Inhaltsangabe
 
StartseiteStartseite  FAQFAQ  SuchenSuchen  AnmeldenAnmelden  LoginLogin  

Teilen | 
 

 Kapitel 107-108

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
AutorNachricht
queenie
Königin
Königin
avatar

Anzahl der Beiträge : 1443
Anmeldedatum : 08.02.12
Alter : 36
Ort : München

BeitragThema: Kapitel 107-108   Do Feb 09, 2012 3:03 am

Harry im Cottage II

Dracos Sicht

Ich drehte ihm, dem großen Trottel Potter, bewusst den Rücken zu, schritt entschlossen auf Hermione zu, die noch immer etwas verloren auf dem Sofa saß, und begrüßte sie mit einem liebevollen Kuss auf die Stirn. Sie schenkte mir ein leichtes, melancholisches, aber dankbares Lächeln, was ich erwiderte. Wir widmeten dem hirnlosen Subjekt erst mal keine Beachtung mehr, doch dann sah ich zu, dass ich schnell in den großen Sessel vor dem Kamin kam, von dem aus ich das Schauspiel beobachten konnte. Vor Vorfreude hätte ich mir am liebsten die Hände gerieben.

Jetzt würde der Spaß beginnen und das wollte ich genießen.

Potter war so geschockt gewesen, wie erwartet, aber auch so dumm, wie erwartet, was meinen Auftritt nur noch amüsanter gestaltet hatte. Ich lehnte mich relaxed zurück, überschlug die Beine, verschränkte die Arme vor der Brust und beobachtete alles gespannt. Mal sehen, wie dämlich er noch sein konnte!

Ich sah großes Potential in ihm!

Potter stand immer noch wie vom Donner gerührt da, halb eingefroren in seinem Sprung, mich anzugreifen, doch ich konnte deutlich erkennen, dass seine starre Haltung sich langsam wieder veränderte. Er sank in sich zusammen, denn das alles hier schien ein bisschen viel für ihn zu sein, herrlich. Ich hatte ihm seine beleidigenden Schmähungen durchgehen lassen, obwohl ich ihn gerne verhext hätte oder auch nur meine Faust in sein Gesicht hätte rammen wollen, aber ich hielt mich beherrscht zurück, da ich wusste, das hätte Hermione nicht gepasst und dann hätte ich mir ihren Zorn zugezogen. So amüsierte ich mich mehr über Potters absolut dümmliches, sehr blasses Gesicht. Mit dem offenstehenden Mund, sah er nicht sehr intelligent aus.

Daphne musterte ihn ungläubig, wirkte selbst, als könne sie sich noch nicht ganz entscheiden, ob sie ihm um den Hals fallen sollte, oder ob er ein Geist war, schließlich entschied sie sich offensichtlich. Ich verfolgte, wie sie langsam auf ihn zuging, mit einem glücklichen, sehr verklärten Ausdruck auf dem Gesicht, seine Hände ergriff und ihn dabei gebannt anstarrte.

„Harry, du bist hier!“, hauchte sie inbrünstig, das war bäh. Wie konnte man sich nur so freuen, den Idioten zu sehen?

Potter schien total überrumpelt und starrte Daphne wie eine unerwartete Erscheinung an. Es würde wohl noch dauern, bis er meinen Auftritt verdaut hatte. Kurz schielte ich zu meiner Hermione, die sich langsam zu entspannen schien und das freute mich. Auch wenn mir dieser dramatische Auftritt gefallen hatte, dass ihr so unbedacht wehgetan worden war, von dem Dummkopf namens Potter, gefiel mir ganz und gar nicht. Hoffentlich schaltete der bald sein Spatzenhirn ein.

Nun schien Potter endlich seine Sprache wiedergefunden zu haben, hatte ja auch lange genug gedauert.

„Daphne, du bist hier… aber wie?“ Blankes, entsetztes Erstaunen lag in Potters Stimme und er blinzelte treu doof hinter seine Brille herum.

Ich beobachtete, wie Daphne lächelnd ihren Kopf hob und zu Hermione sah und Potter folgte ihrem Blick, langsam, echt langsam, schien auch er zu begreifen. Der stand ja schon fast in Konkurrenz zu Crabbe und Goyle, so schwer von Begriff konnte man doch nicht sein, das wurde auch Zeit. Er verzog verwirrt sein Gesicht und schüttelte erschüttert das wirre Haupt.

„Hermione, du warst das? Nicht Zabini? Du hast dafür gesorgt, dass Daphne nicht nach Hause musste?“, hauchte er nun sehr überrascht und klang gerührt bei seiner Frage.

Ich hielt meinen Blick fest auf meine kleine Hermione, hoffte, ihr ging es langsam besser. Vielleicht hätte ich mich zu ihr setzen sollen, aber nun gut, so ging es auch.

„Nicht nur das, Harry, sie hat auch Astoria hierher geholt. Es ist wie im Paradies hier, Harry, das kannst du dir nicht vorstellen, so schöne Ferien hatten wir noch nie. So ohne alle Forderungen an uns, sie hat hier ein Paradies erschaffen! Ich… wir sind ihr so dankbar!“, schwärmte Daphne, in glockenklarem Sopran und mit einem strahlenden, ehrlichen Lächeln auf den Lippen. Sie wirkte sehr aufgeregt, als sie ihm dies alles so atemlos beschrieb.

Oh, dieser Trottel hatte es noch immer nicht begriffen, denn jetzt fing er wieder an, ungläubig zu stottern.

„Aber… aber warum tust du das, Hermione, wie hast du das gemacht? Hast du das nur wegen mir getan?“, fuchtelte er mit seinen Händen durch die Gegend.

Ich erkannte, dass sie antworten wollte, doch ich fand, Potter musste noch mal einen Schuss vor den Bug erhalten, damit er es endlich begriff.

„Hast du´s immer noch nicht begriffen, Potter? Ihr erster Antrieb warst du. Sie tut zwar nicht alles für dich, aber sehr viel. Natürlich hat sie Daphne und Astoria nur wegen dir hergeholt. Du hast sie nicht mal darum bitten müssen, sie hat es einfach für dich getan und jetzt überleg mal, warum sie das konnte… schalte dein, ja offensichtlich leider nicht vorhandenes, Hirn ein. Ich gebe dir einen Tipp, sie hatte Hilfe vom „Feind“!“, zischte ich ihm das Letzte in bester Malfoymanier verachtend entgegnen.

Ich durfte befriedigt miterleben, wie er große Augen bekam, doch ich schüttelte nur fies grinsend den Kopf, gab den Stab an Blaise weiter, der sich dann auch eilig einschaltete.

„Oh, das habe ich organisiert. Hallo, Potter, Harry Potter! Blaise, mein Name und ich tu doch alles für unsere Schönste hier, falls du fragen solltest, warum ich Hermione helfe… ich tue es halt, wie alle hier. Ach ja, dass sie Dracos Freundin ist, spielt natürlich auch eine Rolle, aber eine untergeordnete…“, erklärte Blaise mit ruhiger, samtiger Stimme, bevor er doch zu flirten anfing, dabei zeigte er sein umwerfendes Lächeln.

Blaise, wie voraussichtig und einfühlsam er doch immer war. Seine Verschlagenheit lauerte wirklich gut versteckt unter diesem verdammt schönen und einnehmenden Lächeln. Aber auch er war nicht zu Unrecht eine verdammte Schlange, wie ich nur zu gut wusste, denn nicht umsonst war er meine Rechte Hand im Hause Slytherin.

Nun zeigte Potter uns wieder, wie begriffsstutzig und wahrlich langsam er doch war, indem er Blaise wortlos anstarrte und mein genervter Blick ging zu den Twins, die alles genauso entspannt und grinsend beobachteten wie ich. Er gab einem aber auch Steilvorlagen, um sich über ihn zu amüsieren.

Aber auch Daphne fiel offensichtlich auf, dass Potter so gar nichts raffte, da sie nun mit ihren Armen rumwedelte.

„Na, Hermione hat Blaise beauftragt, uns zu sich einzuladen und dann hat uns Blaise zu Beginn der Ferien hierher gebracht. Wir waren ziemlich überrascht, die Weasleyzwillinge hier zu treffen, sie leben hier, musst du wissen und als dann auch noch Abrax…. Hermione herkam, war ich total baff, aber sie ist so lieb. Harry, das glaubst du gar nicht, wir sind ihr so dankbar, dass sie uns geholfen und hergeholt hat und das alles nur wegen dir. Sie hätte uns sicher niemals geholfen, wenn du ihr nicht erzählt hättest, wie es bei uns zu Hause ist. Bitte, du darfst nicht böse auf sie sein…“, bettelte sie mit leiser, seufzender Tonlage und erlangte damit seine Aufmerksamkeit.

Oh ja, Daphne machte das gut, mit was für großen, bittenden Kulleraugen sie ihn nun ansah, da konnte man ja nur weich werden, zumindest wenn man kein Malfoy war, aber ich war auch auf meine kleine Slytherin stolz. Sehr schön, wie sie Potter um den kleinen Finger wickelte. Dieser blickte nun intensiv, mit verklärtem Blick auf ihre zarte, zierliche Gestalt hinab, echt bemitleidenswert. Ich fand, er zeigte einen dämlichen Blick aus seinen ausdrucksstarken, so grünen Augen.

Ah, Potter schien endlich wirklich zu begreifen, was die Worte seiner Freundin bedeuteten, denn der Blick, den er Hermione nun schenkte, sprach Bände und das schlechte Gewissen schien Einzug zu halten. Er rang sich offenbar eine Entscheidung ab, straffte sich und löste sich bestimmt von Daphne, die immer noch glücklich und selig lächelte. Dann ging er langsam zu Hermione. Er ließ sich sogar vor ihr, vor dem Sofa, auf die Knie sinken, wohl um ihr besser in die Augen sehen zu können. Wie gut, dass ich genau wusste, was sie für ihn fühlte, ansonsten wäre ich wohl dazwischen gegangen, aber einen Kommentar konnte ich mir trotzdem nicht verkneifen.

„Kapierst du es endlich, Potter. Sie verdient den größten Respekt, den du geben kannst. Lass dir alles von ihr erzählen, aber verurteile sie nie. Ich meinte es vollkommen ernst vorhin, meinen Respekt hat sie immer. Wag es ja nicht, sie jetzt wieder so anzufahren, ich werde dazwischen gehen, das war keine leere Drohung. Vor ihr zu knien ist schon mal ein guter Anfang für dich!“, kam es giftig von mir, war das gehässig, ja das war es, aber da unten gefiel er mir ganz gut.

Meine Stimme klang ernst, kalt und so funkelte ich ihn auch einschüchternd an, als er jetzt mich misstrauisch ansah und ich stellte zufrieden fest, dass er wie geschlagen und traurig wirkte. Dass Potter mir das so offen zeigte, war schon erstaunlich, auch wirkte er total überfordert mit den vielen Informationen. Potter so zu sehen war wirklich eine Freude und ob ich ihm wirklich eine Chance geben würde, wie Hermione gebeten hatte, wusste ich noch nicht, erst mal musste der Trottel sich beweisen.

Damit konnte er jetzt beginnen, indem er sich entschuldigen würde, denn ich mochte es gar nicht, wenn sich einer wie Potter so eine negative Meinung über Hermione erlaubte.

Er kniete immer noch vor ihr und sie hatte erst mich gefasst angesehen, während ich sprach, doch jetzt richtete sie ihren intensiven Blick wieder auf ihn und ich konnte nur zu deutlich in den Tiefen ihrer Augen ausmachen, dass sie noch immer traurig und getroffen war, aber auch sehr in sich ruhend, da sie mit so einem Ausbruch gerechnet hatte.

Ich beobachtete skeptisch, wie er ihre Hände ergriff. Das gefiel mir nicht, aber ich riss mich zusammen. Schließlich schluckte er schwer und dann sprach Potter leise und alle schienen wie gebannt zuzuhören. Die Spannung war fast greifbar. Die Twins lehnten sich unmerklich vor, wohl um alles genau mitzubekommen. Daphne stand immer noch zwischen dem Sofa und der Gartentür und wartete und Blaise, der mit Astoria am Arm hinter ihr stand, lauschte auch gebannt.

„Hermione, es tut mir leid, dass ich so ausgerastet bin, mein Temperament… du weißt? Kannst du mir verzeihen? So schwer es mir fällt, das zuzugeben, aber Malfoy hat recht, mein Herz gehört ja auch dem „Feind“, auch wenn ich deine Wahl im Haus des Feindes immer noch nicht ganz nachvollziehen kann“, schüttelte Potter bei seinen so bedachten Worten unglücklich den Kopf.
Oder doch nicht so bedacht? Ich bemerkte, wie Daphne hörbar die Luft einsog und ihn erstaunt musterte, offenbar hatte er gerade mehr offenbart als Daphne bisher gewusst hatte, sehr schön. Das machte hier wirklich Spaß, ich hatte mich nicht umsonst gefreut, dieser Trottel ließ kein Fettnäpfchen aus, auch wenn er sehr unterwürfig klang.

Ich beobachtete zufrieden, wie mein Mudblood sachte zu lächeln anfing, wie der traurige Ausdruck aus ihren Augen langsam verschwand und wie sie sich wieder etwas aufrichtete.

„Ich verzeihe dir! Schön, dass du das eingesehen hast, Harry, und Harry, gib Draco eine Chance, so schlimm ist er gar nicht, zumindest nicht so schlimm, wie du denkst, aber ich bin ja auch kein Unschuldslamm“, lachte Hermione da rau und leicht bitter auf, dann fuhr sie fort, „denn wenn du dich von mir abgewandt hättest, wäre es wirklich schwierig geworden. Außerdem weißt du doch, Harry, ich gebe mich immer nur mit dem Besten was ich erreichen kann zufrieden…“ In ihren Augen funkelte es verschlagen, als sie mich nun kurz ansah.

Nun überraschte mich Potter wieder und ich hob eine so helle Braue.

„Das hätte ich nicht getan, Hermione! Nie! Ich habe dir doch mal etwas gesagt: ich liebe dich! Immer, egal was passiert und das gilt. Ich bin kein wankelmütiges Blatt im Wind, ich denke ab und zu darüber nach, was ich sage und das in Umbridges Büro habe ich ernst gemeint, ich gehöre zu dir! Auch wenn mir nicht gefällt, was ich höre und ich schwer daran zu beißen habe, deine Entscheidungen zu akzeptieren und vor allem… den da!“, erklärte er, dabei zuckte sein Kopf in meine Richtung, aber seine Stimme klang ernst und fest und nun presste er die Lippen entschlossen aufeinander, dabei hielt er noch immer ihre Hände fest in seiner Hand.

Ich sah deutlich das Erstaunen in ihren Augen und die Freude und ich konnte ein unwilliges Grummeln nicht unterdrücken, als sie nun ungewohnt bewegt aufsprang, um den knienden Potter freudig und sehr stürmisch zu umarmen. Sie hielten sich lange und fest im Arm, schließlich ging ich dazwischen, zumindest verbal, denn den Kitsch hielt man nicht aus.

„Das reicht, sie ist meine Freundin, Potter, deine ist da drüben, begrüße sie doch mal endlich wie sich das gehört und hör auf, meine zu erdrücken!“, forderte ich genervt und deutete auffordernd auf Daphne.

Er löste sich gehorsam von Hermione, stand auf und ging, jetzt schon wieder etwas selbstsicherer, auf Daphne zu, die ihn fragend ansah, aber auch verstehend lächelte. Mal sehen, ob der Trottel das wieder hinbekam. Ich trat zu Hermione und schloss sie in die Arme, war froh, dass es ihr jetzt wieder besser ging.

„Lass uns raus gehen, wie Potter Daphne einen vorsäuselt will ich echt nicht hören!“, flüsterte ich leise, woraufhin sie nickte.

„Auja, ich hab auch schon einen riesen Hunger, hast du dich am Grill versucht?“, kam es übertrieben gut gelaunt von ihr.

„Mist! Blaise, der Grill, du schaust nach!“, befahl ich eilig, als mir das siedend heiß einfiel.

Blaise spurtete los, er schien das auch vergessen zu haben und die Twins folgten ihm schnell. Ich legte nun besitzergreifend meinen Arm um Hermione, zog sie mit mir zur Terrassentür und als wir an Astoria vorbeikamen, die noch neugierig ihre Schwester beobachtete, bot ich ihr meinen Arm galant an.

„Komm, Astoria, das wollen wir uns doch nicht wirklich antun…“, forderte ich und war ganz der Malfoy.

Sie schien gefesselt und nicht wirklich geneigt zu sein, sich abzuwenden, schien hin- und hergerissen mir zu gehorchen oder ihre Schwester ausspionieren zu wollen und ich beging den Fehler und warf einen Blick zurück! Bäh, hätte ich mal lieber nicht tun sollen, Daphne lag in Potters Armen und betrieb Mund-zu-Mund-Beatmung.

Nein, auf gar keinen Fall und so ließ ich meine Autorität etwas walten.

„Willst du mir widersprechen?“, fragte ich harsch und Hermione kicherte verhalten auf.

Astoria schüttelte schnell den Kopf und hakte sich ein, brav so, meine kleine Slytherin. Zu dritt verließen wir das Haus, traten in den wirklich malerisch verträumten Garten, der sehr krass im Gegensatz zu dem des Manors stand. Galant führte ich die beiden Frauen an meiner rechten und linken zu der kleinen Laube, wo die Twins schon den Tisch gedeckt hatten und Blaise und sie gerade den Grill herzurichten versuchten. Die Kohle war wohl schon richtig abgebrannt. Na, dann würde ich denen mal zeigen, was kochen und grillen hieß.

Ich führte die beiden zum Tisch, entzog Astoria meinen Arm und rückte zuerst ihr einen Stuhl zurecht, dann führte ich Hermione zum Kopf der Tafel, da gehörte sie hin und bot ihr diesen Stuhl an.

„Ich bringe den Twins mal grillen bei, bis gleich, mein Mudblood“, flüsterte ich, sie lächelte freudig und erwiderte:

„Bis gleich, mein Purebood, ich hab Hunger, also beeilt euch!“

Sie befahl schon, wie eine echte Malfoy und ich wusste, wie viel ihr dieses freundschaftliche Beisammensein bedeutete und selbst mir gefiel es, ohne Potter, versteht sich.

Ich nickte huldvoll und trat, sie anblickend, ein paar Schritte zurück, dann lief ich schnell zu den Twins und verkündete, noch bevor ich sie erreichte, laut:

„Lasst mich das mal machen, ich zeig euch, wie das geht! Ihr Chaoten könnt das nicht!“

Dracos Sicht Ende

Hermiones Sicht

Ich verfolgte, wie Draco nun zu dem Grill eilte und vernahm, wie die Twins vehement bestritten, ihn zu brauchen. Ich hatte die Vorfreude in seinen Augen aufblitzen sehen, als er so eitel auf die drei zugeeilt war und sie in gewohnter Art herumscheuchte, einfach köstlich, Draco in Aktion zu erleben.

Wie er gerade mit seinen Händen sprach und seinen Unmut äußerte und alles um sich herum delegierte und anwies, einfach fantastisch. Er war ein geborener Anführer, der Befehle aussprach, ob es jetzt darum ging einen Grill zu beherrschen, oder Truppen in der Schlacht zu führen, er war der Herr des Ganzen, behielt den Überblick. Auch war ich dankbar, dass er so beherrscht geblieben war, als Harry derart ungehalten aufgebraust war. Es hätte mich wahrlich gewundert, wenn Harry dies alles stoisch hingenommen hätte, auf der anderen Seite hatte er bis zu Draco sehr human reagiert, früher wäre er schon viel eher in die Luft gegangen.

Harrys Art sich zu entschuldigen hatte mir viel bedeutet. Ich wollte keinen Dank für das was ich leistete, da ich dies auch für mich tat. Ich wollte nicht in einer vom Dark Lord regierten Welt leben. Und dafür war ich auch bereit zu kämpfen, wie wir alle wussten und Harry würde auch bald lernen, richtig zu kämpfen. Ich hatte viel mit ihm vor und da war es wichtig, dass wir die Differenzen ausräumen konnten und Draco war mir dabei eine unglaubliche Hilfe gewesen. Ich war froh, ihn gefunden zu haben, denn wenn ich ihn so betrachtete, sah ich seine Stärke, die er eben so beeindruckend gegenüber Harry demonstriert hatte, auch in so einer banalen Tätigkeit wie dem Grillen durchschimmern.

Und er machte, unter Anbetracht, dass solche Chaoten wie die Twins mit von der Partie waren, seine Sache ausgezeichnet, darin sah man sein Genie und ich war mir sicher, er würde auch eine Basis finden, wie er mit Harry umgehen konnte!

„Du tust ihm gut!“, meinte nun Astoria abrupt, die mich nett lächelnd ansah. Ich konnte viel von ihrem Gesicht ausmachen, da sie sich das Haar straff zurückgebunden hatte und ich hob fragend eine Braue, während ich meinen Pashmina abwarf und man mein T-Shirt mit dem Totenkopf nun gut sehen konnte. Jetzt war es an Astoria, große Augen zu bekommen.

„Findest du?“, forschte ich doch neugierig nach und flüsterte ihr dies zu, denn Draco würde es gar nicht zu schätzen wissen, wenn er wüsste, dass er unser Gesprächsthema war.

„Oh ja, sehr, früher war er nie so, immer nur der unnahbare, schlechtgelaunte Boss, nie auch der Boss zum Anfassen. Nicht dass wir uns alle ihm nicht freiwillig unterwerfen, aber jetzt, da er zeigt, dass er sehr wohl auch mal ein Mensch… sein kann, tue ich es doppelt so gerne und das haben wir nur dir zu verdanken, du scheinst ihn glücklich zu machen!“, flüsterte sie heiser, da ihr offenbar mitten im Vortrag doch Zweifel zu kommen schienen.

Aber ich beruhigte sie, indem ich ihr auf die Hand klopfte.

„Solange du nicht vergisst, ihn respektvoll zu behandeln… und vergiss nicht, dass du in deinem Haus nie anmaßend zu ihm sein solltest, nicht dass er dir etwas tun müsste, es würde ihm leid tun!“, meinte ich freundlich, aber auch maßregelnd zu ihr und sie nickte verschüchtert, als Blaise zu uns trat.

„Hey, die Damen… bitteschön, was hättet ihr gerne, Weißwein oder Rotwein?“, fragte er jovial und machte uns den Diener.

„Ich nehme Weißwein!“, lächelte ich erfreut und beobachtete nun, wie er mir die gekühlte, fast blassgoldene Flüssigkeit ins Glas schenkte.

„Und was ist mit dir, Astoria?“, fragte er charmant und sie hielt ihm ihr Glas hin und schenkte ihm einen flirtenden Augenaufschlag, dabei überging er geschickt diesen zarten Versuch von ihr, denn er schenkte ihr auch den weißen galant ein, aber sonst ging er nicht auf die Vorlage ein. Ich überlegte kurz, ob ich etwas sagen sollte, schließlich war sie gerademal 14, aber andererseits… nicht meine Aufgabe und ich hatte in diesem Alter schon ganz andere Flüssigkeiten zu mir genommen.

Plötzlich hörten wir ein lautes Lachen vom Grill kommen und das lauteste war, zu unserem Erstaunen, von Draco, der sich halb totlachte, warum auch immer. Blaise verdrehte die Augen und ich zog fragend die Braue nach oben.

„Ach… ich wollte das auch hören, es geht um neue Erfindungen, aber Draco hat wohl so lange gebohrt, bis ich vergessen war!“, bekannte er resigniert und nun fing ich an zu lachen, denn ja, wenn die Malfoys eines konnten, dann war es nerven, aber wie!

„Oh, da kommt wer und die drei am Grill haben noch nicht mitbekommen, dass die kommen. Potter schaut gerade selten blöd, wenn du mich fragst!“, kam es wie gewohnt charmant von der Schlange und ich wandte den Kopf, verfolgte, wie Harry im Garten stand und dieses wilde Gartenparadies erstaunt bewunderte. Es war alles ein bisschen viel auf einmal für ihn.

„Ihr solltet Harry nicht immer so unterschätzen, er kann viel und sieht viel, er ist weder dämlich noch blöd, nur bei ihm passiert immer so viel auf einmal, da möchte ich euch mal sehen, wie ihr das immer in kürzester Zeit verkraften wollt!“, verteidigte ich ihn herzhaft.

„Das stimmt, Schönste, aber mal ehrlich, bei dir ist es doch genauso und du schaust nie so dumm aus der Wäsche!“, warf Blaise gehässig ein und beobachtete die beiden immer noch.

„Das kommt daher, Blaise, weil er noch ein Herz hat und das ist gut. Und ich, nun… nicht jeder kann so sein wie ich!“, gab ich ihm leidlich zu bedenken und blickte ihnen eindringlich entgegen. Harry und Daphne waren hübsch zusammen.

Nun näherte sich uns das glückliche Paar und ich sah, wie Harry die Frau an seiner Seite anhimmelte und sie auch ihn. Mann, waren die zwei schon gefährlich ineinander verschossen, wodurch meine Augenbrauen ungeahnte Höhen erreichten. So sahen wir uns am Tisch an und rollten mit den Augen. Da würden die im Cottage aber viel Spaß bekommen, wenn das Pärchen den ganzen Tag so schmachtend sein würde.

Irgendwann würde ich sie in ein Zimmer sperren und sie erst wieder herauslassen, wenn sie miteinander gepoppt hätten, sonst würden sie nie auszuhalten sein. Aber die Twins und die zwei Schlangen hier, die schon einen listigen Ausdruck in ihren Augen zeigten, würden sich der Sache schon vertrauensvoll und verantwortungsbewusst annehmen und so grinsten wir drei uns sehr fies an. Wir mussten wohl alle dasselbe denken. Unglaublich, was waren wir ein böser Haufen, dachte ich da nur sarkastisch. Mit uns als Freunden brauchte man wahrlich keine Feinde mehr!

Als ich nun mitbekam, dass Harry ungläubig zum Grill starrte und mehr von Daphne geführt werden musste, damit er nicht fiel, kicherte ich, aber es schien, als könnte er seinen Blick nicht von der so fröhlichen Runde abhalten. Draco begann gerade, alles gewissenhaft zu drehen und auf seinen Befehl hin legte einer der Twins etwas nach. Seitdem er der Grillmeister war, brannte offenbar nichts mehr an. Wie es aussah, kam Harry erst jetzt zu Bewusstsein, dass die Twins da waren und einen mehr als intimen, einen sehr freundschaftlichen, Umgang mit Draco pflegten. Er sah sehr schockiert auf die Szene vor sich und kam ins Straucheln, fast fiel er hin.

„Hi, Harry, setz dich doch, wie gefällt dir alles?“, fragte ich nach, während Daphne Harry Halt gab.

Ich war froh, dass er sich so schnell gefangen hatte und aufgrund der Twins nicht nochmal einen Anfall bekam, obgleich ich ahnte, dass er noch nicht fertig war. Harry vergrub immer viel in sich und dann kam der erneute Ausbruch, aber ich wusste, die Aussage, dass er mich, egal was passierte, liebte, konnte ich ihm glauben und ich rechnete es ihm hoch an. Dass er nach der Offenbarung, dass Sirius von Draco ersetzt worden war, überhaupt noch mit mir sprach, war fast ein Wunder.

„Wie geht es deiner Hand?“, blickte ich ihn besorgt an.

„Es ist ein Traum, ich habe nie zu hoffen gewagt, jemals in einer solchen Umgebung die Ferien zu verbringen, wirklich nicht!“, ging er nicht darauf ein, weswegen sich Daphne einmischte.

„Ich habe sie geheilt!“, informierte sie mich leise wispernd und ich nickte ihr dankbar zu und so antwortete ich auf seine vorhergehende Aussage.

„Da musst du Fred und George deine Hochachtung aussprechen und seit Ferienbeginn auch Blaise und den Mädels hier!“, zeigte ich lobend in die Runde.

„Echt, wie das?“, zeigte er sich neugierig.

„Nun, die Twins wohnen hier immer. Ich hab es ihnen angeboten, nachdem sie die Schule geschmissen haben…“, erklärte ich Harry die Umstände und er lauschte interessiert.

„Ja, und seitdem wir da sind zwingen sie uns, jeden Tag an dem Garten zu arbeiten, als Überraschung für Hermione und Draco!“, unterbrach mich Astoria leidlich, was mich Schmunzeln ließ, aber Daphne herausforderte, ihr einen Klaps auf die Hand zu geben.

„Aua“, jammerte die Kleine übertrieben, dabei funkelte sie ihre Schwester böse an, während Harry seine Freundin schief ansah und ich sagte gar nichts, da Daphne so aussah, als würde sie gleich loslegen.

„So habe ich dich nicht erzogen… du hast Hermione nicht zu unterbrechen, bist du irre?“, zischte sie da ungehalten.

„Lass es gut sein, Daphne!“, wandte ich nett ein, denn ich bemerkte Harrys Unverständnis über die Auseinandersetzung der Schwestern, wobei Astoria längst ihren Kopf gespielt gescholten eingezogen hatte, diese Kleine hatte es faustdick hinter den Ohren.

„Nein, Hermione, wenn sie das bei Draco bringt kommt sie nicht so leicht davon, darf sie nicht davon kommen!“, wandte sie ein, dabei musste ich ihr im stillen recht geben, wenn sie dies vor Draco oder noch schlimmer bei ihm selbst getan hätte, hätte ich nicht mit ihr tauschen wollen. Er durfte, auch wenn es ihm manchmal nicht passte, so was nicht durchgehen lassen, selbst nicht bei den Leuten, die er mochte, sonst verlöre er den Respekt der Slytherins.

„Wer kommt mir nicht davon?“, trat Draco mit einem Weinglas in der Hand leger auf uns zu.

„Nichts, Draco!“, sagte ich da bestimmt, was ihn seine elegante Braue heben ließ, aber er akzeptierte und bohrte nicht nach, doch da antwortete Harry, Mist aber auch.

„Ich versteh das nicht, Malfoy, aber es geht darum, dass Astoria Hermione unterbrochen hat…“, schaute Harry perplex in die Runde und ich rollte mit den Augen, wobei es ein Fortschritt war, dass Harry überhaupt Draco ansprach.

„Astoria… ist dem so?“, kam es nun lauernd vom großen Blonden.

Astoria sah ihn nicht an sondern senkte schleunigst schuldig das Haupt und nickte ängstlich, während ich ihm einen missbilligenden Blick sandte.

„Meine Liebe, pass nur auf, dass dir das nicht außerhalb des Cottages passiert, die Folgen wären nicht schön, niemand hat Hermione… oder mich zu unterbrechen!“, erklärte er gespielt samtig und sie nickte wieder und er stöhnte auf. „Sag was, ich will es hören!“

Ich, die ihn so gut kannte, sah genau in seinen Augen, dass ihm das hier auch nicht gefiel, aber es musste sein.

„Es tut mir leid, Draco, es wird nie wieder passieren!“, wisperte sie vorsichtig.

„Braves Mädchen, aber da wäre noch Hermione!“, trank er nun einen Schluck von seinem Rotwein, während Harry vollkommen überfordert wirkte, wegen dem was hier passierte.

Sie wandte sich leutselig mir zu: „Tut mir leid, Hermione, ich tue es nicht wieder.“

„Schon in Ordnung, Astoria!“ Mir behagte das hier gerade nicht wirklich und so winkte ich lässig ab.

„Blaise, unsere Gäste haben noch nichts zu trinken, was wollt ihr, Weißwein oder Rotwein?“, spielte Draco die Rolle des Gastgebers perfekt und deutete auf Harry und Daphne.

„Ich nehme Rotwein“, meinte da Daphne gelöst, für sie war die Schelte beendet und sie war froh, dass sie so sanft ausgefallen war, aber Harry saß etwas belämmert da, denn so einen Umgang kannte er nicht.

„Und du, Potter?“, fragte nun Blaise, der gerade den Wein einfüllte, als Harry hochschreckte.

„Ähm… Weißwein… denke ich…“, meinte er da nur unsicher.

„Da fehlt ein Glas…“, hatte Draco dies schon erspäht und Daphne sprang eilig auf die Füße.

„Ich hole es aus der Küche!“, rief sie eilfertig und rannte weg.

Ich schaute zu Harry, der ihr stirnrunzelnd hinterher sah und das Ganze verwirrt beobachtete. Er konnte sich wohl keinen Reim auf das gerade Geschehene machen und ich wandte mich leise, flehend zu ihm, während Blaise gerade mit Draco sprach.

„Bitte, wenn ich das nächste Mal sage, dass Draco es nicht zu wissen braucht und er es auch noch freiwillig akzeptiert, dann halt den Mund, es ist für alle besser so. Ich erkläre es dir später...“

Er blickte mich noch entrückter an, verstand noch weniger und bevor ich weiter erklären konnte, fragte er laut:

„Was soll das, Malfoy, was gibt dir das Recht, die anderen so herumzuschubsen? Und wieso lassen sie es sich gefallen und wieso hätte ihr Verhalten außerhalb des Cottages Folgen? Sie hat doch nur Hermione unterbrochen, das ist doch nicht schlimm. Zwar nicht höflich, aber im Endeffekt doch keine schlimme Sache. Ich versteh es nicht!“

Super, Harry, ganz toll, jetzt würde es den nächsten Krach geben, was sollte ich denn da tun, mich zwischen die Streithähne stellen? Draco hatte sich zu ihm umgewandt und ich sah, dass hinter ihm gerade Daphne zurückkam.

„Hier Draco, das Weinglas…“, meinte sie höflich, sie hielt es Blaise auffordernd hin, damit der den Wein eingießen konnte, doch Draco unterbrach Daphne unwirsch, erhob abwehrend seine Hand.

„Jetzt nicht, Daphne, ich muss mit Potter was klären!“

Währenddessen hatte er die ganze Zeit Harry im Auge behalten, keinen Blick auf Daphne geworfen und sie wirklich unfreundlich abgekanzelt, aber auf seine typische Art und Weise, Malfoy halt. Harry sprang auf, war wieder kurz davor wirklich aufzubrausen, denn dass er Daphne so behandelte ging sicher gegen Harrys Gerechtigkeitssinn.

„Was soll das Malfoy? Niemand redet so mit meiner Freundin, nur weil du der ach so tolle Malfoy bist, hast du noch lange nicht das Recht dazu…“

Er wollte weiter schimpfen, doch nun unterbrach ihn Draco, der die Arme vor der Brust verschränkt und sich wieder drohend vor Harry auf der anderen Seite des Tisches aufgebaut hatte. Ganz toll, Harry links von mir, Draco rechts von mir und ich saß noch immer direkt dazwischen.

„Ganz richtig, Potter, du hast es erfasst, ich bin ein Malfoy, mir hat man zu gehorchen! Die Slytherins haben mir zu gehorchen und das aufs Wort. Daphne weiß ganz genau, wo ihr Platz ist, genau wie alle anderen hier und in meinem Haus. Ja, mein Haus. Bei uns geht es nicht so locker und undiszipliniert zu wie bei den Gryffindors. Wenn ich etwas sage, haben sie zu gehorchen und auch Hermione haben sie den gleichen Respekt entgegenzubringen wie mir! Wir Slytherins sind eine verschworene Gemeinschaft, wir halten zusammen, stehen als eine Front nach außen hin zusammen und stehen hinter unserem Anführer, so war das immer und wird es immer sein. Slytherins brauchen Struktur und Hierarchie, sie kennen es nicht anders und ich bin ihr Anführer!“, brauste er auf und er war immer lauter geworden, hier ging es um seine Stellung den Schlangen gegenüber, da war jeder Widerspruch verboten.

Mir gefiel gerade so gar nicht, wie sich das entwickelte. Nicht weil Draco sich so verhielt, nein, so war er einfach und das akzeptierte ich ja auch, aber so hätte Harry das nicht erfahren müssen und ich spürte zu deutlich, gleich würde Harry explodieren.

„Keiner hat so mit meiner Freundin zu reden, auch nicht du, Malfoy!“, zeigte er keine Scheu oder Furcht vor Draco, sondern stand seinen Mann.

Draco maß Harry nur von oben herab, überlegte wohl noch ob er darauf überhaupt noch mal antworten sollte und schüttelte herablassend den Kopf, doch bevor ich mich zu einem Einschreiten durchringen konnte, dies hier war dann doch recht kompliziert, meldete sich Daphne leise:

„Draco, dürfte ich es ihm erklären?“

Ja, sie wusste wirklich, wie man mit ihm umgehen sollte. Sie fragte so untergeben wie erwünscht und er wandte jetzt wirklich kurz seinen Kopf zu ihr, maß sie abschätzig, doch dann nickte er leicht und gab ihr mit einem kurzen Wink seiner Hand das Einverständnis. Dann ließ er sich auf den Stuhl neben mir sinken, lehnte sich nun sichtlich entspannt zurück und schien ab jetzt alles beobachten zu wollen.

Schon beeindruckend, wie er sich zurücklehnte, die Beine überschlug und die Arme verschränkte. Daphne, die noch immer stand, wandte sich noch mal mit fragendem Blick an ihn.

„Fang schon an, das Essen wird kalt“, herrschte er sie nun ungeduldig an.

„Harry, du musst das verstehen. Bei den Slytherins gibt es immer einen Hauschef und das ist eben immer der Stärkste, welcher sich am besten durchsetzen kann oder welcher den meisten Einfluss hat und Draco vereint beides in sich und noch mehr. Seit seinem zweiten Jahr ist er der unangefochtene Chef des Hauses und wenn er etwas sagt, haben wir alle dem zu folgen. Draco repräsentiert Macht, Stärke, Einfluss und Reichtum im Überfluss, niemand in Slytherin würde sich einem Befehl von Draco widersetzen, aber er schützt uns auch, wir folgen ihm gerne. Er ist ein guter Führer!“, erklärte sie ihm einfühlsam.

Ich bemerkte überrascht, wie die Twins bei diesen Worten hinterlistig grinsten und Blaise nickte zustimmend, genauso wie Astoria. Harrys Blick hingegen wurde immer erstaunter, langsam ließ er sich wieder auf seinen Stuhl sinken.

Nun setzte sich auch Daphne neben ihn hin und ergriff seine Hand, fuhr fort: „Jeder hat ihm und auch Hermione zu gehorchen. Sie ist diejenige, die er erwählt hat und ihr zollen wir genauso viel Respekt wie ihm. Es ist sehr freundlich von ihm, wenn er uns hier im Cottage tun lässt, was wir wollen und es war auch sehr freundlich von ihm, dass er Astoria gerade nicht bestraft hat, aber sie weiß, dass sie eine Strafe zu erwarten hätte, wenn sie sich außerhalb des Cottages so respektlos ihm oder Hermione gegenüber verhalten würde…“

„Sie hat Recht, Harry, Draco ist der Chef, was er sagt wird gemacht, so ist das einfach. Und unsere Schönste hier vertritt ihn wunderbar, wenn er nicht da ist!“, warf Fred kurz ein.

Da erstaunten selbst mich Freds so saloppe Worte, die seine Anerkennung dieses Umstandes zeigten. Die Twins hatten sich bisher erstaunlich zurückgehalten.

Ich hatte gespannt gesehen, wie Harry seinen Kopf schnell zu Fred umwandte und dass er nun noch verwirrter war, aber bevor er etwas fragen konnte sprach Daphne weiter:

„Harry, du musst einfach verstehen, Draco führt die Slytherins und das tut er gut, daher haben wir alle Achtung vor ihm, nicht nur weil er uns bestrafen würde, wenn wir nicht gehorchen würden, sondern weil er auch oft bewiesen hat, dass er verdient, dass wir ihm folgen. Und Hermione wird genauso respektiert, auch wenn die anderen nicht wissen, wen sie da vor sich haben, denn sonst würden sie sie sicher nicht so respektieren und fürchten wie sie es tun, dann würden sie vor Angst sterben, nach dem Schock und der Erkenntnis, wer sie so das Fürchten gelehrt hat , aber sie ist die Nummer zwei in Slytherin, da geht kein Weg vorbei!“

Ich erkannte, dass Daphne Harry sehr eindringlich ansah, aber auf Harrys Gesicht zeigte sich nur Unverständnis, irgendwie verständlich, da ich, eine Gryffindor, die Nummer zwei bei unserem Intimfeind, den Slytherins, sein sollte.

Das war unbegreiflich. Nun ergriff Daphne sogar seine Hände und sagte nochmal deutlich: „Jeder von uns weiß, wo er steht, das ist nun mal so und wir leben gut damit. Es hat nicht nur Nachteile, denn Draco würde auch für uns eintreten. Wirklich, das musst du mir glauben, wenn jemand aus den anderen Häusern etwas gegen uns tut. Es ist sein Haus, er kämpft für uns!“

Ich beobachtete, dass Harry bei den letzten Worten abwesend gewesen war, sie wohl nicht so richtig mitbekommen hatte und er sich nun von Daphne abwandte und mir zudrehte. In seinem Kopf schien es mächtig zu rattern.

„Hermione, was meint sie damit, dass du die Nummer zwei in Slytherin bist?“, fragte er skeptisch.

„Ich will alles wissen, du hast mir Ehrlichkeit verspochen und so langsam habe ich das Gefühl, dass unser Gespräch vorhin dort drinnen nur an der Oberfläche gekratzt hat, also…! Noch schockierender kann es ja eigentlich nicht werden… oder?“

Er forderte vehement mein Versprechen ein und ich ergab mich, hatte es ihm ja versprochen. Gut, dass er nicht die leiseste Ahnung hatte, wie erschreckend es werden könnte, wenn ich alles sagen würde.

Ich schluckte schwer, jetzt kam wohl die nächste Beichte, doch bevor ich etwas sagen konnte wandte Draco ein:

„Vielleicht solltest du es ihm einfach zeigen…“

Ich überlegte kurz, das war vielleicht wirklich der einfachste Weg, wenn auch der schmerzhafteste. Entschlossen zog ich meinen Zauberstab und richtete ihn auf mein Gesicht, ich sprach die Formel und verwandelte mich nach und nach in die blonde, Draco so ähnliche, Abraxina. Die Twins, Blaise und die Schwestern blieben ruhig, während Draco freudig, fies grinste, ja, er hatte wieder seinen Spaß. Harry noch weiter zu treten gefiel ihm ausnehmend gut.

Ich musterte Harry abwartend und erlebte, wie er erst verwirrt, dann erstaunt und dann entsetzt dreinblickte und schließlich stotternd hervorbrachte, als er mich wohl langsam, aber sicher erkannte:

„Das… das warst du… in Hogsmeade? Du… Malfoy… hat dich vor… vor uns beschützt? Aber… warum?“, stammelte er sprachlos.

Ich verwandelte mich eilig zurück, je länger ich verwandelt blieb, desto schmerzhafter war schließlich die Rückverwandlung. Ich verzog leidlich das Gesicht und rieb mir wieder über die Haut, das tat echt weh. Harry beobachtete dies alles mit Argusaugen und fragte jetzt:

„Wie machst du das?“

Ich wollte schon antworten, als ihm noch etwas einzufallen schien, was wieder Entsetzen auf seinem Gesicht erscheinen ließ:

„Aber damals hat Snape dich auch gedeckt, er wirkte nicht erstaunt, er weiß das auch? Oder? Er ist eingeweiht…“, flüsterte er und ich hatte ja gesagt, dass Harry nicht dämlich war, leider.

Ich seufzte ergeben, erneut ein Geheimnis, das er gelüftet hatte, doch nun kam ich endlich dazu ihm zu antworten.

„Nun, dies sind Verwandlungszauber, mit etwas Übung geht das ganz gut. Snape, der ist eine andere Geschichte, aber er ist Dracos Patenonkel, da ist es doch logisch, dass er die Freundin kennt! Und warum? Ich konnte nicht immer mit einer Kapuze und einem Umhang durch den Gemeinschaftsraum der Slytherins laufen, wenn ich zu Draco wollte und da kam aus der Situation heraus halt diese Idee. Die Slytherins wollten mich nicht herein lassen, als ich eines Abends zu Draco wollte und er noch nicht da war, danach hat er mich als Abraxina vorgestellt und den Slytherins klar gemacht, dass sie mich genauso zu respektieren haben wie ihn. Sie halten mich für eine Malfoy, was bei dem Äußeren ja auch logisch ist.“

Ich musterte Harry nach meiner Erklärung abwartend, war gespannt, wie er nun reagieren würde, doch er überraschte mich.

Er schien nachzudenken, schließlich fragte er:

„Warum du dich in Hogsmeade nicht offenbart hast ist verständlich, aber warum hast du es so eskalieren lassen? Ich sollte wohl geschockt sein, dass meine beste Freundin bei den Slytherins ein und aus geht, schon fast eine von ihnen zu sein scheint, aber irgendwie kann mich das heute nicht mehr so schocken. Selbst das mit Snape, wenn ich an den Abend in seinen Räumen denke, verstehe ich nun viel besser, warum ihr euch so kanntet, so vertraut wart. Heute kam schon zu viel. Sag´s mir einfach, kommt´s noch schlimmer?“

Ich entschied mich, Harry heute schon noch mehr zu sagen, darauf kam´s jetzt auch nicht mehr an, vor allem kannte er einen Gutteil der Story schon.

Ich sprang auf, um an den Safe zu gehen, als ich mit meinen Schätzen wiederkam, blickten mir alle aufmerksam entgegen.

„So einige von euch wissen, dass ich in Godrics Hollow war und andere wissen, dass ich schon einmal die Mysteriumsabteilung besucht habe. Wenn ich immer alles erzählen muss, bekomme ich graue Haare, da Draco alles weiß, ist es vielleicht sinnvoll, dass ihr euch untereinander auf denselben Stand bringt und dann Fragen stellt. Das wäre dann am einfachsten, dies gilt für alles, nicht nur jetzt für das hier!“, hielt ich meine erbeuteten Mitbringsel in die Höhe.

„Nun, das sind meine Schätze, hier ein Bild von Dumbledore, das ihn und seinen Liebhaber zeigt, ja Fred, George, der große Dumbledore war auch schwul!“, kicherte ich gehässig und Harry setzte sein Weinglas nun schwungvoll ab, starrte zu den beiden Jungs und sah sie mit großen Augen an, dann murmelte er:

„Deshalb, natürlich! Wie konnte ich nur so blind sein?“, schlug er sich auf seine Stirn und alle sahen ihn komisch an.

„Was meinst du, Harry?“, fragte Daphne irritiert.

„Gleich… ihr seid ein Paar, oder? Deshalb hattet ihr nie eine Freundin und du wusstest das, oder? Dir entgeht ja nie was!“, sprach er entsetzt, trocken, dabei blickte er nun mich an, aber ich zuckte nur mit den Schultern.

„Ja, Harry, wir stehen dazu, du hast recht!“, bekannte nun George resolut. „Der Schöne und ich, wir sind nicht nur Brüder!“, bekannte er trotzig und Fred warf sich sichtlich in die Brust.

Nun quietschte Astoria auf und Daphne nickte huldvoll, sie schien es schon geahnt zu haben.

„Echt… krass!“, meinte Astoria imponiert und klopfte Fred auf den Oberschenkel.

„Da gebe ich ihr recht, echt krass, das ist heftig, Ron wird durchdrehen!“, prophezeite Harry relativ ruhig, während er nur relativ ungläubig wirkte.

„Aber was mich viel mehr schockiert als dass ihr mehr seid… auch, wenn ich über diese Erkenntnis wohl noch eine Nacht schlafen muss… was zum Teufel macht ihr hier? Malfoy? Ihr lacht mit Malfoy! Sag mal, spinn ich… wie kommt das?“, nahm er die Twins nun vehement ins Visier und starrte sie nieder, aber die zwei blieben erstaunlich cool, wenn auch für die beiden merkwürdig ernst.

„Harry, es freut uns sehr und bedeutet Fred und mir unheimlich viel, dass du trotz unseres Bekenntnisses so besonnen reagierst und uns nicht von vorne herein verdammst, wir wissen, dass unsere Familie das anders sehen dürfte… aber nun zu deiner nächsten Frage! Warum Malfoy? Nun, auch wenn er das nun gleich gar nicht gerne hört, er ist ein netter, cooler Typ,… ahah, lasst mich mal alle ausreden, wenn er denn will! Wir mögen ihn und sind ihm dankbar, dass er unserer Hermione hier so eine Stütze ist und auch uns nahe an sich herangelassen hat. Du musst lernen hinter die Masken zu blicken! Und er ist echt lustig, wir haben alle zusammen schon das letzte Weihnachtsfest hier verbracht…“, erklärte George ungewohnt eindringlich, als ihn Fred unterbrach.

„Mann, Harry, schade dass du damals nicht da warst, das war so hammergeil, Draco hat…!“, legte Fred herrlich überdreht los und erzählte alles. Ich kicherte leicht auf, dachte an das chaotische, aber wunderschöne Fest, als Draco, dem dies anscheinend zu peinlich wurde, dazwischen ging, hätte ich an seiner Stelle auch getan, es gab da einiges was im Whiskeyrausch passiert war, was auch für Draco hätte peinlich klingen können.

„Nun zum Thema… das kenne ich noch nicht!“, rief uns Draco wieder bestimmt zum Ursprung zurück und ich reichte aber zuerst Harry das Bild der beiden jungen Männer, sodass er es aufmerksam studierte und nicht weiterbohrte, wofür ich dankbar war.

„Wer war der Liebhaber?“, fragte Blaise weitsichtig.

„Grindelwald, Gellert Grindelwald!“, führte ich gewichtig aus, was dazu führte, dass die Mädels, die Twins und Blaise erstarrten, Draco zeigte aber keine Regung, während Harry einer Ohnmacht nahe schien, denn es tatsächlich zu sehen war etwas ganz anders als es nur zu hören.

„Echt jetzt, voll krass… das ist Grindelwald, der Gellert Grindelwald in jung!“, „Wow, der sah aber heiß aus!“, war die verwertbare Aussage von George und Fred wild durcheinander.

„Ja, wohl eine Sünde wert!“, lachte Fred rau auf.

„Potter, jetzt gib schon das bescheuerte Foto her!“, meinte Draco ungeduldig und Harry gab es ihm sogar, irgendwie lethargisch.

Als sich die Aufregung über diese neue Erkenntnis legte, erzählte ich alles, von den Stammbäumen, der Familiengeschichte und dem noch zu lesenden Kinderbuch mit dem Zeichen, das immer wieder auftauchte. Draco und Harry, die am meisten wussten, hörten sich trotzdem noch einmal alles ganz genau an.

Schließlich begann Astoria höflich hinter ihrer Hand herzerweichend zu gähnen.

„Ich denke, wir sollten alle ins Bett!“, schlug Draco vor und fast alle wussten, dass dies kein Vorschlag war, sondern ein Befehl.

Alle erhoben sich, wie auf ein Stichwort, nur Harry schien damit noch Probleme zu haben, als Daphne ihm ihre Hand auf die Schulter legte. Eins musste man auch sagen, zwei so starke Führungspersönlichkeiten, wie die beiden es waren, hatten es auch nicht einfach. Das würde noch ein interessanter Kampf um die Vormachtstellung werden, denn auch Harry war einer, der, wenn auch unbewusst, immer die erste Position einnehmen wollte und darin lag wohl auch das Problem.

Harry war sich dessen nicht bewusst, dass er dies immer intuitiv anstrebte. Hingegen Draco war sich der Tatsache, dass er dies sehr wohl anstrebte, immer zu 100 Prozent bewusst und dann prallten sie halt mit Wucht aneinander.

„Komm, Harry, ich zeige dir dein Zimmer, du teilst dir deines mit Blaise…“, hörten wir sie entschwinden. Ich hatte mich bei Draco untergehakt und ging mit ihm schlendernd im Garten umher und genoss es, ihn an meiner Seite zu haben.

„Danke dir, Draco, dass du Harry nicht verhext hast!“, kuschelte ich mich an seinen Arm.

„Für dich doch immer, mein Liebling!“, küsste er mein Haar und lenkte mich zur Tür. „Komm, morgen Mittag wird anstrengend, wir sollten schlafen!“

„Ich wollte noch für Harry einen neuen Zauberstab kaufen gehen!“, warf ich geschwind ein.

„Ich werde Blaise und die Twins beauftragen, mit ihm einen zu besorgen!“, entschied er bestimmt.

„Aber das ist viel zu gefährlich, ich muss dabei…!“, wandte ich energisch ein und er unterbrach mich unwirsch.

„Schluss, du musst nicht, wenn du Ruhe gibst, gehe ich mit, aber nun ist Schluss!“, bestimmte er und zog mich ins Haus und verlangend ins Bett.


Zuletzt von queenie am Do Okt 17, 2013 8:20 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
Nach oben Nach unten
queenie
Königin
Königin
avatar

Anzahl der Beiträge : 1443
Anmeldedatum : 08.02.12
Alter : 36
Ort : München

BeitragThema: 108. Training im Manor   Do Feb 09, 2012 3:04 am

Training im Manor

Am nächsten Morgen war ich früh, aber zu meiner normalen Zeit, auf und verließ meinen schlafenden, blonden Teufel, um endlich wieder zu laufen. Über eine Woche hatte ich es nicht geschafft dem nachzugehen. Als ich vor der Tür beinah mit Harry zusammenstieß, sahen wir beide uns völlig überrumpelt an, aber dann freute ich mich über einen Laufpartner.

Es breitete sich ein vorsichtiges Lächeln bei Harry aus und er hielt mir dann schweigend, aber einladend die Tür auf. Ich nahm seine Einladung gerne an und so liefen wir in der noch kühlen Morgenluft unsere Runden in einvernehmlicher Ruhe. Keine Worte, Fragen oder Vorwürfe kamen über Harrys Lippen, nur ein gemeinschaftliches Beisammensein, ein gemeinsamer Lauf.

Das war sehr schön und beruhigend, nicht so aufbrausend. Es tat gut, dass es trotz aller Differenzen, die noch zwischen uns waren, immer noch diese Möglichkeit für uns gab, gemeinsam zu Schweigen. Das bedeutete mir viel.

Ich zeigte ihm meinen Laufweg und er prägte ihn sich ein. Als wir uns dem Cottage wieder näherten, sprach ich ihn an:

„Harry, solange wir dir noch keinen zweiten Zauberstab besorgt haben, solltest du nicht alleine laufen, … nein, nicht aus der Haut fahren, du darfst laufen, aber ich werde Blaise beauftragen, dich morgens zu begleiten!“

„Warum? … Nein, das klingt dämlich, ich weiß warum, die Gefahr ist überall! Warum Blaise?“, fragte er danach präziser.

„Die Twins müssen arbeiten, Daphne und Astoria sind nicht kampferprobt und Draco und ich sind auch nicht immer da, also bleibt nur Blaise. Er wird sich freuen!“, setzte ich zynisch hinten an, da ich wusste, er war ein kleiner Morgenmuffel.

„Wo seid ihr?“ War ja klar, das war die am einfachsten zu beantwortende Frage, toll, ganz toll, aber auch ich hatte mal Glück, denn in dem Moment, in dem ich die Tür öffnete und gerade den Mund aufmachte um zu antworten, wurde ich auch schon unterbrochen.

„Da seid ihr ja, kommt schnell in die Küche, Draco schickt gleich einen Rettungstrupp los!“, fauchte Fred, ließ den überrumpelten Harry und mich zurück und wir folgten ihm brav in die Küche, wo Draco, bereits hergerichtet, aufgescheucht stand und uns böse anfunkelte.

„Wo wart ihr? Haut einfach ab ohne ein Wort!“, zischte er sichtlich aufgebracht, da er besorgt gewesen war.

„Wo wohl? Laufen!“, kam es sehr lapidar von mir.

„Schon mal was davon gehört, dass man das auch sagen kann?“, kam es sehr blasiert von Draco und Harry sah uns beide abwechselnd an, hielt sich jedoch dezent zurück.

„Woher soll ich wissen, dass dir die Idee nicht kommt?“, fauchte ich ungehalten zurück, denn wenn ich eines konnte, dann auf mich aufpassen und mich verteidigen.

„Ich werde von Blaise kopflos aus dem Bett geschmissen, weil der da weg ist und dann sehe ich, dass auch du verschwunden bist. Was soll ich dann da denken?“, zischte er schon wieder böse, aber okay, wenn er es so erzählte, dann klang es nicht so toll und wir bemerkten, dass schon alle, bis auf Blaise, aufgeregt in der Küche versammelt waren. Sie waren startklar, uns zu suchen. Wie es schien, hatten sie gerade aufbrechen wollen, um uns zu retten.

„Entschuldige, Draco, war nicht so gewollt, Harry und ich sind uns an der Tür begegnet…“, versuchte ich es, doch Draco unterbrach mich brüsk.

„Potter, du Volltrottel! Du kannst doch nicht ohne Waffe alleine laufen gehen!“, hisste er da schon wieder vorwurfsvoll und stierte Harry nieder. Aufgrund meines nunmehrigen Wissens, wie nahe das Manor war, musste ich meinem Zerberus recht geben. Für Harry allein war es zu gefährlich.

„Weißt du, Malf…“, wollte Harry loslegen, aber ich legte ihm meine Hand auf den Arm und stoppte ihn.

„Du hast vollkommen recht, Draco! Nein, Harry, das hat er wirklich, er macht sich nur Sorgen. Schau nicht so… ahhrr, du auch nicht, Draco, aber er hat recht, du solltest wirklich nicht alleine raus und deshalb habe ich Harry schon gesagt, dass ihn Blaise nun jeden Tag beim Laufen begleiten wird“, versuchte ich beide Seiten zu beruhigen. Man, die waren echt anstrengend, aber das hatte ich irgendwie nicht anders erwartet.

„Werde ich das? Laufen, wann?“, kam es nun indigniert von Blaise, der wieder reinkam und sichtlich entspannt wirkte, als er Harry in unserer Gruppe ausmachte.

„Mit dem da, ich glaub, um sechs gehen sie immer los, das heißt für dich, du stehst so um viertelvor auf, viel Spaß, Blaise!“, meinte Draco mit einem fiesen Grinsen und Harry sah mal wieder sehr überrascht aus, sagte aber zum Glück nichts.

„Nein, bitte nicht, Hilfe… das, das… nein, so früh? Es sind Ferien, Potter, hör auf zu laufen!“, entgegnete Blaise recht brüsk und alle, ausnahmslos alle, lachten.

„Ich denk nicht dran!“, setzte Harry einen gut platzierten Konter, das war gut, echt.

„Warum kann sich nicht Daphne rausquälen?“, jammerte der Morgenmuffel weiter und bevor ich antworten konnte kam mir Draco zuvor.

„Kann sie kämpfen?“, fragte er lauernd.

„Nein!“, kratzte sich Blaise betreten am Kopf, wirkte aber alles andere als erfreut.

„Dann hast du die Antwort. Wie sieht es überhaupt aus? Trainiert ihr? Twins, ich will nicht, dass ihr einschlaft! Wir brauchen euch in Topform!“, fragte er befehlend nach, denn das war wichtig.

„Nie, Chef, nie… wir trainieren, drei bis vier Mal die Woche, nur wie der Plan nun aussieht ist noch nicht so klar!“, wiegelte George energisch ab und Harry sah wieder mal mit großen Augen zu.

„Ich will, dass die Mädels es auch lernen, im Ansatz, und Harry, es würde ihm guttun!“, warf ich nun energisch ein.

„Genau, das heißt tägliches Training, freut euch!“, bestimmte Draco selbstherrlich, dabei sah er Blaise an, der den Kopf geschlagen hängen ließ, weil die Arbeit an ihm hängenbleiben würde.

„Wie… was…?“, meinte Harry etwas irritiert und George zog ihn zu sich.

„Ich erklärs dir, mein Lieber… es war einmal…“, erzählte er ihm nun, wie das Training aussah und hatte dabei einen gnädigen Zuhörer.

„Wann willst du mit Harry den Stab besorgen?“, fragte ich und Draco schob mir eine Tasse Kaffee über den Tresen und ich trank dankbar.

„Weiß nicht, am Samstag? Heute haben wir keine Zeit, Freitag mit dem Wochenende, da ist es nicht gut, zu viele DeathEater kommen da raus und machen die Alley unsicher. Ich glaube, Montag wäre eine gute Alternative!“, zählte Draco auf. Er schien sich wieder beruhigt zu haben und wirkte nun beherrscht und kalt, wie eh und je.

„Toll, dann könnte ich ja doch mit!“, meinte ich hoffnungsvoll und er nickte, als eine Eule durch die weit offene Balkontür hereinschwebte, um wild mit den Flügeln schlagend auf dem Tresen zu landen, während sie jetzt zu mir tapste.

Ich nahm ihr den Brief ab und Draco gab ihr Speck, den er gerade zu braten begonnen hatte, während ich mir das unbekannte Siegel ansah. Eilig öffnete ich den Brief und wünschte, ich hätte es nicht getan. So ein Glück aber auch, toll, ganz toll! Das war so klar gewesen, warum immer ich? Nein, falsch, ich hatte gewusst, dass das noch ausstand, aber es musste mir nicht gefallen und das tat es auch nicht.

„Was steht drin?“, fragte Draco nebenbei, als würde es ihn nicht interessieren, dabei fühlte ich seinen taxierenden Blick unter den gesenkten Lidern, denn er war in Wirklichkeit sehr angespannt.

„Nichts… Nichts Wichtiges!“, tat ich ab, wobei der Brief in meiner Hand auch schon in Flammen aufging, da ich einen Incendio angewandt hatte.

„Ich kann am Montag doch nicht mit!“, kam es nun kalt von mir, doch ich blickte nicht auf.

„Ah, als hätte ich es schon gestern gewusst, also muss sich Potter mit mir begnügen!“, funkelte er nun zu Harry, der in unwohl ansah. „Wo musst du denn hin?“

„Auf eine Beerdigung, … ich geh duschen!“, stand ich abrupt auf.

„Welche Beerdigung, Hermione?“, fragte da Harry besorgt, der sich auch erhoben hatte.

„Nicht jetzt, Potter!“, wies ihn Draco barsch zurecht und mir kam es sehr entgegen, deshalb gab ich Gas, um Harry zu entkommen.

Unter dem rauschenden Wasser versuchte ich meine Gedanken zu ordnen. In dem Brief hatten mehrere Informationen als nur der Beerdigungstermin gestanden. Mein Anwalt hatte geschrieben, es liefe gut mit der Lebensversicherung, das Geld würde, wie es schien, fließen und bald zur Auszahlung kommen, wenn die Berichte der Polizei abgeschlossen wären.

Die Versicherung würde zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Untersuchungen einleiten und den Tod meiner Eltern als Unfall behandeln, so würde ich wohl mit meinem Betrug davonkommen. Das einzig Unerwartete war, dass der blöde Inspektor oder Detektiv, nach Angaben meines Anwaltes, bei der Beerdigung dabei sein würde, weil er noch ein paar Fragen an mich hätte.

Hatte er etwas gefunden? Was hätte ich übersehen können? Das waren meine Gedanken, die mich fesselten und ich fasste den Entschluss, wenn er mich nerven sollte, würde ich ihn verhexen. Wofür war ich eine Hexe, verdammt?

Der Anwalt hatte mich darüber informiert, dass er sich um die Beerdigung gekümmert hatte. Meine „Eltern“ würden in der Nähe unseres Hauses auf einem alten Friedhof beerdigt werden. Auch hier würde ich eine glänzende Show ablegen. Ich stieg aus der Dusche und warf mir ein unspektakuläres, weites, sommerliches Blümchenkleid, das ich im Schrank gefunden hatte, lustlos über und band meine Haare zu einem Pferdeschwanz zusammen.

Ich kam wieder in die volle, lebhafte Küche. Alle waren um den kleinen Frühstückstisch versammelt und aßen, auch Harry schien schnell geduscht zu haben und saß neben Daphne und staunte immer wieder, wie Draco gerade ernsthaft Unterlagen für den Laden der Twins durchging, während ich mich setzte.

„Geht’s?“, wisperte Draco plötzlich an meinem Ohr und schnupperte an meinem Haar, worauf ich mich an ihn lehnte, was dazu führte, dass uns Harry anstarrte als wären wir aus einem Albtraum entstiegene Monster. Er kam offensichtlich noch nicht ganz damit zurecht, Draco und mich derart vertraut und wohl vor allem Draco so umsorgend zu erleben.

„Ja, es ist nichts!“, wisperte ich bestimmt.

„Das sagst du immer!“, küsste er nun meine Wange und wandte sich wieder dem ungeduldigen Fred zu.

„Hermione, was für eine Beerdigung?“, traute sich nun Harry wieder zu insistieren.

„Die meiner Eltern!“, bekannte ich nun gleichgültig und auf einen Schlag verstummten alle.

„Was!?“, „Warum?“, „Wie?“, fragten mehrere durcheinander.

„Meine Eltern sind am ersten Ferientag verunglückt! Sie werden am Montag beigesetzt und da muss ich hin!“, informierte ich die Runde reichlich neutral und machte mir in aller Seelenruhe ein Brot.

Nun starrten mich alle bodenlos entsetzt an, während ich gleichmütig in mein Brot biss, kaute und aß.

„Und jetzt sage ich euch noch was, ich wünsche keine Fragen zu meinen Eltern! Ich werde dazu nichts weiter sagen. Wenn jetzt solche Einwürfe kämen wie; hast du sie umgebracht oder nicht und wenn nicht, wo sind sie oder dergleichen, ich sage dazu nichts!“, kanzelte ich sie ab, dabei blitzte es in Dracos Augen verstehend auf und auch Blaise nickte.

Die Twins schauten erst sich an und dann mich und nickten nun auch, da sie sich schon dachten, dass da mehr dahinter war. Die Mädels trauten sich nicht irgendetwas zu tun und starrten auf die Teller, nur Harry sah mich an als wäre ich von einem anderen Planeten.

„Potter schenk´s dir, sie wird nichts mehr sagen, aber glaub mir, du solltest nicht zu schockiert sein, die gute Hermione plant für ihr Leben gerne, vertrau ihr!“, meinte Draco reichlich gewichtig und Harry schenkte ihm einen fixierenden, sehr taxierenden Blick und nickte dann bedächtig.

„Und freu dich, Potter, du und ich werden am Montag deinen Zauberstab besorgen! Nur wir zwei!“, fuhr Draco an sich eher gehässig klingend fort.

Ich registrierte zuerst etwas Unbestimmtes in Harrys Augen aufblitzen, das sich dann aber schnell wandelte, sodass ich überrascht und erstaunt war, so was in Harrys Augen zu sehen. Es glitzerte verschlagen hinter seiner Brille, als würde er sich freuen, Draco alleine, ohne mich, habhaft werden zu können. Hoffentlich brachten sie sich nicht gegenseitig um, war alles was ich denken und hoffen konnte, als Draco auf diese unausgesprochene, aber so deutliche Aufforderung in Harrys Blick hin zustimmend nickte.

„Wir müssen eh bald los!“, merkte nun Draco an und darauf sprang Harry sofort an.

„Wo müsst ihr eigentlich gemeinsam hin?“, bohrte Harry nach.

„Nun… also… wir… ich…!“, kam ich echt toll in die Gänge, denn ich wollte Harry nach gestern noch nicht sagen, dass ich ein Mitglied der Familie Malfoy war, echt nicht, und die Greengrass Mädels wussten es ja auch noch nicht, nur die Twins und Blaise. Diese drei blickten uns aber auch sehr verständnisvoll an.

„Du bist zu neugierig, Potter! Ich biete dir etwas an, du wirst es vollständig erfahren, aber noch nicht jetzt, … warte! Plärre nicht in deiner kindischen Art gleich wieder dazwischen, höre erst zu, sie ist bei mir im Manor, sie wohnt dort, aber warum, wieso, was mit Vater und den anderen ist, das lass uns noch etwas verschieben. Gib uns und dir die Zeit! Können wir uns darauf einigen? Schließlich will sie dich nicht belügen!“, erklärte Draco sehr souverän und ruhig.

Harry hatte seinen Mund zu einem dünnen Strich verkniffen und schien zu überlegen, aber es trat das ein, was er mir in Hogwarts versprochen hatte, er überlegte zuerst, er nahm sich stark zusammen und versuchte, nachzudenken und dann erst zu reagieren!

„Wissen Fred und George, warum sie bei dir wohnt?“, fragte er mit mühsam beherrschter Stimme und blickt nun die Twins an, die vorsichtig mit dem Kopf nickten. „Und es ist von eurer Seite in Ordnung… wirklich?!“

„Ja, Harry, mach dir keine Sorgen!“, sagten beide synchron und nickten wie wild.

Harry atmete aufgrund dieser Aussage tief ein, wirkte nicht glücklich, aber dann nickte er bedächtig.

„Nun gut, ich warte, aber nicht ewig…“, war dies Harrys Angebot und so lächelte ich dankbar.

Wir waren kurz danach aufgebrochen, da wir uns noch unsere Trainingsklamotten anziehen mussten und nun gleich mit den beiden despotischen Männern unsere Trainingsstunde beginnen würden. Ich freute mich auf das körperliche Auspowern sehr und so schritt ich mit Draco frohgemut durch eine Tür, die in die Kerker des Manors führte.

Sie ging direkt von der Eingangshalle ab, war sehr unscheinbar in die Mauer eingelassen und führte uns in die Tiefen des Anwesens. Hier herrschte eine frostige Kälte. Es erstaunte mich nicht wirklich, zu erkennen, wie groß alles angelegt war. Es wirkte sehr verschachtelt und die Fackeln an den Wänden erleuchteten uns den Weg. Hier unten waren andere Steine verwendet worden, sie waren grau und verstärkten den düsteren Eindruck doppelt.

„Hier ist Severus‘ Gebiet, dort rechts sind seine Labore und Vorratskammern, geradeaus kommst du zu Vaters Schätzen, wie dem Weinkeller, dem Ritualzimmer und den Verliesen, frag nicht! Und hier links, geht es zu den Übungsräumen, das hier unten ist ein richtiges, kleines Labyrinth!“ Er erklärte alles eindringlich und ich nickte brav, musste ihm ja nicht sagen, dass ich den Grundriss schon kannte. Und so traten wir in den großen, steinernen, mit Matten ausgelegten Übungsraum.

Severus war schon da und nickte uns kühl zu. Er trug wie immer die Haare zu einem Zopf gebunden und hatte dasselbe an wie Draco, ein schwarzes, enges Shirt und auch so eine engsitzende Trainingshose.

„Wie wollen wir beginnen?“, meinte Severus nüchtern und kam nun zu uns.

„Oh, ich wollte mich ein bisschen aufwärmen, dehnen und so, um euch dann auf der Matte so richtig zu zeigen, wie gelenkig ich bin!“, gab ich bekannt und wackelte verspielt mit meinen Augenbrauen, während mich die Männer mit großen Augen anstarrten.

Ich mochte ja nicht wissen, was gerade in ihrer Fantasie abging. „Was? Man soll doch jeden Vorteil nützen und an Gelenkigkeit bin ich euch weit überlegen!“, zeigte ich ein betont unschuldiges Lächeln und sah, wie beide schluckten.

„Ich hoffe, das stört dich nicht, Severus?“, fragte ich lasziv nach und Severus kam nah zu mir und antwortete leise.

„Solange du es ordentlich machst und man sieht, dass du alles gibst beim Dehnen!“, fühlte ich seinen intensiven Blick auf mir und so klang diese Anweisung sehr zweideutig.

„Ich werde mein Bestes geben!“, lachte ich schallend auf und fing nun an, mich unter ihren beobachtenden Blicken aufzuwärmen.

Ich machte einen Beinbeuger, ging mit geradem Oberkörper nach vorne, die Beine blieben gestreckt, eine Hand griff die andere im Rücken und die gestreckten Arme wurden nun weit vom Rücken abgehoben, in die Luft gestreckt und dabei reckte sich mein Hintern malerisch und sehr schön weit nach oben. Ich streckte ihn so richtig schön nach hinten raus.

„Komm!“, kam es heiser von Draco. „Was hast du dir für uns ausgedacht?“, kam die Frage noch rauer von ihm.

„Ähm, ja, ich dachte, wir üben den „Kampf in der Nacht“, sollte dich ein blindmachender oder ähnlicher Zauber treffen. Da wollte ich ansetzen. Hier, zieh die Binde auf, wenn du besser bist, verzaubere ich dich, aber solche Zauber auf die Sehkraft wende ich immer ungerne an!“, klang Severus‘ Stimme zuerst etwas abgelenkt.

Als ich zu ihm blickte, bemerkte ich seinen begehrlichen und gierigen Blick auf mir, sodass mir ganz anders wurde, um dann zu vernehmen, wie seine Stimme immer fester wurde. Wie gut, zu sehen, dass ich auf ihn wirkte, schmunzelte ich während meiner schweißtreibenden Übungen.

Ich hörte nur am Rande zu, fand die Idee von Severus aber sehr gut, da die Gefahr, dass so etwas passierte, durchaus gegeben war. Ich war nun zu Boden gegangen und lag auf der Matte und arbeitete mich weiter durch die schmerzhaften und anstrengenden Übungen.

Ich warf ihnen einen kurzen Blick zu und schmunzelte, als ich beobachtete, wie sich beide nun mit schwarzen Binden über den Augen gegenüberstanden und schenkte ihnen nun mehr von meiner Aufmerksamkeit.

Es war spannend, wie sie nun, ihrer Sehkraft beraubt, lauschten und ihren nächsten Schritt abwägten. Severus gab auf einmal das Startsignal und sie drehten sich dreimal um die eigene Achse um dann aufeinander loszugehen.

Erst mal ging es darum, den anderen zu packen oder zu fassen. Dieser „Tanz“ umeinander hätte lustig aussehen können, aber bei ihnen wirkte es eher bedrohlich, wie sie sich so schleichend und lauernd umkreisten. Es war, als könnten sie sich sehen, wenn Sn… Severus‘ Hand nach vorne schoss um Draco zu packen, zuckte dessen Oberkörper, wie bei einem Tanz, in letzter Sekunde zur Seite. Es war ein beeindruckender, harmonischer Kampf, den ich gefesselt verfolgte.

Ich vernahm nun, wie sich die Türe öffnete und sah, wie Lucius eintrat.

Er trug, wie wir, eng anliegende Trainingskleidung in schwarz und hatte sich die langen Haare im Nacken zu einem straffen Zopf geflochten, was seine markanten Züge stark hervorhob. Wow, so viel hatte ich noch nie von seinem durchtrainierten und muskulösen Körper gesehen. Er sah toll aus und ich bewunderte seinen straffen, schönen Körper, dessen er sich vollkommen bewusst war.

Er selbst blickte zu dem verbissen kämpfenden Paar, das sich nichts schenkte und plötzlich wurden sie unwirsch von Lucius unterbrochen, was mich verwundert aufstehen ließ.

Hermiones Sicht ende

Dracos Sicht

„Halt, so geht das nicht, das ist doch kein Kampf, Draco! Ich will, dass du alles gibst, du kannst mehr, das weiß ich. Dir sollte es doch nicht schwerfallen, Severus wirklich anzugreifen, du hast doch noch eine Rechnung mit ihm offen…“, provozierte mich mein blasierter Vater plötzlich.

Ich nahm die Binde eilig von den Augen und blinzelte leicht blind von der blendenden Helligkeit und sah meinen Vater verständnislos an.

„Wie meinst du das, Vater, was für eine Rechnung?“, schüttelte ich irritiert und verwirrt meinen Kopf und schaute in Severus‘ ähnlich unwissende Miene.

Nun zeigte sich wieder dieses diabolische Grinsen auf den aristokratischen Zügen meines Vaters. Was kam jetzt wohl?

Er grabschte unvermittelt nach Hermione, fasste sie wenig sanft am Oberarm und zog sie grob mit sich zu uns, dabei lächelte er weiter höhnisch und achtete gar nicht darauf, dass Hermione sich sträubte, es nur nicht wagte, sich richtig gegen ihn zu wehren. Vater schien in einer unberechenbaren Stimmung zu sein.

„Hier, Draco, das hier ist dein Grund! Ich weiß, was dein lieber Onkel mit deiner Geliebten gemacht hat. Ich weiß auch, dass du dich um sie gekümmert hast, als sie geschunden in deine Räume kam… Muss ich mehr sagen? Zeig mir alles, begleiche deine Rechnung. Zeig mir, was ein Malfoy tut, wenn man sich an seinem Eigentum vergeht!“, kam es gehässig und sehr böse von Vater.

Ich fühlte mich wie vor den Kopf gestoßen, auch Severus hatte sich bei den abwertenden, beleidigenden Worten von Vater versteift, war zur Salzsäule erstarrt und hatte den Mund zu einem Strich verkniffen.

Seitdem Vater es wusste, war es klar, dass er uns allen diese unglückselige Geschichte, die immer noch in mir und auch in Hermione brodelte, unter die Nase reiben würde. Jetzt, wo er es so erwähnte, kamen die Bilder wieder hoch, die ich versucht hatte, tief in mir zu verschließen.

Wie sie da so verletzlich im Bett gelegen hatte, wie ein kleiner Engel. Wie sie mich angesehen hatte, als wir endlich die Tür zu meinen Räumen hinter uns geschlossen hatten und ich sah den Schmerz, den ich damals in ihren Augen gesehen hatte. Meine Sorge, dass sie gebrochen worden war, da sie so neben sich gestanden hatte und wie ich später versucht hatte, wieder zu ihr durchzudringen.

Kalte, aber beherrschte Wut stieg in mir auf.

Ich nickte nur und sagte ergeben: „Ja, Vater!“ Sollte er doch seinen Willen bekommen. Wir waren eh zum Üben hier, doch ihm schien das nicht zu reichen, so wie er mich missbilligend mit seinen kalten, grauen Augen anblickte, weil ich meine Wut noch nicht offen zeigte und auslebte.

Er zog Hermione vor sich, stand nun hinter ihr und hielt sie an den Oberarmen fest. Ich konnte beobachten, wie sich seine Hände in ihre Haut gruben und ihre Arme quetschten, aber sie sagte nichts, starrte nur gleichgültig geradeaus, tat sehr teilnahmslos und verdrehte zu uns die Augen wegen der Dramatik des Moments. Mir gefiel es nicht, wie er sie hielt und ihr offensichtlich auch nicht, aber dagegen konnte ich gerade nichts tun.

„Wo bleibt deine gerechte Wut? Sieh sie dir an, schau in ihre wunderschönen Augen, erinnere dich an ihre Worte: Warum hast du bei Severus nichts unternommen? Onkel hier, Onkel da? Ihr habt ein Abkommen, nehme ich mal an, aber nun, das ist gerade hinfällig. Hier ist deine Rache! Nutze die Gelegenheit, die ich dir biete, eine andere bekommst du nicht. Er hat sich an deiner Frau vergangen, das muss bestraft werden. Sie gehört nur dir. Siehst du seine Blicke, ich sehe sie…“, stichelte er weiter gekonnt unnachgiebig. Vater war ein schrecklicher Manipulator, wie er es schaffte, uns gegeneinander aufzuhetzen, denn zu meinem Leidwesen gelang es ihm nur zu gut.

Hermiones Mund war aufgeklappt und sie hatte ihr Gesicht zu Lucius gewandt und sah ihn ungläubig, entsetzt, aber auch empört an, was Vater ein teuflisches Lächeln entlockte.

Ich erkannte deutlich, was Vater versuchte und stellte fest, es funktionierte.

Die Wut, die ich damals runter geschluckt hatte, auch gerade noch zurückgehalten hatte, kroch langsam aber stetig in mir hoch. Ich fühlte die Wut von damals in mir aufsteigen, wie langsam steigende Wellen, die sich im Sturm brechen würden, in dem ich Severus am liebsten eigenhändig getötet hätte.

Mein Vater ließ nicht locker und griff Hermione jetzt grob an die Brust, was sie aufschreien ließ und ich konnte nicht erkennen, ob vor Überraschung oder Schmerz, aber ich bemerkte das diabolische, absolut bösartige Schmunzeln im Gesicht meines Vaters. Ich hätte in diesem Moment am liebsten auch ihm die Faust ins Gesicht gerammt, weil er Hermione derart derb anfasste und dies doch alles nur ein kalkuliertes Spiel von seiner Seite war.

Das war der letzte Tropfen, den es gebraucht hatte, um das Fass zum Überlaufen zu bringen, um meiner aufgestauten Wut mit brutaler, körperlicher Gewalt Luft zu machen und mich abzureagieren. Ich sah rot und ich hasste es, dass Lucius so ein begabter Manipulator war und selbst ich mich nicht dagegen wehren konnte.

Dass selbst ich mich nicht dagegen wehren konnte, wenn er die Strippen so zu ziehen versuchte, wie er es gerade tat. Ich sah in meinen Gedanken, wie Severus Hermione so grob und noch gröber, verletzender angefasst hatte, sie innerlich verletzt hatte und versucht hatte, sogar ihren Willen zu brechen, was ich mir bis jetzt erfolgreich zu denken verboten hatte.

Und ich wusste, er begehrte sie immer noch. Er fühlte sich zu ihr hingezogen, denn ich sah durchaus seine so gut versteckten, gierigen Blicke. Auch vorhin, als wir gekommen waren, hatten seine Blicke an ihrer Gestalt geklebt und als sie begonnen hatte, sich aufzuwärmen, da waren so viele Emotionen wie selten in seinen dunklen Augen zu lesen gewesen, die Gier, das Verlangen.

Ich bemerkte nun, wie jetzt auch Severus‘ Augen wütend funkelten, als Lucius das alles anleierte. Dank des Zopfes, zu dem auch Severus seine Haare gebunden hatte, waren seine Emotionen gut zu erkennen, da sein Blick nicht von seinen Haaren verschleiert wurde.

„Lucius, du bist unmöglich, Hermione…“, kam es schmierig arrogant aus Severus‘ Mund, dabei musste man ihm zugutehalten, er wirkte gewohnt kontrolliert und eher genervt, auch wenn ich andere Emotionen in seinen Augen sah.

Ab diesem Punkt jedoch schien sich mein Gehirn zu verabschieden und nur noch die Wut brodelte in mir. Ich handelte instinktiv und ging auf den bis jetzt wie festgefroren dastehenden Severus los. Ich war nur noch fokussiert auf den Kampf und darauf, ihm endlich das zu geben, was er verdiente.

Die kalte, eisige Ruhe vor einem Kampf hatte von mir Besitz ergriffen, nur das überlegte Handeln, welcher Schlag wie platziert meinen Sieg bedeuten würde, beherrschte nun meine Gedanken und so ging ich ihn an.

Dracos Sicht Ende

Hermiones Sicht

Nach Lucius‘ so abgrundtief bösen und verletzenden Worten gegen beide Männer, schien es als würde er seinen Willen bekommen. Er hatte sie genug aufgehetzt, hatte sie soweit, dass Draco und Severus nun endlich ohne Rücksicht aufeinander einprügeln würden. Severus würde sich wehren, es lag nicht in seinem Naturell, zu viele Schuldgefühle zu haben und er würde sich mit Sicherheit nicht ohne Gegenwehr von Draco angreifen lassen. Das war alles von Lucius mit absoluter Gewissheit einkalkuliert und inszeniert worden.

Oh, dieser böse Mann.

Lucius hielt mich noch immer am Oberarm gepackt und die andere Hand lag fest auf meinem Busen. Warum hatte ich aufgeschrien, als dieser nervende, blonde Schönling mir einfach brutal in meine Brust gekniffen hatte? Es tat weh, ganz einfach. So hielt er mich noch immer unverschämt, trat nun nur noch näher an mich, während wir zusahen, wie der blonde und der so schwarze Mann einander bitterböse entgegensahen und nun ihre Hände zu zwei festen Fausten geballt in die Höhe hielten. Auweh, das würde schmerzhaft werden. Ich spürte, wie Lucius selbstvergessen meine Brust zu kneten begann. Ihm schien das zu gefallen, mir aber nicht, doch dann lenkte mich kurz der Kampf ab und ich vergaß seine jetzt eher streichelnden Bewegungen.

Sie schienen sich instinktiv beide dafür entschieden zu haben, sich mit den Fäusten zu traktieren und wollten wohl fast so was wie einen unfairen Boxkampf austragen, denn sie würden sich an keine Regeln halten. Ich riss mich nun wutschnaubend von Lucius los, der immer aufdringlicher geworden war und schenkte dem fies höhnenden Mann, der mich nicht mehr hatte halten können, einen bitterbösen Blick. Ich hätte mich schon noch an Snape gerächt, da hätte er Draco nicht so aufhetzen müssen. So verschränkte ich nun abwehrend die Arme vor meiner geschändeten Brust und drehte mich zu den Kontrahenten. Ich würde mich nicht einmischen, das würde keiner in diesem Raum gerne sehen und schon ging es los.

Sie standen sich aggressiv, leicht gebeugt gegenüber, die Arme hielten sie erhoben als Deckung vor ihren Körper.

Plötzlich drang Draco in einem klassischen Angriff, mit einer Oberkörper-Bewegung nach vorne. Er pendelte und duckte ab, er übersprang die Führhand einfach und ging gleich mit dem Abducken in die Halbdistanz zu Snape, der eher in den Konter verfiel und tänzelnd zurückzuweichen begann. Draco gebärdete sich in seiner aggressiven, offensiven Art wie ein „Pressure-Fighter“, der ungewöhnlich viel schlug.

Er hielt seine linke Hand deutlich unter seinem Kinn, holte Schwung und in einem abrupten Schlag und einer gleichzeitigen Vorwärtsbewegung ging seine Führhand nach oben zum Gesicht von Snape, der es gerade noch schaffte, mit seinem Oberköper auszuweichen, da dies nicht der stärkste und schnellste Schlag war, weil die Kraft hier nur aus dem Trizeps kam. Draco nutzte diesen Jab um den Kampf zu beherrschen und dafür zu sorgen, dass Severus nicht die Gelegenheit bekam, anzugreifen und so war dieser Schlag seine Vorbereitung zum richtig harten Schlag, der augenblicklich folgte.

So schlug er nun blitzschnell hinterher, der Powerpunch traf mit voller Wucht. Der Schlag war heftig, da Draco, um dem Cross noch zusätzliche Schlagkraft zu verleihen, die Hüfte mitgedreht hatte und sein Gewicht auf den vorderen Fuß verlagerte und traf so Sn… Severus mit brutaler Wucht ins Gesicht. Er hatte es nicht geschafft, diesen Schlag zu kontern und so hatte die Schlaghand von Draco ihr Ziel voll getroffen. Der Cross ließ Severus seinen Kopf schwungvoll in den Nacken werfen und wir hörten das Knirschen von Knochen, die auf Knorpel trafen und einen schmerzerstickten Schrei. Severus schlug seine Augen wieder auf und beide standen sich nun wieder mit erhobener Deckung, leicht gebückt, gegenüber. Severus‘ Augen funkelten mordlüstern und das Blut tropfte aus seiner gebrochenen, nun leicht schiefstehenden Nase.

Aber davon ließ er sich nicht beeindrucken, überging den Schmerz, ging nun selbst blitzschnell aus der Defensive und hielt seinen Ellenbogen auf Schulterhöhe, um so sein gesamtes Körpergewicht in den kommenden Schlag zu legen. Dabei kam die Kraft weniger aus dem Arm, sondern entstand durch die Zusammenarbeit des Oberkörpers kombiniert mit der Streckung seines Standbeins und so schoss Severus‘ Haken mit rasanter Geschwindigkeit von der Seite kommend nach vorne. Er kam durch Dracos Konterdeckung, aber dieser versuchte, sich mit dem Rollen des Oberkörpers aus der Schlagdistanz zu wenden, aber er erwischte ihn trotzdem noch an seinem Kinn, das schlagkräftig zur Seite flog und aufplatzte. Nun bluteten beide. Sie versuchten eilig, Abstand zueinander zu bekommen, doch sie schlugen in immer schnellerer Abfolge aufeinandertreffender Jabs und Crosses aufeinander ein.

Severus versuchte nun, ein immer offensiverer Puncher zu werden und versuchte, Haken auf den Solarplexus von Draco zu landen und Draco antwortete mit einer schnellen Abfolge und versuchte ebenso, seine Haken zu setzen, schlug auch einen Leberhaken nach Severus.

Es war kein schöner Kampf, als sie so das ganze Feld benützten und sich ohne Rücksicht äußerst schmerzhaft und extrem brutal die nicht eingepackten, blanken, harten Fäuste ins Gesicht oder den Oberkörper rammten. Die Knöchel ihrer Hände waren schon ganz blutig und aufgeplatzt, die Intensität steigerte sich immer mehr, das klatschende Geräusch von Haut auf Haut und deren Aufplatzen hallte von den nackten Steinwänden wider, genauso wie die lauten „Uffs“ und „Arggs“ wenn sie schmerzhaft trafen.

Ich war beeindruckt, das war ein spannender Kampf. Ich war fasziniert, als ich ihre so agilen, geschmeidigen Körper beobachtete, die sie perfekt unter Kontrolle hielten und einzigartig grazil bewegten. Ich warf einen taxierenden Blick zu Lucius, der sehr zufrieden den blutigen Kampf verfolgte, aber er schien auch mich nicht aus den Augen zu lassen, hoffte offenbar, dass ich eine Reaktion zeigte, die aber nicht kam und nicht kommen würde.

Zum Glück hatte es bis jetzt keiner der beiden Kontrahenten geschafft einen K.O.-Schlag zu landen, dafür trafen Jab, Cross, linker oder rechter Haken munter ihr Ziel, in sekundenschneller Aufeinanderfolge.

Die zwei sahen schrecklich aus, aber sie schienen nicht müde zu werden, während nun ihr Atem auch immer schwerer ging, da sie sich nichts schenkten und auch ihre vormals atemlose Schnelligkeit wurde langsamer, schwerfälliger, aber ich sah immer wieder Dracos Wut in seinen Augen aufblitzen und ich schalt ihn innerlich einen Idioten.

Im Kampf hatten solche Gefühle nichts verloren. Ich warf einen taxierenden, abwägenden Blick auf Severus, der wie immer Herr seiner Gefühle und somit seiner Sinne war, er hatte damit den Joker in der Hand. Ich hätte viel darauf gesetzt, dass er den alles beendenden Schlag würde setzen können. Nicht weil Draco unterlegen, oder kein gleichwertiger Gegner war, einfach nur, weil Draco die blanke Wut trieb und Severus halt der eiskalte Taktiker blieb und seine Gefühle verschloss.

In einem Kampf, in dem beide Kontrahenten mehr oder minder gleichwertig waren und höchst konzentriert, konnte die kleinste Ablenkung die Entscheidung bringen und auch wenn Draco seine Wut dazu trieb härter zuzuschlagen, länger durchzuhalten und brutaler vorzugehen als normal, so würde sie zum Schluss dazu führen, dass er kurzzeitig so abgelenkt war, dass er verlieren würde.

Was fühlte ich, da sich Draco für mich schlug? Erstmals Ärger, da ich das schon gemacht hätte, aber auch Verständnis, da die Worte, die Lucius vorhin gesprochen hatte, durchaus anstachelten. Ich war nachträglich verstimmt gewesen, dass Draco Severus nie zur Rede gestellt hatte, als dies… also, als das halt damals passiert war.

Aber ich hätte nicht gewollt, dass sich die beiden so prügelten, für eine Sache, die ich wahrlich schon begraben hatte. Hätte ich Severus sonst geküsst? Nein, ich hatte mich eigentlich gefreut, dass ich ihm wieder so nah kommen konnte ohne… Scheu oder sofort von Erinnerungen heimgesucht zu werden. Es war einfach idiotisch, sich so das Hirn heraus zu prügeln. Was mich mehr beschäftigte war Lucius‘ Intention, die ihn trieb, die beiden Männer so aufzuhetzen?

Den Grund sah ich noch nicht, wollte er, dass ich ihm dankbar war, dass er meine Ehre mehr verteidigte als Draco… na, da würde er aber eine Überraschung erleben, der gute Taktiker, so was konnte auch nach hinten losgehen.

Ich verfolgte, dass es kam wie es kommen musste und hätte mich Lucius nicht so beobachtet, hätte ich gerne die Augen geschlossen, als Draco sein Schicksal besiegelte.

Er stürmte wie ein wütender, wildgewordener Stier kopflos vorwärts und da sah ich, wie Severus zu etwas sehr Verschlagenem ansetzte. Er holte von seiner Nabelgegend mit seiner Faust aus und führte diesen Uppercutschlag in einer von links kommenden Aufwärtsbewegung, welche die Form eines Hakens annahm, aus und gelangte damit von unten durch Dracos Deckung. So knockte er ihn mit einem „One-Punch“ aus. Er traf sein Kinn von unten mit voller Wucht und es zog Draco kraftvoll von seinen Füßen und er landete unsanft auf dem Boden.

Er blieb liegen und atmete schwer, als er auf der Matte aufkam und sich nun langsam an sein schmerzendes, wundes Kinn griff. Severus stand kampfbereit über ihm und stierte wie ein schnaubendes Tier mit erhobenen Fäusten auf ihn hinab. Da wurde es mir zu bunt und ich begann, zu klatschen.

Der Applaus klang hohl und wurde von den Wänden verzerrt widergegeben und mir wandten sich nun alle Augen zu, als ich so dastand und ostentativ klatschte. Alle hatten einen überraschten und verständnislosen Blick aufgesetzt und ich musste innerlich über die drei lachen, aber ihnen zeigte ich nicht mehr als ein sarkastisches Lächeln und ich schüttelte affektiert den Kopf.

„Sehr gut, ein spannender, sehr ausgeglichener Kampf! Ihr zwei, ich bin beeindruckt!“, bekannte ich nun reichlich zynisch und ging auf die Kämpfer zu, ließ einen konsternierten Lucius in meinem Rücken zurück und ich ging vor Draco in die Knie.

„Ich gratuliere, Severus!“, meinte ich kühl, blickte ihn aber nicht an und sah in Dracos geschundenes Gesicht.

Es war dick und geschwollen, er hatte böse Cuts am Auge und die Lippe und das Kinn waren am schlimmsten getroffen worden, nur dass Severus ähnlich aussah beruhigte mich ein wenig, wobei Draco zerstörter aussah. So zog ich meinen Stab und reinigte Draco gewissenhaft, wie ich auch die ersten Heilsprüche ausführte. Er lag mit einem Arm über den Augen da, denn dass er durch eine Unvorsichtigkeit den Kampf, der ihm wohl sehr wichtig gewesen war, gegen Severus verloren hatte, kratzte offensichtlich an seinem Ego, während er atemlos nach Luft schnappte.

„Komm!“, bot ich Draco nun meine Hand, um ihm aufzuhelfen. Er öffnete nun seine Augen und blickte mir stumpf entgegen, schlug meine Hand aus und rappelte sich nun selbst auf die Beine.

„Ein spannender Kampf, Severus, danke!“, kam es nun beherrscht von Draco und er sah emotionslos, aber wieder geheilt, durch die Runde.

Als ich nun aufsah, bemerkte ich, dass Severus noch immer blutend dastand, da dies alles nicht wirklich lange gedauert hatte und er währenddessen uns und unser Verhalten beobachtete hatte. Ich erfasste nun Dracos Hand und steuerte zum Eingang. Draco folgte mir mit hoch erhobenem Haupt, als Lucius meinte:

„Wo wollt ihr hin? Ich wollte auch dich testen!“

„Danke, Lucius, ein anderes Mal!“, kanzelte ich ihn entschlossen ab.

„Was hast du? Das muss dich doch amüsiert haben!“, zeigte er eine Spur Ungläubigkeit in seiner Tonlage, darüber, dass ich derart brüsk war.

„Dann haben wir, wie es scheint, einen unterschiedlichen Humor. Ich brauche keine Hilfe, um meine Rache zu bekommen, die kommt immer und das weiß Draco auch, deshalb wirst du keinen Dank von mir erhalten, Lucius! Und wenn du mir nicht glaubst, kann ich nichts dafür, aber es haben schon viele gedacht, da kommt nichts mehr und dann kam es umso unerwarteter, für sie! So macht es doch wesentlich mehr Spaß, findest du nicht?“, zischte ich ihm eisig entgegen und spielte dabei auf den Käfer oder die Kröte an, schloss nun die Tür leise hinter uns und ließ ihn eiskalt stehen.

Hermiones Sicht Ende

Dracos Sicht

Schweigend kehrten wir in unsere Räume zurück.

In mir brodelte es immer noch, denn ich hatte verloren, war das zu fassen?

Mit einem lauten Knall fiel die Tür hinter uns zu, die ich schwungvoll ins Schloss geschmissen hatte. Ich war sauer, so was von wütend auf meinen Vater, der mich so voraussehbar provoziert hatte, aber auch vor allem auf mich, weil ich die Kontrolle derart kurzsichtig verloren hatte und deswegen auch diesen Kampf. Wo war meine so kühle Beherrschtheit gewesen?

Das hätte nicht passieren dürfen. Ich hatte die Möglichkeit gehabt, Severus für seine Tat zu bestrafen und hatte sie ungenutzt verstreichen lassen. Ich war doch sonst so diszipliniert, besonnen und jetzt, wo es für mich mal darauf ankam, tickte ich völlig aus, das ging nicht.

Potter hatte keinen guten Einfluss auf mich, entschied ich, dass er schuld war!

Noch im Gehen entledigte ich mich der mit Blut besudelten und verschwitzten Kleider, warf sie angeekelt auf den Boden und ging rasch ins Bad. Ich brauchte dringend eine heiße Dusche. Ich stellte das Wasser an und stieg unter den warmen Strahl, genoss einige Sekunden mit geschlossenen Augen die Wärme und dass sich meine geschundenen Muskeln entspannten. Severus hatte einen verdammt harten Schlag. Ich rieb mir vorsichtig über das pochende Kinn.

Da hörte und spürte ich, dass Hermione leise zu mir unter die Dusche trat und ihre Arme um meine Mitte legte. Genüsslich lehnte ich mich kurz an sie in ihre Arme, das tat gut, und spürte, wie sie nach dem Duschgel griff und mich dann einzuseifen begann. Ihre schmalen, zärtlichen Hände, die sanft über meinen so drangsalierten, geprellten und blauen Oberkörper streichelten, taten jetzt wirklich gut und ich ließ mich einfach fallen, entspannte mich und genoss ihre Aufmerksamkeit.

Wenig später traten wir gemeinsam wieder wortlos aus der Dusche. Wir schwiegen einvernehmlich und trockneten uns ab, gingen zusammen ins Ankleidezimmer. Sie suchte sich ein luftiges, dunkelgrünes Sommerkleid aus. Auch ich zog mich nach diesem aufreibenden Tag eher bequem und leger an, ein Poloshirt in dunkelblau und eine helle Leinenhose. Ich wusste, sie würde nicht ewig schweigen, spürte schon fast ihren Unmut, der jetzt aufkam, da ich immer noch nichts sagte.

Sie war wunderbar, schwieg dann, wenn sie wusste, ich brauchte gerade etwas anderes als sinnloses Gerede oder dass ich einfach nicht reden wollte, aber diesmal würde ich wohl nicht so davonkommen. Sie war sauer, ob sie auf mich wütend war, nun ja, das würde ich sicher noch früh genug erfahren. Ich verließ das Ankleidezimmer und wollte mir im Wohnzimmer einen Whiskey gönnen, aber sie hielt mich nun auf, die Schonfrist, die sie mir zugestanden hatte, um wieder klare Gedanken fassen zu können, war anscheinend vorbei.

„Was sollte das, Draco? Warum hast du die Kontrolle verloren, warum hast du dich von ihm so provozieren lassen? Das war dumm! Du musstest das nicht für mich tun!“, fuhr sie mich deutlich wütend an und es funkelte gefährlich in ihren braunen Augen.

Auch meine Wut kochte unweigerlich wieder in mir hoch, das musste sie doch verstehen. Wie? Das musste ich nicht tun? Müssen nicht, aber wollen! Ich heftete meinen recht kalten Blick auf sie, konnte nicht verhindern, dass ich genauso zornig aussah wie sie.

„Verstehst du das wirklich nicht? Ja, nach dem, was du mir neulich an den Kopf geworfen hast, hast du es wohl offensichtlich nicht verstanden. Glaubst du tatsächlich, mich hat es kalt gelassen, dass Severus dir das angetan hat? Denkst du wirklich, ich könnte da ruhig bleiben, wenn dir so was passiert? Ihn nicht eigenhändig zu töten oder ihm sonst was anzutun, hat damals alle Beherrschung gebraucht, die ich aufbringen konnte. Ich habe mich zu ihm gesetzt und ihm was vorgespielt. Aber du weißt, wie es ist, ich kann es mir nicht leisten, ihn als Feind zu haben, dafür ist Severus zu wertvoll. Denkst du, nur du willst Rache? Ich will sie auch, genauso wie du. Vater hat einen Nerv getroffen und die Bilder, wie du damals zu mir gekommen bist und danach so verletzlich im Bett gelegen hast, das war einfach zu viel“, zischte ich aufgebracht.

Ich trat näher auf sie zu, in ihren Augen funkelte noch immer Aufregung und sie blickte mir bewegt entgegen, stand nun weniger als eine Armlänge von mir entfernt.

„Ich habe die Kontrolle verloren, ja, und keinem, wirklich keinem tut das mehr leid als mir, denn das war´s jetzt für mich. Ich hätte meine Rache haben können und hab es verbockt, jetzt kann und darf ich ihn nie wieder dafür angehen. Verdammt nochmal, ich hasse das gerade!“, donnerte ich vorwurfsvoll, zum Schluss war ich immer lauter geworden, schrie ihr meine bodenlose Wut über mein Versagen entgegen.

Ich wirbelte herum und trat mit voller Kraft gegen einen der Bettpfosten. Meine Aggressionen waren nicht gestillt. Alles war wieder so nah, so wie es damals gewesen war, es fühlte sich wieder genauso an und ich wollte einfach nur irgendwas zerschlagen, meiner Raserei freien Lauf lassen. Super, das hatte Vater wirklich toll hinbekommen. Wie ich ihn gerade hasste!

Ich drehte mich abrupt um und registrierte, dass sie immer noch dastand, mich abwartend musterte, doch jede Emotion war aus ihren Augen verschwunden, stattdessen sah sie mich fragend an. Ich wusste, sie verstand jetzt, dass ich wütend gewesen war und dass ich natürlich nicht ruhig bleiben konnte, wenn ihr so was passierte, auch wenn ich das nicht oft sagte.

Sie fragte leise: „Was hast du damals getan?“

Ich wusste, was sie meinte, wollte zwar nicht darüber reden, aber ich tat es jetzt trotzdem, auch wenn ich meinen Unmut nicht verstecken konnte.

„Was denkst du wohl? Ich war bei Severus, habe mit ihm geredet und ihm klargemacht, dass so was nie wieder passieren darf, dass er dich niemals wieder anfassen darf, wenn du es nicht willst. Ich durfte ihn dafür nicht verfluchen oder ihn angehen, er ist Vaters Rechte Hand und du weißt, wie wichtig er sein könnte, aber gefallen hat mir das ganz und gar nicht. Außerdem hat ihm mein Verhalten so sehr viel mehr Kopfschmerzen bereitet, als wenn ich ihn verflucht hätte. Ich bin dann schnell zu dir zurück, habe mich weiter um dich gekümmert, wie du ja weißt, und als du dann geschlafen hast, habe ich über vieles nachgedacht. Ich war ziemlich wütend, weißt du. Und dass ich dann am nächsten Morgen auf dieser Strafe beharrt habe… Du hättest mir sonst doch nicht gesagt, was passiert ist und ich würde mich bis heute fragen, ob du damit klarkommen kannst… Mich erstaunt, wie ungezwungen du wieder mit Severus umgehen kannst. Das vorhin im Trainingsraum war ziemlich deutlich... aber du hast gelächelt…“, meinte ich noch verärgert zum Schluss hin.

Ich wandte mich wieder ab, so viele Gefühle wollte ich nicht offenbaren, das war nicht ich… aber bei ihr war ja nichts normal, wieso sollte ich es dann sein?

Ich spürte, dass sie von hinten zu mir trat und ihre Arme erneut um mich schlang, sich an mich schmiegte.

„Danke!“, hauchte sie ganz leise, wie ich vernahm.

Als ich mich zu ihr umdrehte, konnte ich das Funkeln in ihren Augen wahrnehmen, was kam jetzt? Auch wenn ihr Dank ehrlich und sanft geklungen hatte, so war sie nicht in ruhiger Stimmung, das sah ich nur zu deutlich. Meine kleine Wildkatze, sie setzte zum nächsten Schlag an.

„Aber tu das nie wieder, Draco. Du musst dich endlich an unsere Vereinbarung halten, wir halten zusammen und du darfst dich nicht so von deinem Vater für seine Zwecke nutzen lassen. Er hat schon wieder versucht, euch gegeneinander auszuspielen, damit er näher an mich herankommt! Das darf ihm nicht gelingen, Draco!“, verkündete sie eindringlich.

Sie sah mich sehr intensiv an, aber sie hatte ja recht, musste ich leider zugeben. Mein Vater durfte sie einfach nicht in seine Finger bekommen, das musste ich auf jeden Fall verhindern. Meine Kleine lernte schnell, fast schon viel zu schnell. Sie hatte Vater bereits so gut durchschaut, wirklich beeindruckend. Und sie erschien erstaunlich gefasst und kalt über den Grund des Streites, was war sie nur für ein kaltherziges Ding?

Ich bewunderte sie zutiefst für ihre Beherrschung. Auch ihre Reaktion zu Severus‘ Sieg, ihm klatschend zu seinem Sieg über mich zu gratulieren, hatte einer Kaltschnäuzigkeit bedurft, die man suchen musste, aber so war sie, immer überraschend, immer ungewöhnlich, ihre Reaktionen waren fast nie vorherzusagen.

Dracos Sicht Ende
Nach oben Nach unten
 
Kapitel 107-108
Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 1 von 1
 Ähnliche Themen
-
» Ludwig Revolution: Kapitel 15 & 16
» Das letzte Einhorn - Kapitel 09 - 11
» Tsubasa: Kapitel 026 - 030
» Seelen: Kapitel 26 - 28
» Seelen: Kapitel 47 - 49

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
When Hermione Fights :: When Hermione Fights :: Kapitel 101-125-
Gehe zu: