When Hermione Fights
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 Kapitel 357-358

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BeitragThema: Kapitel 357-358   Kapitel 357-358 EmptyMo März 11, 2013 12:01 am

357. Kapitel Fernes Wiedersehen


Eine sehr nackte Tonks, die auf einem sehr nackten Remus thronte und ihn enthusiastisch ritt, während er laut stöhnend unter ihr lag und begehrlich und hungrig über ihren Leib strich, dabei knetete er gerade ihre Brüste, genau das bekam ich zu sehen. Tonks blaue Haarfarbe war abartig und das Haar stand wirr ab. Als ich etwas lauter eintrat, kreischte sie erschrocken auf und bedeckte rasch ihre nackten Brüste, während Remus auf der Stelle versuchte, ungelenk eine Couchdecke über sie beide zu ziehen und ich wartete einfach ruhig ab.

„Arrrr…“, „Hermione!“, „Was tust du…?“, „Schau weg…!“, „VERSCHWINDE!“, riefen mir beide sofort hektisch und peinlich berührt entgegen, dabei versuchte ich, mich betont lässig an den runden Türrahmen zu lehnen und das dreckige Grinsen zu unterdrücken.

Ja, wozu so eine Gefangenschaft führen konnte wenn einem langweilig war und von Anfang an eine gewisse Sympathie vorhanden gewesen war. Sie waren schrecklich beschämt, über diese prekäre Situation, in der ich sie ertappt hatte, denn mittlerweile war Tonks‘ Haarfarbe knallpink und sie selbst rot wie eine Tomate, während ihre Fäuste sich in die Decke krallten. So durfte ich erleben, wie mich Remus nicht weniger verlegen, aber auch wütend aus seinen Augen aufgebracht anfunkelte.

„Oh mein Merlin, wie peinlich!“, jammerte Tonks und versteckte ihr Gesicht.

„Würdest du den Anstand haben oder aufbringen können, endlich zu gehen?“, fauchte Remus mühsam beherrscht.

„Oh, ich? Sorry, denkt bitte nicht, dass es das Schlimmste ist, was ich je gesehen hab! Fragt nicht… ihr scheint das recht gut zu machen, aber gut, gut, ich mach mal Kaffee in der Küche, lasst euch nicht stören!“, konnte ich nichts gegen den aufkommenden Spott in mir tun.

Tonks wimmerte unter meinen Worten unangenehm berührt auf.

„RAUS!“, knurrte nun Remus kompromisslos und ich stieß mich ab, dabei versuchte ich zu verdrängen, dass sie unter der Decke immer noch miteinander verbunden waren.

Während ich nun den Kaffee aufsetzte und etwas wehmütig in der Küche nach einem backenden Gellert Ausschau hielt, hörte ich die beiden drüben wild diskutieren und aufgebracht miteinander tuscheln, bevor sie mehr schlecht als recht zu mir in die Küche stolperten.

„Wer will?“, fragte ich rein rhetorisch in die Runde, da ich allen etwas einschenkte, um mich dann zu setzen. Immer noch herrschte eine gewisse, gespannte, aber vor allem von Tonks‘ und Remus‘ Seite aus peinlich berührte Stille.

So trank ich gerade genüsslich den Kaffee und konnte ihn endlich nach der Sache in der Großen Halle auch genießen. Unterdessen fingen sich die beiden langsam, aber sicher.

„Wie ich bemerkten durfte, habt ihr euch hier eingelebt!“, durchbrach ich schließlich das heikle Schweigen.

„Bleibt uns ja nichts anderes übrig!“, entgegnete Remus patzig.

„REMUS?!“, empörte sich auch schon gleich Tonks und ich rollte über den bärbeißigen Werwolf die Augen, sehr taktvoll, aber er selbst zog auch schon entschuldigend die Schultern hoch.

„Sorry!“, meinte er nun recht kleinlaut. Prächtig, sie schlief jetzt mit ihm und er mutierte zu einem Pantoffelwolf. Was machte ich falsch, dass das bei Severus und Draco noch nicht passiert war?

„Wie auch immer…, hier ist der heutige Tagesprophet. Ich möchte, dass ihr auf dem Laufenden seid! Es ist mühsam, euch immer alles zu erzählen, deshalb werden euch die Twins ab morgen die Zeitung liefern! In Ordnung?“, fragte ich und warf ihnen die Zeitung hin.

„Du willst uns informiert halten?“, staunte Tonks offen, während mich Remus‘ Augen nur misstrauisch maßen.

„Natürlich!“, antwortete ich knapp.

„Warum?“, fragte er auch sofort lauernd.

„Auch wenn du es nicht glaubst, ich würde euch sogar gehen lassen, wenn nicht alle denken würden, dass zumindest DU eindeutig tot bist!“, entgegnete ich genervt und erhielt zwei ungläubige Mienen.

„Und das sollen wir dir glauben?“, grummelte er mürrisch, aber ich schenkte ihm nur ein höhnendes Lächeln, schließlich war er ein Mann, der gerade um seinen Höhepunkt betrogen worden war, wie sollte da sein Gemüt etwas anderes als mürrisch sein?

„Ist mir gleich! Echt wahr, aber es bedeutet mir etwas, dass Harry zufrieden ist, dass du lebst!“, servierte ich gehässig, worauf sich wieder kurz ein ungutes Schweigen über diese Gruppe legte.

„Mal eine ganz andere Frage, das hier ist dein Haus?“, warf Tonks ablenkend ein und schien über ihre Befangenheit hinwegzukommen, dabei bemühte sie sich redlich um eine bessere Stimmung.

„Ja, mein Elternhaus!“, erklärte ich ihr schlicht.

„Und wer war vor uns hier Gast? So schnell könnt ihr es nicht in ein perfektes Gefängnis verwandelt haben!“, erkannte sie klar und deutlich die Tatsachen und ich grinste sie verschmitzt an und zwinkerte ihr amüsiert zu.

„Ohh… habt ihr beiden das ausgetestet? Zu amüsant, aber wie heißt es so schön… kein Kommentar!“, somit wackelte ich mit meinem erhobenen Zeigefinger vor ihren Gesichtern rum.

„Du bist zu geheimnisumwoben, aber lass dir gesagt sein, dass dies ein sehr schönes Heim ist!“, bemühte sich Tonks augenscheinlich ernsthaft um eine gute Basis.

„War es, danke!“

„Die Bibliothek oben, das ist doch die aus dem Grimmauld Place, oder?“, bestritt mehr oder weniger Tonks das schwere Gespräch zwischen uns.

„Ja, das ist, was mir Sirius hinterlassen hat!“, gab ich kurz und bündig kund.

„Genau, SIRIUS, den du auch hintergangen hast! Das war es, was er in seinem Testament meinte, er wusste es!“, rief Remus erregt, er schien sich an damals zu erinnern und die ein oder andere Erkenntnis schwappte über ihn hinweg, dabei warf er mir verbittert mein Vergehen an seinem toten Freund vor und umklammerte aggressiv seine Tasse. Ich hingegen senkte nun meinen Blick, denn es stimmte sehr wohl, das mit Sirius war alles sehr unglücklich gewesen und noch immer tat es mir leid, dass es so gekommen war, aber es war nicht zu ändern.

„Ja!“, war alles was ich passiv antwortete, denn ich sah es als nicht nötig, mich zu rechtfertigen. Sogleich schlug auch schon seine Hand lautstark auf die Tischplatte.

„Ohhhh… warum hat er nichts gesagt?“, stöhnte er geplagt und raufte sich verzweifelt die Haare.

„So genau wusste er es nicht, er ahnte es und… ich weiß es nicht!“, überraschte mich sein harsches Auftreten nicht wirklich, als auch schon Tonks sich nah an ihn lehnte und ihm beruhigend über den Rücken strich und ihn tröstete.

„Schschsch... Remus, ganz ruhig!“, kam es einfühlsam von ihr und er gestattete es ihr tatsächlich.

„Euch stehen die Bücher zur Verfügung. Vielleicht lernt ihr es, auch mit dem Fernseher auszukommen. Die Versorgung findet über die Twins statt…“, kehrte ich nun zu meiner geschäftigen Tonlage zurück und informierte sie gewohnt nüchtern.

„Aber ich frage nochmal, … Wer lebte hier vorher?“, unterbrach mich Tonks und ich blinzelte überrascht.

„Ich sagte doch schon, kein Kommentar!“, dachten sie wirklich, damit hätten sie bei mir Erfolg?

„Naja, es wirkte nur so sehr… bewohnt! Überall Kuchen, Kekse und alles Mögliche! Haben wir ihn verdrängt?“, wollte sie, irgendwie mit einem schlechten Gewissen gesegnet wirkend, wissen und ich rief mir die Irlanddiskussion mit Gellert ins Gedächtnis und wie er sich aufgeführt hatte, aber auf der anderen Seite vermutete ich, dass es seine Unsicherheit war, mit mehreren Menschen ab nun zu tun zu haben. Doch wenn ich ehrlich war, vermutete ich eher, dass er sich schneller zurechtfinden würde als von ihm gedacht und er die Meute in der Burg gut auf Trab halten würde.

Er war eine Diva, wie sie im Buche stand.

Ja, ich sah es vor mir, wie bald alles nach seiner Pfeife tanzen würde, vielleicht riss er noch die Burgküche an sich und würde irgendwann alle dort mit seinen Backkünsten beglücken, ein fast humoristischer Gedanke.

„Wir haben Ausweichmöglichkeiten und nein, ihr kennt die Person nicht!“, erklärte ich nun etwas unfreundlich und kehrte ins hier und jetzt zurück.

„So hätte sich das alles nicht entwickeln sollen…“, wisperte Remus betroffen und er wirkte zum ersten Mal nicht wütend auf mich. Ich überging dieses Eingeständnis von Remus, damit er sich nicht schlecht fühlte und Tonks sah es wohl ähnlich, da sie geschickt umschwenkte, auf ein völlig anderes, aber mir nicht weniger unliebsames Thema.

„Erzähl, Harry hat Lucien! Das ist… unerwartet…, wer ist die Mutter? Wie habt ihr es geschafft, das zu verheimlichen! Harry ist VATER! Ich bin hin und weg… der Kleine ist so süß…!“, haspelte eine regelrecht glühende Tonks erregt und ich seufzte leise auf.

„Tonks, ich kann dir das nicht sagen!“, wiegelte ich rigoros ab.

„Oh… bitte, ihr habt uns mit Bannen und Flüchen belegt, dass wir tot umfallen, bevor wir den Mund aufmachen oder auch nur das falsche denken könnten! Ich platze doch soooo vor Neugierde! Und Remus ist für Klatsch echt nicht zu gebrauchen!... Die Mutter ist ein brünettes, hübsches Mädchen! Genau, das sagt mir alles!“, schnatterte sie wie Lav zu ihren besten Zeiten, als ich zusehen durfte, wie Remus‘ Haupt geschlagen auf die Tischplatte aufschlug und ich unterdrückte ein Lächeln.

„Sie ist eine Slytherin und wirklich sehr… äh… nett…“, kam ich ihr nun doch entgegen, nachdem sie mir so offen und vorurteilslos entgegengetreten war. Ich versuchte Daphne zu umschreiben, denn seit langem war unser Verhältnis nicht mehr unbelastet und ich tat mich schwer mit ihrer Art.

„Schlange, wow, das hätte ich von Harry ja NIE gedacht! Und dann sagte Remus, dass Malfoy auch noch der Pate ist…, ich bin sprachlos!“, wedelte sich eine erfreute Tonks mit der Hand Luft zu.

„Ich auch… denkt bloß nicht, dass sich Harry und Draco deshalb wirklich mögen!“, schränkte ich rasch ein und stöhnte leidlich auf, während ich bei diesem Eingeständnis die lauernden Augen des Werwolfs auf mir liegen fühlen konnte. So hob ich betont gleichgültig meine Tasse an, um einen Schluck zu trinken.

Doch in diesem Moment änderte sich plötzlich alles. Ich dachte, mich würde ein Magenschwinger der besonderen Art treffen, so entglitt mir wie in Zeitlupe das Porzellan aus meinen erschlafften Fingern.

Klirrrrrrr! Meine Tasse zersplitterte in abertausende Scherben und ich unterdrückte den beschämend keuchenden Schmerzlaut, der mir auf den Lippen lag.

„Hermione!“, „Was ist…? Du, du bist ganz blass!“, „Hallo, geht es dir gut?“, riefen die beiden durch meine wie betäubt erscheinenden Ohren unerwartet fürsorglich und erstaunlich besorgt.

Dabei sprangen sie erschrocken auf, um zu mir zu kommen, selbst Remus wirkte ängstlich als er mir doch tatsächlich behutsam die Hand auf die Schulter legen wollte, doch ich zuckte vor der zu erwartenden Berührung zurück.

Der Gedanke an eine Berührung bereitete mir fast physischen Schmerz.

„Nicht!“, bat ich ausweichend mit heiserer, atemloser Stimme und er zog fast widerwillig seine Hand zurück.

„Was ist passiert? Hast du Schmerzen?“, wollte nun Tonks auf der anderen Seite von mir sorgsam wissen und ich presste gerade die Säure in meine Kehle zurück und schluckte, während ich wie benommen nickte und zitternd auf die Füße kam, das war noch nie passiert, ich war sehr unsicher, was das genau zu bedeuten hatte.

„Ich… ich muss weg…“, würgte ich, als mir jemand unerwartet den Weg versperrte.

„Nein, dir geht es gar nicht gut! Bleib! So kannst du nicht gehen!“, „Das stimmt, du wirst nicht weit kommen, du machst den Eindruck als ob du gleich ohnmächtig werden wirst!“, fassten beide überfürsorglich zusammen und dafür hätte ich sie gar nicht gebraucht. Mich überraschte ihr Verhalten sehr wohl.

Dass sie sich um mich sorgten war fast lachhaft!

Also riss ich mich entschlossener zusammen und richtete mich ruckartig auf, um Stärke zu demonstrieren, denn das hier war ernst, sehr ernst und ich musste sofort los. Ich durfte mich nicht hängen lassen.

„Geht mir aus dem Weg…“, drohte ich knurrig und kämpfte um die Oberhand, denn die Gefahr war durchaus vorhanden, dass ich sie bald mit weißschimmernden Augen ansehen würde. Nun wichen sie vor meinem wohl noch braunen, aber nicht weniger entschlossenen Blick furchtsam zurück. Ich wusste nicht was sie sahen, aber es machte ihnen augenscheinlich Angst, denn sogleich hatte ich freie Durchfahrt und ich ließ mit rasanter Geschwindigkeit mein Haus und die Gefangenen hinter mir.

In mir ging es drunter und drüber, fast kopflos stürmte ich aus der Tür und noch bevor die Tür tatsächlich ganz zugefallen war, sprang ich schon und apparierte mit aller Konzentration, derer ich noch fähig war.

Panisch und regelrecht blind vor Hektik stolperte ich rasch vorwärts. Die Leute, die mich sahen, blickten mehr als überrascht, vielleicht weil ich es war, oder aber weil ich wie eine irrsinnige weiter hetzte?

Es war mir gerade sehr gleich, wie verzweifelt ich wirkte!

Die Tür vor mir sprang fast aus den Angeln als ich sie magisch öffnete und als ich das Zimmer dahinter erstürmte fand ich es tatsächlich leer vor.

Ein markerschütternder , frustrierter Schrei entkam meiner Kehle!

Erst dann war ich in der Lage, wieder wildentschlossen weiterzueilen. Atemlos schnaufend hastete ich zum Kamin. So wisperte ich nur mein Ziel als auch schon alles in einem schwarzgrünen Aschewirbel um mich herum dunkel wurde und ich dem hektischen Klopfen meines Herzens lauschte, das mir bis zum Hals schlug.

Nach nur Sekunden spuckte mich der Kamin wieder aus und ich purzelte sehr unelegant aus dem selbigen, denn das Drehen und das vorhergehende Apparieren hatten mir nicht wirklich geholfen, wieder zu mir zu finden und das ANDERE zehrte sehr an meiner Konzentration.

So landete ich dann auch hart auf dem steinernen Boden und blieb erst mal kurz ausgelaugt liegen, um meinen unruhigen Magen zu beruhigen, während ich zu meinem Widerwillen auch schon wahrnahm, dass mein wenig schmeichelhafter Auftritt bemerkt worden war. Die Flügeltüren zum Saal hin waren offen und ein reges Treiben herrschte hier.

„Hermione?“, vernahm ich wie aus weiter Ferne eine zögerliche, vorsichtige Stimme und dann noch eine und noch eine. Das war ja zum Haare ausreißen!

Anscheinend versammelte man sich um mich und ich lag hier, grazil wie eine Schildkröte auf Landgang, auf dem Rücken herum und so blinzelte ich betont intensiv die kahle, graue Steindecke über mir an.

Dabei überprüfte ich nur gewissenhaft, ob ich noch im hier und jetzt verankert war und mich nicht schon weiße Augen zierten, denn das dröhnende Wispern, das sofort bei meinem Erscheinen eingesetzt und mich überfallen hatte, war wenig hilfreich, die Kontrolle über mich zu behalten.

ICH MUSSTE HIER WIEDER WEG!

Und das ganz schnell!

Als ich mich aufrappeln wollte und mich hochzuziehen versuchte, stöhnte ich nur verkrampft auf und wand mich unruhig, denn mir war sehr schwindelig und alles tat mir so schrecklich weh. Ich fühlte mich recht hilflos.

Eine derartige Zurschaustellung von offensichtlicher Schwäche, Verwirrung und Hilflosigkeit vor diesem neugierigen Publikum war schon sehr demütigend für mich, auch wenn ich gar nicht wirklich registrierte was um mich herum passierte. Ich bemerkte jedoch, dass plötzlich jemand besorgt vor mir kniete und mich recht fest und unsanft an den Schultern packte und ich automatisch nach ihm schlug, denn noch immer war jede Berührung wie ein stechender Schmerz.

„Hey, Sonnenschien, reiß dich zusammen!“, raunzte er mich ungeduldig an und ich riss bei seinem Tadel die braunen Augen weit auf.

„GELLERT, Göttin sei Dank... Hilfe… Hilfe!“, stotterte ich atemlos. Es fiel mir sonst enorm schwer, um Unterstützung zu bitten, aber gerade hüpfte ich mehr als bereitwillig meilenweit über meinen langen Schatten.

„Ruhig!“, befahl er bestimmt und sehr grimmig, dabei zog er mich fast ruckartig auf die Füße und ich ging mit, ließ mich hochziehen um dann auf wackeligen Beinen dazustehen und mir mit zitternder Hand eine verschwitzte Locke hinters Ohr zu streichen.

„Hey Granger… was ist mit dir?“, wollte ein besorgter Pucey wissen, während die anderen ähnliche Fragen stellen und die Kakophonie von ihren Fragen zusammen mit dem beständigen Wispern mich fast wahnsinnig machten. Ich wollte mir beinah kindisch die Hände gegen die Ohren drücken, um einfach alles auszublenden, aber diese Blöße gab ich mir dann doch nicht und biss mir nur fest auf die Unterlippe.

Ich reagierte gar nicht auf die anderen Personen, sondern starrte nur Gellert an, versuchte mich nur auf ihn zu konzentrieren und alles andere auszuschließen.

„Es sind die… Kinder…?“, fragte er seelenruhig und alles verstummte abrupt, als er „Kinder“ erwähnte, bevor ich sachte nickte und er eine auffordernde Geste gab, dass ich sprechen sollte.

„Urplötzlich… das Ritual liegt noch nicht lange zurück! Es ist ganz anders als sonst! Es ist wie ein… ein Hilfeschrei von ihnen!“, sprudelte es panisch aus mir heraus. Das Bild, das ich den anderen bot, wollte ich mir nicht vorstellen.

„Vielleicht ist es das auch und sie brauchen dich?“, wagte er eine heikle These und war dabei noch immer mit einer bewundernswerten Ruhe gesegnet, auf die ich langsam, aber sicher so etwas wie Neid entwickelte, da in mir leider selbst nicht annähernd solche Besonnenheit ruhte. Ich war im Moment auf dem besten Wege panisch zu werden.

„Ich, ich… ach… ich kann nicht denken…“, stotterte ich leise und presste nun meinen Handballen in meine Augäpfel. Seitdem ich hier war pochte es so dramatisch in meinem Hirn, wenn man angeschlagen war sollte man Irland wahrlich meiden.

„WAS GEHT HIER VOR?“, donnerte ein anscheinend eben herbeigerufener Flint besorgt, aber sowohl ich als auch Gellert beliebten, ihn nicht zu beachten.

„Jetzt mal ganz ruhig, Sonnenschein! Wir bekommen hier gleich ein Problem, wenn du dich nicht zusammenreißt, verdammt nochmal!“, brüllte er mich nun an und ich zuckte etwas zurück, aber ganz zu mir drang er nicht durch, als alles verstummte legte er los:

„DU veränderst HIER die Atmosphäre, reiß dich gefälligst zusammen! VERSTANDEN?“, schrie er ungemütlich, bevor mich auch schon seine flache Hand hart an der Wange traf, dabei verpasste er mir mit erstaunlicher Gewandtheit für seine alten Jahre eine saftige Ohrfeige. Erst jetzt, als mein Kopf durch die Gegend flog, durchdrang er den Nebel, der sich, fast plastisch für mich, über mich gelegt hatte und ich verstand auf eine sehr abstrakte Weise was er meinte, dass ich hier die Atmosphäre änderte, die Umrisse wurden schärfer und kantiger alles zugleich, aber auch verschwommener. Denn es stimmte, zwar schien es niemand der anderen groß zu bemerken oder auch nur zu spüren, aber es geschah wirklich, irgendetwas tat ich mit meiner Umgebung, was tatsächlich gar nicht gut war und nachdem er mich brutal in die Realität geholt hatte, riss er mich aus meinem verderblichen Tun.

„Hey, spinnst du, OPA?“, fauchten die Jungs Miles Bletchley, Roger Davies und Adrian Pucey aggressiv. „Geh weg von ihr!“, „Wage das nochmal und ich schlag dich!“, riefen sie erregt und wollten tatsächlich an ihm rumzerren.

„Verzieht euch!“, schnauzte ich böse und wedelte verscheuchend mit den Händen. Gerade konnte ich ihnen für ihre Sorge nicht dankbar sein, denn wenn er mich nicht derart grob zurückgeholt hätte, wer weiß was hätte passieren können. Im Moment überschlugen sich die Ereignisse um mich zu sehr und unübersichtlich für mich.

Nur eins wusste ich mit Bestimmtheit, das hier war alles brandgefährlich für mich, aber vielleicht auch für die anderen. Wer wusste das schon?

„Dir geht es nicht gut!“, glaubte ich Alicia zu hören.

„Der geht es eindeutig nicht gut!“, „Warum ist die immer so komisch?“, „Brutal! Was will Draco von der?“, „Sie wirkt leicht irre!“, „Er nicht weniger!“, „Da haben sich zwei gefunden!“

„Gib mir deinen Stab…“, forderte Gellert plötzlich sehr bestimmt und abrupt, dabei tauchte seine gichtige Hand in meinem verschwommenen Sichtfeld auf.

„Spinnst du?“, „Kommt nicht in Frage!“, „Du bist ein Gefangener!“, brüllten alle aufgeregt und ich überlegte gar nicht lange und schon landete mein weißer Stab vertrauensvoll in seiner alten Hand, wie schon einmal als er mich beim ersten Mal gerettet hatte.

„Das, das ist, wow…“, „Granger, tickst du noch richtig?“, „Jetzt spinnt sie ganz!“

„Nun komm!“, befahl Gellert energisch und ich blinzelte ihn blind an.

„Wie…“, hauchte ich schwach.

„Wie wohl, du hältst dich fest, nur diesmal bringe ich dich in die Höhle!“, befahl er ungeduldig und ich keuchte schmerzhaft auf.

„Das glaube ich nicht, hier liegt ein Apparierschutz!“, informierte recht sparsam ein indignierter Ravenclaw namens Roger Davies.

Da zeichnete Gellert gerade mit unglaublicher Eleganz einen Zauber in die Luft und fasste mich recht grob an meinem Oberarm.

„Nicht mehr!“, beschied er arrogant und die anderen starrten ihn sprachlos mit einem gewissen Horror im Blick an, bei der Erkenntnis, dass er mit einem einzigen nonverbalen Wisch einen hochgradig komplexen Zauber brechen konnte und ich keuchte wispernd:

„Ein genialer Magier!“

Ich wäre amüsiert gewesen, wenn mich nicht ein erneuter Hilfeschrei meiner Kinder, der mir durch Mark und Bein ging, durchzuckt hätte.

„Dann mal los!“, meinte er schon fast irrsinnig grinsend über mein Kompliment, worauf er umgehend laut lachend mit mir apparierte und eine schockierte Meute zurückließ, die damit klarkommen musste, dass Gellert mit einem Schwenk ihre Banne gebrochen hatte um uns wegzubringen.

Wie gesagt, Gellert war nicht umsonst der Magier gewesen, als der er in den Geschichtsbüchern stand!

Ruckartig wurde ich hinweggezogen und durch diesen engen Schlauch hindurchgepresst. Wenigstens musste ich mich nicht konzentrieren wohin es ging. Woher ich wusste oder ahnte, dass er mir wieder helfen würde?

Ich hatte es nicht gewusst, ich hoffte es nur!

Warum stellte ich mich nicht alleine den Inferi in der Höhle?

Weil ich die große Sorge hatte, ohne jemanden an meiner Seite nicht mehr den Weg hinaus zu finden aus der „anderen“ Welt. So ungerne ich es mir eingestand, aber ich brauchte Hilfe und ich war nicht dumm genug, um nicht zu erkennen, dass ich gerade als SoulGatherer mit dem Feuer spielte und mit dem Unbekannten, dem Unkalkulierbaren!

Dieser Kampf um die Macht war noch nicht entschieden und das war es, was mich fürchten ließ, dem nicht alleine gewachsen zu sein.

Wir erreichten die Höhle und sogleich stolperte und stürzte ich und Gellert war nicht in der Lage, meinen Fall aufzufangen, als wir uns wieder materialisierten. Ich blinzelte schon wieder benommen, aber diesmal nicht, weil sich meine weißen Augen bemerkbar machten, sondern weil ich durch die hoch an der Höhlendecke stehende, magische Sonne geblendet wurde. Diese tauchte den Mittelpunkt der Höhle in ein gleißendes Licht, ansonsten war die Höhle stockfinster. Aber die Schatten am Rand wirkten durch dieses magische Licht noch dunkler und ließen sowohl mich als auch Gellert in Finsternis getaucht.

Doch hier in der Höhle, wo das Wispern, das in der Burg in Irland geherrscht hatte, wieder verschwunden war, ging es mir an sich gleich besser und ich atmete erleichtert auf. Der Ruf der Inferi verunsicherte mich noch immer und es hatte mich viel Kraft gekostet, in Irland in der Realität zu bleiben, daher war ich erschöpft, doch ich konnte mich wieder konzentrieren und denken.

„Na, was haben wir denn da?“, fragte ein unglaublich energiegeladener Gellert gespannt, während ich zusah, dass ich wieder auf die Beine kam. Meine blutigen und angeschlagenen Knie, die dagegen heftig protestierten, beachtete ich gar nicht.

„Spannend! Diesmal sehe ich etwas… aber es liegt nicht diese mörderische Spannung in der Luft, wie beim letzten Besuch! Was haben deine Kinder, Sonnenschein? Die Inferi sind nicht auf dich scharf… sondern darauf…“, deutete er mit gerecktem Zeigefinger hinweg über den schwarzen See zur Felseninsel in der Mitte und ich versuchte die Personen auf der kleinen, steinernen Insel, die aus dem See ragte, auszumachen. Von dort ging von einer Schale in der Mitte der Insel ein gespenstisches, grünes Licht aus und ich ahnte, dass dort mein Lord seinen Horkrux aufbewahrte.

Gesichert durch meine Inferi, die in diesem undurchsichtigen See hausten und mich gerufen hatten, als sie Eindringlinge witterten, war dies ein perfekter Ort dafür. Ich erkannte zu meinem Erstaunen ein kleines hölzernes Boot, das am Rand der Insel angelegt hatte und an dem kleine Wellen anschlugen. Wow, ich hatte gar nicht gewusst, dass hier ein Boot gewesen war.

„Ja… eben, es ist anders, mehr wie ein Hilfe- oder eher Signalruf und doch hatte ich die Sorge allein zu kommen, wer weiß, was noch passiert wäre… allein…“, sprach ich meine Sorgen und Nöte tatsächlich aus und dabei klang meine zittrige Stimme wahrlich nicht fest, sehr zu meinem Unmut.

„Sonnenschein, Sonnenschein!“, tadelte Gellert regelrecht zärtlich. „Du bist kein normaler Nekromant! Vergiss das nicht, ich habe noch nie von einem Magier erfahren, der eine nicht selbst erzeugte Meute Inferi sein Eigen nannte! Schließlich ist sonst immer der Nekromant der Erschaffer dieser Untoten und damit ihr alleiniger Meister, aber du tust dies und übernimmst sie aus zweiter Hand, deshalb fordern sie so viel von dir! Wenn du sie selbst erschaffen hättest, wäre es etwas anderes! Du könntest dich nur von ihnen befreien, wenn du sie freigeben würdest an die Anderswelt oder aber, wenn du endlich über deine langen Schatten hüpfst und dir ihre Seelen greifst! Was aber wiederum nicht leicht sein dürfte, da du diese „Seelen“ aus dem anderen Reich locken müsstest. Verständlich, Sonnenschein?“, führte er aus, aber dem konnte ich grade weder folgen noch war es jetzt hilfreich.

„Nein, gar nichts verständlich, letztens haben Sie noch im Haus etwas anderes gesagt!“, hisste ich sprachlos auf, über die Tatsache, dass er nun wieder mit neuen Erkenntnissen kam, während ich wie gebannt die zwei sehr verloren wirkenden Menschen auf diesem kargen Felsen im Blick behielt. Leider erkannte ich nicht, wer es war…

„Versteh doch, um ihr wahrer Herr zu werden, der wahre Besitzer dieser Armee hier, musst du ihre Seelen sammeln, ihre Seelen besitzen, etwas was du bei dieser Journalistin gemacht hattest, du warst ihr Mörder und ihr Erschaffer. Sie hat dir vollständig gehorcht, ohne zu viel zu fordern und als du sie gehen hast lassen, war es nicht leicht, aber nicht so wie gerade das hier… das ist der elementare Unterschied! Diese Inferi gehören dir immer noch nicht wirklich… Das Schöne ist, in der Burg haben sie eine Bibliothek eingerichtet und sogar erstaunlich viel Material. Irland ist immer wieder bemerkenswert abgeschottet, wenn man bedenkt, dass sie sogar die „Siedlung“ als letzte durchgemacht haben… und ich hatte Zeit, einiges neu zu überdenken und zu bedenken…“

„GELLERT!“, presste ich genervt durch meine Lippen.

„Was?“, meinte er, pikiert über meine patzige Art.

„Wie Seelen sammeln? Das macht man doch bei den Inferi gar nicht…“, war ich sichtlich verwirrt.

„Das stimmt, man tötet und gibt mit dem Ritual die Seele sofort weiter und arbeitet mit dem untoten Körper, der zu einem Inferi wird! Völlig korrekt, aber jetzt kommen wir dazu, dass du halt was Besonderes bist! Wie gesagt, keinem anderen Nekromanten wäre es gelungen, diese schon fertigen Inferi zu übernehmen, eben weil sie schon tot und lebende Untote sind! Das kann nur ein SoulGatherer, indem er die Seelen holt und jetzt kommen wir zu einer Hypothese von mir, dem Prozess, den du, wenn du so willst, wiederholst, bevor du die Seele wieder zurückschickst… verstanden…?“, klang er regelrecht begeistert von seiner neuen Theorie, die mich nur finster über den See starren ließ.

„Nein!“

„Oh, ja sorry! An sich sag ich, wie das letzte Mal, dass du loslassen musst und endlich mal anfangen solltest, zu akzeptieren was du bist! Da wo du hingehen kannst, ist nicht das Ende sondern erst der Anfang!“, drang er beschwörend in mich und hörte sich in meinen Ohren gefährlich nach einem katholischen Mönch an.

„Moment… nicht so schnell… zurück zum Ritual, das ich hier abhielt, das heißt aber auch, dass das Ritual in der Höhle damals nur von einem SoulGatherer überlebt werden konnte? Kein Nekromant hätte die Inferi an sich binden können! Niemand…“, ratterte ich rasant herunter, denn eine sehr ungute Erkenntnis sackte in mir. Der Lord hatte damals absichtlich mit meinem Scheitern und mit meinem Tod kalkuliert. Er hatte mich auf eine Kamikaze Mission gesandt, mit einer fast 100 % Chance auf Versagen.

Sollte mich dieses, für den Dark Lord so bezeichnende Verhalten erstaunen?

„Keine Ahnung! Das muss nicht sein, ich denke sogar eher weniger, man ist kein SoulGatherer, man wird einer! Ich könnte mir vorstellen, dass dieses kräftezehrende, anstrengende und über die Welten hinausgehende Ritual wirklich der entscheidende Stoß war, der dafür sorgte, dass das SoulGatherertum ausbrach!“, holten mich seine verhaltenen Sätze in die Wirklichkeit, denn dies hörte sich eher an, als hätte der Lord zwar gewusst auf was er sich einließ und es ganz einfach zu einem Experiment gemacht, das einzig und allein auf meinem Rücken ausgetragen worden war und in das ich zu naiv, zu treudoof und zu vertrauensselig hineingestolpert war, wie ein Schwein zur Schlachtbank. „Du verstehst? Du warst in diesem entscheidenden Moment stark und mächtig genug, um ein SoulGatherer zu werden!“

„Das ist Mist!“, stieß ich atemlos hervor.

„Aber immer doch…“, grinste mich der zahnlückige Gellert gerade sehr satanisch an und ich lauschte widerwillig seinen Ausführungen und versank in meinen Überlegungen als es urplötzlich geschah!

Ich schoss abrupt in einem Satz hoch, da ich mit einem Paukenschlag die eisern gehaltene Kontrolle über mich verlor, weil die unruhigen Inferi, die unter der Wasseroberfläche lauerten, ungeduldig wurden.

„Du hast wieder die Augen… sie sind weiß, das ist der Effekt! Konzentration, Sonnenschein!“, hörte ich dann wie aus weiter Ferne Gellerts Worte. Tja, Alter, das war leichter gesagt als getan!

Ich ärgerte mich über ihn und sein dummes Gefasel gerade schwarz, denn klar stimmte etwas ganz und gar nicht. Ich versuchte, den mürrischen, alten Mann auszublenden und dann erkannte ich auch endlich, durch meinen Effekt, der mich wie auch immer sehr viel näher mit meiner Wahrnehmung zu dem Felsen brachte, wer das da war und meine schlimmsten Vermutungen wurden bestätigt. Mir wurde übergangslos schlecht.

Das dort auf dem Felsen waren doch tatsächlich Harry und Dumbledore!

Der Alte löffelte etwas aus der Schale und schien schwer auf Harry einzureden, der ihn nun mit dem, was auch immer in dieser leuchtenden Schale war, fütterte, da Dumbledore auf dem Boden zusammengebrochen war. Plötzlich hörte man von den beiden ein entferntes, lautes Wimmern und ein Heulen. Als nächstes rangelten die beiden, sie kämpften regelrecht, da Dumbledore augenscheinlich nicht weiter trinken wollte, aber Harry packte ihn recht unsanft und zwang ihn dazu weiterzutrinken.

Was für einen Unsinn trieben die da gerade?

Sie würden es nie gegen eine entfesselte Inferimeute schaffen, die gerade dabei war, begierig darauf zu warten ihren Auftrag auszuführen, um das zu schützen, was der Lord hier sicher verwahrte.

Also raffte ich mich auf und zwang mich wieder ins hier und jetzt, dabei wechselten meine Augen und meine Sichtweise auf meine Umgebung und ließen mich kurz orientierungslos zurück.

„Gellert… was muss ich tun? Sie müssen mir helfen diese Horde zu lenken!“, wisperte ich hektisch und auch leicht überfordert.

„Moment, Sonnenschien! Ist das da hinten nicht Albus…? Meine Augen sind leider nicht mehr die Besten!“, fragte er nun versonnen.

„JAAAAA, aber schauen Sie, sie holen irgendwas aus der Schale und meine Inferi werden unruhig, helfen Sie mir!“, drängte ich ihn ungeduldig, da ich nicht zu laut werden durfte, schließlich sollten die beiden doch nicht auf uns aufmerksam werden.

Gellert handelte und begann mit seinem oder besser meinem Zauberstab zu zaubern und plötzlich war es als würde die Szenerie auf dem Felsen näher, wie in Großaufnahme, zu uns gezogen werden und dann kam auch schon wortwörtlich Leben in meine untoten Kinder.

Der fast bewusstlose, alte Professor bat zitternd um etwas, was Harry veranlasste, sich mit dem Becher in der Hand an den Rand der Felsen zu begeben. Ich riss automatisch die Hand hoch und wollte ihn am liebsten daran hindern, das Wasser zu berühren, denn es war die letzte Barriere die meine Kinder zurückhielt!

Fast gierig hofften meine Inferi darauf, dass er dies tun würde. Es war ein Mechanismus, der sie in Gang setzte und in der Sekunde als er das Wasser berührte, passierte alles Schlag auf Schlag und ich keuchte nur noch gepresst auf.

Harry hatte keine Ahnung von Inferi! Ich glaubte, er ahnte nicht mal, dass es solche Wesen in der Menge gab. Wie alle anderen der BL, DA und der Connection auch, hielt ich sie absichtlich weit fern von diesem verfänglichen Thema. Das grausige Bild, das sich uns bot, ließ selbst Gellert keuchen, als die Masse meiner Meute übergangslos, nun wie losgelöst, aus den dunklen Untiefen des Sees heraus drängte.

Langsam, aber stetig glitten sie geschmeidig auf Harry zu und dieser ging sofort gewohnt rasch in Verteidigungshaltung und schleuderte rasant Fluch um Fluch auf meine Kinder. Er ließ sich gar nicht die Zeit über die Inferi zu erschrecken, aber die große Zahl der Untoten war schier unschlagbar für einen einzelnen. Es war wirklich bedrohlich, wie sie sich unheimlich geschwind und fließend auf ihn zubewegten, ganz anders als die Zombies der Muggelfilme. Meinen Kindern fehlte diese hemmende Langsamkeit.

„Sie sitzen in der Falle! Albus ist keine wahrliche Hilfe und dein Freundchen recht hilflos…“, stellte er fest.

„Was soll dieser nutzlose Spruch gegen einen Untoten?“, kam es seelenruhig und leicht abfällig von Gellert und ich rollte die Augen, als Harry nun doch leicht hektisch nach hinten stolperte und über seine eigenen Füße fiel, weil er versuchte von den Inferi davonzukommen. Schön anzusehen waren die verrottenden und vermodernden Leichen wahrlich nicht und Harry wurde leicht panisch.

Gut, wie gesagt, er kannte keine Inferi, da war seine Furcht und Angst vor den Zombies wohl verzeihbar. Es war kein erbaulicher Anblick, vor allem da sie ihn fressen, ihn zerreißen und zermahlen wollten und dies tatsächlich gerade im Begriff waren umzusetzen, weswegen sie wild nach ihm grabschten. Er schrie brüllend laut auf und feuerte Sprengfluch um Sprengfluch in die unheimliche Meute.

„Dachte ich mir doch, dass das nicht alles sein kann von dem alten Haudegen!“, grummelte Gellert in seinen nichtvorhandenen Bart und ich war leicht perplex, da ich versuchte, meine Inferi zu beruhigen, aber ich schaffte es nicht, ihre Aufmerksamkeit zu erregen und fühlte mich ungewohnt hilflos und überfordert.

„Bitte?“, keuchte ich atemlos und konnte mit der Aussage gar nichts anfangen, während der zahnlückige Gellert grinsend auf Dumbledore zeigte. Dieser schien sich unter großer Willensanstrengung aufzuraffen, um seine letzten Kraftreserven zu mobilisieren und richtete sich urplötzlich entschlossen auf.

Dabei musste selbst ich zugestehen, dass dieser weißhaarige Zausel durchaus mit seiner vorhanden Macht und Ausstrahlung beeindrucken konnte. Er strahlte trotz seiner angeschlagenen Gesundheit eine gewisse Urkraft und starke Energie aus, die sein Potential als Magier erahnen ließ. Es war inspirierend so wie es verstörend sein konnte, sonst bei solchen Aktionen nur den Dark Lord zu beobachten und jetzt Dumbledore dabei zuzusehen.

Ich konnte beobachten, wie Dumbledore gerade einen magischen Feuerring, eine Art feuriges Lasso erschuf und beschwor, das gegen magische Wesen wirkte, die sich von Licht und Wärme bedroht fühlten und flüchteten. Dieses brennende, magische Seil legte er nun wie einen Schutzring sowohl um sich als auch um Harry.

Gleichzeitig hangelte Harry hektisch nach dem Gegenstand in der nun leeren Schale. Doch erkannte man an dem unbeständigen Flackern des Schutzrings wie schwach der Alte wirklich war und dass er, anders als Gellert, auch nicht in der Magie der Nekromantie firm war oder sich gar auskannte und das bekräftigte Gellert gerade, indem er schnalzend den Kopf schüttelte.

„Tsetse… Albus, als würden untote Skelette sich auf ewig von einem Feuerring fernhalten lassen! Sonnenschein, was für ein Feuer ist wahrlich wirkungsvoll gegen Inferi?“, fragte Gellert sehr forsch nach und klang wie ein Feldmarschall, aber bei mir kam es wie aus dem Zauberstab geschossen.

„Ein Dämonenfeuer!“

„Korrekt, brav! Und das hier?“, schnaubte er verächtlich.

„Hält sie kurzzeitig auf, aber da dies alles hier magisch ist und das Feuer nicht heiß genug wird, werden sich ihre Knochen wieder regenerieren und zusammensetzen, selbst nachdem sie verbrannt sind, aber sie zerfallen dadurch nicht zu Asche! Also was soll ich nun tun?“, fauchte ich genervt, als wären wir hier in einer Unterrichtsstunde, während durch meine Adern die lechzende Gier meiner Kinder floss, die auf Mord und Tod aus waren.

„Na, was wartest du? Verbinde dich, öffne dich und schneide dich, Blut ist immer gut!“, zählte er schrecklich blasiert auf und trieb mich mit seiner Nonchalance fast auf die Palme.

„Heißt, Sie haben auch keinen blassen Schimmer!“, murrte ich böse und ritzte mich umgehend mit meinem Dolch, den ich sofort aus dem Halter am Oberschenkel zog und gerade perlten dunkelrote Blutstropfen von mir in den Schwarzen See und auf der Stelle wurde ich in einen unbarmherzigen Strudel gezogen und meine Wahrnehmung wurde abrupt eine andere!

Ohne Frage sah ich gerade wieder die Welt aus meinen weißen Augen!

„Hinreißend, ein fantastischer Anblick, wenn du deiner wahren Natur freien Lauf lässt, bist du einzigartig schön!“, sinnierte Gellert begeistert. Ich wusste ja nicht, was den Alten in so einem dramatischen Moment von meiner von mir verhassten Abartigkeit faseln ließ, aber er schien regelrecht fasziniert.

Mit dieser völlig anderen Wahrnehmung der Atmosphäre durfte ich nun das nächste Drama auf der Insel aus nächster Nähe beobachten und mitverfolgen, da es war als würde ich durch die Augen meiner Inferi sehen und auch die Hitze des Feuers spüren.

„Tu was…“, raunte Gellert und ich erkannte, ebenso wie er gerade, warum er es forderte.

Der Feuerring würde nicht mehr lange halten und sie schützen. Ja, sie würden es vielleicht noch mit viel Glück in das Boot schaffen, aber danach wären sie Fischfutter für die Inferi.

Gerade bewegte sich der gleißende Ring mit dem flackernden Feuer vor, während Harry Dumbledore schützte und stützte und ihm tatkräftig zurück in das Boot half. Dabei schnitt mir das Aufjaulen meiner brennenden Inferi regelrecht ins Fleisch, nicht dass es mich behinderte oder verletzte, aber es berührte mich unangenehm, dass mein Eigentum fast vernichtet wurde.

Zu meinem Erstaunen schaffte es Dumbledore tatsächlich, den Feuerring aufrechtzuerhalten. Er schien einen eisernen Willen zu haben, aber er war zu schwach, um ernsthaft gegen die Inferi standhalten zu können. Die Hitze seines Feuers wurde immer schwächer, also griff nun ich entschlossen ein.

Noch immer tropfte mein Blut in den dunklen See und leise glitten die lateinischen Worte über meine rauen und trockenen Lippen, dabei leckte ich mir nervös mit meiner Zunge darüber.

Ich fühlte regelrecht, wie mein Wille langsam den ihren übernahm und ich die alte Programmierung, Eindringlinge aufzuhalten, langsam löschen konnte, ich den Zauber von ihnen nahm, den der Lord als er noch ihr nekromantischer Meister gewesen war, ihnen aufgezwungen hatte.

Gerade als die verrotteten Hände der Inferi an das Boot grabschten, sie über die Ränder greifen wollten um das Boot zu kentern, löste ich den letzten Bann gerade noch rechtzeitig mit einem kraftlosen Keuchen. Sollte das Boot kentern, würden Harry und Dumbledore jedoch trotzdem verloren in den Untiefen der Behausung dieser gefräßigen Untoten sein.

„Das ist gut, gut… beordere sie in ihr nasses Grab! Ganz langsam, verzaubere sie neu…“, wisperte ein nahe bei mir lehnender Gellert leise ins Ohr und ich tat wie er mir riet, beendete den lateinischen Singsang, der über meine Lippen kam und so nickte ich nur leicht zu ihm und spürte die Schweißtropfen an meiner Schläfe hinabrennen.

Es war anders als sonst. Irgendwie ging es leichter von der Hand als erwartet und doch war es hundertmal schwerer als mein verhängnisvolles Ritual damals, das ich unter den Augen des Lords abgehalten hatte um diese Inferi hier zu übernehmen.

Mir persönlich fiel es wie gesagt leicht, die Inferi zu lenken, über sie zu bestimmen, aber gleichzeitig war es für mich unglaublich schwer, nicht vollständig in diese andere Welt abzudriften und für immer verlorenzugehen. Diese schemenhaften Weiten, die nur das Ungewisse für mich bereithielten, zogen mich magisch an und ängstigten mich abgrundtief.

„Genau soooo, ja, das ist fantastisch! Himmlisch, schau dir an wie sie brav zurückweichen! Sie gehören dir! Perfekt! Lass sie aber nur nicht los! Entfesselte Inferi sind mörderisch! Weißt du was, Sonnenschein? Eigentlich könntest du dich doch jetzt gehen lassen und mal versuchen, die Seelen dieser verlorenen Inferi einzusammeln! Wäre doch einen Versuch wert! Nicht wahr? Dann würden sie sich dir vollkommen unterwerfen, wie ich schon sagte, dann wäre es als hättest du sie von Anfang an erschaffen und nicht erst so halbgar übernommen! Na los…“, drängte er inbrünstig und wenn ich gekonnt hätte, hätte ich mit den Augen gerollt. Wie konnte man nur sooo unsäglich nerven?

„Schnauf nicht so abfällig! Du hast mich geholt!“, tadelte er mein abwertendes Verhalten, denn ich sang wieder vor mich hin und ließ mich von ihm nicht ablenken.

Soeben legte das kleine Boot an und langsam hangelten sich beide aus diesem und erst auf dem schmalen Pfad am Seeufer löschte Dumbledore seinen schützenden, magischen Feuerring und ich fragte mich zaghaft, wie er sooo doof sein konnte. Wenn nicht ich die Meute noch immer zurückhalten würde, hätten die jetzt nicht halt vor ihm gemacht, nur weil er am Ausgang ankam.

Sie wären aus dem See gestiegen, wie auch auf die Felseninsel und hätten ihn verfolgt. Aber gut, wer wusste schon was ihn derart geschwächt hatte und Harry war zu abgelenkt, bestimmt würde ihm der Anblick meiner Kinder zukünftig Albträume bescheren. Dieses Bild prägte sich ein, wie die Inferi mit klackernden Kiefern hungrig nach einem schnappten.

Gerade ließen sie aufeinander gestützt den Vorraum hinter sich und der Stein schob sich wieder verschließend und schützend vor den Eingang und ich sackte erschöpft auf die Knie und wisperte immer lauter werdenden mein Crescendo, um den Schlussakkord einzuleiten, da sie weiterhin von mir, als Belohnung für ihren Gehorsam, mit meinem Blut genährt wurden.

Die brodelnde und unruhige Meute glitt langsam, aber stetig zurück ins finstere Wasser und es legte sich wieder Ruhe über die leere Höhle und auch das Boot sank nun zurück in seine nasse Behausung. Ich murmelte nun endlich die letzten Worte, bevor ich meinen Schnitt an der Hand heilte und mich vollständig verschwitzt und ermattet zu Gellert umwandte.

„Puh… gut gemacht, Sonnenschein! Und jetzt schaff noch den Rest! Wenn du es nicht wagen willst, versuche den Effekt zu verdrängen und wieder du selbst zu werden!“, sprach er ruhig, aber auch verständnisvoll auf mich ein, während ich ihn mit weißschillernden Augen anstrahlte und darum kämpfte, diese andere Welt restlos hinter mir zu lassen, was gar nicht leicht war, denn es zog mich fast unwiderstehlich in diese andere Richtung.

„Konzentration, Sonnenschein! Bedenke, du bist der Herr, der Meister! Erinnere dich!“, drang Gellert wie aus weiter Entfernung weiter in mich. Es war so schwer, nicht einfach loszulassen und jetzt erkannte ich, dass meine Entscheidung, Gellert zu holen, die einzig Richtige gewesen war, denn ohne ihn wäre es so viel schwerer. Wenn keiner da wäre, der mich beständig aus diesem Nebel heraus zu sich riefe, wäre ich verloren gewesen in den unendlichen Weiten.

Ich kämpfte erschöpft, aber entschlossen um das Zurückkehren, den nasskalten Schweiß auf der Stirn und mit geballten Fäusten.

Und plötzlich gelang es mir von einer Sekunde zur nächsten wieder mit meinen braunen Augen die Welt wahrzunehmen und noch war mein erleichtertes Seufzen in der ansonsten nun stillen Höhle zu vernehmen, als urplötzlich die nächste Hiobsbotschaft eintraft, da eine silbrige Patronusschlange vor uns aus dem Nichts auftauchte und dieses Ereignis schaffte es, dass ich von sofort auf gleich recht unsanft im hier und jetzt landete. Erneut ging ich stöhnend auf die Knie und schloss die brennenden Augen.

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BeitragThema: Re: Kapitel 357-358   Kapitel 357-358 EmptyDo März 14, 2013 11:01 am

358. Kapitel The Lightning-Struck Tower

„Wow… mach sie auf…“, schien Gellert wahrlich nur Augen für mich zu haben und den Patronus nicht wirklich zu beachten und ich schlug meine nun wieder normalen, braunen Augen erleichtert auf und blinzelte zu der hektisch zischelnden Schlange.

„Wo immer du steckst, beweg deinen Hintern hierher! Warrington hat einen Teil der DeathEater über den Raum der Wünsche nach Hogwarts geschleust. Wie er das gemacht hat? Ich hab keinen blassen Schimmer! Ist auch egal, ich halte sie auf… Bellatrix und Fenrir sind dabei, also gib GAS! Moment…, Weasley sagt gerade, dass auf dem Astronomieturm die Apparierschilde weg sein müssen, denn soeben sind Potter und Dumbledore dort aufgetaucht, wir sehen sie auf der Karte! Sieh zu, dass du dort hinkommst!“, befahl Dracos Stimme sehr herrisch, aber auch enorm zielstrebig.

Und auch wenn ich noch vollkommen erschöpft auf dem Boden kniete, verschlug es mir vor Furcht die Sprache und ich saß wirklich mit offenem Mund vor der silbrig durchsichtigen Schlange, nicht nur, dass Harry und Dumbledore gerade in die gefährliche Höhle des Lords eingebrochen waren, nein, es waren nun sogar DeathEater in Hogwarts!

Und ein derart geschwächter Dumbledore wäre nie in der Lage, Hogwarts Sicherheit zu gewährleisten!

Was für eine vertrackte und unglückliche Situation!

Wir mussten sofort zurück. Sie brauchten Hilfe, man wusste nie was passieren konnte, nicht bei diesen beiden. Ihr verhalten war nicht kalkulierbar! Bei verrückten wie Bella oder auch dem blutrünstigen Fenrir konnte alles passieren!

Die Schüler!

Meine Gedanken überschlugen sich rasant, aber da ich wieder fest in der Realität war, wurde ich nicht panisch oder hektisch, sondern nur noch ruhiger und überlegter!

Wie so oft zeigte sich, dass ich für stressige Situationen geboren zu sein schien.

„Es ist soweit!“, wisperte ich entschlossen vor mich hin und packte Gellerts Arm, entzog ihm meinen Zauberstab, den er sofort freiwillig hergab, aber ich drückte ihm im Gegenzug meinen Schulzauberstab in die Hand, eine Tat, die ihn perplex mit seinen so blauen Augen zu mir blinzeln ließ, da er augenscheinlich nicht wusste, was ich vorhatte, während sich der Patronus in silbrigen Rauch verflüchtigte.

„Warum…?“, fragte er wispernd.

„Weil wir keine Zeit haben, Sie kommen mit!“, waren dies meine letzten Worte, bevor ich uns Seit-an-Seit apparierte.

Gewohnt leise manifestierten wir uns in dem runden Astronomieturm, hoch über dem Rest der Schule und konnten auch schon von nahem einen mit deutlichen Anzeichen einer Vergiftung ringenden Dumbledore ausmachen, sowie Harry. Beide lehnten sich gerade gemeinsam über die steinerne Brüstung und als mein Blick ihrem folgte, machte ich das bedrohliche Dark Mark hoch über den Türmen von Hogwarts, am dunklen Firmament des Himmels, aus.

Mir entwich ein abfälliges wenngleich sehr leises Schnauben. Das war so was von Bellatrix‘ Handschrift, diese Frau war eine wandelnde Katastrophe!

Groß zeichnete sich der Totenkopf ab und die Schlange wand sich eindrucksvoll durch seine Augen und Nasenlöcher.

Da kam wieder Leben in den verschwitzten, zitternden und kurzatmigen Professor.

„Harry, versteck dich unter deinem Tarnumhang, schnell und such Professor Snape, nur er kann mir helfen!“, bat Dumbledore schwach und Harry wirkte erstaunlich widerwillig, sich unter dem Tarnumhang zu verstecken, nun da die Schule bedroht war!

Er wollte sich dem stellen, er wollte kämpfen, etwas was ich verstehen konnte, war ER doch der direkte Führer der BL und DA.

„Professor! … Aber…“, wandte er ein, aber die eine gesunde Hand des Alten landete auf Harrys Schulter.

„Harry, so tu, was ich dir befehle!“, bellte der geschwächte Albus tadelnd über Harrys Zögern. „Du hast versprochen, heute Abend zu tun, was ich von dir fordere!“, erinnerte er Harry anscheinend an eine Abmachung, die sie heute im Laufe ihres Abenteuers ausgehandelt hatten.

Währenddessen hielt ich mich mit einem wie eingefroren wirkenden Gellert noch verborgen im Schatten des hinteren Teils des Turmes. Diese Nähe zu seinem alten Weggefährten schien ihn gerade zu lähmen, mehr als auf die Entfernung bei der Steininsel als Albus nur ein Schemen gewesen war, im Gegensatz zu jener Situation konnte er ihn nun mehr als gut ausmachen.

Gerade jetzt Albus direkt gegenüberzustehen war augenscheinlich etwas, was Gellert erschütterte und naheging, wie schon lange nichts mehr!

„Ja, Potter, hör auf unseren Schulleiter…, versteck dich!“, höhnte es da plötzlich und da trat überraschend Draco aus der Tür, die zur Plattform führte.

Er schien die Tür mit einer gewissen Seelenruhe zu versiegeln, dabei hörte und wirkte er schrecklich arrogant und überheblich, sodass selbst Harry über diesen dramaqueenmäßigen Auftritt die Augen rollte, denn erschrocken wirkte Harry wahrlich nicht, mit seinem Nemesis konfrontiert zu sein.

„Malfoy!“, stöhnte er auch schon eher leidgeplagt, während Dumbledore sehr wohl mit einem überrumpelten Gesichtsausdruck zu Draco geschaut hatte und sich nun über die schwitzige Stirn wischte. Dabei hielt Dumbledore aber weiter seinen Zauberstab locker in der Hand, mit zitterndem Arm erhoben.

„Mr. Malfoy, was verschafft uns die Ehre?“, fragte Dumbledore rau, nachdem er sich gefangen hatte, als ein lauter, hallender Knall ertönte, der sich für meine geschulten Ohren als eindeutiger Kampflärm auf den Schlossgängen anhörte, selbst Dumbledore ruckte zu dem Krach herum, denn nun waren auch Schrei und Rufe zu vernehmen.

„Ich? Ihnen vielleicht sagen, dass DeathEater von einem Schüler eingeschleust wurden? Oder dass sich gerade Ihr Hühnchenorden mit ihnen einen Kampf liefert und Ihr heiliges Hogwarts zerlegt?“, entgegnete Draco überheblich und grinste regelrecht diabolisch, als er seinen weißen Zauberstab drohend hob und ich übergangslos erstarrte, was sollte das?

Dies stand Harry zu!

Beziehungsweise, das musste Harry machen!

Er, Harry, musste der Herr des Elderzauberstabes werden und sonst keiner!

Was erdreistete sich Draco, als mich fast der Schlag traf, da ich beobachten konnte, dass sich die einvernehmlichen und verständigen Blicke von Draco und Harry kreuzten.

DAS war ABGESPROCHEN!

Diese Offenbarung traf mich in dieser Millisekunde wie der Schlag!

Die Erkenntnis, dass dies hier eine abgekartete Sache war!

Seit wann hintergingen mich Harry und Draco? Und was veranlasste Harry, den Stab abzutreten? War er jetzt von allen guten Geistern verlassen? Was ging hier vor?

„Mr. Malfoy… Draco…“, versuchte es noch Dumbledore salbungsvoll, wenngleich auch schwach, als auch schon die Worte Dracos Lippen verließen und der Strahl des Spruchs auf Dumbledore zuraste, dieser atmete hektisch, sichtbar gezeichnet von der Vergiftung, als er auch schon in die Brust getroffen wurde.

Klappernd entglitt der Elderstab seinen schlaffen Fingern und so landete der Zauberstab zu Dumbledores Füßen und ich war noch zu perplex, denn dies alles hatte sich innerhalb von Sekunden abgespielt.

Ich war noch wie erstarrt, hatte keine Möglichkeit gehabt zu reagieren, als auch schon der Zauberstab in meine Richtung schoss, hinein in die Dunkelheit, in der wir uns verborgen hielten. Der dunkle Stab zischte knapp an meinem Gesicht vorbei, etwas was mich verwundert hinter dem Ding hersehen ließ, als auch schon Gellert ihn mit geschickten Händen aus der Luft angelte.

Erschrocken blickte ich ihn an, verärgert, dass er schneller agiert hatte als ich, wusste ich doch, dass dies vor langer Zeit einmal sein Besitz gewesen war, während er mir nun ein mildes Lächeln schenkte und mich überrumpelte, da er nicht auf seine Hände blickte, sondern zu mir und nun seine Hand ausstreckte und mir Albus‘ Zauberstab, den Elderstab, auffordernd hinhielt. Ich nickte nur sprachlos, als ich den so begehrten Zauberstab in den alten und gichtigen Händen anblickte, aber ihn noch nicht nahm, während die anderen ebenfalls wie erstarrt in unsere dunkle Ecke starrten, dahin wo der Stab hingeflogen war, aber nicht dazu kamen nachzusehen, denn gerade zog Draco die Aufmerksamkeit wieder auf sich.

„Ohhh, habe ich Sie gerade entwaffnet?“, schüttete Draco seinen Spott über Dumbledore aus, der nun seine verstümmelte, in dem schwarzen Handschuh steckende Hand umklammerte als würde sie ihn schmerzen. Er wirkte etwas verloren.

Somit wandte ich mich von Gellert ab, mir sicher, dass er mir den Stab auch später noch überreichen würde. Ich wagte es nicht, mich zu bewegen und auch Gellert hatte keinen Schritt getan, seitdem wir hier angekommen waren.

„Soll ich Ihnen etwas erzählen? Der Lord wünscht, dass ich Sie von dieser Erde tilge!“, lenkte Draco geschickt von dem verschwundenen Stab ab. Wusste er, dass ich schon da war? Nun, zumindest könnte er es vermuten wegen seines Patronus, der mich hierher gerufen hatte.

„Ich bitte Sie, Draco! Sie müssen das nicht tun! SIE sind kein Mörder! Ihre Versuche, Katie Bell mit der Kette und Ronald Weasley mit dem Gift zu ermorden, um an mich heranzukommen waren eben nur Mordversuche! Sie sind kein Mörder!“, beteuerte Dumbledore inbrünstig und versuchte, beschwörend in Draco zu dringen.

Nachdem was mir Severus erzählt hatte meinte der Alte das sogar ernst, was er hier verzapfte. Der ungläubige Ausdruck, der nun auf Harrys Gesicht lag als sein Blick zwischen dem von Dumbledore und Draco hin und her wanderte, war unbezahlbar, schließlich hatte nun auch schon Harry gemordet, wieso sollte dann gerade der böse Malfoy eine weißere Weste haben als Harry?

Aber eins musste man Dumbledore lassen, er wirkte weder beunruhigt noch nervös über seine entwaffnete und wehrlose Situation. Er vermittelte den Eindruck als wäre er Herr der Situation, so wie er lässig gestützt gegen die Brüstung lehnte und mit gütigem Blick zu Draco sah. Er vermittelte in diesem Augenblick auch nicht mehr, dass er schwach wäre oder bei Harry Halt suchen musste.

„Draco, Sie sind kein Mörder!“, drang er weiter beschwörend in ihn „Wenn Sie Sorge oder Angst wegen Ihrer Familie haben, biete ich Ihnen an, Ihren Vater so perfekt zu verstecken, dass Voldemort niemanden von ihnen bedrohen kann, wenn Sie sich weigern Ihren Auftrag auszuführen!“, bot er großmütig an und kämpfte um Haltung, da er sehr wohl immer wieder Schmerzschübe hatte, die ihn zittern ließen, sein Körper reagierte auf die Gifte, die er getrunken hatte.

„Bitte? Wie kommen Sie auf den abwegigen und beleidigenden Gedanken, ich hätte das mit der Kette und dem vergifteten Wein verbockt? Denken Sie wirklich, ein Malfoy wäre derart dämlich? Das ist eine Beleidigung sondergleichen!“, keifte Draco wütend vor sich hin, dass er sich auf den Schlips getreten fühlte, weil das jeder erkennen sollte. Unterdessen huschte ein verblüffter Ausdruck über Dumbledores gefurchtes und gezeichnetes Antlitz und Harry rollte ob Dracos Arroganz mit den Augen.

„Bitte?“, hauchte der Alte da auch schon perplex.

„Wie ich es sage! Wenn ich will, dass Leute sterben, haben sie die Angewohnheit es zu tun! Denn erstens, ich bin ein Mörder und das schon seit Jahren, also ist hier der erste Denkfehler in Ihrer Annahme!“, zählte Draco hartherzig auf und schien Dumbledore damit schwer zu treffen, denn er zuckte unter der kalten, verächtlichen Stimme von Draco zusammen.

„Und zweitens, jene Mordversuche, die Sie mir in die Schuhe schieben wollten, die hat Theodore Nott auf Befehl seines Vaters hin verbrochen! Und Theo wollte gar nicht, deshalb gingen sie in die Hose! Und wegen meinem Vater! Ich denke, dass Ihr Argument, mich und meine Familie gekonnt zu schützen, hinkt, denn wenn Sie einen wirklich und wahrhaftig vor dem Lord schützen könnten, WARUM zum Teufel steht dann Potter mit seiner Narbenfresse hier? Und was noch hinzu kommt, der Dark Lord würde sich bedanken, wenn ich ihm seine Rechte Hand abspenstig mache!“, ätzte Draco abfällig und nun gingen dem bisher beherrschten, alten Mann doch die Nerven durch und sein Mund klappte überrascht auf.

„Doch die Rechte Hand…“, wisperte er vor sich hin, als würde ihm eine Erkenntnis dämmern und er nun endlich die Bestätigung erhalten, die er schon lange vermutet hatte. Mir reichte dieses hin und her nun, daher trat ich minimal genervt vor und das Knarzen des Holzes unter meinen Füßen ließ mir die Aufmerksamkeit aller sofort zukommen.

„Endlich…“, meinte Draco ungeduldig, während ich ihm einen bösen Blick schenkte, der regelrecht hämisch von Harry mit einem Räuspern kommentiert wurde.

„Harry tritt von ihr weg!“, meinte Dumbledore erregt und zeitgleich erschrocken über mein Erscheinen, dabei versuchte er, sich wieder mehr entschlossen aufzurichten.

„Warum, Sir?“, wollte Harry konsterniert wissen.

„Harry… vertrau mir einfach, SIE ist nicht das, was SIE vorgibt zu sein… SIE ist falsch! Vertrau IHR nicht! Du weißt nicht, wer SIE ist!“, insistierte Dumbledore rasch, aber auch sehr eindringlich zu Harry und warf mir hingegen bitterböse Blicke zu und ich fragte mich nur, wenn er wüsste, dass nur ICH dafür gesorgt hatte, dass er und Harry wieder heil aus der Höhle der Inferi rausgekommen waren, wie würde er dann reagieren?

Was hätten sie nur ohne mich getan?

Eben, sie wären dort draufgegangen, einfach so! Das war eine gegebene Tatsache und ich hatte somit selbst ihn gerettet. Der Alte ging mir gerade gefährlich auf die Eierstöcke.

„Bitte? Professor, Sie verwirren mich, regen Sie sich bitte nicht so auf, es geht Ihnen nicht gut! Ich weiß sehr wohl, wer Hermione ist, denn wer oder was soll Hermione schon sein? Meine Freundin, seit Jahren, natürlich kenne ich sie!“, drehte Harry sein Haupt kalkulierend zu Dumbledore und fasste ihn fest ins Visier und blickte ihn eindringlich an, als er sich absichtlich sehr dämlich stellte.

Ich hingegen war gewillt, gleich selbst den Avada zu sprechen, sollte Dumbledore noch einmal sein bescheuertes „SIE“ über mich sagen, als wäre ich nicht anwesend!

Urplötzlich erklang ein hoher, spitzer und irgendwie frustrierter Schrei, der selbst über den Schlachtlärm im Schloss gut zu vernehmen war.

„NEIIIIIN, Harry! Das tust du nicht! Du kennst SIE nicht! SIE ist eine ganz falsche Person! SIE ist eine Malfoy!“, offenbarte Dumbledore dramaturgisch, um Aufmerksamkeit heischend seine Wahrheit mit bebender Inbrunst.

Kurze Zeit herrschte betretene Stille auf der Plattform über diese dramatische Offenbarung, bis Harry sich schlussendlich endgültig zu Dumbledore umdrehte und somit ostentativ mit dem ungeschützten Rücken zu Draco stand, ein Zeichen, dass er Draco nicht als Gefahr erkannte oder einschätzte, während er nun affektiert mit der Zunge schnalzte.

„Tsetsetse… Sir, da muss ich Ihnen vehement widersprechen!“, dabei wirkte er vollkommen ruhig über diese schreckliche Nachricht, die er soeben von Dumbledore serviert kommen hatte.

Wenn Dumbledore sich wunderte, dass keiner der hier Anwesenden groß auf seine Offenbarung reagierte, ließ er es sich nicht anmerken, da sein gesamtes Augenmerk fokussiert auf Harry lag, der soeben wichtigtuerisch fortfuhr:

„Sie kennen SIE nicht! SIE ist keine Malfoy….“, bekannte Harry ungewohnt hochmütig, als auch er es schrecklich despektierlich wagte und begann in meiner Anwesenheit mit diesem enervierend SIE über mich zu sprechen, als er unwirsch unterbrochen wurde.

„Natürlich ist SIE das! Das Buch lügt nicht, ich kann es dir zeigen und beweisen! SIE ist eine MALFOY!“, kam es frustriert von einem arg angeschlagenen Schulleiter, während ich nun versuchte, betont gleichmütig zu stehen auch wenn ich der Inhalt dieses Gespräches war und weiterhin versuchte, es nicht zu unterbrechen. Auch Draco war derart gütig, zu schweigen, als Harry auf diese Aussage reagierte, indem es ihn veranlasste, lässig mit seiner Hand abzuwinken.

„Sir, das mein ich gar nicht! Sie sind einfach fehlinformiert!“, sprach er eindringlich zu Dumbledore, als ob er zu einem Kind reden würde, dabei beugte er sich nun vertraulich näher, als wollte er eine große Neuigkeit verkünden.

Doch bevor er etwas sagen konnte wirbelte über einen versteckten Zugang plötzlich jemand stürmisch auf die Plattform und unterbrach damit kurzzeitig das Gespräch.

„SEVERUS, BITTE!“, flehte Dumbledore ungewohnt wehleidig, aber irgendwie auch erleichtert, als er ihn ausmachte und ich wusste ja um die Bitte des Alten, dass Severus dies alles beenden sollte.

Dumbledore wusste ja nichts davon, dass ich Severus anderweitig gebeten hatte, als auch schon Severus‘ so dunkle Augenbraue in die Höhe wanderte und er mit einem raschen Rundumblick das Szenario, das sich ihm hier bot, in sich aufzunehmen schien.

Der geschwächte und entwaffnete Schulleiter an der Brüstung, ihm gegenüber Draco, drohend mit erhobenem Stab, dazwischen Harry, der Dumbledore ansah und mit dem Rücken zu Draco stand. Ich stand etwas entfernt von dieser Gruppe, dabei zuckte Severus‘ Augen durchaus zu Gellert, der noch immer im Schatten verborgen ausharrte, aber ich war mir sicher, Gellert war nicht zu erkennen. Severus hatte anscheinend gleich durchschaut, dass wir noch einen weiteren, stummen Beobachter hatten. Albus wäre dies auch aufgefallen, wenn er nicht derart abgelenkt und geschwächt gewesen wäre.

„Ah, was sehe ich hier? Ein nettes Pläuschchen? Ihnen ist gegenwärtig, meine Herren, dass das Schloss angegriffen wird?“, fragte Severus in seiner gewohnt hämischen, aber gehässigen Manier in vollkommener Ruhe, als würde nicht gerade weltbewegendes passieren. Da niemand auf seine sarkastische Aussage reagierte, seufzte er gespielt auf.

„Nur zur Information an die, die damit auch etwas anzufangen wissen, uns beehren derart illustre Gestalten wie Bellatrix, Greyback, Alecto und Amycus Carrow und auch Idioten namens Thorfinn Rowle sowie Gobbens als Gäste!“, erklärte Severus zynisch. Autsch, ich verstand, dass er mir als auch Draco versteckt und doppeldeutig mitteilte, dass bis auf Fenrir, Bellas gesamter irrsinniger Trupp von Verrückten hier im Schloss versammelt war und damit waren die Schüler in ernsthafter Gefahr. Wir mussten schnell zu den DeathEatern und sie aus dem Schloss locken.

Mir war bisher nicht bewusst, dass so viele in das Schloss gelangt waren.

„Was?“, meinte Dumbledore sichtlich geschockt, der durchaus die Namen kannte, schließlich waren all diese Leute mal unter seiner Schulleiterschaft durch die Flure Hogwarts gelaufen.

„Eine Sekunde, Professor Snape!“, bat Harry höflich. „Aber der Schulleiter hatte eine Offenbarung für mich, die so nicht korrekt war und richtiggestellt werden muss! Wir werden das schnell geklärt haben und dann können wir uns wichtigerem zuwenden!“, erklärte er geschäftig, als Severus ungeduldig mit einer Geste zu ihm wedelte, endlich zu sprechen um das hier zu beenden.

Wobei es schon ein Wunder für Albus sein musste, zu beobachten, wie Severus und Harry miteinander umgingen.

„Sir, Sie unterliegen, wie gesagt, einem fatalen Irrtum! Hermione ist keine Malfoy!“, deutete er auf mich und über diese Aussage wanderte Severus‘ andere Augenbraue nun in ungeahnte Höhen. „SIE ist eine Malfoy-Snape!“, grinste er gar teuflisch, als Dumbledore schreckensbleich wurde und Harry die Bombe platzen ließ.

„Was… wa… wassssssssss?“, keuchte Dumbledore und sein fassungsloser Blick lag bohrend auf Severus, der in seinen nicht vorhandenen Bart nuschelte.

„Schrecklich, dass Potters immer derart melodramatisch sein müssen!“, schnarrte Severus verächtlich.

„Sie sind erstaunt, dass ich es weiß? Oder darüber, dass SIE auch eine Snape ist?“, fragte Harry selten süßlich, während das diabolische Lachen, das auch Dracos Gesicht zierte, nie sein Antlitz verließ.

„Das, das ist unmöglich! Hier läuft etwas falsch! Was sagst du da, Harry?“, wischte sich der zittrige Dumbledore wieder den Schweiß von der Stirn, er atmete schwer, immer abgehackter.

„Nur, weil Sie nicht alles wissen, Sir, läuft noch lang nichts falsch!“, ätzte jetzt Draco aus dem Hintergrund, dabei hielt ich mich noch immer raus und beobachtete alles nur stumm.

„Severus… nein, sag, dass das nicht stimmt! Du hast mich hintergangen? Wegen ihr?“, wisperte er fassungslos, dabei deutete er verächtlich auf mich und schien regelrecht erschüttert, aber Severus ließ gewohnt sehr tief blicken, ging mein Sarkasmus tatsächlich mit mir durch. Denn seine Züge verrieten absolut nichts!

„Harry, jetzt mach endlich, uns läuft die Zeit davon!“, warf ich zum ersten Mal ungeduldig ein und das bescherte mir die Aufmerksamkeit von Dumbledore, der mich zittrig bleich anstierte, da er meine Aufforderung schon sehr richtig einordnete, weil nun Harrys Zauberstab drohend, aber zitternd auf Dumbledore gerichtet war.

„Sir!“, meinte Severus sehr höflich, den fixierenden Blickkontakt der beiden brechend.

„WAS… WAS… ist mit… Lily?“, stotterte Dumbledore verzweifelt. Er schien sich an irgendetwas klammern zu wollen, bodenlos schien sein Kummer.

„Was sollte mit Lily sein?!“, fragte nun ein sichtlich perplexer Severus, was diese Situation hier mit Lily, mit Harrys Mutter, zu tun hätte.

„Lily, deiner einzig wahren und großen Liebe!“, wisperte der Alte eindringlich, mit glutvollem Blick, während Dumbledores Blick bei dieser Aussage von Severus hinweghuschte und sich an der Dunkelheit hinter mir festsaugte. Ich hatte ebenfalls eine leichte Bewegung wahrgenommen. Gellert musste sich gerührt haben, bei der letzten Aussage des Alten, die Liebe betreffend.

Niemand von den Männern wandte sich um, alle, Severus, Draco und Harry behielten nur Albus im Blick.

Unterdessen wurde der geschwächte, alte Zauberer beim Anblick von Gellert, der hinter mir stand und wohl wirklich etwas vorgetreten war, sodass zumindest Dumbledore ihn erkennen konnte, wachsbleich und mit offenem Mund stotterte er tonlos:

„Nein, nein… nein, nein, das kann nicht sein… du?“, kam es so sprachlos und leise über seine trockenen Lippen, dass man es nicht wirklich hören konnte, sondern ich es eher von seinen Lippen ablas, aber Severus sprach ungerührt weiter, während Harry diese letzte geflüsterte Aussage Albus´ auf sich bezog, weil er schließlich am nahesten bei Dumbledore stand.

„Sie wären nicht der erste…, Sir!“, stellte Harry nun hart fest, was dafür sorgte, dass Dumbledores ungläubiger, überforderter Blick nun zu Harry herumfuhr.

„Eine Fehleinschätzung Ihrerseits, Sir! Ich liebe nie!“, riss Severus Dumbledores Aufmerksamkeit mit dieser harten Erwiderung von Harry weg. Es ging wahrlich für den alten Mann Schlag auf Schlag, denn sein Kopf flog nur noch von einer in die andere Richtung.

Schock folgte auf Schock, dann lag sein Blick wieder in dem Schatten, wo er dachte Gellert wahrzunehmen und er atmete nur noch abgehackt und hektisch.

„SEVERUS, BITTE!“, kam es nochmal wie zu Anfang des Gesprächs flehentlich von Dumbledore, eine beschwörend innige und eindringliche Bitte, aber um was der Direktor genau bat, würde wohl nie geklärt werden können.

Dabei bemerkte Albus gar nicht Harry an seiner Seite, der zitterte, hektisch schluckte, panisch blinzelte und schrecklich nervös war, als er nun entschlossen wieder seinen Zauberstab erhob und versuchte, seinen nächsten, seinen ersten geplanten Mord zu begehen.

Seinen ersten Mord an einem Mann, den er seit Jahren kannte und es erinnerte mich brutal schrecklich an die Szene im Wald, mit dem Reh. Das würde nichts werden, da war ich mir gerade sehr sicher und genau diese Entscheidung schien auch jemand anderer in gerade diesem Moment zu fällen, denn plötzlich änderte sich in meinem Augenwinkel Severus‘ Gesichtsausdruck zu einer hassverzerrten Grimasse, die einer Fratze glich.

Es ging rasend schnell vonstatten, was nun geschah:

„AVADA KEDAVRA!“, donnerte er entschlossen hinaus und der grünschillernde Lichtblitz raste auf den todgeweihten Dumbledore zu. Der Fluch schlug aufblitzend in seine Brust ein und hob ihn regelrecht wie in Zeitlupe in die Lüfte. Es wirkte einen Augenblick so als würde er in der Luft schweben, bevor er rasant nach hinten über die Brüstung kippte und fiel.

Was nun kam schien wie in Zeitlupe zu passieren, jedenfalls hatte ich das Gefühl, plötzlich verlangsamte sich alles, denn zu dem Zeitpunkt des Einschlags passierten mehrere Dinge gleichzeitig.

Harry ließ regelrecht erleichtert die Schultern hängen, weil Severus ihm diese Last abgenommen hatte. Draco wirkte verbissen über die Tatsache, dass Severus nun eigenmächtig handelte, denn schließlich hatte der Lord ihn beauftragt, Dumbledore zu töten und keinen anderen!

Während ich nun hinter mir einen verzweifelten, erstickten Aufschrei vernehmen konnte, ein inständiges „Nein, bitte nicht!“, das eindeutig von Gellert kam, aber da sich mittlerweile das ganze Schloss in Aufruhr befand, war es nicht wirklich über den Krach und Lärm hinweg zu hören und außerdem kam auch schon rasant Bewegung in die Sache. Severus packte sofort Draco am Arm und verschwand mit ihm von der Plattform, verfolgt von einem hinterhereilenden Harry, der helfen wollte, die DeathEater aus Hogwarts zu vertreiben.

Damit ließen sie mich mit dem noch im Fall begriffenen Albus Dumbledore zurück, als er gerade dabei war wirklich hinabzustürzen.

Nur kurz flackerte der Gedanken in mir auf, dass es das war was mich stolz machte, denn auch wenn Harry es noch nicht über sich gebracht hatte, Dumbledore eiskalt zu ermorden, so schaffte er es sehr schnell, über dessen Tod hinwegzukommen und zu agieren. Man musste alles so positiv sehen wie es kam.

Das passierte also in der einen Millisekunde dieser Zeit und doch spielte sich bei mir zeitgleich etwas ganz anderes, von den anderen unbemerkt, ab!

Ich stürzte rasant, in der Sekunde als Dumbledore in der Luft war, um dann ganz langsam hintenüber über die Turmmauer zu kippen, nach vorne. Ob es an den vorhergehenden Geschehnissen in der Höhle lag oder nicht, ich war in dem Moment sofort, in der Sekunde seines Todes, wieder ein SoulGatherer, mit dem „White-Eye-Effect“

Von einem Schlag auf den Nächsten war meine Umgebung und meine Wahrnehmung eine vollkommen andere und ich durfte zum ersten Mal den Tod eines Menschen durch den „White-Eye-Effect“ wahrnehmen und miterleben.

Es zog mich regelrecht magisch zu dem Fallenden. Meine unmittelbare, reale Umgebung trat in den Hintergrund als ich Gellert wieder lauter hörte:

„Bitte nicht, Albus… ich hoffte auf… ich wollte… Albus! “, lamentierte er, während ich fast automatisch die Hand, einem Instinkt folgend, ausstreckte.

Es war faszinierend, wie sich diese fleischlose und farblose Hülle der Seele, als Abbild von dem getöteten Mann und dessen Leib, ganz langsam löste, um sich von seinem herabstürzenden Körper zu trennen. Dass das nicht normal war, registrierte ich erst in dem Moment als diese Karikatur von Dumbledore im Tod den Mund aufriss, um wie es schien verzweifelt schmerzhaft gegen diese ungewollte Trennung von Geist, Seele und Körper zu protestieren.

Aber auch ich protestierte regelrecht unter dieser ziehenden und zehrenden Kraft, die uns nun verband. Ich versuchte nämlich nicht, Albus‘ Seele zu mir zu ziehen, ich versuchte, sie in ihm zu lassen und diesen Vorgang zu stoppen, der die Trennung von Körper und Seele bedeutete, weil dies normalerweise durch den Tod geschehen sollte.

Dies wusste ich einem instinktiven Gespür zufolge. Woher dieses Wissen kam, wusste ich nicht, aber ich bemerkte sehr wohl, dass ich unter dieser unmenschlichen Belastung, die mich nun befiel, fast zusammenbrach.

Doch ich war zu stur und das in jeder Beziehung. Ich konnte das hier nicht kampflos aufgeben. Es hätte wie Versagen ausgesehen, wenn ich es getan hätte!

Auf der einen Seite war da dieser Wunsch, dieser buchstäbliche Zwang, die Seele zu nehmen, zu packen und sie mir einzuverleiben, aber gleichzeitig auch der freudige Wahnsinn über die Möglichkeit, mit dieser Seele zu spielen und sie wieder zurückzuzwängen. Einfach nur die Macht, die Kraft und das Können zu haben dies zu bewerkstelligen, war schwindelerregend und erhebend.

Dieses Machtgefühl rauschte durch meine Adern und machte mich blind gegenüber den Gefahren, gegenüber der Tatsache, dass ich nicht wirklich wusste was ich tat, aber auch dafür, dass es vielleicht über meine Grenzen hinausging was ich tat, da ich bisher meine neue Natur noch nicht im Ansatz anerkannt hatte.

„Was tust du da…, Sonnenschein!“, fasste mich Gellert grob am Arm und ich ruckte aus meiner Trance gerissen zu ihm herum, entfernte mich von der Brüstung, meine weißen Augen starrten ihn dabei blicklos an, verhakten sich regelrecht mit seinen starken, hellblau leuchtenden Augen und es war wie ein Band, das nun soeben gewoben wurde.

Wir konnten den einander fesselnden Blick nicht abwenden, selbst wenn wir gewollt hätten!

Aber es war nicht möglich, denn es tat sich etwas sehr Unheimliches, sehr Magisches zwischen uns, von dem wir nicht den blassesten Schimmer hatten was es war! Gellert spürte es auch, wie ich, das konnte ich an dem Entsetzen in seinen Augen ablesen. Er erschauderte unter meinem leeren Blick, bis ich erschrocken keuchte, weil mir einfiel, dass ich Albus vergessen hatte.

Das kam davon wenn man mit Dingen spielte, die man nicht verstand, die man nicht beherrschte, nach deren Regeln man nicht spielen konnte, weil man sie nicht kannte! Und in dem Moment, als meine Gedanken wieder bei Dumbledore ankamen, ging ein helles Leuchten, gleich meinen weißen Augen von Gellert und mir aus. Als dieses Leuchten schließlich erlosch, war es uns wieder möglich, den Blick voneinander abzuwenden.

„Was ist das?“, meinte Gellert besorgt und ich riss mich los und starrte wieder in die unendliche Tiefe, blickte auf den am Boden aufgeschlagenen, nun daliegenden toten Albus Dumbledore!

Mit blankem Horror bemerkte ich, dass etwas ganz und gar nicht stimmte, dass da etwas passiert war, was nicht passieren sollte, zumindest nicht so. Gellert hatte mich zu einem denkbar schlechten Augenblick gestört, das fühlte ich!

Da war ein Teil gehörig schief gelaufen.

Grob erkannte ich, was ich völlig unvorbereitet versucht hatte und wobei ich frappant gescheitert war, als ich nun zitternd und ausgelaugt gegen den kalten Stein zu Boden sank, wieder auf meine aufgeschlagenen Knie, dabei verschwanden auch erneut meine weißen Augen und machten den normalen Platz.

„Was ist das… verdammt… es summt in meinen Ohren? Was ist da passiert? Ich sehe ganz verschwommen! Die Umrisse…“, beschwerte sich ein nervöser, panisch klingender Gellert und ließ nun beide Zauberstäbe, meinen Schulstab und Albus‘ Stab, klappernd fallen.

Wenn dies passierte, schien es ihm wahrlich nicht gut zu gehen. Ich sammelte nun vorsorglich die Stäbe auf und verstaute sie sicher in meinen Halftern, während ich noch immer stockend nach Atem rang und den nächsten, überraschenden Horror, der über mich hinwegschwappte, zu unterdrücken versuchte.

Denn als ich Albus‘ alten Stab, den Elderzauberstab, berührt hatte, war mir eine derartige Energie eine unvorstellbare Macht und eine fast nicht zu unterrückende Gier durch die Glieder gefahren, dass mir fast schwindelte. Es war nicht so, dass es sich schlecht anfühlte, eher zu gut und das war das Problem.

Ich versuchte, mich auf das Wesentliche was gerade hier geschehen war zu konzentrieren, aber es fiel mir sehr schwer, mit diesem Heiligtum, das mir eindeutig zu nah war und meine schon genug verwirrten Sinne noch mehr verrücktspielen ließ.

„Hallo? Was hast du getan?“, holte mich Gellerts Ungeduld aus meiner Versunkenheit.

„Ich… ich… weiß es nicht!“, stotterte ich unsicher.

„Verdammt! Du musst endlich, in diese andere Welt gehen und dort dein Schicksal annehmen, solange wirst du der Spielball deiner Kräfte sein! Verdammt! Was hast du getan?“, meinte er frustriert und sah sehr alt und gezeichnet aus, während er mich tadelnd anblickte.

„Ist ja gut, hören Sie auf zu keifen! Kommen Sie, bevor sie die Apparitionssperren wieder aufbauen, ich bring Sie schnell weg“, raffte ich mich entschlossen auf, wenngleich ich mich schrecklich müde anhörte und versuchte hier zu bleiben und erst später zu verstehen was hier geschehen war und nicht wieder abzugleiten.

So zog ich mich nun wie ein altes Weib auf die Beine. Nur von meinem sturen Willen getrieben stand ich aufrecht, sodass ich ihn schnell packte um mit ihm nach Dublin in seine Wohnanlage zu apparieren. Ich musste mich stark für diese Seit-an-Seit Apparition konzentrieren, aber ich schaffte es, dass wir im Ganzen in dem Vorhof landeten, wenngleich wir von einem lauten Knall begleitet wurden, der deutlich zeigte, wie unkonzentriert ich in Wahrheit war.

„Ich… ich…“, haspelte ich stotternd und wischte mir über meine verschwitzte Stirn.

„Du musst zurück, den Weg in meine Gefängniswohnung finde ich allein, DANKE!“, meinte Gellert sichtlich verschnupft und dabei schien er selbst etwas neben sich zu stehen, da er sich immer wieder erschöpft über die müden Augen wischte.

Ich vertraute ihm und deshalb ließ ich umgehend den missgelaunten Mann zurück und nickte nur rasch und sprang umgehend, in der Hoffnung noch durchzukommen, aber noch während ich sprang bemerkte ich, dass sie die Schilde wieder aufbauten.


_________________
“In the spring of 1988, I returned to New Orleans, and as soon as I smelled the air, I knew I was home.
It was rich, almost sweet, like the scent of jasmine and roses around our old courtyard.
I walked the streets, savoring that long lost perfume.”


Anne Rice, Interview with the Vampire
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