauchte er ergriffen und runzelte seine Stirn.

„Klar, was glaubst du denn? Nun komm, was soll mit, ich schrumpfe es… wo ist Hedwig?“, sah ich mich suchend um.

„Was? Ach so, die habe ich gestern zu den Twins geschickt, damit sie da jagen kann, … hier, ihr Käfig und der Koffer, das wäre alles!“, zeigte er auf die beiden mehr als mickrigen Objekte, die seine gesamte Habe darstellten und ich schwang nur nonverbal den Stab. Wie gesagt, keine Geheimnisse mehr, nun gut, fast keine!

So schrumpften die Sachen und Harry sah mich zwar immer noch an, als wäre ich von einem anderen Stern, aber er riss sich soweit zusammen, dass er die Sachen ergriff und in seine Jeanstasche stopfte.

„Hast du´s? Dann verabschiede dich! Wir packen… was? Schau mich nicht so missbilligend an!“, beschwerte ich mich ungehalten.

„Glaub mir, dem hier werde ich keine Träne nachweinen!“, kam es sehr hart von ihm.

„Nun gut, halt gut meine Hand fest, damit wir uns nicht verlieren. Sobald wir den Garten hinter uns haben, werde ich mit dir Seit-an-Seit-Apparieren, nicht erschrecken, halte dich einfach an meiner Hand fest, das wäre alles!“, erklärte ich kurz und bündig meinen Plan und er nickte bei allem brav, während er fest meine Hand hielt.

„Soll ich was dazu sagen, dass ich schockiert bin, dass du das auch schon kannst?“, entgegnete er gepresst, während ihm ein etwas verzerrtes Grinsen über das Gesicht huschte.

„Sehr witzig!“, hexte ich zuerst ihn und dann mich lautlos unsichtbar, hielt dabei immer noch seine Hand und so gingen wir zur Treppe.

„Die 2., 5. und 10. Stufe knarren, übersteige sie!“, wisperte mir der unsichtbare Harry zu.

Ich tat, wie mir befohlen und zählte mit und überstieg sie dann, so kamen wir geräuschlos unten an und gingen den gleichen Weg, den ich zuvor gekommen hatte. Nur lag diesmal seine Tante entspannt im Gartenstuhl, blätterte lustlos in einer Zeitschrift, aber sie summte immer noch sehr unmelodisch vor sich hin und bemerkte uns nicht.

Ich übernahm nun und steuerte auf den in den Beeten bewusstlos liegenden Dung zu, dann bedeutete ich Harry, mit mir über den Zaun zu klettern, was für uns beide eine leichte Übung war, trotz des Händchenhaltens. Auf der anderen Seite angekommen aktivierte ich schnell die Münze, sodass Draco einen Vorsprung bekam und zog nun Harry zu den Nachbarn. Ich fühlte, dass hier keine Apparitionssperre mehr war, wir konnten also abhauen und diesen versnobten Vorort, dieses Kaff, endlich hinter uns lassen.

Ich packte Harrys Hand noch fester und fokussierte mein Ziel, konzentrierte mich und apparierte uns sicher und gekonnt. Dann materialisierten wir Sekunden später auch schon unter der großen Eiche. Vor uns konnten wir im malerischen Sonnenlicht des Abends das ruhig und idyllisch daliegende Cottage ausmachen, beziehungsweise nur ich, da Harry, dank des Schutzzaubers, das Haus nicht sah.

„Wo sind wir hier, Hermione, hier ist… nichts?“, kam es ungeduldig von meinem temperamentvollen, noch immer unsichtbaren, besten Freund.

„Immer mit der Ruhe!“, fischte ich nach dem kleinen Zettel in meiner Hosentasche und reichte ihn ihm, während ich ihn wieder sichtbar werden ließ. Er las ihn und darauf folgte ein überraschter Ausruf.

„Wunderschön…“, hauchte er ergriffen und ich verstand, was er meinte.

Ich selbst blickte verzückt auf das kleine, süße Cottage, das in dem Blütenmeer versank. Mit dem sanften Sonnenlicht, der schon sinkenden Sonne, wirkte es wie gemalt. Es war wahrlich ein Traum und würde vielleicht auch Harry helfen, nach den Schocks, die ich ihm würde verpassen müssen, seine Seele zu heilen, damit er neue Kraft und neuen Mut fand. Aber wenn nicht hier in dieser Idylle, würde er es nirgends schaffen, darüber hinwegzukommen, dachte ich schicksalsergeben.

„Das habe ich von meiner Oma und Tante väterlicherseits geerbt, kommst du? Du musst noch deine Hand auf die Eingangstür legen, da auch noch ein Blutschutz darauf liegt, dann bist du ganz eingebunden und kannst ein- und ausgehen, wie immer du willst, Harry! Das hier ist kein Gefängnis!“, erklärte ich und intonierte nun die Formel, um ihn aufzunehmen und konnte seine Aufregung und Nervosität fast mit Händen greifen.

Ich atmete noch mal tief durch, denn das Folgende würde nicht einfach werden und so wirklich wusste ich noch nicht, wie ich beginnen sollte. Am liebsten wäre es mir, er würde einfach zuhören und mich nicht unterbrechen, aber das würde sicher nicht so laufen.

Somit öffnete ich nun die Tür und ging voran in das Haus, strebte das Wohnzimmer an und setzte mich leicht unsicher auf das große, gemütliche Sofa. Ich bemerkte, dass schon Eistee auf dem Couchtisch stand, mit zwei Gläsern, da hatte jemand vorgesorgt, schmunzelte ich amüsiert und dankte den Twins gedanklich, dabei versuchte ich, mein Bauchgrummeln wegzuschieben.

Harry starrte mit einem fast schon überwältigten Ausdruck in das gemütliche Zimmer und sah sich aufmerksam um, zog seine Sachen aus der Jeans und stellte sie auf den Boden, bevor ich sie vergrößerte.

Er selbst beachtete dies nicht, sondern ging auf und ab, trat dann zu dem Esstisch, sah von da aus zu der offenen Küchentür, drehte dann aber wieder zu mir um. Ich wollte ihn nicht aufhalten, dann wäre ich nicht besser als all die anderen, die ihm immer sagten, was er tun sollte. Wenn er das Haus ansehen oder er in den Garten gehen wollte, wo die anderen recht verborgen im hinteren Teil im Pavillon saßen, war es Schicksal und dann würde ich auch damit umgehen können. Außerdem musste ich ehrlich zugeben, konnte ich so das Gespräch noch ein paar Augenblicke verschieben, was mir ganz recht war.

„Möchtest du dir erst das Haus ansehen?“, bot ich an.

„Nein, glaub nicht, was war mit Dung?“, fragte er nebenbei nach, klang aber weniger involviert.

„Der wird noch ein bisschen schlafen, hatte eh eine Fahne… also dürfte das gar nicht groß auffallen, sorry aber ich dachte, ihn schlafen zu schicken ist noch das Humanste!“, erklärte ich ruhig, jedenfalls äußerlich, innerlich war ich sehr nervös. Würde Harry mich ablehnen, wenn er alles, naja fast alles wusste? Würde er alles erfahren, dann sicher…

„Mhmhm… nun… was jetzt, Hermione?“, wollte Harry unsicher wissen, dabei ging er nervös vor dem Kamin auf und ab.

„Ich weiß nicht, ich richte mich nach dir, Harry“, zuckte ich mit den Schultern und folgte seinen ausufernden Schritten mit meinem Blick.

„Fang ganz von vorne an! Was war das mit Sirius… ich weiß nicht, wo beginnt es?“, meinte er ungeduldig, dabei wirkte er irgendwie gehetzt.

„Hahaha… das ist gut, wo beginnt es? Es beginnt dort, dass ich weder gut auf das Ministerium noch auf Hogwarts zu sprechen bin, weißt du, Harry? Ich weiß, dank deines Vertrauens, wohl besser als jeder andere, wie schlimm deine Kindheit war und auch schrecklich, aber weißt du, ich habe vielleicht anders als du Eltern gehabt, aber ich hatte als Muggelgeborene zehn Jahre mit dem Unerklärlichen zu kämpfen und meine Eltern auch… anders als deine Verwandten wussten sie nicht mal im Ansatz, dass es Magie gibt, woher auch? Dazu meine Intelligenz, die selbst unter den Muggeln außergewöhnlich ist! Ich hab dir doch gesagt, dass ich die ein oder andere Klasse übersprungen habe, nun also, wo führte das hin, auch meine Kindheit war nicht wirklich toll! Denn… meine Eltern hatten Angst vor mir! Vor mir, aber auch um mich, um alles, es war keine schöne Zeit!“, klang ich leicht melancholisch, da ich tief in der Erinnerung schwelgte, wie schwer diese Zeit für meine Eltern gewesen war und ich verstand sie sogar und deswegen war es auch gut, dass sie diese Welt verlassen hatten.

„Ernsthaft? Das ist nicht schön. Haben deine Eltern dich wie eine Absonderlichkeit behandelt? Ein Freak?“, zeigte er großes, mitfühlendes Verständnis, schließlich war er dieser auch immer gewesen, ein Freak! Aber er wirkte durch mein Geständnis auch betroffen.

„Ja, kann man wohl so sagen, wir haben sehr zurückgezogen gelebt! Bis, ja… bis endlich dieser blöde Brief aus Hogwarts kam und mir, aber auch meinen Eltern, eine Last von der Seele genommen wurde. Weil es halt eben eine Erklärung zu mir gab! Aber verstehst du, Harry, wenn sich irgendeiner von denen mal die Mühe gemacht hätte, hätte sich alles ganz anders entwickeln können, aber so, das… das Verhältnis war nicht mehr zu kitten. Sie waren froh, dass ich so lange weg war im Jahr… dankbar, auch wenn sie nun eine Erklärung hatten, die sie weniger ängstigte, so war doch die Aussicht, dass ich eine Hexe bin, eine Trennwand, die nicht mehr einzureißen war, sie war zu dick… weißt du, das trage ich der so hochgerühmten Zauberwelt schon nach… dieses „wir informieren alle erst zum 11. Geburtstag“, echt toll! Ich schweife ab… aber ich wollte dir noch einmal erklären, warum es für mich so schön war, dass du mein erster, richtiger Freund wurdest, zusammen mit Ron… das war was ganz Besonderes, für mich! Ihr wart die ersten, die allerersten Freunde für mich, Harry…“, rechtfertigte ich mich ausschweifend, dabei lächelte ich ihn scheu an und er war so freundlich und sah mich offen an.
„Das kenn ich, wie du ja weißt. Da sind wir uns sehr ähnlich und deshalb war für mich Hogwarts zuerst so toll. Ich liebte es, dort war immer meine Familie. Aber weiter, bitte!“, zeigte er sich noch recht zurückhaltend.

„Ich sehe, du willst mehr, nun ja, du kennst mich. Wann kann ich schon Wissen widerstehen? Da kenn ich nichts und das meine ich auch so, Harry. Ich bin und war Dauergast in der Verbotenen Abteilung der Bibliothek. Dank des Zeitumkehrers im dritten Jahr, habe ich die geschenkte Zeit sinnvoll genützt und die Abteilung durchgearbeitet. Ich bin eine gute Schwarzmagierin, Harry…“, bekannte ich zögerlich, dabei beobachtete er mich nun sehr abwägend. Er sah mich an, als wäre ich von einem anderen Stern. Ich verstummte und verfolgte, wie er schwer schluckte und sein Adamsapfel langsam in seiner Kehle hüpfte und so nützte ich die Pause um fortzufahren:

„Denn es ist, wie ich finde, nicht die Magie schlecht, sondern die Intention, die dahinter steht, die meisten blutmagischen Rituale gelten als schwarze Magie und das ist Humbug. Nicht die Magie ist das Schlechte, sondern die Hexe oder der Zauberer, der sie für Schlechtes nutzt, verstehst du? Dieses Schwarz- und Weiß-Denken von Dumbledore schränkt uns da ziemlich ein, … aber darüber wirst du dir noch genug Gedanken machen können, später… möchtest du?“, fragte ich recht geschäftig, schenkte nun ein und hob das Glas in die Höhe, um es ihm zu reichen.

Er nahm dankend das Glas entgegen und warf überlegend ein: „Hm, du hast meistens recht und die Sichtweise leuchtet mir irgendwie ein, aber eigenartig ist es schon, das so von dir zu hören! Ich dachte, du würdest die Regeln lieben…“ Da hatte er sicher recht, aber ich musste weiter sprechen, bevor mich der Mut verließ, das wirklich Erschreckende zu Offenbaren.

„… Naja, aber nun weiter, sonst reicht die Zeit nicht… in diesem Jahr begann ich eine… oh, ist das peinlich… nun, Cedric hat sich mit mir eingelassen, er war mein erster Freund… wir waren so rund zwei Monate zusammen…“, stieß ich eilig hervor, dabei linste ich von unten durch gesenkte Lider zu ihm hinauf und wartete gespannt auf sein Urteil.

„Was? Der Cedric Diggory? Meiner? Also, das fasse ich nicht, Sirius war nicht der… also der… er war nicht der Erste… oh Mann, oh Mann, das glaub ich nicht, du warst dreizehn, ein Kind! Das hätte ich von Cedric nicht erwartet…“, führte er sich schon so auf, da bekam ich ein wenig Angst vor dem noch Kommenden, denn er schien regelrecht empört zu sein.

„Ich war schon vierzehn, fast fünfzehn!“, unterbrach ich ihn sehr nüchtern, doch er zeterte aber schon ungehalten weiter: „Und wenn schon, Cedric war älter als du, zwei Jahre älter als wir!“ Ich schüttelte erneut den Kopf und warf ein:

„Er war ein Jahr älter als ich damals, aber egal….“ Harry nickte und funkelte wütend:

„Unterbrich mich doch nicht immer. Was sollte das, Hermione? Warum hast du nie etwas gesagt? Was war nach dem Trimagischen Turnier? Hast du nicht um ihn getrauert? Hast du ihn geliebt? Warum bist du nicht zu mir gekommen? Musst du immer alles mit dir alleine ausmachen?“, warf er mir aufgebracht vor.

Ja, er war wütend, das verstand ich, aber mit so vielen Fragen auf einmal hatte ich nicht gerechnet, ich sah, wie er fest sein Glas umklammerte, die Flüssigkeit darin schwappte bedenklich.

„Harry, wenn du dich so aufführst, sage ich gar nichts mehr, denn eins ist klar, es wird noch schlimmer, das ist erst der Anfang der Beichte! Also, mein Angebot, lass mich reden und du hörst zu und dann flippst du nur einmal aus, okay? Ich meine, das ist doch fair, oder?“, fragte ich zum Schluss hin unsicher, während mich seine grünen Augen durchdringend musterten.

„Nein, ist es nicht, aber ich werde versuchen, nur zuzuhören auch wenn ich mir das gar nicht vorstellen will, was noch kommt. Ich habe viel nachgedacht, gerade auch nach heute, aber das kam nun sehr überraschend. Ich dachte, ich weiß viel von dir und nun das. Wann warst du in der Bücherei? Und dann das mit Cedric, schon damals, du siehst, ich bin entsetzt, aber nun gut, ich höre! Also, bitte, wie war das mit Cedric?“, redete er leicht wirr und trank nun gierig.

Ich begann langsam, eigentlich wollte ich nicht so genau darauf eingehen, aber nun gut, ich hatte mir gesagt, dass er bestimmte, was er hören wollte und daran würde ich mich halten: „Er war sehr intelligent, das weißt du sicher und sehr talentiert. Wir kamen uns in der Bibliothek näher und irgendwann passierte es halt. Ich habe ihn sehr gemocht, aber nicht geliebt und natürlich war ich geschockt und traurig als er starb, was denkst du von mir? Ich bin doch kein Eisklotz!“, wehrte ich entschieden ab.

Auch, wenn ich ja zugeben musste, dass ich oft kalt war, aber so dann auch wieder nicht.

„Ok, das beruhigt mich etwas, weiter!“, nickte Harry knapp und antwortete kurz.

„Danke, wo war ich… ah ja, Viktor kannst du dir ja denken, ich war Stammgast auf dem Schiff, … schau mich nicht mit so großen Augen an, ja, ich war auf dem Schiff, es war schön dort und dies meist nachts. In solchen Nächten wurden auch die Twins meine neuen, besten Freunde, denn seit dem zweiten Jahr liefen wir uns immer wieder über den Weg. Warum ich dich nicht eingeweiht habe? Ron hätte dafür nie und nimmer Verständnis gehabt, du erinnerst dich, wie er auf Viktor reagiert hat? Und du, Harry, da war jedes Jahr was Neues. Du warst zu sehr mit dir beschäftigt, was völlig in Ordnung ist und war, aber ich wollte dich nicht belasten, ehrlich nicht und aufzählen, was du in diesen Jahren alles erlebt hast, muss ich hoffentlich nicht!“, erklärte ich weiter, danach nahm nun ich einen großen Schuck und trank eilig, befeuchtete meine wie ausgedörrte Kehle.

Nun setzte sich Harry in den Sessel neben mich und ich saß auf der Couch und wusste echt nicht, wie ich anfangen sollte, denn jetzt kam erst der spannende Teil.

„Nach dem Turnier habe ich beschlossen, dass es so nicht weitergeht. Ich war über Dumbledores Schwäche entsetzt, dass sich direkt unter seiner Nase ein ausgebrochener Death Eater versteckt hat. Lieb, dass du da zustimmst, Harry! Nur habe ich diese Entscheidung schon in der Krankenstation getroffen, du weißt, Rita ging mir da ins Netz, oder eher ins Glas. Ich habe die Zeit sinnvoll genützt. Als ich daheim ankam ging ich zuerst in die Knockturn Alley und habe mir als erstes diesen neuen Stab geholt. Ich liebe ihn, aber er ist ein schwarzmagischer… aber das können dir andere erzählen! Ja, mach den Mund zu, ich war ganz alleine in der verbotenen, schwarzen Gasse und soll ich dir was sagen? Ich habe es genossen, mir gefällt es da!“, fasste ich betont neutral zusammen und er hatte hinter seiner Brille riesengroße Augen bekommen, aber er hielt sich daran und sagte nichts, bis jetzt, kurzfristig, doch er hielt es nun erneut nicht aus.

„Ich werde nicht sagen: das war gefährlich, denn das war es und das weißt du. Ich bin regelrecht erschüttert, dass du da keine Angst hattest. Ich werde nie vergessen, wie es für mich war, mit 12 in der Gasse gelandet zu sein, so viele komische Gestalten! Und du gehst als Mädchen da alleine hin? Bist du von allen guten Geistern verlassen?“, fragte er zögerlich und blickte mich tadelnd und missbilligend an.

„Bald wirst du Gelegenheit haben, eventuell deine Meinung zu revidieren, denn mein Angebot, dass auch du einen neuen Zauberstab bekommen sollst, der nicht registriert ist, steht. Dann könntest du immer zaubern, wie du möchtest! Aber deine Entscheidung. Außerdem sollte man immer einen zweiten haben, man weiß nie, was passiert!“, bot ich an, dabei wiegte er sein Haupt hin und her, denn dem Angebot von meiner Seite schien er nicht abgeneigt zu sein.

„Erzähl weiter!“, knurrte er plötzlich ungeduldig und ich nickte nur eilig.

„Ich hab dann noch mit dem Kampfunterricht begonnen. Ich kann viele Leute auf die Matte schicken, Harry, bin mittlerweile recht gut! Und ohne meine Vorbereitungen würde ich heute hier schon nicht mehr sitzen…“, bekannte ich zum Schluss flüsternd, denn die Erlebnisse von damals in der Gasse, waren nicht die Schönsten in meinem Leben.

Ich bemerkte, wie sich entsetzt seine Augen weiteten, aber ich sprach schnell weiter:

„Eines Abends, als ich nach dem Sport wieder zu euch in den Grimmauld Place appparieren wollte, hatte ich unglaubliches Glück und lief Bole und Derrick in die Arme. Ich weiß nicht, ob du den Artikel über die zwei gelesen hast, … ah, du erinnerst dich, das ist gut! Also Bole war mein Erster! Ja, Harry, nicht die Kröte, oder Jugson, nein, Bole war der Erste! Ich sehe deine Schock, deshalb hab ich auch nichts gesagt, aber es hieß, er oder ich. Ich habe mich nur gewehrt und verteidigt. In dieser Gasse, das war grenzwertig! Ich bin fast gestorben, er hat versucht, mich zu erwürgen, selbst wenn heute noch jemand meiner Kehle nahekommt sehe ich rot, das war kein schönes Gefühl“, fasste ich mir in einer unbewussten Geste an meinen Hals und dachte daran, wie gequetscht er gewesen und wie schmerzhaft das Schlucken gewesen war und zuckte dann unwirsch mit den Schultern, es war nicht zu ändern.

„… Es war kein einfacher und schöner Kampf. Und vor allem war es knapp… schrecklich knapp! Du kannst dich vielleicht noch erinnern, was das für Bullen waren, Harry? Nun, du weißt, dank dem Artikel, wie er gestorben ist. Ich habe ihm die Kehle aufgeschnitten, nicht schön, aber effektiv… nur ich ging nicht unbeschadet aus dieser Geschichte hervor. Ich habe mich mit letzter Kraft ins Blackhaus geschleppt und habe Sirius meinen Patronus geschickt! Ah, ich sehe Verstehen in deinen Augen, ja, genau, ich bin die Elster! Du bist gut im Kombinieren geworden, Harry!“, kam es lobend von mir.

Denn ich sah, wie das Erkennen und Verstehen in seinen Augen aufblitzte, verfolgte, wie der Schock langsam wich, ich sprach schnell, da mir vieles sehr unangenehm war und ich es rasch hinter mich bringen wollte.

„Nun, Se… Snape, er rettete mir an dem Tag zusammen mit Sirius das Leben. Ich hatte ein Messer bis zum Ansatz in mir stecken, … hier!“, erklärte ich, dabei zeigte ich es ihm und fasste mir an die Seite, dort wo meine Narbe war und beobachtete, wie Harrys Augen aus deren Höhlen zu fallen drohten und er mich nur unbewegt fixierte, während sich entsetzt sein Mund bewegte, ohne dass zuerst Worte aus ihm kamen.

„Nein, oder? Ist das nicht lebensgefährlich? Ich hätte dich auch fast verloren? Daher deine Vertrautheit mit Snape. Er hat dich gerettet...“, kam es stockend von dem bodenlos erschütterten Harry. Er schien sehr fassungslos, aber gleichzeitig glaubte er mir sofort, denn er wusste, dass Death Eater nicht lange fackelten.

„Ja, Harry, wenn ich nicht trainiert hätte, meine Dolche nicht hätte, den zweiten Zauberstab nicht und nicht das Hirn, das Messer stecken zu lassen und zu warten, was eine große Disziplin von mir verlangte… ja, dann würde ich heute nicht mehr hier sitzen!“, bekannte ich sehr ernst, aber auch sehr ehrlich. „Und wären Snape und Sirius nicht gewesen… tja…“, stimme ich ihm dann recht lässig zu, das daher unter anderem die Vertrautheit kam.

Wir schwiegen kurz, bis Harry sich fing und mir auffordernd zunickte.

„Ich erzähle dir dies alles so recht schonungslos, da ich will, dass du siehst, ohne unsere Eigeninitiative wäre ich… wären wir aufgeschmissen! Aber nun gut, weiter mit meiner „Beichte“, dies veränderte sehr viel im Verhältnis zwischen Sirius und mir. Vielleicht hatte meine Nahtoderfahrung damit zu tun? Wer weiß, wie auch immer, wir kamen uns noch näher, danach wurde unsere Affäre noch intensiver, ja, für mich war es dies, eine begrenzte, lustige, schöne Zeit, die ich sehr genossen habe!“, bekannte ich wehmütig und wrang die Hände unter seinen taxierenden Blicken und leckte mir über die trockenen Lippen.

„… Schau mich bitte nicht so an als wäre ich Dreck! Ich habe es ihm von Anfang an gesagt, dass ich ihn nicht liebe und ihm auch von Cedric und Viktor erzählt, für die ich ebenfalls keine Liebe gefühlt habe… nie! Soll ich mich deshalb schlecht fühlen? Bitte, auch ich brauche mal einfach schöne Momente!“, begehrte ich auf und hoffte auf sein Verständnis, während er nur dasaß und zuhörte und so fuhr ich fort:

„Okay, also er wusste es! Sirius wusste das, er war so lieb… aber nicht der Richtige für mich! Er wollte es dir nicht erzählen und den anderen auch nicht, da er, so wie ich, wusste, wie alle aufgrund unseres Alters reagieren würden, was ja auch passiert ist. Molly hat mich heute leider noch erwischt. Es war nicht auszuhalten, aber vergiss es, nun, du willst wissen, was passierte?“, meinte ich unwohl, dabei knabberte ich nun aufgeregt auf meiner Unterlippe und strich mir nervös die Haare aus dem Gesicht. Ich blickte in diese aufgebrachten Seen, in denen die Wellen zu toben schienen, aber er beherrschte sich wacker, während ich erneut tief durchatmete.

„Er war nicht der Richtige, weil er zu gut, zu lieb ist… war und er hätte etwas Besseres als mich verdient. Ich hätte ihn nicht glücklich machen können, dafür bin ich wohl viel zu „verdorben“, wenn du so sagen willst…“, flüsterte ich heiser, in tiefer Überzeugung diese letzten Wort zu Harry und er runzelte verwirrt die Stirn.

„Erstens: ich habe schon gemordet, das hat Sirius, trotz seines Alters, nicht getan, was gut so war. Zweitens: er kam zwar aus einer alten, schwarzmagischen Familie, aber ich bin die Schwarzmagierin, nicht er! Also, kurz nachdem die Schule begann hatte ich einige Treffen, ja, ich habe die Möglichkeit, in Hogwarts ein- und auszugehen, ein Geheimgang, der nicht auf der Karte ist… die Keller von Hogwarts scheinen die Marauder nicht so genau unter die Lupe genommen zu haben! Ich wollte mich in dieser Nacht von Sirius verabschieden, so wie es sich gehört… es hatte sich in diesen paar Tagen sehr viel in meinem Leben verändert, was diese Entscheidung unabdingbar machte und ich wollte Sirius gegenüber nie unfair sein. Also wollte ich Schluss machen!“, trank ich nun schnell von dem Eistee und wünschte mir gerade inbrünstig, es wäre Feuerwhiskey. Das was jetzt kam würde Harry gar nicht gefallen.

„Er war in der Küche als ich kam. Ich habe mich zu ihm gesetzt und dank dessen weil er ein Hund war, roch er leider etwas, was er nicht hätte riechen sollen und das hat ihn ausrasten lassen. Er hat mich geschlagen, ich habe ihn geschlagen, wir haben uns zerstritten und gingen so auseinander, das war´s!“, kam es abschließend, wie aus dem Zauberstab geschossen aus mir und ich sackte erschöpft zusammen. Ich war gespannt, was er jetzt sagen würde und er traf, wie erwartet, den Nagel auf den Kopf.

„Was hat er gerochen?“, forschte er zielstrebig nach. Bitte, was sagte ich, autsch! Das offen zugeben zu müssen, würde mir nicht leichtfallen und so wich ich seinem bohrenden Bick aus.

„Sex, Harry! Sex, dass ich bei einem anderen war!“, bekannte ich nun kalt. Dass es Snape gewesen war und ich Minna, das konnte ich nicht sagen, denn es gab Sachen, die gingen niemanden was an.

„Du, was… du hast Sirius betrogen?“, fuhr er nun wieder hoch und brauste ungehalten auf.

„Nein, eigentlich nicht, für mich war es mit dem Einstieg in den Express mehr oder weniger vorbei und dann wollte ich es ihm nur noch sagen, also würde ich nicht sagen, dass ich ihn betrogen habe, obwohl er es wohl so wie du gesehen hat, aber dafür hat er mir auch ganz schön eine gelangt!“, bekannte ich unglücklich und bei der Aussage verzog Harry schmerzlich das Gesicht.

„Man schlägt keine Frauen!“, spuckte er empört aus. Ich lachte rau auf, bei Harrys edler Feststellung.

„Harry, es gibt Frauen wie mich, die können sich da gar nicht gegen wehren, wir ziehen das an! Ich provoziere es ja regelrecht, aber es hat Sirius im Nachhinein echt leidgetan, dass er so die Kontrolle verloren hat. Ich habe ihm verziehen, dann solltest du das erst recht. Aber im Prinzip hast du recht, man schlägt keine Frauen…“, meinte ich resigniert und schritt heroisch zu Sirius‘ Verteidigung.

„Er muss dir was bedeutet haben, sonst würdest du ihn nicht immer verteidigen!“, meinte Harry nun, der sich sichtlich zur Ruhe zwang, mit seiner verkrampften Haltung.

„Natürlich, Harry, ich hatte ihn echt gern!“, erklärte ich leise, aber noch mehr bedeutete mir Harry und ich wollte, dass er das Andenken von Sirius ehren konnte.

„Wer, wer hat Sirius ersetzt?“, drang er unnachgiebig in mich, autsch, nun würde der große Moment kommen. Ich öffnete den Mund und wollte gerade allen Mut zusammennehmen und den Namen sagen, als:

„Ich!“, kam es auch schon plötzlich von der Terrassentür.

Somit erlebte ich, wie Draco gegen den Türrahmen gelehnt, lässig dastand, die Arme vor der Brust verschränkt hatte und uns gelauscht zu haben schien. Sein helles Haar fiel ihm vorwitzig in die Stirn.

Harrys aber auch mein Kopf waren bei der Aussage herumgewirbelt, doch meiner zischte sofort wieder zu Harry zurück, der wie hypnotisiert Draco anstarrte, als wäre dieser eine Fata Morgana.

„Das… das… glaube ich jetzt nicht… nein, das ist ein Scherz… das kann nicht wahr sein… was macht der hier?“, murmelte Harry, wie als wäre er weit weg, immer wieder vor sich hin, nahm aber nicht die Augen von dem blonden Slytherin, dessen Gesicht bei Harrys Zusammenbruch ein gehässiges, böses Grinsen zierte und ich sah ängstlich zwischen Harry und Draco hin und her.

Nun holte er urplötzlich aus, schlug mit voller Wucht seine Faust auf den kleinen Holztisch, dass es bebte. Die Gläser klirrten bedenklich und ich verzog schmerzhaft das Gesicht, das musste wehtun, denn er hatte mit solch immenser Wucht auf den Tisch gedroschen. Aber Harrys Gesicht zeigte keinen Schmerz, er hatte es nur zu einer wutverzerrten Fratze verzogen, seine Faust war knallrot. Dann sprang Harry wie von der Tarantel gestochen auf.

„Hermione, du Lügnerin, du fickst die ganze Zeit mit dem da rum…!?“, brüllte er nun schrecklich vulgär, wutentbrannt und anklagend laut auf.

Es wirkte, als würde er vollkommen ausrasten, seine grünen Augen glitzerten gefährlich, seine Hände hatte er wie zum Angriff zu Fäusten geballt und seine Magie schien sich um ihn zu ballen, so sehr regte er sich auf. Es fehlte nicht viel und er würde erneut einen machtvollen Wirbelsturm, wie in Dumbledores Büro, entfesseln. Und ich wusste, wie sehr Draco dies gerade genoss, ein Traum wurde für ihn wahr!

„Harry, bitte beruhige dich doch… ich will…“, wollte ich ihn beruhigen, doch er fuhr mich an, wie ich es nie von ihm erwartet hätte. Ich hatte viel erwartet, aber nicht das, was nun alles kam:

„Halt deinen verlogenen Mund, was fällt dir ein, du Schlampe…?“

Er wütete nun vorbehaltlos und traf mich sehr, sodass ich meine Lippen fest zusammenpresste und tief Luft holte. Harry hatte sich mir aggressiv zugewandt und sah so aus, als wollte auch er auf mich losgehen. Bitte, da hatten wir es, der nächste, der mich verprügeln wollte, ich sagte es doch immer, ich trieb die männliche Bevölkerung zur Weißglut.

Doch nun erhob Draco seine Stimme. Er hatte sich abgestoßen und schritt nun wie ein König in das Zimmer, ohne Angst vor Harrys Zorn. Er baute sich beeindruckend vor uns auf.

„Hör sofort auf, sie so anzuschreien und zu beleidigen!“, zischte er gefährlich, was aufgrund der fehlenden Lautstärke umso bedrohlicher klang.

„Halt du dich da raus, Frettchen, ich rede mit ihr, wie ich will und ich sage, wie es ist!“, herrschte Harry ihn böse an und warf mir einen verachtenden Blick zu, der mir durch Mark und Bein ging.

„Das meinte Sirius also mit den Schlangen, er hatte recht, dass du dir dafür nicht zu schade bist…“, spuckte er mir geringschätzig ins Gesicht und verzog angeekelt seinen Mund.

„Mit Sicherheit werde ich nicht zulassen, dass du so mit Hermione redest, Potter!“, kam es sehr bestimmt von Draco, der Harry eiskalt maß und nicht zurückwich.

Draco trat noch näher auf ihn zu, was bedrohlich wirkte, vor allem weil er sich keinen Deut von Harrys Wut einschüchtern ließ und auch noch größer war als er.

„Ach… auf einmal „Hermione“, was ist mit Mudblood?“, provozierte Harry mit langgezogenen Worten und ich saß nur da und war sprachlos.

Ich konnte nichts sagen, beobachtete nur den erregten Schlagabtausch zwischen Harry und Draco, wie sie sich verächtlich maßen und fasste mir an den schmerzenden Magen.

„Nenn sie nicht so!“, knurrte da Draco wütend auf und dies schien Harry etwas aus dem Konzept zu bringen, aber er fing sich rasch.

„Ach, auf einmal?“, höhnte er. „Warum darfst du sie Mudblood schimpfen und ich nicht? Dieses verlogene Biest!“, hisste Harry wieder brutal auf, autsch, das hatte getroffen, ja, so hatte ich mir das ausgemalt. Ich verzog bitter meine Mundwinkel, ließ mir aber ansonsten nichts anmerken.

„Weil es ihr, wenn ich sie so nenne, nicht wehtut!“, klang Dracos Stimme nun ruhig, beherrscht.

Er hatte seinen Blick auf mich gewandt und sagte dies nun sehr überlegt, sodass auch Harry zu mir auf die Couch blickte und in seinem Zorn stockte. Es war, als hätte Draco ihm damit die Luft aus den Segeln genommen.

„Wie?“, hauchte er da ungläubig, während er meine Gestalt, die erstarrt zu sein schien, im Visier hielt.

„Du bist wirkliche der Idiot, für den ich dich halte, jedes zweite Wort ist bei ihr „Harry“!“, höhnte Draco sehr arrogant. „Für wen tut sie denn den ganzen restlichen Scheiß? Du weißt nicht einmal die Hälfte an Sachen, die ihr schon widerfahren sind, nur um an Informationen heranzukommen, was sie alles tun musste und zu tun bereit war! Sie ist bereit zu kämpfen, für dich! Rede also niemals wieder ohne Respekt über Hermione! Potter, verstehst du, gerade du, solltest ihr auf Knien danken und ihr den Respekt entgegenbringen, den sie verdient!“, spuckte Draco regelrecht vor Harrys Füße und ein Sturm braute sich in Dracos so grauen Augen zusammen und auch seine Macht war in dem zu kleinen Wohnzimmer deutlich zu spüren, denn auch Draco war sehr mächtig und stand Harry gerade in nichts nach, nur dass Draco sich und seine Magie sehr wohl zu beherrschen wusste.

„Wie? Ich versteh gerade gar nichts, du redest so, als ob…, du redest als über sie, als würdest… das klingt ja fast?“, stotterte Harry vollkommen überrumpelt.

„Harry, nein, das ist…“, warf ich ein, wurde aber brüsk unterbrochen.

„Das siehst du richtig, Potter, auch wenn deine Artikulation zu wünschen übrig lässt. Ich werde sie verteidigen, auch gegen dich, du wirst sie immer mit Respekt behandeln, oder du legst dich mit mir an! Jeder, der sie nicht mit Respekt behandelt, legt sich mit mir an!“, entgegnete Draco bitterernst, aber eisigkalt.

„Aber, … aber sie ist eine Muggelgeborene! Malfoy, spinnst du? Du hasst so jemanden, du verachtest solche Menschen!“, zeigte sich Harry vollkommen perplex und überrumpelt, als Draco zynisch auflachte.

Und nun schaute Draco Harry von oben herab an, baute sich noch mehr vor ihm auf, schien sich für das was er sagen wollte noch mehr Respekt verschaffen zu wollen. Was kam jetzt noch?

„Das denkst auch nur du, ich werde dir jetzt was verraten, Potter, aber ich sage das nur einmal. Diese Frau gehört zu mir!“, wisperte er nun sehr leise, aber in dem stillen Raum war er sehr gut zu hören.

Aufgrund dieser Aussage taumelte nun Harry, fiel in seinen Stuhl. Es war als hätte man seine Fäden wie die einer Marionette auf einmal abgeschnitten und sie durchtrennt. Er plumpste zurück und schloss ungläubig die Augen, legte nur den Kopf erschöpft in seine Hände, meldete sich so vollkommen ab, bei Dracos Aussage, die auch mich überrumpelt hatte.

Hatte sich mein nie eifersüchtiger Malfoy dazu bemüßigt gefühlt, mir wieder zeigen zu müssen, dass er so tief für mich empfand? Dass ich zu ihm gehörte? Oh, er war eine Schlange durch und durch. So wie ich ihn kannte offenbarte er dies so dramatisch, rieb es mir so nebenbei unter die Nase, nicht nur wegen Sirius, sondern auch wegen Lucius und Snape, was mir ein schwaches Lächeln auf die Lippen zauberte. Er war total verschlagen. Er hatte auch mir seinen Standpunkt gleich wieder ins Gedächtnis gerufen und zum zweiten Mal gesagt, dass er mich brauchte und ich zu ihm gehörte, wirklich gesagt, nicht nur angedeutet, ich fühlte, wie mein Herz schneller klopfte.

„Das glaub ich jetzt nicht, Malfoy, das ist nicht dein Ernst…?“, stotterte Harry atemlos.

Er saß immer noch mit gesenktem Kopf und geschlossenen Augen da, aber ich antwortete diesmal:

„Doch, Harry, da ich für Draco dasselbe fühle! Ich gehöre zu ihm! Wir haben uns gesucht und gefunden!“, bekannte ich rau, dabei sah ich die ganze Zeit nur Draco an und erkannte, wie es zufrieden in den schiefergrauen Augen zu leuchten begann und er seine Augenbrauen bewegte, als ich dies offen bekannte.

„Ich fasse es nicht, du lässt dich mit dem Feind ein… das hätte ich nie und nimmer erwartet!“, erklang Harrys zutiefst verbitterte Stimme, die mir gefährlich ins Fleisch schnitt, als er nun langsam seinen Kopf hob.

„Potter, Potter, du enttäuscht mich! Wie immer so stupide! Du reagierst genauso wie von ihr befürchtet, nun weißt du, warum sie es dir verschwiegen hat, sie hatte recht! Sieh dieser Tatsache ins Auge, du bestätigst sie gerade darin, dass es richtig war, nicht auf dein Verständnis und Mitgefühl zu bauen!“, höhnte Draco böse und ich blickte Harry nicht an. Es war mir unangenehm, da Draco die Wahrheit sprach.

Nun zog Draco seinen Stab und schickte einen Relaschio in den Garten und ich runzelte verwundert die Stirn.

„Was, Hermione? Dieser lebende Volltrottel und Idiot sollte mal lernen, etwas so Verletzendes erst zu sagen, wenn er überlegt hat und nicht sofort diese unnützen Wörter hinauszuplärren, wie das größte Kleinkind, das nicht denken kann und welches er offensichtlich ist! Du weißt, meinen Worten folgen immer Taten. Ich habe gesagt, ich stelle mich vor dich und das tue ich auch jetzt. Mal sehen, was du dazu sagst, Potter, wenn du dein Hirn eingeschaltet hast…“, ätzte Draco herablassend.

Harry mahlte mit dem Kiefer und wollte gerade bei Dracos beleidigenden Worten aufspringen und sich vielleicht mit ihm schlagen, als wieder alles Leben aus ihm wich, weil die Personen, die von Draco gerufen worden waren, nun nacheinander mit ernsten Gesichtern das spannungsgeladene Zimmer betraten.

Blaise mit den Twins, gefolgt von den Schwestern, die Harry unter seiner Brille ungläubig anglubschte.

„Und zukünftig solltest du überlegen, ob du Hermione vorwerfen willst, dass sie sich mit dem Feind verbündet hat, schließlich ist deine eigene Flamme ebenfalls der „Feind“, nicht wahr…?“, drehte Draco ihm nun aufreizend den Rücken zu und ließ den total überrumpelten und verwirrten Harry zurück.
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