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 Kapitel 487-488

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BeitragThema: Kapitel 487-488   Mi Nov 12, 2014 12:39 am

487. Kapitel Memorial Day


„Oh, Neville und du bist jetzt ihr Sprecher?“, wandte Harry mit einem gewissen und bisher unbekannten Hochmut in der Stimme ein und zerrupfte gerade eine Scheibe Toast, ob vor Wut oder Nervosität sei dahingestellt.

„Das kannst du dir aussuchen, Harry, aber ist es dir lieber, wenn Hannah nachfragt?“, zweifelte Neville recht forsch zu mir hin und mein Blick zuckte umgehend zu dem mich musternden, ganz eindeutig biestig aussehenden Mädchen am Hufflepufftisch. Sie schien irgendwie zu ahnen, dass ich an ihrem waisenhaften Unglück nicht ganz unschuldig war und so schüttelte ich eiligst das Haupt.

„Danke Hermione und eben, wir, die BL, haben viel für euch getan und euch geholfen, immer und überall und bedingungslos, aber dafür erwarten wir nun Antworten!“, gab er sachlich zu bedenken, wenngleich er sehr fordernd und wenig kompromissbereit klang. „Es ist Zeit.“

Und erst jetzt fiel mir tatsächlich auf, dass Ginny, Dean, Seamus, Lavender und Parvati uns drei regelrecht in einem Kreis umlagerten und uns damit auf gewisse Art und Weise von den anderen Gryffindors abschotteten, um uns unsere Privatsphäre nach all diesen Katastrophen zu gönnen.

Sie waren treue Mitstreiter und auch zum Teil loyale Freunde, das musste man anerkennen. Wenngleich ich die Person war, die hierbei am ehesten separiert erschien, stöhnte ich leise auf.

„Moment, warum sagt keiner was? Warum schweigen alle?“, fragte ich auf einmal misstrauisch geworden.

Erst jetzt keimte die Erkenntnis in mir, dass mich noch keiner meiner Kameraden auf die Dramen angesprochen hatte, wobei aber die mehr als intensiven Blicke meiner Mitschüler auffielen. Dabei war aber auch prägnant zu beobachten, dass wirklich niemand meinen Namen oder den von Lucius in den Mund nahm.

„Das war die BL!“, bekannte Neville sofort mit so etwas wie großem Stolz in seiner Stimme und eine meiner Augenbrauen wanderte in die Höhe.

„Wie meinen?“, tat ich ihm, der sich vom tollpatschigen und unsicheren Jungen zu einem beeindruckenden und vor allem entschlossenen jungen Mann gewandelte hatte, den Gefallen und fragte nach, dabei konnte man erleben, wie seine Brust vor Stolz regelrecht anschwoll.

„So wie Neville es sagt“, lehnte sich nun Ron nah zu mir. „Blaise, Neville, Padma und Hannah, ohne sie hätten wir es nicht geschafft, dass alles so geheim bleibt, wie es gerade noch ist!“, verkündete er ernst und ich durfte in die angespannten Gesichter von Ginny, Lavender, Parvati, Dean und Seamus blicken, die nicht so wirkten, als wären sie untätig geblieben. Augenscheinlich hatten alle Mitglieder der BL unter ihren Führern aktiv bei der Aktion, Ruhe in die Schülermassen zu bringen, mitgeholfen.

„Ja, das war eine wahnsinnige Leistung, das war total krass. Ohne die Burg hätten wir nie gelernt, so effektiv und rasch zusammenzuarbeiten. Wir haben alle an einem Strang gezogen und wirklich alles und jeden, ob er wollte oder nicht, gezwungen zu schwören, dass sie schweigen werden“, kam es ganz begeistert von dem sehr aufgeweckten und aufgeräumten Neville, der sichtlich in Erinnerungen an diese Momente und seine Leistung schwelgte.

„Die ganze Schule?“, fragte ich von einem Moment zum Nächsten sprachlos.

Vollkommen platt von dieser monumentalen Aufgabe ließ ich meine Gabel wieder sinken. Erst jetzt gestand ich mir ein, dass ich die Frage der Geheimhaltung ganz weit von mir geschoben hatte.

„Da staunst du, was?“, grinste Ginny mit einem Zwinkern zu mir.

„Wie wollt ihr das geschafft haben? Das ist unmöglich“, hauchte ich daher nur wahrlich beeindruckt. „Warum lächelst du derart hintersinnig, Ron?“

„Weil es eine Glanzleistung war und ich es toll finde, dass du auch mal nicht an was denkst“, zog er mich fast schon freundlich auf und ich verzog missmutig über mein Versäumnis die Mundwinkel. Aber wo er recht hatte. Wegen meiner Wut hatte ich das Elementarste tatsächlich aus den Augen verloren, an sich unverzeihlich.

„Eher beunruhigend!“, murmelte Harry so leise, dass nur ich ihn verstand und natürlich kam mir wieder unser Gespräch im Tropfenden Kessel zu Bewusstsein. Es ärgerte mich doppelt, dass es Harrys Vermutung untermauerte, dass mir Lucius mehr als nur im Ansatz unter die Haut ging, wenn ich schlussendlich bereit war, darüber alles zu vergessen.

„Naja, die BL-Anführer sind zu den Häusern gerast, als ihr die Halle verlassen habt, und haben alle hineingetrieben und niemanden raus gelassen, bevor sie nicht alle verzaubert hatten…“, erzählte Neville sehr zufrieden und ich machte sehr große Augen über so viel Weitsicht.

„Und Harry und ich…“, sprang nun Ron gewichtig ein.

„Ja?“

„Nun, wir sind zum Eulenturm gerast und haben keinen rein gelassen. Harry ist dann auch noch auf seinen Besen, den er zu sich gerufen hat, um den Himmel zu kontrolliert, sodass kein Brief Hogwarts verlässt, bis das Zeichen über die Medaillons kam, dass alles erledigt ist!“, verkündete Ron sichtlich stolz.

Sprachlos lauschte ich diesen Erzählungen, was sie alles taten um mich zu schützen und nur mich.

Ich war gerührt und berührt, anscheinend dachten sie wirklich, ich gehörte noch zu ihnen, wenn sie bereit waren, so viel für mich zu tun. Leider blieb da noch Lucius, dessen Handeln schwerlich zu kontrollieren war, aber die BL, sowie Harry und Ron hatten augenscheinlich alles getan was ihnen möglich war, um mich zu schützen und das plättete mich wirklich.

„Hast du es nicht gespürt? Die Münze?“, wollte Harry besorgt erfahren und ich schüttelte den Kopf.

„Oh, nein, ich… ich hatte sie nicht um!“, erklärte ich stockend, denn es stimmte, zu der Zeit war ich umgeben von Werwölfen durch einen Wald gestapft und hatte versucht, meine Wut in der Jagd auszuleben, nachdem ich die Halle fluchtartig verlassen und Hogwarts in meinem Zorn gedankenlos den Rücken zugekehrt hatte.

„Wie gut, dass du uns hast“, grinsten Ron aber auch Neville verschwörerisch und ich konnte ihnen nur zustimmen. Lucius trieb mich dazu, unvorsichtig zu werden.

„Aber ihr habt das echt geschafft?“, hauchte ich zweifelnd.

„Naja, in der Zeitung steht nichts, also, ja, ich denke wir haben es geschafft!“, nickte Ginny eindringlich zu ihrer Aussage.

„Die Zeitung!“, echote ich blechern und war gewillt, meinen Schädel auf den Tisch zu donnern. „Steht wirklich gar nichts drinnen?“, argwöhnte ich offen und ich verfolgte richtiggehend den Blick, den Harry und Ron sich rasch zuwarfen und der war nicht anders als doppeldeutig zu bezeichnen. „Raus mit der Sprache!“

„Nur auf einer halben Seite wird stolz verkündet, dass sich Lucius Abraxas Malfoy und Miss Hermione Jean Granger verloben und zu Halloween zum großen Verlobungsfest nach Malfoy Manor laden werden, um es öffentlich zu feiern!“, intonierte Harry absolut neutral und leierte die Zeilen wie auswendig gelernt herunter.

„Nicht euer Ernst“, wisperte ich betroffen, ballte meine Hände zu Fäusten und fühlte den mich bindenden Reif unangenehm in mein Fleisch schneiden.

Ich würde ihn umbringen!

„Was hast du erwartet?“, wagte Neville heute extrem wagemutig zu fragen.

„Ich weiß nicht… nichts?“, hauchte ich irgendwie bewegt, während sich die Mädels um Ginny, Lavender und Parvati seltsame Blicke zuwarfen. Die Jungen wagte ich gar nicht zu beachten.

„Du hast es gehofft, ein enormer Unterschied!“, kam es recht nüchtern von Neville.

„Dafür, dass da wirklich gar nichts drin steht, hättest du eine Menge Glück gebraucht“, flüsterte Lavender traurig und blickte mich wie ein Welpe an, was mir ein doch recht abfälliges Schnauben entlockte.

„Glück? Tja, Glück, das ich grundsätzlich noch nie hatte“, ging mein Zynismus mit mir durch und ich verbot mir rigoros, daran zu denken, was für eine spektakuläre Pechsträhne ich seit Jahr und Tag mein eigen nennen konnte.

„Sag uns lieber, seit wann du, zum Doxymist, verlobt bist!“, echauffierte sich urplötzlich Parvati unendlich ernst.

„Bitte?“, frage ich perplex und blinzelte überrumpelt.

Dabei versuchten Ron und Harry niemanden anzusehen und überließen mich voll gemein den Hyänen, die wirkten, als hätten sie Blut gerochen.

„Malfoy senior sagte, ihr hättet euch in den Ferien verlobt“, drang Dean gnadenlos vor und ich machte große Augen, als ich verstand, dass die alle wirklich dachten, dass es nicht erst in der Großen Halle vor ihrer aller Augen passiert war. Bis auf Ron und Harry, die mir jetzt doch sehr eindeutige und vor allem mitleidige Mienen schenkten, schienen sie auf Lucius‘ Worte hereingefallen zu sein.

„Und was zur Magie soll das mit dem alten und dem jungen Malfoy?“, troff aus jedem Wort von Neville tiefe Verachtung, weil ich ein doppeltes Spiel treiben könnte. Ich schluckte schwer.

„Uhhh… tja, passiert ist passiert!“, würgte ich an der Ausrede, die so schwammig war, dass Schweigen vielleicht klüger gewesen wäre, weswegen Harry trocken auflachte, da er wusste, dass ich schlicht sehr schlecht log und die zweite Frage ignorierte.

„Häää?“, „Das sollen wir glauben?“, „Sind wir von gestern?“, „Oder von morgen?“, kam es recht munter von meinen Häschern, bis uns Harrys Kichern unterbrach.

„Hihihi und du wolltest dich bis nach dem Krieg nicht in so eine feste Bindung drängen lassen und nun wirst du Mrs. Malfoy, ich hab´s doch geahnt!“, entgegnete Harry fast schon trocken, worauf ich zum Unverständnis aller in ein recht lautes Lachen ausbrach, das mich ungewollt in den Fokus brachte. Aber ich konnte es nicht unterdrücken und höchstwahrscheinlich mutete es hysterisch an.

„Harry… du… du solltest unter die Hellseher gehen! Trelawney wäre so schrecklich stolz auf dich!“, brachte ich atemlos hervor und durfte erleben, dass bei meiner Aussage auch Ron und Harry zum Unverständnis aller in tosendes Lachen ausbrachen. Doch plötzlich musste ich an Lucius denken, woraufhin mir die künstlich gute Laune schnell verging.

„Was planst du nun?“, fragte Dean ernst und ich blickte ihn starr an.

„Was?“, war ich schon wieder irritiert, was sie meinten.

„Wie ich vorhin sagte, die BL wünscht sich Antworten. Was sollte das? Was ist das für eine Scharade? Ich dachte, wir dachten, du bist mit Draco Malfoy zusammen und nicht mit dem Vater“, hielt mir Neville aufgebracht vor und musterte mich eindringlich, während ich schon wieder schwer schluckte.

„Schön wäre es“, meinte ich verächtlich. „Lucius wird das eiskalt durchziehen“, sprach ich meine ärgsten Befürchtungen aus und wollte mich mal wieder nicht ausführlich rechtfertigen, was die anderen bemerkten und mir unzufriedene Mienen offerierten.

„Und was ist mit Malfoy junior?“, wagte sich Neville forsch und eisig vor und sein Blick zuckte zum Tisch der Slytherins.

„Mhm“, antwortete ich recht einsilbig.

„Er ist doch dein, naja… dein Freund? Oder?“, mischte sich Seamus vorsichtig ein, dabei schluckte er nervös und ich griff eilig zu meinem Getränk und trank, damit ich um eine Antwort herum kam.

„Und?“, „Sag was?“, erlebte ich, dass sie mich nicht vom Haken lassen würden.

„Lucius beliebt es, bei Zeiten darüber hinwegzusehen“, knirschte ich mit den Zähnen, während ich sehr leise Stellung bezog und mich in diesem Moment weit, weit weg wünschte, denn sofort stand der Ekel, der Widerwille und die Verachtung in ihren Zügen geschrieben.

„Nicht dein Ernst, oder? Du treibst es mit seinem Vater?“, lief Ginny über und über grünlich an, während Lavender eher betroffen zu mir sah und Parvati es vorzog, gar nicht zu mir zu blicken.

„Ginny!“, brauste Harry tadelnd auf und sie blickte reuig zu ihm, wobei sie doch nur aussprach, was alle dachten.

„Sorry, war nicht negativ gemeint!“, gab Ginny leutselig von sich, aber eher wegen Harrys Ton und nicht weil sie ihre Frage bereute. Ich hingegen fragte mich nun dezent, was an der Aussage positiv zu sehen war.

„Kann man so was positiv meinen?“, zweifelte Ron und zweifelte damit auch die Beschwichtigung seiner Schwester an. „Ich würde mir für die Schönste wünschen, dass sie aus Liebe heiratet und nicht aus politischem, oder taktischem Kalkül!“, wisperte Ron ungewohnt bewegt, wobei mir der Atem stockte.

„Hört auf!“, befahl Harry recht rüde.

Ein Blick von Ron und mir und uns war klar, dass er an seine eigene Hochzeit dachte und Ron zog entschuldigend in stummer Erklärung seine Schultern hoch.

„Ginny!“, mischte ich mich daher noch ein, um abzulenken. „Nein, ich treibe es nicht mit seinem Vater und wenn es nach mir geht, wird das so bleiben“, grollte ich nachtragend, dabei umklammerte ich meine Tasse brutal schmerzhaft, während ich mich abrupt zu Harry umwandte. „Denkst du, ich kann eine ewige Verlobung daraus zaubern, Harry?“ Nach meiner Frage musterte er mich lange, um dann ganz sachte sein Haupt schief zu legen.

„Sag du es mir. Du kennst Lucius am besten“, zwang sich Harry zu einem enorm gekünstelten Lächeln, als er den Vornamen meiner Nemesis aussprach. „Du magst diesen Mann“, war ein gewisser Vorwurf nicht zu überhören.

„Was meint er damit?“, fragte Neville hörbar geschockt und starrte uns wie ein Fisch auf dem Trockenen mit offenem Mund an.

„Leider das, was er gerade gesagt hat“, murrte Ron derart abfällig, dass es mir frostig den Rücken runter lief. Vor meinen geistigen Augen bauten sich rasant alle Szenen auf, die ich bisher mit Lucius erlebt und erlitten hatte. Dabei spielten vor allem diese Ferien eine sehr präsente Rolle und entlockten mir fast ein Wimmern.

Die geschockten und sprachlosen Mienen meiner Kameraden nahm ich nicht wahr, als ich in mir Ordnung schaffte und nur die eiskalte, in mir brodelnde Wut fand, um mich dann sichtbar gefasst zu den Jungs zu drehen.

„Nein, das ist unverzeihbar was Lucius hier tut, der braucht mir nicht mal mehr im Mondschein zu begegnen“, wetterte ich daher grummelnd vor mich hin in meine Tasse und trank gierig.

„Hermione!“, rief Harry weniger leise, recht aufgebracht zu mir.

„Was, Harry?“, wanderte meine Augenbraue taxierend in die Höhe.

„Schon mal daran gedacht, dass er dich nur vor der Willkür des Ministeriums retten wollte?“, gab Harry zu bedenken und zog mir mit seiner Verteidigung von Lucius Aktion regelrecht den Boden unter den Füßen weg.

Zum Glück war ich nicht die Einzige, die Harry ansah, als hätte er seinen Verstand verloren. Ich kannte Lucius und er tat nie etwas aus nur einem trivialen Grund. Er verfolgte so viele Fäden, dass seine wahre Intention mehr als sehr schwer auszumachen war. Nur eines stand fest, er tat nie etwas aus Großzügigkeit oder Selbstlosigkeit, immer stand das Wohl seiner Person im Vordergrund.

So war Lucius und man sollte sich nie etwas anderes vormachen. Es ging immer nur um ihn, ständig und zu jeder Zeit!

„Ich hätte ihn nicht gebraucht“, murrte ich nachtragend und trauerte noch immer meinem Erpressungsmaterial hinterher, das ich gehortet und gesammelt hatte, um es irgendwann als Joker auszuspielen.

„Tja, das magst du sagen, ABER woher sollte er es wissen?“, zierte Harrys Züge eine Melancholie, die man selten an einem so jungen Menschen ausmachen konnte.

„Mrrrr“, stöhnte ich mitleidig auf, denn das war die Crux an der ganzen Geschichte, verworren bis dort hinaus und ganz unschuldig war ich daran auch nicht, wenn auch nur ganz gering.

Ich war kein Teamplayer, eine dumpfe Erkenntnis, die mir nicht neu war.

„Harry, nicht dein Ernst“, murmelte Ron, worauf Harry sich mit einem Seufzen durch sein wirres Haar fuhr.

„Ich weiß, ich verteidige Malfoy, das ist absurd, aber könnte das nicht sein, angesichts dessen, wie er seit längerem um dich wirbt?“, gab Harry zu bedenken, daraufhin keuchten unsere Zuhörer, während ich abfällig schnaubte.

Nur hielt das Harry leider nicht auf, weiter in mich zu dringen und jetzt legte auch noch Ron los:

„Oder, so verschlagen wie er ist, hat er einfach die Gunst der Stunde genutzt, um das zu erreichen was er wollte. Aber er hat es nicht nur getan um dich zu ärgern, sondern auch um dich vor Askaban zu schützen.“

Rons Aussage raubte mir den Atem.

„Genau, bedenke das bitte“, warf Harry eilig ein, „in deiner Wut.“

Ich konnte es nicht fassen, dass Ron und Harry Partei für Lucius ergriffen. Die Welt war stehengeblieben. Was bezweckten die beiden damit?

„Der Wohltäter Malfoy, denkst du nicht, dass du übertreibst, Harry?“, wandte Seamus freudlos ein. „Bei deinen Worten möchte man brechen. Warst du bei einer anderen Show als ich? Bei seiner Selbstgefälligkeit hätte man kotzen können.“

„Als würde ihm alles und jeder gehören“, erregte sich Lavender mit einem eigentümlichen Glänzen in ihren Augen.

„Schrecklich eingebildeter und blasierter Mann“, „Aber auch einer, der Angst verbreitet“, wechselten sich Dean und Parvati ab.

„Ich frag mich eher, wie Hermione mit so einem Mann überhaupt auskommt. Als er so selbstherrlich in die Halle kam… ich würde vor dem nur Mäuschen spielen!“, murmelte Ginny nervös, dabei kaute sie unwohl auf ihrer vollen Unterlippe herum.

„Du und Mäuschen? Das wäre schon eine Leistung, weil sorry, Ginny, aber ein Mäuschen bist du echt nicht!“, zierte Rons Gesicht ein verwegenes Lächeln.

„Sehr witzig, Ron. Aber mal im Ernst, ich hätte und ich habe Angst vor Malfoy!“, legte sich seine Schwester aufrichtig ins Zeug in ihrer entwaffnenden Ehrlichkeit.

„Und du wolltest ihn echt noch schlagen, Hermione! Ich bin geschockt!“, bekannte Lavender. „Hast du keine Angst vor seiner Rache?“

„Ich habe auch Angst!“, „Ich auch!“, „Wer bitte nicht?“, „Dem möchte ich nicht im Dunkeln begegnen!“, waren sich die anderen sehr einig, während ich mir wünschte, ich hätte fester zugeschlagen und Lucius meine Hand nicht abgefangen.

Inbrünstig wünschte ich mir eine Trainingsstunde herbei, in der ich ihn ungestraft hätte verprügeln können. Wobei ich wusste, dass Wut ein schlechter Antrieb war und ich am Ende wohl auf der Matte liegen würde.

„Was verständlich ist, wir alle wären blöd, wenn es nicht so wäre“, raunte Neville wenig schmeichelhaft.

„Danke“, murmelte ich. Immerhin wurde ich von Neville doch soeben für unbeschreiblich blöd erklärt. Als er erkannte, was er gerade gesagt hatte, besaß er wenigstens den Anstand, rot anzulaufen.

„Also, Hermione, wie schaffst du es, nicht zusammenzubrechen, unter Anbetracht, dass er dich heiraten will? Ich fass es immer noch nicht“, schaltete sich wieder Lavender vehement ein. „Er ist sooo alt!“

„Das ist auch unfassbar!“, wisperte Parvati betroffen. „Das ist… ihhh…, der ist doch viel zu alt!“, stimmte sie ihrer Freundin nickend zu. Ich stockte und gegen meinen Willen tauchten wieder Bilder in mir auf, die mir sehr wohl sagten, dass ich mit Lucius‘ Alter gar kein Problem hatte. Schlussendlich hatte ich auch bei Severus oder Sirius keine Sekunde an das Alter gedacht.

„Mädels, lasst sie doch in Ruhe“, meinte Harry, der bemerkte, dass ich gedanklich weit weg war, beschwichtigend.

„Wer sagt euch, dass Lucius sich mit seiner Entscheidung einen Gefallen getan hat?“, murmelte ich mehr zu mir selbst als zu den anderen. Bekräftigend ruckte mein Haupt hoch, woraufhin sich Harry wenig schmeichelhaft und vor allem wenig rücksichtsvoll die Hand auf seine Stirn schlug.

„Ich werde noch mit Snape reden müssen, dass er aufpasst, dass ihr euch nicht gegenseitig umbringt“, sorgten Harrys Worte für Schweigen in unserer Gruppe.

„Hahaha, sehr witzig!“, hisste ich böse auf.

„Da fällt mir noch ein, hast du rausgefunden, wie er darüber denkt? Was bedeutet das für euch?“, hatte Harry die Güte, seine Frage in mein Ohr zu wispern und ich erstarrte.

„Nicht hier“, beschied ich eisig, während ich die Blicke bemerkte und mir dann doch ein freches Lächeln entwischen wollte, als ich an die vergangene Nacht von Severus und mir dachte.

„Natürlich!“, entgegnete Harry leicht verschnupft und ich schenkte ihm darüber ein schmales Lächeln.

Im Laufe des Tages freute ich mich, dass ich es tatsächlich schaffte, so gut zu verschwinden, dass man mich nicht mehr nerven konnte.

Das war eine durchaus respektable Leistung. Leider hielt auch das nicht ewig, da wären wir wieder bei meinem ständig schwindenden Glück, das mich zum späten Abend hin verließ.

„Warum schleichen wir zu später Stunde hinaus in die Nacht?“, fragte ich daher auch genervt.

Ich war grummelig, weil ich gerade in mein Bett hatte kriechen wollen, als Ron angekommen war und mich als auch Harry aus dem Gemeinschaftsraum der Gryffindors hinaus gelotst hatte.

„Weil es Spaß macht, auf unsicheren Pfaden zu wandeln?“, kam es etwas unsicher von Ron, der mit raschen Schritten die geheimen Treppen hinab eilte.

„Haha, äußerst komisch, wenn uns die Carrows erwischen…“, mahnte ich in bester Besserwissermanier, woraufhin Ron abfällig schnaubte.

„Wohl eher uns, dich würden sie nicht anrühren“, ging ich auf seine so wahren Worte gar nicht ein.

„Wohin geht es, Harry?“, fragte ich Harry, der bisher schweigsam neben uns her getrottet war.

„Warum denkst du, ich weiß es? Ich renne genauso wie du Ron hinterher“, murrte Harry ebenfalls mehr als mies gelaunt.

Die Stimmung unserer Truppe konnte man getrost als brutal unterirdisch bezeichnen.

Während sich in Harrys Brillengläsern der Schein von Rons Lumos spiegelte und Harrys Augen alles andere als erfreut wirkten, darüber, des Nachts herumzuschleichen, waren wir wohl beide ahnungslos. Seit unserem Streit über meine Mitgift und dem wenig erbaulichen Mittagessen hatten wir nicht mehr weiter diskutiert, da ich erkannt hatte, dass es sinnlos war.

Ich konnte nicht akzeptieren verlobt zu sein und das auch noch mit Lucius und Harry beharrte auf seiner Tat, dieser Verbindung in Form von Geld auch noch seinen Segen zu geben, was mir schon wieder bittere Galle in den Mund trieb.

Meine Wut verrauchte nicht und der Sturkopf Harry bestand weiter darauf, das Geld zahlen zu wollen. Wir waren somit bei einem Patt angekommen und gingen zu einem fragilen Waffenstillstand über, der darin bestand, das leidige Thema schlicht zu ignorieren. Dass Harry dann auch noch nach Severus gefragt hatte, verschlechterte meine Laune noch mehr. Alles in allem waren meine gefährliche Stimmung und Harrys Schwermut eine brandheiße Mischung.

„Ron, wo geht es hin?“, fragte nun Harry und Ron blickte kurz zurück zu seinem besten Freund.

„Raus zum Schwarzen See! Und Schönste, stöhn nicht, es ist nicht weit und wird nicht lange dauern“, kam es sehr widerwillig von unserem Führer, der sichtlich unzufrieden über uns war, aber sich mit einer angenehmen Disziplin zusammenriss und sein Temperament im Zaum hielt.

„Und warum? Ich will nicht“, maulte Harry auf einmal recht kindisch und schaffte es, dass Ron einen abrupten Stopp einlegte.

„Das werdet ihr dann sehen“, fauchte er plötzlich ungehalten wegen unseres Gemotzes.

Jetzt war er doch nicht mehr so beherrscht, während er sich zu uns umdrehte um uns mit wutfunkelnden Augen anzustarren, was mich überraschte. Ich konnte mir nicht vorstellen, was er vorhatte.

„Ron!“, „Ja, Ron.“, „Warum gleich so aufbrausend?“, „Nur nicht aufregen.“

„Sag mal, könnt ihr nicht die Klappe halten und mir einfach brav folgen?“, fuhr uns Ron leicht nervös, weil seine Nerven sichtbar am Ende waren, an.

Waren Harry und ich wirklich so schwer zu ertragen, wenn wir nicht gut gelaunt waren?

Doch irgendwie prallte das an uns ab, denn Harry als auch ich zuckten recht gleichgültig mit den Schultern, bevor wir uns dann aber doch folgsam in Bewegung setzten. Wenn es Ron derart wichtig war und er so ein Geheimnis darum machen wollte, BITTE!

Kurze Zeit später wurde ich immer misstrauischer, auch wenn uns Ron gesagt hatte wo es hin ging, was mich nun erwarten würde, da wir auf den in Dunkelheit gehüllten Ländereien der Schule unterwegs waren. Ich grummelte still und leise vor mich hin und war missgestimmt und missgelaunt. Alles lief gerade so richtig schön scheiße und jetzt stapfte ich in der kühler werdenden Abendluft sinnlos durch die Gegend, immer weiter weg vom Schloss, immer näher hin zum Verbotenen Wald.

Der Wald, der gerade für Harry so was von verboten war, das gab es gar nicht. Noch immer tummelte sich der ein oder andere Trupp im Wald. Die Fehde mit den Zentauren war für den Lord noch lang nicht ausgestanden.

Aber ich hatte nicht die Kraft, oder gar die Lust, mich auch noch mit Ron zu streiten und vertraute auf seinen gesunden Menschenverstand, der ihm sagte, dass der Wald für den ein oder anderen eben sehr verboten war.

„Was?“, wisperte ich lauernd, weil ich plötzlich verdächtige Geräusche vernahm, doch Ron hielt völlig unbesorgt wirkend an.

„Kommt schon, das sind die anderen“, teilte er uns belanglos mit, während er wieder losging, zur eng beieinander stehenden Baumgruppe, die schon bis ans Ufer des Sees gewachsen war.

„Wie, die anderen?“, fragte Harry sichtlich ratlos, als Ron schon im Schatten der tiefhängenden Äste verschwand. „Was soll das werden?“

„Keinen Schimmer, lass uns schnell machen, ich will ins Bett“, nörgelte ich wenig begeistert. Für mich enthielt dies hier alles ein großes Fragezeichen.

So eilte ich Ron, dicht gefolgt von Harry, der mich jedoch überholte, hinterher. Wobei ich jetzt doch meinen Stab zückte, da es hier gefährlich war. Der Verbotene Wald war unsicheres Gebiet und ich fragte mich, warum wir uns jetzt schon wieder in Gefahr brachten.

„Malfoy?“, vernahm ich nun Harry und gab selbst mehr Gas, denn ich war mehr als überrascht, dass Draco hier war.

„Draco, was machst du hier?“, fasste ich meine Überraschung in Worte.

„Tja, wenn ich das wüsste, wäre ich bedeutend schlauer“, gab mein Freund gehässig und bösartig wie eh und je zurück. „Blaise und Astoria haben mich hierher geschleppt“, erklärte er sehr mürrisch, dabei musterte er seine Kidnapper mit einem mehr als widerwilligen Ausdruck im aristokratischen Antlitz, um dann mir einen leidlich ratlosen Blick zu schenken, den ich nur inbrünstig erwidern konnte.

Was waren wir für arme, unwissende Wesen!

Hermiones Sicht Ende

Dracos Sicht

Ich fand das wirklich nicht lustig und ich verstand den Zweck des ganzen Aufstandes gar nicht und wie ich herausfand auch Potter und auch sie nicht. Also warum war ich hier?

„Was soll das alles? Redet, sonst bin ich weg“, stellte sie ihnen ein gewohnt knappes Ultimatum, das Astoria eiligst auf den Plan rief.

„Ist ja gut, Hermione, Geduld… Bitte! Ihr seid nicht ohne Grund hier… also ich… ich…“, unterbrach sie sich kurz, während sie nun händeringend und unsicher am Ufer des Sees stand und sich kurz zum hellerleuchteten Schloss wandte, das durch die leichten Hügel, welche die Landschaft hier prägten und mit den tiefhängenden Ästen der Bäumen fast nicht mehr auszumachen war.

„Astoria!“, mahnte ich leise, nicht weniger darauf aus, endlich zu erfahren, was wir hier alle sollten.

„Sorry, Draco, Hermione… Harry… es fällt mir nicht so leicht, also da meine Schwester von uns gegangen ist und so viel passiert ist wir uns nicht verabschieden konnten, hatte Blaise die Idee, naja, dass wir ihr gedenken?“, schloss sie hauchend in ihrer Unsicherheit und ich stockte. Das war nicht ihr Ernst. Mein Blick huschte zum Biest und sie kniff die Augen eindeutig wenig erfreut zusammen. Blaise stand unterdessen einen Schritt hinter seiner Freundin und nickte bekräftigend.

Das hier sollte eine Trauerfeier werden?

Ich mochte so was gar nicht und wie es aussah, war ich nicht der Einzige, der so ein Brimborium als unnötig ansah.

Aber bevor Hermione weiter negativ in ihrer Ablehnung reagieren konnte, kam ihr eine stürmische Bewegung von Potter zuvor, der urplötzlich vorstürzte und seine Schwägerin stürmisch in seine Arme riss, dabei barg er seinen Kopf an ihrer Halsbeuge.

„Das ist… das ist…“, stotterte Potter sehr leise, während Astoria ihn ebenfalls halt- und hilfesuchend in ihrer offen gezeigten Trauer umschlang.

„Schon gut, Harry, wir wollten auch dir einen Abschied ermöglichen“, trat sein bester Freund einfühlsam an ihn heran und strich aufmunternd über seinen Rücken.

„Nett“, trat ich wispernd neben Hermione und legte ihr eine Hand auf den Rücken, aber sie regte sich nicht und wollte es anscheinend über sich ergehen lassen. Kurz hatte ich die Sorge gehabt, dass sie abhauen könnte.

Aber ihr Entgegenkommen, zu bleiben, ließ mich ruhiger werden, während ich die Szene vor mir musterte und mich schicksalsergeben in mein Los ergab.

Was das sollte war mir noch, gelinde gesagt, sehr schleierhaft, aber ich würde es tun.

„Was für eine schwachsinnige Idee, wenn das jemand aus dem Schloss sieht!“, flüsterte Hermione zu mir und ich hob die Schultern. Ich hatte immer noch keine Ahnung, was mit dem Papier passieren sollte und so wandte ich mich ihr mit der Frage in meinen Augen auch zu. „Ah so, also durch die Hitze steigt das Papier hoch in den Himmel!“

„Ohhh, verstehe… hmmm, willst du es ihnen sagen?“, hielt ich das Corpus Delicti anklagend in die Höhe, außerdem verzog ich angewidert das Gesicht, denn ich würde garantiert nicht ins kalte Wasser des Sees steigen um etwas in die Luft schweben zu lassen. So ganz passte das Verhalten der anderen, die schon mit hoch gekrempelten Hosenbeinen im Wasser standen, nicht zu Hermiones Aussage.

„Nein, vielleicht denken Alecto und Amycus es sind Sternschnuppen und sie wünschen sich was?“, kam es in unnachahmlicher Giftigkeit von Hermione.

„Was zum Beispiel?“, fragte ich salopp und verbiss mir das höhnende Grinsen.

„Intelligenz?“

„Könnten sie wirklich gebrauchen“, murmelte ich zu ihr und ließ das Grinsen heroisch stecken, während Astoria, die bis jetzt zwischen Harry und Blaise gestanden hatte, platschend vor trat und ich noch dachte, dass Blaise so dumm nicht sein konnte.

Sie stand im schwarzen See, bis zur Wade im Wasser und hob sich mit ihrer Silhouette von der Dunkelheit des Wassers ab.

„Ich fange an…“, verkündete Astoria mit unsicherer Stimme „Chrm… chrm… Liebe Daphne, wo auch immer du bist, du sollst wissen, ich vermisse dich schrecklich… immer…“, schniefte sie, sich unterbrechend, aber sie fing sich entschlossen. „Und… und ich werde auf Lucien achten… immer…“, brach ihre Stimme endgültig und das entzündete Licht in dieser Papierlaterne zitterte verdächtig in ihren Händen.

„Und ich verspreche, ich passe auf alle deine Lieben auf“, trat Blaise vor, entließ langsam sein schwimmendes Licht ins Wasser, während er gefasst und nicht weniger ernsthaft diese Worte sprach.

Hermione hatte unrecht gehabt, sie schickten diese Papierdinger nicht in den Himmel sondern ins Wasser, also würde wohl auch ich zumindest in die sachte ans Land brandenden Wellen treten müssen und entledigte mich seufzend meiner Schuhe und Strümpfe. Es hätte mich auch gewundert wenn Blaise so dämlich gewesen wäre, weithin sichtbare Lichter in den Himmel aufsteigen zu lassen.

Die Laterne versank im Wasser, offenbar von einer Art Blasenzauber umschlossen, da sie unter der Oberfläche weiter hell erstrahlte und immer tiefer ins kühle Nass glitt. Der blasse Schimmer, der an der sich auf dem Wasser spiegelte, würde aus der Ferne für das fahle Licht des Mondes gehalten werden können, dessen Reflektion sich tausendfach auf dem wellenschlagenden See brach.

„Und ich achte immer auf Harry“, trat der junge Weasley ebenfalls vor. Potter sah unterdessen mehr als bewegt aus, während man seiner verstorbenen Frau gedachte.

Er hatte augenscheinlich schwer mit sich zu kämpfen vor Rührung. Hermione neben mir setzte entschlossen ihr Licht ab. Es wirkte, als wollte sie es rasch hinter sich bringen. Dabei stand ihr im Schein des Mondes der Widerwille ins hübsche Antlitz geschrieben.

„Es… es…“, kam es zögerlich von ihr, als würde es ihr wirklich schwerfallen, etwas zum Nichts zu sagen, wobei ich mir bei ihr und ihrer Gabe in diesem besonderen Fall nicht ganz so sicher war. Vielleicht fiel es ihr deshalb so schwer, Worte zu finden, weil sie war, was sie war.

„Es tut mir leid!“, presste sie schlussendlich rüde heraus und es war so krass nüchtern gegenüber dem Gesäusel der anderen, dass es sehr auffällig wirkte. Wobei ich glaubte, dass sie das gar nicht so hatte rüberbringen wollen, nur gelang es ihr nicht, Wärme, Trauer und Gefühl in ihre Aussage zu legen.

Aber sie haderte mit sich, ob sie mit ihrer Gabe nicht doch hätte helfen können, was Unfug war, den selbst schon Potter als solchen verurteilt hatte.

Nun breitete sich eine recht peinliche Stille aus, also entschloss ich mich, das nun auch rasch hinter mich zu bringen und die Situation zu retten. So hob nun ich mein Licht an und rückte mich in die Aufmerksamkeit aller.

„Ich verspreche, ich werde meine Versprechen dir gegenüber halten!“, sprach ich gewichtig, denn ich fühlte mich Daphne noch immer gegenüber verpflichtet, schon alleine, da ich der Pate von ihrem Kind war, aber auch aus mannigfaltig anderen Gründen.

Ich hatte mich in meinen Augen genug mit Daphnes Tod, und dem was sich für mich daraus ergab, beschäftigt und für mich damit abgeschlossen, denn ich hatte andere Aufgaben, denen ich mich widmen musste. Ich war für zu viele Leute verantwortlich, als dass ich mir langes Nachhängen in Gedanken an die viel zu früh und unter meiner Obhut gestorbene Daphne weiter leisten konnte.

Schlussendlich hatte ich versagt und sie war in meiner Anwesenheit angegriffen worden.

Die Stimmung war schwer zu beschreiben. Astoria, die leise vor sich hin schluchzte, Blaise, der sie sachte im Arm hielt und einen bitteren Zug um den Mund hatte, auch Weasley, dessen Hände das Licht zitternd hielten und dann Potter, der zu meiner Verwunderung enorm gefasst erschien.

Seit seinem Rachefeldzug an den Warringtons wirkte etwas in ihm verändert. Man könnte auch sagen, es schien etwas kaputt gegangen zu sein, denn auch wenn er sichtlich litt, war es ihm anzusehen, dass er nicht allzu viele Emotionen zulassen wollte. Vielleicht hatte er Angst, sonst zusammenzubrechen und niemals mehr aufzustehen. Dass er Astoria vorhin so bewegt in die Arme gefallen war, war wohl das Höchste, was er zulassen würde.

Schließlich ging ein Ruck durch seinen Leib und er setzte die flackernde Laterne vorsichtig ab, auf dem kalten Wasser, welches sie, wie auch schon die unseren, in sanften Wellen verschlucken würde. Sein fahles, erstaunlich erwachsenes Gesicht, das vom Leben gezeichnet aussah, wurde sachte beschienen und enthüllte unendlich leere Augen hinter den runden Brillengläsern.

„Daphne“, wisperte er ausdrucksstark. „Du… du wirst für immer in meinem und Luciens Herzen sein…“, stockte Potter gebrochen und das Kommende flüsterte er so leise, dass ich ihn nicht ganz verstehen konnte „,… i… lieb… ch“, brach er vollends ab und schloss gepeinigt seine Augen.

Neben mir schüttelte sich Hermione. Ihr schien das alles zu weit zu gehen. Sie fühlte sich unwohl und absolut fehl am Platz, während sogar ich so etwas wie Mitgefühl für ihre Schwester und ihren Mann empfand, denn sie waren die Zurückgebliebenen. Zumindest schaffte ich es besser, den weichen und nachsichtigen Mann vor dem Publikum zu geben.

Eines stand für mich fest, mein Pfand Lucien hatte ich immer noch in der Hand, dieses band Potter auch noch weiterhin an mich. In diesem Punkt war ich eiskalt kalkulierend, doch ließ ich auch den Verlust zu, den Daphne auch für mich bedeutete, zählte sie doch zu den wenigen Menschen, die ich als vertrauenswürdig eingestuft hatte.

Eine solche Person zu verlieren war nie leicht, doch ich war zu distanziert, um so trauern zu können wie Blaise, Astoria, Weasley und Potter.

Hier zeigte sich die Kluft zwischen den anderen und uns, Hermione und mir!

Stumm blickten wir den warm leuchtenden, in den Tiefen des Sees entschwindenden Laternen noch einen Augenblick hinterher und hingen unseren Gedanken einen Augenblick nach, bevor die Lichter letztlich vollends verloschen.

„Komm mit!“, schnappte ich mir Hermiones Hand und zog sie mit mir, weg von den anderen, um sie nicht zu stören, da sich Potter und Astoria wieder rührend gefühlvoll in den Armen lagen und gemeinsam trauerten, während Weasley zusammen mit Blaise wehmütig auf den See starrte. Es war ein Moment, in dem es mir vorkam, dass wir diese Andacht störten.

Und ich war froh, dass ich nach gestern Nacht und dem heutigen Unterricht doch noch die Möglichkeit hatte, Hermione zu erwischen und in meine Räume zu bringen, die sie nach ihrem Ausflug absichtlich zu meiden schien. Mir behagte ihr Verhalten ganz und gar nicht.

Schweigend folgte sie mir und weiter schweigend gingen wir ins Bett.

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BeitragThema: 488. Haben und nicht Haben   Mi Nov 19, 2014 12:34 am

488. Kapitel Haben und nicht Haben


Die Stimmung nach der Trauerfeier war eigenartig, dennoch fasste ich mir ein Herz, lehnte mich vor und ließ meine Lippen fordernd über Hermiones Kieferlinie, bis zu ihrem Ohr wandern. Als sie nicht sofort reagierte, sondern verharrte, hatte das zur Folge, dass ich mich ein Stückchen zurückzog.

„Wenn du doch nicht möchtest, dann sag es mir jetzt“, wisperte ich leise, wobei mir schmerzhaft bewusst war, dass Vater dabei war unsere gesamte Beziehung zu zerstören und erfolgreich zu sabotieren, wenn ich nicht sehr bedacht vorging.

Aber anstatt mir zu antworten, zog sie mich in einen anfangs noch sanften, doch auch unsicheren, aber immer leidenschaftlicher werdenden Kuss. Für mich war das besser als eine Antwort.

Das war besser als jede Antwort hätte sein können!
Es bedeutete, dass es ihr egal war, was Vater hier versuchte, mit brachialen Mitteln durchzusetzen.

Ohne mich von ihr zu lösen streifte ich ungeduldig meine Shorts ab und tastete zielsicher nach ihrem Slip. Ich bedauerte den kurzen Moment, als wir unsere Lippen atemlos voneinander trennen mussten, sah ihr dabei aber weiter in ihre so braunen Augen. Unbeachtet ließ ich das Stück Stoff aus meinen Fingern gleiten und fuhr langsam an der Außenseite ihres Beines, über ihre Hüften bis hinauf zu ihren Brüsten. Ich genoss es einfach, sie derart intim berühren zu können. Sie war so herrlich weich und mich ergriff eine gewisse Wehmut wegen der Trauerfeier am Schwarzen See, die mich das Leben noch intensiver fühlen ließ.

Während ich eine Brust von ihr sanft massierte, senkte ich meine Lippen zur Knospe der anderen, um auch diese zu liebkosen. Ich war diesmal sehr sanft und sehr aufmerksam zu Hermione. Ich umspielte sie mit meiner Zunge und biss zärtlich in ihren erhärteten Nippel, was sie wohlig seufzen ließ, während ich ihre Beine mit meinem Knie auseinander schob, um mich zwischen ihnen zu platzieren, sodass sie heute eher den genießenden Part einnahm. Ich hinterließ eine Spur feuchter Küsse und zarter Bisse auf dem Weg zurück zu ihrem Mund. Kurz bevor sich unsere Lippen erneut trafen, verharrte ich gespannt.

Ihre Augen waren halb geöffnet, sie lächelte leicht, aber Worte schenkten wir uns keine mehr. Was hätten wir uns auch groß sagen sollen?

Dass alles kompliziert und schwer war?

Eben, Worte waren nicht nötig!

Bittend bog sie mir ihren Körper entgegen und langsam, viel zu langsam, begann ich in sie einzudringen. Ein leises Wimmern entrang sich ihrer Kehle, bei meiner quälend langsamen Bewegungen, sie vollständig zu erobern.

Ich gestattete mir keinen Ton von mir zu geben, während sie unter mir ungeduldig wurde und versuchte, mal wieder zu drängeln. Sie legte ihre Hände auf meinem Gesäß ab und drängte mich, mich näher an sie zu pressen, aber ich ließ mich in meinem Willen, vorsichtig und zärtlich zu sein, nicht beirren. Die weiche Wärme, die mich umgab, genoss ich. Ich spürte, wie sie sich unter mir wand und wollte dieses Gefühl nie mehr missen. Die Melancholie ließ sich einfach nicht abschütteln und so lag sie auch in meinem bedachten Gebaren.

Ich vernahm nun ihre leisen, flehentlichen Seufzer, die viel lauter und vor allem schneller nach mehr verlangten, als es eine Bitte darum je gekonnt hätte.

Stöhnend vergrub ich meinen Kopf in ihrer Halsbeuge und atmete fast schon süchtig ihren Duft ein. Als ich sie endlich komplett ausfüllte, verharrte ich einen genießenden Moment, fast schon gequält zwischen Anspannung und Lust, während ich meinen Arm besitzergreifend um ihre Taille schlang.

Plötzlich drehte ich mich ruckartig herum und riss sie mit mir.

„Uffff“, entfuhr es ihr überrascht, bevor sie aber fast sofort erstaunlich gelöst auflachte. Dabei strich sie sich die wirren, lockigen Haare aus dem Gesicht und blickte mit einem lustverhangenen Ausdruck auf mich hinunter. Dieser so aufrichtige und ehrliche Ton ließ mich ebenfalls lächeln. Er hatte etwas Unbeschwertes, das einfach gut tat, es gerade eben zu vernehmen.

Ganz entgegen ihrer sonstigen Art fuhr sie nun federleicht mit ihren Fingern über mein Gesicht, als müsste sie es sich einprägen, glitt hinab zu meinem Hals, um dann mit den Fingerspitzen sanft über meine Brust zu streichen. Einige meiner Narben konnte sie ertasten, andere waren nur noch als blasse Striche auf meinem Körper auszumachen. Beides teilten wir, nämlich dass das Schicksal grob und wenig freundlich mit uns umging. Als sie meine Arme entlangfuhr und an meinem Dark Mark ankam, berührte sie es fast schon zärtlich, während es sich wulstig und stark von meiner so blassen Haut abhob.

Auf einmal traf sich wieder unser Blick und selbst sie konnte nicht verbergen, dass sich viel in ihr abspielte, während ich weiterhin tief in ihr vergraben war und sie auf mir saß.

„Stört es dich?“, fragte ich mit belegter Stimme, und damit implizierte ich so viel mehr als meine Frage wirklich ausdrückte.

„Nein“, schüttelte sie ihr lockiges Haupt und wir beide wussten, dass ich nicht nach den Narben, oder meinem Zeichen gefragt hatte, denn dies waren alles Dinge, die auch ihren Leib zierten, sondern dass ich eher auf den verfluchten Ring an ihrem Finger anspielte.

Sie nahm meine Hand und führte diese langsam ihren Körper hinauf. Zwischen Hüftknochen und Rippen zu ihrem Bauch hin hielt sie an und legte meine Finger auf den Streifen gezeichneter Haut, der sie schon jetzt zu einem Teil meiner Familie machte und den ich zu verantworten hatte. Ich schluckte schwer wegen dieser bedeutungsschweren Geste.

„Stört es dich?“, entgegnete sie nun eindringlich und dabei blitzte der grünlich schimmernde Smaragd wie ein Mahnmal im Licht auf.

Störte es mich, dass sie die Verlobte meines Vaters war?

Verdammt, natürlich tat es das! Aber es war nicht zu ändern und so seufzte ich leise, schenkte ihr ein nachsichtiges Lächeln und schüttelte leicht das blonde Haupt.

Einen Finger ließ ich noch einmal vorsichtig über ihre Zeichnung gleiten, daraufhin glitt dann meine Hand zärtlich auf ihre Hüfte, um sie fester zu fassen und auf mir zurecht zu rücken.

Große Akzeptanz war zwischen uns spürbar, denn wir beide wussten, dass unsere Situation verfahren und fast aussichtslos war, aber darüber würde ich ganz sicher nicht jetzt nachdenken.

Genießend schloss ich die Augen, als sie sich auf mir zu bewegen begann. Das Bild, das ich sah, als ich sie wieder öffnete, berauschte mich. Hermione, die auf mir saß wie eine Amazone, ihre Hände auf meiner Brust abgestützt, den Kopf leidenschaftlich in den Nacken gelegt, gab sie sich mir und ihrer Lust vollständig hin.

Ich knurrte leise, als sie ihr Tempo steigerte und ihre Hüfte immer drängender gegen meine bewegte, nur um dann schließlich wieder langsamer zu werden und aufzuhören. Sie sah wundervoll aus. Röte überzog nun ihre Wangen. Während sie sich über die Lippen leckte, gab sie einen anregenden Anblick, wie sie sich ihrer Lust derart hemmungslos hingab. Immer wieder hielt sie kurz inne, beobachtete mich atemlos und meine sehnsüchtigen Reaktionen, nur um mich dann erneut kunstvoll zu reizen.

Eine süße und viel zu effektive Folter!

Schließlich konnte ich mich nicht mehr beherrschen, griff grob nach ihren Hüften und hielt sie entschlossen fest. Sie verstand was ich meinte. Ich erkannte es an ihren Augen, aber sie gönnte mir keine Pause. Mit einem anzüglichen Grinsen beugte sie sich lasziv vor und stützte sich mit den Ellenbogen neben meinem Kopf ab. Erneut steigerte sie ihre Geschwindigkeit und genoss meine hilflose Lust.

„Du Hexe“, keuchte ich mühsam beherrscht.

„Und ich dachte, ich bin das Biest“, stieß sie abgehackt lachend aus, woraufhin ich meine Finger in ihre Hüften krallte und mich endlich vollkommen diesem wunderbaren Gefühl, dass sie mein war und zu mir gehörte, ergab.

Unkontrolliert stieß ich von unten in sie hinein, bis ich von meinem Orgasmus überrollt wurde.

Schwer atmend sank ich in die Kissen. Als ich meine Augen wieder öffnete, sah sie mich mit einem sanften Lächeln gelöst an und legte sich langsam auf mir nieder.

Dracos Sicht Ende

Lucius Sicht

„Was hast du dir dabei gedacht? Der Klatsch und Tratsch erblüht im Lehrerzimmer!“, wurde ich wenig angebracht rüde angefahren und blickte blasiert von dem Brief auf, den ich gerade gelesen hatte.

„Wenn sich der Pöbel nicht erregen kann, ist er nicht froh“, verkündete ich daher exaltiert.

Wenngleich ich es nicht zeigte, dachte ich trotzdem in Wirklichkeit selbst: Was hatte ich getan? Was hatte ich mir dabei gedacht?

Zum ersten Mal in meinem bisher so strukturierten Leben haderte ich wirklich mit mir und meiner Entscheidung. Natürlich war es nicht geplant gewesen, dass es so ablief, wie es das nun getan hatte.

Wobei, nein, das stimmte nicht, ich sollte ehrlich zu mir sein. Sicher, irgendwie war es schon von mir geplant gewesen, sie dorthin zu treiben, wo sie nun war, an meiner Seite, aber jetzt noch nicht, nicht unter diesen Umständen.

„Du hast sie ganz schön enttarnt“, mahnte Severus mit einer schier unerträglichen Überheblichkeit und ich ballte meine Hände zu Fäusten, wobei das Pergament unter mir raschelte.

Sonst ging ich mit mehr Raffinesse an die delikaten Dinge heran, aber als mich die Information erreicht hatte, dass das Ministerium angeblich aus sicherer Quelle erfahren hatte, dass Hermione eine von uns, eine DeathEaterin, war und der Minister sie höchst persönlich aus Hogwarts abholen wollte, um sie zu verhaften und nach Askaban zu bringen, hatte ich keine Sekunde gezögert zu handeln. Wie ich jetzt wusste, war ich ja gerade noch rechtzeitig gekommen, um mich ihr gegenüber um Kopf und Kragen zu bringen.

Ich schnaubte verächtlich auf. Ich war rechtzeitig eingetroffen, nicht um mir ihren Dank zu sichern, sondern um zu erfahren, dass meine Hilfe unerwünscht und auch gar noch unnötig gewesen war.

Undank war der Welten Lohn!

Wie hätte ich auch ahnen sollen, dass, wenn ich ihr die Möglichkeit zum eigenen Handeln nahm, ich sie verärgern würde, aber ich hatte keinen Augenblick die Gefahr eingehen können, dass sie, eine Malfoy, nach Askaban kam. Das wollte und würde ich nicht zulassen. Was war daran so schwer zu verstehen? Ich konnte ihre verbohrte Haltung nicht nachvollziehen. Dass sie es nicht schätzte, wenn man sie überging, wusste ich, aber hier war es um ihre Sicherheit gegangen und sie musste doch verstehen, dass ich da hatte handeln müssen.

Gut, sie hatte den Minister in der Tasche gehabt, aber konnte ich Hellsehen? Oder Wahrsagen? Dies war ein Fach, dessen ich mich ganz rasch entledigt hatte. Nichts zu unternehmen wäre mir niemals in den Sinn gekommen.

„Es ist keine Schande, zu unserer Familie zu gehören“, murrte ich gedankenverloren auf Severus‘ Vorwurf, sie enttarnt zu haben.

Dabei erinnerte ich mich daran zurück, wie ich erschreckend schnell gehandelt und gewusst hatte, was zu tun war. Wie ich geistesgegenwärtig den Ring eingesteckt hatte. Natürlich, eigentlich hätte sie etwas Neues, etwas Besondereres als dieses alte Erbstück verdient, aber er war der einzig passende Ring, um alles verbindlich zu gestalten und der Einzige, der mir so schnell eingefallen war.

Einen Richtigen, einen Neuen, konnte ich immer noch für sie kaufen!

Meine Priorität war ihre Rettung gewesen!

Und nun, so oder so, sie war erst mal gerettet, auch gegen ihren Willen. Und dass sie sicher war, war das Wichtigste für mich.

Zwar zweifelte ich, aber ich war immer noch sehr hoffnungsvoll, dass auch ihre Wut noch vergehen würde. Obwohl mir bewusst war, dass ihre Drohung mit dem Eheschwur ernst gemeint war. Dass sie diesen Eid eben nie ablegen würde, niemandem gegenüber, aber ebenso war es von mir ernst gemeint, dass ich so was von ihr gar nicht hören wollte.

Ich versuchte, mein eventuell voreiliges Handeln vor mir unter dem Blickwinkel zu rechtfertigen, dass wir alle dieses Spiel im Wissen begonnen hatten, dass wir Opfer bringen mussten. Aber um ehrlich zu sein, dies war kein Opfer, zumindest nicht für mich.

Ich hatte die Möglichkeit, die sich mir bot, wie gewohnt beim Schopfe gegriffen. Denn egal wie sehr sie auf mein Werben in den Ferien eingegangen war, sie würde, stur und verbohrt wie sie war, bei Draco bleiben. Sie würde sich nicht freiwillig von ihm lossagen.

Ich wusste nicht, was sie bei ihm hielt. Wirklich nicht!

Wir waren uns sowohl intellektuell als auch körperlich näher gekommen, waren Vertraute, aber sie ging nie den letzten Schritt, ermutigte mich von sich aus nie dazu und ich hielt mich mit der größten Willensanstrengung zurück, wohl wissend, es würde nichts bringen, etwas zu erzwingen, doch sie strapazierte meine Geduld sehr.

Ich bemerkte, dass ich nicht mehr lange würde durchhalten können, weshalb ich mich mit Wonne auf diese Möglichkeit gestürzt hatte.

War es mir zu verdenken? Denn die Frage, wie sehr sie Draco zugeneigt war, konnte sie mir nicht beantworten und weiter wollte sie darüber auch nicht reden. Vielleicht wusste sie selber nicht, was sie schlussendlich bei ihm hielt. Langsam war ich es schlicht Leid zu warten.

Schließlich riss mich Severus‘ Räuspern aus meinen wirren Gedankengängen.

„Chrmmm. Es ist keine Schande, das sagt keiner, die Familie ist hochangesehen, zumindest offiziell! Aber du kannst nicht alle Leute für dumm verkaufen, Lucius! Hermione ist jung, muggelstämmig, Potters Freundin und du bist…“, zählte er gerade munter auf und ich hob die Hand, um ihn aufzuhalten.

„Und was? Ich bin zu alt für sie?“, fragte ich daher pikiert und beendete dann doch leicht beleidigt seine Aussage, was ihn mit einem belustigten Funkeln in den so schwarzen Augen zu mir sehen ließ. Dies wiederum weckte in mir den Wunsch, ein Glas nach ihm zu schmeißen „Was? Weil ich was? Sechs Jahre älter bin als du? Oder willst du mir sagen, dass du genau das richtige Alter für sie hast und ich nicht?“, fragte ich trügerisch sanft weiter und griff nach meinem Drink.

„Reagiere nicht derart ungehalten, Lucius, das habe ich nicht gesagt, das behaupte ich nicht mal!“, wehrte mein alter Freund eilig ab, da er meine brandgefährliche Gemütsverfassung sehr wohl, sehr richtig einschätzte. „Nun, ich sage dir nur, was die Leute sehen wollen und sehen werden!“, gab er süffisant zu bedenken, was wir für ein Bild abgeben würden. Darauf schenkte ich ihm ein schmales Lächeln und schwenkte das Cognacglas, das kurz zuvor fast an seinen Kopf geflogen wäre, was er selbst zu gut wusste.

„Mich wundert, dass keine Details an die Öffentlichkeit gedrungen sind“, überging ich seine Anspielung und kam auf das Wesentliche zu sprechen. „Dürfte ich erfahren, wie dies bei all dem Publikum, das wir hatten, möglich ist?“

„Die Kinder, die Schüler“, setzte Severus hinterher und grinste ein schmallippiges Lächeln.

„Wie meinen?“, fragte ich somit akzentuiert, denn dies wäre eine beachtliche Leistung.

„Dein Sohn, Potter und Co., die ganze Bagage, die halten zusammen wie Pech und Schwefel, die haben wirklich alle Schüler verflucht und ich“, legte er eine gewichtige Pause ein, „ich habe sie nicht davon abgehalten“, schnarrte er ölig, wie nur er es konnte.

„Das ist aber nicht nett, Severus“, lachte ich leise auf und stellte mir vor, was nach allem in Hogwarts vorgefallen sein musste, was für ein Chaos.

Dass mein Sohn und Potter mehr miteinander zu schaffen hatten als sie allgemein vorgaben war mittlerweile nichts Neues mehr für mich, auch wenn ich immer noch nicht ganz den Durchblick hatte, wie weit diese Zusammenarbeit und ihr Auskommen miteinander reichte.

„Verklage mich und um die Lehrer habe ich mich gekümmert, also ist Hogwarts ein schweigendes Grab“, setzte er mich in Kenntnis und ich neigte sachte mein Haupt.

„Dann ist es gut, dass ich die Heiratsannonce so knapp gehalten habe“, erklärte ich nur flüsternd, was ihn veranlasste, laut aufzulachen.

„Sie ist wütend. Sie ist so wütend wie ich sie noch nie erlebt habe“, verkündete Severus genüsslich und ich knirschte mit den Zähnen. „Ja, glaub es oder nicht, sie hatte sich sogar so wenig unter Kontrolle, dass sie es geschafft hat, sich zusammen mit Potter Nachsitzen bei McGonagall einzuhandeln, weil sie nicht aufhören konnten, Unruhe zu stiften!“, spottete er hämisch. Mich ließen seine Worte aufhorchen, denn das hörte sich so gar nicht nach meinem Biest, das stets kontrolliert war, an.

„Weshalb?“, tat ich ihm also den Gefallen und fragte brav nach, was ihn zu befriedigen schien.

Dabei traf mich ein Blick, der aussagte, ob ich mir das nicht denken könnte, aber momentan wollte ich nicht spekulieren, ich wollte es schlicht erfahren.

„Sie haben sich über ihre Mitgift gestritten“, kommentierte Severus für meinen exzellenten Geschmack viel zu zufrieden.

„Ich habe dem Jungen gesagt, dass er sich nicht einmischen soll! Was bildet sich dieser, dieser Jungspund überhaupt ein, mir Geld zu bieten?“, regte ich mich auf. Als ob ich das nötig hätte. Es war eine unglaubliche Frechheit von ihm und ich hätte ewig weiter schimpfen können, doch ich verbot es mir wegen Severus gefletschter Zähne und versuchte, ihn stoisch anzusehen.

„Potter… das ist Potter“, zuckte Severus betont neutral mit den schwarzverpackten Schultern und probierte zu sehr unbeeindruckt zu erscheinen.

„Deine Nemesis“, spöttelte ich gehässig, woraufhin sein Gesicht zu einer unleserlichen Maske wurde.

„Nicht nur, da reihst du dich gekonnt mit ein“, giftete Severus gehässig in seiner Düsternis, während er seinen Sarkasmus über mir ausschüttete, indem er mich auf eine Stufe mit Potter stellte. „Er wird sich nicht aufhalten lassen. Er will ein ehrbares Mädchen aus ihr machen“, schüttelte er fast betrübt sein Haupt, als wäre es ein Ding der Unmöglichkeit, dem Biest so etwas einzuhauchen.

„Das ist absolut…“, wollte ich empört aufbrausen, aber er unterbrach mich entschieden.

„Nötig! Da du wirst lernen müssen, dich nicht zwischen die beiden zu drängen“, ließen mich seine harschen Worte verstummen und ich war versucht, ihn sprachlos anzustarren, bis ich endlich -wieder die rechten Worte trotz seiner Dreistigkeit fand.

„Willst du mir nun Vorschriften machen?“, fragte ich daher seidig nach und das Eis in meinem Glas klirrte laut, als ich es schwungvoll auf den Tisch stellte.

„Würde ich nie wagen, Lucius. Aber ich möchte dich nur an meinen hart erworbenen Weisheiten teilhaben lassen, denn du wirst es die kommende Zeit über schwer genug mit ihr haben!“, überraschte mich sein Entgegenkommen nun doch, da sich plötzlich seine gesamte Haltung verändert zu haben schien.

Ich ließ erst mal eine kunstvolle Stille um uns herum entstehen und versuchte, diese Information zu verarbeiten. Verstand ich das gerade recht? Verteidigte Severus Potter vor mir?

Dies war ein Fakt, der mich umgehend sehr misstrauisch werden ließ.

„Um Hermione schart sich gar viel, mein Sohn, Potter und du?“, fragte ich daher zweifelnd und zog meine Frage sehr in die Länge.

„Soll das eine Drohung sein?“, entgegnete Severus trügerisch sanft und sehr vorsichtig.

„Nein“, hauchte ich leise in meiner Aufrichtigkeit und nippte nachdenklich an meinem Drink.

Severus tat nie etwas ohne Grund, dies war ein Umstand, den man sich stets vor Augen halten musste. Diese Aussage, oder besser dieser Rat von ihm, sich nicht zwischen Potter und sie zu stellen, war hart erlerntes und erworbenes Wissen. Ich wusste, wie sehr Severus Potter mochte, daher war es keine leichtfertig von ihm geäußerte Meinung, sondern ein fundierter Fakt.

Doch trotz allem konnte ich Severus was das Biest betraf nur bedingt vertrauen, denn auch er war auf die eine oder andere Weise ein Konkurrent.

Ich hatte mal wieder mit sehr unfairen Mitteln gekämpft und in gewisser Weise gegen meine Kontrahenten gewonnen, doch ob ich wirklich gewonnen hatte würde sich erst noch zeigen müssen.

Sicher war, sie würde irgendwann in absehbarer Zeit meine Frau werden.

Die Anzeige war im Propheten geschaltet, ganz Hogwarts und der Minister wussten nun sowieso schon von ihrer Position in der Familie. Es gab kein Zurück mehr, weder für mich noch für sie. Doch würde sie mich jemals wirklich als ihren Mann anerkennen?

Wie sollte ich ihr Draco austreiben?

Ich wollte sie und ich würde sie mir nicht entgehen lassen.

Gedankenverloren musterte ich den mürrischen Mann vor mir, der mein Schweigen recht lakonisch hinnahm.

Was war sein Begehr? Was war seine Intention ihr gegenüber?

Severus‘ Interessen lagen ganz anders als die Meinigen, das war eine gegebene Tatsache. Er war nie auf eine feste Beziehung mit allem Drum und Dran aus gewesen, dafür genoss er sein Einsiedlerdasein viel zu sehr.

Aber galt das ihr gegenüber auch noch?

Ich legte mein Haupt schief und musterte ihn. Dies brachte mir von ihm ein recht sarkastisches Lächeln ein und ließ mich schnauben. Es amüsierte ihn zutiefst, dass ich gerade nicht wusste, wie ich ihn einschätzen sollte.

„Willst du fragen?“, flüsterte er plötzlich, was wiederum mir ein raues Lachen entlockte.

Wo dachte er hin? Dass ich mir diese Blöße vor ihm geben würde? Nicht im Traum!

Und so prostete ich ihm zu, was er erwiderte, während ich an meinen Sohn dachte.

Was war mit Draco?

Nun, gleich was er für heroische Pläne hatte oder gehabt hatte, ich hatte sie nun endgültig durchkreuzt, was mich zufrieden seufzen ließ, denn von meinem Sohn wollte ich mich ungerne Übervorteilen lassen.

Auch wenn noch nicht alles zu meiner Zufriedenheit verlief und es sicher noch lange dauern würde, bis sie mich wieder so ansehen würde wie in den letzten Tagen der Ferien, so war ich mir doch sicher, ich würde es wieder schaffen, sie irgendwann von mir zu überzeugen.

Wenn ich darüber nachdachte, war mir dies ja schon einmal mehr oder weniger gelungen. Denn davor hatte ich sie damals mit meiner Grausamkeit abgeschreckt, sie effektiv von mir weggestoßen und doch hatte ich sie wieder für mich gewinnen können.

Im Grunde waren wir uns einfach zu ähnlich. Ihr scharfer Intellekt, ihre eiskalte Rücksichtslosigkeit und ihre herzlose Grausamkeit zogen mich unheimlich an, ganz zu schweigen von ihrem wunderschönen, begehrenswerten Körper und ihrer beeindruckenden Stärke im Kampf.

Sie passte in unsere Familie wie keine andere. Sie passte zu mir, wie nie eine zuvor! Sie war für mich geschaffen worden und für sonst niemanden!

Plötzlich öffnete sich die Tür und offenbarte zu meiner Verwundung einen unerwarteten Gast, der meine Gedanken bisher beherrscht hatte.

„Haben Sie nicht in der Schule zu sein, Miss Granger?“, schnarrte Severus ebenfalls überrascht in seiner besten Manier los und sie hob abwägend eine Braue, während ihr kühler Blick über uns hinweg huschte und sie sich ihren Teil über unser beschauliches Têt-à-Têt zu denken schien. Wobei ich nicht umhinkam zu bemerken, wie kindisch sie in ihrer Schulverkleidung aussah. Es mutete absolut lächerlich an.

„Schulleiter, haben Sie nicht auch einen wichtigen Platz verlassen? Und zwar den hinter Ihrem Schreibtisch?“, fragte sie schnippisch und zeigte sich gewohnt souverän.

„Wollen Sie frech werden?“, ging er ungewohnt locker auf das Spiel ein, dabei zuckte einer seiner Mundwinkel verräterisch.

„Wollen Sie mich über Ihr Knie legen?“, provozierte sie verrucht und mein kalkulierender Blick huschte zwischen den beiden hin und her.

„Wollen Sie das?“, gab er geflissentlich zurück und wenn mich nicht alles täuschte, unterdrückte sie einen Schauer.

Noch war ich mir nicht ganz sicher, ob es mir gefiel, dass sie mich vergessen konnten, während ich sehr wohl, sehr präsent anwesend war.

„Was machst du hier?“, mischte ich mich daher gebieterisch ein und unterbrach dieses in meinen Augen unerträgliche und mehr als ungewöhnliche Geflirte.

„Genau, was will ich hier? Was für eine Frage?“, nahm sie ihre Unterlippe zwischen ihre Zähne und tippte sich mit ihrer Fingerspitze auf die vorstehende Oberlippe. „Mhm… kannst du dir das nicht denken, Lucius?“

„Nein.“

„Wirklich nicht? Ohhhh, wie schade“, äffte sie wie ein kleines Mädchen und stemmte nun ihre Hand in die Hüften. „Ich wollte nur eines klarstellen, du willst mich, dann sollst du mich auch bekommen!“, klirrte sie derart eisig, dass ich unangenehm berührt zu ihr blickte.

Währenddessen hielt sich Severus geschickt wie eh und je raus und avancierte zum stummen Beobachter. Ich ließ ihre Kampfansage erst mal abwartend verklingen.

„Ich sollte sie also bekommen.“ Das klang wahrlich nicht gut, in ihrem doppeldeutigen Ton.

Sie wusste es noch nicht, aber ich würde sie überraschen. Ich konnte sie als wütendes und rachsüchtiges Biest nicht gebrauchen und ich wusste, wie ich sie verunsichern und verwirren konnte. Es wäre zu diesem Zeitpunkt fatal, eine Furie um mich zu haben, die immer wieder Ärger in die Familie brachte.

Ich würde ihr zeigen, dass ich sie verstand, dass ich Verständnis für sie hatte. Beinah wäre mir ein listiges Grinsen entwischt, aber so hob ich ihr mein aristokratisches Haupt entgegen und offenbarte die gewohnt gut sitzende Maske.

Lucius Sicht Ende

Hermiones Sicht

Sein sturmgrauer, aber unbewegter Blick war einmalig.

Er wusste mit meiner Aussage, dass er „mich auch bekommen sollte“ rein gar nichts anzufangen, wenngleich er versuchte, diese Tatsache souverän zu überspielen.

Aber er kannte mich gut genug um misstrauisch zu sein, so wie er mich abwägend musterte.

„Willst du mir drohen?“, fragte er auch schon seidig und mich überlief ein Schaudern.

Als Severus plötzlich einen leicht glucksenden Ton, den man von ihm so nicht gewohnt war, verursachte, brachte ihm dies unsere Aufmerksamkeit ein.

„Köstlich“, entschlüpfte es seinen dünnen Lippen, während er bemerkte, wie wir ihn anstarrten. „Entschuldigt, das scheint ein Running-Gag zu werden“, verkündete Severus lapidar, doch ich verstand nicht wirklich was er meinte, während er sich geschmeidig erhob. „Aber wie auch immer, ich überlasse dem glücklichen Paar das Parkett, die Schule ruft“, wandte er sich ab, stoppte aber noch mal, dabei drehte er sich wieder zu uns um. „Oh und Miss Granger, erscheinen Sie nicht zu spät… oh… und Lucius, sorge doch bitte dafür, dass ihr euch nicht erfolgreich umbringt“, gab er noch süffisant von sich, dann entschwand er unnachahmlich mit sich aufbauschenden schwarzen Roben, während sein bitterböser Spott noch in mir nachhallte.

„Das glaub ich jetzt nicht, was für eine Arroganz“, war ich anscheinend nicht die Einzige, die mit Severus‘ Laune zu kämpfen hatte und es absolut nicht mochte, dass er sich auf meine Kosten amüsierte.

„Keine Sorge, Lucius, mit dir kann er noch lange nicht mithalten“, entgegnete ich trocken und fand rasch zu meiner sonstigen Form zurück.

„Was… was willst du wirklich, Hermione?“, klang er irgendwie müder als sonst und ich hielt kurz inne.

Warum war ich hier?

Gute Frage. Nach meiner Nacht mit Draco und einem langen Tag in Hogwarts hatte ich hierher zu ihm gemusst, um Dinge klarzustellen. Zuerst hatte ich die Sorge gehabt, ihn umzubringen, ihn anzugreifen oder mich mit ihm zu prügeln, aber jetzt, als ich vor ihm stand, verschwanden all diese Aggressionen und zurück blieb nichts als eine große, unendlich weite Leere in mir, die mir Angst machte.

Irgendwie schien das ihn als auch mich alles mehr mitzunehmen als wir uns eingestehen wollten.

„Ich bin nur hier um dir zu sagen, dass ich es verstehe. Ich verstehe, warum du es getan hast“, stieß ich somit trostlos aus und war versucht, mich zu setzen, da ich mich wie erschlagen fühlte, aber doch unterließ ich es. Er würde es missverstehen, als Kapitulation vor ihm.

„Gut, du wirst erwachsen“, meinte er mal wieder unerträglich generös in seiner hoheitsvollen Haltung und versuchte sich an einem sachten Lächeln, das ich ihm am liebsten aus seinem aristokratischen Antlitz geprügelt hätte.

„Jaaaa!“, erwiderte ich langgezogen, dabei entging mir das zufriedene Aufblitzen in seinen grauen Augen natürlich nicht. „Aber das heißt nicht, dass ich dir vergeben kann“, verkündete ich wehmütig, aber entschieden.

Ich denke, mein Auftreten, das jetzt fern von Wut war, machte mehr Eindruck auf ihn als jede Hitzigkeit und so seufzte er tief, dabei schüttelte er aufrichtig betrübt sein Haupt.

„Das war´s dann wohl mit meiner Hoffnung“, flüsterte er sehr leise und mit einer gewissen Schwermut.

„Lucius, mach dir doch nichts vor“, versuchte ich es erneut. Vielleicht könnten wir das doch noch im Guten gemeinsam lösen. „Würde man dich gegen deinen Willen zu etwas zwingen, würde man sich auf ewig deinen unheiligen Zorn zuziehen“, kam es überzeugt von mir und kurz blitzte es gefährlich in seinen Augen auf.

So sprachen wir ganz zivilisiert miteinander, dabei lag eine große Melancholie über uns.

Dieser Trübsinn ließ sich nicht vertreiben, während er wegen meiner Worte leidlich die Miene verzog, da er nichts anderes entgegnen konnte, was keine Lüge gewesen wäre, das wussten wir beide!

Ich starrte auf sein wie gemeißelt wirkendes Antlitz, das er leicht abgewandt von mir hielt. Ich fragte mich fast schon verzweifelt, wie ich ihn erreichen konnte. Was musste ich tun um diesen Mann tief in seinem Inneren zu berühren? Was musste ich tun um eine Reaktion von ihm zu bekommen?

Zuerst war mein Ziel gewesen, ihm offen den Krieg zu erklären. Ich hatte mir vorgenommen, ihm sein Leben zur Hölle zu machen, aber dann war mir klargeworden, diesmal musste ich schlau vorgehen. Mit Zeter und Mordio würde ich bei ihm nicht weit kommen, das kannte er schon von Narcissa. Außerdem hatte diese Taktik schon nach unserem letzten Zerwürfnis nur ins Desaster geführt, welches dann in den viel zu vertrauten Ferientagen mit Lucius geendet und mich letztendlich auch in diese missliche Position gebracht hatte.

„Hermione, ich werde dies nur einmal zu dir sagen: Ich lasse niemanden aus meiner Familie nach Askaban gehen!“, begann er ernsthaft und ich starrte ihn nur noch sprachlos aufgrund seiner Ernsthaftigkeit an. „Du hast mich vor Askaban bewahrt, da war es das Mindeste, dass ich das auch für dich getan habe. Ich habe dir gesagt, ich schütze dich und passe darauf auf, dass du nicht in Gefahr gerätst, vertrau mir doch endlich“, kam es zum Schluss sehr unwirsch von ihm und seine Hand klatschte auf den Tisch vor ihm und ließ diesen erzittern.

„Du hättest mir nicht helfen müssen“, schoss es aus mir heraus.

„Das ist kindisch, woher hätte ich das wissen sollen?“, warf er mir eilig vor und bestätigte mir damit, dass Severus ihn schon wieder vor mir informiert hatte. „Wir alle haben mit den Folgen dessen was wir tun zu leben“, sprach er zu meinem Leidwesen eine mehr als schon eingetretene Wahrheit aus, bevor er sich überraschend erhob und mir nun Auge in Auge gegenüberstand.

„Hermione, du hast mich von Narcissa befreit, ob du es glaubst, oder nicht! Auch wenn ich es nie selbst getan hätte, mir wurde eine Last von den Schultern genommen. Ich fühle mich frei wie nie!“, gestand er und mir rissen seine in meinen Augen ersten ehrlichen und offenen Worte mir gegenüber den Boden unter den Füßen weg. Ich wich etwas vor seiner Körperlichkeit zurück.

„Was?“, fragte er erstaunt über mein Ausweichen. „Wie soll ich es sagen, aber damit fing das alles an. Wir spielen alle nach außen hin ein Spiel und das weißt du besser als jeder von uns, Hermione, wir alle tragen Masken“, drehte er sich ruckartig von mir weg und trat mit verschränkten Armen im Rücken ans Fenster und blickte in die Dunkelheit hinaus.

„Masken?“, fragte ich perplex und wusste nicht, worauf er hinaus wollte, woraufhin er abfällig schnaubte.

„Die Masken, die uns schützen. Das weißt du doch selbst, oder?“, fragte er ungehalten nach. „Ich weiß, das erklärt es nicht im Ansatz, aber was dann tatsächlich hier bei uns passiert weiß doch niemand und geht niemanden etwas an“, gab er zu. „Masken! Überall, stets, immerdar und zu jeder Zeit!“

„Ahhhh“, entwich mir ein Schauder bei seinen leider so wahren Aussagen.

„Ich wollte dich schützen, wie es meine Pflicht als Oberhaupt ist, das hätte ich auch für Draco getan“, verkündete er hochtrabend und nun lag mir ein Schnauben auf den Lippen. Als ob er seinen Sohn heiraten könnte, wobei das nicht stimmte, er meinte das im weitesten Sinne des Begriffs wirklich ernst. Er hätte alles getan, um Draco vor Askaban zu retten.

„Was auch immer du mir vorwerfen willst, mein Eingreifen war auch gelungen. Du bist hier und nicht in Askaban oder sonst wo“, fabulierte er weiter und ich biss mir auf die Zunge. „Aber glaubst du wirklich, ich will dich in einer Ehe einsperren, die du nicht willst?“, ruckte mein Haupt hoch und ich starrte auf seinen großen und breiten Rücken. Was wollte er sagen?

Bot er mir nun hier einen Ausweg? Tat es ihm doch leid? Hoffnung vermischte sich in meine bisherige Trostlosigkeit und mein Herz begann zu flattern, sodass ich ihn nicht zu unterbrechen wagte.

„Meinst du, ich bin so dumm, zu denken, nur weil ich dir einen Ring an den Finger stecke würde das etwas zwischen uns ändern? Ich sehe sehr gut, wie Draco und du miteinander umgeht, wie ihr euch anseht, da wird auch diese Ehe nichts dran ändern!“ stieß er erbittert hervor, während er weiter stur in den Park hinaussah. Mir wurde schwer ums Herz, als ich erkannte, dass mich dieser Mann niemals freiwillig aus dem Gefängnis, das er für mich entworfen hatte, entlassen würde.

Nur über seine Leiche!

„Ich verstehe deine Wut“, begann er erneut, worauf ich einen Schrei ausstieß, der ihn abrupt verstummen und zu mir herumfahren ließ.

„ARRRRRR“, sah er mich nun abwartend an. „Du… du… du verstehst mich? Ist das hier nicht auch wieder nur Taktik für dich? Du hast das Spiel doch nun für dich entschieden“, klagte ich ihn mit großem Trübsinn an.

„Mein Angebot“, überrumpelte er mich mit diesem Themenwechsel und so schnappte ich nur nach Atem. „Du machst dein letztes Schuljahr in Ruhe zu Ende, du tust und lässt was du willst! Ich halte mich da ganz raus und dränge mich auch nicht als dein Verlobter auf. Die öffentlichen Auftritte, die du in diesem Jahr mit mir wahrnehmen musst, sind an einer Hand abzählbar und ich gestehe dir zu, zu tun was immer dir beliebt, solange es der Familie nicht schadet. Genieß diese Zeit, diese lange Verlobungszeit von einem Jahr, aber dann wirst du ins Manor zurückkehren und meine Frau werden!“, glitzerten seine Augen wie Eiskristalle im tiefsten Winter und mir zog eine Gänsehaut auf.

„Das ist nicht dein Ernst“, hauchte ich getroffen, während er unbeeindruckt fortfuhr.

„Du musst dir nur auch bewusst werden, Draco hat ebenfalls eine Aufgabe zu erfüllen, er wird irgendwann heiraten müssen und einen Erben zeugen. Du wirst nicht ewig seine Geliebte sein können.“ So starrte ich ihn nun mit offenem Mund an. „Ja, ich werde nicht dulden können, dass du zwischen ihm und seiner zukünftigen Frau stehst, dass du das Fortbestehen der Familie derart gefährdest ist inakzeptabel. Wenn er seine Aufgabe erfüllt hat, soll er tun was er will, aber zuvor geht das nicht.“

„Lucius“, versuchte ich erneut an seine Menschlichkeit zu appellieren. Das konnte nicht sein Ernst sein, dass er uns zu Gefangenen verdammte.

„Noch mal, wir haben die Konsequenzen unseres Handelns alle zu tragen, Hermione. Du weißt, ich habe es nicht nötig, eine Frau in eine Ehe zu zwingen und mir liegt es fern, dich dazu zu nötigen, aber dieses Spiel müssen wir jetzt durchziehen, zu unser aller Sicherheit“, fasste er entschlossen nach und alles an ihm signalisierte, dass er seinen Willen durchsetzen würde.

„Du wirst es noch bereuen, früher oder später“, murmelte ich noch nicht mal gehässig, noch nicht mal böse, nur resignierend, als ich mich mit dem Gefühl der Ödnis im Herzen abwandte um nach Hogwarts zurückzukehren.

Hermiones Sicht Ende

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